II.  Asien.  913  90.  China.

ministerium  gehörte  und  in  den  18  Provinzen  etwa  18000  von  den  Lokalbehörden  verwaltete
  Eilpost-  bzw.  Botenpostämter  unterhielt.  Nunmehr  ist  dieser  Zustand  geändert
worden.  Zwar  ist  China  dem  Weltpostverein  noch  nicht  beigetreten  —  es  hat  sich  nur
seinen  Beitritt  zu  dem  neuen  Weltpostvertrage  vom  26.  5.  1906  vorbehalten  —,  doch  besitzt
  es  schon  jetzt  eine  große  Zahl  von  Reichspostämtern  und  eigene  Briefmarken.  Daneben
haben  einige  der  Weltpostvereinsmächte  Vereinspostanstalten  eingerichtet.  Ferner  bestehen
noch  viele  Privatposten  weiter,  die  namentlich  von  den  Generalgouverneuren  unterhalten
werden.

Die  Aufsicht  über  das  Telegraphenwesen,  das  nur  dem  Namen  nach  kaiserlich,
tatsächlich  aber  ein  Aktienunternehmen  hoher  Beamter  ist,  führt  das  Telegraphenamt  in
Peking.

X.  Verkehrswesen.

Auch  über  die  Wasserwege  des  Reiches,  die  das  großartigste  Kanalnetz  der  Welt
darstellen,  und  über  die  Binnenschiffahrt  übt  die  Regierung  nur  eine  Kontrolle  wegen  der
baulichen  Erhaltung  und  der  Erhebung  der  Schiffahrtsabgaben;  dagegen  sind  die  Landwege
—  wenigstens  nominell  —  Eigentum  des  Kaisers;  in  Wirklichkeit  gehören  sie  den  anliegenden
  Grundbesitzern,  die  auch  zu  ihrer  Instandhaltung  verpflichtet  sind.  Während
aber  die  Binnenschiffahrt  völlig  in  privaten  Händen  liegt,  versucht  die  Regierung  den
neuesten  Nachrichten  zufolge,  sich  dadurch  einen  maßgebenden  Einfluß  auf  die  Seeschiffahrt
zu  sichern,  daß  sie  die  Anteile  der  China  Merchants  Steaming  Navigation  Company,  die
bis  jetzt  eine  Aktiengesellschaft  war,  erwirbt.

Von  den  Eisenbahnen,  deren  erste  die  1876  erbaute,  aber  bald  wieder  zerstörte  Linie
Shanghai-Wusung  war,  sind  nur  wenige  Linien  staatlich  (z.  B.  die  neue  Kaipingbahn  von
Töngshan  über  Shanhaikuan  nach  Tschinchou).  Aufsichtsbehörde  ist  das  Verkehrsministerium.
Seit  einigen  Jahren  ist  die  Regierung  bestrebt,  sowohl  die  den  Fremden  erteilten  Konzessionen
  für  Bahnbauten  als  auch  die  bereits  vollendeten  Bahnen  zurückzuerwerben.

XI  Industrie.

Einen  erheblich  größeren  Anteil  als  am  Verkehrswesen  hat  sich  die  Regierung  Chinas
von  jeher  an  der  Industrie  gesichert:  nicht  nur  besitzt  sie  das  Monopol  bez.  der  Salzgewinnung
  an  der  Küste  von  Kiangsu,  sondern  sie  betreibt  auch  selbst  in  Yünnan  Kupferund
  Zinnbergwerke,  in  Tientsin,  Shanghai,  Nanking  usw.  Arsenale  mit  Werften  und  Hüttenanlagen,
  in  Peking,  Mukden  u.  a.  a.  O.  Münzprägeanstalten,  bei  Peking  Porzellanfabriken,
in  Hangchou,  Nanking  und  besonders  Suchou  große  Seidenmanufakturen,  und  sucht  —
z.  B.  durch  das  Edikt  vom  27.  3.  1896  —  die  Gouverneure  zur  Förderung  der  Industrie
auf  jede  nur  mögliche  Weise  anzuhalten.

XU.  Finanzen.

Die  Finanzen  Chinas  leiden  wie  seine  Verwaltung  an  einer  weitgehenden  Dezentralisation.
  Infolgedessen  ist  die  Aufstellung  eines  Staatshaushalts  ein  Ding  der  Unmöglichkeit...
  Die  Finanzverwaltung  der  Zentralregierung  beschränkt  sich  fast  ausschließlich
darauf,  daß  sie  —  das  Finanzministerium  —  am  Ende  des  Jahres  den  Betrag  abschätzt,
der  voraussichtlich  im  nächsten  Jahre  für  ihre  und  die  höfischen  Zwecke  notwendig  sein
wird,  und  ihn  auf  die  Provinzen  verteilt,  deren  Schatzkammern  für  seine  Aufbringung
verantwortlich  sind.  Die  Provinzen  wiederum  bestreiten  ihre  Bedürfnisse  aus  ihren  festen
Einkünften,  die  in  den  einzelnen  Bezirken  (mit  einem  in  die  Tasche  der  betreffenden
Beamten  fließenden  Zuschlag)  beigetrieben  werden.

Haupteinnahmequellen  sind:  1.  die  halbjährlich  in  Geld  oder  Naturalien  zu  entrichtende
  Grundsteuer,  in  der  sich  der  früher  in  Geltung  gewesene  Grundsatz,  daß  alles
Land  dem  Kaiser  gehört,  verkörpert;  sie  bringt  jährlich  17—18  Millionen  Taels  Silber  und
etwa  8  Millionen  Taels  in  Getreide;  wieviel  davon  nach  Peking  entrichtet  wird,  steht  nicht  fest;

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