I.  Europa.  770  50.  Portugal.

Art.  76.  Der  König  hat  vor  seiner  Proklamation  in  die  Hände  des  Präsidenten
der  Pairskammer  in  Gegenwart  der  beiden  versammelten  Kammern  folgenden  Eid
zu  leisten:  ‚Ich  schwöre,  der  katholisch-apostolisch-römischen  Kirche  treu  zu  bleiben,
die  Unabhängigkeit  des  Staatsgebietes  zu  walıren  und  überhaupt  für  das  Staatswohl
zu  sorgen,  soweit  es  in  meinen  Kräften  steht.

Art.  77.  (Geändert  durch  Gesetz  vom  24.  Juli  1835).  Der  König  kann  nicht
länger  als  3  Monate  ohne  Zustimmung  der  Cortes  dem  Königreiche  fern  bleiben.

Il.  Kapitel.  Diekönigliche  Familie  und  ihre  Dotation.

Art.78.  Der  vermutliche  Erbe  des  Königreiches  soll  den  Titel  Kronprinz
erhalten  und  sein  Erstgeborener  den  des  Prinzen  von  Beira.  Alle  anderen  Kinder
heißen  Infanten.  Der  mutmaßliche  Erbe  sowie  der  Prinz  von  Beira  werden  Königliche
Hoheit  tituliert.  Die  Infanten  heißen  Hoheit.

Art.79.  Nachdem  der  mutmaßliche  Erbe  das  vierzehnte  Jahr  erreicht  hat,
leistet  er  in  die  Hände  des  Präsidenten  der  Pairskammer  unter  Anwesenheit  beider
Kammern  folgenden  Eid:  ‚Ich  schwöre,  der  katholisch-apostolisch-römischen  Kirche
treu  zu  sein,  der  politischen  Verfassung  der  portugiesischen  Nation  mich  zu  unterwerfen,
  den  Gesetzen  und  dem  König  gehorsam  zu  sein.“

Art.  80.  Die  allgemeinen  Cortes  setzen,  wenn  der  König  den  Thron  besteigt,
ihm  sowie  der  Königin,  seiner  Gattin,  eine  Dotation  in  einer  ihrer  Würde  entsprechenden
Höhe  aus.

Art.  81.  Ebenfalls  müssen  die  Cortes  dem  Kronprinzen  und  dem  Infanten
von  ihrer  Geburt  an  eine  Dotation  aussetzen  (alimentos).

Art.  82.  Wenn  die  Prinzessinnen  und  Infantinnen  heiraten,  dann  setzen  ihnen
die  Cortes  eine  Mitgift  fest  und  die  Alimentation  fällt  von  dem  Tage  ab,  wo  jene  ausbezahlt
  wird,  weg.

Art.  83.  Die  Infanten,  die  sich  verheiraten  und  sich  aus  dem  Königreich  begeben,
  erhalten  eine  einmalige  Abfindungssumme  von  den  Cortes,  die  statt  der  weiteren
Alimentation  geleistet  wird.

Art.  84.  Die  Dotation,  die  Alimentation,  die  Mitgift,  wovon  in  den  vorherigen
Artikeln  die  Rede  war,  werden  aus  dem  königlichen  Schatze  ausgezahlt  und  einem
vom  König  hierzu  zu  ernennenden  Beamten,  der  alle  Aktiv-  und  Passivgeschäfte
des  Königlichen  Hauses  zu  erledigen  hat,  übergeben.

Art.  85.  Die  Palais  und  königlichen  Landgüter,  die  im  tatsächlichen  Besitz
des  Königs  sind,  sollen  Eigentum  seiner  Nachfolger  bleiben,  und  die  Cortes  haben
für  Neuerwerbungen  und  Bauten,  die  nach  ihrem  Urteil  den  Bräuchen  und  der  Würde
eines  Königs  entsprechen,  Sorge  zu  tragen.

Kapitel  IV.  Die  Thronfolge.

Art.  86.  Donna  Maria  II  ist  durch  Gottes  Gnade  und  die  formelle  Abdankung
und  den  Rücktritt  Don  Pedros  I,  des  Kaisers  von  Brasilien,  Königin  von  Portugal.
Art.  87.  Ihre  eheliche  Nachkommenschaft  wird  den  Thron  nach  dem  Range  der
Erstgeburt  und  der  Repräsentation  besteigen,  wobei  die  ältere  Linie  immer  der  jüngeren
vorgeht;  in  derselben  Linie  der  nähere  Grad  dem  entfernteren,  in  demselben  Grad