Teil  3.  Was  zeichnet  den  preußisch-deutschen  Beamten  aus?

B.  Friedrich  der  Große  —  das  Ideal  eines  aufgeklärten
Herrschers.

Mit  Friedrich  II.  (1712-1786),  dem  Großsen,  erhob  sich  Preußen  in
neue  Höhen.  Unter  ihm  wurde  der  Staat  nicht  nur  straffer,  sondern
auch  geistreicher.  Er  gilt  allgemein  als  Philosoph  auf  dem  Thron,
Feldherr,  Reformer  und  Verwalter  zugleich.

Friedrich  der  Große  führte  die  Verwaltung  im  18.  Jahrhundert
auf  ein  bisher  unerreichtes  Niveau  der  Pflicht  und  Gerechtigkeit.  Er
war  ein  Feind  der  Willkür  und  sah  im  Staat  ein  Werkzeug  des
Gemeinwohls.  Sein  berühmtes  Zitat  „Ich  bin  der  erste  Diener  meines
Staates“  wurde  zum  Leitmotiv  des  preußischen  Beamtentums  selbst.

Unter  seiner  Herrschaft  wurde  die  Bürokratie  rationalisiert,  die
Justizreform  eingeleitet  und  das  Schulwesen  geordnet.  Tugendhafte
Beamte  hatten  insbesondere  Fleiß  und  Unbestechlichkeit  zu  zeigen  -
Eigenschaften,  die  Friedrich  II.  selbst  verkörperte.

Seine  Heldentaten  auf  dem  Schlachtfeld,  bei  Leuthen,  Rossbach
und  Zorndorf,  machten  ihn  zum  Helden  Europas.  Doch  seine  wahre
Größe  wurzelte  auf  dem  Gebiet  der  Verwaltung  während  der
anschließenden  Friedenszeit:  Wiederaufbau,  Förderung  von  Landwirtschaft
  und  Manufakturen  sowie  religiöser  Toleranz.

So  verband  Friedrich  II.  militärische  Disziplin  mit  geistiger
Größe,  und  das  preußische  Beamtentum  wurde  zum  Ausdruck  eines
aufgeklärten,  zugleich  pflichtbewußten  Staates.

C.  Die  Reform-Ära:  Wie  Preußen  sich  neu  erschuf.
Doch  auch  der  vermeintlich  stärkste  Staat  sollte  sich  erneuern.  Nach
der  Niederlage  bei  Jena  und  Auerstedt  1806  war  Preußen  in  seinen

Grundfesten  erschüttert.  Aus  dieser  Schmach  erwuchs  neue  Größe.

35