232  Hochschulen  der  deutschen  Militärverwaltungen.

II.  Die  Kgl.  Preußische  Artillerie-  und  Ingenieurschule.*)

Die  Anstalt  trat  im  Jahre  1816  ins  I.eben;  zuerst  provisorisch
in  den  Räumen  des  alten  Gießhauses  untergebracht,  erhielt  sie  1823
ein  cigenes  Gebäude  in  dem  jetzt  der  Kricgsakademie  dienenden  Hausc
Unter  den  Linden  No.  74,  das  nach  Schinkels  Plänen  gebaut  ist;  da
die  Schüler  größtenteils  im  Hause  wohnten,  hatte  die  Anstalt  den
Charakter  eines  Alumnats;  dem  zweijährigen  Kursus  der  Anstalt  selbst
folgte  damals  für  die  besseren  Hörer  noch  ein  einjähriger  Besuch  von
Vorlesungen  an  der  kgl.  Bauakademie.  Während  die  Anstalt  bis  in
die  sechziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  auch  der  Heranbildung
von  Offizieren  gewidmet  gewesen  war,  hat  sic  von  da  ab,  durch  die
Kriegsschulen  entlastet,  nur  noch  der  Fortbildung  der  Offiziere  gedient.
  Ihr  jetziges  Heim  bei  Berlin,  auf  einem  zwischen  Hardenbergstraße,
  Fasanenstraße  und  Hippodrom  in  Charlottenburg  gelegenen
Grundstück  bezog  sie  im  Jahre  1876.

Die  Anstalt  untersteht  einem  Vorstand,  dem  als  Mitglieder  die
General-Inspckteure  der  Fußartillerie  und  des  Ingenieur-  und  Pionier-Korps
  sowie  der  Inspekteur  der  Feldartillerie  angehören.  An  der
Spitze  der  Anstalt  steht  ein  Direktor  (Regimentskommandeur),  zu  dessen
Unterstützung  3  Majors  als  Direktionsmitglieder  und  3  Oberleutnants
als  Direktionsofhziere,  und  zwar  je  1  aus  den  3  beteiligten  Waffengattungen
  dienen  und  dem  1  Adjutant  beigegeben  ist;  er  wird,  wie
letzterer,  auch  durch  Allerhöchste  Kabinettsorder  auf  Vorschlag
des  Vorstandes  abwechselnd  aus  der  Feldartilleric,  der  Fußartillerie
und  dem  Pionierkorps  ernannt.  Die  Bibliothek  verwaltet  ein  inaktiver
Offizier  der  Feldartillerie  oder  Fußartillerie  oder  des  Pionierkorps.

Die  Anstalt  hat  die  Aufgabe,  neben  Fortbildung  in  den  allgemein
militärwissenschaftlichen  Kenntnissen  eine  Anzahl  von  Offizieren  der
Feldartillerie  in  den  Fachwissenschaften  weiter  zu  bilden  und  den
Offizieren  der  Fußartillerie  und  des  Pionierkorps  die  für  den  Dienst
nötigen  fachwissenschaftlichen  Kenntnisse  zu  geben.  Bei  allen  drei
Waffen  sind  die  Offiziere  des  kgl.  sächsischen  und  des  kgl.  württembergischen
  Armeekorps  einbegriffen.

Für  Offiziere  der  Feldartillerie  bestehen  2  Jahrgänge,  ein  unterer
und  ein  oberer.  Das  Kommando  zu  beiden  ist  ein  freiwilliges.

*)  Eine  ausführliche  Geschichte  der  Anstalt  ist  bisher  im  Buchhandel  nicht
erschienen.  Für  ihre  Entwicklung  in  der  neuesten  Zeit  ist  von  Bedeutung  die  leider  nur
kurz  gefaßte  T.cbensbeschreibung  des  Generals  der  Artillerie  R.  v.  Roerdanf,  als  Reiheft
zum  Militär-Wochenblatt  1893  erschienen.  Vergleiche  auch  v.  Bonin,  Geschichte  des
Ingenieur-Korps  und  der  Pioniere  in  Preußen,  2  Bände,  1877—78.