Teil  3.  Was  zeichnet  den  preußisch-deutschen  Beamten  aus?

Unseres  Reiches  Zier  und  Wehr:
Deutschland  frei  vom  Fels  zum  Meer!‘

Als  ich  mit  diesen  Worten  auf  die  Via  triumphalis  hinwies,  die  von
Dennewitz  über  Sadowa  nach  Sedan  und  Versailles  führt,  glaubte
ich  nicht,  daß  ein  Jahrzehnt  später  der  deutsche  Reichspräsident
Ebert  bei  der  fünfundsiebzigjährigen  ‚Feier’  des  Zusammentritts
der  Frankfurter  Nationalversammlung,  dieses  Parlaments,  das
durch  seinen  Mangel  an  Perspektive  und  seine  Weltfremdieit,
seine  Geschwätzigkeit  und  seine  Schwerfälligkeit,  mit  seinem
Reden  wie  mit  seinem  Tun  von  Anfang  bis  zu  Ende  ein  Fiasko  war,
als  einen  Höhepunkt  der  deutschen  Geschichte  feiern  und  von  1848
mit  einem  kühnen  Sprung  als  zu  dem  zweiten  Gipfel  unserer
Entwicklung  zu  dem  Novemberumsturz  von  1918  gelangen  würde,
ohne  der  chrwürdigsten  Erscheinung  der  deutschen  Geschichte,  des
alten  Kaisers  Wilhelm  I,  ohne  des  genialsten  und  größten
deutschen  Staatsmannes,  des  Fürsten  Bismarck,  auch  nur  mit  einer

Silbe  zu  gedenken.

Ich  glaube,  daß  kein  Volk  außer  dem  deutschen  eine  solche
Travestierung  seiner  Geschichte  ertrüge.  Unser  Volk  kann  und  wird
nur  genesen,  wenn  es  sich  auf  seine  Vergangenheit  besinnt,  wenn  es
sich  wieder  mit  Stolz  auf  seine  Vergangenheit,  mit  Ehrfurcht  für
seine  Vergangenheit  erfüllt.  Ein  Volk  ohne  Geschichte,  ohne
Tradition  und  Pietät  ist  ein  wurzelloses  Volk,  ein  Blatt  im  Winde.
Die  Größe  eines  Volkes  liegt  in  seiner  Geschichte,  in  der  Irene  für
seine  Geschichte,  in  der  weitherzigen  Auffassung  seiner  Geschichte.

Quelle:  Bülows  Denkwürdigkeiten,  Band  3,  S.  100  ff.

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