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        <title>Kriegsgeschichte von Bayern unter König Maximilian Joseph I. - Zeitraum vom Jahre 1789 bis zum Frieden von Tilsit 1807.</title>
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        Kriegsgeschichte 
Bayern 
unter 
König Maximilian Joseph I. 
22 20 2 
Von 
Zd. Frh. v. Pölderndorkk u. Maradein, 
Major im Königlich -Bayerischen General = Quartiermeisterstabe. 
Erster Band. 
Erstes bis viertes Buch. 
Jeitraum vom Jahre 1780 bis zum Frieden von 
Tilsit 1807. 
  
  
Mit zwölf Karten und Planen. 
  
KAünchen, 1826.
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        Vorwort. 
Ein getreues Gemälde der Kriegs-Thaten eines 
Heeres, wird für dieses und für dessen Tapferkeit 
ein Denkmal dauernder als Erzz es bestimmt das 
Urtheil des Volkes, aus welchem das Heer her- 
vorgegangen, ob die großen Opfer, welche jeder 
Einzelne dem Vaterlande mit Hab und Gut, mit 
Leib und Leben brachte, zu des Vaterlandes wah- 
rem Ruhm und das Wohl desselben gebracht und 
verwendet wurden; ob die Ergebnisse der Anstren- 
gungen der Söhne des Vaterlandes für des letzte- 
ren Ehre und Unabhängigkeit, den vielen Sorgen 
und Thränen und Leiden, unzertrennliche Folgen 
einer durch Kriege bewegten Zeit, das Gleichge- 
wicht hielten. 
Ein solch Gemälde aber getreu der Natur 
wiederzugeben, bleibt für den Geschichtsschreiber 
immer eine schwer zu lösende Aufgabe, besonders, 
wenn er nicht allein die Thaten der Dahinge- 
gFangenen, sondern auch die der Lebenden zu erzäh- 
len hat; wenn er den Thaten, welche für den Au- 
genblick öfters entscheidend, deren Wirkungen aber 
mit dem Lauf der Zeit weniger sichtbar wurden, 
das Andenken, vielleicht auf Jahrhunderte hinaus 
verleihen willz wenn er nach der Gunst strebt, 
den angehenden Kriegsmännern gleichsam ein Lehr-
        <pb n="4" />
        I 
buch darzureichen, aus dessen Inhalt sie Erfahrung, 
Aneiferung, Aufforderung zum Streben nach dem 
Vollkommneren schöpfen sollen. 
Ein solches Ehren-Gemälde der Tapfern des 
bayerischen Heeres, unter seinen mancherlei Gestal- 
tungen während der Kriege der glorreichen Regie- 
rung des unvergeßlichen Königes Maximilian 
Joseph des 1tten, lege ich hiemit vollendet ehr- 
furchtsvoll zu den Füßen des hochherzigen Königes 
Ludwig nieder, der persönlich so ruhmvollen 
Antheil an den verschiedenen Kriegs-Ereignissen 
nahm, daher auch gerechter Richter über die Er- 
zählung derselben seyn wird; ich überreiche dieß 
Gemälde dem bayerischen Volke, als ein Denkmal 
jedes Einzelnen desselben und des gemeinen Sol- 
daten, ihm in seiner Familie und im ganzen Va- 
terlande. 
Wenn ich bei Zusammenstellung dieses Ge- 
mäldes, nicht allein die Thaten der bayerischen 
Kriegsmänner im Auge behielt, sondern auch die 
großen Ereignisse im ganzen Welttheil während der 
verflossenen sechs und zwanzig Jahre mit Wärme 
umfaßte und in mein Gemälde hineinzog, so ge- 
schah es aus der Ueberzeugung, daß jene aus die- 
sen hervorgegangen, die Kriegs-Geschichten der 
Bayern nicht wohl, ohne die Kriegs-Geschichten 
des Welttheils, erzählt, die staatsthümlichen Ver- 
hältnisse Bayerns nicht wohl, ohne die von ganz 
Europa, berührt werden konnten. Wennich ferner 
die Geschichte des bayerischen Heeres mit der des
        <pb n="5" />
        III 
bayerischen Staates waͤhrend der Regierung des 
herrlichen Maximilians Joseph innig ver— 
schmolz, so ward das durch die Betrachtung ver- 
anlaßt, daß nur aus einer getreuen Darstellung 
der inneren Verhältnisse Bayerns hervorleuchten 
konnte, was Bayern während eines Zeitraumes 
von sechs und zwanzig Jahren als ein getreuer 
Bundes-Genoße denen Mächten zu leisten vermochte, 
denen es sich mit allen seinen Kräften, mit allen 
seinen Ueberzeugungen hingegeben hatte. 
Möchte es mir doch gelungen seyn, die allge- 
meine Stimme dahin zu vereinigen, daß Bayerns 
König und sein Volk, auch wenn die heftigsten 
Stürme über den Welttheil hinzogen, nie von der 
Bahn strenger Rechtlichkeik abwichen; daß jede 
Veränderung in den staatsthümlichen Grundsätzen 
und Verbindungen Bayerns, nur von dringenden 
Umständen und gebieterischen Einwirkungen veran- 
laßt worden, jedoch immer mit jener Freimüthig-= 
keit und Offenheit geschehen waren, welche das 
Vertrauen der Bundes-Genoßen, die Achtung selbst 
der Feinde in Anspruch nehmen mußten; daß Mä- 
ßigung und Treue in eingegangenen Verbindlich- 
keiten die vorherrschenden Grundsätze der Regie- 
rung Bayerns waren; daß sich Bayerns König 
und sein Volk nie von der regen Theilnahme an 
dem Wohle des gemeinsamen deutschen Vaterlan- 
des lossagten und dem Wohle desselben jederzeit 
das edelste Blut und die edelsten Kräfte mit Freu- 
digkeit zum Opfer brachten.
        <pb n="6" />
        IV 
Moͤchte ferner mein ernstes und einziges Stre- 
ben folgenreich gewesen seyn, die glänzenden Waf- 
fenthaten eines Heeres der Vergessenheit zu entreis- 
sen, welches, nur gewohnt den Befehlen seines 
Herrschers und seiner Obern zu gehorchen, nur der 
Stimme der Ehre zu folgen, jeder Einwirkung 
dusserer Umstände und eigener Meinung entsagend, 
auch während der schwierigsten Zeit-Erscheinungen, 
nie einen Verräther in seinen Reihen erblickte, 
wohl aber den Verlust von vielen Tausenden ge- 
treuer Waffen = Gefährten auf den verschiedenen 
Schlachtfeldern zu betrauern hatz eines Heeres, 
welches auf der Stufe der Ausbildung, auf welche 
es Maximilian Joseph erhob, und auf wel- 
cher es König Ludwig zu erhalten, und durch 
zeitgemäße Verbesserungen und Veränderungen zu 
befestigen verheißt, als eine der kräftigsten Stützen 
des von einem treuen tapferen Volke umgebenen 
Thrones erscheint; eines Heeres, welches, tapfer 
und unerschütterlich treu im Kriege, unterthan dem 
Gesetze und ausübend jede staatsbürgerliche Tugend 
während des Friedens, folgenreich strebend nach hö- 
herer Ausbildung und soldatischer Vollkommenheit, 
dem einstigen Bundesgenoßen willkommen, den 
Feinden des Vaterlandes und der bestehenden Ord- 
nungen furchtbar erscheinen soll und muß. 
Die Quellen, aus denen ich vorzugsweise die 
Einzelnheiten meines Gemäldes schöpfte, waren die 
verschiedenen Archive, die amtlichen Berichte der 
verschiedenen Heerführer, insbesondere der bayeri-
        <pb n="7" />
        V 
schen Heerfuͤhrer und deren schriftliche und muͤnd- 
liche Ueberlieferungen, an deren Spitze ich vor Al- 
lem die muͤndlichen und schriftlichen Mittheilungen 
Sr. koͤniglichen Hoheit des verstorbenen Prinzen 
Eugen, Herzogs von Leuchtenberg, und Sr. 
Durchlaucht des Feldmarschalls Fuͤrsten Wrede 
zu nennen wage, die mancherlei über die verschie- 
denen Krieges= und staatsthümlichen Ereignisse er- 
schienenen trefflichen Werke aller Nationen Euro- 
pens, endlich meine eigenen Erfahrungen während 
der verschiedenen Feldzüge, welchen ich persönlich 
und immer auf einem Standpuncte beiwohnte, von 
welchem ich manche entscheidende Augenblicke auf- 
zufassen im Stande war. 
Daß ich alle diese Quellen mit gänzlicher Frei- 
heit und Unpartheisamkeit meines Gemüthes und 
Geistes benutzte, vermag ich zu verbürgen, jedoch 
nicht die Unfehlbarkeit meiner Meinungen, Ansich- 
ten und Erzählungen, da keines Sterblichen Werk 
von Irrthümern frei und tadellos seyn kann. Ich 
nehme deshalb im voraus die Nachsicht der Kunst- 
verständigen in Anspruch, welche mich schonend be- 
urtheilen werden, wenn sie erfahren, daß nur hö- 
here Befehle mich auf die schwere Bahn eines Ge- 
schichtsschreibers hinzuführen vermochten, ich diese 
Bahn nicht mit unbedingtem Vertrauen in meine 
geistige Kraft zu Lösung so schwerer Aufgabe, wohl 
aber mit reinen Empfindungen und einer glühen- 
den Liebe für meinen König und mein Vaterland,
        <pb n="8" />
        VI 
und das Heer, welchem ich anzugehoͤren so stolz 
bin, betrat. 
Dem edlen Schweizer Heinrich Zschokke, 
dem gruͤndlichen Forscher und Verfasser der Ge- 
schichten des bayerischen Volkes, meinem hochver- 
ehrten Freunde, welcher nur aus fortgesetzter Liebe 
für Bayern, und trotz seines vielseitigen Wirkens 
und seiner Anstrengungen für sein Vaterland und 
die Menschheit, meiner Arbeit durch strenge Beur- 
theilung, durch gerechten Tadel, so manche Unvoll- 
kommenheit raubte, sage ich hiemit meinen innig- 
sten Dank für das Geschenk so vieler Augenblicke 
einer kostbaren Zeit. 
Die bahyerischen Officiere von Schallern, 
Mackow, Lau und Kienle, so wie der könig- 
liche Kupferstecher Herr Mayer, haben sich große 
Verdienste um die schöne und fleißige Ausfüh- 
rung der diesen Geschichten beigefügten Karten und 
Olane erworben; daher ich mich verpflichtet fühle, 
deren thätige und einsichtsvolle Mitwirkung öffent- 
lich anzuerkennen. 
München im May 1826. 
Der Verfasser.
        <pb n="9" />
        Inhalt des ersten Bandes. 
  
Ueberblick der Jahre 1780 — 1799. 
Seite 
1l. Europens Zustand im Allgemeinen, und des bayerischen 
Staates insbesondere, beim Ausbruch der französischen 
Staats-Umwalzung. * 1 
2. Rumfords Verbesseruugen im baverischen Heerwesen 7 
3. Bayerns Theilnahme am Reichskrieg bis 1797. Der 
Friede von Campo-Formio. 11 
4. Maximilian Joseph tritt die Regierung an. Sustand - 
Bayerns, der Finanzen, des Heerwesens. . 618 
Zweites Buch. 
1. Uebersicht der Kriegs-Begebenheiten im Jahre 1799 
bis zur Schlacht von Stockach 25 
2. Begebenheiten in Italien und der Schweiz bis zur 
Vereinigung Moreaus und Macdonalds, im Juli. 30 
5. Von der Schlacht bei Novi bis zur Schlacht bei Sürich 
im September 1700. . 41 
53. Die letzten Begebenheiten des Feldzuges 1799 . 653 
5. Neue Rüstungen zum Feldzug 1800 60 
6. Wiederanfang der Feindselchtsiten in Deutschland. Die 
Schlachten bei Stockach, Engen, Möskirch, Memmin- 
gen und andere Gefechte bis zum 14. Mai 1800o 35 
reffen und Gefechte in Schwaben und Bayern bis zum 
Parsdorfer Waffenstillstand am 15. Juli 1800. . 102 
8. Gang des Feldzuges in Italien, bis zur Schlacht bei 
Marengo, 14. Juͤni 1800 129 
9. Waffenstillstand. Erneuerung und Gang des Feldzuges 
bis zur Schlacht von Hohenlinden. 154 
10. Verfolg der Krieges-Ereignisse bis zum Lüneviller 
Frieden. · s 4 4 4 r r 4 169 
Drittes Buch. 
1. Bayerns Länderverlust und Entschädigung nach dem Lü- 
neviller Frieden . 107 
2. Anstrengungen der Regierung von Bayern, die Kräfte . 
des Staates zu entwickeln. 205
        <pb n="10" />
        3. 
6. 
5. 
6. 
Bayern über den Inn. . 
Seite 
Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Oester- 
reich im Jahre 1805. — Bayerns gefahrvolle Stellung 
und Entscheidung für Frankreich gegen Oesterreich. 216 
Innere Bildung des bayerischen Heeres. Vereinigung 
desselben mit Marschall Bernadotte. Anfang der Feind- 
seligkeiten. . „ „ „ 
Gefechte bei Rain, Werthingen, Günzburg. Befrei- 
ung Münchens. Macks Capitulation in Ulm. Wer- 
neks Capitulation in Trochtelfingen. Erzherzog Fer- 
dinands Zug nach Bohhen 
Kleiner Krieg an den Grenzen Tyrols. Die Veste 
Oberhaus. Uebergang des französischen Heeres und der 
. 244 
220 
232 
7. Kampf bei Salzburg, Reichenhall und in TForol. . 250 
8. 
0. 
10. 
11. 
12. 
1. 
2. 
5. 
Ueberblick der ferneren Ereignisse im Tyrol, in Verbin- 
dung mit den Kriegs-Begebenheiten in Italien. 260 
Rückzug des russisch = österreichischen Krieges-Heeres 
über Krems und Wien nach Mahren. 271 
Gefechte und Treffen bei Iglau zwischen Erzherzog 
Ferdinand und Generallieutenant Wrede. 270 
Die Schlacht bei Austerlitz. . . .. .3 
Waffenstillstand und Friede. Folgen desselben. . 312 
Viertes Buch. 
Umriß der statsthümlichen, Verhältnisse Europens nach 
dem Presburger Frieden im Jahre 1306. . . 
Fotsetzung. Blick auf die nördlicheren Staaten. 
Preußens Stellung bis October 1800. 13 
Eröffnung des Feldzuges. Gefechte bei Schleitz und 
Saalfeld. Schlacht bei, Jena und Auerstädt. . 24 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 
12. Blick auf die belagerten Festungen von Danzig, Grau- 
15. Die Schlachten bei Heilsberg und Friedland. Rückkehr 
fiechte bei Wartha und Königswalde. 
Gefechte vor Glatz. 
11. 
Vernichtung der preußischen Heeresmacht. Fall der 
preußischen Festungen bis im Dezember 1806. k4. 44 
Einrücken in Polen und Schlesien. Berennung und 
Einnahme von Gloanan. 
Belagerung von Breslau. Treffen bei Strehlen. Ge- 
Echte bei Oltatschin, Schweidniz u. s. w. . .. 
innahme von Brieg. Belagerung von Kosel. Ge- 
  
Gang des Feldzuges in Polen und Preußen. Gefechte 
an der Ukkra. Treffen bei Soldau und Nultusk. 
Schlacht bei Eilau. Gefecht bei Ostrolenka. 1505 
Waffenruhe. Rüstungen zum neuen Feldzug. . 122 
Belagerung und vorläufige Capitulation von Kosel. 
*m * 4 4 128 
Verschiedene Gefechte in Schlesien, Eroberung der 
Festung Neisse. Vorläufige Capitulation der Festung 
Glatz. Belagerung von Silberberg. " 
denz, Kolberg, Stralsund. Gefechte der Bayern an 
der Narew. . . 105 
der Bayern nach dem Tilsiter-Frieden. „ 170
        <pb n="11" />
        Erstes Buch 
der 
Kriegsgeschichte 
von 
Bapern 
unter 
Maximilian Joseph l.
        <pb n="12" />
        <pb n="13" />
        Ueberblick der Jahre 1769 — 1799. 
——— 
1. 
Europens Justand im Allgemeinen, und des 
baierischen Staates insbesonder „ beim 
Ausbruch der franzdsischen Stagts-Um- 
wälzung. 
Se. dem Hubertsburger-Frieden schien die Ruhe 
unsers Welttheils auf lange Zeit geborgen, durch Geist 
und Schwert des großen Kbnigs von Preußen bewacht, 
und gewissermaßen im Gleichgewicht aller Staaten, ih- 
rer Kräfte und Interessen gegründet. Frankreich, 
Großbrittannien, Oesterreich, Preußen und 
Rußland, bildeten die Mächte ersten Ranges. Ihnen 
angeschlossen, als Glied, stand Deutschland; zwar, 
mit unentwickelten Kräften, jedem großen Umstoß wei- 
chend, aber durch gegenseitige Eifersucht jener Kronen, 
als eine unverletzbare Vormauer Aller, geehrt. — Spa- 
nien, Dänemark, Schweden, die General-= 
staaten, nahmen in der Stufenfolge der Mächte den 
zweyten Platz ein; — die italiänischen Staaten, 
wie auch die Schweiz, den dritten. Polen hatte 
schon, seit seiner ersten Theilung, fast alle politische 
Wichtigkeit verloren. 
1 r
        <pb n="14" />
        — *1! — 
Dieser wunderbare, vielverheißende Staatenbau des 
Welttheils, durch welchen das ganze christliche Europa 
ein einziges Gemeinwesen geworden zu seyn schien, und 
in welchem alle Vdlker, wie Glieder einer Familie, mit 
getrennten Haushaltungen lebten, ein Schwert das an- 
dere in der Scheèide hielt, — er ward jählings bis in 
seine Tiefen erschüttert. Frankreich machte seine 
Staats= Umwälzung. 
Das Beispiel des Aufruhrs, welches dort eine ganze 
Nation den Vdlkern gab, die Jerstdrung aller Ehrfurcht 
vor bisher heilig geachteten Ordnungen, die frevelosllen 
Grundsätze, welche von da aus wider Thronen und Al- 
täre gepredige wurden, die wilden Gräuel ver Gesetz- 
losigkeit, die Lebensgefahr der kdniglichen Familie auf 
dem zusammenstürzenden Thron — dies alles forderte 
Mitleiden, Ernst und Wachsamkeit der übrigen Mächte 
in eben dem Verhältniß auf, wie sich in den andern 
Nationen einander widersprechende Leidenschaften, Hoff- 
nungen und Besforgnisse laut machten. Die meisten euro- 
päischen Hôfe hielten es für Pflicht und zweckgemäß, 
durch engere Verbindungen unter sich, und mit Waffen- 
gewalt, den Unordnungen Frankreichs Schranken zu 
setzen. 
Man kennt die ungeheuren Anstrengungen des ersten 
Kriegesbundes gegen Frankreich, an welchem mit dem 
gesammten deutschen Reich auch Pfalzbuaiern Toeil 
nehmen mußte. Mit den Vdlkern des deutschen Reichs 
kämpften Oesterreich, Preußen, die besten Landtruppen 
Engelands und Hollands, gegen Frankreichs Ost= und 
Nordseite; west= und südwärts griffen sardinische, nea- 
politanische und portugiesische Heere an. Frankreichs 
innere Zerrüttung, die Auswanderung seiner besten An-
        <pb n="15" />
        — 5 s—-- 
führer zu Land und zu Wasser schien das Spiel der 
Verbündeten zu erleichtern, welches kaum ein Wagstück 
heißen zu konnen schien. 
Man kennt aber auch den unerwarteten Ausgang. 
Während Mangel der Uebereinstimmung die verbündeten 
Mächte lähmte, wirkte Frankreich, als ein ungetheiltes 
Ganzes, durch Verzweiflung oder Begeisterung furchtbar 
gestärkt, nach allen Richtungen entgegen. Während die 
Berbündeten sich auf die Waffen ihrer eingeübten, ste- 
henden Heere beschränkten, bot Frankreich seine ganze, 
waffenfähige mämliche Bevolkerung zur Vertheidigung 
auf. Der Schauplatz des Kampfes ward unermeßlich; 
die bisher geubte Strategie verlor die Anwendung ihrer 
alten Regeln gegen einen Feind, der, in ungezählter 
Menge, von einem Meer zum andern, einen ermüden- 
den kleinen Krieg führte; ohne Rücksicht auf Rang und 
Dienstalter die talentreichsten und kühnsten Männer an 
die Spitze stellte; Festungen nur sperrte und umging, 
und nur die Siege, nicht den Preis zählte, mit dem 
sie erkauft wurden. 
Der Angriffskrieg der Verbündeten ward auf diese 
Weise bald in einen Vertheidigungskrieg verändert. Aber 
in diesen bewies während eines langen Zeitraumes hin- 
gegen auch die österreichische Armee, durch Muth und 
Ausdauer im schwersten Ungemach und Unglück, wie es 
irgend je die außerordentlichsten Umstände herbeiführen 
konnten, was zum Vertheidigungskrieg nur ein Heer 
vermag, welches in allen seinen Bestandtheilen wohl 
organisirt ist. Nie hatte für Oesterreichs Schaaren eine 
verlorne Schlacht regellose Flucht, oder Austdfung zur 
Folge.
        <pb n="16" />
        — 6 — 
Damals regierte in Baiern Kurfürst Kar! Theo- 
dor. Während Baiern, seit Anfang des 18ten Jahr- 
hunderts, sein Daseyn aus mancherley Stürmen mähsam, 
oft wunderbar gerettet ssh, im Jahre 1712 durch den 
Urrechter-Frieden, im Jahre 1745 durch den zu Füssen, 
im Jahre 1770 durch den zu Teschen geschlossenen Frie- 
den; während es durch den Letzteren einen seiner schdn- 
sten Bestandtheile, das Innviertel eingebüßt hatte, schien 
es beim Regierungsantritt Karl Theodors, durch Ver- 
einigung mit der Rheinpfalz, an Stärke gewonnen zu 
haben. Es bildete damals einen Staat, von beinahe 
21 Millionen Seelen, bepölkert, ) Aber der baierische 
Staat, wax er gleich an Flächen-Inhalt und Einkünf- 
ten gewachsen, hatte darum nicht verhältnißmäßig an 
innerer Kraft zugenommen. Denn er bestand aus drey 
verschiedenen dreyßig bis sechzig Meilen von einander 
entlegenen Länder-Massen. 
Dazu kam, daß der Vorfahr Karl Theodors, Kurfürst 
Marximilian Joseph, sich mit dem friedlichen Anbau 
der Wissenschaften und Künste begnügt, den Wehrstand 
fast gänzlich vernachläßiget hatte. Das gesammte Heer 
6% Die dem pfalzbaierischen Scepter zu damaliger Zeit untere 
worfenen Länder waren wie folgt: 
das Herzogthum Baien 870, 808 Einwohnerg. 
die obere Pfaaz. 171,764 „ 
Herzogthum Neuburg 98,050 » 
Herzogthum Sulzbach. 51,541 „ 
Gesammte alte Kurpfälzische Lande auf 
dem linken Rheinufer, dann die kur- 
pfälzischen binder quf dem rechten 
Rheinufer 756,000 "„ 
das Herzogthum Berg ..* 261,500 „"„ 
Total-Summe 2,179,132 Einwohner.
        <pb n="17" />
        — 7 — 
bestand bey seinem Tode im Jahr 1777 u#r aus 7228 
Mann.“)Eine Folge dieser Versäumung war zum 
Theil auch nachher der Verlust des Innviertels gewesen. 
  
2. 
Rumfords Verbesserungen im baierischen 
Heerwesen. 
General Graf Rumford erkannte die Gefahr der 
Wehrlosigkeit zwischen übermächtigen Nachbarn, und in 
einem so eisernen Jeitalter. Mit rastloser Thäütigkelt 
verhütete er den gänzlichen Verfall der baierischen Kriegs- 
macht, und bereitete er, durch Bildungs= Anstalten für 
Artillerie und Reiterey, ihre Wiederherstellung vor. 
Ende Jahrs 1788 bestand das pfalzbaierische Heer 
aus 10,267 Mann und 620 Pferden, jedoch mit Inbe- 
griff von 301 Mann Artillerie. Letztere war unverhält- 
nißmäßig gering. Auf 1000 Mann Fußvolk kamen also 
nur 25 Mann Artillerie, wo Preußen für eine solche 
Zahl Fußvolks 32 Mann, Sachsen 85, Frankreich und 
Hesterreich noch mehr zählrten. Rechnete man aber die 
zum Festungs-Dienst unentbehrlich nothwendige Mann- 
schaft noch von jener geringen Anzahl ab: so blieben 
für die gesammte Armee ohngefähr nur 100 Mann Ar- 
tillerie übrig. 
Eben so mangelhaft war das Verhältniß der Stärke 
der Reiterey zum Fußvolk. Ungerechnet daß die Pferde 
  
r 5078 Maun Infanterie, 
1230 Mann Reiterel, mit jeboch nur 00 Pferden, 
510 Mann Artillerle. 
  
Eunme 7228 Mann. 49o0 Plerde.
        <pb n="18" />
        groͤßtentheils unbrauchbar waren, hatten sieben Kaval- 
lerie-Regimenter nichk mehr, als 2830 Mann und nur 
615 Pferde. — An leichten Truppen aller Art fehlte es. 
Das Infanterie-Bataillon war nur 100 Mann stark; 
jede der fünf Staabs-Kompagnien in den Regimentern 
hatte nur zwey Offiziere. Der gemeine Mann war außer- 
ordentlich schlecht bezahlt, durch Mißhandlung und Ent- 
würdigung muthlos. Das „Unter die Soldaten gestellt 
„werden“ galt als Strafe, wie das Juchthaus. Wie 
mag der-für die Ehre seines Fürsten und Vaterlandes 
begeistert das Leben wagen, dem selbst alle Ehre ent- 
fremdet ist? — Noch mangelten Schiffbrücken und Mu- 
nitions = Karren; Kanonen und Mörser hatten wenig 
Brauchbarkeit. In allem, was zur Bewaffnung und 
Bekleidung, oder was irgend zur vollständigen Ausrii- 
stung eines Heeres erforderlich ist, wurde der empfind- 
lichste Mangel allgemein gespürt. 
Der Generallieutenant Graf Rumford empfing da- 
her im Anfang des Jahres 1780 den Auftrag, eine 
bessere Bildung des Heerwesens zu veranstalten. Er bes 
gann damit, der großen Masse einen edlern Geist zu 
geben, das Selbstgefühl des gemeinen Mannes zu erhd- 
hen. Denn nur die sittliche Kraft des Menschen isi die 
Grundlage seiner ganzen Stärke. Kein Verbrecher, kein 
Auswurf der bürgerlichen Gesellschaft durfte fürderhin in 
die Reihen derer ausgenommen werden, die, mirt der 
Todesweihe für Fürst und Vaterland „nicht nur die Ehre 
Beider schirmen, sondern Beiden selbst eine Ehre seyn 
sollten. Regiments-Schulen entfernten den Müßiggang, 
beschäftigten die Familien der Krieger, und bildeten Geist 
und Herz der soldatischen Jugend. In Friedens-Tagen 
ward durch eigene Militär-Arbeitshäuser, oder durch
        <pb n="19" />
        Anbau von Ländereien für Vermehrung des Verdienstes 
und Unterhaltung der Thätigkeit gesorgt. Die Kapitu- 
lations = Jeit wurde von sechs auf acht Jahre ausgedehnt, 
und die Aussicht, nicht nur Unteroffizier= sondern auch 
Offizier= Stellen, erhalten zu koönnen, spornte das Ehr- 
gefühl und den Fleiß und Muth des gemeinen Mannes an. 
Der Offizier empfing Vorbildung in der Militär- 
Akademie. Beträchtliche Gehaltsvermehrung, (im Gan- 
zen mit einer jährlichen Summe von 55,000 fl.) machte 
ihn von kümmerlichen Nahrungssorgen frey. Er lebte 
nun dem Berufe des Kriegers ausschließlicher und williger. 
Die Stärke des Heeres selbst ward für die ZJukunft 
höher bestimmt; im Friedensstand auf 35,4124 Mann, 
im Kriegsstand auf 37,020 Mann. ") Dazu ein beson- 
  
) 1. Zwey Feldjäger-Regimenter, der Stand jedes dersel- 
benu zwey Bataillons, und zwar 2700 Mann stark in 
Friedenszeiten, in Kriegszeiten jedes Regiment 2012 
Mann stark. 
2. 5 Grenadier-Regimenter, 8 Bataillons, 5440 Mann 
stark im Frieden, 5825 im Krieg. 
14 Füßilier = Regimenter, 28 Bataillons, 10,040 Mann 
stark im Frieden, 20,586 im Krieg. 
1 Garnisons-Regiment, 2 Bataillons, 1300 Mann 
stark im Frieden, 1550 im Krieg. 
1 Artillerie-Regiment, 2 Bataillons, 1300 Mann 
im Frieden, 1456 im Krieg. 
2 Kürassier-Regimenter, 8 Escadrons, 15706 Mann 
im Frieden, 1472 im Krieg. 
4# Chevaurlegers-Regimenter, 16 Escadr., 2752 Mann 
im Frieden, 2044 im Krieg. 
2 Dragoner-Regimenter, 3 Escadrons, 1376 Mann 
im Frieden, 1472 im Krieg. 
Die Stärke der ganzen Armee betrug daher 44 Bataillons, 
oder 176 Kompagnien, 32 Escadronen.
        <pb n="20" />
        derer Inspeeteur der Infanterie und Kavallerie, nebst 
einem Generalstaab der Armee aufgestellt. Doch gieng 
es mit der beabsichtigten Vermehrung des Heeres duss 
serst langsam von Statten; inzwischen bestand dasselbe 
Ende Jahrs 1701 schon aus 10,000 Mann mit 830 Pfers 
den; und die Artillerie aus 605 Mann und 64 Pferden, 
da Ende Jahrs 1788 die Artillerie bloß 101 Mann und 
16 Pferde gezählt hatte. Auch die verschiedenen Vor- 
rathshäuser füllten sich mie Kriegs-Bedürfnissen. Man 
ldsete das bisherige Jäger-Korps auf, welches, aus 
505 Mann und 78 Pferden zusammengesetzt, den Polizen## 
dienst im gesammten Baiern, in den Herzogthümern 
Neuburg und Sulzbach, wie auch in der obern Pfalz 
versehen hatte. Dagegen verlegte man, für gleichen 
Zweck, die vier in Baiern garnisonlrenden Kavalleries 
Regimenter auf's Land, und zwar so, daß die daraus 
den Unterthanen erwachsende Last um vieles erleich- 
tert wurde. 
Eine Summe, womit bisher nur ohngefähr 20,000 
Mann unterhalten worden waren, reichte bey diesen 
neuen Anordnungen nun hin, in Friedenszeiten eine 
Macht von 31,680 Mann, und noch dazu besser, denn 
ehemals, zu halten. Das bewiesen selbst die Unter- 
suchungen, welche von einer wegen dieses Gegenstandes 
eigen angeordneten Kommission sehr gründlich und er- 
schopfend gemacht worden waren. Graf Rumford 
hätte mehr leisten konnen; aber er hatte mannigfaltige 
Schwierigkeiten und Vorurtheile zu bekämpfen. Daher, 
und bey den beschränkten Mitteln, welche ihm zu Ge- 
bot standen, war, beim Ausbruch des ersten Krieges 
gegen Frankreich, das baierische Heer noch nicht in eilz 
nem Zustande, der den Gefahren angemessen schien.
        <pb n="21" />
        — 11 — 
die damals drohten. Es bestand überhaupt aus 18 Re- 
gimentern, nebst der nothigen Artlllerie-Mannschaft.) 
  
5. 
Bayerns Theilnahme am Reichskrieg bis 
1707. Der Friede von Campo-Formuio. 
Zur Erdffnung des ersten Feldzuges stellte Carl 
Theodor ein Contigent von vier Bataillons.*) Die- 
ses ward mit zur Belagerung von Mainz gezogen. 
Vom 30. März 1705, dem Tage da es vor dieser Fe- 
stung eintraf, bis zur Uebergabe derselben, leistete es 
ausgezeichnete Dienste. Mehr als einmal erkannte Kd- 
nig Friedrich Wilhelm II. von Preußen den Werth die- 
ser Leistungen öffentlich an. Am 27. September empfing es 
die Bestimmung, einen Theil des Heers zu bilden, wel- 
ches Landau einschließen sollte; es besetzte (15. Octo- 
ber) unter dem Obristen Grafen Nogorola, die Fe- 
stung Lauterburg; nahm an den Gefechten bey den 
Dorfschaften Frischweiler, Marzweiler und Werth (am 
22. December) lebhaften Theil; diente darauf bey 
*) 4 Grenadier- 
2 Jäger- 
44 Infanterie- 
2 Kürassier- Regimenter. 
2 Dragoner- 
4 Chevaurlegers- 
*“) Zum Ober-Rheinischen Kreise wegen der Pfalz, an In- 
fanterie 1299 Mann, für Neuburg und Sulzbach 534 
Mann, zum Niederrheinischen = und Westphälischen Kreis 
573 Mann.
        <pb n="22" />
        Deckung des Rückzuges bis zum Geisberg bei Weißen- 
burg, und empfing gegen Ende des Jahrs seine Winter- 
lager diesseits dem Rhein. 
Im folgenden später erdffneten Feldzug dem dster- 
reichischen Corps unter dem. Fürsten Hohenlohe zuge- 
theilt, darauf (am 8. August 1704) der preußischen Armee 
beigegeben, zeichnete es sich unter dem pfalzbaperischen 
General Grafen Dsenburg bep dem Angriff des Fürsten 
von Hohenlohe- Ingelfingen, gegen die franzd- 
sische Stellung auf dem Matzenberg (am 20. September) 
ruhmhaft aus. ODer österreichische Feldmarschall-Lieute- 
nant Risch anerkannte (unterm 2. July 1700) dffentlich 
das ehrenvolle Betragen des zweyten Feldjäger-Batail= 
lons Closmann, und des ersten Bataillons Herzog Wil- 
helm-Birkenfeld bey dem Vorfall von Waghurst ohn- 
weit Stollhofen Cam 28. Juny 17007“). Ein Bataillon 
—— 
*) Das pfalzbayerische Contigent ward im Jahre 1706 durch 
5 Bataillons gebildet, und zwar aus folgenden Bataillons: 
1) aus einem aus den beiden Feldjäger-Regimentern zu- 
sammengesetzten Bataillon, unter dem Obristlieutenant 
Elosmann. 
2) aus dem isten Bataillon des isten Füßilier-Regiments 
(Herzog Wilhelm Birkenfeld.) 
5) aus einem, aus allen niederländischen Regimentern ge- 
bildeten Bataillon unter Obristlieutenant Lamotte. 
4) aus einem Bataillon des öten Füßilier-Regiments (da- 
mals Salern), endlich 
5) aus einem Bataillon des öten Füßilier-Regiments (ge- 
genwärtig Herzog Pius). 
UAlle diese Bataillons hatten zwar nur 4 Compagnien, 
diese hatten aber die Stärke von 215 gemeinen Männern; 
in gleichem Verhältniß war die Zahl der Ober= und Un- 
terofficiere gesteigert.
        <pb n="23" />
        — 13 —. 
des sechsten Füßilier-Regimentes erndtete (am 22. July) 
im Gefecht bey Eßlingen Zufriedenheit; und das Feld- 
jäger-Bataillon Clesmann im Gefecht bey Aalen (am 
2. August) das dffentliche Lob des Fürsten Johann von 
Lichtenstein, (in seinem Schreiben vom 5. August aus 
Wallerstein.) Im Gefecht bey Gundelfingen (7. August), 
dann bey Medingen (8. August) hatte das Konringent, 
unter seinem Anführer Grafen von Penburg, keinen 
geringen Theil am Kampf. In dem Treffen bey Geisen- 
feld (1. September 1700) erwarben sich die beiden Kon- 
tingent-Bataillons und ihre Anführer, der General Vsen- 
burg, neuen Ruhm. Letzterem wurde das Pferd unter 
dem Leibe gerbdtet, der Major Markreuther und mehrere 
andere Offiziere starben den Tod fürs Varerland, auch der 
Verwundeten Zahl war nicht gering. Die Bataillons Wil- 
helm Birkenfeld und Lamotte, wie sehr sie auch durch außer- 
ordentliche Anstrengungen schon erschopft waren, mach- 
ten sich noch im blutigen Kampf bey Langenbrück (15. 
September) ehrenvoll; und in den Gefechten bey Grot. 
und Haslang stritten eben dieselben Bataillons, wenn 
auch gegen einen sechsmal überlegenen Feind nicht glück- 
lich, doch der Achtung würdig, und fast bis zur gänz- 
lichen Vernichtung standhaft. Es war am 2. Oct. 17060, 
ale endlich die beiden mehrgenannten Bataillons den außer- 
ordentlichen Anstrengungen in der Schlacht von Biberach, 
beinahe gänzlich unterlagen. Ourch großen Verlust bei- 
nahe ganz aufgelößt, zog der General Graf Ysenburg mit 
deren Trümmern nach München zurück, während die übri- 
gen drev Bataillons unrer dem Kommando des Obristen 
Bartels bepy der Rhein-Armee verblieben Auch ließ Erz- 
herzog Karl, bey der Schlacht von Würzburg, der hervors 
stechenden Tapferkeit des ersten Feldjäger -Bataillons und
        <pb n="24" />
        des Bataillons vom sechsten Fuͤßilier-Regiment volle Ge- 
rechtigkeit wiederfahren, waͤhrend das fuͤnfte Bataillon des 
Kontingents, (das Bataillon des sechsten Füßilier-Regi- 
ments unter dem Obersien von Triva,) als Besatzung 
von Philippsburg, (bis zum 20. Februar 1797) denehren- 
den Beifall des Festungs-Kommandanten gewann, und 
dann, wieder vereinigt mit jenem Regiment, zur Ver- 
theidigung Mannheims gebraucht wurde. So bewähr- 
ten die Baiern überall, daß sie noch ihres alten Krie- 
ger-Namens würdig waren. 
Unterdessen erlag ihr Vaterland, Altbatern, allen 
Uebeln des Krieges. Erst jahrlaung den immerwähren- 
den Durchzugen kaiferlicher und anderer Krieges-Volker 
preis gegeben, ward“ es im Jahre 1706 endlich selbst 
der Schauplatz des verwüsterischen Kampfes. Alle bür- 
gerliche Ordnungen drohten dem Jusammensturz. Die 
böffentliche Verwaltung war, durch Anwesenheit und Ein- 
greifen fremder Heere in die innersten Staatsverhält= 
nisse, zerrissen und gelähmt. Die schdnsten Provinzen 
lagen vom Feinde besetzt, oder schon zu sehr erschöpft 
da, um die wachsenden Bedürfnisse des ganzen Landes 
stillen zu können. Die Landes-Kassen leer, die Lebens- 
bedürfnisse aller Art #verzehrt, der Credit tief schwan- 
kend, erwartete Baiern in dumpfer Ohnmacht die Ent- 
scheidungen des Schicksfals. 
Da begannen die Unterhandlungen des Friedens zu 
Campo-Formio. Baiern genas zu neuen Hoffnungen. 
Denn die treue Anhänglichkeit, die unbedingte Hinge- 
bung, welche Karl Theodor dem dsterreichischen Kai- 
serhause in den verhängnißschweren Tagen und Jahren 
bewiesen hatre, — die zahllosen Opfer, welche er, mit 
Oeffnung aller seiner Hülfsquellen, gebracht hatte, be-
        <pb n="25" />
        rechtigten wenigstens zu der Erwartung, das Wiener- 
Kabinet werde die kraͤftigsten Bemuͤhungen anwenden, 
dem Hause Baiern eine angemessene Entschaͤdigung fuͤr 
den Verlust seiner Lande auf dem linken Rheinufer zu 
bewirken. 
Aber der Friede ward den 17. October 1707 abge- 
schlossen. Der fuͤnfte Artikel desselben vernichtete jede 
Hoffnung. „Die fraͤnkische Republik,“ so lautete der 
Artikel, „wird sich dahin verwenden, daß Se. Majestaͤt 
„der Kaiser. in Deutschland das Erzbisthum Salzburg 
„und den zwischen diesem Erzbisthum und den Fluͤssen 
„Inn und Salza und dem Tirol gelegenen Theil des 
„baierischen Kreises, mit Einschluß der Stadt Wasser- 
„burg auf dem linken Ufer des Inn, mit dem Um— 
okreise eines Striches von 30,000 Geviertschuhen erhalte.“ 
Also, ungerechnet den Verlust seiner bedeutenden 
Besitzungen auf dem linken Rheinufer, sollte nun Baiern 
noch eine Provinz von fünf Städten, sieben Märkten, 
sechs Kldstern, 76 Hofmarken oder adelichen Gütern, 
über 1500 Odrfer, Weiler, Einddhöfe, einen Flächen= 
raum von mehr denn sechzig Geviertmeilen, eine Bevoͤl- 
kerung von 82,847 Seelen, nebst den Eisenwerken zu 
Aschau und Bergen, und den Salzwerken von Reichen- 
hall und Traunstein, die jährlich bey 500,000 fl. Ertrag 
lieferten, und in Folge von dem Allen, auch jede mili- 
tärische Gränze gegen Süden einbüßen. So war denn 
Batern auch für die Zukunft damit seiner natürlichen 
Schutzwehr gegen allfällige Unternehmungen des großen 
Nachbarstaates beraubt. Denn nicht sowohl der Inn, als 
vielmehr die Salzach bis zu ihrem Ursprung in der 
Tauernkette sollten Baierns Gränze bilden, deren Siche- 
kung gegen Mittag ein kleiner Strich des an Tirol
        <pb n="26" />
        — 10 — 
gränzenden Gebirgs begründen, und die sich ostwärts 
bis zur Iller ausdehnen müssen, um nur einigermaßen 
von Natur stark zu seyn. Nun aber sollte selbst Was- 
serburg, wo der Inn eine tiefe Einbiegung in Baiern 
macht, verloren werden, wodurch ein großer Theil-Nie- 
derbaierns umspannt, die Hauptstadt München selbst 
aus der Nähe bedroht wird. Der Inn sollte Gränze 
heißen, er, von dessen höherm rechten Ufer das linke 
beherrscht wird. 
Ein Verlust, wie dieser, erregte Ahnungen, daß 
früher oder später vielleicht Pfalzbaiern auch verurtheilt 
werden konnte, dem Hause Oesterreich fernere Entschä- 
digung nach unglücklichen Kriegen zu geben. 
Bey Erdffnung des Rastadter-Kongrefses war die 
erste Forderung der franzdsischen Bevollmächtigten zu 
einer Grundlage des Friedens der Republik mit dem 
deutschen Reich: unbedingte Abtretung des ganzen lin- 
ken Rheinufers, mit Einschluß des burgundischen Krei- 
ses; das heißt, einer deutschen Ländermasse von 1,200 
Geviertmeilen Flächenraums. Eine solche Forderung 
ließ eine nahe Erneuerung des großen Vdlker-Kampfes 
vermuthen. Daß zu derselben Zeit die öfterreichische 
Armee, laut Uebereinkunft des Feldzeugmeisters Latour 
mit Buonaparte, sich Cam 10, December 1707) vom 
Rhein hinter den Lech zurückzog, auch sogar (30. De- 
cember) Mainz räumte, beurkundete, daß Oesterreich 
entschlossen war, das Ende des verderbenvollen Krieges 
auch mit den schwersten Opfern zu erkaufen. Die Fran- 
zosen hingegen besetzten nicht nur Mainz und den Bru- 
ckenkopf von Mannheim, sondern blockirten auch die 
Festung Ehrenbreitstein. 
Ein selten erhdrtes Kriegsglück hatte die Macht der 
franzoͤ-
        <pb n="27" />
        franzoͤsischen Nation außerordentlich, aber auch nicht 
minder ihren stolzen Uebermuth gesteigert. Da stand sie, 
im Herzen Europens, auf einer nach allen Seiten ab- 
gerundeten Ländermasse, dreyßig Millionen stark, ihre 
Gränzen bis zum Rhein und den Alpen vorgerückt. — 
Im Norden mußte ihr die batavische Republik, im Sü- 
den die ligurische und cisalpinische zum Bollwerk dienen; 
Spanien, Sardinien und die Schweiz lagen unter ihrem 
Einfluß und Machtgebot. 
Aber da zertrümmerte Nelson pleotzlich in der 
Schlacht von Abukir die franzdsische Seemacht, und der 
Hafen von Alerandria ward blokirt, und Buonaparte 
mit vierzigtausend Mann, der Blüäthe des französischen 
Heeres, war in Aegypten vom übrigen Europa gerrennt. 
Die Pforte kündere gegen Frankreich den Krieg an, und 
Rußland trat, nach Katharinens Tode, mit der Pforte 
in die engste Verbindung. 
Diese großen, unerwarteten Erscheinungen wirkten 
nicht wenig, daß die Vollziehung des Friedens von 
Campo-Formio immer mehr verzdgert ward; daß die 
Unterhandlungen zu Rastadt sogar ins Stocken gerierhen, 
ungeachtet schon die Reichs-Depuration in Abtretung 
des linken Rheinufers gewilligt hatte. Zu Selz wurden 
neue Unterhandlungen, aber fruchtlos, erdffnet. — Frank- 
reich sah sich die besiegten Gegner wieder emporrichten. 
Darum bot es sogleich 200,000 Mann zur Ergänzung 
seiner Heere auf. Von der andern Seite sammelte 
Oesterreich alle Kräfte, befestigte Ingolstadt, Ulm und 
Passau stärker, und sah von Norden her ein rußisches 
Hülfsheer sich gegen seine Gränzen bewegen. Kaiser 
Paul verhies noch eine größere Kriegsmacht folgen zu 
lassen. 
2
        <pb n="28" />
        Unter diesen furchtbaren Vorbereitungen zu neuen 
Kaͤmpfen starb Karl Theodor, Kuͤrfuͤrst von Pfalzbai- 
ern. Es war am 16. Februar 1799. 
  
4. 
Marimilian Joseph tritt die Regierung an. 
Zustand Baierns, der Finanzen, des 
Heerwesens. 
Wohl selten ward einem Thronfolger mit so allge- 
meiner Begeisterung, mit so unbedingtem Glauben an 
eine bessere Zukunft, sogleich bei seinem ersten Erschei- 
nen, Huldigung geleistet, als dem bisherigen Herzoge 
von Pfalz-Zweybrücken, Marimilian Joseph. Man 
schien sich der schreckenvollen Vergangenheit nicht mehr 
zu erinnern, den Druck der Gegenwart nicht mehr zu 
fühlen, und das Drohen der Zukunfe nicht mehr zu fürchten. 
Maximilian Joseph erkaunte bald den verzweif- 
lungsvollen Zustand von Baiern. Es gehdrte mehr, als 
gewöhnlicher Muth dazu, unverzagt und mit fester Hand 
das Ruder eines Staates zu ergreifen, dem, bei innerer 
Entkräftung und Zerrissenheit, die äußern Stürme un- 
vermeidlichen Untergang zugeschworen zu haben schienen. 
Der neue Kurfürst zauderte nichr. Der ihn überall um- 
ringende lebendige Ausdruck von Liebe, Zuversicht und 
Treue seines Volkes hob ihn. Er warf den Blick auf 
die Gefahren, welche bevorstanden, dann auf die Mittel, 
welche das Land, ihnen zu begegnen, darbot. 
Aber die zu seinem Staate gehdrenden reichsten Pro- 
vinzen, die Rheinländer, waren durch die Kriegsjahre 
schon so erschöpft, daß sie kaum noch Kraft genug hat- 
ten, ihre eigenen Provinzigl-Verwaltungen gufrecht zu
        <pb n="29" />
        halten. Das Herzogthum Zweybruͤcken lag in franzoͤsi- 
scher Gewalt. So blieben nur Baiern, Neuburg, Sulz- 
bach und die obere Pfalz uͤbrig, das herbei zu schaffen, 
was zur Rettung der Selbststaͤndigkeit in diesen Augen- 
blicken das Dringendste hieß: Waffen und Geld. 
Die 28 Regimenter Karl Theodors waren nicht 
einmahl mehr vollzaͤhlig vorhanden. Vier Infanterie- ein 
Grenadier= und ein Dragoner-Regiment von Düsseldorf 
im Jahre 1705 nach Baiern gezogen, waren durch zahl- 
reiche Entlassungen gänzlich geschwächt worden. — Eben 
so hatte man die im Jahre 1707 nach Baiern gezogenen 
pfälzischen Truppen, (aus einem Grenadier-einem In- 
fanrerie „, einem Dragoner= und einem Chevaurlegers- 
Regiment bestehend) nur noch, wie Stamm-Abtheilun= 
gen beibehalten. Der ganze übrige Theil des Fußvol- 
kes betrug in der Wirklichkeit höchstens 3,000 Mann. 
Die acht Kavallerie-Regimenter befanden sich in so übelm 
Zustande, daß sie meistens unberitten, höchstens 700 
Pferde stark waren. Die Zeughäuser erblickte man leer. 
Die Pulver-Magazine hatten keine Vorräthe, selbst das 
von Grünwald keine, von wo die Oesterreicher im Jahre 
1707, bei der gewaltthätigen Wegnahme aller Pulver, 
140, 805 fl. 32 kr. an Werth, fortgeführt hatten. In 
Ingolstadt, dem einzigen festen Punkt Altbaierns, lag 
dsterreichische Besatzung unter dsterreichischen Befehl; 
und doch mußte das Land Baiern alle Unkosten und La- 
sten zur Anschaffung der ndrhigen Vorräthe, zur Ein- 
richtung der Verrheidigungs-Anstalten und zur Vermeh- 
rung der Festunge-Werke Ingolstadts tragen. 
Es scheint, daß Karl Theodor in seinen letzten Le- 
bensjahren diesen Verfall des Wehrstandes lebhaft genug, 
durch die Rückwirkung aller daraus enrsprungenen Nach- 
2 #
        <pb n="30" />
        — 20 — 
theile, empfunden habe. Denn schon im Jahre 1702 
sprach er seinen Willen aus, man müße, bei den wach- 
senden Gefahren, größere Kräfte zur Selbsivertheidigung 
aufbieten. Er äußerte noch im Jahr 1708 den Sctän= 
den wiederholt, es sey bei dem Druck, welchen das Land 
von Feinden sowohl, als von kosispieligen Freunden dulde, 
dringend Noth, eine Achtung gebietendere Stellung an- 
zunehmen. Allein er gelangte nicht zum Zweck. Die- 
sem hätte eine weisere Verwendung der Staats-Eine 
künfte, und von Seiten der Stände, die Ueberzeugung 
vorangehen müssen, daß unter so außerordentlichen Um- 
ständen außerordentliche Anstrengungen unvermeidlich wä- 
ren. Statt dessen fand der Kurfürst immerwährenden 
Widerstand, und das Land versank in immer tiefere 
Muthlosigkeit. Denn ganz Baiern war von zahlreichen, 
ösierreichischen Kriegsvolkern überschwemmt, während 
feindliche Heere den Gränzen droheten. Fast unerschwing- 
liche Lieferungen wurden fort und fort ausgeschrieben, 
während die Jersidrungen und Ausschweifungen der im 
Lande befindlichen Kriegsvblker nicht zu beschränken wa- 
ren. Dann wurden dazu noch die Durchzüge der Rus- 
sen, als nahebevorstehend, angekündigt, die Uebel der 
Gegenwart mit der Furcht der zukünftigen zu vermehren. 
Es läßt sich schon ahnen, wie unter solchen Ver- 
hältnissen die Staatshaushaltung beschaffen seyn mußte. 
Die Verwirrung in der Verwaltung der Finanzen war 
so groß, daß man den neuen Beherrscher von Baiern 
weder den wirklichen Ertrag der dffenrlichen Gefälle, 
noch sogar die Größe der Staatsschulden mit Bestimmt- 
heit angeben konnte. Das landschaftliche Steuer= und 
Umschlagswesen war mit einem dichten Schleier verhüllt, 
um das Unverhältnißmäßige und Verderbliche in demr
        <pb n="31" />
        — 21 — 
selben vor den Augen des Kurfürsten zu verbergen. Ei- 
nen großen Theil der gesammten Einkünfte verschlangen 
die Verwaltungskosten. Alle Cassen waren schuldig. 
Die baaren Geldbedürfnisse des Staats wurden für 
das Jahr 1700 auf 0,6760,372 fl. 44 kr. angeschlagen; 
aber man konnte nur auf eine wahrscheinliche Einnahme 
von 5.000,012 fl. 40 kr. zählen. ") Folglich ergab sich, 
wenn man den Wehrstand nicht seiner Nichtigkeit über- 
lassen wollte, ohne anders ein Deficit von 3,780,000 fl. 4 kr. 
Aus einer Uebersicht gesammter durch den Krieg mit 
Frankreich mittelbar oder unmittelbar veranlaßter Aus- 
gaben, die theils den Staats-Cassen, theils den Un- 
terthanen in den oben pfalzbayerischen Landen zur Last 
gefallen waren, ergab sich für den Zeitraum von sechs 
und einem halben Jahr (nämlich von 1703 bis Juli 
1700) die ungeheuere Summe von 29,025,668 fl. Da- 
  
*) Es war nämlich das ei- 
gentliche baare Geld-Bedürf- 
niß in Rückständen im baaren 
Geld 2,510,050 fl. Söfr. 
Hofzahlamts-Ausg. 
br. 1100 2,523,525 51 
Abrechnungsreste245,000-: 
Schuldentilgung 210,000-= 
Strassen u. Wasser- 
bau 250,0000 
Salz-Spedition s#30,000 
Wehrstand 5/550,584 6 
Lieferung zur öster- 
reich. Armee 425,385322 
  
Summa 
9,376,6 7 fl. 30 kr. 
Wahrscheinliche Geld-Einflüße 
pro 1700: « 
Kameral = Gefälle in Bayern 
2,555, 08 fl. 40 kr. 
Ordinarien der 
Landschaft 720,000 - 
——— 
Gefälle O. Pfalz, 
Sulzbach 2c.500,551.= : 
Herzogthum Neu- 
burg 171973z" 
Extraordinarien d. 
Landschaft 1,000,000 -= - 
Contribution d. 
Geistlichkeit 70,000= = : 
Summa 5,096,412 fl. 40kr.
        <pb n="32" />
        — 22 — 
von waren unmittelbar blos fuͤr den Dienst des Kaisers 
und Reichs 18,352,832 fl. gegeben, und 11,272,836 fl. 
als Kriegsfolgen berechnet. 
Der Krieg allein aber hatte nicht die dffentliche Ver- 
armung herbeigeführt. Die Quellen des Uebels lagen 
tiefer. Das Regierungs-Personal war übermäßig zahl- 
reich. Die Gerechtigkeitspflege gewährte den Untertha- 
nen keinen hinlänglichen Schutz. Der Ackerbau fand 
nirgends genugsame Begünstigung. Die auf falsche 
Grundsätze gebaute Landes-Polizey erstickte allen Ge- 
werbsfleiß und Handel. Selbst die Erziehung des Volks 
lag vernachläßiget, und der Zweck der vielen geistlichen 
Stiftungen verfehlt. 
So war der Zustand Baierns in dem Jahre, wel- 
ches über Seyn und Nichtseyn eines der altesten Stamm- 
voölker Deutschlands zu entscheiden drohte. 
Was Marximilian Joseph, durchdrungen von 
der Größe seiner Herrscherpflichten that, die Selbstständig- 
keit seines Volkes zu retten; wie er von keinem Hin- 
derniß geschreckt, von keinem Vorurtheil verleitet, die 
geistige Entwicklung des Volks, den Fortschritten des 
Jahrhunderts gemäß, begünstigte; wie er die Hülfs- 
Quellen des Landes dffnete, und je nach dem Gebot 
der waltenden Umstände zweckmäßig benutzte; wie er 
neue Heere schuf, und sich die Vortheile der jetzt anders 
gestalteten Kriegskunst durch Vermehrung leichter Trup- 
pen und einer gutbedienten, schnellbeweglichen Artillerie 
aneignete, daß Baierns Kriegsmacht dem Feinde nicht 
länger verächtlich, dem Bundesgenossen aber wichtig 
ward: Dieß werden die folgenden Bücher mit strenger 
Genauigkeit und Wahrheit darstellen.
        <pb n="33" />
        TLweytes Burh 
der 
PMKriegsgeschichte 
von 
BPapern 
unter 
Maxrimilian JVosepb I.
        <pb n="34" />
        <pb n="35" />
        — 26 — 
  
Zweites Buch. 
———““““ 
1. 
Uebersicht der Kriegesbegebenheiten im 
Jahre 1799 bis zur Schlacht von Stokach. 
Miten unter den Friedensverhandlungen zu Rastadt 
begannen die Franzosen gegen andere Nachbarnationen 
Feindseligkeiten und Staatsumwälzungen. Ihr Ver- 
wandeln des rdmischen Kirchenstaats in eine neue Re- 
publik, ihr Besetzen der Schweiz unter Aufldsung des 
eidsgendssischen Bundes, endlich ibr Eroberungszug ge- 
gen Neapel bedrohte fort und fort Festigkeit und Sicher- 
heit aller übrigen Länder. Deutschland mußte für seine 
natürlichen Vertheidigungsgränzen, Oesterreich für alle 
Vortheile seiner geographischen Lage zittern. 
Ohne Glauben an den Frieden, wurd“ er unterhau- 
delt. Man schien nicht ihn, sondern den großen Schlag 
vorbereiten zu wollen, welcher Europen's Loos für immer 
entscheiden sellte. Es bewegte sich aus dem Norden des 
Welttheils die Macht Rußlands hervor, und in Erwar- 
tung ihrer Ankunft sammelte sich das große, dsterreichi- 
sche Kriegsheer zwischen Lech und Donau. — Auf der 
endern Seite hinwieder sah man vier Armeen der fran-
        <pb n="36" />
        — 26 — 
zoͤsischen Republik in Italien, Helvetien, Frankreich und 
an der Donau rege werden. Alles stand im Hornung 
1799 zur Ausführung großer Kriegsentwürfe bereit. Da 
schwiegen die Unterhandlungen in Rastadt. 
Wider Frankreich waren, nebst Grobbrittannien 
und Oesterreich, zugleich Rußland, das deutsche 
Reich, die Türkei, Neapel und dessen zertrümmerte 
Streitkräfte in Calabrien und Sicilien, desgleichen Por- 
tugal und Sardinien. Und dieser vereinter Macht 
des grdßern Theils von Europa glaubte die junge, stolze 
Republik, noch trunken von ihren frühern Siegen, mit 
einer weitzerstreuten Kriegsmacht von höchstens 335,600 
Mann, Spitze bieten zu können..) Damit wollte sie 
die weite Strecke vom Terel bis zur sizilischen Meerenge 
vertheidigen, während die unter Oesterreichs Feldherren 
  
5 Frankreich hatte namlicht in Italien 41, 176 Mann 
in Neapel .. .«.-.25,590- 
iuPtemont...... 12,3360 
auf der Insel Korfu ..-. 5,701 „ 
in Malta . 5,698 » 
in Korsika ......» 5,156 „ 
die holländische ÄUimee 149,020„ 
Die Mainzer Armee . .66,083 2 
Truppen auf den Kuͤsten und im Innern 
Frankreichs 130070 
Urmee von Englaud. 330652 
in Egyoptern 3410575 
270,442 Mann 
Siezu noch cisalpinische, römische, ligurische, schweizer, pie- 
monteser und volnische Truppen, an Sahl 56,140 Mann, 
mitgerechnet, daher eine Summe von 355,588 Mann-
        <pb n="37" />
        — 27 — 
stehenden Schaaren von beiden Donauufern bis zur Etsch 
allein 107,000 Mann betrugen. Denn am linken Do- 
nauufer stand Feldmarschall-Lieutenant Sztarray mit 
24,000 Mann, zu denen auch das baierische Contingent 
gehbrte; am rechten Donauufer, längs der Iller von 
Ulm bis Kempten, Erzherzog Karl mit 13,000; an ihn. 
gelehnt Feldmarschall-Lieutenant Hotze bei Feldkirch 
mit 18,000; General Auffenberg in Graubündten 
(seit 10. October 1708) mit 6,000; Feldmarschall-Lieu- 
tenantt Bellegarde mit 18,000 in Tirol, welcher hier 
die Verbindung zwischen dem Erzherzog und dem Feld- 
marschall-Lienkenant Kray unterhalten mußte, der mit 
30,000 Mann an der Etsch stand. Gegen die Etsch zo- 
gen nun auch die Russen. 
Um die Vereinigung dieser letztern mit den Oester- 
reichern in Italien zu verhindern, wollten die Franzosen 
von der Schweiz aus, gegen Tirol hervorbrechen, dadurch 
den Feldmarschal-Lieutenant Kray aus seiner Seellung zu- 
rückzwingen, und um diesen Hauptangriff zu verdecken, 
die ganze Aufmerksamkeit der Oesterreicher nach der Do- 
nau hinlenken. Zu dem Ende erhoben sich auch hier 
die ersten Bewegungen. Zwischen dem iten und Sten März 
schritt Fourdan's Donau-Armee über den Rhein; zu- 
gleich besetzte Bernadotte Mannheim, in Folge einer 
zwischen dem franzdsischen General Ney und dem pfalz- 
baierischen Kommandanten Oberstlieutenant Mann ge- 
schlossenen Uebergabe der Stadt. Zwar auch Philipps-= 
burg, wo die dreibaierischen Contingentsbataillone lagen, 
wurde von den Franzosen aufgefordert, doch vergebens. 
Bis zum 4ten März war Bernadotte bis Heidelberg 
und im Nekarthal bis Heilbronn, Vandamme mit
        <pb n="38" />
        dem Vortrab des Heers durch das Kinzingthal uͤber den 
Hornberg bis Villingen, der linke Fluͤgel unter St. Cyr 
bis Freudenstadt, der rechte unter Ferino bis Rhein- 
felden und Waldshut vorgeruͤckt. So drang Jourdan 
mit Schnelle aus den Schluchten des Schwarzwaldes 
gegen die Donau heran. 
Erzherzog Karl seinerseits, seine Hauptstaͤrke in 
Schwaben zusammenziehend, und Ulm den Stuͤtzpunkt 
seines rechten Fluͤgels mit Besatzung und Lebensmitteln 
versehend, gieng uͤber den Lech dem Feind entgegen, und 
stellte sich bei Memmingen und Mindelheim auf. Sein 
rechter Fluͤgel lehnte sich an Ulm, sein linker an Kemp- 
ten. Was links der Donau bisher von seinen Kriegs- 
voͤlkern gestanden hatte, zog uͤber Donauwoͤrth und Guͤnz- 
burg herbei. 
Jourdan, welcher ohne Zweifel erwartet hatte, 
der Erzherzog werde sich ganz aufs rechte Donauufer 
werfen, sah ihn statt dessen zwischen diesem Fluße und 
dem östlichen Ufer des Bodensees eine Stellung einneh- 
men, welche zur Vertheidigung, wie zum Angriff gleich 
Vortheilhaft war. Das bewog ihn, um seine eigne Ver- 
bindung mit Schafhausen zu sichern, eilfertig den lin- 
ken Flügel unter St. Cyr über Rothweil und Duttlin- 
gen bis Möskirch näher zu sich zu nehmen. — So stan- 
den nun, nur wenige Tage nach verlassenen Winterla- 
gern und schon weit von denselben entfernt, zwei furcht- 
bare Heermächte in beinah paralleler Schlachtordnung 
feindlich gegen einander über, jeden Augenblick des 
Kampfes gewärtig. 
Unterdessen aber hatte auch von der Schweiz aus 
der französische Feldherr Massena seine Unternehmun-
        <pb n="39" />
        gen gegen Graubuͤndten begonnen. Er selbst gieng am 
G6ten Maͤrz, vor Tagesanbruch, bei Atzmoos und Sar- 
gans uͤber den Rhein, und bemeisterte sich des Engpasses 
vom Luziensteige. Links ruͤckte Oudinot gegen Ben- 
dern, rechts General Demont uͤber den Kunkelserberg 
gegen Reichenau, zwei Stunden von Chur. Die Oester- 
reicher, an der untern Zollbruͤcke stark verschanzt, zogen 
sich in der folgenden Nacht aus ihrer dortigen Stel- 
lung, uͤber die angeschwollene Landquart, erst nach der 
obern Zollbruͤcke, dann mit ungleicher Kraft gegen Mass 
sena's Uebermacht kaͤmpfend, bis Zizers, bis Masans 
und Chur zuruͤck. Sie hatten auf Unterstuͤtzung vom 
Feldmarschall-Lieutenant Hotze, aber vergebens, ge- 
hofft; denn Hotze selbst war vom General Oudinot 
wieder in die Stellung bei Feldkirch zuruͤckgezwungen 
worden. So ohne Huͤlfe, gab sich Auffenberg zu 
Chur mit seinem Kriegsvolk den Franzosen gefangen. 
Denn auch zum Ruͤckzug in's Tirol uͤber die noch 
tief beschneiten hoͤchsten Alpenpaͤsse war ihm wenig Aus- 
sicht geblieben, weil der franzdsische Feldherr Lecourbe, 
am gleichen Tage, da Massena über den Rhein setzte, 
von Bellinzona durch Misoxerthal über den Bernardino 
in's Domleschgerthal, von da in zwei Abtheilungen ins 
Engadin und Bregell gegangen war. Durch die glückli- 
chen Gefechte des franzbsischen Generals Mainoni 
(15ten März) am Fuße des wilden Seztimor, bei 
Casaccia und Borgo= nuovo, wurde die Besetzung 
des obern Engadins und durch Lecourbe's Vororingen 
bis Martinsbruck die Besetzung des untern Engadins, 
mithin die vollendete Eroberung Bündtens entschieden. 
Jetzt mußte, sollte der große Entwurf Vollendung 
erhalren, noch Tirol und Vorarlberg genommen, und
        <pb n="40" />
        damit eine gerade Verbindung der franzoͤsischen Heere 
zwischen Schwaben und Italien bewirkt werden. Aber 
da scheiterte Alles. Denn Hotze behauptete seine Stel— 
lung bei Feldkirch gegen Massena's Stuͤrme unerschuͤt— 
terlich. Erzherzog Karl, der vom Bodensee hinwegge- 
drückr werden sollte, trat als Sieger aus dem Gefechte 
an der Ostrach (Ziten März), wie aus der mbrderischen 
Schlacht bei Stokach (25ten März). Und da endlich 
(Sten April) auch der französische Oberbefehlshaber 
Scherer in Italien bei Magnano geschlagen ward: 
sahen sich die Franzosen überall nur auf Selbstverthei- 
digung beschränkt. Selbst Lecourbe und Desolles 
konnten nun ihre vortheilhafren Stellungen, die Schlussel 
zum Tirol, nicht länger festhalten, sondern mußten sich 
in's obere Engadin zurückziehen. 
An des geschlagenen Jourdan Stelle empfieng 
nun Massena den Oberbefehl, sowohl über das Heer 
von jenem, das bei Kehl über den Rhein zurückgegan- 
gen war, als über die franzdsischen Kriegsvdlker in der 
Schweiz, welche an beiden Enden des Bodensees, bei 
Rheinek und Schafhausen durch Kunsi und Natur starke 
Stellungen eingenommen hatten. Aber bald mußte er 
auch Schafhausen (15ren April) räumen. 
2. 
Begebenhelten in Italien und der Schweiz, 
bis zur Vereinigung Moreau's und Macs 
donalds, im Julyp. 
Schon hatten die Franzosen in Italien sich auf den 
Rückzug gegen die Ufer des Oglio und der Chiesa
        <pb n="41" />
        begeben, die Oesterreicher schon Mantua zu belagern, 
Peschierra zu sperren begonnen, als Feldmarschall 
Suwarow an der Spitze seiner Russen (13ten April) 
zu Verona eintraf. Die rußisch dsterreichischen Heere 
folgten von nun an den Franzosen auf den Fersen, die, 
unter Moreau's Oberbefehl, über die Adda nach 
Mailand zurückzogen. 
Mächtigern Widerstand leisteren sie in der Schweiz, 
wo sie mit großer Tapferkeit einen Angriff auf ihre 
Stellung bei Constanz zurückwiesen, und das Engadin 
gegen alle Anstrengungen des dsterreichischen Feldherrn 
Bellegarde behaupteten. — Aber der Rückzug Mo- 
rau's jenseits der Alpen zwang auch den Oberbefehls- 
haber Massena in der Schweiz, zeitig an die Wahl 
einer Stellung zwischen den helvetischen Gebürgen, Stroͤ- 
men und Sein zu denken, wo er sich auch mit geringern 
Streitkräften gegen Uebermacht halten, und selbst, wenn 
Moreau gus der Lombardei nach Piemont wiche, nicht 
alle Verbindung mit dem italienischen Heere einbußen 
konnte. Schon waren seine Streitkräfte durch beträcht- 
liche Absendungen geschwächt, während Erzherzog Karl 
ihm gegenüber sich bedeurend verstärkte, die Vollzählige 
machung der Reichscontingente mit Eifer betrieb, durch 
eine neugeschaffene Flottille Meister des Bodensees ward, 
und ein rußisches Hülföheer unter Korsakow's Anfüh- 
rung erwartete. 
Dem Erzherzoge waren die Vortheile nicht unbe- 
kannt, welche sein Feind aus den Oertlichkeiten Helve- 
tiens zu ziehen wußte, und es mußte ihm daran liegen, 
Massena's Aufmerksamkeit von da hinwegzulenken. 
Daher ordnete er große Bewegungen längs dem deut-
        <pb n="42" />
        schen Rhein an, von Hünningen, Mannheim bis Düss 
seldorf; unterstützte die bewaffneten Bauern der Berg- 
straße, und Sztarray nußte seine Vorposten bis in 
die Nähe von Frankfurt schieben. Doch Massena ließ 
sich durch das Alles nicht irren. Aber seine Lage ward 
bedenklicher, als Suwarow (k2ten April) über die 
Adda gegangen war; als Vukkasowich und Ro- 
senberg, die ösierreichischen Feldherren, den General 
Serrurier, auf Moreaur's linken Flügel, bei Per- 
derio, übermannt, eingeschlossen und die Waffen zu 
strecken gezwungen hatten; als endlich die Fahnen der 
verbündeten Mächte (am 23ten April) siegreich in Mai- 
land einzogen. Denn nun stand Massena's rechter 
Flügel in Graubündten vom franzdsischen Heere in Ira- 
lien abgebrochen. 
Die erste Wirkung davon ward, daß der am Aus- 
senende dieses Flügels im Veltlin stehende General 
Loison nach Chiarenna und Thusis in's Innere 
Bündtens zurückztehen, daß selbst Lecourbe, welcher 
sich noch in den ersten Tagen des Maimonds im Ober- 
engadin gegen Bellegarde's wiederholte Angriffe 
männlich behauptet hatte, nach Bellinzona zurück- 
gehen mußte. Inzwischen war diese Bewegung in so 
fern für Massena vortheilhaft, daß er dadurch von 
Bellinzona her den Paß über den Gotthardsberg 
deckte, wohinauf von der andern Seite durch den Kan- 
ton Uri General Soult die Zügänge frei machte, welche 
ihm das aufgestandene Landvolk daselbst sperren wollre. 
Nur noch das vom Rhein durchstroèmte Hauptthal 
Graubündtens war in Massena's Gewalt. Noch hielt 
der Luziensteig fest, welchen Hotze, der mit 20,000 
Mann
        <pb n="43" />
        Mann bei Feldkirch stand, vergebens stuͤrmte, obgleich 
ein Aufstand der Bauern im grauen Bunde gegen die 
Franzosen ihn beguͤnstigte. Massena haͤtte gern durch 
Bewegungen, welche er links im Schwarzwald gegen 
den Breisgau machte, den Blick des Erzherzogs von 
Graubuͤndten weggeleitet. Allein dieser lies sich in seinen 
Entwuͤrfen nicht stoͤren, um so weniger, da ihm die 
nahe Ankunft von 40,000 Russen angekuͤndet ward. Grau- 
buͤndten mußte genommen und dadurch Massena's ganze 
Stellung verändert werden. Es gelang. Denn während 
die Oesterreicher über Schafhausen vorrückten und an- 
griffen, stürmte Hotze (l#ten Mai) den Luziensteig noch 
einmahl und mit beßerm Glück. Die Franzosen wichen 
in Unordnung nach Sargans und Wallenstadt von der 
einen, und nach Ilanz und Disentis im grauen Bund 
von der andern Seite. Aber Bellegarde, von Si- 
den her nach Chur gekommen (16ten Maih), verfolgte 
die leztern gegen den Crispalt und Gotthard, Hotze 
die erstern über Wallenstadt hinaus. So war Grau- 
bündten von den Franzosen geräumt. 
Gleichzeitig mit diesen Unternehmungen geschahen 
die des Oberfeldherrn Suwarow in Italien. Er drang 
mit überlegener Macht Moreau's franzdsischem Heer 
nach, welches sich durch die Besatzungen noch mehr 
schwächte, die es in die verschiedenen im Rücken blei- 
benden Festungen werfen mußte. Er wollte Moreau 
zwingen, ehe derselbe Macdonalds aus Neapel her- 
ziehende Heerhaufen mit sich vereinigen konnte, ganz 
Memont und die Genuesische Küste zu räumen; er wollte 
dem linken Flügel von Erzherzogs Karl Armee das 
Spiel gegen den Gotthard erleichtern; er wollte, wäh- 
rend er zugleich die Belagerungen Mantua's, Ferra- 
5
        <pb n="44" />
        rais, Ravenna's, Ancona's, Pizzighetone's, 
Bolognass u. s. w. deckte, schneller die Uebergänge 
in den Appeninen erreichen, als Macdonald, um die- 
sen von Moreau abzuschneiden. Das war sein Ziel. 
Und darum, als auch nebenbei noch den General Kle- 
nau bei Ferrara zu unterstützen, eentsendete er den 
General Ott mit einer starken Abtheilung, dem anr#- 
kenden Macdonald entgegen. 
Moreau wich, aber Schritt um Schritt fechtend, 
aus der Lombardei nach Piemont, besezte hier die Cita- 
delle von Turin stärker, und stellte sich hinter dem Po 
und Tanaro vortheilhaft auf, indem er seinen rechten 
Flügel bis zu den Appeninen ausdehnte, von wannen er 
der Ankunft Macdonald's mit Ungeduld entgegen 
sah. Suwarow, wie geschwächt er auch durch Ab- 
gebung von Kriegsvolk zur Belagerung so viel hinter 
ihm liegend gebliebener Festungen und Citadellen war, 
konnte und wollte seinen klugen Feind in dieser Stellung 
zwischen Alessandrig und Valenzia, Casale und 
Verua, nicht dulden. Allein weder der Uebergang vom 
größten Theil der österreichischen Armee über die Seri- 
via bis Torre di Gorofolo, noch Suwarow's 
Streithaufen zwischen den Tanaro und die Appeninen 
geworfen, noch der Gang der Oesterreicher und Rußen 
über den Po und der damit verbundene Angriff des feind- 
lichen linken Flügels (den 11en und 12ten Mai) er- 
sch tterten den franzdsischen Feldherrn. Als aber (am 
16ten Mai) Melas mit den Oesterreichern noch einmahl 
über den Po nach Candia gehen, Vukkasowich die 
franzèsischen Stellungen bei Verreia, Ponte-Stura 
und Casale angreifen mußte, letzterer endlich Casale 
nahm, Suwarow bis Lumello vorrückte: sah Mo-
        <pb n="45" />
        reau, wie gluͤcklich er auch an diesen Tagen gefochten 
hatte, fortan seine Stellung unhaltbar geworden. Da- 
tum zog er sich über Asti und Cherasco nach Coni 
(22ten Mai), den letzten Punct der ihm noch übrig blieb, 
um Macdonalden mit sich zu vereinen. Die fran- 
zösischen Generale Gauthier und Miollis standen 
zwischen Florenz und Bologna ihn zu erwarten. 
Da Suwarow's Vordringen alle Verbindung 
zwischen Moreau und Massena unterbrochen hatte, 
ward es dem Erzherzog Karl um so wichtiger, mit 
Suwaron gleichen Schritt zu halten, und sich mit 
dem Sieger in Iralien in Reihe und Zusammenhang zu brin- 
gen. Er lies daher von Schafhausen und Stein her 
sein Heer gegen die Kantone Zürich und Thurgau, den 
Feldmarschall-Lieutenant Hotze über Werdenberg in 
die Grafschaft Toggenburg vordringen (22#ten Mai), um 
im Thurgau die bisher getrennt gewesenen Heertheile zu 
verbinden. Massena errieth die Absicht. Blutig 
ward bei Frauenfeld, bei Winterthur, bei Andelfingen 
und am Steig-Paß gestritten. Wie viel auch die Oe- 
sterreicher in diesen verschiedenen Treffen litten, dennoch 
ward bei Winterthur und Steftenbach die Vereinigung 
des Erzherzogs mit Hotze errungen, und Massena, 
des tapfersten Widerstandes ungeachtet, sah sich gend- 
thigt, seine Stellungen vor Zürich zu verlassen, und zur 
Schonung dieser Stadt, Zürich selbst ((ten Juni) zu 
räumen. 
Nun nahm Massena jene feste Stellung ein, die 
er für jeden Fall längst schon voraus gewählt hatte. 
Den linken Flügel lehnte er an den Rhein; die Heer- 
mitte breitete er westwärts Zürich auf allen Anhöhen 
3 #
        <pb n="46" />
        — 36 — 
aus und uͤber den Albis hin, wo sein rechter Fluͤgel vom 
Zugersee und Rigi gedeckt ward. Von letzterm nur durch 
den Vierwaldstättersee getrennt, stand Lecourbes 
Heer-Abtheilung in Uri, über den Gotthard hinaus bis 
zum Luzaner-See und Lago maggiore, wo General 
Loison befehligte. Letzterer freilich, als er zwischen 
dem Luganer= und Comer-See das Rohan'sche Korps, 
welches ihn beobachten sollte, in großes Gedränge ge- 
bracht hatte, war (schon den 18ten Mai) durch den von 
Mailand zu Hülfe eilenden General Hohenzollern, 
nach einem Gefecht im Val d'Agno, zum Rückzug 
nach Bellinzona gezwungen worden. 
Wenden wir den Blick wieder auf Italien zurück! 
Hier waren schon die Citadellen von Mailand und Fer- 
rara gefallen; Ravenna und Commachlo im Kirchen- 
staat genommen. Eine russisch-türkische Flotte bom- 
bardierte Ancona. Auch Mantua's Beschießung sollte 
schon angefangen werden, als hier (22ten Mai) Feld- 
Marschall-Lieutenant Kray pldzlich Befehl erhielt, nach 
Bologna zu eilen. Denn Macdonald's Vortrab 
war schon in Florenz angekommen und strebte gegen 
Pontremoli, Massa und Carrara, welche von 
den Franzosen besetzt waren. Konnte Macdonald diese 
Stellung erreichen, war nichts mehr im Stande seine 
Vereinigung mit Moreau zu hindern. 
General Ott erkannte die Wichtigkeit von Pon- 
tremoli. Er erreichte diesen Punct und war im Be- 
griff sich gegen Modena und Reggio zu bewegen, 
als er von den Franzosen wieder zum Rückzug gezwun- 
gen wurde. Unterdessen rückte Macdonald tiefer ins 
ToSöcanische ein. Sein Heer war, nach Zurücklassung
        <pb n="47" />
        — 37 — 
betraͤchtlicher Besatzungen in den Festen und Staͤdten 
hinter sich, noch immer 28,000 Mann stark. Mit die— 
sen verband er die in Toscang befindlichen Franzosen. — 
Dagegen waren die österreichischen Generale Ott bei 
Fornovo, Hohenzollern und Klenau in den Her- 
zogthümern Parma u. s. w. zu schwach, um ins Tos- 
canische einzurücken. Kray blieb daher in Castel- 
luccio, theils die Blockade von Mantua zu decken, 
theils die im Bolognesischen befindlichen feindlichen Hau- 
fen zu bedrängen. So konnte Macdonald seinen 
Zug verfolgen. Sein linker Flügel unter General Dom- 
browsky bemeisterte sich Pontremoli's; auf dem 
rechten Flügel warf General Clauzel den General 
Klenau und entsetzte das Fort Urbino. Macdonald 
selbst stand Anfang Juny's schon zu Lucca. Nun war 
ihm die Verbindung mit Genna und dem Oberbefehls- 
haber Moreau offen, der ihm den General Victor 
mit einer starken Abtheilung entgegen geschickt hatte. 
Die Kriegsvdlker der verbündeten Mächte lagen in 
Italien überall zu sehr vertheilt, um irgend ein großes 
Unternehmen gleichzeitig, schnell und mit Nachdruck aus- 
führen zu können. Marschall Suwarow beschränkte 
sich fast nur auf Eroberung Piemonts und besonders 
Turins. Das Alles gab den Franzosen freien Spielraum. 
Und als Suwarow endlich mit seiner ganzen Macht 
gegen Moreau rücken wollte, verließ dieser seine Stel- 
lung bei Coni freiwillig, nachdem er vorher diesen Platz 
in guten Vertheidigungs-Zustand gesetzt hatte, und zog 
sich nach dem Col de Tende zurück. Hier war Mo- 
reau, seit der Absendung Victors, in der That nur 
noch 15,000 Mann stark. Die Alpenpässe rings um 
standen indessen genugsam verschlossen und vertheidigt.
        <pb n="48" />
        — 38 — 
Der franzdsische General Kantrailles hielt Wallis 
besetzt. Hingegen das Briangonische und die übrigen 
altfranzbsischen Grenzen befanden sich auf dieser Seite 
ganz von Truppen entbldßt. 
Dadurch aber ließ sich Moreau keineswegs abhal- 
ten, sobald er einige Verstärkungen erhalten hatte, 
Groößeres zu wagen. Auf dem kurzesten Wege nach 
Mantua zu gelangen, diese Festung zu entsetzen, den 
General Kray hinter die Etsch zu treiben, die Citadellen 
Tortona's und Alessandria's zu befreien, dann mit 
Macdonald Hand in Hand gegen Suwarow zu ste- 
hen und den Schauplatz des Kriegs entfernter von Alt- 
Frankreichs Grenzen aufzuschlagen: Das Alles schien im 
Mean dieses Feldherrn zu liegen. Daher warf er sich 
plötzlich vom Col de Tende nach Savona; lies das 
Gericht ausfliegen, er erwarte jeden Tag von Toulon 
einen Zuzug von 15,000 Mann im Hafen von Vado; 
erschien unerwartet mit ohngefähr 10,000 Mann in Ge- 
nua, und zog von hier, um der Armee von Neapel 
näher zu kommen, gegen die Trebia. 
Maedonald seinerseits bewegte sich aus dem Bo- 
lognesischen gegen Modena vor; ließ unterwegs durch 
General Montrichard das Fort St. Urbano be- 
freyen, welches Klenau blockirt hatte, ging nach blu- 
tigen Gefechten glücklich über den Panaro vorwärts und 
nahm Modena (10ten Juni). In der That war da- 
rauf die Straße zur Vereinigung gedffnet und Man- 
tua selbst aus der Nähe bedroht. Macdonald schickte 
sogar, als hätte er Absichten gegen Mantua, den 
General Olivier in dieser Richtung; er selbst wandte 
sich mit seiner ganzen Heermasse über Parma und Pia-
        <pb n="49" />
        cenza zur Trebia (17ten Juni). Dahin eilte nun auch 
Suwarow mit seiner Macht, wo bald General Ott 
am Flüßchen Tidone auf General Salm, den Befehls- 
haber von Macdonald's Vorhut stieß, und ihn in einem 
dußerst lebhaften Gefecht zum Hauptheer zurückdrängte. 
Nun erhob sich zweitägige Schlacht (18ten und 10ten 
Funi) zwischen Suwarow und Macdonald an der 
Trebia. Keiner wich. Macdonald wollte sogar noch 
am dritten Tag die Schlacht fortsetzen; aber ihm ward 
um Noreau bange, von dem ihm keine Nachricht ge- 
worden war. Er wandte sich also auf der Straße von 
Parmoa gegen die Appeninen zurück. 
Es hatte Moreau, unbekannt warum 7 lange ge- 
zaudert. Vielleicht hatte General Bukkasowich an- 
fangs feine Thätigkeit gelähmt, der zwischen Ceva und 
Mondoovi gestanden war und dann, durch eine Bewe- 
gung nach Ormea, plhbtzlich im Rücken Moreau's 
wirkte. Nachher nahm Moreau seine Richtung, state 
gegen Robbio und Piacenza, zur Bormida; schlug 
dort mit dem dsterreichischen General Bellegarde, 
der und dessen Heerhaufen von der Armee des Erzher- 
zogs Karl, zu dessen großer Unzufriedenheit, nach Ita- 
lien gerufen war; bewirkte damit die Aufhebung der 
Belugerung Tortona's und kehrte wieder in die Appen- 
ninen zurück. Hier vereinten sich Macdonald's und 
Moreaus Heer ohne Mühe bei Genna. 
Wenn die binnen wenigen Monden eines Feldzuges 
fast gänzlich vollbrachte Eroberung Italiens allerdings 
für die russischen und österreichischen Feldherrn ruhmreich 
ist, kann man hinwieder auch ihrem Gegner nicht eine 
hohe Achtung versagen. Denn Moreau, der nach
        <pb n="50" />
        — 10 — 
Scherers Niederlage bei Magnano, die Anführung 
eines schwachen und geschlagenen Heers übernahm, wußte 
auch noch mit diesen jeden Fußbreit, welchen er zurück- 
weichen mußte, einer weit überlegenen Macht streitig 
zu machen; wußte, indem er in jede Festung, in jede 
Citadelle, in jedes Fort links und rechts mäßige Be- 
satzungen warf, die Stärke seiner Feinde zu vertheilen, 
weil diese zu Belagerungen und Blokaden große Streit- 
massen verwenden mußten; hielt sich in jeder Stellung, 
hinter jedem Fluße, so lange er konnte, um Zeit für 
Macdonald's Anzug zu gewinnen und bewerkstelligte 
die Vereinigung mit diesem gewandten Feldherrn, der 
Ueberlegenheit seiner Feinde ungeachtet. 
Aber auch nach der Vereinigung waren beide Heere 
zusammen nur etwa 45,000 Mann stark, ein geringes 
Ueberbleibsel von einer Masse, die sonst 120,000 Mann 
betrug! Die Verschanzungen und Uebergänge von Sa- 
vojen waren höchstens nur durch 25,000 Mann gedeckt. 
Maedonald hatte ganz Toscaua geräumt; auch Li- 
vorno und Porto Ferrajo wurden verlassen. So 
besaß die franzdsische Armee jetzt im Genuesischen ohn- 
gefähr dieselbe Stellung, die ehmahls. Buonaparte, 
vor seinem Uebergang über die Appeninen in die Thä- 
ler des Tanaro und der Bormida, inne gehabt. 
Hingegen hatte S uwarow theils durch einen (im 
Anfang Juli) nach Italien gekommenen neuen JZuzug 
von etwa 8.000 Mann Russen, theils durch den General 
Kaim, nach Uebergabe der Citadelle Turins (20ten Juni) 
ersprieslichen Zuwachs gewonnen. Der Kern seiner Heer- 
macht von ohngefähr 30,000 Oesterreichern und Rußen, 
durch Verbindung mit Kaim und Bellegarde auf
        <pb n="51" />
        50,000 Mand steigend, stand unterMélas Befehl zwi- 
schen Tortong und Alessandria; dazu stießen noch Ott, 
Klenau und Hohenzollern, nach der Räumung 
Toscana's mit 25,000 Mannz. Vukkasowich stand 
mit 18 bis 20,000 Mann Vorhut bei Coni, gegen das 
Montferrat; Haddik mit 10,000 dehnte sich vom 
Gotthard her gegen Malland. So konnte Suwarow 
also im August den großen Kampf wieder etwa mie 
150,000 Mann ernenen. 
  
*5 
Von der Schlacht bei Novi bis zur Schlacht 
bei Zürich im September 1700. 
Bald aber ward auch im Innern Nord-Italiens, 
nach den Uebergaben von Alessandria (2iten Juli) und 
Mantua (26ten Juli) eine beträchtliche Masse von Schag- 
ren frei, die bisher unter Bellegarde's und Kray's 
Befehleu nur mit Belagernügen beschäftigt gewesen wa- 
ren. Kray empfieng jetzt die Bestimmung von Italien 
ans die Verbindung mit. dem Erzherzog Karl in der 
Schweiz zu unterhalten, der dort mit kaum 60,000 
Mam gegen Mas S ena stand, und sehnsuchtsvoll die 
Ankunfe des Generals Korse akow mit 35,000 Mann 
erwärtete. Wieklich hatte diesei auch schon (2öten Juli) 
die baierischen Gränzen betreten, wo sich Mi ihm ohn- 
gefähr 3,000 Mann Baiern vereinigten. Oer Kurkfärsft 
von Pfalzbaiern verhies sein Kontingent 5 fuͤnffache 
zu erhdhen und hundert Römermonate in die Operao 
tions-Casse des Reichs zu zahlen. Aehusicht Vermeh- 
rung ihrer Streitkräfte gelobten die übrigen eichsstände
        <pb n="52" />
        — 2 — 
Deutschlands. Genug, vor Anfang Septembers sollten 
gegen Frankreichs südliche Gränzen 300,000 Mann schlag- 
fertig stehen; neus russische Zuzüge die Heere in Deutsch- 
land und Italien verstärken, und, nach einer Ueberein- 
kunft zwischen Engelland und Rußland, 10,000 Mann 
in Holland einfallen. 
Frankreichs Regierung erkannte die wachsende Ge- 
fahr, und hatte, ihr zu begegnen, kaum in allem 218,000 
Mann auf den Beinen. ') Es ward daher schnell von 
ihr eine Aushebung von 500,000 Mann angeordnet, die 
bis zum October ausgerüstet seyn sollten. Für Besatzun- 
gen und Dienst im Innern wurden die National-Gar- 
den aufgeboten. General Joubert empfteng den Ober- 
befehl in Italien; Moreau sollte die Führung der Ar- 
*) Die Armeen Moreau's und Matdonald's im Geuue- 
sischen kaum 65,000 Mann stark. 
Die Verschanzungen und Uebergänge von Savoien und der 
Dauphiné waren durch 25,000 Mann besetzt und ver- 
theidiget. 
Massena hatte ohngefähr 60,000 Mann. 
Die Besatzungen von Mainz, Straßburg, Ehren- 
breitstein, so wie die verschiedenen Abtheilungen am 
Alhein bis Düsseldorf betrugen ohngefähr 30, Ooo Mann. 
General Brune hatte in Holland, die Truppen dieses 
Landes nicht mitgerechnet, ohngefähr 10,000 Mann Fran- 
zosen zu seiner Disposttion. 
Die sogenannte Armee von Engelland war ohngefähr 25,000 
Mann stark, daher die gesammte Macht 
Frankreichs 105,000 Mann, 
hiezu 20, doo Holländer, 
5,000 Spanier, 
  
SGumma 2158,000 Mann.
        <pb n="53" />
        mee am Niederrhein übernehmen; Massena in der 
Schweiz und am Oberrhein bleiben; General Cham- 
pionet mit der sich bei Grenoble aus 50,000 Mann 
bildenden Alpen-Armee die Vertheidigung der Dau- 
phiné und Savoiens, oder auch die Unterstützung Jou- 
bert's oder Massena's besorgen. 
Jonbert, nach empfangenen Verstärkungen von 
Championet, brach sogleich auf über die Appeninen, 
gemäß den Weisungen seiner Regierung. Souwarow, 
Melas und Kray traten ihm bei Novi entgegen. 
Hier verlor Joubert Leben und Sieg in der mörderi- 
schen Schlacht (15t1en August), und kurz nachher unter- 
handelte auch die Citadelle von Tortona ihre Uebergabe 
(22#ten August). Moreau, noch in der Schlacht bei 
Novi gegenwärtig, führte das geschlagene Heer in die 
verschanzten Stellungen der Bochetta auf genuesischen 
Grund zurück, während Championet, ihn zu unter- 
stützen, in Eil mit der Alpen-Armee nach Miemont nie- 
derstieg. 
Dieser abermahls gelungene Anfang des erneuten 
Feldzuges erregte den verbündeten Mächten hohe Erwar- 
tungen. Sie betrachteten ihre vereinten Schlachthaufen 
von Mainz her bis Genua, als ein einziges Heer. 
Die Mitte desselben sollten die Russen bilden in der 
Schweiz unter Suwarow's Anführung; den rechten 
Flügel das kaiserliche und Reichsheer unter Erzherzog 
Karls Befehl am Oberrhein; den linken in Italien 
die Oesterreicher, unter der Generale Melas und 
Kraps Befehlen. — Wirklich rückte nach dieser neuen 
Anordnung die erste der russischen Heersäulen aus Ita- 
lien, unter dem General Rosenberg, mit Anfang
        <pb n="54" />
        Septembers uͤber Navarra dem Gotthardsberg und 
der Schweiz zu. Suwarow selbst folgte mit dem übri- 
gen Theil der russischen Kriegsmacht. 
Doch bevor wir seine weitern Thaten und Schick- 
sale in den Alpengebirgen verfolgen, ist es nothwendig 
einen Rückblik auf das zu werfen, was bisher zwischen 
Erzherzog Karl und seinen Gegner Massena geschah. 
Letzterer konnte es, als günstigen Zufall, achten, daß der 
Erzherzog sich durch die Absendungen Bellegarde's 
und Haddik's nach Italien hatte schwächen müssen. 
Denn nun waren die gegenseitigen Streitkräfte einander 
ohngefähr wieder gleich geworden. Beide Heere standen 
vom Rhein, längs den Ufern der Limmat, bis in die 
Berg= und Waldkantone, einander lange unbeweglich 
gegenüber; beide nur ihre Verstärkungen erwartend. Der 
Erzherzog Karl hatte sein Hauptgelager in Kloten ohn- 
weit Zürich; Massena in Lenzburg. Nur die Außen- 
enden der Flügel trafen von Zeit zu Zeit in Gefechten 
zusammen, welche wenig entschieden; so am Oberrhein 
unter General Stzarray und dem franzdsischen Ge- 
neral Legrand in den ersten Tagen des Juli, bei 
Altbreisach, Offenburg und andern Orten; so fast zu 
gleicher Zeit, am Waldstättersee im Kanton Schwyz 
und im hohen Issithal des Unterwaldnergebirgs. 
Inzwischen hatte Massena nach und nach hheil- 
weise Perstärkungen erhalten; aber von der andern Seite 
waren in der ersten Hälfte Augusi's auch schon die vom 
Fürst Korsakow herbeigeführten neuen russischen Hülfs- 
schaaren zur Unterstützung Oesterreichs in die Schweiz 
eingerückt. Dies, und um gleichzeitig die Bewegungen 
Joubert's und Championet's in Italien mit seiner
        <pb n="55" />
        Thätigkeit in den Alpen zu befbrdern, bewog alsobalb 
den Feldherrn Massena pldtzlich angriffsweise zu ver- 
fahren. Er wollte sich der kleinen Kantone des Gott- 
hards und der ganzen Linie zwischen dem Gotthard und 
dem Zürichsee bemächtigen, welche ausgedehnte und viel 
unterbrochene Strecke Landes die dsterreichischen Gene- 
rale Simbschen und Jellachich, mit etwa nur 
20.000 Mann, zu vertheidigen hatten. Gelang dies, 
so konnte Massena vom Gotthard herab nach Bünd- 
ten und Italien drohen, und seine Verbindung mit der 
Heer-Abtheilung Thürrau's im Wallis erneuern, zu- 
gleich auch für die Stellung der Oesterreicher bei Zürich 
eine Umgehung derselben besorgen lassen. Dies ward 
Massena's Plan. 
Zu dem Ende verstärkte er seinen rechten Flägel im 
Gebirg, und, um dessen eigentliche Bestimmung zu ver- 
larven, machte er, nach einigen kleinen Vorposten -Ge- 
fechten, die ernsthaftesten Angriffe auf die Mitte und 
den rechten Flügel seines Feindes, gieng (17ten August) 
von einem Nebel begünstigt sogar über die Limmat, 
drang da in das Lager der dsterreichischen Reiterei ein, 
verursachte ihr bedeutenden Verlust, und zog dann nach 
einem morderischen Gefecht, in welchen besonders viele 
auf beiden Seiten gegen einander kämpfende Schweizer 
getödtet wurden, wieder an das linke Limmat-Ufer zu- 
ruck. Aber während dem hatte als Hauptsache, die 
Heer-Abtheilung Chabran's über Schindellegi und 
Ezelberg hinweg die Stellung des Generals Jellachich 
längs der Reuß umgangen, angegriffen, zum Theil ge- 
zwungen, die Beschirmung von Glarus aufzugeben und 
sich eiligst der Mitte des dsterreichischen Heers zu nähern. 
Und so war damit die bisherige Verbindung des Erz-
        <pb n="56" />
        — 46 — 
herzogs bei Zuͤrich und seines linken Fluͤgels im Gebirg 
zerschnitten. Dies erleichterte nun dem General Le- 
courbe, diesem erfahrnen Gebirgskrieger, die Aufga- 
be, sich des Gotthards zu bemeistern. Wirklich hatte 
er schon (am 15ten August) im Kanton Schwyz den 
Posten bei Brunnen ohne große Muͤhe erobert, weil sein 
Unterfeldderr Boivin von Zug her, rückwärts von 
Brunnen, die Stellung der Oesterreicher beim Flecken 
Schwyz heftig angefallen, und durch Absendung eines 
Schlachthaufens hinter dem Haken= und Moytenberg 
herum, umgangen hatte. Die Oesterreicher zogen sich 
durchs Muttathal über den Pragel nach Glarus. Eben 
so trieb Lecourbe auch den General Simbschen aus 
Uri durchs Schächenthal, indem er dessen Stellungen zu- 
gleich von Seedorf her, und, über das Gebirg der En- 
gelberger = Alpen herab, von Attinghausen her, umgan- 
gen und überfallen hatte. Das that er am Ausfluß der 
Reuß in den Waldstättersee, während sich seine Unter- 
feldherrn Loison und Gudin auf Umwegen über die 
hoöchsten Alpen den Quellen des Reußflußes nähern muß- 
ten. Loison erklomm mit seiner Brigade vom Gad- 
menthal aus das fast unwegsame Gebirg und stieg durch 
das rauhe Meienthal, wo einige hundert Oesterreicher 
in einer uralten, halbverfallenen Schanze lagen, ohne 
großen Widerstand derselben, unterhalb der berühmten 
Teufelsbrücke nach dem Dorfe Wasen an der Reuß nie- 
der. Mächtigern Widerstand erfuhr Gudin von den 
Oesterreichern auf den hohen Wildnissen der Grimsel. 
Erst nachdem er diese siegreich überwunden hatte, gieng 
er über die Alpen der Furca in's Urserenthal nieder. 
So war der Gotthard allseitig genommen, deögleichen 
der ganze Reußstrom. Die Franzosen standen an den
        <pb n="57" />
        Graͤnzen von Buͤndten und von Glarus, nach dem Aus- 
fluß der Linth in den Zörichsee. 
Aber auch die franzbsische Rhein-Armee in Deutsch- 
land, hdcbstens 20,000 Mann stark, zwischen Mann- 
heim und Mainz, unter dem General Müller, setzte 
sich bald nach diesem (25ten August) ebenfalls in Be- 
wegung, um die Aufmerksamkeit des Erzherzogs zu thei- 
len. Muller selbst nahm, nach tapferer Gegenwehr 
des Szekler= Husaren-Regiments, die Stadt Heidelberg, 
wo sich mit ihm auch Baraguapy dHilliers vers- 
band, der, als Befehlshaber des linken Flügels, von 
Mainz her, über Frankfurt und Aschaffenburg, auf der 
Bergstraße zu ihm stieß. Von da rückte Müller über 
Wisloch gegen Philippsburg, schlug eine Schiffbrücke, 
nahm Stellung am Neckar gegen Bruchsal zu und bom- 
bardirte Philippsburg (vom Söten bis 11ten September). 
Doch machte er hier keine bedeutende Fortschritte. 
Denn die Besatzung von Philippsburg, unter Be- 
fehl des Rheingrafen von Salm, und aus verschie- 
denen Reichstruppen zusammengesetzt, (auch drei schwache 
baierische Bataillone waren dabei) widerstand muthig, 
wiewohl die ganze Stadt in Feuer aufgieng, und die 
Gefahr jeden Tag wuchs.“!) Von der andern Seite aber, 
4 
  
6*o) In den vom Rheingrafen anfgestellten Amtsbericht gedenkt 
derselbe der seltenen Hingebung aller ihm untergebenen 
Truppen-Abtheilungen mit der größten Würdigung, und 
zeichnet vom churpfalzbaierischen Kontingent vorzüglich das 
Betragen des Kommandanten Obristen von Triva, des 
churpfalzbaierischen Mafjors von Mezen, des Artillerie. 
Lieutenants Koch, der Lieutenants Spitzel, Sieber 
und Heypder ehrenvoll aus.
        <pb n="58" />
        — 46 — 
während sich mit großer Eil zwischen Heilbronn und 
Ludwigsburg ein dsterreichisches Corps sammelte, drang 
General Stzarray von MAillingen über Rastadt und 
Pforzheim vor, und nthigte einige heraurückende fran- 
zösische Heersäulen zum Rückzug. Mit den Oesterreichern 
verband sich in jenen Gegenden noch der vom Minister 
Albini trefflich eingerichtete mainzische Landsturm, der 
in der Nähe von Seeligenstadt ebenfalls eine fran- 
zösische Heer-Abtheilung zurückwarf, und dann, mit 
dem Odenwalder Landsturm verbunden, eine gute disci- 
plinirte Masse von 50,000 Mann bildete. Dieser be- 
setzte darauf die Ufer des Mains, breitete sich gegen 
die Bergstraße aus und beunruhigte sogar die Festung 
Mainz. Dann schickte auch Erzherzog Karl (27ten Au- 
gust) dreizehn Bataillons Fußvolk und drei Regimen- 
ter Reiterei der hartbedrängten Feste Philippsburg zu 
Hüäife, und ersetzte die dadurch in der Schweiz enrstan- 
dene Lücke mit den unter Korsakow inzwischen ange- 
kommenen Russen. Er selbst übergab den Heer-Befehl 
in der Schweiz dem Feldmarschall-Lieutenant Hotze und 
eilte nach Philippsburg. 
Hier war nun für den franzdsischen General Mül- 
ler kein Haltens mehr, sondern, nach hundert dreisig- 
stündiger Beschießung der Veste, hob er die Belagerung 
auf (12ten September) und zog davon, durch das Feuer 
aller Rückschanzen und den pfalzbaierischen Major Me- 
zen verfolgt. Er räumte auch Mannheim und gieng 
nach Mainz und Speper. Wenige Tage nach diesem 
(löten September) stand Erzherzog Karl schon mit 
25,000 Mann in der Neckar-Ebene, lies hier durch die 
Heser-Abtheilungen Stzarray und Kospoth schleu- 
nig
        <pb n="59" />
        — 40 — 
nig angreifen, sowohl die feindliche Schanze am rech- 
ten Reckar-Ufer, als die Neckarauer Batterien erstür- 
men, die Schiffbrücke des Feindes zusammenschießen, 
die Stadtthore von Mannheim sprengen und den Nach- 
zug des franzdsischen Feldherrn Laroche gefangen neh- 
men. Karl bezog darauf eine Stellung bei Schwetzin- 
gen, besetzte unterhalb Frankfurt beide Mainufer und 
drohte mit den manichfaltigsten Zurüstungen in korzer 
Zeit, an der Spitze von 60,000 Mann, den Uebergang 
zum linken Rhein-Ufer. 
Da geschah von Mas sena aber der farchtbare 
Schlag bei Zürich, welcher alle Entwürfe zerriß. 
Es war ein großgedachter Plan der Verbündeten, 
die Franzosen zur Räumung der Schweiz zu zwingen, 
um dann von hier aus gegen die unbewehrte franzbsische 
Gränze andringend , linko dem Heer im Piemont Hand 
zu bieten und rechts dem Erzherzog Karl den Rhein- 
Uebergang zu erleichtern. Dieß war ohne Besitz der 
Schweiz nicht moglich. Denn wer die Schweiz hatte, 
der stand wohl geborgen in einer ungeheuern Vestung, 
immerdar den links und rechts Vorgedrungenen im Na- 
cken, und trennte ihre Gemeinschaff. Darum mußte 
Korsakow, mit seinen 26,000 Russen, eiligst zur 
Stärkung des dsterreichischen Heers in die Schweiz; 
darum mußte Suwarow über den Gotthard durch 
Uri; von da sollte er dann über die Unterwaldner= Berge 
gegen Luzern und Bern Bewegungen machen, durch 
welche Massena schlechterdings gendthigt werden mußte, 
seine bisher unerschütrerliche Stellung aufzugeben. Allein 
Korsakow's verspätete Ankunft, Suwarow's Ver- 
äbd gerung mit 18 bis 20,000 Mann im wildesten Ge- 
Pr
        <pb n="60" />
        birg, und Massena's richtiger Feldherrn- Blick und 
schneller Entschluß, alle einzeln zu schlagen, enschied 
anders. 
Nachdem sich in Italien Tortona noch dem Mar- 
schall Suwarow (I(1ten September) übergeben hatte, 
trat er, wie wir schon gemeldet haben, seinen Zug gegen 
die Schweizer-Alpen an; voran General Rosenberg. 
Den Zug der Russen aufzuhalten, waren indeßen die 
franzdsischen Heerführer in Italien nicht müßig. Denn 
hier führte der thätige Championet, welcher sich Su- 
sas und Aosta's bemeisterte und sogar his Pigne- 
rolo vordrang, lebhaften kleinen Krieg; und Moreau, 
zwischen St. Giacomo und Sarona aufgestellt, schien 
ebenfalls wieder angriffsweise verfahren zu wollen. Me- 
las hatte mit der österreichischen Hauptmacht (355 Ba- 
taillons und 5 Regimenter Reiterei) bei Bra, an der 
Stura, zwischen den Appeninen und Alpen, dem 
Championer gegenüber, vortheilhafte Stellung ge- 
wählt. Auch ward Championet, nach Vorschiebung 
seiner Kolonne von 6 — 7,000 Mann gegen Turin, 
und da er den General Duhesme zu seiner Linken 
nach Jorea gegen Haddick hatte vorwärts gehen 
lassen, während er selbst mit Macht durchs Marquisat 
Saluzzo gegen Fossano und Savigliano vorge- 
drungen war, wo er 6,000 Oesterreicher Vortrab, un- 
ter General Gottesheim, (185ten und 15ten Septem- 
ber) in blutigen Gefechten geworfen hatte, mit beträcht- 
lichem Verlust (18ten September) nach Maira zurück- 
geschlagen. Denn Kray war ihm links nach Fossano, 
Melas ihm rechts nach Savigliano entgegengezo- 
gen. Beide stießen so siegreich auf ihn, wie die öster- 
reichischen Feldderrn Bellegarde, Kaim und BVuk-
        <pb n="61" />
        51 — 
nasowich oberhalb Turin auf die gegen ihre Posten- 
kette anrückenden feindlichen Haufen, welche bis Susa 
zurückweichen mußten. So schirmten Melas und Kray 
den Zug der Russen in's Hochgebirg. Nach diesem nahm 
Duhesme den Befehl über Championets Herrz 
Championet den Befehl in Genua, und Moreaqu 
begab sich nach Paris. 
Als Suwarow nun über Luzano und Bellin= 
zona ins Liviner-Thal angekommen war, stieß er zu- 
erst bei Airolo auf den Feind. Denn von hier, über 
die Hdben des Gotthardsbergs hinweg, zum Urserenthal, 
und dort am Oberalpbach gegen Disentis hin, stand 
Gudin's Brigade. Hinterwärts, auf der andern Seite 
des Gotthard, von Wasen bis Steig, das Maderaner- 
Thal bewachend, stand Loison's Brigade. Lecourbe 
selbst, unrer welchem diese Brigaden den dußersten Theil 
vom rechten Flügel des Massena'schen Heers bilde- 
ten, befand sich zu Alrdorf in Uri und bewachte das 
Schächenthal. Eine dritte seiner Brigaden, unter Mo- 
litor, war über den Pragel gegen Glarus den von 
Schwyz verdrängten Oesterreichern nachgesandt. 
In dem Augenrblick (25ten September), da nun 
Suwarow in Person die Franzosen bei Airolo an- 
griff, drang auch Rosenberg durchs Piorathal über 
Disentis und die Oberalp in beschwerlichem Umweg, 
gegen Urseren, um den von Airolo über den Gotthard 
weichenden Franzosen den Rückzug abzuschneiden; eben 
so stieg General Auffenberg, von Disentis aus, 
seitswärts über das Gebirg ins Maderaner Thal hinab 
zum Urner Dorf Amstäg, theils um den vor Suwarow 
und Rosenberg Zurückziehenden den Paß zu verrennen, 
theils bis Altdorf offene Bahn zu bereiten. 
4 +
        <pb n="62" />
        — 52 — 
Der Entwurf war trefflich, ward aber in der Voll- 
ziehung gleich anfangs durch den unerwarteten Wider- 
stand gebrochen, welchen Gudin zu Airolo mtt einer 
Handvoll Mannschaft gegen die überlegene Macht seiner 
Feinde leistete. Damit hatte Guden wenigstens einen 
Tag gewonnen, und Suwarow ihn verlohren. Jener 
zog sich darauf in bester Ordnung über den Gotthard 
nach Hospenthal, Realp auf die Furca und Grimsel, 
welche Bergpäße die Schlüssel sowohl zu den Rhone- 
und Aar-Thälern von dieser Seite, als auch zur Wie- 
dereroberung des Gotthard sind. Die Einnahme dieser 
unwirthlichen Gegend harte dem Feldmarschall Suwa- 
row bei 1200 Mann gekostet. 
Nach blutigem Gefecht an der Teufelsbrücke und 
hinunrer bis Wasen (25ten September), wo sich Loie 
son endlich wieder nach den Hohen des Meienthals zu- 
rückzog, gelangte Suwarow zum Dorf Amstäg nie- 
der, wo auch Auffenberg unterdessen durchs Mader- 
anerthal zu ihm stieß. Von hier an vertheidigte aber 
Lecourbe wieder jeden Schritt Bodens bis Ersifeld, 
wo er sich dann begnügte, das linke Ufer der Reuß von 
der Brücke zu Erstfeld bis zu der von Attinghausen, 
und bis Seedorf zu vertheidigen. Bei Seedorf fließt 
die Reuß in den Waldstärtersee. Lecourbe hatte längst 
schon bei Seedorf starke Verschanzungen angelegt. In 
diesen wagr er's, mit kaum 1500 Mann, die ihm nach 
Besetzung jener Brücken noch übrig geblieben waren, 
dem Eroberer Italiens und einem Hekr von 25,000 
Mann vorzüglicher Truppen, Stirn zu bieten. Ja, als 
Suwarow (am 27ten September) bei Ersifeld den 
Hauptübergang der Reuß erzwingen wollte, ohne dessen 
Besitz ihm die verschiedenen Päße des Gebirgs nach
        <pb n="63" />
        — 55 — 
Unterwalden und Luzern verschlossen blieben: machte Le- 
courbe sogar bei Seedorf einen der kühnsten Uebergänge 
der Reuß mit einem Bataillon, vier Grenadier-Com- 
pagnien und zwei Kanonen. Er umgieng den Flecken' 
Altdorf, drang in's rußische Lager ein und richtete so 
große Verwirrung an, daß Suwarow gezwungen 
ward, von seiner Unternehmung bei Erstfeld wieder ab- 
zustehen und seinem eignen Lager zu Hülfe zu eilen. 
Lecourbe unterhielt das Gefecht bis in die tiefe Nacht; 
dann zog er sich über die Reuß in seine Schanzen, zu- 
frieden ein ganzes feindliches Heer drei Tage lang be- 
schäftigt und seine wichtige Stellung behauptet zu haben. 
Inzwischen war durch Massena bei Zürich schon 
der entscheidende Hauptschlag gegen die dortige rußisch- 
österreichische Armee vollbracht. Feldmarschall Hotze, 
unter dessen Oberbefehl 20 Bataillons Fußvolk und vier 
Regimenter Reiterei standen, hatte, seit er durch Mo- 
litor aus Glarus und Näfels verdrängt war, vortheil- 
hafte Stellung hinter der Linth, von Wesen bis Uznach. 
Von hier, längs dem Zürichsee und Limmat bis Baden 
dehnten sich, unter Korsakows Befehl die Russen 
aus; auch den Hornberg bei Zäürich hatten sie besetzt, 
so wie die Hdhe, welche die Straße nach Wollishofen 
beherrscht.“) General Nauendorf stand der Stadt 
Baden gegenüber bis zum Rhein. 
*) Das diesem Korps zugetheilte, aus den Bataillons Ren- 
ner, Millius und Siebein, so wie aus einer Bat- 
terie bestehende pfalzbaierische Korps, hatte sich zu An- 
fang Septembers bei Donauworth zusammengetogen, und 
brach am 12ten genannten Monats nach Zürich auf, die 
Vereinigung mit jener Armee zu vollziehen.
        <pb n="64" />
        Dagegen war Massena's Stellung folgende: 
General Thureau im Wallis; an ihn rührte Lecourbe 
von beiden Seiten des Gotthard bis zum Waldstätter- 
see; Molitor im Kanton Glarus an die obere Linth 
vorgeschoben, lehnte sich an General Soult, der die 
Linie von Bilten, an der Glarner Gränze, bis Horgen 
am Zurichsee besetzte. Von da und Antliswyl bis Die- 
tikon war Mortier, neben ihm bis Baden Lorges 
aufgestellt, welche Beide die Mitte des Heers bildeten. 
Menard, von Baden bis zum Rhein, und General 
Klein mit einer Reserve im Frickthal bildeten den 
linken Flügel. Chabran befehligte zu Basel. 
Bei Suwarows UAnkunft in der Schweiz waren 
beide Theile gleich stark. Die verbündeten Mächte hat- 
ten hier ein Herr von ohngefähr 73,000 Mann, die 
Franzosen ohngefähr 75,000 Mann. 
Sobald Massena vom Anzuge Suwarow's ge- 
gen die Alpen benachrichtigt war, wollte er keinen Au- 
genblick versiumen. Er mußte vor allen Dingen den 
General Hotze, der auf den Höhen zwischen der Linth 
und Thur die Eingänge des Glatt und Tößthals schirmte, 
durch eine große Bewegung aus seiner Stellung hinweg- 
nbthigen, ihn vom General Jellachich trennen, und 
ihm jede Vereinigung früh oder spät mit Suwarow, 
durch den Kanton Glarus oder Schwyz, unmöglich 
machen. 
Nachdem (am 234ten September) Menard zwi- 
schen Brugg und Klingnau die Aufmerksamkeit des 
Feindes an sich gezogen hatte, ging Lorges folgenden 
Tages, ohnweit Dietikon über die Limmat gegen das 
rußische Lager; Mortier und die Reserve unter Ge-
        <pb n="65" />
        neral Klein griffen die rußischen Stellungen auf den 
westlichen Hoͤhen bei Zuͤrich von der Stirnseite an. Aber 
auch Soult, am andern Ende des Zuͤrichsee's, war in 
derselben Zeit über die Linth an das rechte Ufer über- 
gegangen. Feldmarschall Hotze, überrascht durch den 
kräftigen Angriff, mit einigen Offizieren zu seinen Vor- 
wachten zwischen Kaltenbrunn und Schennis hinaus- 
geritten, um sich über des Feindes Bewegungen zu ver- 
gewissern, ward hier von den Franzosen ereilt, umzin- 
gelt, getddtet. 
Der Verlust dieses landeskundigen Feldherrn in sol- 
chem Augenblick war für den Ausgang der ganzen Schlacht 
folgenreich. Desto sicherer verfolgte Soult, der gegen 
ihn befehligte, seine Entwürfe. Indem Soult mit 
aller Kraft gegen die Brücke von Grünau, beim Aus- 
fluß der Linth in den See, den Angriff that, fie erstürmte 
und gegen den Prinz von Würtemberg behauptete, der 
mit drei rußischen Bataillons von Rapperswyl herbei 
geeilt war, mußten die Oesterreicher, nun in Gefahr bei 
Uznach ihren rechten Flügel umgangen zu sehen, ihre 
Stellung daselbst verlassen. General Petratsch, wel- 
cher nach Hotze's Tode den Befehl übernommen, ward 
im anhaltenden Gefecht dieses und des folgenden Tags 
gegen das Gebirg gedrückt, und zog zuletzt in Unordnung 
durch das rauhe Goldingerthal nach Lichtensteig ins 
Toggenburg. 
Damit war das rußische Heer von den Oesterrei- 
chern getrennt, und auf seinem linken Flügel und im 
Rücken blos. gegeben. Aber die Russen selbst hatten 
schon bei. Zürich schwer gelitten; denn Lorges hatte 
ihr Lager durchbrochen und fie bis unter die Stadtmau-
        <pb n="66" />
        ern gedrängé, während Mortier und Klein die west- 
wärts Zürich gelegenen Hôhen erstürmten. Die Fran- 
Losen stritten mit solchem Ungestüm, und hinwieder die 
Russen, fast eingeschlossen, behaupteten die ihnen ange- 
wiesenen Blätge so beharrlich, daß das Blutbad fürchter- 
lich, die Niederlage der Russen envlich vollständig ward, 
und Gepäck und Geschütz derselben in die Hände des 
Feindes ssel. Korsakow zog fast zu spät, nach Egli- 
san zurück. Die Franzosen drangen schon in die Stade 
Zürich, als er noch auf der andern Seite aus den Tho- 
gen floh. 
Bei Eglisau stieß das von Donauwörth nach der 
Schweiz gernsene pfalzbaierische Hülfs-Corps unter dem 
Generale Bartels zu ihm, welches noch denselben 
Tag vorwärts bei Bülach, nach einem vierzehnstünd 
digen Marsche Stellung nahm. Bartels, der vomn 
hier aus, an der Spitze des Bacaillons Renner, eine 
Recognoscierung vornahm, stieß bald auf den Feind- 
Die Nacht endere das Geplänkel. Belehrt vom fordau- 
ernden Rückzug der Russen gieng er folgendes Tags 
(260. Sept.) bei Eglisau über den Rhein, und nahm 
dort auf den Höhen., beide Flügel durch Batterien ge- 
deckt, eine vortheilhafte Stellung, um die Franzosem 
am Khein-Uebergang zu hindern. 
Die Hesterreicher machten ihren Rückzug gegen St. 
Gallen; Horsakow, dessen Nachtrab die baierische Bri- 
hade Barktels bildere, nahm seine Nichtung gegen 
Schafhausen.) 
5) Die Brigabe Battels war am 236en September auf den 
Anhöhen bei Schafhausen gelagett, am 206den bei Gail- 
lingen an den linken Flägel der rußischen Armee angeschlos- 
seun; am Soten jedoch, der Kavallerie in 2ten Linie Plaß 
machend, rückte sse wieder etwas,
        <pb n="67" />
        Das geschah alles, waͤhrend Suwarow noch in 
Uri stand. Hier vernahm er von der Schlacht bei Zuͤ— 
rich durch Geruͤchte. Noch war seine Wille, dorthin 
auf den kuͤrzesten Weg uͤber Schwytz und den Etzel 
oder Albis zu eilen. Noch dachte er nicht an Glarus, 
wohin ihm der Weg durchs Schaͤchenthal offen lag. Aber 
zwischen Uri und Schwytz senken sich die elsengebtrge 
dauern gleich, schroff ins Meer. Er mußte also, 
gegen Schwytz zu gelangen, mit Mann und Roß * 
den hohen Achsenberg durch bahnlose Eindden und Alpen 
ziehen, hinab ins Muttathal, welches sich gegen den 
Flecken Schwytz ausmuͤndet. Wie sehr auch sein Heer 
durch diesen beschwerlichen Zug gelitten hatte, warf er 
dennoch die ihm im Muttathal entgegen rückenden we- 
nigen Franzosen zurück. 
Massena, durch Eilboten vom Juge Suwarows 
belehrt, war vom Schlachtfelde bei Zürich ohne Rast 
mit einigen Brigaden, denen fort und fort andere folg= 
ten, zu Schwytz angekommen; hatte Lecourben befoh- 
len, ihm von Uri auf Schiffen über den See, zur Hülfe 
zu fliegen, und dem General Loison, er solle durch's 
Schächenthal das obere Glarus beobachten. Die Fran- 
zosen, vom General Rosenberg aus dem Muttathal 
zurückgeschlagen (iten October), stellten sich wieder hin- 
ter dem Muttastromm vor Schwytz auf; die Russen, am 
linken Ufer, rüsteten sich zum Uebergange. Da erschien 
zur rechten Stunde, im Rücken der Russen, beim Dorfe 
Brunnen, Lecqgurbe. Er landete und wandte sich, 
zwischen Morschach und Ingebohl, gegen den Eingang 
des Muttathals, um die hervorgedrungenen Feinde ab- 
zuschneiden. Diese flohen in großer Verwirrung, mit be-
        <pb n="68" />
        — 383 — 
deutendem Verlust, den Schluchten des Muttathals wie- 
der zu. Die franzbsischen Brigaden folgten. 
Nun, da Suwarow vom Unglück des verbünde- 
ten Heers bei Jürich Gewißheit hatte, konnte ihm nicht 
mehr am kürzesten Wege nach Zürich gelegen seyn, son- 
dern er beschloß vielmehr über den Pragel-Berg aus dem 
Muttathal in den Kanton Glarus zu gehen. Denn er 
zweifelte nicht, wenigstens hier noch bei Flecken Glarus 
und Näfels die Generale Linken und Jellachich zu 
finden, und seine Vereinigung mit denselben bewerkstel- 
ligen zu können. 
Allein Jellachich war schon weit früher, wie ge- 
sagt, durch Moliror in zweitägigen Gefechten aus den 
Glarner-Thälern nach dem Rhein zurückgedrängt wor- 
den, und eben so nachher Linken. Dieser war eben 
von Graubündten aus über die hochsten Alpen ins glar- 
nische Sernftthal niedergestiegen, um zu Jellachich 
zu stoßen, als Molitor durch dasselbe Thal zwoͤlf 
Compagnien nach Bündten abgesandt hatte, um dort eine 
Unterstützung Lecourbe's zu bilden, (der damahls, 
nach Massena's Befehl, ehe man Suwarow's An- 
rücken vernommen hatte, bestimmt gewesen war, vom 
Gotthard nach Ilanz in Graubündten zu gehen.) 
Die zwölf Compagnien Molitors wurden also vom 
Dorfe Elm bis Schwanden zurückgedrängt, und hier nach 
ehrenvollen, doch vergeblichen Widerstand, zu Gefange- 
nen gemacht. Molitor, von der Verfolgung des Ge- 
nerals Jellachich zurückkehrend, war darauf mit kaum 
5,000 Mann dem General Linken entgegengeeilt; hatte 
ihm den Weg zum Pragel und zur Vereinigung mit 
Suwarow versperrt; ihn auf den Anhöhen beim Fle-
        <pb n="69" />
        — 30 — 
cken Glarus am rechten Linthufer überflügelt, und alle 
Vortheile seiner Stellung benutzend, ihn mit solchem 
Ungesiüm angegriffen, daß er ihn zwang, durch's Sernft- 
thal über die wilden Flimsen Alpen nach Bündten zu- 
rückzugehen. 
Von diesem Allem wußte nun Suwarow nichts. 
Er zog mit seinem muden Heer über das Pragel-Ge- 
birg, und fand droben beim Klbônthaler-See den Ge- 
nergl Molitor gegen sich im vollen Anzug. Suwa- 
row, noch im Glauben, Jellachich und Linken 
siünden in Glarus, also im Rücken Molirors, hielt 
diesen sogleich für eingeschlossen und forderte ihn auf, 
das Gewehr zu strecken. Bald ward er aber seines Irr- 
thums gewahr, und daß er selbst der zwischen Berggrün- 
den und zween Heerhaufen Eingeschloßene sey. Also“ 
blieb ihm nichts übrig, als Molitors schwächere 
Schaaren kämpfend vor sich herzudrängen, während noch 
im Muttathal der Nachtrab seines Heers mit den ihm 
folgenden Franzosen stritt. So gelangte er nach Glarus. 
Molitor beschränkte sich hier blos auf Vertheidi- 
gung der Brücken von Mollis und Näfels, um die Rus- 
sen in den an Lebensmitteln armen Thälern eingeengt, 
und vom Jürichsee getrennt zu halten. Suwarow 
griff wiederholt an (den Sten und äten October) und mit 
äußerster Heftigkeit. Brücke und Dorf von Näfels 
wurden dreimal genommen und wieder verlohren. Den- 
noch behauptete sich Molitor, der bald durch ein ta- 
pferes Corps von Schweizern und durch den mit einem 
Bataillon herbeigeeilten General Gazan thätige Unter- 
stützung empfieng. 
Nachdem Suwoarow in diesen verschiedenen Ge-
        <pb n="70" />
        fechten abermals uͤber 2000 Mann verloren hatte, mußte 
er sich zum Zug durchs Sernfthal uͤber das wuͤste Ge- 
birg der Flimser-Alpen nach Buͤndten bequemen. Aber 
sein Nachtrab ward ununterbrochen angegriffen. Denn 
auch Loison war nun durch das Urner Schaͤchenthal 
im Kauton Glarus angekommen, und bis Schwanden 
vorgerückt. Hier mußten sich noch zwolfhundert Russen 
mit einigen Kanonen gefangen geben. 
Suwarow kam mit einem durch tägliche Gefechte, 
durch gefahrvolle Züge über vier der hochsten und rauhe- 
sten Gebirgsjoche, durch Ermüdung und Hunger fast 
zerstorten Heer, nach Bündten. Alle seine Anstrengun- 
gen mußten naturlich vergebens bleiben, weil er nicht 
mehr von Petratsch und Korsakow unterstützt wer- 
den konnte. Petratsch aber hatte sich damahls schon 
nach Feldkirch und Bregenz zurückgezogen, wo ihm auch 
Soult beobachtend schon wieder bei Rheineck gegen- 
überstand. Und Korsakow war zwar wieder mit dem 
großten Theil seines Heerhaufens, so wie mit den Bai- 
ern unter Barrels, über die Brücke von Diesenhofen 
gegen Winterthur, desgleichen das Condeische Korps 
von Konstanz aus gegen den Thurgau vorgerückt; allein 
Massena trat ihnen dort ebenfalls wieder zu schnell 
entgegen. Denn Massena hatte sich nach Suwa- 
row'e Rückzug durch's Muttathal, sogleich gegen Zü- 
rich begeben, und von dort mit mehreren Heer-Abthei- 
lungen gegen Konstanz. Es kam (17. October) zum 
heftigsten Gefecht beim Kloster Paradies, an welchem 
die Baiern den thätigsten und ehrenhaftesten Antheil 
nahmen. ") Doch der wachsenden Uebermacht Mas- 
*) Die Russen verloren hiebes einige hundert Mann, das hal-
        <pb n="71" />
        — 61 — 
sena's mußten alle schon errungenen Vortheile zuletzt 
eingeraͤumt werden. Die Bruͤcke bei Diesenhofen wurde 
abgebrochen; hingegen die bei Konstanz von den Fran- 
zosen genommen, welche dort den Nachtrab des Prinzen 
Condé bis zum Dorf Petershausen verfolgten. 
Die Stadt selbst, wo der Kampf am heißesten war, 
wurde von den Verbündeten dreimahl erstürmt und ver- 
loren, aber doch die Rheinbrücke besetzt und so der 
weitere Rückzug gedeckt. Hier, wie bei Diesenhofen, be- 
gaben sich nun die Verbündeten auf das rechte Rhein- 
Ufer zurück. 
So endete der am 26ten September begonnene Kampf, 
welcher eine ungeheuere vierzehntägige Schlacht heissen 
koönnte. 
Erzherzog Karl ließ, bei der ersten Botschaft vom 
Unglück vor Zürich, und von den Bewegungen französie 
scher Heerhaufen nach Basel und Straßburg, sogleich den 
Fürsten von Schwarzenberg zur Deckung Mannheims 
und Philippsburg zurück, und kam (schon am kten und 
sten October) in Oberschwaben und an die Schweizer- 
gränzen mit dem größten Theil derselben Truppen an, 
die er zuvor von Schafhausen nach Mannheim geführt 
hatte. Sein erstes Geschäft ward, die gesammte Heeres- 
macht der Verbündeten wieder in geordneten Zusammens= 
hang zu bringen. Er zog den das Breisgau beobachten- 
den General Nauendorf an sich; ließ die Russen (am 
20ten October), deren Arriergarde die Baiern bilderen, bei 
Salmannsweiler in Kantonnierungen treten, und die Ver- 
bindung mit Suwaron herstellen. Dieser hatte, nach- 
erische Korps 9 Offiziers, 2659 Mann Todte und Ver- 
wundete, 55 Mann Vermißte.
        <pb n="72" />
        — 62 — 
dem er den groͤßten Theil seines Geschuͤtzes aus Italien 
über den Comersee und Splügenberg an sich genommen, 
Chur verlassen, und sein Hauptgelager von Feldkirch 
nach Lindau verlegt. 
Die neue Vertheidigungs-Linie des Erzherzogs lehnte 
ihren linken Flügel also an das verschanzte Lager bei 
Feldkirch und die höchsten Spitzen der Gebirge Vorarl= 
bergs und Bündtens. Im Vorarlbergischen und in Chur 
standen Oesterreicher. Die Linie gieng längs dem Bo- 
densee bis Buchhorn, wo die Condcer aufzestellt wa- 
ren. Zwischen dem linken und rechten Flügel deckte der 
Bodensee den leeren Raum. Ueberschwemmungen sicher- 
ten die Heermitte. Diese Oertlichkeiten gestatteten dem 
Erzherzog, seine Hauptkraft im rechten Flugel, zwischen 
dem See und den Bergen des Schwarzwaldes zusammen 
zu drängen, die Zugänge zu seiner Stellung zu ver- 
schließen, und durch die Bewegungen seiner Reiterei 
die Vertheidigung des rechten Rheinufers weit auszu- 
dehnen. 
Die Franzosen hingegen, nun wieder im Besitz der 
Haupteingänge der Alpen und der Verbindungen rechts 
und links mit Italien und den Rhein, drohten jetzt von 
neuem über Disentis und Sargans die Wiedereroberung 
Graubündtens; während alle Ansirengungen des Generals 
Laudon und des Obristen Strauch im Piemont, ins 
Walliserland vorzudringen, außer aller Verbindung mit 
den Schritten des verbündeten Hauptheers in Schwaben 
und am Ahein geschahen.
        <pb n="73" />
        — 63 — 
4#. 
Die letzten Begebenheiten des Feldzugs 
von 1700. 
Am Mittelrhein hatten die Franzosen kaum erfahren, 
daß Erzherzog Karl mit einem guren Theil seines Krie- 
ges-Volks nach Oberschwaben aufgebrochen sey, als 
sie sogleich (aten October) bei Basel, Kehl, Breisach, 
Selz, Landshofen über den Rhein zu gehen versuchten. 
Auch von Mainz aus griffen sie den Heerhaufen des Ges 
nerals Szentkeresty am rechten Rhein-Ufer mit Ueber- 
macht an, und verdrängten ihn sogar aus Frankfurr. 
Doch das bsterreichische Geschütz bei Sachsenhausen zwang 
sie die Stadt wieder zu räumen. Einige Tage später 
(oten October) giengen sie bei Kostheim über den Main 
und bemächtigten sich Gros-Gerau's. General Lecourbe 
kam mit ohngefähr 18,000 Mann nach Straßburg, und 
fein Vortrab unter General Ney nach Landau. Mas- 
sena drohte mit großer Macht bei Basel über den Rhein 
zu setzen, daher der Erzherzog die Schweizer-Gränzen 
nicht verlassen und dem Mittelrhein keine Hülfe senden 
konnte. 
In dieser gefährlichen Lage der Dinge mußte der 
Fürst von Schwarzenberg, der auf der Bergstraße 
und zwischen Main und Neckar stand, alle seine Feld- 
herrngaben entwickeln, der fortschreitenden Uebermacht 
eines rastlosen Feindes Spitze zu bieten. Und in der 
That gelang es ihm, von dieser Seite, und unter den 
ungünstigsten Umständen, nicht nur das weitere Vorrü- 
cken der Franzosen zu hindern, sondern ihnen auch bei 
jedem Anlaß sehr bedeutenden Schaden zu stiften. Hier 
war es auch, wo der nachmalige Feldmarschall Fürst
        <pb n="74" />
        – 6 — 
Wrede, die diplomatische Bahu mit der kriegerischen 
vertauschend, als Obrist zum erstenmahl seinen Beruf 
zu den Waffen erprobte. Begeisterung für seinen Für- 
sten und sein deutsches Vaterland hatten ihn bewogen, 
in kurzer Zeit aus Ueberrheinern, Rheinpfälzern und 
andern ein vollzähliges Bataillon zu errichten, das balb 
in Ausdauer und Muth den geübtesten Truppen gleich 
kam. Späterhin ward ihm noch eine Schwadron Szekler 
Husaren und eine Schwadron Schwarzenberg-Uhlanen 
zugegeben. 
Schon in der Nacht vom 11#ten zum 12ten October 
war Ney mit beträchtlichem Fußvolk und Reiterei bei 
Oppenheim über den Rhein gekommen, und hatte die 
dsterreichische Vorpostenkette durchgebrochen. Den fol- 
genden Tag rückten die Heer-Abtheilungen Nansouti 
und Sabbatrthier, von Oppenheim und Frankenthal 
her, nach. Die Haufen des franzdsischen linken Flügels, 
unter General Lorsch, (den 16ten October) wandten 
sich auf der Bergstraße gegen Heidelberg; die des rech- 
ten Flügels, unter Sabbathier, längs dem Rhein 
gegen Mannheim. Zwischen beiden bewegten sich leichte 
Truppen, besonders Reiterei, gegen Ladenburg; Lorsch, 
mit dem linken Flügel, trieb die bsterreichischen Vor- 
posten, unter dem Prinzen von Lichtenstein, an'’se 
linke Neckar-Ufer und stürmten, doch vergebens, gegen 
die von den Oesterreichern kräftig vertheidigte Heidelber= 
gerbrücke an. Die leichten Truppen, großtentheils aus 
drei Regimentern Reiterei bestehend, bei Neckarhausen 
über den Neckar gegangen, hatten dort das Husaren- 
Regiment Veczay, unter dem Obersten Grafen Ester- 
hazoy gegen Friedrichsfelde zurückgeworfen, den Ober- 
sten selbst gefangen. Der pfalzbgierische Oberst Baron 
Wrede,
        <pb n="75" />
        Wrede, mit seinem Bataillon hieher geeilt, uͤbernahm 
nun den Befehl, sammelte die Husaren und erneuerte 
den Widerstand. Es erhob sich dort auf der Stelle eis 
nes der glänzendsten Reiterei = Gefechte dieses ganzen 
Feldzuges, welches mehrere Stunden währte. Gegen 
drei feindliche Regimenter behauptete das dsterreichische, 
wie viel dieses auch vorher schon gelitten hatte, den Platz. 
Fürst Schwarzenberg, im Gefühl der Ueber- 
macht seines Gegners, räumte (vom 16ten zum 1kten 
October) Mannheim und Heidelberg, nahm seine Stel- 
lung bei Bruchsal, und zog von Philippsburg über Ob- 
stadt und Odenheim bis Sinzheim eine Postenkette. Die 
Franzosen Mannheim sogleich besetzend, folgten auf dem 
Fuße, hielten ihren linken Flügel oberhalb Heidelberg 
am Neckar, den rechten bei Bruchsal, das Mittelheer 
bei Sinzheim, und berannten, nach einem gelungenen 
Gefecht bei Philippsburg, (21ten October) diese Vestung 
zum Drittenmahl. Auch die Städte Durlach, Pforzheim, 
Heilbronn und Laufen besetzten sie, und zwangen zugleich 
(lten November) durch ihre Menge den Prinz Hohen= 
lohe von Bbnningheim hinter die Enz zurück. Doch 
sobald sich dieser einerseits mit dem General Görger 
auf der Knittlinger Straße, anderseits durch einen Po- 
sten auf dem rechten Ufer des Neckar mit General 
Szentrkeresty in Verbindung gesetzt und einige Ver- 
stärkung empfangen hatte, nahm er wieder jenseits der 
Enz, bei Bietigheim und in der Gegend von Besigheim 
und Kleinsachsenheim, Stellung. 
Inzwischen Lecourbe bei Philippsburg noch auf 
frischen Zuzug wartete, wollte Ney seine WVortheile ge- 
gegen Prinz Hohenlohe verfolgen; trieb auch (Sten 
5
        <pb n="76" />
        — 66 — 
November) deßen bei Besigheim und Kleinsachsenheim 
stehende Posten bis auf die Hoͤhen von Bietigheim zu- 
ruͤck. Aber nun warf sich Hohenlohe, uͤber die Enz 
gehend, mit aller Macht bei Loͤchgau auf seinen Feind, 
toͤdtete denselben bei 600 Mann und verfolgte ihn bis 
Klein-Gertach und Neipperg. 
Oberst Wrede, der mit seinem Streifcorps zuerst 
den Ruͤckzug des linken Fluͤgels der Oesterreicher bis 
Obstadt gedeckt, dann sich rasch nach Sinzheim gewandt 
hatte, um die Straße gegen Heilbronn, zum Behuf ei- 
ner allfälligen Verbindung Schwarzenbergs mit Erz- 
herzog Karl, sicher zu siellen, gieng in dieser Zeit 
(Aten November) bei Obrigheim wieder über den Neckar, 
und trieb die Franzosen, nach einem mörderischen Ge- 
fecht aus diesem Dorfe. Seine Schaar hatte sich durch 
die Trierischen Jäger vermehrt. So zog er nach Helm- 
stadt und Spechbach, wodurch er die Verbindung mit 
dem vorwärtsgedrungenen Fürsten Hohenlohe über 
Neidenstein erneuerte und in die Nähe von Langen-Zenn 
kam. Dieses war das Erbgur seiner Vorfahren, und 
hier lag damahls General Sabbathier mit einer Bri- 
gade und einem Kuirraßier-Regiment. Wrede berech- 
nete die Ueberlegenheit des Feindes nicht, griff an, be- 
schoß sein väterliches Schloß und den Ort, trieb die 
Franzosen aus und in grdßter Unordnung bis nach Ne- 
ckargmünd.) 
?*) Erzherzog Karl erwähnte in seinem deshalb unterm #ten 
November erstatteten offiziellen Bericht des ausgezeichnet 
tapferen, kühnen und klugen Benehmens des Obristen 
Wrede. (Siehe Allgemeine Zeitung vom doten Novemo 
der 1700. Nro. 336.)
        <pb n="77" />
        — 67 — 
Der Feldmarschall-Lieutenant, Prinz Carl von Lo— 
thringen, uͤbernahm darauf den Oberbefehl in diesen 
Gegenden. Das Gluͤck war anfangs mit ihm. In ei— 
ner Recognoscirung gegen Bretten und Knittlingen warf 
er (ôÖten November) durch General Görger, den Feind 
hinter Bretten zurück, trieb ihn aus Bruchsal bis Lan- 
genbrück und stellte, über Graben, sogar wieder die Ver- 
bindung mit Philippsburg her. 
Allein Lecourbe, nun ohngefähr 15,000 Mann 
stark, deren rechter Flügel zu Heidelberg, deren Mitte 
zu Schwetzingen und deren linker Flügel am linken Ne- 
ckar-Ufer stand, benutzte itzt den frischen Muth seines 
Heers, welchen dasselbe theils durch einige Verstärkun= 
gen, theils durch die Nachricht von Buonaparte's 
Rückkehr aus Aegypten und den Sturz der Directorlal- 
regierung empfangen hatte. Er griff plötzlich (1öten No- 
vember) die ganze bsterreichische Linie zwischen Philipps- 
burg und dem Neckar an. Sein rechter Flügel, unter 
General Laborde, ging rechts über Neuhofheim, links 
über Wiesenthal, stieß die zur Deckung Philippsburgs 
aufgestellten dsterreichischen Abtheilungen bei Waghäusel 
und Graben zurück, und berannte also jene Festung von 
neuem, in diesem Feldzug zum vierten Male. Sein 
linker Flügel unter General Barraguay d'Hilliers 
am linken Ufer des Neckars gegen Dielsberg ziehend, 
deckte und unterstützte Neys Kolonnen gegen den Prinz 
Hohenlohe. Ney, am Flüßchen Elsenz aufwärts ru- 
ckend, bemeisterte sich dort, nach dem tapfersten Wider- 
stande der Oesterreicher, der Puncte Weibstadt und Sinz- 
heim, und schob Aussendungen bis Eppingen vor. — Aber 
der Hauptangriff war eigentlich doch gegen den Prinz von 
Lothringen zwischen der Kraich und dem Salzbach, vor-
        <pb n="78" />
        — 68 — 
waͤrts Bruchsal und Bretten, gerichtet. General Decaen 
umging hier, uͤber Mingolsheim, Obstadl und Gochs— 
heim, den rechten Flugel der Oesterreicher, während Le- 
courbe, (nachdem er erst mit einer Reserve Reiterei und 
dem Geschütze seinen rechten Flügel über Waghäusel hin- 
aus unterstützt hattet.) nun über Forst kommend, den 
Prinz von Lothringen angriff, warf, und bis Bretten 
verfolgte. 
Fechtend traten die Oesterreicher in ihre ehemaligen 
Lagerstätten an der Enz zurück. Der Prinz von Loth= 
ringen nahm sein Hauptgelager zu Vahingen, doch 
streckte General Goerger seine Vorwachten bis Pforz- 
heim und Knittlingen hinaus. Prinz Hohenlohe stand 
bei Fürfeld, Szentkeresty bei Offenau, und Oberst 
Wrede wieder bei Helmstadt, nachdem er sich beim all- 
gemeinen Rückzug zuerst auf den Höhen von Lohfeld, 
dann vom General Ney dort angegriffen und weit über- 
mannt, fechtend bis Spechberg und Aepfelbach zu be- 
haupten versucht hatte. — Der Feind rastete aber nicht. 
Er veranstaltete (am 18ten November) gegen Weibstadt 
eine Recognoscirung, bei der ihm Wrede jedoch mit 
seinem fliegenden Corps eine Ueberraschung machte, ihn 
auf allen Puncten warf, und ihm Gefangene abnahm. 
Zwei Tage nachher geschah eine andere Recognoseirung 
von Sinzheim aus gegen Wimpfen. Auch hier überfiel 
Wrede, der zur Deckung Heilbronns nach Neckargardach 
gezogen war, die Franzosen, und trieb sie mit beträcht- 
lichem Verlust über Siegelbach hinaus bis Aepfelbach. 
Dann schlug derselbe in nächtlicher Stille eine Brücke 
bei Wimpfen über den Neckar, und stürzte sich, wäh- 
rend Ney am linken Ufer dieses Flusses in zwei Kolon- 
nen hinzog, plötzlich auf dessen Geschützreserve und Gepäck.
        <pb n="79" />
        Die Begleitung desselben ward niedergemacht oder ge- 
fangen, und Gepäck und Munition, gleichsam Ange- 
sichts eines zahlreichen feindlichen Heerhaufens, an's 
rechte Ufer des Neckar in Sicherheit gebracht. Wrede 
begab sich darauf mit seinen Tapfern nach Neckar= ¾Elz 
und von da nach Burberg, theils seinen Kriegern Ruhe 
zu gonnen, tbeils an dlesem Orte die pfälzischen Ar- 
chive und Kassen zu decken. 
Erzherzog Karl erkannte die Gefahr von Philipps- 
burg, wo die Besatzung, während des ganzen Feldzuges, 
durch Möühseligkeiten und Entbehrungen jeder Art zu 
noch längerm Widerstand entkräftet war. Er erkannte 
die Absichten der Feinde gegen sich selbst, da Ney schon 
Heer-Abtheilungen über Heilsbronn hinaus sandte. Er 
säumte nicht länger, und schickte den General Grafen 
Sztarray jener hart bedrängten Veslung zur Hülfe, 
und das um so sicherer, weil die damahlige Lage der 
Dinge das französische Heer in der Schweiz zur Unthä- 
tigkeit verurtheilte. 
Plötzlich erfolgte daraus überall neue Bewegung. 
Von Durlach her griff eine österreichische Abtheilung 
(25ten November), den kleinen Heerhaufen des Feindes bei 
Friedrichsthal an, der die Umsperrung von Philippsburg 
deckte. Er ward nach Graben zurückgestoßen. Zwischen 
Neckar und Main jagte der Mainzer Landsturm alle fran- 
zsischen Posten bis Weinheim an den Neckar. General 
Sztarray selbst erschien (20ten November) in Enz- 
Waihingen. 
Lecourbe, wie er das Aeußerste seiner Flägel 
bedroht sah, sammelte seine Heeresstärke bei Sinzheim 
in der vortheilhaften Stellung von Weiler und Muntzin= 
gen. Sztarrap ihm entgegen in drei Heersäulen.
        <pb n="80" />
        Die erste unter dem Fuͤrsten von Hohenlohe bewegte 
sich nach Fuͤrfelden; die andere stellte sich unter dem 
Prinzen von Lothringen auf den Anhbhen zwischen Ep- 
pingen und Bretten; die dritte unter General Goerger 
hielt bei Gochsheim. Ein Rückhalt ward bei Bretten 
gebildet. So bedrohte General Sztarray, während 
er seinen eigenen linken Flügel zurückgezogen hielt, Le- 
courbess linken Flugel bei Weiler, 
Es war der #te December-Tag. Fuürst Hohen- 
lohe begann den Angriff auf Sinzheim; ihn unterstützte 
die zweite Kolonne, welche auf Weiler stürmte. Beide 
Puncte wurden nach blutigem Widerstand errungen. 
Sztarray, nun Meister beider Enzufer, rückte mit dem 
ganzen linken Flügel und der Reserve gegen Odenheim, 
und umgieng damit die Stellung des Feindes bei Mun- 
zingen Der Kampf dauerte bis Anbruch der Nacht. 
Oberst Wrede, dem rechten Flügel des dsterreichischen 
Heers zugetheilt, und begünstigt durch die Bewegungen 
des Generals Szentkeresty zur Unterstützung Ho- 
henlohe's, war über Weibstadt gezogen, hatte die ver- 
schanzten Stellungen Sabbathier's und Ney's bei 
Ldwenfeld angegriffen, sie trotz der großen Ueberzahl der 
Feinde in einem lebhaften Gefecht eingenommen, und 
damit den linken Flügel der Franzosen gänzlich um- 
gangen, 
Leccourbe setzte sich nun zwar mit seiner ganzen 
Macht bei Wiesloch, und hielt in einer Stellung, jen- 
seirs dieses Ortes, die Fortschritte des Fürsten Hohen- 
lohe eine Weile auf. Aber als General Goerger 
endlich Wiesloch selbst, den einzigen Rückzugs= Punct 
für die im Beierthal am rechten Elsenz-Ufer befindliche 
Heer-Abtheilung der Franzosen genommen, verloren, und
        <pb n="81" />
        gegen Abend mit dem Bajonet wieder erstuͤrmt hatte, 
war Alles entschieden: Philippsburg naͤhmlich abermahls 
entsetzt, Lecourbe zum Ruͤckzug nach Schwetzingen 
gezwungen, der linke Flügel des oͤsterreichischen Heers 
über Hokenheim an den Rhein gelehnt, Sztarrapy im 
Besitz der Bergstraße. 
Der franzdsische Feldherr, ohne Hoffnung baldiger 
Verstärkung, und für sein Heer der Winterlager bedürf- 
tig, schlug einen Waffenstillstand vor, in welchem er sich 
die Stellung vom Rhein oberhalb Mannheim her, queer 
über die Schwetzinger Hochstraße bei der Neckerauer 
Brücke, bis oberhalb Seckenheim hin ausbedang, und 
folglich das Neckar= und Neckargarten = Thal in sein 
Winterlager eingeschlossen haben wollte. Erzherzog Karl 
verwarf natürlich einen für S ztarray's Heer so wenig 
vortheilhaften Vertrag, und die Feindseligkeiten began- 
nen von neuem. Während Lecourbe schon den größ- 
ren Theil seines Kriegsvolks auf das linke Rheinufer 
hinüber geführt hatte, rückte Sztarrap in vier Kolon- 
nen vor; nahm Mannheim nach kurzem Widerstand des 
Feindes, und eben so die Neckarauer Verschanzungen. 
Damit endete hier der Feldzug. Die Schaaren bezogen 
ihre Winterleger. Wrede's Heerhaufen, der zuletzt 
noch beim Angriff auf Mannheim am rechten Neckar- 
Ufer thätig mitgewirkt hatre, kam in die Umgegend 
Heidelbergs.) 
  
*7) In einer Krlegsgeschichte der Baiern verdient wohl das 
Schreiben des Feldmarschall Lieutenants Grafen Sztar= 
ray aus Heidelberg vom toten December 1790 an den 
damahligen Kurfürsten, jetzigen König von Baiern, be- 
merkt zu werden, worin derselbe auf die kriegerischen
        <pb n="82" />
        — ½ — 
Bevor wir den Blick wieder auf Itallen und den 
Ausgang des dortigen Feldzuges zurückwerfen, sollen 
wir die Stellung der verbündeten Heere längs den Grän- 
zen Helvetiens nicht unberührt lassen. Denn dadurch 
daß Marschall Suwarow in den ersten Tagen Novem- 
bers mit seinem gesammten Kriegsvolk, 35,000 Mann 
stark, zum allgemeinen Rückzug in die Winterlager am 
linken Lechufer aufgebrochen war, entstand hier eine ge- 
fährliche Lücke. Auch die pfalzbaierische Brigade, so 
wie die des Conde'schen Korps hatte ihm folgen müssen; 
doch kehrten die Baiern schon im December nach Heidel- 
berg zurück, und empfingen dann ihre Stellung bei 
Mannheim. 
Darum hatte nun Erzherzog Karl mit kaum 60,000 
Mann eine weite Strecke von ohngefähr achtzig Meilen, 
nämlich von Nauders in Tirol bis Philippsburg, zu 
decken. Verdient die Klugheit dieses gewandten Feld- 
herrn Bewunderung, wie er in diesem weiten Raume, 
überall stark genug, dort in den Ebenen das rechte 
Rheinufer, hier im Hochgebirge Granbündten gegen die 
Macht der Franzosen zu behaupten wußte: so verdient 
seine Mäßigung noch mehr Bewunderung, daß er weni- 
ger für sich, als für das Heer in Italien Verstärkungen 
wünschte. Durch seinen Rath soll der Wienerhof wirk- 
lich bewogen worden seyn, nachdem die Heimkehr der 
Russen in ihr Vaterland unwiederruflich entschieden war, 
Kenntnisse und Gaben des. Öbersten Wrede, und guf 
die vorzüglichen Dienste aufmerksam macht, die Wrede 
mit seinem Korps an den siegreichen Tagen des tten, 2ten, 
Sten, 8ten und oten Decembers dem deutschen Reich ge- 
leistet hatte.
        <pb n="83" />
        alles Kriegsvolk, woruͤber irgend im Innern der dster- 
reichischen Staaten verfuͤgt werden konnte, unter dit 
Befehle von Melas und Kray zu stellen. 
Denn in der That hatten auch diese Feldherren Ende 
Septembers, (die inzwischen erhaltenen Verstaͤrkungen 
mitgerechnet,) in Italien nicht mehr als 60,000 Mann 
unter sich, und noch dazu auf einem ungeheuren Raum 
zerstreut. Es wurden noch die Belagerungen von An- 
cona, Civita-Vecchia, der Citadelle von Rom und an- 
derer Orte, durch die Generale Ott und Fröhlich 
fortgesetzt; Klenau bedrängte beim Levant-Fluß noch 
Genua, und hatte seine Vorwachten schon bei Rapallo; 
Kray ins Klosterthal gedrungen, hatte die Franzosen 
dort über den Jouveberg getrieben, während Melas 
die Einnahme der Festung Coni, als des Schlüssels zum 
Eingange in's Piemont von französischer Seite, be- 
treiben wollte. 
Ihnen gegenüber und nicht an Kräften ungleich, 
stand der franzdsische Oberbefehlshaber Championet, 
die Mitte und der linke Flügel seine Heerlinie, etwa 
28,000 Mann stark, diente zur Behütung Coni's, der 
Grafschaft Nizza und des obern Tanaro-Thals; sein 
rechter Flügel, hochstens 17,000 Mann stark, unter Ges 
neral St. Cyr mußte Genua und die Appeninen, von 
den Gränzen Toscana's bis zu den Quellen der Bor- 
mida, beschirmen, 
Je festern Fuß Klenau aber am Levantfluß faßte, 
an welchem er schon bis Cento-Croci vorgerückt war, 
je beengter ward St. Cyr's Lage. Daher boschloß der 
franzdsische Befehlshaber, Klenau's Stellung bei Ra- 
pallo zu überfallen, einzuschließen und aufzuheben.
        <pb n="84" />
        Klenau aber, noch zu guter Stunde berichtet, daß 
ihm General Watrin mit 5,000 Mann von der Bo- 
chetta her schon im Rücken nach Braco ziehe (13ten Octo- 
ber), rettete sich glücklich, mit Verl. st von 1200 Mann 
seiner Nachhut, die gefangen wurden. Schnell ließ St. 
Cyr darauf auch den bei Pozzolo stehenden öster- 
reichischen General Karakzay sowohl durch Watrin 
angreifen, als von Novi her durch General Labois- 
siere mit 4,000 Mann, und durch General Dom- 
browskoy, der mit 2,000 Polen bei Voltri und Campo- 
freddo gestanden war. Karakzap wich, vom General 
Laboissiere verfolgt gegen Allessandrig, warf sich 
aber, als ihm Zuzug kam, unvermuthet wieder über 
diesen her, und trieb ihn vor sich hin, als darauf eben 
o unvermuthet wieder St. Cpr, durch einen Schnell- 
zug nach Bosco, ihm im Rücken erschien. Karakzay, 
mit Verlust von 1,500 Gefangenen und sieben Kanonen, 
entging grdßerer Gefahr durch eiligen Rückzug. St. 
Cyr aber, uun Bosco und Pozzolo besetzend, dehnte 
seinen rechten Flügel bis Rivalta, seinen linken bis 
Acqui. 
Während Klenau durch den General Belle- 
garde, und Karakzap durch General Krap verstärkt 
wurden, um ihre verlohrnen Stellungen wieder erobern 
zu konnen, schloß Melas die Festung Coni durch die 
Generale Ott, Nobili und Gottesheim ein, nach- 
dem die Ortschaften Beinette und Poverano genommen 
waren. In der Festung Coni mochten ohngefähr 28,000 
Mann Besatzung siehen. 
Diesen Punct zu retten, entschloß sich Cham- 
pionet zur Schlacht. Er spielte gewagtes Spiel, 
Alles an ein Etwas zu setzen. Eine gewonnene
        <pb n="85" />
        Schlacht konnte ihm höchsteus in Piemont z weitern 
Spielraum oͤffnen; eine verlohrne Schlacht aber zwang 
ihn, Coni und Italien zu verlassen. Um den dsterreichi- 
schen Feldherrn zu nothigen, sich vom Eingange in die 
piemontesische Ebene weg zu wenden, wollte er den rech- 
ten Flügel seines Feindes, der zwischen Fossano und 
Savigliano stand, einwickeln, und dessen Verbindung 
mit Bra und Turin zerreißen. Gencral Duhesme 
sollte ihm dazu mit einem Zug, durch das Thal Suza 
nach Pignerola und Saluzzo, helfen. 
Melas, welcher seinen Gegner verstand, ließ sich 
durch die falschen Angriffe an der Stura nicht zer- 
streuen, sondern verstärkte seinen rechten Flügel hinrei- 
chend, indem er seinen linken zurückzog und selbst Mon- 
dovi räumte. Auch Championet's Unternehmungen 
gegen Breolungo, dessen Besetzung von Bene u. s. w. 
waren fruchtlos. Melas verließ vielmehr seine Ver- 
schanzungen zwischen der Stura und dem Tanaro frei- 
willig (Sten November), und nahm eine schräge Stel- 
lung, gegen Championet über, zwischen Fossano und 
Marrena. Den linken Flügel nähmlich lehnte er an 
Fossano; der rechte stand unterhalb Savigliano, welches 
im gleichen Augenblick von den Franzosen besetzt ward. 
So waren nun beide Heere einander zwischen dem Grang- 
Fluß und der Stura im Angesicht. 
Während Championet in der Nacht vom sten 
zum #ten November sich zur Schlacht vorbereitete, Sa- 
luzze besetzte, den General Victor in Fossano, den 
General Grenier in Valdeggio und Savigliano auf- 
stellte, traf auch Melas seine Anstalten. Dieser wollte 
den Angriff auf des Feindes linken Flügel bei Savigliano
        <pb n="86" />
        — 16 — 
rtichten; darum empfingen die Generale Ott und Mi- 
trowsky ihre Richtung dahin, so wie auch General 
Elfenitz nach Genola. Aber um den rechten Flügel 
und die Mitte der Feinde zu beschäftigen, sollte Gene- 
ral Gottesheim, mit der Besatzung von Fossano, ei- 
nen Scheinangriff auf Morozz#o machen. 
Am #Aten November erdffnete General Ott, welcher 
dem General Grenker über Saoigliano entgegen trat, 
die Schlacht. Bald entbrannte sie überall. Victor 
stieß auf Gottesheim und Elsenitz unter den Ka- 
nonen von Fossano. Ott ward zuerst siegreich. Er 
drängte den General Grenier nach Sapigliano, dann, 
als Mitrowsky dazu kam, bis Genola zurück, Cham- 
pionet zog, nach dem Verlust Savigliano's, Gre- 
nier's Abtheilung gegen seine Mitte nach Valdeggio, 
bald aber, als Melas seinen ungestümen Angriff be- 
gann, auf den linken Flügel nach Centallo hin, und 
den rechten Flügel, unter Victor's Vefehl, nach Run- 
chi und Morozzo zurück. 
In diesem Augenblick kam Duhesme zu Sa- 
vigliano an, also schon ruͤckwaͤrts den vorgedrungenen 
Desterreichern; aber zu spaͤt. Die ganz verwandelte 
Stellung beider Heere veranlaßte auch ihn zum Rückzug 
nach Saluzzo. Die Nacht trat ein. Während Cham- 
pionet in derselben Centallo räumte, einen Theil sei- 
nes linken Flügels in's Grana-Thal gegen Demonte, 
Grenier's Abtheilung über die Stura und Coni nach 
St. Oalmazo zurückschickte, sammelte Melas seine 
gesammten Schaaren bei Centallo. 
Ehampionet's in Runchi gebliebene Nachhut, 
600 Mann, vom General ÖOtt des andern Morgens
        <pb n="87" />
        77 — 
angegriffen, ward gefangen; ein neuer Angriff auf 
Championet selbst gethan. Das entschied fuͤr den 
gaͤnzlichen Verlust der Schlacht von Genola fuͤr die 
Franzosen, und das Schicksal der Festung Coni. Denn 
Championet, nachdem er 8,000 Mann verloren, ret- 
tete die Ueberbleibsel seines Heers auf verschiedenen We- 
gen. Grenier nach Limone gezogen, ward dort von 
den Oesterreichern auf den Col de Tende zuruͤckgeworfen. 
Zugleich besetzten sie die kleine Veste Demonte, wichtig 
durch ihre Lage. Championet, der bei Mondovi 
Fuß fassen wollte, wurde nach Garesio getrieben. Spä- 
terhin gieng er bis Sospello ohnweit Nizza zurück. Und 
vor Anfang Decembers waren alle Höhen des Col de 
Tende von den Franzosen geräumt. Coni, in elendem 
Vertheidigungszustand, ohne Hoffnung eines Entsatzes, 
übergab sich dann den Siegern (15ten December) nach 
neuntägiger Belagerung. 
Auch in den Appeninen und vor Genua hatten die 
Oesterreicher, nach Vermehrung ihrer Streitkräfte, noch 
einmahl den Kampf erdffnet. Sobald Kray mit Had- 
dik und Karakzay an der Spitze von 10 Bataillonen, 
2,000 Reitern und 25 Kanonen (5ten October) von Ma- 
rengo her nach Pozzolo gezogen waren, mußte St. Cyr 
die Ebenen verlassen, und hinter Novi eine gesichertere 
Stellung suchen. Kray griff hier auch Watrin's 
und Laboissiere's Abtheilungen mit Glück an. In- 
dem diese noch über Novi hinaus, doch ohne Ordnung, 
verfolgt wurden, erschien dort St. Cpr aufgestellt. Das 
lebhafre Feuer seines Geschützes hemmte die Sieger nicht 
nur in ihrem Lauf, sondern trieb sie auch nach Novi 
zurück. Ja, selbst diesen Punct mußten sie mit großem
        <pb n="88" />
        Verlust, und mit Zuruͤcklassung von 1,800 Gefangenen 
raͤumen, und wieder nach Alessandria ziehen. 
Aber St. Cyr, an Huͤlfsmitteln zu schwach und 
der Stadt Genna wenig vertrauend, deren Haß gegen 
die Franzosen ihm nicht verborgen war, gab seine aus— 
gedehnte Stellung in den Appeninen freiwillig auf, und 
zog die ehemahlige gedraͤngtere in und bei der Stadt 
vor. — Kray folgte ihm frischerdings. Klenau both 
demselben von Ormea aus die Hand, suchte die Verbindung 
zwischen Genua und Nizza aufzuheben, und drang in 
die Gegend von Genua vor, indem er den franzoͤsischen 
General Darnand mit überlegener Macht bis St. 
Martin d'Albano ruckwärts geworfen hatte. 
Durch diese gelungenen Schritte Klenau's ward 
St. Cypr beunruhigt, besonders, als er eine von dessen 
Heersäulen sich längs dem Meergesiade heranbewegen 
sah, zur See durch Engländer unterstützt (15ten Dec.), 
und eine andere über Fontano her, sich des Monte- 
faccio bemächtigen sah. Zufrieden, daß Watrin in 
den Verschanzungen an der Bocchetta gegen die Angriffe 
des Feldzeugmeister Kray, durch General Eidel und 
Hohenzollern, kräftigen Widerstand geleistet hatte, 
sandte er eilends eine Abtheilung zur Besetzung der in 
Klenau's Rücken liegenden Puncte Torriglia, Scof- 
fera und Montaggio ab. Darnaud mußte inzwischen 
den Feind auf der Stirnseite beschäftigen. Ihn unter- 
stützte St. Cyr mit vier Schlachthaufen ausgewählter 
Krieger, die er, als Rückhalt, zwischen ihm und der 
Vesiung versieckt aufgestellt hatte. Der Kampf ward 
dabei heftig; aber die dsterreichische Linie endlich durch- 
brochen, und in größter Unordnung gegen die Schluch-
        <pb n="89" />
        — 79 — 
ten der Scoffera gestuͤrzt. Dort brach nun der bei Tor- 
riglia und Scoffera wartende Hinterhalt hervor gegen 
Klenau's Nachhut, machte viele Gefangene und trieb 
die Oesterreicher bis hinter die Magra. — Hier sam- 
melte sich Klenau. Er bezog darauf seine Winter- 
lager; eben so General Ott in den Herzogthümern 
Modena und Parma; das Hohenzollern'sche Korps, 
nach Aufhebung der Sperrung von Gavi, in der Um- 
gebung von Alessandria; Melas bei Fossano. 
Die Fahnen Oesterreichs hatten jetzt alle Uebergänge 
aus Italien nach Frankreich besetzt, und dehnten sich 
vom Lago maggiore, Comer= und Luzaner-See über 
Bellinzona bis ins Piemont zum Col de Tende aus; 
sie umklammerten bei Ormea, Cairo, Novi, Serravalle 
und Gavi, in der Nähe der Bocchetta, die ligurische 
Republik, und besetzten, unter Klenau, den Lauf des 
Levanteflusses, von wo sie mit den Truppen des Gene- 
rals Hohenzollern und denen im Toscanischen Ver- 
bindung unterhielten. — Die Franzosen dagegen behiel- 
ten ihre Stellungen bei Fesnils und Cesanne mit Vor- 
wacht bei Colombie, Salomine und Molliere; General 
Poinsot in der Nähe Nizza's; die Generale Lemoine, 
Clausel und Gardanne bei Finale; General Se- 
ras mit 5,000 Mann bei Loano; Miollis bei Sa- 
vona; Victor beim Kloster von St. Moriz und an 
der Pieva. 
Dies war beider Heere Stellung in Italien am 
Ende des Feldzugs 1700. Nur slüchtig wollen wir beim 
Schlusse seiner Uebersicht noch auf die verunglückte eng- 
lisch -russische Unternehmung gegen Holland hindeuten, 
von welcher, da sie unter den günstigsten Umstänoden
        <pb n="90" />
        begonnen war, die Heere am Rhein und in Itallen fuͤr 
sich selbst die wohlthaͤtigsten Ergebnisse erwartet hatten. 
Doch es ist bekannt, wie der franzoͤsische Feldherr 
Brune, mit nur kaum 20,000 Mann, und in einem 
von dreierlei Factionen zerrißenen Lande, durch außer- 
ordentliche Thaͤtigkeit, durch kluges Benutzen der Volks- 
stimmung zur Landes= Vertheidigung, und durch Tapfer- 
keit seines kleinen Heers, nicht nur den Herzog von 
Vork und General Abercombie mit ihren 35,000 
Mann bis zum September auf bloße Selbstvertheidi- 
gung beschränkte, sondern sie sogar durch seinen Sieg 
bei Alkmaer (G6ten October) zur Bedingung zwang, ganz 
Holland raͤumen zu muͤssen. 
  
5. 
Neue Rüstungen zum Feldzug 1800. 
Die Friedensanträge, welche Buonaparte, nach 
dem Sturz des franzbsischen Vollziehungs-Directoriums, 
als erster Consul, mit so großer Mäßigung, dem eng- 
lischen und russischen Hofe gethan hatte, mochten aller- 
dings aufrichtig gewesen sepn. Ein allgemeiner Friede 
schien ihm norhig, sich auf der erstiegenen Hohe zu be- 
festigen. Seinen Anträgen Kraft zu verleihen, entwi- 
ckelte er aber zugleich auch eine ungebeuere Streitmacht, 
und versuchte er von der andern Seite, durch schlaue 
Unterhandlungen die kleinen Fürsten Deutschlands, be- 
sonders Pfalzbaiern, dem Oberhaupte des Reichs zu ent- 
ziehen. 
Oesterreich war dem Frieden nicht abgeneigt, zu- 
mahl da Kaiser Paul, aus einem Kriege, der seinen 
Interessen fremd, seinen Finanzen nachtheilig schien, 
zurücks-
        <pb n="91" />
        — 81 — 
zurück trat, dem Marschall Suwarow und dem Con- 
de'schen Korps die Rückkehr nach Rußland befahl,) 
und, mit Katharinens Staatsklugheit, ruhig aus der 
Ferne dem Kampfe zwieträchtiger Mächte zusehen wollte, 
durch welchen sie sich gegenseitig schwächten. Auch hatte 
Buonaparte dem Wienerhof, als Grundlage des 
Friedens, den Vertrag von Campo= Formio vorgeschla- 
gen, wo dann Oesterreich, im Besitz von der Lombardei 
und Piemont, hinlänglich für die in jenem Vertrag an- 
erkannten Entschädigungen gesichert worden wäre. 
Nur England, welches, aus Besorgniß früherer 
oder späterer Beeinträchtigung seines Handels, Holland 
auf keine Weise in Frankreichs Händen lassen wollte, 
jetzt aber die Zurückgabe desselben, trotz der in Italien 
geschehenen Fortschritte Oesterreichs, nicht hoffen konnte, 
da alle diese Fortschritte durch die Niederlagen bei Zürich 
und Alkmaer an Werth verloren hatten, — nur Enge 
land widerstand unbeweglich allen Aufforderungen zum 
Frieden. Es schmeichelte sich, Frankreich, abermahls 
durch den Bürgerkrieg in der Vendéêe erschüttert, sey an 
Geld und Menschen erschdpft. Es erwiederte bekanntlich 
Buonaparte's unmittelbares Schreiben an den Kdnig 
von England, in Lord Grenville's amtlicher Note, 
mit einer neuen Kriegserklärung; gab den brirtischen 
Rüstungen die größte Ausdehnung; sandte kußerst ge- 
wandte Unterhändler nach Petersburg und Wien, um 
diese beiden, durch die Vorfälle in Italien und der 
Schweiz getrenuten Höfe wieder zu neuen Anstrengungen 
*) Suwarow empfing den Befehl Anfang Decembers 1799 
und am 2Loten desselben Monats hatten die letzten Russen 
schon Batern verlassen. 
6
        <pb n="92" />
        — 32 — 
zu vereinigen, und verhieß dem Hause Oesterreich nicht 
nur sehr beträchtliche Hülfegelder, sondern auch die feier- 
lichste Gewährleistung des immerwährenden Besitzes von 
Italien. 
Dies letztere entschied. Der Wienerhof, ungeachtet 
er, außer England und dem deutschen MReich, keinen 
Verbündeten hatte, da Preußen und Dänemark dem 
Grundsatz der Unpartheisamkeit, und Schweden der 
Handlungsweise Rußlands treu blieb, lehnte alle er- 
neuerte Anträge des ersten Konsuls von Frankreich ab. 
Es bor vor Allem auf, seine Heermassen in Iralien, 
wie in DOeutschland, in einen Achtung gebietenden Stand 
zu setzen. Der Landsturm in Schwaben und am Mit- 
relrhein wurde auf's neue aufgeboten, und jedes der 
Reichskonringente vollständig gemacht. 
Kurfürst Marimilian Joseph von Baiern, fest 
am Hause Oesterreich und der großen Angelegenheit 
Deutschlands halrend, ließ es nicht bei der einfachen 
Stellung des Kontingents bewenden. Im Vorgefühl 
des großen, alles umwälzenden Sturms erkannte er, 
daß Baiern seine Selbstständigkeit nur bewahren werde, 
wenn es sich mit eigenen Waffen schütze. Darum ließ 
er thätig die Bildung einer starken Landwehr vorbereiten, 
rastlos in Pulver= und Jenghäusern arbeiten, die grds- 
sere Befestigung von Ingolstadt beschleunigen, die Vor- 
rathsháäuser aller Art füllen, und seinem Heer edlern 
Geist einfldzen. Schon früher hatte er den vormahls 
üblichen Verkauf der Stellen beim Heere abgeschaft 
(26ten Februar 1799), vorzuͤglichere Offiziere angestellt 
(25ten März 1700), einerseits zweckmäßige Ersparungen 
bei der Heerverwaltung eingeführt, anderseits die Be- 
soldungen und Gehalte erhöht ('ten September 1790),
        <pb n="93" />
        — 83 — 
zur Bildung guter Unteroffiziere eine Schule errichter 
(14#ten October 1700), der bisherigen Militär-Academie 
zum Unterricht junger Offiziere eine zweckmäßigere Ge- 
stalt verliehen (22ten October 1700), und Lazarethe und. 
Kriegöspiräler durchaus verbessert, um das Loos der ver- 
wundeten oder kranken Soldaten zu mildern. Nun schloß 
er noch mit England (15ten März 1800) einen Ver- 
trag ab, in Folge dessen er sich anheischig machte, ge- 
gen die Summe von 560,686 Pfund Sterling Hülfsgel- 
dern, ein Korps von 12,000 Mann in's Feld zu siellen. 
Zu den dafür neu zu bildenden Regimentern mußten die 
bisherigen fünfzehn Baraillons Fußvolk, als Stamm 
dienen. 
Inzwischen aber hatte Buonaparte in seiner ge- 
waltigen Regsamkeit die Unruhen der Vendée gänzlich 
gestillt; die ganze franzdsische Jugend, ihr Siege weis- 
sagend, zu den Waffen gerufen, und die Bildung eines 
Reserve = Heerb zu Dijon begonnen, zu welchem auch 
die aus Holland gerufenen Abtheilungen stoßen mußten. 
Doch alles was er thar, und die scheinbare Schwäche 
der franzdsischen Stellungen, ließ vermuthen, daß es 
bei ihm nur auf eine nachdrückliche Vertheiwigung abge- 
sehen sey. Und in der That war diese Vermuthung am 
Wienerhofe so herrschend, daß man ohne Sorge wegen 
Moreau, dessen Heer sich längs dem linken Rhein- 
ufer und in der Schweiz täglich verstärkte, nur die Au- 
gen nach Italien wandte, und daher die dsterreichische 
Macht von Mannheim bis zu den Alpen ohne Thätig- 
keit ließ. 
Diese Kriegsmacht am Rhein, 130,000 Mann stark, 
welche 25,000 Mann Reiterei zähltre, stand beim Be- 
ginnen des Feldzugs nicht mehr unter dem Oberbefehl 
6#"
        <pb n="94" />
        — 383 — 
des vom ganzen Heer angebetheten Erzherzogs Karl, 
sondern war jetzt (17ten März) dem Feldzeugmeister 
Baron Krapy übergeben, und unter Kollowrath, 
Sztarray, Giulay und Klenau in vier Korps 
getheilt. 
Die Hauptstärke befand sich in der Gegend von 
Villingen und Donaueschingen, die Reserve in der Ge- 
gend von Stockach mit Abtheilungen in der Nähe Kehls 
und der Schlunde des Kinzinger und Renchthals, unter 
General Kienmaier. — Giunlay hielt bei Freiburg 
und Altbreisach, jenseits des Höllenthals; Erzherzog 
Ferdinand am Rhein von Vasel bis Waldshur; der 
Prinz von Lothringen über Schafhausen bis zum 
Konstanzer See; Fürst Reuß bei Feldkirch, Bregenz, 
in Graubundten und Tirol. Die ganze Kette dieser 
Schaaren stand sowohl unter sich, als mit dem Korps 
des Feldzeugmeisters Grafen Sztarray verbunden, 
der bei Heidelberg und Mannheim lag. Erhatte 20,000 
Mann, zu denen auch das pfalzbaierische Kontingent von 
drei Bataillons unter General Bartels gehdrte. Eben 
so sammelte sich das baierische Subsidien-Korps von 
12,000 Mann, in zwei Brigaden getheilt, Anfang 
Aprils bei Heidelberg und ODonauworth. ') An Sztar- 
  
2te Brigade. 
Oberst Baron Wrede. 
Feldjäger-Bataillon Clos- 
») ite Brigade. 
Generalmajor v. Derov. 
Grenadier-Bataillon Reuß. 
mann. 
Feldjäger-Bataill. Meßen. Grenadier * Bataillon Sie- 
-. ein. 
4 Bataillon Minucci. 1 Bataillon Lamotte. 
7? Zettwiß. 7 Zollern. 
„ Sprettit. ? Pompev. 
» Schloßberg, » Busseck. 
welch Leßteres jedoch erst in zwei Kompagnien neu errich= 
Heidelberg erganzt wer- 
den sollte. 
teiter Scharfschüßen unter 
Kommando des Malors Ba-= 
kon Kesling.
        <pb n="95" />
        — 83 — 
ray's Rechte lehnte sich der Mainzer Landsturm zwi—- 
schen der Maas und dem Rhein, unter dem Baron Al— 
bini, der an der Nidda, bis zur Veste Kassel und 
gegen Hochheim Stellung genommen. Weiter abwaͤrts 
hingegen hielt Preußen, als unpartheisame Macht, die 
Laͤnder unterhalb Koblenz, vom linken Heerfluͤgel der 
Franzosen an bis zur hollaͤndischen Graͤnze, mit 20,000 
Mann gedeckt. In Nordholland selbst stand Augereau 
nur mit 10,000 Franzosen zur Sicherheit gegen Englaͤnder. 
Dies ohngefaͤhr war im Allgemeinen die Stellung 
deutscher Seits. Noch bildeten sich im Innern des dster- 
reichischen Staats zahlreiche Truppen = Massen vor. 
Würzburg, Philippsburg und Ingolstadt befanden sich 
in gutem Vertheidigungs-Zustand. Ulm war, seit Be- 
festigung der Anhöhen umher, sowohl ein trefflicher 
Sicherheitspunkt für Vorräthe, als Stützpunct eines 
Heers geworden, 
  
0. 
Wiederanfang der Feindseligkeiten in 
Deutschland. Die Schlachten bei Stockach, 
Engen, Moöskirch, Memmingen, und an- 
dere Gefechte, bis zum 1#ten May 1800. 
Aber nun erfuhr man, daß auch Moreau's Heer 
lenseits des Rheins keineswegs schwach, sondern auf's 
Außerdem hatte dieses Korps ein aus sechs Escadronen 
bestehendes verschiedenartig zusammengesetztes Chevaur- 
legers-Regiment, eine neuerrichtete leichte reitende Bat- 
rerie von sechs öpfünder Kanonen und zwei Haubißen, die 
Bataillons aber achtzehn Spfünder und sechs Haubißen, nebst 
der dazu gehörigen Reserve= Axrtillerie in ibrem Gefolge-
        <pb n="96" />
        Beste ausgeruͤstet, und volle 120,000 Mann stark sey. 
Zu spaͤt gab der Wienerhof daher dem Feldzengmeister 
Kray Befehl (15ten April), den Feldzug zu eroͤffnen, 
ehe Moreau angriffsweise verfahren koͤnne. Moreau 
war wirklich schon in voller Thaͤtigkeit, den Rhein zu 
uͤberschreiten, was ihm die Bruͤckenkoͤpfe bei Basel, 
Breisach und Straßburg erleichterten. 
General St. Suzanne brach aus Straßburg und 
Kehl (25ten April) gegen Offenburg hervor, währeud er 
links gegen die Ortschaft Renchen eine Abtheilung sandte, 
um dort die leichte Reiterei seines Feindes im Zaum zu 
halten. Der Angriff in der Morgenfrühe war so un- 
gestuͤm und morderisch an beiden Ufern der Kinzing daß 
die Oesterreicher im Wahn, nicht etwa einen ihnen an 
Zahl gleichen, etwa 15,000 Mann starken Feind, sone 
dern die franzbsische Hauptmacht, vor sich zu haben, 
nach Offenburg zurückgiengen. Darauf stellte sich St. 
Suzanne zwischen Willstett und Appenweier auf. — 
In derselben Zeit eilte Gouvion St. Cyr mit 20,000 
Mann aus Alt-Breisach über den Rhein hervor, stieß 
die einzelnen dsterreichischen Abtheilungen zurück, nahm 
die Stadt Frepburg im Breisgau, und sireckte seinen 
linken Flügel gegen das Kinzinger Thal. Krap, durch 
diese letztere Bewegung zu dem Glauben verführt, St. 
Cyr wolle sich vermittelst derselben an St. Suzanne 
schließen, entbloßte seine Mitte, und schickte einen Theil 
seiner Reserve, unterstitzt durch Sztarray und Gin- 
lay, nach dem Ort Haslach beim Eingang der Horn- 
berger Thal-Engen. Allein schnell und unerwartet war 
St. Suzanne, am dritten Tage seiner Erscheinung, 
wieder nach Straßburg über den Rhein zurück, wohin 
ihn Kray bis vor Kehl terfolgte, und kam dann eben
        <pb n="97" />
        – 87 — 
so rasch und unerwartet wieder bei Alt-Breisach zum 
Vorschein, von wo er sogleich St. Cyr's Stellung bei 
Freiburg einnahm. St. Cyr hingegen gieng über 
Todtnau nach St. Blasien vor, indem er die bdchsten 
Gebirgsgipfel des Schwarzwaldes und das Höllenthal 
rechts ließ. Moreau selbst war unterdessen auch schon 
mit drei Abtheilungen von Basel her über den Rhein 
gekommen, hatte den General Richepanse links durchs 
Wiesenthal nach St. Blasien geschickt, die Generale 
Delmas und Leclere aber gegen Waldshut, wo sie 
unterwegs die österreichischen Verschanzungen bei Alb- 
Bruck so rasch erstürmten, daß deren Vertheidiger nicht 
einmahl Zeit behielten, die Brücke abzuwerfen. Ebenso 
warf Richepanse bei St. Blasien, am Eingange des 
Alb-Thales, vier österreichische Bataillons, die er über 
Bonndorf hinaus verfolgte. St. Cyr kam mit ihm 
fast zu gleicher Zeit in St. Blasten an, und setzte sei- 
nen Zug durch rauhe Bergwege nach Stühlingen fort, 
so wie am linken Flügel auch St. Suzanne bis nach 
Neustadt. 
Auf diese Weise hatte Moreau binnen wenigen 
Tagen die Päße des Schwarzwaldes hinter sich, und 
sein bei Breisach und Basel über den Rhein gegangenes 
Heer in voller Verbindung und gerader Linie. Eben so 
ließ er nun noch seine ganze Reserve über die Wuttach 
gehen und auf den rechten Flügel, zwischen Neukirch 
und Hallau, einrücken. 
Der Feldzeugmeister Kray befahl alsbald dem Ge- 
neral Giulav und allen, dem rechten Flügel zugeschick- 
ten Verstärkungen, nach Donaueschingen zur Reserbe 
zurückzueilen. Wredes's balerische Brigade bei Heidel-
        <pb n="98" />
        berg, welche erst nach Villingen bestimmt war, mußte 
sich in Eilmaͤrschen uͤber Tuttlingen nach Liptingen der 
Hauptarmee naͤhern. *) 
Inzwischen hatte aber auch Lecourbe seine Kriegs- 
Lölker, zwischen Schafhausen und dem Constanzersec, 
in der Schweiz versammelt. Sobald er nun erfuhr, daß 
Moreau's Heer sich am rechten Rheinufer mit ihm in 
gleicher Hôhe befände, erkämpfte er beim Dorfe Reich- 
lingen, zwischen Stein und Diesenhofen (#iten März), 
den Rheinübergang. Er hatte alle Voranstalten zu die- 
ser Unternehmung den Augen des Feindes zu verbergen 
gewußt. Nachts begann er, er warf die dsterreichischen 
Vorwachten zurück und Mitrags hatte er nicht nur schon 
den Brückenkopf vollender, sondern auch volle 20,000 
Mann am rechten Ufer, mit allem Geschütz, aufgestellt. 
Nun sandte er Abtheilungen in verschiedener Richtung, 
um sich mit Moreau's rechten Flugel zu verbinden, 
und drängte die Oesterreicher mit Uebermacht über Ho- 
hentwiel hinaus, welche mit vergeblicher Tapferkeit sowohl 
den Uebergang, als ihren Rückzug nach Stockach, zwi- 
schen Weiler und Ramsen, vertheidigt hatten. Hohent- 
wiel, die kleine Bergveste, wo bedeutende Vorräthe aller 
Art nebst zahlreichem Geschütz lagen, ein für die Fran- 
zosen, für die Sicherung ihrer Heerverbindungen, wich- 
tiger Punct, ergab sich unbegreiflicher Weise noch an 
dem nähmlichen Tage, gleich nach erster Aufforderung 
des französischen Generals Vandamme. 
*) Die erste Brigade des pfalzbaierischen Korps gog sich 
dagegen zu dieser Lgeit bei Donauwörth zusammen, und 
wurde am 26ten April von dem englischen Kommissär 
Grasen Wickham gemustert.
        <pb n="99" />
        Jetzt ward die Stellung des Feldzeugmeisters Kray 
gefaͤhrlich. Er mußte eine neue Vertheidigungs-Linie zwi- 
schen dem Bodensee und den Gebirgen des Schwarz- 
waldes nehmen, aber er konute kaum hoffen, daß sein 
rechter Flügel unter Sztarraynoch zeitig genug durch's 
obere Neckarthal eintreffen, und dazu mitwirken würde. 
Er mußte Stockach decken, wo seine Magazine lagen; 
aber dazu mußte er mit seiner Mitte und dem linken 
Flügel, vermittelst eines Seitenmarsches, eine ganze 
Front-Veränderung ausführen. 
Eben dies wollte Moreau hindern. Während 
St. Cypr also auf den Höhen von Stühlingen, Lecourbe 
unter den Kanonen von Hohentwiel blieb, mußte St. 
Suzanne bei Neustadt aus dem Höllenthal hervor- 
ziehen, und Moreau gieng mit den drei Reserve-Ab- 
theilungen nach Blumenfeld, um mit Lecourbe in 
gleicher Linie zu siehen. So mit 30,000 Mann bot 
Moreau seinem Gegner Schlacht an. Er wollte dessen 
linken Flügel vom Bodensee losreißen, und dessen Stel- 
lung zwischen Stockach und Engen selbst einnehmen. 
Kray hingegen war gezwungen, alles für die Behaup- 
tung Stockach's zu wagen, und deswegen Kern und 
Mitte seines Heers, von Douaueschingen hinweg, hier 
zur Vertheidigung, aufzustellen. Jedoch schon bei sei- 
ner Ankunft zu Engen (#ten May) erkannte er aus al- 
len Bewegungen der Franzosen die Nähe des allgemei- 
nen Angriffs. Er mußte deswegen auf seinem Seiten- 
marsch sogleich Halt machen, um so mehr, da außerdem 
die Generale Giulay und Kienmaier, welche sich 
eiligst von den Rheinufern entfernten, großer Gefahr 
preisgegeben worden wären, und ohnehin schon die Ab- 
theilungen seiner Nachhut unter Erzherzog Ferdi-
        <pb n="100" />
        — 00 — 
nand im lebhaften Gefechte gegen St. Cyr's Vorhut 
standen. 
So hatte Krap folglich, als ihn Moreau schon 
angriff, die begonnene Bewegung noch nicht vollendet. 
Nur der Prinz von Lothringen stand zur Vertheidi= 
gung Stockach's mit 12,000 Mann zwischen Stockach 
und Steißlingen. Graf Nauendorf war noch bei 
Welchingen, Erzherzog Ferdinand und Giulay noch 
auf den Straßen von Blomberg, Thengen und Donau- 
eschingen. 
Schlacht bei Stockach den sten May. 
Am öten May setzte sich Lecourbe in aller Frühe 
gegen den Prinzen von Lothringen in Bewegang. 
Die Abtheilung des Generals Montrichard ließ er 
auf der Hauptstraße von Singen geradezu gegen Stockach 
rücken, die Abtheilung des General Bandamme recht 
nach Wahlwies, den General Lorges links, um mit 
einer Hälfte seiner Division, durch Besetzung des Punctes 
Aach, die Gemeinschaft zwischen Stockach und Engen 
zu unterbrechen, und mit der andern Hälfte den rechten 
Flägel der Reserve zu verstärken, der durch Abgebungen 
an die Mitte geschwächt war, 
Beim Ausgang der in der Nähe von Bodman, 
VBahlwies und Steislingen gelegenen Waldungen ent- 
brannte das Gefecht zuerst. Hier hatte der Prinz von 
Lothringen seine Vorhut aufgestellt; hingegen seine 
Schlachtlinie vor Stockach, dem Blick des Feindes durch 
vorgezogne Reiterei verborgen. Allein die Vorhut ward 
sogleich auf die Schlachtlinie selbst zurückgeworfen, und 
die Reiterei vor der letztern durch einen kühnen Angriff 
des General Nansouty hinter die Linie zurückgezwun-
        <pb n="101" />
        gen. So wurde das Gefecht allgemein. Das dfterreichische 
Fußvolk vertheidigte sich auf das hartnäckigste, und war 
durch das zahlreiche und gut bediente schwere Geschütz 
Lortrefflich unterstützt. Doch Molitor's wiederholte 
Anfälle gegen den linken Flügel, welchen dazu noch 
Vandamme fast umgangen hatte, erschütterten die 
oͤsterreichische Linie. Montrich ard, den Augenblick 
benutzend, durchbrach ihre Mitte. Oie französische Rei- 
terei drang zugleich mit den Fliehenden in Stockach ein, 
und gewann die Höhen jenseirs. Der Prinz von Loth- 
ringen, weil Lorges den Punct Aach, späterhin 
Idelwangen besetzt hielt, konnte an keine Vereinigung 
mehr mst dem übrigen Heere denken, und zog sich daher 
in größter Eile nach Mdskirch und Pfullendorf, mit Zu- 
rücklassung von 3— 4,000 Gefangenen, beträchtlichen 
Magazinen und einigen Kanonen. 
Schlacht bei Engen. 
Die Hauptmacht des Feldzeugmeisters Krap stand 
noch bei Engen. Durch den Verlust von Stockach ward 
für sie ein wichtiger Anlehnungs-Punct eingebüßt, für 
die Feinde hingegen gewonnen. Moreau aber war 
schon in derselben Zeit gegen Krapy vorgerückt, als 
Lecourbe gegen den Prinz von Lothringen. Mo- 
reau griff mit seinem ganzen Reserve-Korps von der 
Stirnseite an; St. Cyr sollte, von Stühlingen nach 
Engen eilend, ihm den linken Flügel decken. 
Krap hatte die Vortheile der Oertlichkeiten bei En- 
gen für sich und weise benutzt. Allein des Feindes Ue- 
bermacht und Ungestüm warf nicht nur die nach dem 
Dorf Weiterdingen geschickte, ziemlich starke Vorhut zu- 
rück, sondern erstürmte auch mit dem Bajonet die An-
        <pb n="102" />
        hoͤhe bei Muͤhlhausen, welche vergebens von acht dster- 
reichischen Grenadier-Bataillons auf's tapferste verthei- 
digt worden war. 
Der hoͤchste Punct des Schlachtfeldes war der Ho- 
henhewener Berg. Kray hielt ihn nicht nur wohl 
besetzt, sondern ihn auch in der Ebene mit 15,000 
Mann Reiterei gedeckt. Moreau, un seine Vereini- 
gung mit St. Cyr zu befoͤrdern, ließ den Berg durch 
die Dioiston Richepanse angreifen, welche von Blu- 
menfeld über Weiterdingen und Beipferdingen dahin 
ziehen mußte. Der Widerstand aber war hier so kräftig, 
daß die Oesterreicher Abends 06 Uhr die französische Linie 
durchbrachen, und die Divisionen der Generale DOelmas 
und Bastoul trennten, indem die Dragoner des dster- 
reichischen Feldherrn Latour in das heftig vertheidigte 
Dorf Welchingen eindrangen. 
Als Moreau dies bemerkte, warf er sich, um 
Kray's Aufmerksamkeit von dort abzulenken, mit aller 
Macht gegen das Dorf Ehingen, am linken Flügel der 
Oesterreicher, den eigentlichen Drehpunct ihrer ganzen 
Stellung. Erst nach langer, blutiger Gegenwehr gelang 
es den Franzosen einzudringen, die Hälfte des Dorfs 
zu behaupten, und damit Kray's Stellung zu umgehen. 
Das geschah nun auch auf dem rechten Flügel der Oester- 
reicher. Denn als St. Cyr dort, nach Wegnahme St. 
Ottilias und des Jollhauses und der Verdrängung Nauen- 
dorf's, zu Rich epanse stieß, erstürmte dieser endlich 
bei angehender Nacht die Stellung bei Hewen, und 
Moreau siellte sich nun längs den gegen Engen lie- 
genden Gehöolzen. 
Kray sah seine beiden Flügel durchbrochen und ge- 
worfen. Dennoch behauptete er unerschutterlich bis zehn
        <pb n="103" />
        Uhr Nachts seine Stellung mit dem Centrum des Heers, 
und zog dann in fester Ordnung nach Möskirch zuruͤck. 
Hier nahm er wieder die Schaaren des Prinzen von 
Lothringen, als linken Flügel an sich, und dehnte 
sich gegen Pfallendorf aus, theils um die dortigen großen 
Magazine, theils die Verbindung mit Ulm zu decken, 
theils die noch gegen den Schwarzwald gemachten ein- 
zelnen Aussendungen wieder an sich zu ziehen. Erzherzog 
Ferdinand stand noch rechts bei Neuhaus, zu dem 
auch Oberst Wrede mit den Baiern (von Altingen her 
in der Nacht vom bten zum 5ten May) stoßen mußte. 
Feldmarschall= Lieutenant Nauendorf befand sich mit 
der Vorhut auf den vor Möskirch und Neudorf gelege- 
nen Anhöhen. Ein Theil des Heers hatte Krummbach 
und die Gegend besetzt, weil wirklich die Stellung von 
Mbskirch, an sich selbst sehr unzugangbar und über das 
vorliegende Land herrschend, nur auf der großen Straße 
von Krummbach einen Jugang wies. Aber diesen ver- 
theidigten 25 Stück Geschütz. 
Schlacht bei Mdskirch am öten Mapy 1800. 
Moreau, im PVerfolgen seiner ersten Siege, rückte 
den Oesterreichern nach. Sein linker Flugel unter St. 
Cpr dehnte sich bis Tuttlingen; rechts rückte Lecourbe 
gerade auf Mdskih an, sich links gegen Neuhaus stre- 
ckend; hinter demselben, als zweites Treffen, Moreau 
mir den drei Reserve-Abtheilungen. Den rechten Fli#- 
gel seitwärts zu decken, und die Verbindung zwischen 
Mdökirch und Pfullendorf zu zerreißen, hatte Van- 
damme sich nach Salmannsweiler bewegt und eine 
Brigade nach Kloster Wald vorgeschoben.
        <pb n="104" />
        — 9 — 
Als aber schon der erste Angriff Lecourbe's die 
dsterreichische Vorhut veranlaßte, von den Hdhen zurück 
in die Hauptstellung des Heers einzutreten, ward es dem 
franzbsischen Feldherrn ansführbar, trotz des morderlschen 
Feuers jener 25 Kanonen, eine Stellung vor Mdskirch 
zu nehmen. Und als die Abtheilung seines linken Flü- 
gels den Punct Heudorf, den wahren Schlussel des 
Schlachtfeldes nahm, wieder verlor und wieder nahm: 
war die Verbindung zwischen Kray und dem Erzherzoge 
Ferdinand bei Neuhaus, so wie zwischen Pfullendorf 
und Sigmaringen, gänzlich abgebrochen. 
Alles hieug von Wiederherstellung dieser Verbindung 
ab. Nach mehreren mißlungenen Angriffen auf Heudorf, 
stürmte Giulay mit Erfolg gegen Worndorf an. Obersi 
Wrede aber, nachdem er zuvor das baierische Bataillon 
Pompei vom Bugenberg über Dalbeim ausgesendet 
hatte, um seine Verbindung mit Erzherzog Ferdinand 
festzuhalten, stellte die Baralllons Busseck und Clos- 
mann als Reserve auf, und drang mit den drei übri- 
gen Bataillonen seiner Brigade gegen den Feind, der 
sich in den Wäldern zwischen Krummbach und Rietingen 
mit überlegner Mannschaft festgesetzt hatte. Die Baiern 
stürzten in solcher Heftigkeit auf die Franzosen ein, daß 
diese sich aus dem Walde, mit großem Verlust, zurück- 
zogen. Wrede, der sie über den Gaslachhof hinaus 
verfolgte, nahm hier Stellung. 
Allein die auf diesem Punct errungenen Vortheile 
blieben fruchtlos. Denn nicht nur war die ganze Stel- 
lung bei Mdskirch durch Landamme's Vorrücken über 
Kloster Wald bedroht, sondern Kray's linker Flügel, 
angefallen durch die feindlichen Generale Molitor und
        <pb n="105" />
        Montrichard, schwankte und wich um etwas. Da- 
mit wurden Giulay's und Wrede's Stellungen im 
Rücken genommen. Feldzeugmeister Krapy hingegen 
hatte durch alle diese Bewegungen mit seinem Heer eine 
der Donau parallele Richtung genommen, welche ihm 
neue Vortheile gegen die Division Delmas gewährte. 
Er griff diese, welche auf der Krummbacher Straße 
heranzog, und zu deren Linken sich die Didvision Ba- 
stoul enrfaltere, mit dem glücklichsten Erfolg an. Dann 
aber erschien dazu noch die Division Richepanse. 
Die stellte das Gleichgewicht wieder her, und verlängerte 
den Kampf bis in die Nacht. Der Vortheil und der 
Besitz des ganzen zuerst von den Oesterreichern inne ge- 
habten Schlachtfeldes blieb auf Seiten der Franzosen. 
Kray, wie bedentenden Verlust er auch hatte, behielt 
während der Schlacht den von ihm behaupteten Theil 
des Wahlplatzes. 
Inzwischen hatte sich, so wie Giulay, auch Wrede 
zurück ziehen müssen. Letzterer, immer kämpfend, drei- 
mahl noch in der Nacht vom Feinde angegriffen, mit 
großer Tapferkeit und großem Verlust seiner Brigade, 
erreichte die Stellung von Buchenberg, und setzte sich 
von hier aus wieder mit Erzherzog Ferdinand in Ver- 
bindung. Durch der Baiern Widersiand war diesem der 
Rückzug von Neuhaus erleichtert worden. ) Erzherzog 
*) Während jenes beschwerlichen Marsches mußte Oberst 
Wrede vier Munitions-Wägen, welche in den schlech- 
ten Wegen stecken geblieben waren, in die Luft sprengen, 
so wie er im Laufe des anhaltenden Gefechtes 3 Staabs= 
und 4 Subaltern-Offizkere, worunter die Majore Ba- 
ron Zoller und Baron Dallwig waren, töbtlich ver-
        <pb n="106" />
        — 96 — 
Ferdinand gieng, weil sich Krap folgendes Morgens 
(Sten May) von Mbkich nach Sigmaringen zeg, bei 
Gutenstein über die Denau; Wrede mußte mit den 
Baiern die Nachhut bilden, fortwährend mit den feind- 
lichen Abtheilungen vom Korps des Generals St. Cyr 
im Gefecht. St. Cyr hätte gern, als er sich dem ein- 
springenden Winkel der Donau bei Sigmaringen näherte, 
den Uebergang der Oesterreicher über den Fluß durch 
einen kräftigen Angriff verhindert, wäre er nicht von 
Moreau's Hauptmacht zu entfernt gewesen. Er ließ 
also nur Geschütz auffahren; aber das lebhafte Feuer 
desselben ward bald durch eine vortheilhaft aufgepflanzte 
Batterie der Oesterreicher vernichtet. 
Allerdings würde es dem Feldzeugmeister Kray, 
nachdem er bei Sigmaringen über die Donau zurückge- 
gangen war, noch moglich gewesen seyn, den feindlichen 
Heerhaufen St. Suzanne's, durch eine rasche Wen- 
dung gegen Geißlingen, anzugreifen und aufzureiben, 
Moreau's Rücken durch einen kühnen Zug auf dem 
rechten Donauufer zu bedrohen, und diesen Gegner zu 
zwin- 
wundet, und 251 Mann todte, 211 Mann verwundete 
Gemeine hatte. Vorzüglich hatte die Artillerie und das 
Vataillon Wrede gelitten. Feldzeugmeister Krapy sprach 
in einem eigenen Tags-Befehl seine Achtung eines so 
ausgezeichneten Benehmens noch am nämlichen Tag aus 
(S. Sigmaringen den bten Mav 1800), so wie Oberst 
Wrede die Verdienste des Oberst-Lienutenants Sie- 
bein, der Majore von Dallwig und von Zoller, 
des Hauptmanns Lindheimer, der Lieutenants Kirch- 
höfer und Penje, so wie sämmtlicher Staabs-, Ober- 
Offiziere und Gemeinen, in seinem officiellen Bericht 
aus Sigmaringen pvom 6. Map 1300 gnerkgunte.
        <pb n="107" />
        zwingen, seine Streitkraͤfte zusammen zu ziehen: allein er 
wollte durch kein Wagstück solcher Art sich von allen sei- 
nen Hülfsquellen entfernen, nicht seine Rückzugs-Linie, 
nicht das Schicksal seines ganzen Heers der Gefahr preis 
geben. Darum zog er nach Riedlingen, gieng da (Tien 
und gten May) über die Donau, und im Eilzug nach 
Biberach. 
Gefecht bei Biberach. 
Hier auf den Höhen vor und hinter der Stadt, die 
Heermitte Biberach gegenüber, den rechten Flügel auf 
den Mettenberger Höhen, an große, sumpfige Wiesen, 
den linken, bei welchem Wrede, der auf vierzehnstün- 
digem Zuge die Nachhut des ganzen Heers gebildet harte, 
an Ummendorf gelehnt, wollte Krap Zeit gewinnen, 
die beträchtlichen Biberacher Magazine zu benutzen und 
zu retten. Eine Vorhut von zehn Bataillons Fußvolk, 
vier Regimentern Reiterei und fünfzehn Stück Geschützes 
mußte, links dem Rieß-Flüßchen, die Anhdhen besetzen, 
und die Straße nach Buchau, so wie die nach Pful- 
lendorf beobachten. Die Vorwachten standen bei Obern= 
dorf und Ingolfingen. 
Mittlerweile aber war auch Moreau tiefer in 
Schwaben vorgerückt; er selbst mit den Reserve-Abthel- 
lungen im Zug gegen Pfullendorf; St. Cyr gegen 
Buchau. Lecourbe stand schon zwischen Leurkirch und 
Wurzach, wo eine Brigade BVandamme's, um Le- 
courbe's Seite zu decken, und den General Reuß 
in Tirol und Worarlberg zu beobachten, Ravensburg, 
Wangen und Lindau besetzte. Hingegen St. Suzanne 
zog am linken Oonau-Ufer immer in einiger Entfernung 
hinter der Spitze des Heers her, um dessen Bewegun- 
gen von dieser Seite zu sichern. 
7
        <pb n="108" />
        . 98 — 
St.Cyr, von Buchau (Oten May) aufgebrochen, 
warf die Vorposien der Oesterreicher bei Oberndorf über 
die Rieß zurück, dann nach einem äußerst heftigen An- 
griff, die auf den Höhen siehende Vorhut gegen die 
Schluchten nieder. Hürte nicht der Feldzeugmeister so- 
gleich frische Schlachthaufen gesandt, um die Geschlag- 
nen aufzunehmen, würde die Stockung und Verwirrung, 
durch die Reiterei und das schwere Geschütz veranlaßt, 
von den gefährlichsten Folgen haben seyn kdnnen. — 
Richepanse's Abtheilung an der Spitze von Mo- 
regu's Reserve, Lon Pfullendorf kommend, warf die 
bei Ingolfingen stehenden Vorwachten, und kam, sie 
verfolgend, in dem Augenblick zum Fuß der Biberacher 
Höhen an, als auch schon, Oesierreicher und Franzosen 
vermengt, in Biberach selbst eindrangen. 
Durch Richepanse's Ankunft kühner, und indem 
Moreau's Reserve durch die Stadt zog, gieng St. 
Cyr unterhalb Biberach vermittelst einer Furth über die 
Rieß, und erstürmte die Mettenberger Hôhen, während 
zwei franzdsische Reiterregimenter, mit Wetterschnelle 
über die Biberacher Brücke fliegend, sich gegen das 
Außenende von Kray's linkem Flügel aufstellten. Wre- 
de'e Brligade wurde unterdessen bei Ummendorf durch 
den General Delmas so heftig angefallen und beschäf- 
rigt, daß sie zu Gunsten der hartbedrängten Mitte des 
ösierreichischen Hauptheers keine Schritte hun konnte. 
In diesem Angenblick erfuhr Feldzeugmeister Kray, 
daß Lecourbe schon jenseits Wurzach erschienen sey. 
Er befahl daher den Rückzug der ganzen Kriegesmacht 
gegen die Iller. Die Vaiern unter Wrede, wie er- 
schoöpfe sie auch waren, mußten vom Schlachtfelde aus
        <pb n="109" />
        bis Ochsenhausen, in immerwaͤhrendem Handgemenge 
mit den drei franzoͤsischen Reserve-Abtheilungen, als 
Nachhut den Ruͤckzug decken. Zwischen Ochsenhausen 
und der Iller, auf vortheilhaft gelegner Anhoͤhe, den 
Zugang derselben mit dreißig Kauonen, zahlreicher Rei- 
terei und Fußvolk gedeckt, faßte Kray abermals 
Stelluig. Wrede, mit seinem Fußvolk und drei Ge- 
schwadern Chevaurlegers, übernahm den Vorposten auf 
der Straße gegen Wurxzach. 
Gerade dieser Posten ward durch Lecourbe's 
Wendungen einer der wichtigsten. Denn während der 
franzsische Feldherr (10ten May) nach Memmingen 
rückte, gieng die Dioision Montrichard bei Eitrach 
über die Iller; und in der gleichen Richtung sollte nun, 
von Wurzach aus, Lecourbess linker Flügel vorrücken, 
mit Montrichard in einer Linie, aber diesseits der 
Iller, und so den Hauptangriff auf die dsterreichischen 
Stellungen bei Ochsenhausen und Memmingen machen. 
Wäre diese Verbindung der feindlichen Abtheilungen des 
linken Flügels mit Montrichard ausgeführt worden, 
so mußte der Unrergang des dsterreichischen Heers in 
den gefährlichsten Einengungen, sowohl auf der Straße 
nach Mindelheim als nach Illerdiessen, unvermeidlich 
erfolgen. Der Feldzeugmeister Krap wußte dies, und 
übertrug es dem Obersten Wrede, die Vereinigung von 
der ganzen Macht Lecourb's zu verhindern. 
Die Aufgabe war um so schwieriger, da die pfalz- 
baierische Brigade, au Mannschaft geschwächt, in un- 
unterbrochenen Hin= und Herzugen, Nachtwachen und 
Gefechten äußerst erschöpft, es mit einem ihr zwoͤlfmal 
überlegenem Feinde aufnehmen sollte. Schon Mutags 
7 sR
        <pb n="110" />
        — 100 — 
um 12 Uhr bewegte sich die Heersaͤule von Lecourbe's 
linkem Fluͤgel heran, und begann den Angriff mit wilde- 
stem Ungestuͤm. Die Baiern, im Bewußtseyn, von der 
Dauer ihres Widerstandes hange die Rettung des gan- 
zen dsterreichischen Heers ab, entfalteten abwechselnd in 
der Vertheidigung, wie im Angriff, eine Tapferkeit, durch 
welche sie den anstürmenden Feind bis gegen 10 Uhr 
Nachts aufhielten, und ihre Stellung unbeweglich be- 
haupteten. Allerdings führten sie dies nicht ohne ansehn- 
lichen Verlust aus. Aber der Rückzug der Oesterreicher 
nach Ulm und den dortigen Verschanzungen ward da- 
durch gedeckt und glücklich vollbracht, wohin dann auch 
Wrede folgte. Der Feldzeugmeister Kray anerkannte 
die ehrenvolle Waffenthat der Baiern. 7) 
Das dfierreichische Heer, welches an allem Mangel 
gelitten hatte, war nach so mühsamen Zügen, nach vier 
zwolfstündigen Schlachten und Gefechten, der Erholung 
bedürftig. Krapy abnnte ihm dieselbe, freilich in sehr 
gedrängter Stellung, zwischen Donau und Lech. Er, 
  
)Durch einen Armee Befehl dd. Ulm am 11ten May 1800. 
Die pfalzbaierischen Truppen haben bei dem gestrigen 
Gefechte sich durch die außerordentlichste Entschlossenheit 
und Tapferkeit so sehr ausgezeichnet, daß ich ihrem wür- 
digen Anführer Obersten Baron v. Wrede, denen Herren 
Offzziers uud der gemeinen Mannschaft, nebst meiner 
vollsten Zufriedenheit, auch meinen wärmsten Dank zu 
dußern mich verpflichter fühle. 
untrerzeichnet: Krap, Feldzeugmeister. 
Unter den Stabs-Offizieren hatten sich vorzüglich der 
Oberstlieutenant Siebein, die Majors de la Motte, 
Loe und Graf Pompei, welch reßterer schwer ver- 
wundet wurde ausgezeichntt-
        <pb n="111" />
        — 101 — 
der seit Erdffnung des Feldzuges bei 12,000 Mann ver- 
loren hatte, mußte jetzt dem General Moreau den 
Besitz des untern Schwabens und alles Landes zwischen 
Tirol, der Schweiz, der Donau und dem Lech überlas- 
sen, und jeder Verbindung mit dem Prinzen Reuß ent- 
sagen, der mit 18 — 20,000 Mann in Tirol und Vorarl= 
berg stand. Inzwischen kam auch der Feldmarschall- 
Lieutenant Sztarray nach Ulm, wo er sich mit dem 
Feldzeugmeister Krap bei Stdflingen vereinigte. Er 
war beim Anfang des Feldzugs aus der Gegend von 
Stollhofen nach Pforzheim, nach den ersten Unfällen des 
Hauptheers gegen Freudenstadt, von da hinter dem 
Neckar über Canstatt nach Hechingen gezogen, hätte 
vielleicht bei den Gefechten des Oten und 10ten May's 
schon entscheidend mitwirken küonnen, und bam unn über 
Blaubeuren nach Ulm. Bei ihm war auch die pfalz- 
baierische Contingents-Brigade Bartels, mit Aus- 
nahme eines Bataillons vom Regiment Prinz Pius, 
das einen Theil der Philippsburger Besatzung ausmachte. 
Diese Brigade, dessen zwei Bataillons (Salern und 
Weichs) durch drei bsterreichische verstärkt worden wa- 
ren, hatte jedoch von Pforzheim hinweg den Weg nach 
Hechingen über Dornstett und Horb nehmen müssen. 
Eben so war die zweite baierische Hülföbrigade, unter 
dem General= Lieutenant, Baron von Zweybrücken, 
(schon am bten May) in Günzburg eingetrossen. Von 
hier sollte sie sich bei Warthausen mit dem Hauptheer 
verbinden, kam aber zu spät, weil das Heer damals 
schon in Eil über die Rieß zurückgieng. Darauf hatte 
sie nach Ochsenhausen rücken sollen, aber auch diesen 
Punct fand sie schon durch den Feind stark besetzt, und, 
ihn hier anzugreifen, konnte veinen Vottheil enehr ge-
        <pb n="112" />
        — 102 — 
währen. Endlich gelang es ihr, sich nach einem starken 
Marsch (in der Nacht vom oten May) bei Laubheim 
an den Rauendorf’schen Heerhaufen anzuschließen. 
So gelangte auch sie (12ten May) nach Ulm, und em- 
pfieng ihre Stellung bei der Prälatur Elchingen, am 
dußersten Heerflügel. 
  
7. 
Treffen und Gefechte in Schwaben und 
Baiern, bis zum Parsdorfer Waffen- 
stlllstand am 1öten July 1800. 
Die Stadt Ulm an sich selbst, in einer Niederung 
en der Donau, von nahen Anhhdhen überragt, hat durch 
die Natur wenig empfangen, um eine Vestung unsrer 
Tage zu seyn. Aber sie war es durch die wohlberech- 
nete Schanzenkette der sie umringenden Hôhen, das 
Werk des geistvollen Erzherzogs Karl, geworden. Der 
Michelsberg, am linken Donauufer, war als Haupt und 
Schlüssel der ganzen PVertheidigungs-Anlage anzusehen. 
An ihn hatte Feldzeugmeister Kray seinen rechten Flü- 
gel gestützt, während sich der linke bis Elchingen streckte. 
So befand sich seine Hauptmacht zwar längs dem linken 
Ufer der Donau, aber eine zahlrelche Reiterei zog beide 
Ufer in seinen Spielraum. 
Morcau's Heermitte, durch die Schlachthaufen 
St. Cyr's und der Reserve-Abtheilungen gebilder, stand 
auf beiden Ufern der Iller, zwischen Memmingen und 
der Donau; zu seiner Linken, von Altsteißlingen hinweg, 
St. Suzanne; zu seiner Rechten, zwischen Amedingen 
und Krumbach, Lecourbe, der auch Memmingen be-
        <pb n="113" />
        —. 1 03 
setze hielt. Lecourbe hatte sich allerdings durch Ab- 
gebung von 12,000 Mann, die Loison nach Italien 
führen mußte, sehr geschwächt, doch deckte ihn noch 
Molitor mit einer Abtheilung bei Kempten gegen Prinz 
Reuß und die Ausgänge Tirols. 
Als gewandter Heerführer hoffte Moreau durch 
kluge Züge und Wendungen, in denen er bald scheinbare 
Blößen darbot, bald Gefahren für Baiern und das In- 
nerste Deutschlands vorspiegelte, seinen Gegner leichter 
aus den Ulmer Verschanzungen hervor zu locken, dann 
ihn dort mit siürmender Faust zu bezwingen. Kray hin- 
gegen, vorsichtig, und Morean's Absicht durchschauend, 
wollte um so unerschütterlicher an Ulm, diesen Drehpunct 
aller seiner künftigen Heerbewegungen, halten, weil er 
wohl wußte, daß die Franzosen unmbglich lange in den 
ausgezehrten Gegenden verweilen könnten. Indem jeder 
nun seine Aufgabe zu erfüllen trachtete, entwickelte sich 
daraus die ganze Reihe der folgenden Ereignisse des 
Feldzugs. 
Zuerst nahm Moreau durch Bewegung seiner Re- 
serve und des rechten Flügels gegen den Günzfluß, und 
durch die Besetzung Weißenhorns, eine drohende Stel- 
lung nach Baiern, indem er zugleich den General St. 
Suzanne auf seiner Linken näher gegen Ulm rücken ließ. 
St. Suzanne zog (15ten May) also zwischen der 
Orann und dem Flüßchen Blau, das bei Ulm in die 
Denau fällt, vorwärts, stellte die Division Souham 
im Blauthale auf, und vertrieb durch die Division Le- 
grand die dsterreichischen Posten aus den Pappelauer 
und Ehrenstettener Gehelzen oberhalb Erbach. Kray 
aber, sobald er sah, daß das gegen die Günz rückende
        <pb n="114" />
        10 — 
franzbsische Heer unmdglich dem General St. Suzanne 
schnelle Unterstützung bringen könne, begnügte sich, Günz- 
burg durch Giulayp's Heerhaufen und Wrede's Bri- 
gade decken zu lassen, und ließ unterdessen (16ten May) 
durch den Erzherzog Ferdinand mit voller Macht St. 
Suzanne's weitgedehnte Linie zwischen Erbach und 
Asch angreifen. Alles gelang. Legrand ward über 
Donaurieden und Riengen durch Erzherzog Ferdinand, 
und Souham nachheftigstem Widerstande bis Blaubeurn 
durch den Feldzeugmeister Sztarray zurückgedrückt. 
Wrede schob inzwischen zwei Schlachthaufen Fußvolk 
und zwei Reitergeschwader über Bubesheim bis Limbach 
vor. St. Suzanne, überall durchbrochen, ohne Hoff- 
nung auf Hülfe, ließ den General Legrand hinter Di- 
schingen zurückgehen, und eilte selbst, mit einer Brigade 
dem schwerbedrängten Souham zu, diesen zu retten 
und die zerrißene Verbindung mit ihm herzustellen. — 
Zwölf Stunden hatte das Gefecht gedauert, als St. 
Cyr's Kanonen seitwirts donnerten, der gleichsam im 
Fluge über die Iller zurück, sich der Donau und dem 
geschlagenen St. Suzanne näherte. Da gog sich Erz- 
herzog Ferdinand, vielleicht aus Ungewißheit über 
St. Cyr's Stärke, sogleich mit Aufopferung der errun- 
genen Vortheile, und lebhaft vom Feind verfolgt, in die 
alte Stellung gegen Ulm zurück. 
Nach diesem fehlgeschlagenen Versuche wollte Mo- 
reau sich von Kray's Stellungen bei Ulm in nähere 
Kenntniß setzen, um zu wissen, ob allenfalls das Wag- 
stück einer Schlacht unter den Schanzen zu bestehen sey. 
St. Suzanne mußte daher über die Blau, St. Cyr. 
in dessen verlassene Stellung bei Erbach und Pappelau, 
Richepanse und Leclerc mit zwei Reserve-Abthei-
        <pb n="115" />
        105 — 
lungen über die Fller zurück bis Gdgglingen in die Nähe 
Ulms rücken, an diese sich, rechts der Iller bis Mor- 
bach, die dritte Reserve-Abtheilung, und dann hier 
Lecourbe, der Donau näher, anschließen. Doch Kray 
bei Ulm, Giulay und Wrede bei Günzburg, eine 
Reiterei-Abtheilung bei Mindelheim aufgestellt, um die 
zustrdmenden Verstärkungen, und allenfalls noch verschie- 
dene Jersprengte an sich zu ziehen, machten nicht die 
geringste Bewegung. 
Nun auf den Gedanken einer Schlacht vor den 
Ulmer Schanzen verzichtend, nahm Moreau sogleich 
die vorigen Stellungen wieder, ließ St. Suzanne, 
verstärkt durch eine Division, nebst einiger Reiterei, vor 
Ulm zurück, und setzte sich gegen den Lech (LTiten und 
22ten May) in volle Bewegung. An der Kamlach warf 
Lecourbe's Vorhut in einem Gesecht den Feldzeug= 
meister Sztarray auf die Seite, wogegen Giulay 
glücklicher bei Wettenhausen gegen eine feindliche Ab- 
theilung gefochten hatte- 
Kray, dessen Blick allen Bewegungen seines Geg- 
ners folgte, wollte Moreau's ganze Aufmerksamkeit 
wieder auf den linken Flügel des französischen Heers 
vor Ulm ziehen. Hier hatte sich St. Suzanne rechts 
an die Iller gelehnt; Souhan hielt Delmesingen gegen 
Erbach über, Legrand Achstetten besetzt. Krayschickte 
(25ten May) den Erzherzog Ferdinand zum Angriff 
aus mit zwei Kolonnen. Die eine derselben gieng über 
Erbach, wo sie sich, unterstätzt durch bas Feuer einer 
vor dem Dorfe aufgefahrnen Batterie von eilf Kanonen 
in der Ebene entwickelte und den General Souham 
aus Delmefingen trieb, worauf er mit schnell geänderter
        <pb n="116" />
        — 106 — 
Linie seine Rechte vor dem Dorf Donaustetten an die 
Donau stützte. Die andere Kolonne gieng die Donau 
aufwärts, warf alle seindliche Posten, nahm die Donau- 
riedner und Oepfinger Brücke, und griff bei Achstetten 
an, aber ohne Erfolg. St. Suzanne, um dem Ge- 
fechte ein Ende zu machen, ließ seine Reserve mit 
Souham zugleich wieder gegen Delmesingen vorgehen. 
Das Dorf wird nach kurzem Wiederstand genommen, 
und die Oesterreicher, mit Hinterlassung einiger Gefan- 
genen, giengen über die Oepfinger Brücke wieder zurück 
nach Ulm. 
Weder durch diese Unternehmung, noch durch die 
von Kray ausgesandten Streifkorps, ließ sich Morean 
in seiner angefangenen Bewegung hindern. Daß der 
österreichische Rirtmeister Graf Mier (25ten May) die 
Besatzung von Donaueschingen überfiel, sie zum Theil 
gefangen nahm, alle dorrigen Vorräthe zerstbrte, dann 
verbunden mit dem Oberstlieutenant Grafen Wallmo- 
den durch's Kinzingthal, sogar bis an den Brückenkopf 
von Kehl vorrückte, focht ihn nicht an. Er gieng auf 
Memmingen und Babenhausen; Lecourbe zog nach 
Mindelheim und (28ten May) in Augsburg ein. 
Aber auch Kray ließ sich dadurch nicht aus der 
Stellung von Ulm verlocken, überzeugt, Moreau köne 
sich nicht zu weit entfernen, und ein großes, feindliches 
Heer in seinem Rücken stehen lassen. Doch sandte er, 
ihn zu beobachten, und die Verbindung mit den leichten 
Truppen des Prinzen Reuß anzuknüpfen, den General 
Meerfeld mit zwei Regimentern Reiterei zum Lech 
und bei Rain hinüber bis Aichach. 
Der Kurfürst von Baiern aber, wie seinen Erb- 
staaten die Gefahr näher drohte, ließ zwei Kompagnien
        <pb n="117" />
        — 107 — 
des Leibregiments zur Lechbruͤcke nach Friedberg, und 
eine Kompagnie des Regiments Kronprinz, mit 4 Sechs- 
pfündern nach Landsberg ziehen; befahl die noch in 
Baiern stehenden 11 Bataillons regelmäßiger Truppen, 
durch Aushebung eines Mannes von vierzig Familien, 
vollzählig zu machen (20ten May), um eine Legion Lan- 
desvertheidiger aus verabschiedeten Kriegern und ein 
Jägerkorps zu errichten. Freudig flogen, beim ersten 
Ruf, die Baiern zu den Fahnen ihres Landesvaters, 
der sie selbst anführen wollte, aber den einsweiligen Be- 
fehl seinem Schwager, dem Herzog Wilhelm übergab. 
Schon wenige Tage nach geschehenem Ruf war das 
Korps 12,0658 Mann nebst 2,620 Pferden stark.) 
Nun Moreau sah, daß Kray bei Ulm nicht 
wankte, veränderte er den Planu. Er beschloß unterhalb 
Donauwörth über die Donau zu gehen, die Grumndlinie 
der Unternehmungen vom österreichischen Heer zu durch- 
schneiden, und dies Heer selbst von seinen Magazinen 
zu trennen. So hoffte er seinen Gegner zur Verlassung 
seiner Schanzen und zur entscheidenden Schlacht zu zwin- 
gen. Dieß ward ihm von Tag zu Tag dringender, weil 
) Am 28ten May bestand dieses Korps bereits aus 11 Ba- 
taillons Linien= Truppen, nämlich 2 Bataillons des Leib- 
Regiments, 1 Bataillon Weichs, 1 Morawißko, 
1 Junker, 1 Salern, 1 Churprinz, 1 Herzos 
Wilhelm, 1 Herzog Pius, 2 Preysing, Laudes- 
Defensions-Legion 3 Compagnien, ferner 4 Escadrons 
Kürassiere, &amp; Escadrons Dragoner, 2 Escabrons Che- 
veaurlegers, 21 Bataillon Artillerie, 4 sechspfünder, 
5 zwölfpfünder Kanonen, # siebenpfünder Haubitzen Bat- 
teriegeschütz, 24 sechspfünder Baraillons-Kanonen. Das 
Ganze aus 12,658 Mann, 2,620 Pferden bestehend.
        <pb n="118" />
        — 108 — 
es iImmer schwieriger wurde, die franzdsischen Streit- 
massen in Gegenden, die so lange schon Kriegsschauplatz 
waren, verpflegen zu kodnnen, während hingegen Ulm, 
durch Zufuhren aus ganz Schwaben, Baiern und Böhmen, 
Vorräthe in Menge erhielt. — Allein die Ausführung 
des Plans war mit Schwierigkeiten und Gefahren ver- 
knüpft. Denn dazu mußte Moreau selbst eine neue 
Grundlinie für seine Unternehmungen wählen; um sie 
aber zu beziehen, mußte er, damit er nicht auf dem 
rechten Donauufer theilweis geschlagen werden könne, sich 
vorher wieder mit seinen weit zerstreuten Massen zusam- 
menziehen. 
Er ließ also Lecourbe eiligst von Augsburg und 
dem Lech wieder in die alte Stellung zwischen der Günz 
und Kamlach zurücktreten, doch Mindelheim besetzt, und 
die Straßen nach Burgau und Augsburg beobachtet hal- 
ten. Bei dieser Bewegung Lecourbes's aber überfiel 
General Meerfeld mit zwolf Escadronen dessen Nach- 
hut, 2 000 Mann stark, zu Schwabmünchen, umzingelte 
und vernichtere sie fast ganz, so daß nur 500 Mann 
nach Türkheim entkamen. — Von der andern Seite ließ 
Moreau den General Richepanse mit dem linken 
Flügel sich der Mitte des Heers nähern, und nur noch 
die Illerbrücken vertheidigen. General Grenier, wele 
cher den Oberbefehl über St. Cyr's Korps empfangen, 
sollte die Bewegung Richepanse's unterstützen. Hin- 
gegen die auf Weißenhorn und Babenhausen gegangenen 
Divisionen Delmas und Deccen sollten die Lücke 
zwischen Grenier und Lecourbe ausfüllen. 
Der Feldzeugmeister Kray beschloß den Augenblick 
zu benutzen, und den Feind sogleich mitten in diesen 
Abänderungen seiner Stellung anzugreifen und zu ver-
        <pb n="119" />
        wirren. Waͤhrend die Lagerfeuer auf den Hoͤhen noch 
brannten und unterhalten wurden, gieng das ganze 
österreichische Heer, nebst dem ganzen pfalzbaierischen 
Korps, 7) bei Ulm, Thalfingen und Elchingen (Sten 
Juni) über die Donau, und siellte sich in der Ebene vor 
Ulm, am rechten Ufer, in zwei Treffen auf. — Den- 
selben Tag spät, bei Eintritt der Nacht, zog Alles, 
in drei Kolonnen getheilt, “") in der RFichtung von 
  
6) Von welchem jedoch das Bataillon Reuß, das Bataillon 
Cloßmann, und die sechs Chevaurlegers-Geschwader, 
dereits am ö#ten May zu Besebung des Punctes Weißen- 
horn, und vereint mit General Kienmaier, zu Une 
terstützung des zwischen der Iller, Donau und Günz re- 
cognoscirenden Erzherzogs Ferdinand''e detaschirt wor- 
den waren. Auch blieb Sztarrapy unbeweglich bei 
Günzburg stehen. 
?#) Die erste Kolonne (der rechte Flügel) wurde durch den 
General Sporck befehliget, und bestand aus den Divi- 
sionen Sporck, Joseph von Lothringen und 
Kienmaier, Lettere Reiterei; ferner den Regimen- 
tern Erbach und Benjowsky, und einer 12pfünder 
Batterie. Die zweite Kolonne (die Mitte) untrer dem 
Hrinzen Karl von Lothringen, bestand aus der 
Reiter-Abtheilung Karl von Lothringen, der Fuß= 
volks-Abtheilung Lindenau, zehn baierischen Ba- 
taillons, einer 12pfünder Batterie, einer reitenden 
baierischen Batterie; dieser Kolonne war noch das ganze 
Reserve-Korps mit der österreischen Reiter-Abtheilung 
Riesch und zwei 12pfuͤnder Batterien zugetheilt. Die 
dritte Kolonne endlich (der linke Fluͤgel), unter dem Ge- 
neral Baillet de la Tour, war aus der Fußvolkse 
Abtheilung Baillet, der Reiter-Abtheilung Klinglin, 
einer 12pfünder Batterie und einer leichten Vatterie 
zusammengesetzt.
        <pb n="120" />
        — 110 — 
Ochsenhausen und Biberach, so daß bei Tagesanbruch 
(5ten Juny) der rechte Flügel, vom General Sporck 
befehligt, sich gegen den linken Flugel der Franzosen ent- 
wickelte. Letzterer stand jetzt unter General Riche- 
panse, weil St. Suzanne abgegangen war. Der 
Angriff geschah mit Wildheit. Die Franzosen wurden 
durchbrochen, uberflügelt, über Gutenzell nach Beuren 
getrieben, und hielten nur mit Noth noch an der Kell- 
müntzer Brücke, ihrem letzten Rückzugs-Punct, fest. 
Doch hier schon der Gefahr nahe, vernichtet zu werden, 
ermannten sie sich wieder, als die Brigade Ney plhbtzlich 
zu ihrer Hülfe erschien, gesandt vom General Grenier. 
Sie griffen an. Sie drückten den rechten Flügel sogar 
wieder bis Dierenheim zurück. 
Die Mittel-Kolonne der Oesterreicher hingegen, 
unter Prinz Karl von Lothringen, rückre unaufhalt- 
sam vor, doch ließ sie ihre Reserve hinter sich, eben so 
auch bei Roth die Reiterei-Dioision Riesch. Die Ko- 
lonne nahm das Gehbdlz, Bergmatte genannr, sie nahm 
den Punct Schwendi auf dem Hüttenberg, und drang 
bis Erolzheim. 
Der linke Flügel, unter General Baillet de la 
Tour, in der Nähe von Sieningen, zwischen Illeraich= 
heim und Schwenden, war eben im Begriff, mit acht 
Kanonen aus Kirchberg hervorkommend, die Kellmünzer 
Brücke zu erreichen, und durch Wegnahme derselben 
den General Richepansebei Gutenzell und Edelbeuren, 
so wie alle am linken Illerufer stehenden Franzosen, ein- 
zuschließen: als pldtzlich Alles andre Wendung nahm. 
Grenier nämlich sah Richepause's Gefahr, und 
schickte eilends den General Nep von Dietenheim wieder
        <pb n="121" />
        — 111 — 
nach Kirchberg zuruͤck, dem linken Fluͤgel der Oesterrei- 
cher in den Ruͤcken. Durch den unerwarteten Angriff 
uͤberrascht, erschuͤttert, flohen hier die Oesterreicher mit 
Hinterlassung jener acht Kanonen, mit Verlust von 
1,200 Gefangenen, theils gegen Diedenhofen und Bran- 
denburg, theils gegen die siegreiche Mittel-Kolonne. 
Diese selbst gerieth dadurch in solche Unordnung, daß 
das allgemeine Verderben unabwendbar schien. Denn 
auch Richepanse, kaum durch Ney'’s Wendung aus 
der verzweifeltsten Lage befreit, griff wüthend und von 
allen Seiten wieder an. 
Auf der Weidenbühler Höhe und im vorliegenden 
Gehdlz standen die baierischen Bataillons Metzen, 
Minucci, Spretti und Siebein, zur bsterreichischen 
Mittel-Kolonne gehdrend, durch ihre Generale Deroy 
und Wrede in Kolonnen aufgestellt. Diese, durch 
nichts erschüttert, leisteten den Wirkungen der allgemei- 
nen Flucht und den heftigsten Anstürmungen Riche- 
panse's festen Widerstand. Indem sie sich den Fort- 
schritten des Siegers entgegenstemmten, gaben sie den 
Besiegten Zeit, sich zu sammeln. Sie deckten den Rück- 
zug des ganzen rechten Flügels und der Vorhut, selbst 
der dsterreichischen vier Reserve-Bataillons, die viel zu 
spät herbei gekommen waren, und bildeten während des 
nächtlichen Rückzugs nach Holzheim die Nachhut. Fol- 
gendes Tages bezogen sämmtliche ausgezogene Abthei- 
lungen wieder das Ulmer Lager. Die unglücklichsten Um- 
stände hatten zusammengewirkt, um die wahrscheinlich 
berechnere Vernichtung des feindlichen linken Flügels 
und die Verbindung der Heerskräfte Oesterreichs bet 
Ulm und in Tirol zu vereiteln. Der Feldzeug meister 
Krap aber war so gerecht, noch an demselben Tage
        <pb n="122" />
        öffentlich die angestreugte Tapferkelt der Baiern anzus 
erkennen, ) welche, in der Hoffnung, ein geliebtes 
Vaterland von feindlichen Verheerungen zu retten, in den 
furchrbarsten Ereignissen, und während Mann und Roß 
dritthalb Tage und zwei Nächte ohne Nahrung gelassen 
waren, die heldenmüthigste Ausdauer bewiesen hatten. ) 
Moreau inzwischen verfolgte seinen kühnen Ent- 
wurf, die Mitte und den linken Flügel seines Heers nach 
und nach von Ulm abzuziehen, und sich dann plbtzlich 
mit ganzer Macht auf's linke Ufer der Donau zu werfen. 
Dies glücklicher auszuführen, mußte er seinem scharf- 
sichtigen Gegner die wahre Absicht verbergen, als läge 
es ihm nur daran, längs dem Lech eine neue Grundlinie 
für künftige Unrernehmungen zu wählen. 
Also rückte der ganze rechte Flügel des französischen 
Heers 
  
") (Tages-Befehl. Ulm den 7ten Juni 1800.) Mit wahrem 
Vergnügen bezeuge ich sämmtlichen Stabs= und Ober- 
Offizieren, so wie guch Gemeinen der Kurpfalzbaierischen 
Subsidien-Truppen, welche sich in dem Gefechte vom 
Sten auszuzeichnen Gelegenheit gefunden haben, meine 
vollkommenste Zufriedenheit, und gebe ihnen hiemit mei- 
nen wahren Dank laut zu erkennen für das tapfere Woyl- 
verhalten und die bewiesene Beharrlichkeit und Geduld 
und Ertragung der damit verknüpften großen Beschwer- 
lichkeiten. unterzeichnet: Krap, Feldzeugmeister. 
*#) Der Verlust während dieses Tages bestand baierischer 
Seits in 03 Mann Todten, 3 dÖffizieren und 17 Mann 
Verwundeten. Generallteutenant 3wepbrücken rühmte 
in seinem officiellen Bericht das vorzügliche Betragen 
seines ganzen unterhabenden Korps, nahmentlich zeichnere 
er die Generale Derop und Wrede, die Majors Zett- 
wiy und Graf Minnveri gus.
        <pb n="123" />
        — 113 — 
Heers zum Lech, unter Anführung Lecourbe's, in 
drei Kolonnen. An der Wertach griff die Mittelkolonne 
(10ten und 11#ten Juni) die Vorposten Meerfeld's an, 
der zu seiner Reiterei auch eine geringe Verstärkung an 
Fußvolk, durch das baierische Bataillon Schloßberg 
empfangen haͤtte, *) welches von Neuburg aus zu ihm 
gestoßen war. Lecourbe besetzte Buchloe, und machte 
Aussendungen bis Landsberg. Die rechte Flügel-Kolonne 
nahm den Weg nach Schongan, die linke nach Augs- 
burg. Molitor, von Kempten nach Nesselwangen ge- 
rückt, wo er die durch den Fürst Reuß ausgeschickte 
Abtheilung des Generals Gruner schlug, deckte Le- 
ourbe's Rücken. 
Angekommen am Lech (12ten Juni) mußte der Ue- 
bergang geschehen. Die Wasser giengen hoch, durch Re- 
gengüsse und Bergstrbme angeschwollen; alle Brücken 
waren abgetragen, die gewdhnlichen Uebergänge, wie bei 
Landöberg und Friedberg, durch baierisches Kriegsvolk, 
Geschütz und Verschanzungen vertheidigt. Die Kolonne 
rechts nahm den Ort Schongau, diesselts am Lech, mit 
Sturm, und stellte nach blutigem Gefecht, in welchem 
der Prinz Lichrenstein, dsierreichischer Major, ver- 
wundet und gefangen wurde, die Brücke wieder her. — 
Von der Mittel-Kolonne schwammen mehrere franzosische 
Streithaufen unterhalb Landsberg, bei Kaufringen, über 
*) Genanntes Bataillon, welches bisher in Dasing aufge- 
stellt war, rückte jedoch am tloten auf erhaltenen Befehl 
über Aichach, Holzheim, und am 12ten in Donauwörth 
ein, wofselbst es mir einem kaiserlichen und einem wür- 
tembergischen Bataillon zur Vertheidigung der dortigen 
Brücke und Verschanzungen verwendet wurde. 
8
        <pb n="124" />
        — 114 — 
den Lech, warfen sich mit großer Ueberzahl gegen die 
dort stehende baierische Kompagnie vom Regiment Kur- 
prinz, und brachten die Brücke, nach hartnäckigem Ge- 
fecht, auch auf diesem Punct und bei Landsberg zu 
Stande. In derselben zeit zwang die linke Kolonne durch 
heftigen Angriff bei Lechhausen den General Meerfeld 
zur Räumung Augsburgs. Dieser trug die dortige 
Brücke ab, und begab sich über Friedberg, wo er zwei 
Kompagnien des baierischen Leib-Regiments an sich zog, 
in eine Stellung bei Aichach an der Paar, um die Straßen 
nach Ingolstadt und Donauwörth zu decken. 
An demselben Tage, da Lecourbe zu Augsburg an- 
kam, machte Moreau, der sein Heer näher gegen die 
Donau zu bewegt hatte, einen allgemeinen Angriff auf 
die Stellungen, welche die Oesterreicher noch am rechten 
Ufer dieses Flusses inne hatten. Richepanse, links 
der Iller, griff das Dorf Burgrieden an, welches Erz- 
herzog Ferdinand persdnlich vertheidigre. Erst nach har- 
ter Gegenwehr, und nicht ohne großen Verlust, konnte 
er diesen Punct nehmen und festihalten. — Grenier 
rückte von- Illeraichheim gegen Weißenhorn und Roggen- 
burg an. Fürst Rosenberg vertheidigte die hiesige 
Stellung. Das baierische Jäger-Bataillon Cloßmann, 
unter Anführung des Hauptmanns Trommer, stand 
zu Weißenhorn. Der dsierreichische Major von Stut- 
terheim, welcher die ganze Kette der Vorwachten be- 
fehligte, behauptete mit einer Kompagnie Rothmäntler 
und einem Zuge Uhlanen den Posten von Bubenhausen; 
doch wurde dieser Posten vom Feinde überfallen, umzin- 
gelt und gefangen. Eine Kompagnie Baiern, welche, 
auf Stutrerheim's Befehl, der Hauptmann Trom- 
mer zum Bubenhausener Wald links von Grafertshofen
        <pb n="125" />
        — 115 — 
zur Unterstützung des Postens ausgesandt hatte, wurde 
von feindlicher Reiterel, die von Bubenhausen nach Gra- 
fertshofen längs dem Walde hineilte, übermannt. Die 
Baiern, im Stich gelassen von einiger Reiterei, die se 
bei sich gehabt, abgeschnitten von den ihrigen, wehrten 
sich unrer Anführung des Oberlieutenants Schleich, 
wie Verzweifelte. Erst da sie schon sieben und zwanzig 
der Ihrigen gefallen sahen, ergaben sie sich, 70 Mann 
stark, der Uebermacht. Hauptmann Trommer selbst 
war noch, auf Stutterheim's Geheiß, mit einer Kom- 
pagnie und einer Kanone dem Punct Bubenhausen zu 
Hülfe geeilt, aber zu spät angelangt. Der Feind rückte 
schon gegen ihn. Mit vieler Geistesgegenwart und Klug- 
heit wandte er sich nach Weißenhorn zurück, verrammelte 
die Thore, vertheidigte sich mit den ihm gebliebenen 
53 Mann, bis er folgenden Tages Befehl empfing, 
sich in die Linie des Heers auf den rechten Flügel von 
Wrede's Brigade zurück zu begeben. — Die französischen 
Reserve-Abtheilungen Leclerc und Decgen griffen in 
derselben Zeit den General Giulapy bei Krummbach und 
Breitenthal mit einer heftigen Kanonade an, und Sztar- 
ray's gesammte Posien an der Mindel wurden nach 
Burgau zurückgedrängt (15ten Juni). Doch Giulay 
und Sztarray, sobald sie frische Verstäckungen erhal- 
ten hatten, trieben den Feind wieder am folgenden Tage 
nach Roggenburg und Weißenhorn, und stellten sich bei 
Günzburg fest, mit ihrer Vorhut bei Wetrenhausen, 
Burgau, Ichenhausen und Rieden an der Kotz. Der 
baierische General Deroy mußte vorwärts Günzburg 
mit drei Baraillons und vier Geschwadern Reiterei die 
Kette der Vorposten bilden- 
Unterdessen lenkte sich Richepanse immer rechts, 
8 i
        <pb n="126" />
        — 116 — 
bel Brandenburg über die Iller, ohne viel Aufmerksam- 
keit auf Erzherzog Ferdinand's Streifrotten zu wen- 
den, die bis Ochsenhausen und Biberach schwärmten; 
Grenier bewegte sich gegen Günzburg, um Giulay's 
Korps fest zu halten; die drei Abtheilungen der Reseroe 
nahmen ihre Sétellung zwischen der Kamlach und Mindel, 
während Molitor und Nansouty fortgesetzt den 
Prinzen Reuß in den Ausgängen Tirols beobachteten. 
Feldmarschall-Lieutenant Sztarray vermuthete 
aus diesen Bewegungen, er werde in seiner Stellung vor 
Günzburg durch Uebermacht augegriffen werden, und zog 
daher Nachrs (vom 15ten zum 160ten Juni) über die Donau 
zuruck, und zwar in dem nämlichen Augenblick, da ihm 
der Feldzeugmeister Kray noch beträchtliche Verstärkung 
durch den General Riesch zuführen, und außerdem das 
ganze baierische Korps bei Elchingen über die Donau 
gehen ließ, um den Franzosen, die gegen Günzburg 
zogen, in die linke Seite zu fallen. Weil nun Sztarray 
zurück gieng, kehrte auch jene Verstärkung wieder um. 
Und auch Giulay's Korps, nun nicht mehr an Sztar- 
ray gestützt, vom General Grenier überwältigt, mußte 
sich auf's linke Donauufer retten. So war das ganze 
rechte Ufer von den Oesterreichern geräumt. Das baieri- 
sche Korps erhielt Befehl, die Brücke von Elchingen bis 
auf den letzten Mann zu vertheidigen, die Brücke von 
Günzburg war ganz abgeworfen, von der Brücke bei 
Leipheim aber nur ein Joch. Doch wurde hier bei Leip- 
heim sogleich das baierische Baraillon Zettwitz aufge- 
stellt, und folgendes Tags (17#en Juni) durch das baieri- 
sche Bataillon Minucci und eine Abtheilung Fußjäger 
verstärkt, um dem Feinde die Wiederherstellung der Brücke 
zu hindern.
        <pb n="127" />
        — 117 — 
Wirklich machte Grenier, um Kray's Aufmerk- 
samkeit zu beschäftigen, bei Leipheim, wie bei Günz- 
burg scheinbare Anstalten, über den Strom zu geben, 
evo jetzt Giulay drüben zwischen Albeck und Gundel- 
fingen, und Sztarray hinter der Brenz standen. Eben 
so hatte sich auch Lecourbe plötzlich wieder von Lands- 
berg und Augsburg, wo er nur Besatzungen hinterließ, 
bei Wertingen über den Zusam-Fluß gegen die Donau 
geworfen, und (18ten Juni) einen Scheinangriff auf 
Lauingen und Dillingen gemacht. Lecourbe harte aber 
zum wirklichen Uebergang einen ganz andern Punct ge- 
wählt, und zwar gegenüber den Dörfern Blindheim und 
Gremheim. Hinter Gehölzen, hatte er die Dioissonen 
Montrichard und Gudin in der Nacht (vom 13ten 
zum 10ten Juni) aufgestellt. Drüben fand er, wenn der 
Uebergang gelang, ausgedehnte Ebenen zur Aufstellung 
eines ganzen Heers und Spielraum fur die Reiterei- 
Auch stand drüben Sztarray nur mit 8— 0000 Mann, 
welche noch dazu die ganze Strecke von der Brenz bis 
Donauwdrth zu beschützen hatten. 
Schlacht bei Hdchstett. 
Bei Tagesanbruch am 10ten Juni schwammen achtzig 
Franzosen über die Donau nach Gremheim. Diese, und 
eine hinüberspielende Batterie, trieben den dort aufee- 
Kellten österreichischen Polten vom Ufer weg. In Eil 
ward die nur halb zerstörte Brücke hergestellt. Mehrere 
franzbsesche Bataillons eilten hinüber, bemächtigten sich 
der Dörfer Gremheim und Blindheim, so wie auch des 
Dorfes Schwenningen auf der Seite nach Donauwörth. 
Während die übrigen Truppen noch über die Brücke 
zogen, erschien schon von Donauwdrth her General
        <pb n="128" />
        — 118 — 
Devaur, welchen der Feldzeugmeister Kray dort zum 
Befehlshaber gemacht hatte. Mit 3,000 Mann Fußvolk 
und 400 Reitern griff er Schwenningen an. Es ward 
mehrmals genommen und verloren, endlich durch Le- 
co urbe's herbeieilende Uebermacht behauptet. Nach 
dem tapfersten Widerstand mußten sich hier 2.500 Mann, 
meistens Würtemberger, ergeben. Alle übrigen flohen 
in großer Unordnung nach Donauwdrth, und dort über 
die Donau. Die Franzosen ihnen nach. Das beierische 
Bataillon Dallwig, welches unter Befehl des Majors 
Schloßberg einen Theil der Besatzung Donauwrths 
ausmachte, vertheidigte dort noch, durch einen ausge- 
stellten Posten unter dem Lieutenant Delaux und von 
Otten jun sechs Stunden lang den Donauübergang 
bis zur Nacht mit ausgezeichneter Entschlossenheit.") 
Mittlerweile war der ganze rechte Flügel des fran- 
zösischen Heers bei Gremheim übergegangen. Die Ab- 
theilungen der Oesterreicher, welche von Dillingen heran- 
rückten, Gudin's und Montrichard's Fortschreiten 
aufzuhalten, wurden von Schwenningen her durch Le- 
courbe auf ihrer rechten Seite umgangen, zum Rück- 
zug gendthigt; verloren zwischen Hochstett und Oillingen, 
durch Trennung 1,800 Mann, und wurden bis Gundel- 
fingen verfolgt. Lecourbe ließ, sobald er in die Stel- 
*.) Nach dem von dem General Devaur, aus dem Feldlager 
bei Monheim unterm 20oten Juni 1800, ausgestellten 
Seugniß. 
Dieses Bataillon zog sich mit den übrigen unter De- 
vauf stehenden Truppen am Losten nach Pappenheim, den 
L2 sten nach Eichstädt, den 22sten nach Ingolstadt zurück, 
und machte nun einen Theil der Besatzung letztgenannter 
Festung aus,
        <pb n="129" />
        — 119 — 
lung von Lauingen und Dillingen trat, hier ohne Säu- 
men an Wiedereinrichtung der Bruͤcken arbeiten. 
Es war schon 5 Uhr Abends, als die von Ulm 
ausgerückten Verstärkungen zu den Generalen Giulay 
und Sztarray stießen, deren Vorposten bei Höchstädt 
und Dillingen schon geworfen waren. Sie stellten nun 
ihre Hauptmacht und das Geschütz zwischen der Brenz 
und Donau in zwei sehr gedehnte Treffen, sowohl zur 
Deckung der großen Straßen, als der zahlreichen Reiterei. 
Es erhob sich ein lebhaftes Reiterei-Gefecht, anfangs 
glücklich für die Oesterreicher, zuletzt aber durch das ate 
französische Husaren-Regiment zum Vortheil der Fran- 
zosen entschieden. 
Noch während des Gesfechts kam Moreau mit den 
Heer-Abtheilungen Oecaen und Grandjean, über 
die hergestellten Brücken von Dillingen und Lauingen her- 
über. Sobald er die beiderseitigen Stellungen erkannt 
hatte, beschloß er die dsterreichische Reiterei, die sich vor 
der Brenz aufgestellt und bei Gundelfingen an das Fuß- 
volk gelehnt hatte, ohne Zeitverlust über die Brenz zurück 
zu treiben. Sofort ließ er einige Heersäulen sich gegen 
Gundelfingen bewegen, und schickte seine Reiterei = Re- 
serve zum rechten Flügel. 
Der Angriff der Kavallerie begann zwei Stunden 
vor der Nacht. Das Gefecht verbreitete sich schnell von 
einem Flügel zum andern, und ward von beiden Seiren 
mit aller Wuth und Hartnäckigkeit geführt. Sobald es 
aber den Franzosen gelungen war, Gundelfingen mit 
Sturm zu erobern, und dort das Fußvolk der Oester- 
reicher über den Haufen zu werfen, verlor auch die 
österreichische Reiterei ihren Anlehnungs-Punct. Sie 
gieng über die Brenz zurück.
        <pb n="130" />
        — 120 — 
Sztarray besetzte in der Nacht, mit aller ihm von 
Ulm gekommenen Verstaͤrkung, die Anhoͤhen hinter der 
Brenz; Moreau die Oerter Gundelfingen und Medlin- 
gen. In derselben Nacht kam die ganze franzfische 
Heermacht vom rechten Ufer der Donau herüber, mit 
Ausnahme von Richepanse's Abtheilung, die an der 
Iller zurückgeblieben war, um Ulm zu beobachten. 
So endete eine Schlacht, welche meistens durch 
Resterei-Gefechte entschieden ward, den Oesterreichern 
5,000 Gefangene und 20 Kanonen kostere, und die Räu- 
mung Schwabens, Frankens und Bajern zur Folge ha- 
ben mußte. Allerdings ein gefährliches Wogstück für 
Moreau war sie, der, im Fall des Nichtgelingens, mit 
dem Untergang seines ganzen Heers bedroht war. 
Krap ließ nun alle noch am rechten Ufer der 
Donau befindliche Kriegsoblker, auch die Baiern, nach 
abgebrannter Brücke bei Elchingen, zu seinem Haupt- 
heer stoßen, verließ mit demselben sein verschanztes La- 
ger, und stellte sich zwischen Elchingen und Albeck. In 
Ulm blieb nur eine mäßige Besatzung, zu welcher auch 
die baierische Brigade Bartels gehdrte, aus zwei Ba- 
taillons bestehend. Schon am 20sten des Abends brach 
er wieder auf, und kam mit den angestrengtesten Mär- 
schen am dritten Tage über Heidesheim und Neresheim 
nach Nordlingen. Denn nun er seine Magazine zu 
Donauwbrth und daselbst den festen Punct des Schellen- 
bergs verloren hatte, blieb ihm keine Zeit zu verlieren, 
wenn er, um Baiern zu decken, um Meerfeld's Korps 
dort an sich zu ziehen, in einem weiten mühseligen Bo- 
gen um das feindliche Heer hingehen, und unterhalb 
Donauwdrth wieder zur Donau kommen wollte, sich ei- 
nen Uebergang zu suchen.
        <pb n="131" />
        — 121 — 
Er war noch zu Noͤrdlingen, als er die Nachricht 
von der Schlacht bei Marengo und dem daraus er— 
folgten Waffenstillstand der Heere in Italien empfing. 
Um seinen vom fuͤrchterlichen Wetter, von ununterbroche- 
nen Maͤrschen und Gefechten erschoͤpften Kriegsvoͤlkern 
einige Ruhe zu verschaffen, glaubte er, dem General 
Moreau Anträge zu Abschließung einer ähnlichen Ue- 
bereinkunft machen zu wollen. Moreau aber verwarf 
alle Vorschläge, weil er seinem Gegner keine Zeit ge- 
winnen lassen wollte, den Rückzug zu vollenden, um eine 
neue Vertheidigungs-Linie in Baiern einzunehmen, und 
sich mit dem Fürsten Reuß in Tirol in Verbindung 
zu setzen. 
Kray, zufrieden, durch das Unterhandeln seinen 
Gegner wenigstens vom raschern Vorrücken abzuhalten, 
und einen Tag voraus zu haben, brach am 29sten Juni 
Abends um 0 Uhr von Ndrdlingen nach Wemdingen auf, 
als sich Moreau's Heermacht eben der Stadt Nbrd- 
lungen näherte. Am folgenden Tag Mittags, erreichte 
er, lebhaft vom Feind verfolgt, die Stellung von Mon- 
heim. Sie war freilich keineswegs vortheilhaft, weil 
sie von einer Anhdhe beherrscht ward, deren sich die 
Franzosen schnell bemeistert hatten. 
Diese Anhöhe, es koste was es wolle, wieder zu 
nehmen, empfing der ehemalige Oberst, schon seit eini- 
ger Zeit zum General erhobene, Baron Wrede Befehl. 
Mit zwei Bataillons Baiern und seiner reitenden Artil- 
lerie griff er an. Die Franzosen, diesen wichtigen Punct 
immer kräftiger verstärkend, leisteten langen Widerstand 
bis ihn der Ungestüm der Baiern mit dem Bajonett brach, 
die den Feind verfolgten, und die Hbhe bis in die späte 
Nacht mit fortdauerndem Gefecht behielten. Se ward
        <pb n="132" />
        — i22 — 
der Rückzug des dsterreichischen Heers gesichert, welches 
jetzt nur etwa noch 35,000 Mann zählte, und bei Neu- 
burg über die Donau gieng (264ten Juni Abends 0 Uhr). 
Dort, ohnweit der Stadt, vorwärts Wagenhofen, bezog 
es ein, mit dem Lech in gleicher Richtung laufendes 
Lager, das die längs der Donau hinziehende Haupt- 
straße durchschnitt. Es lehnte sich rechts an waldige 
Höhen, von denen und einem reißenden Waldstrom es 
auf der Stirnseite gedeckt wurde. 
Doch Moreau, welcher seinem Gegner nicht festen 
Fuß in Baiern zu gestatten dachte, hatte schon, als er 
ihn nach Rdrdlingen und Monheim verfolgte, sich der 
Eroberung Baierns auf dem kürzern Wege gesichert. 
Schon von Dillingen hinweg (25ten Juni) mußte Ge- 
neral Decaen mit 10,000 Mann über Augsburg nach 
München voreilen, und General Lecourbe bei Rain 
über den Lech gegen Neuburg ziehen. 
Treffen bei Neuburg. 
Hier kam Lecourbe schon am 27ten Juni an. 
Seine Vorhut unter Montrichard's Anführung, gieng 
sogleich gegen den linken Flügel der Oesterreicher durch 
Pottmes, warf dort die Vorwachten, bemeisterte sich der 
Dorfer Ober= und Unterhausen, und der Anhöhe, welche 
die ganze Stellung dort beherrschte. Durch diese Be- 
wegung Montrichard's ward sogar den Oesterreichern 
die Mdglichkeit ihres Rückzugs zur Festung Ingolstadt 
zweifelhaft. Deswegen empfing Generallieutenant Zwey- 
brücken mit dem baierischen Korps Befehl, dem Feinde 
das verlorne Feld wieder zu entreißen. 
Alsbald stürzte sich Deroy mit seiner Brigade, erst 
bataillonsweise, dann in der Ebene von Ober= und
        <pb n="133" />
        — 123 — 
Unrerhausen in Kolonnen, gegen Montrichards's all- 
zuweit vorgewagte Divisson. General Wrede, durch 
eine rasche Seiten -Bewegung, wickelte den rechten Flü- 
gel der Franzosen auf, und diese wichen nach großem 
Verlust, aus Unterhausen, Rotenfels und Straß zu ihrer 
ersten Stellung zurück. Der Vortheil war so entschei- 
dend, daß Zweybrücken dem Feldzeugmeister Kray 
vorschlug, noch desselben Tages den General Lecourbe 
aus seiner Stellung bei Rain zu vertreiben. Krap 
aber, wahrscheinlich aus Besorgniß wegen Decaen's 
Zug nach München, weigerte sich, stellte alles weitere 
Vorrücken ein, und blieb auf dem Lagerplatz vom vori- 
gen Abend. Man begnugte sich lange mit gegenseitiger 
Beschießung aus schwerem Geschütz, und dem Feuer der 
Plänkler, deren Linien von beiden Theilen auf dreißig 
Schritt zusammentrafen. 
Dadurch gewann Lecourbe Zeit, dem General 
Montrichard mit der Division Grandjean zu Hülfe 
zu kommen, und bei schon beginnender Abenddämmerung 
unter außerordentlichen Anstrengungen über Rotenfels 
her gegen die bösterreichische Heermitte anzudringen. Die 
Oesterreicher wichen dem Anprall. Das baierische Korps 
rückte auf's neue zur Unterstützung vor, und es begann 
beim Dorf Oberhausen ein Kampf, der bis nach 10 Uhr 
Nachts währte. Man schlug sich von beiden Seiten mit 
der wüthendsten Hartnäckigkeit, und nach erschöôpfter 
Munikion noch mit Bajonett und Gewehrkolben. Keiner 
wollte einen Schritt weichen. Die baierischen Bataillons 
Zettwitz und Minueci leisteten das Unglaubliche, 
bis sie von der wachsenden Uebermacht der Feinde zum 
Rückzug gendthigt wurden. Sie machten ihn, trefflich 
durch die Tapferkeit des dsterreichischen Dragoner-Regi-
        <pb n="134" />
        — 124 — 
ments Lateur unterstützt, in voller Ordnung, und kehr- 
ten, so wie die baierische Abtheilung aus dem Dorfe 
Unterhausen, in die alten Lagerstätten zurück. Die vor- 
liegenden Anhöhen und Waldungen blieben nur schwach 
besetzt, doch z#ndete man viele Wachtfeuer an. 
Dies Treffen, welches den Franzosen, nach ihren 
eignen Angaben, 5000 Mann kostete, worunter auch der 
bekannte erste Grenadier des französischen Reichs, La- 
tour d'Auvergne, war, verursachte im Heere Kray's 
einen Verlust von ohngefähr 2300 — 2400 Mann. Die 
Baiern beblagten besonders den Tod ihres braven Oberst- 
lieutenants Grafen Zettwitz. ?) 
Fasi zu derselben Zeit war aber General Decaen 
schon in München eingerückt (20sten Juni Mittags nach 
1 Uhr). In drei Märschen hatte er eine Strecke von 
vierzig Stunden zurückgelegt, nachdem er bei Dachau 
ein bedeutendes Gefecht bestanden, und in fortwähren- 
dem Kampf das Korps des Generals Meerfeld hinter 
die Amper zurückgedrückt hatte. Meerfeld gieng jedoch 
darauf über die Isar und nach Wasserburg, wo er sich 
mit dem Condé'schen Heerhaufen, unter Befehl des 
  
*) Der Verlust der Oesterreicher bestand in 1900 Mann, die 
baierischen Truppen hatten 5 fodte, 5 verwundete und 2ge- 
fangne Offiziers, 425 Mann todte und verwundete, 6 
gefangene Soldaten. Nach den dienstlichen Berichten hat- 
ten sich die Generale Derov und Wrede, der Oberst 
Siebein, die Oberstlieutenants Graf Reuß, Graf 
Minucci und Busseck, die Hauprleute von Schmidt, 
von Pillem ent, die Oberlieutenants von Fladt und 
von Fick, vom Bataillon Preysing der Sergeant Müller, 
vom Bataillon Pompey der Gemeine Sidon, von der 
Artillerie der Korporal Tülsch vorzüglich ausaezeichnet.
        <pb n="135" />
        Prinzen Reuß vereinigen konnte. Die Franzosen fan— 
den in der Hauptstadt Baierns nicht nur im Zeughause, 
nebst 14 Kanonen, Kriegsbeduͤrfnisse aller Art, sondern 
auch große Vorräthe von Lebensmitteln, welche der Kur- 
fürst hier in väterlicher Sorgfalt für seine leidenden Un- 
terthanen angehäuft hatte. 
Schon Ende May's hatte Kurfürst Maximilian 
Joseph sowohl dem Wienerhofe, als dem Feldzeug- 
meister Kray erklärt, er wolle seine zur Landesverthei- 
digung aufgebotenen Heerhaufen von 11— 12,000 Mann 
mit dem baierischen Subsidien-Korps unter General 
Z weybrücken vereinigen, doch nur unter der Bedin- 
gung, daß das Ganze nicht fremden Zwecken geopferr, 
sondern zum Schutz der altbaierischen Erbstaaten ver- 
wendet werden solle. Alle deshalb gepflogenen Unterhand- 
lungen, besonders die des baierischen Oberstlieutenants 
Grafen Joseph Rechberg im kaiserlichen Hauptgquartier, 
waren aber fruchtlos; sie schienen vielmehr eine gewisse 
Gleichgultigkeit über das Loos eines Bundesgenossen zu 
effenbaren, der bisher, aller eingegangenen Verpflichtung 
treu, die entschiedendste Anhänglichkeit an den Wienerhof 
bewiesen hatte. Daher, als jetzt mit überraschender Eile 
die Gefahr über Baiern und die Hauptstadt hereinbrach, 
setzte der Kurfürst aus den ersten Staats-Behdrden eine 
höchste Verwaltung nieder, und begab sich über Lands- 
hut nach Straubing. Ihm folgte sein Kriegsvolk. 
Als Feldzeugmeister Kray den Einzug der Fran- 
zosen in München, und Meerfeld's Rückzug über die 
Isar vernahm, wandie er sich sogleich (2ren Juni) nach 
Ingolsiadt, versah die Festung mit hinreichender Be- 
satzung, gieng bei Landshut (ü#ten Juli) über die Isax,
        <pb n="136" />
        — 126 — 
und dachte daran, hier Fuß zu fassen. Allein nicht nur 
Decaen von Muͤnchen aus, drohte ihm den linken 
Flügel zu umfangen, sondern General Leclerc griff 
auch die vor der Isarbrücke vor Landshut nicht ganz vor- 
theilhaft aufgestellte Vorhut, unter Erzherzog Ferdi- 
nand (hten Juli), so gewaltig an, daß dieselbe in Un- 
ordnung, mit Jurücklassung ihres Geschützes, weichen 
mußte. — Moreau selbsi drang mit voller Heeresmacht 
in Jaiern heran. Nur Richepanse's Oivision hatte 
er vor Ulm gelassen, und unter den Generalen Molitor, 
Laval und Nansouti Abtheilungen bei Bregenz, 
Kempten, Immenstadt, Schongau und Füssen zur Beob- 
achtung des Rheinthals, Illerthals und Lechthals aus- 
gesandt. Jetzt stellte er am Lech die vorige Ordnung 
seines Heers wieder her. Grenier führte die Mitte 
desselben bei Aichach und Pfaffenhofen, Lecourbe den 
rechten Flügel nahe den Tiroler Gränzen, Ney den 
linken Flügel über die Donau her bei Neuburg, um 
Ingolstadt einzuschließen, und ausgedehnt bis Abens- 
berg. 
Also mußte Kray die Isar verlassen, und sich bis 
hinter den Inn begeben, um die Linie von Braunau 
bis Kufstein zu decken. Da stand die Hauptstärke seines 
Heers zwischen Ampfing und Mühldorf, in und um letz- 
tern Ort auch das pfalzbaierische Korps unter General 
Zweybrücken; auf dem linken Flugel General Meers 
feld; gegen Regensburg zu General Klenau mit eie 
nem kleinen Korps, bei Haag eine Reserve. Prinz 
Condé, verstärkt durch einige österreichische Bataillons, 
hielt den wichtigen Punct Rosenheim, desgleichen mit 
einer starken Abtheilung auch Wasserburg besetzt. Von 
jetzt an blieb Alles auf Gefechte von Vorwachten und
        <pb n="137" />
        Streifpartheien beschränkt, wie z. B. in dieser Mur der 
österreichische Rittmeister Graf Mier am hellen Tage 
(ôten Juli) Donauwdrth mit einigem Fußvolk und Rei- 
terei überfiel, und die französische Besatzung von vier 
Kompagnien theils niedermachte, theils gefangen nahm. 
So lange noch Graubündten, Vorarlberg und Tirol 
in der Gewalt Oesterreichs waren, konnte Moreau 
seine Unternehmungen am Inn gegen Wien nicht mit 
voller Sicherheit fortsetzen. Er gab daher dem General 
Lecourbe Befehl, mit seinen achtzehn Bataillons, und 
mit Molitor's und Nansouty's Divisionen jene 
Gebirgs-Länder einzunehmen. 
Dieser machte sich sogleich auf. Sein Hauptaugen- 
merk mußte Feldkirch und Vorarlberg seyn. Denn gelang 
es ihm hier durch zubrechen, konnten sich die Oesterreicher, 
ohne Gefahr abgeschnitten und eingeschlossen zu werden, 
in Graubündten nicht halten, und zugleich war der 
Schlüssel zum Tirol von dieser Seite gewonnen. Le- 
courbe ließ aber, über Weilheim, Wolfrathöhausen und 
Holzkirchen hin die Engpässe Loitasch und Scharnitz angrei- 
fen, um die Kraft des Prinzen Reuß besonders dahin 
zu locken; gieng aber unterdessen in drei Kolonnen dem 
Vodensee zu. Den General Gudin ließ er mit der lin- 
ken Flügelkolonne bei Füssen zurück, der sich dieser Stadt 
erst nach großem Widerstand bemeistern, doch, wegen 
des Knie-Passes nichr weiter vordringen konnte. Denn 
Prinz Reuß vereinte seine beste Stärke zur Verthei- 
digung dieses Passes. Es war für Lecourbe aber da- 
mit genug gewonnen, daß der Prinz Reuß für den 
Augenblick hier festgehalten ward. Lecourbe ließ, im 
Verfolgen seines Weges, die Mittelkolonne unter Generat
        <pb n="138" />
        — 128 — 
Laval bei Immenstadt. Sie nahm (12ten Juli) diese 
Stadt ohne Widerstand, und drang von da durch das 
Aachthal uͤber Schwarzenberg und Mellau bis zum Fuß 
des vorarlberger Gebirgs, im Ruͤcken des Generals 
Jellachich, der bei Feldkirch stand. Die dritte Ko— 
lonne unter Molitor, als rechter Fluͤgel des Ganzen, 
und zwar die stärksie, schickte Lecourbe in gerader Rich- 
tung gegen Feldkirch. Molitor griff an, mit Ueber- 
macht, in drei verschiednen Abtheilungen. Jellachich, 
in einem blutigen Gefecht übermannt (15ten Juli), von 
allen Seiten bedroht, mußte sich nach Bludenz, folglich 
auch General Auffenberg mit den Oesterreichern von 
Reichengu und Chur in Graubundten, in's Engadin gegen 
Tirol zurück begeben. 
Lecourbe war im Begriff, seine Vorthbeile rasch 
zu verfolgen, als er die Nachricht des Waffenstillstandes 
erhielt, welchen Moreau und Kray zu Parsdorf 
(15ten Juli) abgeschlossen hatten. Vermöge dieses Waf- 
fenstillstandes behielten die Franzosen eine Linie von den 
Quellen des Lech, über den Rücken des Arlberg längs 
dem Illthal, der Bündtener Gränze, über Balzers, Chur, 
Thusis, Splügen bis Chiavenna; von der andern Seite 
das ganze rechte Ufer der Nidda, des Mains, der Red- 
nitz, Altmühl und Donau, das linke Vils= und Colbach= 
Ufer und das linke Lechufer. Demnach blieb das ganze 
Engadiner= und St. Marien-Thal beim Ursprung der 
Etsch, das gesammte Tirol, und auf der andern Seite 
die obere Pfalz mit den Gränzen von Böhmen, mithin 
auch der ganze Innstrom in Oesterreichs Händen. Die 
Vestungen Philippsburg, Ulm und Ingolstadt, sollten 
zwar eingeschlossen bleiben, aber alle zehn Tage Lebens- 
mittel empfangen können. Noch nach abgeschlossenem 
Waffen-
        <pb n="139" />
        Waffenstillstand (16ten Juli) machte die Ingolstaͤdter Be- 
satzung einen Ausfall, durch welchen sie die franzdüäschen 
Positen bis Eitersheim zurück trieb. Doch Ney schlug 
die Oesterreicher folgendes Tages, wieder mit Verlust von 
drei Kanonen und 000 Mann derselben, zurüuck. 
Auch am Main trat die Waffenruhe ein, wo Ge- 
neral St. Suzanne von Mainz her erst vor kurzem 
(Sten Juli), an der Spitze von vier franzdsischen Oivi- 
sionen, gegen einen schwachen, aber vom Odenwalder 
und Mainzer Landsturm verstärkten Heerhaufen der Oester- 
reicher ausgeruckr, und bei Nieder-Rad, in der Gegend 
von Frankfurt (11ten Juli) schon über den Main ge- 
gangen war. 
  
8. 
Gang des Feldzugs in Italien, bis zur 
Schlacht bei Marengo, 15#ten Juni 1800. 
Wir müssen aber den Blick auf Iralien zurückwerfen. 
Denn hier noch früher und unerwarteter, als in Deutsch- 
land, war das Glück und Unglück der kriegenden Mächte 
durchs Waffenloos entschieden. 
Die letzten Ueberbleibsel der franzbsischen Heere in 
Fralien rangen am Ende des Jahres 1700 noch um die 
letzten Streifen Landes auf der Halbinsel, mit unglei- 
chen Kräften, gegen die dsterreichische Uebermacht. Sie 
hatten nur noch Genna mit der Umgegend, und die 
Grafschaft Nizza. Und hier nun, nicht am Nhein, sollte, 
wie wir schon oben bemerkt haben, im erneuerten Feld- 
zuge gegen Frankreich der Hauptschlag geschehen; hieher 
sandte auch Oesterreich die größere Masse seiner aufge- 
botenen Streitkräfte; hieher Großbritannien, zur mäch- 
0
        <pb n="140" />
        tigen Beihuͤlfe, seine Kriegsschiffe. Nach Genua's und 
Nizza's Wegnahme sollten Toulon und Marseille ange- 
griffen und die Gesilde Südfrankreichs das Wahlfeld 
werden. 
Der erste Consul von Frankreich, Napoleon Buonga= 
parte, fing zwar an, bei Dijon ein Reserveheer zu 
bilden; allein Monathe mußten, bis zur Vervollständigung 
desselben, vorübergehen. Zwar schien dies Heer, seinem 
Versammlungsorte nach zu urtheilen, eben so gut eine 
Bestimmung zum Rhein, als zur NRhone empfangen zu 
kodnnen. Doch Buonaparte hatte ausschließlich nur 
Italien im Sinn. Alles kam noch darauf an, daß die 
Puncte Genna und Nizza nur so lange behauptet wür- 
den, bis das Reserveheer im Stande wäre, Hülfe zu 
bringen. Darum übergab er Genna's Vertheidigung dem 
General Massena, und, weil Championet zu Nizza 
gestorben war, den kleinen Heerhaufen desselben dem 
General Süchet. — Bewundernswürdig ist, wie diese 
Feldherren mit geringer Macht die ihnen an Menge viel- 
fach überlegenen Heere Oesterreichs drei Monathe lang, 
fast an Allem Mangel leidend, und zum Theil selbst von 
den Einwohnern des Landes, in welchem sie stehen muß- 
ten, feindselig angegriffen, aufhalten konnten. 
Als Massena in Genug ankam, fand er das einst 
furchtbar gewesene Heer, über welches er den Oberbefehl 
führen sollte, auf 25,000 Mann zusammengeschmolzen, 
und in dem engen und unwirthlichen Raume der Appeni- 
nen beschränkt. Er dehnte sich von Genna bis zum Col 
de Tende. Ihm gegenüber stand der öfterreichische Ober-= 
feldberr Melas, der die Generale Ott und Klenau mit 
20,000 Mann auf seinem linken Flügel über Sarzana 
und Sestri gegen Genug andrängen ließ, mir der Haupt-
        <pb n="141" />
        — 131 — 
macht von Acqui bis Ceva lagerte, und seinem rechten 
Fluͤgel unter den Generalen Haddik, Kaim und Vuk— 
kasowich durch die piemontesischen Alpenthaͤler gegen 
die Graͤnzen Altfrankreichs aufsteigen hieß. 
Die Bewegungen des linken Fluͤgels der Oesterreicher 
gegen Sestri beunruhigten den General Massena zuerst; 
denn damit stand auch der uͤberall ausbrechende Aufstand 
des Landvolks gegen ihn in Verbindung. Er veran- 
staltete eine Recognoscirung längs der ganzen dsterreichi- 
schen Linie, und ließ während dessen Sestri durch die 
Divisionen Miolis und Soult mit so großem Nach- 
druck angreifen, daß der Ort mit sehr bedeutenden Korn- 
vorräthen in ihrer Gewalt blieb, und der ganze Schwarm 
der Aufrührer auseinander gesprengt wurde. Der kleine 
Krieg dauerte so bis zum April fort. 
Fetzt begann Melas, in Uebereinstimmung mit der 
englischen Flotte, die Unternehmung auf Genua ernsi- 
voller. Den Fall dieser Stadt schneller zu erzwingen, 
mußte zuerst Massena von seinem linken Flügel, unter 
Süchet, abgerissen, dann sester auf allen Seiten ein- 
geschlossen werden. Bei Carcare, im Mittelpunct der 
Heerlinie, hatte Melas 25,000 Mann für diesen Zweck 
zusammengezogen. General Graf Palfy rüchte mit ei- 
ner Division, (auf seinem Zuge über Montenotte durch 
die Brigade St. Julien gedeckt,) gegen die befestigten 
Stellungen bei Caditona, welche der franzdsische General 
Gardaune mit 3,000 Mann vertheidigte. Dieser 
mußte nach langem Widerstand (Sten April) die Puncte 
Torre, Altare, zuletzt auch Cadirona verlassen. Zwei 
andere dsterreichische Abtheilungen sielen in der nämlichen 
Seit die feindlichen Verschanzungen auf dem St. Jacobs= 
O
        <pb n="142" />
        Berge an, um hier die Verbindung Süchers mit dem 
auf den Höhen Savona's stehenden Massena abzubre- 
chen; General Ulm warf sich gegen Sücher's linken 
Flugel auf dem Sette-Sani-Berg; General Hohen- 
zollern bereitete den Angriff des Col della Bocherta vor; 
General Ott trat durch das Trebbia-Thal mit 10.000 
Mann gegen Monte-Corma vor; der Haufe der Insur= 
genten gegen Recco und Bogliasko.— Durch diesen viel- 
seitigen und nachdrücklichen Angriff wurden die Franzosen 
gezwungen, alle bieher gehabten Stellungen zu räumen. 
Nicht ohne Mühe konnte General Soulr sich auf dem 
Monte= More behaupten, um die Fliehenden zi sammeln, 
und den Punct Savona zu schützen. 
Nach Wegnahme der Hdhen bei Montenotte und 
der Schanzen von Monte-Negrino bewegte sich General 
St. Julien, den Sieg verfolgend, gegen Madona di 
Savona, dann über die Stella nach Albissola, um 
Soulrt's Rückzug nach Genua zu bedrohen. Melas 
selbst trieb den General Soult indessen vom Monte 
More und nach hartem Kampfe von Savona hinweg nach 
Albissola, das schon von einigen bsterreichischen Trup- 
pen besetzt war. General Elönitz nahm folgendes Tags 
Aeen April) auch den Jacobsberg weg, und die Oester= 
reicher bemächtigten sich der Redouren von Seite-Pani, 
St. Johann und Madonna della Neve. Nur gegen eine 
österreichische Kolonne, welche längs dem Tanaro vor- 
rückte, hatte Süchet Vortheile. Aber General Ho- 
henuzollern war unterdessen schon mit Macht gegen 
die Bochetta angedrungen, wo General Gazan, minr 
3,000 Nann die gesammte Umgebung der Bochetta schir- 
mend, gendtbigt wurde, eine Stellung bei Buzalta, zwi- 
schen dem Moute Jovi und der Serivia zu beziehen;
        <pb n="143" />
        — 135 — 
so wie sich Miollis, am rechten Fluͤgel des frauzoͤsi- 
schen Heers, nachdem General Ott ihm erst die Stel- 
lung des Monte Coruna, daun die des Monte Faceio 
entrissen hatte, nach Quinti und Prato zurück begeben 
mußte. Doch schon andern Tags nahm Massena, 
vom General Miollis unterstützt, Monte Faccio und 
Monte Corung wieder ein, wobei die Oesterreicher 1500 
Gefangene einbüßten. 
Massena, überall bedrängt, ordnete in Eil die 
Vertheidigung Genua's an, und machte sich dann mit 
zwei schnell gebildeten Oivistonen auf den Weg, Savona 
zu entsetzen, um seine Verbindung mit Süchet wieder 
herzustellen. 
Er rückte mit der Divisson Gardanne gegen 
Montenotte, um die österreichische Linie durchzubrechen, 
indessen die Division Gazan unter Soult eine Be- 
wegung nach Sasselo machte. Melas wollte dem zuvor 
kommen. Darum drang Hohenzollern (oten April) 
gegen die Bochetta an, und nahm deren Verschanzung; 
darum zogen die Generale St. Julien und Sticker 
von Bellegarde's Stellung im österreichischen Cen- 
tiuum hinweg über die Gebirge von Sasselo, Veriera und 
der Stella; darum rickte General Lartermann längs 
dem Meere nach Varaggio vor, und die österreichische 
Abtheilung, welche die Vochetta genommen, schob ihre 
Posten drei Meilen von Voltri bis Madonna dell' Acqua 
Santa, im Rücken des Feindes vor. 
Wie gut alle diese Bewegungen berechnet waren, 
gelangen sie doch nicht gänzlich. Denn Soult, auf 
dem Wege nach Sassello begriffen, änderte nun seine 
Richtung, und warf die Oesterreicher hinter die Piota
        <pb n="144" />
        zuruͤck; stand daher, als er sich des andern Tags (10ten 
April) Sassello naͤherte, bei Verriera auf der Seite und 
im Rücken des Generals St. Julien, der eben Mas- 
sena's Rückzug über Ciampani nach Voltri abschneiden 
wollte, und zwang den General St. Julien, der von 
seiner Nachhut gerrennt war, sich mit großem Verlusi 
über Ponte Jorea zurückzubegeben. Massena's und 
Melas Verlegenheiten am 10ten April waren gleich groß. 
Während sich Bellegarde auf diese Art entwi- 
ckelte, ward General Lattermann des Punctes Va- 
raggio mächtig. Massena wollte zwar bei Santa Croce 
Stellung nehmen, mußte aber nach Cogoletto zurück- 
zieben. Soult aber erkannte aus der Stellung der 
Hesterreicher bei Gros Pasto den ganzen Zweck ihrer Be- 
wegungen, griff sie an, und bemeisterte sich, als ihm 
Massena eine Division unter General Fressinet zum 
Beistand gesandt hatte, zuletzt selbst der starken Stel- 
lung der Hermetta. Doch besetzte er diese nur schwach, 
und zog sich auf seinen frühern Srandort nach Gros 
Pasto zurück. — Aber Masseng selbst gerieth während 
dessen in ein hartes Gedränge. Denn Melas griff 
vorwärts Cogoletto den franzbsischen linken Flügel an, 
und vom Meer her unterstützten englische Schiffe diesen 
Angriff. Jur guten Stunde erschien der franzdsische Ge- 
neral Oudinot, durch dessen kräftige Hülfe er aus 
großer Gefahr gerettet wurde, und mit dem er vereint 
nach Arenzano zurückziehen konnte. 
Auch Süchet war seinerseits zur Herstellung der 
Verbindung mit Massena unnnterbrochen thätig gewe- 
sen, doch ebenfalls ohne Erfolg. Zwar hatte sein linker 
Flügel unter General Clausel den Thurm und die
        <pb n="145" />
        — 135 — 
Redouten von Melogna, auch die Verschanzungen von 
Sette Pani genommen (I0ten April), allein die Oester- 
reicher behaupteten sich auf dem St. Johannis-Berge, 
und schlugen unter Befehl des Generals Elsnitz auch 
Süchet's spätere Angriffe (10ten April) zurück. Eben 
so eitel waren die Versuche der Franzosen, die zerrissene 
Verbindung über Milleseno, Cossaria und Cairo herzu- 
stellen; denn Melas, im Besitz von Saseello, hatte 
die Stellungen bei Ponte Jorea und la Moglia stark 
verschanzen lassen. 
So ward Massena, nach ruhmvoller Vertheidigung 
der Appeninen, durch die Schlacht von Voltri dahin ge- 
bracht, sich auf die Vertheidigung von Genna zu be- 
schränken. Melas ließ dliese Vestung (Listen April) 
durch den General Ott, mit ohngefähr 30,000 Mann, 
größern Theils einschließen, und nachdem er noch ein- 
mal (25sten April) alle feindliche Posten angegriffen 
hatte, wandte er sich wider den General Süchet. 
Dieser stand mit noch etwa 5,000 Mann bei Calis- 
sano-Melogno, San Pantaleone und Borgo-Finale, 
immer noch auf Wiedervereinigung mit Massena fin- 
nend, als Melas ihn dort und bei Sette Pani (28ften 
April) angriff und Tag um Tag weiter zurück nach Loano, 
nach Borghetto, endlich nach Torria (2ten Mai) zuruck 
drängte. Hier lehnte sich Süchet links an Pievg, 
rechts an Oneglio, und hier empfing er auch die ersten 
Nachrichten von Buonaparte's Bewegungen mit dem 
Reserve-Heer nach Iralien. Schritt um Schritt sich ver- 
cheidigend, zog er, da auch der franzdsische General 
Lesuire vom Col de Tende bis Sgorgio zurück getrie- 
ben war, vor den Oesterreichern, die hier 18,000 Mann
        <pb n="146" />
        — 136 — 
stark waren, nach Taagio 7ten Mai), und von da, Nizza 
verlassend (11ten Mai) gegen Frankreichs alte Gränze, 
zum Var Fluß Er hatte nur in den kleinen Vesien 
Ventiwoglia, Vfllafranco und Montalban die erforder- 
lichen Besatzungen zurückgelassen. Selbst noch sein Ueber- 
gang über den Var-Fluß war mit großen Schwierigkei= 
ten verbunden, weil sich General Elsnitz schon bei 
Monte Grosso aufgestellt hatte. Dennoch vollendete Su## 
cher (laten Mai) seinen meisterhaften Rückzug, und 
binnen drei Tagen war die ganze Linie längs dem Var- 
Eluß von ihm vor jeder feindlichen Ueberraschung sicher 
gestellt. Ihm flößten die Nachrichten von Moregau's 
Siegen in Deutschland, und vom schnellen Vorrücken 
des Reserve-Heers neuen Muth ein. Er errichtere in 
Montalbar und bei Gilette am rechten Var-Ufer, des- 
gleichen bei Cagnes und St. Laurent Telegraphen, um 
die Bewegungen der Oesterreicher zu beobachten, und 
war entschlossen, sich hier bis auf's Aeußerste zu halten. 
Melas, zwar von den Bewegungen der Franzosen 
jenseits der Alpen unterrichtet, begugte sich nur die 
Generale Kaim, Haddik und Palfy mit 5,000 Mann 
gegen sie abzusenden, die dann auch, wegen khrer 
Schwäche, bei Jorea und an der Chinsella mit großem 
Verlust nach Turin zurückgeworfen wurden. Melas 
dachte einzig darauf, durch das Barcelonetter:" und Du- 
rancer-Thal nach Toulon und Marseille zu gehen. Allein 
Süchet schlug nicht nur (15ten Mai) den allgemeinen 
Angriff der Oesterreicher ab, sondern verdoppelte seine 
Thätigkeit, als wollte er wieder angriffsweise verfahren, 
weil er Befehl des ersten Consuls empfangen hatte, den 
General Melas am Var-Fluß fest zu halten, so lange 
er könne. Der österreichische Heerfährer vermuthete aus
        <pb n="147" />
        157 — 
Süchet's Bewegungen, die Franzosen müßten am Var 
Verstärkungen empfangen haben und erneunerte (c2sten 
Mai) mit 0 Regimentern und 11 Bataillonen Grenadiers 
den allgemeinen Angriff; doch war derselbe, ungeachtet 
der größten Anstrengungen, und obschon die franzbsfische 
Mitte einige Zeit lang in Gefahr gerierh, so fruchtlos, 
als der erste, und als ein späterhin erfolgter dritter 
(27ten Mai), welchen General Elsnitz unternahm. 
Diesen General hatte Melas am Var zurückgelassen, 
als er selbst mit 0,000 Mann über Col de Tende in die 
Ebenen Piemonts niedersteigen, und den General Kaim 
unterstützen wollte. Unterwegs erfuhr er zwar mit Ver- 
gmigen, daß sich die Veste von Savona dem General 
St. Julien ergeben habe, aber auch, daß die über 
die Alpen gekommenen Franzosen schon Jorea jenseits 
Turin weggenommen hätten. Dennoch zogerte er, seine 
ganze Macht zusammen zu ziehen, und rückte über Coni 
und Savigliano auf der Straße nach Turin vorwärts. 
Erst in der Nacht vom 27sten zum 28sten Mai, da 
Buonaparte den gefahrvollen Zug über die Alpen 
schon vollendet hatte, sollte General Elsnitz den Var 
verlassen. Er war noch 15 000 Mann stark. Aber nun 
griff Süchet, der seinen kleinen Heerhaufen auf 0,000 
Mann gewachsen sah, die Oesterreicher durch das Magna- 
Thal bei Simiero an (28sten Mai), um sie auf ihrem 
rechten Flügel zu umgehen, und ihnen den Rückzug über 
den Col de Tende nach Piemont abzuschneiden. Die 
Oesterreicher hatten sich in die Linie der Roia und bei 
Vintimiglia gestellt. Der franzbsische General Menard, 
auf Süchet's linken Flügel, 3,000 Mann stark, ließ 
einen Theil seines Kriegsvolks durchs Thal der Besubbia,
        <pb n="148" />
        — 158 — 
einen andern nach dem Col de la Pietra, dem Lager 
des milles Fourches und dem Laution-Berg ruͤcken, damit 
er das von den Feinden stark vertheidigte Col de Brouis 
umgehen koͤnne. Die Bewegung der letztern Kolonne zu 
verhuͤllen oder zu unkerstützen, trieb General Rocham- 
beau, an der Spitze von Süchet's Heermitte, starke 
Recognoscirungen in das Bevera-Thal bis Olivetta vor. 
Menard erzwang auf diese Weise den Besitz der Stel- 
lung vom Col de Raus, während Rochambean bis 
nach Reolet und an die Pienna drang, um die Nachhut 
der Oesterreicher beim Col de Brouis zu umwickeln. Ver- 
mittelst dieser wohl berechneten und gut ausgeführten 
Jüge wurden die Franzosen nicht nur Meister aller ge- 
nannten Stellungen, und deren bei Saorgia und Fon- 
kana, sondern raubten se den Oesterreichern auch den 
Rückweg nach dem Col de Tende. Dies besetzten sie 
(Sten Juni) ohne bedeutenden Widerstand, schritten zum 
Col Ardente vor, und nahmen am linken Roia= Ufer die 
feindliche Stellung bei Vintimiglia im Rücken. General 
Elsnitz, dem jetzt nur übrig blieb, die Schluchten der 
Appeninen und die Vereinigung mit General Ott am 
genuesischen Litorale zu suchen, mußte, ungeachtet sei- 
ner Uebermacht, mit Zurücklassung mebrerer Gefange- 
nen, seines Gepäcks und 30 Stück Geschützes, schleu- 
nigst abziehen. 
Aber auch dieser Rückzug ward noch in Gefahr ge- 
setzt, weil Süchet mit drei Brigaden zur Pieva, dem 
Verbindungspunct des Oneglia= und Tannaro-Thals, 
eilte, von da über den Col Ardente, das Taggia-Thal 
und den Monte Grosso umgieng und (Iten Juni) Bada- 
lueco, Andagna und Mendalica besetzte, während Me- 
nard zugleich vom Col de Tende bis Ormea herbortrak.
        <pb n="149" />
        — 139 — 
Elsnitz ließ Besatzung im Fort Vintimiglia, und ver- 
ließ selbst die Piepa, wo seine Nachhut (5ten Juni) an- 
gegriffen, und mit großem Verlust in das Tannaro-Thal 
zurückgeworfen wurde. 
Darauf nahm Suchet seine ehemaligen Stellun- 
gen wieder bei Finale, Melogno, Sette-Pani und St. 
Giacomo ein, und ließ zwei Tage später dem General 
Massena in Genua von neuem den Donner seines 
Geschützes hdren. Aber Genua's Loos war schon am 
5Sten Juni entschieden worden. 
Hier hatte General Ott (5osten April) einen allge- 
meinen Angriff, besonders gegen den Monte-Faccic, ge- 
macht, und die Franzosen bis San Martino d'Albano 
geworfen; war aber durch Massena wieder zurückge- 
trieben worden. Eben so wenig gelang der Angriff der 
Oesterreicher auf das Fort de l’Eperon, ungeachtet ihrer 
außerordentlichen Tapferkeit. Das Fort Guezzi eroberten 
ste zwar, allein bei der hartnäckigen Gegenwehr des 
Feindes mußten sie, mit Verlust von 3,000 Mann, die 
ganze Stellung wieder verlassen. Als Massena bei 
einem Ausfall am folgenden Tage verwunder ward, trat 
eine achttägige Waffenruhe ein, während welcher von den 
Franzosen das Fort Guezzi wieder hergestellt, von den 
Oesterreichern aber die nach der Vestung gehende Wasser- 
leitung zersidrt ward. 
Einen neuen Ausfall machten die Generale Reille 
und Gauthier (1iten Mai) gegen den Monte-Faccio; 
doch glucklicher, als sie, war dabei General Soult. 
Denn er stürmte das öfterreichische Lager des Monte 
Creto, rückte nach Cassola, beinahe vier Stunden von 
der Postung, hinter der feindlichen Linje vor, nahm den
        <pb n="150" />
        Monte-Facceio, warf den General Gottesheim zurück, 
machte 1,000 Gefengene, und kehrte, milt den beiden au- 
dern Generalen am Abend vereinigt, wieder zurück. Min- 
der gläcklich war ein folgender Ausfall (15ten Mai) ge- 
gen den Monte Creto, den Schlüssel der ganzen dster- 
reichischen Circumvollations= Linie. Denn Soul:t selbst 
ward dabei verwundet und gefangen, und seine Truppen 
mußten sich mit ausehnlichen Verlust zurück ziehen. 
Von da an hdrte Massena auf, angreifender 
Theil zu seyn; er verlies den Monte-Faccio, und zog seine 
HPosten an der Sturla mehr zusammen. Wie nun Genua 
(vom 20sten bis zosten Mai) von der Landseite immer 
enger eingeschlossen ward, wurden die Engländer von der 
See her unternehmender, die Beschießung der unglückli- 
chen Stadt heftiger. Eine von den Franzosen (236sten 
Mai) gegen den Monte Faccio und Monte Ratti unter- 
nommene Recognoscirung hatte für sie nur sehr beträcht- 
lichen Verlust und Vermehrung der Noth in Genua zur 
Folge. Schon am Sosten Mai hielt Massena eine 
Zusammenkunft mit Admiral Keith, und den Generalen 
Ott und St. Julien; doch verwarf er ihre Vorschläge. 
Aber die darauf hefriger erhobene Beschießung Genua's, 
die Unmoglichkeit, sich mit 5, 6,000 Mann länger gegen 
den Feind von außen, und gegen 150,000 empdrte Ein- 
wohner von innen zu vertheidigen, veranlaßten am öten 
Juni den Abschluß einer ehrenvollen Uebergabe der Stadt, 
vermöge welcher die Franzosen folgendes Tages nach 
Frankreich abzogen. 
Das geschah, als Buonaparte eben sein über 
die Alpen gestiegenes Reserve-Heer in Italien vorwärts 
kührte. Er war (pbom 15ten bis 20 sten Mai) mit
        <pb n="151" />
        – 11 — 
35,000 Mann über den großen St. Bernhard gegangen- 
General Lannes befehligte die Vorhut. Westwärts 
rückte zugleich General Thureau mit 5,000 Mann über 
den Mont Genevre und den Mont Cenis nach Erilles 
und Suza, General Chabran mit einer Division über 
den kleinen Bernhard, ferner eine schwache Abtheilung 
über den Simplon nach Piemont nieder; ostwärts Ge- 
neral Moncey über den Gotthardsberg gegen Mai- 
land. 
Vom Bernhard herabsteigend, nahm Lannes den 
Punct Etroubles, trieb von Charillon (10ten Mai# die 
dort stehenden 1,500 Oesterreicher zurück, daß sie 300 
Mann und drei Stück Geschütz im Stich ließen, und 
kam vor Bard an, welches den Ausgang des Gebirgs- 
thals schließt. Zwar die Stadt Bard ward leicht ge- 
nommen, aber nicht so leicht war die Wegnahme der 
kleinen Veste daselbst. Buopaparte wußte, daß 
Melas noch bei Vintimiglia stand, ungewiß über die 
Bewegungen und Bestimmungen des Reserve-Heers. Es 
durfte also kein Augenblick verloren gehen. Buona- 
parte ließ daher sein gesammtes Kriegsvolk mit uner- 
meßlicher Anstrengung über die in die Felsen von Alba- 
redo eingehauenen Staffeln, freilich ohne Geschütz, nies 
dersteigen, und dann von der Stadtseite und von der 
Joreer Straße her, eben so auch vom rechten Dora- 
Ufer her die Peste anstürmen. Der Versuch war um- 
sonst. Berthier mußte es wagen, das Geschütz des 
Reserve-Heers mit größter Gefahr, in aller Stille, durch 
die Stadt Bard, immerdar dem Feuer des Forts aus- 
gesetzt, nachführen zu lassen. 
Lannes war indessen mit der Vorhut, aber ohne 
Geschütz, schon den 20sten Mai vor Jorea angekommen;
        <pb n="152" />
        — 142 — 
hatte Stadt und Fort, von 4,000 Oesterreichern besetzt, 
bestürmt; die Feinde über die Brücke der Chinsella bis 
Chivasso getrieben; dann hier die Generale Kaim und 
Haddick, welche am rechten Chiusella-Ufer hinter der 
Brücke, mit 6,000 Mann eine gute Stellung hatten, 
(#Ssten Mai) angegriffen, und sie, als ihn die Division 
Boudet und zwei Regimenter Reiterei unterstützeen, 
nach Romano zurückgeworfen. Damit lag der Schlüssel 
Piemonts in seiner Gewalr, und bei Jorea (vom Losten 
bis 25sten Mai) vereinigten sich die übrigen Abtheilun- 
gen, welche vom Bernhard herabgekommen waren. 
Auch General Moncey war vom Gotthard nach 
Bellinzona niedergestiegen, wo nach leichtem Vorwachten- 
Gefecht an der Muesa-Brücke, die Oesterreicher, schwach 
an Jahl, zurückgiengen; — General Bethencourt war 
über den Simplon nach Domo d’'Ossola gekommen, und 
General Thureau auf der Straße nach Briangon bis 
zum verschanzten Dorfe Clavière, wo er die Oesterrei- 
cher, wie auch aus dem Fort Frangois, vertrieb, und 
bis Suza jagte (22sten Mai). Nachdem er auch diese 
Stellung sich erzwungen, und zwischen Avigliana und 
Suza die Hdhen von Bossolino eingenommen hatte, dro- 
hend gegen Turin, stand das ganze französtsche Reserve- 
Heer von hier bis Bellinzona am südlichen Fuß der Alpen. 
Schon in diesem Augenblick war die Lage des Ge- 
neral Melas bedenklich; nicht minder aber auch die 
des ersten Konsuls, der von den Alpen nicht ohne Ver- 
wirrung herabgestiegen, sich erst wieder sammeln und 
ordnen mußte. Durch rasche Vereinigungen und Be- 
wegungen der verschiedenen Heermassen Oesterreichs ge- 
rieth er in Gefahr, einzeln angefallen und aufgerieben
        <pb n="153" />
        — 43 — 
zu werden, ehe er zu seinen fernern Unternehmungen eine 
Grundlinie von Mailand queer durch Piemont einneh- 
men konnte. Doch er kam in Schnelligkeit der Bewegung 
seinem Gegner weit zuvor. 
General Lannes, warf das bei Romano geschla- 
gene Korps über die Orca zurück, bemächtigte sich der 
Magazine von Chivasso, und indem er, nur einen Tag 
von Turin entfernt, längs dem linken Po-Ufer die Ve- 
stungen Piemonts bedrohte, deckte er zugleich den rech- 
ten Flügel des Reserve-Heers. General Lechi, von 
Chatillon im Klosterthal aus, über Gressoney, am Ein- 
gang des Lessia-Thals, bildete den linken Flügel, nach- 
dem er im Gefechte bei Varallo die Oesterreicher zum 
Orta-See zurückgeworfen hatte. Murat inzwischen, 
an der Spitze einer Vorhut von 1,500 Perden, dann 
durch die Divisionen Loison und Boudet verstärkt, 
bewegte sich über Santhia nach Vercelli, Novara, Ga- 
liati und Turbigo. Umsonst warf sich ihm hier General 
Laudon, von der Adda herbeigeeilt, mit größter Ta- 
pferkeit entgegen. Laudon mußte mit Verlust von 
1,200 Gesangenen und 300 Verwundeten Turbigo raͤu- 
men, und ward, da Murat bei Bufalero über den 
Tessin gegangen war, bis an die Thore Mailands ver- 
folgt. Buonaparte zog den 2ten Juni in Mailand 
ein, und ließ die Citadelle durch General Mounier 
einschließen. Das Alles geschah, während General Ott 
noch mit dem österreichischen Heer vor Genug (vom #ten 
bis Aten Juni) kostbare Zeit einbüßte. 
Unterdessen hatte General Lechi auch schon das 
Fort Arona genommen, bei Sesio-Calendi über den 
Tessin gesetzt und Monza erreicht; war durch große
        <pb n="154" />
        — 146 — 
Absendungen von Reiterei die Verbindung mit Monrey 
bei Varoze hergestellt; war Boudet und Loison zu 
Lodi angelaugt, und hatte Lannes schon Pavia erreicht, 
früher als ein vom General Ort dahin geschickter Heer- 
haufe ankommen konnte. Zu Pavia wurden 200 Kano- 
nen, worunter 30 Feldstücke waren, und viele Vorräthe 
zum Leben und zum Kriege, die Beute der Franzosen. 
Auch das Fort Bard war inzwischen genommen worden, 
von wo das Belagerungs Korps ungehindert über 
Jvrea den Vorangegangenen ans linke Ufer des Po- 
Flusses folgte. 
General Melas, welcher unterdessen fortwährend 
in Turin gesianden war, beschloß nun die Linie von 
Alessandrta, Piacenza und Mantua, folglich das rechte 
Po-Ufer zu behaupten, und wählte Alessandrig zum 
Sammelplatz. Vermittelst seiner Bewegung dahin nd- 
herte er sich dem von Asi durch das Tanaro-Thal herab- 
steigenden General Elsnitz, welchem der Heerhaufen 
Süchet's nur bis Ceva nachgefolgt war. Suchet 
hatte sich dagegen mit der ersten aus Genna abgezoge- 
nen Dioision bei Savona vereinigt, sich über Monte- 
notte und Millesimo ins Bormida-Thal geworfen, und 
Acqui in Besitz genommen. Weil nun in gleicher Zeit 
General Ott über die Bochetta von Genua nach Pia- 
cenza rückte, stand Süchet in diesen Augenblicken voll- 
kommen zwischen Elönitzen's und Ott's Heerhaufen 
in gleicher Linie. 
Noch konnte damals der erste Consul nichts von 
der Uebergabe Genna's wissen. Er hoffte also durch 
einen eilfertigen Po-Uebergang die Festung entsetzen, 
die Verbindung der Oesterreicher mit Ober-Iralien durch- 
schneiden, und sie theilweise schlagen zu koönnen. Wirkung 
die-
        <pb n="155" />
        135 — 
dieses Gedankens war der Jug Loison's nach Breseia, 
wo General Laudon so unerhofft überrumpelt wurde, 
daß er beinahe selbst in Gefangenschaft gerieth; war 
ferner der Zug des General Duhesme nach Crema, 
wo er beim Castell Leone ein kleines Gefecht hatte; war 
die Einschließung Pizzighetone's, die Wegnahme Cre- 
mona's, und die französische Recognoscirung (Zten Juni) 
nach Bozzolo am Oglio-Fluß. Schrecken herrschte über 
diese Erscheinungen in Mantua. Die Oesterreicher zo- 
gen sich auf allen Puncten rückwärts. 
Das franzdsische Heer nun dem P nahe gekommen, 
schickte sich zum Uebergang an. Loison gieng bei Cre- 
mona über diesen Fluß gegen den wichtigen Platz von 
Piacenza; dieselbe Richtung nahm Murat mit der 
Reiterei und Boudet's Fußvolk. Einige Bataillons 
Oesterreicher wurden vor Piacenza in ihren Brückenkopf 
zurückgetrieben, den sie aber schon in der folgenden 
Nacht, in welcher ihn die Franzosen erstürmen wollten, 
verließen. Darauf setzte Murat in einigen Fahrzeugen 
über den Pô, stiftete durch den General Musnier auf 
der Straße von Cremona Verbindung mit Loison, 
und eroberte nach einem hitzigen Gefechte Piacenza. 
Diese Bewegungen erleichterten den Uebergang des 
Heers bei Belgiojoso, zwei Stunden unterhalb Pavia. 
Lannes hatte sich dort mit drei Schlachthaufen hinter 
San Cipriano aufgestellt, und eine geitlang durch den 
Angriff gelitten, welchen die Oesterreicher mit zwei Re- 
gimentern Fußvolk, einiger Reiterei und sechs Kanonen 
auf ihn gemacht hatten. Als er aber Verstärkungen 
empfieng, machte er von ihnen 0 bis 700 Gefangene, 
warf sie bis Stradella, und rückte auf der Straße nach 
Tortona vor- 
10
        <pb n="156" />
        — 146 — 
Nun erst klaͤrte es sich auf, daß Genua uͤbergegan- 
gen sey. Denn General Ott hatte mit dem Belage- 
rungsheere in zwei Tagszuͤgen schon Tortona ereilt, und 
beim Flecken Casteggio und Montebello eine gute, in zwei 
Treffen getheilte, Stellung genommen. War nun gleich 
durch Buonaparte's schnelle Bewegungen der erste 
Zweck, Genua's Entsatz, nicht erreicht, so war doch 
Melas dadurch von Mantua abgeschnitten. Melas 
fuͤhlte diesen Nachtheil. Er beschloß seine ganze Macht 
zu vereinen, und nach Mantua durchzubrechen. Buona- 
parte wollte ihn dazu nicht Zeit gonnen, sondern so- 
gleich mit den über den Pô gegangenen Heerhaufen der 
Generale Lannes, Murat und Victor den dfster- 
reichischen Heerhaufen Ott angreifen und schlagen. 
Schlacht von Montebello. 
Ott hatte fast alle seine Truppen bei Casieggio, 
nur einen geringen Rückhalt bei Montebello aufgestellt. 
Am oten Juni Morgens um 10 Uhr wurden seine Vor- 
wachten bei der Villa San Giulietto durch den Vortrab 
des franzdsischen Heers, unter General Watrin's 
Befehl, bis Risetta Gandolfi längs der Straße nach 
Tortona zurückgedrängt. Lannes griff mit der Didision 
Watrin darauf die Hbhen an, welche dem rechten 
Flugel der Oesterreicher zum Anlehnungs-Punct dienten. 
Lange und hartnäckig war der Streit. Doch nach fünf- 
maligen Anfällen wurden die Oesterreicher über den Coppo- 
Strom zurückgeworfen, und des Schlosses Dordone zu- 
gleich beraubt. Eben so stürmisch, eben so standhaft 
wurden in der Heermitte gegen Casteggio Angriff und 
Gegenwehr fünf Stunden lang geführt, bis Lannes 
endlich Meister von Casteggio ward. Doch Ott behauptete
        <pb n="157" />
        — 17 — 
sich noch in Montebello, bis die franzdsischen Generale 
Gency und Rivaud hier die Schlacht entschieden, 
mit welcher Ott das Wahlfeld mit 3,000 Todten oder 
Verwundeten, 5,000 Gefangenen, 0 Kanonen und einigen 
Fahnen verlor. — 
Auch bei Voghera konnte sich der Besiegte nicht 
halten. Er mußte daher nach Tortona zurückgehen, 
2,000 Mann in diese Vestung werfen, über die Scrivia 
eilen, und bei St. Giuliano Stellung nehmen. Auch 
hier ward für ihm kein Bleibens. Buonaparte er- 
schien in Voghera, und sein Heer, etwa 50,000 Mann 
stark, stellte sich an der Serivia auf (12ten und 13ten 
Juni). ) Ott, beim Anblick der überlegenen Macht, 
gieng über die Bormida, und ließ nur zwischen Spi- 
*) Zwei Divisionen unter General Lannes (Watrin und 
Mainoni) stander bei Castel-Novo-di Serivia, deren 
rechter Flügel in Verbindung mit Pavia. 
Zwei Divisionen, Boudet und Mounier, unter 
Desair, bilderen auf der großen Straße vorwärts der 
Ponte Curone die Heeresmitte. Die jenseits des P#- 
Flusses stehende Diviston Lapoipe hatte den Befehl, 
sich mit dem General Desaix zu vereinigen. 
Die Reiterei, unter General Murat, stand zwi- 
schen Ponte Curone und Tortona, deren Vortrab unter 
Kellermann jenseits Tortona. 
Die Hälfte des Heeres unter General Chabran stand 
im Kloster-Thal; General Thureau in dem von Suza; 
Moncev mit 12,000 Mann in der oberen Lombardei, 
an der Adda, dem Ticinv und dem Po; General Vi- 
gnollet vor der Cidatelle von Mailand; General Du- 
hesme mit 7,000 Mann bei Cremona, Pizzighetone und 
Piacenza, und konnten daher alle diese Abtheilungen 
keinen Theil an der nachfolgenden Schlacht nehmen. 
10“
        <pb n="158" />
        netta und Marengo eine starke Nachhut zuruͤck. Ihm 
nach uͤber die Scrivia zog das franzoͤsische Heer (13ten 
Juni Morgens) sich in den Ebenen San Giuliano's ent- 
falrend. Von hier sandte Buon aparte den General 
Desair lnks, zur Beobachtung von Genua, mit einem 
starken Heerhaufen nach Rivalta, weil er fürchtete, Ge- 
neral Melas werde einen Seitenmarsch versuchen. 
Er selbst eilte nach Castel= nuovo di Serivia, und als 
er unterwegs das Dorf Marengo mit 5, — 5.000 Oester- 
reichern besetzt sah, ließ er es durch General Gar- 
danne angreifen und in Besitz nehmen. Die Oesier- 
reicher begaben sich von hler nur nach ihren Perschanu- 
zungen zurück. 
Es war fester Entschluß des österreichischen Ober- 
befehlshabers, ohne Verzug Alles auf's Spiel zu setzen, 
und seinem Gegner eine Schlacht zu liefern. Er hatte 
30,000 Mann beisammen, treffliche Reiterei und zahl- 
reicheres Geschütz, als Buonaparte. Dieser hinge- 
gen glaubte so wenig an eine Schlacht, daß er seine 
Streitmassen nicht einmahl vereinigte, sondern bloß die 
Division Chamberlhac, als zweites Treffen, zur 
Unterstützung Gardanne's gegen die dsterreichischen 
Verschunzungen, am rechten Bormida= Ufer hinstellte. 
Allein bald empfieng er Meldungen, daß Melas, 
der die Heerhaufen Haddick's, Kaim's und Ott's 
an sich gezogen, und mit 40 000 Mann Fußvolks und 
6.— 7,000 Relkern vor Alessandria gelagert stand, ernst- 
haft zur Schlacht rüstere. Buonaparte hatte in dem 
Augenblick nicht mehr, als 18.000 Fußgänger mit 2,500, 
Pferden bei sich. Er schickte sogleich aus, den Generas 
Desaix zurück zu rufen, da dieser aber, wie Buona-
        <pb n="159" />
        parte wohl wissen mußte, die Division Boudet schon, 
um Vereinigung mit Massena und Süchet zu suchen, 
gegen Acqul, und die Division Mounier nach Castel- 
nuovo di Serivia versandt hatte, war kaum Hoffnung, 
daß derselbe mit seinem ganzen Heerhaufen zu rechter 
Zeit anlangen koͤnne. 
Buonaparte stellte alsbald seine schwaͤchere Ar- 
mee in schräger Schlachtordnung, und zwar staffelweis 
(en echellon) auf, so daß er den linken Flügel vor- 
schob; nämlich rechts der großen Straße von Gan Giu- 
liano stellte er, als zweites Treffen hinter Marengo und 
hinter dem ersten Treffen (von zwei Diovisionen) unter 
Victor, den Heerhaufen des Generals Lannes; hinter 
diesem Korps des Generals Lannes die Division Carra 
St. Cyr, und die Consular-Garde; die Reiter-Bri:= 
gade Kellermann's an das Außenende des linken Flu- 
gels, und die Räume zwischen Victor's Fußpvblkern 
ausfüllend; Champrur's Brigade an das Aeußerste 
des rechten Flügels und die Räume zwischen Lannes 
Schlachthaufen ausfüllend; die Reiterei-Brigade Ris 
vaud's endlich seitwärts dem Außenende des rechten 
Flügels bei Sals, zur Beobachtung des Feindes. 
Schlacht bei Marengo, 1#ten Juni. 
Mit erster Morgendämmerung schritt am 1#ten Juni 
das österreichische Heer schon an drei Puncten über die 
Bormida vor; die Mitte und der rechte Flügel, unter 
Haddik, Kaim, Oreilly, und die Reserve unter 
Ott, auf der großen Straße von Tortona und Frugarolo 
herauf, der linke Flügel, das heißt die gesammte Rei- 
terei mit dem leichten Fußvolk von Castel-Ceriolo auf 
der Straße nach Sals.
        <pb n="160" />
        — 150 — 
Um 8 Uhr Morgens ward zuerst Gardanne vor- 
wärts Marengo bei der Schlucht von Pedra Bona durch 
die Heersäulen des rechten Flügels und der Mitte der 
Oesterreicher, angegriffen, und mit solcher Gewalt, daß 
er schon in der größten Gefahr schwebte, hätte ihn nicht 
eine Division des Generals Victor zeitige Hülfe ge- 
bracht, um sich nur zur Deckung Marengo's zurückziehen 
zu konnen. Darauf rückten die österreichischen Kolonnen 
in doppelten Treffen, die Reserve zur Rechten, bei 
Castel-Ceriolo aufgestellt, gegen Victor's Schlacht- 
linien an. Diese standen hinter einer, das Dorf umge- 
benden Hohlschlucht. Rivaud sah die Gefahr, über- 
flügelt zu werden, stürzte mit seiner Brigade eiligst vor, 
und behauptete in einem mirderischen Gefechte das vor 
der Schlucht gelegene Feld. Lange hielt Victor fest; 
er mußte dennoch endlich den fortdauernden Angriffen 
Haddik's und Kaim's weichen, sich aus dem Dorfe 
Marengo zieben, und mit seinen zwei Divisionen hinter 
demselben aufstellen, wo das Korps des Generals Lannes, 
das ihm zur Unterstützung gekommen war, zur Rechten 
Platz nahm. 
General Kaim, um diesen rechten Flügel einzu- 
wickeln, war guf der nach Castel-Ceriolo führenden 
Straße vorgegangen. Zwar warf ihn Lannes wieder 
zurück, doch konnte dieser, wollte er anders den General 
Victor nicht bloß geben, seinen Vortheil keineswegs 
weit verfolgen. Victor kam dessen ungeachtet in immer 
stärkeres Gedränge. Gegen Mittag war seine Mitte 
durchbrochen, und sein linker Flügel mußte, trotz vier- 
stündigen Widerstandes, trotz aller Anstrengungen von 
Kellermanns's Reiterei, durch die weite, zwei Stun- 
den lange Fläche bis San Giuliano zurückgehen. Damit
        <pb n="161" />
        — 1561 — 
aber ward die linke Seite des General kannes ente 
bloßt, dieser nun ebenfalls in die schlimmste Lage ver- 
setzt und genèthigt, eine rückgängige Bewegung zu 
machen. 
Mittlerweile hatte die dsterreichische Reiterei das 
Dorf Castel-Ceriolo umgangen, und kam dort den fran- 
zosischen Heer-Abtheilungen im Rücken. Melas hatte 
die Schlacht gewonnen, nur fehlte noch dazu die Durch- 
brechung vom rechten Flügel des französischen Heers, den 
Buonaparte selbst befehligte. Hier bewährten sich nun 
die großen Vortheile einer schrägen Schlachtordnung. 
Buonaparte um, es koste was es wolle, seinen 
rechten Flügel den Anfällen einer zahlreichen feindlichen 
Reiterei zu entziehen, ließ mitten in jener weiten Ebene 
zwischen Marengo und St. Giuliano zwei Bataillons ein 
VPiereck schließen. Es kam ihm alles nur darauf an, 
Zeit zu gewinnen, um noch den General Desair zur 
Schlacht zu haben. Wirklich hielt das Viereck, aus 
000 Mann bestehend, das Vordringen des ganzen linken 
Flügels der Oesterreicher mit verwegener Beharrlichkeit, 
mit beispielloser Tapferkeit lange Zeit auf. 
Da endlich erschienen die Dioisionen des General 
Desaix eine um die andere. Es war Nachmittags. 
Es erschien die Dioision Mounier, und trat, wo die 
Gefahr eben am größten war, auf die vom General 
Kaim schon überflugelte rechte Seite des Feldherrn 
Launes. Zwar wurde sie hier alsbald von der dster- 
reichischen Reiterei umzingelt; dennoch aber erreichte sie 
mit ruhigem Rückzug, und gestützt auf jenes Piereck der 
Neunhundert, das Dorf Castel-Ceriolo. Dies besetzte 
Mounier durch General Carra St. Cyr mit einer
        <pb n="162" />
        — 152 — 
Brigade, und schloß sich dann in fortgesetzter rückgängi- 
ger Bewegung der Grenadiere der Garde an. 
Durch die Besetzung Castel-Ceriolo's ward dieses 
Dorf am rechten Flügel der Franzosen der Stütz= und 
Dreh-Punct ihrer neuen Stellung. Die Grenadiere der 
Garde wurden hinter und zwar links dem Dorfe, das 
Korps von annes hinter und links den Grenadieren; 
das Korps von Desair hinter und links von Lannes, 
vor St. Giuliano aufgestellt. Bictor, der am meisten 
gelitten hatte, zog hinter Desair, links der großen 
Straße bei San Giuliano, auf. Oie gesammte Reiterei, 
unter General Murat, bildete im zweiten Treffen riefe 
Heersäulen. 
Zwar machten die Oesterreicher gegen den höchst- 
wichtigen Punct von Castel-Ceriolo die wüthendsten An- 
griffe, um ihn ihren Feinden wieder zu entreißen, und 
auf solche Art, durch Jertrümmerung des rechten fran- 
zösischen Flügels, den Sieg vollständig zu machen. Aber 
ihre Anstrengungen waren hier vergebens. Auch legte 
Melas mehr Werth darauf, nur den linken Flügel der 
Franzosen zu verfolgen, den er von der Straße von 
Tortona abschneiden wollte. Darüber verlor er aber 
den Augenblick, der Buonaparte's gänzliche Nieder- 
lage entscheiden mußte. 
Es war schon 6 Uhr Abends, als Buonaparte 
die oben beschriebene neue Stellung annahm, und sein 
Heer mit einem Feuerwort zum frischen Kampf begei- 
sterte. — Schon waren 5,000 bsterreichische Grenadiere 
unter General JZach hinaus über Cassina Grossa vorge- 
rückt, und im Begriff ssch des Punctes San Giuliano 
zu bemeistern, wo die Division Boudet, gleich nach
        <pb n="163" />
        — 155 — 
ihrer Ankunft mit Desaix's Korps hingestellt worben 
war. Nun warf sich Desaix mit voller Macht auf die 
Grenadlere des Feindes. Dieser Feldherr selbst sank bei 
dem Angriff tödtlich verwundet; allein die Grenadiere der 
Oesterreicher wurden nichts desto weniger in ihrem Lauf 
angenblicklich gehemmt. Und ihre Erschütterung benutzend, 
türzte Kellermann's Reiterei, den Degen in der 
Faust, in die Seiten der feindlichen Kolonne. Sie ward, 
in die größte Unordnung gebracht, gezwungen, das Ge- 
wehr zu strecken. 
Dies Ereigniß verbreitete neuen Muth über die 
franzôsischen Schaaren. Sie rannten mit verjüngter 
Kraft ins Feuer. Zu spät, und in jedem Fall nun ver- 
gebens, ließ Melas seinen linken Flügel durch die Rei- 
terei unter General Elsnitz unterstützen; vergebens nun 
das Dorf Marengo mit aller Aufopferung, aller Tapfer- 
keit vertheidigen. Die Franzosen nahmen das Dorf mit 
stürmender Faust. Es kam die Nacht. Melas hatte 
nur an Gefangenen bei 0,000 Mann verloren, dazu 20 
Kanonen und 8 Fahnen. Er ließ sein Heer, vom Feinde 
verfolgt, in die Stellungen der vorigen Nacht zurück- 
kehren. Mit rühmlichem Heldenmuth hielt auch seine 
Nachhut bei Piedra Bona Stand, bis der ganze übrige 
Theil des Kriegsvolks die Verschanzungen an der Bor- 
mida erreicht hatte. Erst Nachts 10 Uhr nahm Gar- 
danne auch die Stellung bei der Piedra-Bona weg. 
Melags aber zog unnnterbrochen durch die Nacht bis in 
das Lager bei Alessandria. 
Buonaparte hatte inzwischen noch am Abend des 
Sieges-Tages Anstalten getroffen, den Brückenkopf an 
der Bormida zu erstürmen. Schon war folgendes Tags
        <pb n="164" />
        – 1 — 
das Gefecht dort entbrannt, als von Melas gesandt, 
ein Unterhändler erschien. Der Donner des Geschützes 
schwieg. Schon am 16ten Juni unterzeichnete Melas 
den Waffenstillstands-Vertrag von Alessandria, vermdge 
dessen er seinen Rückzug über Piacenza zwischen den Po 
und Mincio, mit dem schdusten Theil der Siegesfrüchte 
vergangenen Jahres, mit der Uebergabe von zwdlf der 
wichtigsten Festungen Italiens, erkaufte. 
  
0. 
Waffenstillstand. Erneuerung und Gang des 
Feldzugs, bis zur Schlacht von Hohen- 
linden. 
Durch das Unglück des Feldzuges in Deutschland 
und Iralien, und vermittelst der daraus hervorgegan- 
genen Verträge von Alessandria und Parsdorf, war 
Oesterreich wieder in dieselbe Stellung zurück geworfen, 
die es zur Zeit des Friedens von Campo-Formio inne 
gehabt hatte. Es stand nicht minder geschwächt, als 
damals, aber jetzt einer feindlichen Macht gegenüber, 
die muthiger durch ihr Glück, nun immer furchtbarer 
durch Kraft und Einheit ihrer Regierung, durch Uner- 
schöpftichkeit ihrer Hülfsmittel, durch vortrefflichen Zu- 
stand ihrer Heere ward. Oesterreich sah sich im Wechsel 
der Schicksale durch das Schild keines Bundesgenossen 
hinlänglich gedeckr; denn der stärkste, England, war zuent- 
fernt; die nähern, ein Theil der minder mächtigen Reichs- 
fürsten, Baiern an ihrer Spitze, waren zu schwach. — 
Oesterreich schien zur Wiederherstellung seiner Kraft nichr 
eines flüchtigen Waffenstillstandes, sondern eines dauern- 
den Friedens zu bedürfen.
        <pb n="165" />
        — 155 — 
Wirklich sandte der Wiener-Hof den General Gra- 
fen St. Julien im Juli sogleich nach Paris, um dort 
mit dem ersten Konsul über die Grundlagen eines Frie- 
dens zu unterhandeln, auf welche er selbst, nach dem 
Vertrage zu Alessandria hingedeutet hatte. Auch wurden 
(28ten Juli) vorläufige Friedensbedingungen zu Paris 
abgeschlossen. Allein Oesterreich konnte damals noch nicht 
frei handeln. Es war durch den brittischen Subsidien- 
Tractat gefesselt, vermöge dessen es, ohne Englands 
Zustimmung, für sich abgesondert, keinen Frieden ein- 
gehen durfte. Großbrittannien aber, welches, als Han- 
delsstaat, mehr Furcht vor Frankreichs Ruhe, denn, als 
insularische Seemacht, vor Frankreichs Waffen hatte, 
verwarf alle Friedens--Gedanken, um nicht früh oder 
spät in jenem thätigen, gewerbfleißigen, unternehmen- 
den Nachbar einen Nebenbuhler in Beherrschung der 
Weltmeere und des Welthandels erwachen zu sehen. 
Der Wiener-Hof versagte also der vom Grafen 
St. Julien zu Paris vorläufig geschlossenen Ueberein- 
kunft seine Genehmigung, machte aber, um wenigstens 
Zeit zu gewinnen, vereint mit England, dem ersten 
Konsul neue Vorschläge, welche jedoch den Wiederau- 
fang der Feindseligkeiten von Seiten Frankreichs zur 
unausweichlichen Folge haben mußten. Zwar auch 
Buonaparte hatte dem brittischen Ministerium Vor- 
schläge zu einem Waffenstillstand auf dem Meere gegeben. 
Doch keinem Theile war es nun bei diesen Unterhandlun- 
gen Ernst; sondern jeder beuutzte die eingetretene kurze 
Ruhe der Heere nur zu den angestrengtesten Rüstungen. 
Oesterreich ergänzte sogleich die Lücken in seinen 
Streitmassen, both die ungarische Insurrection auf, be-
        <pb n="166" />
        – 156 — 
sestigte die Linie am Inn, von Kufstein bis Passau mit 
Brückenkdpfen bei Wasserburg, Kraiburg, Mühldorf 
und Braunau; die Linie der Salza durch Brückenkdpfe 
bei Laufen und Burghausen; machte große Veränderun- 
gen unter den Generalen bei den Heeren, und gab in 
Deutschland den Oberbefebl an Erzherzog Johann, 
statt des Feldzeugmeisters Kray, und in FItalien an 
den General Grafen Bellegarde, statt des Generals 
Melas. Kaiser Franz selbst hielt über seine bei Am- 
ofing in drei Treffen aufgestellte Kriegsmacht allgemeine 
Heerschau (0 en September). Auch das pfalzbaierische 
Korps war dabei zugegen. Der Monarch dußerte dem- 
selben und seinen Anführern bei dieser Gelegenheit für 
so viel bewiesene Tapferkeit und Ausdauer die lebvafteste 
Zufriedenheit, und verhieß in einem vielleicht bald er- 
folgenden Frieden dem Lande Baiern die begnügendsten 
Berücksichtigungen so zahlreich dargebrachter Aufopfe- 
rungen. 
In der That war der Zustand Baierns, jetzt die 
Schlachtbühne ungeheurer Heere, fast hoffnungelos elend, 
Während alle Hülféquellen immer mehr versiegten, mußte 
Baiern doch aus eigenen Mitteln seine und die Menge 
der fremden Kriegsvölker nähren, und den drückendsten 
Regquisitionen aller Art einzeln und im Allgemeinen Folge 
leisten. Außerdem noch hatte der franzdsische Ober- 
General Moreau eine Kontribution von 3,606,066 Gul- 
den auferlegt, die freiltch, durch Vermittelung des 
koniglich preußischen Hofes auf 2 750.000 Gulden herab- 
gesetzt ward, aber schon den 10ten Juli bezahlt sepn 
mußte. Ungeachtet der Handhabung aller Kriegszucht, 
hemmten dennoch die Ausschweifungen der Soldaten weit 
umher jeden innern Verkehr, und brachten die Einwohner
        <pb n="167" />
        des Landes zur Verzweiflung. Viele Haͤuser, Hoͤfe, 
ja ganze Doͤrfer wurden verlassen und oͤde. Unmoͤglich 
war es dem Ländesherrn, welcher in Amberg Aufenthalt 
genommen, unmdglich der niedergesetzten Hoscommission, 
überall zu helfen und zu vermitteln. 
Dennoch leistete Kurfürst Marimilian Joseph 
das Aeußerste, was eingegangene Verpflichtungen vot 
ihm fordern, oder die gemeinsame Vertheidigung gegen 
die Macht eines gemeinsamen Feindes wünschbar machen 
konnte. Nicht nur ergänzte er das unter dem General- 
lieutenant Baron Zweybrücken bei Mühldorf aufge- 
stellte Subsidienkorps bis auf 12,000 Mann vollzählig, 
sondern schloß auch (15ten Juli) sogar einen neuen Sub- 
sidien-Vertrag ab. In Folge desselben wurden die bei 
Amberg unter Befehl des Herzogs Wilhelm von Baiern 
stehenden 11,000 Mann der Landes-Vertheidigung mit 
den 3,000 Mann des dfierreichischen Generals Grafen 
Klen au bei Regensburg vereinigt, um ganz besonders 
zur Deckung der Oberpfalz zu dienen. 
Aber auch Frankreich war nicht saumselig. Sowohl 
das Heer in Italien, dessen Oberbefehl General Brune 
empfing, als Moreau's Heer in Deutschland, wurde 
in vollzähligen und vortrefflichen Stand gesetzt. Zwi- 
schen beiden durch die Alpen starke Verbindung herzu- 
stellen, führte General Macdonald aus Frankreich 
15,000 Mann durch die Schweiz, und am Main wurde 
ein neues Heer von 25,000 Mann, unter General 
Augereau's Befehl, dem dsterreichischen Korps des 
Generals. Simbschen entgegengestellt. 
Der Zeitraum des Waffenstillstandes war indessen 
bald verflossen. Oesterreich suchte ihn noch einmal, durch
        <pb n="168" />
        — 168 — 
neue von dem Grafen von Lehrbach uͤberbrachte Frie- 
dens---Vorschlaͤge, zu verlängern. Die franzdsische Re- 
gierung forderte nun aber entweder unbedingte Annahme 
dessen, was sie mit dem General St. Julien früher 
schon abgeschlossen hatte, oder im Fall der Verlänge= 
rung des Waffenstillstandes, neue Vorthelle zur gesicher- 
ten Stellung der franzbsischen Heere. 
Das letztere ward angenommen; der Stillstand aber- 
mahls (20sten September) auf 35 Tage ausgedehnt, 
und den Franzosen dafür Philippsburg, Ulm und In- 
golstadt eingeräumt. Hingegen mußte sich das franzö- 
sische Heer vom Inn zur Isar, desgleichen in Grau- 
bündten und nach Feldkirch, nach Montafun, in der 
Schweiz nach Rapperswyl, Bischofszell und St. Gallen, 
in den Rheingegenden aber vom Main zur Nidda zurück- 
ziehen. Die Oesterreicher, unter Erzherzog Johann, 
das baierische Korps und das des Prinzen Condé ein- 
gerechnet, 150,000 Mann zählend, zogen sich gleicher- 
maßen an den Inn zurück; die Baiern wurden in die 
Gerichte Alten-HOetting, Bermosen, Wald und Traun- 
stein verlegt. Das dsterreichische Heer in Iralien, unter 
Bellegarde's Befehl, 30.000 Mann stark, ward im 
Gebiet von Mantua und Ferrara vertheilt; im Tirol 
führte General Chasteler die Vertheidigung. General 
Klenau lag mit ohngefähr 20,000 Mann an der Alt- 
mühl, Vils und Rednitz, und, in Verband mit ihm, 
General Simbschen mit 7,— 83,000 Mann bei Würz- 
burg am Main. 
Noch grdßere Kräfte aufzubieten, eilte Kaiser 
Franz nach Wien zurück. Vielleicht würde ihm auch 
sesbst wohl die Bildung eines neuen Krieges= Bundes
        <pb n="169" />
        — 150 — 
mit den nordischen Mächten gegen Frankreich gelungen 
seyn, wären nicht eben diese Mächte durch Englands 
gebieterisches und eifersüchtiges Schalten zurückgestoßen 
gewesen. Inzwischen harten die neuen Friedens-Unter- 
handlungen zu Lüneville zwischen dem Grafen Kobenzel 
und Joseph Buonaparte (oten November) feierlich 
begonnen. Es läßt sich denken, daß es dem ersten Kon- 
sul damahl am Frieden mit Oesterreich gelegen war, doch 
an einem ehrenvollen Frieden. Es galt ihm über Alles, 
in Frankreich seine Gewalt und sein Ansehen zu befesti- 
gen, wo noch kurz vorher eine Verschwdrung selbst sein 
Leben, durch die menchelmdrderischen Dolche der Ares 
na's und Cerachi's, bedroht hatte. 
Mittlerweile wurden in Deutschland die durch den 
neuen Waffenstillstand übergebenen drei Vestungen von 
den Franzosen besetzt: Ingolstadt vom 1ten bis öten 
October „, *) von wo das baierische Bataillon Dallwig, 
bisher ein Theil der Besatzung, sich unter Major Schloss- 
berg mit dem Subsidien-Korps der Baiern bei Mühl- 
dorf vereinigte; — Ulm am 2ten October, von wo die 
baierische Brigade, zwei Bataillons stark, welche mit 
drei Bataillonen Oesterreicher die Besatzung gebildet 
hatte, **) nach Stadt am Hof zum Korps des Herzog 
*) Die Franzosen leerten, der abgeschlossenen Konvention 
zuwider, das dortige Zeughaus, und verursachten dadurch 
dem baierischen Staate auf's Neue einen sehr gering an- 
geschlagenen Verlust von 205,502 fl. 50 kr. (S. KFriegs- 
Kommisssons= Acten.) 
**) Die Baiern, unter General Bartels, hatten während 
der Blokade die Retranchements an der Donau, die 
Ziegelschanze und das Ravelin No, 16. zu vertheidigen.
        <pb n="170" />
        Wilhelm zog; — Philippsburg am Zten October, von 
wo sich das bisher dort gestandene 1,022 Mann starke, 
zum Regiment Prinz Pius gehoͤrige erste Bataillon 
Baiern, ebenfalls in die Oberpfalz zum Korps des Her- 
zogs Wilhelm begab.’) Die Franzosen aber began- 
nen, gleich nach ihrem Einzuge in diese Städte, überall 
die Zerstbrung der Festungswerke. Bei Ingolstadt wur- 
den dazu täglich 0,000 Bauern angestellt. 
Fene Verlängerung des Waffenstillstandes von 45 Ta- 
gen war für die baierischen Provinzen nur eine Erwei- 
terung ihrer unermeßlichen Noth. General Moreau 
erkannte dies wohl. Darum suchte er auch Unterhandlun- 
gen anzuspinnen, um das Haus Baiern zu einem Se- 
parat-Frieden mit Frankreich zu bewegen. (Schon am 
10ten September.) Er spiegelte dazu die günstigsten 
Bewilligungen vor, und wandte sich dafür auch an den 
preußi- 
  
sich auch beim Ausfall am 17ten Juli durch ihr ausge- 
zeichnet tapferes Betragen die öffentlich bezeugte Zufrie- 
denheit der österreichischen Regierung erworben. 
*) Die Stärke dieses Korps betrug nun: 
12,648 Mann Infanterie, 
2,612 Mann Kavallerie, 
28 sechspfünder Kanonen, 
&amp; zwölfpfünder Kanonen, 
siebenpfünder Haubitzen, 
70 Munitions-Wagen. 
Nach einer unterm öten November zwischen dem Ge- 
neral-Quartiermeister von Weirotter und dem fran- 
zösischen Obersten Lamargque zu Wels abgeschlossenen 
Konvenrion, wurde die in Philivosburg bisher befindliche 
kurpfälzische Artillerie in das Munchener Zeughaus abge- 
liefert, und als neutral berrachtet.
        <pb n="171" />
        — 161 — 
preußischen Geschaͤftstraͤger, Herrn von Harnier. 
Kurfuͤrst Maximilian Joseph aber, die Groͤße sei- 
nes Leidens vergessend uͤber das, was Ehre, Recht 
und Pflicht geboten, lehnte mit standhaftem Muthe alle 
Antraͤge ab, trachtete seinen armen Unterthanen durch 
Anleihen, unter Gewaͤhrschaft der Staͤnde, Erleichterung 
des Uebels zu schaffen, und mahnte seine Soldaten (in 
einer Proclamation vom Zten September) an die Ge- 
fahren ihres Vaterlandes bei wahrscheinlicher Wiederer- 
dffnung des Feldzuges; an das Unglück, welches der 
Feind schon über den größten Theil des Landes gebracht; 
an den schon erworbenen Ruhm bei schon geleistetem 
Widerstande im Gegensatze der Schmach feiger Unter- 
werfung. Er sprach den Kriegern seine Erwartung auf 
das Ergreifendste aus, daß sie die vom Feinde schon 
überschwemmten Provinzen wieder erobern, den Staat 
Baiern aufrecht halten, das Eigenthum ihrer Mitbürger 
wieder retten würden. 
Die fünf und vierzig Tage waren verstrichen. Die 
Feindseligkeiten wurden erneuert. Augereau begann 
sie (25sten November) bei Aschaffenburg. Er nahm diese 
Stadt nach kurzem Gefecht gegen den Mainzer-Land- 
siurm, unter Baron Albini, welcher hier die Main= 
brücke besetzt hatte, und nach Fulda zurückgieng, und 
nicht wieder auf den Kriegsschauplatz erschien. Drei fran- 
zösische Dioisionen waren gegen Würzburg und Schwein- 
furt vorgerückt, dem General Simbschen, zwischen 
dem Main und der Rednitz entgegen. Die Einnahme 
Schweinfurks zu beschleunigen, setzte Augereau die Di- 
visionen Duhesme und Barbon in Bewegung; eine 
Vorhut derselben gieng oberhalb Würzburg über den 
Main bis Geroldshofen vor. Simbschen, der Würz- 
11
        <pb n="172" />
        — 162 — 
burg verließ, und mit 12, — 15,000 Mann eine Stel- 
lung bei Burg-Ebrach nahm, ward eine Strecke ver- 
folgt; Würzburg durch die Division Dumonceau ein- 
geschlossen, die Stadt zur Uebergabe gezwungen, die 
Citadelle blobirt. 
Simbschen, welcher in seiner Stellung Bamberg 
deckte, und an die Eltmaner= Brücke mit dem rechten Flü- 
gel lehnte, glaubte, als ihn Augereau nur mit der 
Vorhut und der Divisson Duhesme (kten December) 
angriff, die ganze franzdsische Macht vor sich zu haben, 
und verließ nach kurzem Widerstand seinen vortheilhaf- 
ten Stand. Er gieng Nachts (vom Sten zum ten De- 
cember) über die Aisch und Rednitz in die Stellung von 
Heersbruck. So kam er dem General Klenau näher, 
der noch am linken Donau= Ufer zwischen Amberg und 
Stadt am Hof stand, und durch das Corps des Her- 
zogs Wilhelm, zwischen Amberg und Schwarzenfeld, 
unterstützt ward. Eine Brigade, unter dem baierischen 
General Graf Nogarola, hatte der Herzog bis Burg- 
lengenfeld und Regensburg vorgeschoben. 
Nach dem Gefechte bey Burg-SEbrach hatte 
Augereau sein Heer sogleich an die Rednitz geführt, mit 
dem linken Flügel unter Duhesme's Befehl Bamberg, 
mit dem Centrum Vorchheim besetzt, mit dem rechten Fliü- 
gel gegen Neustadt die Kintzinger-Brücke und die Sper- 
rung Würzburgs gedeckt. Seine Streifrotten schwärm- 
ten bis vor Nürnberg. So deckre Augereau zugleich 
auch Moreau's linke Seite, der nun in Baiern ohne 
Gefahr seine Macht zusammen ziehen konnte. 
Es ist aber Zeit, den Blick auf die Stellungen und 
Entwürfe des Erzherzogs Johann und des franzdsis
        <pb n="173" />
        — 163 — 
schen Oberbefehlshabers More au zu werfen; denn diese 
beiden, an der Spitze der Hauptmacht, mußten den 
Ausgang des Feldzugs entscheiden. 
Moreau's Heer erschien zwischen der Isar und 
dem Inn in vier großen Massen oder Zügen, links ge- 
gen die Donau, rechts gegen das Tirol ausgestreckt. 
Lecourbe beobachtete mit dem rechten Flügel die Aus- 
gänge Vorarlbergs und Tirols von Feldkirch bis auf 
der Rosenheimer Straße bei Helfersdorf in Baiern, wo 
seine Vorhut stand. Von da, über die Wasserburger- 
Straße bei Ebersberg hinaus, dehnte sich Moreau. 
Ihm lehnte sich bei Hohenlinden General Grenier an, 
auf der Mühldorfer Straße, welcher das Issener Thal 
beobachtete, die Straßen von Oerting und Eggenfelden 
nach Landshut hütete, und eine kleine Vorhut bei Vils= 
biburg hielt. General St. Suzanne auf dem linken 
Flügel, zwischen der Altmühl und Donau, stellte die Di- 
vision Souham dem General Klenan entgegen, zwei 
andere Divisionen gegen Landshut hin. 
Erzherzog Johann's Stellung hinter dem Inn, 
auf dem rechten Ufer desselben, welches überall das linke 
beherrscht, kennen wir schon. Sie war furchtbar; links 
die Vestung Kufstein, rechts die Festung Braunau im 
besten Vertheidigungsstande. Die Brückenkopfe von Was- 
serburg, Kraiburg, Mühldorf, dann das zwischen dem 
Inn und der Salza liegende Land, von Wäldern und 
Sümpfen durchschnitten, gestatteten keine Entwickelung 
einer schwächern Macht gegen die überlegene. Wenn 
der Erzherzog seine Streitkräfte hinterm Inn an den 
Schluchten Tirols plbtzlich stärkte, konnt' er den rechten 
Flügel des Feindes in Gefahr setzen, ohne für seine 
übrige Stellung hinab bis Passau viel befärchten zu 
11“
        <pb n="174" />
        — 164 — 
muͤssen. Oder es stand auch bei ihm, nur dann erst 
eine Schlacht anzunehmen, wenn er der Durchbrechung 
der franzoͤsischen Stellungen vollkommen sicher war. 
Allein, unzufrieden mit Vertheidigung, schritt er 
zum Angriff. Er faßte den kuͤhnen Gedanken, das ganze 
franzoͤsische Heer zwischen Inn und Isar, Donau und 
Alpen so einzuschließen, daß demselben, durch General 
Klenau, selbst der Ruͤckzug uͤber Muͤnchen und durch 
General Hiller, von Tirol aus, der Ruͤckzug nach 
Augsburg abgeschnitten wuͤrde. Dieß auszufuͤhren, sollte 
der rechte Fluͤgel des oͤsterreichischen Heers, uͤber Vilsbi- 
burg nach Landshut gehend, sich dort des Uebergangs 
der Isar bemaͤchtigen, dann schleunig uͤber Freising gegen 
Muͤnchen ziehend, die Hoͤhen von Dachau besetzen. Von 
der andern Seite sollte der sehr verstaͤrkte linke Fluͤgel 
den vorwaͤrts Landshut stehenden Feind aus seiner Stel- 
lung draͤngen, und das linke Isarufer erreichen. Dieser 
Doppelzug sollte in jedem Fall, und selbst auf die Ge- 
fahr hin vollbracht werden, daß die franzdsische Haupt- 
macht einen Inn= Uebergang zwischen Rosenheim und 
Mühldorf drohen konnte. Denn diesen würde sie wohl 
unterlassen haben, wenn sie sich im Rücken genommen 
sehe. Um aber während der großen Bewegung auf jeden 
Fall den Inn sicher zu stellen, sollten Prinz Conde 
und das würtembergische Kontingent den Fluß bei Rosen- 
heim vertheidigen: sollte das baierische Subsidien-Korps 
den Wasserburger-Brückenkopf mit 0, — 800 Mann, 
den Kraiburger mit 400 besetzen, Stellung in den Ver- 
schanzungen bei Mühldorf nehmen, hier jeden Uebergang 
unmdglich machen, und sich durch ausgesandte Streif- 
rorten links gegen Rosenheim, rechts gegen Braunau mit 
den übrigen Heertheilen in Verbindung halten. Bei
        <pb n="175" />
        — 165 — 
Haag ward der dsterreichische General Löppers mit 
den Vorwachten aufgestellt, durch einige Absendungen 
von Reiterei, leichten Fußvolk und zwei Kanonen des 
baierischen Corps unterstützt. Im Fall aber der Feind 
dennoch über den Inn dränge, bevor der dsterreichische 
rechte Flügel noch die Höhen von Dachau inne hätte: 
so sollte alles, was zwischen Rosenheim und Mühldorf 
aufgestellt wäre, über Burghausen und Tittmoning nach 
Salzburg zurück ziehen. 
Dieß war der Plan. Er sollte schon den 28sten No- 
vember ausgeführt seyn; aber das bbseste Wetter und 
schlechte Wege verzögerten alles so, daß sich die öster- 
reichische Hauptmacht erst am 50sten bei Mühldorf und 
Ampfing versammelt haben konnte. 
Moreau, alles dessen unkundig, doch um über die 
Absichten seines Gegners Klarheit zu erhalten, setzte sich 
am 28sten November überall in Bewegung. Lecourbe 
bemeisterte sich Rosenheims; Decaen schickte Abthei- 
lungen bis Rott am Inn (zwischen Rosenheim und Was- 
serburg); Richepanse griff, nachdem er die Vorpo- 
stenkette geworfen hatte, den Brückenkopf von Wasser- 
burg wiederholt, wenn schon vergebens, an. Es ver- 
theidigten denselben drei baierische Compagnien unter 
Oberstlieutenant Siebein kräftig. — Moreau, wel- 
cher nur. den Zustand der Dinge am obern Inn hatte 
erkunden, und seine Mitte mit der Reserve verbinden 
wollen, ließ es dabei bewenden. Er befahl nun (Zosten 
November) den Generallieutenant Grenier, mit zwei 
Divisionen Stellung auf den Ampfinger Höhen zu nehmen. 
Grenier wollte seine Abtheilungen en ECchellon auf 
der Mühldorfer Straße aufstellen, und rechts und links
        <pb n="176" />
        — 166 — 
dann, zwischen dem Inn und der Issen, die vortheil- 
haftesten Punkte, Aschau, Roͤmering, Haun, Kirchbrunn 
und Rattenkirchen besetzen. Die erste Division, gleich- 
sam als rechter Fluͤgel, unter Anfuͤhrung Ney's, ver- 
folgte ihre dem Inn naͤhere Bewegung laͤngs der Hoch- 
straße ungestoͤhrt; hingegen die andere Division, un- 
ter General Legrand, welche sich durch's Issenthal 
ziehen sollte, stieß am Eingang desselben, bei Dorfen, 
ganz unerwartet auf die Vorhut des großen österreichi- 
schen Heers. 
Denn an demselben Tage war des Mittags Erzher- 
zog Johann mit seiner Hauptmacht in drei Kolonnen 
angekommen, mit der mittlern und linken, geführt vom 
Generallieutenant Riesch bei Erharding schon über die 
Issen gegangen, und hatte die rechte am andern Ufer 
des Flüßchens, unter General Baillet gelassen. Gene- 
ral Kienmair war mit 20,000 Mann über Vilsbiburg 
gegen Dorfen gekommen, und warf nun die franzdsische 
Vorhu hier gegen Landshut. Er war es, der eigentlich 
Moreau's linke Seite umgehen, und zu welchem Ge- 
neral Klenau stoßen follte, der von der Donau her 
in diesen Augenblicken ebenfalls gegen Landshut rückte. 
Folgendes Tags (sten December) entwickelte der 
Erzherzog die Massen seines Fußvolks in der Ebene 
von Ampfing, griff Grenier's ganze Stellung an, 
warf den General Rey mit Ungestümm von den dorti- 
gen Höhen, und vereitelte, indem er sich im Issenthal 
immer mehr entfaltete, und die Rattenkircherberge 
besetzte, Ney's Versuche zur Wiedereroberung der ver- 
lornen Stellung. In nicht geringere Noth gerieth die 
Division Legrand, welcher Grenier seine ganze Re-
        <pb n="177" />
        — 1607 — 
serve, das heißt elne einzige Brigade Fußvolks, zu Hülfe 
schickte. Moreau bemerkte die Uebermacht; ließ den 
General Grenier zum Rückzug mahnen, und diesen 
durch die Division Grandjean unterstützen. Ney 
und Grandjean zogen sich also, nach beträchtlichem 
Verlust, gegen Haag, Legrand, nach unglücklichen 
Gefechten bei Taufkirch und Schwindek, gegen Dorfen. 
Die gegen Landshut zurückgeworfene franzdsische Vorhut 
mußte diese Stadt, nach einem scharfen Gefecht, dem 
ösfterreichischen General Meczieri räumen. 
Hingegen die Vorhut des dsterreichischen Heeres be- 
setzte noch selbiges Tages die Hhen von Ramsau; Kien- 
mair rückte ins Issenthal vor; das baierische Corps 
mußte noch in der Nacht zur Mittelkolonne, oder der 
eigentlichen Reserve des Erzherzogs stoßen, die bei Haun 
stand. Alles war frohen Muthes im kaiserlichen Heer. 
Man glaubte es mit der gesammten Macht des Fein- 
des zu thun gehabt zu haben, und die Vortheile dieses 
Tages wären dann bedeutend genug gewesen. Die 
täuschende Vorstellung, Moreqgu's ganzes Heer sey 
geschlagen worden, wurde dadurch, daß die Franzosen 
am folgenden Tag pldtzlich ihre Stellung bei Haag räum- 
ten, noch mächtiger und allgemeiner. Inzwischen konnte 
doch Erzherzog Johann seine glücklich begonnene An- 
griffsbewegung, am zweiten Decembertag, nicht so rasch 
fortsetzen. Erst Abends 6 Uhr war er im Staude, die 
drei Hauptkolonnen seiner Armee unter den Generalen 
Riesch, Baillet und Kienmair nebt der Reserve 
bei Haag zu vereinigen. Jede der Hauptkolonnen be- 
stand aus vier Regimentern Fußvolks, und eben so viel 
Regimentern Reiterei; die Reserve, zu der auch das bal- 
erische Corps gehdrte, bestand aus 68 Bataillonen Gre-
        <pb n="178" />
        — 168 — 
nadiers, einem Regiment Fußvolk und mehreren Regi- 
mentern Reiterei. Die Heerhaufen Klenau's und 
Mecziery's waren, wie gesagt, ebenfalls angewiesen, 
zu den Hauptunternehmungen mitzuwirken. 
Moreau hatte inzwischen nur die alten Stellungen 
wieder eingenommen, die er ehmals auf der Demarca= 
tions-Linie (nach der Hohenlindner Uebereinkunft) inne 
gehabr hatte. Er kannre da alle Gegenden äußerst genau, 
und sie schienen ihm zur Annahme einer Hauptschlacht 
die beqguemsten. Den linken Flügel unter Grenier, 
ohngefähr 22,000 Mann stark, dehnte er links bis Hart- 
hoffen, rechts lehnte er ihn an das Dorf Hohenlinden, 
seitwiürts durch die Besetzung der Issener und Lendorfer 
Hügelschluchten gedeckt; — die Heermitte unter General 
Grouchy, 10,000 Mann stark, hielt links an Hohen- 
linden, und breitete sich rechts über die Hochstraße längs 
dem Walde, Angesichts des Posthauses, aus; — hin- 
ter dem Dorfe Hohenlinden hatte Grenier die Reiterei- 
Reserve zu seiner Verfügung, doch war davon eine Bri- 
gade noch zur Deckung des linken Flügels und der Ver- 
bindung mit München, die Kien mair von Dorfen 
her bedrohete, nach Erding gesandt. General Riche- 
pause hatte seine Division, rechts von Hohenlinden 
nach Ebersberg, General Decgen die seinige nach 
Zorneding, also anderthalb Stunden von der Heeres- 
Linie entfernt, zurückgenommen. Dieser rückwärts gebo- 
gene rechte Flügel Moreau's bildete eine Masse von 
17,000 Mann. Lecourbe, noch weiter rechts, stellte 
den größten Theil seiner Truppen bei Flammering an 
der Glon, zwischen der Wasserburger= und Rosenheimer= 
Straße auf. Dieß war Moreau's Stellung. Er hatte 
außerdem deuszwei Divissonen St. Suzanne's, welche
        <pb n="179" />
        — 169 — 
uͤber die Donau gegangen waren, befohlen, in Eilzuͤgen 
unfehlbar am Zten Dezember in Freysing einzutreffen, 
um den General Klenau aufzuhalten, welcher schon 
durch Landshut gegangen war. 
10. 
Verfolg der Kriegsereignisse bis zum Luͤne- 
viller-Frieden. 
Beim heftigsten Schneegestoͤber des dritten Decem- 
bertags setzte sich die ganze oͤsterreichische Heeresmacht, 
in drei Hauptkolonnen getheilt, in Bewegung; die Mit- 
telkolonne, bei ihr auch das baierische Corps, auf der 
Straße nach Hohenlinden, voran die Masse des Fußvolks, 
das schwere Geschuͤtz ohne Zwischenraum folgend, die 
Reiterei hinten nach; die linke Kolonne unter General- 
lieutenant Riesch auf der Wasserburger-Straße über 
Albaching und St. Christoph; die rechte, unter General 
Baillet nach Burgrain. Kienmair sollte von 
Dorfen aus in die Anzinger Ebene rücken, wo der Erz- 
herzog das gesammte Heer versammeln wollte. 
Noch immer lebte alles in der Täuschung, Moreau. 
sex im vollen Rückzuge, und werde durch die gegenwär- 
tige Bewegung des Erzherzogs, und durch Klenauf's 
Erscheinung am linken Isar-Ufer genbthigt werden, 
sich wieder bis zum Lech zurück zu begeben. Die Brü- 
ckenkbpffe von Wasserburg und Kraiburg am Inn und. 
die Schanzen bei Mühldorf standen mit baierischen Ab- 
thellungen besetzt, also sicher genug. 
Wege und Witterung waren schlimm. Das verzd- 
gerte das gleichmäßige Vorrücken der beiden Flägel-Ko-
        <pb n="180" />
        — 170 — 
lonnen im Verhaͤltniß zur Mittelkolonne. Diese also 
sorglos weiter voran, an ihrer Spitze zwei baierische Jaͤ- 
ger-Compagnien des Majors v. Kesling, stieß des 
Morgens um 3 Uhr, auf die französischen Vorwachten 
der Division Grandjean. Man warf die Vorwachten 
schnell zurück, und griff darauf das anrückende Corps 
des General Grouchy mit größter Lebhaftigkeit an, 
und zwar um so mehr, weil der Erzherzog es nur noch 
mit einer Abtheilung der feindlichen Nachhut zu thun 
zu haben glaubte. Der Angriff verursachte indessen doch 
Stocken des ganzen Zuges. Die Abtheilungen dieser 
Hauptkolonne befanden sich jetzt, in dichte Massen ge- 
drängt, ohne sich ferner entwickeln zu konnen, mit ih- 
rem schweren Geschütz, in den langen Durchgängen des 
Hohenlindner Waldes. Weil jedoch Grouchy'’'s Didvi- 
sion so großer Macht nicht gewachsen war, und wirklich 
die Spitze der österreichischen Kolonne sich schon vor 
dem Walde auszubreiten begann, eilte Grandjean zur 
Hülfe. Der vereinigte Angriff von beiden zwang die 
Oesterreicher wieder in den Wald zurück. Der Erzher- 
zog lies eine Grenadier-Brigade und drei Bataillons 
der baierischen Brigade Deroy zur Unterstützung der 
Kolonnenspitze vorrücken. Aber auch die entschlossenste 
Tapferkeit dieser Truppen machte es nicht mdglich, durch- 
zubrechen, und dem Heerhaufen einen Raum im offenen 
Felde zu gewinnen. 
Wie hier die Mittelkolonne, ward auch die des rech- 
ten Flügels auf den Anhöhen von Burgrain durch den 
Angriff des Generals Grenier festgehalten. Denn dem 
General Moreau lag das Höchste daran, die Oester= 
reicher in diesen unbequemen Stellungen so lange zu 
fesseln, bis die Division Richepanse seinen Auftrag
        <pb n="181" />
        — 171 — 
vollzogen haben wuͤrde. Er hatte naͤmlich diese Division 
in der Stille von Ebersberg nach Mattenpoet, in den 
Rücken der österreichischen Mittelkolonne, ausgeschickt. 
Schon um 7 Uhr Morgens war Richepanse mit 
der Hälfte seiner Division über St. Christoph hinaus, 
als auch die linke Flügelkolonne des Erzherzogs dort eben 
aus dem Albachinger Thal hervor auf die Wasserburger 
Straße trat, nun den hintern Theil der Division von 
der Seite angriff, und sie für den Augenblick von den 
Vorangegangenen abschnitt. Richepanse, im Gefühl 
der Wichtigkeit seines Auftrags, überlies aber die ange- 
griffenen Schlachthaufen ihrem Schicksal und der Klug- 
heit des Generals Drouet, setzte mit den ihm geblle- 
benen 6,000 Mann im stärksten Schneegesibber, den Zug 
fort; verirrte sich, und kam endlich doch zu Mattenpoet 
an. Hier, etwas unterhalb und vor dem Oorfe, auf 
den Höhen, in Schußweite und gleichlaufender Linie mit 
der Hochstraße, stellte er seine Schaar; eine Halbbri- 
gade rechts, ein. Chasseur-Regiment und sechs Kanonen 
in die Mitte, eine Halbbrigade links an den Wald. 
Denn er sah sich gegenüber, auf der andern Seite der 
Straße, sechs Escadronen baierische Chevaurlegers, die 
deren Oberst Dorth führte, um der von Daag heran- 
rückenden gesammten dsterreichischen Reiterei den Auf- 
marsch vorzubereiten. 
General Richepanse, damit er nicht zu lange 
durch die Baiern verzdgert werde, ließ sie sogleich mist 
seinem schweren Geschütz heftig bestreichen. Jene aber 
stürzten unerwartet in wiederholten Angriffen gegen ihn, 
drangen sogar in seine Treffen, und entführten ihm zwei 
Kanonen und eine Haubitze; wahrscheinlich die einzigen 
Trophäen, welche in dieser Schlacht vom Heer der Deut-
        <pb n="182" />
        — 172 — 
schen erbeutet wurden. Ergrimmt ließ Richepanse 
sein Chasseur= Regiment gegen die Baiern ansprengen, 
um sie aus ihrer Stellung zu werfen. Dieß mißlang 
aber so gänzlich, daß er, nach bedeutendem Verlust, da- 
Lon ablassen mußte, und sich nun, ohne weitern Zeit- 
verlust, links in die Waldungen, und auf die darin befind- 
lichen eingeengten Züge der Oesterreicher warf. 
Zu spät wurde Erzherzog Johann auf das Kano- 
nenfeuer bei Mattenpoet aufmerksam. Er ordnete zwei 
Bataillons Baiern unter deren Obersten, Grafen Reuß, 
zu einer Seitenbewegung gegen St. Christoph ab. Diese 
aber wurden nach heftigem Widerstande mit großem Ver- 
lust auf die Hochstraße zurückgetrieben. Und nun begann 
Richepanse mit seinem schweren Geschütz das lebhaf- 
teste Feuer gegen die österreichische Kolonne, die in ih- 
ren Bewegungen durch die zahlreich hinten folgende Ar- 
tillerie gehemmt, und vorn an der Spitze durch Grouchy 
und Grandjean gedrängt war. 
Generallieutenant Zweybrücken, die linke Seite 
seines kleinen Heerhaufens zu schützen, schickte das Ba- 
taillon Preysing in den Wald, und, um sein Geschütz 
zu retten, den General Wrede mit zwei Bataillonen 
ab. Richepanse aber stürmte auf dieß Fußvolk mit 
seiner ganzen Masse ein. Die Baiern konnten wegen 
der ungeheuren Menge von Wagen und Kanonen sich 
weder aufstellen, noch irgend eine zusammenhängende 
Bewegung machen. Die Verwirrung der hier mit Ver- 
zweiflung Fechtenden ward jeden Augenblick größer und 
allgemeiner, und lösete sich nun um so mehr endlich in die 
regelloseste Flucht auf, da General Ney die Spitze der 
ganzen Kolonne am Eingang des Waldes ebenfalls zu- 
rück schob, und zum Weichen brachte. Fußvolk und
        <pb n="183" />
        — 173 — 
Reiter stärzten durch einander rechts in die Hohenlind- 
ner Waldungen, und liessen dem Feinde 87 Stück bster- 
reichischen und baierischen Geschützes, und dessen Reserve 
zum Raube. 
Generale und Hauptleute verschwendeten umsonst 
Drohen und Bitten, ihre Mannschaft beisammen zu hal- 
ten. Die Zuversicht derselben war gänzlich gewichen. 
In der Schlacht entscheidet die Seelenstimmung des 
Kriegsvolks dfter noch, als Tapferkeit und Feldherrn- 
kunst. Hier wirkte nicht nur die unbehülfliche Stellung 
in Waldwegen und des Feindes Muth, sondern auch die 
Enträuschung und Ueberzeugung, daß Moreau nicht 
auf die Flucht, sondern auf die Hauptschlacht bedacht 
gewesen sep; es wirkte das Dunkel des Schneewetters 
und Waldes, welches die Zahl und Ordnung des Fein- 
des zu verbergen schien; es wirkte der Gedanke auf al- 
len Seiten überfallen und angegriffen zu werden. 
Wir wenden den Blick, als dem Hauptzweck dieser 
Geschichte gemäß, auf das Schicksal der Baiern. So- 
bald dem General Wrede, beim Anblick der allgemei- 
nen Unordnung, klar ward, hier sepy auf dem Schlacht- 
felde selbst nichts mehr zu gewinnen, hatte er die Gei- 
stesgegenwart, seine Brigade, die schon ungemein gelit- 
ten hatte, von der Hochstraße wegzuziehen, und in eine 
seste Schaar zu bilden. Es gelang, doch nicht ohne 
höchsten Aufwand der Kraft, und nicht ohne Gefahr, 
mitten unter den Feinden. Einen franzdstschen Solda- 
ten, der schon auf ihn angelegt hatte, stach er mit eige- 
ner Faust nieder. Er machte Halt, sammelte nach und 
nach eine Menge versprengter Reiter und Fußgänger, 
auch den groößern Theil von der Grenadier-Oivision der 
Oesterreicher zu sich, Und gewann auf solche Weise einen
        <pb n="184" />
        — 14 — 
kleinen Heerhaufen von 6,000 Mann. Diesen fuͤhrte er 
zuruͤck nach Dorfen und in voller Ordnung. Wrede's 
Erscheinen daselbst, man hatte dem Erzherzoge Johann 
schon seinen Tod als gewiß gemeldet, erregte diesem 
Fuͤrsten freudiges Erstaunen. Der Erzherzog selbst hatte 
sich, waͤhrend der Schlacht, den groͤßten Gefahren uner- 
schrocken ausgesetzt, und waͤre beinahe gefangen worden. 
Als er die Mittelkolonne seines schoͤnen Heers vernichtet 
sah, es mochte Mittag seyn, hatte er den Ruͤckzug zum 
Inn, gegen Muͤhldorf befohlen. 
Noch schlugen sich fortwaͤhrend die Fluͤgelkolonnen 
mit größter Hartnäckigkeit, als auch ihnen der Befehl 
zum Rückzug kam. Sie traten ihn, unverfolgt vom 
Feinde, an. Noch am nämlichen Tage eilte alles, was 
von der Heermitte übrig geblieben war, und ein Theil 
des linken Flügels gegen Krapburg und Mühldorf, dann 
später dort über den Inn. Der übrige Theil des lin- 
ken Flügels unter General Riesch gieng über Wasser- 
burg. Ihn hatte, wie wir erzählt haben, zuerst bei 
St. Christoph der General Drouet gehalten, dem nach- 
her Decaen mit seiner Division zur Unterstützung ge- 
kommen war. Der rechte Flügel unter Kienmair 
und Baillet gieng in fester Ordnung bei Mühldorf 
und Oetting über den Inn. Der baierische General 
Zweybrücken sammelte, mit Ausnahme der Brigade 
Wrede, die Ueberbleibsel seines Corps, das unter allen 
Abtheilungen des gesammten Heers gewiß am stärksten 
gelittren hatte, zuerst bei Ramsau, dann, in der Nacht 
bei Mühldorf, wohin auch Wrede gieng. 
So endete die Schlacht bey Hohenlinden, für Oe- 
sterreich mit einem Verlust von 170 Offzieren und 
11,000 Mann, nebst 37 Stück Geschützes. Das baie-
        <pb n="185" />
        — 175 — 
rische Corps, welches die Hauptangriffe der Franzosen 
empfangen hatte, verlor fast den groͤßten Theil seiner 
Artillerie, und gegen 5,000 Mann an Todten, Ver- 
wundeten und Gefangenen, unter den Gefangenen auch 
den verwundeten General Deroy mit 33 Offizieren. 
Doch selbst nach dem Geständniß des Feindes und im 
Lobe des dsterreichischen Oberfeldherrn, rettete es das 
Edelste: den Ruhm seiner Tapferkeit. ) Die Franzo- 
sen zählten ihrer Todten und Verwundeten nur 2500 
Mann. 
Moreau säumte nicht den Sieg zu verfolgen, und 
rückte zum Inn, dessen linkes Ufer von den Oesterrei- 
chern verlassen war. Diese beschränkten sich auf Ver- 
theidigung der Brückenkdpfe und der Schanzen des rech- 
ten Ufers und hatten ihre Reserve und Reiterei zwischen 
der Alza und Salza, bis Hohenwart unterhalb Burg- 
hausen, zurückgezogen. Dem Erzherzoge ward somit am 
Inn, dann hinter diesem an der Alza, und wieder hin- 
ter dieser, an der Salza, eine dreifache Vertheidigungs- 
)General LZwepbrücken ehrte in dem officiellen Be- 
richte über diese Schlacht pflichtmäßig das vorzügliche Be- 
tragen der Generale Deroy und Wrede, des Obersten 
Grasen Reuß, sämmtlicher Offiziere der reitenden Artil- 
lerie, an ihrer Spitze den Hauptmann von Schweini- 
chen, von dem Chevaurlegers-Regimente die Rittmeister 
Laroche, Bourgscheidt und Graf Seissel, die 
Lieutenants Biarowskvy, Hugenpoet, Zandt, Bie 
ber, Gattung, Eisenberg und Gervinus, den 
Oberfeuerwerker Halter, den Kanonier Friedrich, 
die Chevaurlegers Wachtmeister Seiffert und Mols- 
berger, den Korvoral Vollkomm, die Gemeinen Jane# 
[en, Königs, Weck, Fleischmann und Eberts an.
        <pb n="186" />
        — 170 — 
Linie. Er stellte die Division Baillet zwischen Was- 
serburg und Altenmarkt, bei Obing an der großen Straße 
von Salzburg; die Division Riesch auf die von Ro- 
senheim nach Altenmarkt führende Straße bei Hartmanns- 
hof und Stephanskirchen; die Divisson Kienmair 
nebst dem balerischen Bataillon Spretti in die Mühl- 
dorfer-Verschanzungen. General Meczierp hingegen 
war durch die Bewegung der Franzosen unter General 
Legrand, über Neumarkt und Eggenfelden, auf der 
Straße nach Passau, bis Prombach verschlagen worden. 
Dem baierischen Corps hatte man, um sich erholen zu 
konnen, in den Umgegenden von Straßwalchen und 
Neumarkt, im Salzburgischen, Ruhedrter angewiesen. 
Dieß war die Stellung des Erzherzogs, zwei Tage 
nach der Schlacht, als Moreau vor dem Inn erschien. 
Er hatte nur die Reserve-Reiterei mit General Haut- 
poult bei Hohenlinden gelassen. Auf dem linken Flä- 
gel hatten sich die Abtheilungen des Generals Collaud, 
nachdem Klenau durch sie von Frepsing zurückgedrängt 
worden war, über Erding wieder mit Legrand und 
Ney in Verbindung gesetzt, die, über die Issen gegan- 
gen, Stellung zwischen Liebbruck und Steig genommen 
hatten, mit einem Rückhalt (Division Bonnet) auf den 
Schwindecker Höhen. Richepanse stand vor Romering 
und mit der Vorhut in Ampfing. Grouchy beobach- 
tete auf der Haager-Straße den Punct Krayburg. De- 
caen blokirte den Brückenkopf von Wasserburg. Le- 
courbe, ganz am rechten Flügel, hielt Rosenheim be- 
setzt, und dehnte sich bis zwei Stunden von Kufstein aus. 
Es siel in die Augen, daß da, wo Lecourbe stand, 
die Strellung der Oesterreicher am ersten durch einen Ue- 
bergang über den Inn gefährdet werden konnte. Hie-
        <pb n="187" />
        — 17 — 
her mußte der Erzherzog seine ganze Kraft ziehen, wie 
drohend auch die Vorrichtungen zu einem Uebergang und 
Angriff bei Krapburg und Mühldorf von Moreau vor- 
gespiegelt wurden. In der That ließ sich der Erzherzog 
nicht irren. Aber ehe er noch seine Gegenbewegungen 
vollenden konnte, stand schon der weitaus grdßte Theil 
der franzdsischen Kriegsmacht in der Nähe von Rosen= 
heim (Zten December), wo freilich die Innbrücke von 
den Oesterreichern abgebrannt war. Ueberall hatten aber 
die französischen Divisionen auf den alten Standorten 
zur Täuschung kleine Abtheilungen zurückgelassen, und 
Grenier, vor Mühldorf zurückgeblieben, hatte sogar 
seinen linken Flügel über die Issen gegen Braunau und 
Schärding hingedehnt, dort die feindliche Uebermacht 
zu beschäftigen oder zu beobachten. 
Aber plotzlich in der Nacht vom Ztken zum #ten De- 
cember führte Moreau seine Hauptmacht von Rosen- 
heim aufwärts am Inn, sammelte sich bei Neubeurn, 
wo Lecourbe Morgens 0 Uhr auf Schiffbrücken über 
den Inn gieng, und die schwachen Posten der Oesterrei= 
cher gegen Stephanskirchen zurückdrängte. Nun folgten 
die Heerhaufen Grouchy's und Decgen's. Riche- 
panse blieb vor Rosenheim. 
Das Corps des Prinzen Condé, drei Regimen- 
ter Oesterreicher, die Würtemberger, sammelten sich, 
12,000 Mann stark, schnell auf den Höhen bei Ste- 
phanskirchen und Gdckering, links an den Simmsee, 
rechts an die Rosenheimer Höhe gelehnt. Ihnen war 
die Vertheidigung des Inns von Kufstein bis Wasser- 
burg anvertraut. Lecourbe wollte sie dort am folgen- 
den Morgen angreifen lassen. Aber schon in der Nacht 
zuvor hatten sie ihre Strellung, mit der sie die Straße 
12
        <pb n="188" />
        — 178 — 
von Rosenheim nach Salzburg deckten, verlassen, und 
sich nach Endorf zurückbegeben. Hier stießen die ersten 
Truppen-Abtheilungen zu ihnen, welche der Erzherzog 
vom weit entfernten rechten Flügel seines Heers, der 
am wenigsten gelitten hatte, zur Verstärkung des Lin- 
ken gerufen hatte. Jene kamen nun zu spät. Der 
Uebergang war vollbracht. Die Oesterrelcher zogen ssch 
gegen Altenmarkt an die Alza; dahin zur Alza auch die 
übrigen Heerhaufen des Erzherzogs, vom rechten Inn- 
Ufer zurück. Auf allen Punkten folgten die Franzosen. 
Am sc#ten December stand Moreau's gesammtes Heer 
auf der rechten Seite des Inn. 
Dem Erzherzoge blieb jetzt nur eine Stellung an 
der Salza, von Braunau bis Salzburg. Wären die 
Zwischenpuncte Burghausen, Tittmaning und Laufen zur 
Vertheidigung hinlänglich befestigt gewesen, würde die 
Stellung Stärke genug gehabt haben. Allein theils war 
dies nicht der Fall, theils lies Moreau keine Zeit, sich 
dort aller Vortheile zu bemächtigen. Schon war Le- 
courbe, in immerwährendem Gefechte mit der Nach- 
hur seines Feindes, diesem bis Seebruck, bis Traun- 
stein gefolgt; war vor dem Dorfe Salzburghofen auf 
15,000 Mann, meistens dsterreichischer Reiteèrel gestoßen 
(lcten December), und hatte sie aus ihrer trefflichen 
Stellung, zwischen dem Salza-Ufer, und dem Gehdlz 
längs demselben, verdrängt, indem er gegen Felodkirch 
und auf der Straße nach Laufen mit seinen beiden Flü- 
gel-Divisionen eine heftige Bewegung machte, und 600 
Oesterreicher und 5 Kanonen nahm. Moreau selbst 
gieng ungeachter des verzweifelsten Widerstandes, den 
er erfuhr, mir den Oivisionen Decaen und Riche- 
panse (Iöten und 14ten) zwischen Laufen und Salz-
        <pb n="189" />
        — 179 — 
burg, eben so Grouchy und Grenier zu Laufen, 
selbst uͤber die Salza. 
Erzherzog Johann stand an eben diesem Tage (14ten 
December), mit 10,000 Mann vom Kern seines Heeres, 
bey Salzburg, vortheilhaft aufgestellt. Lecourbe, 
durch einen starken Nebel uͤber Zahl, Stand und Bewe- 
gung der Oesterreicher, die er im Ruͤckzuge begriffen waͤhnte, 
getaͤuscht, entfaltete sich auf der Ebene vor dem Dorfe 
Waal. Aber mit großem Verlust mußte er, nach lan- 
gem Widerstande, zuruͤck uͤber die Saala weichen. Doch 
Erzherzog Johann konnte seine hier errungenen Vortheile 
nicht benutzen, weil sich Moreau's rechter Flügel, von 
Laufen her, ebenfalls schon nach Salzburg vorstreckte. 
Also setzte er in folgender Nacht seinen Rückzug gegen 
den Traunfluß fort, und die Franzosen rückten (15ten 
December) in Salzburg ein. 
Moreau, unbekümmert um das, was auf seinen 
Flügeln, oder was hinter ihm vorgieng, verfolgte festen 
Schrittes den Rückzug der österreichischen Hauptmacht 
gegen Linz. Ihre Nachhut ward vom General Riche- 
panse bei Inndorf ereilt und (10ten December) mit 
Verlust von 1,000 Gefangenen zurückgeworfen. Wäh- 
rend Lecourbe fort und fort längs dem Gebirge den 
linken Flügel der Oesterreicher ängstigte, bedrohte Gres 
nier, der Braunau hatte einschließen lassen, auf der 
Welser= Straße zur Traun ziehend, den rechten Flügel. 
Fast jeder Tag hatte sein blutiges Gefecht, wie bei 
Frankenmarkt (17ten December), Vdklabruck (181en De- 
cember) Schwanstadr und Lambach. Nach dem Gefechte 
bei letztgenannter Sradt giengen (20sten December) die 
Desterreicher über den Traun-Fluß. Aber auch die 
12 *
        <pb n="190" />
        — 180 — 
Franzosen schritten bei Lambach am nämlichen Tag 
hinüber. 
Das baierische Korps war aus dem Salzburgischen 
den rückgängigen Bewegungen des kaiserlichen Heers 
über Voklabruck, Wels und Ottesheim gefolgt. Ge- 
neral Zweybrücken mußte darauf das linke Donau- 
Ufer bei Linz, von Landöhaag bis Gallnenkirchen, be- 
setzen. Er legte zwei Bataillone und eine Escadron in 
die Vorstadt von Linz, und zog von hier eine Postenkette, 
links bis Karlsdorf, rechts bis Feldkirchen. Hier aber 
war's auch, wo die schon früher angesponnenen Unter- 
handlungen wegen der Rückkehr dieses Corps nach Bai- 
ern, und seiner Vereinigung mir den Truppen des Her- 
zogs Wilhelm bei Amberg, zum ziel gelangten. Kurs 
fürst Marimilian Joseph wünschte die Rückkehr, theils 
um diesen fast aufgeriebenen Heerhaufen wieder vollzäh- 
lig zu machen, theils um auf jeden Fall in einer so ver- 
hängnißvollen Zeit Mittel zu gewinnen, für die Selbst- 
siändigkeit und das Interesse Baierns mit Nachdruck zu 
handeln, wenn es der Augenblick gebdte. — Als nun eben 
jetzt Erzherzog Karl ankam, und den Oberbefehl des oͤster- 
reichischen Heeres übernahm, gestattete er die Heimkehr 
der Baiern. Karl war, nach Verlust der Traun-Linie 
überzeugt, daß nichts, als schleuniger Friede, die Haupt= 
stadt des dsterreichischen Kaiserstaates vor feindlicher Ein- 
nahme bewahren konne, und hatte zu Steyer . 25en 
December) einen Waffenstillstand mit Moreau geschlos- 
sen. Am 30sten December brach General Zwepbrui- 
chken also auf, und kam 15ten Jännere 1801 mir sei- 
nen Baiern über Passau nach Cham. Diese Tapfern, 
jetzt auf eine geringe Zahl zusammengeschmolzen, ver- 
dienten nun wohl noch in vollerm Maße das Lob, wel-
        <pb n="191" />
        — 181 — 
ches ihnen vor einem halben Jahre der bevollmaͤchtigte 
brittische Minister Wikham ertheilt hatte. *) 
  
*) Folgendes ist die Uebersetzung der französischen Note, wo- 
rinn der englisch= bevollmächtigte Herr Minister Wick- 
ham am 20sten Juli 1800 dem churpfalzbaierischen Sub- 
sidien-Corps die höchste Zufriedenheit Gr. königlich= große 
brittanischen Majestät über das Verhalten des Corps in 
den vorgefallenen Gefechten seit Eröffnung des Feldzu- 
ges bekannt machte. 
„Der königlich= großbrittanische bevollmächtigte Minister, 
und Kommissär bei der kauiserlich= königlichen, und alliire 
ten Armee in Deutschland, hat von Sr. königlichen Majes 
siät seinem gnädigsten Herrn den Auftrag erhalten, dem 
churpfalzbaierischen Subsidienkorps höchst Sr. Majestät 
Knädige Zufriedenheit über die bezeigte Tapferkeit und 
gute Disciplin zu erkennen zu geben, durch welche sich 
das Korps in den verschiedenen Gefechten, welchen es 
seit der Eröffnung des Feldzuges beiwohnte, ausgezeichnet 
hat; vorzüglich die Generalmajor Freyherr von Wrede- 
sche Brigade bei Möskirch und Memmingen, und das 
ganze Corps bei Neuburg; auch ist der unterzeichnete be- 
auftragt, dem Herrn Generallieutenant Freyherrn von 
ZSwepybrücken, den Herrn Generalmajors von De- 
rop, Freyherrn von Wrede und von Triva, dem oOf- 
fizier-Corps, und sämmtlichen Gemeinen, nicht minder 
dem Herrn Obersten von Prohaska, und den ubri- 
gen bei dem Subsidien-Corps zugetheilten Herrn Öffie 
ziers vom kaiserlich= königlichen General-Quartiermeister- 
stab den Dank Sr. königlich großbrittanischen Majestät 
für ihr bei den verschiedenen Gelegenheiten bewiesenes 
Wohlverhalten zu bezeigen., 
Gr. königlich großbrittanische Majestät bewunderten vore 
züglich die Geduld und Standhaftigkeit, mit welcher die 
Unteroffiziers und Gemeine nach dem Bepyspiele ihrer Herrn
        <pb n="192" />
        — 182 — 
Der Waffenstillstand zu Steyer war für Oesterreich 
um so dringender geworden, als das franzdsische Kriegs- 
heer, auch schon über die Eus, Ipp und Erlaph gegan- 
gen, sich gegen Wien bewegte. Moreau war eben 
im Begriff, sein Hauptgelager von Kremsmünster nach 
Steper zu verlegen, als Erzherzog Karl die Waffenstill- 
stands= Vorschlüäge machte. Am Frieden war selbst nicht 
länger mehr zu zweifeln. Denn durch den Waffenstill- 
stand erhielt Moreau, daß ihm die Festungen Schar- 
nitz, Kufstein und Braunau übergeben wurden; daß 
Tirol von den Oesterreichern geräumt werden mußte; 
daß die franzsischen Vorwachten nur noch zwei Tag- 
märsche von Wien entfernt standen; daß der rechte Flü- 
gel die Straße nach Steyermarkt und Kärnthen im Be- 
sitz behielt, und folglich jeden Augenblick seine Vereini- 
zung mit dem franzdsischen Heere in Italien vollender 
konnte. 
  
Offiziers die Strapaßen und den Mangel, eine unver- 
meidliche Folge der Kriegs-Vorfälle, ertragen haben. 
Se. königlich= großbrittanische Majestät haben weiters. 
zu befehlen geruhet, gesammtem Subsidien-Korps die ge- 
wissesten, und feierlichsten Versicherungen, welche Sschon 
Er.Nchurfürstlichen Durchlaucht gemacht worden sind, hier 
zu wiederholen, daß, so lange solches Sr. königlichen Ma- 
jestät zur Disposstion verbleibet, es nicht anders, als mit 
der kalserlich= königlichen, und Reichs-Armce, zur Ver- 
theidigung Deutschlands, dessen Erhaltung im unzertheil- 
ten Justande Gr. königlichen Majestät am meisten am 
Herzen liegt, gebraucht werden solle. 
Im kaiserlich königlichen Hauptquartier in Altdttingen, 
den 26ten Juli 1800. 
Wm. Wickham.
        <pb n="193" />
        Roch aber muͤssen wir auf die Schicksale von zwei 
andern kleinen Heeren, die fuͤr sich vereinzelt handelten, 
zurückblicken, während Moreau seinen Siegesgang längs 
der Donau gegen Wien gieug, nämlich auf Augereau's 
Heer an der Rednitz, und Macdonald's Zug durch 
Graubündten. 
Es war für Moreau's freieres Spiel allerdings 
von großer Wichtigkeit, daß Augereau, der nach dem 
Gefechte bei Burg Eberach, und nachdem er die BVeste 
Marienberg eingeschlossen hatte, nicht mehr als 10,000 
Mann hatte, die Generale Klenau und Simbschen 
am linken Donaus Ufer fest hielt, deren jeder wenigstens 
eben so stark war, als er allein. Seine Absicht zu er- 
reichen, war Augereau ans rechte Rednitz= Ufer ge- 
gangen, und hatte sich da zwischen Forchheim und Nürn- 
berg zusammengezogen, 
Klenau und Simbscher beschlossen ihn zu schla- 
gen; jener, von Regensburg aus mit 10,000 Mann, 
Augereaues rechten Flügel, dieser mit 12,000 Mann, 
von den Ufern der Pegnitz her, den linken Flügel anzu- 
p fallen. Herzog Wilhelm bei Amberg bewies sich willig, 
das Unternehmen, als Reserve, je nach Beschaffenheit 
der Umstände zu unterstützen. Sobald aber der franzd= 
sische Feldherr von diesen Entwürfen theilweise Anden- 
tungen empfieng, verwandelte er die Belagerung der Feste 
Marienberg in bloße Sperrung, nahm von den dorti- 
gen 5,000 Mann, soviel er konnte, zur Verstärkung sei- 
ner Schlachtlinie, stellte seinen rechten Flügel unter Ge- 
neral Barbou bei NRürnberg, seinen linken unter Ge- 
neral Duhesme zwischen Forchheim und Gräfenberg 
auf, und erwartete seine Gegner. Sie kamen und grif-
        <pb n="194" />
        — 184 — 
fen mit Nachdruck an (18ten December); doch gewannen 
sie nicht mehr, als daß sie ihn zwangen, in seine fruͤhere 
Stellung an's linke Ufer der Rednitz zuruͤckzukehren, 
Barbou hinter Nuͤrnberg, Duhesme nach Neukir- 
chen, Hauptgelager und Reserve nach Herzogenaurach. 
Ein zweiter mit Gluͤck gekroͤnter Angriff Simbschen's 
in drei Kolonnen bei Neukirchen (21sten December) be- 
wirkte, daß sich Augereau bis Baiersdorf und Forch- 
heim zuruͤckzog, und Barbou nach gaͤnzlicher Raͤu- 
mung Nuͤrnbergs, Stellung bei Jach nahm. Mehr aber 
konnte nicht bewirkt werden. Denn die Ereignisse bei 
Hohenlinden und am Inn, und St. Suzanne's gegen 
Regensburg und Passau zuruͤckgelassene Division riefen 
bald darauf den General Klen au an die Donau, den 
General Simbschen an die Pegnitz zurück, und Au- 
gereau nahm von neuem die Stellung am rechten Ufer 
der Rednitz und in Nürnberg, bis zum Waffenstillstands- 
Vertrag ven Steyer. Dann dehnte er sein Winterlager 
von Nürnberg aus über Bamberg, Lichtenfels, längs 
der preussischen und sächsischen Neutralitätslinie. 
Schwieriger noch, als Augereau's Aufgabe, war 
die des General Macdonald. Er sollte mitten im 
Winter durch Graubündten mit 15,000 Mann die hoch- 
sten Alpen übersteigen, Tirol bedrängen, und im Noth= 
fall zur Unterstützung des franzbsischen Heers in Italien 
nahe seyn. Anfangs längs dem Rhein von Chur bis 
Rheineck aufgestelle (18ten November) drohte er bald 
über Feldkirch gegen Vorarlberg, bald über Davos ge- 
gen Engadin; dann wandte er sich rasch aufwärts über 
Thusis, das Schamser-Thal und den Rheinwald zum 
wilden Splügenberg. Er überstieg ihn (iten bis Sten 
December) durch tiefen Schnee in rauher Witterung,
        <pb n="195" />
        Am öten December stand er mit seigem ganzen Heere 
jenseits bey Chiavenna. Baraguay d'’HHillers zog 
voran ins offene Veltlin, während General Morlot 
schon in's Ober-Engadin niedergestiegen war. Zwar 
acht Compagnien des Letztern, die bis Scamfs und 
Zutz vergesandt waren, wurden durch nächtlichen Uebere 
fall von der Vorhut des General Auffenberg, die 
General Bachmann befehligte, gefangen genommen. 
Aber alles ersetzte Macdonald's Vorrücken in VWeltr 
lin und seitwärts nach Italien in's Val Camonica. 
Denn Brune, der franzbsische Oberbefehlshaber 
in Italien, der mit 60,000 Mann zwischen dem P 
und den Thälern des Brescianischen Hochgebirgs dem 
kaiserlichen Feldheren Bellegarde gegenüber stand, 
sobald er die Ankunft von Macdonald's Schlachthau- 
fen im Val Camonica vernahm, trug sogleich seinen 
linken Flügel kühner vom Idro-See und dem Bergstrom 
Caffaro zum Mincio vor. Um jedoch Brune's Bewer 
gungen noch krästiger zu befdrdern, und des obern Ca- 
monicathals Meister zu werden, sandte Macdonald 
den General Vaux hinauf in das grause Gebirgslaby- 
rinth von Bormio, zwischen Veltlin, Tirol und den 
venedischen Alpenthälern. Dort, wo durch den südwest- 
lichen Arm des Furba-Thals ein Weg über den Tonal- 
berg in's Pal= Camonica führt, standen 5,000 Oester- 
reicher am Tonal verschanzt. Umsonst füürmte General 
Vaux im nächtlichen Ueberfall (vom 22sten zum 2östen 
December) diese Schanzen; umsonst sie, acht Tage spä- 
ter, General Bandamme. Die Oesterreicher verliessen 
die starke Stellung nicht eher (Anfang Jänners 1801), 
bis die Wirkungen von Moreau's Fortschritten in Ober- 
Hesterreich auch hier empfunden wurden, bis Bara-
        <pb n="196" />
        — 186 — 
guay d'Hillers im Engadin die Schanzen bei zZer- 
netz erstürmt, den General Auffenberg dort über 
Martinsbruck hinaus verfolgt hatte, und nach Glurenz 
in's Etschthal gedrungen war. 
So lange Brune in Italien nicht seine linke Seite 
vom Gebirge her sicher wußte, konnte er nicht thätiger 
werden. Darum begann er seine Unternehmungen erst 
spät, in der Mitte Decembers. Denn auch sein rech- 
ter Flügel war nur schwach durch eine seitwärts in Tos- 
cana stehende Division gedeckr, wo die neapolitanischen 
Truppen schon bis Sienna gekommen waren, und der Volks- 
aufstand gegen die Franzosen immer allgemelner ward. 
Vor ihm stand, am Mincio, der dsterreichische Ober- 
befehlshaber Bellegarde, zwischen dem Gardasee und 
95, an Streitkräften nicht schwächer, als er, in seiner 
Linie durch drei Festungen und eine furchtbare Menge 
Geschützes vertheidigt. Mit 20,000 Mann stand Ge- 
neral Hohenzollern am jtechten Mincio-Ufer, zwi- 
schen Desenzano und Borgoforte, und die mantuanische 
Besatzung drohte dazu noch, über den Pô her. 
Als nun Bellegarde (I17ten December) durch 
allgemeine Recognoscirung der franzdsischen Stellungen 
und durch eine Scheinbewegung gegen Lonato angriffs- 
weise verfahren zu wollen schien, zauderte Brune nicht 
länger, seinem Feinde zuvorzukommen. 
Er selbst griff (Zusten December) auf der ganzen 
Linie an; drängte die Oesterreicher am Garda= See bis 
unter die Kanonen der Festung Peschiera, und zwang sie. 
sich auf die Höhen von Monzambane zurückzuziehen, 
während General Delmas mit der Vorhut die Stel- 
lungen bei Ponti einnahm. Doch bis Monzambano selbst
        <pb n="197" />
        — 187 — 
mit dem linken Fluͤgel seines Heers vorzudringen, war 
für Brune so lange unmoͤglich, als General Hohen- 
zollern bei Cavriano und Castellano festhielt. Als 
dieser aber vorn und auf der rechten Seite durch Ge- 
neral Moncey angegriffen, und mit einigem Verlust 
nach Borghetto zurückgedrängt war, besetzten die Fran- 
zosen auch Monzambano. Ecben so glücklich waren 
diese auf der Mitte und am rechten Flügel ihrer Schlacht- 
Linie. Denn dort bemelsterte sich Süchet, an der 
Spitze von 13,000 Mann, der Stellung bei Volta, 
die von den Oesterreichern nicht sehr nachdrücklich ge- 
schirmt ward, und am rechten Flügel warf General 
Dupont, nach heftigem Kampfe, den österreichischen 
General Aspre aus Goito zurück. 
Dieß gethan, beschloß Brune über den Mincio 
zu gehen. Der Hauptübergang sollte bei Monzambano 
gemacht, hingegen bei Molino della Volta, gegen Poz- 
zolo über, nur mit geschlagenen Schiffbrücken ein Schein- 
angriff durch den General Dupont versucht werden. 
Brune bestimmte zur Unternehmung den 25sten Tag 
Decembers; doch Umstände nbthigten ihn nachher, erst 
den folgenden Tag zu wählen. Allein er vergaß, diese 
Abänderung dem General Dupont melden zu lassen, 
und Dupont gieng zur bestimmten Zeit über den Min- 
cio, wo er am linken Ufer das dort befindliche schwache 
Corps der Oesterreicher von Pozzolo zurückstieß. 
Zu spät sandte ihm Brune uun Befehl, sich auf 
Vertheidigung der geschlagenen Brücke zu beschränken. 
Dupont war schon zu sehr mit einer Uberlegenen Macht 
des Feindes, die aus der Heermitte der Oesterreicher bei 
Villafranca hieher zu Hülfe gesandt war, in den Kampf
        <pb n="198" />
        — 188 — 
verslochten. General Bellegarde glaubte im Ernst, 
Düpont fuͤhre die Vorhut des gesammten franzoͤsischen 
Heeres, das hier den Uebergang zu erzwingen denke, 
und hielt es fuͤr ein Leichtes, alles zu verhindern, wenn 
er Du ponts Schaaren zuruͤck und in den Fluß stuͤrze. 
Diese fochten zu Pozzolo mit dem Muth der Ver- 
zweiflung. Schen waren sie aber im gefahrvollsten Ge- 
dränge, als ihnen General Süchet mit seinem ganzen 
Corps von Borghetto her zum Beistand eilte, wo er 
nur eine Dioision zurückgelassen hatte. Mdrderisch ward 
nun das Treffen, Pozzolo zweimahl durch die Oester- 
reicher erstürmt, dreimahl durch die Franzosen wieder 
erobert. Die dunkle Nacht brach ein. Dupont be- 
hauptete sich also am rechten Ufer, und Bellegarde 
mußte seine alten Stellungen wieder einnehmen. 
Folgendes Morgens bewerkstelligte Brune den 
Uebergang seiner Hauptmacht bei Monzambano. Um 
0 Uhr schon rückten, über den Fluß gegangen, die 
Schlachthaufen seiner Vorhut gegen Bellegarde's La- 
ger bei Villafranca an, und durchbrachen sogar die 
Mirte des österreichischen Heers zwischen Vallegio und 
Salionzo. Bellegarde zog sich auf den Höhen bei 
diesen Dörfern enger zusammen; mußte aber, nach blu- 
tigem Treffen in der Ebene, die vor den Dörfern liegt, 
gegen Paleggio und Castelnovo, folgendes Tages (Lusten 
December), bei fortgesetzten Angriffen, ins Lager von 
St. Martin unterhalb Verona zurückgehen. Hier rief 
er die im südlichen Tirol stehenden Heerhaufen der Gee 
nerale Laudon und BVukkasowich zu sich. 
Brune aber, indem er hinter sich Peschlera ein- 
schloß, rückte zum Etschfluß, bis vor Verona, ging
        <pb n="199" />
        — i89 — 
(1sten und 2ten Jaͤnner) bei Buffolongo auch über die- 
sen Fluß, ohne Bellegarde's Waffenftillstands-Vor- 
schläge zu hören; ließ seinen linken Flügel an dem Ein- 
gang des Etschthales, und eine bedeutende Masse Rei- 
terei rechts zur Beobachtung Mantua's und Porto-Leg- 
nano's stehen; schritt mit der übrigen Macht gegen 
Verona, und besetzte diese Stadt (Sten Jänner), als sich 
die Oesterreicher in der Nacht vorher aus ihrem Lager 
bei Verona nach Caldiero begeben hatten. 
Die Verlegenheit Bellegarde's wuchs, weil Lau- 
don und BVukkasowich nicht erschienen. Diese aber 
sahen hinter sich den General Macdonald aus dem 
Camonica-Thal schon gegen Trient mit 0,000 Mann 
herabsteigen, wohin, und in das Thal der Brenta, nun 
auch die Generäle Vukkasowich und Stejanich 
eilen mußten. Schon war ihre Nachhut unter General 
Davidowich in beständigem Gefechte mit der franzb- 
sischen Vorhut. Macdonald, dessen übrige Schlacht- 
haufen, die er nicht mit sich führte, durch Glurenz 
und Schlanders nach Meran vorwärts eilten, konnte sich 
um so freyer bei Trient bewegen, da Molitor, von 
Brune's Heer abgeschickt, ihm durch Stellungen am 
Idro-See und bei Salo am Garda-See die rechte Seite 
sicherer machte. 
Jetzt boten die dsterreichischen Feldherren alles auf, 
wenigstens noch die Vereinigung Macdonald's mit 
Brune zu verhindern. Vukkasowich verband mit 
General Davidowich zu Trient einen Theil seiner 
Schaaren, und sandte die übrigen rechts hinab gegen die 
Brenta, zur Verbindung mit Bellegarde's Heer, 
Laudon setzte sich hingegen weiter abwärts zu Marco,
        <pb n="200" />
        unterhalb Roveredo, denn schon streckte Brune's lin— 
ker Fluͤgel sich, unter General Moncey, herauf, 
dem Zuge Macdonald's. entgegen. Laudon ver—- 
suchte Alles, den General Moncey, waͤhrend dessen 
Vorruͤckens uͤber Rivoli, durch Unterhaͤndler bei Dolce, 
bei Alla, zuletzt vor Roveredo, zu verzoͤgern. Es war 
vergeblich. Er mußte zurück und sich unter die Kano- 
nen des Schlosses la Pietra, zwischen Roveredo und 
Trient begeben. Moncey rückte in Roveredo ein (5ten 
Jänner). Hier kamen diesem bald nachher Absendungen 
von Macdonald entgegen, der an demselben Tage 
Trient nach heftigem Widerstande weggenommen, und 
die Oesterreicher gegen den Ursprung der Brenta zurück- 
geworfen hatte. 
Es befand sich Laudon zu La Pietra in der ge- 
fährlichsten Lage. Vor und hinter ihm stand der Feind 
mit Ueberlegenheit; er sah seine Vernichtung vor. Nichts 
konnte ihn, als eine List retten. Sie gelang. Er mel- 
dete dem General Moncey, daß der Waffenstillstand 
wirklich in Italien abgeschlossen sey, daß dem zu Folge 
die Oesterreicher Trient und das Schloß La Pietra über- 
geben, sich selbst aber nach Levico hätten zurückziehen 
müssen. Moncey ließ sich täuschen; Laudon zog un- 
gestdrt ab, und entkam seinem gänzlichen Untergange, in- 
dem er der Brenta zueilte, um das Heer Bellegarde's 
zu erreichen. 
Bellegarde selbst, durch seinen sieghaften Feind 
Schritt um Schritt verfolgt, zog sich von Caldiero zurück, 
nach Villanova (5ten Jänner), dann in die Ebene hinter 
Agno, nach Montebello, wo er vergeblichen Widerstand 
leistete, um Vicenza decken zu können, wo jedoch die
        <pb n="201" />
        — 191 — 
Franzosen schon den achten Tag des Jänners eingezo- 
gen. Er suchte endlich nur die Corps von Landon und 
Vukkasowich aus dem Brenta-Thal an sich zu brin- 
gen. So wich er bis an die Piave. General Brune 
war eben im Begriff, die Nachhut des dsterreichischen 
Heeres von der Piave und dem Hauptheere abzuschnei- 
den, als bei ihm, abgeordnet vom Oberbefehlshaber 
Bellegarde, General Hohenzollern und andere 
Bevollmächtigte zur Abschließung eines Waffenstillstandes 
erschienen. Und dieser ward, nachdem die Franzosen noch 
Treviso besetzt hatten, hier (10ten Jänners) abgeschlossen. 
Vermittelst desselben übergaben die Oesterreicher die Fe- 
stungen Peschiera, Porto Legnano, Ferrara und Ancona, 
späterhin auch (laut der zu Lüneville den 20ften Jänner 
geschehenen Abänderung dieses Waffenstillstandes) noch 
Mantua, und sie behielten für ihre Stellung blos das 
rechte Ufer des Tagliamento. Das französische Heer 
hingegen konnte sich nun vom linken Livenza-Ufer bis 
Linz an der Donau dehnen, wo es sich Moreau's rech- 
tem Flügel anschloß. 
General Macdonald empfieng die Bedingungen 
dieses Waffenstillstandes in dem Augenblick, als er seine 
drei Divisionen an der Etsch aufgestellt, den General 
Auffenberg in Tirol über Meran nach Botzen zurück- 
gedrückt hatte, und im Begriffe war, Brixen und Brun- 
ecken zu besetzen, um sich den Eingang des Drauthales 
aufzuschließen. 
Oesterreich, von feindlichen Schaaren überschwemmt, 
zu kräftigern Widerstand itzt ohne hinreichende Macht, 
erlangte endlich vom Londner Hof, daß derselbe den Kai- 
ser Franz seiner eingegangenen Verbindlichkeiten entließ.
        <pb n="202" />
        — 192 — 
Der Kaiser konnte also, auch ohne England, Frieden 
eingehen mit Frankreich; und er schloß ihn wirklich am 
Oten Februar 1801 zu Luneville ab, nicht nur für sich, 
sondern auch für das deutsche Reich, ohne daß dieses dar- 
um wußte. Billig erstaunten die Fürsten des Reichs, 
doch blieb ihnen nichts übrig, als den Friedensschluß zu 
genehmigen, und ihre Rechte in ähnlichen Fällen für die 
Zukunft zu verwahren. Das aber war ein Werk fran- 
zösischer Staatsklugheit. Buonaparte wollte die Ban- 
den des alten deutschen Staatskörpers, ohnehin schon 
mürbe, allmählig aufldsen. Alle am linken Rheinufer 
gelegenen Länder mußten an Frankreich abgetreten wer- 
den, und die Erbfürsten, welche dadurch verloren, soll- 
ten dafür Ersatz in Deutschland empfangen, eben so in 
Deutschland auch der Großherzog von Toscana für sein 
in Italien verlornes Land. Das war ein Apfel der Zwie- 
tracht unter die Fürsten geworfen. Ihr Mißtrauen ge- 
gen das Reichs-Oberhaupt, ihre Eifersucht untereinan- 
der, mußte Frankreichs Einmischungen in Deutschlands 
innere Angelegenheiten, und Stoff zu neuen Kriegen be- 
fordern. 
Am Ende des Märzmondes und Anfang Aprils zo- 
gen, nach bestätigtem Frieden, die französischen Heere 
an das linke Rhein-Ufer zurück, nachdem die Schleifung 
der Festungswerke von Castel bei Mainz, von Philipps- 
burg, Altbreisach, Kehl, Ehrenbreitstein, Düsseldorf und 
Ingolstadt vollendet waren. 
So ward denn auch das verwüstete Baiern von Freun- 
den und Feinden geräumt, und den Nachwehen seiner 
unermeßlichen Leiden überlassen. Dieser Staat, welcher 
des Feindes erschdpfende Reguisitionen jeder Art hatte 
" befrie-
        <pb n="203" />
        befriedigen, und dessen Heerabtheilungen, wie groß sie 
auch waren, hatte ernaͤhren muͤssen, war dazu noch ge- 
zwungen gewesen, ihm, bis zu seinem Abzuge, mo- 
natlich 550,000 fl. Contribution zu zahlen, und die Un- 
kosten zur Zerstdrung der Festungswerke von Ingolstadt 
und anderer festen Punkte allein zu tragen. Um diesem 
allen zu genugen, waren die kurfürstlichen und Land- 
schaftskassen insgesammt geleert, in= und ausländische 
Anlehen gemacht, sogar aus den Landeêkirchen und 
Klöstern alle entbehrliche Silbergeräthe in die Münze 
geliefert worden. Und dennoch reichte dieß Alles nicht 
yhin, die ungeheuern Bedürfnisse des Tages zu bestreiten. 
Treu aber seinen eingegangenen Verbindlichkeiten, lei- 
stete Kurfürst Maximilian Joseph bei der Versie- 
gung sämmtlicher Hülföguellen, bei der Vernichtung des 
dffentlichen Wohlstandes, das Aeußerste, und brachre 
dem deutschen Reiche, noch bis zum letzten Augen- 
blick, die schwersten Opfer. Welche Aussichten zur 
Entschädigung, ja nur zur Selbsterhaltung aber hatte 
er zu hoffen, wenn der Vertrag von Campo-Formio, 
welcher zur Grundlage des Lünevillers-Vertrags genom- 
men worden war, streng ausgeführt wurde? — Baierns 
fernere Selbstständigkeit zu bewahren, konnte er nur 
von klugen Unterhandlungen mit den großen Mächten, 
besonders durch Anregung von Preußens rnd Frankreichs 
Interessen, erwarten, aber nicht minder auch von der 
Entschlossenheit seines treuen Heeres, welches inmitten 
der Kämpfe zu einer Stärke von 25,000 Mann erwach- 
sen war. 
Die dem Lande geschlagenen Wunden waren nur 
in einem dauernden Frieden vom Grund aus zu heilen. 
13
        <pb n="204" />
        — 194 — 
Es mußten die verschiedenen Landesbehoͤrden zweckmaͤßi- 
ger geordnet, die verschiedenen Zweige der Staatshaus- 
haltung ganz neu gebildet, und fuͤr Zeiten der Gefahr 
dem Kriegsheere mehr Staͤrke und Einheit geschaffen 
werden. 
Sobald Baiern von den Schaaren der Fremden 
befreit ward, setzte der Kurfuͤrst sein zwischen Amberg 
und Cham gelegenes Kriegsvolk (160ten Februar) auf 
den Friedens-Fuß, schickte es in die üblichen Besatzungs- 
plätze, und begab er sich selbst von Bapreuth, wo er 
während der letzten Ereignisse des Krieges Aufenthalt 
genommen hatte, in seine Hauptstadt München (14ten 
April) zurück. Mit Enzzücken feierten die Unterthanen 
die Heimkehr des allzulange vermißten Daters.
        <pb n="205" />
        Drittes Buch 
der 
RKriegsgeschichte 
Bapern 
unter 
Maximilian Joseph I.
        <pb n="206" />
        <pb n="207" />
        — 1587 — 
  
Drittes Bnuch. 
1. 
Baierns Länderverlust und Entschädigung 
nach dem Lüneviller-Frieden. 
D. Unstern, welcher so lange und verderbenschwer 
über Deutschlands Schicksalen stand, war derselbe, welcher 
von jeher die Auflösung der Bundesstaaten zu beleuch- 
ten pflegte. Weder die Waffenübermacht einzelner, noch 
die Eidschwüre aller Mitglieder konnen den Untergang 
eines Bundes verhüten, sobald ein Theil desselben den 
übrigen das Beispiel giebt, das Ganze über sich selbst 
zu vergessen; oder sobald man vom Fremdling mehr Recht, 
als von seinen Bundesverwandten erwarten will. 
Der Luneviller-Friede hatte es dem deutschen Reiche 
überlassen, in seinem eignen Innern Entschädigungen 
für diejenigen Fürsten auszumitteln, welche am linken 
Rheinufer Verlust erlitten hatten. Mannigfaltig waren 
die Klagen und Ansprüche, schwierig die Aufgaben, so 
vielerlei einander widerwärtig durchschneidende Ansichten, 
Forderungen und Rechte zu versdhnen. Der deutsche 
Kaiser lehnte (Sosten April 1801) den Antrag ab, sich 
ganz der Leitung dieses verwickelten Gegenstandes zu 
unterziehen. Daraus entsprang neue Verzdgerung und 
Ungewißbeit Aller, während Frankreich gebieterisch die
        <pb n="208" />
        Beschleunigung der Geschaͤfte forderte (26sten Juli und 
Iöten September.) 
Im Gefühle dieser Verlegenheit hatten die meisten 
Fürsten Deutschlands, um größern Verlust von sich zu 
wenden, eigne Unterhändler nach Paris gesandt, das un- 
mittelbare Einschreiten des ersten Consuls und die Be- 
fdirderung ihrer Angelegenheiten zu erwirken. Von Bai- 
ern befand sich, schon vor Abschluß des Lüneviller-Frie= 
dens, Herr von Cetto daselbst. Denn gefährdeter, als 
jeder andere deutsche Staat, stand Baiern, das vom 
Krieg entkräftete, da, welches mit wahrer Vernichtung 
bedroht ward, wenn der Vertrag des campoformischen 
Friedens die Grundlage des Lüneviller, und die Entschä- 
digung des toscanischen Großherzogs in den kurfürstlichen 
Landen am Inn gegeben werden sollte, wie es dunkle 
Andeutungen von Wien aus ahnen ließen. 
Der Scharfblick des ersten Consuls erkannte das 
Rechtliche in Baierns Verlangen, und wohl mehr noch 
den Vortheil des Augenblickes, sich die mindermächtigen 
Fürsten Deutschlands durch Erweiterungen von deren Ge- 
bieten zu verpflichten. Welcher Grund ihn immerhin 
lenken mochte: Baiern begehrte nicht mehr, als Ersatz 
um das, was es verlieren sollte. So entstand der be- 
sondere Friedensvertrag zwischen Frankreich und Baiern 
am 26sten August 1801. Zwar Baiern mußte die Her- 
zogthümer Iülich und Zweibrücken, und was ihm sonst 
am linken Rheinufer gehdrte, hinopfern, aber Frankreich 
gewährleistete dagegen die Unverletzbarkeit des Umfangs 
aller baierischen Gebiete, wie sie seit dem Teschener- 
Frieden (von 1770) bestanden waren, und verhieß seine 
kräftigste Verwendung für in jeder Rücksicht volle Schad-
        <pb n="209" />
        loshaltung wegen des erlittenen Verlustes. Der Kaiser 
von Rußland und der Kdnig von Preußen wutden Ge- 
währleister dieses Friedensvertrages. 
Als denselben Boulay de la Meurthe, der 
Staatsrath, (28sten November) dem gesetzgebenden Kdr- 
per vorlegte, war eben dieses Mannes heftiger Tadel 
von Baierns ehmahligen Verfahren gegen Frankreich, 
der unverdächtigste Lobspruch auf Baierns Treue und 
Rechtlichkeit in Erfüllung von den Pflichten eines Reichs- 
standes gegen das deutsche Reich. Selbst der Tribun 
Desrenaudes anerkannte dies in seiner Rede vor den 
franzdsischen Gesetzgebern (am 26sten Dezember), indem 
er sich nicht verbarg, wie die staatsthümliche Stellung 
eines Landes, von Baierns Größe und Lage, immerdar 
vom Ereigniß des Augenblickes und der Einwirkung 
groͤßerer Mächte abhange. 
Gleich nach Abschluß des Friedens wurde auch der 
Beschlag von allem pfalzbaierischen Eigenthume jenseits 
des Rheines aufgehoben. Nur in der obern Pfalz blieb 
ein (schon im July) eingerückter dsterreichischer Heer- 
haufe von 5,000 Mann bis Anfang Octobers bei Wei- 
den, Schdnsee und Bleistein stehen, weil der Wienerhof 
dort mehrere Lehen in Anspruch genommen hatte. 
Eben diesen Hof schien damahls, und als er dem 
Grundsatz beigestimmt hatte, man müusse die weltlichen 
Fursten durch verweltlichte Besitzungen geistlicher Fürsten 
entschädigen, eine Hoffnung lebhaft zu reitzen, die ihn 
schon in vergangnen Jahrhunderten mehrmahls bewegt 
hatte: nämlich den Kurfürsten von Baiern vielleicht zu 
gewinnen, seine Lande bis zur Isar an Oesterreich, gegen 
Empfang eines großen Theils geistlicher Staaten und
        <pb n="210" />
        — 200 — 
der schwaͤbischen Reichsstaͤdte, abzutreten. Aber Kur- 
fürst Marimilian Joseph, hätte er, der seinem 
Volke Vater war, sein Wort zur Jerreissung eines der 
treuesten Volker, eines der Urstämme deutscher Nation 
geben konnen, und den schönsten und reichsten Theil sei- 
ner Erblande einbüßen sollen? Die Sache blleb unge- 
denkbar, selbst der Gedanke schon beunruhigend. Die 
Unterhandlungen jedoch wurden bis zum Juny 18602 hin- 
aus getrieben. Darauf nahm der Kurfürst die Vermit- 
telung Rußlands, Frankreichs und Preußens in Anspruch, 
iener großen Mächte, welchen die Erhaltung Baierns 
von hoher Wichtigkeit seyn mußte. 
Diese nun entwarfen und genehmigten Clbten Juli 
1802) den Entwurf zur Entschädigung Baierns. Es 
empfieng damit dieser Staat zwar 112 Geviertmeilen 
und 120 000 Unterthanen mehr, als er, in Belgien, 
Zweibrücken, Iülich und an beiden Rheinufern verloren 
hatte, aber dagegen auch 600,000 fl. weniger an Ein- 
känften.) Fur letzteres aber konnte die bessere Abrun- 
dung Baierns in Schwaben und Franken, wie am Inn 
durch Passau, als Ersatz, gelten. 
  
*) Dem Kurfürsten von Pfalzbaiern wurden nämlich für den 
Verlust folgender Länder: 
□N. Einw. Einkünfte. 
Besitzungen im elsas bis an die 
Queich 24 118,000 300,000 fl. 
in Belgien 4 10 50,000 200,000. 
Herzogtbum zweibrücken 36 69,000 614, 000 - 
Iten auf dem linken Rheinufer 48 170,000 1,490, 000 - 
Hbtgtbum Jülich 75 210,000 706,000 % 
Pfalz auf dem rechten Rbeinuker 27 135,000 950/000 
Rückstände an 8jährigen Interessen 
à 2#1 Procent – – 1,020, O000 
–. 
Summa: 220 752, 000 5,270, 000 fl.
        <pb n="211" />
        — 201 — 
Wie nun der Kurfuͤrst, nach Preußens Vorgang, 
im Begriff war, vorläufigen Besitz von den ihm zugefal- 
folgende Entschädigungen bestimmt: 
„ □. M. Elinw. Einkünfte. 
Hochstift Augsburg und St. Ulrich 54 vo, 000 350,000 fl. 
Bisthum Frevsing . 15 30,000 200,000 - 
die Stadt Passau mit der Inn- 
stadt und einen Umkreis von 500 
Toisen, ferner die Ilzsiadt und 
das diesseits der Ilz und dem 
Inn gelegene Land 4 165,000 60,000 
dem obern Bisthum Eichstädt 22 338,000 350,000 
Kempten . . „ 10 50,000 205,000 
Wäürzburg 387 240,000 1,500,000 
Bambergg 6P6P6 1085,000 1,000,O00 
die Probstei Kemoten, die Abteien 
St. Ulrich und Afra in Augs- 
burg, Waldsassen, Eberach, Urs- 
berg, Wettenhausen, Roggen- 
burg, Kaisersheim, Elchingen, 
Sôflingen, Wengen, Ottobai- 
ern, Irsee . 
die Reichsstaͤdte und Reichsdoͤrfer 
Ulm, Kempten, Memmingen, 
Roͤrdlingen, Kaufbaiern, Leut- 
kirch, Rothenburg, Windsheim, 
Ravensburg, Wangen, Weissen- 
burg, Schweinfurt, Buchhorn, 
Bopfingen und Dunkelsbühl, 
Gochsheim, Senefeld, Alt und 
Altschausen, Heide 364 1257,600 723,000 
Zusammen: 350 391,020 5,017,000 fl. 
Soweit die Angaben im aten und öten Stück des Jahr- 
ganges 1803 der europäischen Annalen. 
Andere Schriftsteller z. B. der deutsche Zuschaner, be- 
rechnen, daß Pfalzbaiern vermöge jener Abtretungen unb 
dafür erhaltenen Entschädigungen: 
220 □ Meil. 780, Ooo Seel. an Volksmenge verlor, dagegen 
212 * 000,000 „ Entschädigung für obigen Ver- 
lust, daber einen reinen Gewinn von 92 □ Meilen und 
120, O00 Seelen erhielt. Da jedoch die Einkünfte der ab- 
getretenen Länder die Summe von 5, 870,0o0 fl. betru- 
gen, dagegen die erhaltenen Cntschädigungs = Länder nur 
5,270,000 fl. Einkünfte brachten, so erlitt Palzbaiern 
durch jene Veränderungen einen reinen Verlust von 600,000 
Gulden jährlicher Einkünfte. 
o 
56# 108,420 660,000
        <pb n="212" />
        — 202 — 
lenen Gebieten zu nehmen, erhob der Wiener Hof neue 
Anstände, wegen Passau. Oesterreichisches Kriegsvolk, 
unter Anführung des Generals Strauch, rückte (in 
der Nacht vom 1bten zum 17#en August) in diese Stadt 
ein, und der kaiserliche Bevollmächtigte Freiherr von Hü- 
gel machte folgendes Tages dem Reichstage zu Re- 
gensburg den Antrag, den am rechten Inn-Ufer gele- 
genen Theil Baierns gegen bfterreichische Besstzungen in 
Schwaben auszutauschen. 
Passau war für Baiern allzuwichtig. Diese Stadt 
mit ihrer Veste Oberhaus, schon im spanischen, dann im 
baierischen Erbfolge-Krieg, als der Schlüssel Baierns, 
erkannt, hatte seit Abtretung Braunau's an Oesterreich 
(im Jahr 1700) noch größere Bedeutsamkeit gewonnen. 
Hier nur allein war auf dieser Seite noch ein Inn- 
Uebergang streitig zu machen. Auch Frankreich konnte, 
im Falle bünftiger Kriege, nicht gleichgültig ansehen, in 
wessen Hand Passau sep, dieser für jedes Heer, welches 
im Besitz der Donau seyn will, nicht minder, als Ulm, 
starke Anlehnungspunkt. Ohnedieß hatte schon der fran- 
zösische Minister Talleprand, als er (Listen August 
1302) dem Senate zu Paris den franzdsisch= russischen 
Entschädigungs-Entwurf überreichte, ziemlich klar aus- 
gesprochen, daß zur Bewahrung eines staatsthümlichen 
Gleichgewichts der verschiedenen Mächte, von diesem 
Entwurfe nicht mehr abgewichen werden könne. 
Da inzwischen der Wienerhof gegen alle Vorstellun- 
gen der französischen, russischen und preußischen Ge- 
sandtschaften zu Regensburg bei seiner Erklärung (28sten 
August) beharrte, Passau nicht eher zu räumen, bis dem 
Großherzoge von Toscang eine hinreichende Entschädi-
        <pb n="213" />
        — 203 — 
gung ausgemittelt waͤre, beschleunigte dieß zwischen 
Frankreich, Preußen und Baiern den Abschluß einer 
Uebereinkunft zu Paris (öten September), vermittelst 
welcher für Bayern abermals, nicht nur der Besitz von 
Passau und des Gebiets am rechten Inn-Ufer, sondern 
die gesammte Entschädigung gewährleistet würde. Auch 
offenbarten sofort Frankreich, wie Rußland, in ihren zu 
Regensburg (15ten September) übergebenen Noten den 
entschiedensten Willen gegen Oesterreichs Absicht, das 
Vebiet desselben bis zum Lech und zur Gefahr eines 
Staates ausdehnen zu lassen, dessen Daseyn bisher nur 
durch die eifersüchtige Staatsklugheit der Fürsten Deutsch- 
lands gerettet worden war. 
Wie nothwendig Baiern auf Passau's Besikz beste- 
hen mußte, eben so gerecht war von der andern Seite 
aber auch allerdings Oesterreichs Klage über die auffal- 
lende Unzulänglichkeit der Entschädigung, welche dem 
Großherzoge von Toscana für den Verlust seiner ita- 
lienischen Staaten angewiesen werden sollte. Nur der 
würdevollen Stellung und Festigkeit des deutschen Kai- 
sers gegen des ersten Consuls gebieterische Ansinnungen 
gelang es endlich, daß nach lebhaften Unterhandlungen 
eine mildere Ausgleichung (2##sten Jänner 1805) zu Stande 
kam. Allein das Haus Bayern mußte zu derselben wie- 
der die Opfer bringen. Zwar der Besitz von Passau 
wurde dem Kurfürsten eingeräumt, aber dagegen wurden 
ihm das Bißthum Eichstädt mit Ausnahme der Aemter 
Sandsee, Wernfeld, Spalt, Abenberg, Ahrberg-Ohrn- 
bau und Wahrberg-Herrieden, so wie noch andere schon 
empfangene und verheißene Entschädigungen wieder ent- 
rissen.
        <pb n="214" />
        — 204 — 
Am 2esten Hornungs 1803 ward Passau den Bayern 
uͤbergeben. Das große Theilungs- und Entschaͤdigungs- 
werk war geschlossen. Frankreich hatte in demselben, durch 
Erwerb Belgiens und des Rheinlaufes, Hand in Deutsch- 
lands Angelegenheiten gewonnen; Oesterreich zwar durch 
Verweltlichung geistlicher Fuͤrstenthuͤmer Unterstuͤtzungen 
bedeutender Art verloren, aber durch Ausrundung seiner 
Staaten, und durch das Erzbisthum Salzburg unter dem 
gewesenen Großherzoge von Toscana, eine haltbarere 
Stellung für Kriegszeiten empfangen. 
Auch Bayern mußte wohl in der etwas vermehrten 
Festigkeit seiner Grenzen den voruehmsten Gewinn suchen. 
Zwar durch Erweiterung in Franken und Schwaben war 
es zween übermächtigen Nachbarn, Frankreich und Preus- 
sen, näher gerückt, gegen deren Einfluß der einzige feste 
Punct Würzburg nicht schirmen konnte; aber indem Oester- 
reich durch Verlust der Herrschaft Neuburg, durch Ver- 
einigung des ehmals salzburgischen Mühldorfs mit Bay- 
ern, gänzlich vom linken Innufer getrennt wurde, wuchs 
von dieser Seite die Sicherheit; und durch die ehmals 
freisingische Grafschaft Werdenfels erhielt Bayern tüch- 
tige Gebirgspässe gegen Tirol zur Vertheidigung, unge- 
rechnet die schon erwähnte Wichtigkeit jener Linie von 
Ulm bis Passau, zur Beherrschung der Donau. Immer 
aber war, was Bayern zum Ersatz seiner Verluste be- 
kommen hatte, unverhältnißmäßig gering gegen die Ent- 
schädigungen, welche dem preußischen, würtembergischen 
und badenschen Hause zu Theil geworden waren "). Und 
*) Preußen verlor z. B. in einem Theil des Herzogthums 
Kleve, des Fürstenthums Moers, in seinem Antheil an 
Obergeldern, 122,147 Einwohner, gewann dagegen durch 
einen Theil der Bisthümer Münster, Hildesheim, Pader-
        <pb n="215" />
        wenn es schon 90 Geviertmeilen Bodens und 50,000 See- 
len Volksmenge mehr empfieng, als es verloren hat- 
te, büßte es dagegen doch an ehemgligen Einkünften 
050,000 fl. ein. 
  
2. 
Anstrengungen der Regierung von Bakern, dir 
Kräfte des Staates zu entwickeln. 
Kurfürst Marimilian Joseph sah mir den Gränz- 
veränderungen Baierns und anderer deutschen Stgaten 
seine ganze bisherige Stellung zu diesen verwandelt. Un- 
mittelbarer Nachbar Preußens und Oesterreichs gewor- 
den, mußte er eben so viel von der alten Eifersucht die- 
ser Mächte gegen einander, als von der noch nie erlo- 
schenen Nebenbuhlerei Frankreichs und Oesterreichs besor- 
gen. Baiern zwischen allen, mußte, wenn es nicht die feste 
Schranke zwischen allen ward, der beklagenswertheste 
Kampfplatz aller bleiben. Zwischen großen Mächten ein 
kleiner Staat dankt er zwar deren gegenseitigen Miß- 
gunst oft seine Rettung. Aber oft findet er auch, in 
der beutesüchtigen Versöhnung aller, seinen unerwarteten 
Untergang, oder er geht mit dem seinigen dem desjeni- 
gen Nachbaren voran, welchen das Glück im Kampfe 
zuerst verläßt. Batern, wie es biöher gewesen, ohne 
eigne Macht, daher ohne eignen Willen, hatte sich ge- 
fallen lassen müssen, ein Spiel wechselnder Zufälle und 
  
born, des Eichsfeldes, 600,000 Einwohner. Baden er#- 
hielt für die halbe Grafschaft Sponheim daher für 30,000 
Einwohner, Länder von zweimahl größerem Umfange als 
dessen ganze Besitzungen #c.
        <pb n="216" />
        — 206 — 
fremder Interessen zu seyn. Sollte es Unabhaͤngigkeit und 
Daseyn nicht mehr, wie ein Almosen empfangen, mußt 
es sein Recht auf eigne Staͤrke begruͤnden koͤnnen. 
Dieß zu können, traf Kurfürst Marimilian alle 
Verfügungen, die ganze Lebenskraft seines Staats in 
wohlgeordnete Regsamkeit zu setzen; oder vielmehr er 
fuhr nur in dem fort, was er schon begonnen, und 
was nur der ihn übereilende Krieg unterbrochen hatte. 
Schon unterm 20sten Mai 1801, gleich nach geschlos- 
senen Frieden, hatte er die Zweige der Staatsverwal- 
tung unter vier Ministerien getheilt, und sich die Leitung 
des Heerwesens selbst vorbehalten. Verjüngte Thätig= 
keit ward bald überall sichtbar. 
Das weite Donau-Moos, zwischen Ingolstadt und 
Neuburg, welches 56,000 Tagwerke unbenutzbaren Bo- 
dens umfaßte, mußte mit Abzugsgraben durchschnitten 
und entsumpft werden. — Eine zur Urbarmachung dder 
Gründe, durch fünf und zwanzigjährige Zehentfreiheit, 
ermunrernde Verordnung bewirkte das Unglaubliche. Bin- 
nen anderthalb Jahren sah man 121,000 Tagwerke ver- 
wilderten Bodens urbar gemacht, 405 große Güter zer- 
theilt, 870 neue Häuser erbaut, und von 630 Landwirth= 
schaften, die bisher zerstreuten Grundstücke in ein Gan- 
zes zusammengerundet. Ueberall ward der Landmann 
begünstigt; auf den Staatsgütern die Leibeigenschaft 
vernichtet. Dem menschlich= schonen Beispiele der Re- 
gierung folgten die Grafen von Preysing und Tör- 
ring= Seefeld, und der ehrende Dank ihres Landes- 
fürsten belohnte sie neben dem Gefähl ihrer edelsinnigen 
Thar. Auch Baierns altes, mit Blut geschriebenes Ge- 
setzbuch mußte in die allgemeine Verwandlung herüber-
        <pb n="217" />
        – 207 — 
gezogen werden. Der Entwurf des Gelehrten Klein- 
schrod zu Würzburg für ein Strafgesetz, in welchem 
Verbrechen und Strafen bestimmter gegeneinander ge- 
wogen, und Menschlichkeit und Denkart des Zeitalters 
mehr beachtet waren, wurde dem dffentlichen Urtheile 
zur Prüfung übergeben. 
Noch ward immerdar die edelste Kraft der Nation 
durch kirchliche Unduldfamkeit und mönchischen Geistes- 
zwang gelähmt. Die Gewissen und Geister mußten frei 
gesprochen werden. Gebundene Hand arbeitet schlechter, 
als freie Hand; und der selbstdenkende Mann weiß sich 
da zu helfen, wo der Unwissende verzweifelt. Es ward 
zuerst die Aufhebung der Klöster geistlicher Bettelorden 
(15 März 1802), dann die Aufhebung aller Klbster be- 
schlossen. Damit giengen zahllose Güter aus der todten 
Hand in die Lebendige über, und von den gewonnenen 
Kaufsummen erwuchsen reich Ausstattungen der neu 
eingerichteten hdhern und niedern Schulen. Die Hoch- 
schule Landshut allein erhielt durch Vermehrung ihres 
Vermdgens an 80,000 Gulden jährlicher Einkünfte. Die 
Aufhebung der Klöster, wie wohlthätig sie in ihrem 
Zwecke war, konnte nur durch Eigennutz und Härte ein- 
zelner unwürdiger Beamten am allgemeinen Beifall ver- 
lieren, welche, uneingedenk der menschenfreundlichen 
Weisungen in der Verordnung vom 15ten März 13802, 
die empfangene Gewalt mißbrauchten, und hin und wie- 
der mit empdrender Rohheit zu Werke schritten, wo ih- 
nen Schonung und sirenge Rechtlichkeit zur Pflicht ge- 
macht war. Das ist das schwarze Loos auch der besten 
Fürsten, daß, wenn sie Segen ausstreuen wollen, ver- 
worfene Menschen einen Fluch dazwischen säen. 
So plhtzliche Umschaffungen des bisher Bestandenen,
        <pb n="218" />
        besonders Verbote und Aufhebungen überflüßiger Feyers 
tage und kirchlicher Umgänge, oder jener Gebräuche, 
welche den Gotteödienst, den sie erheben sollten, entweih- 
ten, konnten nicht ohne widrige Wirkung auf viele Ge- 
müther im Volke bleiben. Oenn der unwissenden Menge, 
durch Gewohnheit an jene Uebungen und Mißbräuche 
gebunden, galten solche statt der Religion selbst, und 
Verlust derselben schien ihr ein Untergang des Allerhei- 
ligsten. Es kam sogar zu Muünchen und in andern Ge- 
genden des Landes (im Juni 1601) zu aufrührerischen 
Bewegungen; doch wurden diese bald gestiln, und der 
bessere Theil des Volkes sprach der Regierung bffentlich 
(im Juny des folgenden Jahrs.)) Dank in herzlichen 
Zuschriften für die Vernichtung der Mißbräuche aus. 
Das Ausschreiben des Kurfürsten zur Beforderung einer 
vernunftgemäßen Denk= und Lehrfreiheit (18ten März 
1802), die Ausdehnung des Genunsses aller bürgerlichen 
Rechte und Freiheiten auf die Verwandten jeder christ- 
lichen Kirche in Baiern (den 10ten und 10ten Jänner 
1805), die Einräumung eigner Tempel zum evangeli- 
schen Gottesdiensie in München und Würzburg, die 
Aufstellung eines evangelischen Consistorlums für Würz- 
burg und Bamberg, evangelische Lehrstühle auf den Hoch- 
schulen von Würzburg und Landehut, — dieß alles, wo- 
mit Maximilian Joseph sein Jahrhundert ehrte, 
bleibt ihm selbst in der Nachwelrt ein ehrendes Denkmal. 
Hier aber ist nicht der Ort, die ganze Reihe der 
WVerwandlungen zu verfolgen, durch welche Baiern neu- 
gestalter wurde. Wir müssen den Blick auf die Ausbil- 
dung des Heerwesens werfen. Denn in Tagen unsichern 
Friedens, wie den damaligen, konnte das Gute weder 
gedeihen, noch bleiben, als unter dem Schutze bes 
Sehwere
        <pb n="219" />
        — 209 — 
Schwertes. Zudem schienen die Finanzen des Staats 
fest genug gesichert. Die Schulden der baierischen Land- 
schaft betrugen im Jahre 1803 nur achtzehn Millionen 
Gulden, und die aͤltern Staatspapiere waren wieder um 
7 bis 8 vom Hundert im Werth gestiegen. Ein allge- 
meines Staatögesetz (Hausschulden= und Fideicommiß-= 
Pragmatik vom 20sten October 1804) schien, bei künf- 
tig zu errichtenden Landesschulden, genügend, jeder Will- 
kühr die Hand zu binden. 
Sobald nach dem Kriege das Heer auf Friedens- 
fuß gestellt worden, übertrug der Kurfürst einer zu Am- 
berg aus den Generalen Gaza, Deroy, Nogarolla, 
Barthels, Wrede und den Obersten Siebein und 
Reuß zusammengesetzten Kommission unter Vorsitz des 
Herzogs Wilhelm von Baiern, alle Vorbereitungen 
zur Verbesserung des gesammten Heerwesens. Sofort wur- 
den vor allen Dingen durch Gnadenverkündung (T22sten 
April 1801) die Ausreißer zu ihren verlassenen Fahnen 
zurückgerufen; die oberpfälzischen und neuburgischen Re- 
gimenter, jedes mit einer Compagnie, verstärkr (Zösten 
April), und der Stand der Reiterei (Dten Mai 1801) 
auf ein Cürassier= zwei Oragoner= und drei Chevaur- 
legers-Regimenter, die Vollzahl eines Regimentes aber 
Cedes zu 1# Escadronen, die Escadron mit vier Offizie- 
ren) auf 623 Mann und 600 Pferde festgesetzt, folglich 
beträchtlich vermehrt. 7) Man bildete zwei neue Regi- 
  
*) Da das Regiment Taris bis dahin nur zwei Escadronen, 
das in die Rheinpfalz bestimmte andere Dragoner-Regi- 
ment ebenfalls nur zwei pfälzische Escadronen, das Che- 
vanrlegers= Regiment Leiningen nur anderthalb Escadron 
zählte. 
L
        <pb n="220" />
        — 210 — 
menter Fußvolks (16ten Juni 1801) unter den Namen 
Herzog Karl von Baiern (Bataillon Busek und Zoller) 
und Isenburg (Bataillon Lamotte und ein neuerrichte- 
tes); und nach Besitznahme der Entschädigungs-Lande 
abermahls (#isten März 1803) ein Regiment und ein 
leichtes Bataillon Fußvolks (Lamotte) aus den drei würz- 
burgischen Bataillonen; ferner ein sechs Escadrons star- 
kes Chevaurlegers = Regiment (Bubenhofen) aus den 
würzburgischen Dragonern und Husaren, endlich noch 
aus den in Unterschwaben bestandenen Reichscontingen- 
ten ein leichtes Bataillon (Lessel). So war schon im 
April des Fahrs 1805 das ganze Heer aus zwolf Re- 
gimentern Fußvolks,) sechs leichten Bataillonen"*) einem 
  
·)Jedes Linien= Inf. Regiment bestand aus zwei Bataillons 
oder 10 Compagnien, worunter zwei Grenadier-Compag-= 
nien, und demnach erclusive Staab, aus: 
0 Hauptleuten 
10 Oberlieutenants 
20 Unterlieutenauts 
10 Feldwebels 
10 Fouriers 
20 Sergeanten 
60 Corporals 
2 Peifern 
20 Tambours 
120 Gefreiten 
1, 880 Gemeinen. 
  
  
Summa 2,101 Köpfen. 
4 
*) Das leichte Infanterie -Bataillon aus fünf Compagnien, 
daher aus 5 Hauptleuten 
5 Oberlientenants 
10 Unterlieutenants 
5 Feldwebels
        <pb n="221" />
        — 214 
Curassier-, zwei Dragoner= und vier Chevaurlegers-Regi- 
mentern zusammengesetzt, in vier Brigaden getheilt, 
und un- 
gerechner Staab und Artillerie, 38,6004 Mann stark. ") 
  
5 Fouriers 
10 Sergeanten 
50 Corporals 
10 Tambours 
60 Gefreiten 
Oao Gemeinen 
  
Summa 1079 Kbpfen. 
*) Eintheilung des baierischen Heeres und dessen Standqugartiere 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
im Jahre 1805. 
Divisionaire Standorte Regimenter 
Provinz. oder derselben und Garnisonen. 
Brigadier. Bataillons. 
Leib-Regiment Munchen. 
Ober- Generalmajor 28. nimt. urbrn Vurde 
,. . Jn.gm.reymg«zngoka. 
batknscheWMUUchEUOJuk.Rg.Mo-awitzwNeuburg. 
Brigade. Gaza Leichtes Bat. Salern Fandsberg- 
- Leichtes Bataillon 2te Landsberg. 
Z Inf. Rg. Herz. Wilh. Landshut. 
baierische von Landshut. 4Inf. Rg. Heri. Vius Passau. 
Inf. Rgme. Junker Amberg. 
Brizade Derov uiSur. Bat. Metzen Burph#usen. 
Baierische Generalmgjor Curass. Ng. MinusslMünchen. 
Gonllerie 1. ren 6 München. 4 Ramt. Taris Neumarkt. 
rigade aufkir Chev. Rgmt. Fugger Landshut 
3.6 Inf. Rg. Herz. KarlUlm. 
Sa- Generaimalor,.Mm Leichtes Bat. Vincenti Memmingen. 
Brigade. Wrede Leichtes Bat. Lessel Dillingen. 
*s2 Chev. Rg. Kurfürst Ulm. 
| „ Inf. Ng. Isenburg Bamberg. 
Fränkisshe Generallieu- Gcoerppe otr ond Wurzburg. 
Brigade. tenant Graf Würzburg. Leichtes Bat. Lamotte Würzburg. 
I se n b ur g 6 rL Rg. Leiningen Würzburg. 
* —— 
Bergi Generalmajor . . 
Bttåasge von dnelder. Agme. Kinkel. Düsseldorf. 
□— Kinkel 9 Drag. Rgmt. vacant Düsseldorf. 
  
  
  
14 *
        <pb n="222" />
        — 212 — 
Der Gehalt der im Dienst stehenden Offiziere wurde 
(23sten Juli 1805) erhdht; das Jahrgeld der im Dienst 
unrauglich Gewordenen und Verstümmelten, so wie der 
Wirtwen vor dem Feinde Getddteter vermehrt; eine Mi- 
lirair-Wittwen= Casse gestiftet; auch der Sold des gemei- 
nen Kriegers bedeutend gesteigert (usten August) und 
(Oten März 1604) endlich ein geheimes Kriegs-Bureau, 
unter Leitung des Generals von Triva aufgestellt, wel- 
ches durch seine collegialische Form Bürgschaft gegen die 
Willkühr des Einzelnen gegen Einzelne oder Viele gab. 
Auch das alte, schon vom Kurfürsten Karl Theodor 
(17118) eingeführte Kriegsreglement erhielt nun (Früh- 
ling 18044) eine neue Gestalt, von den Generalen Deroy 
und Wrede, den veränderten Verhältnissen des Heeres 
und den Fortschritten der Kriegskunst angemessen, bear- 
beitet. 
Unabläßig wurden dem, was gethan worden, grös- 
sere und kleinere Verbesserungen beigefügt, wie Erfah- 
rung oder Umstände sie gaben. Man veränderte zum 
Beispiel das bisherige Cürassier-Regiment, in ein Dra- 
goner-Regiment, die Eintheilung des Heers von Divi- 
sionen und Brigaden in verschiedene Inspectionen (eine 
ober = und niederbaierische, eine schwäbische, fränkische, 
eine baierische Cavallerie = Inspection, ein bergisches Pro- 
vinz-Commando) ab; gab der KLinien-Infanterie und 
Reiterei (Slsten März 1306) eine dem jedesmaligen 
Kriegszustande angemessenere Bildung; setzte die Stärke 
eines Linien-Regimentes auf 2,500 Gefreite und Ge- 
meine fest, davon im Frieden nur 1,550 Mann da stan- 
den, im Krieg aber 2,000 Mann ausrücken sollten, wäh- 
rend 500, als Nachhalt, den immerwährenden Verlust 
zu ergänzen bestimmt waren; gab jeder Compagnie eines
        <pb n="223" />
        G 215 
leichten Bataillons 250 Mann, (im Frieden nur 155) 
davon im Keieg 200 Mann ausrückten, 50 den Nach- 
halt bilden sollten; eben so jeder Escadron 180 Pferde, 
davon 150 im Kriege ausrückten, die übrigen 30 im 
Nachhalt blieben, so, daß mithin jedes Linien-Regi- 
ment zwei Reserve= Compagnien, jedes leichte Bataillon 
eine erhielt, und jedes Cavallerie-Regiment eine Re- 
serve von 180 Pferden, oder eine volle Escadron, zum 
Nachhalt hatte. Außerdem wurden jeder Compagnie in 
den Linien-Regimentern 20 Schützen mit gezogenen Ge- 
wehren, bei den leichten Bataillons mit Büchsen bewaff- 
net, zugegeben. 
Zur beständigen Ergänzung des Heers theilte der 
Kurfürst (#isten April 1805) das ganze Land in acht 
Militgircantons, aus welchen die Kriegspflichtlgen nach 
Bedürfniß, mit Capitulationszeit von zehn Jahren, 
C(doch ein Kriegsjahr gleich zwei Friedensjabren gelrend) 
ausgehoben werden sollten; und zur Erziehung einer 
cuchtigen, kriegsverständigen Jugend widmete er den ver- 
schiedenen dafür errichteten Anstalten, dem Cadertencorps 
und den Regiments-Schulen, die aufmerksamste Sorg= 
falt. Der Grundsatz, dem Talent und Verdienst stehen 
die Bahnen zu den höchsten Stellen im Heere offen, 
spornte den Wetteifer Aller. 
Ganz vorzüglich war eine gänzliche Umschaffung 
des Artillerie-Wesens dringend. Schon unter Karl 
Theodor hatte zwar General Rumford darauf hin- 
gewirkt, mancherlei belehrende Versuche über die Wir- 
kungen und die Expansiokraft des entzündeten Schieß- 
vulvers u. s. w. angestellt: allein das Wesentlichste zur 
Verbesserung dieser wichtigen Wassen-Art zu leisten,
        <pb n="224" />
        — 2½ — 
hatte er zu seiner Zeit nicht alle Hindernisse bessegen 
konnen. Als Maximilian Joseph die Regierung an- 
trat, befand sich daher das Artillerie-Wesen in durchaus 
elendem Zustande. Ein einziger Zeugwart, der zugleich 
Cassier und Controlleur war, stand mit unbeschränkter Voll- 
macht dem Jeughause vor; die Lafetten wurden von bür- 
gerlichen Arbeitern, die Kanonen von Giesern verfertigt, 
welche nur für die Dauer ihres Geschäftes angestellr 
waren. Es war keine Artillerieschule vorhanden, son- 
dern die Bildung des Offiziers und des gemeinen Man- 
nes für diese Waffe dem Ohngefähr überlassen; sie selbst 
als Wafsfe der Linien-Infanterie betrachtet, und den 
Compagnien nach deren Stärke, ohne Rücksicht auf rechte 
Bedienung, zugetheilt. Sogar die Pulverbereitung war, 
weil man dazu den Salpeter im unreinen Justande nahm, 
höchst mangelhaft, eine Gewehrfabrick gar nicht in Baiern 
vorhanden. 
Der Kurfürst beschloß sogleich dem Artilleriewesen 
die ihm gebührende Selbstständigkeit und innere Vollen- 
dung zu geben. Dazu wählte er (im Jahr 1300 schon) 
einen Mann, welcher für diesen Zweig der Kriegskunst, 
im Wissenschaftlichen wie im Technischen, ausgezeichne- 
ten Werth besaß, nähmlich den im russischen Dienste 
gestandenen Generallieutenant von Manson, einen fran- 
zdsischen Ansgewanderten. Manson erwarb sich in der 
That um das balerische Heer ein bleibendes, entschie- 
den großes Verdienst, welches erst in späteren Jahren, 
besonders nach dem Feldzuge in Rußland, glänzend zur 
Anschauung kam, da in unglaublich kurzer Zeit, wie durch 
einen Zauberschlag, aller Verlust an Geschütz wieder 
ersetzt ward. 
Manson begann damit, die Artillerie, sowohl
        <pb n="225" />
        — 215 — 
ihrer Bedienung als dem Beduͤrfnisse der bayerischen Ar- 
mee gemäß, bis auf neun Compagnien zu Fuß, jede zu 
100 Mann, eine reitende Compagnie von 103 Mann, 
und eine Compagnie Werkleute von 50 Kbpfen zu ver- 
mehren. Jede Compagnie ward einer Batterie von sechs 
Stück Geschütz zugegeben, und der Sold des Offziers 
wie der gemeinen Mannschaft erhöht. Ein eigends be- 
soldeter Gießer stand an der Spitze der neuerrichteten 
Stückgießerei: die Ouvrier-Compagnie beschäftigte sich 
mit Umformung des Geschützes und der Lafetten. Die 
Feldstücke wurden von 10 auf 18 ihrer Durchmesser ver- 
längert: der Spielraum von jeder Gattung des Geschi- 
tzes gleich genommen. Man legte Pulvermühlen zweck- 
mäßiger an; stellte die Bereitung des Pulvers, mit ge- 
reinigtem Salpeter, und Erprobung der Güte des Pul- 
vers, durch die bis dahin unbekannt gewesene Pulver- 
probe, unter Aufsicht von Artillerie-Offizieren, und brachte 
es im Kurzen dahin, daß sich Bayern rühmen konnte, in 
dieser Rücksicht sehr Vorzügliches zu leisten. Dahin wirkte 
ganz besonders auch die neuerrichtete Artillerie-Schule 
mit, welche dem Vaterlande so viele, ausgezeichnete, 
kenntnißvolle Krieger gebildet hat. 
Späterhin (22sten März 1805) wurde auf Man- 
sons Betrieb die Stärke der Artillerie auf drei Batail- 
lons, jedes zu zwolf Compagnien erhht, und der des- 
halb erschienene Armeebefehl offenbarte, welchen hohen 
Werth der Landes-Herr und der Vorsteher des Kriegs- 
bureau's auf wissenschaftliche und sittliche Bildung dieser 
Heer-Gattung setzte. Eben so mußten jährliche Ue- 
bungen sowohl mit Feldbatterien als mit dem Wurfge- 
schütz angestellt werden. Die für den besten Schuß auf 
die Scheibe ausgeworfenen Preise reitzten den Ehrgeitz 
des gemeinen Mannes.
        <pb n="226" />
        — 216 — 
Darauf allein aber beschränkten sich des vielthaͤti— 
gen Mansoné Verdienste nicht. Er gründete in Am- 
berg (schon im Jahr 1800) die Gewehrfabrik. Hier 
behielten die Gewehre zwar den bisherigen Caliber bei, 
wurden aber durchaus gleichförmiger und sauberer gear- 
beitet; empfingen zweckmäßigere Schäftung, messingene 
Zündpfannen, conische Ladstocke, statt der cylindrischen, 
und achtzehnzbllige viereckte Bajonette statt der dreieckig- 
ten. So stiftete sich Manson, kräftig unterstützt von 
den beiden nachmaligen Generalen Colonge, dem 
nachherigen Obersten Baron Comeau und dem Oberst- 
lieutenant Reichenbach in den Jahrbüchern des baye- 
rischen Kriegswesens ein unvergeßliches Gedächtniß. 
Als endlich (Anfang Septembers 1806) der Kur- 
fürst unter seinem unmittelbaren Befehl, und unter ihm 
die Generale Nogarola, Deroy, Talukkirch und 
Wrede, bei Nymphenburg eilf Linien = Regimenter, 
sechs Baraillons leichten Fußvolks, zwei Dragoner= vier 
Chevaurlegers-Regimenter und drei Batterien Geschütz, 
zusammen 17,000 Mann, in einem Lustlager versammelte, 
bewies Gewandtheit, Fertigkeit und Haltung aller Heer- 
gattungen in dieser Musterung, wie viel schon Treffli- 
ches im Raum weniger Jahre gethan war. 
  
5. 
Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich 
und Oesterreich im Jahre 13805.— Bayerns 
gefahrvolle Stellung und Entscheidung 
für Frankreich gegen Oesterreich. 
Nur zu bald wurde der Werth dieses neugeschaffenen 
Heeres ernster gepruft.
        <pb n="227" />
        — 217 — 
Napoleon Bonaparte, als erster Consul Haupt 
des französischen Freistaats, hatte durch Ueberlegenheit an 
Macht und staatskluger Gewandheit, eine Gewalt in 
den staatsthümlichen Verhältnissen des Welttheils gewon- 
neu, wie seltren ein Fürst vor ihm. Nachdem selbst Eng- 
land den Frieden zu Amiens eingegangen war, verband 
er den schönsien Theil Norditaliens unrer verschiedenem 
Vorwand und Namen mit Frankreich, gab er den Hol- 
ländern neue Verfassung, und ward er in den bürgerlichen 
Unruhen der Schweizer deren Schiedsrichter und Ver- 
mittler. Frankreich schien an Macht keinen Nebenbuh- 
ler mehr, als England, Napoleon selbst keinen zu ha- 
ben, als Pitt, den scharfsichtigen und unbeugsamen 
Britten. Der Friede Grosbrittanniens und Frankreichs 
war, seiner Natur nach, unhaltbar. Auch erreichte er 
kaum die Sauer eines Jahrs. — Jede Widerwärtigkeit 
aber, welche Pitt oder die Verkettung der Umstände 
dem Oberhaupte Frankreichs bereiteten, verwandelte Bo- 
naparte hinwieder in Stufen seines höheren Glanzes 
und Ruhms. Es legte Frankreich die Kaiserkrone auf 
sein Haupt; er selbst fügte dazu die eiserne des König- 
reichs Italiens. Während auf Pitts Wink die brirti- 
schen Flotten alle Meere beherrschten, alle Küsten be- 
drohten, besetzte auf Napoleon's Geheiß ein franzosi- 
sches Heer die Besitzungen des Kdnigs von England im 
deutschen Norden, das Kurfürstenthum Hannover. Ja, 
eine Flotte von Landungsfahrzeugen ward an den fran- 
zösischen Küsten geschaffen, ein Heer am Pas de Calais 
versammelt, und der Uebergang gegen das biöher unan- 
tastbar geschienene Albion gedroht. 
Pitt sah nicht ohne Unruhe die ernsten Bewegun- 
gen. Die Gefahr von Großbrittannien zu entfernen, be-
        <pb n="228" />
        — 218 — 
wirkte er ein kriegerisches Bündniß Englands und Ruß- 
lands (April 1805), dem bald auch Oesterreich (August 
1805) zugewandt ward. Die Streitmacht von einer hals 
ben Million Krieger sollte den französischen Kaiser zur 
Ränmung Hannovers und Italiens, zur Freilassung der 
batavischen und helvetischen Freistaaten zwingen. Auch 
Preußen ward zum Beitritt in den Bund gerufen; doch 
vergebens. Es wollte unpartheisame Stellung bewah- 
ren, obgleich selbst Schweden schon früh sich dem Ver- 
ein gegen Frankreich angeschlossen hatte. Napoleon hörte 
von den Verbindungen, von den Rüstungen Oesterreichs. 
Er warnte. Er gab Befehl. Sein Heer verließ die 
Küste. Binnen siebenzehn Tagen standen bereits über 
100,000 Mann drohend am Rhein. 
Wenn Oesterreich, nach so großen Verlusten, von 
neuem die Waffen ergriff, war es wohl weder Erobe- 
rungssucht, noch Begierde der Kache, welche dazu ver- 
führen mochten: sondern ein gerechter und heiliger Ernst, 
die Unabhängigkeit des übrigen Europa's gegen die fort- 
schreitenden Anmaßungen eines durch Glück und Macht 
vermessenen Siegers zu schirmen. Denn dieser, welcher 
jede Gunst des Augenblicks für eine Mahnung, jede Schwäche 
des Gegners für Berechtigung hielt, alles seinem Willen 
zu unterwerfen, zertrat die kleinern, bedräute die groͤs- 
seren Staaten, ohne Achtung des Völkerrechts und der 
Verträge, und ließ selbst, wenn alles umher niederge- 
worfen lag, dem Thron des Hauses Habsburg Gefahr 
fürchten. 
Binnen wenigen Wochen, schneller als man gefürch- 
tet hatte, war der Kriegsausbruch entschieden. Der 
Hof zu München wünschte dem neuen Kampfe, der für
        <pb n="229" />
        — 219 — 
Deutschland verderbenvoller, als jeder fruͤhere zu werden 
drohte, fremd zu bleiben, wie ihm Preußen fremd blieb. 
Bald aber ward erkannt, dieser Wunsch sey unerfuͤllbar. 
Oesterreich, seiner Erbstaaten zu schonen, wollte den 
Kriegsschauplatz auf fremden Boden legen, und ließ seine 
Heere zum Inn rücken. 
Am 6ten September 1305 erschien der Feldmar- 
schall-Lieutenant Fürst Schwarzenberg, mit einem 
eigenhändigen Schreiben des Kaisers Franz, in Mün- 
chen. Er entwickelte das Verlangen, daß der Kurfürst 
sein Kriegsvolk mit dem dsterreichischen gegen Frankreich 
vereinigen moge, da Baitern zu schwach sey, gegen Oe- 
sterreich oder Frankreich die Neutralität mit dem Schwerte 
zu schützen. Dagegen verhieß der Wienerhof volle Ges 
währleistung der Unverletzbarkeit von den baierischen Staa- 
ten im künftigen Friedensschluß. 
Anträge, wie diese, mußten am Münchener-Hofe 
die widerstrebendsten Empfindungen erregen. Man fragte 
sich: mit welchem Rechte eine fremde Macht die andere, 
wenn gleich schwächere; zwingen könne, wider ihren Wil- 
len an einen Krieg Theil zu nehmen, den sie Ursache 
habe zu meiden. Oder welche Belohnung der ungeheun- 
ren Opfer an Geld und Blut, die solch ein Krieg notho 
wendig machen dürfte, zuletzt in der. Verheißung liegen 
könne, daß Baiern das behalten solle, was es schon 
besäße? Und wenn man den Schmerz des Ehrgefühls 
vergessen wollte, welchen immer der Freie empfindet, 
wenn ihm der Stärkere das Gesetz geben will, weil er 
der Stärkere ist.; so konnte man sich der Furcht nicht 
vor dem wahrscheinlichen Ausgang des Kampfes erweh- 
ren. Noch stand Oesterreich mit frischgebildetem Heer#
        <pb n="230" />
        — 220 — 
allein da, Preußen unpartheisam, Rußlands Hülfe nur 
in der Ferne; hingegen am Rheine Frankreichs volle Macht, 
ein kühnes, altgeübtes, sieggewohntes Heer, und diese 
überlegene Macht von berühmten Feldherren geführt, an 
ihrer Spitze Napoleon selbst, dessen Name schon ein 
Heer galt. Und hätten auch beiderseits Streitkräfte und 
Feldheriugaben wirklich einander das Gleichgewicht gehal- 
ten: so dürfte doch nicht ganz vergessen werden, was 
das baierische Volk noch nicht vergessen hatte. Es sollte 
dieß Volk nämlich für Hesterreich abermahls in den 
Kampf gehen, für eine Macht, welche seit vielen Jahro 
hunderten die gänzliche Vernichtung Baierns begehrt, 
oft schon vorbereitet und beschlossen, hatte, und diese Ab- 
sicht noch vor, während und nach dem Lüneviller-Frieden 
bei jeder Gelegenheit und in den Augenblicken hervorleuch= 
ten ließ, da Baiern noch an den Wunden blutete, die 
es für Oesterreichs Rettung und Wohl, als Bundesge- 
noß empfangen hatte. Es sollte dieß Volk gegen 
Frankreich in den Kampf gehen, gegen eine Macht, 
ohne deren Beistand und entschlossenen Ernst, Baiern 
wahrscheinlich von dem großen Nachbarstaate verschlung 
gen, seines angestammten Fürstengeschlechts verlustig, und 
als eines der ältesten Stammvölker Deutschlands zur 
habsburgischen Nobenprovinz geworden wäre. Dieß hatte 
das Volk, dieß das Heer nicht vergessen. Es konnte 
seine Furcht und Scheu vor Oesterreich nicht in Liebe, und 
seine Dankbarkeit gegen Frankreich nicht in Haß verkehren. 
Kurfürst Maximilian Joseph kannte diese 
Stimmung, und wußte, wie stark er mit ihr oder wider 
sie seyn würde. Aber auch wußt' er, als deutscher Fürst, 
was er zuletzt für Ocutschlands-Unabhängigkeit und Ehre 
gegen ausländische Bothmaßigkeit sollé; nicht minder, als
        <pb n="231" />
        Landesherr und Vater seines Volks, wie sehr Baiern 
eines langen Friedens bedürfe, um wieder zum alten 
Wohlseyn genesen zu köonnen. Gern noch würd“ er seine 
Waffen mit denen des deutschen Kaiserhauses verbunden 
haben, hätt’ er um diesen Preis die innere Stille seines 
Landes und die äußere Sicherheit gegen Kriegsnoth er- 
kaufen können. In diesem Sinne antwortete der Kur- 
fürtt dem Kaiser, und er beschwor das Reichsoberhaupt, 
dem schwerbedrängten Baiern um so mehr eine volle Neu- 
tralität zuzugestehen, als sich sein erstgebohrner Prinz 
wirklich noch in Frankreich, und also in der Gewalt dieser 
Macht befände. 
Wie nun aber wirklich die Vereinigung des baieri- 
schen Heers mit dem dsterreichischen zur Sprache kam, 
und Fürst Schwarzenberg dem baierischen Kriegs- 
volke alle Selbsiständigkeit entziehen wollte, es vereinzelt 
den Heerschaaren Oesterreichs einzuverleiben ganz unbe- 
dingt verlangte: da sträubten sich Selbsigefühl und Ehre 
unwillig gegen die Zumuthung. Die Unterhandlungen 
wurden abgerissen, welche Baiern vor der Welt entwürs 
digen, und einem Bundesgenossen das Loos des besieg- 
ten Feindes zutheilen wollten. 
Inzwischen rückte die bdsterreichische Kriegsmacht un- 
aufhaltsam vor. Erzherzog Ferdinand, und unter ihm 
Feldzeugmeister Mak, ihre Oberbefehlshaber, führten sie 
schon (den Zien September) über den Inn, und ohne 
weitere Anfrage in Baiern hinein. Es schien darauf an- 
gelegt zu sepn, das ganze südliche Deutschland zu über- 
raschen, und im Sturm mit fort gegen Frankreich zu reis- 
seen. Diese Verletzung aller Rücksichten aber, diese Ver- 
letzung des Völkerrechts, und mochte sie auch von der 
Nothwendigkeit geboten seyn, entfremdete dem Hause Oe-
        <pb n="232" />
        — 222 — 
sterreichs jaͤhlings die suͤddeutschen Fuͤrsten, und ward 
die erste Ursache zum unglücklichen Ausgang der Ereignisse 
für Oesterreich. 
Schon war in Baiern (5ten September) die Einbe- 
rufung aller beurlaubten Krieger geboren. Die Schag- 
ren der ober= und niederbaierischen, der schwäbischen Mi- 
litair= und baierischen Cavallerie-Inspection, nebst dem 
dritten Artillerie-Bataillon empfiengen Befehl (Tien Sep- 
tember), sich sogleich unter Anführung des Generallien- 
tenants von Deroy bei Amberg zu sammeln. *) Der 
Kurfürst selbst verließ, um Herr seines freien Entschlus- 
ses zu bleiben, noch in der Nacht vor dem Oten Septem- 
ber die Hauptstadt und begab sich nach Würzburg. We- 
nige Tage nachher zogen die Oesterreicher durch München 
gegen den Lech. 
  
*) Das dem Generallieutenant Deroy demnach untergeord- 
nete Corps bestand, die schwäbische Inspestion ausgenom- 
men, gus den Infanterie-Regimentern 
1stes Linien-Leib-Regiment, 2 Bataillons 
Ztes Linien= Regiment Kurprinz 2 „ 
ötes Linien -Regiment Salern 2 * 
Stes Linien-Regiment Preysing 2 » 
Otes Regiment Herzog Wilhelm 2 
Ztes Regiment Herzog Pius 2 
botes Linien -Regiment Junker 2 
—.— 
*7 3 
  
Summa 14 Bataillons. 
bsstes leichtes Bataillon Meßzen 
Stes leichtes Bataillon Prevfing 
Stes leichtes Bataillon Stengel 
  
  
Summg 5 leichte Bataillons.
        <pb n="233" />
        — 223 — 
Rührend offenbarte sich die Treue und Vaterlands- 
liebe der Baiern in diesen verhängnißschwangern Tagen. 
Mitten durch die zahlreichen Haufen fremder Kriegs- 
schaaren, ungeschreckt durch die Worte fremder Ueber- 
macht, eilten die beurlaubten baierischen Soldaten, auf 
den ersten Ruf ihres Landesfürsten, den vaterländischen 
Fahnen zu. Nicht der Anbau ihres Feldes, nicht das 
Glück im Schooße ihrer Familien hielt sie zurück; und 
die Einzelnen, welche wirklich, der Ehre vergessend, zu- 
rückbleiben konnten, fühlten sich bald vom Schimpf und 
Fluch ihrer Mubürger, ja ihrer eignen Familien belastet. 
Binnen zehn Tagen stand bei Amberg das Corps des 
Generallieutenants von Deroy, und bei Ulm ein an- 
deres unter Befehl des Generallieutenants von Wrede 
versammelt, beide mit dem bestimmten Befehl, jede Be- 
rührung mit einem fremden Heere zu vermeiden, aber 
jede Gewaltthat, welche die Ehre der bajerischen Waf- 
#1stes Chevgurlegers-Regiment 3 Eseadrons 
ötes Chevaurlegers-Regiment 1# » 
istes Dragoner-Regiment 3 
2tes Dragoner-Regiment 3 „ 
v 
Summa 10 Escadrons 
und 3 Batterien, im Ganzen aus 13 Bataillons, 10 Es- 
cadrons, 3 Batterien. Die schwäbische Inspection bestand 
aus dem: 
Sten Linien-Regiment Herzog Karl 2 Bataillons 
Tten Linien-Regimennnn. 2 * 
2ten leichten-Bataillon-Vinzenti 1 * 
öten leichten-Bataillon-Weinbach 1 
#ten Chevauxlegers-Regiment 4 * 
Zusammen 6 Batgillons, 4 Escadronen und 20 Kanonen, stark.
        <pb n="234" />
        — 221 —— 
fen gefährden kodunte, mit Nachdruck zurückzuweisen. 
Daher, sobald Wrede den Eilzug der Oesterreicher ge- 
gen Ulm vernahm, zog er sich (18ten September) über 
Ellwangen, Wellberg und Gogstadt nach Rothenburg. 
Die Ueberschreitung würtembergischen Gebiets nach vor- 
läufiger Ankündigung gieng dabei aus dem Zwang der 
Umstände hervor. Eben so zog sich auch Deroy, als 
er das Anrücken dsterreichischer Kriegsvolker zur Donau 
und gegen Amberg vernahm, (in der Nacht vor den 25sten 
September) nach Bamberg zurück. 
Wie eilfertig auch anfangs die österrelchischen Heer- 
säulen überall vorrückten, als wollten sie, eines Flu- 
ges, die Schweizergränzen und den Rhein erreichen, 
machten sie doch plötzlich und unerwartet Halt, indem 
sie, 88,000 Mann stark, an der Iller und Schussen 
und auf beiden Ufern der Donau, zwischen Ulm und 
Memmingen, Stellung nahmen, welche zwei Städte 
mit aller Thätigkeit befestigt wurden. Der Grund schien 
leicht erkennbar. 
Der Kaiser der Franzosen gieng (den 25ten und 
26sten September) mit 153,000 Mann ') über den N hein. 
  
PE) nämlich: 
14) den Kaiserlichen Garden und 
2) der Caval.-Reserve 5 Divissonen unter 
Murat . 338,000 Mann 
3) dem isten Corps unter Marschall Ber- 
nadortte aus 3 Divisionen 15/000 „ 
5) den 2ten Corps unter Marschall Mar- 
mont aus 3 Divisionen 2s,000 „ 
5) dem ören Corps unter Marschall Da- 
voust gus 5 Dirisionen „ 17,000 P„D
        <pb n="235" />
        — 225 — 
Dagegen war die oͤsterreichische Macht, besonders wenn 
noch ein beträchtliches Beobachtungscorps gegen die 
Balern in der Oberpfalz abgesendet werden sollte, allzu- 
schwach. Auch hatte nun, wie zugleich der Kurfürst 
von Würtemberg, schon Kurfürst Marimilian Joseph 
nunwiderrustich entschieden, da keine Neutralttät für ihn 
mehr zu hoffen war, sich derjenigen der kriegführenden 
Mächte anzuschließen, die, ohne vorher seine Selbst- 
ständigkeir gekränkt zu haben, Ehre und Unabhängigkeir 
Baierns am Nachdrücklichsten sichern konnte und wolte. 
Zu spät erschien nun der bösterreichische Gesandte, Graf 
Buol-Schauenstein, vor dem Kurfürsten (Listen 
September). Schon war die Lage der Dinge zu sehr 
verwandelt. 
Also sah sich Baiern jählings in einen Krieg ver- 
wickelt, an welchem es, ohne Vorbereitung, von der 
Macht der Umstände zur Theilnahme gezwungen war. 
Durch eine Reihe vorangegangener Kriege erschöpfr, hatte 
es seit Abschluß des Lüneviller= Friedens zu kurze Frist 
gehabt, dem Wehrstande die ndihige Vollendung zu ges 
bent aber mehr geleistet, als eben solche Frist erwarten 
ließ. 
6) dem aten Corps unter Marschall Soult 
aus 3 Divisionen 15,000 Mann 
7) dem öten Corps unter Marschall Lan- 
nes aus 3 Divisonen 10, 000 „ 
8) dem öten Corps unter Marschall Nev 
aus 5 Divisionen 1585,000 
M dem rten Corps unter Marschall Auge- 
regu gus # Dioisionen: „ 
–— — 
  
  
  
Summa 134,000 Mann 
—— — 
10
        <pb n="236" />
        — 226 — 
4. 
Innere Bildung des baierischen Heers. Ver- 
einigung desselben mit Marschall Berna- 
dotte. Anfang der Feindseligkeiten. 
Es ward das Heer der Baiern unter dem Oberbefehl 
Deroy's und Wrede's in sechs Brigaden getheilt. 
Jede Brigade war aus zwei Linien-Regimentern, ei- 
nem Bataillon leichten Fußvolks und einem Regimente 
Reiterei zusammengesetzt. 'z) Jedes Linien-Regiment be- 
stand aus zwei Bataillons, das Bataillon aus einer 
Grenadier= und drei Füßilier-Compagnien, die Compagnie 
aus 155 Feuergewehren. Ein leichtes Bataillon hatte 
ebenfalls vier Compagnien. 
Die bisher bei den Linien-Regimentern gewesene 
neunte und zehnte Compagnie, so wie die fünfte der 
leichten Bataillons, wurden von ihren Corps gerrennt, 
  
*5) iste Brigade: Generglmajor Graf Nutius 
Minnucci. 
istes Linien= Infanterie-Leib-Regiment, 
#tes Linien-Infanterie-Regiment Kurprinz. 
41stes leichtes Infanterie-Bataillon Mehzen. 
rstes Dragoner-Regiment Minuzzi- 
dte Brigade: Generalmgjor Graf Marsigli. 
ötes Linien-Infanterie= Regiment Salern. 
Stes Linien -Infanterie-Regiment Prevsing. 
5tes leichtes Infanterie-Bataillon Lamotte. 
#tes Dragoner-Regiment-Taxis. 
öte Brigade: Generalmgjor Graf Mezanelli-. 
Stes Linien-Infanterie-Regiment Herzog Karl. 
vtes Linien= Infanterie-Regiment. 
2#tes leichtes Infanterie = Batajllon Vincenti. 
1stes Chepguxlegers = Regiment Kurprinz.
        <pb n="237" />
        mit den durch jene neue Einrichtung uͤberzaͤhlig gewordenen 
Offizieren und Gemeinen verbunden, und voͤllig bewaff- 
net nach Wuͤrzburg geschickt. Aus ihnen, und besonders 
aus der übrigbleibenden Mannschaft vom Oten und 12ten 
Regiment (Isenburg und Löwenstein), formte sich dort 
ein dreizehntes Linien-Regiment. Alles, was diesem 
nicht eingereiht ward, gab für die Bataillone einen Er- 
gänzungsbestand ab, in welchem die neuzukommende 
Mannschaft von gedienten Hauprleuten im Felodienst vor- 
geübt wurde. 
Auf ähnliche Weise ward die Reiterei eingetheilt. 
JFedes Regiment nämlich rückte mit vier Escadronen oder 
zwei Divisionen ins Feld, die zwei übrigen Escadronen 
machten unter dem Oberstlieutenant jedes Regimenrs 
den Ergänzungsbestand aus. Sämmtliche Ergänzungs- 
mannschaften des Fußvolks standen unter Befehl des Ge- 
Ste Brigade: Generalmgjor Baron Karg. 
btes Linien-Infanterie-Regiment Herzog Wilhelm. 
15tes Linien-Infanterie-Regiment. 
Stes leichtes Infanterie= Batgillon Preysing. 
Z2tes Chevaurlegers-Regiment Kurfürst. 
Söte Brigade: Generalmgjor GrafFranz Minucci. 
htes Linien -Infanterie-Regiment Herzog Pius. 
12tes Linien-Infanterie-Regiment Löwenstein Wertheim. 
Stes Chevauxrlegers-Regiment Leiningen. 
Ates leichtes Bataillon Stengel. 
öte Brigade: Generalmajor Siebein. 
ptes Linien-Infanterie-Regiment Isenburg. 
210tes Linien -Infanterie-Regiment Junker. 
öStes leichtes Infanterie -Bataillon Weinbach. 
Ates Chevauxlegers-Regiment Bubenhofen. 
16 *
        <pb n="238" />
        — 228 – 
— 
neralmajor von Krohne, und der Reiterei unter dem 
Generallieutenant Grafen von Taufkirchen. 
Jeder von den obenerwähnten Brigaden wurden drei 
Batterien Geschütz zugetheilt, die Batterie zu zwei Zwlf- 
pfündern, acht Sechspfündern und zwei Haubitzen ge- 
rechnet, nebst Feldschmieden, Kohlenwagen und Muni- 
tionèwagen. ') Zwdlf andere Stücke bildeten die Artil- 
leriereserve im Felde. Zur Bedienung gesammten Ge- 
schützes waren vier Compagnien Artilleristen bestimmt. 
Der General Baron Hallberg übernahm den Befehl 
des Artillerie-Depots, die schleunigste Ausrüstung des 
noch vorräthigen Feldgeschützes und die Ausfertigung der 
erforderlichen Munition. Was ein Mann von Kraft, 
Sachkunde und Regsamkeit leisten kann, das bewieß die- 
ser treffliche Befehlshaber. Kaum in Vorchheim (17#te#n 
September) eingetroffen, lieferte er binnen sechs Tagen 
schon eilf Wagen voll neubereiteter Munition für die 
Artillerie und 300,000 Patronen für die Infanterie, dann 
(26ten Septbr.) nach Würzburg aufgebrochen, sicherte 
er nicht nur den augenblicklichen und zukünftigen Bedarf 
der baierischen Armee und der Veste Marienberg an Schieß- 
bedarf für Artillerie= und Infanterie, an Lafeten, Wa- 
gen u. s. w., sondern befriedigte auch die Forderung des 
französischen Heers mit fünf Millionen Flintenpatronen. 
Selbst diejenigen, welche bisher noch den Werth 
der eingeführten Verbesserungen beim Kriegswesen be- 
zweifelt haben mochten, erkannten ihn jetzt willig an, 
und fühlten, nachdem ihnen der Aufwand für das Heer- 
  
— 
*.) Sämmtlichen 30 Bataillonen wurden 60 Infanterie = und 
der Reiterei 9 Cavallerie-Munitionswagen gegeben.
        <pb n="239" />
        wesen im Frieden unmaͤßig geschienen, die Nothwendig- 
keit, daß man im Frieden den Krieg ruͤsten muͤsse, wenn 
man durch den Krieg ehrenhaften Frieden begehre. 
Unterdessen hatte General Mak die Stellung des 
österreichischen Heers festgeordnet, den Engpässen des 
Schwarzwaldes gegenüber. Die Hauptmachtr, in einer 
sechs Meilen weiten Ausdehnung, hatte er rechts an 
Ulm, links an Memmingen gelehnt. Fürst Schwar- 
zenberg, mit den Vorwachten jenseits der Iller, streckte 
seinen linken Flügel bis Lindau, das er befestigte. Im 
Vorarlberg stand General Jellachich; bei Donanworth 
General Kienmair. So glaubte Mak mit Sicherheit 
die Ankunft der rußischen Kriegsmacht abwarten, oder 
nach Belieben angriffsweise verfahren zu kdunen. 
Kaiser Napoleon, über Straßburg nach Ludwigs- 
burg (#ten October) angekommen, schloß mit den Hofen 
von Baden, Würtemberg und Baiern die Bündnißver- 
träge ab, und faßte sogleich den Gedanken, die Ver- 
einigung der rußischen Hülfsmacht mit dem Heer der 
Oesterreicher unmdglich zu machen, daher die Engpässe 
des Schwarzwaldes zu umgehen, und die Desterreicher 
von der Nordseite der Donau her anzugreifen. Also 
zog sich Marschall Davoust mit 15,000 Mann über 
Mannheim, Heidelberg, Ingelfingen gegen Südfranken, 
Marschall Soult mit 15,000 Mann über Germersheim, 
Heilbronn und Aalen gegen Rdrdlingen; Marschall Ney, 
Lannes, Murat gegen Stuttgart; Marschall Mar- 
mont, mit der batavischen Armee 25,000 Mann stark, 
über Mainz nach Würzburg, um sich mit Marschall 
Bernadotte zu vereinigen, welchem Napoleon den 
Oberbefehl des ganzen linken Flägels und zugleich der 
baierischen Armee anvertraut hatte.
        <pb n="240" />
        — 230 — 
Bernadotte selbst war (2rsten September) in 
Wuͤrzburg eingetroffen. Am dritten October sollte von 
hier Alles aufbrechen, den naͤchsten Weg nach Noͤrd- 
lingen, weil Napoleon vermuthete, Mak werde ihm 
entgegen gehen, und in jener Gegend eine Schlacht wa- 
gen. Tags vor dem Aufbruch kuͤndete Marschall 
Bernadotte dem Generallieutenant Wrede an, wo- 
hin der Zug gehe, daß man, auf Befehl des Kaisers, 
ohne Ruͤcksicht auf Preußens Neutralitaͤt, das Gebiet 
von Ansbach uͤberschreiten, und Wrede mit den Baiern 
den Vortrab des Ganzen bilden musse. 
Der baierische General erschrack, und suchte mit al- 
ter Beredsamkeit den franzdsischen Marschall zu bewegen, 
von dieser Verletzung eines neutralen Bodens, oder we- 
nigstens davon abzustehen, daß keine Baiern dazu ge- 
braucht würden, weil die dankbar persoönliche Anhäng- 
lichkeit des Kurfürsten am preußischen Monarchen durch 
solche Gewaltthat auf's Bitterste gekränkt würde. Ja der 
Kurfürst selbst ließ es nicht an Versuchen fehlen, wenig- 
stens zu verhindern, daß keine Baiern an der Spitze 
des franzdsischen Heeres ein Land, gleichsam feindlich, 
berührten, dessen Landesherr sowohl, als die Vorfahren 
desselben, in entscheidenden Augenblicken den Staat von 
Baiern vor Untergang bewahrt hatten. Der Marschall 
blieb unbeweglich. Er hatte den gemessenen Befehl des 
Kaisers; und dem Kaiser schien sehr daran gelegen zu 
seyn, eben die zwischen dem preußischen und baierischen 
Hause bestandenen Freundschaftsverhältnisse zu zerreissen. 
Nichts war mehr zu ändern; die Zeit zu kurz. Sollte 
der Souverän von Baiern hier, nahe vor den Schlacht- 
tagen, eigenmächtig seinem Sinne folgen; die gesamm- 
ten Entwürfe seines neuen Bundesgenossen umstürzen;
        <pb n="241" />
        ihn den daraus entstehenden Gefahren Preis geben, und 
noch dessen Rache, neben Oesterreichs Zorn, uͤber sich 
und sein Land rufen? Es blieb keine Wahl. 
Der Zug begann, und, trotz aller feierlichen Vere 
wahrungen einzelner Civil= und Militairbehdrden, über 
Vorchheim durch das Hreußische Gebiet. Generallientenant 
Wrede bildete den Vortrab der Baiern, die durch ih- 
ren Feldherrn Deroy (Aten October) das ermunternde 
und mächtige Wort ihres Landesfürsten vernahmen, sich 
auf die herannahenden großen Ereignisse vorzubereiten. 
Beinahe 100,000 Mann zogen über das Gebiet von Ans- 
bach, nicht ohne beträchtlichen Schaden dieses bisher 
unter einer väterlichen Verwaltung glücklich gewesenen 
Ländchens. Aber mit dieser schreienden Verletzung des 
Volkerrechts war das Verderben des osterreichischen Heers 
bei Ulm so gut, als entschieden. Denn Napoleon 
hatte nun binnen wenigen Tagen durch woblberechnete 
Bewegungen die Engpässe des Schwarzwaldes vermieden, 
seinen rechten Flügel nicht den Bedrohungen aus den 
Tirolergebirgen blosgestellt, sondern sein Heer nach Bail- 
ern, dem Feinde seitwärts und im Rücken versetzt. 
Am öten Öctober stand nähmlich Marschall Ney 
bei Katzenstein, südwestlich von Rördlingen, zur Beob- 
achtung Ulms; Soult an den Brücken von Donauwörth 
und Münster: Lannes bei Neresheim, Prinz Murat 
mit seinen Dragonern an der Donau; Davoust, links 
und rechts der Wernitz, bei Oettingen; Marmont 
bei Wassertrüdingen; Bernadotte bei Gunzenhausen 
mit Streifhaufen bis gegen Weissenburg; Deroy mit 
den Baieru bei Spalt, deren Vortrab unter Wrede 
starke Partheien nach Hippoltstein und Heidek schickte.
        <pb n="242" />
        —252 — 
Zu derselben Zeit standen die Oesterreicher noch ganz 
unverändert in alter Stellung, ausgenommen, daß Ge- 
neral Kienmair früher schon von Donaunb#rth nach 
Mindelheim gegangen war. Der Feldzengmeister Makb 
hielt alle Bewegungen seines Feindes für Scheinbewe- 
gung, und wähnte, der Angriff gegen ihn müsse von 
Wesien her geschehen. Diese Täuschung vollendete das 
Unglück seines braven Heers. 
  
5. 
Gefechte bei Rain, Wertingen, Gänzburg. 
Befreiung Münchens. Maks Capitulation 
in Ulm. Werneks Capitulation in Troch- 
telfingen. Erzherzog Ferdinands Zug 
nach Böhmen. 
Nach einem nächtlichen Zug gieng Murat bei Ta- 
gesanbruch (Iten October) zu Donauwörth ungehindert 
über die Donau, gegen Rain am Lech. Hier griff sein 
aus Dragonern bestebender Vortrab, geführt vom Oberst 
Walter, den beträchtlichen Heerhaufen Kienmairs 
an, und zwang ihn zum Rückzug nach Aicha. Wäh- 
rend dessen wandten sich die Baiern über Ellingen nach 
Weissenburg, wo sie sich links dieser Stadt lagerten 
und Bernadottes Schaaren rechts. Der franzdsische 
Vortrab unter General Kellermann entsandte Streif- 
wachten bis Eichstädt; Deroy dergleichen auf die Gre- 
dinger= und Beilengrießer-Straße; Wrede auf die Straße 
nach Kupfenberg. Mit den Heerhaufen Davoust und 
Marmonts wurden Verbindungen gufgesucht und un- 
terhalten.
        <pb n="243" />
        Nun ward Mak unruhiger. Er dehnte seine Stel- 
lung (Tien October,) längs der Donan bis Günzburg aus, 
und ließ den Feldmarschall-Lieutenant Auffenberg 
nach Wertingen rücken, die bei Oonauwörth herüber- 
gekommenen Franzosen zu beobachten. Aber Murat 
warf sich mit drei Divisionen Reiterei, und dazu noch 
durch Oudinots Grenadier-Dioisionen und den Heer- 
haufen des Marschalls Lannes unterstützt, so überle- 
gen und rasch gegen Auffenberg, daß die ausgezeich- 
nete Tapferkeit weder des in Vierecken aufgestellten öster- 
reishischen Fußvolks, noch des Cavallerie-Regiments, zum 
Widerstand stark genug, war. Die Oesterreicher verlo- 
ren durch dieß unglückliche Gefecht 52 Offiziere, 1400 
Mann, 3 Fahnen, 6 Kanonen, und die Verbindung 
zwischen Ulm und Augsburg. Und in der gleichen Zeit 
setzte Bernadottes Corps, von Deroy's= und 
Wrede's Batern begleitet, seinen Marsch fort über 
Eichstädt, wo die Besatzung, eine Compagnie Salz- 
burger, durch einen Zug der Leib-Compagnie des drit- 
ten Regiments (Herzog Karl) unter dem Oberlieutenant 
Treuberg, entwaffnet wurde, — nach Eidensheim bei 
Ingolstadt; Wrede mit dem Vortrab über die Donau 
is, Unsern-Herrn. Aus allen Bewegungen, welche Na- 
poleon anordnete, aus dem Auftrage, den Bernadotte 
an Wrede erließ, gegen München zu dringen, diese 
Hauptstadt vom Feinde zu befreien, und dann auf der 
Straße gegen Wien seine Vortheile zu verfolgen, — 
ward klar, der ganze Gang dieses Feldzuges sollte gleich- 
sam eine Wiederholung dessen werden, den Moregqu 
schon im Jahr 1800 befolgt hatte. Deun im Fall einer 
Niederlage der Oesterreicher bei Ulm, blieb ihnen, sobald 
München und die Umgebungen ihnen verschlossen stan-
        <pb n="244" />
        den, keine Vertheidigungs-Linie mehr. als am Inn, 
zu nehmen uͤbrig. Generallieutenant Wrede zog also 
gegen Muͤnchen, und kuͤndigte seinen Kriegern in einem 
des großen Augenblicks wuͤrdigen Tagesbefehl eine tha- 
tenreiche Zukunft an. 
Feldzeugmeister Mak inzwischen, belehrt vom Un- 
glück der Seinigen zu Wertingen, zog alsbald seine ganze 
Hauptmacht in eine neue Stellung zusammen, links an 
Ulm, rechts an Günzburg gestützt. Er selbst verlegte 
sein Hauptlager nach Günzburg. In Memmingen, des- 
sen Befestigung fortgesetzt ward, ließ er nur Besatzung. 
Aber mit dieser Stellung gabeer seine rechte Seire und 
seinen Rücken, so wie die Verbindung mit dem Tirol 
preis, um so mehr, da Fellachich in Eil vom. Bo- 
densee nach Ulm rücken mußte. Von der andern Seite 
hingegen führte Napoleon seinen Entwurf ungehindert 
aus, den Feind, welchen er nördlich und dstlich umgieng, 
fest zu umspinnen. Schon hatten Launes und Murat, 
nach dem Tag bei Wertingen, auch Zusmarshausen be- 
setzt. Nun entflammte der französische Kaiser mit der 
ihm eigenen Beredsamkeit sein Heer zum großen Schlage. 
Murat, durch eine Bewegung nach Burgau, bedrohte 
Günzburg rückwärts, während Marschall Ney, von 
Katzenstein her, die Oerter Langenau und Günzburg selbft 
angriff (gten October), um sich der drei Donaubrücken 
in diesen Gegenden bemeistern zu können. Es war ein 
blutriger, hartnäckiger Kampf. Die Oesterreicher fochten 
ldwenhaft, begeistert durch Muth, Wort und That ih- 
res Anführers, des Erzherzogs Ferdinand. Aber, 
als sie der Ihrigen schon bei 1200 und den General 
Aspre verloren hatten, mußten sie auf den Besitz ih- 
rer Stellung verzichten.
        <pb n="245" />
        Unterdessen zogen von allen Seiten die franzoͤsischen 
Schlachthaufen, jetzt und in den folgenden Tagen, ih- 
ren Kreis fester und enger gegen Ulm zusammen. Da- 
voust, nach Alcha vorgedrungen (Oten October), ver- 
anlaßte den Rückzug des Generals Kienmair nach 
München. Lannes erreichte (11ten October) süddstlich 
von Ulm den Punct Weissenhorn; Soult, über Aicha 
gehend, Landsberg am Lech, wo er einem Regiment öster- 
reichischer Cürasssere beträchtlichen Schaden zufügte; Ney, 
an beiden Donauufern vorrückend, stellte eine Abtheilung 
seines Heerhaufens mit dem General Dupont am. noͤrd- 
lichen Ufer, eine andere gerade Ulm gegenüber auf; Mar- 
mont eilte von Neuburg an der Donau den Höhen von 
Illersheim zu. Bernadotte, und mit ihm die Bai- 
ern, bewegten sich von Ingolstadt gegen München. 
Schon war am 11ten October, vor Tagesanbruch, 
der Generallieutenant Wrede mit dem Vortrabe des 
baierisch= franzdsischen Heers bei Unterbruck über die 
Amper gegangen, und Mittags auf den Anhbhen von 
Haimhausen und dem sogenannten Chausseehause, nur 
drei Stunden von München, als er Befehl erhielt, so- 
gleich gegen Kalten-Herberge aufzubrechen; dort den 
vortheilhaft stehenden Feind zu verdrängen; es koste was 
es wolle, in München einzudringen, und die Hauptstadt 
vom Feinde zu reinigen. Er rückte vor. Bei der Kalten- 
Herberge stieß er auf ein feindliches Piket von einem 
Offzier und 156 Mann. Er, mit einiger Renterei und 
dem leichten Bataillon Stengel, überfiel es und nahm 
es gefangen. Gleichzeitig hob der Oberlieutenant Baron 
Hertling, der mit Leiningen Chevaurlegers zur De- 
ckung des rechten Flügels gegen Schleißheim ausgesandt 
war, einen feindlichen Posten von fünf Husaren und
        <pb n="246" />
        — 236 — 
einem Uhlanen daselbst auf, so wie der Lieutenant Spi- 
tzel von Churprinz-Chevaurlegers, den der General 
gegen das vom Feind besetzte Dachau auf's rechte Am- 
per: Ufer geschickt hatte, ein Piket Lichtensteinischer Hu- 
saren überraschte, und den Corporal nebst vier Mann ein- 
brachte. Wrede war im Begriff, die Oesterreicher und 
ter Kienmair in München anzugreifen, als Ber- 
nadotte, der erst bis Hohenkammer und Unterbruck 
gekommen war, gebot, den Angriff bis folgenden Morgen 
zu verschieben. Kienmair bereitete sich inzwischen 
aber schon zum freiwilligen Abzug. Wahrscheinlich um 
diesen zu verbergen, ließ er eine starke Reiterei-Abtheis 
lung gegen die baierischen Posten zwischen Schleißheim 
und der Schleißheimer Waldspitze streifen, die aber rasch 
zurückgeworfen wurde. Schon in der Nacht erfuhr 
Wrede durch seine ausgesandten Streifwachten den Ab- 
zug des Feindes, und mit Anbruch des folgenden Tages 
rückte er, an der Spitze des ersten Dragoner: Regiments, 
durch's Schwabinger Thor in die Hauptstadt Baierns ein. 
Der Jubel des Volks beim Erblicken der vaterlän- 
dischen Krieger war unbeschreiblich groß, und um so 
mehr, da eben dieser Tag zugleich das Namensfest des Kur- 
fürsten Marimiliagn Joseph war. Wrede überließ 
den Genuß dieses rührenden Schauspiels den mit Ber- 
nadotte nachrückenden Kriegsvolkern. Er selbst eilte, 
an der Spitze einer Escadron von Leiningen Chevaux- 
legers, welcher zur Unterstützung die ganze Cayallerie 
des Vortrabs folgen mußte, die Höhen des Gasteigber- 
ges zu gewinnen, während er den Major Ellbracht 
mit vier Zügen des dritten Chevaurlegers-Regiments 
rasch auf der Rosenheimer= und Wasserburger-Straße vor- 
Slicken ließ. Der Feind ward so lebhaft verfolgt, daß
        <pb n="247" />
        — 237 — 
Wrede mit dem ersten Dragoner-Regiment und den 
übrigen drei Escadronen Leiningen-Chevaurlegers den 
Weg von München bis Parsdorf in anderthalb Stun- 
den zurücklegte, und dem österreichischen Nachtrabe 1100 
Gefangene, vieles Gepäck und Pferde abnahm. Vor 
Parsdorf selbst noch wurde ein ganzes feindliches Ba- 
taillon gefangen genommen. Kienmgir stellre sich 
nun hinter diesem Ort, auf den Anzinger Hôhen, in 
Schlachtordnung. Wrede, durch vielfache Absendun- 
gen seiner Reiterei bis auf vierzehn Rorten geschwächt, 
nahm in und bei Parsdorf, bei beginnender Nacht, Ruhe. 
Ein paar Waffenthaten verdienen hier der Erwäh- 
nung. Der Lieutenant Baron von Hirschberg, der, 
während der Bewegung gegen Parsdorf, mit vier Mann 
und einem Corporal des ersten Dragoner-Regiments gegen 
Waltenstetten seitwärts gesandt war, stieß hier auf fünf 
und zwanzig Cürassiere des Regiments Mak, die ein 
bedeutendes Depot begleiteten. Er, ohne Zaudern, sprengt 
auf sie ein, greift an, und mit Verlust eines Drago- 
ners macht er sie insgesammt zu Gefangenen, und das 
beträchtliche Depot zur Beute. — Noch kühner war die 
Handlung des Corporal Lampert vom Oragoner-Re- 
giment Minuzzi, welcher beim General Wrede als 
Ordonanz stand. Er hörte, während des Zuges nach 
Parsdorf, daß an der Spitze eines Waldes, links von 
Feldkirchen, ein dsterreichisches Piket stehen solle. Er 
flog werterschnell dahin, achtete nicht der auf ihn gerich- 
teten Schüße, und zwang die überraschten Feinde, es 
waren ein Corporal und acht Mann, sich ihm zu erge- 
ben. — Eben so gelang es dem erwähnten Major Ell- 
bracht, der mit vier Zügen des dritten Chevaurlegers- 
Regiments auf der Rosenheimer-Straße vorgesandt war,
        <pb n="248" />
        — 238 — 
einen dsterreichischen Artillerie-Train von vier Haubitzen, 
neun Kanonen, vier Mdrsern und dazu gehdriger Mu- 
nition zu erbeuten, und dessen Bedeckung durch zwei Of- 
fiziere und zwölf Mann, gefangen zu nehmen.) Auch 
noch in den nächsten folgenden Tagen (15ten und 14#ten 
October) wurden von den Streifpartheien, welche 
Wrede, von Parêdorf aus, nach allen Richtungen 
sandte, bei 3500 Gefangene und 300 Ueberläufer einge- 
bracht. Inzwischen gewann General Kienmair Zeit, 
nach einem Gesammt-Verlust von 1400 Mann und 19 
Kanonen den Inn zu erreichen, und bei Braunau zu den 
Russen zu stoßen, welche General Kutusow herbeifährte. 
Denn der Marschall Bernadotte mußte den Kriegs- 
volkern, die er befehligte, wegen ihrer Erschdpfung nach 
langen Anstrengungen und bei der übelsten Witterung 
eine Erholungsfrist in den Cantonirungen von Mün- 
chen und der Umgegend, so wie im Lager bei Riem 
gewähren. 
Während dieser Ereignisse war das dsterreichische 
Heer bei Ulm von dem französischen immer fester umklam- 
mert worden. Zwar hatte Mak, welcher seine Haupt- 
stärke an dem kleinen Bache, genannt Blau, zusammen- 
gezogen, die am ndrdlichen Donauufer aufgestellte Divi- 
sion Dupont vom Nep'schen Corps mit Uebermacht 
(12#ten October) angegriffen, und sie gezwungen, nach 
einem Verlust von 1500 Todten, 900 Gefangenen und 
  
*) Mit Auszeichnung hatten sich bei dieser Gelegenheit der 
Rittmeister Speeg, der Lieutenant von der Marck, 
der Wachtmeister Sauter, Korporal Maurer, die 
Gemeinen Koos, Obermair, Mang und Heller 
jenes Regiments benommen.
        <pb n="249" />
        — 239 — 
eilf Kanonen, gegen Gundelfingen und Lauingen zuruͤck- 
zuweichen: allein er zog davon keinen andern Vortheil, 
blieb am Bache stehen, und gab, durch falsche Nach- 
richten getäuscht, dem vorübergehenden Gedanken keine 
Folge, sein Heer durch schleunigen Rückzug zu retten. 
Als aber Murat (am 138ten October) südwärts 
zwischen Ulm und Weissenhorn, Lannes und Marmont 
südwestlich bei Weissenhorn, Nep ostwärts und im Nor- 
den von Ulm erschien, und Sould den dsterreichischen Ge- 
neral Spangen in Memmingen zwang, sich ihm mit 
neun Bataillonen und der Stadt (131en# October) zu 
übergeben: da konnte nur noch ein Kampf auf Leben 
und Tod in blutiger Schlacht die Ehre und Freiheit des 
kaiserlichen Heers bei Ulm retten. Wider die allgemeine 
Stimme sämmtlicher ihm untergeordneten Feldherrn und 
Befehlshaber mied der Feldzeugmeister Mak diesen ent- 
scheidenden Kampf. Aber Napoleon suchte ihn desto 
entschlossener. 
Darum warf sich (15ten October) Marschall Ney 
mit Ueberlegenheit auf den Feldmarschall-Lieutenant 
Riese bei Elchingen, und entriß ihm diese Stadt und 
die Donaubrücke dabei, nach hartnäckigster Vertheidi- 
gung. Lannes bemächtigte sich der Anhdhen, welche 
die Ebenen beim Dorfe Pfuhl beherrschten, und drängte 
die auf dem Riede gestandenen Oesterreicher in den 
Ulmer Brückenkopf zurück. Marmont erkämpfte die 
Illerbrücken bei Ober= und Unterkirchberg. Murat 
beschäftigre und zerstreute die feindliche Reiterei. Na- 
poleon, um die Einschließung Mak's zu vollenden, 
ihm den letzten Ausweg nach Franken zu versperren, 
ließ noch einen Theil der bei Ingolstadt, zur Deckung
        <pb n="250" />
        240 — 
des Rückens, gebliebenen Dioision Rivand und der 
baierischen Brigade Siebein (von letzterer nur 130 
Mann des vierten Chevaurlegers-Regimen's Bubenhofen 
unter dem Major von Lindenan) über Rain nach 
Donauwbrth gehen. 
Die Nacht, welche diesem Tage folgte, an dem 
General Mak 6,000 Mann, 25 Kanonen umd alle Ver- 
bindung mit dem Heerhaufen des General Werneck bei 
Heidenheim verloren hatte, war vielleicht die letzte gun- 
stige Frist, das dsterreichische Heer durch schleunigen 
Rückzug über Nördlingen nach Bôheim zu retten. Die 
Absendung des General Jellachich aus rechte Donau-= 
#fer bei Ulm schien wirklich Vorbereitung dazu zu wer- 
den. Dennoch geschah es nicht. Nur der Erzherzog 
Ferdinand, nachdem derselbe dem Feldzeugmeister 
Mak vergeblich die dringendsten Vorschläge gethan, be- 
nutzte den Augenblick, und zog sich, begleiret vom Ge- 
neral Fürsten Schwarzenberg, und einem Theil der 
Reiterei, eiligst von Ulm nach Geißlingen gegen das 
Wernekische Korps. Wenige Stunden später, und er 
hätte auch diesen Ausweg verrammelt gefunden. In 
derselben Nacht überfiel der baierische Rittmeister von 
Kracht mit dreißig Mann vom vierten Chevaurlegers- 
Regiment, als er zur Erspähung der Feinde über Neu- 
stadt an der Donau nach Pfaffenhofen gesandt war, 
ein feindliches Piket im Dorfe Altdorf. (Es stand zu 
Landöhut eine dsterreichische Dragoner-Division.) Er 
tddtete und versprengte die Mannschaft, und nahm ei- 
nen Offizier nebst acht Dragonern gefangen.) 
Fol- 
*) Bei welcher Gelegenheit genannter Rittmeister Kracht, 
der Korporal Dometh, die Chevaurlegers LOVemmlein, 
Ochs und Hard sich ehrenvoller Erwähnung würdig machten.
        <pb n="251" />
        — 241 — 
Folgendes Morgens ward die Einschließung Ulms 
vollendet, indem die Franzosen, ungeachtet des fürchter- 
lichen Wetters, den Michaelsberg und die dsterreichischen 
Schanzen darauf, mir stürmender Faust eroberten, und 
das gesammte Heer ihrer Feinde in den engen Raum 
der Stadt zusammendrückten. Als nun Mak in dieser 
verzweiflungsvollen Lage noch kühn genug verweigerte, 
sich und sein Kriegs-Heer zu übergeben: drohte der 
Donner der Batterien vom Geisberg und Michaelsberg 
her (Nachmittags den 10ten October) ihm, seinem Kriegs- 
volk, der Stadt und den Einwohnern die unvermeidliche 
Vernichtung. Also schloß er (17ten October) die Ue- 
bergabebedingungen ab, und lieferte (20ten October 
Nachmittago) den wichtigen Waffenplaz Ulm, das noch 
25,000 Mann starke Heer, nebst 00 Kanonen, aller Muni- 
tion u. s. w. in die Gewalt des Siegers. 
Mittlerweile waren Murat und Lannes mit eini- 
gen Divisionen ausgesandt worden, theils den Erzher- 
zog Ferdinand guf seinem Juge nach Bbheim zu ereilen, 
theilSs den General Werneck zu vernichten, welcher ver- 
einzelt bei Heidenheim mit 8,000 Mann stand. Wer- 
neck, beim Anblick Murats, zog sich (10ren October) 
auf die Hôhe von Herbrechringen. Er verhinderte hier 
zwar mit tapferm Widerstand, der ihm 5,000 Mann koste- 
te, die von den Franzosen beabsichtigte Einschließung, 
war jedoch nicht im Stande, den Punkt Herbrechtingen 
zu behaupten. Er zog mit den ihm gebliebenen Frie- 
gern längs der Brenz zurück gegen Aalen, nur noch in 
der Hoffnung, den Erzherzog Ferdinand zu erreichen, und 
sich mit ihm zu vereinigen. Das Wetter war hechst 
übel, der Weg abscheulich, die Mannschaft an Kraft 
erschopfr, und durch so viel Ungluͤcksfaͤlle schon muthlos. 
16
        <pb n="252" />
        — 242 — 
Bei Oberkochen, ohnweit Aalen (17ten October) ange- 
kommen, erschien Befehl, noch an demselben Tage über 
Neresheim und Trochtelfingen zu gehen, um bei Oettin- 
gen die Vereinigung mit dem Exzherzog zu bewerkstelli- 
gen. Er gieng. 
Aber der franzdsische General Rivand eilte mit 
einem Theil seiner Division, und der baierischen Brigade 
Siebein (zu Ndrdlingen noch mit einiger Artillerie und 
Reirerei verstürkt) nach Pflaulach, Durrenzimmern und 
Trochtelfingen. Hier stellte sich General Werneck eben 
auf, der in einem Gefecht seines Nachtrabes unweit 
Neresheim fast aller seiner Reiterei beraubt worden war. 
Von Heidenheim her erschien Murat, welcher dem Erz- 
herzoge auf dem Fuße gefolgt war. Von Aalen und 
Nbrdlingen her kam Marschall Lannes. So war Wer- 
neck von allen Seiten eingeschlossen. Noch versuchte es 
eine österreichische Division von Palatin-Husaren und 
eine beträchtliche Abtheilung Dragoner (bei Tagesanbruch 
den 18ten October) über Pflauloch zum Erzherzog Fer- 
dinand durchzubrechen. Allein der baierische Major Lin- 
denau mit seinen 130 Reitern warf sich ihnen in Pflau- 
loch entgegen, vertrieb sse aus dem Dorfe, nahm einen 
Rittmeister und mehrere Mannschaft gefangen, entriß 
ihnen auch einen Haubitz= und Granadenwagen, und 
zwang alle übrigen nach Trochtelfingen zurück. Eben 
derselbe, vereint noch mit 150 franzbsischen Dragonern, 
trug am nämlichen Tage auch vorzüglich dazu bei, daß 
der bsterreichische Heerhaufe noch 300 Gefangene und 
10 Kanonen verloren. Das raubte dem General Wer- 
neck die letzte Hoffnung, sich durchschlagen, oder Un- 
terstützung gewinnen zu konnen. Also übergab er die 
Ueberbleibsel seines Corps im elendesten Zustande den 
Siegern.
        <pb n="253" />
        — 245 — 
Murat verfolgte nun den Erzherzog Ferdinand. 
Mit sich nahm er den Major von Lindenau und des— 
sen Baiern, deren Tapferkeit Murat und Rivaud 
bffentlich ehrte. ) Die Nachhut der Oesterreicher ward 
in der nürnbergischen Vorstadt Gostenhof ereilt, während 
Murat selbst mit vier Cavallerie-Regimemern den Erz- 
herzog bei Eschenau erreichte und angriff. Mit heftigem 
Widerstand, mit Verlust von 1500 Mann, 23 Kanonen 
und 3400 Wagen gelang es dem Erzherzoge, die dortigen 
Engwege zu durchschreiten, und mit ohngefähr 6.000 
Mann, meistens Reiterei, das waren die letzten geret- 
teten Trümmer des Maik'schen Heers! — zur Vestung 
Eger zu kommen (L2sten und 25sten October. Mu- 
rat aber stellte bei Eschenau die Verfolgung ein, und 
zog von da über Neumarkt nach München. 
Wenn es die Brust mit Unwilien erfüllt, den Un- 
tergang eines großen und muthvollen Heers durch die 
Unfähigkeit seines Führers auf eine fast beispiellose Weise 
herbeigeführt zu sehen: erregt dagegen das heldensinnige 
und folgerechte Handeln Ferdinands, dee fdsterreichischen 
Kaisersohns, um so grdßere Bewunderung und Theil- 
nahme, da dieser, von Feinden verfolgt, und umringe, 
4 
  
*) Major Lindenau dagegen erwähnt mit Achtung der Ver- 
dienste des unter ihm stehenden Majors Zurwesten 
und Oberlieutenants Kenner, so wie der Corporale Wag- 
ner und Pfister, welch letztere, bei der fortgesetzten 
Verfolgung des Erzherzogs Ferdinand, mit einer kleinen 
sehr ermatteten Abtheilung Chevaurlegers am 22sten Octe- 
ber die vor Amberg aufgestellte 30 Pferd starke österreichl- 
sche Feldwache überfielen, zerstreuten und mehrere Gefan- 
gene machten. 
16 *
        <pb n="254" />
        — 25 — 
mit dem Ungestüm der Witterung und allen Unglücks- 
fällen kümpfend, unter ungeheuren, vielleicht zuletzt ver- 
geblichen Anstrengungen, lieber das Leben wagen, als 
Zeuge der Schmach seyn wollte, welche Mak den Waf- 
fen Oesterreichs bereitete. Viele der Feldherrn in Ulm 
dachten, wie Ferdinand; doch gab ihnen die Geburtnicht, 
gleich dem Erzherzoge, das Recht zu einer Selbststän- 
digkeit des Willens gegen den mit höchster Vollmacht 
bekleideten Ober-Feldherrn des Kaisers. 
  
6. 
Kleiner Krieg an den Graͤnzen Tirols. Die 
Feste Oberhaus. Uebergang des franzoͤ- 
sischen Heers und der Baiern uͤber den 
Jun. 
Napoleon, die Siegesfrucht nicht zu verlieren, 
welche er aus den Fehlern seines Gegners schon gewon- 
nen, ließ den Heerhaufen des Marschalls Ney gegen 
Tirol rücken, um, unterstützt durch Marschall Auge- 
reau, dies Gebirgsland und dessen streitbares Volk zu 
bezwingen. Alle übrige Heerhaufen mußten sich in star- 
ken Zügen gegen die Isar, dann zum Inn bewegen. 
Die Ausgänge Tirols, die Straßen von Innsbruck, 
Murnau, Schongau und Weilheim zu bewachen, mußte 
der baierische Brigadier Graf Minuzzi mit zwei Regi- 
mentern Fußvolks (Kurprinz und Leib-Regiment) und 
einem Oragoner-Regiment (das zwepte, Taris) eine 
Postenkette längs dem Gebirge durch Lenggries, Gais 
sach, Gmund, Weilklrchen, Tegernsee, Wallersee u. s. w. 
ziehen. Es fehlte hier nicht an kleinen Gefechten, doch
        <pb n="255" />
        blieben sie ohne Erheblichkeit; wie z. B. wenn der Oberst- 
lieutenant Graf Pompei eine bis Mitterwald vorge- 
rückte feindliche Compagnie (18ten October) überfiel, und 
von ihr dreißig Gefangene machte; oder wenn die Tiro= 
ler Schützen nach Farchant, Graswang und in den Am- 
mergau Streifzüge thaten, um Vieh und Lebenemirtel 
zu rauben, oder wenn zwanzig feindliche Husaren Nachts 
(6. 23#sten zum 25sten) ein Dragoner-Piker bei Baierisch= 
Jell überraschten, und zwei Pferde erbeuteten u. s. w. — 
An der Ilm hingegen stand die baierische Brigade des 
General Siebein, mit der Aufgabe, den Rücken der 
franzdsischen Heermacht gegen allfällige Bewegungen der 
Generale Jellachich und Wolfskehl zu sichern, de- 
nen es früherhin gelungen war, mit ohngefähr 8,000 
Desterreichern von Ulm zu entkommen. 
Die Gränzen Baierns mit groößerem Nachdruck ge- 
gen Tirol zu schirmen, befahl der Kurfürst (17#en Octo- 
ber) die Bildung eines Gebirgs-Schützen-Corps von 
freiwilligen Jägern, 5.030 Mann stark. Dies sollte, 
wenn Gefahr wäre, in zwei Abtheilungen, jede 1,000 
Mann und 25 Pferde stark, aufbrechen, und eine Re- 
serve von 2,050 Mann haben. Die Folge wird lehren, 
mit welcher Selbstaufopferung die Männer dieses Heer- 
haufens der Freiwilligen aus den Landgerichten Fisch- 
bach, Aibling, Miesbach, Tölz, Weilheim, Schongau 
und Werdenfels dem Vaterlande in verhängnißvollen 
Tagen dienten. Mit nicht minder glücklichem Erfolge 
ordnete der Kurfürst außerdem noch (15ten October) 
die Aufstellung eines Jäger-Corps zu Pferd, und eines 
andern zu Fuß an, 400 Mann stark, alles nur Forst- 
und Jagdbediente, alle mit Büchsen bewaffnet. 
Auch die festen, im Innern des Reichs gelegenen,
        <pb n="256" />
        210 — 
Punkte, Marienberg bei Würzburg, Vorchheim und Ro- 
theuberg wurden mir neuen Werken gestärkt. Viel zu 
spär hatte man daran gedacht, dasselbe auch für die 
Veste Oberhaus bei Passan zu thun. Hier lagen nur 
hundert Mann baierischer Besatzung, meistens Invaliden, 
unter Befehl des Hauptmanns Schwaiger. Sie hat- 
ten kein grobes Geschütz, als sechs fast unbrauchbare 
eiserne Kanonen, und nicht einmahl Pulver genug. Eine 
sehr unregelmäßig gebaute, schlechte, hin und wieder 
nur fünf Schuh hohe Mauer umgab das Ganze. 
Dennoch alö der russische General Kutusow zum 
Inn kam, und den Befehlshaber der Besatzung zur Ue- 
bergabe auffordern ließ (10ten October), schlug es dieser 
ab. Wenige Tage darauf war das Oberhaus von dster- 
reichischem Kriegsvolk umzingelt und berannt. Als Haupt- 
mann Schwaiger die zweite Aufforderung verwarf, 
sieng der Feind an, die Veste aus einer aufgeworfenen 
Stückschanze mit zwei Zwölfpfündern zu beschießen (Mit- 
tags den 25sten October.) Schwaiger hatte, aus 
Mangel an Geschütz die Anlegung dieser Batterie keines- 
wegs hindern, nicht einmahl die Inn= und Donaubriä-= 
cken zerstdren konnen, um die Verbindung der Feinde 
unter sich selbst zu erschweren. Er erwiederte das Feuer 
aus etwa drei seiner alten Kanonen, für die er erst zu 
dem Ende (484 ldthige und 503 lbthige) Bleikugeln 
hatte gießen lassen müssen. Aber diese Kugeln erreich- 
ten nur nicht den Erdaufwurf des Feindes. Fünfzig bis 
sechzig Scharfschützen der Oesterreicher, unter dem Schutz 
ihrer Artillerie, unternahmen Sturm gegen die Mauer. 
Aber sie wurden mit Kraft zurückgeschlagen. 7) Noch 
  
  
*) Die gemeinen Soldaten Stephan Meller der Garnisons- 
Compagnie, und Anton Koller des aten Regiments, zeich- 
neten sich bei dieser Gelegenheit besonders aus.
        <pb n="257" />
        — 247 — 
eine dritte Aufforderung geschah nun an den Befehlsha- 
ber der Veste, mit Bedrohung, daß die Besatzung uͤber 
die Klinge springen muͤsse, wenn das Oberhaus mit Sturm 
genommen wuͤrde. Hauptmann Schwaiger verwarf 
es zum drittenmahl. Er hoffte auf nahen Ersatz, der 
ihm verheißen war. Wirklich hatte das vierte baierische 
Linien-Regiment (Salern, itzt Hildburghausen) zu Moos- 
burg vierzig vertraute und entschlossene Leute, verkleidet 
und unbewaffnet, ausgeschickt, sich durch den Feind in 
die Veste zu schleichen, und die tapfere Besatzung zu ver- 
stärken. Allein sie kamg zu spät. Die Oesterreicher hat- 
ten den Sturm in der Frühe des 25ten Octobers von 
allen Seiten erneuert, die ermüdete Besatzung nach kur- 
zem Widerstand übermannt, gefangen genommen, und 
deren geringen Kriegs= und Mundvorrath (2 Zentner 
Pulver, 0 Zentner Mehl, 3 Ochsen, 2 Wagen mit Erd- 
dpfeln) erbeutet. Als jene vierzig Mann den Feind dort 
erblickten, wo ste dem Freunde Hülfe bringen wollten, 
kehrten sie mit großer Vorsicht zurück. 
Napoleon war inzwischen selbst zu München an- 
gekommen. Indem er die Dienste anerkannte, welche 
die baierischen Krieger und deren Feldherren Deroy und 
Wrede ihm geleistet hatten, ) munterte er sie zu neuen 
Anstrengungen auf. Auch zogen sie alsbald mit dem 
Corps des Marschall Bernadotte an den Inn. Auch 
die Brigade Karg, “) welche bisher noch in Würz- 
burg gestanden war, mußte in Eilzügen nachrücken, sammt 
Ê —— — —— 
*) 12tes Bulletin, 27sten October 180S. 
*“) Bestehend aus dem isten Bataillon des 6ten Regiments 
Herzog Wilhelm, und dem neuerrichteten köten Regi- 
mente.
        <pb n="258" />
        — 248 — 
aller in den Depots gelegenen dienstfaͤhigen Reiterei. 
Nur die Brigade Minuzzi verblieb an den tirolischen 
Gränzen, und die Brigade Siebein fortwährend in den 
Umgegenden von Donauwörth. 
Um den Feind über den beabsichtigten theilweisen 
Inn-Uebergang bei Wasserburg irre zu führen, machte 
der Generallieurenant Wrede mit der Avant-Garde 
eine Bewegung gegen Hohenlinden, dann aber (7sten 
October) über Ebersberg gegen Steinering. Auf die 
Nachricht, Wasserburg sey von den Feinden verlassen, 
schickte er den Oberstlieutenant von Stengel mit zwei 
Compagnien des vierten leichten Bataillons dahin zur 
Herstellung der Innbrucken. Aber am jenseitigen Ufer 
stand noch der dsterreichische Generalmajor Schusteck 
mit einer Abtheilung des meerveldischen Corps. Es 
entzündete sich ein lebhaftes Kleingewehrfeuer. Die 
Baiern, theils aus der Stadt, theils auf den Anhdhen 
hinrer derselben, unterhielten es so gut, daß sich die 
Oesterreicher nach einer Stunde mit Verlust von acht 
Todten und mehreren Verwunderen zurückzogen. In 
der Hoffnung, noch in der Nacht eine beträchtliche An- 
zahl Kriegesvolks beim Kloster Attel überschiffen zu ken- 
nen, und so den auch bei Rosenheim schon zurückgedrück- 
ten Feind in seinen Bewegungen zu hindern, schickte 
Wrede eiligst das dritte Linien = Infanterie-Regiment, 
das zweite leichte Bataillon, und 30 Pferde vom A1sten 
Chevaurlegers-Reglment nach Attel. Aber der Inn war 
hochgeschwollen und nur ein einziges Fahrzeug vorhan- 
den. Das verzögerte die Vollendung des Uebergangs 
bis zur Mitte des folgenden Tags, und vereitelte den 
ersten Zweck. Die Uebergeschifften setzten indessen ihren 
Weg über Amerang und Trochtelding nach der Gegend
        <pb n="259" />
        von Salzburg fort, wo sie (am 3osten) wieder zur uͤbri- 
gen Dioision siießen, die mit der Masse des Berna- 
dotte'schen Corps bei Wasserburg den Inn überschrit- 
ten, und über Altrenmarkt und Trannstein ihre Richtung 
nach Teisendorf genommen hatte. Hieher zu kommen, 
hatte nun auch die Brigade Nutius Minuzzi Befehl 
erhalten. 
Um auch bei Rosenheim den Innubergang zu bewerk- 
sielligen, dort den Feind zu ÜUberfallen, und die Wieder- 
herstellung der zersidrten Innbrücke zu decken, hatte 
Wrede den Oberlleutenant Grafenstein mit 00 Schu- 
tzen und einen Zug des zweiten Dragoner-Regiments 
Taxis dahin geschickt. Der Major von Sarny mußte 
ihm (Nachts vor dem 27sten October) mit einer Com- 
pagnie des Leib-Regiments, einer des Regiments Kur- 
prinz, und einer sechspfünder Kanone unter Artillerie= 
Lieutenant Hofstetten Unterstützung bringen. Dazu 
kam noch eine halbe Grenadier-Compagnie. Der Feind 
am jenseitigen Ufer mit 300 Mann zu Fuß, und 80 zu 
Pferd, wurde im heftigen Geplänkel sogleich beunruhigt, 
und durch das Feuer der vortheilhaft gestellten Kanone 
aus den Häusern vertrieben, die ihn verbergen sollten. 
Vor allen aber rühmlich erschien hier Thomas Millauer, 
Bruckenmeister von Rosenheim. Dieser Unerschrockne 
ent führte mitten durch den feindlichen Kugelregen, seines 
Lebens nicht achtend, einen Kahn vom rechten Ufer zum 
linken. Schnell warf sich der tapfere Grafenstein 
mit sechs Freiwilligen in das schlechte Fahrzeug, setzte 
über, faßte drüben Fuß, und behauptete sich, bis Mil- 
lauer noch mehr Kähne zusammengebracht, und Major 
Sarny Hulfe übergeschifft hatte. Der Feind nahm eilige 
Flucht mit Hinterlassung einiger Todten, Verwundeten
        <pb n="260" />
        und Gefangenen. Die Brücke ward hergestellt. Die 
Brigade Minuzezi erschsen, und alles zog nach Teisen- 
dorf zur Vereinigung mit dem übrigen Theil der Diovi- 
sson Wrede. 
So war am #3sten October der Innübergang voll- 
bracht. Bernadotte hatte ihn bei Wasserburg, Da- 
voust bei Mühldorf, Murat ihn bei Markl und Alten- 
Oettingen erzwungen, wodurch General Meerveld ge- 
zwungen ward, um nicht von Kutusows Russen ab- 
geschnitten zu werden, den General Kienmaier über 
Gmunden nach Steinerkirchen, und die Division Hohen- 
lohe über den Traunfall zurückzuschicken. Marschall 
Soult stand an eben diesem Tage vorwärts Haag, 
wo das Haupt-Gelager Napoleons war; Marmont 
bei Vilsbiburg; Ney bei Landsberg; Lannes auf der 
Straße von Landöhnt nach Braunau. 
  
7. 
Kampf bei Salzburg, Reichenhall und in 
Tirol. 
Mit der Hauptmacht drang Napoleon in das 
Herz Oesterreichs. Ein Theil von Bernadotte's Corps, 
die Baiern, ferner die Marschälle Ney und Augereau 
waren bestimmt, Tirol zu erobern. 
General Wrede, mit der Bernadotte'schen 
Avantgarde, hatte den Weg nach Salzburg zu bah- 
neu. Er schickte (20sten October) den Rittmeister Ei- 
senberg mit zwei Zügen des Chevaurlegers-Regiments 
Kurprinz voran. Dieser fand die Salzachbrucke abge- 
worfen. Er setzte mit seinen Leuten keck durch den Fluß.
        <pb n="261" />
        — 251 — 
Jenseits desselben nahm der Oberlieutenaut Baron Kleud- 
chen, welcher den Vortrab führte, zwei Infanterie-Ve- 
detten des Feindes gefangen, sprengte dann, von seinem 
Rittmeister tapfer unterstützt, gegen ein Piket Lichten- 
stein -Husaren, deren eine Escadron nebst einem Gränz- 
Bataillon die Besatzung von Salzburg ausmachten, und 
drang fechtend in die Stadt. Die Besatzung zog sich 
nach einigen Verlust zurück. Die Division Wrede 
rückte ein, während Rittmeister Eisenberg und Ba- 
ron Kleudchen den Feind auf der Grazer-Straße ver- 
folgte, ihn aus Tuschen am Tuschner-See vertrieb und 
bis St. Gilgen jagte ). Generallieutenant Wrede selbst, 
nachdem er sein Fußvolk vorwärts Salzburg auf der 
Straße von Linz und Gratz aufgestellt hatte, eilte an 
der Spitze seiner Reiterei dem Feind auf der Neumark- 
ter Straße nach, ohne ihn bei desselben rascher Flucht 
erreichen zu konnen. Nur ein Hauptmann und 65 Ge- 
meine konnten noch zu Gefangenen gemacht werden. 
Folgendes Tages zog der größte Theil von Bernadot- 
te's Heerhaufen in und bei Salzburg ein, und besetzte 
die verschiedenen nach Oesterreich, Steyermark und Kärn- 
then führenden Straßen. Aber Generallientenant De- 
roy, gegen Tirol gerichtet, stand bei HOedhof; Wrede 
imit der Avantgarde wandte sich gegen Straß, und ließ 
*) Mit besonderer Auszeichnung werde bei dieser Gelegen- 
heit auch der Tapferkeit des Corporals Seelmann, 
Trompeters Luz, Gemeinen Killiat, des ausgezeichne- 
ten Betragens des Wachtmeisters Boerstel, Corporals 
Giesser, Gresser, Gemeinen Seelmann, Schölg, 
Joseph Wiedmann, Aumüller, Georg Maper und 
Honoldt Erwähnung gethan.
        <pb n="262" />
        — 252 — 
bis Wels streifen. Der franzoͤsische General Keller- 
mann sandte Abtheilungen gegen Radstadt, und als er 
über Golling in die Gebirgsengen des Lueg= Passes 
auf 3.000 Oesterreicher stieß, eroberte der Brigade-Ge- 
neral Werle diesen durch kühnen Angriff. 
Der Hauptgegenstand von dieser Seite blieb nun 
die Einnahme von Tirol. Hier befebligte Erzherzog 
Johann. Das unter ihm stehende Armee-Corps ward 
durch 20 000 Mann tirolischer Landwehr unterstützt. Ge- 
gen Ende des Octobers hatte er aus seiner gesammten 
Macht drei Heer-Abtheilungen gebildet, die erste unter 
Fellachich zur Vertheidigung von Vorarlberg, die zweie 
te, unter Feldmarschall-Lieutenant St. Julien, zur 
Vertheidigung des Landes von Kufstein längs der baieri- 
schen Gränze bis zur Riß, die dritte, unter Feldmar: 
schall-Lieutenant Chasteler, zur Vertheibigung des 
Karbendelthals bis zur Gaht hinauf. Allein die Un- 
glücksfälle der dsterreichischen Hauptmacht verursachten, 
daß ihm die Weisung ertheilt ward, seine sämmtlichen 
Truppen zur Vertheidigung des Brenners zusammen zu 
ziehen. Schon wären, so ward ihm gemeldet, neun 
Bataillone unter General Siegenthal auf den Weg, 
jenen Punct zu besetzen; auch wäre General Szenasy 
mit sechs Gränz-Bataillonen vom meerveld'schen Corps 
zur Beschirmung der Pässe von Lueg und Werfen aufge- 
brochen, und diesem zur Verstärkung noch der Oberst Meyer 
von Kerpen= Infanterie zugedacht, der von Schwatz über 
St. Johann und Hochfilzen nach Radstadt zöge. 
Jetzt beschloß der Erzherzog selbst, über Schwatz 
und St. Johann einen Theil seines Heeres nach Saal- 
felden auszusenden, um den Franzosen, wenn sie sich von
        <pb n="263" />
        — 253 — 
Salzburg nach Lambach oder Radstadt wenden wuͤrden, 
in die Seiten oder in den Ruͤcken zu fallen. General 
Festenberg führte demnach, (1#ten November) wirklich 
sechs Grenadier-drei Fäßilier= Bataillone und sechs Es- 
cadronen von Innsbruck nach Schwatz, um sich zu Se. 
FJohann mit der Division St. Julien, jetzt unter Felds 
marschall-Lieutenant Chasteler's Befehl, zu verbin- 
den. Von da sollte der Zug, über Hochfilzen und Saal- 
felden, nach St. Johann im Pongau fortgesetzt, und 
die Pereinigung mit Szenasy's und Siegenthals 
Schaaren bei Radstadt vollzogen werden. Die Schlacht- 
haufen in Reuti, Scharnitz, Leutasch und im Ober- 
Innthal waren einsweilen zur Vertheidigung des Bren- 
ners bestimmt, bis sie sich mit Hiller, wenn er in 
Briren ankommen würde, vereinigen, und so insgesammt 
dann bei Spital an den Erzherzog Johann anschließen 
konnten. 
Dies war der Entwurf des Erzherzogs. Seine Ber- 
rechnungen wurden unerwartet vereitelt. 
Marschall Bernadotte ertheilte dem Generallleu= 
tenant Deroy Befehl, in's Tirol einzudringen. Die- 
ser brach (am isten November) auf. Mit ihm waren 
das erste, zweite, vierte und fünfte Linien-Regiment, 
zwei leichte Bataillone (Metzen und Preysing), zwei Re- 
gimenter Dragoner (Minuzzi und Taxris) nebst dem er- 
for derlichen schweren Geschütz. Er bewegte sich gegen 
Reichenhall, während sein dort gelagerter Vortrab unter 
dem Oberstlieutenant Grafen Pompei gegen den Eng- 
paß des Bodenbiehls vorrückte. Dieser Paß, durch die 
Natur sehr stark, daß wenige Mannschaft ihn leicht ge- 
gen viele Schlachthaufen vertheidigen kann, war noch 
ein frisches Denkmahl des schweren Verlustes, welchen
        <pb n="264" />
        — 254 — 
die Franzosen dort im Jahr 1800 erlitten hatten. Er 
stand jetzt durch einen Verhau verrammelt. Ein oͤster- 
reichisches Bataillon von Klebeck-Infanterie hatte ihn 
nebst zahlreichen und geübten Tiroler-Schützen vortheil- 
haft besetzt. Von einer Bergplatte herab bestrich eine 
aufgepflanzte Kanone die Reichenhaller-Straße und den 
Lauf der Saala. 
Graf Pompei, nachdem er bei Schnazjzelreith eine 
feindliche Feldwacht vertrieben, rückte mit zwei Com- 
pagnien Fußvolks, 30 Pferden und einer Kanone gegen 
den Paß vor, schickte den Major Maillot mit einer 
Compagnie und 30 Pferden seitwärts über Jettenberg, 
eine andere Compagnie über Fronau, mit Befehl, bei 
Unken ihre Vereinigung zu erzwingen. Als Pompei's 
Vortrab, aus zwolf Dragonern und sämmtlichen Schu- 
tzen seines Bataillons gebilder, und vom Oberlieutenant 
Hahn geführt, vor dem Paß erschien, streckte der erste 
Kanonen-Schuß des Feindes sogleich acht Mann zu 
Boden. Hahn aber warf sich in demselben Augenblick, 
und unterstützt von seinen Schützen, die den Verhau auf- 
rdumten, so schnell und keck auf den Feind, daß er den- 
selben nicht nur zum Verlassen der Kanone, sondern des 
ganzen Engpasses zwang. Nun konnte selbst das lebhaft 
unterhaltene Feuer der Oesterreicher und Tiroler, die 
sich auf den Bergen sammelren, den Grafen Pompei 
nicht mehr hindern, nach Meleck und den Steinpaß vor- 
zurücken, diesen zu nehmen, bei Unken eine zweite Ka- 
none zu erobern, und den sogenannten Knie-Paß anzu- 
greifen. Hier ist es eine kleine von Steinen gebaute 
Feste, welche den Engweg nach Lofer beherrscht; schwer 
von vorn anzugreifen, leicht aber zu umgehen. Der 
Feind, welcher sich, nach vergeblicher Vertheidigung des
        <pb n="265" />
        — 255 — 
Steinpasses, hier versammelt hatte, empfieng nun die. 
von den Anstrengungen des Tages ermuͤdeten Baiern 
mit dem lebhaftesten Feuer. Mancher brave Krieger stuͤrzte 
todt dahin, auch schwer verwundet der Lieutenant von 
Grünstein an der Spitze des Vortrabes der Schützen. 
Alle wankten. Die entmutheten Soldaten verloren die 
Lust, den gefährlichen und zwecklosen Kampf länger fort- 
zusetzen. Da trat unerschrocken der Oberstlieurenant 
Pompei nebst allen Offizieren mit ermunterndem Bei- 
spiele vor und der Soldat folgte. 
Eine auf der rechten Seite des Feindes gelegene 
Heuhütte ward benutzt, den Vertheidigern des Knie-Pas- 
ses durch treffende Schüße beträchtlichen Verlust zu ver- 
ursachen. Diesem Umstande war es zu danken, daß 
nicht alle schon errungene Vortheile dieses Tages wieder 
verloren giengen. Die Feinde sahen sich in ihrer Stel- 
lung unsicher, und seitwärts aus dem Steinthale zugleich 
den Major Maillot mit seiner Truppen-Abtheilung 
hervorruckend, sich mit dem Grafen Pompei vereini- 
gen. Das bewog sie, ohne Zeitverlust den Rückzug über 
Lofer nach den Strubpässen zu nehmen. Pompei gieng 
ihnen mit 2 Compagnien nach, dort die feindliche Stel- 
lung zu erkennen. 
Unterdessen war General Derop mit seinem Heer- 
haufen in Reichenhall eingetroffen, und sobald er Pom- 
pei's Lage erfuhr, eilte er ihm mit zwei Bataillonen 
zur Unterstützung nach Lofer. Er blieb hier, den An- 
griff der Strubpässe auf folgenden Tag verschiebend; 
sandte die ermatteten Sieger nach Reichenhall zurück, 
und ließ von da die übrigen Truppen unter den Gene- 
ralen Nurius Minuzzi und Marsigli auf künfti- 
gen Morgen gegen Lofer befehligen.
        <pb n="266" />
        — 256 — 
Weil an demselben Tage auch viertausend Mann von 
der Spitze des Armee-Corps, welches Marschall Ney 
von einer andern Seite (bei Garmisch und Mittenwald) 
ins Tirol hinein fuͤhrte, die Feindseligkeiten gegen das 
Gebirgsland erdffneten, befahl Erzherzog Johann dem 
Feldmarschall-Lientenant Chasteler, die Gegenden zwi- 
schen Achenthal, Kufstein und Lofer zu beobachten, ohne 
Saalfelden und Hochfilzen aus dem Blick zu verlieren. 
Desgleichen schickte er zwei Bataillone (Kinsky), vier 
Escadronen Dragoner und zwei Compagnien Jäger, eben 
so den General Festenberg mit fünf Grenadier-Bg- 
taillonen und dem Dragoner-Regiment Würtemberg, 
als Reserve, nach Innsbruck. 
Es lag nicht in Deroy's Plan, den Angriff auf 
die Strubpässe vor Ankunft der Generale Minnzzi 
und Marsigli zu beginnen. Allein des Morgens 
(##ten November), als von der dsterreichischen Besatzung 
des Passes ein starker Streifhaufen Reiterei gegen das 
Bataillon Metzen kam, rückte dieses sogleich mit einer 
Kanone vor und gegen den Paß selbst. Plbtzlich bedeck- 
ten sich zu beiden Seiten die steilen Felshöhen mit feind- 
lichen Schützen. Diese zu verjagen, sandte Deroy 
rechts zwei Compagnien des Leib= Regiments, links 
drei Züge des Bataillons Metzen. Allein die letztern 
wurden vom überlegenen Feinde, mit bedeutenden Ver- 
lust an Todten und Verwundeten, zurückgeworfen auf 
ihr Baraillon, und ließen den Hauptmann Graef und 
Lieurenant Grafen von Tattenbach schwer verwun- 
der in feindlicher Gewalt. 
Hätte der Feind den günstigen Augenblick zu benu- 
tzen versianden, schwerlich würde es in der Macht des 
Generals
        <pb n="267" />
        — 257 — 
Generals gewesen seyn, sich dieser gefahrvollen Stellung 
zu entziehen. Allein jener blieb nun unthaͤtig, bꝛs Mit- 
tags die Brigade Minuzzi in Lofer erschien. .Alsbald 
verstärkte Deroy die beiden Compagnien des Leib-Re- 
giments rechts mit eben so vielen vom Regiment Kur- 
prinz, links ließ er das ganze Bataillon Metzen bergan 
steigen, mit Befehl, daß der Major von Heinau mitr 
zwei Compagnien die feindlichen Verschanzungen umgehen, 
und sie dann stürmen solle. Den übrigen Theil vom 
Leib-Regiment und dem des Kurprinzen stellte er auf 
der großen Straße, als Masse auf. Die Brigade Mar- 
sigli, welche erst Abends um fünf Uhr in Lofer einrref- 
fen konnte, bildete die Reserve. Jetzt trug Deroy 
kein Bedenken, den Strub= Paß, welchen Natur und 
tapfere Besatzung gleich stark vertheidigten, von der Srirn- 
seite anzufallen. Der Soldat fühlte jene Begeisterung, 
die den Sieg ahnet und herbeiruft. 
Major Heinau, an der Spitze seiner Tapfern, 
erklomm die steilsten Felsenhdhen, wandte sich dann und 
stürzte jählings von denselben, und unbemerkt in das 
Innere des ersten Strubpasses. Hier war die Besatzung 
durch Deroy's heftiges Kanonenfeuer beschäftigt. Hei- 
nau machte sich Bahn, sprengte das Haupt-Thor auf, 
welches die Verschanzung gegen die Straße verschloß, 
und räumte das Pfahlwerk hinweg, das den Eingang 
versperrte. Deroy, an der Spitze seiner Kriegermasse, 
drang ein, trotz des feindlicheu Schützen= Feuers, und 
nach Ueberwältigung des ersten Strub-Passes gegen den 
zweiten. 
(1 
Hier aber dffnete #iine neue Heldenschaar, von In- 
nen aus, den wohlgeschirmten Eingang. Die Kugeln 
17
        <pb n="268" />
        — 258 — 
der feindlichen Schützen verfehlten selten die Masse der 
Baiern. Nur durch schleunigen Rückzug konnten diese 
der Vernichtung entkommen. Der Verlust ausgezeich- 
neter Offiziere und die Finsterniß der Nacht vergroͤßer- 
ten die Unordnung. Derop ließ die ermüdeten Käm- 
pfer zurücktreten, und durch die Brigade Marsigli ab- 
lösen. Er selbst, um die Oertlichkeit der Gegend ge- 
nauer zu erforschen, ritt gegen den zweiten Paß vor. 
Da traf ihn eine feindliche Büchsenkugel im obern Schen- 
kel, und machte ihn zur Fortsetzung seines Unternehmens, 
wie zur Theilnahme am fernern Feldzuge unfähig. 
Das Gefecht, welches von 8 Uhr Morgens bis 1 
Uhr nach Mitternacht gewährt hatte, brach General 
Graf Nutius Minuzzi, welcher itzt den Oberbefehl 
übernahm, sogleich ab. Er ließ im ersten Strub= Paß 
hinlängliche Besatzung, und entzog die übrigen Truppen, 
indem er sie in die Ebene von Lofer zu. #kKführte, der 
Wirksamkeit des feindlichen Geschosses. 
Es war ein blutiger Tag gewesen. ODie Batern hat- 
ten nur allein achtzehn Offiziere durch Tod oder Wun- 
den eingebüßt, aber ihren unerschütterlichen Muth beur- 
kundet.") Davon gab auch Marschall Bernadotte, 
dessen Adjutanten einer Augenzeuge gewesen, dem Kai- 
ser Napoleon Zeugniß. “") 
— — 
  
*) Die Auerkennung desselben sprach auch das napoleonische- 
neunzehnte Bulletin der großen Armee, gegeben zu Linz, aus. 
*) Besonders ausgezeichnet hatten sich während dieser ver- 
schiedenen Gefechte laut Armee-Befebl vom 22 sten No- 
vember 1805 der commändierende Generallieutenant von 
Deroy, die Öbersten Graf Ppompei, BVieringer,
        <pb n="269" />
        Wenige Stunden nach Beendigung des Treffens er- 
schien ein Befehl des Marschalls Bernadotte, die 
Bayern sollten nach Reichenhall zurückkehren. Minnzzi' 
zog die Besatzung aus dem vordern Strub-Paß an sich, 
unter beständigem, doch folgenlosem Geplänkel der alle 
Höhen besetzenden Feinde, und unter gegenseitigem, 
doch unwirksamen Kanonen-Feuer. Einige Geschwader 
feindlicher Reiterei mit einer Kanone schwärmten dem 
Zuge des Heerhaufens bis Unken nach. Sie hätten ihm 
durch Vortheile, welche die Oertlichkeiten mehrmals dar- 
boten, sehr gefährlich werden können. Allein die ruhige 
Tapferkeit des bayerischen Nachtrabes, den das leichte 
Bataillon Preysing und anderhalb Cscadronen vom Dra- 
goner-Regiment Taxis machten, hielt von Stellung zu 
Stellung das Andringen der Oesterreicher ab. Dieser 
Nachtrab hatte während seiner Gefechte fünf Verwun- 
dete, sechs Todte. 
Ehe noch der Heerhaufen Reichenhall erreicht hatte- 
erschien ein neuer Befehl Bernadotte's. Bei der so- 
genannten Wegscheide mußte sich die Brigade Marsigli 
über Traunstein und Marquartstein nach Kufstein wen- 
den, um diese Veste zu berennen. Die Einnahme der- 
selben schien sowohl durch die raschen Fortschritte des 
Marschall Ney gegen Innsbruck, als durch die unvor- 
bergesehene Lähmung der bsterreichischen Kriegspblker im 
Lessel und Baron Rechberg, ÖOberstlieutenant Baron 
Ströhl, Major Baron Heinau, die Hauptleute von 
Hertling, von Axthelm und Muhl, der Oberlien- 
tenant Ludwig Graf Seiboltsdorff, die Unterlieu- 
kenants Baron Grünstein, von Salis, Leopold von 
mffetten, Carl Graf Seiboltsdorff. 
17
        <pb n="270" />
        Tyrol, sehr beguͤnstigt. Von der andern Seite mußte 
die Brigade Nutius Minnzzi dem Weg nach Salz- 
burg einschlagen, und diesen Punct durch verschiedene 
Posten in Hallein, Niederalben und Gugenthal gegen 
den General Szenasy decken, der den Paß von Wer- 
fen neuerdings besetzt hielt. Nur das zweite Bataillon 
des Regiments Kurprinz blieb zum Schutz von Reichen- 
hall zuräck, weil das aus verschiedenen Bestandtheilen 
zusammengesetz gewesene Bataillon des Obersten Pom- 
pei wieder aufgeldßt worden war. 
  
2 
Ueberblick der fernern Ereignisse in Tyrol, 
in Verbindung mitr den Kriegsbegeben- 
heiten in Italien. 
Bevor wir den Blick auf den Zug der franzbsischen 
Hauptmacht unter Napoleon, und des ihn begleiten- 
den bayerischen Armee-Corps wenden, wollen wir noch, 
zur bessern Uebersicht des Zusammenhanges, in leichten 
Umrissen die fernern Kriegsschicksale Tyrols andeuten. 
Um aber diese klarer zu erkennen, mussen wir die Heer- 
bewegungen jenseits der Alpen zugleich beachten, weil von 
denselben der Gang des Feldzuges in den tyrolischen 
Thälern abgängig war. 
Am linken Etsch-Ufer stand dort ein großes bster- 
reichisches Heer unter dem Oberbefehl des Erzherzogs 
Carl, am rechten Etsch-Ufer ein franzbsisches, welches 
Marschall Massena führte. Dieser hatte am 15ten 
October den Waffenstillstand aufgekündigt, und am 18ten 
in einem blutigen Treffen, welches von vier Uhr Mor-
        <pb n="271" />
        — 261 — 
gens bis sechs Uhr Abends waͤhrte, den Uebergang uͤber 
den Fluß, mit der Bruͤcke beim alten Castel von Verona 
erzwungen. Aber schon in der Nacht, waͤhrend Karl 
erneuten Angriff ruͤstete, zog sich Massena wieder 
ans rechte Ufer zuruͤck, und zerstoͤrte dazu noch die 
Uebergangsbruͤcken bei Pescentina und Pontone. 
Zum andernmahle (20sten October) erschien Mas- 
sena auf dem linken Ufer, entschlossen sich hier fesizu- 
setzen und auszubreiten. Den Hauptangriff richtete er 
dießmahl auf den rechten Flügel der Oesterreicher, wel- 
cher hinter Caldiero aufgestellt war. Er erstürmte mit 
großem Menschenverlust, nach Umgehung des Castells 
St. Felice, Peronetta; bemeisterte sich der Punkte Stra 
und Caldiero; aber er konnte weder die mühsam errun- 
genen Vortheile verfolgen, noch selbst Caldiero behaup- 
ken. Denn das Feuer der feindlichen Verschanzungen hin- 
ter Caldiero setzte ihm unüberwindbare Gränzen. 
Zum drittenmahle griff er (zosten October) selnen 
furchtbaren und unerschütterlichen Gegner an, und warf 
sich dießmahl mit allem Ungestüm gegen den linken Flü- 
gel der Oesterreicher in der Gegend von Gambion. Als 
der Erzherzog diesen, der heftig erschüttert ward, durch 
Schwächung des rechten Flügels gestärkt hatte, stürzte 
Molitor's Division mit aller Macht gegen die den rech- 
ten Flügel deckenden Verschanzungen. Das ksterreichi- 
sche Corps Bellegarde's, welches vorher dem linken 
Flügel zugeeilt war, half nun wieder dem rechten. Es 
erglühte bei Colognola der heftigste Kampf und die Fran- 
zosen wurden zum Rückzuge gendthigt. Während dessen 
brach die Division Gardanne in die Heermitte der Oester- 
reicher ein. Schon wich diese, schon hatten die Franzo-
        <pb n="272" />
        — 262 — 
sen bei Caldiero mehrere Redouten erstuͤrmt, als der Erz- 
herzog Karl auch hier durch eine Grenadier-Brigade 
jählinge das Gleichgewicht herstellte. Man schlug sich 
mit Wuth, Boajonett gegen Bajonett. Doch die Franzo- 
sen wurden gezwungen, auch hier wieder zurück zu gehen. 
Die Oesterreicher schlugen an der untern Ersch bei Bo- 
navigo schon eine Brücke, und zogen Schiffe zusammen, 
als wollten sie selbst den Feinden, die ihre alten Stelluns- 
gen wieder eingenommen hatten, in den Rücken kommen. 
Durch alles Mißgeschick ungebeugt, wiederholte 
Massena seinen Angriff (öisten October) zum vier- 
tenmahl. Es lag ihm Alles daran, bei Chiavicca del 
Christo sich der Stellung des linken österreichischen Flü- 
gels zu bemächtigen. Aber auch dießmahl war er nicht 
glücklicher. Denn der Erzherzog traf ihn mit Absen- 
dung einer starken Truppen-Abtheilung in die Seite, 
was den gänzlichen Rückzug der Franzosen zur Folge hatte- 
Diesen Rückzug konnte nun aber der Erzherzog zu 
nichts andern, als zum Gelingen seines eigenen Rück- 
zuges benutzen. Schon hatte er das Unglück von Ulm 
und die Gefahr der dfterreichischen Erbstaaren vernom- 
men. Er beschloß daher, zur Vertheidigung dieser in 
Verbindung mit dem ksterreichisch= rußischen Heer, zurück- 
zugehen, und die österreichischen Schagren an sich zu 
ziehen. Daher sein Befehl an Erzherzog Johann, der- 
selbe solle alles Kriegsvolk auf dem Brenner versammeln 
und ihm zuführen. Karl selbst brach in der Mitter- 
nacht, die dem letzten Kampfe gegen Massena folgte, 
mit seinem ganzen Heer von Caldiero auf, nach Mon- 
tebello und Vicenza' gegen die Erbstaaten. Nur um sei- 
wen wachsamen Feind zu betrügen, ließ er den General
        <pb n="273" />
        — 265 — 
Hillinger mit 5000 Mann im Lager zuruͤck. Dieser 
konnte nun freilich, die Franzosen einige Stunden lang 
täuschen, aber auch dem Schicksal nicht entgehen, von 
der Uebermacht umzingelt, und mit seinem Corps, nach 
ehrenpollerGegenwehr (2ten November) gefangen zu werden. 
An demselben Tage, da Erzherzog Johann, um 
das Zusammenziehen seiner Schlachthaufen am Brenner 
zweckmäßiger zu leiten, selbst nach Innsbruck gekommen 
wae (#ten November), hatte Marschall Ney 3000 Mann 
gegen die Verschanzungen bei der Scharnitz rücken lassen. 
Schon Tags zuvpor hatte er, doch fruchtlos den Oberst- 
lieutenant Swinburne zur Uebergabe aufgefordert, 
der hier mit zwei Bataillonen Oesterreicher und zahlrei- 
chen Laudesschützen die Vertheidigung der Schanzen, jo 
wie des Kapfelbergs, des Aruthals bis an den Arn- 
kopf, des Karbendelthals und des Brunsteins leitete. 
Wie ernsthaft auch der Angriff Ney's gegen die Schan- 
zen war, — bei der sogenannten Schellerunt schlugen 
die Franzosen eine kleine Laufbrücke über die Isar, aber 
von den Bergen rollende Felsstücke und das Feuer der 
Schützen hemmten die hier begonnene Bewegung; der fran- 
zösische General Marsognet drang mit der Hauptmasse 
so nahe gegen die sogenannte Mauleck, daß die Ka- 
noniere guf dieser Bastion bei den Kanonen erschossen 
wurden; gegen die Scharnitz selbst donnerten den gan- 
zen Tag von zwei Seiten die Kanonen, dennoch wurde 
nichts ausgerichtet. Aber eigentlich auch nicht hier, son- 
dern gegen die Leutasch geschah der enscheidende Angriff. 
In der Leutasch befehligte der österreichische Major 
Kraus. Gegen ihn rückte General Loison, der erfahrne 
Gebirgs-Krieger, mit 3 bis 4000 Franzosen, die von
        <pb n="274" />
        — 264 — 
den baierischen Foͤrstern Wurmer und Trysberger 
am Lauter- und Furchensee dahin geführt waren. Loi- 
son ließ alsbald die zu schwach besetzten Höhen des 
Grünkopfs wegnehmen, und vom Alple herunter in den 
#Kcken der Leutasch-Schanze dringen. Indem er nun 
seine Bewegungen durch das Leutasch-Thal fortsetzte, 
ward endlich die Einnahme der Veste, die Gefangenneh= 
mung der 6,000 Mann starken Befatzung, das schnelle 
Vorrücken der Franzosen bis Seefeld, und dadurch Ein- 
sperrung Swinburne's die nothwendige Folge davon. 
Sobald dieß Swinburne vernahm, eilte er mit sei- 
nen zwei Bataillonen und einer Kanone nach Se#feld, 
um sich durchzuschlagen. Seine Tapferkeit blieb vom 
Glück ungekrbnt. Er mußte sich dem übermächtigen 
Gegner ergeben. Nur wenige Schützen entkamen, dem 
Erzherzoge zu Innsbruck die Niederlage zu melden. Ney 
besetzte nun folgenden Morgens die Scharnitz-Schanzen, 
und rückte sogleich auf Innsbruck zu, dort den Erzher- 
zog anzugreifen. 
Dieser aber hatte schon den Abend zuvor mit seinem 
Kriegsvolk den Jug auf den Brenner angetreten, weil er 
zeitig genug von allem unterrichtet worden war, auch 
das rasche Vorrücken der Franzosen gegen Radstadt, den 
eiligen Rückzug Szenasy's gegen den kaum haltbaren 
Punkt Spital, und den Rückzug des Feldmarschalllieu- 
tenants Hiller von Trient nach Briren vernommen 
hatte. 
Hillers Bewegung hieng mit dem Juge des Erz- 
herzogs Karl zusammen, der, stets vom Feinde ver- 
folgt, jeden örtlichen Vortheil benutzte, seinen Gegner 
aufzuhalten, und ihm dem Vorsprung abzugewinnen. So
        <pb n="275" />
        — 265 — 
ward Vicenza hartnäckig vertheidigt, bis die ganze Ar- 
mee auf der Straße nach Bassano war; so das Dorf 
St. Pietro in Gu, bis die Armee jenseits der Brenta 
stand. Der Erzherzog nahm zu gleicher Zeit alle Be- 
satzungen aus den Städten im Venetianischen an sich, 
ließ alle Eingänge des südlichen Tirols dem Feinde of- 
fen, und dachte nur daran, schnell und mit ungebroch- 
ner Kraft das Innere Oesterreichs zu erreichen. Diesen 
Bewegungen also mußten Hiller und der Erzherzog 
Johann folgen. Letzterer erwartete nur noch den Feld- 
marschall-Lieutenant Chasteler, und ließ, ihn zu 
empfangen, den General St. Julien bey Matray und 
Steinach eine JZeit lang siehen. Chasteler hingegen 
wagte sich nach der Einnahme von der Leutasch nicht 
mehr gegen Innsbruck, sondern zog sich nach St. Jo- 
hann, durch's Pinzgau nach Werfen. Auch stand Ge- 
neral Szenasy noch am Burgpaß und bei Werfen, 
ohngefähr 3,000 Mann stark; und die Besatzung des 
Kufsteins, ohngefähr 1,500 Mann stark, hielt ebenfalls fest. 
Diese Besatzung von Kufstein, verbunden mit den 
Tiroler-Schützen, beunruhigte die angränzende Gegend 
von Baiern häufig mit Streifzügen, bis der Haupt- 
mann Hugenpoet, mit einer Compagnie des ersten 
Linien-Regiments, von Rosenheim, wo er zur Deckung 
der Innbrücken zurückgeblieben war, nach Fischbach be- 
fehligt wurde. Hier verband er sich mit etwa vierzig 
baierischen Gebirgs-Schützen, und setzte durch seine 
Thätigkeit und Wachsamkeit die Gegend bald in Sicher- 
heit. Zu ihm stieß bald auch mit einer Compagnie des 
neugebildeten Korps freiwilliger Jäger der Oberstlieutenant 
Baron Zoller (#ten Nevember) begleitet vom Oberstlieu- 
tenant von Fordan, Flügel-Adjutanten des Kurfür-
        <pb n="276" />
        — 266 — 
sten. Diese besetzten sogleich die Posten von Urfarn und 
Ober-Audorf, nahmen das zu Kieferfelden stehende bster- 
reichische Piket von 10 Mann durch Ueberfall gefangen 
(bten Rovember), ") rückten gegen Kufstein, forderten 
die Veste auf ('ten November) und besetzten die Stadt. 
Deun an demselben Tage hatten sich, auf die Nachricht 
vom Einrücken der Franzosen in Innöbruk, alle Tiroler= 
Schützen entfernt, und in ihre Heimathen zerstreut. 
Der Befehlshaber der Vestung schlug die wiederholte 
Aufforderung ab, auch dann noch, als General Graf 
Mezanelli mit jener baierischen Brigade (8ten No- 
vember) ankam, die, wie wir oben erzählten, zur Weg- 
nahme Kufsteins ausgesandt war. General Mezanelli 
ließ vor allen Dingen das leichte Bataillon Prepfing und 
das Dragoner-Regiment Taris durch die Vorstadt auf 
die Innebrucker-Straße rücken, um eine Verbindung 
mit dem Corps des Marschalls Ney einzuleiten; zog 
noch das leichte Batgillon Lamotte, von der Brigade 
Siebein an sich, ließ dieses dann (10ten November!?) 
gegen die wohl verrammelte und besetzte Clausen-Schanze 
amücken, und theils am Fuße des Zillerbergs, welcher 
der Vestung sehr nahe liegt, theils auf der Hdhe dese 
selben, welche die ganze feindliche Stellung beherrschte, 
#ier Sechspfünder und zwei Haubitzen aufführen. Ein 
starker Nebel begünstigte es. Hauptmann Bauer ließ 
pie Haubitzen mit Seilen den Berg hinauf ziehen und 
tragen, bis zur vordern Bergspitze, von wo man, durch 
) Durch Klugheit und Tapferkeit des Lieutenanks von Pfet- 
ten des 1sten Linien= Infanterie-Leib-Regiments, kräf- 
tig durch seinen Corporal Schmiedmeier und Gemei- 
sen Ringmeier unterstüßt.
        <pb n="277" />
        — 267 — 
ein altes Blockhaus gedeckt, die längste Seite der Ve- 
stung, bei der Josephs-Burg, mit Erfolg beschießen 
konnte. Der österreichische Befehlshaber in Kufstein, 
Major Ujhatzi wartete den Erfolg dieser Maßregeln 
nicht ab, sondern unterzeichnete den nämlichen Tag die 
Bedingungen der Uebergabe. Die Besatzung erhielt freien 
Abzug. Sobald die Vestung den Baiern eingeräumt war, 
übertrug General Mezanelli den Oberstlieutenant La- 
motte mit dessen leichten Bataillon, Kufstein zu besetzen, 
und rückte mit seiner Brigade über St. Johann, dem 
Generallieutenant Baron Wrede zum Hauptheer in 
Oesterreich nach, 
Erzherzog Johann hatte bis dahin seine Stellung 
auf dem Brenner behalten. Ney, welcher von Innsbruck 
aus die Verbindung mit den Baiern vor Kufstein suchte, 
war für größere Unternehmungen zu schwach, hinderte 
daher die Bewegungen des Erzherzogs wenig, und schob 
seine Vorposten nur bis an den Isel-Berg vor Wildau. 
Was den Erzherzog am meisten hemmte, war seine Hoff- 
nung, noch das Corps des Prinzen Rohan gus den 
Gegenden von Imst und Landeck im Oberinnthal, wie 
auch das des General Jellachich, der noch im Vor- 
arlberg stand, mit sich zu verbinden. Erst, als ihm der 
Prinz Rohan selbst meldete, es sey unmdglich — denn 
schon war er ringsum von Feinden bedrängt — setzte er 
die begonnenen Bewegungen vom Brenner herab gegen 
das Innere von Oesterreich fort. Der Zug gieng (Liten 
November) über Mühlbach, Mederndorf und Sillian. 
Chasteler deckte, von Werfen aus, die linke Seite 
desselben, und General Siegenthal an den Eingän- 
gen der Ponteba und Pfftsch, nachher bei Oberdrau- 
hurg und im Gristhal bei Mauthen, die rechte.
        <pb n="278" />
        — 268 — 
An demselben Tage (15ten November) da Erzherzog 
Karl seinem ermüdeten Heere am linken Ufer des Taglia= 
mento eine Ruhe schuf, indem er das feindliche Heer 
am rechten Ufer durch zehn Regimenter und dreyßig 
Stück Geschütz beschäftigen und aupfhalten ließ, erreichte 
Erzherzog Johann die Stadt Lienz an den Gränzen 
Kärnthens. Jetzt ließ er auch den Feldmarschall-Lieu- 
tenant Hiller, welcher, Rohan und Jellachich 
erwartend, am Fuß des Brenners zurückgeblieben war, 
nachrücken, mit Befehl, so schnell, als mdglich, durch 
das Pusierthal, Villach und Klagenfurth zu erreichen. 
Chasteler hingegen mußte durch das Murrthal gegen 
Neumarkt oder Freisach gehen, um den Franzosen in 
Klagenfurth zuvorzukommen, oder ihre Bewegung dahin 
zu verspäten. Denu schon wußte man den Marschall 
Marment in Anzug gegen diesen Punct. Auch Ger 
neral Siegenthal empfieng Befehl, den allgemeinen 
Zweck durch einen raschen Zug gegen Villach oder Kla- 
gen furth und durch Beobachtung der Ponteba zu befdrdern. 
Während also Erzherzog Karl durch einen meister- 
haften Rückzug über den Isonzo, über Gradisca, Gdrz 
und Laibach gieng, immer noch stark und seinen Feinden 
furchtbar, endlich nach Eilly gelangte (27sten Novem- 
ber) an der Drau, gelang es auch dem Erzherzoge 
Fohann, aus verschiedenen Richtungen seine Heer- 
haufen bei Klagenfurth (20sten November) zu sammeln, 
und sie mit den tapfern Schaaren Karls endlich (osten 
November) an der Drau zu vereinigen. 
Marschall Ney, sobald er den Abzug der Oester- 
reicher vom Brennen vernommen hatte, war zwar von 
Innsbruck aufgebrochen (14ten November) und ihnen
        <pb n="279" />
        nach bis Lienz gefolgt, doch ohne eigne Gefahr konnte 
er nicht weiter. Denn Prinz Rohan hatte sich hinter 
ihm sogleich in Bewegung gesetzt, sich über Finstermüntz 
und Meran nach Botzen geworfen, hier den Landsturm 
aufgeboten, und mit Hülfe desselben, eine hier stehende 
schwache Abtheilung von Ney's Korps zurückgedrückt. 
Der Prinz, nur ohngefähr noch 6000 Mann stark, mochte 
sich hier weder fruchtlos mit Ney messen, noch konnte 
er, weil Marmont schon in Stepermark eingedrungen 
war, an Vereinigung mit Erzherzog Johann denken. 
Er wandte sich also gegen Bassano, überrumpelte hier 
die französische Besatzung, und gieng nach Castelfranco, 
mit der verzweiflungsvollen Aussicht, vielleicht die fran- 
zesische Linie durchbrechen, und Venedig erreichen zu 
kodnnen. Massena, wohlunterrichtet, verstärkte aber 
sogleich den rechten Flügel Gouvion St. Cyr's, der 
zur Beobachtung Venedigs aufgestellt war, schickte die 
Division Gardanne nach Venzone, um die Besatzung 
am Durchgang beider Ponteba's zu unterstützen, und 
verschloß auf diese Weise dem Prinzen jeden Ausweg. 
Dieser stürzte mit letzter Kraft aus Castelfranco hervor, 
trieb noch die franzdsische Division zurück, mußte endlich 
aber, überwältigt von der gegen ihn kämpfenden Menge, 
weichen. Erschdpft und zu schwach, denn es waren ihm 
nur etwa noch 1000 Mann übrig, mußt' er sich zuletzt 
mit diesen in Kriegsgefangenschaft geben. Nicht ganz 
vergebens war Rohans gewagtes Werk gewesen. Er 
hatte den Aufenthalt des franzdsischen Heers am Isonzo 
verzdgert, und dadurch den Rückzug des Erzherzogs Karl 
erleichtert. 
Im Vorarlberg hatten die Generale JZellachich und 
Wolfskehl kein besseres Schicksal, deren ausögesandte
        <pb n="280" />
        — 270 — 
Streifrotten lange genug den Bewohnern Schwabens, 
Baierns, selbst Frankens, Furcht eingestd½ßt hatten. 
Als aber durch die Franzosen die ndrdlichen Engpässe und 
Thäler Tirols genommen, die südlichen durch Erzherzog 
Karls Rückzug verlassen waren, als Marschall Auge- 
reau, mit 15.000 Mann bei Hünningen über den Rhein 
gekommen (20sien October), sich längs dem Bodensee 
dem Vorarlberg nahte: da ward die Verlegenheit wie 
die Entzweiung der Feldherren groß. Die Grafen Kinsky 
und Wartensleben, Oberste der Reiterei, beschlos- 
sen, sich mit dem Säbel in der Faust einen Weg ins 
Vaterland zurückzubahnen. Sie brachen mit ihren Rei- 
tern und sechs Kanonen (Nachts den 12ten November) 
von Bregenz auf; zogen über Lindau, Biberach, Blau- 
beuren, Lauingen und Ndrdlingen; hoben Couriere auf, 
trieben Brandschazungen ein, nahmen Vieh, Getraide, 
Futter weg; verbreiteten Schrecken und Hunger wohin 
sie kamen; zogen über Ellwangen und Anebach durch 
Franken, und erreichten endlich (10ten November) glück- 
lich die bbhmischen Gränzen. Günstig für fie war die. 
weit zerstreute Aufstellung der balerischen Brigade Sie- 
bein in den Gegenden von Donauwdrth, Amberg u. s. w., 
welche aus dem Oten und 10ten Linien-Regiment be- 
stand, und bis Ende Octobers mit der franzdsischen Di- 
vision Rivaud vereint gewesen war. Ueberall schwach 
konnte sie in ihrer Vertheiltheit den unerwarteten Rück- 
zug weder hindern, noch auch nur erschweren. 
Fellachich, der nur noch 4.500 Mann beisammen, 
und sich nach Dornbirn zurückgezegen hatte, mußte nach 
vergeblicher Tapferkeit der überlegenen Macht Auge- 
reauss weichen. Doch eine Frucht errang diese Tapfer- 
keit, als sich der besiegte Heerhaufen gefangen geben
        <pb n="281" />
        mußte (14ten November): er erhielt freien Abzug nach 
Boͤheim, unter dem Geluͤbde, binnen Jahresfrist nicht 
gegen Frankreich zu dienen. Augereau wandie sich dar- 
auf nach Ulm; rings umher war kein Feind mehr. Da- 
her empfieng nun die Brigade Siebein Befehl, in Eile 
zügen nach Oesterreich zu gehen, und zum baierischen 
Armee: Corps zu stoßen, welches, seit der Verwundung 
des Generallieutenants Oeroy, allein unter Wrede's 
Oberbefehl stand. Eben so nahmen auch das 6te und 
13te baierische Linien-Regiment, mit einer Capvallerie= 
Ergänzung, (am 27 sten October) ihre Richtung von 
Würzburg, über München, nach Salzburg, unter An- 
führung des Generals Karg. 
  
0. 
Rückzug des russisch-österreichischen Kriegs- 
heeres über Krems und Wien nach Mähren. 
Es ist aber Zeit, auf die Bewegungen der Haupt- 
heere zurück zublicken. 
Nachdem die Franzosen über den Inn gegangen 
waren, wie schon erzählt ist, wo Braunau mit 45 Kano- 
neu und großen Kriegs= und Lebensvorräthen in ihre 
Gewalt gefallen, für sie ein vortheilhafter Waffenplatz 
wurde, blieb der rußisch = dsterreichischen Armee unter 
Kutusow und Kienmair keine Wahl übrig, als sich 
gegen jene russische Hauptmacht zurückzuziehen, welche 
die Feldherren Burthoeven und Michelson in gro- 
ßer Eil durch Schlesien gegen Mähren heranführten. 
Denn Kienmair, Meerveld und Kutusow, letz- 
terer mit nicht mehr, als 20,000 Russen, waren zum 
ernsten Widerstand gegen die unverhältnißmäßige Ueber-
        <pb n="282" />
        legenheit ihres Feindes viel zu schwach. Sie mußten sich 
begnügen, das Vordringen desselben, so lange als moͤg— 
lich, zu verzdgern, um einerseits den ankommenden Rus- 
sen, anderseitö dem Er#herzog Karl, von Italien her, 
Jeit zu gewinnen. Mehrere Strdme, die zwischen Wien 
und dem Inn zur Donau gehen, schienen die Aufgabe 
zu erleichtern. Napoleon hingegen hatte nichts Drin- 
genderes, als die feindlichen Heerhaufen vor sich her 
zu ereilen, mit einer Uebermacht sie zu erdrücken, Wien 
zu nehmen, als den Schlüssel aller Hauptstraßen und 
künftigen Kriegsbewegungen, dann den Russen nach Mäh- 
ren entgegen zu gehen, und auch sie einzeln zu schlagen. 
Daher stand Murat mit dem Vortrabe der fran- 
zdsischen Macht (51sten October) schon bei Lambach, 
wo der dsterreichische General Schusteck den Rückzug 
der Russen seitwärts nach Wels, der Oesterreicher über 
die Traun, glücklich, wenn auch mit Verlust deckte; als 
das große franzdsische Heer erst vom Inn aufbrach. 
Murat verfolgte die Russen (usten November) nach 
Wels, Davoust gieng mit einem Theil seiner Reiterei 
bei Lambach über die Traun; schickte einen andern Theil 
gegen die Stadt Steyer, wohin sich die Diviskton Hohen- 
lohe vom meerveldischen Corps gezogen hatte, einen an- 
dern Theil gegen Kremsmünster. Nachdem auch noch 
bei Ebersberg 400 zurückgelassene Oesterreicher den Traun- 
Uebergang vergeblich und nur kurze Zeir vertheidigt hat- 
ten, (denn der französische General Walter hatte in 
vorgefundenen Fahrzeugen beträchtliche Reiter-Abtheflun- 
gen übergeschifft,.) bewegte sich alles gegen die Ufer 
der Ens vor. Ein beim Dorfe Asten versuchter Wider- 
stand ward von den Franzosen, die dabei einige hundert 
Gefangene machten, leicht gebrochen; Davoust bemäch- 
tigte
        <pb n="283" />
        — 273 — 
tigte sich kaͤmpfend der Stadt Steyer (aten October). 
So wurde die Ens uͤberschritten, und bei Amstaͤtten das 
Ufer der Ips (Sten October) durch Murats Heer- 
haufen erreicht. Hier stand auf den benachbarten Hoͤ—- 
hen noch der Nachtrab des russisch-österreichischen Hee- 
res, den Uebergang der Ips zu vertheidigen. Kräftig 
widerstanden anfangs die Russen dem Sturm der oudi- 
not'schen Grenadier-Division, bis die Masse des Feine 
des immer gewaltiger herandrängte. Da ward auch die 
Ips von Oesterreichern und Russen verlassen. Sie eil- 
ten nach Mdlk. Jetzt war es darum zu thun, nicht nur 
die Hauptstadt Wien zu decken, sondern mehr noch die 
Engwege und den Donau-Uebergang bei Krems zu be- 
schützen. Denn schon war Kaiser Alexander von Ruß- 
land mit seinem Heere nahe. Der Versuch mußte ge- 
macht werden, ihm den Weg über die Donau offen zu 
halten. Darum bewegte sich Kutusow über St. Pöl- 
ten links nach Krems und Srein an der Donau; das 
meerveldische Corps hingegen über Neustadt zur Deckung 
Wiens. 
Allein schon stand Mortier am linken Donauufer, 
auf welches er bei Linz übergegangen war, und rückte 
den Strom entlang gegen Krems. Und Marschall 
Davomust, der von Steper her über Nardhofen das 
meerveldische Corps verfolgte, stieß (am kten November) 
schon bei Marienzell auf dieses, und griff es sogleich mit 
Ungestüm an. Es ward im hartnäckigen Gefechte ge- 
schlagen. Die Trümmer desselben zogen sich, nach em- 
pfindlichen Verlust, eilfertig zurück. Wien war nun niche 
länger gegen die Macht des Siegers zu behaupten. Ueber 
Leoben nahm Marschall Marmont seine Nichtung ge- 
gen Grat. 
18
        <pb n="284" />
        – 2½ — 
Von allen Seiten drängten die französischen Schaa- 
ren gegen die Hauptstadt des Kaiserreichs, wie zum 
gemeinschaftlichen Mittelbunct. Auch der Heerhaufe 
des Marschalls Bernadotte war von Salzburg aufge- 
brochen. Ihm folgte der Generallieutenant Wrede (zten 
November) mit dem 5ten, 7ten, 8ten und 12ten In- 
fanterie-Regiment, dem 2ten und öten leichten Batail= 
lon, und dem isten und 2ten Regiment Chevaurlegers, 
welchem sich bald auch das ate Chevaurlegers-Regiment 
anschloß. Schon am öten November stand er bei Lam- 
bach, wo er Reiter-Abtheilungen über die Traun gehen 
und den Punct Wimsbach an der steyermärkischen Gränze 
besetzen ließ, während zur Deckung des salzburgischen 
Landes, auf Bernadotte's Befehl, das üuste Kinien- 
Leib-Regiment, das Regiment Kurprinz, das A1ste 
leichte Bataillon Metzen, und das iste Dragoner-Re- 
giment Minuzzi zurückgeblieben war, und General 
Mezanelli mit dem übrigen Theile der Baiern die 
Unternehmung gegen Kufstein betrieb. Von Lambach 
rückte Wrede nach Steyer, dann der allgemeinen Be- 
wegung folgend, nach Ulmerfelden.) Wichtiger, denn 
jedem andern von den Feldherren gegen Oesterreich, war 
ihm die Handhabung strenger Mannszucht, wie große 
Entbehrungen auch immerhin sein Kriegsvolk dulden 
mußte. Denn an ihm war's, durch die That jene thdrich- 
  
*) Der General Marsigli übernahm hier als Stellvertreter 
des wie erwähnt gegen Kufstein gesandten Generals Gra- 
sen Mezanelli, den Befehl über die aus dem 5Sten 
und 7ten Linien-Regiment, dem 2ten leichten Infanterie- 
Bataillon und dem 1sten Chevgurlegers-Regiment bestehende 
Brigade.
        <pb n="285" />
        — 276 — 
ten Anschuldigungen zu widerlegen, in welchen die oͤster- 
reichischen Truppen voll erblichen Nachbargrolls nur die 
Baiern anklagten, als wären sie allein die zuchtlosen 
Verwüster eines Landes, welches von Feinden und Freun- 
den Oesterreichs gleich stark verheert ward. 
Kaiser Franz, in der Trauer um das bevorstes 
hende Schicksal seiner Hauptstadt, hatte den Feldmar= 
schall-Lieutenant Grafen Giulay mit Friedensvorschlä- 
gen nach Linz gesandt, wo voch Napoleons Haupt- 
gelager Cam gten November) war. Allein die herben 
Bedingungen, welche der Sieger vorschrieb: schleunige 
Heimkehr der Russen in ihr Vaterland, Entlassung des 
ungarischen Aufgebots, Verzichtleistung auf Venedig 
und Tirol, — vernichteten den Muth zum Untethan- 
deln. Ununterbrochen währte hingegen der alseitige 
Zug gegen Wien fort. Schon am 11ten November er- 
schien Murat zu Hüttelsdorf vor Wien, den General 
Kienmair und dessen schwache Heerschaar verfolgend. 
Dort trug man ihm die Schlüssel der von aller Besatzung 
verlassenen Hauptstadt entgegen. 
An demselben Tage war's, daß Mortier am 
linken ODonauufer gegen die Russen bei Stein und Krems 
rückte. Im Wahn, er habe es hier nur mit einem Nach- 
trabe zu thun, der den russischen Rückzug nach Mähren 
decke, war er blos mir der Division Gazan, 4, bis 
5,000 Mann stark, von Spitz aufgebrochen. Als er 
aber mit geschlossener Kolonne in die auf dem Wege 
nach Stein gelegenen Engen eingerückt war, erblickte er 
das ganze bei 20,000 Mann starke Heer der Russen in 
vortheilhaften Srellungen gegen sich gerichtet. Mor- 
tier, statt sich zurückzuziehen vor der Uebermacht, griff 
mehr, als kühn, seinen Feind mit furchtbarem Unge- 
18“
        <pb n="286" />
        — 226 — 
stüm an, und es erhob sich eines der blutigsten Gefechte 
des ganzen Feldzugs auf dem beschränkten Schlachtfelde. 
Mortier zweifelte nicht an naher Hülfe von seinen 
Ubrigen von Spitz aus vorrückenden Divisionen; setzte das 
wilde Gemetzel des Kampfes unerschütterlich fort bis 
zum Nachmittag, und sah sogar schon den Sieg sich ihm 
zuneigend. Allein Kutusow, der russische Heerfährer, 
hatte mittlerweile zwei Heersäulen über Durrenstein und 
Weissenkirchen in den Rücken der franzdsischen Stellung 
gesandt. Dadurch wurden Mortier's Schlachthaufen 
zwischen zwei Feuer gebracht, und der Verbindung mit 
den nachrückenden Divisionen beraubt. Aber heldenmü- 
thig setzten sie, wie sehr auch ihre Reihen schon durch 
das feindliche Geschütz gelichtet waren, das mdrderische 
Treffen fort, auch dann noch, als fast alle ihre Muni- 
tion verloren war. Darauf kehrten sie um, und, mit 
Aufopferung ihrer Artillerie, stürzten sie sich, Mortier 
an ihrer Spitze, gegen die Russen, die ihnen bei Weis- 
senkirchen im Rücken standen. Aber schon waren diese 
durch die von Spitz angekommene Division Dupont 
ebenfalls in ein Gefecht verwickelt worden, nun vorn 
und hinten angefallen, und konnten nicht hindern, daß 
sich, mitten durch ihre Reihen, die Ueberbleibsel der 
Division Gazan Weg bahnten. Damit war das Gleich- 
gewicht des Treffens hergestellt, von welchem sich beide 
Theile den Sieg beimaßen, während beide großen Vers- 
lust an Todten, Verwundeten und Gefangenen hatten. 
Inzwischen war davon Kutusow's Rückzug auf der 
Brünner Straße nach Mähren die Folge. 
Ihm rückte Mortier nach. Diesen zu unterstützen, 
empfieng Bernadotte's baierisch-franzbsisches Corps 
Weisung. Wrede, dessen Truppen in und bei Schmier--
        <pb n="287" />
        1477.— 
ling (12ten und 15ten November) aufgestellt waren, ver- 
nahm hier die Räumung Tirols, Ney's Einzug in 
Innsbruck, Kufsteins nahen Fall, den Rückzug der 
Erzherzoge Johann und Karl. Daher berief er, sich 
zu stärken, den General Siebein mit dem oten Re- 
giment und dem zweiten Bataillon des 10ten Regiments, 
so wie den General von Karg mir dem bten und 13ten 
Linien-Regiment aus den Umgegenden Salzburgs eiligst 
zu sich; deßgleichen auch die Brigade Mezanelli, mit 
Ausnahme des Bataillons zur Besatzung von Kufstein. 
Am 135ten November, Morgens 11 Uhr, zog Mu- 
rat in Wien ein. Düster schweigend sahen die Be- 
wohner der Hauptstadt den Einzug der Sieger, und ver- 
läugneten auch unter den Bajonetten derselben ihre lie- 
bende Treue für das unglückliche Kaiserhaus nicht. 
Fenseits der Donau stand eine ansehnliche Abtheilung 
österreichischen Kriegsvolks mit aufgefahrenen Batterien 
zur VPertheidigung oder Zerstdrung der Donaubrücke be- 
reit. Beides zu hindern und sich offnen Weg nach Mäh- 
ren zu schaffen, konnte nur der List gelingen; und sie 
gelang. Man wird ungewiß, ob man mehr über die 
Verwegenheit der franzdsischen Feldherren, oder über die 
leichtgläubige Gutmüthigkeit des österreichischen Generals, 
der dort befehligte, erstaunen soll. Denn die Marschälle 
Murat und Lannes, General Belliard und andere, 
begaben sich keck zum dsterreichischen Befehlshaber, und 
verkündeten, daß zwischen Frankreich und Oesterreich nicht 
nur Friede, sondern selbst Bund geschlossen sey. Meh- 
rere Briefe, die bei den Oesterreichern eingegangen wa- 
ren, schienen die Ankündigung zu bestätigen. Der dster- 
reichische General befahl, der allgemeinen Warnung sel- 
ner Offiziere entgegen, nicht allein die Donaubrücke nicht
        <pb n="288" />
        — 278 — 
zu zerstoͤren, sondern auch die Franzosen, als kuͤnf- 
tige Bundesgenossen mit bruͤderlichem Sinn zu empfan- 
gen. — Kaum aber waren die Heerhaufen Murats 
und Lannes in moͤglichster Schnelle uͤber die Bruͤcke 
gegangen, und am linken Donau-Ufer verbreitet, so um- 
zingelten sie augenblicklich das oͤsterreichische Kriegsvolk 
und entwaffneten es. Nun eilte alles hinüber, den Rus- 
sen und Oesterreichern gegen Mähren nach. Diese, über- 
rascht durch das unerwartete schnelle Erscheinen des 
Feindes, erlitten auf dem beschleunigten Rückzuge gro- 
ßen Verlust an Kriegsvorräthen aller Art, während die 
Hauptstadt dem Sieger selbst die reichsten Hülfsquellen 
erdffnete. 
Alle bei Wien über die Donau gegangenen franzdsi- 
schen Heerhaufen warfen sich in reißender Eile gegen 
Mähren. Davoust's Vortrab, unter General Mil- 
hand, entriß dem fliehenden Feinde auf der Brünner- 
Straße bei Volkersdorf 30 Kanonen und 400 Gefangene; 
Lannes nahm ihm am nämlichen Tage (14#en November) 
bei Stokerau nicht minder große Beute. Folgendes Ta- 
ges, bei Hollabrunn, stießen Murat und Lannes auf 
den Nachtrab des Kutusow'schen Heeres. Diesen Nach- 
trab befehligte Fürlt. Bagration. Wie tapfer auch 
seine Russen stritten, er mußte dennoch das Schlachtfeld 
raͤumen, weil seine Heermitte durch franzbsische Besa- 
tzung des Punctes Schdugraben in Gefahr gerieth, und 
der dsterreichische General Graf Nostiz gar keinen An- 
theil am Treffen nehmen wollte. Denn auch diesen hat- 
ten die. franzôsischen Feldherren mit der Nachricht vom 
Waffenstillstande Frankreichs und Oesterreichs zu täuschen 
gewußt. 
General Kutusow, um Zeit zu gewinnen, sich un-
        <pb n="289" />
        — 270 — 
angefochten mit Burthdven und Michelson verei- 
nigen zu können, fädelte nun selbst Unterhandlung we- 
gen eines Waffenstillstandes ein, dem auch Prinz Murat 
beistimmte. Wiewohl Napoleon die Unterhandlung 
verwarf, hatte doch Kutusow dabei 23 Stunden ge- 
wonnen, und er konnte seine Vereinigung mit dem rus- 
sischen Hauptheere bei Wischau, zwischen Brünn und 
Ollmütz,, (am 18ten November) ruhig vollziehen. Aber 
zur Deckung oder Verbergung dieses Rückzuges hatte er 
den Fürst Bagration mit dem Nachtrab, 5 bis 0,000 
Mann stark, bei Hollabrunn und Guntersdorf zurück- 
gelassen. Und gegen diesen nun richteten alsbald (Abends, 
10ten November) Murat, Lannes und Soult mit 
gesammter Macht ihren Angriff. Die Russen, so wie 
das österreichische Regiment Erbprinz Hessen. Homburg, 
sochten mit Ruhm, wenn gleich ohne Glück. Bagration, 
so tapfer als klug, widerstand dem Andrang der über- 
legenen feindlichen Massen, bis Kutusow's Heer ge- 
rettet war, und zog, Tag um Tag kämpfend, freilich 
mit empfindlichem Verlust, zum Lager von Wischau. 
Murat aber rückte in Brünn ein. 
  
10. 
Gefechte und Treffen bei Iglau zwischen 
Erzherzog Ferdinand und Generallieute- 
nant Wrede. 
Als Napoleon das Erscheinen und die Größe der 
russischen Kriegsmacht in Mähren, und das Beisammen- 
seyn der beiden Kaiser von Oesterreich und Rußland in 
der Stadt Ollmütz vernahm, verließ er Wien, und be- 
gab sich (17ten November) nach Znaym, der mährischen
        <pb n="290" />
        — 280 — 
Stadt. Eine Woche bei Ulm hatte ihn zum Herrn des 
groͤßten Theils der oͤsterreichischen Erbstaaten gemacht; 
ein Tag in Maͤhren konnte ihm Alles rauben. Seine 
Kriegsvoͤlker waren noch in der großen Eroberung weit 
zerstrent, in Besatzungen oder auf dem Zuge begriffen, 
oder mit den Feinden im Gefecht, in Italien, in Ti- 
rol, längs der deutschen Donau. Marmont stand zu 
Gratz im Herzen der Steyermark; Davoust zu Pres- 
burg in Ungarn, wo den Madscharen friedliche Sicher- 
heit verhießen ward, wenn sie ihren bewaffneten Auf- 
stand entlassen würden. An der Donau, bei Regensburg 
und Straubing, Bbheim beobachtend, lag Barraguay 
d'Hilliers, denn einige österreichische Schaaren brachen 
von Zeit zu Zeit hervor in den baierischen Wald, Brand- 
schatzungen auszuschreiben, oder zu plundern und Lebens- 
mittel einzutreiben. Barraguay d'Hilliers jagte 
sie über Waldmünchen bis jenseits Pilsen zurück mit 
schwerer Vergeltung der Brandschaßungen. 
Napoleon zu Znaym bereitete sich, seinen Fein- 
den auf mährischem Boden mit Kraft entgegen zu treten. 
Er sammelte alle Heerhaufen dortiger Gegenden näher 
um sich. Auch Bernadorte war schon bei Mautern 
in Fahrzeugen über die Donau gegangen, und von da 
nach Oberhollabrunn. Schon stand die Division des 
Generallieutenants Wrede auf der Znaymer-Straße 
bei Intzelsdorf (16gten November), als die gesammte 
Reiterei derselben Befehl empfieng, sonder Verzug über 
Znapm hinaus gegen Iglau, am Fuß des bbhmischen 
Gebirgs zu eilen. Denn die Russen liessen in dem Au- 
genblick sowohl ihre ganze Reserve-Artillerie, als die 
dem Marschall Mortier abgenommenen Gefangenen 
nach Jaromirsz, ins Innere Böheims führen. Obschon
        <pb n="291" />
        — 281 — 
sie vier Tagereisen voraus hatten, glaubte Napoleon 
dennoch den Versuch wagen zu sollen, diesen schwerfälli- 
gen Jug einholen, die Gefangenen befreien und das 
Geschütz entführen zu lassen. Dieß war die Aufgabe 
des Generals Wrede. 
Als derselbe in Znaym mit der Reiterei einzog, sah 
Napoleon zum erstenmahle baierische Schaaren, als 
Bundesverwandte, an sich vorüber ziehen. Sein laut 
geäußerter Beifall über die kriegerische Haltung dieser 
sonst von Bundesgenossen mit Stolz behandelten Krie- 
ger, erwarb denselben die allgemeine Achtung im Heere. 
Napoleon sprach mit Wärme über eine künftig gün- 
stigere Stellung Baierns unter den Staaten, und schenkte 
dem Heere desselben 15,000 Gewehre, nebst allem Ge- 
schütz, welches die Oefterreicher in frühern Kriegen den 
Baiern abgenommen, und #n Wiener Zeughause ver- 
wahrt hatten. Napoleor kannte das menschliche Herz. 
Männer zu begeistern, die nur für ihr Vaterland athme- 
ten, ehrte er das Vaterland derselben. Wrede und 
seine Schaaren zogen freudigern Gemüths dem Feinde 
entgegen; durchschwammen auf ihren Rossen die Taja, 
wo sie die Brücke zerstdrt fanden, und stellten ihre 
WVorwachen bis gegen Freittersdorf. Das baierische Fuß- 
volk hingegen, beim Bernadotte'schen Corps zurück- 
geblieben, verweilte mit demselben in den Gegenden 
von Znaym. Noch waren zu demselben nicht die aus 
Salzburg und Tirol berufenen baierischen Truppen ge- 
stoßen. Denn Marschall Ney hatte, sobald Tirol gänz= 
lich von Feinden leer war, Befehl empfangen, dieß 
Gebirgsland den Baiern zu übergeben, sich selbst aber 
in Salzburg zu andern Bestimmungen bereit zu halten. 
Also mußten das erste, zweite, neunte und zehnte Linien-
        <pb n="292" />
        — 282 — 
Regiment, das erste Dragoner-Regiment, das fünfte 
und sechste Bataillon der Baiern mit einer leichten Bat- 
terie, unter einsweiligem Befehl des Generals Grafen 
Nutius Minuzzi, ins Tirol zur Besetzung des Lan- 
des einrücken. )) Nur die Brigaden Mezanelli und 
Karg verfolgten in Eilzugen ihren Weg zur Vereini- 
gung mit Wrede's Corps in Mähren. 
Wrede selbst erreichte am andern Tage seiner Aus- 
sendung (10ten November) Deutsch-Budweis, während 
er durch einen Streifhaufen von hundert Pferden unter 
Anführung des Majors Grafen Rechberg die Stadt 
  
6n.) Während ferner die bisher im Salzburgischen und bei Do- 
nauwörth gestandenen baierischen Truppen sich zum Ein- 
rücken ins Tirol vorbereiteten, bereits eine kleine Abthei- 
lung von 200 Mann unter dem Major Habermann des 
Sten leichten Bataillons Lamotte gegen Innsbruck bis 
Absams, der General Siebein mit drei Bataillous, 
nämlich dem oten Regimente, dem 2ten Bataillon des 
toten Regiments, gegen Schwaz vorrückte, das iste Ba- 
taillon des loten Regiments sich von Illerdiessen über Füs- 
sen nach Lermos, das bte leichte Bataillon sich von Do- 
nauwörth aus über Landsberg, Weilheim, ebenfalls nach 
dem Lande Tirol in Bewegung setzte, hielt die Brigade 
dutius Minuzzi das Land Salzburg und alle nach 
Stevermark führenden Deboucheen besetzt, und stellte durch 
die am 22#sten früh von Guggenthal aus erfolgte Absen- 
dung eines aus zweien Compagnien des isten und 2ten 
Infanterie-Regiments und einer baierischen Dragoner= 
Abtheilung bestehenden kleinen Corps unter Hauptmann 
von Rummel über Ischel, Aussee, Steinach nach Rot- 
ten = Mann, am 260sten bei letztgenanntem Orte die directe 
Verbindung mit dem nach Steyermark vorgerückten Corps 
des Marschall Marmont her.
        <pb n="293" />
        285 — 
Iglau überfallen, und die Verbindung zwischen dem 
Corps des Erzherzogs Ferdinand in Bdheim und dem 
feindlichen Heere in Mähren sitdren ließ. Rechberg, 
ein Mann von Umsicht, Geistesgegenwart und Muth., 
machte auf diesem JZuge fünf Offiziers und 131 Mann 
gefangen, erbeutete dazu noch 830 Cavalerie-Pferde, 
und ein beträchtliches Magazin von Fruchten, Mehl 
und Haber.) Wenige Tage nach diesem (22sKten Novem- 
ber) rückte Wrede in Iglau ein, und besetzte die Um- 
gebungen. Er hatte Nachricht vom Anzuge des Erzher- 
zogs Ferdinand aus Bbheim. Die erste Aufgabe, der 
Russen Artilleriereseroe und die französischen Gefan- 
genen zu erreichen, war ihm nicht mehr erfüllbar gewesen. 
Jetzt ward eine zweite dringender, nämlich die franzbsi- 
schen Stellungen in Mähren, zunächst Bernadotte's 
Armee = Corps, gegen feindliche Unternehmungen aus 
Böheim von dieser Seite zu decken. 
*) Der die Avant-Garde dieser Erpedition führende Lieute- 
nant Baumgartner des isten Chevaurlegers= Regi- 
ments Kurprinz hatte durch sein ausgezeichnetes Beneh- 
men die besondere Aufmerksamkeit seines Befehlshabers 
des Majors Grafen Rechberg auf sich gezogen. Eben 
so hatte Oberlieutenant Kleudchen des 2ten Chevaur- 
legers-Regiments Kurfürst mit weniger Mannschaft, von 
Deutsch-Gieshübel gus, eine Patrouille gegen Pillgram 
gemacht, sich eine Stunde von genanntem Orte tollkühn 
mit einer bedeutenden feindlichen Cavalerie-Abtheilung 
von Meerveld Uhlanen und Latour-Dragoner ins Gefecht 
eingelassen, und sich vor so überlegener Macht mit dem 
geringen Verlust von zwei Pferden in größter Ordnung 
auf seine Haupt-Truppe zurückgezogen. Der Gemeine 
Hommel verdient bei dieser Gelegenheit ehrenvoll er- 
wähnt zu werden.
        <pb n="294" />
        — 284 — 
Zur Erspaͤhung der Kraͤfte und Bewegungen des 
Feindes, giengen in verschiedenen Richtungen Streif- 
rotten aus. Der Major von Floret, mit neunzig 
Mann vom 2ten Chevaurlegers-Regiment, überfiel die 
Stadt Tabor in Bdheim (Lasten November), trieb die 
300 Mann starke Besatzung aus, machte 95 Gefangene 
und ein großes Mehl= und Habermagazin zur Beute. ") 
An demselben Tage überrumpelte der Major von Zur- 
westen mit sechszig Mann des dritten Chevaurlegers- 
Regiments, welches vor Iglau in Pfauendorf und Hil- 
bersdorf eingelagert war, die feindliche Besatzung von 
Deutschbrod in Bdheim; nahm dort ansehnliche Salz- 
vorräthe weg, und verfolgte den Feind bis Haaber. Als 
folgendes Tages am Abend (Tösten November) der Ober- 
lieutenant Gervinus mit seiner Streifwache auf bster- 
reichische Vedetten stieß, und diese jagte, sah er sich 
plotzlich im Angesicht einer Haupt-Abtheilung Reiterei. 
Er zuerst, ohne Zaudern, mit hervorgerufenen Frei- 
willigen, die Cerporäle Merkel und Seeberger an 
deren Spitze, stürzten sich, von der Nacht begünstigt, 
in die feindliche Menge; dann alle nach. Ju rechter 
geit eilte Major Zurwesten ihm im Gedränge zum 
Beistand. Manche wackere That ward hier vollbracht. 
Der Chevaurlegers Ingenbrand rettete seinem Ritt- 
meister das Leben, indem er den feindlichen Reiter, 
welcher diesem den Tod geben wollte, niederhieb. Der 
  
*) Auch bei dieser Unternehmung wurde dem Oberlientenant 
Baron Kleudchen des genannten Regiments die Gele- 
genheit sich ruhmvoll auszuzeichnen, den Corporal Som- 
mer und Molitor, den Gemeinen Raß, Lieb, El- 
tkerich und Hommel die, ehrenvoll erwähnt zu werden.
        <pb n="295" />
        — 286 — 
Feind nahm die Flucht. ) Zurwesten aber zog sich 
auf sein Regiment zurück, welches denselben Tag bei 
Stecken aufgestellt war. 
Das Corps des Erzherzogs Ferdinand stand 
bei Czaslau. Wrede rückte gegen ihn nach Deutsch- 
brod, an das linke Ufer der JZasawa, vor (27. No- 
vember); im Rücken durch die französischen Divisionen 
Kellermann, Rivaud und Drouet bei Stecken und 
Iglau gesichert. Der Vortrab des baierischen Heerhau- 
fens (das Zte Linien-das 3te Chevaurlegers-Regiment 
und Ate leichte Bataillon Stengel) bewegte sich bis Haa- 
ber. Hier fehlte wenig, und ein geringes Posten-Ge- 
fecht hätte ein allgemeines Treffen entzündet. . 
Bei Steinsdorf nämlich stieß der Lieutenant Wein- 
bach mir zehn Mann gegen dreißig feindliche Reiter, 
warf sich verwegen wider diese, und nahm einen Offi- 
zier und acht Mann gefangen. Dagegen ward der Lieu- 
tenant Weinbach vom Feind umzingelt. Ihn aber 
hieben die Chevaurlegers-Corporäle Merkel und Il- 
ling heraus und frei. Nun warf sich auch das ganze 
dritte Chevaurlegers-Regiment gegen die vor Haaber 
stehenden feindlichen Geschwader, um jene Wenige zu 
unterstützen. Darüber kam das ganze Armee-Corps des 
Erzherzogs Ferdinand in Bewegung. Aber der Ge- 
nerallieutenant Wrede befahl alsbald den Rückzug 
seiner Avant-Garde nach Steinsdorf, um ihr im Fall 
— 
*) Der Major LZurwesten, der Rittmeister Gambs, die 
Lieutenants Gervinus und Scholl, so wie der Che- 
vaurlegers Gerbig wurden nach so ruhmvollen kleinen 
Gefecht als brave Männer von dem baierischen Befehls- 
habet bezeichnet.
        <pb n="296" />
        — 286 — 
eines uͤberlegenen Angriffs schnelle Huͤlfe gewaͤhren zu 
koͤnnen. 
Wirklich griff folgendes Tags (28sten November) 
Erzherzog Ferdinand Nachmittags die vor Steinsdorf, 
vom leichten Bataillon Stengel und einer Abtheilung 
Reiterei gezogene, Postenkette mit Uebermacht an, und 
drängte sie bis Skurow zurück. Doch das Feuer von 
zwei Sechspfündern, welche der Lieutenant Haibe auf 
der Höhe rechts der Hochstraße bei Radostine vorführre, 
die Tapferkeit dee Zten Linien-Regimenrs links der Heer- 
straße, längs dem Walde, und die ruhige Haltung des 
nach Skurow zurückziehenden, sich Schritt um Schrite 
vertheidigenden Bataillons Stengel, so wie der Chevaurx- 
legers unter Major Elbracht, hemmten des Feindes 
Vordringen, und nthigten auch ihn zum Rückzug. Der 
Verlust der Baiern an Todten und Verwundeten be- 
stand, ungeachtet der Lebhaftigkeit des Gefechts nur in 
zwanzig Mann. “) 
Napoleon, der schon (20sten November) mit sei- 
nen Garden in Brünn eingerückt war, seinen Vortrab 
über Wischau hinaus vorgeschoben hatte, wo derselbe 
bei Prostnitz einen heftigen Kampf mit russischer Reiterei 
bestand; dann seine Schaaren wieder, um die Macht 
des Feindes nachzulocken, als fürchtete er diese, nach 
schwachem Widerstande in die Stellung von Brünn zu- 
  
*) Unter den ersteren war ein Corporal des sten Regiments, 
vier Gemeine des Bataillons Stengel, der brave Ober- 
lieutenant van der Mark der dltere des öten Chevaux- 
legers-Regiments gehörte unter die. Zahl der schwer werz 
wundeten.
        <pb n="297" />
        — 287 — 
ruͤckgenommen hatte, zog itzt eilfertig alle seine benach- 
barten Heer-Haufen an sich. Denn die Absicht war 
ihm gelungen. Das russisch-dsterreische Heer, von den 
beiden Kaisern, Alerxander und Franz geführt, drang 
hervor über Wischau. Ein Tag der Schlacht stand bevor. 
Darum mußte, selbst Davousr, weil Ungarn ruhig 
war, von Preßburg herbeieilen, und Marschall Berna- 
dotte mit den Divisionen Kellermann, Drouet 
und Rivand schleunig (20sten November) gegen Brünn. 
Nur die Baiern wurden dem Armee= Corps des Erzher- 
zogs Ferdinand gegen über zurückgelassen. 
Der Hinweggang Bernadotte's gab den Heer- 
haufen Wrede's, nun auf dem linken Flügel und im 
Rücken entblößt, bei der überlegenen Stärke des Erz- 
herzogs, der Gefahr preis, jeden Augenblick vernichtet 
werden zu können. Denn die Ankunft von Mezanel- 
li's Brigade konnte erst in fünf, die des Generals Karg 
in sieben Tagen mdglich sepn; eben so das Ate Chevaux- 
legers -Regiment Bubenhofen erst nach vier Tagen ein- 
treffen. Wohl hatte General Wrede drei Regimenter 
NReiterei bei sich, aber darunter kaum 4300 dienstfähige 
Pferde; dazu nicht mehr als 3,500 Mann Fußsvolks nebst 
sechs Kanonen. 7) 
Es war allerdings vorauszusehen, daß Erzherzog 
Ferdinand, welcher 17 Bataillone, 2000 Pferde und 
40 Kanonen mit sich führte, von Czaslau und Benne- 
schau her eine entscheidende Bewegung nach Mähren 
gegen den linken Flügel und im Rücken des franzdsischen 
  
* Eben so viele Kanonen hatte er, auf erhaltenen Befehl, 
zur Deckung des Heergepäcks bei Mautern zurücklassen 
müssen.
        <pb n="298" />
        — 288 — 
Heers unternehmen, und vielleicht zur Zeit der Haupt- 
schlacht suchen werde, die verlorne Verbindung mit der 
russisch-dsterreichischen Armee herzustellen. Der General- 
lieutenant Wrede verhehlte in seinen Meldungen an 
Marschall Bernadotte keineswegs die bevorstehende 
Gefahr; nicht minder unterrichtete er seinen Souverain 
von dem wahrscheinlichen Loose des hier zu rühmlichem 
Untergang entschlossenen Haufens treuer Baiern. 
Erzherzog Ferdinand, von der Entfernung Ber- 
nadotte's unterrichtet, erschien alsbald (30. Nov.) mit 
einer starken Kolonne über Lipnitz auf der Straße nach 
Humpolez, gegen der Baiern linken Flügel, und besetzte 
wieder die Stadt Tabor. Seine und die baierischen 
Streifwachen trafen sich bei Humpolez. Alles verkün- 
dete, daß er die Besetzung von Iglau bezwecke. Ge- 
nerallieutenant Wrede, obwohl er bei Skurow vortheil- 
haftere Stellungen hatte, als bei Iglau, beschloß den- 
noch die letztere einzunehmen, theils um die Deckung 
der Straße von Iglau nach Znapm, seinen Hauptauf- 
trag, kräftiger auszuführen, theils den heraneilenden 
Brigaden Mezanelli und Karg um etwas näher zu 
kommen. Also mußte das leichte Bataillon Stengel so- 
gleich voraus, Iglau besetzen, mit Posten und Streif- 
haufen gegen Pilgram; diesem folgten, abtheilungsweise, 
die übrigen Truppen, ohne vom Feinde beunruhigt zu 
werden; ") so daß am ersten Decembertag die ganze 
  
*) Ums Uhr Nachmittags marschirke General Graf Marsigli 
mit dem 7ten Linien-Infanterie-Regiment, dem 2ten 
leichten Bataillon, nachher Dietfurt, und dem isten Chevaux- 
legers-Regiment Kurprinz über Stecken ab, stellte sich 
militairisch bei Pfauendorf auf, seine Vorposten zwischen
        <pb n="299" />
        — 289 — 
ruͤckgaͤnglge Bewegung vollendet, und die Spitze der 
baierischen Vorpostenkette von Pfauendorf nach Wonau 
en échelon gestellt war, deren Streifwachen bis Ste- 
cken schwärmten. Am Morgen dieses Tags traf auch 
das erwartete vierte Chevauxlegers-Regiment bei Iglau 
ein, welches am 12ten November Salzburg verlassen, 
hatte. Aus den Meldungen desselben erhellte, daß auf 
der Straße von Budweis nach Neuhans starke Reiter= 
haufen des Feindes streiften, dem Zug des Gepäckes 
vom Bernadotter'schen Heerhaufen bedrohlich. Ge- 
nerallieutenant Wrede, dieses zu sichern, schickte eben- 
falls Patrouillen und Pikets dorthin. 
Schon folgendes Morgens in der Frühe griff Erzher- 
zog Ferdinand mitl vier Bataillonen Fußvolks vom Re- 
giment Gemmingen und zwei Abtheilungen Rosenberg= 
Chevaurlegers das 2te leichte Bataillon (DOietfurth) an, 
welches den Vorpostendienst gegen Stecken versah. Dieß 
Bataillon ward durch den ungestümmen Angriff um so 
mehr überrascht, weil es sich in dem Augenblick am 
Stecken und Iglau. Das iuste Bataillon des öten Regi- 
ments wurde um 6 Uhr Abends mit der Artillerie und Ba- 
gage nach Altenberg beordert. Jur nämlichen Stunde zog 
sich das 2te Chevaurlegers= Regiment Kurfürst nach Iglau 
fort, und bezog gegen Morgen des folgenden Tages die 
früher inne gehabten Cantonirungen von Jessau und Gieß- 
hübel zu der Deckung der Straße nach Pilgram. 
AUm 10 Uhr Abends zog der General Graf Minuzzi 
mit dem gten Linien-Regiment, dem 7ten Regiment Lö- 
wenstein und einer Division Leiningen-Chevaurlegers nach 
Iglau ab, welcher Bewegung um 12 Uhr auch die aus einem 
Zug des gten Linien-Regiments und einer Divisson Lei- 
ningen= Chevguxlegers bestehende Arriergarde folgte- 
10
        <pb n="300" />
        — 200 — 
sichersten glaubte. Aber seine ausgesandten Patronillen, 
unvorsichtiger Weise zu weit vorgegangen, waren mit 
ihrem Führer, Lieutenant Kaltenthal, so wie zwei Pi- 
kets jenseits Wonau unter Oberlieutenant Heil und Lieu- 
tenant Achenbach, überfallen, und nach heftiger Ge- 
gemvehr vom Feinde gefangen genommen worden, in 
allem drei Offiziere und 100 Mann. Das Hauptpiket 
sloh darauf vor der Uebermacht zu seinem Bataillon bei 
Wonau. Härte der Erzherzog seinen Vortheil rascher 
verfolgt, oder ihm das tapfere Bataillon minder gewal- 
tigen Widerstand geleistet,, würde dieses der Vernichtung- 
oder Gefangenschaft kaum entgangen seyn. Aber es 
behauptete sich, und that mehr. Ehe ihm noch das kte 
Linien-Regiment zur Unterstützung kam, griff es, vom 
Generallieutenant Wrede personlich angeführt, die feind- 
lichen Schlacht-Haufen an, und hemmte deren Lauf. 
Da ward mit Erbitterung gefochten, Mann gegen Mann. 
Der Gemelne Paulus durchbohrte einen feindlichen 
Soldaten in dem Augenblick, da dieser schon den schwer 
verwundeten Hauptmann Stochk niedermachen wollte. 
Der Gemeine Lang befreite zweimahl seinen Oberlieu- 
tenant Graf aus feindlicher Gefangenschaft. Der Feld- 
webel Adam, als er seine Compagnie zerstreut sah, 
bildete sie, mitten in den grdßten Gefahren wieder; und 
als drei feindliche Soldaten daran waren, das Leben 
des Heldenmüthigen zu enden, rettete ihn der Gemeine 
Bosch, indem er jene unschädlich machte. — So ward 
der Feind gegen Stecken zurückgeworfen, und das Ba- 
talllon nahm seine alte Stellung wieder ein; doch hatte 
es sehr gelitten. Es zöhlte einen Verlust von neun ver- 
wundeten Offizieren 7), hundert drei und dreißig Ge- 
  
6) Dem Oberstlieutenant Dietfurth, die Hauptleute Stok 
und Düapypel, die Oberlieutenants Winzenti. Heil,
        <pb n="301" />
        meinen, hundert und acht Gefangenen und drei, eben- 
falls verwundeten, gefangenen Offizieren. 
Der Punct Stecken konnte, als Mittelpunct der 
feindlichen Stellungen, betrachtet werden. Hier entstand 
Waffenstille. Allein seitwärts setten die feindlichen Schag- 
ren ihre Bewegungen fort, über Gieshübel und Windig- 
Jenikan gegen den linken Flügel, und über Polnan gegen 
den rechten Flügel der Baiern. 
Diese Seiten-Bewegungen, deren furchtbarer Zweck 
sich errathen ließ, und mit denen die auf der Straße 
von Neuhauß nach Mährisch-Budweiß schwärmenden 
feindlichen Haufen in Verbindung standen, konnte Wrede 
nicht ohne Unruhe wahrnehmen. Alles schien auf Um- 
zinglung der Baiern berechnet. Dem Erzherzoge, dessen 
Hauptgelager schon zu Deutschbrod war, fehlten dazu 
keinerlei Mittel. Er hatte an Fußvolk, Reiterei und 
Geschütz die größte Ueberlegenheit, und diese noch ver- 
mehrt, als er auch die Abtheilungen der beiden Ober- 
sten Grafen Kinsky und Wartensleben an sich zog. 
Durch Hülfe der Landesbewohner ward ihm jede Bewe- 
gung der Baiern verrathen. 
Im Lager der Baiern tröstete man sich indessen mir 
der bevorstehenden Ankunft neuer Verstärkung durch die 
Brigade Mezanelli. Allein auch diese Hoffnung ward 
plötzlich vernichtet. Schon in der Nacht, welche dem 
Gefechte bei Stecken folgte, erschien ein Bote von Znaym. 
Er überbrachte vom Befehlshaber jener Brigade die An- 
zeige, daß er, einer Weisung des Marschalls Ber- 
  
die Unterlieutenants, Achenbach, Leuthin, Valls- 
de, Kaltenthal. 
19 *
        <pb n="302" />
        thier zufolge, schleunig den Zug uͤber Polizka zur gros- 
sen Armee nehmen muͤße, daher nur das zweite Dra- 
goner-Regiment Taris nach Iglau senden kdnne, und 
zwei Compagnien vom #öten Linien-Regiment in Mäh- 
risch = Budweiß zurücklasse. 
Nun also aller Aussicht auf nahe Unterstützung be- 
raubt, und links und rechts schon von den feindlichen 
Massen überflügelt, schien keine Wahl übrig zu bleiben, 
als zwischen einer rückgängigen Bewegung, oder dem 
Untergange des baierischen Heerhaufens. Der General- 
lieutenant Wrede verwarf den Gedanken an jene, welche 
den verderblichsten Einfluß auf die Unternehmungen der 
großen Armee haben konnte, von der er seit fünf Tagen 
ohne alle Nachricht geblieben war. Er faßte den Ent- 
schluß zu bleiben, den Feind anzugreifen, dessen Heer- 
mitte durchzubrechen, und auf diese Weise ihn zu zwin- 
gen, auch die schon vorgeschobenen Flügel wieder zurück 
zu ziehen. Damit ward, wenn auch nicht der Unter- 
gang verhindert, doch verzdgert und Zeit gewonnen. 
Der General zählte auf die Tapferkeit der Baiern. Der 
Soldat hatte blindes Vertrauen zu seinem Feldherrn. 
Wrede theilte seinen Entwurf den gesammelten Briga- 
diers und Staabsoffizieren mit. Alle freuten sich seines 
Entschlusses. 
Die Truppen wurden (Sten December) bei Pfauen- 
dorf aufgestellt, dann zum Angriff geführt. Das vierte 
Regiment Chevaurlegers, das ersie Bataillon des 7ten 
Linien-Regimentes (Ldwenstein) und Artillerie-Lieute= 
nant Aichn mit einer Haubitze und einer Kanone, be- 
mächtigten sich der Hdhe bei Wollau, die vom feindli- 
chen Geschütz bei Seecken stark bestrichen ward. Gegen
        <pb n="303" />
        — 293 — 
Stecken selbst rückte das erste Regiment Chevaurlegers 
und das achte Linien-Regiment; voran im Sturmschritt 
das erste Bataillon desselben unter Major Hepp auf 
der großen Straße. Das zweite Bataillon Dietfurth 
deckte diese Bewegung auf dem rechten Flügel der Au- 
griffs -Kolonne, an deren Seiten Cavalerie-Haufen 
und sämmtliche Schützen zogen. Zur Unterstützung Aller 
diente das 12te Linien-Regiment (doch mit einem Ba- 
taillon hielt es Iglau besetzt), und das vierte leichte 
Bataillon Stengel, von dem zwei Compagnien nach 
Gieshübel entsendet waren. 
Die Oesterreicher fochten in der Stellung von Ste- 
cken mit lang unerschütterlicher Tapferkeit; nicht anders 
die Baiern, welche General Wrede durch eignes Bei- 
spiel entflammen mußte. Als aber von der Wollauer- 
Hohe das Geschütz des Lieutenants Aichn, und seit- 
wärts die Feldstücke des Oberlieutenants Binder gegen 
die feindliche Seite wirksamer spielten; als das erste 
Bataillon des 7ten Regiments von der Wollauer-Hohe, 
links Stecken, den Wald nahm, und den Feind umgieng, 
und das zweite leichte Bataillon sich in die linke Seite 
des Feindes warf: da drang Major Hepp, troß des 
heftigsten Artillerlefeuers der Oesterreicher mit seinem Ba- 
taillon in den Ort Stecken ein, vom vierten, zweiten 
und dritten Chevauxlegers-Regiment kräftig geholfen. 
Der Feind zog sich in Ruhe und Ordnung zurück, das 
Gefecht verlängerte sich bis zur Nacht. Denn Wrede, 
um bessere Stellung zu gewinnen, ließ noch die zwischen 
Lerchenberg und Deutschbrod gelegenen Höhen besetzen. 
Von dort herab sah man die Wirkungen des Tages, den 
Räckzug jener feindlichen Abtheilungen, welche über Win- 
dig-Jenikau gegen Pilgram ischon die linke Seite des
        <pb n="304" />
        — 294 — 
baierischen Corps voͤllig umgangen hatten, und sich nun 
eiligst wieder zur Hauptmacht der Oesterreicher begeben 
mußten. Diese stand vor Deutschbrod auf der Hoͤhe 
aufgestellto? Noch in der nämlichen Nacht rief Erzherzog 
Ferdinand auch die rechts der baierischen Stellung über 
Nollnau vorgesandten Truppen wieder an sich. 
Dies Gefecht hatte den Baiern sechzig Todte und 
Verwundete gekostet; aber jeder Offizier und Soldat 
hatte Ehre geerndtet, und sich des baierischen Namens 
würdig gewiesen. Der Tagesbefehl des Generallieute= 
tenants Baron Wrede verkündet es allen. ) 
Ein Glück war es, daß Erzherzog Ferdin and dem 
kleinen Heerhaufen der Baiern am folgenden Tag (aten 
December) Waffenruhe ließ. Denn die Erschöpfung 
war groß und fast alle Munition verbraucht, die erst 
am Tage vor dem Gefecht mit Ertrapost herbeigeführt 
worden war. Die Ankunft von sechs Kanonen, welche 
bei Mautern zurückgeblieben waren, und die Ankunft 
des von der Brigade Mezanelli hergesandten Drago- 
10—— 
  
*) Vorzüglich ausgezeichnet hatte sich das uste Bataillon des 
aten Linien-Regiments, das 2te Bataillon des Zien Re- 
giments, welchem eine einzige feindliche Kanonenkugel auf 
einmahl ache Mann tödtete und verwundete. Unter den 
Verwundeten befand sich der Corporal Einkerl, welcher 
in dem Verluste seiner Hand nur das Unglück beklagte, 
seinem Vaterlande nicht mehr mit jener dienen zu können. 
Gleich jenen Abtheilungen hatte das 2te leichte Bataillon 
Dietfurth, das éte, ein Theil des 2ten und Sten Chevaur= 
legers = Regiments, großen Antheil an den glücklichen 
Ausgang jenes Sten Decembers.
        <pb n="305" />
        — 296 — 
ner-Regiments Taris verbesserte die Lage der Dinge. 
wenig. Das Regiment war kaum hinreichend, nur die 
schon entstandenen Lücken zu ergänzen. Inzwischen flößte 
unter diesen verzweifelten Verhältnissen die heitere Ruhe 
des Feldherrn allen Soldaten Zuversicht ein. 
Erzherzog Ferdinand hingegen, dem die kleine Zahl 
der Baiern, ihre Verlassenheit, ihre Entfernung vom 
Hauptheer, und die Nichtankunft der Brigade Meza- 
nelli bekannt war, der den Tag der enutscheidenden 
Schlacht zwischen den Hauptheeren nahe wußee, beschloß, 
mit allen Kräften den Angrisf und die Vernichtung der 
Baiern und den Zug im Rücken der franzdsischen Macht 
zu unternehmen. Zu dem Ende hatte er schon am sten 
December eine ganze Brigade seitwärts nach Windig- 
Fenikau geschickt, wo sie eine geringe Abtheilung bale- 
rischer Reiterei unter dem Major Grafen Rechberg, 
und zwei Compagnien Fußvolks unter dem Obersten- 
Grafen Solms verdrängte, die dann sich, nicht ohne 
Gefahr, längs der Stirnseite der feindlichen Stellungen 
nach Stecken ziehen mußten. Durch Windig-Fenikan 
führt eine sehr gangbare Straße in gerader Richtung 
von Prag nach Iglau. Die österreichische Brigade konnte 
also, in dem Augenblick, da der Erzherzog die Baiern 
bei Stecken angriff, im Rücken derselben Iglau nehmen 
und den Rückzug abschneiden. Daß es nicht geschah, 
obwohl es des Erzherzogs Befehl gewesen seyn soll, 
hatten die Baiern der Gunst des Glücks allein zu danken. 
Der Markt-Ol#t Stecken liegt anderthalb Stunden 
von Iglau entfernt, in hüglichter Gegend; von da zieht 
sich bis zur Stadt eine geräumige Ebene. Wrede, 
theils um seinem Gegner keine zu große Annäherung
        <pb n="306" />
        — 296 — 
gegen Iglau, theils ihm nicht den Vortheil der Ebene 
zur leichtern Entfaltung aller Streitkraͤfte einzuraͤumen, 
hatte Stecken, se entlegen es auch war, in seine Ver- 
theldigungs-Linle gezogen. Hier konnt' er in den Eng- 
wegen mit geringerer Mannschaft bequemer widerstehen. 
Die Pertheioigung dieser Stellung hatte er dem Ober- 
sten Grafen Preysing übertragen. Ein Bateaillon 
des Tten Linien-Regiments hielt den Marktflecken selbst, 
mit Vorposten vor demselben, das andere Bataillon die 
Hohen hinter demselben besetzt. Links dem Ort stand 
das erste und zweite Bataillon des dritten Linien-Re- 
giments (Herzog Karl), zwischen beiden das leichte Ba- 
raillon Dietfurth, und voran das 2te Regiment Che- 
vaurlegers mit einer Batterie. Rechts dem Ort war 
zunächst das zweite, dann bei Wonnau das erste Batai- 
lon des achten Regimems, zwischen beide das leichte 
Bataillon Stengel aufgestellt, und zu ihrer Unterstützung 
das Regiment von Kurprinz-Chevauxlegers. Den Be- 
fehl der ganzen Vorpostenkette führte Major von Lin- 
denau. Die übrigen Truppen standen, als Reserve, 
in und bei Iglau, unter dem Generagl Grafen Franz 
Minuzzi. 
Major Lindenau hatte eben dlie ganze Stellung 
der Vorposten besucht, und tiefe Ruhe von Seiten des 
Feindes verkündet, (aber ein dichter Wald hatte ihm 
„die feindlichen Bewegungen verborgen), als anderthalb 
Stunden nach Mittag (5ten December) der allgemeine 
Angriff von Seiten der Oesterreicher geschah. Stie wa- 
ren mit Einschluß der böhmischen Schützen, 17 Batail- 
lons stark, und führten ausserdem 2,000 Mann Reiterei 
und 30 Kanonen mit sich. Erzherzog Ferdinand befeh- 
ligte in eigner Person die Mitte, Feldzeugmeister Graf
        <pb n="307" />
        Kollowrath den linken, General Graf Hohenzol- 
lern den rechten Flügel. Das baierische Piket vor dem 
Markrflecken, keines Feindes gewärtig, ward sammt sei- 
nen Führern (Oberlieutenant Schrenk und Unterlieute- 
nant Karies) aufgehoben, und daher das Bataillon 
im Orte selbst durch den eindringenden Feind so überrascht, 
daß es sich kaum aufstellen konure#, um das andere Ba- 
taillon hinter Stecken zu erreichen, Aber im Augenblick 
der größren Gefahr stürzte sich das Chevauxlegers-Re- 
giment Kurpeinz (kaum 180 Pferde stark) dem Feinde 
im Orte selbst so keck und gewaltig entgegen, daß nicht 
nur jenes Bataillon den Rückzug bewerkstelligen, sondern 
daß auch das Regiment Herzog Karl mit zwei Kanonen 
unter Lieutenant Haibe den Ort erreichen, und sich mit 
dem kvien Regiment vereinigen konnte. 
Gleich beim Anfang des Gefechts hatte der Oberst 
Graf Prepsing die Sicherheit der Artillerie bedacht. 
Wäre Stecken früher, als die Artillerie zurückgeführt 
werden konnte, vom Feinde genommen worden, würde 
sie verloren gewesen seyn. Denn außer der von Stes 
cken nach Iglau führenden Hauptstraße, waren alle üb- 
rige Nebenwege in dieser unebenen Landschaft für das 
Geschütz durchaus unfahrbar. Der muthvolle Wider- 
Nand aber des 2ten Chevaurlegers -Regiments und des 
Bataillons Dietfurth auf dem linken Flügel machte dem 
Rackzug der Artillerie und des Regiments Herzog Karl 
bis Stecken möglich. Mehrmahls mit dem Bajoenett 
trieb das Bataillon Dietfurth den anstürmenden Feind 
ab, bis es sich, der Uebermacht weichend, auf lauter 
Waldwegen endlich bis an den Pfauendorfer-Park zu- 
rückziehen mußte. Großen Verlust wehrte von ihm der 
Muth des 2cen Chevau-legers = Regiments ab. Das
        <pb n="308" />
        — 298 — 
Bataillon Dietfurth, bei jenem Park vom zweiten Ba- 
taillon des zwoͤlften Regiments aufgenommen, setzte mit 
demselben den Ruͤckzug nach Iglau fort. Dahin folgte 
auch die übrige Infanterie, nur augenblicklich durch einige 
hundert feindliche Jäger beunruhigt. Dies war das 
Schicksal des linken Flügels. 
Standhaft behauptete sich indessen die Mitte des 
balerischen Korp#s auf den Anhöhen hinter Stecken; eben 
so der rechte Flügel. Hier zwar ward das zweite Ba- 
taillon des Zten Regiments durch die Uebermacht des 
Feindes anfangs zurückgeworfen, aber schnell vom ersten 
Bataillon unterstützt, verfuhr es bald wieder angriffs- 
weise. Auch General Franz Minuzzi war mittlerweile 
an der Spitze des übrigen Fußvolks herangeilt. Allein 
da mun Wrede den linken Flugel schon in vollem Rück- 
zug, die Mitte und den rechten Flügel gegen den über- 
legenen Feind in ungünstiger Stellung erblickte, ordnete 
er die rückgängige Bewegung aller Theile zur Verthei- 
digung von Iglau an, eh'’ ihm der Feind dahin zuvor- 
kommen konnte. 
Während Minuzzi das gesammte Fußvolk nach 
Iglau führte, stellte sich Generallieutenant Wrede selbst 
an die Spitze sämmtlicher Reiterei, den über die Ebene 
gefahrvollen Rückzug zu decken. Erst am Ausgang des 
zwischen Stecken und Pfauendorf gelegenen Waldes, in 
den Feldern bei den sogenannten Sandhbfen, war er 
im Stande, diese Reiterei, in allem höchstens 800 Pfer- 
de, in drei Treffen zu ordnen. Hier redete er sie an, 
und offenbarte ihnen die Gefahr und Größe des Augen- 
blicks mit wenigen, aber entflammenden Worten. Hier 
sorderte er ihnen den Schwur ab, lieber unterzugehen,
        <pb n="309" />
        als durch Feigheit die gesammte Infanterle und Artil- 
lerie dem Feinde Preis zu geben, dem Vaterlande sol- 
chen Verlust zu stiften, und die Ehre Baierns zu befle- 
cken. Alle horchten in Todtenstille. Und Alle schworen, 
Der Feind griff an. Es war vier Uhr Nachmit- 
tags. Es ward mit hartnäckiger Erbitterung gefochten. 
Von vier Uhr Nachmirtags bis des andern Morgens um 
halb drei Uhr behauptete die kleine Schaar der Baiern 
gegen die feindliche, 30,000 Mann starke Armee, ihre 
Stellung bei den Sandhdfen; behauptete sie, bis die ge- 
sammte Infanterie mit Artillerie und Gepäck sich vor 
Iglau aufgestellt, und ihren Rückzug, durch die Stadt, 
auf der Straße nach Budwitz, in größter Ordnung fort- 
gesetzt hatte. Mehrmahls wurden die Feinde durch un- 
erwartete, mit glücklichem Erfolg gekrönte Angriffe in 
Erstaunen, und ihre anfangs siegverheißenden Bewegun- 
gen ins Stocken gebracht. Jeder Soldat, jeder Offi- 
zier verrichtete hier Wunder des Muths oder der Ver- 
zweiflung. Der Feldherr selbst war überall gegenwärtig. 
Vor allem werde des zweiten Chevaurlegers-Regi- 
ments Kurfürst, und vorzüglich jener kleinen Abtheilung 
hier gedacht, welche unter dem Major Grafen Rech- 
berg das erste jener drei Treffen bildete. Jahlreiche 
feindliche Reiterhaufen, welche beim hellen Mondschein 
gewahr wurden, wie unbedeutend die ihnen gegen über- 
siehende Schaar war, welche die äußerste Nachhut des 
ganzen baierischen Corps bilbete, versuchten, sie auf 
allen Seiten zu umgehen und einzuschließen. Es war 
schon Abends 7 Uhr. Graf Rechberg. erkannte den 
Untergang der Seinigen, wenn er ruhig den gewaltigen 
Feind erwarten würde, und sprengte mit seinen achtzig
        <pb n="310" />
        — 300 — 
Reitern gegen die Masse der Uhlanen an. Die Baiern 
hieben mit so gluͤcklichem Erfolg ein, daß der Feind, 
dem heftigen Stosse weichend, den Räckzug für zweck- 
mäßig hielt. Der Sturz des heldenmüthigen Majors 
mit seinem Pferde, er selbst war schon verwundet, dann 
der Augenblick seiner Gefangennehmung durch den Feind, 
war diesem vortheilhaft genug, die geworfene Reiterei 
wieder sammeln, und sein bestes Fußvolk zur Besetzung 
der Sandhdfe vorrücken zu können. Generallieutenant 
Wrede formte aber augenblicklich wieder aus dem üsten, 
#Lten und öten Chevaurlegers= und dem 2ten Dragoner- 
Regiment eine neue Schlachtschaar. Schon gewohnt, 
nicht mehr die Menge der Feinde zu zählen, wiederholte 
diese zum drittenmahl einen Angriff, der, bei der Stärke 
und Hartnäckigkeit der Gegner, so wie wegen der Durch- 
schnittenheit des Kampfplatzes viele Menschen und Pferde 
kostete, jedoch den vollständigsten Erfolg hatte. Denn 
der ermüdete Feind wurde in seiner frühern Stellung 
zurückgedrängt, und er wagte es nicht länger den Rück- 
zug der braven Truppen weiter zu beunruhigen, die das 
Unglaubliche geleistet hatten. ") 
  
7) Bei dieser Gelegenheit hatte sich auch das iste und 2te 
Chevaurlegers -Regiment, so wie das 2te Dragoner-Regi- 
ment auf das Ausgezeichneteste benommen; vorzüglich der 
Major Gref Wittgenstein des tten Chevaurlegers= 
Regiments, welcher schon früher den Rückzug des rechten 
Infanterie-Flügels gedeckt hatte; desgleichen der Lieute- 
nant Spitel, die Gemeinen Dickhuber und Krazer, 
welche eine der Cavalerie zugetheilte Kauone unter dem 
Lientenant Haibe den Händen des Feindes entrißen; 
die Wachtmeister Louitpold und Hollweg, der Cor- 
poral Wolf und der Gemeine Zwick. Vom 2ten Che-
        <pb n="311" />
        In diesem langen vierzehnstuͤndigen Treffen hatten 
die Baiern 130 Offiziere, 791 Mann und 56 Pferde. 
an Todten, Verwundeten und Vermißten verloren. Kei= 
nes andern eroberten Siegeszeichens konnte sich der Feind 
rühmen, der nach seinem eignen Geständniß einen Verlust 
von 756 Mann zählte. Generallieurenant Wrede, zu- 
  
vanrlegers-Regiment hatten sich der Major Graf Rech- 
derg, der Oberlieutenant Kleudchen, die Lieutenauts 
Adelsheim, Hertling, Walter, der Rittmeister 
Krauß (vom sschern Tod durch den Gemeinen Mossing 
gerettet) der Wachtmeister Schöngens, der Corporal 
Loeh, des baterischen Nahmens würdig gezeigt. Nicht 
geringeres Verdienst erwarb sich das 2te Dragoner-Regi- 
ment Taris, und dessen tapferer Führer der Oberst Graf 
Seidewiß. Immer der Erste in den feindlichen Reihen, 
wußte er jede Blöse seines Gegners mit Umsicht zu benu- 
tzen, jede Art Waffe des Dragoners mit Erfolg anzuwen- 
den. Ihm und seinem braven Regimente wurde in dem 
nach dieser Affaire erschienenen Tages-Befehl ehrende 
Erwähnung. Vom Sten Chevaurlegers= Regiment hatten 
sich der Rittmeister Gaddum, der Oberlieutenant Ber- 
nard, die Wachtmeister Steinmetz, Molzberger, 
die Gemeinen Kirchner und Laubenheimer vorzüg- 
lich ausgezeichnet. Der Gemeiue Stockv überließ dem 
Obersten Grafen Pompei, dessen Pferd während des 
Rückzugs tödtlich verwundet wurde, das seinige, und 
kämpfte nun mit dem Karabiner in der Hand in den 
Reihen der Schütßen des 12ten Infanterie-Regiments. 
Gleiche Großthat des Gemeinen Peter Geper in Bezug 
auf den Obersten Pierron des 7ten Linien -Regiments 
verdient ehrenvolle Meldung. 
Aber auch der Thaten der Infanterie, nämlich der ein- 
zelnen Abtheilungen derselben, werde hier mit Achtung 
gedacht. Jurückweisend auf das bereits über jenes denk-
        <pb n="312" />
        — 302 — 
frieden, einen uͤberlegenen Feind so anhaltend und mit 
geringen Streitkraͤften, in einer wichtigen Stellung auf- 
gehalten, den Erzherzog Ferdinand von der Theilnahme 
an der Hauptschlacht entfernt zu haben, welche das 
Schicksal des ganzen Feldzuges entschied, fährte sein 
Corps am Morgen des sechsten Decembers nach Bud- 
  
- 
wuͤrdige Gefecht Gesagte, erinnern wie an jene zwei Com- 
pagnien des äten Linien-Regiments unter Major von 
Stael, welche durch standhafte Behauptung des Punctes 
Iglau dem zurückziehenden Corps den Marsch durch ein 
gefährliches Desilee (die Stadt selbst) sicherten. Man 
gedenke des gten Linien-Regimentes, welches in Perein 
mit dem hten leichten Bataillon Stengel als rechter Flü- 
gel des Ganzen, und zwar nach einen von. 12 Uhr Mittags 
bis 74 Uhr Abends dauernden Kampf, vortrefflichen und 
kuͤhnen Ruͤckzug nach Iglau machte. Erkannt werde die 
Tapferkeit des bereits erwaͤhnten Majors Hepp, die des 
Hauptmanns Aichers, der Lieutenants Avila, Kög- 
ler, Brett, der Schützen-Sergeanten Wagner, Lu- 
zenuberger, der Gemeinen Wienirtshamer und 
Sandmapver, die des aten Bataillons Stengel. Der 
Lieutenant Ferdinand v. Schellerer, der Gefreite Bol- 
zinger, welcher seinen verwundeten Hauptmann Ples- 
sen aus dem Gefechte trug, der Gemeine Maier, wel- 
cher, schon verwundet, das Schlachtfeld nicht verlassen 
wollte, der Soldat Johann Zechbauer, der Lieutenant 
Stengel, die Corporäle Finkenauer und Hau- 
bold, die Schützen Berger und Schuhmann, vom 
'ten Regimente, die Lieutenants Dettenhofer, Map- 
er, Thuringer, Lasstberg, Friderici, Kran, 
der Major Graf Taris, die Lieutenants Wallraf, 
Schenk, Hacke, die Gemeinen Ederer, Stopfler, 
Riedelbauer seyen hiemit in die Reihe der vorzüglich 
Tapferen genannt. Bei der Erinnerung an die Thaten des
        <pb n="313" />
        — 303 — 
witz. Hier hoffte er, entweder durch die von ihm er- 
wartete Brigade Karg, oder vom napoleonischen Haupt- 
heere Verstärkungen erhalten zu konnen, um dem Erzher- 
zog von neuem eutgegen zu gehen. 
Kaum aber bei Budwitz angekommen, ereilten den 
Generallieutenant Baron Wrede zwei Couriere vom 
Hauptheere. Sie hatten sich auf Umwegen, die sie hat- 
  
i#z#ten baierischen Linien= Regiments werde des Oberlien= 
tenants Seiffertitßz nicht vergessen, welcher mit seinen 
Schützen zu Deckung der rechten Flanke seines sich zurück- 
ziehenden isten Bataillons detachiert, die Perbindung mic 
letzteren verlor, und nur von den Corporälen Willkom- 
men, Schlötter, den Schützen Ziegler, Pfeber, 
Röttinger, Reinhard, den Hornisten Keller um- 
geben, auf eine österreichische Abtheilung von einem Öf- 
fizier und dreißig Mann stieß. Seine Schwäche dem feind- 
lichen Auge klug verbergend, gelang es ihm, durch hef- 
tigen Angriff jene so überlegene Abtheilung zu Gefangenen 
zu machen. Das leichte Bataillon Dietfurth hatte einen 
trefflichen Anführer an der Spiße, und durch große Tapfer- 
keit den rühmlichen anhaltenden Widerstand des linken 
baierischen Flügels begründet. 
Die Artillerie hatte, obgleich klein an Zahl, jedoch bei 
zweckmäßigster Verwendung große Dienste geleistet; die 
Lieutenant Binder, Aichn und Haibe, die Kanoenier= 
Corporäle Inzenhofer, Engelbrecht, der Kanonier 
Wilhelm Müller sich vorzüglich ausgezeichnet. 
Die Umgebungen des Kommandirenden selbst, die Oberst= 
lieurenants Baron Schönfeld und Ribauvierre, 
die Hauptleute von Arthelm und Baron Graven- 
reuth, der Rittmeister Baron SZweybrücken, und 
die beiden Adjutanten, der Hauptmann Palm und unter: 
lieutenant Baron Kleudchen, hatten sämmtlich entschie- 
denes Verdienst.
        <pb n="314" />
        — 304 — 
ten nehmen muͤßen, außerordentlich verspaͤtet. Sie brach- 
ten die Nachricht vom Stege Napoleon's über das rus- 
sisch= dsterreichische Heer in der Schlacht bei Austerlitz, und 
vom darauf am #ten December erfolgten Abschluß des 
Wasfenstillstandes. So war demnach im Tresfen von 
Iglau noch Blut vergossen worden, als die kriegführen- 
den Mächte schon ihr Schwert friedlich gesenkt hatten. 
  
11. 
Die Schlacht bei Austerlitz. 
Der Sieg des franzdsischen Kaisers in Mähren 
über die vereinigten Mächte war weniger die Frucht der 
größern Menge oder größern Tapferkeit seiner Kriegs- 
vblker, als seiner eigenen Feldherrn = Ueberlegenheit gewe- 
sen. An den festen Punct von Brunn, auf einem engen 
Raum, hatte er sein Heer gelehnt, fähig sich, nach dem 
Gebor der Umstände, plbtzlich nach Westen oder Süden 
auszustrecken. Zu St. Anton, Schlapanitz, Kobelnitz, 
Sokolnitz, Telnitz und Menitz, standen Abtheilungen; die 
Vorwachten aber Angesichts des Ortes Girschikowitz ges 
gen Posorzitz und Krug. 
Hier zu Posorzitz stand in derselben Zeit (50sten No- 
vember) Fürst Bagration mit der russischen Vorhuc, 
Kienmair aber mir der dsterreichischen zwischen An- 
sterlitz und Krzenowitzz und Streifwachen schwärmten 
bis Hosteriadek, Anjest, Satzschau und Menitz. Allein 
schon folgendes Morgens (#usten December) änderte das 
Heer der verbündeten Kaiser in allgemeiner Bewegung 
die bisherige Stellung. Denn es trat in vier großen 
Kolonnen unter den Generalen Doctorow, Lange- 
ron
        <pb n="315" />
        — 305 — 
ron, Przibyszewsky und Kollowrath, nebst 
ohngefähr 6,000 Reitern unter dem Fürsten Johann 
Lichrenstein auf die Hbhen von Pratzen und jenen, 
die zwischen Hasteriadek und Anjest gelegen sind. Auf 
den Höhen von Austerlitz nahmen die russischen Garden, 
hinter dem Bache Krzenowitz, Plaz; Kienmair mit 6,000 
Mann der Vorhut zwischen Aujest und Telnitz. Fürst 
Bagration hingegen rückte über Posorzitz, Holabitz 
und Plazowitz vor. 
Napoleon, der bei diesen Bewegungen seine Vor- 
posten zwar hinter den Girschkowitzer und Sokolnitzer 
Bach zurückzog, aber die Dörfer Sokolnitz, Telnitz, Ko- 
belnitz und Pantowitz stark besetzt hielt, hatte, da nun auch 
die Heerhaufen Davoust's und Bernadotte's zu ihm 
gestoßen waren, eine Streitmacht von 87,000 Mann zu 
Fuß, und 11,000 Mann zu Pferde beisammen. Doch 
zog er diese Massen so eng zusammen, daß sie unschein- 
bar wurden, und gern verführte er seine Gegner zu dem 
Glauben, als sey ihm daran gelegen, sich wieder der 
Donau zu nähern, um ihrer Gewalt zu entgehen. In 
der That aber lag ihm nur daran, sie von den Anhdhen 
herab zu locken aus ihrer vortrefflichen Stellung. Darum 
#hnderte er noch in der Nacht (vor dem 2ten Derember) 
seine eigene, damit er das feindliche Heer, wohin es 
sich auch bewegen mochte, mit um so gläcklicherm 
Erfolge angreifen konne, weil es ihm während der Be- 
wegung unaufhdrlich eine der Seiten blos geben mußte. 
Also besetzte auf sein Geheiß vom Heerhaufen des Mar- 
schall Soult die Division Legrand das Dorf Telditz 
mit fünf, das Dorf Sokolnitz mir zwei Bataillonen, mit 
den übrigen das zwischen, beiden liegende Thal, durch 
welches Isich ein Bach schlängelr. Die Dioisionen St. 
20
        <pb n="316" />
        — 306 — 
Hilaire und Vandamme nahmen in demselben Thale 
ihren Stand zwischen Sokolnitz und Kobelnitz, letzteres 
Dorf stark besetzend. Marschall Bernadotte's Divisio- 
nen Drouet und Rivaud waren hinter den Schlapa- 
nitzer Engpässen aufgestellt, und ihnen links die leichte Rei- 
terei Kellermann's, Walter's und Begumonts, 
hinter denen Murat mit der schweren Reiterei und den 
kaiserlichen Garden zu Pferde eine Reserve in zweiter 
Linie bildete. Zur linken jener leichten Reiterei befand 
sich die Diovision Caffarelli, weiterhin die Diwvision 
Süchet, welche mit einem Regiment und achtzehn 
Kanonen den vortrefflichen Anlehnungspunct St. Anton 
besetzt hielt. 
Dieß war die Schlachtordnung Napoleon's. Zwan- 
zig Bataillone, zahlreiches Geschütz, die Garden unter 
Bessieres, die Grenadiere unter Oudinot bllderen eine 
mächtige Reserve. Sie stand auf der Anhdhe hinter 
Schlapanitz, welche die ganze umliegende Gegend be- 
Ferrscht. 
Als am zweiten December die Morgen-Sonne herr- 
lich aufgieng, beleuchtete sie das russisch = dsterreichische 
Heer schon in voller Bewegung, wie es links von den 
Hdhen herniederstieg gegen Telnitz und Sokolnitz. Bald 
erschien von dessen Reiterei. in der Ebene vor Telnitz= 
wo sich lebhaftes Gefecht um den Besitz, des Oorfes 
Telnitz entzündete. General Kienmair rang um den- 
selben eine volle Stunde vergebens; 4,000 Franzosen 
standen im Dorfe. Als aber Napoleon zuur den Heer- 
haufen Doctorow's aus dem Dorfe Aujest hervor- 
getreten, von den übrigen nichts sah, fürchtete er, seine 
Gegner möchten sich eines andern besonnen, und die alte,
        <pb n="317" />
        — 307 — 
vortheilhafte Stellung auf den Prazener Hoͤhen wieder 
eingenommen haben. Es war aber dichter Nebel, wel- 
cher die feindlichen Züge verbarg. Napoleon, um die 
Aufmerksamkeit der Feinde gegen Telnitz zu ziehen, und 
sie durch scheinbare Vortheile dahin zu locken, befahl 
dem General Legrand, das Dorf zu verlassen. Es 
geschah. Als sich aber der gehofte Erfolg dennoch nicht 
offenbarte, ließ er Telnitz dem Feinde wieder entreissen, 
und sich den Marschall Davoust mit ohngefähr 10,000 
Mann auf diesen Punct hinwerfen. 
Da, gegen halb zehn Uhr Morgens, zerstreute sich 
der Nebel, und man sah die Kolonnen Langeron's 
und Przibyrszewsky's aus den Hohlwegen sich her- 
ausziehend, das Dorf Sokolnitz angreifen. Da gebot 
Napoleon abermals dem General Legrand, Tel- 
nitz zu räumen und sich hinter Sokolnitz aufzustellen. 
Da begannen die Heerhaufen Soult's, Bernadot- 
te's und Lannes ihre Bewegungen. Da mußte sich 
Davoust mit seinen zwei Divisionen aus der Stel- 
lung hinter Telnitz nach Turas ziehen, und die zehn 
Bataillons Garden mußten die Anhdhe oberhalb Kobel- 
nitz besetzen, von wo herab das schwere Geschütz die 
Heerhaufen Langeron's und Przibyrszewsky's 
bestreichen konnte. 
General Doctorow, nachdem er Telnitz und die 
Umgebungen besetzt hatte, erwartete das Nachrücken der 
übrigen Corps durch den sokolnitzer Hohlweg. Im Thale 
zwischen diesem und Telnitz mochte ohngefähr eine Streit- 
masse von 32,000 Mann stehen, und auf den Prazener- 
Höhen ein Haufe von 5,000 Mann zurückgeblieben sepn. 
Napoleon hingegen hatte auf dlesem Puncte bei 33,000 
20 *
        <pb n="318" />
        — 308 — 
Mann, aus den Divisionen Legrand, Friand, Bour= 
cier, den Garden und Oudinot's Grenadieren ins 
Gefecht zu bringen. — Aber die Divistonen Ste. Hilaire 
und Vandamme waren indessen schon durch Kobel- 
nitz und das Thal gegen Puntowitz gegangen, und schnell 
gegen das Dorf Pratzen auf die Höhen gestiegen. Hier, 
es war 11 Uhr vor Mittag, stießen sie auf den 16,000 
Mann starken Heerhaufen Kollowrath's, welcher das 
Dorf im Besitz hatte, und schnelle Vereinigung mit dem 
schon vorangegangenen russisch= dsterreichischen Corps 
suchte. Der hier befindliche Oberbefehlshaber Kutu- 
sow erkannte nun die Wichtigkeit des Besitzes der An- 
hdhen von Pratzen. Hier mußte das Schicksal der Schlacht 
entschieden werden. 
Die Dioisionen St. Hilaire und Vandamme 
erreichten aber nach kurzem Kampf die Pratzner Höhen, 
entfalteten sich unter dem heftigsten Artilleriefeuer des 
Feindes, behaupteten sich gegen die außerordentlichsten 
Anstrengungen, und trennten auf diese Weise den linken 
Flügel des russischen Heers, südwärts Pratzen, von des- 
sen Mitte. Bald darauf schloßen Davoust und Soult 
durch ihre Bewegungen diesen Fluͤgel beinahe gaͤnzlich ein. 
Kutusow sammelte gegen diesen Punct, wo nur 18,000 
Franzosen fochten, 25,000 Mann, alle durch die Gegen- 
wart der Kaiser von Oesterreich und Rußland begeistert. 
Allein ihre Zusammensetzung, meistens aus des Krieges 
noch ungewohnten Rekruten, daher auch Mangel an Ein- 
heit in ihren Bewegungen, führte ihre Niederlage unver- 
meidlich herbei, als noch die Divissonen Drouet und 
Rioaud, rechts von lasowitz anrückten. Schon war 
das kollowrathische Korps vom linken Flügel abgeschnit- 
ten; jetzt drohete Drouet's Bewegung auch dessen Tren-
        <pb n="319" />
        nung vom rechten. Also zog sich Kollowrath nach 
zweistuͤndigem morderischen Kampfe, mit Zuruͤcklassung 
beinahe seiner ganzen Artillerie, mehrerer tausend Ver- 
wundeten und einiger hundert Gefangenen, von Pratzen 
zum Fuß des Gebirgs zuruͤck. 
Jetzt stellten sich, links von den Bernadottes'schen 
Divisionen Drouet und Rivaud, auch die Marschaͤlle 
Prinz Murat und Lannes in Schlacht-Ordnung, 
und rückten so, ohngefähr 30.000 Mann stark, gegen 
die Ortschaften Blasowitz und Krugh. Hier stand Groß- 
fürst Constantin mit der Reserve, 8,500 Mann stark, 
wozu auch Prinz Johann Lichtenstein noch mit 3,500 
Reitern stieß, in einer vortheilhaften Stellung, welche 
die ganze Gegend beherrschte. Die stark mit Fußvolk 
besetzten Dorfer Holubiz und Blasowitz waren auf bei- 
den Seiten ihre Anlehnungspuncte. Kaum durch Ge- 
walt, nur durch Kriegslist konnten Großfürst Constan- 
tin und Prinz Lichtenstein aus dieser starken Stellung 
weggehoben werden. Tirailleurs der Dioision Rivaud, 
einige Reiterei von Kellermann sprengten an. Jäh 
stürzten 1,000 Mann der russischen Reiterei, die rechts 
Plasowitz aufgestellt war, auf die Plänkler hervor, welche 
eiligst alle hinter der franzdsischen Infanterie verschwan- 
den. Die russische Reiterei aber, von blinder Tapfer- 
keit hingerissen, stürmte, ohne unterstützt zu werden, auf 
Muratt's zweite Cavalerie= Linie. Alsbald ergoß sich 
von allen Seiten das französische Musketen und Kar- 
tätschenfeuer in solcher Gewalt auf sie, daß kaum mehr, 
als die Hälfte, in Unordnung und schneller Flucht dem 
Tod entrannen. 
Nach diesem Ereigniß rückte Murat mit der zwep- 
ten Cavalerie-Linie, durch Plänkler der Divisionen
        <pb n="320" />
        Süchet und Rivaud unterstützt, zum Angriff gegen 
Fürst Constantins russische Garden zu Fuß. Er mußte 
der Tapferkeit dieser Garden weichen, welche nun aber 
mit dem linken Flügel von Rivaud, mit dem rechten 
von Süchet, und der zwischen beiden befindlichen fran- 
zöffschen Reserve-Reiterei ins Gefecht geriethen. Der 
Kampf ward mörderisch. Allein die russischen Garden, 
den Wirkungen des zahlreichen franzèsischen Geschützes, 
den wiederholten Anfällen von der franzdsischen Garde 
zu Pferd unter Marschall Bessier's lange widerstehend, 
mußten endlich der übergroßen Menge ihrer Feinde un- 
terliegen, ob ihnen gleich noch eine tapfere Reiterei zum 
Beistand erschienen war. 
Nach einer solchen Erschütterung, welche von allen 
Theilen des russisch -österreschischen Heers mit empfun- 
den ward, und nachdem auch die Ddrfer Holubiz und 
Krugh von den Franzosen genommen waren, befahl der 
Feldmarschalt Kutusow allen Kolonnen den Rückzug. 
Er geschah alsbald in möglicher Ordnung, gedeckt durch 
die zahlreiche Reiterei des tapfern Fürsten Bagration. 
Zu dieser Zeit, anderthalb Stunden nach Mittag, 
waren die drei ins Telnitzer und Sokolnizer Thal vor- 
gerückten Generale Docktorow, Langeron und Przi- 
byrszewsky, in allem 50,000 Mann stark, noch 
ummer im lebhaftesten Gefecht gegen die Dioision Leg- 
rand, die nur 9,000 Mann zählte. Statt Sokolnitz 
schnell mit Sturm zu nehmen, verloren Langeron und 
Przibyrszewsky die kbstliche Zeit mit bloßer Be- 
schießung des Dorfes. Als sie endlich in das Dorf (um 
2 Uhr) eingedrungen, und darin, wegen der Enge des 
Raums gedrängt waren, erschien hinter ihnen die Diol-
        <pb n="321" />
        sion St. Hilaire und die Dragoner-Division Beau- 
mont von Kobelnitz her. Zugleich ließ General Legrand 
nun das Dorf durch zwei Regimenter einschließen, 
und nahm 6,000 Russen mit ihrem Fuͤhrer gefangen. 
Langeron und Przibyrszewsky, jetzt von ohnge- 
fähr 50,000 Franzosen bedrängt, konnten sich nur in 
größter Eil dem gewissen Verderben dadurch entziehen, 
daß sie sich auf das Corps des Generals Doctorow 
warfen. 
Dieses Corps zog in voller Ordnung aus dem Hohl- 
weg und dem Dorfe Telnitz durch die Ortschaft Aujest, 
als es von der Dioision Vandamme angegriffen und 
in Unordnung gebracht ward. Nach einem Verlust von 
*,000 Gefangenen, von allen Seiten angegriffen und 
durch die franzdsische Artillerie gelichtet, wollte es sich 
über die Brücke des rechts Aujest liegenden See's ziehen. 
Aber die Brücke brach. Die Verwirrung ward noch größer. 
In diesem gefahrvollen Augenblick, mitten unter dem 
furchtbarsten Artilleriefeuer der Division Vandamme 
sammelten die russischen Feldherrn ihre Truppen auf den 
Hbhen, welche vor dem satzschaner Teiche gelegen sind 
stellten lihre Reiterei dem siegreichen Feinde entgegen, 
und versuchten auf diese Weise den Rückzug des Gau- 
zen über den Damm zu decken, der den Teich einengt. 
Allein viele einzelne Abtheilungen, weil der Damm zu 
schmal, der Zug zu langsam, die Gefahr von hinten zu 
groß war, wagten sich, um schneller fortzurücken, über 
die gebrechliche Decke des Eises. Diese brach , und die 
Unglücklichen fanden den unvermeidlichen Tod. 
Unter solchen Verwirrungen wurden in diesem Thale 
wohl 18,000 Rusfsen theils gefangen, theils vernichtet.
        <pb n="322" />
        — 312 — 
Fene drei in das Thal eingeruͤckten Kolonnen verloren 
fast all ihr schweres Geschuͤtz, und zogen sich mit ihren 
Ueberresten gegen Ottniz, Maunitz und Neuhof; dann, 
hier wieder etwas gesammelt, durch Baschewitz auf der 
Straße nach Ungarn gegen Czeitsch. Hingegen Kol- 
lowrath's Corps, die Reiterei des Fürsten Lichten- 
stein, die Reserve unter dem Großfürsten Constantin 
und die Nachhut unter dem Fürsten Bagration gien- 
gen mit Verlust ihres meisten Feldgeschüitzes, über Ge- 
ding hinter die March zurück. Nur einzelne französische 
Reiter-Abtheilungen folgten. Folgenden Tages aber 
(Sten Dezember) setzten Marschall Lannes und Prinz 
Murat dem fliehenden Feinde über Butschowitz und 
Stanitz, Marschall Bernadotte, Soult, die kaiser- 
liche Garde und Ondinot mit den Grenadieren ihm 
auf der Straße gegen Ungarn nach. Marschall Davoust, 
vereint mit der Division Gudin, drang bis Josephs- 
dorf nach und bis Uhrschitz, wo sich zwischen dem Vor- 
trabe der Franzosen und der russischen Nachhut noch ein 
unerhebliches Gefecht entspann. Erst als (iten Decem- 
ber) die russische Armee, hinter die March gegangen, 
eine vortheilhafte Stellung bei Hollitsch eingenommen 
hatte, konnte sie sich Erholung gewähren. 
  
12. 
Waffenstillstand und Friede. 
desselben. 
In einer zweistündigen Unterredung Napoleom's 
mit Kaiser Franz, bei Sarachitz (Sten Dezember) „ 
ward Waffenstillstand mit den Grundzügen des künftigen 
Folgen
        <pb n="323" />
        Frledens bestimmt, und bald daräuf (Söten December) 
formlich abgeschlossen. Ihm trat Kaiser Alerander in 
so fern bei, daß er binnen 15 Tagen aus Mähren und 
Ungarn, binnen einem Monat aus Gallizien ins Innere 
Rußlands zurückzugehen verhieß. Die franzdsische Armee 
hielt, dem Waffenstillstand zu Folge, in Mähren den 
Iglauer-Inaymer= und Brünner-Kreis besetzt, so wie 
den Olmützer-Kreis am rechten Ufer der Trereboska, 
bis zu deren Einfluß in die March; das rechte Ufer 
der March bis zu deren Erguß in die Donau, Preßburg 
mit eingeschlossen; ferner Ober= und Nieder-Oesterreich, 
Tirol, Venedig, Kärnthen, Stepermark, Krain, Görttz, 
Istrien und in Bdheim den Kreis Tabor, nebst dem 
Landstrich auf der Ostseite der Straße von Tabor nach Linz. 
Der Generallieutenant Baron Wrede hatte schon 
am kten Dezember auf die erste Nachricht vom Waffen- 
Killstand auch mit Erzherzog Ferdinand Waffenruhe, 
gegen acht und vierzigstündige Aufkündigung, eintreten 
lassen. Laut Uebereinkunft konnte sich die dsterreichische 
Vorpostenkette auf der Brünner-Straße bis Großmd- 
seritsch, dies mit eingeschlossen, auf der Straße von 
Iglau nach Budwitz bis und einschlußweise Schelletau, 
und auf der Straße von Budweis bis Jlabing, dies 
mit eingeschlossen, ausdehnen. Allein ein Befehl aus 
dem franzosischen Hauptgelager erklärte diese Ueberein- 
kunft nichtig, gebot dem baierischen Heerführer schnelle 
Vollziehung des Waffenstillstandes und Besetzung des 
Iglauer-Taborer= und Budweiser-Kreises durch die Baiern. 
Als der Generallieutenant Wrede dies und zugleich sein 
Verlangen meldete, daß alle seit dem dritten December 
kriegsgefangene Baiern zurückgegeben werden sollten, 
weigerte sich Erzherzog Ferdinand wiederholt, dem
        <pb n="324" />
        Begehren zu entsprechen. Wrede, indessen durch neun 
Bataillone der Brigaden Mezanelli und Karg, nebst 
deren Artillerie, ansehnlich versiärkt, kündete (am gien 
December) also den Waffenstillstand auf, und bestimmte 
den zehnten December zum Angriff gegen Erzherzog 
Ferdinand. Der Erfolg eines solchen Angriffs konnte 
um so minder zweifelhaft seyn, da auch Marschall Ber- 
nadotte selbst, mit dem übrigen Theile seines Corps 
gleichzeitig über Großbitsch und Großmeritsch den Rücken 
der österreichischen Stellung bedrohte. 
Der Erzherzog, nachdem er von seinem Kaiser gemese 
sene Befehle erhalten, wartete jedoch die Folgen der am 
101en December Morgens 6 Uhr vom Generallieutenant 
Wrede begonnenen Bewegungen nicht ab. Er zgog sich 
in der Nacht vorher inner die vorgezeichnete Demarca- 
tions = Linie zurückt; und Wrede besetzte alsbald mirt 
seinem Heerhaufen, der jetzt aus 10 Bataillonen, 20 
Escadronen und zahlreichem Geschütz zusammengesetzt 
war, den Iglauer-Kreis; die Division Nivaud den 
Budweiser-, Drouet den Taborer. Bernadotte hatte 
sein Hauprquartier zu Budweis; Wrede zu Iglau. 
Am k2bsten December empftengen die Baiern den Tabo- 
rer= und den westlichen Theil des Budweiser-Kreises zur 
Einlagerung. Generallieutenant Wrede verlegte also 
sein Hauptgelager nach Budweis. Wie hier in Mähren, 
so genossen auch die baierischen Truppen unter General 
Siebein nun in Tirol die Winterruhe. Sie zerstdr- 
ten die von den Oesterreichern auf dem Brenner und 
bei der Scharnitz angelegt gewesenen Schanzen. Die 
Franzosen hatten sich allmählig aus Tirol ganz hinweg- 
gezogen. 
Die in Nicolsburg, dann in Brünn angehobenen
        <pb n="325" />
        — 315 — 
Frledens= Unterhandlungen wurden endlich in Preßburg 
(20sten December) geschlossen. Wie groß auch Napo- 
leon's Sieg am Tage von Ausierlitz gewesen war, hatte 
er dennoch kaum so ungeheuere Früchte desselben erwar- 
ten konnen. Denn er kannte das Gewagte seiner Stel- 
lung, und die furchtbare Stimmung aller um ihn #her 
wohnenden Volker. Oesterreich war noch immer im Besitz 
unerschdpfter, reicher Hülfsquellen. Oas russische Heer 
hatte, nach der unglücklichen Schlacht, neuerdings große 
Verstärkungen unter dem General Essen empfangen. 
Erzherzog Karl, verstärkt durch Erzherzog Johann, 
an der Drau, ließ Gräz, die Hauptstadt der Stepermark 
(5ten December) durch den Feldmarschall-Lieutenant 
Chasteler besetzen, und bereitete sich zum Juge nach 
Wien vor, von welcher Stadt seine Abtheilungen am 
ten December nur noch sechs Meilen (bei Windpassing) 
entfernt waren. Der Geist des ungarischen Aufgebotes 
sprach sich männlich für seinen geliebten und durch Un- 
sälle gebeugten Herrscher aus. Die drohende Stimmung 
Neapels gegen Frankreich wurde durch die Bewegungen 
der Engländer und Russen an den Küsten des Landes 
unterhalten. Mailand, Genua, Parma, ganz Ober- 
Italien war voll dumpfer Gährung. Die aus dem nie- 
dersächsischen, westphälischen und preussischhessischen. Heere 
zusammengesetzte Kriegesmacht Preussens hatte sich den 
Geänzen Frankens und Westphalens immer mehr genäherr, 
und schien jeden Augenblick bereit, im Rücken des napo- 
leonischen Heers entscheidend mitwirken zu wollen. Brit- 
ten bewegten sich schon gegen die Weser; Schweden und 
Russen schon ins Innere von Hannover. Das Alles kannte 
Napoleon. Große Gefahren hatte er besiegt; aber 
noch größere blieben seinem außerordentlichen Geiste zu
        <pb n="326" />
        316 — 
überwinden. Und er überwand sie durch den Frieden 
von Preßburg. Wie mit einem Jauberschlage verschwan- 
den alle gegen ihn gerichteten Entwürfe. 
Mächtiger dastehend, denn jemals, ward seine 
Sorge, die Kraft des Hauses Habsburg-Lothringen zu 
brechen, und sich auf Unkosten desselben treue Bundes- 
genossen zu gewinnen. Indem er diesen von der Ero= 
berung aus dsterreichischem Gut zutheilte, fesselte er sie 
eben so sehr durch Dankbarkeit, als durch Furcht vor 
des Wiener-Kabinetes früheres oder späteres Wieder- 
fordern, an sich. 
In Folge des Preßburger-Friedens nahm Kurfürst 
Maximilian Joseph von Baiern, die kbnigliche 
Wurde an. Als Entschädigung für seine in diesem Kriege 
gebrachten Opfer empfieng er den Besitz und die volle 
Selbherrlichkeit, über die Markgrafschaft Burgau, das 
Fürstenthum Eichstädt, den Salzburgischen Antheil an 
Passan, die Grafschaft Tirol, die Fürstenthümer Briren 
und Trient, die sieben vorarlbergischen Herrschaften, 
die Grafschaft Hohen Embs, Königseeg-Rothenfels, 
vie Herrschaften Tettnang und Argen, und die Städte 
Lindau und Augsburg. 
Indem Baiern auf solche Weise durch einen Flä- 
chenraum von mehr den fünfhundert Geviertmeilen, und 
um eine Millien Seelen vergrößert ward *), aber da- 
  
□ Meil. Einw. Einkünfte, 
*) Die Markgrafschaft Burgau — 58,000 » 
das Fuͤrstenthum Eichstaͤdt 15 52,000 300, ooo sl. 
den Kursalzburgischen An- 
theil an Paßau 12 25,000 250,000 
die Grafschaft Tirol 572 610,000 83,658,712 2
        <pb n="327" />
        — 311 — 
gegen auch das Fuͤrstenthum Wuͤrzburg (mit 87 Geviert- 
meilen und 240, 000 Einwohnern,) und das Herzogthum 
Berg (mit 54 Geviertmeilen und 295,000 Seelen) ab- 
trat, gewann es zugleich ost= süd= und westwärts festere 
Militärgränzen für die Zukunft. So ward endlich das, 
was bisher nur, als frommer Wunsch, oder unfrucht- 
barer Grundsatz für des Baierlandes Unabhängigkeit ge- 
golten, unerwartet der Wirklichkeit näher geführt, daß 
nämlich dieser Staat gegen Morgen durch die Salzach, 
gegen Mittag durch den Inn, gegen Abend durch die 
Iller, als durch scharfbezeichnete Marken, gesichert wer- 
den müße. — Aber Baiern empfkeng noch dadurch neue 
Sicherheit gegen Oesterreich, weil dieses im Preßburger 
Frieden, in welchem es um 810 Geviertmeilen und um 
beinahe drei Millionen Seelen geschwächt ward, zuglelch 
vier Hauptpuncte verlor, von denen gus es ehmals 
Baierns rechte Seite jeden Tag überraschen konnte, 
nämlich die Veste Kufstein am Inn, die Scharnitz an 
der Isar, die Veste Ehrenberg am Lech, und Bregenz 
am Bodensee. 
Wenn dem Kdnige von Baiern die mit dem Hause 
  
□ RMeil. Einw. Einkünfte, 
das Fürstenthum Briren 11 26,000 — 
das Fürstenthum Trient 46 150,000 — 
die sieben vorarlbergischen 
Herrschaften 38 77,071. — 
die Grafschaft Hohen-Embs 3,700 
Koͤnigsegg-Rothenfels 8 , 700 — 
die Herrschaften Tettnang 
und Argen 6 15, 000 
die Stadt Lindau mit Gebiet ge# 5,000 — 
die Stadt Augsburg —
        <pb n="328" />
        — 518 — 
Halsburg gebrochene Freundschaft schmerzlich war, konnte 
ihn beruhigen, daß er durch die Härte des Wiener Ka- 
binets selbst gezwungen worden, sich einem fremden Bun- 
desgenossen in die Arme zu werfen. Von jeher, seit 
Jahrhunderten, hatte Baiern und bis in die letzten Zei- 
ten, jener Freundschaft die schwersten Opfer ohne Ver- 
geltung gebracht, und durch Oesterreich fortdauernd einge- 
büßt, ohne Entschädigung. *) Hätte das Schicksal über 
den Blutfeldern von Austerlitz anders entschieden, wer 
ist Bürge, daß Baiern nicht zum andernmale das Loos 
empfangen hätte, welches ihm Oesterreichs Rache zur 
Zeit des Kurfürsten Marimilian Emanuel bereiret 
hatte? 
  
o) Oesterreich hatte nach offiziellen Acten-Stücken durch Auße 
übung und Ausdehnung des Heimfalls-Rechtes dem Kur- 
fürsten Marimilian den éten an 3,300,o fl. Gürer, 
nebst den vierjährigen Juteressen dieses Kapitals entzogen. 
Daß dem Baiernlande durch den Teschener Friede eigent- 
lich widerrechtlich entzogene Innviertel ward demnach seit 
26 Jahren von Oesterreich benußet, dessen Einkünfte bezo- 
gen, ein Gleiches war seir vier Jahren in Bezug auf Eich- 
städt geschehen. Die Ausdehnung der leynherrlichen Rechte 
des Hauses Oesterreich in der Obern-Pfalz hatte dem 
Baiernlande bedeutenden Verlust veranlaßt, die Anwesen- 
heit einer österreichischen 100,000 Mann starken Armee 
während vier Wochen in diesem Lande, deren gemachten 
Regquisitionen, von ihr beigetriebenen Kontriburionen, der 
schlechte Kurs des in Umlauf gesetzten Papiergeldes mnge- 
heure Summen gekoster, die Einziehung der Familien- 
Güter des Kurfürsten in Böhmen, dessen persönlichen Ein- 
punften großen Eintrag gethan. Aber auch von Seiren 
Frankreichs hatte die längere Anwesenheit von 140,000 
Mann Truppen den bgierischen Ländern unendliche Anstren- 
gungen vergnlaßt.
        <pb n="329" />
        — 319 — 
Freudig kehrten die baierischen Truppen unter Ge- 
nerallientenante Baron Wrede in vier Brigaden?) ans 
dem Innern Böheims und Mähreus in ihr geliebres, dank- 
bares Vagserland zurück. Angekommen bei Braunau und 
Schärding am Inn, vertheilten sie sich in ihre Friedensbe- 
  
*) Brigade Nutius Minnzzi: 
Stes Linien= Jufanterie-Regiment 
Herzog. Karrl. 1295. Mann 
⁊tes Linien-Jufanterie-Regiment. 2579 » 
Utes leichtes Infanterie-Bataillon ü67## * 
stes „ 2 » 606“ “ 
Sötes „"„ 2 * ———2 
Istes Chevgurlegers-Regiment 3560 ——— 
  
  
Eumma 5/0 M. 594 Pi- 
Prigede Mezanelli: »; 
Stes Linien-Infanterie-Regiment 1401 Mann 
Ores ? · „ 1570 „ 
15tes "„ 7 ? 1522 «. «. 
2tesDragonerRegiment 1317 "369 Pf. 
2tes Chevanxlegers- Regiment 429 30 P. 
  
  
  
Summa 5013 M. 348 M. 
  
  
Brigade Karg: « 
StegLinien-Infanterie-Regiment 1362 Minn 
Stes ½ i v 1586 · 
Gumma 294 . Mann! 
Brigade Franz Minuzzi: 
1ztes Linien= Infanterie -Regiment 1335 Mann- 
Stes leichtes Infanterte= .Bataillon. bos 
Stes Chevgurlegers-Regiment. 301 337 Pf. 
btes * *l 356 „#" 519 Pf. 
  
4% «", 2757 E “ e. 
  
  
Summa — M. T V.
        <pb n="330" />
        — 320 — 
satzungen. ) Geuerallleutenant von Deroy, genesen 
von seinen ehrenvollen, Wunden, empfieng den Oberbe- 
fehl über die Besatzungen der Grafschaft Tirol und der 
vorarlbergischen Lande. 
Zn, den schdnsten der Trophäen #es baierischen Hee- 
res gehdrte das aus dem Wiener-Zeughause entführte 
alterthümliche Geschütz, welches den Baiern vor einem 
Jahrhundert im spanischen Erbfolgekrieg entrissen worden 
war ), so wie die Wiedereroberung der zwei und zwan- 
zig altbaierischen Fahnen. 
Froh überließ sich alles Volk den süssen Täuschune 
gen seines Glaubens an einen Frieden, der um so län- 
ger dauern sollte, je schwerer und blutiger er erkauft war. 
½P) Das öte Linien-Infanterie-Regiment nach Augsburg, 
das #&amp;tc "„ ? ? nach Straubing, 
das öte „ r ? nach Landshut, 
das ete v n » nach Ingolstadt, 
das te "„ „ nach Neuburg, 
das 8te „ ¾ v nach Paßau, 
das 12te »* * nach Bamberg, 
das 15te v nach Ulm, 
V 
das bte leichte Infanterie-Bataillon nach Amberg, 
das 2te Dragoner-Regiment nach Neumarkt und Amberg, 
das 2re Chevaurlegers -Regiment nach Augsburg, 
das zte Chevaurlegers-Regiment nach Ulm, 
das #ate Chevaurlegers-Regiment nach Bambera, 3r 
Dagegen marschierte das 2te, öte, te leichte Infanteries 
Bataillon und uste Chevauxlegers Regiment über Salzburg 
ndch Innsbruck, und bildete in Verein mit dem oten und 
t40ten Linien-Infanterie-Regiment, dem isten und 6ten 
leichten Infanterie = Bataillon die Besaßung der Grafschaft 
Tirol und des Vorarlbergischen. Das uste und 2te Linien- 
Infanterie-Regiment, so wie das 2te Dragoner= Regi, 
ment dagegen entzogen sich durch den Abmarsch aus Tirol 
nach Baiern gleicher Bestimmung, und empfiengen am 
2östen Jänner 1800 bei ihrem Einrücken in die Hauptstadr 
ünchen die unzweideutigsten Beweise von Anerkennung 
ihrer Verdienste ums Patlerland. 
- Neun und zwanzig Kanonen, unter den Herzogen Friedrich den 
Zten 1529, Ludwigeines Sohnes Wilhelms des Aten genannt 
des Standhaften 1544, Wilhelms des Standhaften selbst 1508, 
unter Herzog Albert den 5ten, unter den Kurfürsten Max den 
isten, Ferdinand Marig= Maxim. Emanuel, Kaiser Karl den 
7 en gego en- * *e
        <pb n="331" />
        Piertes Buch 
der 
AMriegsgeschichte 
von 
Bapern 
unter 
Maxrximilian Joseph I.
        <pb n="332" />
        <pb n="333" />
        Viertes Buch. 
1. 
Umriß der staatsthümlichen Verhältnisse Eu- 
ropens nach dem Presburger Frieden im 
Jahr 1300. 
D. Färsten und Volker des Welttheils verloren sich im 
Erstaunen, als sie das Unerhdrte vernahmen, daß ein 
Krieg von eilf Wochen und drei Tagen genügend gewe- 
sen sey, Oesterreich tief zu beugen; als sie vernahmen, 
daß diese Macht denjenigen Frieden, welchen sie unter 
den Mauern von Paris zu gebieten Miene gemacht hatte, 
in einer hungarischen Hauptstadt um einen Länderraum 
von 1.104 Geviertmeilen mit 2,722 700 Einwohnern und 
15.216,000 Gulden Einkünften, ja um den Verlust jener 
starken Vorlande erkauft habe, welche bisher sein Inne- 
res geschützt hatten. ") Die Menschen blleben zweifelhaft, 
ob solch ein Wunder mehr das Werk von Napoleon's 
Geistesgroße, oder von der Unvermdgenheit derer gewe- 
sen, die sich ihm entgegen gewagt hatten. 
  
*) Der österreichische Kaiserstaat hatte nach dem Presburger 
Krieden noch 10,781 Quadratmeilen Flächen-Inhalt, eine 
Bevölkerung von 22,825,000 Seelen, und 105,736,000 Gul- 
den Revenüen, so wie aus dem Reichthum seines Boden# 
Pervorgehende unerschöpfliche Hülfsguellen. 
a *
        <pb n="334" />
        — 4 — 
Napoleon, in der Fülle des Glücks und der Krafe, 
immer die Huld des Augenblicks so schnell benutzend, 
als er sie erblickte, schien jetzt die Ueberraschung oder 
Betäubung der Nationen geeignet zu finden, alle Staats- 
verhältnisse von einer Hälfte Enropens zum Besten Frank- 
reichs zu verwandeln. Er hatte bei Austerlitz das Werk 
seines furchtbarsten Feindes, des Ministers Pirt, dessen 
zu seinem Untergang gerüsteten Bund Brittanniens, Ruß 
lands und- Oesterreichs, wie mit einem einzigen Schwert- 
streich zerschlagen. Allgewaltiger Gebieter in Frankreich, 
nun ohne Furcht vor der Fremde, wollt'’ er sein weites 
Reich mit den südlichen, westlichen und Östlichen Staa- 
ten Europens, wie mit Vormauern, gegen jeden Sturm 
der Zukunft umgürten. 
Er vernichtete die ihm feindselige Gewalt der Bour- 
bonen zu Neapel durch ein dahingesandtes Heer. Er 
vertrieb das alte königliche Herrschergeschlecht nach Si- 
ellien, und vergabte den neapolitanischen Thron (ölten 
März1800) an seinen eignen Bruder Joseph. So ward 
die ganze Halbinsel, vom Fuß der Alpen bis zu den 
calabrischen Gestaden, ein Flächenraum von 1071 Ge- 
viertmeilen und von mehr denn sechsthalb Millionen Ein- 
wohnern seiner Botmäßigkeit unterworfen. 
Von der andern Seite aber Preußens noch ganz 
ungeschwächte Macht zu binden, und sie von England zu 
trennen, schloß er mit dieser (schon zu Wien im Decem- 
ber) den Vertrag, daß Hannover, des Kdnigs von Eng- 
land Gur, nach der Räumung desselben von den Russen, 
Engländern und Schweden, nicht durch die Franzosen, 
sondern durch die Preussen, bis zum künftigen allgemei- 
nen Frieden besetzt, in Verwahrung genommen und ver- 
waltet werden sollte. Und als der preußische Hof in
        <pb n="335" />
        nachfolgenden Unterhandlungen den Verlust ihm sebr 
werther Provinzen, der Fürstenthümer Ansbach und 
Neufchatel und des Herzogthums Cleve nebst der 
Festung Wesel nicht abwenden konnte, ließ er sich dafür 
die Gewährleistung Frankreichs für den bleibenden Be- 
sitz der hanndverischen Gebiete gefallen. Dadurch wurde 
Preußen und England gegen einander in feindselige 
Stellung geworfen. Der brittische Könlg, als Kurfürst 
von Hannover, stellte in öffentlicher Erklärung das Un- 
recht jener Besitznahme dar (20ten April 1800); gab 
Befehl zur Sperrung der Hauptflüsse Preußens, der 
Ems, Weser, Elbe und Trawe, eben so, mit Hülfe 
Schwedens, die Sperrung aller Ostseehaven und der 
Pregel, Weichsel, Oder und Peene, und lähmte durch 
Wegnahme mehrerer hundert preussischen Schiffe den 
Handel Preußens. 
Schwedens und Dänemarks Entlegenheit und Schwä- 
che flößten dem französichen Kaiser keine Besorgniß ein. 
Aber Deutschland, das ihm nahgränzende, von krieges 
rischen Vodlkerschaften bewohnt, wollt’ er fester an sich 
schließen, und die Fürsten desselben von Preußens, wie 
von Oesterreichs bisherigem Einfluße scheiden. Als Vor- 
bereitung dazu verwandelte er Holland (Sten Juni) in 
ein Königreich, und machte es durch merkwürdige Ver- 
träge gänzlich vom Willen Frankreichs abhängig. Eben 
so schuf er aus dem von Preußen abgetretenen Herzog- 
thum Eleve, und aus dem von Baiern, für Ansbach, 
erhaltenen Herzogthum Berg, ein neues Großherzogthum 
Berg. Dies übergab er seinem Schwager, dem Prinzen 
Murat, wie eine Vorwacht zur Deckung eines wichti- 
gen Theils der franzosischen Gränzen. 
Dann schritt er zur Vollendung seines Werks, die
        <pb n="336" />
        — 6 — 
zwischen Preußen und Oesterreich gelegenen deutschen 
Staaten in einen neuen Bundesstaat, genannt Rhein- 
bund, *) zu verbinden, als dessen Schirmherr er selbst 
sich aufwarf. Schon seit dem Lüneviller-Frieden war 
der lockere Zusammenhang zwischen den Fürstenländern 
Deutschlands und dem bisherigen Reichsoberhaupte im- 
mer mehr aufgeldst worden. Nun legte Franz II. 
(bten August 1806) selbst die Krone des heiligen Reichs 
nieder, mit der ausgesprochnen Ueberzeugung, daß er 
die Pflichten eines deutschen Reichsoberhauptes unter jetzt 
eingeschrittenen Verhältnissen unmdglich länger erfüllen 
koönne. Er nahm siatt dessen, als Franz l., den Namen 
eines Kaisers von Oesterreich an. Alles erleichterte die 
Ausführung der napoleonischen Entwürfe, wodurch nun 
der deutsche Rheinbund zur Vormauer des ehmahligen 
Reichsfeindes werden mußte, und die Schweiz nur in die 
zweite Vertheidigungslinie Frankreichs zurücktrat. 
Um sich die Glieder des Rheinbundes enger zu ver- 
sichern, vergrdßerte Napoleon staatsklug ihre Macht 
aus den Eroberungen über Oesterreich. So mußten Er- 
kenntlichkeit gegen ihn, und Furcht vor dem einst wie- 
derbegehrenden Hause Oesterreich sie mit doppelten Ban- 
den fesseln. Das neue Königreich Würtemberg empfieng 
einen Gewinn von 48 1 Geviertmeilen gesegneten Lan- 
des mit 158,000 trefflicher Unterthanen und 700,000 
  
*) Dieser Bund war zusammengesetzt aus den Staaten von 
Vaiern, Würtemberg, des Fürsten Primas, Baden, Berg, 
Darmstadt, Nassau-Weilburg, Nassau= Usingen, Hohen- 
zollern -Hechingen, Hohenzollern = Sigmaringen, Salm- 
Salm, Salm-Kprburg, Isenburg, Fürst Lichtenstein, 
Ahremberg, den Grafen von der Layen.
        <pb n="337" />
        — 7 — 
Gulden Einkünften. ) Und dennoch war dieß nur ge- 
ringe Entschädigung für die Wunden, welche die da- 
malige eiserne Zeit dem Lande geschlagen hatte, um so 
mehr, als in denselben Tagen die Aufhebung der Land- 
stände dem Volke das uralte Recht nahm, nicht sich den 
gebieterischen Forderungen der Umstände, wohl aber den 
Wirkungen uneingeschränkter Willkühr zu entziehen. 
Nur wenig geringer war der Zuwachs des Mark- 
grafthums Baden.““) Doch alle Weisheit, alle Güte des 
herrlichen Markgrafen Carl Friederich war hier nicht 
vermbgend, das fortwährende Sinken des dffentlichen 
Wohlstandes zu hemmen, besonders da Napoleons 
unbedingte Forderung auch hier, bei vermehrter Landes- 
größe, die Vermehrung der Streitkräfte erzwang. Die 
Darmstädtischen Lande seufzten unter gleichem Druck, 
da sie, erst das Corps des Marschalls Augereau, 
dann 20,000 Mann unter Lefebre beherbergend, mit- 
ten im Frieden alle Lasten des Krieges zu tragen hatten. 
*) Der Zuwachs bestand in der Landgrafschaft Nellenburg, 
in der Grafschaft Ober= und Nieder-Hohenberg, der Land- 
Vogtei Altorf, die Stadt Konstanz ausgenommen, den 
fünf Donau-Städten Ehingen, Munderkingen, Riedlin- 
gen, Mengen und Sulgau mit allem was dazu gehört, 
ferner in dem Theil des Breisgaues, welcher im Würtem- 
bergischen inclavirt, und gegen Osten in einer Linie von 
Schlegelberg bis zum Molbach gelegen war, so wie in den 
Städten Villingen und Brentingen. 
*“) Es empfing mit Ausschluß des an Würtemberg übergegan- 
genen Theils, die Ortenau mit allem was dazu gehört, 
die Stadt Konstanz, und die Kommenthurey Meinau, da- 
her einen reinen Gewinn von 47 Geviertmeilen, 150/000 
Einwohnern und b00/000 Gulden jährlicher Einkünfte.
        <pb n="338" />
        — 8 — 
Die dem Landesherrn ertheilte neue Wuͤrde eines Groß- 
herzogs hatte nur Vergroͤßerung seines Wehrstandes bis 
auf 10,000 Mann und neue Last des schwerbedrängten 
Volks zur unmittelbaren Folge. Was Napoleon sei- 
nen Bundesgenossen verlieh, schienen nur Hülfsquellen 
zu bleiben, die er sich selbst vorbehielt, deren Verwal- 
tung aber, und das Gehässige derselben, er denen über- 
ließ, die er seine Freunde nannte. Als Hülfsgquellen 
solcher Art betrachtete er auch das neue Großherzogthum 
Wuürzburg, so wie die Staaten des Chur-Erzkanzlers, 
denen er die Reichsstadt Frankfurt zugesellte, indem er 
ihr eine vielhundertjährige Freiheit raubte. 
Das Kdnigreich Baiern theilte mit allen diesen Län- 
dern das Loos, im Frieden keines Friedens zu geniessen. 
Große Strecken des schwäbischen und baierischen Ge- 
biets lagen vom vergangenen Feldzuge verheert; die Ein- 
wohner dem tiefsten Elende preis gegeben. Die unge- 
heuren Durchzüge der Truppen dauerten fort; pestartige 
Nervenfieber folgten und schwächten die Bevblkerung. 
Bei dem allen blieb ein Theil vom Corps des Marschalls 
Bernadotte im Furstenthume Bamberg eingelagert, 
das Corps des Marschalls Davoust im ganzen Nie- 
derschwaben und Eichstädtischen, Marschall Ney im gan- 
zen Oberschwaben, Marschall Soult in Niederbaiern, 
im Fürstenthume Passau und in der Oberpfalz. Alle 
Unterstützungen an Getreide und Geld, sowohl von Sei- 
ten der Regierung, als selbst von Seiten Frankreichs, 
waren für das Bedürfniß unzureichend. Der menschen- 
freundliche Kdnig leistete überall persdnlich, was er ver- 
mochte, das grenzenlose Elend zu mäßigen. Er ver- 
mochte es nicht; aber mitten im Leiden schloß sich das 
Herz seines Volkes ihm fester an.
        <pb n="339" />
        — 9 — 
Die Ausrundung Baijerns, dessen Flächenraum, (auch 
nach der Abtretung Würzburgs, als Entschädigung für 
den Großherzog von Toscana,) um 500 Geviertmeilen, 
dessen Volkszahl um 620 000 Seelen, dessen Einkünfte 
um 2,360,000 Gulden vermehrt waren, konnte, als der 
vorzüglichste Gewinn aus so schweren Schicksalen betrach= 
tet werden. Und die wichtige Stadt Augsburg mußte, 
mit Recht, als ein Edelstein in der Krone Baierns gel- 
ten. Tirol ward von nun an, als das feste Bollwerk 
eines Kdnigreichs geachtet, dessen Gränzen gegen die 
Schweiz und den Bodensee die Lande Vorarlbergs schlos- 
sen. Mit der Krone Würtemberg glich ein Gränzberich= 
tigungs-Vertrag (öten Juni 1800) alle Mißhelligkeit 
aus. Eine Menge schiffbarer Flüße, wie Oonau, Lech, 
Nab, Regen, Isar, Vils und Salza, welche das Land 
in allen Richtungen durchschnitten, und die mit Hülfe 
verschiedener Seen in gegenseitige Verbindung gesetzt 
werden konnten, verhießen, bei hinlänglicher Friedens- 
dauer, dem Gewerbe und Handel neuen Aufschwung. 
Dem Könige lagen große Entwürfe zur Wiederher- 
stellung des bffentlichen Glückes vor. Doch ihre Voll- 
ziehung ward durch die drückenden Verhältnisse des Au- 
genblickes erschwert. Man schritt nur vom Dringend- 
sten zum Dringendsien vor. Die Erklärung der Reli- 
gionsfreiheit für die neuerworbenen protestantischen Un- 
kerthanen (Sten Juli 1800) siellte diese sicher, und die 
mit dem Pabste angeknüpften Unterhandlungen wegen 
eines Concordats sollten auch die schwankend gewordne 
Kirchenzucht der katholischen Unterthauen neu befestigen. 
Es ward dahin gearbeitet, die alten Provinzen mit den 
neugewonnenen auf's innigste zu einem Ganzen zu ver-
        <pb n="340" />
        schmelzen, *) das Papiergeld aus dem Tirol, durch 
Herabsetzung der Wiener Bankzettel, allmählig zu ent- 
fernen, und diesem Gebirgsvolke jede Erleichterung zu 
schaffen. Der König selbst, durch sein kraftvolles pere 
snliches Verwenden, bewirkte für Tirol die gänzliche 
Erlassung der von Napoleon auferlegten Contribution 
von neun Millionen Gulden. Die dem baierischen Zep- 
ter nun unterwürfig gewordnen ehemals unmittelbaren 
Reichsfürsten, Grafen und Ritter wurden mit zarter 
Schonung, rücksichtlich ihrer staatsthümlichen und recht- 
lichen Stellung gegen den Landesherrn, behandelt, auf 
6) Nicht immer schien jedoch jenes Verschmelzen so verschie- 
denartiger Provinzen, z. B. die unterm 20sten April 18060 
erfolgte Vereinigung der vorarlbergischen Herrschaften mit 
der schwäbischen Provinz in allen Zweigen der Verwaltung, 
daher deren gänzliches Losreissen von der gefürsteten Graf- 
schaft Tirol, dem Geiste und den Wünschen der Vewoh- 
ner, so wie dem Frommen des Staates angemessen. Dieß 
darzuthun, bleibe der Geschichte vorbehalten. 8Zwar läßt 
sch, lett angeführten Fall betreffend, einwenden, daß 
jene vorarlbergischen Herrschaften in früherer Zeit keinen 
integrirenden Theil Tirols ausgemacht hatten, und daß 
sie mehr denn hundert Jahre spaͤter, als letzteres Land, 
von den Grafen von Montfort und Werdenberg 
käuflich oder pfandweise an Oesterreich übergiengen. Wahr- 
scheinlich bleibt es jedoch, daß die Trennung beider Pro- 
vinzen gleichzeitig mit dem immerwährenden Durchmarsche 
französischer Truppen und der Verpflegung der in Hall, 
Schwatz, Rattenberg, Innsbruck, Kufstein, Trient, Bo- 
zen und Clausen liegenden baierischen Männer, nicht den 
Tirolern jene Anhänglichkeit an ihrem neuen Landesherren 
einflössen konnte, mit welcher sie ihrer alten Regierung 
zugethan gewesen waren und verblieben.
        <pb n="341" />
        daß sie sich leichter den durch das Schicksal der Zeit ge- 
botenen Veraͤnderungen angewoͤhnten. Und bei allen 
diesen und andern Werken blieb Bildung und Aufklaͤrung 
der Nation (15ten Juni 1800 durch Einführung von 
Elementar -Schulen) ein Hauptgegenstand der kbniglis 
chen Sorgen, weil öffentliche Bildung allein der große 
Hebel allgemeiner Wohlfahrt durch unmittelbare Entfal- 
tung der wahren, innern Kraft einer Nation ist. 
Die Armee, nun wieder vollzählig gemache, und 
mit allen Erfordernissen versehen, verharrte auf dem 
Kriegsfuß. Eine Meuterei und Entweichung der gemei- 
nen Mannschaft des zwölften Linien-Infanterie-Regi- 
ments Ldwenstein Wertheim, aus lauter nun dem neuen 
Großherzoge von Würzburg zugehdrigen Unterthanen be- 
stehend, veranlaßte die Aufldsung dieses Regiments und 
war in den Jahrbüchern des baierischen Heers ein ceben 
so betrübendes, als beispielloses Ereigniß. Das sogleich 
neu errichtere vierzehnte Infanterle-Regiment füllte die 
Lücke aus, und an die Stelle der entlassenen würzburgi- 
schen Landeskinder trat aus der Markgrafschaft Ansbach 
junge Mannschaft. Auch das vom verdienstvollen Gra- 
fen Oberndorf während des letzten Feldzugs gebildete 
freiwillige Jäger-Corps ward, durch Rückkehr der Forst- 
bedienten an ihre Stellen, vermindert, aber der Stamm 
des Corps beibehalten. Hingegen vergrößerte man jedes 
Reiter-Regiment auf 660 Pferde, daher jede Escadron 
auf 110 Pferde. Viele Verbesserungen noch wurden, 
besonders bei der Cavalerie-Waffe, und sonst beim Heer 
eingeführt, z. B. die Verminderung des Fuhrwerks bei 
den Regimentern, die Abschaffung des Puders und der 
Ibpfe beim Soldaten, die Abschaffung der Pferde für 
Subaltern? Offiziere bei der Infanterle u. s. w. Auch
        <pb n="342" />
        — 12 — 
unterließ man nicht die Vestungen von Kufstein, Passau 
und Rothenberg in bessern Vertheidigungsstand zu setzen, 
und mit allen Beduͤrfnissen zu versorgen. 
Man begreift leicht, daß Anstrengungen solcher Art, 
neben der Unterhaltung so vielen fremden Kriegsvolkes im 
Lande nicht nur keine Erleichterung der Abgaben gestat- 
teten, sondern sogar neue Kriegssteuern nothwendig mach- 
ten. Und doch war das treue Volk willig; den Baiern 
nie ein Opfer zu groß. Nicht nur die Steuern wurden 
gezahlt, sondern beträchtliche Summen flossen außerdem 
noch aus menschenfreundlichen Händen für die Verwun- 
deten und die Wittwen, welche der Krieg gemacht hatte. “) 
Auch Napoleon lieferte dazu eine wahrhaft kaiserliche 
Gabe. 
Dieser Fürst unterließ überhaupt nichts, den Baiern 
und besonders dem Heere, ein Gefühl seiner Erkennt- 
lichkeit auszudrücken. Er gab den Generalen Deroy 
und Wrede, so wie zwanzig Offzieren und zwanzig 
Soldaten ausgezeichnete Belohnungen. Denn in der Er- 
innerung dessen, was sie während des letzten Feldzuges 
beim Inn-Uebergang, bei Lofer und Iglau geleistet 
hatten, dachte er an das, was sie in der Jukunft noch 
leisten kdnnten. Doch mehr, als Alles, was er that, 
belebte die Zufriedenheit des Königs Marimilian, 
die er in mehrern Armee-Befehlen aussprach (15. April 
und 25. September 1806) den freudigen Muth seiner 
baierischen Krieger. 
–. — 
*) Die Beiträge für verwundete Krieger waren so bebeutend, 
daß einem jeden während des Jahres 1805 verwundeten 
Soldaten an 15 Gulden, einer jeden durch den Tod ihres 
Mannes im Felde zur Wittwe gewordenen Frau über 34 
Gulden ausbezahlk werden konnten.
        <pb n="343" />
        2. 
Fortsetzung. Blick auf die noͤrdlichern Staa— 
ten. Preußens Stellung bis October 1806. 
Der Süden Deutschlands war durch eine Verfleche 
tung der mannigfaltigsten Schicksale in die Hand Na- 
poleons hingegeben. Oesterreich, welches sich von al- 
lem unmittelbaren Einfluße auf deutsche Angelegenheiten 
losgesagt harte, verhielt sich von nun an leidend. Es 
bewieß gegen Frankreich um so mehr die moglichste Nach- 
giebigkeit, als Napoleons Mißtrauen von neuem 
durch die rußische Besitznahme von Cattaro, (A. März 
1800), die dem Presburger Frieden ganz entgegen stand, 
sehr gereitzt worden war. Napoleon's Heere blieben 
schlagfertig in Baiern und Tirol aufgestellt, und die 
Vestung Braunau ward, statt von ihnen verlassen, stär- 
ker befestigt. Es wird der Staatsklugheit des dster- 
reichischen Hofes. mit Recht nachgerühmt, in jener so 
verhängnißvollen . Zeit allen gegründeten Beschwerden 
Napoleons ausgewichen, und doch mit Rußland im 
freundschaftlichsten Verhältniß geblieben zu seyn. 
Im Norden Deutschlands hatten sich Hannaver, 
Hessen, Sachsen, Holstein und Schwedischpommern durch 
Aufldsung der deutschen Reichsverfassung in engere Bes 
rührung mit Preußen gesetzt. Der Kurfürst von Hessen, 
dem Kaiser der. Franzosen perfdnlich abgeneigt, dem Kd- 
nige von Preußen blutverwandt, hatte schon beim Feld- 
zug von 1305 sein Kriegsvolk schlagfertig gehalten, um 
es zu den Preussen, im Rücken des französischen Heers 
stossen zu lassen. — Hannover, scheinbar dem preussi- 
schen Zepter unterworfen, aber gegen fremde, gewalt- 
thärige Besitzughme unzufrieden, lietz wenig Hoffnung,
        <pb n="344" />
        daß es vorkommendes Falles seine gesammten Hülfs- 
quellen aufschliessen werde, wie schonungsvoll es auch 
von Preußen behandelt wurde. — Schweden, voll Has- 
ses gegen Napoleen, in inniger Verbindung mit Eng- 
land, daher eine geraume Zeit feindselig gegen Preus- 
sen, konnte, auch nachdem Rußland zwischen Schweden 
und Preußen vermittelt hatte, nicht ganz ausgesohnt 
werden, und die Spannung blieb noch lange. — Däne- 
mark, weise und fest seinem Volke den Frieden bewah- 
rend, zog das Herzogthum Holstein, nach Verschwinden 
des deutschen Reichs, nur enger an den Mutterstaat 
zurück. — Die sächsischen Staaten hingegen waren durch 
ihre örtliche Stellung weit mehr gezwungen, sich nach 
den Ansichten des preußischen Hofes zu richten. Doch 
die Hauprsorge des vortrefflichen Kurfürsten hier war 
bisher nur gewesen, seinen durch Mißerndten, durch 
Theuerung und Truppendurchzüge niedergebeugten Un- 
terthanen väterlichen Beistand zu leisten. 
Preußen schien unter der Regierung seines Kbniges 
Friederich Wilhelm III. den Gipfel der Macht 
und Glückseligkeit zu berühren. Durch weise Sparsam- 
keit, und ohne Häufung allzulästiger Abgaben, war jede 
Spur der ehmaligen Verschwendung des Hofes vernich- 
tet; eine Schuld von 28 Millionen Thaler vertilgt; die 
Schatzkammer gefüllt; der allgemeine Wohlstand durch 
Handel, Gewerb und Landbau blühend, durch muster- 
hafte Gerechtigkeitspflege geschirmt. Preußen, im Ge- 
nuß voller Denkfreiheit, ward als die Wiege ächter 
Geistesbildung verehrt. Ein wohlgenbtes Heer von 250,000 
Streiern, dessen Unrerhaltung einen Aufwand von 25 
Millionen Thalern jährlich kostete, stand jeden Tag be- 
reit, dieß KReich zu vertheidigen, dessen Flächenraum
        <pb n="345" />
        von 5570 Geviertmeilen eine Bevolkerung von 9,755,000 
Menschen nährte. 
Freundlich lehnte sich Preußen schon seit Anfang 
des Jahres 1806 wieder im Norden an die russische 
Machr, deren riesenhafte Größe jedem Bundesgenossen 
den kräftigsten Schutz verhieß, und die nur in der Hand 
eines Eroberers dem Schicksal Europens Gefahr drohen 
konnte. Kaiser Alerander aber, nur gesonnen, sein 
Schwert zum Beistand derer zu zucken, welche fremder 
Uebermacht zu unterliegen in Gefahr schwebten, be- 
schränkte sein Walten auf Vermehrung des Glücks sei- 
ner Unterthanen; auf den Handel mit Nordamerika, 
China und den sieben Inseln; auf Befdrderung des in- 
nern Verkehrs durch Verbindung des Oon mit der Wolga, 
des azowischen mit dem caspischen Meere u. s. w. Abor 
der Krieg mit Persien, die Rüstungen der Pforte, der 
Beistand, welcher den hartbedrängten Serviern zugestan- 
den war, die Umgestaltung, welche der deutsche Süden 
durch Napoleon empfangen hatte, und dem Norden 
Deutschlands noch zu drohen schien, — alles dieß hin- 
derte den Selbstherrscher aller Reussen, sich den Wohl- 
thätigkeirsentwürfen für sein Land ganz hinzugeben. 
Ohndem schien Rußland, durch das Bedürfniß des brit- 
tischen Handels und Geldes gefesselt, kaum einen dau- 
erhaften Frieden mit Frankreich erwarten zu lassen, un- 
geachtet des Waffenstillstandes nach der Schlacht von 
Austerlitz. 
Dieß ohngefähr war die Lage der Dinge, als die 
Erscheinung des rheinischen Bundes in's Leben trat. Die 
Bildung eines nordischen Bundes mit Preußen von allen 
dem rheinischen nicht beigerretenen deutschen Staaten,
        <pb n="346" />
        konnte jenem an Land und Macht ein großes Gegenge- 
wicht halten. 7) Allein lau und folgenlos wurden die 
Unter= 
  
°P) Nicht ohne Interesse wird hier die in den ausgezeichnetes 
sten Blättern damaliger Zeit enthaltene statistische Ueber- 
sicht derjenigen Staaten, welche durch die rheinische Kon- 
föderation entweder ihre Existenz oder ihre Reichs-Un- 
mittelbarkeit verloren, von dem Leser gefunden werden. 
Aus dieser Uebersicht geht zugleich hervor, was auch das 
Königreich Baiern als Folge jenes Bundes an Flächen= Ju- 
halt und Volksmenge gewann: 
I.) Ihre Eristenz verlieren: Stabt und Gebiet Nürnberg, 
20 Quadrat-Meilen mit 70,000 Einwohnern, kommt an 
Baiern. — Stadt und Gebiet Frankfurt, 4 Quadratmei- 
len mit 50,000 Einwohnern, kommt an den Fürst Pii- 
mas, und wird der Siß der Versammlung der rheinischen 
Konföderation. — Johanniter Fürstenthum an den Groß- 
herzog von Baden. — Burggrafschaft Friedberg kommt an 
Hessen-Darmstadt; doch tritt die völlige Einverleibung 
erst nach dem Tode des jetzigen Burggrafen ein. 
II.) Ihre Reichs-Unmittelbarkeit verlieren: Die schwöäbische 
Reichs-Rirterschaft, 5 Kantons mit 668 Gütern, 65 
Quadratmeilen und 15000 Einwohnern. — Die fränkische 
Reichs-Ritterschaft, 6 Kantons mit 702 Gütern, 76 Qua- 
dratmeilen und 190,000 Einwohnern. (Doch ist über 
diese in der Acte noch nicht ganz disponirt, da mehrere in 
Staaten liegen, die der Konföderation noch nicht beige- 
treten sind.) — Der Rest der (nach dem Lüneviller-Frieden 
gebliebenen) rheinischen Reichs-Ritterschaft mit 12 Qug- 
dratmeilen und 30,000 Einwohnern. — Fürstenthum Schwars 
zenberg, 12 Quadratmeilen und 25,000 Einwohnern, Vas 
sall von Baiern. — Grafschaft Castell, 4 Quadratmeilen 
und 6,o00 Einwohnern, Vasall von Baiern. — Fütsten 
von Hohenlohe (in sieben Linien) 33 Quadratmeilen mit 
400,000 Einwohnern, Vasallen von Baiern und Wür-
        <pb n="347" />
        Unterhandlungen mit Sachsen, Hessen, Mecklenburg, 
Braunschweig fuͤr das wichtige Werk betrieben. 
  
temberg. — Fuͤrsten von Oettingen, 22 Quadratmeilen 
mit 55,000 Einwohnern, Vasallen von Baiern. — Thurn 
und Taxis, 16 Quadratmeilen mit 40,000 Einwohnern, 
Vasall von Würtemberg und Baiern. — Fuͤrsten und Gra- 
fen von sugger, 12 Quadratmeilen mit 56,000 Einwoh- 
nern, Vasallen von Baiern. — Fürsten und Grafen von 
Truchseß-Waldburg, 12 Quadratmeilen mit 25,000 Ein- 
wohnern, Vasallen von Würtemberg. — Fürstenthum Für- 
stenberg, 30 Quadratmeilen mit 75,000 Einwohnern, mit- 
telbar abhängig von Baden, Würtemberg und Hohenzol- 
lern-Sigmaringen. Grafschaft Königsegg, 8 Quadratmeilen 
mit 13,000 Einwohnern, zu Würtemberg. Graf Metternich, 
321 Quadratmeile mit 7,500 Einwohnern, Vasall von Wür- 
temberg. Fürst von Leiningen (in vier Linien) 28 Qua- 
dratmeilen mit 356,000 Einwohnern, VPasall von Baden. 
Fürsten und Grafen von Lwenstein, 26 Quadrat-Meilen 
mit 38,000 Einwohnern, Vasallen von Baden und dem 
Fürsten Primas. Furst von Salmreiferscheid, 5 Quadrat- 
meilen mit 0,000 Einwohnern, Vasall von Baden. Graf- 
schaft Bentheim, 32 Quadratmeilen mit 45,o000 Einwoh- 
nern, abhängig von Eleve, eben so die Grafschaft Walmoe 
den-Gimbarn, 21 Quadratmeile mit 5,500 Einwohnern, 
eben so das Fürstenthum Dillenburg, mit 12 Quadrat- 
meilen und 36,000 Einwohnern. Ferner das Amt Horst- 
mar, dem Rhein-Grafen Salm gehörig, 30,0o Quadrat- 
meilen mit 55,000 Einwohnern, dann die Besihungen des 
Herzogs von Looz, 10 Quadratmeilen mit 15,000 Einweh- 
nern, die Grafschaft Siegen, 14 Quadratmeilen mit 53,000 
Einwohnern, die Grafschaft Hadamar, 6 OQuadratmeilen 
mit 16,000 Einwohnern, die Herrschafe Beilstein, 5 Quas 
dratmeilen mit 12, doo Einwohnern, die Grafschaft Erbach, 
#8 Quadratmeilen mit 25,000 Einwohnern, zu Darmstadt. 
II. Stes Buch. 2.
        <pb n="348" />
        — 18 — 
Inzwischen hatten sich zu dieser Zeit (Anfang Sep- 
tembers) auch die zwischen Frankreich und England seit 
sieben Monaten erdffneten Friedens = Unterhandlungen 
wieder zerschlagen, Kaiser. Aleran der hatte dem zu 
Paris (20. Juli) vom rußischen Staatsrath Oubril 
—— 
Hessen Homburg, 2 Qnadratmeilen mit 6,000 Einwohnern, 
nun abhängig von Darmstadt. Die Grafsschaft Rheineck, 
23 Quadratmeile mit 5,500 Einwohnern, vom Fürsten Pri- 
mas. Der Fürst von Wied-Runkel, 87 Quadratmeile mit 
20,000 Einwohnern, ward Vasall von Nassau. Die Graf- 
schaft Wied-Neuwied, 51. Quadratmeile mit 15,000 Ein- 
wohnern, nun zu Nassau gehörig. Die Grafen von Pen- 
burg (Büdingen, Wächtersbach, Meerholz) 64 Quadrat- 
meile mit 20,000 Einwohnern, Vasallen von Ysenburg- 
Bierstein. Die Grasschaft Dülmen (im Münsterschen) 
mittelbar von Aremberg. Erinnerungswürdig bleibt der 
damahlige Besisbstand einiger der nunmehr unabhängi- 
gen Fürsten. So besaß der neue Großherzog von Eleve 
und Berg bis jeßbztt blos 70 Quadratmeilen mit 316,000 
Einwohnern. Der Großherzog von Hessen = Darmstadt, 
154 QOuadratmeilen mit 310,000 Einwohnern. Der 
Herzog von Nassau= Ussingen 40 Qnuadratmeilen mit 
106,500 Einwohnern. Der Fürst von Nassau-Weilburg, 
24 Quadratmeilen mit 734,000 Einwohnern. Der Fürst von 
Hohenzollern = Hechingen, 5 Quadratmeilen mit 12,500 
Einwohnern. Der Fürst von Hohenzollern= Sigmaringen, 
6 Quadratmeilen mit 15,000 Einwohnern. Der Fürst von 
Salm-Salm, 138 Quadratmeilen mit 30,000 Einwohnern. 
Der Fürst von Salm-Koyrburg, 0 Quadratmeilen mit 
10,000 Einwohnern. Der Fürst von Isenburg Bierstein, 
6 Quadratmeile mit 21,000 Einwohnern. Der Herzog 
von Aremberg, 43 Quadratmeilen mit 43,700 Einwohnern. 
Der Fürst von der Lapen, 2 3 Qugdrgtmeise mit 5000 Ein- 
wohnern,
        <pb n="349" />
        — 19 — 
abgeschlossenen Friedensvertrag mit Frankreich seine Be- 
staͤttigung versagt. Des Krieges Wiedereroͤffnung war 
voraus zu sehen. Preußen, aus seiner Ruhe aufgeschreckt, 
schloß sich daher fester an England, Schweden und Ruß- 
land an. Folge davon war die Aufhebung der Sperre 
preußischer Seehaven von den Schweden (Sten Septem- 
ber) und Engländern (27ten September). Preußen 
selbst setzte die gesammte eigne Heeresmacht auf den 
Kriegsfuß. Rußlands Heere, noch in der Nähe der 
preußischen Staaten, wurden zum Belstand in Anspruch 
genommen. Kursachsen erhielt Mahnung, sich seinem 
mächtigen Nachbar anzuschließen. Ueberall Truppenbe- 
wegungen. Selbst die Besatzung Berlins verließ diese 
Hauptstadt (Anfang Septembers). Die allgemeine Stim- 
mung des ndrdlichen Deutschlands war Krieg gegen Na- 
poleon, gegen dessen willkührliches Schalten, auch 
Süddeutschland innern Grolles voll war. Empdrend für 
alle Deutsche war dessen neueste Gewaltthat gewesen, 
da er, um Schrecken zu verbreiten und der dffentlichen 
StWimme Schweigen zu gebieten, den Buchhändler Palm 
hatte in Braunau hinrichten lassen. Fürsten, auf der 
Höhe ihres Glücks und im Wahn ihrer Sicherheit, glau- 
ben zuweilen gegen den Einzelnen und Verlassenen un- 
gestraft sändigen zu dürfen, und bereiten eben da, wo 
ste es am wenigsten vermuthen, ihren unvermeidlichen 
Untergang. Das Blur Enghien's hatte auf ewig die 
Herzen der Fürsten, das Blut Palm's auf ewig die 
Herzen der Volker von Napoleon geschieden. Und 
die Rache folgte, wenn auch spät, doch furchtbar den 
Unthaten. 
Inzwischen erschien noch mitten unter den kriegeri- 
schen Bewegungen des Nordens der General von Knobels- 
2
        <pb n="350" />
        dorf als neuer preußischer Unterhändler in Paris (krten 
September), um die Rüstungen seines Kbniges nur 
als Folge eines augenblicklichen Mißverstandes geltend 
zu machen. Allein Napoleon hatte, schon seit der 
Abreise des preußischen Gesandten Luchesini, des Man- 
nes, dessen mitgetheilte Nachrichten alle jene Kriegs- 
rüstungen in Preußen veranlaßt hatten, den Gang der 
Dinge vorausgesehen. Es gelang ihm, sich seinem Vol- 
ke, als den angegriffenen Theil, darzustellen, um erfor- 
derlichen Falls die ganze Stärke Frankreichs zur Selbsi- 
Vertheidigung aufbieten zu konnen. Seine Streitkräfte 
zwar in drei großen Ländern verbreitet, waren jedoch 
überall bedeutend genug. Sieben Herrhaufen in Deutsch- 
land und Dalmatien, zählten bei 100,006 Mann. ') Es 
  
*) Die Stellung der französischen Armee zu dieser Zeit war: 
Das iste Corps stand unter Marschall Bernadotte im 
Fürstenthum Ansbach, in der Stadt. Nürnberg und deren 
Gebiet, dem Fürstenthum Bamberg. 
Das 2te Cerps war unter Marmont in Dalmatien. 
Das öte Corps unter Davoust hatte ganz Nieder-Schwa- 
ben auf dem linken Dongu-Ufer, so wie das Fürsten- 
thum Eichstädt besetzt. 
Das 4te Corps unter Marschall Soult hielt Niederbaiern, 
das Fürstenthum Paßgu, die Festung Braungu und die 
obere Pfalz beseht. 
Das 5te Corps, anfangs unter Mortier später unter 
Lefebre, cantonnirte von der Tauber durchs Würzbur-- 
gische bis Schweinfurt und bis an die obersächsische 
Gränze, westlich bis ins Erbachische. 
Das öte Corps unter Ney stand im südlichen Schwaben 
von der Donau bis an den Bodensee, und bis an die 
Breisgauische Gränze.
        <pb n="351" />
        standen in Frankreich 100,000 Mann, eben so viele in 
Italien, Neapel einbegriffen, und 80,000 Mann wurden 
auf's Neue qgusgehoben. Dazu forderte er, bei Preus- 
sens fortwährenden Rüstungen, die Souveräne des rhei- 
nischen Bundes, denen auch bald nachher der Großher= 
zog von Würzburg beitrat, kraft des Vertrages (vom 
12ten July 1806), auf, ihre Heerbetreffnisse zum Auf- 
bruch bereit zu halten, und die Sache des Bundes zu 
schützen. 
In Folge jenes Vertrages hatte Baiern 30,000 
Mann zu stellen. König Marimilian, nach empfang- 
ner Einladung (vom Ziten September), ließ alsbald 
(201ten September) die Diovision des General = Lieute- 
nam Deroy zwischen dem Inn und der Isar, *) die 
  
Das 7te Corps unter dem Marschall Augerau stand 
von der Mündung des Neckars an, längs dem rechten 
Rheinufer über dem Main und die Lahn bis an die 
Sieg, im Östen bis an die Kurhessische Gränze. Jedes 
dieser sieben Korps zählte mit Einschluß der Reserve- 
Cavalerie 2°0, bis 25,000 Mann. 
*) Die Division Deroy wurde aus zwei Brigaden unter 
den Generalen Siebein und Raglowich und zwar aus 
dem isten Linien = Infanterie = Leib-Regiment 
dem #aten Linien-Infanterie-Regiment, 
dem öten Linien-Infanterie-Regiment Preysing, 
dem öten Kinien= Infanterie-Regiment Herzog Wilhelm, 
dem toten Linien -Infanterie Regiment Junker, dann aus 
dem Fußjäger Bataillon und dem bten leichten Infanterie= 
Bataillon Taris, 
dem isten Dragoner-Regiment Minuzzi, 
dem isten Chevaurlegers-Regiment Kronprinz, 
dem aten Chevaurlesers-Regiment Bubenhoven, dann
        <pb n="352" />
        — 22 — 
Division des Generallieutenant Wrede aber ?) bei Eich- 
städt zusammenziehen; die Veste Oberhaus bei Passau 
durch das erste Bataillon, den Brückenkopf bei Braungu 
durch das 2te Bataillon des Zten Linien-Regiments, 
die Ausgänge Tirols durch das ote Linien-Regiment 
mit einer Batterie von vier Sechspfündern und zwei 
Haubitzen besetzen. Die Veste Kufstein ward auf achr, 
die Veste Oberhaus auf sechs Monate mit Vorräthen 
versehen. Ein Posten auf dem Schlosse Burghausen, 
——.— 
  
dreien Fußbatterien, jede zu vier 6 Pfünder-Kanons und 
zwei 7 Pfünder-Haubißen, einer fahrenden Batterie von 
zwei 6 Pfündern, zwei 12 Pfünder-Kanons und zwei 7 
Pfünder-Haubitzen, eine aus einer leichten Fußbatterie 
bestehende Artillerie= Reserve, nebst Munitions Hark 
zusammengesetzt. 
*) Die Division Wrede wurde durch folgende Abtheilungen, 
gebilder: 
dem 2ten Linien-Infanterie-Regiment Kronprinz, 
dem Sten Linien-Infanterie-Regiment Herzog Kark, 
dem 7ten Linien-Infanterie-Regiment Löwenstein, 
dem löten Linien-Infanterie-Regiment, dann 
dem öten leichten Infanterie-Bataillon Preysing, 
dem aten leichten Infanterie-Bataillon Zoller, daun 
dem 2ten Dragoner-Regiment Taris, 
dem 2ten Chevaurlegers-Regiment König, 
dem zten Chevaurlegers = Regiment Leinigen, 
zwei fahrenden Batterien, jede zu vier 6 Pfünder-Kanons, 
dann zwei 7 Pfünder-Haubitzen, einer fahrenden schweren 
Batterie, bestehend aus vier 12 Pfünder-Kanons und zwei 
7 Pfünder-Haubitzen, der nöthigen Artillerie-Reserve. 
Als Brigadiers wurden dieser Division die Generale 
Graf Mezanelli und Graf Franz Minuzzi zuge- 
Fbheilt.
        <pb n="353" />
        und Andeutung von anzulegenden Schauzen am Inn, 
bezielten die Bewachung der Graͤnzen auf dieser Seite. 
Mittlerweile hatte die preußische Heeresmacht, mit 
Ausnahme einiger in Ost= und West-Preußen zurückge- 
bliebenen Regimenter, ihren Zug nach den verschiedenen 
Bestimmungspuncten angetreten. Sie zählte gegen dritt- 
halbhunderttausend Streiter; aber noch mangelte es ihr 
häufig an den dringendsten Bedürfnissen, an Munition, 
ja sogar an einer hinreichenden Menge von Lebensmit- 
teln. Es lag jetzt noch in der Gewalt Preußens, auch 
die sächsische Armee, über 34,000 Mann stark, dazu 
16,000 Mann hessischer Linien-Truppen und 7,000 hes- 
sischer Landmilizen zu schneller Vereinigung mit sich zu 
ndthigen. Aber nur mit Widerwillen, und erst da es 
zu spät war, entschloß sich Sachsen, eine Bewegung zu 
Gunsten Preußens zu machen. Und daß der Kurfürst 
von Hessen Anspruch auf Neutralität machen wollte, 
ward zugleich, ihm selbst und dem preußischen Staate ver- 
derblich, und verlegte den Schauplatz des Krieges unmit- 
telbar an des letzteren Gränzen, statt in die Gegenden 
zwischen Rhein, Main und Lahn. 
Die Preußen hatten sich, in sieben Armee-Corps 
vertheilt, auf verschiedenen Puncten gesammelt: das 
westphälische Corps unter General Blücher bei Osna- 
brüuck, das haundverische unter General Rüchel bei 
Hildesheim, das magdeburgische unter Prinz Ludwig 
Ferdinand auf dem linken Elbufer in der Gegend von 
Magdeburg, das märkische als erstes Reservecorps un- 
ter General Kuhnheim auf dem rechten Elbufer zwi- 
schen Dessau und Wittenberg, das schlesische unter dem 
Fürsten Hohenlohe hinter dem Bober, das westpreus- 
sische oder zweite Reservecorps unter General Natzmer
        <pb n="354" />
        bei Cüstrin, das pommerische unter General Kalkreuth, 
als einsweiliges Beobachtungs-Corps gegen Schweden. 
Schon war das schleßische Corps (zwischen den 
410ten und l##ten September) über die Elbe gegangen, 
und mit Truppen= Abtheilungen in Dresden eingerückt, 
schon war die Besatzung von Berlin bei Halle eingetrof- 
fen, als die franzbsischen Garden erst aus dem Innern 
Frankreichs zum Rhein eilten. Die Unthätigkeit Preus- 
sens bis zum Anfang Octobers benutzte desto rastloser 
Napoleon. Er schloß seine Heerschaaren aneinander, 
verließ Paris am 25sten September, und war am öten 
Dctober schon zu Bamberg. 
  
5. 
Eröffnung des Feldzuges. Gefechte bei 
Schleiz und Saalfeld. Schlacht bei Jena 
und Auerstädt. 
Forderungen, wie sie Preußen noch zu Mainz durch 
seinen Unterhändler, General Knobelsdorf, dem 
Fürsten Talleyrand vorlegen ließ: Räumung Deutsch- 
lands von den französischen Waffen, Anerkennung eines 
unter Preußens Obhut zu bildenden nordischen Bundes, 
Trennung der Festung Wesel vom franzdsischen Reiche, — 
Forderungen, wie diese, konnten nur mit dem Schwert 
in der glücklichen Faust, nicht durch diplomatische Un- 
terhandlungen wirksam seyn. Hingegen alle Verfügun- 
gen, welche der Herzog von Braunschweig an der Spitze 
des preußischen Heeres traf, schienen gewissermaßen sei- 
nen Glauben zu bezeugen, alles werde mit der Feder 
abgethan werden, Napoleon den Krieg mit Preußen
        <pb n="355" />
        meiden, oder doch nicht angreifender Theil seyn, sondern 
lieber den Angriff in einer Stellung am linken Saalufer 
erwarten wollen. Daher war es jetzt Plan, die ganze 
preußische Heeresmacht zwischen der Werra und Saale, 
noͤrdlich hinter dem Thuͤringer Waldgebirg zu sammeln, 
und dann uͤber das Gebirg vorzuruͤcken. Wirklich hatte 
der Herzog von Weimar auch schon mit dem Vortrabe 
des ganzen Heeres den Zug durch den Thuͤringer Wald 
angetreten, waͤhrend General Tauenzien mit zehn 
Bataillonen und eben so viel Escadronen im Baireuthi- 
schen stehen, die Pässe von Saalburg und von Hof bis 
Adorf besetzt halten, selbst drohende Wendungen gegen 
Nürnberg und Amberg machen sollte, um theils die 
linke Seite der preußischen Heer-Bewegung, theils die 
noch unvollendeten Rüstungen Sachsens zu decken. 
Indem nun die preußischen und sächsischen Schaa- 
ren auf diese Weise eine sehr gedehnte und ziemlich ver- 
worrene Stellung längs den Gränzen des baireutischen 
Voigtlandes bis an das Werrathal hinter Eisenach em- 
pfiengen, verrieth Napoleows Bewegung, daß er zwi- 
schen der Saale und dem Erzgebirg nach Sachsen vor- 
dringen wolle. Gelang dieß, so war das preußische Heer 
plotzlich von der Elbe, von seinen Magazinen am rech- 
ten Saale-Ufer, von Sachsen abgeschnitten, und sowohl 
Rüchel's Corps, als auch das Mittelheer und das 
sächsisch -preußische Corps unter dem Fürsten Hohen- 
lohe in ihren damaligen Stellungen gelähmt und beengt. 
Der Krieg war erklärt; das franzdsische Heer durch 
einen Tagsbefehl seines kriegerischen Kaisers zu neuen 
Siegen entflammt; seitwärts und im Rücken durch wohl- 
gedeckte feste Puncte von Mainz, Marienberg (bei Würz-
        <pb n="356" />
        — 26 — 
burg) Kronach und Vorchheim, Vorsorge gegen unvor- 
hergesehene Unfaͤlle getroffen. Nun brach alles in drei 
gewaltigen Heersäulen auf. Der rechte Flügel unter 
Ney und Soult gegen Baireuth; ihm war die baieri- 
sche Divisson Wrede zugegeben, über welche, wegen 
plotzlicher und gefährlicher Erkrankung des Generallleu-- 
tenants Wrede, der Generalmajor Graf Mezanelli 
(35. October) den einsweiligen Oberbefehl hatte. ') Die 
Heermitte aus der Reserve des Großherzogs von Berg, 
der kaiserlichen Garde und den Heerhaufen der Marschälle 
Bernadotte und Davousi zusammengesetzt, rückte 
von Bamberg über Kronach gegen Saalburg, um von 
da und Schleitz gegen Gera zu ziehen. Der linke Flü- 
gel unter Lannes und Augereau nahm seine Rich- 
tung von Schweinfurt gegen Koburg und Saalfeld. 
Als der preußische General Tauenzien den An- 
zug so überlegner Gewalt erblickte, zog er sich von Hof, 
wo er nur Vorwachen hinterließ, nach Schleitz (Abends 
d. 7. October). Ein Bataillon und zwei Escadronen 
besetzten Saalburg. Aber schon folgendes Tages erschien 
  
) Dieser Erkrankung bes Generals Wrede mag es zuge- 
schrieben werden, daß genannte Diodision bald darauf 
ihre Selbstständigkeit verlor. Denn bereits am Josten 
September hatte Napoleon von Würzburg aus, im 
Vertrauen auf jenen baierischen Generalführer, dessen un- 
terhabende Truppen als zu keinem Corps der großen Ar- 
mee gehörig, seinen unmittelbaren Befehlen untergeord- 
net, deren Bewegung von Eichstädt nach Nürnberg gebo- 
ten, solche als kräftige Reserre jener beiden genannten 
Corps Soult und Ney erklärt, es dem eignen Ermessen 
Wreder's überlassen, jene vorkommendes Falls zweckmä- 
Khig zu unterstützen.
        <pb n="357" />
        — 27 — 
vor Saalburg der Großherzog von Berg, und zwang 
nach einer kurzen aber heftigen Kanonnade die wenigen 
Preußen, sich schleunig auf ihr Hauptcorps zurück zu 
ziehen, und ihm den Gang über die Saale frei zu las- 
sen, den sie hätten verhindern sollen. General Tauen- 
zien hatte auf den Höhen bei Schleitz eine vortheilhafte 
Stellung genommen. Als hier der Großherzog von 
Berg gegen ihn (Oten October) erschien, leistete er dem- 
selben entschlossenen Widerstand. Doch dem Großherzoge 
war's kein Erust, das mit Opfern zu erkaufen, was ihm 
durch den Zug eines Seitencorps links von Crispendorf 
nach Pdsnek, und eines andern rechts nach Pausa wohl- 
feiler werden konnte. Tauenzien erkannte die Gefahr, 
und beschleunigte seinen Rückzug, den einzigen, der ihm 
blieb, nach Auma. Napoleon, der gegen Mittag 
selbst vor Schleitz angekommen war, gebot die schleu- 
nigste Wegnahme dieses Punctes. An der Spitze der 
französischen Reiterei, von einer Batterie kräftig unter- 
stützt, stürzte alsbald der Großherzog von Berg gegen 
Tauenzien's Nachhut. Diese bestand. nur aus vier 
Bataillonen und zwei Escadronen. Folgenlos war die 
Tapferkeit dieser Escadronen (vom sächsischen Regiment 
Prinz Johann von Sachsen), welche sich gegen tausend 
feindliche Reiter auf's dußerste vertheidigten, ihren bra- 
ven Obersten und ihrer Offiziere mehrere einbüßten; fol- 
genlos der Muth, besonders des leichten preußischen Ba- 
taillons Rosen. In voller Unordnung ward Tauen- 
zien 6 Nachhut durch Oettersdorf auf die Masse des 
preußischen Heerhaufens geworfen, diese selbst in erneu- 
erten Angriffen bei dem Dorfe Krolpa gänzlich zerrüttet, 
und in Gefahr gebracht, ganz aufgerieben zu werden. 
Zum Glück stellten die Franzosen ihr Verfolgen hier
        <pb n="358" />
        ein. Die Fluͤchtigen konnten sich wieder sammeln, und 
mit Verlust von zwei Feuerschluͤnden und allem Gepäck 
nach Triptiz zuruͤckziehen, von wo sie sich in der darauf 
folgenden Nacht mit den bei Mittelpoͤlniz stehenden Sach- 
sen des Generals Zeschwitz, zu Hohenlohe's Corps 
gehoͤrig, vereinigten. 
Der preußische Oberfeldherr, der Herzog von Braun- 
schweig, blieb immer noch von dem Wahn befangen, 
die franzoͤsische Hauptmacht dringe auf der Straße von 
Eisenach und Gotha gegen Erfurt. Durch diese Vor- 
stellung verleitet, gab er seinem ganzen Heere, waͤhrend 
sich bei Schleitz Tauenzien schlug, eine neue Bewe- 
gung. Er stellte die Hauptmacht bei Hochdorf auf, 
den Fürsten Hohenlohe zwischen Hochdorf und der 
Saale, den General Rüchel bei Erfurt. Blücher 
sollte die Vorhut der Hauptarmee bilden, Herzog Eu- 
gen von Würtemberg mit dem Reservecorps nach Halle, 
Prinz Ludwig von Preußen mit der Vorhut des Ho- 
henlohe'schen Corps nach Blankenburg, Saalfeld, 
Posnek, Rudolstadt, während das gesammte Fußvolk 
des genannten Corps unter dem Generallieutenant Gra- 
wert bei Orlamünde stehen mußte, und Hohenlohe's 
Hauptgelager in Jena war. Das Uebel dieser neuen 
Stellung, dem Feinde schon so nah, lag auch darin, 
daß kein Theil derselben durch den andern unterstätzt 
werden konnte. 
Inzwischen hatten sich die Marschälle Lannes und 
Augereau nach dem Gefecht bei Schleitz weiter vor 
bewegt, und waren sogleich auf die Vorhut des Ho- 
henlohen'schen Corps gestossen. Schon in der Nacht 
vom gten zum 10ten October wurden einige Abtheilun-
        <pb n="359" />
        gen preußischer Husaren und Jaͤger aus dem Gebirg zu- 
ruͤck nach Saalfeld getrieben, wo zwei leichte Bataillone, 
drei Escadronen und zwei Kanonen aufgestellt waren. 
Prinz Ludwig von Preußen, der etwa 7000 Mann 
stark, seine Truppen bei Rudolstadt zusammengezogen 
hatte, hielt den Vorfall bei Saalfeld für ganz unbeden- 
tend, ahnete darin gar nicht den Anzug eines übermäch= 
tigen Feindes, meldete auch nicht einmahl dem Fürsten 
Hobenlohe, dessen Vorhut er doch befehligte, das 
Geringste davon. Als ihm folgendes Morgens (tloten 
October) abermahls von den Rlänkeleien des Feindes 
gegen seine Vorposten Anzeige kam, beschloß er ohne 
anders mit aller Kraft dem Feinde, dessen Stärke er 
gar nicht kannte, zuvorzukommen und entgegen zu gehen. 
Er, obschon er bestimmten Befehl hatte, sich in nichts 
Ernstes einzulassen, rückte demnach vor. Er verließ die 
treffliche Stellung bei Schwarza, aus welcher er den 
feindlichen Massen hätte den Uebertritt aus dem Saal- 
felder in das Rudolstädter Thal erschweren konnen, wenn 
sie aus dem Garnstetter Schlunde, links und rechts in 
waldigen Gebirgen sich mit 7,000 Mann auseinander 
wickelnd, hervorgedrungen wären. Statt dessen stellte 
er sich bei Groba auf, lehnte an dieses Dorf den rech- 
ten, an Woölsdorf den linken Flügel, hatte im Rücken. 
die Saale; hinterwärts bei Schwarza nur ein Bataillon 
Reserve, vor sich, zur Deckung Saalfelds vier Esca- 
dronen, ein halbes leichtes Bataillon und zwei Feldstücke 
beym Rabenstein, sodann noch weiter vor anderthalb 
leichte Bataillone, eine Abtheilung Fußjäger und eine 
halbe Batterie aufgestellt. Er vermuthete, nur einem 
schwachen Feinde gegenüber zu stehen. Auf schnelle Hülfe, 
im Nothfall, vom Corps des Fürsten Hohenlohe,
        <pb n="360" />
        konnte er nicht zaͤhlen, da dieses an demselben Tage 
vier Meilen entfernt, bei Kahla stand. 
Lannes und Augereau hatten mit ihrer Vorhut 
schon die Puncte Volkersdorf, Rothenthal, Witzendorf 
und Birkenheide am Fuße des Gebirgs besetzt, dann eine 
bedeutende Abtheilung Fußvolks bis Garnsdorf vorge- 
schoben, und hier eine nachdrücklich spielende Batterie 
aufgepflanzt. Während Prinz Ludwig das zwischen 
Am und Unterwörbach befindliche Gehölz mit glücklichem 
Erfolg vom Feinde reinigte, und nun angriffsweise ver- 
fahren wollte, zogen jene ihre zehnfach überlegene Macht 
immer mehr links, besetzten das Dorf Krösen und die 
Hohen, welche die Straße nach Rudolstadt, den einzis 
gen Rückzugspunct des Prinzen, beherrschten. Der 
Prinz hatte aber die Rückzugslinie nicht einmahl hinter 
sich, sondern auf der rechten Seite liegend. Das preus- 
sisch -sächsische Corps ward also ganz umklammert, zu- 
sammengedrückt, und größtentheils in die Saale und 
Schwarza gesprengt. Zu spät hatte der Prinz die un- 
geheuere Uebermacht des Feindes erkannt, den Rückzug 
beschlossen und getrachtet, ihn durch die Ueberbleibsel 
seiner Reiterei und mit seinem Geschütz beim Hohlweg 
zu decken, der unterhalb Wôlsdorf, unweit der Saale, 
beginnt. Es war vergebens. Das seinem Vaterlande 
ohne Nutzen dargebrachte Opfer seines Lebens beschleu- 
nigte nur die Niederlage der theilweis sehr tapfern Trup- 
pen. Diese retteten sich, mit Verlust fast allen Ge- 
schützes, theils nach Kahla zum Corps des Fürsten 
Hohenlohe, theils nach Hochdorf, wo eben die Ar- 
mee des Königs ihre Stellung beziehen wollte. Wohin 
die Unglücksboren kamen, verbreiteten sie Schrecken und 
bange Besorgniß. Vielleicht hätte der Rückzug des Prin-
        <pb n="361" />
        31 — 
zen noch durch den preußischen General Pellet, der 
mit einem Bataillon und drei Escadronen bei Blanken- 
burg, und durch den General Schimmelpfennig, 
der mit einem Husaren-Bataillon bei Pôsnek stand, 
erleichtert werden können, wenn sie nicht etwa durch 
besondere Verhaltungsbesehle zur Unthätigkeit verdammt 
gewesen wären. 
Mit verhältnißmäßig geringem Verlust hatten die 
Franzosen bei Saalfeld über die preußische Gesammt- 
macht, in strategischer und moralischer Hinsicht, einen 
Gewinn von unberechenbaren Folgen errungen. Schon 
hatten sie den linken Flügel ihres Feindes vollkommen 
umgangen, und ihn in seiner sehr bedenklichen Stellung 
außer Stand gesetzt, Dresden und Berlin zu sichern. 
Fürst Hohenlohe, von der Unmdglichkeit überzeugt, 
den linken Flügel des Heers, den er befehligte, am lin- 
ken Saalufer zu halten, zog sich nach Fena, zwischen 
Ilm und Saale, und die Armee des Königs gegen 
Weimar zurück, bis gegen Frankendorf an der Straße 
nach Jena. Was das Unglück bei Saalfeld auf die 
Gemüther gewirkt hatte, bewies die Unordnung und 
gränzenlose Verwirrung, welche unter den Truppen zu 
Jena (11ten October) einriß, als sich da ein ganz un- 
gegründetes Gerücht vom Anrücken der franzdsischen Ar- 
mee verbreitete. Zwar die Heerführer stellten die Ruhe 
wieder her, aber mit Verlust von Zeit, eben als die 
Minuten am kostbarsten waren. Man schien im Rath 
der Feldtzerrn aber die hohe Wichtigkeit der Augenblicke 
nicht zu fühlen, und beeiferte sich keineswegs durch 
rasche Thaten, entweder den Eindruck des ersten Un- 
falls zu schwächen, oder größern Unfällen vorzubeugen. 
Desto rastloser verfolgte Napoleon seinen Gang.
        <pb n="362" />
        Während er in einem Aufruf an die Sachsen im preus- 
sischen Heer (Ebersdorf 10ten October) die Preußen 
ihre Unterdruͤcker, sich ihren Beschuͤtzer nannte, um sie 
den Bundesgenossen zu entfremden, erschienen seine 
Schlachthaufen schon vor den Thoren Leipzigs (12ten 
October) er selbst, seine Garden und das Corps 
Soult's bei Gera, Bernadotte bei geitz, Ney 
bei Neustadt, Davoust bei Naumburg, wo er große 
Magazine, einen bedeutenden Schiffbrückenzug und viele 
Gefangene nahm. Lannes stand zwischen Saalfeld 
und Jena;- Marschall Augereau bei Kala. Jerome 
Napoleon und unter ihm die baierische Division 
Wrede, (am 10ten October) vor Kulmbach angekom- 
men, hatte nach vergeblicher Aufforderung der Veste 
Mlassenburg, diese durch das 13te baierische Linien-Re- 
giment unter dem Oberstlieutenant Schloßberg ein- 
schließen lassen, und den Zug nach Kronach fortgesetzt.) 
Bei Lobenstein angekommen, (15ten October) zog die 
Dioision Wrede noch das zte leichte Bataillon Prey- 
sing an sich, welches in Eilzügen aus dem Tirol ges 
folgt war. 
Denn die (unterm öten October) geschehene Erklä- 
rung der strengsten Neutralität von Seiten Oesterreichs, 
hatte in Baiern jedes Besorgniß vor irgend einer krie- 
gerischen Thätigkeit dieser Macht zerstreut. Daher konnte 
nun auch die Dioision Deroy (mit Ausnahme des ach- 
ten Linien-Regimentes) ihre Stellungen zwischen Isar 
und Inn verlassen, und sich nach Ingolstadt zusammen- 
ziehen, 
  
*) Bei dieser Gelegenheit verlor das 2te Dragoner-Regi- 
ment durch das aus der Festung auf die marschierende Ko- 
sonne gemagchte Feuer einen Mann und drei Pferde.
        <pb n="363" />
        — 33 — 
Nehn, während Kdnig Maximilian mit ununterbro- 
chener Anstrengung fortfuhr, seinen eingegangnen Ver- 
pflichtungen genug zu thun. Eine Kriegssteuer, welche 
fünfzehn Kreuzer vom hundert Gulden des Vermdgens- 
werthes sämmtlicher Bewohner Baierns betrug, wie be- 
trächtlich sie auch an sich war, reichte noch nicht aus, 
den großen Aufwand zu besireiten. 
Daß Napoleon mit seiner Hauptmacht über Gera 
gegen Naumburg vordrang, blieb (bis zum 12ten Octo- 
ber) den preußischen Heerführern theils aus Mangel an 
guten Kundschaftern unbekannt, theils aus Mangel nicht 
hinlänglich zahlreich und zweckmässig ausgestellter Rei- 
terei-Posten. Als man endlich aber die Besetzung Naum- 
burgs durch franzdsische Heerhaufen, den Verlust der 
daselbst angehäuften Vorräthe aller Art, den Anzug 
großer feindlicher Macht gegen die Stadt Jena vernahm, 
als die Behauptung des Punctes Jena und die stand= 
hafreste Vertheidigung aller Saal= Uebergänge, und das 
Zusammenhalten gesammter Streitkräfte durch die Macht 
der Umstände am dringendsten geboten zu seyn schien: 
da beschloß der Herzog von Braunschweig alle verlorne 
Vortheile durch eine Hauptschlacht zurückzugewinnen. 
Es ward dabei nicht berechner, daß dieß Heer noch keie 
neswegs in das Kriegestreiben ganz eingeweiht war, 
daß es seit einigen Tagen schon Mangel an Lebensbe- 
dürfnissen gelitten, und eine durch die vorangegangnen 
Unfälle sehr geschwächte Zuversicht auf sich selbst hatte; 
ja, daß eine Hauptschlacht das Schicksal des ganzen 
Kdnigreichs auf's Spiel setzte. 
Inzwischen ward der Plan vollzogen. Die Haupt- 
armee, unter persobnlicher Anführung des Königs und 
II. Stes Buch.
        <pb n="364" />
        — 34 — 
des Herzogs von Braunschweig trennte sich von den übri- 
gen Heerabtheilungen, und zog aus der Stellung von Wei- 
mar in die Gegend von Auerstädt, um von dort aus, 
und verstärkt durch das Reservecorps unter Herzog Eu- 
gen von Würtemberg, der feindlichen Macht im Rücken 
und Seiten zu fallen. — Hingegen Fürst Hohenlohe 
sollte die für unangreifbar gehaltene Stellung zwischen 
Rbdigen und Schwabhausen bei Jena einnehmen; Rüchel 
mit dem 22,000 Mann starken westphälischen Armee- 
corps ihm auf den Lehnstädter Hohen zur Reserve die- 
neu; und zwischen diesen beiden das Corps des Herzogs 
von Weimar die Verbindung unterhalten. 
Die feindlichen Heersäulen drängten heranz trieben 
die bei Dornburg aufgestellten Reiter-Posten über die 
Saale zurück, und bemächtigten sich der wichtigen Cam- 
burger-Brücken, (eten October Abends) ohne daß 
man Ernst machte, sie wieder zu nehmen, da es noch 
mdglich genug war. Als General Tauenzien darauf 
vernahm, daß ein bei Dornburg aufgestellter Kriegshau- 
sen die Naschhäuser-Brücke dem Feind überlassen, und 
sich vom linken Saalufer zurückgemacht habe, zog auch 
er sich vom linken Saalufer und von der Stadt Jena 
(15. October) vor Tages Anbruch nach Kloswitz zu- 
rück, lebhaft von den Franzosen verfolgt, die sich zu- 
gleich des Caspodaer= und Kloswitzer-Holzes bemächtig- 
ten. Die zwischen beiden Gehdlzen gelegne Höhe besetz- 
ten sie sogleich ebenfalls. Dadurch wurde das preußi- 
sche Heer aller Gemeinschaft mit dem Saale-Thal und 
jedes Blicks in dasselbe beraubt, während die Franzosen 
von der Höhe nicht nur alle Bewegungen der Preußen 
übersehen, sondern alle Wege und Schluchten bestreichen 
und vertheidigen konnten, welche zum linken Flägel der
        <pb n="365" />
        preußischen Stellung führten. General Tauenzien 
verlangte eiligst Verstärkungen, um den Feind von die- 
sen Höhen ins Saale-Thal zurück zu werfen. Es er- 
schien keine Verstärkung von Seiten des Fürsten Ho- 
henlohe. 
Dieser war damit beschäftigt, das Corps des Ge- 
nerals Holzendorf gegen Dornburg zu führen. Doch 
weder Dornburg noch die Naschhäuser Brücke ward an- 
gegriffen. Der ganze Heerhaufe, etwa aus zwei Infan- 
terie= und vier Reiter-Regimentern nebst einer halben 
reitenden Batterie zusammengesetzt, blieb auf den Hbhen 
von Zimmern stehen, und blos eine Streifwacht gieng 
gegen Dornburg. Als diese einen Ordonanz-Offizier 
des franzdsischen Kaisers einbrachte, der ein versiegeltes 
Schreiben Napoleon's an den Kdnig von Preußen 
bei sich trug, kehrte Fürst Hohenlohe mit demselben 
in sein Hauptgelager nach Capellendorf zurück. Es war 
dieß bekanntlich der Capitain Montesquiounu, welcher 
Napoleons's letzten Friedensantrag für den Kdnig von 
Preußen überbrachte, aber zu Capellendorf so lange auf- 
gehalten ward, daß der König das Schreiben erst am 
15ten October, an dem Tage empfieng, als die Dop- 
pelschlacht bei Jena und Auerstädt blutig entschied. 
Napoleon selbst war mit dem Eorps des Mar- 
schallt Lannes auf den Höhen vor Jena; der Groß- 
herzog von Berg und Marschall Davoust ihm rechts 
bei Naumburg, (mir Absendungen gegen Leipzig und 
Halle); Soult auf dem Wege von Gera her, um sich 
der Straße zwischen Naumburg und Jena zu bemeistern, 
Augereau bei Kahla, Nep bei Rodg. 
Die Preußen blieben in ihren Lagern, während der 
3 r
        <pb n="366" />
        — 30 — 
Nacht vor dem Schlachttage ganz ruhig. Sie fuͤrchte- 
ten keinen allgemeinen Angriff, höchstens glaubien sie 
es am folgenden Tag mit untergeordneten Kraͤften zu 
thun zu haben. So wie sie gegen Naumburg die Ko- 
sener = Engpässe zu besetzen vergessen hatten, liessen sie 
auch die aus dem Mühl= und Rauhthal führenden Eng= 
wege unbesetzt. Im Lager selbst feblten die Lebensmite 
tel. Das zu dieser Zeir erscheinende Kriegsmanifest des 
Kdnigs kam nur in die Haud sehr weniger Offiziere. 
Thätiger ward die Nacht im franzdsischen Lager zu- 
gebracht. Hier leitete der Kaiser alle Arbeiten persoͤn- 
lich. Mit unsaͤglicher Muͤhe ward Geschuͤtz auf die 
Bergflaͤche der sogenannten Schnecke gebracht, die man 
preußischer Seits fuͤr Artillerie unzugaͤnglich gehalten 
hatte. Soult mußte gegen Dornburg und das Hol- 
zendorf'sche Corps eilen; Lannes, durch die sogenannte 
Eule auf dem Landgrafenberg, zu den Kospodaer-Höhen 
und hier Stellung nehmen, die Division Süchet rechts, 
die Division Gazan links, die kaiserlichen Garden in 
den Räumen zwischen beiden, Augereau und ein Theil 
des Nep'schen Corps hatten Fena und das Mählthal 
erreicht. Die nach Klosewitz und Lützerode führenden 
Zugänge durch das enge Rauh= und Mühl-Thal wur- 
den wegsamer gemacht. Der Kaiser selbst begab sich zu 
den einzelnen Truppenabtheilungen, ermunterte sie mir 
freundlichen, kräftigen Reden. Wohin er kam, scholl Ju- 
bel, und der Schall drang bis zu den feindlichen Vor- 
wachten. 
Mit der Morgendämmerung, da starker Nebel ale 
les deckte, zog das franzdsische Heer aus dem Mühl- 
und Rauh-Thal hervor. Heftiges Plänkelfeuer begann
        <pb n="367" />
        das Gefecht. General Tauen zien bei Luͤzerode, Klo- 
sewitz, im Ißerstaͤdter Forst und auf dem Dornberge, 
stand den feindlichen Streitmassen mit zu schwachen 
Kräften zwei Stunden lang tapfer entgegen; blieb aber 
durchaus ohne Unterstützung. So ward er endlich voll- 
kommen in die Flucht geschlagen, als sich das Hohen- 
lohe'sche Hauptcorps eben erst zwischen Klein-Romstedt 
und Kötschau in Schlachtordnung stellte. Auch daß dieß 
noch geschah, ward nur durch lebhaftes Betreiben des 
Generallieutenants Grawert bewirkt. Sofert eilten 
drei Regimenter Reiterei mit ndthigen Geschütz nach Vier- 
zehnheiligen vor, das zersprengte Tauenzien'sche Corps, 
das sich bei Klein-Romstedt sammeln sollte, gegen den 
verfolgenden Feind zu decken. Das Fußvolk, begeistert 
durch ein herzliches Wort des Fürsten Hohenlohe, 
rückte nach, unter Befehl des General Grawert. Hin- 
ter dessen rechten Flügel stellten sich vier sächsische Schlacht- 
haufen, als zweites Treffen auf; fünf andere, unter 
dem sächsischen General Dyhern blieben auf dem La- 
gerplatz, als Reserve. Die übrigen sächsischen Truppen 
standen mit dem linken Flügel gegen das Liskauer-Thal 
und den Flöhberg, mit dem rechten an der Hochstraße, 
Stirn gegen Remderode. Die große Genauigkeit und 
Schnelligkeit dieser Bewegungen des Fußvolks floßte 
selbst dem Feinde Achtung ein. 
Mitten aber in diesem raschen und glücklichen Vor- 
dringen ward alles plotzlich durch ein unerwartetes „Halt!“ 
welches dem Munde des Fürsten Hohenlohe ent= 
schluͤpfte, ins Stocken gebracht. Vielleicht fuͤrchtete er, 
im dichten Nebel sich zuweit vorzuwagen, und vom Feinde 
umgangen zu werden. In der That ward ein heftiges 
Feuern in der Gegend von Roͤdingen gehoͤrt, dessen Ur-
        <pb n="368" />
        sache sich aber schnell erklaͤrte. General Holzendorf 
hatte sich naͤmlich erst spaͤt (6 Uhr Morgens) in der Ge- 
gend des Loh- und Heiligenberges dem Postendorfer Ge- 
hoͤlz gegenuͤber aufgestellt. So war dem Marschall Soult 
Zeit gelassen worden, aus den Dornburger-Engwegen 
hervorzubrechen, und seine ganze Uebermacht zu entfal- 
ten. Holzendorf, um nicht ganz aufgerieben zu 
werden, mußte fechtend über Rödingen und Neu-Game, 
bald auch über Nerkwitz und Lehrsten nach dem Stobger- 
Höhen zurückziehen. Damit wurde aber zugleich Hohen-- 
lohe's Srirnseite und linker Flügel nackt. 
Hätte aber auch Fürst Hohenlohe den Schlacht- 
reihen des Fußvolks nicht Stillstand geboten: dennoch 
mußte er nun untergehen. Denn es ließ sich der Sieg 
für ihn nur hoffen, wenn einerseits Holzendorf glück- 
lich auf der Seite von Rddingen in des Feindes linken 
Flügel gedrungen wäre, anderseits Generallieutenant 
Rüchel zeitiger angekommen, die im Iserstedter-Forst 
und an der Schnecke kämpfenden Sachsen und Preußen 
kraftvoll gegen den feindlichen linken Flügel unterstützt 
hätte. Allein Rüchel meldete erst seinen Anzug, als 
die feindlichen Schlachthaufen, verstärkt durch einen Theil 
des Ney'schen Corps das Dorf Vierzehnheiligen schon 
errungen hatten, und begünstigt durch ein wohlgenähr- 
tes Feuer der Plänkler und des groben Geschützes her- 
vordraugen. 
Mehrmahls, aber ohne Erfolg, stürmte Fürst Ho- 
henlohe das Dorf Vierzehnheiligen, wohin er auch 
dem Generallieutenant Rüchel Befehl ertheilt hatte, 
seine Richtung zu nehmen. Als aber statt dessen im- 
mer bedeutendere feindliche Streithaufen gegen das Dorf
        <pb n="369" />
        — 390 — 
und den Iserstedter-Forst anruͤckten, ließ Fuͤrst Hohen- 
lohe das Dorf durch sein Geschuͤtz in Brand stecken, 
in der Hoffnung, so den Feind aus demselben zu ver- 
treiben, und die eigne Stellung behaupten zu koͤnnen. 
Auf letzteres zählts er um so mehr, weil er sich an sei- 
nem rechten Flügel vollig gesichert glaubte, wo General 
Zeschwitz auf der Schnecke bis auf den letzten Mans 
auszuhalten Befehl hatte. 
Vierzehnheiligen stand in Flammen; aber der Feind 
verließ dennoch das Dorf nicht. Tauenzien behaup- 
tete sich tapfer bei Klein -Romstedt, Holzendorf sich 
zwei Stunden lang auf den Stobaer-Hdhen gegen Soult's 
Uebermacht. Allein zwei neue Divisionen vom Heerhau- 
fen Ney's vereinigten sich mit Soult. Holzendorfs, 
mit Ungestüm und ungeheurer Ueberzahl angegriffen, sah 
sich zum Rückzug nach Buttstedt gezwungen, lebhaft 
vom Großherzog von Berg verfolgt. In diesem Augen- 
blick, als die Schlachtreihen, welche Fürst Hohenlohe 
selbst befehligte, durch Soult's Bewegungen in die 
linke Seite genommen da standen, wurden sie auch von 
vorn durch die verstärkte Macht des Feindes lebhafter 
angefallen, und gleichzeitig in die rechte Seite von den 
franzèsischen Truppen genommen, welche herab von den 
Klosowitzer-Höhen in den Iserstedter-Forst drangen, und 
das darin gestandene preußische Bataillon vor sich herjag- 
ten. So umklammert und bestürmt, konnte Hohenlohe 
nicht länger widerstehen. Ueberall entstanden Lücken in den 
dunnen Linien des von der Reiterel bald verlassenen Fuß- 
volks, das theilweise noch immer mit Heldenmuth und 
Verzweiflung fortfocht. Unaufhaltsam drang Napo- 
leon's Heermitte über Hermstedt, Vierzehnheiligen, Iser- 
stedt und Klein-Romstedt vor, nahm die ihr entgegene
        <pb n="370" />
        stehenden Batterien, und loͤsete endlich das preußische 
Heer in die wildeste und regelloseste Flucht auf. 
Nun, aber zu spaͤt, erschien Ruͤchel. Er stellte 
sich auf dem Sperlingsberge. Der Herlitzgraben und die 
Frankendorfer-Brücke waren mit drei Bataillonen besetzt. 
Doch er konnte den Siegern, die verfolgend heranstürm- 
ten, nur einen schwachen Damm bilden. Er selbst ward 
verwundet; sein ganzes Corps, da es kaum erschienen 
war, und weder rechts noch links einen Stützpunct ge- 
funden hatte, von der Masse der feindlichen Uebermacht 
gebrochen, zusammengedrückt, aufgeldst. Nur noch die 
zwei sächsischen Brigaden zwischen Iserstedt und Schwab- 
hausen setzten, während aller dieser Ereignisse, den Kampf 
gegen die Überlegne Gewalt des Feindes unerschütterlich 
fort. Als sie aber alles umher gewichen sahen, traten 
sie in musterhafter Ordnung den Rückzug nach Capel- 
lendorf an. Hier, von den Massen der französischen 
Reiterei umzingelt, fochten sie in Vierecken für Ehre 
und Leben, bis sie durchbrochen, niedergehauen, oder 
gefangen waren. In der verzweiflungsvollen Flucht 
blieb den Ueberwundenen kein Trost, als daß das Un- 
glück bel Jena durch den Sieg jenes Heeres folgenlos 
werde gemacht werden, welches inzwischen unter den Au- 
gen des Kdnigs selbst gekämpft habe. 
Das preußische Hauptheer hatte sich von dem bei 
JFena in der Absicht getrennt, um alle Abtheilungen der 
Franzosen vom linken auf das rechte Saale= U#fer zu 
werfen, dann bei Laucha und Freiburg über die Unstrut 
zu gehen, und vereint mit Hohenlohe nachher allge- 
meinen Angriff zu machen. Allein, wie schon gesagt, 
hatte man hier vergessen, nicht nur die Höhen bei
        <pb n="371" />
        Ekartsberga, sondern auch die Kdsner-Engwege zu be- 
setzen, wo die Straße über die Saale nach Naumburg 
geht. Hingegen das Corps des Marschall Davoust, 
welches in Naumburg selbst stand, hatte sowohl den 
Paß von Kdsen, als die davor gelegenen Hohen von Has- 
serhausen sogleich mit einer Division gedeckt. 
Wie sich daher (am Morgen des 14#ten Octobers) 
das preußische Heer nach Kosen bewegen wollte, stand 
es dort ganz unerwartet fest gehalten. Hier blieb kein 
Mittel, als rasch mit gewaltigem Stoß durchzubrechen, 
und den Feind aus der ungemein vortheilhaften Stellung 
hinweg in die Saagle zu stürzen. General Blücher, 
an der Spitze der preußischen Vorhut, warf sich alsbald 
gegen die franzdsische, aus Jäger-Regimentern zu Pferd 
bestehend, und trieb sie mit Ungestüm auf die Haupt- 
macht des Marschall Davoust zurück. Unterdessen hatten 
sich die drei übrigen Abtheilungen des preußtschen Heers 
entwickelt. Rückwärts auf den Auerstädter- Höhen blieb die 
Reserve gestellt. Ein morderisches Gefecht begann. Die 
vortheilhaft aufgepflanzte Artillerie Davoustes richtete 
furchtbare Verwüstungen in den preußischen Massen an. 
Die vornehmsten Offiziere bey diesen, der Generallien= 
tenant Graf Schmettau, bald darauf der greise Held, 
der Herzog von Braunschweig, sanken verwundet. Vier- 
zehn mit Ingrimm nacheinander ausgeführte Angriffe 
der Preußen gegen die französische Stellung scheiterten 
an der Tapferkeit von deren Vertheidigern. Nun be- 
nutzte Marschall Davoust den günstigen Augenblick, 
seinen linken Flügel an den Kösner-Paß zu. lehnen, um 
ihn vor jeder moglichen Erschütterung zu schüten, und 
zugleich den rechten Flügel seines Feindes zurückzudrül- 
cken. Dieser schwankte endlich und wich. Seine rückt
        <pb n="372" />
        — 62 — 
gaͤngige Bewegung war um so entscheidender, weil die 
Reserve auf den Auerstaͤdter-Hohen keine Weisung er- 
hielt, vorwaͤrts zum Beistand zu gehen. Sie war nur 
z000 Schritt entfernt. Darum zog auch der linke Fluͤ- 
gel der Preußen zurück. Der König, unerschrocken, war 
überall, wo es galt. Mehreremale die in Verwirrung 
gerathene Reiterei schwadronenweise gegen den Feind fäh- 
rend, ward ihm ein Pferd unter dem Leibe verwundet, 
worauf er das Pferd des Generals Zastrow bestieg. 
Sein Heldenmuth war fruchtlos, Zerstdrung und Un- 
ordnung zu groß. 
Der König, im Glauben, daß Fürst Hohenlohe 
noch bei Capellendorf, General Rüchel noch bei Wei- 
mar siehe, beschloß schnelle Vereinigung seines geschla- 
genen Heers mit jenen Kräften. Er übergab den Ober- 
befehl an den Feldmarschall Möllendorf, dem General 
Grafen Kalkreuth mit der Reserve die Nachhut, und 
eilte nach Weimar zu. Aber bald kehrte er zu seiner 
Armee wieder zurück, weil er auf der Straße nach Wei- 
mar schön auf feindliche Abtheilungen stieß. In der 
Nacht gieng er mit gezogenem Degen, an der Spitze 
einiger Geschwader Reiterei über den Ettersberg, durch 
zahlreiche feindliche Corps, und kam am folgenden Mor- 
gen nach Sêmmerda. 
Der Rückzug eines großen Theils vom Heer, statt 
gegen Halle oder Dessau, nach Weimar und Erfurt, 
vergrdßerte das Unglück. Denn nun stießen die bei 
Auerstedt Geschlagenen auf die Trümmer des Hohen- 
lohesschen Heeres, und,, vermengt mit ihnen, lösete sich 
zuletzt alles regellos auf. 
Der Verlust der Preußen auf beiden Schlachtpunc-
        <pb n="373" />
        — 45 —— 
ten dieses Tages war außerordentlich gewesen. Man- 
ches Regiment zählte 16 getddtete ÖOfflziere; eilf Gene- 
rale waren todt oder schwer verwundet, eben so 20,000 
Gemeine, eben so viele, oder noch einmahl so viele, 
geriethen mit 50 bis 300 Kanonen (denn so abweichend 
sind die verschiedenen Angaben) in feindliche Gewalt. #) 
Die Sieger hingegen berechneten ihren Verlust auf 1,100 
Todte, worunter zwei Generale, und 5,000 Verwundete. 
Verderbenschwerer, als der Schlachttag, ward der 
geschlagnen Armee die darauf folgende Nacht, Nur we- 
nig verfolgt, schob sich das Ganze über Sömmerda und 
Erfurt gegen Sondershausen in wilder Unordnung. Alle 
Bande des Gehorsams waren zerrissen. Das sich unauf- 
hdrlich durchkreutzende Fuhrwerk und Heergepäck verram- 
melte Wege und Brücken. In Erfurt blieb Marschall 
Möllendorf mit andern angesehenen, verwundeten 
oder kranken Führern, nebst 6— 3,000 Preußen zurück. 
Bald aber ergäb sich die Stadt mit ihrer Citadelle, dem 
Petersberg, sobald der Großherzog von Berg sie um- 
zingelte, durch Capitulation (in der Nacht vom 15ten 
zum 16ten October). 
  
5P—) Die beiden Brüder des Königs, die Prinzen Heinrich 
und Wilhelm waren leicht verwundet. Ersterer durch 
den Sturz seines verwundeten Rosses beschädigt, konnte 
noch durch das Pferd des Obersten Scharnhorst geret- 
tet werden. Prinz August Ferdinand ward, an der 
Spitze seines Grenadier-Bateillons mit gusgezeichneter 
Tapferkeit fechtend, verwundet.
        <pb n="374" />
        — — 
4. 
Vernichtung der preußischen Heeresmacht. 
Fall der preußischen Festungen bis im 
December 1806. 
Wir enthalten uns aller Bemerkungen über die Ur- 
sachen, welche das gränzenlose Unglück des preußischen 
Reichs herbeigefährt haben. Die Thatsachen sprechen. 
Friedrich Wilhelm's ganze Streitkraft war zer- 
schmettert. Die Trümmer derselben flogen planlos um- 
her. Napoleonu's Marschälle zogen nach allen Rich- 
tungen aus, auch diese Trümmer noch zu ereilen und 
zu vernichten. 
Die Stellung des Kdnigs von Preußen nach dem 
Tage bei Jena und Auerstädt war ungleich verzweiflungs- 
voller, als die des Kaisers von Oesterreich einst nach 
der Schlacht bei Austerlitz. Aber seinen Muth verlor er 
nicht Noch zählte er auf die Treue der unberührten 
und unverlornen Provinzen; noch auf die Standhaftigkeit 
seiner zerstreuten und starken Vestungen, welche den Feind 
aufhalten, und dessen Kräfte zersplittern würden; im 
Hintergrund sah er Rußlands ganze Macht zu seinem 
Beistand. Zwar einen Wasffenstillstand schlug er (15ten 
October) seinem Ueberwinder vor, aber des festen Ent- 
schlusses, keinen entehrenden Frieden einzugehen. Er 
wollte die Ueberbleibsel seines Kriegsvolks bei Magde- 
burg sammeln, dort die Reserve-Armee unter Herzog 
Eugen von Würtemberg an sich ziehen, jene weitläuf- 
tige Vestung stark besetzen, dann Berlin und Potsdam 
gegen den Anlauf des Feindes decken, oder im schlimm- 
sien Fall sich hinter die Oder begeben, und mit den 
östpreußischen Schaaren vereinigen, welche schon gegen
        <pb n="375" />
        die Weichsel vokrückten. Der Fuͤrst von Hohenlohe 
sollte den Befehl uͤber die bei Jena und Auerstaͤdt ge- 
schlagene Heertheile, mit Ausnahme der zwei vom Ge- 
neral Kalkreuth gefuͤhrten Divisionen, uͤbernehmen. 
Allein die Franzosen liessen den Besiegten keine Zeit, 
ihre Entwürfe zu vollbringen. Marschall Soult, wel- 
cher bei Kreussen (15ten October) auf General Kalk- 
reuth stieß, griff diesen, der um zu entrinnen verge- 
bens einen abgeschlossnen Waffenstillstand vorgab, mist 
Nachdruck an, und schlug ihn und verfolgte ihn bis ge- 
gen Magdeburg, wo die Geschlagenen, unterhalb der 
Stadt, auf Fähren über die Elbe setzten. — Marschall 
Bernadotte erreichte den Herzog von Würtemberg bei 
Halle, der vom Unglück bei Jena noch nichts vernom- 
men hatte, und trieb ihn von der Saale hiuweg, fech- 
tend durch die Stadt (17##en October), dann über die 
Mulde und bei Dessau über die Elbe nach Magdeburg. 
Es geschah in diesem Kampfe, daß zwei preußische Fah-- 
nenträger vom Regiment Treskow sich heldenmüthig 
mit ihren Fahnen in die Fluthen der Saale stürzten, und 
ehrenhaften Untergang dem Loose der Gefangenschaft 
vorzogen. Eben so geschah auf diesen verworrenen Rück- 
zug der Preußen, daß der Lieutenant Hellwig vom 
Husaren-Regiment Pletz in der Gegend von Eisenach 
auf die ehmalige Besatzung von Erfurt stieß, die von 
den Franzosen gefangen nach Frankreich geführt wurde. 
Durch eine kühne That machte er sie frei. 
Napoleon aber sah nun offne Bahn nach Berlin. 
Die Elbe wurde auf verschiedenen Puncten von seinen 
Heeren ohne Widerstand überschritten. Die Marschälle 
Lannes und Davoust rückten (#2#ten und 25ten Oc-
        <pb n="376" />
        — 36 — 
tober) in Potsdam und Berlin wirklich ein, und konnten 
sich rühmen, daß sie, nur im Vorbeiziehen, die Festung 
Spandau mit 1,200 Mann Besatzung, und reichen Vor- 
räthen an Lebensmitteln und Kriegsbedürfnissen erobert 
hatten, ohne einen Schuß zu thun. Die bloße Beren- 
nung und Aufforderung des Mlatzes durch eine Drago- 
ner-Division war zur Bewirkung der schleunigsten Ueber- 
gabe genugsam gewesen. 
Sobald einmahl die französischen Adler am rechten 
Elbeufer erschienen waren, mußte, wegen ihrer Ueber- 
macht, und weil dliese sich nach allen Richtungen in den 
kürzesten Linien bewegen konuten, die Lage der verein- 
zelten preußischen Schaaren immer gefährlicher werden. 
Denn sie, im Gefühl ihrer Schwäche waren gezwungen, 
dem Feinde auszuweichen, weite Umwege zu wählen, 
entweder um ihre gegenseitige Verbindung, oder einen 
Ruhepunct jenseits der Oder zu sinden. 
Fürst Hohenlohe hatte (schon am 20sten Octo- 
ber) 28 schwache Bataillone Fußvolks, 130 Escadronen 
Reiterei, eine reitende und drei Zwölfpfünder-Batterien 
bei Magdeburg versammelt. Aber zu ihrer Aufnahme 
oder Wiedereinrichtung hatte der Gouverneur von Mag- 
deburg, General von Kleist, wie dringend er auch da- 
zu aufgefordert war, nichts vorbereitet. Der Fürst, 
nachdem er noch die Besatzung der Stadt verstärkr, zog 
über Burg und Genthin in der Richtung nach Stettin; 
den General Schimmelpfenning schickte er aber mit 
einer bedeutenden Abtheilung Kriegesvolks rechts über 
Rathenow, Fehrbellin, Zehdenik, um bei Schwedt oder 
im schlimmsten Fall bei Stettin über die Oder zu gehen. 
Seine Aufgabe war, Nachrichten über den Feind einzu-
        <pb n="377" />
        ziehen, und alle Bruͤcken zu zerstͤren, die den Gang 
der Franzosen beguͤnstigen koͤnnten. Der Fuͤrst selbst hoffte 
sich mit dem Heerhaufen des Generals Blücher an der 
Oder zu vereinigen. 
Dem tapfern und klugen Blücher war es wirklich 
gelungen, sich mitten durch die franzdsische Dragoner= 
Division Klein mit dem Vorgeben, es bestehe Waf- 
senstillstand, einen Weg zu bahnen, und im angestreng- 
ten Zuge Altruppin in derselben Zeit zu erreschen, als 
Schimmelpfenning bei Jehdenik und Hohenlohe 
bei Schdnermark ohnweit Gransee ankam (26ten Octo- 
ber). So war der Augenblick der Vereinigung nahe. 
Allein in derselben Zeit stieß auch der Großherzog 
don Berg und der Heerhaufen des Marschall Lannes 
bei Zehdenik auf einen Theil von Schimmelpfen- 
ning's Volk. Die Generale Beaumont und Grouchy 
mit zwei Dragoner-Divisionen, auch General Lavalle 
mit einer leichten Brigade griffen auf der Stelle an. 
Zwei Stunden lang mit ausgezeichneter Tapferkeit ver- 
theidigten sich die beiden preußischen Regimenter Schim- 
melpfenning = Husaren und Königin = Dragoner, dann 
zogen sie erst, der Uebermacht weichend, Säbel in der 
Faust über die Storkower-Brücke, und mit Verlust von 
300 Pferden erreichten sie Stettin, (28ten October) 
späterhin die Armee ihres Königs. 
Der Großherzog von Berg schickte nun den Gene- 
ral Lasalle gegen Prenzlau, er selbst bewegte sich ge- 
gen Boitzenburg, voran ihm General Milhaud. Die- 
ser traf bei Wichmannsdorf auf ein preußisches Gens- 
darmes-Regimem, welches den General Bila verstärken 
sollte, der, nach Schimmelpfennig's Rückzug nach
        <pb n="378" />
        Stettin, Hohenlohe's rechte Seite auf der Straße 
von Templin gegen Prenzlau zu decken hatte. Die Gens- 
darmen wurden ereilt, angegriffen, umzingelt und groß- 
tentheils gefangen. (27. October.) 
Fürst Hohenlohe, der, die Vereinigung mit 
Blücher zu sichern, auch in den Engwegen von Ly- 
chen ein Bataillon und eine Reiter-Brigade zurückge- 
lassen hatte, war eben auf den Hardenbecker= Höhen vor 
dem Ort Boitzenburg, nur zwei kleine Meilen von Prenz- 
lau angekommen, und wollte dort die für sein ausge- 
hungertes, müdes Kriegsvolk gesammelten Lebensmittel 
vertheilen lassen, als er vernahm, eine schwache Ab- 
theilung feindlicher Reiterei von Milhand's Vortrab 
stehe im Dorfe Boitzenburg. Statt nun diese, die seine 
grade Rückzugslinie unterbrechen wollten, ohne anders 
zu verjagen, ließ er sie durch einen leichten Scheinan= 
griff beschäftigen, und bewegte sich lieber auf großen 
Umwegen nach Prenzlau in der Nacht. Er hielt dieß 
für besser, weil er nur 30 Mann Reiterei bei sich hatte, 
und seine drei Cavalerie-Regimenter, die über Wit- 
stock, Altstrelitz und Hasselförde nachkommen sollten, 
trotz der ihnen ertheilten Befehle, immer noch nicht er- 
schienen waren. 
Allein er gewann damit nur früheres Verderben. 
Denn so wie er, auf Umwegen, ließ der Großherzog 
von Berg die leichte Reiterei unter General Lasalle 
des Nachts auf dem kürzesten Wege von Boitzenburg nach 
Prenzlau rücken. Er selbst folgte mit den Dragoner- 
Divisionen Grouchy und Beaumont zu ihrer Unter- 
Kützung. Daher, als der Fürst Hohenlohe, zu den 
die erwarteten drei Reiter-Regimenter nun gekommen wa- 
ren,
        <pb n="379" />
        — 40 — 
ren mit dem größten Theil seines Heerhaufens am fol- 
genden Morgen durch Prenzlau zog, sah man rings um 
in den Gegenden von St. Georg und Grünow die Hö- 
hen schon vom Feinde besetzt. Eine franzdösische Bat- 
terie donnerte furchtbar gegen die Vorstädte von Prenz- 
lau. Man erwiederte zwar das Feuer sehr lebhaft, hin- 
derte aber damit doch nicht, daß ein zurückgebliebenes 
Dragoner-Regiment so sehr in Unordnung durch das 
franzdsische Geschütz gerieth, daß es, nebst einem In- 
fanterie-Regiment und einer reitenden Batterie, vom 
Hauptcorps abgeschnitten und gefangen ward. Dasselbe 
Schicksal erlitt auch das Grenadier-Batatllon Prinz Au- 
gust. Es war ebenfalls vom Hauptcorps durch gletche 
Ursache getrennt geblieben, bildete Viereck, und in der 
Mitte desselben seinen Befehlshaber Prinz August Fer- 
dinand von Preußen, wehrte es sich verzweifelt, bis 
es vom Feind umringt und endlich durchbrochen theils 
niedergehauen, theils nebst seinem verwundeten Anfäh- 
rer gefangen genommen wurde. 
Während dessen war Fürst Hohenlohe mit dem 
übrigen Theil seiner Heerschaar vor Prenzlau hinausge- 
rückt. Aber neue Mißgriffe beschleunigten auch hier sei- 
nen Untergang. Statt auf der Straße nach Stettin, 
wohin sein Rückzug gehen sollte, stellte er sich auf der 
Straße nach Pasewalk, während man, obschon er es 
befohlen hatte, weder die Stadt Prenzlau, oder wenig- 
stens das Berliner= und Anklamer-Thor behauptete, 
noch die Seehäuser-Brücke abbrach oder vertheidigte. 
Dadurch gab er dem Feinde Mittel, ihn von allen Sei- 
ten ohne Mühe zu umfassen. Und als das ermüdete 
Kriegsvolk die letzte Kraft zusammen raffte, sich zur 
Wehr zu stellen, ward gemeldet, es fehle an allen 
II. ates Buch. 4
        <pb n="380" />
        — 50 — 
Schleßbedarf für das schwere Geschütz. Dieß alles ent- 
schied nun, daß der Fürst sogleich mit dem Prinz Mu- 
rat wegen der Uebergabe von seinen 15 bis 16 Batail- 
lonen Fußvolks, 10 Geschwadern Reiterei, 5 Batterien, 
in allem von 5,875 Mann zu Fuß, 050 Mann zu Pferd 
und 56 Kanonen in Unterhandlung trat, obgleich nur 
franzdsische Reiterei ihm gegenüber stand, und das Ar- 
meecorps des Marschall Lannes sich noch in bedeuten- 
der Enrfernung befand. 
Nachdem die Preußen hier das Gewehr gestreckt 
hatten, flog der Großherzog von Berg mit seiner Rei- 
terei gegen Stettin und Pasewalk (20ten October). 
Stettin einer der stärksten Waffenplätze an der Oder, 
ward noch an demselben Tag vom Generallieutenant 
Romberg an den franzdsischen General Lasalle über- 
geben, sobald dieser nur mit leichten Reiter-Abtheilun- 
gen die Vestung berannt hatte. Und links, bei Pase- 
walk, wohin Murat den General Milhand ausschick- 
te, ergab sich ein preußischer Heerhaufen von fünf In- 
fanterie= und sechs Kavallerie = Regimentern, den der 
Fürst Hohenlohe von Magdeburg über Havelberg und 
Wittstock durch das Mecklenburgische nach Pasewalk be- 
schieden hatte. 
Nun war noch General Blücher mit seinem Corps 
übrig, demselben, welches vorher Herzeg Eugen von 
Würtemberg befehligt hatte. Weil die Franzosen schon 
vor ihm Zehdenik erreicht und Gransee besetzt hatten, 
konnte er nicht mehr von Altruppin aus über diese Puncte 
seine Vereinigung mit Hohenlohe bei Prenzlau be- 
wirken. Also wandte er sich in zwei Abtheilungen (den 
27ten October) nach Fürstenberg und Lpychen, und, wie-
        <pb n="381" />
        der vereint, gegen Boitzenburg. Der Feind folgte ihm 
auf den Fersen; ward aber in sieghaften Gefechten bei 
Menz und Lychen durch Blücher's Nachhut mit Ver- 
lust zurückgeworfen. Blücher und seine 10,500 Mann 
starke Heerschaar war nun durch die Hohenlohe'sche 
Capitulation bei Prenzlau in schwerer Verlegenheit. Die 
Oder mußte gemieden werden. Blücher beschloß nach 
Strelitz zu gehen, dort den Heerhaufen an sich zu zie- 
hen, welchen von Wittstock her der General Winning, 
nach Abgang des Herzogs von Weimar, führte, (der 
sich in sein Land zurück begeben hatte), und dann ent- 
weder sich dem festen Magdeburg zu nähern, oder über 
die Elbe zu gehen, in den Rücken des Feindes. Die 
Vereinigung mit General Winning geschah wirklich 
(50ten October) bei Dambeck. 
Allein schon war Magdeburg durch den Marschall 
Ney eingeschlossen, und der Großherzog von Berg such- 
te, durch eine Bewegung gegen Rostock, Blüchern 
vom Meer abzuschneiden. Von Neubrandenburg her, 
rückte Marschall Bernadotte heran, und gerieth gegen 
Blücher's Nachhut schon bei Wahren in hartnäckiges 
Gefecht. Von einer dritten Seite kam Marschall Soult, 
und zwar von Plauen im Mecklenburgischen her; alles 
zu derselben Zeir, als der preußische Oberst Ingers- 
leben eine der stärksten Vestungen, die mitten in Mo- 
rästen gelegen, von 00 Kanonen und 3— 3000 Mann 
beschützt, auch mit beträchtlichen Vorräthen versehen 
war, Küstrin nämlich, an 250 französische Reiter über- 
gab, (#ten November) die nur gekommen wagren, den 
Platz zu recognobciren. Auch Blücher ward nun wie- 
derholt vom Feinde aufgefordert, sein Corps zu überge- 
ben. Er aber gieng von Altschwerin nach Lauenburg, 
4#
        <pb n="382" />
        — 52 — 
achtete es wenig, daß seine Nachhut beim Dorfe Kri- 
witz durch Bernadotte's Vortrab, nach heldenmüthi- 
gem Widerstand, geschlagen ward, und nahm seine 
Richtung gegen Lübeck. Jeder Ausweg war ihm ver- 
sperrt gegen die Oder. Da stand ihm Bernadotte 
gegen über, links Murat, rechts Soult. Eine 
Schlacht durft’ er nur in letzter Verzweiflung mit seinen 
abgematteten Kriegern wagen. So schien ihm das räth- 
lichste, durch seinen Rückzug wenigstens einen guten Theil 
des franzdsischen Heers von der Oder zu entfernen. Er 
erreichte Lübek, (5ten November) besetzte die Stadt 
und die Trave, von der dänischen Gränze bis Trave- 
münde. 
Ihm folgten allseitig die feindlichen Heerhaufen. 
Marschall Bernadotte, nachdem er noch eine Schaar 
Schweden, die aus sieben Compagnien, zwei Escadro- 
nen und sechs Kanonen bestand, und das Lauenburgi- 
sche besetzt hielt, bei Schluekup an der Trave kriegs- 
gefangen gemacht hatte (Oten November), erschien vor 
Lübek, gleichzeitig mit ihm Marschall Soult und die 
Reiterei des Großherzogs von Berg. Bernadotte 
griff ohne Zaudern das Burgthor der Stadt an, von 
welchem, wider Blücher's Befehl, sechzehn dort auf- 
gepflanzte Kanonen, die dem Feinde am verderblichsten 
seyn mußten, gleich anfangs zurückgezogen wurden. Dieß 
erleichterte dem stürmenden Feinde das Spiel. Aber 
Blücher selbst, warf sich nun an die Spitze seiner Ta- 
pfern. Es folgte heisser, blutiger, mehrstündiger Kampf 
in den Straßen und auf den Wällen. Aber nicht Blü- 
cher's, nicht des Obersten Jork, nicht des Herzogs 
von Braunschweig-Oels Anstrengungen konnten retten. 
Von drei Seiten drangen die Franzosen in die Stadt,
        <pb n="383" />
        — 53 — 
die sich mit Todten fuͤllte. Die Franzosen mußten auf 
die Daͤcher der Haͤuser steigen, um die Preußen von den 
Wällen zu vertreiben. Blüchern, nachdem sein ermuͤ- 
detes Heer auf 0000 Mann zusammengeschmolzen, alles 
Schießbedarfs beraubt war, blieb nur noch Rückzug nach 
Rattkau übrig. Hier sollt’ er folgendes Tages, da er 
ohne Lebensmittel, ohne Munition war, von drei ver- 
schiedenen Seiten zugleich eben angegriffen werden, als 
er sich, vergebliches Blutvergiessen zu enden, entschloß, 
die abermahls angetragene Capitulation anzunehmen. 
So übergab er seine 3.750 Mann Fußvolks und 5,660 
Mann Reiterei der Kriegsgefangenschaft, nachdem sie 
vom achtzigstündigen Marsch, von heftigen Gefechten 
und beim Mangel aller Erquickung auf's äußerste erschdpft 
waren. Auch die preußischen Generäle Pellet und 
Usedom, die sich mit 1# Escadronen von ihm getrennt 
gehabt hatten, traf einige Tage nachher bei Reinsdorf 
das gleiche Schicksal. 
So war denn eins der schbnsten deutschen Heere 
fast gänzlich, durch fehlerhafte, kriegs = und staatsmän- 
nische Berechnungen, und durch die verbrecherische Feig- 
heit einzelner Befehlshaber in VPestungen, vernichtet. 
Denn selbst das starke Magdeburg, dieser große, mit 
unermeßlichen Vorräthen versehene Waffenplatz, fiel in 
die Hände des Marschall Ney (zten November), der 
mit seinen 3 oder 10,000 Mann kaum zur Hälfte so 
stark, als die Besatzung war. Eben so übergaben die 
preußischen Generäle Schdler und Lecog zwdlf Tage 
später die Vestung Hameln mit einer beinahe 7,000 Mann 
starken Besatzung, nachdem sie der franzbsische Feldherr 
Savaryp kaum nur eingeschlossen hatte, und bald dar- 
auf lieferte auch der preußische General Strachwitz
        <pb n="384" />
        — 54 — 
die Vestung Nienburg den Franzosen aus (25ten Novem- 
ber) ohne die 3,000 Mann starke Besatzung zur Verthei- 
digung versucht zu haben. Und an demselben Tage, 
da Nienburg fiel, gieng auch die Veste Plassenburg an 
die belagernden Baiern über. 
Hier hatte der Oberst Graf Beckers, welcher mit 
dem öten Linien-Infanterie-Regiment Herzog Wilhelm 
binnen sieben Tagen vom Inn nach Culmbach geeilt war, 
und das bisherige, nach Dresden und Schlesien bestimmte 
Blokade = Corps abgeldst hatte, sogleich die wirkliche 
Belagerung begonnen. Auf dem Rehberge, der, 300 
Schritte von der Vestung, diese beherrschte, hatten Ma- 
jor Lamey und Artillerie-Hauptmann Pusch a öbald 
drei Wurfbatterien, und eine ähnliche, nur in Enffer- 
nung von 300 Schritten, auf dem Buchberg errichtet. 
An demselben Tage, da dieß alles vollendet war, und 
dreizehn Feuerschlünde mit Schießbedarf aus Baiern an- 
kamen, übergab der preußische General Uttenhofen die 
Westung, nebst 620 Mann Besatzung, 68 Kanonen und 
bedeutenden Vorräthen an den baierischen Befehlshaber. ) 
Gern hätte Kdnig Marimilian Joseph diesen aus 
einer einzigen Steinmasse gebildeten wohlcçasemattirten 
Nlatz dem Bnierlande erhalten. Aber anders gebot Na- 
poleon. Also veranstaltete Major Lamepy die Zer- 
störung der Veste. Am 11llen Februar war das Werk 
abgethan; das öte Linien-Infanterie-Regiment aber 
schon zuvor (20ten Dezember) nach Berlin, und (ZTiten 
Jänner 1807) von da nach Breslau aufgebrochen, um 
*) Siehe Armee-Befehl vom 2ten December 1306. Söstes 
Bülletin der großen Armee. Posen den 5ten December 
1806.
        <pb n="385" />
        55 — 
sich in Schlesien mit den Übrigen Bajern zu vereinigen. 
Gleiche Bestimmung empfieng auch schon (30ten Novem- 
ber) das in Ansbach neuerrichtete ###te Linien-Infan- 
terie-Regiment baierischen Fußvolks, so wie das zu 
Nürnberg gebildete öte leichte Bataillon. 
Denn dahin und über die Oder hinweg, gegen 
Pommern, Preußen und Polen gieng die allgemeine 
Heerbewegung der Franzosen und rheinischen Bundes- 
truppen, nachdem die letzten Trümmer der preußischen 
Kriegsmacht westwärts der Oder vernichtet, und die preus- 
sischen Gebiete in Westphalen durch den König von Hol- 
land mit der Nordarmee, und die Staaten von Kurhes= 
sen durch Marschall Mortier besetzt worden waren. 
Napoleon (seit 27ten October 1806) in Berlin, 
dem der Tag bei Jena, und die Feigheit der preußi- 
schen Festungsbefehliger das halbe Reich seines Feindes 
übergeben hatten; der, als er über das für Frankreich 
weiland schmachvolle Schlachtfeld von Rosbach geeilt 
war, daselbst die preußische Ehrensäule umstürzen ließ, 
dachte nicht mehr an Frieden. Im Besitz der leichtge- 
wonnenen ungeheuren Vortheile erwiederte er die wieder- 
holten Friedensanträge Kdnig Friedrich Wilhelms 
mit Forderungen, welche ihm mehr zusichern sollten, als 
noch das Schwert gethan hatte. 
Nach Osten wandte er nun den Blick, und auf das 
ehmahlige Königreich der Polen, welches sich unter Na- 
poleon's Aegide wieder aus der volberrechtswidrigen 
Zerstückelung neu zu bilden hoffte. Kosciuszko's 
Aufruf aus Paris an seine unterjochten Landsleute warf 
Gährung in die ganze Nation der Sarmaten. Die Feld= 
herrn Dombrovsky und Wybicky, an der Spitze
        <pb n="386" />
        — 36 — 
polnischer Legionen, verkündeten die Befreiung. Mar- 
schall Lannes rückte gegen Thorn, Marschall Davoust 
über Posen nach Warschau. 
  
5. 
Einruͤcken in Polen und Schlesien. Beren— 
nung und Einnahme von Glogau. 
Zur Unterstuͤtzung dieses Entwurfs hatte auch das 
baierische Armee-Corps unter Jerome Napoleon Be- 
fehl, auf welches wir jetzt zuruͤckblicken muͤssen. 
Noch am 18ten October 1806 stand die 2te Diol- 
sion Baiern unter einsweiliger Anführung des Generals 
Mezanelli bei Plauen, wo gänzlicher Mangel an Le- 
bensmitteln in der von so vielen Kriegsvdlkern schon 
durchgezogenen Gegend zwang, einzelne Aussendungen 
zu machen, und die nbthigen Bedürfnisse aufzutreiben. 
Dort geschah es, daß verzweiflungsvoll die sächsischen 
Landleute in den Dörfern Kindersdorf, Seiklendorf und 
Schilbach bewaffnet aufstanden, den Oberlieutenant Zin- 
tel vom dritten Regiment, mit seinen 24 Mann über- 
fielen, ihn selbst mit andern verwundeten, und andere 
tddteten. Die Rache folgte, schwerer, als sie bestimmt 
war. Das Anzünden vom Hause des entflohenen, schul- 
digen Schulzen von Kindersdorf zog die Einäscherung 
des ganzen Dorfes nach sich. Mezanelli rückte darauf 
mit seiner Division nach Dresden (22ten October). Die- 
selbe Richtung nahm auch die erste Diovision unter Ge- 
nerallieutenant Deropy von Ingolstadt (10ten October) 
über Baireuth. Ihr folgte in Entfernung eines Tag-
        <pb n="387" />
        marsches, von Bietigheim her, das würtembergische 
Contingent. *) 
Von Dresden gieng der Zug der zweiten baierischen 
Division (35##ten October) über Cotbus und Guben nach 
Crossen ('ten November), wo bedeutende Getreid= und 
Salz-Vorräthe auf der Oder erbeutet wurden. Fe- 
rome ließ noch denselben Tag, da man in Crossen ein- 
rückte, drei Regimenter baierischer Reiterei, die Che- 
vaurlegers König und Leiningen, und Taris Dragoner 
bis Glogau rücken, unter Befehl des franzdsischen Ge- 
nerals Lefebre. In Linle sprengten sie bis gegen das 
Pfahlwerk der Vestung an, schossen ihre Pistolen nach 
dem bedeckten Wege ab, und hielten, troz des heftigsten 
feindlichen Artillerie -Feuers, die Vestung umfangen, 
und beschossen die Stadt aus der leichten Batterie Cas- 
pers, “)die sie mit sich geführt hatten, bis die Division 
Der o y's nachrückte. 
Dieser war von Dresden ohne Verzug (Zten No- 
vember) uͤber Gruͤneberg, Neustadt und Prostau in Schle- 
sten eingedrungen gegen Glogan, und hatte den General 
Raglowich mit einem Theil der Diovision“#) am lin- 
  
*) Aus fünf Infanterie-Regimentern, zwei Jäger= und zwei 
leichten Bataillons, so wie aus drei Cavalerie-Regimen 
tern bestehend. 
* ) Diese aus einer 6 Pfünder Kanone und 2 Haubitzen beste- 
hende Batterie empfieng bei dieser Gelegenheit standhaft 
das heftigste Feuer aus dem Geschütze der Festung und 
hatte einige verwundete Soldaten. 
*?8) Mit einer Fußjäger-Compagnie, zweien Compagnien des 
Bataillons Taris, dem 2ten Bataillon des 1sten Infanterle= 
Leib-Regiments, dem sjoten Regimente Junker und einer 
halben Batterie.
        <pb n="388" />
        — 58 — 
ken, den General Siebein met dem andern Theil .*) 
am rechten Ufer der Oder, diese Stadt umschliessen las- 
sen. (10ten November). Bald verstärkte ihn noch das 
Kriegsvolk des Kdnigs von Wurtemberg, befehligt vom 
Generallieutenant Secke ndorf. Prinz Jerome schlug 
sein Hauptgelager in deim kleinen, nahe der Vestung 
gelegnen Schlosse Zieberm auf. 
Zum erstenmahle schien hier ein preußischer Befehls- 
haber mit Vertheidigung der ihm anuvertrauten Veste 
Ernst machen zu wollen. Er wies jede Aufforderung ab; 
er glaubte sich an der Spitze von 2,400 Tapfern, und 
mit 200 Kanonen auf den Wällen, stark genug, Glo- 
gau so lang zu behaupten, bis sein König, dem noch 
ein kleines aber entschlossenes Heer von 25,000 Mann 
übrig geblieben war, oder bis die russische Macht, welche 
unter Benningsen 30,000 Mann stark, Preußlsch- 
Polen durchschreiten sollte, Schlesien retten würde. 
Aber noch war Benningsen zu entfernt, der 
Kdnig allzu entkräftet, obschon nicht muthlos. Gleich 
wie Napoleon im gebieterischen Glücksstolz den zu 
Charlottenburg unterhandelten und (löten November) 
abgeschlossnen Waffenstillstand mit der Erklärung vernich= 
tete, er werde die von ihm eroberten Lande nicht eher 
räumen, bis auch England und Rußland Frieden ges 
schlossen, die spanischen, franzdsischen und holländischen 
Colonien zurückgestellt, und die Unabhängigkeit der von 
drei rußischen Heeren bedrohten Pforte gewährleistet hät- 
ten: eben so verwarf auch Kdnig Friedrich Wilhelm 
*) Mit einer Fußjäger-Compagnie, zweien Compagnien des 
leichten Bataillons Taris, dem iusten Bataillon des Leib- 
Regimentes, dem #ten und öten dinien-Infanterie-Regi- 
mente, einer und einer halben Fuß- Batterie, dann einer 
kahrenden Barte rie.
        <pb n="389" />
        — 59 — 
zu Osterode mit ungebeugten Sinn dlesen Waffenstill- 
stand, der die Franzosen in Besitz eines großen Theils 
der preußischen Staaten setzte. Er vertraute auf den 
Muth seines Volks, bildete in Eil zu seinem kleinen 
Heer noch eine Reserve von zwanzig neuen Bataillonen, 
und erwartete die Ankunft des großen rußischen Heers. 
Rußland, schon mit Persern und Türken in Krieg 
verflochten, aber überzeugt, daß von Westen her seinen 
Gränzen sich die größte der Gefahren entgegenwälze, 
hatte wirklich Alles aufgeboten, ihr mächtig zu begeg- 
nen. Es schuf eine Landwehr von 612,000 Mann zur 
Sicherung der Gränzen, ließ das nach Südpreußen bes 
stimmte Hülfsheer (ten November) bei Georgenburg, 
Olitta, Grodno und Jalow## über den Niemen gehen, 
und das rechte Weichselufer unterhalb Warschau bis 
Mlozk besetzen. Bei Plozk stand mit der Vorhut Ges 
neral Barclai de Tolliz; an ihn schloß sich die kleine 
preußische Heermacht unter General L'Estocg, deren 
Masse zwischen Salfeld und Soldau, deren WVorposten- 
Kette längs der Weichsel von Plozk bis Danzig gedehnt 
stand. Benningsen, welcher den Oberbefehl über 
Rußen und Preußen führte, schob von Warschau aus 
(roten Nevember) noch eine Abtheilung Reiterei bis zu 
den Ufern der Bzura vor. In dieser Stellung wollt’ er 
den Feind erwarten. Sie schien ihm gleich vortheilhaft 
zur Vertheidigung wie zur Aufnahme nachrückender Ver- 
stärkungen und der Heerbedürfnisse während der winter- 
lichen Jahrszeit. Schon hatte der rußische Kaiser die 
Aufstellung einer zweiten Armee unter General Grafen 
Burthoevden, einer Reserve unter General Essen 
angeordnet, und dem Feldmarschall Grafen Kamensky 
den Oberbefehl des Ganzen übertragen.
        <pb n="390" />
        — 00 — 
NRapoleou's Scharfblick erkannte wohl, daß der 
Krieg erst jetzt mit furchtbarem Ernst beginnen, und die 
Frucht seiner bisherigen Siege von neuem zweifelhaft 
gemacht werden solle. Auch er bot, was seinem zZepter 
gehorchte, zu neuen Anstrengungen auf. Während er, 
von Berlin aus durch seinen berühmten Beschluß so, 
weit er herrschte, die Britten, ihren Handel, ihre Waa- 
ren, selbst ihre Reisende vom Festlande verbannte, machte 
er sein Heer vollzählig, seine Reiterei mit preußischen 
Pferden beritten, in Frankreich eine neue Aushebung 
von 80 000 Streitern, und die gesammte waffenfähige 
Mannschaft daselbst, unter dem Namen Nationalgarde, 
zur Landwehr. Die Polen bewaffnete er aus preußischen 
Zeughäusern; denn schon hatten sie, wenige Wochen 
nach begonnenen Aufstand, vier vollzählige Regimenter 
errichtet, die Vestungen Czenstochow und Lenczyz, die 
Städte Kalisch, Sieradz, Kempen und Wildowa ge- 
nommen, die preußischen Besatzungen vertrieben. Auch 
eine hessische Legion, ein franzöôsisch= preußisches und 
westphälisches Regiment befahl Napoleon aus brod- 
losen Offizieren und Soldaten der eroberten Lande zu 
bilden, von denen er ausserdem noch eine Kriegssteuer 
von 150 Millionen Franken erhob. Doch leichter ward 
es ihm, das Geld zu erhalten, als die Menschen. Nur 
wenige Deutsche folgten dem entehrenden Rufe, den 
Fahnen des Ueberwinders wider ihre unglücklichen Für- 
sten zu folgen. Auch das Kurfürstenthum Sachsen 
und die übrigen sächsischen Fürstenthümer wurden mit 
Contributionen und Regquisitionen heimgesucht, ungeach- 
tet des ihnen verheissenen Schutzes, und dann erst in 
den Rheinbund, als Genossen desselben, ausgenommen, 
nicht ohne lästige Bedingungen. Denn das Kurfärsten-
        <pb n="391" />
        thum, nun mit dem Titel des Koͤnigreichs geziert, ward 
verpflichtet, sogleich zum damahligen Kriege einen Bei- 
trag von 3,200 Mann Fußvolks, 1,500 Reitern, 3500 
Stückschützen und 12 Kanonen, in känftigen Kriegen 
des Rheinbundes aber 20.000 Mann zu stellen. Neben 
diesem Allen wirkte Napoleon's Staatsklugheit auch 
auf die entferntern Hôfe mächtig ein. Er beschwichtigte 
Oesterreichs Sorge, wegen Galliziens, beim Aufstand 
des übrigen Polens, und bewog die oômannische Pforte 
zur Kriegserklärung gegen Rußland. Nur Schweden 
konnte er der Sache Rußlands nicht entfremden. 
Die rasche Eroberung Schlesiens war ihm wichtig, 
damit der Rücken seiner Heermacht in Polen gesichert 
werde. Darum ward bei Glogau der Anfang gemacht. 
Hier hatte die baierische Brigade Siebein am 
rechten Oderufer eine ausgedehnte Stellung, dem Brü- 
ckenkopf der Vestung entgegen, eingenommen, linbs an 
den Fluß gelehnt. Eine Compagnie Fußjäger hielt die 
Dbrfer Grätz und Zerbow besetzt, und hinter denselben 
eine Batterie, unter dem Oberlieutenant Hofstetten, 
aufgestellt. Diese Stellung unterbrach zwar die Verbin- 
dung zwischen Glogau und Fraustadt, war aber durch 
ihre große Ausdehnung im Fall eines feindlichen Aus- 
falles sehr gefährder. Am 15ten November ward die 
Vestung zum erstenmahle aus sechs Batterien *) lebhaft, 
jedoch ohne Wirkung beschossen, weil das aufgeführte 
Geschütz nur leichtes, und 700 bis 1000 Schritt von 
den Werken entfernt war. '") Als der franzdsische Ge- 
*) Es waren die baierischen 6 Pfünder Batterien Roppelt, 
Göschl, Caspers, Vandouwe, Peters, die 12 
Pnder Batterie Tausch. 
“ Ehrenvoller Erinnerung verdient hier der baierische Haupt- 
mann Stonor des öten Linien= Infanterie-Regiments
        <pb n="392" />
        neral Lefebre, begleitet vom baierischen Major-Gra- 
fen Rechberg darauf in die Vestung gieng, dem Be- 
fehlshaber derselben, Generallientenant Reinhard die 
Aufforderung zur Uebergabe zu erneuern, ward sie abge- 
schlagen. Das bewirkte der preußische Major Pudlitz 
vorzüglich , durch seine nachdrücklichen Erklärungen; auch 
ward er selbst Ueberbringer der Antwort. 
Zwei Tage nachher ward die Beschiessung wieder- 
holt, doch nur aus vier Batterien. Während dem zog 
General Lefebre mit den Regimentern Taxis-Drago- 
ner und Leiningen-Chevaurlegers, der leichten Batterse 
Kaspers und einem würtembergischen Reiterregiment 
aufwärts gegen Breslau. Major Harscher mit zwei 
Escadronen jener Chevaurlegers bildete die Vorhut und 
zugleich, um Nachricht über feindliches Kriegsvolk ein- 
zuziehen, einen Streifzug über Jauer und Striegau bis 
zur Vestung Schweidnitz. Nirgends fand er Spuren 
des Feindes. Zwei Stunden lang schwärmte er kampf- 
lustig vor der Vestung umher, und zog sich dann lang- 
Hreyfing, welcher sich, freiwillig unterstützt durch den Lieu- 
tenant Kaspers eben dieses Regimentes, durch die Ser- 
geanten Seebauer und Streussel, dann die Gemei- 
nen Johann Leibel, Andreas Krammer, Beno Eberl, 
Anton Nessler, Wolfgang Holzner, Stauner, 
Homaier, und Gössel, den Fußjäger Andreas Mo- 
ser, Klinger, Kopp und Krempl, den auf dem 
Glacis der Vestung auf dem linken Oder= Ufer vor der 
neuerrichteten baierischen linken Flügel-Barterie befindli- 
chen feindlichen sehr beträchtlichen Holzstoß näherte, sol- 
chen mit großer Gefahr anzündete, und dadurch den Feind 
eines Hauptmittels beranbte, sich der baierischen Truppen- 
Aufstellung ungesehen nähern und derselben bedeutenden 
Schaden zufügen zu können.
        <pb n="393" />
        sam gegen Kanth. Aber bei Hohen Poseritz kamen ihm 
aus Schweidnitz zwei preußische Escadronen nach. Har- 
scher flog ihnen mit achtzig Baiern entgegen, trieb sie 
zwei Stunden weit, bis Wuͤrben zuruͤck, hieb mehrere 
vom Pferde, und nahm 36 Mann und 39 Pferde gefan- 
gen. Dort aber stand er ploͤtzlich im Angesicht fuͤnf fri- 
scher Escadronen und einigen Fußvolks Preußen, die aus 
Schweidnitz gekommen waren. Der Augenblick war ge- 
fährlich. Seine Rettung aber verdankte er wohl nicht 
minder der Unentschlossenheit der Preußen, als der aus- 
gezeichneten Tapferkeit des Oberlieutenants Gervinus 
und der beiden Lieutenants Hermann und Ferdinand 
Zandt, die mit weniger Mannschaft den Kuckzug der 
übrigen deckten. ) 
Nicht minder keck war der Streifzug dieses kühnen 
Partheigängers bald darauf, als er der Brigade des 
franzbsischen Generals Lefebre, da sie von Glogau ab- 
  
*) Die drei genannten Offiziere wurden sämmtlich verwundek, 
Gervinus schwer am Kopfe, Zandt erhielt fünf Sä- 
belhiebe, aber auch jeder den ausgezeichneten Beifall sei- 
ner Vorgesetzten. Hatten sich bei dieser kleinen aber blu- 
tigen Affaire auch die übrigen Offiziere, unter ihnen vor- 
züglich der Rittmeister Gambs jenes Streifcorps aus- 
gezeichnet, so dürfen auch die großen Verdienste der Cor- 
poräle Kirschbaum und Nessel, des Gefreiten Beil, 
der Gemeinen Oppe nauer, Wimmer, Lammer 
und Gabes nicht unbeachtet bleiben. Unbedeutend war 
der Verlust von sechs Mann und sechs Pferden Vermißten, 
und außer genannten verwundeten Offziers von drei ver- 
wundeten Cavaleristen, im Gegensatz zu den errungenen 
Vortheilen und denen der Vestung entzogenen 30 Schlacht- 
Ochsen. (Siehe Armeebefehl vom 18ten Jänner 1807. 1. 4.)
        <pb n="394" />
        — 6 — 
rückte, vorausschwärmen mußte, um ihr den Weg nach 
Brieg von Feinden zu lichten. Harscher durchmusterte 
die Umgebungen Breslau's, zog am hellen Tag, von 
Grosburg und Wansen her, vor der Festung Brieg 
vorüber, nach Ohlau, wo er vor den Thoren der Stadt 
eine preußische Aussendung von dreizehn Husaren über- 
siel und gefangen machte. Allein eine halbe Stunde 
hinter Ohlau, als er seine Beute kaum in Sicherheit 
gebracht, ereilten ihn von der Besatzung aus Brieg 200 
Mann Fußvolks mit 60 Reitern und zwei Kanonen. Ihre 
Absicht war ihn aufzuheben. Harscher kam ihnen zu- 
vor, griff sie mit Ungestüm an, warf sie bis Ohlau zu- 
rück, machte mehrere Gefangene, und zog sich dann) 
zwei Stunden lang vom Feinde verfolgt, mit allen ge- 
machten Gefangenen, nach Parchwitz (27ten October). 
Inzwischen gieng die unvollkommene Belagerung der 
Vestung Glogau langsam vor sich. Der Truppen waren 
zu wenig; es fehlte am nöthigen Geschütz. General 
Mezanelli, mit dem ersten und zweiten Regiment 
Chevaurlegers, mußte eine Vorposten-Kette zur De- 
ckung des Einschließungscorps bilden, und zugleich die 
Verbindung mit General Lefebre, so wie mit der 
zweiten Division in Grünberg unterhalten. Der Obristlieu- 
tenant des vierten Chevaurlegers-Regiments, Michel, 
ward Befehlshaber aller sich zu Crossen sammelnden Rei- 
terei-Oepots in Schlesien, und General Minucci über- 
nahm einsweilen den Besehl gesammten Fußvolks der 
zweiten Oivision. 
*) Unterstützt durch die ausgezeichnete Tapferkeit des Wacht- 
meisters Hoch, der Corporäle Golling und Popp, der 
Gemeinen Reiner und Rauch, welche seine schwache 
Nachhut bildeten. · 
Man
        <pb n="395" />
        — 65 — 
Man beschoß die Vestung (16ten November) einige 
Stunden lang von neuem, ohne damit mehr, als einen 
heftigen Brand an zwei Orten zu stiften. Man sprach 
davon, die Werke zu stürmen, und die Neigung herrschte 
dazu überall vor; allein man stand von dem verwegenen 
Gedanken glücklicherweise ab, da man nicht einmahl einen 
Grundriß von dem festen Platze besaß. Einen schwa- 
chen Ausfall der Besatzung an demselben Tage wies der 
Oberstlieutenant Ströhl an der Spitze des baierischen 
Leib-Regiments sogleich zurück. Als gleichzeitig die wür- 
tembergischen Truppen unter Generallieutenanr von Se- 
ckendor f eintrafen, bildete sofort die balerische Brigade 
Siebein den rechten Flügel des Belagerungs-Corps 
am linken Oder-Ufser, wo Hauptmann Stonor mit 
seinen tapfern Freiwilligen auf dem Glacis der Vestung 
einen Ueberrest des Brennholzes verbrannte, der dem 
Feinde eben wichtig genug war, häufige kleine Ausfälle 
zu machen. Noch schmerzlicher mußte den Belagerten 
das Abgraben verschiedner Quellen werden, von denen 
sie bisher ihr Trinkwasser erhalten hatten. Dafür räch- 
ten sie sich (18ten November) durch Ueberfall der soge- 
nannten Grundmühle, wo sie den Lieutenant Stengel 
mit zwanzig Baiern aufhoben. 
Man erwartete nur das Belagerungs-Geschütz von 
Cüstrin. Baron Gravenreuth, Hauptmann beim 
Generalstab, und Ingenieur-Lieutenant Staudacher 
schlugen indessen, um die Verbindung zwischen beiden 
Oder-Ufern zu sichern, eine Brücke bei Peicha, eine 
Stunde unterhalb Breslau. Aber bald darauf erschiem 
Befehl (25ten November), die Baiern sollten nach der 
Weichsel aufbrechen, die Würtemberger die Belagerung 
Glogau's unter Oberbefehl des französischen Generals 
II. stes Buch. 5
        <pb n="396" />
        Vandamme vollenden. Und am Zten December ergab 
sich ihnen die Vestung wirklich, sobald einmahl endlich, 
durch Anstrengungen wuͤrtembergischer und baierischer Ar- 
tillerie-Offiziere, ) das Belagerungs--Geschuͤtz von Cuͤ- 
strin auf der Oder herbeigeschafft war. Doch bis dahin 
war die Lage des Belagerungs-Corps allerdings nicht 
nur mühselig, sondern selbst gefahrvoll gewesen. Denn 
die Würtemberger hatten eine Umwallungs-Linie von 
einer Meile Länge zu besetzen gehabt; mußten ihre Rei- 
terei auf den Straßen gegen Breslau in Thätigkeit hal- 
ten; geraume Zeit drei ihrer Bataillons (zu Lissa und 
Mitteltribiz) entbehren, und wegen der großen Regen und 
Gebirgswasser jeden Augenblick ihre Oder-Communieca= 
tion bedroht sehen. 
  
6. 
Belagerung von Breslau. Treffen bei 
Strehlen. Gefechte bei Oltatschin, 
Schweidniz u. s. w. 
Die beiden baierischen Dioisionen waren auf ihrem 
Zug zur Weichsel schon bis Kalisch (50ten Rovember) 
gekommen, als Napoleon plbtzlich Befehl sandte, daß 
die zweite in Eil nach Breslau zurückkehre. Die ersie, 
unter Deroy's Befehl, schon bis Petrikan vorgeschrit- 
ten, mußte sich ebenfalls dahin zurückwenden. Denn 
das zur Belagerung Breslau's bisher gebrauchte Corps 
war viel zu schwach; ansserdem ganz Schlessen in krie- 
  
*) Von Lehßteren der Oberktlieutenant Espiard ge Colonge, 
die Lieutenants W eishaupt, Lessel und Kehler.
        <pb n="397" />
        — 67 — 
gerischer Bewegung, seit der Koͤnig von Preußen den 
Fürsten von Anhalt-Plefß hieher mit den ausgedehn- 
testen Vollmachten zur Bewaffnung und Vertheidigung 
des Landes geschickt hatte. Dieser Fürst, obwohl er zur 
Rettung nun wirklich schon zu spät erschien, brachte doch 
die trefflichen Vorschläge in Ausführung, die der Graf 
Nückler, ein Mann von ausgezeichnetem Geist und 
Herzen, ihm angab; zog Waffen und entbehrliche Mann- 
schaft aus den Festungen, dazu alle Fdrster, Jäger und 
Freiwillige an sich; formte ein Heer, vielerlei Streifhau- 
fenn und Bewegungen überall. 
Breslau, bisher nur von würtembergischer und baie- 
rischer Reiterei berannt, konnte, selbst bei schon vorläu- 
siger Anlegung zweier Laufgräben und zweier Wurfbat= 
terien, rechts und links der Nicolai-Vorstadt, nicht ganz 
eingeschlossen werden. Schon aber, sobald General Mi- 
mucci mit der zweiten baierischen Oivision und den Re- 
gimentern Taris-Dragenern und Leiningen Chevaurle- 
gers zu Hundsfelden (Oten December) beim Belagerungs- 
Corps eintraf, ließ Prinz Jerome, der sein Haupt- 
gelager zu Lissa hatte, einen Theil derselben sogleich auf 
einer bei Kosel geschlagnen Brücke unter Vandamme's 
Befehle aus linke Oder-Ufer gehen. Nun wurden beim 
Laufgraben zur Rechten zwei Mdrser und drei Haubitzen, 
beim Laufgraben zur Linken drei Mdrser und eine Hau- 
bitze, ferner der Straße gegenüber, die nach der Nico- 
lai-Vorstadt führt, drei Feldhaubitzen aufgeführt, und 
in die Bettungen am rechten Oder-Ufer acht Feldstücke. 
So fieng man die Vestung an (10ten December von 6 Uhr 
Morgens bis Mittags) lebhaft zu beschiessen. Weil aber 
durch das Feuer der Belagerten mehrere Moͤrser und 
Haubitzen der Belagerer zerstoͤhrt worden waren, mußte 
5
        <pb n="398" />
        — 68 — 
man erst die Ankunft frischer Mörser von Glogau ab- 
warten. Diese stellte man auf dem rechten Oderufer zu 
äusserst dem rechten Flügel des dort angelegten Laufgra- 
bens, während links eine zweite den Festungs-Werken 
näher gelegene Paralelle errichter, und eine Batterie am 
dußersten Ende der ersien Paralelle zur Linken erdffnet 
ward. Ooch auch jetzt noch gieng die Beschiessung (12ten 
December) langsam vor sich, weil es an Munition fehlte. 
Der Befehlshaber der Vesiung. General von Thiele, 
schon einigemal aufgefordert, zeigte daher auch zur Ue: 
bergabe wenig Neigung. 
Jetzt kamen (15ten December) zwei franzdsische Com- 
pagnien Mineurs und Sappeurs an. Sogleich ließ der 
thätige Ingenieur-Oberst Blein, dem der franzbsische 
Hauptmann Rolland und der baierische Oberlieute- 
nant Hazzi beigegeben waren, Einschnitte in die Nico- 
lai-Vorstadt und rechts am Kirchhof machen, Batterien 
in einer rechts der Vorstadt eröffneten zweiten Paralelle, 
und, zur Aufstellung leichten Geschützes, Sägwerke 
(Redans) anlegen, um die feindlichen Batterien im 
Rücken zu fassen. Auch eine Brustwehr ward bis zur 
Oder fortgeführr, aus welcher die würtembergischen Jä- 
ger auf die feindlichen Stückschützen feuern konnten; so 
wie die Verbindung zwischen der ersten und zweiten Pa- 
ralelle bewerkstelligt. So ward die Beschiessung (15ten 
December) aus zwei und dreißig Stücken *) doch ohne 
*) Auf dem äußersten rechten Flügel der ersten Paralelle wa- 
ren zwei Mortiere und drei Haubißen, bei der alten Bat- 
terie in der Mitte zwei Mortiere und zwei Haubitzen; in 
der Mitte der zweiten Paalelle zwei Haubitzen und vier 
6 Pfünder- Kanonen; endlich auf dem rechten Oder= Ufer 
acht Kanonen.
        <pb n="399" />
        — 69 — 
bemerkbaren Erfolg, erneuert. Denn eine neue Auffor- 
derung empfieng wieder abschlägige Antwort, nur muß- 
ten doch die gefangenen preußischen, auf ihr Ehrenwort 
entlassenen Offiziers, welche sich in der Vestung befan- 
den, dieselbe auf Prinz Jerome's Verlangen sogleich 
räumen. 
Also wurden die Laufgräben erweitert und neue Bak- 
terien errichtet. Die nun angekommene erste baierische 
Division unter General Deroy bezog großern Theils 
das rechte Fluß-Ufer; die zweite Division nahm das 
linke Ufer ein, zu ihrer Rechten das würtembergische 
Fußvolk, zu ihrer Linken General Siebein mit dem 
Linien-Regiment Junker. Oberstlieutenant Graf Taris 
gieng mit drei Compagnien seines Bataillons nach Stei- 
nersdorf gegen Brieg, das Belagerungs-Corps von die- 
ser Seite vor feindlichen Unternehmungen zu schützen. 
Deroy aber vollendete auf der Stelle die schon unter 
General Lefebre begonnenen Batterien, und ließ einen 
Ofen für glühende Kugeln bauen; dann sogleich von 
seiner Seite die Stadt aus sechs Haubitzen und zwei 
Zwolfpfündern beschiessen. Vier Tage lang dauerte all- 
seitig (lvom 10. — 22ten December) die Beschiessung. 
Während dem wurden die Batterien noch mehr zu Stande 
gebracht, und auch die sehr lebhaft geäußerten Wünsche 
des ersten Leib-Regiments der Baiern erfüllt, statt zur 
Deckung von Prinz Jerome's Hauptgelager in Lissa 
zu dienen, in die Linie der Belagerer treten zu dürfen. 
Jetzt beschloß man Sturm. In der Mitternachts- 
stunde vom 22sten zum 2östen December setzte sich alles 
in Bewegung gegen die Vestung. Voran zwei Colon- 
nen aus zwei würtembergischen leichten Bataillonen, 
und zwei baierischen Compagnien des Bataillons Prey-
        <pb n="400" />
        sing zusammengesetzt. Die erste sollte uͤber die Festungs- 
Wälle zur Stadt sich des Ohlauer-Thors bemächtigen, 
und dem General Minncci an der Spitze der drei 
Regimenter Kronprinz, Prinz Karl und Ldwenstein das 
Eindringen erleichtern, denen zwei würtembergische Bri- 
gaden im Nothfall zur Unterstützung dienten. Die Be- 
wachung der Laufgräben und Vorposten empfieng die 
Brigade Siebein, das 10ote Linien-Infanterie-Regi- 
ment Junker und ein Bataillon vom Leib-Regiment. 
Graf Seiboltsdorf an der Spitze von 150 Freiwillis 
gen des Leib-Regiments sollte längs der Oder einen 
Schein-Angriff auf die Festung machen, und wo mdg- 
lich hineindringen; ein ähnlicher sollte an der Neustädter 
WVorstadt gegen das Schweidnitzer-Thor geschehben. 
Alle Batterien spielten; alles erreichte den angewie- 
senen Platz. Schon waren viele Fässer in den Graben 
gesenkt, welche zum Pfeiler dienen sollten, eine Brücke 
darüber zu schlagen; schon hatte der Major Hofnaß 
an der Spitze zweler Compagnien vom leichten Batail- 
lon Preising mit vieler Tapferkeit das Trommelwerk an- 
gegriffen, welches die Ohlauer-Brücke deckte, rings um 
hatten die Baiern das Pfahlwerk daran niedergehauen, 
ins Thor des Trommelwerks selbst schon große Oeffnung 
gemacht. Da entdeckten die Belagerten den gefährlichen 
Punct, und durch das heftigste Feuer aus allen Rich- 
tungen vereitelten sie das Unternehmen. Das zum Sturm 
ausgerückte Kriegsvolk mußte sich allseitig zurückziehen. 
Auch den tapfern Freiwilligen vom ersten Leib-Regi- 
ment zu Fuß unter dem Hauptmann Grafen Seibolts- 
dorf blieb nichts anders übrig. Unerwartet durch einen 
Arm der Oder am weitern Vordringen verhindert, beim 
hellen Schein des Mondes vom Feind entdeckt und mit
        <pb n="401" />
        — :1 — 
einem Hagel von Kartätschen überschüttet, konnten sie 
ihrer Vernichtung nur durch eiligen Rückzug entgehen, 
doch nicht ohne Verlust von ohngefähr vierzig Mann.“) 
Fär einsweilen begnügte man sich nun, in den Stellun- 
gen vor der Vestung die nbthigen Veränderungen zu 
treffen, um jedem allfälligen Ausfall des Feindes durch 
Wachsamkeit zu begegnen.“s) 
Dieß ward jetzt um so nöthiger, da der Fürst von 
Anhalt-Pleß immer thätiger zu werden schien, und wirk- 
lich schon einen kleinen Heerhaufen von 8 — 10,000 
Mann gesammelt hatte, welcher freilich schlecht bewaff- 
net, schlecht geübt und nur mit übel berittener Reiteref 
versehen war. Indessen ließ er noch nach allen Richtun- 
gen fleißlg streifen, um einzelne Posten zu überrumpeln. 
Dies Schicksal war auch dem heldenmüthigen und geist- 
vollen Oberlleutenant Baron Karl von Zweibrücken 
bestimmt, der nachmahls ruhmvoll auf dem Felde der Ehre 
bei Mosaisk gefallen ist. 
Schon Anfang Decembers war dieser Tapfere, nebst 
dem Korporal Waldmann und fünf Mann vom zwei- 
i) Darunter zwei Offiziere waren, wovon einer, der brave 
Lieutenant Graf Seiboltsdorf tödtlich, Oberlieute- 
nant Hagens schwer verwundet wurde. 
*#) Das öte leichte Infanterie -Bataillon Preising besetzte die 
Nicolai-Vorstadt, so wie die Mitte der bei letztgenannter 
Vorstadt angelegten Laufgräben. 
Das iste Bataillon des 7ten Linien= Infanterie-Regi- 
ments Löwenstein wurde mit einem würtembergischen Jäs 
ger-Batgillon nach Gabisch verlegt.
        <pb n="402" />
        — 22 — 
ten Chedaurlegers= Regiment der Baiern, nach Nams- 
lau geschickt, um die in dortiger Gegend ausgeschriebne 
Einlieferung von Pferden zu vollziehen. Er hatte sich des 
Auftrags fast schon erledigt, als er eines Morgens (15ten 
December), gerade zur Futterzeit, von einer Abtheilung 
prenssischer Kürassiers in seinem Hause umzingelt ward. 
Es waren 30 Mann und ein Offizier. Sie sitzen ab. 
Einige Mann dringen ins Haus. Zweibrücken, noch 
im Bett, hört das Geräusch, springt auf, reißt die 
Vogelflinte von der Wand, und schießt einen der Gegner 
auf der Straße vor der Hausthür nieder, während Wald- 
mann zwei Pistolen vom Tisch nimmt, und drei die 
Treppe heraufsteigende Preußen verwundet. Diese flüch- 
ten blutend zurück. Ihnen nach eilen die Baiern, ver- 
rammeln mit einem Futterkasten die Hausthüre, so auch 
alle Zugänge des Hauses, ohne daß der überlegene und 
überraschte Feind es hindert. Von den übrigen fünf 
Chevaurlegers, die sich eben im Stall befanden, war 
einer gleich anfangs von den Preußen gefangen worden; 
die andern entkamen durch ihre Verbergung. Nun ver- 
einigten sie sich mit ihrem Anführer, und bedienten sich 
der geladenen Kargbiner und der Munition, welche die 
Das 2te Bataillon Löwenstein behielt Gandau besetzt. 
Das Regiment Kronprinz Infanterie stand in Schmid= 
selden. « 
Alle genannten Abtheilungen waren bestimmt, im Falle 
eines feindlichen Ausfalles die Nicolai-Vorstadt und die 
bei selber rechter Hand angelegten Transcheen zu behaupten. 
Das öte Linien-Infanterie-Regiment Prinz Karl, das 
ste Bataillon des 7ten Regiments, die Reserve-Es-
        <pb n="403" />
        — 75 — 
verwundeten und betaͤubten Preußen bei der Flucht aus 
dem Hause zurückgelassen hatten. Drei Stunden verthei- 
digten sich die hartbedrängten Baiern, dann, als die 
Preußen schon mehrere Verwundete zählten, und hörten, 
es ziehe eine baierische Reiterei-Abtheilung von Bern- 
stadt heran, verliessen sie Namslau. Allein das Gehbrte 
war falsches Gerücht gewesen. Nach Abzug des Feindes 
verschloß und verrammelte Zweibrücken alle Zugänge 
des Ortes, entschloßen sich auf den letzten Mann zu ver- 
theidigen. Doch der Feind kam nicht wieder; vielmehr, 
drei Tage nachher, eine Aussendung von sechs und drei- 
sig Chevaurlegers-Baiern, die den Baron aus dem Ort 
befreiten. 
Unterdessen hatte der Fürst von Anhalt-Pleß (Lten 
December) bei Strehlen eine vortheilhafte Stellung ge- 
nommen, gleichweit von Schweidnitz, Brieg, Neisse und 
Glatz, als seinen Stützpunct. Seine Absicht war, 
das belagerte Breslau zu entsetzen. General Van- 
damme aber, der hier, weil Jerome Napoleon ge- 
gen Warschau geeilt war, den Oberbefehl der Belagerer 
führte, hatte von allen Bewegungen des Fürsten Kennt- 
niß. Sobald sich dieser daher in vier Heer-Säulen 
gegen Strehlen bewegte, mußte auch der baierische Ge- 
neral Graf Minucci (25ten December) mit zwei Ba- 
taillonen des Regimentes Prinz Karl, dem ersten Ba- 
cadron und die Batterie Leiningen wurden unter die unmit- 
telbaren Befehle des 2ten Divistons = Commandos gesetzt. 
Die Laufgraben-Wacht rechts, wurde von diesen Tag an 
durch 200 Mann der 2ten baierischen Armee-Division un- 
ter Befehl eines Stabs-Offiziers gegeben.
        <pb n="404" />
        taillon Loͤwenstein, die am naͤchsten lagen, dahin auf- 
brechen. Ein Regiment wuͤrtembergischer Reiterei, unter 
General Montbrun, bildete die Vorhut; das entfern- 
ter gelegene Regiment Kronprinz und das zweite Batail- 
lon Loͤwenstein, unter dem Obersten Lessel, mußten 
schnell folgen. 
Ein Geschwader der Vorhut, welches in Strehlen 
eivritt, die Stadt zu untersuchen, wurde da ploͤtzlich 
durch zweihundert Mann preußischer Reiter und durch 
heftiges Infanterie-Feuer aus den Häusern angegriffen 
und gezwungen, auf der nach Brieg führenden Straße 
zu flüchten. General Montbrun, hier eben im Be- 
griff, den Seinigen Hülfe zu bringen, vernahm in dem- 
selben Augenblick, daß von Schweidniz her eine beträcht- 
liche Feindes= Colonne anrücke gegen Strehlen. So 
faßte er nun auf der nach Breslau führenden Straße 
Stand, um die Ankunft des baierischen Fußvolks unter 
Minucci's Befehl zu erwarten. Zwei Stunden lang 
bot er nun einem feindlichen Haufen Spitze, der 2000 
Mann Fußvolks, 600 Reiter und sechs Kanonen stark 
war, und sich bei Strehlen mit einer Colonne vereini- 
gen sollte, die der preußische General Kropf von Glatz 
herführte. 
Minucci, ohne den übrigen Theil seiner Division 
zu erwarten, eilte sogleich mit dem Regiment Herzog 
Karl, dem ersten Bataillon vom Regiment #dwenstein, 
und der Batterie Leiningen nach Strehlen zu, und schickte 
den Rittmeister Baron Zandt mit der Reserve-Es- 
cadron vom zweiten Chevaurlegers-Regiment Kdnig 
ohne Verzug voran, begleitet vom Chef des General- 
stabs der Dioision, dem Obristlieutenant Epplen.
        <pb n="405" />
        Dem richtigen Blick des Letztern mag es vorzuͤglich an- 
gerechnet werden, daß die nachfolgende Colonne des 
baierischen Fußvolks bei ihrer Aufstellung den Wirkungen 
des feindlichen Geschuͤtzes entgieng. Die Preußen hat- 
ten sich auf der Breslauer-Straße in schräger Richtung 
entwickelt, mit dem rechten Flügel an Strehlen gelehnt, 
mit dem Linken einen Hacken gebildet, und, weil sie 
mit dem Geschütz, bei ihrem rechten Flügel aufgefahren, 
die ganze Landstraße bestrichen, konnten sie den Aufmarsch 
der Baiern sehr erschweren. 
Oberstlieutenant Epplen, Führer der baierischen 
Colonne, verbarg, hinter einem lebhaften Geplänkel vor- 
geschobener Schützen, Aufmarsch und Richtung der Co- 
lonne, noch ausser dem Bereich des feindlichen Feuers; 
ließ dann die Schützen durch eine Grenadier-Compag- 
nie unter Hauptmann Theobald verstärken, und das 
Regiment Herzog Karl sich durch das Dorf Seegen in 
des Feindes linken Flügel werfen. Das entschied. Denn 
während die preußischen Befehlshaber ihre ganze Sorge 
diesem Punct zuwandten, entfaltete sich das Bataillon 
Ldwenstein auf der Heerstraße ungehemmt. Gleichzeitie 
ger ungestümer Angriff der Baiern auf allen Seiten zwang 
die feindlichen Schlachtreihen, ungeachtet ihres mor- 
derischen Gewehrfeuers, nicht nur die anfangs genom- 
mene Stellung, sondern selbst das Schlachtfeld, mit 
Verlust von ohngefähr 100 Todten, 200 Gefangnen und 
einer Kanone, zu verlassen. Der Rückzug verwandelte 
sich in wilde Flucht. Drei Stunden weit verfolgte die 
würtembergische und baierische Reiterei mit verhängtem 
Zügel den Feind, nahm dessen gesammte Artillerie, 600 
Mann und 300 Pferde. Die Baiern zählten ihrerseits
        <pb n="406" />
        zwei Todte und 28 Verwundete. *) Nachdem Minucct 
am Abend des ehrenvollen Tages auf der Hoͤhe von 
Strehlen Stellung genommen, folgendes Tages vergeb- 
lich zur Entdeckung eines Feindes Streifwachten ausge- 
schickt hatte, kehrte er mit seiner Heerabtheilung nach 
Breslau zuruͤck. Nur das Regiment Kronprinz Fußvolks 
ließ er, zur Deckung des Standpunctes Strehlen, dem 
General Montbrun zuruͤck, der mit seiner Reiterei- 
Brigade bei Grosburg und Schiessa aufgestellt blieb. 
Nach diesem Treffen ohne Hoffnung nahen Entsatzes 
trug der Vestungsbefehliger von Breslau, Generallieu- 
tenant Thiele (27ten December) Waffenstillstand und 
für ihn ehrenhafte Uebergabe an. Aber schon den Tag 
darauf nahm er pldzlich sein Wort zurück, was vermu- 
then ließ, er habe neue Hoffnung, befreit zu werden. 
General Vandamme ließ daher rasch an Vermehrung 
der Batterien arbeiten; zwischen Ohlau und dem Dorfe 
Hube Einschnitte und Verhaue anlegen, um dem Feinde 
jeden Ausweg von dieser Seite zu sperren, und den be- 
lagerten Platz vollkommen einschliessen. Es mußte Ge- 
neral Montbrun mit drei würtembergischen Reiter- 
Regimentern und eben so viel leichten Bataillonen zur 
Oder-Brücke nach Ohlau. Die Division Seckendorf 
*0 Unter welch' lehteren der Hauptmann Peter Palm, der 
Oberlieutenant Kirchhöfer, die Lieutenants Schup- 
pert, Tavel und Junker Scherer sich befanden. 
Indem der General Minucci, diese glänzende Affaire 
betreffend, der Tapferkeit der an selber Antheil genomme- 
nen baierischen drei Infanterie= Bataillons und Artillerie, 
so wie der baierischen und würtembergischen Cavalerie 
volle Gerechtigkeit wiederfahren ließ, bezelchnete er die 
bairrischen Obersten Bergheim, den OPberstlientenant
        <pb n="407" />
        lehnte rechts an die Oder, links an den Weg aus der 
Vorstadt Gabisch. Durch starke Pikets war sie mit den 
Baiern verbunden, welche unter Minucci's Befehl, 
rechts von Gräbischen, vorwärts Gandau standen, und 
weiter hin zur Linken die Brigade Siebein unterstütz- 
ken. Der Standpunct von Gräbischen war wenigstens 
durch ein Regiment vertheldigt und Batterien befanden 
sich da zur Deckung der Laufgräben. Die Brigade Siee 
bein schützte die Vorstadt St. Nicolat, die davorliegende 
Batterie und del Laufgraben links, so wie alle diejente 
gen Ortschaften, welche der Feind allenfalls auf dieser 
Seite zum Ziel seiner Ausfälle mächen konnte. General 
Deroy blieb am rechten Oderufer; seine Vorposten 
unter Major Wreden bis weit jenseits Hundsfeld, rechts 
bis Groß-Engelsdorf, links bis Sibyllenorth vorgescho- 
ben. Oberstlieutenant Graf Taris hatte sich mit sei- 
nen drei Compagnien vom sechsten Bataillon leichten 
Fußvolks aus der Stellung bei Steinersdorf in die von 
Peckern gezogen. 
So begann die Beschiessung von Breslau-mit dem 
Morgen des 20sten Decembers von neuem aus allen Bat- 
4" 
Kesling, dem ein Pferd unter dem Leib todt geschosfen 
wurde, den Major Gedoni als Chef eines Bataillons, 
den Chef des Generalstaabs, Oberstlieutenant von. Epp- 
len, den Oberlieutenant Stengel, die Lieutenants 
Klick, Graf Larosee, Brentano und Hottner, den 
Rittmeister Baron Zandt, den Cadetten Hügler als vor- 
züglicher Auszeichnung würdig. 
(Die Nahmen der Öffiziere und Gemeinen, welche sich 
während dieses Gefechtes vorzüglich ausgezeichnet haben. 
findet man in den Armee= Befehlen vom i3ten Jänner, 
und 14ten Februar 1807).
        <pb n="408" />
        — 2#8 — 
terien. Von den Wällen antwortete der Feind. Eine 
seiner brennenden Haubitzgrenaden fiel unter andern auch 
in den Laufgraben, wo eben mehrere bajerische Offiziere 
beisammen standen. Der Corporal Nichtern vom Re- 
giment Prinz Karl, ein Mann von großer Unerschro- 
ckenheit sah es, stürzte herbei., warf die Grenade mit 
einer Schaufel aus dem Graben, und rettete seine Haupt- 
leute vom gewissen Verderben. 
Schon hatten wiederholt feindliche Streifhaufen, 
von Brieg aus gegen Breslau, vermuthen lassen, der 
Färst von Anhalr-Pleß wolle abermahls den Entsatz der 
Pestung versuchen; und das baierische Regiment Kron- 
prinz hatte daher (schon 27ten December) eilig zu Ver- 
stärkung der Würtemberger bei Ohlau aufbrechen müs- 
sen. Eine falsche Meldung, (20ten December Abends) 
der Feind sey wirklich gegen Ohlau mit ganzer Macht 
in Bewegung, veranlaßte den General Vandamme, 
daß er den General Minucci mit dem ersten Batail- 
lon vom Regiment Prinz Karl dahin ziehen ließ, 
während dessen der Oberst Graf Berchem den Ober- 
befehl der zurückbleibenden Truppen von der zweiten 
baierischen Division vor Breslau übernahm. Allein schon 
anderes Tages zeigte sich daß die feindlichen Streife- 
reien gegen Ohlau nur Vandammess Blick irre leiten 
sollten, während Fürst Anhalt-Pleß mit einem bei Streh- 
len (Nachts vom 20sten zum 30sten December) zusam- 
men gezognen Corps von 10,000 Mann die vor Bres- 
lau geschwächten Baiern überrumpeln, und, unterstützt 
durch einen Ausfall der Belagerten, die Stadt entsetzen 
wollte. Der Fürst gab durch Anzündung eines Dorfes 
dem Festungsbefehliger das Zeichen. Dieser versäumte 
eber den rechren Augenblick zur Mitwirkung, der den
        <pb n="409" />
        — 70 — 
Untergang des schwachen Belagerungscorps hätte her- 
beiführen können. 
Vandamme hingegen schickte rasch den Grafen 
Berchem mit zwei Bataillonen des 13ten Linien-Re- 
giments, dem ersten Bataillon vom Regiment Prinz 
Karl und 100 Chevaurlegers unter Oberst Zandt aus, 
dem Vordringen der Feinde Widerstand zu leisten. Haupt- 
mann Theobald mußte mit 100 Fußgängern bei Klet- 
tendorf die Straße nach Strehlen beobachten; er nahm 
aber bald den dazu schicklicheren Standpunct in Oldat- 
schin. Die Oberlieutenants Zobel und Walraf vom 
Tten Linien-Regiment mußten bei Grieschwitz und Klein- 
Schottgau mit 50 Mann das Auge auf die Schweid- 
nitzer: Straße halten. Allein weil General Vandam- 
me, wie sehr er daran auch erinnert ward, die verschie- 
denen Pikets ohne Verknüpfung mit den übrigen Abthei- 
lungen ließ, konnt' es dem Fürst Anhalt-Pleß gelingen, 
sie alle zu umgehen. 
Ganz unbemerkt war sein Vortrab bei Tagesanbruch 
(50ten December) schon bis Durgau und in den Ri- 
cken eines würtembergischen Bataillons daselbst gekom- 
men, während seine Hauptmacht an beiden Ufern der 
Lohe, links bis zur Schweidnitzer, rechts bis zur Oh- 
lauer= Straße gedehnt, vorwärts drang. Starke preus- 
sische Abtheilungen bemächtigten sich auf dem Juge der 
Dörfer Woischwitz und Oldatschin. Hauptmann Theo- 
bald, am letztern Ort, vom Feind und den Ortsbewoh- 
nern zugleich angefallen und übermannt, mußte sich nach 
heftiger Gegenwehr und mirt Verlust von vierzig Mann 
fechtend auf die Schweidnitzer Straße zum Dorfe Hart- 
lieb ziehen.
        <pb n="410" />
        Nun aber flog im Doppelschritt Oberst Graf Ver- 
chem mit dem baierischen Fuß#volk, und Oberst Zande 
mit seinen hundert Chevaurlegers aus dem Lager von 
Gräbischen nach Kleinburg, und vereinigte sich da mit 
dem würtembergischen Kriegsvolk. Eine kleine Jahl 
Schützen von diesen, der tapfere Oberst Zandt mit sei- 
ner Reiterei, und das erste Bataillon vom 13ten Linken= 
Regiment stürmten alsbald in das Dorf Weischwitz ein, 
und trieben den Feind nach dem Dorfe Oldatschin. Dies 
hatte er stark besetzt. Ein preußisches Bataillon, eine 
Kanone und ein Geschwader Reiterei beim Oorfe schie- 
nen auf feste Vertheidigung dieses Punctes zu deuten, 
wozu auch das bei Lammsfeld aufgestellte schwere Ge- 
schüts mitwirken zu wollen schien. Jedoch Oberst Ber- 
chem rückte ohne Zôgern mit zwei Compagnien vom 
Regiment Prinz Karl, dem ersten Bataillon vom 13ten 
Regiment, mit Zandt's Chevaurlegers, einigen Feld- 
stücken des Oberlieutenants Leiningen und einer wür- 
tembergischen leichten Batterie gegen die Mitte der feind- 
lichen Reihen an. Die Preußen stritten tapfer; warfen 
den Angriff mehrmahl zuruck, wurden aber dennoch end- 
lich aus Oldatschin und vom wohlbesetzten Kirchhof ver- 
jagt mit Zurücklassung vieler Gefangnen. Auch Haupt- 
mann Theobald kammit seinen Tapfern hieher von Harr- 
lieb, und trug durch seinen ausgezeichneten Muth wie durch 
kriegsmännische Umsicht zum glücklichen Erfolg des Tages bei. 
Als nun aber auch der Oberstlieutenant Epplen 
zu gleicher Zeit mit zwei Compagnien vom Regiment 
Prinz Karl, unter Major Spanskoy, mit den Schuͤ- 
tzen dieses Bataillons, und einem Zug Leiningen-Chevaur= 
legers, den Feind bei Lammsfeld erst mit dem Geschütz 
begrüßt, dann dessen rechten Flügel bei Ringwitz zu um- 
gehen
        <pb n="411" />
        — 31 — 
gehen gedroht, und ihn zum raschen Rückzug gendthigt 
hatte, war Berchems's rechte Seite vollkommen gedeckt. 
Darum konnte dieser nun jenseits Oldatschin seinen An- 
griff gegen die feindlichen Schlachthaufen fortsetzen. 
Mit Hülfe des zweiten Bataillons vom 13ten Linien= 
Regiment und der Batterie des Hauptmanns Caspers, 
nebst der Escadron Gaddum von Leiningen-Chevaux- 
legers (der franzdsische Oberst Duverger war mit die- 
ser Truppen-Abtheilung nach Oldatschin geeilt, nach- 
dem er den linken Flügel der Preußen schon über Krut- 
ten und Klettendorf verdrängt hatte), ward der Feind, 
trotz seiner Ueberlegenheit, über Wasserjeursch gegen 
Schweidniz zurückgeworfen. ") 
Der Sieg war erfochten, als am Abend noch Ge- 
neral Montdrun, mit der würtembergischen Cava- 
  
Ausgezeichnete Erwähnung verdient die Gewandtheit, mit 
welcher Oberst Graf Berchem an diesem Tage, als 
Folge verschiedener Bewegungen, Schwenkungen, wie auf 
dem Ererzierplatz, seinem Gegner große Schwäche zu ver- 
bergen, so wie zweckmäßigen Aufmarsch zu begünstigen 
wußte. Gerechtes Anerkenntniß gebührt auch dem einsichts- 
vollen Oberstlieutenant Epplen. Nicht geringer waren 
die von der Artillerie und besonders von dem Hauptmann 
Caspers, den Oberlieutenants Graf Leiningen und 
Baron Gravenreuth geleisteten großen Dienste. Der 
tapfere Oberst Zandt mit jenen bis 52 Pferde geschmol- 
zenen 100 Chevauxlegers vom Regimente Leiningen, nahm 
dem Feinde eine bis auf's außerste vertheidigte Kanone 
ab, nachdem die preußischen Artilleristen auf ihren Stü- 
cken zusammengehauen waren, ein Vortheil, welcher jer 
doch durch den Tod des ausgezeichneten Rittmeisters Stu- 
benrauch und anderer braven bagierischen Männer theuer 
erkauft wurde. 
II. Stes Buch. 6
        <pb n="412" />
        — 82 — 
— 
lerie-Brigade, und General Minucci, mit dem bal- 
erischen Fußvolk, von Ohlau her, vor Breslau ankamen. 
Doch hier verzdgerten sie nicht; rückten sogleich nach 
Strehlen, und faßten folgendes Tages (51ten Decem- 
ber) zur Verfolgung des Feindes eine Stellung bei Flo- 
riansdorf. Auch Oberst Zandt mit dem dritren Regi- 
ment Chevaurlegers nahm gleichzeitig über Klettendorf 
diese Richtung gegen Schweidnitz; machte bei Werners- 
dorf viele Gefangene, und vereinigte sich bei Floriansdorf 
mit den Generalen Minuzzi und Montbrun. Fol- 
gendes Tages setzte er seine Bewegung gegen Schweid- 
niz fort, mit ihm das Dragoner-Regiment Taxris, die 
Batterie Caspers, und 50 Würtemberger Schäützen. 
Die Dörfer Seifriedau und Gros-Merzdorf wurden be- 
setzt; im letztern das Geschütz aufgestellt. In Weizen- 
rode, wo hundert Mann preußischer Reiterei lagen, wur- 
den 36 derselben durch Ueberfall vom baierischen Major 
von Werch, an der Spitze zweier Escadronen Taris- 
Dragoner gefangen, die andern versprengt. Dieß ge- 
schah am Neujahrstag (1807) und wurde Veranlassung 
einer ganzen Reihe kleiner, blutiger Gefechte. Denn die 
Versprengten kamen mit neuen Verstärkungen zurück, und 
stürzten mit solcher Wuth auf die baierischen Dragoner, 
daß diese zurück prallten und anfiengen, sich in wilder 
Unordnung zu zerstreuen. Nur mit Mühe gelang es den 
Hauptleuten, sie wieder zu sammeln, und zur Nache zu 
entflammen. Sie ward genommen. Die Preußen sahen 
sich angegriffen, geschlagen, und mit Verlust mehrerer 
Gefangenen in die Vestung zurückgejagt. Aber noch ein- 
mahl verstärkr, erschienen sie wieder, und immer wuchs 
im Gefecht die JZahl. Zwar auch die Baiern empfien- 
gen von einem Geschwader Leiningen Chevauxlegers
        <pb n="413" />
        Huͤlfe. Aber die Staͤrke der Preußen stieg zuletzt auf 
sieben Escadrone, zwei Bataillone Fußvolks nebst zwei 
Kanonen. Die Baiern zogen ebenfalls den uͤbrigen Theil 
des Regimentes Leiningen und Taris, nebst einer Ka- 
none zu sich. Der Oberst Graf Seidwitz befehligte 
diese alle. Wie aber die Nacht im Gefecht vergangen, 
der Morgen angebrochen, die feindliche Uebermacht vor 
ihm war, wollt' er die Tapfern ?) nicht länger einem 
fruchtlosen Kampfe hingeben. Er zog sich erst auf die 
Höhen hinter dem Dorfe, dann auf Befehl des Generals 
Montbrun nach Klettendorf, und (Sten Jänner) end- 
lich nach Canth #*##) und Liegnitz. 
Während dieser Ereignisse ward die Beschiessung 
von Breslau lebhaft fortgesetzt. Die Belagerten erwie- 
derten das Feuer nachdrücklich, aber versäumten einen 
Ausfall zu machen, der um so entscheldender in diesen 
Augenblicken werden konnte, da der Fürst Anhalt- 
  
6) Graf Seidwiß erkannte gerecht die ruhmvollen Anstren- 
gungen seiner Untergebenen an, sämmtlicher OÖffiziere, 
des Corporals Krüll, der Dragoner Gumitsch, Ede- 
rer und Herz, welch' letztere zwei, schon verwundet, 
einen ihrer Kameraden aus den Händen der Preußen be- 
freieren, und einen feindlichen Rittmeister gefangen nah- 
men, alles noch während des Neujahrtages, an welchem 
auch der Oberlieutenant Zautmann schwer verwundet 
worden war. 
##) Der Verlust während jenes Gefechtes bestand in drei 
Gefangnen, sieben Verwundeten und zwei Permißten. 
(Die Offtziere und Gemeine, welche sich während desselben 
vorzugsweise hervorgethan hatten, sindet man in den Ar- 
meebefehlen vom 18ten Jänner 1807. J. 4, und vom isten 
Februar 1807. J. ö. gufgezeichnet.) 
6 2
        <pb n="414" />
        — 84 — 
Pleß so nahe stand, da er Vandamme's ganze Stärke 
an sich zog, da in den Laufgräben nur eine schwache An- 
zahl Balern Widerstand zu leisten übrig war, und sogar 
noch während der Gefechte (am 30sten December) die 
baierische Zwölfpfünder Batterie des Hauptmanns Tausch 
abgeführt werden mußte. Das Feuer aus der Vestung 
that nur geringen Schaden. ) Bald verstärkten auch 
wieder 4,000 Würtemberger die kleinen Haufen der Bai- 
ern vor Breslau. 
Endlich, da der preußische Oberbefehlshaber dieser 
Stadt am Entsatz derselben verzweifelte, knüpfte er (###e#n 
Jaͤnner) abermahls neue Unterhandlungen an. Man 
hielt sie für wenig ernsthaft. Denn noch waren sämmet- 
liche Vestungswerke in gutem Zustande. Die hineingewor- 
fenen 10,000 Kugeln, Bomben und Haubitzgranaden 
hatten nur dem Innern der Stadt geschadet. Die Be- 
satzung bestand noch aus 7,000 Mann, und war im Be- 
sitz unermeßlicher Mund= und Kriegsvorräthe. Dem un- 
geachtet übergab der Generallieutenant Thiele (öten 
Fänner) die Hauptfeste des schlesischen Landes, wel- 
ches seinem Könige so hoch wichtig war. Am sechsten 
Fänner Abends besetzten die Belagerer schon mehrere 
Thore. Folgendes Tages zogen 7,000 Preußen aus dem 
  
——“"“"“ 
*) Der Proz-Wagen einer Haubitze flog in die Luft, die 
Speichen der Räder wurden zertrümmert. Nichts konnte 
jedoch den braven Führer derselben und die ausgezeichne- 
ten Artilleristen, die Corporäle 253w, Ecsstein, He- 
ning, Maper, abhalten, ihre Pflicht zu erfüllen, das 
erwähnte Geschütz der größten Gefahr zu entreissen. (Siehe 
Armeebefehl vom isten Febrauar 1807. J. 4.)
        <pb n="415" />
        — 35 — 
Nicolaithor hervor, und streckten auf dem Glacis im 
Angesicht des Belagerungs-Heeres, welches an beiden 
Seiten der Straße aufgestellt war, die Waffen. Das 
dreizehnte Linien-Regiment führte die Gefangnen ab. 
General Minuzzi zog an der Spitze seiner Baiern“) 
in die eroberte Stadt ein. 
Diese Eroberung hatte den belden baierischen Dioil- 
sionen nur geringen Blutverlust gekostet,“) aber ihnen 
mehr, als ein ehrenvolles Zeugniß von Freund und Feind 
erworben. 7) Nicht kleinen Theil daran hatte auch die 
*) Mit dem isten Infanterle = Leib-Regimente, dem 2ten, 
Sten und 7ten Linien-Infanterie-Regimente, dem öten 
leichten Bataillon Preising, der Reserve= Escadron und 
der erforderlichen Artillerie. 
½) Der Verlust, welchen die erste baierische A#ermee-Division wäh- 
rend der ganzen Belagerung erlitten hatte, bestand in zwei 
Todten und sechs Verwundeten, bei der zweiten Armee-Divi- 
sion in einem Todten und einem verwundeten Offizier, in 
sechs todten und sechs und dreißig verwundeten Soldaten. 
(Ueber die Auszeichnungen der verschiedenen Individuen 
während der Belagerung siehe Armeebefehl vom 18ten Jän- 
ner 1607, 26ften Jänner 1807. S. 2, 3, 5 und 5, üsten 
Februar 1807. K. 1., täten März 1807. F. 2.) 
*#*) Die commandirenden baierischen Generäle, so wie die 
Chefs der französischen Artillerie und des Genies erwähn- 
ten bei jeder Gelegenheit der geleisteten ausgezeichneten 
Dienste der baierischen Ingenieur-Oberlieutenants Ed- 
linger und Hazzi. (Anerkennung von Seiten des fran- 
zösischen Machthabers, der von den Baiern und Würtem- 
bergern in Schlesien bis zur Uebergabe von Breslau ge- 
leisteten Dienste, siehe 38stes, AßsteS, dostes, 51stes Bül- 
letin der großen Armee.)
        <pb n="416" />
        — 86 — 
Divisson Deroy, obwohl wir ihrer außer der Brigade 
Siebein, nur selten erwähnten. Denn sie bildete 
am rechten Oderufer gewissermassen das Beobachtungs- 
heer, versah den beschwerlichen Piket= und Vorposten- 
dienst, und wenn dieselbe, ungeachtet sie immerwäh- 
rend dem heftigsten Feuer von den Wällen ausgesetzt 
war, nur unbedeutenden Verlust erlitten hatte, war 
dieß die Frucht der Thätigkeit und Einsicht des General- 
majors oon Raglowich gewesen. 
——————— 
7. 
Einnahme von Brieg. Belagerung von Kosel. 
Gefechte bei Wartha und Kdnigswalde. 
Jetzt empfieng sie den Auftrag, die Vestung Brieg 
zu berennen, und einzunehmen, während der franzdsi- 
sche General Vandamme in gleicher Absicht mit dem 
würtembergischen Kriegsvolk gegen die Vestung Schweid- 
nitz rückte. 
Alsbald zogen (7. Jänner) das bte Linien-Regi- 
ment, eine Abtheilung des leichten Bataillons Taris und 
eine Compagnie Fußjäger bei Ohlau über die Oder. 
General Mezanelli, welcher bisher, um die Baiern 
am rechten Ufer vor Breslau zu decken, mit dem ersten 
Dragoner= und zweiten Chevaurlegers-Regiment in den 
Umgegenden von Kalisch gestanden, nun zurückgegangen. 
war, mußte mit seiner Reiterei-Brigade und dem sechs- 
ten leichten Bataillon über Lewen, Schurgast und Las- 
kowitz die Vorhut von Deroy's Division gegen Brieg 
bilden. Voran ihm in dieser Richtung streifte spähend 
Vschon isten Jänner 1807) der Rittmeister Kraus nach
        <pb n="417" />
        Namslau mit einem Geschwader Chevauxlegers. Und, 
wie er hier vernahm, daß ein Bataillon Preußen mit 
zwei Kanonen von Brieg nach Oppeln, von da zur Veste 
Kosel gegangen sey, setzte er nach. Dreiviertel Stunde 
von Kosel fand er den Jug der Preußen, hieb ein, 
sprengte sie, und machte sieben und sechszig Gefangene, 
darunter den Bataillons= Chef nebst fünf Offizieren, da- 
zu zwei Kanonen und 51 Gewehre Beute. Nur der 
Oberlieutenant Baron Kleudgen, welcher durch manche 
kühne Waffenthat schon Ehre gewonnen, ward hier des 
Todes Raub.“) 
An demselben Tage, da General Raglowsch die 
PVestung Brieg am linken Ufer der Oder einschloß (Zten 
Fänner), geschah es auch durch Mezanelli's Brigade, 
bei Ohlau über die Oder gegangen, am rechten Ufer. 
Mezanelli forderte sogleich, wenn schon vergebens, 
zur Uebergabe auf. Ein gleich darauf erfolgter kleiner 
Ausfall ward zurückgewiesen. Folgendes Tags vollendete 
General Deroy, mit seinem gesammten nachrückenden 
Fußvolk die Einschließung, und schickte den General 
Mezanelli mit den beiden Regimentern Reiterei und 
dem sechsten leichten Bataillon nach Grottkau; den Rü- 
cken des Belagerungscorps zu decken. Zu Grottkau 
aber lag schon eine feindliche Abtheilung von 450 Rei- 
tern. Major Floret vom zweiten Chevaurlegers-Re- 
giment zog mit einer Escadron voraus, und schickte den 
#. 
*) Schwer verwundet wurde der Lieutenant Walter; auch 
ein Gemeiner und sechs Pferde wurden erschossen, zwei 
Chevaurlegers verwundet. (Siehe Armee= Befehl vom 
18ten Jänner 18307. F. 5., öten Juni 1807. f. 1.)
        <pb n="418" />
        Oberlientenant Baron Zweybruͤcken mit zwoͤlf Mann, 
Kundschaft einzuziehen. Dieser, am Thore von Grott- 
kau durch ein heftiges Karabinerfeuer ploͤtzlich uͤberfal- 
len, hieb darum nicht minder ein, und trieb ihn nach 
lebhaften Widerstande in die Stadt zuruͤck, zur andern 
Seite hinaus. Hier erblickte er die feindliche Haupt- 
masse, und zugleich schon von ihr den Lieutenant Gra- 
fen Hirschberg umzingelt, der um die Stadt herum 
geritten war. Er hieb ihn aus der Menge heraus, 
rief seinen Tapfern ein kräftiges Wort zu, dem die noch 
kräftigere That folgte. Er und der brave Wachtmeister 
Börstel voran, stürzten sich die Baiern wild in den 
Feind, der durch die Tollkühnheit derselben erschüttert, 
die Flucht ergriff. Vergebens suchten sich die Fliehenden 
noch einmahl zu sammeln. Anderthalb Geschwader des 
ersten Dragoner-Regiments kamen dem Baron Zwei- 
brücken zu Hülfe, der, wenn gleich sehr verwundet, 
die Preußen noch fast bis Neisse verfolgte, und ihnen 
60 meist verwundete Husaren, mit 60 Perden und ei- 
nen Offizier zu Gefangenen machte. “) 
*) Bei dleser Waffenthat zeichneten sich vorzüglich aus: der 
Oberlieutenant Baron Zweybrücken, der Lieutenant 
Baron Hirschberg, der Major Floret, der Wachtmei- 
ster Börstel, die Corporäle Waldmann, Sgal und 
Gresser der jüngere, die Gemeinen Lauer, Jäger 
und Kothascher, der Dragoner Larner, welcher 
seinem Oberlieutenant, dem Grafen Lerchenfeld das 
Leben gerettet hatte, die Gemeinen Hunold, B auschel, 
Feidel, Meierhofer, Baumeister, Derschem 
und Fischer. (Siehe Armeebefehl vom öten Februar 
1807. JV. 1. und 7.) 
Der Verlust baierischer Seits bestand in einem ver- 
wundeten Öffizier und sieben verwundeten Reitern.
        <pb n="419" />
        Nach diesem Gefecht stellte sich, zum Schutz der 
Belagerung General Mezanelli mit seiner Reiter--Bri- 
gade und dem Bataillon Taxis *) in und bei Grott- 
kau, kurz darauf bei Schoͤnfeld, Konradswaldau und 
Kreisewitz auf; so wie General Siebein, der (am 
1 iten Jänner) mit dem 10ten Linien-Regiment vor Brieg 
ankam, bei Schüsseldorf, Herrnsdorf, Bergisdorf und 
Paula. Major Braun mir seinem leichten Bataillon 
mußte zu Schbnfeld die Verbindung zwischen Mezanelli 
und Siebein unterhalten, endlich auch Schurgast und 
Ldwen besetzen. Nachdem auch das erste Leib-Infau- 
terie-Regiment (12ten Jänner) vor Brieg eintraf, ward 
zu Pampitz, Krauschwitz und Langwitz mit zwei Kano- 
nen aufgestellt. 
Mittlerweile war bei Briesen die vom Feinde ver- 
nichtete Ueberfahrt durch General Raglowich voll- 
kommen wieder hergestellt. Die Vollendung der Wurf- 
batterien ward mit Eifer betrieben; vom Artillerte Ober= 
lieutenant Dietrich der vom Feind verlassene Brücken- 
kopf am rechten Oder-Ufer besetzt, die äußere Brücke 
wieder aufgerichtet, und die Vestung aus den Batterien, 
so oft deren eine vollendet war, mit Nachdruck beschos- 
sen. Dieß und die kühne Rastlosigkeit der Belagerer, 
welche 700 bis 800 Schritt von der Vestung, in vollen 
Kartätschenschuß derselben, bei der strengsten Kälte, mit 
1 
*) Die Bataillons Taris und Braun bildeten sich aus dem 
öten leichten Bataillon, welches einsweilen in zwei gleiche 
Theile getheilet, jedem Theile eine Fußjäger-Compagnie bei- 
gegeben, einer derselben dem Oberstlientenant Grafen Ta- 
#this, der andere dem Major Braun untergeordnet wurde.
        <pb n="420" />
        Schnee und Sturmwind Batterien und Laufgraͤben an- 
legten, erschütterte den preußischen Vestungs-Befehls- 
haber, General Cornerut. — Wie entschlossen er auch 
anfangs jede Aufforderung abgelehnt hatte, unterzeichnete 
er doch schon am 161ten Jänner die Capitulation, und 
übergab die zwar mangelhafte befestigte, doch nicht un- 
wichtige Stadr mit allen ihren reichen Vorräthen.) 
Iweihundert Mann überlieferten sie dem Sieger in 
Kriegsgefangenschaft. Das erste Bataillon von dem vier- 
ten baierischen Linien -Regiment bildete fortan unter 
Oberst Pierron die Besatzung. Weder die Belagerer 
noch die Belagerten hatten bisher bedeutenden Verlust 
an Menschen erlitten, die Baiern nur zwei Getbdtete 
und eben so viel Verwundete. “") 
Der Fall von Brieg vereitelte sowohl die vorge- 
schlagene Zusammenkunft des Fiürsten Anhalt-Pleß 
  
*) Man fand 153 Stücke Geschütz, 738 Zentner Pulver, 
250,000 Flinten-Patronen, 30,000 Karabiner-Patronen, 
1500 Kartätschen, beträchtliche Magazine von Lebensmit- 
teln aller Art, 
*) Noch werde hier der bei der Belagerung geleisteten Dienste 
der baierischen Artillerie, ihren Chef den Major Grafen 
Spretti an der Spitze, vorzüglich aber des Oberlieute= 
nants Dietrich der Batterie des Hauptmanns Göschl, 
welcher auf dem rechten Oderufer nicht allein die Dienste 
eines Artillerie= sondern auch eines Ingenieurs -Offiziers 
versab, und die Besehung des Brückenkopfes und des hin- 
ter selben liegenden Hornwerks mit der größten Einsicht 
und Tapferkeit leitete, ehrenvoll gedacht. (Siehe Armee- 
befehl vom 26ften Jänner 1807. 5. 1. 26sten September 
4807. F. 1.)
        <pb n="421" />
        mit dem Prinzen Jerome zu Pampitz, als auch den 
Wunsch des Fuͤrsten, einen dreimonatlichen Waffenstill- 
stand zu erhalten. Denn mit Brieg hatte der preußische 
Befehlshaber in Schlesien zugleich ein Entschaͤdigungs- 
mittel verloren, welches er für Bewilligung der Waf- 
senruhe anbieten konnte. Prinz Jerome richtete da- 
her den Blick auf die Eroberung der Vesten Kosel und 
Schweidnitz. 
General Deroy wandte sich gegen Kosel. Mit sei- 
ner Dioision waren die Batterien Roppelt, Gdschel, 
Vandouve. Ihm zur Rechten zog die Brigade Me- 
zanelli nebst den leichten Bataillonen Braun und 
Taxis, zur Sicherheit vor feindlichen Wagstücken von 
Neisse her. Er kam vor Kosel an. (23ten Jänner) Die 
Vestung war, nach Montalembert's Vertheidigungs- 
weise in Rechtwinkeln, gänzlich umgewandelt, mit treff- 
lichen Kasematten versehen, und von tiefen mit Capon- 
nieren gedeckten Graben umringt. Darin befehligte der 
tapfere Oberst Neumann an der Spitze vieler Braven. 
Gleichwie Deroy die Stadt mit dem 5ten und 
10ten Regiment, auch dem zweiten Bataillon vom aten 
Linien-Regiment und drei Geschwadern des zweiten Che- 
vaurlegers-Regiments auf dem linken Oderufer umschloß: 
so that dasselbe auf dem rechten Ufer der General Sie- 
bein. Dieser war, der Brigade Raglowich über Op- 
peln folgend, mit seiner Brigade, und begleitet von der 
Batterie des Hauptmanns Peters, vor Kosel erschie- 
nen. Man verlegte die Mannschaft auf die benachbar- 
ten Dörfer umher, und stellte nur die Pikets auf Kano- 
nonenschuß-Weite in die Ortschaften Rogan, Klodniz, 
Kobelviz, Reinsdorf, Pogerzellitz und in das Jägerhaus.
        <pb n="422" />
        Denn die winterliche Witterung war aͤußerst rauh, der 
Frost strenge. Aber auch eben diese Kaͤlte machte es nur 
moͤglich, sich einer Stadt belagerungsweise zu nahen', 
die bei milderer Witterung vermittelst eines vortreffli- 
chen Wasserspiels rings umher den Boden überschwem- 
men kann, der ohndem so sumpfig ist, daß man fast 
überall, wo man einschreitet, schon bei anderthalb Fuß 
Tiefe Wasser erblickt. 
Der Generallieutenant Deroy hatte sein Hauptge- 
lager in Comorn, Siebein zu Januskowitz, Raglo- 
wich in Reinsdorf, Mezanelli zu Oberglogau, von 
wo er Verbindung mit dem kleinen Beobachtungs-Corps 
des französischen Generals Lefebre zu Oppeln Cnach- 
mahls bei Strehlen) unterhielt, welcher die Belagerung 
von Schweidnitz zu decken hatte. 
In den ersten Tagen begnügte man sich einzelne 
Kanonenschüsse zu wechseln, die Umgebungen der Vestung 
zu untersuchen, das von Breslau kommende Belagerungs- 
geschütz unterwegs zu sichern, die ersten Batterien vor 
dem Dorfe Klodnitz, hinter dem Damm und an der 
dußeren Brücke anzulegen, Streifzüge auszusenden, um 
allfälligen Bewegungen des Feindes nachzuspähen, und 
bei Pogerzellitz eine Ueberfahrt der Oder und damit bes- 
sere Verbindung des Belagerungsheeres herzustellen. 
Auch trafen zur Hülfe 30 franzdsische Sappeurs mit zwei 
50 Pfünder Mbrser ein. 
Die Belagerung drohte von langer Dauer zu wer- 
den. Der Befehliger der Vestung hatte jede Aufforde- 
rung abgeschlagen und erklärt, nicht an Uebergabe zu 
denken, bis ihm das Tuch in der Tasche brenne. Er 
beschoß fortwährend, wenn auch ohne Erfolg, die ausge-
        <pb n="423" />
        — 93 — 
stellten Posten, brannte erst eins der Häuser von Klov 
niz, jenseits des Mühlbachs, endlich (206ten Jänner) 
das Dorf Klodniz selbst durch Haubitzgrenaden ab. End- 
lich (28. Jänner) fiel er sogar mit 300 Mann, zwei 
Kanonen und einiger Reiterei aus, vermuthlich um die 
Stellung der Brigade Siebein, die sich rechts an die 
Oder lehnte, zu umgehen, und sich der bei der sogenann- 
ten Eisen-Niederlage befindlichen Artillerie zu bemäch= 
tigen. Gebüsche verbargen anfangs den feindlichen Zug, 
bis er eine kleine Hdhe vor dem montalembertischen 
Thurm erreicht hatte, von da er das heftigste Feuer ge- 
gen das Piket bei der Eisen-Niederlage richtete. In 
verschiedenen Haufen rückte indessen sein Fußvolk gegen. 
den Kanal von Klodniz. 
Allein die ausgestellten Posten, alle vom ersten Li- 
nien-Infanterie= oder Leibregiment, thaten ihre Pflicht. 
Der Lieutenant Baron Griessenbeck warf sich mit sei- 
nem schwachen Piker dem Feinde kühn entgegen. Er 
selbst, obgleich schon im Halse verwundet, nahm mit 
eigner Faust zwei Preußen gefangen. Hauptmann Pe- 
ters ließ eine seiner Kanonen schleunig auf den Kanal- 
damm führen, und sie furchtbar spielen. Hauptmann 
Hofsterten stellte mit nicht geringerm Erfolg eine Kas 
none vor den Eingang des Dorfes. Der Lieutenault 
Anton Baron Gumppenberg bedrohte mit seinen 
Schützen vom ersten Bataillon des Feindes rechte Seite, 
während der Oberstlieutenant Graf Waldkirch rasch 
sämmtliche Abtheilungen des Leib-Regimentes in Be- 
wegung setzte, jedem mdglichen Unfall seiner bedrängten 
Pikets vorzubeugen. Also ward der Feind über den Ka- 
nal zurückgeworfen. Auch das Feuer des am linken 
Oderufer stehenden Pikets (ein Unteroffizier und neun
        <pb n="424" />
        Mann) vom zweiten Vataillon des #ten Linlen-Regie. 
ments wirkte kräftig zum Rückzug der Belagerten; denn 
die Oder ist dort nicht zu breit. 
Denselben Tag verschdnerte die Waffenthat eines 
jungen baierischen Offiziers, des Lieutenants Besserer, 
den der General Mezanelli mit dreißig Mann des 
zweiten Chevaurlegers-Regiments gegen Neisse ausge- 
schickt hatte, um das Treiben des Feindes daselbst zu 
erspähen. Unterwegs nahm er eine feindliche Streif- 
wacht von zwei Reitern gefangen, überfiel nahe bei der 
Vestung im Orte Kauerndorf ein preußisches Cavalerie= 
Depot von 80 Mann, davon jedoch mehrere eben Brod-- 
und Roßfutter zu holen in Neisse abwesend waren, nahm 
acht Gefangene und 51 Beutepferde mit sich, und brachte 
die Nachricht, daß die Besatzung von Neisse in 5000 
Mann zu Fuß und 180 Reitern bestehe. 
„Erst am Aten Februar konnte das Belagerungs-Ge- 
schütz aus allen Batterien thätig werden. Der franzd- 
sische Oberst Blein leitete das Geniewesen. Das Was- 
ser in den Laufgräben hatte alle Arbeiten sehr verzdgert. 
Aber weder die Beschießung an diesem Tage, wodurch 
nur die Gebäude der kleinen Stadt Kosel sehr beschädigt 
wurden, noch die an den folgenden Tagen, brachte den 
Feind, der von den Wällen lebhaft antwortete, auf au- 
dern Sinn. Sein Geschütz traf wirksam gegen die bai- 
erischen Batterien, brachte der Mannschaft Verlust, und 
tddrete unter andern auch den selbst von den Franzosen. 
hochgeschätzten, verdienstvollen Artillerie-Major Grafen 
von Spretri in seiner Batterie, durch das Stück einer 
zersprungenen Grenade. 
Während der Befehlshaber von Kosel die ihm anver-
        <pb n="425" />
        — 95 — 
traute Veste so ehrenvoll zu vertheidigen wußte, übergab 
der preußische Oberstlieutenant Huaack, die dußerst wich= 
tige Vestung Schweidnitz, als Befehlshaber dersel- 
selben, an den General Bandamme (kten Februar), 
doch unter der Bedingung, daß die Besatzung erst am 
16ten Februar kriegsgefangen seyn solle, wenn bis dahin 
Entsatz erfolgen würde. Erst seit dem zehnten Jänner 
war sie von der würtembergischen Division eingeschlossen 
worden. Der preußische Befehlshaber, mit einer tapfern 
und an allen Kriegsbedürfnissen reich versehenen Besatzung, 
hatte anfangs Entschlossenheit bewiesen; Vandamme's- 
erste Aufforderung abschlägig und sogleich mit 1,000 Ka- 
nonenkugeln von den Wällen und mit einem Ausfall auf 
Kletschkan beantwortet, nachher C(I8ten Jänner) eine 
Batterie der Würtemberger zum Schweigen gebracht, 
welche die Galgenflesche, das Jauerniker-Fort und den 
bedeckten Weg der Jauerniker-Flesche beschoß; selbst, 
als endlich die Belagerer (am Sten Februar) den Anfang 
machten, die Stadt aus allen nun vollendeten Batterien 
mit Bomben und Grenaden zu beschiessen, hatte er die 
Besatzung und gesammte Bürgerschaft, treu ihrem Kd- 
nige, die ungeheuere Verwüstung aller Wohnungen nicht 
geachtet, sondern das Feuer von den Wällen tapfer er- 
wiedert, und die wiederholte Aufforderung wiederhole 
abgelehnt. Da gelang der Ueberredungsgabe des Prin- 
zen von Hohenzollern, Adjutanten des Prinzen 
Jerome, was den Anstrengungen der Belagernden al- 
lein nicht gelungen war. Der Oberstlieutenant H aak 
übergab den äußerst wichtigen Platz, voller Kriegs= und 
Lebensmittel, an seinen Gegner, welcher darüber selbst 
erstaunte. 
Unmittelhare Folge dieses Ereignisses war, daß man
        <pb n="426" />
        freie Hand gewann, den Fürsten von Anhalt-Pleg 
anzugreifen, und in seinen Entwürfen zu stdren, die 
er allenfalls noch bis zum 16ten Februar zur Entsetzung 
von Schweidnitz wagen konnte. Schon hatte er sich von 
Neisse nach Glatz begeben, und schon vorbereitend so- 
wohl hier, als in dem festen Standpuner von Wartha 
Abtheilungen seines Kriegsvolks anfeepee 
Allein jetzt machte sich General Lefebre gegen 
ihn auf. Dieser, der bisher mit einem baierischen 
Heerhaufen (dem 2ten Dragoner= dem öten Chevaurle- 
gers-Regiment, dem #ten leichten Bataillon Zoller und 
der Batterie Caspers) bei Strehlen, zur Deckung der 
Belagerung von Schweidniz gestanden war, vereinigte 
mit sich noch, außer dem öten und 14#ten baierischen In- 
fanterie = Regiment und dem leichten dritten Bataillon 
Preysing auch die würtembergische Infanterie-Brigade 
des Obersten Reibel, die vor Schweidnitz frei ge- 
worden war. Mit diesen Truppen brach er gegen War- 
tha auf. 
Es mußte ihm, um sich auf beiden Reisse-Ufern 
frei und sicher bewegen zu können, vor allem daran 
liegen, schnell in Besitz des Klosters Kamentz zu kom- 
men. Darum nahm er alsbald seine Richtung über 
Münsterberg und Altmannsdorf dahin; Oberst Graf 
Seidewitzz; mir dem zweiten Dragoner-Regiment, deckte 
ihm die linke Seite. Die Brücke bei Kamentz war stark 
mit feindlicher Infanterie und Reiterei besetzt, deren 
Pikets sich auf eine halbe Stunde Weges weit vorstreck- 
ten. Aber sie wurden von einem Geschwader Leiningen- 
Chevauxlegers unter dem Oberlieutenant Hertling, 
und den Schuͤtzen des Bataillons Zoller, welche mit 
ein-
        <pb n="427" />
        einander Lefebre's Vorhut ausmachten, alle zuruͤckge- 
worfen, so, daß sie in Eil die Bruͤcke zerstoͤren mußten. 
Hertling ließ rasch aber die Bruͤcke herstellen, und 
jagte tief in die Nacht noch dem Feinde nach, dem er 
vier Husaren und einige Pferde nahm. Er selbst hatte 
zwei Todte; das Bataillon Zoller einige Verwundete. 
Von Kamentz ruͤckte General Lefebre folgendes 
Tags (8ten Februar) gegen die feste Stellung bei War- 
tha an. Aber zuvor schickte er die wuͤrtembergische Bri- 
gade Reibel von der großen Straße nach Wartha rechts 
ab, um durchs Gebirg den linken Fluͤgel der Preußen 
zu umgehen, und von der andern Seite den baierischen 
Obersten Grafen Beckers, mit dem bten Linien-Regi- 
ment, am rechten Neisse-Ufer aufwaͤrts, um, selbst wenn 
auch durch unwegsame Waldberge, den Feind auf dessen 
Rechten zu umflugeln. Erst. Mutags konnten alle auf 
den angewiesenen Punct eintreffen; es waren große Na- 
turhindernisse zu bekämpfen. 
Als Lefebre vor Wartha erschien, ließ er sofort 
die Hdhen, welche Wartha von vorn her umgeben, durch 
das Fusvolk besetzen; die beiden leichten Bataillone, 
näher vor sich links und rechts dehnen, um die Feinde 
zu umklammern; die Batterie Caspers, unter großer 
Gefahr und Anstrengung, gedeckt durch das Dragoners 
Regiment Taris, auf die Berge bringen, von denen 
die Stellung der Preußen bestrichen werden konnte. Alle 
diese Bewegungen geschahen mühselig und langsam; 
und nur erst, als män gewahr ward, Oberst Beckers 
habe seine schwere Aufgabe glücklich gelder, den Feind 
umgangen, dessen rechten Flügel im Gedränge, befahl 
Lefebre allseiligen Angriff. Mit Perlust manches ta- 
Pfern Baiern hatte Graf Beckers mit dem sechsten 
II. ates Buch. 7
        <pb n="428" />
        — 98 — 
Linien-Regiment, einem Kartätschenhagel aus der feind- 
lichen Batterie entgegen, sich aus den Engwegen her- 
vor entfaltet, und die Stellung erobert. Zugleich war 
die würtembergische Brigade, allen Hindernissen zum 
Trotz, aus Ziel gelangt; der linke preußische Flügel von 
ihr umgangen. Nun stürzten von den Bergen herab 
links und rechts die beiden leichten Bataillone gegen die 
Stadt, hieben das Pfahlwerk um, und stürmten mit dem 
Bajonett hinein. Das Regiment Leiningen-Chevaur= 
legers, an der Spitze desselben, (weil der Oberst Baron 
Zandt gefährlich krank lag) der Rittmeister Gambs,) 
verfolgte die Fliehenden, und machte ihnen mehrere Of- 
siziere und 300 Gemeine zu Gefangenen. Das war die 
Wirkung eines dreistündigen Gefechts. Lefebre rückte 
nach. Das brave Regiment Taris-Dragoner, mit Ver- 
lust eines Lieutenants, der gefangen wurde, und sechs 
schwer Verwundeter, trieb noch den Feind am Ausgang 
des Gebirgs aus dortigen Verschanzungen, die mit Fuß- 
volk und Geschütz besetzt waren. Der Feind ließ sech- 
zehn verwundete Schützen zurück, und floh, eine halbe 
Stunde von da, in die Veste Glatz. 
In allem hatten die Sieger bei diesem Gefecht zehn 
Todte, sechzig Verwundete. Der Verlust der Geschla- 
genen war bedeutender. Mit Recht erndtete General 
Lefebre Ruhm von diesem Gefechte, in welchem die 
  
*) Zwar sagt ein Tagesbefehl des französischen General 
Hedouvilles, es sey der französische Oberstlieutenant 
Vouillsé gewesen, welcher genanntes Regiment während 
jenes Gefechtes gegen den Feind führte. Dem war aber 
nicht also; so erklärte es bald darauf das gesammte Offi- 
zier-Corps des Regimentes Leiningen. Bouillé kr- 
schien erst, als jenes Regiment siegreich in die angewis- 
senen Cantonirungen zog.
        <pb n="429" />
        wärtembergischen Truppen mit den baierischen in Aus- 
dauer und Unerschrockenheit wetteiferten. ) Darauf 
nahm Lefebre mit dem leichten Bataillon Preysing 
und dem ersten Dragoner: Regimenk eine Stellung vor 
Glatz; das übrige Kriegsvolk ward zwischen da und 
Wartha in enge Cantonicungen verlegt, um den Feind 
zu beobachten, daß er, wenigstens bis zum 10ten Fe- 
bruar, als den für Schweidniz entscheidenden Tag, kei- 
nen Entsatz dahin bringen kbnne, 
Noch waren es bis dahin nur wenige Tage, als 
von mehreren Seiten Nachricht einlief: Es ziehe sich 
eine ansehnliche Abtheilung von den besten Truppen des 
Fürsten von Anhalt-Pleß aus der Gegend von Reinerz 
über Wünschelburg durch dsterreichisches Gebiet gegen 
Friedland. General Vandamme mußte vor Schweid- 
niz allerdings durch diese Bewegung der Preußen in 
große Verlegenheit gerathen. Es blieb dem General 
Lefebre kein Augenblick zu verlieren übrig, wollt’ er 
den Fall von Schweidniz sichern, sogleich den anrücken- 
— ——— 
  
") Unter den Bal#ern that sich besonders das Regiment Lek- 
ningen-Chevaurlegers, und sein Anführer Gambs her- 
vor. Ausgezeichnet hatten sich vorzüglich dabei die Ober- 
lieutenants Hertling, Scholl, die Lieutenants van der 
Mark,. Montgrif, Herrmann und Deisenberg, 
det Corporal Hetrmann, die Chevaurlegers Hetinger 
und Lehnert, letterer, weil er seinen vom Feinde um- 
ringten Oberlieutenant aus großer Gefahr rettete. 
Das brave öte Linien -Regiment hatte, geführt durch 
seinen ausgezeichneten Obersten Grafen Beckers, vorzüg- 
lich zu glücklicher Entscheidung des Tages beigetragen, und 
General Lefebre ließ demselben die genügendste Gerech- 
tigkeit widerfahren= Oberst Beckers bezeichnete den 
7 re
        <pb n="430" />
        — 100 — 
den Feind durch eine Diversion vom Belagerungsheere 
entfernt zu halten. Zu dem Ende beschloß er, den Feind 
aufzusuchen, sich zwischen denselben und dessen Ruͤckzugs- 
linie zu werfen, und demselben den Rückzug auf Wün- 
schelburg zu erschweren oder unmdglich zu machen, es 
sep denn, daß die Preußen das neutrale dsterreichische 
Gebiet zum andernmahle verletzen wollten. 
Er gieng also (135ten Februar) mit dem wenigen 
baierischen Kriegsvolk, das ihm zur Verfügung war, näm- 
lich dem Aten leichten Bataillon, dem sechsten Linien- 
Regiment zu Fuß, drei Geschwadern Leiningen-Che- 
vaurlegers und fünf Kanonen der Batterie Caspers. 
nach Neurode, von wo er zwei Geschwader der Chevaur- 
legers bis Kdnigswalde, als Vorhut, rücken ließ, die, 
wegen Krankheit der beiden Staabs-Offiziere des Re- 
giments, vom franzdsischen Obersten Bouillé befeh- 
ligt wurden. Die Stellung bei Kdnigswalde war darum 
  
Hauptmann Schindling als einen der Tapfersten bei 
Erstürmung der Stadt und der feindlichen Batterie; nicht 
minder bemerkte er ehrenvoll die Sergeanten Dietz, 
Mayer, Winter, die Grenadiere Zellner und 
Kummermayper, welche letztere dem Feinde einen Mu- 
nitions-Wagen abnahmen. Das leichte Bataillon Zoller 
hatte unter seinem tapfern Führer ruhmvoll gedient, die 
Hauprleute Storchengu und Schimmel, die Lieuns 
tenants Schwaben und Winkler, die Sergeane 
Kern und Pfaffelhofer waren hervorstehend bemerkt 
worden. Der Hauptmann März und Lieutenant Höfel 
des öten leichten Bataillons Preysing wurden ehrenvolk 
genannt, der Corporal Seltner des Negiments Tarise. 
Dragoner von seinem würdigen Obristen, dem Grafen Sei- 
dewiz, slänzend belobt.
        <pb n="431" />
        — 101 — 
wichtig, weil die Baiern nur durch ihren Besitz vermb- 
gend waren, aus den sehr engen Pässen hervorzugehen 
und sich jenseits derselben zu entfalten. Allein- schon 
folgendes Morgens verkündete Kanonendonner, bald auch 
der Oberst Bouill'é, daß die beiden Escadronen von 
der ganzen feindlichen Masse, und zwar von 1500 Mann 
zu Fuß, 300 zu Pferd und einer Batterie angegriffen 
wären. 
Drittehalb Stunden lang wußten sich die hundert 
und fünfzig Chevauxlegers gegen die Uebermacht durch 
Tapferkeit und kluge Anordnung des Obersten zu behaup- 
ten. Das zweite Bataillon des sechsten Regiments er- 
reichte vom Fußvolk zuerst den Kampfplaz, und unter- 
stützte sogleich die bedrängte Reiterei. Das erste Batail= 
lon führte der Oberst Graf Beckers unterdessen auf 
die nach Friedland gehende Hauptstraße, um dem Feinde 
die Räckzugs-Linie zu nehmen; und Oberstlieutenant 
Baron Joller führte das vierte leichte Bataillon durch 
tiefen Schnee und Nebel seitwärts', wohin auch die 
übrigen Abtheilungen giengen, den rechten Flügel des Geg- 
ners zu umgehen. 
Kaum bemerkte der Feind, ihm sey der Rückzug nach 
Wünschelburg entrissen, verließ er die Straße nach Fried- 
land, setzte sich auf die waldigen Höhen beim dsterreichi- 
schen Dorf Schdnau, und stellte sein Geschütz daselbst 
ungemein vortheilhaft. Eben dieß Geschütz verursachte, 
daß das zweite Bataillon, welches, ohne alle Artillerie, 
fechtend durch Waldungen nachdrang, auch nach hart- 
näckigem, dreistündigen Kampfe nichts Entscheidendes 
leisten konnte. Aber indem es den Feind so lange in 
Schach hielt, gewann Oberstlieutenant Zoller damit 
Jeit, sein Bataillon durch das verschneite Gebirg und
        <pb n="432" />
        — 102 — 
ihm ganz unbekannte Gegenden, durch den Breitengrund 
auf die Höhe des sogenannten Hengsthübel auf die rechte 
Seite und sogar in den Rücken der Preußen zu bringen. 
So wurden diese, fast gänzlich gesprengt, gezwungen, 
sich auf Oesterreichs neutralen Boden zu flüchten, wo- 
hin den Siegern zu gehen verwehrt blieb. Und nur auf 
diese Weise gelang, daß der Ueberrest vom Corps des 
Fürsten Anhalt-Pleß nicht, nach diesem siebenstundigen 
Gefecht, vollkommen vernichtet wurde. Der Feind verlor 
400 Gefangne nebst acht Offizieren, die gefangen genom- 
men wurden, auch zwei Kanonen, um deren Besitz lange 
und blutig gestritten worden war; dazu an Todten zwei 
Offziere und 30 Mann. Die Baiern hatten 8 Todte, 
60 Verwundete. Es bedarf keiner Bemerkung, wie hel- 
denmüthig bis zur Ankunft des Fußvolks, jene beiden 
Escadronen Chevaurlegers *7), so wie die Tapfern des 
zweiten Bataillons ") gefochten hatten. Entschieden war 
jedoch das Gefecht durch das #te leichte Bataillon ge- 
worden, dessen Befehlshaber Oberstlieutenant Baron Zol- 
ler sich auch hier, als einer der trefflichsten Führer her 
wieß.) 
*) Der ÖOberlieutenant Bernard, der Lieutenant Deisen- 
berg, der Wachtmeister Sauter, der Corporal Kareck, 
die Chevaurlegers Gebhard, Küchle, Doefner und 
Würz hatten sich vorzüglich ausgezeichnet. 
“) Porzüglich die Lieutenants Hohenberger, Nep sen. 
und Geisler, die Corporäle Strohmeder und Win- 
ter, ferner die Gemeinen Sedelmaper und Pinsner 
hatten sich besonders hervorgethan, die letzten Beide zu 
Wegnahme einer Kanone beigetragen. 
re) Lieutenant Gradinger von diesem Bataillon nahm, ob- 
gleich verwundet, dem Feinde eine hartnäckig vertheidigte
        <pb n="433" />
        — 103 — 
Am Abend dieses Tages, der denn die wirkliche 
Uebergabe des Platzes von Schweidniz entschied, gieng 
Lefebre nach Neurode, dann nach Wartha zuruͤck, mit 
Ausnahme der vor Glatz stehen gebliebenen Abtheilungen. 
Die Belagerung und Beschiessung von Kosel hatte 
inzwischen ihren Fortgang gehabt. Die Stadt war da- 
durch viel beschädigt worden. (Eine auf die Haupt- 
wacht gefallene Bombe tddiete vier Mann und verwun- 
dete eben so viele). Auch war die Jahl der preußischen 
Ueberläufer sehr groß. (Bis zum 138ten Februar schon 
über 500 Mann.) Demungeachtet ward mit dem Allen 
Kanone weg, und selbst nach solcher That entsagte er noch 
augenblicklich ihm heilsamen Verbandes, um dem fliehen- 
den Gegner selbst bis an die Gränze Böhmens noch den 
möglichsten Abbruch zu #thun. Lientenant Schwaben 
nahm mit großer persönlicher Anstrengung dem Feinde einen 
Munitions -Wagen ab. Der Major Weltmann und 
Hauptmann Storchenau zeichneten sich, so wie Haupt- 
mann Schmiel, die Lieutenants Prösl und Winkler, 
durch die größte persönliche Tapferkeit aus. 
Der Corporal Löbl, die Gemeinen Hirschvogel, 
Post, Fischhater, Hofmann und Raschbugler, 
dann der Gemeine Beußner des öten Linien-Regiments 
veranlaßten unter obengenanntem Öffizier die Wegnahme 
erwähnter Kanonen; die Schüßten= Corporäle, Kern, 
Weinmüller, Breg, Schlirf und Koch, die Schi- 
ben Hanser, Sedelmeier, Hupfauer und 
Heidelkampf hatten nicht minder Perdienst. Der die- 
sen Kampf leitende französische General erkannte noch über- 
dieß das, was erwähntes Bataillon während desselben ge- 
leistet, so folgenreich an, daß prinz Jerome die beiden 
eroberten Kanonen jenem Bataillon vor der Hand als Sie- 
geszeugen zur Vertheidigung anvertrgute.
        <pb n="434" />
        fuͤr den Generallieutenant Deroy wenig gewonnen. 
Denn nun traten, zum Gläck der Belagerten, Thau- 
und Regenwetter ein. (Den 11ten Februar). Bald 
stand die ganze Ebene rings um Kosel unter Wasser. 
Die Verbindung zwischen den Pikets ward unterbrochen. 
Das Geschütz konnte aus mehreren Batterien nur noch 
mit großer Mühe zurückgezogen werden, eh' es ersäuft 
ward. Das vom Obersten Blein bei Kanterszin an- 
gelegte Werk, dem Feinde das Trinkwasser abzuschneiden, 
gieng dabei gänzlich zu Grunde. Mehrere Posten an 
der Oder und bei der Ziegelhütte mußten wegen der 
wachsenden Ueberschwemmung eingezogen werden. Zu- 
letzt da die Oder immer mächtiger anschwoll, konnte 
man sogar die Beschiessung des Mlatzes nicht einmahl 
mehr fortsetzen, weil Laufgräben und Batterien unter 
Wasser standen, und nur mit Gefahr und Mühe, (we- 
gen des feindlichen Feuers von den Wällen 9 nachmahls 
ausgebessert werden konnten, als die Wasserhoͤhe wieder 
abnahm. 
Zu diesem allen trat ein neuer Umstand, welcher 
den Gang der Belagerung laͤhmte. Prinz Jerome, 
der um diese Zeit erfahren hatte, daß ein starkes rußi- 
sches Corps gegen Schlesien im Anzug sey, wollte eiligst 
einen Heerhaufen von 10 bis 12,000 Mann bei Oels 
zusammen ziehen. Dahin mußten auch die Generale 
Lefebre und Mezanelli mit dem groͤßern Theile ihrer 
Truppen aufbrechen. So wurde sowohl das Belagerungs- 
Corps vor Kosel, als der bey Oberglogau zur Beobach- 
tung aufgestellte Heerhaufe ungemein geschwaͤcht, und 
damit den Zuruͤckbleibenden der beschwerlichste Dienst 
aufgebuͤrdet. Zum Gluͤck dauerte dieser Zustand nicht 
lange. Die Siege Napoleons in Preußen zerstreuten
        <pb n="435" />
        — 105 — 
bald alle Sorge vor dem Erscheinen der Russen in Schle- 
sien. Was nach Oels gezogen war, kehrte zu den fruͤ- 
hern Bestimmungen zuruͤck. Nur das erste und sechste 
Linien-Regiment giengen als Besatzung nach Breslan; 
das siebente besetzte Ohlau; das vierzehnte (mit Aus- 
nahme von drei vor Kosel stehenden Compagnien) 
Schweidnitz;z das fünfte leichte Bataillon Lamotte 
die Festung Brieg. Und wie Deroy die BVeste Kosel, 
so belagerte Vandamme mit den Würtembergern Neisse. 
  
8. 
Gang des Feldzugs in Polen und Preußen. 
Gefechte an der Ukkra. Treffen bei Sol- 
dau und Pultusk. Schlacht bei Eplau. 
Gefecht bey Ostrolenka. 
Wirklich konnten Napoleons Fortschritte in Po- 
len und Preußen Gewähr leisten, daß weder Alerander 
von Rußland, noch König Friedrich Wilhelm sobald 
den schlesischen Fürstenthümern Hülfe senden würden. 
Die russischen Kriegsvölker unter den Generalen 
Sedmaretzki und Benningsen hatten schon, gleich 
nach dem Einzug der Franzosen in Warschau, sich vom 
rechten Weichsel-Ufer bis hinter die Narew (2ten und 
Sten December 1806) zurückgezogen. An der Narew und 
Ukkra blieb aber nur ihre Vorhut; die Hauptstärke lagerte 
sich an den Ufern des Orzic, in den Umgegenden von 
Ciechanow, Dilewo und Ostrolenka. Diese rückgängige 
Bewegung nbthigte auch die bei Thorn aufgestellten Preu- 
ßen, unter General Lestocq, sich gegen Nowogrod
        <pb n="436" />
        — 106 — 
zurückzuzkehen. Ungern räumten die Preußen ihren Fein- 
den so viel Feld ohne Schwertstreich ein. Als Ben- 
ningsen, gleich darauf (Zten December), als wäre er 
seiner Verfügung reuig, die Russen gegen Pultusk, die 
Preußen gegen Thorn vorrücken lassen wollte, war'S zu 
spät. Denn nun hatten sich die franzdsischen Feldherrn 
schon der wichtigsten Weichsel-Uebergänge bei Zakrotzin, 
Modlin, Wischegrod, Plozk und Thorn bemächtigt, und 
sie mit Brückenkoöpfen in Vertheidigungsstand gesetzt. 
So mußte sich Benningsen mit Behauptung der obern 
Narew und Ukkra begnugen, und Lestocq durch Mar- 
schall Ney über Gollup und Straßburg gedrängt, mußte 
an der Presenz Fuß fassen. Fruchtlos blieb es, daß 
Benningsen den Versuch machte (11ten December), 
wenigstens Meister des Punctes Modlin an der Weich- 
sel zu werden; daß er ein Geschwader Husaren und eine 
Compagnie Jäger auf's rechte Ukkra= Ufer gegen Mod- 
lin voraussandte, dem er die zweite Diodision seines 
Heers über Nassielsk nachschickte. Marschall Davonst 
hatte schon am gleichen Tage in aller Frühe die Brigade 
Gauthier über den Bug setzen lassen, ohnweit dem 
Dorfe Ocunin und dem Einfluß der Ukkra; hatte sie, 
während der Uebergangspunct durch einen Brückenkopf 
gedeckt ward, bis zum Dorfe Ponikowo vorgehen las- 
sen, wo sie ohne Mühe die russischen Husaren und J#- 
ger auf ihr Hauptcorps zurückwarf. Letzteres blieb da- 
bei ganz unthätig und gieng in die Stellung bei Pul- 
tusk (15ten December) zurück. 
Napoleon, der jetzt Posen, wo er bieher ver- 
weilt hatte, verließ (16ten December), und in Warschau 
(1o0ten December) einzog, setzte nun seine Gesammtmacht 
mit Ausnahme derer, welche die eroberten Provinzen
        <pb n="437" />
        — 107 — 
hinter ihm deckten ') gegen den Feind in Bewegung. 
Augereau gieng (schon am 10ten December) zwischen 
Zaskrotzim und Ultrata über die Weichsel; dasselbe that 
Marschall Bessieres bei Thorn, der bis Biezun gieng. 
Ney gog sich bei Gollup zusammen. Ihn zu unterstü- 
tzen machte Bernadotte die gleiche Bewegung vor- 
wärts. Soult setzte bei Plozk und die Cavoalerie= 
Reserve, welcher das Corps von Davoust folgte (am 
22ten December) bei Praga, der Vorstadt von Warschau, 
wo ein verschanztes Lager aufgeschlagen war, üuber die 
Weichsel. Welche Stellung die Franzosen nahmen, sie 
deckten dieselbe mit Verschanzungen, den Uebergang jedes 
Flußes mit einem Brückenkopf. 
Die Absicht des franzsischen Kaisers war, über 
die Narew zu gehen. Dahin zielten alle seine Bewe- 
gungen von der Weichsel aus und von Warschau. Da- 
zu mußte aber erst die Ukkra überschritten werden. Ihm 
stand dort die rußische Macht unter Buxhoevden und 
Benningsen entgegen. Das Hauptgzelager derselben 
zu Pultusk, waren die Abtheilungen ihres Heers bei 
Pultusk, Popowe, Lopatschin und Zbrosky aufgestellt, 
um das linke Narew-Ufer und die Ufer des Bug zu 
sichern, Eine besondere Division bildete die Kette der 
*) Das zte Corps unter Mortier stand zwischen Stettin 
und Anclam; die Grenadier-Divisson Oudinot in und 
bei Cüstrin; vier aus Italien angekommene Cuirassser= 
Regimenter zu Berlin; die Division Lecchi zu Magde- 
burg; die großherzoglich = badischen Truppen zu Stettin; 
die Division Zaionczeck zu Leipzig; eine Division der 
Reserve-Armee des Marschalls Kellermann zu Mage 
deburg.
        <pb n="438" />
        — 108 — 
Vorposten längs der Narew von Zegrz bis Czarnowe, 
und, auf dem linken Ukkra-Ufer die Verbindung von 
Czarnowe mit Kollosump. Nasielsk, den Hauptpunct 
zwischen der Ukkra und Narew, hütete eine andere 
Division. 
Napoleon aber, nachdem er die Ufer der Ukkra 
und die zahlreichen Verschanzungen der Rußen daselbst 
in Augenschein genommen, ließ plotzlich (25ten Decem- 
ber) binnen zwei Stunden, dort wo die Ukkra in die 
Narew fällt, über den erstern Fluß eine Brücke schlagen, 
und die Brigade Morand, die Reiter-Brigade Mo- 
rulaz, die Dragoner-Oivision Beaumont, endlich 
das ganze Corps des Marschalls Davoust übergehen. 
Der Zug wandte sich gegen Czarnowe, wo der General- 
lieurtrenant Graf Ostermann nur mit sieben Batail- 
lonen stand. Die Franzosen begannen den Angriff aus 
Batterien, die sie Nachts zuvor angelegt hatten. Auf 
Bdten und Flbssen setzte General Petit mit einem Re- 
giment Fußvolk über die Narew, um die russischen Vor- 
posten und Brücken-Redouten zu nehmen. Wie tapfer 
auch die Rußen stritten, zweimahl warfen sie ihren Feind 
zurück, mußten sich dennoch endlich aus den Verschan- 
zungen durch die Uebermacht verdrängen lassen, und nach 
Nasielsk, nach Verlust von 34 Offizieren und O00 Mann, 
zurückziehen. Dreizehn Stunden lang, von Nachmit- 
tags 2 Uhr, bis Morgens gegen 53 Uhr, die ganze Nacht 
hindurch, hatte Ostermann widerstanden, um den 
Räckzug sämmtlicher Rußen von der Narew und der 
bei Kollosump unter General Barclai's Befehl stehen- 
den Vorhut möglich zu machen. Aber auch bei Nasielsk 
ward er (Toten December) vom nachfolgenden Feinde ver- 
drängt; daher setzte er seinen Rückzug in bester Ordnung 
nach dem Kloster Stregoczin fechtend fort.
        <pb n="439" />
        — 109 — 
Dahin nahm auch General Barclai seine Rich- 
tung, der gleichzeitig, wie Ostermann, angegriffen 
worden war. Denn gegen ihn hatte sich Marschall 
Augereau aufgemacht. Die Reiterei des General 
Nansoutpy hatte die russische Reiterei bei Kursomp vom 
rechten zum linken Ukkra= Ufer getrieben, dann das ganze 
stebente Armeecorps der Franzosen, trotz des furchtbar- 
sten Feuers der Russen, den Uebergang über die Ukkra 
erzwungen. So zog sich Barclai, mit Verlust vom 
größten Theil seines Gepäcks, nach Stregoczin, zum Ge- 
neral Ostermann, zu welchem auch General Sed- 
maretzky mit der sechsten russischen Division stieß, 
von Prusky kommend. Aber aus Furcht, die Franzosen 
mochten früher nach Pultusk und Ostrolenka gelangen, 
brachen die russischen Feldherrn noch nämlichen Tages 
in der späten Nacht auf mit ihren Schgaren, und er- 
reichten mühsam auf bodenlosen Wegen, (Mittags 25ten 
December) die Stadt Pultusk. Diese Stellung, welche 
Benningsen's Corps einnahm, kräftiger zu unter- 
stützen, eilte die fünfte Division von Burhoevden's 
Corps nach Makow, die siebente unter dem Fürsten 
Gallizin als Vorhut Burhoevdens, nach Golymin, 
ein Regiment Reiterei gegen Ciechanow absendend. 
Auch die Preußen, unter General Lestocgq hatten 
sich von der Ukkra, wo sie bei Straßburg gestanden wa- 
ren, nach Kunsrok und Biezun zurückbegeben müssen, 
um nicht vom russischen Heere abgeschnitten zu werden. 
Denn gegen sie hatte sich Marschall Ney gewandt, und 
schon die Division Marchand nach Gurzno gehen las- 
sen. Verfolgt in allen Bewegungen wurden sie vom 
Feinde endlich bei Soldau (25ten December) erreicht. 
Hier erfolgte eins der wildesten Gefechte. Die Preußen
        <pb n="440" />
        — 110 — 
fochten, ihrer schönsten Zeiten würdig. Mit kaum 7,000 
Mann vertheidigten sie den Ort gegen vielfache Ueber- 
macht. Von Straße zu Straße schlug man sich mit 
dem Bajonett. Und noch, als Soldau schon verloren, die 
Nacht da war, griff Lestocq wiederholt, wenn gleich 
vergebens an. So blieb dieser Heldenschaar nichts, als 
sich, nach bedeutendem Verlust gegen Neidenburg, und 
von da endlich hinter die Alle nach Friedland und Ger- 
dauen zu ziehen. 
Das Hauptziel Napoleons war, das russische 
Heer unter Benningsen bei Pultusk zu schlagen. 
Daher rückte er, der elenden Wege ungeachtet, unauf- 
haltsam fort. Sein linker Flügel unter Bernadotte, 
Ney und Bessieres zog über Biezun gegen Grodno; 
Marschall Soult gegen Ciechanow, von wo und von 
Lopaczyn die russische Heerabtheilung Sackens und 
deren Nachhut unter General Pahlen auf Pultusk 
zurückgeworfen wurden (25ten December); Marschall Au- 
gereau gegen Golymin; Davoust in der Richtung 
zwischen Golymin und Pultusk; das Corps des Mar- 
schall Lannes und ein Theil des Corps vom General 
Süchet unmittelbar gegen Pultusk. 
Hier hatte General Benningsen seine gesammten 
Streitkräfte, ohngefähr 35,000 Mann beisammen, und 
den Entschluß gefaßt, obgleich sein Heer an Lebensmit- 
teln Mangel litt, und sehr ermüdet war, die Schlacht, 
wenn sie geboten würde, anzunehmen. Die zweite, 
sechste und den größten Theil der vierten Heer-Abthei- 
lung stellte er am rechten Narew-Ufer in einer nicht 
großen Ebene auf, die links an die Stadt, rechts an 
das Dorf Mosczina gelehnt, von drei Seiten mit Wald,
        <pb n="441" />
        — 111 — 
und von der vierten durch die Narew umfaßt war. Die 
rechte Seite dieser Stellung, die Straße nämlich nach 
Ostrolenka, war theils durch die siebente Heerabtheilung, 
tbeils durch einzelne Schaaren unter den Generalen Für- 
sien Galizin und Grafen Pahlen gedeckt; links bin- 
gegen hüteten die achte und vierzehnte Division die Brücken 
bei Pultusk und Zomsk, und die Verbindung mit dem 
Grafen Burhoevden. Vorwärts dieser Seellung bei 
Golpmin befand sich die siebente Heerabtheilung mit 
einigen Regimentern der dritten und vierten; und bei 
Popowe, am linken Narew-Ufer, die achte und vier- 
zehnte. 
Am 26ten December des Morgens um 10 Uhr er- 
schienen Suchet und Lannes vor Pultusk. In sechs 
Colonnen rückten die franzdsischen Schlachthaufen zuerst 
gegen Benningsen's linken Flügel, in eben so vielen 
Colonnen bald darauf gegen den rechten Flügel, dessen 
Vorhut Barclai de Tolli befehligte. Dieser ward 
anfangs zurückgeworfen. Schon entwickelten sich hinter 
einer Kette reitender Jäger neue Colonnen, welche die 
rußische Heermitte durchbrechen sollten. Aber plötzlich 
hielt ein morderisches Kartätschenfeuer aus mehreren 
verdeckten Batterien das weitere Vordringen der Fran- 
zosen auf. Indem Benningsen seinen rechten Flügel 
etwas zurücknahm, und den General Barclai mir sechs 
frischen Bataillonen unterstützte, ward auch hier die Ge- 
fahr des Umgangenwerdens vermieden. Die Rußen 
des linken Flügels, fochten mit nicht geringerm Glück. 
.Mehrmahls erneuten die Franzosen muthvoll ihren An- 
griff, mehrmahls wurden sie zurückgeschlagen, bis die 
Dunkelheit der Nacht eintrat, und General Öster- 
mann an der Spitze mehrerer rußischer Angriffscolon=
        <pb n="442" />
        — 112 — 
nen den weichenden Feind in den Wald zuruͤcktrieb. Bis 
acht Uhr Abends hatte der schwere Kampf gewaͤhrt, 
blutig fuͤr beide Heere. Aber beide schrieben sich den 
Sieg zu; die Rußen, weil sie es waren, welche das 
Schlachtfeld behaupteten; die Franzosen, weil sie ihren 
Zweck erreichten. Denn Benningsen verließ mit sei- 
nem Heer schon um Mitternacht Pultusk, und zog sich 
nach Ostrolenka zuruͤck. 
Es war an eben diesem Tage, daß Marschall Da- 
voust, noch im Verfolgen der rußischen Abtheilungen 
begriffen, die sich nach dem Gefechte bei Nasielsk zurück- 
gezogen hatten, auf diese und die Division des Fürsten 
Galizin stieß ohnweit Golymin. Davoust besetzte 
sogleich ein Gehölz zur Rechten der Rußen; links waren 
diese in Gefahr vom Marschall Augereau umgangen 
zu werden, so wie von der Reiterei des Großherzogs 
von Berg. Dennoch behaupteren sich die Rußen mit 
unerschrockenen Murh in mörderischem Kampfe bis Abends 
0 Uhr. Oann erst, nach großem Verlust von beiden 
Seiten, trat Galizin seinen Rückzug nach Makow an, 
wo er auf die Nachhut des Generals Burhoeroden 
stieß, mit der vereint er den Rückzug fortsetzte. Schon 
stand Marschall Soult zwei Meilen von Makow zu 
Mosati. Nur die vom Thauwetrter verderbtern Wege 
hemmten ihn im schnellern Vorrücken, und retteten die 
Heerhaufen Galiziw's. 
Nach diesen Ereignissen beobachtete Napoleon 
die sich entfernenden Heere seiner Feinde nur mit klei- 
nen Abtheilungen. Er beschloß, sich einsweilen auf 
Behauptung der Weichsel zu beschränken, weil die Jahrs= 
zeir rauy, jeder Weg grundlos, und das Kriegsvolk 
hoͤchst
        <pb n="443" />
        — 113 — 
höchst erschbpft war. Er verlegte dieses in die Winter= 
lager; die Marschälle Ney, Bernadotte und Bes- 
sieres auf den linken Flügel; die Marschälle Soult, 
Davoust und Lannes von Pultusk bis zu den Ufern 
des Bug. Drei leichte Reiter-Brigaden der Division 
Lasalle besetzten die Ufer des Flüßchens Orzye, der 
an Makow vorüber zur Narew fließt. 
General Benningsen aber, welcher sein Corps 
bei Novogrod, und Buxhdvden, der das seine im Amt 
Klein-Plozk aufgestellt hatte, faßten den Entschluß, 
sich keine Ruhe zu gewähren, sondern mit vereinter Kraft 
die verlorne Grundlinie ihrer Unternehmungen, den 
Weichselstrom wieder zu gewinnen, von dem sie vierzig 
Meilen weit zurückgeworfen standen. Auch da, nach 
Buxhdovden's Emfernung vom Heere, Benningsen 
allein den Oberbefehl desselben führte, blieb er dem 
großgedachten Entwurfe treu. Doch später, als be- 
schlossen war, begann man die Vollziehung. Erst am 
täten Jämner setzte sich die rußische Kriegsmacht über 
die altostpreußische Gränze hervor in Bewegung. Ihr 
den Rücken und den linken Flügel zu decken, blieb eine 
Division hinter dem Bobr und der Bissa stehen; eben 
so wurden zwei Divisionen zu gleichem Zweck bei Bransk 
aufgestellt, damit die Franzosen nicht seitwärts durch 
die ostrolenkischen Wildnisse vordrängen. 
Es war nun darum zu thun, in rascher Bewegung, 
der sich rechts die Preußen anschließen sollten, gegen 
die Weichsel zu dringen, und die Heerhaufen der Mar- 
schälle Bernadotte und Ney entweder abzuschneiden, 
oder zum eiligen Rückzug über diesen Strom zu ndthi- 
gen; zugleich auch, vermittelst einer Wendung gegen 
II. Stes Buch- 8
        <pb n="444" />
        — 114 — 
Rein, die schwach beschirmte Hauptstadt Koͤnigsberg zu 
retten, die von den Franzosen schon aus Elbing und 
Christburg bedroht stand. Lestocq's preußisches Corps 
brach auf nach Dornhofstadt; Bernadotte zog sich 
nach Morungen zurück; Ney's Winterlager wurden 
überfallen, indem die Rußen auf Kloster Heiligenlinde 
hinzogen. Diese überschritten die Passarge, während 
die Vorhut ihres rechten Flügels zwischen Mohrungen 
und Liebstadt (25ten Jänner) auf die Brigade Pactod, 
Bernadotte's Nachhut, stieß. Der rußische General 
Markow, ohne vom Hauptheere weitere Unterstützung 
zu begehren, griff die Brigade an, welcher bald die Di- 
vision Drouer zu Hülfe eilte. Markow ward da- 
her, nach heftigem Gefecht, zurückgeschlagen; während 
das Corps des Fürsten Galizin zu Deppen, Kauf- 
stein und Alt-Reichau in der Nähe, ja im Rücken der 
Franzosen unthätig stehen blieb. Und nun, statt an- 
griffsweise fortzuschreiten, stellte sich Beuningsen's 
Hauptmacht, 70 bis 75,00 Mann stark, auf den Anhöhen 
von Liebstadt, zwei Meilen weiter zurück. Diese rück- 
gängige Bewegung benutzte Bernadotte desto behen- 
der, sich der Gefahr gänzlicher Vernichtung zu entziehen. 
Schleunigst gebot Napoleon, welcher bisher zu 
Warschau Aufenthalt genommen hatte, allen seinen Hee- 
ren den Aufbruch aus den Winterlagern (Soten Jänner.) 
Da zog Marschall Lannes seine Kriegsschaaren bei 
Brok zusammen, dem Heerhaufen des rußischen Generals 
Essen am obern Bug entgegen, der aus dem Innern 
der Moldau zu Benningsen's Verstärkung kam. Ihm 
zunächst nahm Davoust bei Misnik Stellung. In der 
Mitte der langen Heereskette, welche die Mitte Polens 
und Preußens vom Bug bis zum frischen Haf quer
        <pb n="445" />
        — 115 — 
durchschnitt, siellte sich S.oult, die kaiserliche Garde, 
die ganze Reiterei des Großherzogs von Berg in der 
Gegend von Willenberg auf. Hieher begab sich auch 
der Kaiser persdnlich. Unter des Großherzogs Befehl, 
bei der Brigade Wathier in der Dioision Lasalle, 
diente auch das erste baierische Chevaurlegers-Regiment 
Kronprinz. Zu Gilgenburg stand das sechste, zu Nei- 
denburg das siebente, bei Thorn das zehnte Armeecorps. 
Bernadotte hatte sich indessen über Osterode nach 
Strasburg, Ney nach Gilgenburg zurückgezogen. 
Die rußische Heeresmacht blieb dagegen bei Moh- 
rungen in allzulanger Unthätigkeit, und ließ sich den 
Feind sammeln. Nur zur Unterstützung ihrer Vorhut 
schickte sie den Fürsten Bagrathion über Liebemühle 
vor; den Fürsten Galizin verstärkte sie durch den 
Fürsien Dolgoruky, welche darauf bis Passenheim 
giengen, nachdem sie einer feindlichen Abtheilung be- 
trächtlichen Verlust zugefügt hatten. 
Demnach befand sich Fürst Galizin zu dieser Zeit 
mit der Vorhut des rechten Flügels bei Mondtken, Al- 
lenstein und Osterode, Fürst Bagrathion in Deutsch- 
Eylau, Loebau und Langont. Die Hauptmacht aber, 
in zwei Heerhaufen getheilt, befand sich mit dem ersten 
unter General Tuschkow in Samste#t mit dem zwei- 
ten unter General Sacken in Gotteswalde; die Reserve 
unter General Somow bei Guttstadt; die Olvision des 
Generals Sedmaretzky hinter dem Bobr bei Goniadz, 
und noch weiter links bei Bransk hinter der Narew der 
dahin mit zwei Divisionen vorgerückte General Essen. 
Das preußische Heer unter Lestocq's Anführung, 
hatte sich dem rechten rußischen Flügel bei Freistadt an- 
*8
        <pb n="446" />
        — 116 — 
geschlossen, durch vorgeschobene Reiterabtheilungen nicht 
nur die Verbindung mit Marlenwerder, Riesenburg und 
Gardensee hergestellt, sondern auch (20ten Jänner) das 
unter Bernadotte's Befehl vom hessischen Kriegsvolk 
eingeschlossene Graudenz an der Weichsel wieder enrsetzt. 
So standen die feindseeligen Heere, als Napoleon 
(Iten Februar) ohne Zogern zum Angriff übergieng. Er 
wolte den linken Flügel der Rußen umgehen, sie von 
Kdnigsberg abschneiden, in dem von der Weichsel ge- 
bildeten Kessel zusammendrängen und vernichten. Da- 
rum schickte er seine Garden, die Reiterei des Großher= 
zogs von Berg, die Heerhaufen Souli's, Augereau's, 
Ney's und Bernadotte's jählings nach Allenstein, 
Ortelsburg und Wartenburg. Die feindliche Vorhut zu 
Allenstein ward hier durch den Großherzog von Berg 
nach lebhaftem Gefecht verdrängt, als der Graf Wirt- 
genstein, Major der baierischen Chevaurlegers, mit 
einem Geschwader derselben in den Rücken des Feindes 
drang. Citen Februar.) 
General Benningsen, durch Gefangennahme eis 
nes Adjutanten des Fürsten von Neuschatel, Major- 
General der franzdsischen Armee, und dessen Briefschaf= 
ten von Napoleon's Absichten unterrichtet, zog sich 
rasch bei Jankowe zusammen, selbst die Vorhut an sich 
zurück, ließ Lestocq's Preußen gegen Osterode rücken, 
und schien bei Allenstein über die Alle schreiten zu wol- 
len, um vor Wartenburg zu erscheinen. Allein schon 
hatten Ney und Augereau (Sten Februar) Allenstein 
erreicht; da sahen sie das rußische Heer mit der Mitte 
an Jankowe gestützt,, die Straße nach Liebstadt deckend,
        <pb n="447" />
        — 117 — 
mit der Linken an das Dorf Mondtken gelehnt. So- 
gleich bildete Napoleon Schlachtordnung. Die Gar- 
den stellte er als Reserve, den Marschall Ney links, 
Augere#.u in der Mitte, Soult rechts, der zugleich 
Absendungen nach Guttstadt machen mußte, um die 
Brücke von Bergfried zu nehmen, und so in des Fein- 
des Rücken zu erscheinen. An der Spitze dieser Absen- 
dungen war General Guyot, welcher auf dem rechten 
Alle-Ufer Guttstadt erreichte, wo die Hauptniederlage 
der rußischen Kriegsmacht, deren Gepäcke, Magazine 
und das Lazareth waren. Alles fiel in des Siegers 
Gewalt. Eben so kamen die Dioisionen Leval und 
Legrand an die Brücke von Bergfried. Nach langer, 
kräftiger Vertheidigung dieses Punctes wagte Benning-= 
sen nicht mehr das Entscheidende einer Schlacht, son- 
dern lieber einen hochstgefährlichen Rückzug in drei Co- 
lonnen nach Eylau zu, während noch die Preußen bei 
Mohrungen standen. Die Franzosen folgten den Rußen 
aber mit lebhaften Gefechten. Da war es, wo der 
Oberst des ersten baierischen Chevaurlegers-Regiments 
Graf Karl Pappenheim durch zwei feindliche Mus- 
ketenkugeln fiel (öten Februar), der Oberlieutenant Ott 
verwundet ward, und Major Bourscheidt den Ober- 
befehl des Regiments noch auf dem Kampfplatze selbst 
übernahm. Auch Lestocq's Corps zog nach Schlodit- 
ten zurück, stets verfolgt, aber durch Tapferkeit guch 
in dieser rückgängigen Bewegung furchtbar. 
Benningsen benutzte selbst die Nacht, um den 
Punct Landsberg vor dem Feinde zu erreichen, wo er 
diesseits der Stadt Stellung nahm. Allein seine Nach- 
hut, lebhaft von der Reiter-Division Hauptpoult ver-
        <pb n="448" />
        — 118 — 
folgt, *) gerieth dennoch in so großes Gedraͤnge (6ten 
Februar), daß er ihr eine Brigade zur Unterstuͤtzung 
senden mußte. Doch auch diese ward bald zu schwach, 
als die Heerhaufen Ney's, der uͤber Wormditt daher 
kam, und Soult's auf den Kampfplatz traten. Hier 
vermogte alle Tapferkeit der Rußen Csie verloren fast 
2000 Mann) gegen die Ueberlegenheit nichts. Ben- 
ningsen zog nach der Stadt Preußisch-Epylau zurück. 
Hier stellte er sich hinter der Stadt, und zwar längs 
der nach Königsberg führenden Straße auf, vom Dorfe 
Schloditten bis zum Vorwerke Anklappen. Vor der 
Stadt, auf den Anhbhen, stand die rußische Vorhut 
unter dem Fürsten Bagrathion. Lestocg empfieng 
Weisung, sich über Hussehnen her dem rechten Flügel bei 
Alrdorf anzuschliessen. So erwartete Benningsen den 
Feind. Das rußische Hauptheer zählte 152 Bataillone 
Fußvolks, 105 Geschwader Reiterei und 51 Batterien 
Geschütz, daher über 70,000 Mann. 
Doch 00,000 Mann stark folgte ihm Rapoleon. 
Muratt's Reiterei und Soult's Heerhaufen erschienen 
vor Eylau (Nachmittags 2 Uhr den 7ten Februar) und 
bemächtigten sich der Bergebene. Wider des Kaisers 
Absicht aber, ließ sich die Brigade Viviers, die nur 
den Feind umgehen sollte, beim Kirchhof von Eplau 
mit den Rußen in ein mörderisches Gefecht ein. Folge 
*) Auch an diesem Gefechte hatte jenes erste baierische 
Chevaurlegers-Regiment ehrenvollen Antheil genommen, 
der Lieutenant Antonin Berganin desselben mit 25 
Perden bereits zwei Kanonen und eine Standarte erobert, 
jedoch auch wieder verloren.
        <pb n="449" />
        — 119 — 
davon ward, daß Bagrathion sich Nachts mit der 
ganzen Vorhut nach dem in zzwei Treffen aufgestellten 
Hauptcorps zurückzog, und die Stadt den Siegern über- 
ließ. Davoust stand nur eine Stunde von da, auf 
der Straße nach Heilsberg; die kaiserliche Garde, 
Augereau und ein Theil vom Heerhaufen Ney's vor 
der Stadr. Der übrige Theil vom Corps des Marschall 
Ney, nebst der leichten Reiterbrigade Lasalle, (daher 
auch das erste baierische Chevaurlegers-Regiment) folgten 
den Bewegungen der Preußen. 
Als der trübe Morgen des achten Februars anbrach, 
rückte die rußische Heermitte in gedrängten Colonnen 
gegen Eplau, den wichtigen Punct dem Feinde wieder 
zu entreissen. Der Donner von 150 Kanonen begrüßte 
diesen; mit glücklichem Erfolge antworteten Soult'e 
und Augereau's Feuerschlünde. Der Russen rechter, 
der Franzosen linker Flügel rangen hier bald in furcht- 
barer Anstrengung, während Davoust weiter rechts 
seinen frühern Zug fortsetzte, um die Rußen in ihrer 
Linken zu umgehen. Sich dem Marschall Davoust 
moglichst zu nähern, ihn noch mehr zu stärken, ließ 
Napoleon auch die Division St. Hilagire seitwärts 
abziehen. 
Allerdings würden diese Bewegungen von außeror- 
dentlichen Wirkungen gewesen seyn, wenn Augereau 
vor Eylau sich nicht allzuweit links gezogen hätte. Denn 
Davoust traf wirklich nun beim Dorfe Serpallen, 
der Stadt rechts, in gleicher Linie mit dem Eylauer= 
Forst, ein, bemächtigte sich der Anhdhen hinter jenem 
Dorfe, deren über alles wichtige Besetzung von den Rus- 
sen vernachläßigt worden war, trieb seinen Gegner selbst
        <pb n="450" />
        — 120 — 
aus dem Dorfe Klein-Sausgarten, und damit den gan- 
zen linken Fluͤgel des rußischen Heers zum Rückzug. 
Zu diesem sah sich auch Benningsen's Heermitte 
durch den vereinten Angriff der ganzen franzoͤsischen Rei- 
terei unter Murat und Bessieres gezwungen, so daß 
das Schlachtfeld von den Rußen verlassen stand, und 
Napoleon's rechter Fluͤgel den Ort Kutschitten besetzte, 
und an die Anhoͤhen lehnte, die vorher der Rußen lin- 
ker Fluͤgel inne gehabt hatte, der andere Fluͤgel des 
franzoͤsischen Heeres sich an Eylau stuͤtzte. 
Das Loos der Schlacht war so gut, als entschie- 
den. Da erschien Lestocq mit seinem kleinen, tapfern 
Heerhaufen Preußen. Er, der bisher auf seinem Zuge 
immerdar in Gefechten mit Abtheilungen des Ney'schen 
Eorps gewesen, die ihm auf den Fersen gefolgt waren, 
hielt dieselben, als er für das rußische Heer Gefahr 
fürchtete, bei Wakkern, Schlautienen und Pompiken mit 
einzelnen Posten fest, und eilte an der Spitze seines 
übrigen Kriegsvolk, nur 5584 Mann stark, zum Schlacht- 
felde. Er wandte sich von Schmoditten gegen das Dorf 
Kutschitten; nahm es mit gefälltem Bojonett; vernichtete 
300 Mann Besatzung darin; nahm drei Kanonen und 
esnen feindlichen Adler; rückte gegen Davoust; brachte 
hier dem rechten Flügel der Franzosen in blutigem Ge- 
fechte einen Verlust von wenigstens 3,000 Mann bei, 
und nahm, als die Nacht einbrach, seine Stellung auf 
den Anhöhen vor Klein-Sausgarten, eben da, wo vor- 
her der Rußen linker Flügel gestanden war. — Schon 
rüsteten sich die tapfern Preußen, ihr Siegeswerk fol- 
gendes Tags zu vollenden, als sie noch in der Nacht 
Benningsen's bestimmten Befehl erhielten, sogleich 
zum Rückzug aufzubrechen. Denn nach Versicherung des
        <pb n="451" />
        rußischen Oberbefehlshabers mangelte es sowohl an Le- 
bensmitteln als Schießbedarf. Außerdem hatte Mar- 
schall Nep noch spät Abends den Punct Althof erstürmt, 
am rechten rußischen Flügel gelegen. 7) Den Rußen 
und Preußen hatte dieser Schlachttag bei 12,000 Todte 
und 7,000 Verwundete, den Franzosen weit mehr gekostet. 
Bennengsews Heer zog also über Wittenburg 
nach Königsberg, Lestocq's kluge Bewegung, über 
Domnau nach Friedland, schirmte der Rußen linken 
Flügel und den Pregelsfluß. Abtheilungen von der Rei- 
terel des Großherzogs von Berg verfolgten den Rück- 
zug lebhaft; hingegen die franzsische Hauptmacht blleb 
mehrere Tage in den Umgegenden von Eylau, mit einer 
Vorhut am rechten Frisching-Ufer in den Dörfern Manns- 
feld, Wermsdorf und Lichtenhagen. Nur der Großher= 
zog von Berg unternahm (11ten Februar) eine Recog- 
noscirung, in deren Folge der Punct Wittenburg von 
ihm besetzt ward. 
Die vom General Benningsen zur Deckung Kd- 
nigsbergs und der Magazine gewählte Stellung, mit dem 
Rücken nach dem Haf und der Ostsee, hätte vielleiche 
gefährlich werden konnen, wenn Napoleon hier ange- 
griffen haben würde. Sie lehnte sich links an den Pre- 
gel, rechts an das Vorwerk Pimarth. Die Vorhut 
stand zu Ludwigswalde, Borchersdorf und Gollau; Le- 
stocq aber mit den Preußen in Allenburg, von wo er 
*) Bei dieser Gelegenheit unterhielt das baterische erste 
Chevaurlegers = Regiment Kronprinz, durch den Majer 
Grafen Wittgenstein, unter ihm durch eine Escadron, 
die Verbindung mit dem Corps Ney und der fanzösischen 
Hauptarmee.
        <pb n="452" />
        — 122 — 
den Pregelfluß von Wehlau bis Koͤnigsberg mit verschie- 
denen Abtheilungen Kriegsvolkes deckte. 
Wie hier eine fluͤchtige Ruhe der Heere einzutreten 
schien, zeg sich der General Essen, mit seinen zwei 
Diovisionen, ohngefähr 18.000 Mann stark, aus der bis- 
herigen Stellung bei Bransk an beiden Narew= Ufern 
gegen Ostrolenka. Hier stieß er auf die Vorhut der äu- 
ßersten Rechten des franzdsischen Heers. General Sa- 
vary, welcher hier einsweilen befehligte, griff alsbald 
die Rußen auf der Nowogroder Straße an (löten Fe- 
bruar). Der Kampf ward blutig, besonders, als an- 
dere Abtheilungen der Rußen unter dem Fürsten Suwa- 
row die Stadt Ostrolenka stürmten. Dreimahl waren 
sie fast Meister des Ortes. Man schlug sich mit Erbit- 
terung in den Gassen. Als aber gegen Mittag die Fran- 
zosen durch die Divlsionen Süchet und Oudinot ver- 
stärkr wurden, sah Essen sich gezwungen, nach bedeu- 
tendem Verlust über die Narew zurückzugehen. 
  
9. 
Waffenruhe. Rüstungen zum neuen Feldzug. 
Das eintretende Thauwetter, die Erschdpfung des 
Heeres, der Mangel an Lebensmitteln bewogen den fran- 
zoͤsischen Kaiser, statt seinen Feind hinter dem Pregel 
anzugreifen, lieber zurück gegen die Weichsel zu gehen, 
und da hinter der Passarge, in der Nähe der fruchtbar- 
sten Gegenden Preußens, eine günstigere Jahrszeit ab- 
zuwarten. Am 16ten Februar begann der Rückzug; am 
20sten war er hinter die Passarge vollendet. Berna- 
dotte, an den Ufern des frischen Hafs, stand bei
        <pb n="453" />
        — 125 — 
Braunsberg, Frauenburg, Muͤhlhausen und preußisch- 
Holland; Soult in Liebstadt, Mohrungen und Liebe- 
mühl; Ney, unter ihm auch die Division Lasalle, 
bei der das erste Chevaurlegers-Regiment der Baiern 
war, in Allenstein, Guttstadt und Heilsberg; Davoust 
in Hohenstein und Gilgenburg; Massena, der das 
Corps des Marschall Lannes übernahm, vom Ursprung 
des Omulew längs diesem Flusse und den Ufern des 
Orzie= und Narew-Flusses bis zum Bug bei Sierok und 
von da an der gallizischen Gränze hin, bis Warschau. 
Außerdem war ein polnischer Heerhaufen unter dem Ge- 
neral Zajonczek bei Neidenburg, das Corps des Mar- 
schall Lefebre vor Danzig, und Mortier in Schwe- 
disch-Pommern aufzestellt. 
Der Räückzug der Franzosen lockte das rußische Heer 
nach (10ten Februar). Es bewegte sich über die alten 
Wahlfelder, über Eylau, über Landsberg, der Weichsel 
zu. Der General Lestocq mit den Preußen besetzte so- 
gar die Uebergänge der Passarge von Braunsberg bis 
Wormditt. Der preußische Generallieutenant Pldz, 
welcher bisher (seit 7ten Februar schon) vom übrigen 
Heerhaufen gerrennt gewesen war, wollte diese Annä- 
herungen benutzen, und schnelle Vereinigung suchen. Al- 
lein, da er bei Braunsberg schon über die Passarge ge- 
gangen war, ließ ihn Marschall Bernadotte (26ten 
Februar) durch die Division Dupont beim Dorfe Ra- 
gern anfallen, mit großem Werlust zurückschlagen, und 
aus Braunsberg vertreiben. 
Die Franzosen blieben in ihren Standlagern lange 
ruhig. Aber die Rußen kamen näher. Jene verliessen 
(26ten Februar) auch Guttstadt, nachdem General
        <pb n="454" />
        — 124 — 
Leger-Belair noch den rußischen Vorposten Befehliger, 
General Korf, im Dorfe Peterwalde uͤberfallen und 
gefangen genommen hatte. Als aber (isten März) die 
rußische Hauptmacht bei Heilsberg und Frauendorf fe- 
sten Fuß fassen, und ihre Vorhut bei Arnsdorf, den 
rechten Flügel derselben bei Wormditt, den linken bei 
Guttstadt aufstellen wollte, sah Napoleon damit die 
Sicherheit seiner Standlager gefährdet. Er ließ daher 
den Heerhaufen des Marschalls Ney gegen Guttstadt, 
den des Marschalls Soult bei Wormditt über die Pas- 
sarge gehen, um die zu weit vorgerückten feindlichen 
Abtheilungen unverzüglich zurückzuwerfen. Folge davon 
war, daß sich die Vorhut der Rußen aus allen Stel- 
lungen nach Launau zurückbegab (Iten März), wo es 
zu einem unbedeutenden Gefechte kam, und daß Ben- 
ningsen sein Heer ('ien März) in die Ortschaften 
zwischen Bartenstein und Heilsburg einlagerte. 
Darauf kehrten auch die Franzosen in ihre Stellun- 
gen hinter die Passarge zurück, wo sie von den Städten 
Elbing, Braunsberg und der Insel Nogat mit den nd- 
thigen Lebensbedürfnissen versorgt wurden. Man schlug 
bei Marienburg und Marienwerder über die Welchsel 
Brucken, welche hier, wie bel Sierok, Modlin und 
Praga (bei Warschau) mit Brückenkdpfen befestigt wur- 
den. Marschall Lefebre hielt die Festung Danzig ein- 
geschlossen, in welcher der preußische General Graf 
Kalkreuth, als neuer Befehlshaber, hartnäckige Ge- 
genwehr bereitete, zumahl seine Besatzung durch drei 
rußische Bataillone und drei Kosaken-Regimenter unter 
dem Fürsten Scherbatof verstärkt worden war. 
In dieser Ruhezeit der Heere, nur dann und wann
        <pb n="455" />
        von einzelnen unbedeutenden Gefechten gestoͤrt, ruͤsteten 
die kriegfuͤhrenden Maͤchte allseitig auf's thaͤtigste, um 
den bevorstehenden Feldzug entscheidend zu machen. Durch 
den über alle Erwartung schnellen Fall der schlesischen 
Festungen Glogau, Breslau und Schweidniz, so wie 
durch die Vernichtung von den Streitkräften des Fürsien 
von Anhalt-Pleß, war Napoleon in Stand gesetzt, 
einen Theil des bisher in Schlesien thätig gewesenen 
Kriegsvolks an die Weichsel zu nehmen. Ohnedem ward 
der Abgang desselben, nun auch der Kbnig von Sachsen 
zum Rheinbunde getreten war, durch dessen Truppen ersetzt. 
Also brach die Division des Generallientenants Bas 
ron Wrede, welche in dessen Abwesenheit noch immer 
vom General Minucci befehligt wurde, (25ten Februar) 
nach Polen auf. Sie bestand aus zwei Brigaden Fuß- 
volbs und einer Brigade Reiterei, folglich aus zehn Ba- 
taillonen, acht Reiter-Geschwadern und vier Batterien; 
in allem ohngefähr 8,0000 Mann. Ueber Oels, War- 
temberg, Kempen, Sobkolniki, Petrikau u. s. w. zog sie 
sich nach Warschan, und ihre erste Colonne schon am 
Zten März in diese Hauptstadt Polens ein. An ihrer 
Spitze befand sich jetzt der Kronprinz von Baiern, dem 
sein königlicher Vater den Oberbefehl der Division über- 
geben hatte, um unter den Augen Napoleom's, des 
großen Feldherrn, den Krieg durch den Krieg kennen 
zu lernen. Ihm zur Seite war der Generallieutenant 
Wrede gestellt, der von einer schweren Krankheit eben 
genesen war. 
Von jetzt an bildete die baierische Division neben 
den Divisionen Süchet, Gazan und Becker die vierte 
in dem vom Marschall Massena befehligten fünften
        <pb n="456" />
        — 126 — 
Armee-Corps des napoleonischen Heeres. Sie erhielt die 
Bestimmung, durch Besetzung der Puncte Praga, Nie- 
porent, Sierok und Pultusk, von der Weichsel bis zur 
Narew, den rechten Flügel Massena's gegen die Rus- 
sen unter General Essen einzunehmen. Doch bald da- 
rauf, weil die Rußen fort und fort größere Verstärkun- 
gen an sich zogen, ward die Stellung fester bestimmt. 
Das Hauptgelager Massen a's war zu Prasnitz, das 
des Kronprinzen zu Warschau; Praga aber von einer 
Abtheilung Polen besetzt. Hingegen hatten die Baiern 
folgende Stellung. Zwei Bataillone des dritten Linien= 
Regiments nebst der Batterie Leiningen standen in 
Praga, zwei Bataillone des siebenten Linien-Regiments 
in Krosno, das vierte leichte Bataillon bei Partniki. 
Ferner erhielt das zweite Dragoner-Regiment den Punkt 
Skiusky, das dritte Regiment Chevaurlegers den Punce 
Wierzlowo; beiden ward die Batterie Caspers zuge- 
geben. Alle diese Abtheilungen galten als Reserve. 
Dagegen besetzte mit der zwolpfünder-Batterie Tausch 
das dreizehnte Linien-Regiment Pultusk, das zweire Li- 
nien-Regiment Sierok und Nieporent, das dritte leichte 
Bataillon Wernice. Diese drei Abtheilungen machten 
den Vorpostendienst. 
Napoleon nahm indessen bald wahr, daß die 
wichtigen Uebergangspuncte bei Praga, Sierok und Pul- 
tusk noch viel zu schwach besetzt waren. Daher ließ er 
aus Schlesien noch fünf Bataillone Baiern, die bisher 
unter Deroy gestanden, (das leichte Baraillon Braun, 
das vierte und das vierzehute Linien-Regiment nebst der 
Batterie Vandouve) nachkommen, so, daß im Anfang 
Aprils hier die Baiern 15,5056 Mann und 2172 Pferde 
stark waren.
        <pb n="457" />
        — 122 — 
Das fortdauernde Thau- und Regenwetter, wo- 
durch alle Wege grundlos wurden, verzoͤgerte immerdar 
die allgemeinen Heer-Bewegungen bis zum Beginnen 
besserer Witterung. Die Franzosen begnuͤgten sich in- 
dessen mit Einschliessung der Vestungen Graudenz, Kol- 
berg und Danzig. Am furchtbarsten widerstand von die- 
sen Danzig. Denn ohnehin schon durch Ueberschwem- 
mungen, Moraͤste, Schanzenketten und das Fort Weich- 
selmünde stark, ward es durch 20,000 Preußen und 
Rußen unter Kalkreuth's Befehl männlich vertheidigt. 
Erst gegen die Mitte Aprils empfieng Marschall Lefe- 
bre hier hundert Stück Belagerungs-Geschütz aus 
Cüstrin, Stettin, Breslau und Glogau gesammelt. Vor- 
her schon (20ten März) hatte er, durch Vertreibung der 
Abtheilung Rouquette von der frischen Neerung, die 
Vestung von der Verbindung mit Pillau abgeschnitten. 
Als er darauf die preußischen Verschanzungen auf dem 
Hagelsberg (12ten April), dann die feindliche Redoute 
vor dem Olivathor (15ten April) erstürmt hatte, konnte 
er die Beschiessung von Danzig aus jenen hundert Stück 
Vier und zwanzigpfündern mit Kraft beginnen (26ten 
März). Das badische Kriegsvolk unter ihrem Erbgroß- 
herzog, deßgleichen die Sachsen und Polen, erndteten 
vor Danzig nicht geringe Ehre durch ihre Tapferkeit. 
Schon mit den ersten Maitagen waren Napolon's 
ungeheuere Rüstungen zur Erdffnung des weitern Feld- 
zugs vollendet. Es hatten 160,000 Conscribirte niche 
nur die Lücken im franzdsischen Heere ergänzt, die durch 
Schlachten und Treffen und Krankheiten entstanden wa- 
ren, sondern auch die Stärke desselben um 100,000 Mann 
vermehrt. Die Einberufung der Conscription vom Jahre 
1808 gab eine neue Menschenmasse zu fünf Reserve-
        <pb n="458" />
        — 128 — 
Legionen im Innern des franzoͤsischen Reichs. Ein ande- 
res Reservecorps, erschien 50,000 Mann stark, an den 
Ufern der Elbe. Auch die Maͤchte des Rheinbundes 
hatten ihren Kriegsvoͤlkern betraͤchtliche Ergaͤnzungen und 
Verstaͤrkungen nachgeschickt. Und Koͤnig Maximlian 
Joseph von Baiern hielt nicht nur die im Felde stehen- 
den Divisionen vollzaͤhlig, sondern schuf aus dem neun- 
ten Linien- und vierten Chevauxlegers-Regiment, dem 
leichten Bataillon Habermann und einer sechspfuͤn- 
der-Batterie eine neue Brigade, die (Anfang Juny's) 
über Leipzig, Braunschweig, Lüneburg und Anclam zu 
dem Heerhaufen des Marschalls Brune gegen die Schwe- 
den stieß. 
Aber auch Kaiser Alexander von Rußland und 
Kdnig Friedrich Wilhelm von Preußen hatte alle 
Mittel aufgeboten, ihrem gewaltigen Gegner im bevor- 
stehenden Feldzuge Spitze zu bieten. Doch ehe wir von 
den fernern Ereignissen auf der größern Schlachtbühne 
reden, wollen wir den Blick auf Schlesien zurückwenden. 
  
10. 
Belagerung und vorläufige Capitulation 
von Kosel. Gefechte vor Glatz. 
Hier hatte der Fürst von Anhalt-Pleß, nachdem 
sein Heerhaufen vernichtet worden war, den Schauplatz 
des Krieges verlassen. Aber als ein großer Theil der 
baierischen und würtembergischen Truppen nach Polen 
gezogen ward, ermunterte dieß mehrere vaterländisch- 
gesinnte Männer des Landes zu neuen Versuchen, Tapfere 
zusammen zu ziehen und den Feinden ihres Kbnigs zu 
wider-
        <pb n="459" />
        — 129 — 
widerstehen. Der preußische Lieutenant Gail faßte 
zuerst den Gedanken, die Grafschaft Glatz zum Sam- 
melplatz aller derer zu machen, die freiwillig den Kampf 
gegen die Fremden zur Vertheidigung des schdnen Schle- 
siens übernehmen wollten. Der Major Graf Götzen 
stellte sich an die Spitze, dem der Kdnig seinen Beifall 
ertheilte, und die Würde eines Generalgouverneurs von 
Schlesien gab. Binnen sechs Wochen hatte dieser thä- 
tige Mann, obgleich er nur auf die Hülfs-Quellen der 
Grasschaft Glatz beschränkt war, ein Corps von acht 
Geschwadern Reiterei, einem Bataillon Grenadiers und 
acht bis zehn Jäger-Compagnien aufgerichtet, zweck- 
mäßig gekleidet, bewaffnet, eingeibt und an Manns- 
zucht gewöhnt. So offenbarte sich die Varerlandsliebe 
Schlesiens! 
Der Generallieutenant Deroy inzwischen, dessen 
Belagerungs-Corps vor Kosel nach dem Abzug so vie- 
ler Truppen gegen Polen sehr geschwächt, und durch 
Thauwetter, Regen und Ueberschwemmungen sehr in 
allen Unternehmungen gehemmt worden war, hatte end- 
lich die von den Gewässern beschädigten Arbeiten wieder 
ausbessern lassen. Er begann die Beschiessung (am 23ten 
Februar) von neuem, und setzte sie bis zum fünften Tage 
fort, doch ohne eutscheidenden Erfolg. Jeder aufstei- 
gende Brand in der Vestung ward stets sogleich gelbscht. 
Dort ward von den Wällen jedesmahl mit siebenzig Sti- 
cken Geschützes geantwortet, während die Belagernden 
dessen nur dreißig und noch dazu Mangel an Munition 
hatten, woran inner der Vestung Ueberfluß war. Kein Wun- 
der, wenn Oberst Neumann, als Befehlshaber in Ko- 
sel, die wiederholte Aufforderung Deroy's wiederholt 
(#ten März) abschlug. 
II. #tes Buch, 9
        <pb n="460" />
        — 130 — 
Nachdem Deroy nun die Vestung, während neun 
Tagen. neunzehnmahl, und das Fort Friedrich Wil- 
helm viermahl bombardirt hatte, empfieng er (öten 
März) die Weisung, die Belagerung in blosse Blokade 
zu verwandeln, und sämmtliches Belagerungsgeschütz mit 
dazugehbrigen Munitionsvorräthen nach Großglogau ab- 
zuführen. Die Vollziehung dieses Auftrages im Ange- 
sicht eines wachsamen Feindes, und auf grundlosen Stras- 
sen, dazu der schleunige Abzug des zehnten Baierischen 
Linien= Regiments nach Breslau, war eine schwierige 
Aufgabe. Doch der Vorsteher der Belagerungs-Artille= 
rie, Oberstlieurenant Colonge mit seinen Untergebenen 
ldsete sie glücklich. Das Geschütz ward von den Ge- 
neralen Siebein und Raglowich, durch die leichten 
Bataillone Taxis und Braun, und durch das vierte und 
fünfte Linien-Regiment gedeckt, nach ogau ge- 
führt. Hier stand damahls nicht mehr Mezanelli mit 
dem Beobachtungs= Corps. Letzteres hatte zuletzt nur noch 
aus dem zweiten Regiment Chevaurlegers bestanden, und 
auch dieß war, sobald vor der belagerten Veste Neisse 
die erste Paralelle erbffnet worden war (tlien März), nach 
Breslau gezogen; Mezanelli aber war nach Polen abge- 
gangen. 
Sobald also die Belagerung Kosels zur blossen Sperre 
verwandelt war, begab sich auch der Generallieutenant 
Deroy nach Breslau. Von dem Augenblick an, ward 
der Oberst Neumann in der Bestung thätiger. Um 
sich Aufklärungen über die Veränderungen in den Bat- 
terien und Laufgräben zu verschaffen, ließ er von der 
Insel der Vestung durch 150 Mann einen Ausfall ma- 
chen (Abends vien März), der aber durch die Compag- 
nie des Hauptmanns Stonor unter dem Major Wre-
        <pb n="461" />
        — 131 — 
den vom fuͤnften Linien-Regiment bald zuruͤckgetrieben 
ward. Ein neuer Ausfall aus der Kobelwitzer-Redoute 
am folgenden Tage, von ohngefaͤhr 200 Mann, zum 
Theil mit Schanzzeug versehen, ward trotz des heftigen 
Feuers von den Waͤllen eben so kraͤftig vereitelt. Die 
Artillerie = Corporäle Steinacher und Gilmeier 
führten ihre Sechspfünder-Kanonen von Reinsdorf bis 
zur kleinen Brücke gegen die Batterie Nr. 3. vor, und. 
liessen sie so, im offnen Feld, gegen die Feinde spielen. 
Diese, angegriffen von zwei Compagnien des fünften 
Linien-Regiments, flohen mit Jurücklassung von 10 Tod- 
ten und 25 Gefangenen. Doch hatten auch die Baiern 
acht Verwundete. *) 
Nun zog auch das erste Dragoner-Regiment nach 
Breslau ab, um dort mit dem zweiten Ehevaurlegers- 
Regiment eine besondere Brigade zu bilden. (Das erste, 
sechste und zehnte Linien-Regimem standen als Besa- 
tzung in Breslau, das vierzehnte in Schweidniz, das 
fünfte leichte Bataillon in Brieg.) Auch das leichte 
Bataillon Braun, nebst dem General Siebein verlies- 
sen (15ten März) die Stellung vor Kosel, und General 
Raglowich erhielt den Auftrag, diese Vestung vom 
linken-Oder-Ufer aus mit den noch übrigen Truppen 
zu beobachten. Er wählte also seine Hauprstellung bei 
Comorn; zwei Compagnien mit einer Kanone verlegte 
er nach Reinsdorf, um die Bewegungen der Besatzung 
*) General Raglowich belobte vorzüglich die Majore Wre- 
den und Donnersberg, die Hauptleute Seebus 
und Vallade, die Corporale Streisl und Muck, s#% 
wie er den vorrrefflichen, seine untergebenen Truppen= Abe 
tbeilungen beherrschenden militgirischen Geist anerkannte. 
0
        <pb n="462" />
        — 132 — 
zu beobachten, die Reinsdorfer-Hoͤhen zu behaupten, 
und die Straßen nach Neisse und Ratibor zu decken; 
zwei Compagnien mit einer Kanone verlegte er zur Un- 
terstützung von jenen nach Wegschütz, wo auf der An- 
höhe zugleich eine Flesche angelegt ward. Eine Com- 
pagnie stellte er bei Rogau, und wieder eine andere zu 
ihrer Unterstützung und zur Deckung des linken Flügels 
vom Beobachtungscorps bei Comorn, in Boberschau. 
Alle Fährten über die Oder, alle Schiffe wurden un- 
brauchbar gemacht. 
Kaum hatte sich der Befehlshaber der Vestung durch 
Streifwachen über den Abzug der Hauptmasse seiner bis- 
heriger Belagerer Sicherheit verschafft, unternahm er 
sogleich eschon 10 Uhr Morgens den 15ten März) mit 
mehr als tansend Mann einen heftigen Ansfall gegen 
Reinsdorf, Wegschütz und besonders gegen Kobelwitz. 
Unterstützt von einem furchtbaren Feuer des Vestungs- 
Geschützes suchte er die von den Baiern verlassenen Bat- 
terien zu zerstdren, und alles, was sie brennbares hat- 
ten, durch Pechkränze in Asche zu verwandeln. Doch 
nur letzteres gelang. Die Beobachtungs-Truppen gien- 
gen ihm rasch entgegen, und warfen ihn zurück, nicht 
ganz ohne Verlust. 
Um diese Zeit vernahm der in Schlesien befehlende 
General Lefebre von den Bewegungen, welche der 
Graf Göützen bei Glatz veranstaltete. Er machte des- 
halb mit dem Bataillon Taxis und drei Geschwadern des 
zweiten Chevaurlegers-Regiments der Baiern einen Streif- 
zug über Wartha gegen Glatz und Silberberg. Als man 
vernahm (17ten März), daß zu Niederhannsdorf, eine 
halbe Stunde von der Vesiung Glatz, eine Compagnie 
preußischer Fußjäger stehe, schickte der Chef des General-
        <pb n="463" />
        stabes, Major Graf Rechberg, den Lieutenant Lenker 
mit einem Geschwader dahin. Dieser machte zwar vier- 
zehn Mann und einen Offizier zu Gefangenen, meldete 
aber, der Feind, der aus allen Häusern Feuer gebe, 
scheine das Dorf auf's äußerste behaupten zu wollen. 
Alsbald wurde ihm der Lieutenant Hertling mit einem 
Zug Chevaurlegers und einer halben Compagnie Jäger 
vom Bataillon Taris, dann auch Lieutenant Besserer 
mit noch einem Zuge Chevauxlegers nachgeschickt. Däs 
Dorf ward schnell vom Feinde gereinigt. Nun aber 
rückte der Feind mit 1200 Mann zu Fuß und 300 zu 
ferd aus Glatz hervor. 
General Lefebre, im Vertrauen auf die Baiern, 
ließ sich durch die Ueberlegenheit des Feindes nicht schre- 
cken, sondern beschloß durch einen tollkühnen Angriff die 
Preußen in Verwirrung zu bringen. Weil diese den 
Eingang des Dorfs, gegen die Vestung zu, mit einer 
bedeutenden Masse von Jägern besetzten, legte er noch 
eine Compagnie unter Hauptmann Troeltsch ins Dorf, 
und links von diesem, während hier das Gefecht anhub, 
ließ er die feindliche Reiterei durch den Lieutenant Bes- 
Aerer aufhalten und lähmen. Letzteres geschah mit der 
glänzendsten Tapferkeit') Dann stürzte die kleine Co- 
lonne Fußvolks, an ihrer Spitze Lieutenant Hertling, 
us dem Dorfe hervor in den Feind, entriß ihm zwei 
Kanonen, die von zwanzig Schützen und vierzig Drago- 
  
*) Besonders hervor thaten sich der brave Corporal Rieser, 
der Gemeine Kung, (obgleich zweimahl verwundet verließ 
derselbe demohngeachtet das Schlachtfeld nicht) die Gemeinen 
Thomas Schmidt und Virkle. Dem überlegenen Geg- 
ner wurden mehrere Gefangene abgenommen.
        <pb n="464" />
        nern vertheidigt wurden, trieb diese bis zum Pestungs= 
glacls zurück, und kehrte, als neue und stärkere Fein- 
des Haufen anrückten, fechtend zurück. Mit Umsicht 
und Tapferkeit deckte der Chevauxlegers = Lieutenant 
Madrour, bis ihm größere Unterstützung ward, mit weni- 
gen Leuten ") den Zug, durch Vertheidigung eines Eng- 
weges gegen das Anstürmen der preußischen Schützen, 
welche die verlornen Kanonen um jeden Preis wieder ers 
ringen wollten. Rirtmeister Kraus, welcher mit einer 
Escadron zur Unterstitzung gekommen war , #) bildete 
mun die Nachhut der kleinen balerischen Schaar, welche, 
ohngefähr 650 Mann stark, nach Reichenstein zurückzog, 
und zwei eroberte Kanonen nebst hundert Gefangenen, 
worunter vier Offiziers waren, mit sich brachte. 
Unterdessen wurde die Blokade von Kosel in blosse 
Beobachtung verwandelt. Das Bataillon Braun, so 
·) Unter denen vorzüglich die Gemeinen Seidel, Lohr- 
mann der jüngere, Hafenmaier, Bandel und 
Ruhland zu nennen sind. Eine jener gewonnenen zwei 
Kanonen wurde während des Marsches vom Feinde demon- 
tirt, und war in Gefahr, von selben wieder genommen zu 
werden. Die Gemeinen Seidel, Lohrmann der jün- 
sere, Hafenmaier, Bandel und Ruhland sprangen 
von ihren Pferden, giengen mit halben Leib ins Wasser, 
und hielten durch heftiges Karabiner= Feuer die Preußen 
von weiterer Unternehmung ab, während die Chevaurle= 
sers Negele und Weichsel die Fortschaffung der ero- 
berten piege besorgten. 
**) Der ihm untergeordnete, schon in früherer Zeit rühmlichst 
genannte Wachtmeister Schöngens hielt mit Hülfe des 
Gemeinen Merz die aundringenden feindlichen Schützen 
durch das kühne Abbrechen eines Steeges von augenblickli- 
chem weitern Vorrücken ab.
        <pb n="465" />
        wie in Schweidniz das vierte und vierzehnte Linien-Re- 
giment, mußte eiligst nach Warschau aufbrechen; (dar- 
auf machte das zehnte Linien-Regiment die Besatzung 
von Schweidniz, das zweite Bataillon vom 6ten Linien- 
Regiment die Besatzung von Brieg). Der General Rag- 
lowich konnte seine verschiedenen Stellungen nur schwach 
besetzen. Zum Glück, daß sein Gegner sich blos be- 
gnügte, die künstlichen Ueberschwemmungen zu unterhal- 
ten, die aufgeworfenen leeren Batterien, vorzüglich 
die bei Kobelwitz, zu schleifen, und keine Ausfälle zu 
thun, bis die leichten Batgillone Taxis und Lamortte 
(25ten März) zur Verstärkung angekommen waren. Dann 
konnten auch die bisherigen Stellungen, besser, bemannt 
werden.) 
Der Feind, jetzt im Gefühl grdßerer Freiheit, zer- 
sbrte die alten Belagerungs-Batterien, warf seinerseits 
neue gegen die Baiern in Reinsdorf auf, und sandte 
Streifhaufen weit umher am rechten Oder-Ufer, um 
seine Pestung mit neuen Vorräthen zu versorgen. Ge- 
neral Raglowich dagegen schickte (Aten April) den 
Major Wreden mit dem zweiten Bataillon des fünf- 
ten Linien= Regiments nebst 45 Reitern und einer Ka- 
none ebenfalls ans rechte Ufer hinüber (#ten April). 
Aufgefangne Briefe hatten verrathen, daß der Feind 
  
*) Das Bataillon Lamotte stellte sich mit drei Compagnien 
in Rogau, mit einer in Boberschau auf. Das Bataillon 
Taris besetzte mit zwei Compagnien Reinsdorf, mit 
einer Compagnie Juliusburg. Das 5te Linien-Regiment 
Lellte zwei Compagnien bei Wegschütz, eine Compagnie 
in Oppeln und Krappitz, 1 Compagnie in Mechnitz, den 
übrigen Theil bei Comorn auf.
        <pb n="466" />
        — 136 — 
Groß-Strehlen zum Sammelplatz für Vorräthe, Gelder 
und Recruren, die in die Vestung kommen sollten, be- 
stimmt habe. Major Wreden, der von Januschkowitz 
dahin eilte, fand zwar keine Mannschaft mehr, aber 
noch die Gelder und Kleidungsstücke, die ihm gute Beute 
wurden. 
Fast in denselben Tagen fand auch ein kleines Ge- 
fecht in der Gegend von Silberberg statt. General Le- 
febre hatte nämlich bei Frankenstein ein Corps aus 
Würtembergern und Baiern (dem ersten Bataillon vom 
zehnten Linien = Regiment) zusammengezogen, um die 
Belagerung von Neisse zu decken und die Vestung Glatz 
zu beobachten. Als nun auf der Straße nach Silber- 
berg, im Dorfe Peterwitz feindliche Reiterei bemerkt ward 
schickte Lefebre sogleich (Sten April) zwei Compagnien 
Baiern unter Major Bernelau, nebst einem Geschwa- 
der würtembergischer Jäger aus. Bernclau trieb die 
preußischen Husaren von Stellung zu Stellung bis un- 
ter die Kanonen von Silberberg, und machte einen OÖffi= 
zier nebst 14 Gemeinen zu Gefangenen; aber auch er 
selbst hatte einen Verlust von zwei Todren und 17 Ver- 
wundeten. 
Bei Kosel hatte General Raglowich unterdessen 
die Ueberfahrten bei Zichowitz und Krappitz, auch die 
Brücke bei Oppeln herstellen lassen, um die Verbindung 
mit dem- rechten Ufer der Oder zu erleichtern. Denn 
hier ließ er den Major Wreden siehen, (der aber bald 
darauf (Oten April) vom Obristlieutenant Grafen Taris, 
mit einer Compagnie, zwei fahrenden Sechspfündern, 
und der vorhandnen Reiterei, abgelößt ward). Natür= 
lich zog diese Absendung ans rechte Ufer Veränderungen 
in der Stellung am linken Ufer nach sich, um mit der
        <pb n="467" />
        — 137 — 
wenigen Mannschaft moͤglich vieles zu leisten. ) Denn 
der Feind war ununterbrochen thaͤtig. Vermittelst eines 
Durchschnitts auf der gegen Reinsdorf fuͤhrenden Straße, 
und der Durchschneidung und Zerstdrung des Dammes, 
welcher von den Belagerern bei der Johannes-Batterie 
aufgeführt worden war, erschwerte er jedes Annähern 
gegen die Vestung noch mehr. Endlich machte er in 
einer Morgenfrühe (10ten April) mit 600 Fußgängern, 
60 Reitern und 3 Kanonen sogar einen Ausfall, um die 
Nuncte Reinsdorf und Wegschütz, (gegen diese spielte 
sein Geschutz besonders) wo moglich auch Rogau weg- 
zunehmen, und einer Abtheilung preußischer Reiterei, 
die unter dem Lientenant Witowsky von einem Streif- 
zug an der polnischen Gränze heimkehrte, den Weg nach 
Kosel zu bahnen. Sie hatte dreißig den Polen abge- 
nommene Pferde bei sich. 
Gegen Reinsdorf mißlang die Unternehmung, trotz 
der Ueberlegenheit des Feindes, und ob er gleich hinter 
den dortigen Gebüschen die linke Seite des General 
Raglowich zu erreichen hoffte, auch seine Kanonen bis 
an die alte Belagerungs-Batterie ohnweit des heiligen 
Johannes brachte. Denn die Compagnie in Reinsdorf 
widerstand fest, bis von Juliusburg eine zweite Com- 
pagnie zur Unterstützung kam, und Lieutenant Fuchs 
*) Die Aenderung geschah so, daß das Bataillon Taris mit 
einer Compagnie Reinsdorf, mit Einer Juliusburg, mit 
Einer Wegschütz, das erste Bataillon des Sten Regimentes mit 
einer Compagnie Wegschütz, mit zweien Compagnien Comorn, 
einer Compagnie Oppeln, das Bataillon Lamotte mit zwei 
Compagnien Rogau, mit Zweien Boberschau und Mechnit 
besetzte. IZwei Kanonen kamen nach Wegschüt.
        <pb n="468" />
        einer Abtheilung derselben durch Gebüsch und Sumpf 
die Angreifenden umgieng. Da wichen sie zurück. 
Vor Wegschütz zwar mußte sich, wegen des feind- 
lichen Kanonenfeuers, das beim Durchschnitt aufgestellte 
zwolf Mann starke Piket unter Corporal Frauendor- 
fer, nach männlicher Gegenwehr zurückziehen; der Feind 
konnte den Ablauf der Ueberschwemmung verstopfen und 
daselbst sein Geschütz vortheilhaft aufstellen; allein dar- 
auf beschränkte sich für ihn der ganze Vortheil eines 
Gefechts, das vier Stunden gedanuert, den Baiern zwei 
Todte, zwoölf Verwundete, ihm selbst aber 10 Todte, 
60 Verwundtete, 7 Ueberläufer und einige Pferde geko- 
stet hatte. ") 
Während General Raglowich auf diese Weise mit 
eigentlich nur sieben Compagnien den wichtigen Punct 
Kosel umschlossen und beobachtet hielt; während die Be- 
lagerung der kräftig vertheidigten Vestung Neisse leb- 
haft vorschritt, verdoppelte Graf Götzen von Glatz 
aus seine Anstrengungen, Schlesien zu retten. Ohne 
Geld, ohne Waffen, ohne Schießbedarf, sandt er durch's 
Riesengebirg kleine Streifhaufen, an deren Spitze sich 
die Rittmeister Stössel und Nerro, so wie die Lieu- 
tenants Wallenstein und Gail Namen machten. Sie 
schweiften bis in die obere Lausitz, um jene Bedürfnisse 
  
* Der General Raglowich nannte in dem deßhalb ein- 
gesandten Bericht den Major Donnersberg, den Haupt- 
mann Seebus und Lieutenant Fuchs, so wie den jun- 
gen Tambour Kaver Öschap, welcher, obgleich wegen 
Schwäche in einen Sumpf stecken bleibend, nicht aufhörte 
während der ganzen Affaire Marsch zu schlagen, vorzüg- 
lich tapfere Männer.
        <pb n="469" />
        — 139 — 
zu erbeuten und feindliche Vorraͤthe zu vernichten. Waf- 
fen, Pferde und ansehnliche Transporte bei Bunzlau, 
Ldwenberg und Striegau nahmen sie weg. Die Trup- 
penzahl bei Glatz wuchs, und Gützen drohte, bald 
ein sehr gefährlicher Gegner zu werden. Er wäre es 
geworden, hätte der franzbsische General Lefebre mino? 
der Wachsamkeit und Feldherrukunst gehabt. 
Dieser aber, um das Anwachsen der feindlichen Stärke 
im Werden zu vernichten, zog rasch (12ten April) mit 
einem Corps von Baiern (dem öten Linien-Regiment, 
einer Abtheilung des ersten Dragoner-Regiments und 
der Batterie Regnier) und Würtembergern (einem 
Bataillon Jäger zu Fuß, einer Abtheilung reitender Jä- 
ger und zwei Kanonen) vor Glatz. Hier stellte er sich 
von Wartha her, Angesichts der Vestung, auf die An- 
höhen. Rückwärts ließ er, zur Deckung dieses Stand-= 
punctes, den baierischen Major Bernclau, mit 300 
Mann vom 1o0ten Linien-Regiment, bei Frankenstein. 
Der Feind säumte nicht, alles zu thun, diese unwill- 
kommene Erscheinung zu verdrängen. Er machte schon 
folgendes Tages (15Sten April) einen allgemeinen Angriff, 
der jedoch auf allen Puncten zurückgetrieben ward. Ein 
gleichzeitiger Streifzug von 400 Preußen zu Fuß und 
mehreren Husaren gegen Frankenstein blieb eben so ver- 
geblich, doch ward durch ihn eine halbe Stunde vom 
erwähnten HOrt entfernt, ein Posten von sechs Drago- 
nern und einem Unteroffizier aufgehoben. 
Graf Güötzen hatte indessen bei diesem Versuch die 
Stellung und Schwäche seines Feindes kennen gelernt. 
Er schickte nun in einer Nacht 2,100 Mann Fupvolks, 
einige Reiterei und vier Kanonen auf großen Umwegen
        <pb n="470" />
        — 140 — 
durch Waldungen und Berge gegen Lefebre's Ruͤcken 
und linken Fluͤgel; einen andern Streifhaufen ebenfalls 
anf Umwegen uͤber Wartha gegen den rechten Fluͤgel; 
und ein Theil der Besatzung von Silberberg mußte nach 
Frankenstein, um diesen Punct und damit auch Lefeb- 
re's Rückzugslinie nach Breslau wegzunehmen. 
Mit Tagesanbruch den 17ten April griffen 1,600 
Mann Fußvolks, 500 Mann Reiterei und einige Kano- 
nen, von Glatz ausgerückt, den linken Flügel der bgierisch- 
würtembergischen Stellung an. Zugleich brachen jene 
2,400 Preußen durch die Waldung hervor aus ihrem 
Versteck. Unfer solcher Uebermacht schwankte das dort 
stehende würtembergische Jäger-Bataillon. Aber das 
40te Linien-Regiment der Baiern stellte herbeieilend mit 
Kürmischen Anfall das Gleichgewicht her, trat den Preußen 
in die Flanke und entriß ihnen eine Haubitze. Von der 
andern Seite warf der Oberst Graf Beckers an der 
Spitze zweier Compagnien des sechsten Linien-Regi- 
ments die von Wartha herkommenden Preußen in die 
Walder zurück, und stritt so glücklich, wie das zweite 
Bataillon desselben Regiments unter dem Oberstlieute-- 
nant Grafen Spretti am linken Flugel. Und als 
endlich auch Bernclau mit dem ersten Bataillon des 
10ten Linien-Regiments den Punct Frankenstein, so wie 
der Hauptmann von Zoller mit seinen wenigen Baiern 
den Punct Wartha unerschütterlich behauptete, war der 
wohlberechnete Entwurf des Grafen Götzen mit nicht 
geringem Verlust für ihn vereitelt. Er hatte einen Ver- 
lust von 200 Todten und Verwundeten, 9 Offizieren, 
350 Gemeinen in Gefangenschaft, einer Haubitze und 
drei Dreipfündern. Die Baiern zählten unter sich drei
        <pb n="471" />
        — 141 — 
Todte, 13 Verwundete und 2 Gefangene. ") Noch huns 
dert in die Waldungen versprengte Preußen wurden, ver- 
folgt durch eine Escadron Chevaurlegers und zwei Com- 
pagnien des Leibregiments unter General Siebein, 
als Gefangene eingebracht. Auch Prinz Jerome war 
zu dieser Zeit dem Schauplatz der Gefechte, von Bres- 
lau her, näher gerückt, und hatte sein Hauptgelager 
nach Münsierberg verlegt. *) 
Diese Wachsamkelt gegen des Grafen Götzen Un- 
ternehmungen stellte auch das Blocadecorps von Kosel 
sicherer; doch bei seiner Schwäche konnte dieses nichts 
Entscheidenderes leisten, wenn es ihm gleich nicht an 
einzeln kecken Thaten fehlte, 3. B. wenn der Sergeant 
  
) Jerome Napoleon erkannte in einem am 16ten Aprik 
vor Glaß erlassenen Tages= Befehl die folgenreiche Kraft- 
Anstrengung jenes kleinen baierischen Corps unter General 
Lefebre, und belobte vorzüglich den Major Grafen An- 
ton von Rechberg, den Hauptmann Dumas und Lieute- 
nant von Zandt. 
**) Bereits am täten Aprik hatte er das 2te Bataillon des 
isten Linien-Regiments, eine Escadron Chevaurlegers 
und zwei Kanonen nach Münsterberg, am 15ten zwei Com- 
pagnien ebengenannten Bataillons mit zwei Kanonen zur 
Unterstützung des Punctes Frankenstein, späterhin zum Schutz 
des von Schweidnitz nach Neisse ziehenden aus 20 Piecen 
und 200 Wagen bestehenden Belagerungs-Parkes nach Rei- 
chenbach, das erste Bataillon genannten Regiments dage- 
gen von Breslau ebenfalls nach Münsterberg gesandt, am 
165ten selbst sein Hauptquartier, eine Escadron Cavglerie 
unter Major Floret und die Batterie Peters nach letz- 
terem Orte, am 17ten nach Kloster Comorn verlegt.
        <pb n="472" />
        — 142 — 
Kröbel und der Gefreite Böck vom Bataillon Taris 
mit zwolf freiwilligen Tapfern, auf das Gerücht, daß 
in der feindlichen neuen Batterie an der Pogrzellitzer-Brücke 
drei Kanonen ständen, nächtlicherweile (vom 1#ten zum 
12ten April) dahin schlichen, die Stücke zu nehmen. 
Sie fanden sie freilich nicht, aber das aufgebaute Block- 
haus legten sie in Asche; oder wenn bei einem Ausfall 
der Belagerer (l6ten April), den jedoch der Oberstlieu- 
tenant Graf Taxis bald zurückwies, ein einziger Mann, 
der Gemeine Huber, trotz seiner Wunden, ein Gefecht 
mit drei Husaren anfieng und lange Zeit allein unter- 
hielt. Dergleichen Ausfälle der Besatzung wiederholten 
sich fter, auch nachdem der tapfere Befehlshaber der 
Pestung, Oberst Neumann gestorben war, wie z. B. 
am oten, 11ten und 12ten, am 10ten und 21ten Mai 
u. s. w. Denn der neue Befehlshaber in Kosel, Oberst 
Puttkammer wich seinem Vorgänger weder an Klug- 
heit, noch an Beharrlichkeit und Muth. 
Aber der Oberst Puttkammer hatte bei weitem 
nicht mehr die Hülfsmittel, die seinem Vorgänger zu 
Gebote gestanden waren. Die Besatzung sah er durch 
das beständige und zunehmende Ueberlaufen der Solda- 
ten zu den Baiern äußerst geschwächt. Schon riß Meu- 
terei ein. Schon litt die Vestung Mangel an Bedürf- 
nissen aller Art und die Hoffnung des Entsatzes verlor 
sich immer mehr. ) Obgleich der Kommandant noch 
  
5P*) Zwischen der Vestung und dem Grafen von Göten ward 
mit schwimmenden Bouteillen in der Oder Briefwechsel 
unterhalten, dieß aber am 1sten Juni durch die Belagerer 
endddeckt.
        <pb n="473" />
        am zweiten Juni die Vorschläge zur Uebergabe verwarf, 
welche ihm der General Raglowich persdnlich machte, 
ward er dennoch durch seine traurige Lage gezwungen, 
sie am 18ten Juni anzunehmen, und zwar so, daß die 
Besatzung ehrenvoll ausziehen solle, wenn bis zum 16ten 
Fuli kein Emsatz erscheinen würde. ') 
  
11. 
Verschiedene Gefechte in Schlesien. Ero- 
berung der Vestung Neisse. Vorläufige 
Capitulation der Vestung Glatz. Belge 
gerung von Silberberg. 
Mit weit ernstern Anstrengungen war seitdem die 
Belagerung der Vestung Neisse betrieben worden, welche 
der franzdsische General Vandanme schon seit dem 
16ten April hatte auf's heftigste beschiessen lassen, und 
zwar nicht ohne furchtbare Wirkungen für die Stadt, 
die Vestungs = Werke und die Besatzung. Graf Götzen 
erkannte wohl, daß von dem Falle dieses Mlatzes das 
Loos der noch übrigen oberschlesischen Vesien abhange. 
Aber zu schwach an Mannschaft, er hatte kaum 2000 
*) Der während dieses Zeit-Raumes abgeschlossene Friebe 
zwischen den kriegführenden Mächten machte inzwischen 
diese Uebereinkunft folgenlos. (Die Würdigung der An- 
strengung des Blocadecorps betreffend, stehe Armeebefehr 
vom sten Juli 1807, 20fsten September 1807. K. 1.)
        <pb n="474" />
        — 144 — 
Mann, konnte er weder unmittelbar gegen Neisse, noch 
gegen Frankenstein einen Angriff wagen. Darum be- 
schloß er, durch einen Eilzug sich plötzlich der Stadt 
Breslau, wo in dem Augenblick nur geringe Besatzung 
lag, ") zu bemeistern, und mit diesem kühnen, über- 
raschenden Zuge die Aufhebung der Belagerung von Neisse 
zu erzwingen. Er schickte auch wirklich (10ten Mai) die 
Majore Losthin und Roggendorf mit 1,300 Mann 
von Silberberg aus über Landshut, Freiburg und so 
weiter gegen Breslau, wo sie sich nur sechs Stunden 
verweilen und alle Vorräthe wegnehmen, dann sich, über 
die Oder gegen Kosel wenden, und unterwegs alle Selbst- 
ranzionirte und Freiwillige an sich ziehen sollten. 
Prinz Jerome, (seit 25ten April mit dem ersten 
Linien= oder Leib-Regiment Baiern wieder nach Schle- 
sien zurückgekommen) hatrte damals sein Hauptgelager 
mit dem baierischen Leib-Regiment zu Frankenstein, 
durch Verhaue und Redouten alles gegen Ueberfall wohl 
gedeckt, ein Bataillon des sechsten baierischen Linien= 
Regiments zu Wartha, und seinen linken Flügel durch 
das sächsische Regiment Niesemeuschel verstärkt. Mier 
starken Abtheilungen waren die Straßen nach Silberberg 
und Glgz besetzt. 
Er und General Lefebre von einer feindlichen Be- 
wegung belehrt, schickten ohne Vorzug (11ten May) 
den Major Schmitt vom 10ten---Linien-Regiment, mit 
einem 
  
*) Wegen des Abmarsches des 2ten Bataillous des Leib-Re- 
gimentes am #áten Mai über Reichenbach nach Tarnau 
unweit Silberberg.
        <pb n="475" />
        einem kleinen Corps Baiern“) über Reichenbach hinaus, 
Kundschaft einzuziehen. Dieser erfuhr bald, daß der 
Major Losthin mit den Preußen auf Umwegen durchs 
Gebirg über Freiburg gegen Breslau ziehe. Er folgte 
rasch dessen Spur über Peterswaldau und Wüste-Giers- 
dorf und gab dem General Lefebre Anzeige. Dieser 
brach eben so schnell (12ten May) mit einem kleinen 
Corps Baiern und Sachsen) nach Leutmannsdorf auf, 
stieß folgenden Tags bei Freiburg zur Schaar des Ma- 
jors Schmitt, und erfuhr, der Feind werde in und 
bei Ober-Kanth übernachten. 
Ehe die Nacht vergangen war, plänkelte schon (#äten 
Maiy der Lieutenant Ferdinand Zandt, der mit 40 
Schützen des Leib-Regiments und 24 Chevaurlegers, 
als Vorhut voran gegangen war, mit den preußischen 
Vorposten vor Kanth, und behauptete sich mit gerin- 
gem Verlust, bis General Lefebre (4 Uhr Morgens) 
mit allem Kriegsvolk erschien. Nun durch das Bataillon 
Waldkirch unterstützt, durch ein Geschwader Chevaur- 
legers unter Rittmeister Strüpen und ein Geschwader 
Dragoner unter Lieutenant Grafen Carl Lodron auf 
) Aus einer Compagnie des Leib-Regimentes, einer des 
##l1oten Linien-Regiments, fünf und zwanzig Dragonern von 
Minucci unter Lieutenant Baron Magerl, und vier 
und zwanzig Chevauxlegers des Regiments König unter 
Lieutenant Ferdinand von Zandt, bestehend. 
*“) Mit dem 2ten Bataillon des baierischen Leib-Regimen- 
tes unter Obristlieutenant Graf Waldkirch, 500 Mann 
des sächsischen Regiments Niesemeuschel, einer Esca- 
dron des baierischen Regiments König-Chevaurxlegers und 
zwei baierischen Kanonen unter Hauptmann Regnier. 
Ates Buch. 10
        <pb n="476" />
        — 1AH6 — 
den Seiten gedeckt, drang er gegen die Stadt an. Ein 
Wort des Oberstlieutenants Waldkirch war genng, alle 
zu entflammen. Zandt warf alles vor sich her nieder, 
drang in die Stadt, sprengte in dreihundert feindliche 
Reiter ein, die auf dem Marktplatz standen, trieb sie 
zum Thor hinaus , und behauptete dieses, nur mit 
Verlust eines seiner Tapfern. So bereitete er die Ein- 
nahme des Städtchens, welche der Hauptmann Brück 
mit der Grenadier-Compagnie des Bataillons Wald- 
kirch vollendete. Die Preußen machten noch hin und 
wieder aus den Häusern Feuer. Es wurden hier 120 
Mann gefangen genommen. 
Major Losthin stellte sich nun jenseits der Stadt, 
theils in ein Gehdlz, theils hinter das Schweidnitzer= 
Wasser auf, dessen Brücke er mit Nachdruck vertheidigte. 
Als Oberstlieutenant Graf Waldkirch bemerkte, daß 
der Feind. selbst durch das Kanonenfeuer nicht aus dem 
Gebuͤsch zu vertreiben sey, schickte er einen Zug unter 
dem Oberlieutenant Grafen Taufkirch hinein. Dieß 
wirkte. Nun befahl, Lefebre mit gesammter Macht 
unverweilt uͤber den Fluß zu gehen, und den Feind an- 
zugreifen, der sich jenseits auf den Höhen mit zwei 
Feuerschlünden vortheilhaft stellte. Man ging hinäüber. 
Graf Waldkirch entwickelte im heftigsten Feuer des 
Feindes die Schlachtordnung seines Bataillons, während 
ein Theil des sächsischen Bataillons Niesemeuschel, als 
Reserve, unter Befehl des baierischen Majors Schmitt 
zurück blieb, zum Schutz der Brücke. Nun führte der 
tapfere Lieutenant Zandt die gesammte Reiterei rechts 
gegen die feindliche Reiterei auf der Hhe, und trieb die- 
selbe, trotz ihrer Ueberlegenheit, nach wildem Gefecht 
zurück, und verfolgte sie unabläßig. Zu gleicher Zeit
        <pb n="477" />
        — 147 — 
drang Graf Waldkirch gegen das Kartätschen= und 
Flintenfeuer der feindlichen Linie auf hundert Schritte 
vor; thm folgten zwei Kanonen unter Haupimann Reg- 
nier. Dann Ktürzte er gegen den Feind an. Dieser 
wankte. Und als der baierische Lieutenant Kiefer ihm 
mit großem Muthe eine der Kanonen entriß, ward dieß 
das Zeichen zum allgemeinen Rückzug der Preußen. Da- 
mit nicht zufrieden, schob Graf Waldkirch, während 
des Verfolgens seinen rechten Flügel immer weiter vor, 
um den in Unordnung gerathenen Preußen den Rückzug 
gegen Breslau abzuschneiden, sie gegen das Schweidni- 
tzer Wasser und das Bataillon Niesemeuschel bei der 
Brücke zu treiben, folglich sie zwischen zwei Feuer zu 
nehmen. " 
Die Preußen, in Verzweiflung, nun überzeugt, nichts 
mehr, als Besitz jener Brücke, kdane sie vor gänzlicher 
Vernichtung bewahren, stürzten wüthend alle auf diesen 
Punct hin. JZu schwach gegen den Anprall solcher Masse, 
wichen die Sachsen, zumahl sie viele der ihrigen und 
selbst den Major Schmitt, ihren Führer getddtet sahen. 
Die Eroberung der Brücke beruhigte die Preußen. Schnell 
sammelten und ordneten sie sich, und Major Losthin 
ward itzt angreifender Theil. Denn er sah, daß die 
Baiern, ihres Sieges gewiß, noch zerstreut und ord- 
nungslos, wie im Verfolgen, kamen. Er rückte auf sie 
an. Weder Lefebre's, noch Waldkirch's, noch al- 
ler Offiziere Bemühen war itzt fählg, ihren Kriegern 
die vorige Haltung, oder, in solcher Verwirrung, die 
verlorne Brürke wieder zu geben. Die Flucht begann! 
Ooch lieber den Tod, als Gefangenschaft wählend, stürz- 
ten sich alle dem General Lefebre nach in die Wellen 
des Schweidnitzer-Wassers, damahls hoch von Regen- 
10 *
        <pb n="478" />
        — 148 — 
und Bergstroͤmen angeschwollen. Hauptinann Regnier 
warf die beiden baierischen Kanonen in die Tiefe des 
Flußes. Der Junker von Chlingensberg rettete die 
Fahne des Bataillons aus den Händen des Feindes, riß 
sie dann von ihrer Stange, schlang sie um den Leib und 
sank mit ihr, getroffen von feindlichen Kugeln, in den 
Wellen unter. 
Jenseits des Wassers sammelte und ordnete Graf 
Waldkirch die Baiern wieder, zu denen nun erst, 
nach vollendetem Gefecht und beim ungestorten Rückzuge, 
anch der tapfere Lieutenant Zandt kam, welcher die 
preußische Reiterei in stürmischer Hitze nur allzuweit ver- 
folgt hatte. Mit einem Verlust von 53 verwundeten 
und 123 vermißten und gefangenen Soldaten), unge- 
beugt durch dieß Ungliuck, welches noch durch manches 
wackern Mannes That geadelt worden war "#), zogen die 
Baiern den Weg nach Schweidnitz. Auch Hauptmann 
Hugenpoet, der zu Kanth mit seiner Compagnie die 
gefangenen Preußen bewacht hatte, machte mit densel- 
ben seinen glücklichen Ruckzug, welchen ausgezeichnet ta- 
pfer mit einer kleinen Abthellung dieser Compagnie der 
*) Verwundet wurden von Öffizieren, der baierische Haupt- 
mann Baligand, der Öberlieutenant Graf Taufkirch, 
die Lieutenants Graf Deypm, Kiefer, Baron Hohen- 
hausen, welche größtentheils so wie der Hauptmann 
Sundahl, die Lieutenants Mühlholz, Graf Ler- 
chenseld, Baron Gumppenberg in des Gegners Hände 
fielen. 
2#) Der Hauptmann Baligand, die Oberlieutenants Graf 
Taufkirch und Mühlholz, die Lieutenanks Graf 
Deym und Kiefer, der Hauptmann Sundahl und
        <pb n="479" />
        — 149 — 
Lieutenant Griesenhöck gegen den Andrang des Fein- 
des deckte. 
General Lefebre aber, nur Rache athmend, noch 
in nassen Kleidern, eilte auf Kourierpferden nach Schweid- 
nitz voraus, ließ da eine preußische Kanone beweglich 
machen, und sammelte an hundert Mann durch Schle- 
sien ziehender Franzosen und 300 polnische Uhlanen zu 
sich. Mit diesen Uhlanen, mit der Escadron Chevaurx- 
legers unter dem Lieutenant Zandt, mit der preußi- 
schen Kanone unter Hauptmann Regnier flog er fol- 
gendes Tags (15ten Mai) nach Fürstenstein. Haupt- 
mann Brück mit der zweiten Grenadier-Compagnie des 
Leib-Regiments, und mit den Schützen desselben Ober- 
lieutenant Baligand folgten im schnellsten Laufe auf 
Wägen. Gleiche Richtung nahm Graf Waldkirch mit 
seinem Bataillon und den hundert Franzosen. 
Es hatte nämlich General Lefebre wohl berechnet, 
Major Losthin werde sich, nach dem Gefecht bei Kanth, 
schwerlich gegen Breslau weiter hin bewegen, sondern 
seine Gefangenen und seine Beute in Sicherheit zu brin- 
gen suchen, und von drei Wegen nach Glatz oder Sil- 
Lieutenant Pigenot des toten Regiments, hatten ihren 
trefflichen Führer Oberstlieutenant Grafen Waldkirch treu- 
lich unterstützt. Lieutenant Kiefer brachte mit einer 
Hand, welche bereits stark verwundet worden, und einen 
feindlichen Artilleristen getödtet hatte, die von ihm eroberte 
feindliche Kanone noch vor Ausgang des Gefechtes glücklich 
in Sicherheit. Eben so hatte sich der verwundete Lieute- 
nant Baron Hohenhausen des toten Linien= Regi- 
ments vorzüglich tapfer gezeigt.
        <pb n="480" />
        berberg, am liebsten den sichersten durchs Gebirg uͤber 
Striegau und Freiberg waͤhlen. Er hatte sich in der Ver- 
muthung nicht betrogen. In der Naͤhe von Fuͤrstenstein 
sah man die Preußen auf dem Wege von Hohenfrledberg 
und Adelsbach gegen Waldenburg ziehen. 
Alsbald sprangen Grenadiere und Schützen vom Wa- 
gen, in die Schlachtreihe mit der Reiterei. Lefebre 
führt sie rasch gegen die Mitte des feindlichen Zuges 
auf die Anhbhe, wo sich die Preußen sogleich ordneten 
und lebhaftes Kanonenfeuer machten. Lefebre zog nun 
auch seine preußische Kanone vor. Hauptmann Regnier 
that nur drel Schuß. Er erkannte, daß die Stücke, aus 
welchen der Feind antwortete, dieselben waren, welche 
er den Tag vorher befehligt hatte. Die Preußen hatten 
sie wieder aus dem Schweidnitzer-Wasser gezogen. „Brü- 
der“, schrie Regnier den Reitern zunächst zu: „Soll 
uns der Feind aus unsern eignen Stücken beschlessen? 
Frisch auf, brave Baiern, mir nach!“ Und er sprengte 
wild gegen das wohlbekannte Geschütz. Die erste Kanone 
ward sogleich von ihrer Bedienung verlassen. Fünf preu- 
Khische Husaren umzingelten ihn bey der zweiten; einen 
haut er vom Roß, die andern bieten ihm Gnade an. 
Er hört nicht, ist daran unter ihren Streichen zu fal- 
len, als ihm der Artillerie= Corporal Voigl, der Che- 
vqurleger Michael Bausch zuspringen. Die vier Hu- 
saren fallen getddtet. Lieutenant Zandt erscheint mit 
der gesammten Reiterel und sein Einhauen in die ganze 
feindliche Linie vollendet nicht nur die Wiedereroberung 
der beiden baierlschen Kanonen, sondern auch die bei- 
den preußischen werden noch dazu erbeutet. — Nun hatte 
Hauptmann Brück, als er mit dem balerischen Fußvolk 
anrückte, leichtes Spiel. Die Preußen wurden gewor-
        <pb n="481" />
        — 151 — 
sen. Man hatte bald eher Unbewaffnete zu beschützen, 
als zu hekämpfen. Major Losthin sah alle Siegesfrucht 
des vorigen Tages verloren, und bei 600 Todte und 
Verwundete der Seinigen auf dem Kampfplatz. Er selbst 
mit 15 Offizieren und 350 Mann ward gefangen. Aber 
zu weit voraus waren gegen Glatz schon die Tags zu- 
vor bei Kanth in Gefangenschaft gerathenen Baiern. 
Sie wurden, nebst der vom Feind wieder aus dem Schweid- 
nitzer-Wasser gezogenen Fahne nach Glatz gebrachr. Hin- 
wieder hielten nun die Baiern mit allen preußischen Ge- 
fangenen und den eroberten Feldstücken ihren feierlichen 
Einzug (17ten May) in Breslau, 
Noch wußte der preußische Oberbefehlshaber Graf 
von Gützen nichts vom Ausgang des Losthin'schen Zu- 
ges. Er dachte noch daran, den bei Wartha stehenden 
General Siebein zu beschäftigen, damit er keine Ab- 
sendungen gegen Frankenstein und Reichenbach mache. 
Darum ließ er (164ten Mai) den preußischen Major 
von Görtz mit zweihundert Fußgängern und einem Ge- 
schwader, von Glatz aus, gegen ihn ziehen; dem folg- 
ten 600 Mann Infanterie mit zwei Kanonen nach. Ge- 
neral Siebein lag mit vier Compagnien Baiern Cdes 
sechsten Linien-Regiments, später deren nur drei dessel- 
ben, aber dann mit einer des 10ten Regiments und ei- 
ner würtembergischen verstärkt) in gurer Stellung hinter 
dem Städtchen, mit Voxposten jenseits der Neisse, um 
die Straßen nach Glatz und Silberberg zu beobachten. 
Seine Streifwachen stiessen beim Dorfe Eichen auf die 
Mannschaft des Major Görz, und begannen mit der- 
selben ein lebhaftes Geplänkel, als sehr zufällig der 
franzôsische General Hedouville, begleitet vom Lieu- 
tenant Besserer und vier und zwanzig Mann vom
        <pb n="482" />
        — 152 — 
zweiten Chevaurlegers-Regiment, dazu traf. Hedou- 
ville war nur ausgeritten gegen Glatz zu recognosci- 
ren. Besserer sah nicht sobald seine Landsleute in 
Gefahr, als er einen Corporal und sechs Mann zur Be- 
deckung des Generals zurück ließ, mit den übrigen gegen 
die feindliche Escadron jagte, einhieb, und mit glücklicher 
Tapferkeit *) sie bis Eichen zurücktrieb. Hier nahm der 
Feind neue Stellung. Da aber General Siebein mit 
250 Mann Fußvolks ebenfalls herbeieilte, griff auch 
Besserer, obgleich selbst schon zweifach verwunder, 
noch einmahl an. Der Feind ward bis zur Colonie 
Friedrichswartha gedrängt, wo nun die Hauptmacht des 
ausgesandren Corps beisammen stand. Jetzt erst zog sich 
der baierische General mit seinem Häuflein zurück. Die 
Preußen wagten ihn kaum zu verfolgen. 7) 
Alle diese Ereignisse hatten für das Schicksal der 
Pestung Neisse nachtheiligen Einfluß. Denn, ohne bal- 
digen Emsatz, war sie durch ihren Zustand gezwungen, 
sich zu ergeben, wie besonnen und tapfer auch ihre Be- 
fehlshaber Stecusen, Harroy und Wernitz, die 
Vertheidigung geführt hatten. Die Pestung, zu deren 
  
*) Unterstüßt durch den bald darauf getödteten Chevaurlegers 
Brinzineser, die Chevaurlegers Anten Meper- 
Essentheuer, Metz, Bergmüller und Hißelber- 
ger. Chevaurlegers Anton Mever fieng während jenes 
heftigen Handgemenges den Hieb eines preußischen Offi- 
ziers auf, welcher den Kopf des Lieutenants Besserer 
gespalten haben würde, und erschien demnach als der Ret- 
ter des Lebens seines Führers. 
*) General Siebein gedachte in seinen über diese kleine 
Affa ire erstatteten Bericht mit Anerkenntniß erworbenen
        <pb n="483" />
        155 —’ 
Vertheidigung eine Besatzung von 12,000 Mann erfor- 
derlich gewesen wäre, zählte deren nur 5,000, durch be- 
ständigen Dienst auf den Wällen erschöpft. Besonders 
fehlte es an Artilleristen. Krankheiten nahmen überhand, 
und es mangelte an allen Arzneimitteln. Daher ward 
(tten Juni) nach 115tägiger Belagerung die Capitula= 
tion wirklich abgeschlossen, so, daß die Vestung am lbren 
Juni den Siegern eroffnet werden sollte, wenn bis da- 
hin kein Entsatz erscheinen würde. Auch die Belagerer 
hatten vor der Stadt bedeutenden Verlust gelitten, denn 
von den Wällen waren ihnen aus 350 Stück Geschütz 
(nur durch 108 Artilleristen bedient!) nicht weniger, 
als 100,000 Kugeln zugeschleudert worden. 
Graf Sdtzen keineswegs durch so viel Widerwär- 
tigkeiten gebeugt, verdoppelte seinen Eifer zur Rettung 
des noch irgend Rettbaren. Den Rittmeister Biber- 
stein sandt er aus, einige Reiterei zu bilden; den Ma- 
jor Puttlitz ins Riesen-Gebirg, Fußvolk zu sammeln. 
Er versäumte keine Gelegenheit, seinem Gegner zu scha- 
den, und dem Uebermuth desselben zu beweisen, daß er 
jede gegebene Blbsse zu benutzen wisse. Dieß erfuhr be- 
sonders durch ihn der franzdsische General Pernetti. 
Verdienstes des Hauptmanns Fischer, der Lientenants 
Massenbach, Geisler, Mallinger und Jung, 
des Sergeant Müllers und Corporals Strommedter 
des bten Linien-Infanterie-Regiments, so wie des schon 
bei mehreren Gelegenheiten ehrenvoll erwähnten Lieute- 
nants Besserer. Der baierische Verlust bestand in ei- 
nem Todten, 5 Verwundteten und 14 Vermißten. Der 
des Gegners schien letzteren bei weitem zu über treffen. 
(Siehe Armeebefehl vom toten Juni 1807. F. 3.)
        <pb n="484" />
        — 154 — 
Dieser, um Godtzen's Thaͤtigkeit im Riesengebirg 
zu hemmen, gieng mit einem Streifcorps, *) uͤber Lam- 
persdorf (22ten Mai, Wüste-Giersdorf, von da in 
verschiedenen Abtheilungen auf verschiedenen Wegen nach 
Goldberg, Striegau, Freiberg und Reurode, wo noch 
200 baierische Chevaurlegers vom dritten Regiment zu 
ihm stiessen. Unterwegs hatte eine schwache Abtheilung 
des Regiments Herzog Wilhelm unter Lieutenant 
Bauer ein preußisches Detachement zu Schoͤmberg (24ten 
Mai) Uberfallen, siebzehn Gefangene und mehrere Pferde, 
auch einige hundert Thaler Beute gemacht. Statt nun 
den Rückweg von Neurode nach Wartha über Lampers- 
dorf zu nehmen, wählte General Pernetti, in allzu- 
großer Verachtung seines Feindes, der ihn scharf beob- 
achtete, den gefährlichsten, der zu finden war, zwischen 
den beiden Festungen Glatz und Silberberg hindurch. 
Aus beiden Festungen ließ Graf von Götzen sogleich 
Truppen in hinreichender Zahl ausrücken, die unvorsich= 
tig geführten Baiern und Würtemberger von zwei Seis 
ten anzufallen. 
Die Letztern hatten eben (öten Juni) auf dem Zuge 
von Neurode nach Rothwaltersdorf den Scheideweg von 
Wartha, Silberberg und Glatz erreicht, als preußische 
Reiterei, von Glatz her, die Nachhut Pernetti's an- 
fiel. Sie ward von den baierischen Chevaurlegers bis 
hinter das Dorf Schwenz zurückgeworfen. Unnbthiger= 
  
) Aus einer Compagnie des Leib-Regiments und zwei 
Compagnien des haierischen öten Linien-Regiments, 70 
baierischen Dragonern und 118 würtembergischen Schützen 
gebildet.
        <pb n="485" />
        — 155 — 
weise mußte sich das ganze Corps aufstellen und andert- 
halb Stunden verweilen. So gewannen denn auch die 
von Silberberg kommenden Preußen Zeit genug, Roth- 
waltersdorf zu erreichen, sich dort in Versteck zu legen, 
und, wie Pernetti's Vortrab erschien, ihn mit einem 
heftigen Feuer zu empfangen, waͤhrend von hinten die 
vorher zuruͤckgetriebne preußische Reiterei gegen die Nach- 
hut andraͤngte. Auch das Dorf Neurode ward vom 
Feind erfuͤllt. Major Graf Leibelfing warf sich nun 
gegen dieses mit der ersten Compagnie des Leib; Regi- 
ments und den wuͤrtembergischen Schuͤtzen. Er nahm 
das Dorf mit Sturm, und trieb die Preußen hinaus; 
dann sie auch aus ihrer neuen Stellung hinter dem Dorfe 
fort, in die Waͤlder. Waͤhrend dessen hatte General 
Pernetti, unbekuͤmmert um das Schicksal der bei Neu- 
rode Kaͤmpfenden, mit allen Truppen ungehindert seinen 
Weg fortgesetzt. Major Leibelfing ward dieß erst 
gewahr, als sich die preußische Reiterei gegen ihn wandte, 
die vorher noch die Nachhut Pernetti's verfolgt hatte. 
Er erblickte sich nun umringt von allem aus Glatz und 
Silberberg gekommenen Kriegsvolk. Mehr denun dreißig 
Mann seiner Compagnie hatten, statt männlich auszu- 
harren, sich schon auf schändliche Weise, beim Anfang 
des Gefechts, über die nahe dsterreichische Gränze ge- 
flüchtet. Also mußte sich Major Leibelfing, nach 
heftigem Widerstande, gefangen geben, nebst zwei Offi= 
zieren und 23 Mann. 
Der Gesammtverlust der Baiern in diesem Gefechte 
betrug, außer den gefangenen erwähnten Offizieren, an 
Todten, Verwundeten und Gefangenen 170 Mann. Der 
Verlust der Preußen, deren Reiterei besonders gute Dienste 
gseleistet hatte, war sehr gering. General Pernetti
        <pb n="486" />
        — 156 — 
erkannte übrigens Cin seinem noch im Original 
denen Schreiben) an, daß die Tapferkeit und 
bung des Majors Leibelfing, der die Aufmerksamkeit 
des Feindes vom ganzen Corps auf sich bingezogen, den 
Rückzug der übrigen Truppen vollig gesichert habe. 
vorhan- 
Hinge- 
Minder glücklich waren andere Ausfälle der Besa- 
Lung von Silberberg (am 26ten Mai und ten Juni) 
gegen Frankenstein und den Punct Olbersdorf, (den ein 
Theil des wuͤrtembergischen Scharfschuͤtzen- Bataillons 
Scharfenstein, ein Theil des ersten baierischen Dra- 
goner-Regiments und eine Compagnie vom 10ten Linien= 
Regiment besetzt hielt.) Die Preußen verloren dabel 
mehrere Gefangene und Verwundete. · 
Prinz Jerome säumte nicht, nach dem Fall von 
Kosel und Neisse, die bis zur völligen Uebergabe nur 
von wenigen Truppen beobachtet blleben, sich gegen Sil- 
berberg und besonders erst gegen Glatz zu wenden. Ge- 
nerallieutenant Deroy, nachdem er bei Frankenstein 
die zur Belagerung bestimmten Truppen (das zweite 
Bataillon des Leib-Regiments, das sechste und zehnte 
Linien-, das erste Dragoner-Regiment, ein franzdsisches 
Uhlanen-Regiment und zwei Batterien) versammelt hatte, 
rückte (20ten Juni) gegen Glatz. Er warf ohne Mühe 
die Vorposten zurück, welche der Feind eine Stumde hin- 
ter Wartha hatte, und besetzte vor Glatz, auf Kano- 
nenschußweite von der Vestung, die Anhdhen; den rech- 
ten Flügel zum Neissefluß, den linken gegen Niederhanns- 
dorf gestreckt. Ueber Giersdorf her, zwischen Silberberg 
und dem Neissefluß, kam General Bandamme von der 
andern Seite mit würtembergisch m und sächsischen Kriegs- 
polk, dem das zweite Chevaurlegers-Regiment der Bai-
        <pb n="487" />
        135- — 
ern folgte, und schloß (21sien Juni) Glatz auf dem 
linken Ufer der Neisse ein, links an diesen Fluß gelehnt, 
rechts an Deroy's Division gestuͤtzt, mit der ihn bei 
Peltsch und Schnappauf geschlagene Bruͤcken verbanden. 
Noch war aber das obenerwaͤhnte Niederhaunsdorf 
durch Vreußen besetzt. Deroy schickte den wuͤrtember— 
gischen Obersten Scharfenstein mit dessen Bataillon, 
nebst zwei Compagnien des zehnten baierischen Linien= 
Negiments unter Major Bernclau und einem Geschwa- 
der Dragoner dahin. Wie tapfer auch die Soldaten foch- 
ren, wie klug auch ihr Anföhrer sie leitete, ward das 
Dorf dennoch erst bei anbrechender Nacht, als eine Com- 
pagnie des baierischen Leib-Regiments und eine Dra- 
goner-Escadron unter Rittmeister Cornet zur Unter- 
stützung gekommen war, zum Theil errungen. Denn 
die andere Hälfte des Orts behielten die Preußen besetzt, 
geschützt durch das Kanonen-Feuer aus der Festung. 
Das Oorf war während des langen Kampfes mehrmahls 
genommen, verloren und wieder genommen worden, weil 
es durch seine Lage keineswegs die Vertheidiger begün- 
stigte. Der Verlust an Todten und Verwundeten (unter 
letztern der Rittmeister Cornet und Oberlieutenant 
Baron Gumppenberg) war unbeträchtlich. “) 
Die Belagerten zeigten sich in den ersten Tagen 
durch Streifwachen und Recognoscirungen sehr thätig; 
die Belagerer hinwieder bauten ämsig an den Batterien, 
besonders auf dem sogenannten JZuckerhut, von welcher 
*) Der Oberst Scharfenstein, und der würtembergische 
Hauptmann Scheidemantel, so wie der baierische 
Hauptmann Winkh des toten Regimentes thaten sich 
dabei besonders hervor.
        <pb n="488" />
        158 — 
Höhe die Stadt gleich den ersten Tag mit zwei Haubl= 
tzen nicht ohne Erfolg beschossen worden war. Auch aus 
der andern Hälfte von Niederhannsdorf wurde der Feind, 
trotz des heftigsten Kartätschen= und Klein-Gewehrfeu- 
ers, (25ten Juni) in die Vestung zurückgetrieben. Ge- 
neral Siebein erstürmte mit Würtembergern und Bal- 
ern daselbst Haus um Haus. 
Die Bergfestung Glatz zu erobern, mußte vor 
allen Dingen erst die Stadt eingenommen werden. Denn 
sie, für sich selbst von eignen Werken umgeben und 
geschutzt, verbindet die beiden Hauptvesten links und 
rechts, den Donjon und den Schäferberg, welche vom 
Reisseflutz getrennt sind. Um aber zum Besitz der Stadt 
zu gelangen, muß man zuvor Meister der zwischen Nie- 
derhannsdorf und Hasßwitz befindlichen Anhdbhen seyn, 
theils weil sich der Belagerer droben einschneiden, theils 
von da herab die ganze Stadt in Grund schiessen kann. 
Graf von Götzen, der die Wichtigkeit dieser Hôhen, 
besonders des sogenannten Kreuzberges sehr gut kannte, 
harte sie seit acht Tagen eilfertigst mit Verschanzungen 
decken lassen. Noch waren die Werke nicht ganz vollen- 
der; um so dringender hatte er dem Major von Putt- 
litz, nebst der Besatzung in diesen Schanzen, Wach- 
samkeit und Vorsicht empfohlen, zumahl, da, von bei- 
den Seiten schon, Niederhannsdorf und Haßwitz, in 
die Gewalt der Belagerer gefallen waren. 
Im Gefähl der Ueberlegenheit, und schnell die letz- 
ten der preußischen Vestungen zu besiegen, beschloß Prinz 
Jerome Sturm gegen das feste Lager vor Glatz. Er 
ward gerüfter. 
In nächtlicher Stille (1 Uhr Morgens den 26ten
        <pb n="489" />
        — 159 — 
Juni) gieng General Vandamme mit einem Theil 
seines Fußvolks und seiner Reiterei uͤber die Neisse, das 
Lager von hinten anzufallen. General Siebein ver- 
sammelte im Wald bei Oberhannsdorf das erste Batail- 
lon des Leibregiments, das erste Dragoner= und zweite 
Chevauxlegers-Regiment, nebst dem würtembergischen 
Jäger-Bataillon Scharfenstein, die rechte Seite des 
Lagers anzugreifen, die übrigen Truppen (das 2te Ba- 
taillon des Leib-Regiments, das erste Bataillon vom Re- 
giment Herzog Wilhelm, das Bataillon Taris) besetzten 
die verlassenen Stellen vor Glatz, und dienten zum Theil 
auch den Stürmenden, als Reserve. 
Kurz vor Tagesanbruch, da die Besatzung des vek- 
schanzten Lagers eben im tiefsten Schlafe lag, und kaum 
durch das Lärmfeuer ihrer Vedetten zu wecken war, (denn 
die Mannschaft hatte schweren Dienst) brachen die Bes 
lagerer ein. Voran General Siebein an der Spitze 
des Bataillons vom Leib-Regiment. Alles folgte. Ueber- 
all Verwirrung und Gemetzel. Die Ueberrumpelten wurs. 
den zuerst beinah wehrlos genommen, bald aber durch 
die Wildheit und Grausamkeit der Hereingedrungenen 
zur Verzweiflung getrieben, und zum heftigsten Wider- 
stand gereitzt. Vergebens stellten sich die Offiziere; häu- 
fig mit eigner Gefahr, zum Schutz der überwundenen 
Wehrlosen. Zügellos wüthete der ergrimmte Soldat. 
Binnen wenigen Stunden waren die zehn Redonten des 
verschanzten Lagers genommen, die darinn befindlichen, 
neun Kanonen dazu; die Vertheidiger alle niedergemacht, 
oder gefangen, und unter den Gefangenen auch der ach- 
tungswerthe Major von Puttlitz selbst, schwer ver- 
wundet. Die Baiern zählten bei diesem Sturm unter 
den ihrigen, an Offizieren einen getddtet, fünf verwun-
        <pb n="490" />
        — 160 — 
det, an Gemeinen zehn getoͤdtet, neunzig verwundet, 
fünf und zwanzig vermißt.) 
Nach dem Verlust dieser Anhöhen sah der Graf von 
Güötzen die Stadt und Veste Glatz rettungslos verloren; 
er konute sie höchstens noch fruchtlos in einen Aschen- 
haufen verwandeln lassen. Schon litt sie Mangel an 
Schießbedarf. Auf Emsatz konnt' er nicht mehr hoffen, 
denn schon hatte man Nachricht, daß auch das starke 
Danzig gefallen, daß die Schlacht von Friedland für 
die Rußen und Preußen verloren war. Daher so klug, 
als menschenfreundlich, begehrte er sogleich nach jenem 
Sturm Waffenstillstand, zum Begraben der Todten, be- 
gab sich persdulich zum Prinzen Jerome nach Wartha, 
und schloß mit ihm (25ten Juni) die Uebergabe von 
  
») Beim ersten Linien-Infanterie-Leib-Regiment in einen 
getödteten, (Oberlieutenant Formenrini) drei ver- 
wundeten Offizieren, acht getödteten, drei und fünfzig 
verwundeten und zwei vermißten Soldaten. 
Beim sechsten Linien-Regiment in einem todten, fünf 
verwundeten, drei vermißten Soldaten. 
Beim toten Linien-Regiment in einem verwundeten 
Offizier, drei und zwanzig verwundeten und neunzehn 
vermißten Soldaten. 
Beim ersten Dragoner-Regiment in zwei verwundeten 
Gemeinen, zwei todten und zwölf verwundeten Pferden. 
Beim 2ten Chevaurlegers -Regiment Kdnig in einem 
verwundeten Offizier, einem todten und sieben verwunde- 
ten Chevgurlegers, dreizehn todten und zwei und zwan- 
zis verwundeten Perden. 
Die bei dieser Unternehmung vorzüglich ausgezeichneten 
Individuen siehe Armee-Befehl vom löten August 1807. 
5. 2. Armee= Befehl vom 15ten Ipril 1307. &amp;. 1 und 2.
        <pb n="491" />
        — 101 — 
Glatz ab, unter Bedingung, daß diese erst am Lösten 
Juli vollzogen werden solle, wenn bis dahin kein Ent- 
satz erscheinen würde. 
Dieß gethan, ward General Vandamme mist 
dem würtembergischen Kriegsvolk vor Glatz zur Be- 
obachtung zurückgelassen, General Deroy aber mit den 
Baiern zur Eroberung der Vestung Silberberg ausge- 
schictt. Also zog ein Theil der Baiern (das öte Linien= 
und zweite Chevaurlegers-Regiment nebst einer Barterie) 
über Wartha nach Schbuwalde, ein anderer (das 10te 
Linieh= das erste Dragoner-Regiment und eine Batterie) 
über die Neisse nach Böhmischwalde. Jener sollte Sil- 
berberg von der Ebene her, dlieser es von der Bergseite 
einschliessen. Alles ward am nämlichen Tage (27ten 
Juni) vollstreckt. Die Vestung begrüßte die, welche von 
der Bergseite kamen, und deren Vortrab ein prenßisches 
Piket überfiel und gefangen nahm, aus allen Feuerschlün- 
den. Ooch war die Besatzung von Silberberg schwach, 
nur aus zwei unvollzähligen Bataillonen, einer Jäger- 
Compagnie und vierzig Reitern zusammengesetzt; aber 
sie hatte am Obersten von Schwerin einen tapfern 
Befehlehaber. 
Die Belagerer säumten nicht. Rüstig bahnten (28ten 
Juni) die Schützen des sechsten Regiments, unter den 
Lieutenants Massenbach und Müller, den Weg 
zur künftigen Einnahme des obern Theils von dem Orte 
Schoönwalde, welchen die Preußen noch besetzt, und durch 
ein von der Vestung und dem Fort des Spitzberges sich 
kreuzendes Feuer gedeckt hielten. Dieselben Schützen 
umschlichen in folgender Nacht die Stadt; verjagten die 
hinter den Pallisaden stehende feindliche Mannschaft, 
II. ates Buch. 11
        <pb n="492" />
        — 162 — 
drangen ein (1 Uhr Morgens 20ten Juni), waͤhrend zwei 
Haubitzen der Baiern gegen die Stadt donnerten; ver- 
trieben die Preußen, ihrer verzweifelten Gegenwehr un- 
geachtet, gänzlich; und übten das barbarische Recht, 
welches, nach Kriegesgebrauch, die mit Sturm erober- 
ten Orte verfolgt. Die unglückliche Stadt wurde ge- 
plündert. Aber wahrer Helden glänzendste Eigenschaft 
wäre menschenfreundliche Schonung des Besiegten gewe- 
sen! Rechts und links der Stadt, an der Mitte des 
Berges, auf dem die Vestung gelegen ist, waren zwei 
Barterien aufgeworfen, in deren einer eine ganz neue 
eiserne 12 Pfünder Kanone stand. Auch dieser bemeister- 
ten sich, noch während des Sturms, die Schützen. Die 
Kanone, welche sie vernagelten, brachten sie erst später 
ins Lager, als Siegeszeichen. 
Die nun folgenden feindlichen Neckereien zwischen 
Belagerern und Belagerten, selbst die Beschießung der 
Peste aus der ersten vollendeten Batterie, welcher die 
Preußen mit einem Kugelregen antworteten (2ten Juli), 
waren ohne bedeutende Wirkung. Mehreres verhütete 
der Friedensbore, welcher in demselben Augenblick die 
Nachricht vom abgeschlossenen Waffenstillstand zwischen 
dem preußischen Kdnige und dem franzosischen Kaiser über- 
brachre. Oieser Stillstand war die erste Frucht des grof- 
sen, bei Friedland durch die Franzosen errungenen Sieges.
        <pb n="493" />
        — 163 — 
12. 
Blick auf die belagerten Festungen von Dan— 
zig, Graudenz, Kolberg, Stralsund. Ge-s 
fechte der Baiern an der Narew. 
Napolesn hatte seinem großen Heere, den Rus- 
sen und Preußen gegenüber, lange Ruhe gestattet. Es 
schien ihm beinahe nur darum zu thun zu sepn, die Be- 
lagerung von Danzig zu decken. Denn hatte er einmahl 
dieses gewonnen, so hatte er für alle künftige Unrerneh= 
mungen die festeste Grundlinie, in welcher Danzig ihm 
den linken, der Brückenkopf bei Praga den rechten Flü- 
gel, das wohlbewahrte Thorn die Mitte des Heers längs 
der Weichsel stützte. Doch eben so unbeweglich blieb die 
rußische Kriegsmacht stehen. Sie schien dem Falle von 
Danzig ruhig entgegen zu sehen. 
Schon seit dem L#sten April war die Beschiessung 
Danzigs begonnen. Ju wiederholten Malen wüthete (264en 
und 27ten April und 4ten Mai) die Flamme furchtbar 
in der Stadt, die der Hungersnoth nahe war. Eine 
kleine Schaar tapferer Badener, von zweihundert Fran- 
zosen unterstützt, eroberte (Nachts vom öten zum kten 
Mai) den wichtigen Holm, welchen 1,800 Mann mit 17 
Feuerschlünden nur schlecht vertheidigten. Zu spät er- 
schienen 7000 Rußen, welche die Besatzung verstärken 
sollten; sie bestanden ein unglückliches Gefecht (15ten 
Mai), als ihnen General Oudinot nach Weichselmünde 
entgegen flog, und sie mit Hülfe der tapfern Sachsen 
schlug. Nun, da zwischen Weichselmünde und Danzig 
alle unmittelbare Verbindung unterbrochen war, schei- 
terte auch der letzte Versuch einer rußisch= preußischen 
Dioision, von der frischen Neerung her sich der Stadt 
11“
        <pb n="494" />
        — 164 — 
zu naͤhern. Sie mußte dem Ungestuͤmm der franzoͤsischen 
Generale Beaumont und Albert weichen, während 
eine englische Fregatte, mit Munition für Danzig, auf 
den Strand in Feindes Hand gerieth. Als der männs 
liche Kalkreuth die letzte Hoffnung schwinden, den 
Mangel, selbst an Pulver überhand nehmen, von 0000 
Mann der Besatzung 4000 erkrankt, das unglückfelige 
Danzig eine von 20, 700 hereingeworfenen Bomben viel- 
beschädigte Stadt sah, übergab er sie (27ten Mai) nach 
ein und fünfzig tägiger Belagerung den Siegern. Sei- 
nen Tapfern wurde unter ehrenvollen Bedingungen freier 
Abzug, aber den Franzosen wurden, durch Danzigs Be- 
sitznahme, unermeßliche Hülfsquellen zur Verpflegung des 
Heeres, und zur nachdrücklichern Belagerung von Grau- 
denz zu Theil. 
Denn Graudenz, durch den General Victor schon 
seit Ende Aprils belagert und heftig beschossen, ward 
durch des preußischen Generals Courbiere Helden- 
muth zum unüberwindlichen Platz; nicht minder im Lande 
Pommern die Beste Kolberg, anfangs vom Obersten 
Lucadou, dann vom Oberst Gneisenau standhaft ver- 
theidigt. Zwar in der Altstadt Kolberg setzten sich end- 
lich, doch erst nach blutigen Kämpfen (15ten Februar, 
13ten 14ten 10ten März, 12ten April), in denen der Name 
des Majors Schill ruhmvoll ward, die Belagerer un- 
ter General Teulié fest, aber damit war noch wenig 
gewonnen. Die Beste wankte nicht. Verstärkt durch 
eine schwedische Fregatte, durch die brave Bürgerschaft, 
an ihrer Spitze der neunzigjährige Bürger Nettelbek, 
durch die Thätigkeit Schill's, stifteren die Belagerten 
ihren Feinden bei jedem Anlaß schweren Verlust. Und 
obschon die Verschanzungen auf dem Wolfsberg endlich,
        <pb n="495" />
        — 165 — 
nach schon einmahl gluͤcklich abgeschlagenem Sturm, und 
nach furchtbarem Bombardement, an die Franzosen (12ten 
Juni) vermittelst Uebereinkunft hingegeben werden muß- 
ten, wurden doch sogar auch diese von Preußen (I5ten 
Juni) wieder erobert.) 
Auch die schwedische Vestung Stralsund hielt noch 
stark. Marschall Mortier hatte sie schon seit dem 
20ten Jänner eingeschlossen, und in mehrern unbedeu- 
tenden Gefechten, besonders aber bei einem lebhaften 
Ausfall der Besatzung (15ten März), den Schweden 
manchen Schaden zugefügt. Weil er aber zugleich die 
Belagerung von Kolberg unterstützen wollte, blieb er 
schwach; und als er mit dem größten Theil seines Heer- 
haufens nach Kolberg abzog, drangen die schwedischen 
Generale Essen und Armfeld (kèten April) mit 5000 
Mann aus der Stadt hervor, und jagten Holländer und 
Franzosen bis an die Peene zurück. Dieß hatte zur Fol- 
ge, daß Marschall Mortier sich wieder umwandte, und 
nach einer Reihe sieghafter Kämpfe bei Relling und Fer- 
dinandshof (zwischen Pasewalk und Anklam), bei An- 
klam selbst und bei Ukermünde (16ten und 17ten April) 
die Schweden zur Abschließung eines Waffenstillstandes 
(in Schlatkow, 18ten April) zwang. Vermittelst des- 
selben ward ihm die Insel Wollin und Usedom in Be- 
*) Erst der Friede beendigte eine Balagerung, in der ssch eine 
Besahzung von 6,000 Mann, von welcher während der Be- 
lagerung 320 Mann getödtet, 1003 verwundet, 200 gefan- 
gen und 159 Mann vermißt worden waren, gegen minde- 
stens 18,000 Mann Franzosen, Polen und Sachsen, mit 
dem glänzensten, die alte preußische Tapferkeit bewähren- 
den, Erfolg vertheidiget hatte.
        <pb n="496" />
        sitz, die Peene zur Graͤnze, daneben die Freiheit gege- 
ben, die Kolberg Belagernden zu verstaͤrken. 
Doch weder Kolberg noch Stralsund beunruhigten 
den franzdsischen Kaiser sehr. Aber der Fall von Dan- 
zig ward ihm gleichsam das Zeichen zur allgemeinen Heer- 
bewegung und zur Erdffnung des entscheidenden Feld- 
zugs. Schon hatte Marschall Massena an der Narew 
mit dem fünften Armeecorps, während der ersten schd- 
nen Frühlingstage, das Vorspiel zu grdßern Ereignissen 
gegeben. Dort standen 24,.000 Rußen, unter dem Ge- 
nerallieutenant Tutschkow, in mehrern Lagern von 
Wonzewo und Wiskowo hinweg gegen Narew und Bug 
gedehnt. Wonzewo war mit 6.000 Mann und 8 Feuer- 
schlünden besetzt, das Lager bei Ostrolenka an der Na- 
rew mit 5000 Mann zu Fuß, 3000 Mann zu Pferd 
nebst 18 Feuerschlünden. 
Massena's Heerhaufen dagegen streckte sich von 
den Quellen des Omulew, den Narew= Ufern entgegen, 
bis Warschau. Am Ursprung des Omulew war eine 
Abrheilung Polen gelagert. Sie relchte rechts der Di- 
vision Gazan die Hand, welche sich über Willenberg 
gegen Zawadi der Division Süchet entgegendehnte. 
Diese hielt Zawadi, Sperwinik, Krasnosielsk, Ma- 
kow und Rozan besetzt, dazu alles, was zwischen den 
Mündungen des Omulew und Orzye liegt. Bei Mrze- 
miecne stand die leichte Reiterei-Abtrhellung Montbrun; 
bei Chorzellen die Dragoner-Dioision des franzdsischen 
Generals Becker. Das Hauptgelager des Kronprinzen 
von Baiern befand sich zu Puleusk. Von der ersten 
Brigade unter General Minuccl, stand das erste Ba- 
taillon vom öten Regiment, mit der Batterie Leinin- 
gen zu Nogate; das zweite Regiment zu Lesno; das
        <pb n="497" />
        — 1672 — 
vierte leichte Bataillon Zoller zu Partniki; das zweite 
Bataillon vom Zten Regiment zu Patarnic. Von der 
zweiten Brigade (vorlaͤufig unter Befehl des Obersten 
Lessel) stand das 7te Regiment mit der Zwölfpfünder- 
Batterie Tausch zu Pultusk; das 13te nebst der Bat- 
terie PVandouve zu Sierok; das Ste leichte Bataillon 
zu Szernice. Von der dritten Brigade (einsweilen un- 
ter dem Obersten Pierron) hatte das vierte und vier- 
zehnte Regiment Warschau, das leichte Bataillon Braun 
Nieporent besetzt. Von der Cavalerie-Brigade, des Ge- 
nerals Mezanelli befand sich eine kleine Abtheilung 
mit einer Sechspfünder-Batterie zu Chrostowo, das 
zweite Dragoner-Regiment zu Gonski, das dritte Che- 
vauxlegers-Regiment zu Wierzbowo. 
So wie die Dragoner-Division Becker mit einem 
Theil der Dioision Gazan die Vorpostenkerte des lin- 
ken Flügels, hingegen die dritte Infanterie= und die 
leichte Infanterie-Brigade der Division Sücher vom 
Ausfluß der Orzpe bis zur Omulewmündung und bis 
Zawadi eine WVorhut bildete: so unterhielr die baierische 
Division durch eine Reihe Vorwachten ihre Verbindung 
mit den Übrigen Heertheilen links über Pultusk bis zur 
Orzpc, rechts bis Sierok, Warschau und Nieporent. 
Dieß waren die Stellungen hier, als Massena 
den Befehl gab, über die Narew zu gehen, um dieses 
Stromes Meister zu sein. Der Uebergang geschah bei 
Sierok und Pultusk. 
Bei Sierok sammelte der französische „General 
Lemarrois zu seiner Division noch daste, Tte und 14#t#e 
Linien-Regiment Baiern, das leichte baierische Batail- 
lon Palm mit der Batterie Vandouve;z; gesammte 
Balern unter ihrem Obersten Pierron. Zuerst setzte
        <pb n="498" />
        — 168 — 
nächtlicher Weile (oten Mai) Oberlieutenant Fuchs mit 
24 Schützen des baierischen öten Regiments, unterstätzt 
von der ersten Compagnie desselben Regiments und dem 
Bataillon Palm, über die Narew. Die rußischen Vor- 
posten, zweihundert Schritt hinter dem Fluß, wurden 
überrascht, und nach kräftiger Gegenwehr, besonders durch 
die Tapferkeit des Schützen= Lieutenants Schmidt vom 
Bataillon Palm, in den Wald hinter Nowawies zurück- 
geworfen. Nun rückten stärkere Abtheilungen über die 
Narew nach. Man baute am Brückenkopf daselbst, wäh- 
rend man die feindlichen Stellungen zu erforschen trach- 
tete. Als das Bataillon Palm, begleitet von einer Com- 
pagnie und den Schützen des vierten Regiments, (toten 
Mai) gegen den Wald hinter der Wiskowoer-Landstraße 
drang, und die feindlichen Posten gegen Popowo und 
Zatory zurückdrängte, fand es diese Dörfer stark mit Rus- 
sen angefüllt; eine zweite Recognoscirung aber am fol- 
genden Tage alles vom Feinde drei Stunden weit zurück- 
gezogen: Dieß war jedoch Irrthum; General Tutsch- 
kow keineswegs unthätig. 
Schon in der Nacht, die dem Narew- Uebergang 
gefolgt war, hatte eine Abtheilung rußischer Infanterie 
und Reiterei ein fünfzig Mann starkes Piket des 13##en 
Regiments unter Lieutenant Grosschedel, wenn gleich 
folgenlos doch mehrmahls angegriffen. Nun aber stan- 
den schon, ohne daß es bemerkt worden, beträchtliche 
Streithaufen bei Wiskowo versammelt, und am 22ten 
Mai machte Tutschkow Angriffsversuche gegen Sie- 
rok nicht nur, sondern auf der ganzen Linie längs des 
Omulew bis Neidenburg und Willenberg Darauf rückte 
er, mit größerm Ernst, am: folgenden Tage aus den Wäl- 
dern gegen Nowwawies hervor. Hier stand das vierte
        <pb n="499" />
        — 169 — 
Regiment mit dem Bataillon Palm zwischen Waldun- 
gen und Suͤmpfen, die Narew im Ruͤcken. Angegrif- 
fen nach Mitternacht von uͤberlegener Macht, durch Fuß- 
volk, schweres Geschuͤtz und treffliche Reiterei, ward 
der Ruͤckzug der Baiern zum Bruͤckenkopf schwere Arbeit. 
Oberst Pierron und Oberlieutenant Schedel verlo- 
ren neben dreißig Gemeinen das Leben im Gefecht; acht 
Offiziere und 65 Soldaten empfiengen Wunden. Aber 
der schon mit Infanterie und Geschütz besetzte Brücken- 
kopf und das Feuer von den Höhen bei Wierzbice hemmte 
die Fortschritte der Rußen, und nöthigte sie nach Nowa- 
wies zurück. 
Als zu Pultusk der Kronprinz von Baiern wahr- 
nahm, daß die Rußen ihre Stärke gegen Sierok lenk- 
ten, versammelte er das dritte leichte Bataillon, das 
erste des dritten Linien= Regiments, das siebente und 
dreizehnte Linien-Regiment, und die beiden Batterien 
Tausch und Leiningen, nebst zwei Geschwadern des drit- 
ten Chevaurlegers-Regiments. Dann gieng er in der 
Morgenfrühe des 14ten Mai-Tages, an seiner Seite 
der Generallieutenant Wrede, bei Pultusk in Fahrzeu- 
gen über die Narew. Ihm folgten zuerst drei Compag- 
nien des dritten leichten Bataillons, das Bataillon vom 
15ten Regiment und das ganze siebente Regiment. Zur 
Deckung dieser Bewegung und des rechten Narew-Ufers, 
stellte sich eine Compagnie des leichten Bataillons, von 
Pultusk aufwärts bis Gotno. Das Geschütz der bei- 
den Batterien ward in die neuerrichteten Stückschanzen 
auf der Narew-Jusel eingeführt, von wo es mit gutem 
Erfolg den Feind von der Seite und von vorn bestrich. 
Kaum gelander, zog das leichte Bataillon, mit dem des 
15ten Regiments, gegen Psari; voran die Schützen von
        <pb n="500" />
        — 170 — 
beiden unter Major Guͤnther. Sie trieben die dort 
vor dem Wald stehenden Rußen hinter denselben zuruͤck, 
und faßten am Rand des Gehoͤlzes Stellung. Hinge- 
gen das siebente Regiment schlug sich rechts nach Po- 
plawy, und bemeisterte sich der dortigen Anhoͤhen. Die 
uͤberraschten Rußen zogen sich in so großer Bestuͤrzung 
zuruͤck, daß ihr gaͤnzliches Gepaͤk Beute der Verfolgen- 
den ward. Sowohl am Scheideweg der Straße nach 
Psari und Poplawy, als links gegen Ponikew wurden 
starke Pikets, und rechts auf der Straße nach Wizkow 
das stebente Regiment mit Abtheilungen gegen Grabo- 
wiec aufgestellt, um die Herstellung eines ehmahligen 
Brückenkopfes, die Anlegung einer Redoute auf der Höhe 
von Poplawy und eines starken Verhaues zu sichern. 
Denn die Rußen kamen schon nach wenigen Stunden 
verstärkt zurück, ihre verlorne. Stellung wieder zu ero- 
bern. Doch wurden sie mit Nachdruck gbgewiesen. Und 
nur, als die Schützen des 15ten Regimentes und drei 
leichte Compagnien allzulebhaft im Verfolgen waren, 
erlitten diese einigen Verlust ?). Als ein Geschwader 
Chevaurlegers, über die hergestellte Narewbrücke kommend, 
mit zwei Zügen Schützen gegen Pfari streifte, verliessen 
die Rußen den Ort sogleich bei Annäherung der Baiern. 
Aber schon folgenden Tages hatten sich die Rußen 
in größerer Zahl bei Pfari gesammelt, so daß Major 
Günther, der sie zu erkennen ausgezogen war, seinen 
Rückzug Schritt um Schritt vertheidigend, nicht ohne 
  
*) Genannt werde hier der Corporal Brudere, welcher dem 
durch fünf Cosaken umringten Lieutenant Stengel des 
deSten Linien-Regiments Freiheit und Leben rettete.
        <pb n="501" />
        — 171 — 
Verlust *) umkehrte. Generallieutenant Wrede erkannte 
daraus, daß General Tutschkow entschlossen sey, alles 
daran zu setzen, die Baiern wieder uͤber die Narew zu 
werfen, und daß von Pfari her der Angriff am stärksten 
sevn dürfte. Er ordnete daher ohne Verzug die kleine 
Zahl seines Kriegsvolks zum wirkungsreichen Widerstand, 
und verstärkte besonders den linken Flugel. 
Das von Bogate herbeigekommene erste Bataillon 
vom dritten Regiment stellte sich auf die Straße von 
Pfari, mit einer Abtheilung von 80 Mann in ver davor 
gelegenen Waldspitze, den Feind bequemer zu beobachten. 
Eine Postenkette rechts gegen Wizkow, links gegen Po- 
nikew gedehnt, sicherte gegen Ueberfall. Weiter zurück 
stand das erste Bataillon vom dreizehnten Regiment als. 
Reserve. An die Narew hin, als dußersier Theil des 
linken Flügels, nahm das drikte leichte Bataillon Platz, 
dessen Schützen sich von dem rückwärts gelegenen Ver- 
hau bis zur obenerwähnten Postenkette ausbreiteten. So 
der linke Flügel. Auf dem rechren Flügel, den das sie- 
bente Linien-Regiment bildete, standen zwei Compag- 
nien auf der Straße nach Wiskowo. Einige hundert 
Schritt vor ihnen Schützen hinter Pallisaden vor einem 
die Straße durchschneidenden Graben, dessen Brücke ab- 
geworfen war. Weiter links, zur Unterhaltung der Ver- 
bindung mit dem Bataillon des dritten Regiments am 
linken Flügel, stellten sich zwei andere Compagnien auf. 
Als Reserve stand das zweite Bataillon des 7ten Linien= 
  
«) Er hatte zwei todte und brei verwundete Cavalleristen, 
auch wurde der Lieutenant Bronn des öten leichten Ba- 
taillons mit 0 Mann von den Cosaken umzingelt und zum 
Gefangenen gemacht.
        <pb n="502" />
        Regimentes weiter ruͤckwaͤrts, und beobachtete die Straße 
von Grabowice. In den Bruͤckenkopf hatte man drei 
Stuͤcke der Batterie Leiningen gefuͤhrt; die Batterie auf 
der Narew-Insel konnte die Straße nach Pfari zum 
Schutz des linken Flügels bestreichen. Das übrige Ge- 
schütz am rechten Narew-Ufer war, zur Schirmung aller 
Schanzen, nicht minder vortheilhaft aufgepflanzt. Pul- 
tusk selbst blieb vom zweiten Bataillon des 15ten Re- 
giments besetzt. 
Diese Stellungen waren des Abends, den 15ten 
Mai, eingenommen. Man blieb die Nacht unter Ge- 
wehr. Des andern Morgens zeigten sich schon früh 
feindliche Streifhaufen, die an Zahl und Stärke wuch- 
sen, bis die Rußen eine Stunde nach Mittag, unter Ober- 
befehl des Generallieutenants Tutschkow mit einem Gre- 
nadier-, einem Schützen = und drei Linien-Regimentern, 
einem Cosaken-Pulk und den braunen Husaren, nebst einer 
Kanone und Haubitze erschienen. Allseitig machten sie 
sofort unter dem Grafen Schuwalow den ungestüm- 
sten Angriff auf die ganze baierische Stellung. 
Generallieutenant Wrede befand sich eben mit dem 
Kronprinzen auf der Vorpostenlinie. Sie sahen die 
große Ueberlegenheit des Feindes, und ordneten den Rückzug 
hinter den fast vollendeten Verhau an. Er geschah in mu- 
sterhafter Ruhe. Alles vertheidigte sich in Vierecken auf- 
gestellt. Umsonst stürmten die feindlichen Husaren und 
Cosaken dagegen. Rottenweise wurden die Soldaten nie- 
dergestreckt durch das feindliche Feuer. Dem Oberst 
Berchem ward das Pferd unterm Leibe neben dem Ge- 
neral Wrede niedergeschossen; Major Laroche und Ad- 
jutant Oberlieutenant von Vincenti wurden verwun-
        <pb n="503" />
        det. Dennoch brach die Wuth der Angreifer keine Oeff- 
nung ins Viereck. Eben so bahnte sich das erste Ba- 
taillon des 13ten Regiments den Weg mit dem Bajonett 
durch die feindlichen Massen; so thaten alle uͤbrige. Alle 
erreichten, im langsamen Ruͤckzuge furchtbar und uner- 
schuͤttert, den Verhau, wo dann die Wirkung der ver- 
schiedenen Verschanzungen das Verfolgen des Gegners 
hemmte. Er aber entwickelte sich nun in der ganzen Linie 
zum neuen Sturm. Dieser mit dem Bajonett kaum ab- 
gewiesen, ward eben so schnell wieder erneuert, und eben 
so standhaft vom wohlgenaͤhrten Gliederfeuer zum andern- 
mahle zurückgestossen. Die Redoute, weder mit Schanz- 
pfählen noch Feuerschlünden versehen, ward durch die 
Tapferkeit des Obersten Stengel und seiner zwei Com- 
pagnien unüberwindbar. Mit Erfolg ließ Hauptmann 
Tausch, vom Schloßberge, und Hauptmann Graf Leis 
ningen, vom Brückenkopf daher, durch die feindlichen 
Reihen das schwere Geschütz spielen. Dennoch erhoben 
die Rußen den dritten Angriff. Die Baiern, obgleich 
nur hoͤchstens 1,600 Mann stark, aber begeistert durch 
die Gegenwart ihres Anführers, des Kronprinzen, der, 
wie Generallieutenant Wrede, immer sich da zeigte, 
wo die Gefahr am großten war, auch zum drittenmahl 
trieben sie die Rußen ab. Da, nach vierstündigem Kam- 
Pfe,nach nicht unbedeutendem Verlusi 7), zogen die 
rußischen Schaaren, die ihre Tapferkeit fruchtlos bewährt 
Hatten, in die alten Stellungen zurück. Mit frohlo- 
ckendem Jubel begrüßten nun die Baiern alle ihren 
*) Es destand baierischer Seits in einem todten, 15 verwun- 
deten, 2 gefangenen OÖffizieren, in 15 getödteten, 190 
verwundeten, 69 gefangenen oden vermißten Soldaten.,
        <pb n="504" />
        Kronprinzen, der hinwieder Angesichts Aller den Ge- 
nerallleutenant Wrede umarmte, welcher während des Ge- 
fechts jeden wichtigen Augenblick, jeden bedrohten Punct 
erkennend, mit Umsicht und Ruhe einen glücklichen Aus- 
gang vorbereitet hatte ). 
Durch diesen Tag ward den Rußen der Besitz des 
Narew= Stromes entrissen. Nun wurden die Befesti- 
gungsarbeiten bei Pultusk und Skerok vollendet, auf der 
Höhe von Poplawy das Geschütz in die Schanze gefährt, 
der Verhau vollkommen ausgestaltet, durch einen Kanal 
die Sicherheit und Verbindung beider Flügel vermehrt, 
die Zahl der Batterien auf der Insel vergrößert. Oberst- 
lieutenant Colonge der Jüngere brachte die Batterien 
der Insel, nebst den dazwischen angelegten Fleschen, durch 
eine Commnnicationslinie in Verbindung, und zwei Com- 
pagnien bildeten fortan dabei die Besatzung. Die über 
die Narew geschlagene Schiffbrücke ward durch ein neues 
Tambourwerk gedeckt. Eine Brustwehr hinter dem das 
Ganze umschliessenden Kanal, eine Batterie, welche den 
  
) In dem deßhalb an seinen Koöniglichen Vater gemachten 
officiellen Rapport erklärte er sämmtliche ihm untergebenen 
Kruppen als des Lohnes besonderen Dankes des Monar- 
chen und des Vaterlandes würdig. Indem er sämmtliche 
Stabs-Offiziere nennt, die Obersten Drouin, Sten- 
gel, Berchem, die OÖOberstlieutenants Graf Preysing 
und Graf Larosee, die Majors Laroche, Günther, 
Gedoni und Theobald, glaubte er ihre unterhabenden 
Batatllons zu ehren. Der Oberstlieutenant Eypplen des 
Generalstabs, welcher krank im Bette lag, schwang sich 
beim Zeginnen des Gefechtes mit vieler Mühe auf'“ Pferd, 
und leistere nun die ausgezeichnetesten Dienste. Auch bei 
dieser Gelegenheit gaben die beiden Oberstlieutenants von
        <pb n="505" />
        — 115 — 
Wald vor dem Lager bestrich, die neue Schanze, dann 
der alle diese Befestigungen umspannende Verhau, der 
sich links und rechts an das Narew= Ufer lehnte, sicherten 
den Besitz des linken Ufers der Narew vollkommen. Das, 
Kriegsvolk lagerte theils hinter dem Kanal, theils in 
der Ebene unter der neuen Schanze, und genoß einiger 
Erholung, weil der rußische General Graf Schuwalow 
selbst die Einstellung der nichts entscheidenden Vorposten- 
Neckereien vorschlug. Inzwischen ließ der Generallien= 
tenant Wrede dennoch die erste und zweite Division des 
dritten Chevauxlegers-Regiments bei Kletschewo enge 
Cantonirungen beziehen. 
Auch Marschall Massena, (weil der Feind in 
den Gegenden von Ostrolenka und Rozan, aufwärts an 
der Narew reger zu werden schien,) zog jetzt die an der 
Orzyc gestandenen Franzosen enger zusammen, und ver- 
einigte aus ihren verschiedenen Einlagerungen die Reserve 
bei Bogate. Dahin begaben sich also, von Lisno und 
Sternitce her, auch das zweite Linien -Regiment und 
das vierte leichte Bataillon der Baiern, Und vom min- 
Colonge die größten Beweise ihres ausgezeichneten Wer- 
thes. Ibnen und den Artillerie -Hauptleuten Tausch 
und Grafen Leiningen dankte der Kronprinz die vortreff- 
liche Leitung des Geschützes. (Details über die Auszeich-- 
nungen der verschitdenen Individuen siehe Armeebefehl vom 
18ten August 1807 §S. 1. No. 5. und 4. Anerkenntniß des 
Geleisteten von Seite der Franzosen siehe 760ftes Bulletin 
der großen Armee aus Finkenstein vom 2osten Mak. 
Ferner zwei Schreiben des Marschalls Massena aus 
Prasnitz vom i8ten und 10ten Mai 1807, eines an den 
König von Vaiern, eines an den Genergllieutenant Baron 
Wrede).
        <pb n="506" />
        — 170 — 
der bedrohten Sierok her kam das vierzehnte Linien-Re- 
giment, theils den Vorposten-Dienst vor Pultusk, theils 
die Besetzung dieser Stadt und der Insel zu übernehmen. 
Die Rußen beobachteten in dieser Zeit durch eine 
Vorpostenkette, deren Sammelplatz Dlugieslode war, 
von Rozan bis Sierok die Narew. General Graf Sie- 
wers mit rußischen Jägern und Dragonern setzte diese 
Beobachtung von Rozan bis Ostrolenka fort, wo Tursch-- 
kow's Hauptgelager war. Von Östrolenka, über Dilewo, 
nach Roffoge, dehnte sich eine Linie Cosaken aus. Als 
Reserve der Vorpostenkette stand General Fürst Wol- 
konsky bel Lipniki und Skwa. Uebrigens befand sich 
die Avantgarde der Rußen zu Ostrolenka, unter Befehl 
des Generals Grafen Wittgenstein, und zu Wonzewo 
und Czerwice und in der Umgegend lagen zwei Regi- 
menter Fußvolks mit dazu gehöriger Reiterei. Durch 
dlese Stellung ward es den Rußen leicht, die auf der 
Narew zwischen Pultusk und Sierok hin und hergehen- 
den Transporte häufig zu beunruhigen. Daher beschloß 
der Kronprinz, gleichzeltlg mit dem bei Sierok befehlf- 
genden franzdsischen General Graindorge, die rußischen 
Abtheilungen zurückzuwerfen, welche fortwährend die Schif- 
fahrt bedrohten, und daher für dieselbe starke Bedeckun- 
gen nothwendig machten. 
Der Kronprinz machte sich (25ten Mai) gegen Wis- 
kowo auf mit dem 13ken und 16ten Regiment, zwei Com- 
pagnien des siebenten, dem ersten Bataillon des dritten 
Regiments, zwei Escadronen Leiningen= Chevaurlegers 
und zwei Kanonen nebst einer Haubitze. Oberst Stengel 
blieb mit den übrigen Truppen in den Verschanzungen 
zurück. Unterwegs treunte sich der Oberst Graf Berchem
        <pb n="507" />
        — 177 — 
mit dem Bataillon des dritten, den beiden Compag- 
nien des siebenten Regiments und einer Kanone vom 
ganzen Zuge, stellte sich auf die Anhoͤhe, am Wege nach 
Partozey, dehnte sich von da, die feindlichen Bewe- 
gungen von Psary her zu beobachten, bis an die Glo- 
dozyner-Straße; und von Pultusk her unterhielt Oberst 
Berchem durch sechs vorgeschobene Züge Verbindung 
mit ihm. Hingegen Graf Joseph von Rechberg, eben 
zum General befordert, setzte seinen Marsch mit dem 
übrigen Kriegsvolk nach Klodozyn fort, ließ hier zwei 
Compagnien des 15ten Regiments, zwei Escadronen 
Chevaurlegers, nebst der Haubitze und einer Kanone zu- 
rück, die Straße nach Wiskowo zu beobachten; gieng 
dann nach Grabowice, wo er zwei Compagnien ließ, 
und stieß zu Zatory auf das von Sierok gekommene 
leichte Bataillon Palm, mit dem auch ein Bataillon des 
Sten Regiments und hundert polnische Uhlanen waren.7) 
Pereint mit diesen rückte er nach Poppowo, wo er den 
vor dem Ort aufgestellten Feind durch zwei Compagnien 
und vierzig Uhlanen hüten ließ, während in Zatory Oberst- 
lieutenanr Aubert geblieben war, um die Verbindung 
zwischen Popowo mit den übrigen Posten gegen Pultusk 
hin zu unterhalten. Nur bei Glodozyn und Zatory lei- 
steten die Rußen ernstern Widerstand. Der Kronprinz 
aber ließ beide Ortschaften nehmen und behaupten. So 
  
*.) Der Brückenkopf von Sierek war während dessen von dem 
#ten Bataillon det Aten Regiments und 400 Polen be- 
setzt. Oberst Schloßberg hatte sich während dessen mit 
zwei 0 Pfünder-Kanonen und 200 Mann polnischer Infan- 
terie auf einer am rechten Narew= Ufer liegenden Anhöye, 
zu Deckung der vorgerückten Abtheilungen aufgestellt. 
II. #tes Buch. 12
        <pb n="508" />
        — 178 — 
wurden die Rußen vom linken Narew-Ufer getrennt, und 
zugleich an Schlachtvieh und Futter anusehnliche Vor- 
räthe genommen. 
Dieß war kaum gethan, als Marschall Massena 
eine Recognoseirung gegen die Rußen anordnete. Der 
Kronprinz veranstaltete sie in drei Colonnen. Es be- 
wegte sich General Rechberg mit dem ersten Bataillon 
des 13ten Regiments, vier Escadronen Chevauxlegers 
und drei Feldstücken gegen Psary; Graf Beckers, jetzt 
zum General befördert, mit dem 2ten Bataillon jenes 
Regiments, dem Sten leichten Bataillon, (erst bei Gogno 
über die Narew gekommen) und einer Grenadier-Com- 
pagnie des 1#ten Regiments, über Ponikew und Toz- 
nabiel gegen Altzams; Oberst Graf Berchem mit 
dem ersten Bataillon von Herzog Karl und dreißig 
Taxris-Dragonern gegen Partozyn. Diese Bewegung zu 
erleichtern, machte Oberst Epplen mit einem Theil 
des 16ten Linien -Regiments, drei leichten Bataillonen 
und drei Feldstücken eine Demonstration gegen Alt-Zamsk. 
Es ergab sich aus dieser veranstalteten Heer-Er- 
kundung, welche der französische General Süchet une 
terstützte, daß der Feind an erwähnten Orten überall 
schwach, hingegen mit seiner Hauptstärke bel Rozan 
und Ostrolenka war, wo er neue Batterien am linken 
Narew-n Ufer gebaut hatte. Daher konnten auch die 
Truppen bei Pultusk ohne Gefahr geschwächt, und 
drei Bataillone von da nach Gros-Magniszewo verlegt 
werden.
        <pb n="509" />
        13. 
Die Schlachten bei Heilsberg und Friedland. 
Ruͤckkehr der Baiern nach dem Tilsiter— 
Frieden. 
In der That begannen jetzt die Rußen, sich in gri- 
Here Thätigkeit zu setzen, freilich schon zu spät, um 
Danzig zu retten. Ihr Hauptheer zog bei Heilsberg 
zusammen, der Vortrab desselben bei Launan. Unter 
General Benningsen stand bei Arnsdorf die zweite, 
dritte und vierte Division, nebst der Reiterei beider 
Flägel; Generallieurenant Dortorow bei Neuhof mit 
der siebenten und achten Division; Fürst Gortschakow 
mit der sechsten Division bei Kapheunen; das Corps 
des Generallieutenants Platow und die Brigade des Ge- 
nerals Knorring ohnweit Bergfried; die erste Dioision 
(rußische Garden) unter dem Großfürsten Constantin 
bei Bennern, als Reserve, so wie, als Reserve der 
zweiten, vom General Rembow befehligten preu- 
Hischen Division, General Graf Kamensky (von 
Fahrwasser zurückgekehrt), mit einem Jäger-Regiment, 
drei Infanterie-Regimentern und 400 Cosaken hinter 
Walde bei Lilienthal. 
Dieß die Stellung der Rußen am #4ten Junp. 
Die franzbsischen Armeecorps hingegen hatten noch 
immer die alten Stellungen, wie sie im März gewesen 
waren, mit Ausnahme des fänften Corps, und eigent- 
lich der baierischen Diolsion, die durch die Bewegungen 
des Kronprinzen, wie wir sahen, eine ganz verän- 
derte Richtung empfangen hatte. 2) 
  
*) Diese Stellung werbe wie folget, näher bezeichnet: 
12 *
        <pb n="510" />
        — 180 — 
Nun am 5ten Tag des Juni unterbrach das rußisch- 
preußische Heer zuerst die lange Waffenruhe. In sieben 
Colonnen rückte es sowohl gegen den Marschall Ney, 
dessen Corps bei Bergfried, Guttstadt, Petersdorf und 
Altkirch stand, als gegen die Marschälle Soult und 
Bernadotte bei Spamen, Elditten und Lomitten. 
Der Angriff gegen die beiden letztern war minder glück- 
lich, als gegen Marschall Nepy. Zwar gelang es dem 
General Doctorow, den Brückenkopf von Lomitten an 
  
Das Hauptquartier der Vakern war in Pultusk. 
Das #2te Regiment Kronprinz der Brigade des Generals 
Graf Minncci stand im Lager bei Krasnosielsk, und 
zwar zu Unterstützung der von der Mündung der Orzyc 
aufwärts der Narew bis an die Mündung des Omulew 
und von da weiter bis Zawadi aufgestellten Division 
Süchet. Als Reserve von dieser hatte sich das ate leichte 
Bataillon Zoller bei Przasznic gelagert. Das in letzt- 
genanntem Orte cantonirende 2te Bataillon des öten Li- 
nien-Regiments deckte das Hauptgquartier des Marschalls 
Massenga. 
Die Brigade des Generals Rechberg vertheidigte den 
Brückenkopf von Pultusk, und beobachtete die Narew von 
Pultusk bis Goono. Das v'te Regiment war in denen 
jenseits der Narew angelegten Verschanzungen aufgestellt, 
und sicherte zugleich die Gemeinschaft mit dem Punct 
Sierok. Zwei Compagnien des öritten leichten Bataillons 
deckten die links von Pultusk auf der Insel liegenden Bak- 
kerien und Fleschen, die zwei andern Compagnien besek- 
ten das Narew-Ufer aufwärts bis Gogno. VWon der Bri- 
gade des Generals Grafen Beckers besehßte das bei Lge 
chy gelagerte erste Bataillon des Regiments Herzog Karl 
die Narew von Lachy abwärts bis Sielk, und erhielt durch 
die Besetzung der Puncte Siele, Strachozyn und Wygode
        <pb n="511" />
        — 181 — 
der Passarge, nach schweren Kampf gegen die franzb- 
sische Brigade Ferrey und nach großen Opfern, zu er- 
stürmen, aber nicht, als Soult Verstärkung schickte, 
das Errungene zu behaupten; und der Angriff auf den 
Brückenkopf von Elditten mißlang ganz und gar. Auch 
bei Spanden ward der Brückenkopf durch den franzdsi- 
schen General Frere, besonders da Bernadotte Hülfe 
sandte, so gewaltig gegen die rußisch-preußische Colonne 
des General Rembow vertheidigt, daß sich dieser mit 
sehr bedeutendem Verlust nach Wuhsen und Mehlsak, 
Bornit und Stegmannödorf zurückziehen mußte. 
die Gemelnschaft der von Siele bls Gogno an der Narew 
aufgestellten Posten. Der übrlge Theil genannten Regi- 
mentes war bei Gros-Magniszowo, beim Zusammenstuß 
der von Neidenburg, Wlllenberg und Östrolenka über 
Pultusk nach Warschau führenden Straßen in der Absicht 
grlagert, erforderlichen Falls sowohl dle an der Narew 
stehenden Posten verstärken zu können, als guch die Ver- 
bindung mit denen bei Rozan und Östrolenka aufgestellten 
französischen Truppen zu unterhalten. Drei urtillerle- 
Stücke der Batterie Leiningen waren dieser Brigade 
beigegeben, und in Przerodowo aufgestellt. 
Das auf den Anhöhen bei jerok dlesseits der Narew 
gelagerte bte Linien -Regimeut, so wie das in dem Brä- 
cenkopf vor ebengenantem Puncte aufgestellte leichte Ba- 
taillon Lalm war mit der öpfünder Batterie Vandouve 
dem dortselbst commandlrenden französischen General 
Graindorge zugetheilt. 
Das 2te Dragoner-Regiment der Cavalerle Brigade 
Mezanelli cantonierte mit drei Piexen der Batterle 
Caspers in und um Pprzaszuic, das Ste Chevaurlegers= 
Regiment in der Nähe von Pultuszk an der Belta. 
Der übrige Theil der Artillerle der Diolsion war in den 
verschiedenen Verschanzungen eingefahren.
        <pb n="512" />
        — 182 — 
Hingegen gelang es dem General Benningsen bes- 
ser, der sich mit seinen drei Divisionen und den rußischen 
Garden gegen den Marschall Nep warf. Dieser, bei 
der ungeheuern Uebermacht seines Gegners gewiß, unter- 
liegen zu müssen, zog sich auf eine meisterhafte Weise 
in bewundernswürdiger Ordnung vor ihm nach Anken- 
dorf zurück, den Marschällen Davoust und Lannes 
näher. Benningsen nun, statt den gewonnenen Vor- 
theil rasch zu benutzen, blieb darauf ruhig; lehnte sei- 
nen rechten Flügel an den Neuendorfer-See, den linken 
an Glottan, stellte die Vorhut beim Dorfe Ouetz, und 
die Reserve bei Guttstadt auf, während doch Doctorow 
schon vor Lomitten und der preußische General Rem- 
bow bei Mehlsack standen. So ließ er dem Marschall 
Ney die Zeit, sich zu frischen Widerstand zu rüsten. 
Zwar, als folgendes Tags Fürst Bagrathion mit der 
rußischen Vorbut, und unterstützt durch das ganze Haupt- 
heer, das Corps des Marschalls Ney abermahls an- 
griff, zwang er dasselbe nach Heiligenthal, dann bei 
Deppen über die Passarge zu gehen, so daß Bagra- 
thion das rechte Ufer derselben einnahm, dicht hinter 
ihm zwischen Deppen und Heiligenthal die Hauptmacht, 
bei Knopen die Reserve sland, und Doctorow's Corps 
sich wieder dem Ganzen anuschliessen konnte: allein wei- 
ter schritt Benningsen nicht. Denn am Tage nach- 
her (vien Juni) rastete er in seiner Stellung, und als 
er von Bewegungen bedeutender französischer Colonnen 
gegen Liebstadt, also gegen seinen rechten Flägel, er- 
fuhr, zog er sich noch spät Abends wieder nach dem 
Dorfe Quetz zurück. Nur den Fürsten Bagration lieff 
er an der Passarge. 
Dagegen hatte Napoleon nun schon eillig seine
        <pb n="513" />
        Hauptmacht zusammengezogen, die Rußen nun schon 
vom Corps des preußischen Generals Lestocq und von 
Koͤnigsberg abgeschnitten; und Soult, der am 8ten 
Juni uͤber die Passarge gegangen war, hatte, nach Zu- 
ruͤckstossung der schwachen Posten der Rußen, sich noch 
denselben Tag bei Altkirch in die rechte Seite Benning- 
sen's aufgestellt. Darum verlor Benningsen keine 
Zeit, zog die rußischen Garden auf die Hôhen vor Gutt- 
siadt, das Hauptheer nach Glottau, und die Vorhut 
unter Bagrathion von der Passarge nach Quetz zu- 
rück. Oen Fürsten Gortschakow schickte er nach Heils- 
berg, um die dortige Stellung und den Launguer= Hof zu 
behaupten. Auch den andern Tag (Oten Juni) fuhr er 
mit dem Rückzug nach Heilsberg fort, und den Gang 
seines Heers über die Alle bei Guttstadt zu decken, mußte 
Fürst Bagrathion mit der Nachhut bei Glottan Stele 
lung nehmen, 
Diesen griff hier der Großherzog von Berg schon 
in der Morgenfrühe an. Heftig war der Kampf. Wie ta- 
pfer aber auch die französischen Reiterei-Brigaden. Pajol, 
Nansouty, Durosnel, Bruyeres anstürmten, 
dennoch wankte Bagrathjon nicht, bis das ganze 
rußische Heer den Rückzug über die Allee auf vier Brü- 
cken vollendet hatte. Dann erst begab sich auch Bagra- 
thion, seinen Rücken durch die Cosaken des Herlt- 
mann Platow gedeckt, über die Alle nach Reichen- 
berg und Eenberg. Während nun das rußische Heer, 
mit den Reserven unter dem Fürsten Gortschakow 
Stand nahm bei Heilsberg, besetzte das franzdsische 
schon Guttstadt. 
Und von Guttstadt, (10ten Juni) zog Napoleon
        <pb n="514" />
        gegen Heilsberg, wo die Lagerplaͤtze der Rußen vor der 
Stadt schnell eingenommen, und Schlachthaufen uͤber 
Schlachthaufen gegen Launau vorgeruͤckt wurden, um 
Benningsen's Heer ganz von Koͤnigsberg und dem 
linken Alle-Ufer wegzudrücken. Den Punct Launau hü- 
tete General Barasdin mit einer viel zu schwachen 
Abthellung Rußen; daher sandte ihm Benningsen 
sogleich eine Hülse von fünf Batalllonen, fünf Reiter= 
Geschwadern und zwei Feldstücken. Indessen entfaltete 
der rußische Oberbefehlshaber seine gesammte Macht, 
ohngefähr 36,000 Mann stark, in zwei Treffen. Der 
linke Flügel, unter Großfürst Constantin, an den Sen- 
sebach gelehnt, war, mit Verschanzungen wohl gedeckr, 
am rechten Alle-Ufer aufgestellt; hingegen am linken 
Ufer, durch minder starke Befestigungen gesichert, der 
rechte Flügel unter den Generalen Essen, Uvarow 
und Platow. Die Heermitte an der Alle befehligte 
Fürst Gortschakow. 
Immer mächtiger bedrängt ward der Punct Launau 
von der Cürassier-Division Espagne, von der Dra- 
goner-Division Latour-Maubourg, und von zwei 
leichten Reiterbrigaden. Deswegen eilte Bagrathion 
mit der ganzen rußischen Vorhut von Reichenberg dahin 
über die Amtsbrücke. Aber nun erschien auch anderseits 
das Corps des Marschalls Soult, die Reiterel des 
Großherzogs von Berg zu unterstützen, als deren Vorhut 
das erste baierische Chevaurlegers-Regiment focht. Die- 
ses war binnen vier Tagen von Elbing nach Heilsberg 
gekommen, um ausgezeichneten Antheil an dieser Schlacht 
zu empfangen. 
Als die Rußen unter arasdin ihre Stellung an
        <pb n="515" />
        — 185 — 
der Launauer-Brücke nicht länger halten konnten, zogen 
sie sich gegen Bagrathion's Corps bei Bewerniken. 
Dieses durch Sumpf und Wald geschützt, aber schon 
auch durch die Division St. Hilaire und durch die Fü- 
ßiliers der Garden Napoleon's bedrängt, welche Ge- 
neral Savary führte, gerieth bald selbst in Verlegen- 
heit wegen gefahrlosen Rückzuges von da. Noch ein- 
mahl sandte Benningsen neue Unterstützung, den 
General Uwarow mit 25 Geschwadern, hieher, wo der 
Knoten der Schlacht geschürzt und geldßt werden sollte. 
Die Tapferkeit dieser rußischen Reiterei, die sich bei 
den Ddrfern Langwiese und Lawden entfaltete, vermogte 
gegen die hier angehäuften Streitkräfte Napoleon's 
weder die ebengewählte, noch die nachher am Spei- 
Bache genommene Stellung festzuhalten. Uwarow 
mußte zurück, und Bagrathion also in groͤßter Eil 
am rechten Alle-Ufer auch seinen Rückzug fortsetzen. 
Dieser Kampf, so stürmisch als glänzend, für die Rei- 
terei beider Heere gleich ruhmhaft, von einer, wie von 
der andern Seite bald angriffs= bald vertheidigungsweise 
geführt, gab auch dem baierischen Chevaurlegers-Re- 
giment zu mannigfacher Auszeichnung Anlaß. )) Ba- 
grathion und Uwarow, Schritt um Schritt fech- 
*) Besonders dem Major Baron Vieregs, den Rittmeistern 
Ott, Baumgartner und Boy, den Oberlieutenants 
Ruff, Schneegans, den Unterlieutenants Stieß, 
Perganin, von Spitzel, dem Wachtmeister Hirth, 
den Corporäls Bock und Wolf, welch dehterer seinen 
Unterlieutenant Spitzel gewißem Todte entzog; den Ge- 
meinen Isidor Bauer, und Caspar Delling. (Siehe 
Armeebefehl vom gten Mai 1807. g. 4.)
        <pb n="516" />
        — 186 — 
tend, aber immer verfolgt, ruͤckten in schoͤnster Ordnung 
gegen ihre Hauptmacht zu, und in die Schlachtlinie 
derselben ein. 
Jezt wechselte das von beiden Heeren furchtbar be- 
ginnende Kanonenfener mit dem Feuer der vordringen- 
den und angreifenden Schlachthaufen des Fußvolks, be- 
sonders der franzbsischen Dirision Verdier. Und erst ge- 
gen 10 Uhr Abends, gelang es der beispiellosen Kühn- 
heit der napoleonischen Schaaren, eine der #rußischen 
Schanzen zu erobern. Damit war der Weg angebahnt, 
um Benningsen's Schlachtreihen zu durchbrechen und 
sie gänzlich zwischen der Alle und dem Sensebach einzu- 
klemmen. Aber der rußische General Warneck an der 
Spitze des Regiments Kaluga entriß pldtzlich wieder 
mit erschütternder Tapferkeit und im Sturm den Sie- 
gern die Schanze. Da kam die Mitternachtsstunde und 
endete die Schlacht. 
Die Heere standen einander folgendes Tages schlag- 
sertig gegen über. Napoleon traf große Vorkehrun- 
gen dazu, besonders durch veränderte Richtung der ganzen 
Stirnseite seines Heers, so, daß Marschall Davoust 
an der untern Alle zu stehen kam, und Kbnigsberg und 
den General Lestocg von den Rußen trennte. Wohl 
sandte Benningsen starke Cosaken-Haufen aus, dieß 
zu hindern. Allein diese Maasregel war unzureichend. 
Davoust setzte seine Bewegung fort und ließ die Co- 
saken stehen. 
Jetzt fühlte Benningsen, er kdune ohne Gefahr 
in der Stellung bei Heilsberg keine Hauptschlacht mehr 
annehmen. Eilig zog er noch am Abend um 10 Uhr 
auf's rechte Alle-Ufer zurück, überließ seine Per-
        <pb n="517" />
        schanzungen, seine Magazine, seine Verwundeten dem 
Sieger, und langte in vier Colonnen am nachfolgenden 
Tage (12ten Juni) in der Stellung von Bartenstein an. 
Während dieses Zuges am rechten Alle-Ufer schickte Fürst 
Bagrathion einen Theil der Nachhut auf das linke 
Ufer. Diese wurde von der Dragoner-Division Latour- 
Maubourg und den Brigaden leichter Reiterei der 
Generale Durosnel und Wathier verfolgt. Die 
Brigade des letztern, bei welcher auch die baierischen 
Chevaurlegers fochten, stieß bei Eubinen auf den rußi- 
schen Nachtrab. Doch weder das Gefecht hier, noch 
die Kanonade zwischen den Rußen und nachfolgenden 
Franzosen bei Lauterhagen, war von langer Dauer oder 
großer Wirkung, 
Weil Napoleon (I15ten Juni) die ganze Reiterei 
des Großherzogs von Berg, unterstützt durch Da- 
voust's Heerhaufen, gegen Königsberg, den Marschall 
Soult nach Krenzburg, den Marschall Lannes nach 
Domnau, die Marschälle Ney und Mortier nach 
Lampasch gesandt hatte, verrieth er seine Absicht, so- 
wohl das vom rußischen Hauptheere getrennte Corps des 
Generals Lestocq, als das diesem von Heilsberg aus 
zur Hülfe geschickte Corps des Generals Kamensky 
vom Pregel-Fluß und damit von jedem Rückzug abzu- 
schneiden. Dieß bewog den General Benningsen, 
weder in der Stellung von Bartenstein, noch Schippen- 
beil (15ten Juni) zu verharren, sondern in Eilzügen 
den Standpunct von Friedland zu erreichen, eh' ihm sein 
rastloser Gegner dahin zuvorkam. Wirklich fanden die 
voranziehenden Abtheilungen der Rußen, als sie Fried- 
land erreichten, diesen Punct schon von einem franzöfi- 
schen Husaren= und einem sächsischen Cürassier-Regi-
        <pb n="518" />
        — 186 — 
ment besetzt, die vor der Uebermacht bald zuruͤckgehen 
mußten. Benningsen, während sein Hauptheer an- 
rückte, stellte die größte Stärke seiner Reiterei am lin- 
ken Alle-Ufer auf, und besetzte alle Uebergangs-Puncte 
dieses Flußes. Das geschah in derselben Zeit, als Ka# 
mensky sich, zwischen Altenberg und Ludwigsspalcke 
mir Lestocq, der bei Gollau stand, vereinigt hatte. 
Sonder Verzug eilte aber auch Napoleon mit 
den Garden, mit dem ersten Armeecorps, itzt von 
Victor befehligt, mit den Corps der Marschälle Ney, 
Lannes und Mortier gegen Friedland. Hingegen 
der Großherzog von Berg setzte seine Bewegungen ge- 
gen Kdnigöberg mir den Marschällen Soult und Das 
vousit fort. 
Vorausgeeilte französische Abtheilungen der Heer- 
haufen Lannes und Mortier von der Dragoner-Di- 
visson Grouchy's und der Cürassier-Division Nan- 
souty's unterstützt, griffen schon in der Morgenfrühe 
des 1##ten Juni die rußische Reiterei am linken Alle- 
Ufer an, um sie über den Fluß zu werfen. Doch frucht- 
los. Napoleon, bis seine Haupt-Armee nachkam, 
begnugte sich darauf, die Rußen durch ein lebhaftes 
Kanonen= und Plänklerfener festzuhalten, theils damit 
sie ihre Bewegung gegen Kdnigsberg nicht fortsetzen, 
theils damit er, verborgen vor ihren Augen, im Sort- 
laker Walde und in den Gehölzen zwischen Heinrichs- 
dorf und Portennen, seine gesammten Streitkräfte, 
eine Masse von 70 bis 80,000 Mann vereinigen konnte. 
Es war schon Abends 5 Uhr, als die rußische Ar- 
mee, etwa noch 61,000 Mann stark, bei Friedland an- 
kam. Benningsen, wahrscheinlich im Glauben, es
        <pb n="519" />
        — 189 — 
werde etwa nur Kampf mit einem einzigen feindlichen 
Corps gelten, und das linke Alle-Ufer daher leicht zu 
behaupten seyn, stellte sein ganzes Heer hier vor der 
Stadt Friedland auf; den rechten Flügel unter Gort- 
schakow und Uwarow vom Domerauer-Holz oder 
bei der Ziegelei, bis an das sogenannte Mühlenflies; 
den linken unter Bagration und Kollogrilow 
am Sortlaker-Walde vorüber bis zur Alle, die Vereinis 
gung von der Eilauer-Bartensteiner= und Schippenbei- 
ler-Straße behauptend. — Bagration und Kollo- 
grilow versuchten, sich alsbald des Sortlaker-Waldes 
zu bemächtigen, und es schien der russischen Tapferkeit 
anfangs nicht zu mißlingen. Aber immer mächtigere 
und mächtigere Streitmassen traten ihnen da entgegen, 
Marschall Lannes mit La Houssay's Dragonern und 
den sächsischen Cürassieren, diesen zur Rechten Marschall 
Ney mit Grouchy's Reiterei, links Marschall Mor- 
tier mit der Reiterei des Latour-Maubourg; rück- 
wärts das Corps Victors, mit den Garden als Reserve. 
Napoleon, dessen Heer in derselben Stunde, wie 
das russische, hier angekommen war, ließ Abends um 
halb 6 Uhr sogleich seinen rechten Flügel vorwärts 
gehen, um unverweilt den schwächsten Punct in der rus- 
sischen Stellung, nämlich die Stadt Friedland, mit 
Sturm zu nehmen. Die Plänkler des Ney'schen Corps, 
unterstützt von der Division Marchand, und diese wie- 
der unterstützt von der Division Bison, trieben die rus- 
sischen Jäger aus dem Sortlaker-Walde. Dann rückten 
sie in geschlossenen Colonnen gegen die Stadt. Den 
Weg bahnte ihnen ein fürchterliches Artilleriefeuer, wel- 
ches dem linken Flügel der Russen, auf immer kleinern
        <pb n="520" />
        — 190 — 
Raum zwischen der Alle und dem Muͤhlenflies beschraͤnkt, 
großen Schaden stiftete. Umsonst der Muth und die 
Anstrengung der Russen, besonders ihrer Reiterei, jene 
Colonnen im Laufe aufzuhalten. Sie wurden uͤbermannt, 
zuruͤckgeschoben. Umsonst zuͤndeten sie die Vorstadt von 
Friedland an. Das hinderte die Franzosen nicht, ihren 
schon errungenen Gewinn zu erweitern. 
Benningsen, als er den hartnaͤckigen Kampf 
seines linken Fluͤgels und den moͤrderischen Streit um 
Friedland sah, wollte durch schnelle Bewegung seines rech- 
ten Fluͤgels die Aufmerksamkeit Napoleons hinweglenken. 
Auf seinen Wink stürzte jählings Fürst Gortschakow 
mit seinen Schlachthaufen so gewaltig gegen das Corps 
des Marschall Lannes, daß dieser vom heftigen Stoß 
erschüttert, schon das Feld zu räumen anfing. Gort- 
schakow, schon des Sieges froh, vernahm aber nun, 
daß der ganze linke Flügel der Russen im Rückzug sey. 
Dieß udthigte auch ihn, nicht länger fortzuschreiten, son- 
dern umzukehren. Er wandte sich in bester Ordnung 
gegen Friedland. Hier aber fand er nun die Stadt schon 
vom Heerhaufen des Marschalls Ney besetzt, seine Rück- 
zugslinie abgeschnitten. Verzweiflungsvoll kämpfte er 
mit seinen Russen um die brennende Stadt. Es gelang, 
doch nur auf kurze Zeit, die Sieger auszutreiben. Nun 
in großer Verwirrung, durch Kampf und Flucht, Gepäck 
und Geschütz verursacht, da eins das andere hinderte, 
drängten die Russen gegen die Alle-Brücke, und zu den 
zwei vor der Schlacht geschlagenen Schiffbrücken, um 
zum andern Ufer zu gelangen. In ihre Haufen schlug, 
nie fehlend, der Tod aus hundert französischen Feuer- 
schlünden. Unter der Wuth der Fliehenden brachen die 
Brücken. Da stürzten sich Fußgänger und Reiter in den
        <pb n="521" />
        — 191 — 
Strom, um schwimmend zu emkommen. Viele fanden 
aber den Tod, statt der Rettung. Was hinüber kam, 
ward von einer am Gnatten-Walde als Reserve stehen- 
dem rußischen Division ausgenommen. Benningsen 
trat sofort Abends neun Uhr mit seinem geschlagenen 
Heer in zwei Colonnen den Rückzug nach Allenburg an, 
dann nach Wehlau und über den Pregel-Fluß (15ten 
Funi), und nachdem er hier alle Brücken, die hinüber- 
führten, zerstdrt hatte, nach Popelken und Mehlauken 
(16ten Juni), darauf in eine Stellung hinter dem Schil- 
lupflüßchen. Hier (17#en Juni)) vereinigte er sich mit 
den Corps der Generale Kamensky und Lestocq, 
die von Kdnigsberg herkamen. 
Denn Marschall Soult hatte diese über Kreuzburg 
(töten Juni) nach Kbnigsberg zurückgedrängt gehabr 
(15ten Juni). Weil sie aber daselbst zu wenig Verthei- 
digungs -Mittel gefunden, war ihnen nichts übrig ge- 
blieben, als weiter zu ziehen, um Benningsen's Heer 
zu erreichen, dessen Niederlage sie vernommen hatten. 
Also zog Soulrt (15ten Juni) in die Hauptstadt Preus- 
sens ein, deren Besitz dem französischen Kaiser, zur Fort- 
setzung des Krieges, unermeßliche Hülfsmittel aller Art 
darbot. 
Napoleon aber folgte, nach Herstellung der Pre- 
gelbrücken, dem Feinde auf den Fuß nach. Benning- 
seen gieng am 181en bei Tilsit über den Niemen, und 
Tags darauf auch seine Nachhut unter Bagrathion. 
Denselben Tag zog. Napoleon ebenfalls in Tilsit ein, 
und bewilligte hier seinem Gegner (au#ten Juni) endlich 
den Waffenstillstand, um welchen derselbe schon fünf Tage 
früher angehalten hatte. Dem zu Folge ward eine Tren-
        <pb n="522" />
        — 192 — 
nungs-Linie beider Heere vom curischen Haff bis Su- 
ras-Narew an die rußisch-preußischen Gränzen festge- 
setzt.) 
Diese großen Ereignisse hatten auch auf die Heer- 
haufen längs der Narew ihre Wirkung gehabt. Anfangs 
waren auch hier die Rußen, welche jetzt an Tutschkow's 
Stelle, der Generallieutenant Graf Tolstoy befehlig- 
te, angriffsweise zu Werk geschritten. Ihre Vorhut un- 
ter Grafen Wittgenstein hatte (11ten Juni) in drei 
Colonnen die franzdsischen Vorposten an den Omulew 
vertrieben, war bei Drenzewo über diesen Fluß gegan- 
gen, von 25 Feuerschiuͤnden am linken Narewufer unter- 
stuͤtzt; hatte sogleich den Uebergangspunct mit einem 
Bruͤckenkopf. zu sichern angefangen., das schwache Lager 
der Franzosen bei Portky überwältigt und es in Brand 
gesteckt. Allein General Süchet, nachdem er schnell 
in den Ebenen von Rozan seine Division gesammelt, 
machte sich auf, den Feind zurückzutreiben. Zur Unter- 
stützung Süchet's standen im Lager von Krasnosielsk 
die beiden Bataillone des baierischen Regiments Kron- 
prinz schlagfertig. Allein ihre Mitwirkung konnte bald 
—— en t- 
*) Jene Trennungs-Linie zog sich vom eurischen Haff anfangend, 
laͤngs dem Thalweg des Niemen, dann aufwaͤrts am linken 
Ufer dieses Flußes bis zum Einfluße der Lorasna in Letz- 
teren, dann laͤngs letztgenanntem Fluße his zum Einfluße des 
Bobra-Baches in selbem; ferner jenem Bache entlang 
über Bogari, Lepsk , Stabin, Dlistowo, Gomonds 
von da gieng solche auf das linke! Näre#- — über 
und dann über Sykoczon, Suras-Narew, hier an die 
preußisch rußische Gränze sich aulehnend.
        <pb n="523" />
        entbehrt werden. Denn Süchet, der (12ten Juni) die 
Rußen bei Nakli, wo sie mit vier Bataillonen und eben 
so vielen Kanonen standen, rasch an der Spitze von drei 
Bataillonen und 100 Pferden umgangen, dann sie an- 
gegriffen hatte, trieb sie nach Drenzewo und über den. 
Omulew zurück. Dann nahm er, nach Zerstbrung ihrer 
begonnenen Verschanzungen, seine frühere Strellung wie- 
der ein. 
Wie aber die Nachricht von der Schlacht bei Fried- 
land, vom Rückzug Benningsen's, von der Einnahme 
Kdnigsbergs einlief, (in der Nacht vom 17ten zum 18ten 
Juni,) ordnete Marschall Massena eine Recognosci= 
rung gegen Tolstoy's Stellungen an, um zu erfor- 
schen, ob sich dle Rußen auch hier zurückbewegen wur- 
den? General Süchet rückte (18ten Juni) gegen Osiro-= 
lenka aus, zugleich General Graindorge bei Sierok, 
General Rechberg mit zwei Bataillonen, einem Ge- 
schwader Reiterei und drei Kanonen, nebst zwei kleinern 
Abtheilungen des linken baierischen Flügels, über Penary, 
Prikow und Partoczyn. Es ergab sich die höchste Wahr- 
scheinlichkeit, daß die Rußen schon im Rückzuge sepen, 
und diesen nur hinter einer zahlreichen Vorposten-Kette 
verbergen wollten. Man gieng, nach unbedeutendem 
Verlust im Geplänkel, zur alten Stellung heim. 
Dann (am 22ten Juni) brach Massena mit dem 
ganzen Armeecorps auf. Die Division des Kronprinzen 
von Baiern verließ ihre Stellung bei Pultusk, wo der 
beschwerliche Vorposten-Dienst, noch mehr der Mangel 
an den meisten Lebensmitteln, täglich drückender ward. 
Zu ihr stieß das 3öfte franzdsische Linien= und 15te Dra- 
goner-Regiment. Sie zog über Pfaryp, Przenicl, um 
den weiten Pulwi-Bruch herum, nach Susk, in immer- 
II. ates Buch, 15
        <pb n="524" />
        waͤhrenden heftigen Reiterei-Gefechten *) dem Feinde 
folgend. Denn General Tolstoy trat an eben diesem 
Tage seinen wohlgeordneten Ruͤckzug nach Bialistok an. 
Folgendes Tags gieng auch die Division Suͤchet 
bei Rozan uͤber die Narew, und traf bei Gomorow mit 
dem baierischen Heerhaufen zusammen, der, fort und 
fort mit der rußischen Nachhut im Gefecht, gegen Stros- 
zyn vordrang. Der Kronprinz von Baiern, welcher bei 
Puleusk seinen Kriegern durch Beispiel in allen Entbeh= 
rungen vorangegangen war, konnte auch jetzt in den Ge- 
fechten durch keine Bitten bewogen werden, Wrede's 
Seite an der Spitze der Vorhut zu verlassen, und sein 
Leben der Gefahr zu entziehen. Um das Vorrücken des 
ganzen Armeecorps links zu erwarten, rasteten die Baiern 
(am 24#ten Juni) bei Stroszyn, und begnügten sich, das 
leichte Bataillon Zoller, eine Abtheilung Dragoner und 
drei Feldstücke vorzusenden, um den fernern Rückzug der 
Rußen zu beobachten. Sobald nach Herstellung der 
Brücken bei Ostrolenka und Rozan das franzdèstsche Ar- 
meecorps über die Narew gegangen, und Süchet nach 
unbedeutenden Gefechten in Lomza eingerückt war, unter- 
hielt der Kronprinz durch das leichte Bataillon Palm 
die Verbindung mit diesem, und besetzte die Stellung 
bei Stliadow, waͤhrend das zte Chevaurlegers-Regi- 
ment, als Vorhut, in Jemelite stand. In dem Ver- 
hältniß, wie die Rußen weiter zogen, ward ihnen ge- 
folgt. Aber schon in der Gegend von Baczemokre wurs 
den die Baiern durch feindliche Reiterei-Abtheilungen leb- 
hafter in ihrem Zuge beunruhigt (26ten Juni) und bei 
*) Hier wurden sieben Mann des baierischen öten Cheraurle= 
gers-Regiments getödtet, der Lieutengnt Weinbach mit 
drei Chevguxlegers verwundet.
        <pb n="525" />
        — 195 — 
Zambrow, weil da noch ein betraͤchtliches Magazin 
geraͤumt werden sollte, sogar ruͤckwaͤrts angegriffen. Das 
Regiment Taxis-Dragoner warf den Feind zwar zuruͤck, 
konnte ihn aber weder am Anzuͤnden des Magazins noch 
darauf am schnellen Ruͤckzug gegen Jablonka hindern. 
Das Corps des Generallieutenants Tolstoy hatte 
am 2rsten Juni auf der großen Bialistoker= Straße, 
hinter dem Fluͤßchen Supras, Stellung genommen, und 
Massena traf Anstalten, den Feind dort zu erreichen, 
als die Nachricht vom Waffenstillstand der Heere ankam. 
Damit endeten hier alle weitern Bewegungen. Marschall 
Massena' schlug sein Hauptgelager in Wisna auf. 
Generallieutenant Baron Wrede das seinige in Cie- 
chanowice, Der Kronprinz von Balern, nach Tilsit ab- 
reisend, übergab den ungetheilten Oberbefehl des baieri- 
schen Kriegsvolks an den ebengenannten Feldherrn. Die 
Truppen wurden in Cantonirungen verlegt. *) 
Es ist bekannt, wie zu Tilsit, durch den pershnli- 
lichen Zusammentritt der bisher feindlichen Monarchen 
der Friede beschleunigt, und (3ten Juli) wirklich abge- 
schlossen wurde. Weil nun vermdge besonderer Ueberein- 
  
*) Und zwar die Divisson Süchet mit der Cavalerse-Bri- 
gade Montbrun von Toykotzin anfangend aufwärts der 
Narew, mit Einschluß des Punctes Suracz, von da uͤber 
Wysoki, Mazowiki und Mezenin bis an den Ausfluß der 
Bobra in die Narew; das baierische Corps bei Ciechano- 
wice, Nur, Ambezejewo und ÖOstrow; die Divisson Ga- 
zan von Lomza an aufwärts der Narew bis zur Mündung 
der Bobra, dann rechts an den Cantonirungen der Di- 
vision Süchet fort, über Mezenin bis Wysoki, Mazowie- 
cky, dann seitwärts über Szamow, durch Syiadow, Szce- 
pankowo und Nowogorod bis an die Narew. 6 · 
Die französische zu diesem Corps gehörige Dragoner-Di- 
vision besetzte Nowogorod, und cantonirte auf dem rechten 
Narew elfeer bis Penza, sodann links über Paritv, alle 
im Rücken der ganzen Linie gelegenen Dörfer bis an die 
Skrodda besehend. 
15
        <pb n="526" />
        — 196 — 
kunft zwischen Frankreich und Preußen (12ten Juli) das 
preußische Gebiet bis an die Passarge von Frankreichs 
Heerschaaren und Verbündeten bis zum usten August 1807 
geräumt werden mußte, schied das baierische Truppen-= 
Corps von Massena's Heerhaufen, und zog über War- 
schau nach Schlesien. Hier ward es dem Heerhaufen 
des Marschalls Mortier zugetheilt und ward es in den 
Breslauer= Ohlauer= und Trebnitzer= Kreis eingelagert, 
nachher noch weiter in den Neumarker = Striegauer= Bol- 
kenhayner, Jauerischen und Schweidnizer-Kreis ausge- 
dehnt. Nur das erste baierische Chevaurlegers-Regi- 
ment, das in Preußen einen Theil der Reiterbrigade 
des General Wathier ausgemacht, und in so vielen 
Gefechren, Treffen und Schlachten fast zwei Drittheil 
seiner Mannschaft verloren hatte, erhielt noch keine Ruhe! 
Es mußte (Iten Juli) von Billgade bei Vilumen, in Alt- 
preußen, nach Treptow in Schwedisch-Pommern gehen, 
und ward hier dem Corps des Marschalls Brune zuge- 
geben, der im Begriff war, die Feindseligkeiten gegen 
Schweden zu erneuern. 
Zu eben diesem Corps war auch schon die (am öiten 
Die Brigade Graindorge, welche die bisherige Be- 
satzung von Sierok gebildet hatte, nun in die Corpslinie 
einrückte, erhielt den Cantonirungs-Punct Prock, der 
große Artillerie-Park den von Östrolenka angewiesen. 
Dem abgeschlossenen Waffenstillstand entgegen, welcher 
in einem seiner Artikel die Neutralität des zwischen den 
französischen Heeren und dem rußischen Gebiet liegenden 
preußischen Landes ausgesprochen hatte, rückte (am 1öteu 
Juli) das Corps des Marschalls Massena bis an die 
rußische Gräuze vor; daher mußten auch die Baiern unter 
Wrede in den Drochpyziner-Kreis abrücken. Als aber 
die rußischen Befehlshader die strenge Erfüllung des Waf- 
fenstillstandes begehrten, da zog Massena, mit ihm die 
Baiern unter Wrede (löten Juli) wieder in seine alte 
Stellung zurück. Die Bgiern besebten den Ostrolenkaischen
        <pb n="527" />
        — 102 — 
Mai) aus Baiern aufgebrochene Brigade des General. 
Vincenti gestossen (12##en Juli), welche der Kdnig von 
Baiern erst kürzlich aus dem ersten leichten Bataillon, 
dem neunten Linien-Regiment und einer Abtheilung des 
vierten Regiments Chevaurlegers zusammengesetzt hatte. 
Die kriegerische Thätigkeit erneuerte sich hier bald. Un- 
geachtet, in Folge des Tilsiter-Friedens, der preußische 
General Blücher sich nach preußischen Geblet zurück- 
ziehen mußte, und selbst die (Tten Juli) in Rügen ge- 
landete hanndverische Division der Engländer diese In- 
sel wieder verließ: änderte dieß alles den schwerversöhn- 
lichen Sinn Gustav Adolphs nicht, des Kbnigs von 
Schweden. Der Waffenstillstand war aufgekündet. Brune 
gieng also (Nachts vom 15ten zum 13ten Juli) an meh- 
reren Puncten mit seinem ganzen Heerhaufen über die 
Peene, besonders bei Dammgarten. Die Schweden wur- 
den hier aus allen ihren Verschanzungen heraus, drei 
Stunden weit zurückgeworfen. Die heftigen Gefechte 
der Divisionen Molitor und Boudet bei Steinhagen 
und Nogast entschieden den volligen Rückzug der Schwe- 
den nach Stralsund. Die Brigade Vincenti bemäch- 
tigte sich während dessen der Stadt Greifswalde. 
Wie nach diesem Marschall Brune (15ten August) 
vor Stralsund gieng, und die Laufgräben erdffnete, trat 
auch die Brigade Vincenti, verstärkt durch das achte 
baierische Linien-Negiment, vor diese Vestung. Die 
Schweden räumten sie aber (schon den 20ten August 
Abends) ohne Schwerdtstreich, und begnügten sich, die 
eingerückten Franzosen lebhaft von der kleinen Insel Dän- 
holm zu beschießen, die zwischen Stralsund und Rügen 
liegt. Brune aber schickte (Nachts vom 24ten zum 
Löten August) ein franzdsisches Bataillon guf Bdten hinüber,
        <pb n="528" />
        welches sich der Insel bemeisterte, und die schwedische Be- 
satzung derselben (330 Mann) gefangen nahm. Dieß 
bewirkte, daß (am öten September) zwischen dem fran- 
zösischen Marschall und dem schwedischen General Toll 
ein Vertrag geschlossen, und in Folge desselben auch die 
Fnsel Rügen den Franzosen eingeräumt ward. Also 
schifften ein franzbsisches Linien-Regiment, das neunte 
baierische Linien-Regiment und die baierischen Chevaur= 
legers den Sten September hinüber, denen bald von den 
Baiern noch das achte Linien -Regiment und das erste 
leichte Bataillon Habermann folgten. Hier blieb die 
Brigade in guten Cantonirungen bis zum Frieden. Am 
20sten November kehrte sie nach Baiern zurück, wo sie 
Mitte Decembers frohlockend ankam. « 
UmdieselbeseittrafenauchdieDivisionenDeroy 
und Wrede wieder in ihrem Vaterlande ein, von ihren 
Mitbuͤrgern herzlich und festlich empfangen. Erstere hatte 
nach Aufhebung der Belagerung von Silberberg (11. Juli) 
erst in Schlesien bei Breslau und laͤngs der Straße 
nach Sachsen, dann in den Kreisen von Neumark, Schweid- 
niz, Striegau und Bolkenhayn Einlagerung genossen; 
war darauf (Ziten August) nach Berlin aufgebrochen, 
und als Theil des neunten französischen Armee-Corps 
unter General Michaud, in die Umgegend Berlins, 
in den ober= und niederbarnimschen Kreis und die Ucker- 
mark verlegt worden, ihre Relterei theils nach Schwedt, 
theils in die Neumark, theils nach Stettin; und kehrte 
endlich zu Aufang November über Baireuth in die fried- 
liche Besatzung heimathlicher Plätze zurück. — Die Di- 
visson Wrede, welche, während ihrer Einlagerung in 
Schlesien, Friedrichs des Großen Meisterschlacht bei 
Leuthen in wohlgelungener Nachbildung (22ten und 26ten)
        <pb n="529" />
        ausgefuͤhrt hatte, zog ebenfalls Mitte Decembers in 
Baireuth, und dann, unter dem dankenden Nachruf 
ihres bisherigen Feldherrn, in Baiern ein. 
So endigte ein Krieg, durch welchen das ungluͤck- 
liche Preußen fast die Haͤlfte seiner bisherigen Provin- 
zen *), eine große Zahl seiner alten Huͤlfsquellen, den 
edelsten Theil seiner Kraft verlor, und Napoleon's 
Macht zur riesenhaften Groͤße stieg. Frankreichs Aus- 
dehnung trat weit uͤber die alten Graͤnzen hinaus, und 
vom Machtkreis desselben lag fast die ganze Mitte Eu- 
ropens verschlungen. ?) Des Siegers Waffe druͤckte 
fortwaͤhrend schwer auf Norddeutschland, von der Weser 
bis zur Weichsel. Bei der Hemmung alles Handels- 
Verkehrs litten aber auch die mit Frankreich befreunde- 
ten suͤddeutschen Staaten. 
Inzwischen ordnete Maximilign Joseph, K- 
*) An Flächen-Inhalt 55,141 2 Quadratmeile, eine Bevöl- 
kerung von 5,55%, 115 Menschen, 15,731,014 Thaler Ein- 
künfte. Dem Könige dieses Landes verblieben 2,013 4 Qug- 
dratmetle Landes, mit einer Bevölkerung von 5,105,597 
Menschen und 15,720,235 Thalern Einkünften. 
*#) Krankreich selbst mit Inbegriff von Ligurien zählte an 11,580 
Quadratmeilen, 355,340,412 Einwohnern. Diesem Kaiser- 
staat waren ferner folgende Staaten mit allen ihren Kräf- 
ten verbunden. 
Spanien mit 10,730,000 Einwohnern, und 9055 Qua- 
dratmeilen, die helvetische Republik mit 1,760,00 Ein- 
wohnern auf 321 Quadratmeilen. Neufchatel und Valen- 
zin mit 47,600 Einwohnern auf 86 Quadratmeilen. Etru- 
rien mit Lukka, Piombino, Massa Carrara, Guastalla und 
Garfagnana mit 1,241,800 Einwohnern auf 5054 Quadrat- 
meilen. Das Königreich Ftalien mit dem ehemahls vene- 
tianischen Staaten mit 5,525,500 Einwohnern auf 1,644 
Quadratmeilen. Der Kirchenstaat mit St. Marino mit 
1,528,000 Einwohnern auf 557 Quadrakmeilen. Neapel 
mit 0,545,000 Einwohnern auf 2,025 Quadratmeilen. Hol- 
land mit Östfrießland und Inver mit 2,015,180 Einwohnern 
auf 572 1 Quadratmeile. Die deutschen Staaten der rhei- 
#Hnischen Conföderation mit Inbegriff der von Preußen und 
Schweden eroberten Linder mit 15,325,670 Einwohnern auf 
5,504 Quadratmellen. Endlich das Herzogthum Warschau
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        — 200 — 
nig von Baiern, mit den benachbarten Gebieten Wie- 
tembergs und Badens die Gränzen, und auf billige, edle 
Art die Verhältnisse der mediatisirten Fürsten und deren 
Besitzungen in Baiern; mit Oesterreich schloß er (51en 
Nrvember) den Staats-Vertrag über wechselseitige Frei- 
zogigkeit der Penstonen. Der von seinen Vorfahren ge- 
stifreten Akademie der Wissenschaften in München ver- 
liey er größere Vollkommenheit. Ueberall strebte er, um 
Baiern zu seiner würdigern Bestimmung empor zu heben, 
Licht und Kraft zu wecken, und dem aus so verschie- 
denarrigen Theilen zusammengesetzten Kdnigreiche größere 
Einheit zu geben. Doch nicht überall vermogte er's, die 
Sehntuchr einzelner Gegenden nach ihren alten Ordnun- 
gen und verlornen altgewohnten Verhältnissen zu stillen. 
Zeuge de war das Gebirgsvolk in Tirol, welches fort 
und fort durch bange und alberne Gerüchte über den 
Umergang seiner Freiheiten und seiner Religion bewege 
ward, und welches der gütige Kdnig in seiner Kundma= 
chung (vom 20ten November) gern beruhigt härte. 
Doch von dem, was er geleistet für das Heil seiner 
Länder, und wie ein neuer furchtbarer Krieg, der das 
Innere Baierns abermahls zum Schauplatz der Schlach- 
ten verwandelte, alle konigliche Bemühungen unterbrach, 
rede das folgende Buch. 
und die Stadt Danzig mit 5,979,067 Einwohnern auf 1503 
Quadratmeilen (zusammen an 80 Millionen Menschen.) 
'Kapoleon hatte von der im Frieden von Tilsit ihm 
zuerkannte großen Kriegesbeute vertheilt: an Rußland einen 
Theil des vormahligen Neu-Ostpreußen; an den König 
von Sachsen das Herzogthum Warschau und den Kottbusser- 
Kreis, an die Stadt Danzig ein Gebiet von zwei Meilen 
im Umfange der Stadt; an den König von Holland, Oll- 
frießland und die Herrschaft Jever. Ferner hatte er aus 
preußischen, braunschweigischen, hannöverischen, hessischen 
v50 Und sächsischen Ländern, mitten im Herzen Deutschlands 
das neue Königreich Westphalen geschaffen und doch blieben 
ihm noch folgende Länder zur freien Disposttion. " 
Das Erzstift Münster, 461 □ Meil. 700,000 Einw. 
die Grafschaft Mark, 70 J□— „ 125,000 „ 
dte Grafschaft Mecklenburg, - 
und Lingen, 150 „ —. 
das Fürstenthum Erfurt 2c. 12 □— „v 121,000 „ 
das Kürstenthum Baireuth, 22 □ „ 225,000 „ 
das Furstenthum Nassau, 101 J□— 7 23544,500 ? 
von Curhessen, 51 U " 100,000 ? 
Jusammen 762 □Meil. 1,575,500 „
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        Verbesserungen im ersten Bande. 
  
S. 27 3. 10 ein n zu viel im Worte Feldmarschalllieutenant. 
52 %, 15 anstatt neun russische Zuzüge lies: 
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75 ½% 10 „ " um 7“ 
75% 1 „ ½ zwar r 
114 21 7 „% vor 7“ 
175 „ 0 „ „ verwundeten 9 
254 7% 15 „% Berbindung 5“ 
257 %„ 11 „ „ sie kam 
510 ½ 18 „ „ Feldmarschallgutusow, » 
316 1 20 214 Königseng 1 
im aten Buch: 
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114% 5 „ „ Morungen 7 
115 „ 24 „ „ Somerot 5„ 
117„ 1 „ „ Mundtken » 
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130 „ 10 „ „ Groß- Glogau 5% 
152 „ 20 „ Sternsen , 
154 „ 2 der Anm. anst. daierischen „ 
100 „ 12 und 13 anst. Vonzewo 5„ 
109 „ 27v. ö. aust. Gogno 5„ 
„ 14 „ Wonzewo 5 
“ „ 14 „ „ Toznabiel » 
178»14»»Altzams i„ 
178 % 1 7% „7/ Alt-= Zambsk 14 
180 „ 14 der Anm. anst. Gogno 
181 „ 83d. Anm. anst. Groß- Maginszowo » 
183»-z7vo.anstLebenberg » 
188» »»Ludwtgsthal » 
102 „ 6 der Anm. anst. Leps 5„½ 
194 24 v. o. anst. Sinadowk « 
neue russische Zu- 
züge. 
Novarra 
Heer 
Feldmarschalllieu- 
tenant Hotze 
Heer 
Feldmarschalllieu- 
tenant Hottze 
stürmte 
nun 
zum 
von 
Verwundeten 
Verbindung 
sie kamen 
General Kutusow 
Königsegg 
Jalowka 
aufgestellt 
Mohrungen 
Samrodt 
Mondtken 
Besetzung 
Heilsberg 
Klein-Glogau. 
Steensen 
baierischen 
Gonzewo 
Goyno 
Gonzewo 
Toznabil. 
Altzambsk 
Altzambsk 
Goyno 
Gron# Magniszewo 
Liebenberg 
Ludwigswalde 
Lipsk 
Sniadow
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