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        <title>Kriegsgeschichte von Bayern unter König Maximilian Joseph I. Zweiter Band.</title>
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            <idno>voelderndorff_kriegsgeschichte_0002</idno>
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        Rriegsgeschichte

von

Bapern
unter
Rönig  Maximilian  Joseph  I.

Von
NEd.  Frh.  v.  Földerndorkl  u.  Maradein,

Major  im  Königlich=  Bayerischen  General  -Quartiermeisterstabe.

————

Zweiter  Band.
Fünftes  Buch.
Jeitraum  vom  Jahre  1808  bis  zum  Ende  des
Jahres  1809.

München,  1826.
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        Inhalt.

 

—  Seire
1)  (Stellung  der  Hauptmächte  im  Jahre  18006.  5
2)  Bayern  in  demselben  Jaher  12

5)  Kriegerische  Bewegungen  Oesterreichs  und  Frankreiche
im  Anfange  des  Jahres  1800.  Aufstand  Tirocss  22

3)  Erzherzog  Karl  dringt  in  Bayern  ein.  Bewegung  der
verschiedenen  Heere  bis  zum  18.  April  18100).  61

5)  Gefechte  bei  Siegenburg,  Abensberg,  Schneidert,  Hausen,
Dinzlingen,  Abensberg,  Bibotceeg⅞  67

0)  Schlacht  bei  Abensberg.  Die  Oesterreicher  nehmen  Negensburg
  20.  April.  722

7)  Treffen  bei  Landshut.  Einnahme  der  Stadt  durch  die
Franzosen.  Kampf  an  der  Donau  den  21.  April  36
3)  Schlacht  von  Eggmühl  den  22.  April  19000.  06

0)  Folgen  der  Schlacht  bei  Eggmühl.  Treffen  bei  Neumarkt.
  Bayern  vom  Feinde  feititi  107

10)  Inn-Uebergang  der  Franzosen  und  Bayern.  Salzburg
mit  stürmender  Faust  genommme.  14193

11)  Blick  auf  die  Ereignisse  in  Italien  und  in  Tirol.  Napoleons
  Zug  bis  WW11  6  124

12)  Kriegsbegebenheiten  in  Tirol  bis  zum  Entsatz  von  Kufstni
  14144641

15)  Treffen  bei  Woergel.  Erstürmung  von  Schwatz.  Einzug
  der  Bayern  in  Innsbruk  146

14)  Ereignisse  längs  den  Grenzen  Tirols,  in  Schwaben  und
Bahen  1153

15)  Rückzug  des  Erzherzogs  Johann  aus  Stalien  bis  an  die
Raab..  290
16)  Neuer  Aufruhr  in  Tirl  145
17)  Die  Schlachten  von  Aspern  und  Eslingen  3
13)  Gefechte  der  Bayern  bei  nz  13
10)  Tirol  wird  von  den  Bayern  geräimt  201

20)  Die  Versuche  Oesterreichs  gegen  das  Innere  Deutschlands
  von  Böheim  und  Tirol  aass  212

4
        <pb n="4" />
        Inhalt.

Seite

a1)  Kriegsereignisse  in  Polen  und  Ungarn.  Schlacht  bei
Raab...  2253
22)  Vorbereitungen  zur  Schlacht  von  Wagnm  335
25)  Die  Schlacht  von  Wagram..  200
24)  Folgen  der  Wagramer-Schlacht  bis  zum  Waffenstillstand  251
25)  Ereignisse  bei  Einz  bis  zum  Waffenstillstand  265
26)  Ereignisse  in  Tirol  bis  zur  Bekanntwerdung  des  Waffenstillstandes
  2067
27)  Unterwerfung  des  nordlichen  Tirols  277
28)  Der  Herzog  von  Danzig  sucht  nach  Bayern  zu  dringen  286
20)  Der  Herzog  von  Danzig  zieht  sich  nach  Innsbruck
zurüü  u  u  z9iez
500  Tirol  wird  abermals  vom  Herzoge  von  Danzig  geräiinti
  .....2b  .  313
31)  Gefechte  an  den  Grenzen  Salzburgs  und  Tirols  bis
Ende  Septembres  5
52)  Fortsebung  des  Kampfes,  besonders  im  südlichen  Tirol  3
)  Gefechte  der  Bayern  im  nördlichen  Tirol.  .  .  .  374
33  Beendigung  der  Unruhen  in  Tirrko  565312
)  Blick  auf  die  Bewegungen  im  Vorarlbergischen  433
8  Schluß  .  4347
        <pb n="5" />
        Fünktes  Burch

der

Rriegsgrschiehte

von

BPapern

unter

Maximilian  Joseph  l.

 

II.  ötes  Buch.  1
        <pb n="6" />
        <pb n="7" />
        Fruͤnftes  Buch.

1.
Stellung  der  Hauptmaͤchte  im  Jahre  1808.

D.  Friede  von  Tilsit  hatte  auf  dem  Festlande  eine
zwangvolle  Waffenstille,  und  gegen  England  einen  zwangvollen
  Kriegeszustand  sämmtlicher  Mächte,  Schweden
ausgenommen,  herbeigeführt.  Napoleon,  indem  er
alle  englischen  Waaren  durch  sein  Machtgebot  von  den
europäischen  Märkten  ausschloß,  hoffte  Großbrittannien
gleichsam  in  der  Fülle  von  dessen  eigenen  Ueberflusses  zu
ersticken.

Aber  furchtlos  blickte  Brittannien  auf  diese  riesenhaften
  Entwürfe  nieder.  Gebieterin  der  Weltmeere  mit
1108  Kriegsschiffen,  sah  die  von  ihrem  eigenen  Welttheil
ausgebannte  Insel,  mitten  in  den  Kriegen,  ihren  Handelsreichthum
  nicht  nur  durch  den  Verkehr  mit  St.  Domingo
  und  China  und  allen  Indien,  sondern  auch  durch
Schleichhandel  mit  Holland,  Oldenburg,  Dännemark,
Italien,  ja  selbst  mit  Frankreich,  steigen.  Ihre  zweckmäßig
  vertheilte  Heeresstärke  von  205,815  Mann  geübter
Krieger  deckte  die  Heimath,  und  hielt  Hindostans  80
Millionen  Seelen  im  Zaum.  Noch  waren  ihr  in  Europa
Schweden  und  Sicilien  freundschaftlich  treu  geblieben.

1  *
        <pb n="8" />
        —  4  —

Bald  schloß  sich  auch  das  gegen  Napoleon  aufgestan—
dene  Spanien  fester  an  sie.  Mit  der  Pforte  bereitete  sie
unterhandelnd  den  Frieden  vor,  der  am  g8ten  Jaͤnner  1809
abgeschlossen  ward,  mit  dem  Norden  Deutschlands  und
mit  Oesterreich  wurden  die  geheimen  Einverstaͤndnisse  nie
ganz  unterbrochen.  So  sah  England  furchtlos  Napoleons
  feindseligen  Entwürfen  zu,  und  rüstete  unversdhnbar
dessen  eigenen  Untergang.

Napoleon  aber,  dessen  großem  Herrschergeiste  für
ungeheuere  Ziele  ungeheuere  Mittel  zu  Gebote  standen,
in  Allem  umsichtig,  folgerecht,  entschlossen  und  kraftvoll,
leitete  die  Schicksale  des  Welttheiles,  während  er  Frankreich,
  als  Kern  desselben,  aus  dem  Chaos  der  Staatsumwälzung
  zu  einer  wohlgeordneten  lebensreichen  Macht
erhob.  Er  begann  die  Herstellung  der  Marine,  und  ersetzte
  seiner  Nation  den  Verlust  des  Seehandels  durch
hdhern  Schwung  des  innern  Verkehrs.  Manufacturen
und  Fabriken,  Land=  und  Bergbau  blüheten  neu  auf;
neue  Hochstraßen,  schiffbare  Canäle,  zahlreichere  Brucken,
  beförderten  die  Handelsverbindungen  im  ganzen
Reich,  und  die  franzbsische  Bank  nahm  neue  Gestalt  an.
Nichts  im  großen  Getriebe  des  Staatslebens  ließ  er
unbeachtet;  Alles  traf  im  freien,  großartigen  Einklang
zusammen.  Die  Stiftung  der  Hochschule  zu  Paris,  und
was  Wissenschaft  und  Kunst  befdrderte;  die  geschärftere
Zucht  der  neuen  geistlichen  Seminarien;  die  bürgerliche
Stellung  der  Juden;  die  Vermehrung  der  Wohlthätig-=keits-Anstalten;
  die  wirksamere  Polizei  im  ausgedehntesten
Wortsinn;  Feststellung  aller  Rechtsverhältnisse;  die  peinliche
  Gerichtsordnung  mit  Einführung  der  Geschwornen-Gerichte;
  die  verbesserte  Einrichtung  des  Staatsrathes,
und  Ordnung  und  Klarheit  des  Finanzwesens.  Die  Ver-
        <pb n="9" />
        —  5  —

einigung  der  Festungen  Wesel,  Cassel,  Kehl  und  Bliessingen,
  so  wie  der  kleinen  Staaten  Parma,  Piacenza
und  Toscana  mit  seinem  Reiche,  erhoͤheten  die  Bevoͤlke—
rung  desselben  auf  38,202,000  Seelen,  zum  rechten  Verhältniß
  des  ungeheueren  Heeres,  welches  in  Rücksicht
von  Einrichtung,  Uebung,  Bekleidung  und  Mannzszucht
eine  seltene  Vollendung  gewann.

Mit  gleicher  Aufmerksamkeit  und  Thatigkeit  belebte
er  den  öffentlichen  Unterricht,  Gewerbsfleiß  und  Handel
seines  Kbnigreichs  Italien.  Entzweiet  mit  dem  Papste,
ließ  er  Rom  besetzen  (im  April  1808),  und  die  vom  Kirchenstaate
  losgerissenen  Provinzen  Urbino,  Ancona,  Macerata,
  Fermo  und  Commerino  dem  Gebiet  seiner
italienischen  Krone,  als  drei  Departements,  einverleiben.
Unruhigen  Geist  dort  dämpfte  er  mit  furchtbarem  Ernst.
—  Das  Kdnigreich  Neapel,  in  der  Hand  seines  Bruders
Joseph,  ward  mit  neugeordneter  Heeresmacht,  ihm
ein  vielverheissender  Bundesgenosse;  gleichwie  unter  dem
Zepter  seines  Bruders  Louis,  von  der  anderen  Seite,
das  Kdnigreich  Holland,  welches,  wenn  auch  zum  Verderben
  seines  Handels  und  seiner  finkenden  Finanzen,  den
Schweden-Krieg  machen  mußte.

Die  Schweiz,  in  deren  bürgerlichen  Unruhen  er  ein
weiser  Vermittler  geworden,  wußte  er  sich  durch  zarte
Schonung  der  kriegerischen  Volkerschaften  und  den  Aublick
  seiner  Macht,  zugethan  zu  erhalten,  wie  drückend
ihr  auch  die  Werbungen  von  vier  Regimentern  waren,
welche  er  von  ihr  in  Sold  genommen  hatte.  Minder
schonend  behandelte  er  die  deutschen  Staaten  des  rheinischen
  Bundes,  die  ihm,  dem  gebieterischen  Protector,
eine  Streitmasse  von  121,650  wohlausgerüsteter  Soldaten
        <pb n="10" />
        —  6  —

und  ihre  besten  Kräfte,  ohne  Ersatz,  zur  Verfügung
bereit  zu  halten  gezwungen  waren.“)

Thätig,  doch  mit  vielgebrochenen  Kräften  strebten
diese  Staaten,  die  kurzen  Friedensfristen  zu  benutzen,
um  ihr  Hauswesen  neu  zu  ordnen  und  zu  befestigen.
Wenige  gelangten  dahin.  Das  neugeschaffene  Königreich
Westphalen  begann  sein  Dasein  unter  dem  allgemeinsten
Mißmuth,  mit  erschdpften  Finanzen,  deren  Lücke  eine
Anleihe  von  20  Millionen  vergebens  füllte.  Die  sächsischen
  Lande  konnten  unter  ewigen  Durchzügen  des
Kriegsvolkes,  und  alten  und  neuen  Beschwerden  nicht
genesen.  Die  Hansestädte  schmachteten  bei  Vernichtung
ihres  Handels.  Das  von  Napoleon  gegründete  Großherzogthum
  Warschau  konnte  sich  nur  durch  Napoleou's
unmittelbare  Geldhülfen  emporhalten.  Auch  Preußen
war  noch  bis  zur  Weichsel  mit  franzdsischen  Heerhaufen
besetzt;  Schlesien  allein  mußte  denselben  monatlich
288,000  Thaler  steuern.  Und  als  endlich  die  preußischen

·)  Das  französische  Heer  bestand  zu  Anfang  des  Jahres  1803
aus  den  25,000  Mann  starken  kaiserlichen  Garden;
aus  00  Regim.  Linien-Infant.  aus  28  Compagnien  Canoniers

»  27  ?2  leichter  Infant.  sedentaires,

»  2  »  Carabiniers,  »  9  Compagnien  Mineurs,

»  12  »  Curassiers,  *  5  Bataill.  Sapeurs,  und

»  30  »»  Dragonern,  17,445  Gensd'armes;

"*  26  =  Jäger  zu  Perd,  hierzu  kamen  noch:

„  10  "  Husaren,  4  Schweizer-Regiment.,

*  13"  Artillerie,  3  Regim.  Neapolitaner,
10  Ourriers-Compagn.,  3  „  Dochlen  4c.

»  2  Bataill.  Pontoniers,  das  Regiment  la  Tour

*  20  Fuhrwesens-Bataill.,  d'Auvergne,

*  Compag.  Armuriers,  *  Reg.  Freuburg,  die
r°  107  „  Kanonieren,  portugiesische  Legison.
        <pb n="11" />
        —  7  —

Staaten  von  den  Franzosen,  gegen  Erlegung  von  140
Millionen  Francs  (Ende  Jahres  1808)  geraͤumt  wurden,
blieb  Armuth  und  Schmerz  zuruͤck.  Doch  der  Muth  des
Volkes,  in  welchem  sich  die  Edelsten  schon  damals  fuͤr
Unabhaͤngigkeit  des  Vaterlandes  in  einen  Tugendverein
zusammenzogen,  richtete  sich  durch  den  Hinblick  auf  seines
bäterlichen  Königs  stilles  und  doch  kräftiges  Walten  empor.

Mehr  Haltung  hingegen  gewann  Oesterreich  bald
unter  weiser  Verwaltung  wieder.  Noch  zählte  diese  Krone
auf  11,528  Geviertmeilen  23,005,000  treue  Unterthanen,
mit  146  Millionen  Gulden  Einkünften  und  300,000
wohlgerüsteten  Streitern.  Der  Hof  zu  Wien,  weit  entfernt
  die  Hoffnung  einer  bessern  Zeit  aufzugeben,  bereitete
sich,  in  derselben  mit  neuer  Kraft  zu  erscheinen,  daß
Europa  nicht  ganz  der  Raub  von  Frankreichs  glückgekröntem
  Herrscher  werde.

Dieser,  während  die  Völker  ostwärts  dem  Rhein  an
den  Wunden  bluteten,  die  ihnen  sein  siegreiches  Schwert
geschlagen,  wandte  nun  seinen  Blick  auf  die  Volker  jenseits
  der  Pyrenden,  denn  dort  war  der  Regent  von  Portugall
  mit  seiner  wahnsinnigen  alten  Mutter  lieber  über
den  Ocean  nach  Brasilien  entflohen,  als  daß  er  sich  unter
  Napoleons  Willen  gebeugt  hätte.  Und  inzwischen
Junot,  der  franzdsische  Feldherr,  mit  zahlreichen  Schaaren
  in  Bewegung  war,  den  Britten  die  portugiesischen
Häfen  zu  verschließen,  gieng  zu  Madrid  unter  Verschwörungen
  und  Aufständen  der  Thron  der  spanischen  Bourbonen
  zu  Grunde.  Denn  der  greise  König  Carl  von
Spanien,  in  Zwiespalt  mit  Ferdinand,  seinem  Sohn,
erst  gezwungen,  diesem  seine  Krone  zu  überlassen,  nahm
sie  ihm  wieder,  als  der  franzbsische  Kaiser  schiedsrichternd
in  den  Streit  eintrat,  und  übergab  sie  diesem  als  freies
        <pb n="12" />
        —  8  —

Geschenk.  Aber  nicht  also  dachte  das  spanische  Volk.
Es  erhob  sich  im  allgemeinen  Aufruhr,  als  Napoleon
die  spanische  Krone  seinem  Bruder  Joseph  verlieh,  und
dieser  mit  großer  Heeresmacht  den  castilischen  Boden
betrat.  England  unterstützte  den  furchtbaren  Aufstand.

Noch  standen  200,000  franzöbsische  Krieger  auf  deutscher
  und  polnischer  Erde,  und  Rußland  und  Frankreich
in  freundlichen  Verhältnissen.  Dennoch,  ermumtert  durch
England  und  durch  die  wachsenden  Verwirrungen  Spanieus,
  hielt  es  Oesterreich  für  Zeit,  sich  zu  einem  großen
Augenblick  vorzubereiten.  Der  Augenblick  aber  schien
nahe,  daß  Napoleon  mit  dem  großten  Theil  seiner
Streitkräfte  jenseits  der  Pprenäen  festgehalten,  diesseits
  des  Rheins  kraftlos  bleiben  würde.  Allerdings
erkannte  Napoleon  die  Gefahr,  als  er  die  ungeheueren
Rüstungen  Oesterreichs  vernahm,  welches  pltzlich  seine
Heermenge  auf  300,000  Streiter  erhob,  und  die  ganze
Bevolkerung  des  Kaiserstaates  zu  den  Waffen  rief.  Er
begungte  sich  nicht,  Aufklärung  über  diese  Rüstungen  zu
begehren,  sondern  ließ  seine  Heerschaaren  in  Deutschland
drohende  Stellungen  gegen  Oesterreich  nehmen,  und  forderte
  die  mächtigeren  Fürsien  des  Rheinbundes  auf,
ihren  Zuzug  zum  Bundesheer  in  Lagern  bereit  zu
halten.

So  gewann,  nach  kaum  begonnener  Waffenruhe
Alles  im  südlichen  Deutschland  von  neuem  kriegerisches
Ansehen.  Bei  Pirna  und  Stolpen  zogen  die  Sachsen,
bei  Schwäbisch=  Gemünd  die  Würtemberger,  bei  Plattling,
  bei  Augsburg  und  Nürnberg  drei  Divisionen  der
Baiern  in  Lager.)

*)  Die  Zusammensetzung  der  drei  Diolsionen  der  Baiern
war  folgende:
        <pb n="13" />
        —  9  —

Bei  dem  Allen  schien  Napoleon's  Spiel  immer
gewagter  zu  werden.  Denn  Spanien  entwickelte  gegen
ihn  eine  unerwartete  Kraft.  In  der  Sierra  Morena,  bei

ite  Division;  im  Lager  bei  Plattling.
Generallieutenant  Deroy.
iste  Infanterie-Brigade:  Cavallerie-Brigade:
Generalmajor  GrafRechberg.  Generalmajor  Baron  Zandt.
Istes  Lin.  Inf.  Leib-Regiment.  istes  Dragoner-Regiment.
Z2tes  Lin.  Inf.  Reg.  Kronprinz.  1stes  Chevaurlegers-Regiment
vsistes  leichtes  Bat.  Habermann.  Kronprinz.

2te  Infant.  Brigade:  Zum  Dienst  im  Haupt---Generalmajor
  v.  Raglowich.  Quartier:
Ates  Lin.  Infant.  Regiment.  1te  Compagnie  des  aten  Liniengtes
  Lin.  Inf.  Reg.  Herzog  Pius.  Regimentes.
btes  leichtes  Bataillon  Wreden.  1  Piket  des  isten  Dragoner--Reg.

2te  Division;  im  Leager  bei  Augsburg.
Generallieutenant  Baron  Wrede.
tte  Infanterie-Brigade:  Cavalerie-Brigade:
Generalmajor  Graf  Minuzzi.  Generalmgjor  Gr.  Preising.
Stes  Lin.  Inf.  Reg.  Herzog  Carl.  2tes  Chev.  leg.  Regim.  König.
15tes  Linien-Infanterie-Reg.  ztes  Chev.  leg.  Regiment  Leibötes
  leichtes  Bataillon  Taris.  ningen.

2Zte  Infant.  Brigade:  Zum  Dienst  im  Haupt-=Generalmajor
  Graf  Beckers.  Quartier.
btes  Lin.  Reg.  Herzog  Wilhelm.  #te  Compagnie  des  15ten  Revtes
  Lin.  Reg.  Löwenstein.  giments.
Tiroler  Jäger-Bataillon.  1  Piket  des  2ten  Chev.  leg.  Reg.

5te  Division;  im  Lager  bei  Nürunberg.
Generallieutenant  Graf  Bsenburg.
iste  Infanterie-Brigade:  2te  Infant.  Brigade:
Generalmajor  v.  Siebein.  Generalmajor  v.  Vincenti.
otes  Lin.  Inf.  Reg.  Msenburg.  ötes  Lin.  Inf.  Reg.  Preysing.
#10tes  Lin.  Inf.  Reg.  Junker.  15tes  Lin.  Inf.  Regiment
ötes  leichtes  Bataillon  Preysing.  ötes  leichtes  Bataillon  Buttler.
        <pb n="14" />
        —  10  —

Carolina,  Baylen  und  Zaen,  wurden  14,000  Franzosen
unter  den  Generalen  Dupont  und  Vedel,  durch  die
spanischen  Feldherren  Castanos  und  Theodor  Reding
geschlagen  und  gefangen  (25sten  und  25sten  Juli).  Ein
bisher  unter  Frankreichs  Fahnen  gestandenes  Hülfsheer
der  Spanier,  vom  General  la  Romana  befehliget,
verließ  eigenmächtig  seine  Stellungen  im  nordlichen
Deutschland,  und  begab  sich  vom  Hafen  Nyborg  (Oten
und  10ten  August)  auf  englischen  Frachtschiffen  in  die
Heimat  jenseits  der  Pyrenäen  zurück.  Aus  Madrid
mußte  sich,  von  Aufrührern  umringt,  Kdnig  Joseph
eiligst  (usten  August),  und  aus  Portugall  eiligst  das
franzdsische  Heer  unter  dem  Feldherrn  Junot  entfernen,
nachdem  es  durch  den  Aufstand  der  Portugiesen,  und
durch  30,000  Engländer  unter  dem  General  Arthur
Welleslep  bedrängt,  bei  Vimiera  (25  sten  August)  ge-Cavallerie-Brigade:

  Zum  Dienst  im  Haupt-Oberst

  Graf  Seidewis.  Quartier.
Z2tes  Dragoner-Regim.  Taris.  eine  Compagnie  des  täten  Lin.
ätes  Chev.  leg.  Reg.  Buben-  Regiments.

hofen.  1  Piket  vom  2ten  Dragoner-Reg.

Feder  dieser  drei  Divisionen  wurden  ferner  vier  Batterien
  Artillerie,  nämlich  eine  leichte,  zwei  Linien-Batterien
  und  eine  Positions-Batterie,  die  ersten  drei,  jede
zu  vier  Opfünder  Kanonen  und  2  Haubitzen,  die  letztere  zu
5  zwölfpfünder  Kanonen  und  2  Haubitzen,  zugetheilt.  Jedes
der  Linien  -Regimenter  rückte  mit  2  Bataillons,  im  Ganzen
  mit  einer  Stärke  von  2080  Feuer-Gewehren,  jedes
der  leichten  Batgillons  mit  einer  Stärke  von  1040  Feuer-Gewehren,
  jedes  Cavallerie-Regiment  mit  3  Escadrons,
die  Escadron  zu  125  Pferden  vom  Wachtmeister  abwärts,
aus.
        <pb n="15" />
        —  11  —

schlagen,  und  vertragsmaͤßig  zur  Raͤumung  Portugalls
gezwungen  worden  war.  *)

Doch  einem  Manne  von  Napoleon's  Geist  und
Denkart,  der  in  verzweiflungsvollen  Lagen  immer  an
Mitteln  reich  zu  sepn  verstand,  brachte  dies  Alles  nur
vorübergehende  Verlegenheit.  Um  Oesterreich,  dessen
Friedensversicherungen  er  wenig  vertrauete,  in  Schach
zu  halten,  schloß  er  mit  Preußen  zu  Paris  (8ten  Sept.)
eine  Uebereinkunft,  welche  alle  bisherigen  Zwistigkeiten
beseitigte.  Von  der  andern  Seite  nährte  er  mit  dem
mächtigen  Selbstherrscher  aller  Reussen  die  freundschaftlichsten
  Einverständnisse.  Dieser,  welcher  vorzüglich  den
sieben  und  dreißig  Millionen  seiner  auf  310,000  Geviertmeilen
  zerstreuet  wohnenden  Unterthanen  Gesittung,  Aufklärung
  und  Wohlstand  geben  wollte,  war  damals  mit
Schweden  in  Krieg  gerathen,  weil  dasselbe,  die  eigne
Ohnmacht  nicht  berechnend,  schlechterdings  verweigerte,
der  feindseligen  Stellung  Rußlands  gegen  England  beizutreten.
  Es  ist  bekannt,  daß  Schweden,  auch  von
Dännemark  angegriffen,  darüber  endlich  (in  der  Uebereinkunft
  zu  Alioki  d.  10ten  November)  ganz  Finnland
an  die  russische  Uebermacht  verlor.

Napoleon  that  noch  einen  Schritt,  den  Frieden
und  die  Sicherheit  seines  Reiches  von  Osten  her  zu  decken.
Er  veranstaltete  jene  glänzende  Zusammenkunft  mit  dem

*)  Folge  dieser  Räumung  war  auch  die  am  Sten  September
zwischen  dem  mit  einer  russischen  Flotte  im  Tajo  befindlichen
  russischen  Admiral  Seniavin,  und  dem  englischen
  Admiral  Cotton  abgeschlossene  Uebereinkunft,  nach
welcher  jene  Flotte  bis  zu  hergestelltem  Frieden  zwischen
Rußland  und  England,  von  lehterer  Macht  in  Verwahrung
  genommen  wurde.
        <pb n="16" />
        —  12  —

Kaiser  von  Rußland  zu  Erfurt  (vom  27sten  September
bis  12ten  October),  welcher  vier  Koͤnige  des  Rheinbun—
des,  auch  der  Kdnig  von  Baiern,  33  Prinzen,  24  Staatsminister
  und  20  Generale  beiwohnten.  Hier  wurden  alle
Besorgnisse  wegen  der  dsterreichischen  Rüstungen  so  vollkommen
  zerstreuet,  daß  er  furchtlos  den  Mehrtheil  seiner
  Streitkräfte,  denen  sich  auch  Hulfsvolk  mehrerer
deutschen  Fürsten  anschloß,  hinweg  und  zur  Ueberwältigung
  Spaniens,  über  die  Pyrenden  zog.  Auch  die
Fürsten  des  Rheinbundes  hoben  nun  ihre  Lagerstellungen
wieder  auf.

 

2.
Baiern  in  demselben  Jahre.

Maximilian  Joseph,  Kbdnig  von  Baiern,  wucherte
  gleichsam  mit  den  Augenblicken,  welche  ihm  in
den  kurzen  Fristen  von  einem  Feldzug  zum  andern  vergdnnt
  waren,  an  die  hdhere  Wohlfahrt  seines  Volkes
zu  denken.

Vor  allen  Dingen  gab  er  seinem  durch  neue  Provinzen
  erweitertem  Reiche  eine  allgemeine  Verfassung,
um  überall  mehr  Gleichformigkeit,  leichtere  Uebersicht  und
Leitung  des  Ganzen  zu  bewirken.  Dies  Grundgesetz
(vom  istten  Mai  1808)  konnte  freilich  nicht  pldtzlich,  doch,
wie  es  die  gebieterischen  Umstände  der  Zeit  erlaubten,
nach  und  nach  in  Anwendung  treten.

Demzufolge  sollten  alle  einzelne  Verfassungen,  landschaftliche
  Körperschaften,  Erbländer  und  Privilegien
einerseits,  andererseits  Schmach  und  Last  der  Leibeigenschaft,
  die  noch  bestand,  aufgehoben  werden.  Allen
Baiern  ward  gleiches  Recht  vor  dem  Gesetz,  aber  auch

—
        <pb n="17" />
        —  13  —

gleiche  Pflicht  zu  den  bffentlichen  Lasten  beizutragen.
Die  gutsherrlichen  Rechtsame  des  Adels  wurden  sehr
beschränkt;  selbst  die  Einkünfte  desselben,  oft  ohne  Entschädigung,
  geschmälert,  z.  B.  durch  Aufhebung  von
mancherlei  Gefällen,  durch  Verwandlung  der  ungemessenen
  Scharwerke  in  gemessene,  oder  durch  Abldsung  derselben,
  so  wie  der  Bodenzinse,  in  Geldabgaben  (Edict
vom  28ten  Juli).  Auch  der  Johanniter-Orden  ward
(zten  September)  aufgeldßt.  Dagegen  war  dem  Adel
(agsten  Juli)  das  ausschließliche  Befugniß  zur  Errichtung
von  Majoraten  zugestanden;  statt  dessen  sollten  hinwieder
die  bisher  bestandenen  Fidei-Commisse  aufhbren.
Sämmtliche  ältere  und  neuere  Staaten  Baierns
wurden  in  fünfzehn  Kreise  eingetheilt,  die  unter  einander
  ungefähr  gleiches  Maß  der  Bevblkerung  und  des
Umfangs  haben  sollten,  in  soferne  es  die  Natur  der
Landschaften  gestattete.  )  Jedem  dieser  Kreise  ward  ein

)  Neue  Eintheilung  des  Königreiches:

1)  Mainkreis;  Hauptstadt  Bamberg.

Flächeninhalt:  721  U  Meilr,  190,652  Einwohner.
2)  Pegnitzkreis;  Hauptstadt  Nürnberg.

Flächeninhalt:  42  □  Meilen,  131,950  Einwohner.
5)  Naabkreis;  Hauptstadt  Amberg.

Klächeninhalt:  150z  □  Meilen,  220,355  Einwohner.
4)  Rezatkreis;  Hauptstadt.  Ansbach.

Plächenindalt:  72  U  Meilen,  100,077  Einwohner.
5)  Altmüblkreis;  Hauptstadt  Eichstädt.  ·

Flächeninhalt:  :  04  U  Meile,  202,107  Einwohner.
6)  Oberdonaukreis;  Hauptstadt  Ulm.

Flächeninhalt:  70  U□  Meilen,  258,580  Einwohner.
7)  Lechkreis;  Hauptstadt  Augsburg.

Flächeninhalt:  0.  U□  Meilen,  225,170  Einwohner.
3)  Regenkreis;  Hauptstadt  Straubing.

Klächeninhalt:  121  □  Meilen,  257,005  Einwohner.

90)  Unterdonaukreis;  Hauptstadt  Passau.
Flächeninhalt:  118  □  Meilen,  215,6061  Einwohner.
        <pb n="18" />
        —  14  —

General-Commissär  des  Kdnigs  vorgesetzt,  welcher  daselbst,
  unrersttzt  von  ihm  zugegebenen  Räthen,  die  Gesetze
  und  Verordnungen  der  Regierung  vollzog.  Die
Verwaltung  der  dffentlichen  Einkünfte  und  Ausgaben  in
diesen  Kreisen  empfingen  besondere  Finanz-Directionen.
Alle  Unterthanen  wurden  einem  und  demselben  Steuer-System
  unterworfen,  mit  der  Bestimmung,  daß  das
Hochste  der  Grundsteuer  nicht  den  fünften  Theil  der  Einkünfte
  überschreiten  sollte.  Schon  war  zu  dem  Ende  die
genaueste  Untersuchung  und  Berichtigung  des  gesammten
Steuerwesens  voraus  begonnen,  und  zur  Herstellung  der
moglichsten  Gleichheit  in  Vertheilung  der  Lasten  eine
vollständige  Vermessung  aller  Grundstücke  des  Landes
angeordnet  worden.  Auch  trug  die  Einführung  einer
neuen  Zoll=  und  Mauthordnung  (mit  dem  Anfange  des
Jahres  1808)  wesentlich  dazu  bei,  den  innern  Verkehr
durch  Wegräumung  jener  Schranken  freier  zu  machen,
welche  bisher  die  neuerworbenen  Provinzen  von  den  dltern
  geschieden  hatten.

Vor  Zeiten  waren  Landstände  gewesen,  welche  gewissermaßen
  als  Stimmen  des  Volkes  vor  dem  Thron

10)  Isarkreis;  Hauptstadt  München.
Flächeninhalt:  1553  □  Meilen,  302,530  Einwohner.

11)  Salzachkreis:  Hauptstadt  Burghausen.
lächeninhalt:  1051  □  Meilen,  100,007  Einwohner.

12)  Illerkreis;  Hauptstadt  Kempten.
Flächeninhalt:  117  □  Meilen,  237,007  Einwohner.

15)  Innkreis;  Hauptstadt  Innsbruck.
Flächeninhalt:  1704  □  Meilen,  202,751  Einwohner.

14)  Eisackkreis;  Hauptstadt  Briren.
Flächeninhalt:  1543  □  Meilen,  191,611  Einwohner.

15)  Etschkreis;  Hauptstadt  Trient.
Flächeninhalt:  1121  Meilen,  220,502  Einwohner.

Flächeninhalt:  10650#  U  Meil.  5,251,570  Menschen.
        <pb n="19" />
        des  Fuͤrsten  gegolten.  Allein  sie  waren  weder  in  allen
Gegenden  des  Reiches  vorhanden  gewesen,  noch  von
einerlei  Gestalt  und  Befugniß  da,  wo  sie  bestanden  hat—
ten;  saͤmmtlich  aber  im  Laufe  der  alles  verwandelnden
Jahrhunderte  veraltet,  und  ihren  urspruͤnglichen  Bestim—
mungen  fremd  geworden.  Vermittels  des  Staats-Grundgesetzes
  wurde  dem  gesammten  Volke  von  Baiern  eine
Stellvertretung  durch  Abgeordnete  zugesichert,  in  deren
Versammlung  die  Gesetze  berathen,  die  Beschwerden  und
Wünsche  der  Unterthanen  offenbart  werden  sollten.  Diese
staatsbürgerliche  Freiheit,  verbunden  mit  der  Freiheit
der  Gewissen  und  der  dffentlichen  Mittheilung  der  Gedanken
  vermittelst  der  Presse,  die  gesetzliche  Sicherheit
jedes  Eigenthums,  jedes  Rechtes,  und  der  Gleichheit  der
Anspruche  von  jedem  auf  dffentliche  Aemter,  verhieß  dem
Staate  eine  frischere  Entfaltung  aller  ihm  inwohnenden
Kräfte.

Ernster  bestimmt  wurden  daneben  die  Hoheitsrechte
des  Kdnigs,  das  Verhältniß  der  kèniglichen  Familie  und
der  Kronämter  des  Reichs.  Zu  den  schon  bestandenen
fünf  kdniglichen  Ministerien  fügte  das  Staatsgrundgesetz
die  Bildung  eines  geheimen  Rathes,  als  höchste  berathschlagende
  Behdrde,  in  drei  Abtheilungen  für  bürgerliche
und  peinliche  Gesetzgebung,  für  die  der  Finanzen  und
die  der  innern  Verwaltung.  Ebenso  ward  die  Gerichts-Verfassung
  des  Reiches  gleichförmiger  geordnet;  jedem
Kreise  ein  Untergericht,  als  erste  Instanz  in  Rechtssachen,
als  Instructions-Behörde  in  peinlichen  Fällen,  je  zween
Kreisen  ein  Appellationsgericht,  als  zweite  Instanz  in
bürgerlicher,  als  erste  in  peinlichen  Rechtssachen  gegeben.
  Ein  Ober-Appellationsgericht  zu  München  entschied
  als  letzte  Instanz,  in  beiderlei.  Den  mediati-
        <pb n="20" />
        —  16  —

sirten  Fuͤrsten  und  Grafen  wurden  Gerichte  erster  Instanz
  zugestanden.

Vermdge  der  Staats-Verfassung  war  jeder  Baier
für  sein  Vaterland  Soldat.  Durch  allgemeine  Conseription
bildete  sich  fortan  das  siehende  Heer.  Neben  den  Bürger-Milizen
  wurden  in  Kriegszeiten  auch  Nationalgarden  aufgestellt;
  außerdem  ward  Bildung  einer  Gensd  'armerie
angeordnet.  Die  Militär-Gewalt  empfing  schärfer  bezeichnete
  Gränzen.  Mit  Ausnahme  von  Dienst=  und
Criminalfällen  gehbrte  jeder  Soldat  in  Rechtohändeln
vor  das  bürgerliche  Gericht.

Es  ist  bier  nicht  der  Ort,  Alles  ausführlicher  zu
entwickeln,  was  der  Kdnig  durch  das  großmüthige  Geschenk
  einer  freiern  und  volköthümlichern  Verfassung
gewährte,  und  durch  organische  Verfügungen  theilweise
in's  Leben  einführte.  Auch  nur  hindenuten  können  wir
auf  seine  Anordnungen  zur  Verbesserung  der  böffentlichen
Gesundheitspflege  (Edict  vom  Zten  September  1808),
auf  die  Errichtung  einer  Akademie  der  bildenden  Künste
(15ten  März),  welche  nicht  nur  Lehr=  und  Bildungs-Ansialt,
  sondern  Pflegerinn  aller  Kunst  des  Schdnen
sepn  sollte  und  wirklich  wurde;  auf  die  vollständige  Ausstattung
  der  Hochschule  zu  Innsbruck,  welche  der  Hochschule
  zu  Landöhut  gleichgeformt  wurde;  auf  die  Verfügungen
  zur  Veredlung  der  National-Erziehung,  zur
besseren  Einrichtung  und  Beaufsichtigung  der  höheren  und
niederen  Schulen  des  Landes  u.  s.  w.

Die  mannigfaltigen  Umgestaltungen,  wie  zweckmäßig
und  wohlthuend  sie  dem  Allgemeinen  seyn  konnten,  waren
  nicht  so  leicht  zu  vollenden,  ohne  vielfach  dort  und
hier  im  Einzelnen  entweder  herkommliche  Rechte  oder
theuergewordene  Gewohnheiten  zu  verwunden.  Allerdings

litten
        <pb n="21" />
        —  17  —1

litten  dabei  die  mediatisirten  Fürsten,  Grafen,  und  der
sonst  reichsunmittelbare  Adel,  wie  auch  die  Geistlichkeit
an  Macht,  Ansehen  und  Einkünften.  Besonders  aber
verbreitete  sich  wegen  Einführung  der  Militär-Conscription,
so  wie  wegen  Beschränkung  des  Handels,  im  Lande  Tirol
eine  Unzufriedenheit,  welche  theils  durch  die  Härte  einzelner
  Beamten,  theils  durch  geheime  Aufstiftungen  des
Volkes  zu  Gunsten  Oesterreichs,  nach  und  nach  in  meuterische
  Gährung,  zuletzt  in  Aufruhr  überging.  Wie
sehr  auch  der  Kbnig  die  altbeliebten  Ordnungen  und
Sitten  dieser  sprdden  Bergbewohner  ehrte,  ja  z.  B.  personlich
  an  dem  von  ihm  zu  Innsbruck  (Mai  1808)  veranstalteten
  Scheibenschießen  Theil  nahm,  änderte  dies
doch  den  mißmuthigen  Geist  nicht,  der  bei  der  neuen
Kreiseintheilung  des  Reichs  selbst  den  alten,  ehrenvollen
Stamm  Tirols  vernichtet  zu  werden  bedrohet  sah.
Inzwischen  hoffte  man,  ein  mehrjähriger  Friede
werde  allmählig  mit  den  neuen  Formen  versodhnen,  und
was  allzudrückend  sey,  gemildert  werden  können.  Das
baierische  Heer,  in  die  Heimathen  zurückgekehrt,  von
allen  Bewohnern  des  Reiches  mit  Jubel  empfangen,)

*)  Nirgends  war  dieser  Empfang  jedoch  festlicher  und  herzlicher
  als  in  der  Hauptstadt  selbst,  und  um  die  Freude
über  die  glückliche  Wiederkunft  der  Besaßung  noch  mehr
an  den  Tag  zu  legen,  bestimmten  die  Einwohner  Münchens
  jedem  gemeinen  Soldaten!t  fl.  12  kr.  als  Geschenk.
Schönen  und  edlen  Gebrauch  wußte  das  iste  Infanterie-Leib-Regiment
  von  der  ihm  übermachten  Summe  von
1013  fl.  38  kr.  dadurch  zu  machen,  daß  es  selbe  vereint
mit  einer  anderen  von  dem  Officiercorps  des  Regimentes
zusammengeschossenen  Summe  von  1338  fl.,  der  im  Jahre
1807  durch  einen  Bergfall  verunglückten  Gemeinde  Schwaz
in  Tirol,  als  Unterstüßung  übersandte.

II.  S5tes  Buch.  2
        <pb n="22" />
        indem,  was  es  geleistet  hatte,  von  seinem  Koͤnige  (durch
den  Armeebefehl  vom  14ten  Jänner  180)  ehrenvoll  anerkannt,
  war  auf  den  Friedensfuß  gesetzt  worden.  Es
bestand  aus  37,067  Mann  und  5,807  Pferden,  und
wurde  in  vier  Generalcommando's  vertheilt,  nämlich,  in
das  von  Baiern,  Hauptsitz  München,  unter  General--lieutenant
  von  Deroy;  in  das  von  Schwaben,  Hauptsittz
Augsburg,  unter  Generallieutenant  Baron  von  Wrede;
in  das  von  Tirol,  Hauptsitz  Innsbruck,  unter  Generallieutenant
  Freiherrn  von  Kinkel,  und  in  das  von  Franken,
  Hauptsitz  Bamberg,  unter  Generallieutenant  Grafen
Msenburg.

 

»)  Die  zu  Ende  des  Krieges  aus  57,087  Mann  und  5,867
Perden  bestehende  Armee  ward  in  vier  General=  Commando's
  eingetheilt:

1)  das  in  Baiern,  Sitz  München,  unter  Generallieute--nant
  von  Deroy;

2)  das  in  Schwaben,  Sißtz  Augsburg,  unter  Generallieutenant
  Baron  von  Wrede;

5)  das  in  Franken,  Sitz  Bamberg,  unter  Generallieutenant
  Graf  senburg;

4)  das  in  Tirol,  Sitz  Innsbruck,  unter  Generallieutenant
  Freiherrn  von  Kinkel.

Ersterem  General-Commando  waren  drei  Brigaden,
die  uste  unter  Generalmajor  Graf  Rechberg  (München)
  aus
dem  isten  Infanterie-Leib-Regiment,
2ten  Infant.  Regim.  Kronprinz  (Garnison  München),
Sten  leichten  Bataillon  Wrede  (Landsberg),
Fuß=  und  berittenen  Jägercorps  (München)
bestehend;  ·
d·ie..2teunterGeneralmajorzzvoyRaglowich-.(Landshut)
bestehend  aus  dem
        <pb n="23" />
        Ueberall  ward  von  nun  an  auf  Ersparungen  beim.
Heerwesen  gedacht.  Der  Kbnig  hatte  für  diesen  Theil
der  Staats-Ausgaben  nur  sechs  Millionen  Gulden  bestimmt;
  dennoch  aber  stieg  das  Bedürfniß  dafür  auf
7,175,000  Gulden.  Schon  am  isten  Hornung  1808  war
die  Entwaffnung  der  Festungen  Kufstein,  Oberhaus,

5ten  Linien-Regim.  Prepsing  (Garnison  Landshut),
ten  Linien-Regim.  Herzog  Pius  (Passau),
visten  leichten  Batgillon  Habermann  (Butghausen);

die  5te  Brigade  unter  Generalmajor  von  Vincenti
(Straubing)  bestehend  aus  dem
Sten  Lin.  Inf.  Regimente  (Garnison  Straubing),
toten  Infant.  Regim.  Junker  (Amberg):

endlich  die  Cavalerie-Brigade  unter  Generalmgjor  Baron
Zandt  (München)  bestehend  aus  dem
tsten  Dragoner-Regiment  (München),
Z2ten  Dragoner-Regiment  Taris  (Garnison  Neumarkt
in  der  obern  Pfalz),

1sten  Chevaurlegers-Reg.  Kronprinz  (Garnison  Freysing)
untergeordnet.

Das  General-Commando  Schwaben  war  aus  drei  Brigaden
  zusammengesetzt:
1stte  Brigade  unter  Generalmajor  Graf  Franz  Minuzzi
(in  Augsburg)  bestand  aus  dem  öten  kinien-Infant.
Regimente  Herzog  Carl  (Garnison  Augsburg),
dem  15ten  Linien-Regiment  (Garnison  uUlm),
*  2ten  leichten  Bataillon  Dietfurt  CKempten),
r  öten  leichten  Batgillon  Tarxis  (Lindau);

die  2te.  Brigade  unter  Generalmajor  Graf  Beckers
(Neuburg  an  der  Donau)  bestehend  aus  dem
bten  Linien-Regiment  Herzog  Wilhelm  (Ingolstadt),
Pten  Lin.  Reg.  Lawenstein-Wertheim  (Neuburg),
Sten  leichten  Bataillon  Preysing  (Ingolstadt);
2  !½
        <pb n="24" />
        Rothenberg,  Vorchheim  und  Rosenberg,  so  wie  die  Veräußerung
  aller  daselbst  aufgehäuften  Vorräthe,  und  die
Auflbsung  des  bisherigen  Cordons  an  der  böhmischen
Gränze  angeordnet  worden.  Dagegen  aber  vernachläßigte
keinesweges  das  Kriegs-Ministerium,  in  welchem  der
General  von  Triva,  als  Minister-Staatssecretär  stand,

 

die  Cavalerie:  Brigade  unter  Generalmajor  Graf  Mezanelli
  (Augsburg)  war  aus  dem  2ten  Chevaurlegers
  =  Regiment  König  (Augsburg),

dem  öten  Chevaurlegers-Reg.  Leiningen  (uUlm)
zusammengesetzt.

Das  General-Commando  Franken  hatte  das  ote  Linien-Regiment
  Pfsenburg  (Bamberg),  das  16te  Einien-Regiment
  (Ansbach),  das  öte  leichte  Bataillon  Dallwigk
(Nürnberg),  das  äte  Chevraurlegers  -Regiment  Bubenhoven
  (Bamberg),  unter  seinen  Befehlen.

Das  General-Commando  Tirol  bestand  aus  dem  1ten
Kinien  -Regimente  Kinkel  (Innsbruck),  dem  2ten
leichten  Bataillon  Dietfurth  (vor  der  Hand  in  KTrient),
dem  Tiroler  Jäger-Bataillon  (Innsbruck).

Die  im  Laufe  des  Jahres  erfolgte  bereits  erwähnte  Eintheilung
  des  Königreiches  in  Kreise,  veränderte  auch  die
bisherigen  Benennungen  der  nach  den  Provinzen  bisher
benannten  General-Commando's,  in  die  von  München,
Augsburg,  Nürnberg  und  Innsbruck.

Ersterem  General  -Commando  wurden  sämmtliche  im  Isar-,
Regen-,  Unter-Donau=  und  Salzachkreise  garnisonirenden
Truppen,;  dem  zweiten  sämmtliche  im  Lech-,  Altmähl-,
Ober-Dongu=  und  Illerkreise  liegenden;  dem  dritten
die  im  Pegnis-,  Main-,  Nab=  und  Rezatkreise  stationirten,
  dem  vierten  endlich  die  im  Inn-,  Eisack=  und
Etschkreise  liegenden  Truppen  untergeordnet-
        <pb n="25" />
        —  21  —

und  der  Koͤnig  selbst  den  Vorsitz  fuͤhrte  *),  so  wie  auch
der  Kriegs-Oeconomie-Rath,  die  Wiederherstellung  des
Materiellen  der  Armee,  um  sowohl  die  30,000  Mann  des
rheinischen  Bundes-Contingents,  als  auch  hinlängliche
Reserven  zur  allfälligen  Vertheidigung  des  Kbnigreiches
vollständig  ausrüsten  zu  können.

Noch  aber  war  das  Jahr  1808  nicht  verflossen,  als
sich  schon  wieder  die  düsteren  Vorspuren  eines  neuen
Krieges  wahrnehmen  ließen.  Denn  Napoleon,  welcher
  inzwischen  den  größten  Theil  Spaniens  in  siegreichen
  Treffen  und  Schlachten  bei  Burgos,  Espinosa,
Tudela  und  Sonno-Sierra  wieder  unterjocht  hatte,  erkannte
  Oesterreichs  feindselige  Absichten  immer  heller.
Oesterreich  hatte  seine  Kriegesrüstungen  lebhaft  fortgesetzt;
mit  Spaniens  hoher  Juncta  unmittelbare  Unterhandlungen
  angeknüpft,  und  ihr  Beistand  gegen  Frankreich  zugesagt;
  durch  den  Internuntius  zu  Konstantinopel  getrachtet,
  die  Pforte  mit  Frankreich  zu  entzweien,  hingegen
  mit  England  zu  versdhnen.  Oesterreich  war  mit
England  im  innigsten  Einverständniß  geblieben;  und
letzteres  hatte  durch  die  Antwort  auf  Napoleon's
und  Kaiser  Alexander's,  von  Erfurt  aus  gemachten
Friedens-Anträge,  die  Unwandelbarkeit  seines  feindseligen
  Sinnes  beurkundet.

*)  Laut  Verfassung  seit  dem  27sten  September  1808  an  die
Stelle  des  bisherigen  geheimen  Kriegs-Burequ's  getreten.
        <pb n="26" />
        —  22  —

3.

Kriegerische  Bewegungen  Oesterreichs  und
Frankreichs  im  Anfang  des  Jahres  1809.
Aufstand  Tirols.

Das  Jahr  1800  begann.  Das  dsterreichische  Heer
war,  mitten  unter  den  Friedens-Versicherungen  des
Wiener-Hofes,  zu  einer  furchtbaren  Masse  ausgebilder
worden.  Man  zählte  300,000  Mann  wohlgeübten  Kriegsvolkes,
  dazu  noch,  nebst  dem  ungarischen  Aufgebot,
250,000  Mann  Landwehr.  An  die  Spitze  Aller  war
Erzherzog  Carl  gestellt  worden,  dessen  Feldherrn-Ruhm
die  Siegestage  von  Amberg,  Würzburg,  Stockach,  Jürich
und  Caldiero  gegrundet  hatten.  Seine  Macht  wurde
(Ende  Februar's)  in  neun  Armeecorps  und  zwei  Reservecorps#
  getheilt.  Der  Augenblick,  sich  mit  voller  Gewalt
  gegen  Frankreich  und  Italien  zu  werfen,  schien
gelegener,  denn  jemals.  Die  Pforte  und  England
hatten  ihren  Frieden  gemacht  (Sten  Jänner  1800).  Napoleon
  stand  mit  dem  Kern  seiner  Kriegesschaaren
jenseits  der  Pyrenden,  vom  Aufstand  des  spanischen
Volkes  gefesselt.  Die  deutschen  Nationen  schienen  bereit,
das  Joch  der  Fremdlinge  abzuschütteln,  sobald  die  ersten
Siege  des  Erzherzogs  das  Zeichen  geben  würden.

Der  franzdsische  Kaiser,  welcher  zu  dieser  Zeit  an
den  Ufern  des  Tajo,  Ebro  und  Guadiana  kämpfte,  und
durch  den  Sieg  bei  Corunna  (löten  Jänner)  die  Engländer
  gezwungen  hatte,  Spanien  zu  räumen,  bemerkte
nicht  sobald  die  drohender  gewordene  Stellung  Oesterreichs,
  als  er  selber  zurück  nach  Paris  (256sten  Jänner)
kam;  die  Fürsten  des  rheinischen  Bundes  aufbot,  ihren
Zuzug  zum  Bundeöheer  bereit  zu  halten,  und  noch  ein-
        <pb n="27" />
        mal,  unter  Rußlands  Vermittelung  versuchte,  Oesterreich
  zur  Beibehaltung  des  Friedens  zu  bewegen.  Noch
lagen  die  Kriegesvölker,  welche  er  in  Deutschland  und
in  Italien  hatte,  weit  zerstreuet.  Seine  Rhein-Armee,
unter  dem  Befehl  des  Herzogs  von  Auerstädt,  mit  Inbegriff
  der  Besatzungen  von  Danzig  und  den  preußischen
Festungen,  lag  größtentheils  bei  Erfurt,  im  Hannoverischen,
  im  Baireuthischen  und  im  Kdnigreiche  Westphalen,
  68,505  Mann  stark;  das  12,000  Mann  starke  Corps
Oudinot's  im  Fürstenthume  Hanau;  25,000  Mann,
eben  im  Begriff  nach  den  Pyrenden  zu  ziehen,  erhielten
in  Lothringen  und  Burgund  Gegenbefehl,  um  zurück
an  den  Rhein  mit  den  Brigaden  von  Hessen  und  Baden
ein  Armeecorps  des  Herzogs  von  Rivoli  zu  bilden;  im
Friaul,  im  Venetianischen,  in  der  Lombardei  befanden
sich,  mit  Inbegriff  der  Division  Lamarque  im  Neapolitanischen,
  ohngefähr  50  bis  60,000  Mann,  und
in  Dalmatien  unter  dem  Herzog  von  Ragusa  ohngefähr
12,000  Mann.

Sobald  sich  der  Wiener-Hof  einmal  entschlossen
hatte,  den  Kampf  auf  Tod  und  Leben  gegen  Frankreich
zu  erneuern,  begann  der  Erzherzog  Carl  schnell  die
Vertheilung  seiner  Heermassen  nach  verschiedenen  Richtungen.
  Seinem  Entwurf  zufolge,  wollte  er  mit  der
Hauptmacht,  aus  6  Armce=  und  2  Reserve-Corps  bestehend
  '),  von  Boöhmen  aus,  sich  gegen  das  Corps  des

*)  Folgendes  war  die  Eintheilung  des  österreichischen  Heeres
unter  den  unmittelbaren  Befehlen  des  Erzherzogs  Carl:

General  der  Cavalerie  Graf

das  rste  Armee-Corps:  Bellegarde,
27  Bataillons,  10  Escadrons;
        <pb n="28" />
        —  24  —

Herzogs  von  Auerstaͤdt  werfen  und  es  vernichten,  bevor
ihm  Huͤlfe  aus  Frankreich  werden  konnte.  Von  Boͤheim
konnte  er  sich  uͤberall  frei  hinbewegen,  gegen  Elbe,  Main
oder  Donau,  oder  sich  auch  schnell  zwischen  Elbe,  Egra
Moldau,  Wattawa  und  dem  Bbhmerwald  zusammenziehen.
  Gegen  Italien  schickte  er  mit  23  Bataillonen
und  16  Escadronen  den  Feldmarschall-Lieutenant  Marquis
  de  Chasteler,  und  mit  30  Bataillonen  und  28
Escadronen  den  Feldmarschall-Lieutenant  Grafen  Ginlap,
  unter  dem  Erzherzog  Johann.  Diiese  sollten
dann  von  Villach  und  Clagenfurt  aus,  Tirol  von  den
schwachen  Besatzungen  der  Baiern  reinigen,  einerseits
über  den  Brenner  und  Trient,  anderseits  über  die  Ponteba
  und  Bassano  in  Italien  einbrechen,  während  der
croatische  Landsturm  und  die  istrische  Landwehr  den  Isonzo

General  der  Artillerie  Graf
Collowrath,,
27  Bataillons,  10  Escadrons;

Generallieutenant  Fürst  Hohenzollern,

28  Bataillons,  10  Escadrons;

Feldmarschall-Lieutenant  Fürst
Rosenberg,
27  Bataillons,  16  Escadrons;

das  Zte  Armee-Corps:
das  öte  Armee-Corps:  Erzherzog  Ludwig,

das  öte  Armee-Corps:

das  äte  Armee-Eorps:

28  Bataillons,  10  Escadrons;

Feldmarschall-Lieut.  Hiller,
51  Bataillons,  23  Escadrons;

General  Fürst  Johann  Lich-Ztenstein;

12  Bataillons;  36  Escadrons;

Feldmarschall-Lieutenant  Baron

das  öte  Armee-Corps:
das  iste  Reserve-Corps:

das  Zte  Reserve-Corps:  Kienmayer,

5  Bataillons,  24  Escadrons.

 

Summa:  135  Bataillons,  164  Escadrons.
        <pb n="29" />
        zu  beobachten  hätten.  Hingegen  zum  Schutz  des  dsterreichischen
  Galliziens  mußte  sich  Erzherzog  Ferdinand
zwischen  Krakau,  Konskie  und  Radom  mit  30,000  Mann
aufstellen,  um  dem  Fürsten  Poniatowsky  Stirn  zu
bieten,  der  im  Großherzogthum  Warschau  12,000  Mann
befehligte.

Diese  Heer-Bewegungen  im  Innern  der  österreichischen
  Erbstaaten  beschleunigten  aber  auch  Napoleon's
Rustungen.  General  Oudinot  verließ  Hanau,  und
stellte  sich  (Ende  Februar's  schon)  bei  Augsburg  am  Lech
auf;  Davoust,  mit  seinem  Corps  (Mitte  März)  bei
Wuürzburg,  an  dem  Main,  während  er  durch  die  Division
  Friant  im  Bayreuthischen,  Böheim  beobachten
ließ;  die  Divisionen  Boudet,  Molitor,  Cara  St.
Cyr  und  Legrand,  welche  aus  Frankreich  über  den
Rhein  bei  Hüningen  (##sten  März)  zurückgegangen  waren,
  nahmen  ihre  Richtung  nach  Ulm.  Die  Diodision
Dupas  ging  von  Lübeck  und  Hamburg  nach  Cassel
und  weiter,  ein  Theil  des  franzdsischen  Hauptheeres  zu
werden.  Die  Contingente  von  Baden  und  Hessen-Darmstadt
  zogen  (im  April)  über  Pforzheim  und  Mergentheim
gegen  die  Iller;  15,000  Sachsen,  unter  des  Prinzen
von  Pontecorvo  Befehl,  lagerten  bei  Dresden;  das
würtembergische  Heer  unter  dem  franzdsischen  Feldherrn
Vandamme  bei  Heidenheim.

Auch  der  Konig  von  Baypern  setzte  (28sten  Febr.)  sein
Bundes-Contingent  wieder  auf  Kriegsfuß.  Schon  hatte
er  (12#ten  Febr.),  zur  Ergänzung  des  Heeres,  Aushebung  von
12,000  Conscribirten,  und  Verstärkung  der  Besatzungen
von  Passau  und  Oberhaus  (20sten  Februar)  durch  eine
Abtheilung  aus  dem  öten,  oten,  10ten  und  13ten  Regiment
  gezogen,  ferner  Verstärkung  der  Besatzung  von
        <pb n="30" />
        —  26  —

Kufstein  durch  150  Mann  vom  1  sten  leichten  Bataillon
Habermann,  so  wie  auch  der  Besatzung  des  Landes
Tirol  (16#ten  Februar)  durch  das  te  und  Ate  leichte
Bataillon,  und  zwei  Geschwader  des  ersten  Dragoner-Regiments
  angeordnet.  Tirol  war  besonders  der  Unterstützung
  bedürftig,  weil  hier  der  Generallieutenant  Kinkel
  nicht  mehr  als  drei  Bataillone  hatte,  während  sich
das  Volk  schon  in  den  Gegenden  von  Reutti  und  Lermos
der  Aushebung  von  Consecribirten  widersetzte,  und  gegen
das  Pusterthal  sich  die  Oesterreicher  vorbewegten.

Eine  schwache  Truppenkette  (von  zwei  Geschwadern
des  ersten  Dragoner-,  und  zwei  andern  des  ersten  Chevaurlegers-Regiments,)
  ward  auch  längs  dem  Inn  gezogen,
  um  drüben  die  Bewegungen  der  Oesterreicher  zu
erspähen.

Die  Besatzung  von  Passau  warf  dort  die  Donaubrücke
  ab,  ging  in  die  Feste  Oberhaus  hinauf,  deren
Werke  vermehret,  oder  auf  dem  Berg  Mariahilf  vollendet,,
  und  mit  zehn  Stück  schweren  Geschützes  aus  Ingolstadt
  besetzt  wurden.  Endlich  zogen  bei  München,
Landshut  und  Straubing  unter  ihren  Feldherren  Deroy,
Wrede  und  Siebein  die  drei  Diovisionen  des  bayerischen
  Heeres  in  enge  Standlager  zusammen.  Jede  Division
  bestand  aus  vier  Linien-Regimentern  und  einem
leichten  Bataillon  Fußvolk,  nebst  zwei  Regimentern  Reiterei,
  und  war  in  drei  Brigaden  gegliedert  *).

*)  Eintheilung  des  baperischen  Heeres  zu  Anfang  des  Krieges,
  s.  Seite  27.
        <pb n="31" />
        27

—.

·——

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.  ,  Regimenter  ·
Divisionen.B-rigaden.  und  Eantonirun-Bataillons.
  gen-1i
  18  Lin.  Infant.
riste  Infant.  Brigade  Regiment.
..  ·  «  sLin.Negim.-«
»HprGeneralmaxorGrafL  »  München  2c.
sion  Rechberg.  Kronprinz.
12  leichtes  Bat.
General=  Habermann.
·  2teJnfant.Brigade  48  Ein.  Infant.
lleutenant  Generalmajor  von##  Gegend
v.  Deroy.  Raglovich.  ses  Lin.  Regimum  München.
Pius.
;  ;  Dragoner—-Cavalerie-Brigade
  ,  Rosenheim.
Snhr  Baron  tu
andt.  18  Chevaurleg.=8
  Regiment.  Wasserburg.
*s  Lin.  Regim.
iste  Infant.  BrigadCarl.  Müaffenberg.
««,  eneralma«orratssLWsIUst«  «
2teDwt-G  «,1  Graf  Negiment.  Dingolfing.
sion  Minucci.  ——
zns  Sat.)  Geiselhbring.
General=  cte  Infant.  Brigade  ös  Lin.  *  Straubing.
lieutenanteneralmafor  IrafllW#ilhelm.  «
Baron  Beckers.  18  E.  Negimpfarter
Wrede.  Löwenstein.  v
Cavalerie-Brigade  ss  EChevaurleg.andau.
eerelmefer  GrafReg.  König.
Preysing.  38  Chev.  leg.  R.
Leiningen.  Mattling.
Os  Linien-Reg.  .
isteJnfantBrigadeYsenburg.  Erding.
Ste  Divi-  Generalmajor  von  108  Linien-Reg.  M
„  oßburg.
sion  Vincenti.  Junker.
—
„  rfen.
einsweilen  Buttler.  Dorf
58  Linien-Reg.
G  eneral,  Ete  Infant.  Brigadereysing.Landshutmajor
  von  Oberst  von  Schloß-uns  Lin.  Neg]  Vilsbiburg.
Si  berg.  7s  leichtes  Bat.  Velden
iebein  Guͤnther.  eiden.
befehligt.  Cavalerie-Brigade  25.  Dragener  Peumarkt  #.
Generalmajor  Graf  egiment.  d.  Rott.
Seydewitz.  0hev.  leg.  .
Negiment.  Ü  Gangkofen.
        <pb n="32" />
        Bei  Wahrnehmung  dieser  Bewegungen  und  Stellungen
  der  Franzosen  und  der  rheinischen  Bundesvdlker
schien  Erzherzog  Carl  zu  vermuthen,  daß  Napoleon
entschlossen  sey,  die  dsterreichische  Hauptmacht,  wenn  sie
aus  Bdheim  hervortreten  würde,  durch  ein  Beobachtungs-Heer
  beschäftigen  zu  lassen,  hingegen  am  rechten  Donauufer
  mit  überlegener  Stärke  das  Armeecorps  des  Generals
  Hiller,  sobald  dasselbe  über  den  Inn  gegen
Baiern  dränge,  zu  überfallen,  zu  vernichten,  und  so
gleich  Anfangs  die  zwischen  Italien  und  Bbheim  ausgespannte
  Kette  der  österreichischen  Stellungen  in  deren
Mitte  zu  durchbrechen.  Schnell  nahm  auch  Carl  seine
Hauptmacht  ans  rechte  Ufer  der  Donau,  und  ließ  nur
zwei  Armeecorps  unter  dem  Grafen  Bellegarde  zur
Deckung  Boͤheims  bei  Saatz  und  Pilsen  zuruͤck,  die  ihre
Verbindung  mit  der  Donau  festhalten  sollten.  Damit
schloß  er  sich  fester  an  die  Heerschaaren  des  Kaisers,
welche,  ihm  zur  Linken  in  Kaͤrnthen  und  Krain  stehend,
dereinst  von  Brixen  aus,  die  Gemeinschaft  der  franzdsischen
  Heere  in  Deutschland  und  Italien  aufheben,  und
je  nach  Umständen  entweder  durch  das  Etschthal  sich  nach
Italien  hinein,  oder  über  das  Brennergebirg  nach  Baiern
werfen  sollten.  Dem  Erzherzog  Johann  blieb  die  Bestimmung,
  Tirol  zu  erobern;  dem  Armeecorps  in  Gallizien,
  rasch  über  die  Pilicza  zu  gehen,  und  Czenstochov
und  Warschau  zu  nehmen,  wiewohl  sich  bei  Dubno  ein
russisches  Heer  drohend  zusammenzog.

Zwar  waren  zwischen  dem  Pariser=  und  Wiener-Hof
noch  nicht  alle  Unterhandlungen  abgebrochen;  dennoch
zweifelte  Niemand  am  Ausbruch  der  Feindseligkeiten,  zumal
  als  der  Erzherzog  Carl,  indem  er  Wien  (o#sten
April)  verließ,  sie  seinem  Heere  selbst  verkündete,  in
        <pb n="33" />
        Ried  das  Hauptlager  nahm,  und  die  gegen  Baiern  be—
stimmten  Vorschaaren  von  der  Donau  bis  zur  Salzach
laͤngs  dem  Inn,  schlagfertig  aufstellte.

Nirgends  wurde  der  Beginn  des  Krieges  mit  grbsserer
  Begierde  erwartet,  als  in  Tirol  und  Vorarlberg,
wo  das  Volk  unter  der  dreijährigen  Herrschaft  Baierns,
aus  altherkommlichen  Ordnungen  und  Gewohnheiten  gerissen,
  bei  jeder  neuen  Einrichtung  den  Verlust  wohlhergebrachter
  Freiheiten  und  Rechtsame,  oder  Verletzung
empfangener  Zusage  beklagte.  Oesterreichische  Ausgesendete
  hatten  fort  und  fort  im  Verborgenen  den  Gährungsstoff
  genährt  und  vermehrt.  Daher  rustete  sich
Alles  heimlich  zu  dem  Tag,  da  der  Kampf  anheben
sollte.  Man  nannte  sich  den  oten  April.

In  Baiern  war  die  Stimmung  Tirols  nicht  unbekannt,
  und  daß  nur  durch  starke  Besetzung  und  allgemeine
  Entwaffnung  des  Landes  von  dieser  Seite  Sicherheit
  gewonnen  werden  konnte.  Dazu  würde  aber  die
ganze  Kriegesmacht  Baierns  vonndthen  gewesen  seyn,
die  statt  dessen  vom  Kaiser  Napoleon  in  Auspruch
genommen  war,  gegen  das  Andringen  der  Oesterreicher
in  Baiern  mitzuwirken.  Mithin  hatte  vielleicht  der
baierische  General  Kinkel  mit  seinen  fünf  Baraillonen
und  zwei  Geschwadern  aus  Tirol  zurückgenommen  werden
  sollen,  wo  er  allein  viel  zu  schwach  war,  den  Aufstand
  eines  ganzen  Gebirgvolkes  zu  hemmen,  und  noch
weniger  zugleich  den  Heermassen  des  Erzherzogs  Johann
  Widerstand  zu  leisten.  Allein  er  mußte  nichtsdestoweniger
  bleiben,  weil  es  dem  französischen  Kaiser
darum  zu  thun  war,  für  6,000  Franzosen,  welche  aus
Italien  nach  Deutschland  ziehen  sollten,  einen  gesicher-
        <pb n="34" />
        ten  Gang  durch  Tirol  zu  unterhalten.  Sowohl  zu  diesem
  Zweck,  als  zur  Beobachtung  des  dsterreichischen
Andrangs  gegen  das  untere  Inn=  und  das  Pusterthal,
mußte  sich  Generallieutenant  von  Kinkel,  laut  erhaltenen
  Befehlen  (vom  vten  März)  mit  dem  liten  Linien-Regiment,
  einer  Escadron  und  einer  halben  Batterie  zu
Innsbruck,  Oberstlieutenant  Wreden  mit  dem  2ten
und  zten  leichten  Bataillon,  einer  Escadron  und  einer
halben  Batterie  bei  Briren,  und  Oberstlieutenant  Bernclau
  mit  dem  dritten  leichten  Bataillon  bei  Hall,
Schwaz  und  Rattenberg  aufstellen,  theils  die  Verbindung
  mit  Innsbruck,  Kufstein,  dem  Achenthal  und  den
Brücken  bei  Hall  und  Volders  zu  erhalten,  theils  das
Zillerthal  zu  beobachten.  Kinkel  schickte  jedoch  aus
Vorsicht  die  Vorräthe  des  Innsbrucker  Zeughauses  und
einige  hundert  Centner  Pulver  nach  Kempten.

Unterdessen  hatte  (bis  zum  #ten  April)  der  Erzherzog
  Johann  seine  Bewegungen  zum  Angriff  Tirols
vollendet.  Es  stand  der  Feldmarschall-Lieutenant  Graf
Albert  Giulay  mit  dem  8ten  Armeecorps  bei  Tarwis,
und  mit  drei  Bataillonen  nebst  zwei  Escadronen,  unter
dem  Oberst  Volkmann  zu  Leopoldskirchen  im  Fellathal;
  Feldmarschall-Lieutenant  Graf  Ignatz  Giulay
mit  dem  oten  Armeecorps  zwischen  Wurzen  und  Kronau,
nebst  fünf  Bataillonen  und  zwei  Geschwadern  am  Isonzo
zu  Goͤrtz,  und  vier  Bataillonen  zu  Saia  und  Caporetto;
der  Feldmarschall-Lieutenant  Marguis  de  Chasteler
mit  neun  Bataillonen  und  drei  Geschwadern  zu  Ober-Drauburg,
  am  Eingange  des  Pusterthals.  Letzterer,
obgleich  er  eigentlich  in  das  Herz  Tirols  eindringen
sollte,  war  am  mindesten  stark,  weil  er  auf  thätige  Mitwirkung
  der  Tiroler  zu  rechnen  hatte.  Er  konnte  es
        <pb n="35" />
        —  31  —

allerdings.  In  den  Gerichten  Innsbruck,  Telfs,  Imbst
und  Landeck  brachen  schon  (am  12ten  Maͤrz)  bei  Anlaß
der  Recruten-Aushebung  Unruhen  aus.  Indem  die
baierische  Regierung,  um  diese  zu  unterdruͤcken,  statt
der  Strenge  den  Weg  der  Guͤte  waͤhlte,  verrieth  sie  selbst
ihre  Schwaͤche  an  Mitteln.

Der  ote  April  kam;  derselbe  Tag,  an  welchem
Oesterreich  den  Frieden  aufkündete,  und  Chasteler,
nach  erfolgter  Krieges-Erklärung,  in's  Pusterthal  einruckte.
  Dort  stand  Oberstlieutenant  Wreden  mit  dem
zweiten  leichten  Bataillon,  zwei  Compagnien  des  aten
leichten  Bataillons,  und  einer  Escadron  des  isten  Dragoner-Regiments
  bei  Brirxen,  und  hielt  mit  zwei  Compagnien
  unter  dem  Major  Speicher,  Sterzing  besetzt.
Er  hatte  in'sS  Pusterthal,  nach  Innichen  und  Bruneggen,
kleine  Abtheilungen  vorgeschoben;  auch  die  Mühlbacher=Clause,
  die  Laditscher-Brücke  und  Oberau,  wegen  Verbindung
  mit  Sterzing,  Mittenwald  und  Mauls,  desgleichen
  den  Brenner,  wegen  Verbindung  mit  Innsbruck
besetzt.

Schon  am  Morgen  des  10ten  Aprils  empfing  Wreden
  Meldung,  die  Bewohner  des  Pusterthales  hätten
zu  den  Wafssen  gegriffen,  eine  Streifwacht  von  zwei
Dragonern  gefangen  genommen,  und  die  beaierische
Mannschaft  von  Innichen  und  Bruneggen  nach  der  Mühlbacher-Clause
  zuruckgeworfen,  wo  sie  sich  hinter  Verhauen
  vertheidigte.  Sogleich  ließ  er  zur  größern  Sicherheit
  Brirens  die  Eisack=  und  Loisbrücke  abwerfen,  schickte
den  Hauptmann  Zurnieden  mit  einer  Compagnie  gegen
  Mühlbach  vor,  und  nahm  seine  Stellung  auf  einem
vortheilhaften  Punct,  wo  ein  Verhau  bei  der  Brirner-Clause
  seinen  rechten,  und  der  gutbesetzte  Ort  Oberau
        <pb n="36" />
        seinen  linken  Fluͤgel  deckte.  Von  Muͤhlbach  bewerkstelligten
  waͤhrend  dessen  die  Baiern  ihren  Ruͤckzug.  Mit
einigen  Dragonern  hieben  sich  der  Oberlieutenant  Kolbeck
  und  Lieutenant  Schmidt  durch  zahlreiche,  bewaffnete
  Haufen  des  Volkes,  so  wie  Oberlieutenant
Weller,  die  Lieutenants  Kern  und  Fürstenwärter
ihren  Zug  durch  das  von  Aufständischen  stark  besetzte
Dorf  Schrabs  mit  der  Waffe  in  der  Faust  erzwangen.
Auch  Wreden  ward  nun  von  allen  Seiten  durch  die
Tiroler  Schützen,  die  hinter  Felsen  und  Bäumen  versteckt
  lagen,  beunruhiget.  Nicht  ohne  Mühe  gelang  ihm
die  Abtragung  der  Laditscher  Brücke.  Die  Haufen  des
Aufstandes  vermehrten  sich  jede  Stunde.  Er  kämpfte
den  ganzen  Tag  bis  Abends,  da  der  franzdsische  General
Bisson  mit  1800  Mann  anlangte,  aber  seinen  Zug
ohne  Aufenthalt  fortsetzte.  Nun  folgte  ihm  anderen
Tages  auch  Wreden,  um  nicht  von  allen  Seiten  eingeschlossen
  und  von  Innsbruck  abgeschnitten  zu  werden.
Sein  Zug  ging  gen  Sterzing,  wo  der  Major  Speicher
  aufgestellt  war.  Ueberall  Hindernisse;  überall  von
den  Banden  bewaffneter  Landleute  verfolgt  und  umschwärmt,
  mehrmals  gendthiget,  erst  Verhaue,  von  Tiroler
  Schützen  vertheidiget,  himweg  zu  räumen,  um  seinen
  Weg  fortzusetzen,  kam  er  Abends  endlich,  nach  bedeutendem
  Verlust,  in  Sterzing  an.  Hier  vereinigte  er
sich  mit  dem  franzdsischen  General  Bisson.  Aber  den
Major  Speicher  und  die  Baiern  fand  er  nicht  mehr.

Denn  schon  in  erster  Frühe  dieses  Tages  (iten
April)  war  dessen  auf  dem  Wege  nach  Gossensaß  aufgestelltes
  Piket  vom  Landvolk  angegriffen  worden,  das
zahlreich  aus  allen  Schluchten  des  Gebirgs  hervorgedrungen
  war.  Ein  wüthender  Haufe  suchte,  unter  Anfüh=
        <pb n="37" />
        fuͤhrung  des  Sandwirthes  Hofer  in  den  offenen  Ort
Sterzing,  von  der  Steinacher-Seite  her,  vorzustuͤrmen,
während  aus  allen  Fenstern  Feuer  auf  die  Baiern  gegeben
  ward.  Doch  Hauptmann  Boyk  mit  seiner  Compagnie
  hielt  so  lange  standhaft  entgegen,  bis  sich  Major
Speicher  tausend  Schritt  von  Sterzing  auf  der  Landstraße,
  in  dem  sogenannten  Sterzinger-Moos,  im  Viereck
aufstellen  konnte.  Hier  behauptete  er  sich,  mit  einer
Kanone  und  212  Feuergewehren.  Bel  Tages-Anbruch
war  er  selbst  schon  nebst  sechzehn  seiner  Tapfern  verwundet.
  Hofer  wiederholte  die  Angriffe;  ließ  drei  geladene
  Heuwagen  in  der  Breite  der  Landstraße  vor  sich
herfahren,  und  hinter  denselben  hervor  von  seinen  Schützen
  ein  mörderisches  Feuer  machen.  Von  zwolf  Mann,
welche  die  Kanone  bedienten,  waren  im  Kurzen  eilf
niedergestreckt.  Verblutet  und  entkräftet  mußte  Major
Speicher  Morgens  7  Uhr  dem  Hauptmann  de  Corseinge
  den  Oberbefehl  überlassen.  Dieser  um  12  Uhr
verwundet,  überließ  den  Befehl  dem  Hauptmann  Bopyk.
Dieser  vertheidigte  sich  bis  Nachmittags  halb  3  Uhr  gegen
  mehrere  Tausend  Bauern.  Nun  fehlte  aller  Schieß-Bedarf;
  die  Baiern  waren  ermattet;  ihrer  vierzig  lagen
schon  todt  oder  schwer  verwundet  zu  Boden  gestreckt.
Bopk  war  gezwungen,  endlich  die  ihm  vom  Andreas
Hofer  schon  zum  Sechstenmal  angetragene,  ehrenvolle
Capitulation  anzunehmen.  Denn  auch  die  Insurgenten
hatten,  nach  ihrer  eigenen  Angabe,  in  diesem  neunstündigen
  Kampfe  gegen  das  geringe  Häuflein  von  Kriegern,
vier  und  sechzig  Todte  gehabt.  Die  Capitulation  ward
nachmals  von  den  Bauern  schlecht  gehalten.  Die  zuchtlose,
  rohe  Menge  ehrte  weder  die  Tapferkeit  derer,  die
sich  auf  Treue  und  Glauben  ergeben  hatten,  noch  die
II.  5tes  Buch.  5
        <pb n="38" />
        —  34  —

Leiden  der  Verwundeten  und  Sterbenden,  waͤhrend  auch
der  Barbar  in  den  Wuͤsten  das  Gesetz  der  Menschlichkeit
am  uͤberwundenen  Feinde  uͤbt.

General  Bisson  und  Oberstlieutenant  Wreden,
als  sie  dies  vernahmen,  setzten  ihren  Zug  nach  Innsbruck
  noch  in  der  Nacht  fort.  Unter  beständigen  Gefechten
  erreichten  sie  folgenden  Tages  um  Mittag  den
Ort  Steinach.  Die  an  den  Kanonen  und  an  der  Haubitze
  gespannten  Pferde  waren  sämmtlich  getddtet.  Um
das  Geschütz  zu  retten,  mußte  man  alles  übrige  Fuhrwerk
  aufopfern.  Man  erreichte  endlich  (Morgens  den
15ten)  Innsbruck,  wo  man  mit  dem  General  Kinkel
Vereinigung  erwartete.  Aber  auch  hier  waren  die  Insurgenten
  schon  Meister  der  Stadt.  Als  der  Adjutant
Markreuther  voraus  eilte,  dem  General  Kinkel
die  Ankunft  der  Baiern  zu  melden,  streckte  ihn  beim
Stadtthor  ein  Schuß  zu  Boden,  der  aus  einem  Fenster
geschah,  während  am  Schbdnberg  die  vortheilhaft  gestellten
  Tiroler  ein  wirksames  Feuer  auf  die  vorüberziehenden
  Baiern  und  Franzosen  richteten.  Jene  stellten  sich
darauf  in  der  Gallwiese,  diese  in  der  Wildauer-Vorstadt.
Wreden  schlug  dem  General  Bisson  vor,  entweder
den  Durchzug  durch  die  Stadt  zu  erzwingen,  oder  einen
Rückzug  nach  Zirl  über  die  Gallwiese  am  rechten  Inn-Ufer
  zu  nehmen.  Bisson  zog  aber  vor,  mit  den  Aufständischen
  zu  unterhandeln.  Wreden  und  ein  französischer
  Major  wurden  zu  dem  Ende  als  Unterhändler
abgeschickt;  aber  gegen  Vöôlker=  und  Kriegsrecht  von  den
Insurgenten,  in  Gegenwart  ihres  Anführers,  des  Majors
  Teimer,  von  den  Pferden  gerissen,  beraubt  und
gefangen.  Nun  überliefert  General  Bisson,  ohne  Mitwirkung
  irgend  eines  baierischen  Offlziers,  seine  Fran-
        <pb n="39" />
        zosen,  so  wie  die  Baiern,  in  die  schmähliche  Gefangenschaft
  der  Tiroler.  Noch  waren  die  Baiern  1500  Mann
stark,  nachdem  sie  250  Mann  an  Todten  und  Verwundeten,
  darunter  0  Offiziere,  verloren  hatten.

Schon  zwei  Tage  vorher,  nämlich  am  #iten  April,
war  General  Kinkel  zu  Innsbruck  von  den  zahlreichen
Haufen  des  Tiroler-Aufstandes  angegriffen  worden.
Weit  umher  schollen  an  diesem  Tage  die  Sturmglocken
des  Aufruhrs.  Ehe  noch  der  Morgen  grauete,  sielen
schon  Schüsse  gegen  den  schwachen  Posten  beim  leeren
Pulverthurm  vor  Innsbruck.  Der  anbrechende  Tag  zeigte
rings  umher  alle  Hdhen  von  bewaffneten  Haufen
besetzt.

Kinkel  verstärkte  sogleich  sämmtliche  Wachen;  sandte
den  Major  Zoller  mit  einer  Kanone,  zwei  Compagnien
seines  Regimentes  und  einen  Zug  Dragoner,  unter  dem
Oberlieutenant  Baron  Gapling  an  das  linke  Innufer
gen  Zierl,  dort  die  Brücke  zu  besetzen,  und  rückte  selbst
mit  dem  übrigen  Theil  seiner  Leute,  nebst  einer  Kanone
und  Haubitze  den  Aufständischen  entgegen,  welche  der
Gallwiese  in  immer  grdßeren  Haufen  zuzogen.  Bis  spät
Abends  dauerte  hier  der  ununterbrochene  Kampf.  Major
  März,  Lieutenant  Pomet  und  Oberst  Dietfurt
wetteiferten  vor  Allen  in  Thätigkeit  und  Tapferkeit.
Mehrmals  erstürmten  die  Baiern  die  steilen  Berge  und
fegten  sie  von  Insurgenten  rein.  Immer  drangen  neue
Massen  der  Bauern  dahin  aus  den  Wäldern  vor.  Erst
Abends  8  Uhr  befahl  General  Kinkel  den  Rückzug
seiner  kleinen  Schaar  in  die  Ebene  vor  Innsbruck,  zur
Vertheidigung  der  Stadt.

Dahin  kam  spät  Abends,  von  Zierl  her,  auch  Major
Joller  wieder  zurück.  Er  hatte  am  Morgen,  schon

5  *
        <pb n="40" />
        —  36  —

eine  Stunde  vor  Zierl,  mit  den  Aufstaͤndischen  Gefecht
gehabt,  die  aber  Lieutenant  Ott,  mit  den  Schutzen  beider
  Compagnien,  bald  sprengte.  Bei  Zierl  war  die
Innbrücke  stark  von  den  Tirolern  besetzt.  Mit  dem  Bajonnett,
  dann  durch  einen  Zug  Dragoner  unter  dem  wackern
  Lieutenant  Hartel,  unterstützt  von  einigen  Kartätschen-Schüssen,
  ward  sie  befreiet.  Bis  drei  Uhr  Nachmittags
  behauptete  sich  Major  Zoller  gegen  die  von
Stunde  zu  Stunde  anschwellende  Masse  der  Insurgenten;
dann  beschloß  er  seinen  Rückzug  nach  Innsbruck  zu
nehmen,  um  zur  Vertheidigung  der  Stadt  mitzuwirken,
welche  der  Punct  war,  zu  dem  alle  Unternehmungen  des
Aufstandes  hinzielten.  Er  erreichte  erst  Abends,  nach
vielen  Schwierigkeiten,  die  Vorstadt.  Eine  denselben
Tag  in  Seefeld  eingetroffene,  nach  Zierl  bestimmte  Escadron
  des  Sten  Chevaurlegers  =  Regiments,  deren  Quartiermacher,
  kurz  vor  Zoller's  Abzug  in  Zierl  eingetroffen
waren,  konnte  sich  noch  gewarnt  wieder  nach  Altbaiern
zurückziehen,  schon  in  Seefeld  durch  Gewehrfeuer  aus
den  Fenstern  verfolgt.

Gleichwie  westwärts  von  ZJierl  her,  so  drängten  die
Tiroler  von  Osten  her,  über  Schwatz  und  Hall  gegen
Innöbruck  an.  Zu  Hall  stand  Oberstlieutenant  Bernclau
  mit  zwei  Compagnien  seines  Bataillons;  zu
Schwatz  und  Rattenberg  Major  Theobald  mit  zwei
andern  Compagnien.

An  eben  jenem  Tage  des  allgemeinen  Aufstandes
(#iten  April)  war  eine  Streifwacht,  die  der  bei  der
Innbrücke  von  Volders  aufgestellte  Posten  in's  Volderer-Thal
  ausgesandt  hatte,  von  einer  überlegenen  Menge
Insurgenten,  unter  Anführung  eines  gewissen  Speckbacher,
  angesallen  worden.  Die  Wacht  rettete  sich  über
        <pb n="41" />
        unwegsames  Gebirg,  und  auf  einer  Faͤhre  über  den  Inn.
Der  bei  Mals  zur  Unterstuͤtzung  des  Postens  von  Vol--ders
  stehende  Oberlieutenant  Boos  eilte  sogleich  mit
seiner  Mannschaft  nach  Volders.  Hier  nun,  in  Allem
72  Baiern  und  2  Offiziers,  begann  noch  Abends  10  Uhr
ein  wildes  Gefecht  mit  den  Schwärmen  der  Tiroler.
Man  schlug  sich  bis  Mitternacht.  Dann  von  allen  Seiten
  übermannt,  zogen  die  Baiern  in'S  Kloster  zurück.
Da  fochten  sie,  bis  alle  Munition  verschossen  war,  gegen
  die  Belagerer,  bis  Morgens  7  Uhr.  Dann  mußten
sie  sich  dem  wüthenden  Volkshaufen  ergeben.  Dasselbe
Loos  traf  fast  um  dieselbe  Zeit  den  Oberstlieutenant
Bernclau  und  seine  Leute  bei  Hall.  Hier  mußten
sich  Hauptmann  Wercher  und  Lieutenant  Merkel,
welche  eine  ganze  Nacht  lang  mit  weniger  Mannschaft
die  Innbrücke  vertheidiget,  und  schon  viele  Verwundete
und  Todte  hatten,  der  Gefangenschaft  unterwerfen,  weil
sie  überall  umringt,  und  zuletzt  ohne  Patronen  waren.
In  Hall  selbst  war  Bernclau  viel  zu  schwach,  alle
Eingänge  der  Stadt  gehdrig  gegen  Speckbacher's
zahlreiche  Haufen  zu  behaupten.  Während  er  selbst  das
Milser-,  Lieutenant  Besserer  das  Absams-Thor  tapfer
vertheidigten,  drang  anderer  Orten  die  stürmende  Menge
ein,  und  aus  allen  Fenstern  fielen  Flintenschüsse.

Als  Major  Theobald  bei  Schwaz,  wo  er  nur  eine
halbe  Compagnie  bei  sich  hatte,  am  Abend  des  11ten
Aprils  die  Ereignisse  bei  Innsbruck  vernahm,  sich  vom
Befehlshaber  seines  Bataillons  gänzlich  abgeschnitten  sah,
während  die  Sturmglocken  in  allen  Thälern  heulten,  und
die  Haufen  der  Insurgenten  gegen  ihn  anruͤckten-  be-##½



theilungen  ins  Achenthal.  Er  sandte  die  Befehle  vazu
        <pb n="42" />
        —  38  —

und  zum  Abwerfen  der  Bruͤcken  bei  Rothholz,  Brixlegg
und  Rattenberg  aus,  und  trat  mit  ruhiger  Haltung
noch  in  der  Nacht,  bestaͤndig  von  den  Insurgentenhaufen
verfolgt,  seinen  Ruͤckzug  nach  Rothholz  an.  Hier  um
1  Uhr  nach  Mitternacht  mit  der  andern  Haͤlfte  seiner
Compagnie  vereint,  zog  er  nach  Kreit,  auf  baierischen
Boden,  wohin  auch  die  bei  Rattenberg  gestandene  Compagnie
  des  Hauptmanns  Harter  kam.  Aber  eine  Abtheilung
  des  letztern,  die  2  Offiziers  und  07  Gemeine
stark  bei  Worgl  gestanden  war,  hatte  das  Unglück  gehabt,
  von  den  Insurgenten  übermannt  und  gefangen  zu
werden.  Auch  ein  Lieutenant  und  24  Mann,  die  zur
Abwerfung  der  Brücke  bei  Rothholz  zurückgeblieben  waren,
  wurden  bei  Fortsetzung  ihres  Weges  zwar  gefangen
genommen,  aber  nach  ihrer  Entwassnung  wieder  entlassen.


So  war  denn  General  Kinkel  zu  Innsbruck  von
seinen  Feinden  überall  schon  fest  umschlossen,  während  er
noch  auf  allgemeine  Vereinigung  seiner  verschiedenen
Truppen-Abtheilungen  zählte,  und  zu  dem  Ende  Innsbruck,
  trotz  seiner  Schwäche,  trotz  der  vielen  Zugänge
der  Stadt,  männlich  behaupten  wollte.  Er  hatte  den
Obersten  Dietfurt  mit  vier  Compagnien  als  Reserve,
in  die  Stadt  selbst,  den  Major  März  mit  zwei  Compagnien
  in  die  Wildau,  und  den  Major  Joller  mit
eben  so  vielen  in  die  Vorstadt  gestellt,  um  die  Innbrücke
und  die  Verbindung  mit  Hall  zu  erhalten.  Doch  mit
der  Morgendämmerung  (12ten  April)  stürmten  beinahe
8,000  bewaffnete  Landlente  gegen  den  Major  Zoller
an,  zwangen  denselben  nach  wäthendem  Streit  erst  zur
Innbrücke,  dann  in  die  daselbst  befindliche  Caserne  zurück,
  wo  die  Soldaten,  Verzweifelten  gleich,  sich  aus
        <pb n="43" />
        allen  Fenstern  vertheidigten.  Gleichzeitig  ward  Majot
März  in  der  Wildau  angefallen,  während  hinter  demselben
  zahllose  Haufen  in  die  Stadt  drangen,  wo  Oberst
Dietfurt,  so  wie  vor  ihm  Oberstlieutenant  Spansky,
nach  tapferer  Gegenwehr  tddtlich  verwundet  sanken.
Auch  General  Kinkel  selbst  war  schon  in  Feindes-Gewalt
  gefallen.  Dennoch  dachten  die  Baiern  noch  an  keine
Unterwerfung.  Mit  wetigen  Reitern  unter  dem  Major
Grafen  von  Erbach  vereinigten  sie  sich,  in  Alleit
à470  Mann  stark,  bei  der  Hauptwache;  dann,  die  Majore
  März  und  Joller  an  ihrer  Spitze,  bahnten  sie
sich  mit  den  Waffen  in  der  Faust  den  Weg  über  die  Innbrücke,
  und  zogen  sich  in  stätem  Gefecht  nach  Hall,  dort
den  Oberstlieutenant  Bernclau  an  sich  zu  nehmei,
und  so  in's  Achenthal  zu  gehen.  Schon  zu  spät;  Bernclau
  schon  übermannt  und  gefangen.  Die  Baiern  standen
  vor  Hall,  wo  Graf  Erbach  und  seine  wenigen
Dragoner,  als  Vortrab,  plbtzlich  von  den  Volkshaufen
umzingelt,  gehalten,  von  den  Pferden  gerissen  wurden.
Die  Insurgenten  knuͤpften,  als  das  baierische  Fußvolk
anruͤckte,  scheinbar  guͤnstige  Unterhandkungen  an,  benutzten
  aber  die  dadurch  bewirkte  ünthaͤtigkeit,  die  kleine
Schaar  mit  Tausenden  von  Bewaffneten  zu  umstellen,
dann  zu  entwaffnen,  und  mit  allen  übrigen  Gefangenen
nach  Salzburg  zu  führen.

So  wurden  die  geringen  und  gäizlich  vereinzelten
baierischen  Truppen-Abtheilungen  der  Division  Kin  kel
in  Tirol,  binnen  wenigen  Tagen,  doch  nicht  ohne  ehrenhafte
  Gegenwehr,  von  der  Uebermacht  eines  allgemeinem
Volks-Aufstandes  erdrückt  und  verschlungen,  während
der  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler  ohne  Schwert-
        <pb n="44" />
        —  40  —

streich  sich  uͤber  den  noͤrdlichen  Theil  des  Landes  ver—-breiten
  konnte.  Unter  unaussprechlichem  Jubel  der  Tiroler
  zog  dieser  (15ten  April)  in  deren  Landes-Hauptstadt
  ein,  wo  auch  sechs  Compagnien  vom  Corps  Jellachich's,
  aus  Salzburg  abgesandt,  zu  ihm  stießen,  die
der  Oberstlieutenant  Taxis  befehligte.

Allerdings  war  die  Besetzung  des  tirolischen  Hochlandes
  gleich  im  Anfang  eines  Feldzuges,  wenn  auch
nicht  entscheidend  über  den  Ausgang  desselben,  doch
großer  Gewinn  für  Oesterreich.  Meister  der  starken
Pforten,  durch  welche  es  Nord-Italien  oder  Süd-Deutschland
  mit  seinen  Heeren  überschwemmen,  oder  zu  denen
es  an  Unglückstagen  immer  wieder  zurückziehen  konnte,
war  es  von  khier  aus  vermdgend,  die  Fortschritte  des
siegreichen  Feindes  in's  Innere  der  kaiserlichen  Erbstaaten
  zu  erschweren,  oder  die  Niederlage  des  geschlagenen
Feindes  vollständig  zu  machen.  Darum  war  Chasteler's
  Aufgabe,  die  leichte  Eroberung  auf  alle  Weise  zu
behaupten.  Zur  Gränzbesetzung  gegen  Baiern  bot  er
den  allgemeinen  Landsturm  auf.  Major  Teimer  mußte
den  Aufstand  und  die  Vertheidigung  des  obern  Innthals
und  Vorarlbergs  bilden.  Die  Scharnitz,  dieses  Hauptthor
  des  Landes  gegen  Baiern,  nach  den  Isarquellen,
ließ  er  befestigen.  Oberstlieutenant  Taris  mußte  über
Murnau  gegen  Landsberg,  über  Benedictbeuern  gegen
München  Streifzüge  thun,  während  Oberstlieutenant
Reissenfels  mit  einem  Bataillon  Oesterreicher  und
vielen  Tiroler-Schützen  (17ten  April)  den  Kufstein  berannte.
  Diese  unansehnliche  von  den  benachbarten  Hôhen
beherrschte  Veste  war  noch  der  einzige  Punct,  welchen  die
Baiern  im  Tirol  festhielten.  Hier  stand  der  Major
        <pb n="45" />
        —  41  —

Aichner  mit  570  Mann?)  und  605  Stück  Geschützes,
auf  drei  Monate  mit  Lebensmitteln  versehen.

 

4
Erzherzog  Carl  dringt  in  Baiern  ein.  Bewegung
  der  verschiedenen  Heere  bis  zum
18ten  April  1800.

Als  Oesterreich  am  Oten  April  auf  der  ganzen  Linie
von  Eger  bis  Italien  den  Anfang  der  Feindseligkeiten
verkündete,  war  dies  den  verschiedenen  Heeren  nichts
Ueberraschendes,  wohl  dem  Kdnige  von  Baiern  aber  die
Zumuthung,  welche  ihm  Erzherzog  Carl  durch  den  Grafen
  Wratislaw  übersandte,  sich  bei  der  Eroberung
Baierns  durch  dsterreichische  Waffen  unthätig  zu  verhalten.
  In  der  That  zählte  der  Wiener-Hof,  und  nicht
ganz  ohne  Fug,  auf  den  Unwillen  der  deutschen  Fürsten
und  Volker  gegen  Napoleon  und  sein  herrisches  Schalten
  auf  deutscher  Erde,  wo  derselbe,  was  nicht  mit  ihm
Bund  hatte,  wie  Feinde,  und  die  Bundesgenossen,  wie
Vasallen  und  Unterthanen  seines  Zepters  behandelte.
Vor  allen  anderen  Staaten  aber  schien  Baiern  sich  um
so  eher  an  Oesterreich  hingeben  zu  müssen,  da  dieses  mit

*)  Die  Besatzung  des  Küfsteins  war,  wie  folst,  zusammenaus
  120  Mann  des  leichten  Bataillons  Wreden,
*  1227  „  des  leichten  Bataillons  Habermann,
*  60  "“  des  leichten  Bataillons  Laroche,
»  154  bes  leichten  Bataillons  Buttler,  und
*  97  EArmtillerie.

570  Mann.
        <pb n="46" />
        —  42  —

ungeheuerer  Heereskraft  schon  auf  den  Schwellen  des
Kdnigreichs  stand,  während  Napoleon  seine  Streitmassen
  erst  aus  der  Ferne  herbeiführte.  Nur  das  Corps
des  Herzogs  von  Auerstädt  lag  bei  Nürnberg,  mit  der
Division  St.  Hilaire  bei  Regensburg,  drei  Reiter-Regimenter
  unter  General  Pajol  bei  Amberg  und  Neumarkt,
  die  Oesterreicher  in  Böheim  durch  leichte  Reiterei
  von  Waldmünchen  aus  beobachtend.

Hingegen  schlossen  sich  an  diese  die  kampffertigen
Divistonen  der  Baiern  an.  Ihnen  zunächst  stand  die
zweite  Division  unter  Generallieutenant  Baron  Wrede,
links  bis  Cham,  rechts  bis  Dingolfing,  mit  dem  Hauptquartier
  zu  Straubing.  Nämlich  Cham,  Stahlwang
und  Ascha  hielt,  zur  Beobachtung  der  Ausgänge  Bdheims,
  das  sechste  leichte  Bataillon  besetzt;  die  Strecke
von  Deggendorf  bis  Regen  das  erste  Bataillon  vom
15ten  Regiment;  Bogen  und  Mitterfels  das  zweite  Bataillon
  desselben  Regimentes;  das  öte  Chevaurlegers-Regiment
  Leiningen,  als  Reserve  des  vorgeschobenen
Fußvolkes,  Parchstetten  und  die  Umgegend;  das  2te
Chevaurlegers-Regiment,  Plattling  an  der  Isar;  das
5te  Linien-Regiment,  als  Reserve,  Straubing.

Die  dritte  baierische  Diviston,  unter  dem  Generallieutenant
  von  Deroy,  mit  dem  Hauptquartier  und
dem  größten  Theil  ihrer  ersten  Brigade  in  und  bei  Freising,
  hielt  den  Punct  Marzling  mit  dem  ersten  und
Moosburg  mit  dem  zweiten  Bataillon  des  1##ten  Linien-Regiments,
  Pruckberg  mit  dem  öten  Linien-Regiment
besetzt.  General  Graf  Seydewitz,  mit  der  Cavalerie=Brigade,
  dem  siebenten  leichten  Bataillon,  nebst  einer
halben  Batterie  bei  Erding,  und  Major  Plattner,
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        mit  einer  Abtheilung  bei  Neumarkt  an  der  Rott,  deckten
den  linken  Fluͤgel  der  ersten  bayerischen  Division,  uͤber
welche  (seit  1sten  April)  der  Kronprinz  von  Baiern
den  Befehl  hatte.

Diese  war  Anfangs  zur  Beobachtung  der  Braunauerund
  Salzburger-Straßen,  auch  zur  Deckung  Münchens
bei  Haag  aufgestellt  gewesen.  Da  aber  der  franzbsische
Marschall,  Herzog  von  Danzig,  der  den  Oberbefehl
über  das  baierische  Heer  empfangen  hatte  (Ende  März),
die  Stellung  dieser  Division  den  feindlichen  Streitmassen
gegenüber  zu  gewagt  fand,  mußte  sie  sich  mehr  der
Hauptstadt  nähern.  Das  Hauptquartier  in  Anzing,  nahm
die  erste  Infanterie-Brigade  Anzing,  München,  Jornediug,
  Ebersberg  und  Tulling  ein;  die  zweite  aber  Hohenlinden,
  Reding,  Neufahren.  Zu  Steindhring  standen
zwei,  und  als  Vorposten  zu  Fehling  eine  Escadron  des
1sten  Dragoner-Regimentes;  ferner  zu  Schwaben  zwei
und  zu  Parsing,  auch  in  Haag,  eine  Escadron  des
isten  Chevaurlegers  =  Regimentes  Kronprinz.  Die
ganze  Innlinie  von  A#bling  bis  Schärding,  wurde  durch
schwache  untereinander  wohl  verbundene  Cavallerieposten
bewacht.  *'

Dies  war  die  Stellung  des  franzdsisch  5  bayerischen
Heeres,  als  die  große  dsterreichische  Arme  am  10ten
April  über  den  Inn  zog.  Das  öte  und  6te  Corps  derselben,
  so  wie  das  2te  Reserve  -Corps,  schrirten  bei
Braunau  über,  das  Ste  Corps  zwischen  Braunau  und
Schärding  über  die  bei  Mühlheim  geschlagene  Pontons-Brücke,
  das  #te  Corps  bei  Schärding.  Der  mit  8  Bataillons
  und  8.  Escadrons  zur  Besetzung=  Münchens  bestimmte
  General  Jellachich  zog  gegen  Wasserburg.
Die  Avant-Garden  der  verschiedeneu  Corps  dehnten  sich
        <pb n="48" />
        bis  Markl,  Ebermaning,  bis  an  das  Rott-Thal  und
noch  weiter  aus.  Eine  vom  linken  Flügel  der  Haupt-Armee
  abgesandte  Abtheilung  von  Lichtenstein-Husaren
  unterhielt  die  Verbindung  mit  dem  Corps  Jellachich.
  Vom  rechten  Flügel  aus  wurde  zu  Beobachtung
  und  Deckung  der  nach  Straubing  führenden  Straße
General  Veczay  mit  5  Bataillons  und  8  Escadrons
des  bten  Corps  bis  Ortenburg  vorgeschoben.  Ebenso“
detachirte  dieses  Corps  drei  Bataillons  und  eine  Escadron
  unter  General  Dedowich  nach  Passau,  zur  Besetzung
  der  Stadt.  Die  vondem  Feldmarschall-Lieutenant
Fürst  Rosenberg  an  den  bayerischen  Commandanten  der
Feste  Oberhaus,  General  Baron  Montigny,  erlassene
Aufforderung  zur  schnellen  Uebergabe,  wurde  aber  durch
Kanonen-Feuer  aus  der  Veste  beantwortet.

Desselben  Tages  überschritt  auch  der  Feldmarschall-Lieutenant
  Bellegarde  mit  dem  usten  und  2ten  bsterreichischen
  Corps  die  böhmische  Grenze.  Das  iste  Corps
stellte  sich  bei  Tirschenreuth  und  Bernau,  mit  seiner
Avant-Garde  unter  Fresnel  bei  Peitl  und  Plesberg.
auf;  das  2te  Corps  ging  bei  Roshaupt  über  die  Grenze,
und  nahm  eine  Stellung  auf  den  Braunetsrieder-Höhen,
seine  Abvant  =  Garde  bei  Witschau,  die  Verbindung  mit
dem  sten  Corps  durch  Absendungen  an  die  Naab  erhaltend.
  Die  Folge  der  am  titen  April  fortgesetzten  Bewegung
  der  österreichischen  Haupt  =  Armee  war  die  Aufstellung
  des  Sten  Eorps  bey  Alt=  und  Neubtting,  dessen
Avant-Garde  bel  Feldkirch,  Abtheilungen  gegen  Neumarkt
  an  der  Rotk  sendend:  Die  des  öten  Corps  bei
Hohenwarth  ünd  Mankl,  dessen  Abant-Garde  bei  Wurmahnsquick,
  Eggenfelden  besetzt  haltend.  Ferner  die
Aufstellung  des  Sten  Corps  bei  Triftlern  und  im  Rott-
        <pb n="49" />
        —  15  —

Thal.  Die  des  äten  Corps  bei  Prombach  in  der  Nähe
von  Pfarrkirchen,  dessen  Avant-Garde  zwischen  der  Rott
und  dem  Kohlbach.  Die  des  isten  Reserve-Corps  bei
Karpfheim.  Die  des  2ten  Reserve-Corps  bei  Markel.
Das  iste  Corps  war  nach  Neustadt  an  der  Naab,  dessen
  Avant-Garde  nach  Weyden,  das  2te  Corps  nach
Wernberg  vorgerückt.  Die  Avant-Garde  des  Letzteren
unter  General  Graf  Klenau  sandte  eine  Recognoscirung
  von  einem  Bataillon  und  zwei  Escadronen  nach
Hirschau.  Aehnliche  Recognoscirungen  wurden  gegen
Schwarzenfeld  und  nach  Retz  vorgesandt.  Die  Abtheilung
  Veczay  bewegte  sich  bis  jenseits  der  Vils  nach
Osterhofen  und  Bleinting.

Dagegen  rückten  die  verschiedenen  französfischen
Corps  ebenfalls  in  die  ihnen  angewiesenen  Stellungen.
Der  Marschall  Herzog  von  Auerstädt  nahm  sein  Hauptguartier
  am  11ten  April  in  Hemmau,  und  sammelte  seine
Truppen  zwischen  letzteren  Punct  und  Regensburg.  Das
bei  Hirschau  aufgestellte  1ste  Jäger-Regiment  zu  Pferd
hatte  sich  nach  einem  Anfangs  nachtheiligen  Gefecht  mit
jener  gegen  Hirschau  vorgerückten  dsterreichischen  Abtheilung
  bis  hinter  Gbbenbach  zurückgezogen,  war  dann
auf's  Neue  gegen  ersigenannten  Punct  vorgedrungen,
hatte  aber  dann  geordneten  Rückzug  gegen  Amberg  nach
unnitzem  Widerstande  gegen  einen  überlegenen  Gegner
vorgezogen.  Das  Corps  des  Herzogs  von  Rivoli
hatte  seine  Bewegung  von  Ulm  nach  dem  befestigten
Augsburg  begonnen.

Die  baierische  2te  Armee-Division  war  unter  dem
Generallieutenant  Baron  Wrede,  welcher  die  JZerstdrung
  aller  über  die  Isar  führenden  Brucken  von  Plattling
  bis  Dingolfing  hatte  ausführen  lassen,  in  eine
        <pb n="50" />
        —  36  —

Stellung  bei  Abensberg  zurückgezogen.  Eine  Cavalerie=Brigade
  war  auf  den  drei  von  Landshut  nach  Neustadt,
Kelheim  und  Regensburg  führenden  Straßen  aufgestellt.
Streifwachten  gegen  Neufahren  und  Mallersdorf  unterhielten
  Wrede's  Verbindung  mit  der  Diovision  St.  Hilaire.
  Die  öte  Armee-Division  unter  dem  General-Lieutenant
  Deroy  blieb  einsweilen  in  der  Stellung  bei
Freising,  und  hatte  den  Punct  Moosburg  durch  eine
Abtheilung  besetzt,  die  dortige  Brücke  zu  schnellem  Abtragen
  vorbereitet.  Die  iste  Armee-Division  unter  dem
Kronprinzen  hatte  sich  in  ihrer  Stellung  bei  Anzing
  mehr  conzentrirt.  Die  verschiedenen  Inn=  Uebergänge
  waren  zerstdrt,  und  nur  durch  schwache  Abtheilungen
  beobachtet.

Der  baierische  Lieutenant  Graf  Hirschberg  vom
1sten  Dragoner-Regiment  war  am  1#ten  April  bei
Stein,  nächst  Altenmarkt,  auf  eine  dsterreichische  Patrouille
  gestoßen.  Die  baierischen  Posten  hatten  sich  von
Mühldorf  und  Neudtting  zurückgezogen,  und  auf  der
Straße  von  Haag  nach  Ampfing  aufgestellt.  Feldmarschall-Lieutenant
  Hiller  ließ  aber  bereits  an  Wiederherstellung
  der  von  den  Baiern  abgebrochenen  Brücke
bei  Neudtting  arbeiten.  Baierische  Patronillen  gingen
unausgesetzt  bis  Mühldorf.  Die  Posten  von  Haun  und
Tambach  waren  verstärkt  worden.  Alle  diese  Bewegungen
  der  baierischen  Truppen  waren  Folge  der  dem  Marschall
  Herzog  von  Danzig  gewordenen  Weisung,  sich
vor  Vereinigung  mit  den  verschiedenen  franzbsischen
Corps  in  nichts  Ernsthaftes  mit  einem  so  überlegenen
Feinde  einzulassen,

Feldmarschall  -Lieutenant  Hiller  stellte  sich  am
12ten  April  mit  dem  unterhabenden  Sten  Corps  vor-
        <pb n="51" />
        –  4  —

wärts  Feldkirch  zwischen  dem  Inn  und  der  Isar,  mit
seiner  Arvant-Garde  bei  Mühldorf  und  Schärding,  Abtheilungen
  gegen  die  Vils.  Erzherzog  Carl  nahm  sein
Hauptquartier  und  die  Stellung  des  5  ten  Corps  zu
Neu=  und  Altdtting,  die  Avant-Garde  desselben  zu
Massing  an  der  Rott.  Das  öte  Corps  zog  längs  dem
Rott-Thal  nach  Türnstein,  dessen  Avant-Garde  bei
Taufkirchen  jenseits  Eggenfelden,  und  am  Kohlbach  aufgestellt.
  Das  Aáte  Corps  zog  gegen  Eggenfelden,  mit
seiner  Avant-Garde  bei  Malgersdorf  am  Kohlbach,  und
auf  der  von  Eggenfelden  nach  Landau  führenden  Straße,
Abtheilungen  an  der  Vils.  Das  üste  Reserve-Corps
stellte  sich  vor  Pfarrkirchen,  das  2te  Reserve-Corps  in
der  Nähe  von  Altbtting,  die  Brigade  Veczay  bei
Euchendorf  an  der  Vils,  Abtheilungen  an  die  Isar  nach
Landau  und  Mlattling  sendend,  auf.  General  Graf
Klenau  war  mit  einem  Theile  der  Avant-Garde  des
Zten  Corps  am  12ten  von  Nabburg  gegen  Amberg  vorgerückt,
  welch  letzterer  Punct  von  den  nach  Ursollen  zurückziehenden
  franzbsischen  Truppen  verlassen  wurde.
Eine  Abtheilung  rückte  nach  Schwandorf.  Beide  Armee-Corps
  vereinigten  sich  bei  Warnberg,  das  2te  bewegte
sich  dann  nach  Nabburg  General  Jellachich  erreichte
Wasserburg.  Die  bei  letztbenanntem  Orte  aufgestellten
bayerischen  Cavallerie-Posten  zogen  sich  gegen  Ebersberg
  zurück.

Die  bayerische  1ste  Armee  =  Division  hatte  an  demselben
  Tage  folgende  Stellung  genommen:  die  erste  Brigade
  derselben  in  München,  Au,  Gießing,  Straßdrutring,
  Rammersdorf,  Berg  am  Leim,  Berlach.  Die
zweite  Infanterie-Brigade  in  Zaundorf,  Danning,  Beinkirchen,
  Riem  und  Dagelfing.  Die  Cavallerie,  das
        <pb n="52" />
        1ste  Dragoner-Regiment,  in  Straßdrutring,  das  1  ste
Chevauxlegers-Regiment  mit  zwei  Escadronen  in  Feldkirch,
  eine  Escadron  als  Aufnahms-Posten  der  die  Bewegungen
  der  dsterreichischen  Truppen  beobachtenden
Escadron  unter  Major  Kracht  in  Anzing.  Von  der
Cavallerie  der  5ten  Armee  Division  wurde  das  2te  Dragoner-Regiment
  mit  drei  Kanonen  nach  Garching  zur
Unterhaltung  der  Verbindung  mit  jener  bei  Freising  aufgestellten
  5ten  Division  gesandt,  der  übrige  Theil  der
dem  General  Grafen  Seydewitz  untergeordneten  Truppen,
  nämlich  das  öte  Chevaurlegers-Regiment  und  kte
leichte  Bataillon,  blieb  auf  dem  jenseirigen.  Isar-Ufer
stehen,  und  hielt  die  Dorfer  Haidhausen,  Oberfohring,
Engelschalking  und  Bogenhausen,  die  von  München  nach
Erding  führende  Straße  deckend,  die  Dorfer  Dornbach,
Aschheim,  Kirchheim  und  Pliening  besetzt.  Die  zte
Armee-Division  unter  Generallieutenant  von  Deroy
verblieb  noch  in  der  Stellung  bei  Freising,  sandte  aber
das  14  te  Linien=  Infanterie-Regiment  mit  einer  Batterie
  in  die  Gegend  von  Pulting  und  Massenhausen,
desgleichen  ein  Vataillon  und  zwey  Kanonen  nach  Marzling.
  Die  2te  Armee-Diovision  unter  Generallieutenant
Wrede,  mit  dem  Hauptgquartier  in  Abensberg,  hatte
den  dußersten  linken  Flugel  ihrer  Infanterie  bei  Langgwaid
  an  der  Laaber,  ein  leichtes  Bataillon  zu  Rohr.
Der  äußerste  rechte  Flügel  derselben  hielt  die  Vohburger-Brücke,
  die  Puncte  Abensberg  und  Neustadt,  mit  zwei
Infanterie-Regimentern  besetzt;  die  Cayallerie  derselben
war  staffelweis  auf  den  beiden  von.  Biburg  und  Pfeffenhausen
  nach-  Landshut,  und  von  Rottenburg  nach  letztgenannten
  Punct  führenden  Straßen,  mit  einer  kleinen  Abtheilung
  in  dernicht  besetzten  Vorstadt  von  Landshut,  aufgestellt.
Die
        <pb n="53" />
        Die  Oesterreicher  hatten  gedruckte  Aufrufe  an  das
Volk  und  Heer  von  Bayern  in  großer  Menge  ausgestreut,
  um  beide  zum  Aufruhr  und  Abfall  von  ihrem
Kdnig  zu  bewegen.  Diese  Maßregel,  mit  Ernst  und
Recht  schon  an  Napoleon  gerügt,  wenn  er  sich  derselben
  bediente,  war  vollkommen  geeignet,  Volk  und
Heer  gegen  Oesterreich  selbst  zu  erbittern.  Welchem
Baper  darf  man  zumuthen,  seinen  König  zu  verrathen?
Die  verschiedenen  Heerführer  der  Bayern  drückten  in  ihren
  Zurufen  an  ihre  Soldaten  nur  den  Unwillen  derselben
  gegen  Oesterreichs  entwürdigendes  Ansinnen  aus.

Erst  am  16ten  April  konnte  wegen  des  eingetretenen
  schlechten  Wetters  und  der  verdorbenen  Wege  die
dsterreichische  Armee  ihre  Bewegung  gegen  die  Isar  fortsetzen.
  Das  öte  Corps  ging  über  Schärding,  und  stellte
sich  zwischen  Nieder-Porchkirchen  und  Puech  auf  der
Straße  von  Neumarkt  an  der  Rott,  die  Avant-Garde
an  der  Isar  zwischen  Schdnberg  und  Lokirch  auf;  das
5te  Corps  in  und  bei  Neumarkt,  mit  seiner  Avant-Garde
  bei  Eckelkofen  und  an  der  Vils;  das  zte  bei
Gankhofen  an  der  Bina,  dessen  Avant-Garde  an  der
Vils  zwischen  Gerzen  und  Vilsbiburg;  das  #&amp;amp;#te  bei
Gankhofen,  dessen  Avant-Garde  bei  Frontenhausen  an
der  Vils,  Abtheilungen  an  die  Isar  gegen  Dingolfing
vorsendend.  Das  1|ste  Reserve-Corps  erreichte  Massing;
  das  2te  Stetten,  zwischen  Altdtting  und  Neumarkt.
Die  Brigade  Veczapy  rückte  nach  Landau  an  der  Isar
vor,  besetzte  die  dortige  Brücke,  und  sandte  eine  Abtheilung
  gegen  Straubing.  Die  Avant-Garde  des  2ten
Corps  hatte  am  1#ten  Amberg  besetzt,  nachdem  Tages
vorher  schon  die  sterreichische  Abtheilung  unter  Oberst
Mengsdorf  dort  ein  kleines  Gefecht  mit  einem  Theil

II.  5tes  Buch.  4
        <pb n="54" />
        der  Cavallerie  der  gegen  Neumarkt  ziehenden  Division
Friant  bestanden  hatte.  Die  Avant-Garde  des  ersten
Corps  erreichte  Schwandorf.  Die  doͤsterreichischen  Befehlöhaber
  überzeugten  sich,  daß  Marschall  Davoust
bereits  im  Besitze  von  Regensburg  sey,  und  beschränkten
sich  daher,  den  General  Crenneville  zu  Burglengenfeld
  aufzustellen,  und  die  bei  Kirn,  auf  der  Regensburger-Straße
  bisher  gestandene  Truppen-Abtheilung
nach  Rheinhausen  am  Regen,  ganz  nahe  von  Regensburg
  vorzuschieben.

Marschall  Davoust  war  dagegen  am  nämlichen
Tage  mit  seinem  Heerhaufen  bei  Ingolstadt  angekommen,
  hatte  Neumarkt,  das  rechte  Ufer  der  Vils  und
Naab,  so  wie  Regensburg  stark  besetzt,  demnach  eine
Stellung  inne,  aus  welcher  er,  wenn  der  Feind  auf  das
linke  Donau-Ufer  übergehen  wollte,  denselben  sowohl
auf  letzterem,  als  auch  von  dem  rechten  Oonau=  Ufer
aus  mit  25  Infanterie=  und  10  Cavallerie-Regimentern
nachdrücklichen  Widerstand  entgegensetzen  konnte.  Die
Division  des  Generals  Baron  Wrede  hatte  inzwischen,
auf  unmittelbaren  Befehl  des  Major-Generals,  des
Fürsten  von  Neuschatel,  eine  Bewegung  gegen  Straubing
gemacht.  Ihre  Infanterie  hatte  sich  bei  Sinching  und
Eggmühl,  die  Cavallerie  bei  Neufahrn,  aufgestellt.  Generallieutenant
  Wrede  hatte  zugleich  eine  Escadron,
als  Recognoscirung,  gegen  den  bei  Dingolfingen  auf  das
linke  Isar-Ufer  übergegangenen  Gegner  abgesaudt.  Diese
Escadron  ubthigte  zwar  die  sterreichischen  Cavallerie=Posten
  vom  linken  Isar-Ufer  zum  Rückzug  auf  das
rechte,  wurde  aber  durch  drei  österreichische  Infanterie-Compagnien
  abgehalten,  die  bei  Dingolfingen  vom  Feinde
wieder  hergestellte  Brücke  zu  zerstdren.
        <pb n="55" />
        —  41  —

Die  dritte  Armee-Division  unter  Deroy  hatte  am.
Mittag  des  Laten  Aprils  zu  Deckung  des  linken  Isar-Ufers,
  und  um  die  Wiederherstellung  der  abgetragenen
Brücke  bei  Landshut  von  Seiten  des  Feindes  zu  verhindern.,
  Bewegung  von  Freising  über  Moosburg,  Isareck,
Bruckberg,  gegen  Landshut  begonnen,  und  eine  Compagnie
  des  10ten  Regiments,  nebst  einer  Kanone,  die
Behauptung  und  Beobachtung  der  Brücke  von  Moosburg
anvertrauet.  Die  iste  Division  unter  dem  Kronprinzen
  verließ  dagegen  ihre  Stellung  bei  München,  nachdem
  sich  die  bisher  den  Inn  beobachtende  Vorpostenkette
auf  Hohenlinden  und  Ebersberg  zurückgezogen  hatte,
und  stellte  sich  bei  Freising  auf.  Die  von  der  Sten  Division
  ausgesandte  Abtheilung  unter  General  Seydewitz
ließ  das  äte  Chevaurlegers-Regiment  am  Abend  bei
Erding  stehen,  während  das  kte  leichte  Bataillon  Bewegung
  über  Freising  zu  Vereinigung  mit  der  ODivision
begonnen  hatte.  Noch  am  Abend  dieses  Tages  wurden
aber  die  Chevaurlegers  bei  Erding  von  dsterreichischer
Cavalerie  angegriffen.  Sie  zogen  sich  also  nach  kurzem
Gefecht,  welches  dem  Lieutenant  Baron  Seefried  Gelegenheit
  sich  auszuzeichnen  gab,  gen  Freising,  Nachts
11  Uhr  über  die  dortige  Brücke  nach  Marzling  zurück,
und  rückten  dann  am  15ten  bei  Ergoldingen  in  die
2te  Divisions-Linie  ein.  Die  Stadt  München  und  die
Ufer  der  Isar  dort,  blieben  noch  durch  baierische  Cavalerie
  =  Posten  besetzt,  um  den  in  Feldkirch  und  Hoheulinden
  befindlichen  zwei  Escadronen  als  Rückhalt  zu
dienen.

Meldungen  über  das  weitere  Vorrücken  der  bsterreichischen
  Haupt-Armee,  welches  auch  ein  Geplänkel
bei  Ramsau  zwischen  einer  Escadron  des  1sten  Chevaur-3

  *
        <pb n="56" />
        legers  -Regiments  und  den  dsterreichischen  Vorposten
bestätigte,  bestimmten  den  Marschall  Herzog  von  Danzig,
  sein  Hauptquartier  von  München  nach  Freising  zu
verlegen,  und  hier  in  der  Nacht  vom  14##ten  zum  15ten
April  die  schdne  neuerbauete  Isarbrücke  den  Flammen  zu
überliefern,  nachdem  er  sämmtliche  Abtheilungen  des
Zten  Linien-Regimentes  vom  jenseitigen  auf  das  diesseitige
  Ufer  zurückgezogen  hatte.  Alles  Gepäck  empfing
die  Richtung  nach  Vohburg.

Am  15ten  April  rückte  von  der  österreichischen  Armee
  das  böte  Corps  nach  Velden  an  die  Vils,  die  Avant-Garde
  nach  Dorfen  und  Erding.  Von  einer  Cavpalerie=Abtheilung
  unter  Major  Scheibler  ward  Besetzung
und  Wiederherstellung  der  Moosburger-Brücke  ausgeführt,
  nachdem  der  dort  aufgestellte  baierische  Posten
gegen  Pfeffenhausen  zurückgegangen  war.  Scheibler
sandte  seine  Posten  bis  an  die  Amper  vor.  Das  öte
Corps  erschien  zwischen  der  großen  und  kleinen  Vils.
Die  bis  Geisenhausen  vorgeschobene  Avant-Garde  desselben
  sandte  Abtheilungen  gegen  Landshut,  Tiefenbach,
Vilsheim,  und  machte  Meldungen  über  die  Stellung  der
Baiern  unter  Deroy  bei  Landshut.  Oiese  bestimmten
den  Erzherzog  Carl,  am  folgenden  Tage  den  Uebergang
über  die  Isar  bei  letztgenanntem  Puncte  zu  erzwingen.
Das  zte  Corps  bewegte  sich  auf  der  Landshuter-Straße
zwischen  der  großen  Vils  und  der  Bina,  woselbst  es  sich
mit  dem  5äten  Corps  vereinigte.  Die  Avant-Garde  des
ersteren  ruckte  bis  an  die  Isar  vor,  und  setzte  sich  auf
dem  rechten  Ufer  mit  der  Avant-Garde  des  aten  Corps
in  Verbindung.  Während  letzteres  Frontenhausen  an
der  Vils  erreichte,  war  dessen  Avant-Garde,  so  wie  die
Brigade  Veczapy,  auf  das  linke  Isar-Ufer  über-
        <pb n="57" />
        —  53  —

gegangen,  um  die  Bewegungen  der  Franzosen  unter
Davoust  gegen  Regensburg  zu  erspähen.

Das  iste  Reserve-Corps  stellte  sich  bei  Binabiburg,
das  #te  bei  Eckelhoven  auf;  beide  vollzogen  auf  diese
Art  ihre  Vereinigung  mit  dem  5ten  und  Sten  Corps.
Das  iste  Armee-Corps  nahm  gleichzeitig  bei  Schwandorf,
  das  2te  bei  Schwarzenfeld  Stellung.  Feldmar—
schall-Lieutenant  Klenau  dagegen  vom  2ten  Corps,
wurde  nach  Nittenau  gesandt,  um  an  den  Regen  vor—
ruͤcken  zu  koͤnnen;  General  Crenneville  von  Burg—
lengenfeld  vorwaͤrts  Schwarzenfeld  an  der  Naab  auf—
gestellt.  General  Fresnel  blieb  mit  der  Avant-Garde
des  ersten  Corps  zu  Amberg,  Abtheilungen  auf  der  Neu—
markter-,  Nuͤrnberger-  und  Baireuther-Straße  aussen—
dend,  die  Bewegungen  des  Marschalls  Prinzen  von
Pontecorvo  zu  erkunden.

Dieser  Prinz  war  schon  am  13ten  April-Tag  mit
den  Sachsen  von  Dresden  über  Altenburg  und  Jena  nach
Weimar  aufgebrochen,  hatte  jedoch  später  die  Richtung
über  Hof  nach  Wunsiedel  genommen.  Marschall  Da-Loust
  setzte  dagegen  seine  Bewegung  gegen  Regensburg
fort.  Generallieutenant  Wrede,  der  seine  alte  Stellung
  bei  Biburg  wieder  eingenommen  hatte,  war  bereit,
die  bei  Landshut  zur  Vertheidigung  der  Isarbrücke  befindliche
  Division  Deroy  zu  unterstützen.  Seine  Ca-Lalerie-Brigade
  stand  unter  dem  General  Grafen  Preysing,
  und  zwar  das  2te  Chevaurlegers-Regiment  bei
Peffenhausen,  das  3te  bei  Rottenburg,  eine  Escodron
bei  An,  zwischen  Dingolfingen  und  Landshut  vorgeschoben.

Deroy  hatte  am  15ten  Morgens  5  Uhr  Landöhut
erreicht.  Seine  Infanterie  lagerte  sich  in  den  Vor-
        <pb n="58" />
        —  54  —

städten  Seeligenthal,  St.  Nicola,  im  Rennwege  und
zwischen  den  Brücken  ein;  seine  Cavalerie  und  ein  Theil
der  Artillerie  in  Altdorf  und  Ergolding.  Das  Bataillon
Buttler  hatte  den  Vorposten-Dienst  in  der  Vorstadt  zwischen
  den  Brücken,  einen  starken  Posten  an  der  Papiermühle,
  Vedetten  an  der  abgebrochenen  Brücke,  ein  starkes
Piket  links  gegen  Altheim,  übernommen.  Streifwachten
schwärmten  auf  der  Regensburger=  und  Straubinger-Straße
  fortwährend.  Die  Abends  0  Uhr  erhaltene  Nachricht
  vom  Einrücken  österreichischer  Truppen  in  die  Stadt
Landshut  selbst,  und  von  deren  Absicht,  die  abgebrochene
Brücke  herzustellen,  ward  dem  General  Deroy  Aufforderung
  zu  Verstärkung  der  verschiedenen  Posten,  und
aufmerksamer  Beobachtung  des  linken  Isar=  Ufers  von
Landshut  bis  Adorf.  Diese  Stellung  aber,  beherrscht
von  den  Auhdhen  am  rechten  Isar=  Ufer,  war  schon  an
und  für  sich  sehr  nachtheilig,  und  wurde  es  noch  mehr
der  Mitte  der  österreichischen  Haupt-Armee  gegenüber,
welche  Deroy's  Stellungen  auch  durch  Absendungen
über  Dingolfingen  und  Moosburg  umgehen  konnte.  Selbst
glücklicher  Rückzug  schien  in  diesem  Falle  unmdglich.
Die  Folge  wird  zeigen,  daß  der  dsterreichische  Heerführer
zwar  die  Mdglichkeit  erkannte,  genannte  Truppen-Abtheilung
  gänzlich  zu  vernichten,  demgemäß  die  zweckmäßigsten
  Maßregeln  ergriff,  in  der  Ausführung  aber
von  seinen  Unter-Befehlshabern  nicht  hinreichend  unterstutzt
  wurde.

Am  nämlichen  Tage  (15ten  April)  nahm  die  baierische
1ste  Infanterie  -Division  unter  dem  Kronprinzen
eine  Stellung  bei  Au.  Das  uste  leichte  Bataillon  hielt
mit  einer  Escadron  die  Puncte  Kerzling,  Reichertshofen,
Attenkirchen,  als  Verbindung  mit  dem  bis  Nachmittags
        <pb n="59" />
        bei  Freising  stehengebliebenen  ersten  Bataillon  des  Zten
Regimentes,  besetzt.  Letzteres  diente  den  in  München
zurückgebliebenen  Cavalerie-Posten  zum  Rückhalt,  die
sich  aber  schon  am  Nachmittag  über  Attershausen  nach
Hohenkammer  auf  der  Pfaffenhofener-Straße  zurückzogen.
  Das  Corps  des  General  Oudinot  wandte  sich
nach  Aicha,  das  des  Herzogs  von  Rivoli  gegen
Augsburg.

Die  Bewegung,  welche  Erzherzog  Carl  seinen  Truppen
  mitgetheilt  hatte,  bewirkte,  daß  mit  Anbruch  des
16ten  April-Tages  die  Avant-Garde  des  öten  Corps
unter  General  Radezky,  aus  zwei  Bataillons,  vier
Escadrons  und  einer  leichten  Batterie  bestehend,  in  Landshut
  eintraf.  Ihr  folgte  das  5te  Corps;  das  Ganze
21,500  Mann  Infanterie,  2,200  Mann  Cavalerie  stark.
Das  von  Vilsbiburg  aufgebrochene  5te  Corps  folgte  unmittelbar;
  endlich  war  das  1ste  und  2te  Reserve-Corps
als  Unterstützung  in  Colonne  hinter  Landshut  vorgerückt.
Generallieutenant  Deroy  erkannte  bald  an  der  Thätigkeit
  des  Feindes,  der  sich  auf  dem  rechten  Isar-Ufer
immer  mehr  verstärkte,  daß  derselbe  einen  Uebergang
durch  Wiederherstellung  der  Brücke  beabsichtige.  Deroy
wählte  daher  für  seine  Truppen  eine  Stellung,  welche
unter  Voraussetzung  eines  bloßen  Front-Angriffes  moglichst
  günstig  war,  denn  rechts  und  links  durch  ein  über
zwei  Stunden  in  der  Ebene  fortlaufendes  sumpfigtes
Land  gedeckt,  gestattete  sie  dem  Feinde  nur  in  einer  Colonne
  den  Uebergang  über  die  Isar.  Dagegen  blieb  den
Baiern,  selbst  wenn  sie  durch  überlegene  Macht  zum
Weichen  gezwungen  wurden,  sicherer  und  ruhiger  Rückzug
  moöglich.  Demgemäß  ward  dem  öten  leichten  Insanterie-Bataillon
  die  Vertheidigung  der  abgebrochenen
        <pb n="60" />
        —  50  —

Brücke  anvertraut;  der  Soldat  in  der  Vorstadt  Seeligenthal
  und  in  denen  nächst  der  Brücke  liegenden  Häusern
vertheilt.  Das  erste  Bataillon  des  Oten  Regimentes  stand
zur  Unterstützung  hinter  der  Vorstadt,  das  zweite  Bataillon
  desselben  hinter  der  Papiermühle,  die  Uebergangs-Versuche
  des  Feindes  auch  hier  zu  vereiteln;  das  10te
Regiment,  mit  zwei  Escadronen,  in  gleicher  Absicht  hinter
  der  Vorstadt  im  Rennwege,  zwei  Escadrons  hinter
der  Vorstadt  St.  Nicola.  Die  2te  Infanterie-Brigade,
so  wie  den  Rest  der  Cavalerie-Brigade  und  die  verschiedenen
  Artillerie-Stücke,  zog  Generallieutenant  Deroy
  auf  die  vor  Altdorf  gelegenen  Hbhen.

Gegen  10  Uhr  Morgens  kündigte  ein  österreichischer
Parlamentär  den  Baiern  den  Befehl  des  Erzherzogs  Carl
zu  schleuniger  Wiederherstellung  der  abgebrochenen  Brucke
an;  und  um  11  Uhr  begannen  die  Oesterreicher  ein  lebhaftes
  Feuer  aus  den  Batterien  auf  den  Hohen  des  rechten
  Isar-Ufers,  welche  das  linke  Ufer  beherrschten.  Auch
ein  lebhaftes  Kleingewehr  -Feuer  hub  an,  doch  mit  Erfolg
  von  dem  Bataillon  Buttler  beantwortet.  Deroy
sandte  nun  sogleich  auf  eine  an  der  Lendbrucke  gelegene
Wiese,  rechts  der  Papiermühle,  zwei  Kanonen  der  Batterie
  Peters,  die  Herstellung  der  Brücke  durch  lebhaftes
  Feuer  zu  verhindern.  Nicht  lange  aber  bestanden
diese  Kanonen  der  großen  Wirkung  des  feindlichen  Artillerie-Feuers
  gegenüber.  Theils  demontirt,  theils  ihrer
Bedienung  beraubt,  mußten  sie  schnell  zurückgezogen
werden.  Gleiches  Schicksal  traf  die  300  Schritte  weiter
rückwärts  aufgestellten  Stücke.  Nachdem  mit  äußerster
Anstrengung  während  dieser  Zeit  die  dsterreichischen  Pionniers
  gearbeitet  hatten,  immerwährend  durch  das  Feuer
des  Bataillons  Buttler  gehindert,  vollendeten  sie  die
        <pb n="61" />
        —  57  —

Wiederherstellung  der  Brücke  endlich  gegen  2  Uhr  Mittags.
  So  ward  nun  der  feindlichen  Avant-Garde  des
Oten  Corps,  unter  General  Radezky,  der  Uebergang
offen.  Nach  tapferem  Widerstand  und  bedeutendem  Verlust
  mußte  das  Bataillon  Buttler  dem  überlegenen
Gegner  den  Besitz  Seeligenthals,  so  wie  der  Brücke
überlassen,  welche  zwischen  Seeligenthal  und  Landshut
auf  das  linke  Isar-Ufer  führt,  und  sich,  so  wie  alle  bisher
  zur  Vertheidigung  des  Ueberganges  verwandten
baierischen  Truppen-Abtheilungen  in  die  Hauptstellung
vor  Altdorf  zurückziehen.  Die  Leib-Escadron  des  2ten
Dragoner-Regimentes  Taxis  deckte  den  Rückzug.)

Generallieutenant  Deropy  beschloß  unun  festgeordneten
  Rückzug.  Denn  seine  Stellung  war  nur  auf  Angriff
von  der  Stirnseite  berechnet;  der  Feind  in  unverhältnißmäßiger
  Uebermacht  vor  ihm;  das  ganze  dsterreichische
5te  Corps  schon  über  die  Isarbrücke  gegangen,  und  in
mehreren  Treffen  auf  der  nach  Altdorf  führenden  Hochstraße.
  Zahlreiche  feindliche  Colonnen  von  Dingolfingen
und  Moosburg  her,  flößten  die  gerechtesten  Besorgnisse
für  der  Baiern  linke  und  rechte  Seite  ein.

Gegen  2  Uhr  trat  daher  Deroy  den  Rückzug  in
Schachform,  gegen  Pfeffenhausen  an,  gedeckt  durch  seine
Cavalerie-Brigade  unter  Leitung  des  Generals  Grafen
Seydewitz,  und  durch  das  öte  leichte  Bataillon,  unter
Anführung  des  tapferen  Oberstlieutenants  Grafen  Butt-*)

  Bei  dieser  Gelegenheit  zeichneten  sich  die  Lieutenants
Volkhammer  und  Pertenhammer,  so  wie  die  Corporals
  Federhofer,  Ederer,  Großmann,  Kinkhofer,
  Dragoner  Klinger,  Geutner,  Wolfsfelder
  und  Wolf,  als  Freiwillige  aus.
        <pb n="62" />
        ler.  Ohne  Erfolg  blieben  wiederholte  Versuche  vier
oͤsterreichischer  Escadronen  und  einer  leichten  Batterie,
jenen  geordneten  Abzug  der  Infanterie  und  Artillerie  der
Baiern  von  den  Hohen  auf  die  Hochstraße  zu  verhindern.
  Immer  wies  die  in  einer  Ebene  links  von  Altdorf
thätige  baierische  Reiterei  jeden  feindlichen  Angriff  zurück.
Mehrmale  hieb  sie  selbst  mit  glücklichem  Erfolg  ein.
Es  dauerte  dieser  Kampf  des  baierischen  Nachtrabes  mit
dem  dsterreichischen  Vortrab  bis  Pfetrach,  welcher  Punct
schon  früher,  zu  Beobachtung  der  etwa  von  Moosburg
vorrückenden  feindlichen  Abtheilungen,  durch  zwei  Compagnien
  des  kten  leichten  Bataillons  und  einer  Escadron
des  2ten  Dragoner-Regimentes  besetzt  worden  war.  Von
hier  hinweg  währte  das  Gefecht  bis  Weichmühl,  hinter
welchem  Orte  Generallieutenant  Deroy  seine  ganze  Division
  endlich  in  Schlachtordnung  auf  den  dortigen  Anhoͤhen
  stellte,  um  den  beunruhigenden  Angriffen  des
Feindes  ein  Ende  zu  machen.  Rasches  Vorrücken  sämmtlicher
  Schützen  aus  dieser  Stellung,  unterstützt  durch
heftiges  Artillerie  =  Feuer  erreichte  den  Zweck.  Der  Feind
ließ  vom  weitern  Angriff  ab.  Er  stellte  die  Masse  der
Avaut-Garde  vom  öten  Corps  in  Pfetrach,  die  Vorposten
  derselben  rechter  Hand  vor  Weichensteffen,  Grafenhann,
  Weichmühl,  linker  Hand  bei  Siesbach,  Ober-München,
  das  5te  Corps  bei  Seeligenthal,  Altdorf,
Ergoldingen,  das  öte  Corps  in  Landöhut  und  auf  den
dortigen  Anhdhen,  das  Reserve-Corps  zwischen  Landöhut
und  Geisenhausen.

*)  Generallieutenant  von  Deroy  ertheilte  in  seinem  über
erwähntes  Treffen  eingesandten  Bericht  sämmtlichen  Trupven
  das  größte  Lob,  und  ließ  vorzüglich  der  glänzenden
Tapferkeit  des  Hberstlieutenants  Grafen  Burtler  und
        <pb n="63" />
        —  59  —

Mit  eingebrochener  Nacht  setzte  General  Deroy
seinen  Rückzug  gegen  Siegenburg  fort,  welchen  Punct
er  am  1kten  Morgens  5  Uhr  erreichte.  Er  achtete  sich
glücklich,  der  unabwendbaren  Gefahr  gänzlicher  Vernichtung
  entgangen  zu  seyn,  die  kaum  zu  vermeiden  gewesen
wäre,  hätten  die  wohlberechneten  Anordnungen  des  Erzherzogs
  Carl  eben  so  gute  Vollziehung  gefunden.  Der
Erzherzog  hatte  nämlich  dem  aten  Corps,  welches  am
16ten  Morgens  3  Uhr  von  Frontenhausen  gegen  Dingolfin
  gen  aufgebrochen  war,  Mitwirkung  zum  Angriff  bei
Landehut,  und  zwar  im  Rücken  der  Bayern  geboten.
All  ein  die  schlechten  Wege  hatten  jenem  Corps  erst  um
10  Uhr  Morgens  bei  Dingolfingen  über  die  Isar  zu

seines  ganzen  5ten  leichten  Bataillons,  während  der  Vertheidigung
  der  Brücke  und  Vorstädte  von  Landshut,  volle
Gerechtigkeit  wiederfahren.  Er  bemerkte  ferner,  daß  er
die  Ordnung  des  so  schwierigen  Rückzuges  vorzüglich  der
Umsicht  und  Tapferkeit  des  Gener  als  Grafen  Seydewitz,
so  wie  dem  ausgezeichneten  Benehmen  der  beiden  unter
ihm  stehenden  Cavallerie,  Regimenter  und  des  öten  leichten
  Bataillons  verdanke.  General  Graf  Seydewitz
rühmte  dagegen  das  wackere  Betragen  des  Obersten  Baron
von  Muffel,  des  Majors  Plattner,  des  Rittmeisters
  Rittmann,  der  Oberlieutenants  Dichtel,  Lurß,
der  Lieutenants  Spengel,  Baierlein,  Weinbach,
Barons  Seefried  des  äten  Chevaurlegers-Regimentes,
der  Lieutenauts  Volkhammer,  Pertenhammer  des
aken  Dragoner  =  Regimentes.  Oberstlieutenant  Graf
Buttler  bezeichnet  den  Hauptmann  Kolleffel,  die
Oberlieutenants  Buch  holz  und  Gerhard  seines  leichten
  Bataillons  als  vorzüglich  tapfere  Männer.  (S.  Armee-Befehle
  vom  26sten  April,  oten  Mai,  5.  2.,  238sten
November  .  2.  1800,  loten  Mai  §.  1.,  22sten  December
  F.  15.  1810.)
        <pb n="64" />
        —  60  —

gehen  gestattet.  Feldmarschall-Lieutenant  Fürst  Rosenberg
  sandte  darauf  seine  Abant  =  Garde  auf  der  von
Straubing  nach  Landshut  führenden  Straße  über  Weng;
den  General  Sommariva  aber  mit  einem  Regiment
Chevaurlegers,  drei  Escadronen  Husaren  und  zwey  Bataillons,
  über  Wdrth  auf  die  von  Dingolfingen  nach
Landöhut  führende  Hochstraße.  Er  selbst  folgte  mit  dem
übrigen  Theil  des  Aten  Corps.  Die  vom  General  Stutterheim
  befehligte,  aus  drei  Bataillons,  vier  Cscadronen
  und  einer  leichten  Batterie  bestehende  Abvant-Garde
des  Rosenbergischen  Corps,  war  in  der  Nähe  des  Dorfes
  Weng  auf  das  von  Rottenburg  vorgeschobene  bayerische
  Geschwader  des  Sten  Chevauxlegers-Regimentes  gestoßen.
  Nach  kurzem  Gefecht  zog  sich  letzteres  sogleich
gegen  Erbelsbach,  von  da  nach  Rottenburg  zurück.  General
  Stutterhein  hatte  nach  diesem,  die  Kanonnade
bei  Landshut  beständig  hdrend,  seine  Richtung  dahin  eilig
fortgesetzt,  aber  er  konnte  erst  Abends  5  Uhr,  also  erst
nach  dem  Rückzuge  der  Bapern  unter  Deroy,  Altheim
erreichen.  Das  öte  Corps  kam  dann  äußerst  spät  in
Och  an,  besetzte  mit  seiner  Avant-Garde  Essebach,  Erbelsbach,
  Kolnbach,  und  stellte  seine  Verbindung  mit
dem  öten  Corps  her.  Nicht  zu  berechnen  wären  für  die
bayerische  Division  die  furchtbaren  Folgen  von  der  früheren
  Ankunft  dieses  Corps  auf  dem  Kampfplatze  bei
Landshut,  so  wie  die  Mitwirkung  des  Feldmarschall-Lieutenants
  Hiller  gewesen,  wenn  er  Abtheilungen
seines  Corps  bei  Moosburg,  wie  es  befohlen  war,  zeitig
über  die  Isar  geschickt  hätte.

Am  gleichen  Tage  war  es  auch,  daß  Feldmarschall-Lieutenant
  Jellachich  mit  3  Bataillons  und  8  Escadrons
  die  Hauptstadt  Bayerns  besetzte,  und  sich  an  der
        <pb n="65" />
        —  61  —

Isar,  mit  Vorposten  bei  Schwabing,  Sendling,  Thalkirchen,
  aufstellte,  ohne  aber  damit  seinem  Gegner  sehr
gefährlich  zu  werden.  Die  Avant-Garde  des  kten  österreichischen
  Armee  =  Corps  rückte  in  der  nämlichen  Zeit
von  Nittenau  über  Kirn  auf  die  Rheinhausener=  Hdhen
in  die  Nähe  von  Regensburg;  General  Creneville
sandte,  von  Schwarzenfeld  aus,  zur  Herstellung  der
Verbindung  mit  diesem  Corps,  eine  Abtheilung  gegen
Burglengenfeld.  Die  Franzosen  dagegen  verstärkten  bei
Annäherung  der  Oesterreicher  ihre  am  Regen  vor  Stadtamhof
  aufgestellten  Posten.  Die  Brücken  bei  Weir  und
Salern  waren  von  ihnen  schon  zerstèrt,  und  nur  die  bei
Rheinhausen  beibehalten  worden.  Der  Herzog  von
Auerstädt  zog  nach  und  nach  sein  ganzes  Armee-  Corps
auf  das  rechte  Donau-Ufer  über.  Generallieutenant
Baron  Wrede  blieb  an  diesem  Tage  mit  seinen  unterhabenden
  Truppen  in  der  Stellung  bei  Biburg.  Der
Kronprinz  von  Baypern  hingegen  mit  der  1sten  Division
  nahm  eine  Stellung  bei  Pfaffenhofen.  Der  franzdsische
  Oberst  Montlegiers  war  zu  Deckung  der  Straße
von  München  nach  Pfaffenhofen  mit  zweien  Escadronen
und  dem  usten  leichten  Bataillon  bei  Hohenkammer.
Hier  hielt  er  die  Brücken  bei  Allershausen  und  Crantsberg
  besetzt,  und  verband  er  sich  durch  Streifwachten
mit  der  bereits  an  die  Amper  vorgerückten  leichten  Cavallerie
  vom  Corps  des  Generals  Oudinot.  Das
Hauptquartier  des  Marschalls  Herzog  von  Danzig  war
in  Geisenfeld.

Erzherzog  Carl  hatte  nach  der  Affaire  bei  Landshut
die  Absicht,  zwischen  Ingolstadt  und  Regensburg  über
die  Donau  zu  gehen,  und  die  Vereinigung  der  verschiedenen
  franzdsischen  Armee-Corps  zu  hindern.  Unbekannt
        <pb n="66" />
        —  62  —

mit  der  Aufstellung  des  Herzogs  von  Auerstaͤdt  wollte
er  uͤber  Pfeffenhausen  gegen  Siegenburg  gehen.  Darum
sollte  das  6te  Corps,  jene  Bewegung  vom  rechten  Donau=Ufer
  aus  zu  decken,  uͤber  Au  nach  Pfaffenhofen  ziehen,
um  das  Corpos  Oudinot's,  welches  man  noch  bei
Augsburg  wähnte,  im  JZaum  zu  halten.

Am  17k##ten  April  machte  daher  die  dsterreichische
Haupt-Armee  folgende  Bewegung:  Das  öte  Corps
(Feldmarschall-Lieutenant  Hiller)  stellte  sich  bei  Moosburg,
  und  dehnte  seine  Avant-Garde  über  Buckhofen,
Zolling,  Nandlstadt  und  Mainburg  aus;  eine  Abtheilung
unter  Major  Scheibler  wurde  angewiesen,  nach  Pfaffenhofen
  vorzurücken.  Das  öte  Corps  zog  nach  Weichmuhl,
  und  dessen  durch  ein  Uhlanen-Regiment  verstärkte
Avant-Garde  besetzte  Holzhausen  und  Pfeffenhausen.
Das  öte  Corps  bewegte  sich  nach  Hohen-Tann  auf  der
Rottenburger-Straße,  und  stellte  sich  schlagfertig  auf
der  nach  Kellheim  führenden  Hochstraße  auf;  bei  Turnfeld
  die  Avant-Garde,  sandte  Abtheilungen  an  die  Laber.
Das  äate  Corps  erschien  schlagfertig  auf  der  Straße  von
Landshut  nach  Regensburg,  in  der  Nähe  von  Essebach,
die  Avant  =  Garde  bei  Martinshann  und  Erbelsbach.
Letztere  sandte  eine  Abtheilung  nach  Eggmühl  gegen  Regensburg.
  Die  Brigade  Veczay  bewegte  sich  nach
Geiselhbring,  ebenfalls  Abtheilungen  gegen  Eggmühl  und
Regensburg  sendend.  Das  uste  und  2te  Reserve-Corps
gingen  bei  Landshut  über  die  Isar,  und  erreichten,  das
erstere  Ergoldingen,  das  zweite  Altdorf.  Das  Regiment
  Lewenehr-Dragoner  wurde  dem  öten  Corps  zugetheilt.


Die  verschiedenen  franzdsischen  Armee-Corps  verfolgten
  während  dessen  die  ihnen  gebotenen  Bewegungen.
        <pb n="67" />
        —  63  —

Marschall  Davoust  hatte  sein  Armee-Corps  bei  Regensburg
  gesammelt,  und  sich  mit  dem  rechten  Flügel  auf
dem  Dreifaltigkeits-Berge,  mit  dem  linken  auf  den
Karrer-Höhen  gestellt,  dabei  seine  verschiedenen  Posten
am  Regen  verstärkt.  Der  wiederholte  Versuch  der  Avant-Garde
  des  2ten  österreichischen  Corps  unter  General
Klenau,  den  Besitz  des  gut  vertheidigten  Dorfes  Rheinhausen
  zu  erkämpfen,  ward  fortwährend  vereitelt.  Das
uste  dsterreichische  Corps  faßte  indessen  bei  Nittenau
Stand.

Die  Stellung  der  baierischen  Armee  war,  noch  immer
  in  der  Voraussetzung  einer  Vertheidigung  gegen  den
übermächtigen  Gegner,  und  im  Nothfall  durch  die  Deckung
  von  Ingolstadt  und  Neuburg  einen  Rückzug  über
den  Lech  ausführen  zu  können,  an  demselben  Tage  folgende:
  Die  Iste  Division,  unter  dem  Kronprinzen
von  Baiern,  bewegte  sich  von  Pfaffenhofen  nach  Reichertshofen,
  daselbst  eine  Stellung  hinter  der  Paar  nehmend;
die  Cavalerie-Brigade  bei  Geisenfeld  und  Börnbach,  Patrouillen
  gegen  Mainburg  und  Pfaffenhofen  sendend.
Die  bei  Hohenkammer,  später  bei  Reichertshofen  gestandene,
  aus  zwei  Bataillons  und  zwei  Escadrons  bestehende
  baierische  Abtheilung,  rückte  wegen  der  Bewegungen
  des  vordringenden  Gegners  noch  in  der  Nacht
vom  17ten  zum  18ten  April  in  die  Divisions-Linie  ein.
Die  2te  Armee-Division  unter  Generallieutenant  Baron
Wrede  hatte,  vorgerückt  bis  in  die  Stellung  auf  den
Höhen  von  Siegenburg,  den  am  17ten  Morgens  5  Uhr
bis  letztgenannten  Orte  Deroy's  vollendeten  Rückzug
  gedeckt.  Deroy  selbst  lagerte  sich  hinter  der
Abens,  um  nach  großen  Anstrengungen  kurzer  Ruhe  zu
genießen.
        <pb n="68" />
        —  64  —

Um  6  Uhr  Morgens  des  nämlichen  Tages  (Irten
April)  waren  die  unter  dem  baierischen  Oberlientenant
Biber  bei  Hornbach  aufgestellten  Vorposten  des  2ten
Chevaurlegers-Regiments  Ködnig  von  einer  über  Pfeffenhausen
  gegen  Siegenburg  vorgeschobenen  Abtheilung
des  öten  dsterreichischen  Corps  angegriffen,  und  anfänglich
  zurückgedrückt  worden.  Der  Feind  hatte  zwei  Compagnien
  Fußvolk  und  zwei  Escadrons.  Aber  von  ihrem
Regiment  untersintzt,  griffen  die  Baiern  wieder  mit  Ungestim
  an,  und  warfen  die  dsterreichischen  Escadronen
mit  Verlust  von  30  gefangenen  Uhlanen  und  20  Verwundeten
  auf  deren  Infanterie  zurück.  Während  dieses
Gefechts  vereinzelten  sich  aber  die  baierischen  Chevauxlegers
  zu  sehr.  Oaher  auf's  Neue  angegriffen,  wurden
sie  wiederholt  mit  Verlust  einiger  Todten-  und  Verwundeten,
  zum  Rückzug  auf  die  baierische  Cavalerie-Brigade
der  Armee=  Division  des  Generallientenants  Wrede
vor  Siegenburg  gendthiget.  Auch  die  dsterreichische  Abtheilung
  kehrte  zu  den  Ihrigen  zurück.

Fast  in  denselben  Stunden  griff  General  Klenau
die  Franzosen  an,  welche,  um  den  Donau=  Uebergang
bei  Regensburg  zu  decken,  ihre  Posten  am  Regen  verstärkt
  hatten.  Er  vertrieb  sie  mit  einer  heftigen  Kanonade
  aus  den  Ddrfern  Weir  und  Salern,  und  errichtete
zwei  Batterien  auf  denen  oberhalb  Rheinhausen  gelegenen
  Hôhen.  Noch  eine  dritte  legte  er  in  der  Nähe  des
Dorfes  Weir  beim  Zusammenfluß  des  Regens  und  der
Donau  an,  die  den  sogenannten  Steinweg  der  Stadt
Regensburg  bestrich.  Dessenungeachtet  gelang  es  dem
General  Klenau  nicht,  weder  sich  im  Besitz  des  wohlvertheidigten
  Dorfes  Rheinhausen  zu  setzen,  noch  den

Ueber-
        <pb n="69" />
        —  65  —

Uebergang  der  verschiedenen  franzbsischen  Truppen  auf
das  rechte  Donau-Ufer  zu  hindern.

Am  138ten  April  zog  der  Herzog  von  Auerstädt
seine  letzten  Truppen,  und  zwar  die  von  Heman  kommende
  Division  Friant,  über  die  Donau,  und  hatte  zu
dem  Ende  auf's  Neue  seine  Stellung  vor  Stadtamhof  und
seine  Posten  am  Regen  verstärkt.  Das  kte  dsterreichische
Armee-Corps  eilte  deswegen  sogleich  nach  Kirn,  um
folgenden  Morgens  die  feindliche  Stellung  vor  Stadtamhof
  anzugreifen,  die  Verbindung  des  Feindes  mit  Heman
zu  unterbrechen  und  dessen  Stellung  zwischen  dem  Dreifaltigkeitsberg
  und  den  Karrerhdhen  wegzunehmen.  Zwei
Divisionen  Oesterreicher  zogen  sich  zu  dem  Ende  von  Kirn
nach  Regenstauf;  mit  ihnen  vereinigten  sich  auch  die  Truppen
  der  Avantgarde  unter  General  Klenau.  Oie  dsterreichische
  Stellung  vor  dem  Dorfe  Rheinhausen  blieb  durch
34  Bataillons,  4  Escadronen  und  5  Batterien  besetzt.
Während  dieser  Bewegung  des  2ten  Corps  ließ  Feldmarschall-Lieutenant
  Bellegarde  die  Reserve  des  ersten
Corps  unter  General  Nostitz  nach  Schwandorf  vorrücken,
  um  Verbindung  mit  Feldmarschall  =  Lieutenant
Collowrath  zu  unterhalten  und  dem  2ten  Corps  eine
Reserve  aufzustellen.  Eine  Brigade  sandte  er  nach  Ebermannsdorf,
  dem  Puncte  Schwandorf  sich  nähernd.  Alle
dem  Erzherzog  Carl  zugekommenen  Meldungen  hatten
bestätiget,  daß  der  Herzog  von  Auerstädt  noch  unbeweglich
  bei  Regensburg  stehe,  und  keine  Anstalt  treffe,
sich  mit  dem  Corps  hinter  der  Abens  zu  vereinigen.  Er
beschloß  daher,  sich  mit  seinen  Hauptmassen  bei  Kloster
  Rohr  aufzustellen,  um  das  Corps  des  Herzogs  von
Auerstädt  in  dem  Augenblick  anzugreifen,  wenn  es  die
Stellung  von  Regensburg  verlassen  und  Vereinigung  mit

II.  ötes  Buch.  5
        <pb n="70" />
        —  66  —

den  bayerischen  Divisionen  hinter  der  Abens  machen  wolle.
Demzufolge  mußte  sich  das  bei  Pfeffenhausen  unter  dem
Erzherzoge  Ludwig  angekommene  Corps  bei  Ludmannsdorf,
  und  dessen  Avantgarde  auf  den  Höhen  von  Siegenburg
  aufstellen,  diesen  Ort  besetzen  und  Posten  an  die
Abens  vorschieben,  um  die  Bewegung  der  Hauptarmee
gegen  Rohr  zu  decken.  Das  öte  Armee-Corps  unter
Feldmarschall-Lientenant  Hiller  mußte  schleunigst  von
Moosburg  über  Au  nach  Mainburg  rücken,  und  erhielt
zur  Aufgabe  die  Verbindung  mit  Landshut  und  die  Behauptung
  des  genannten  Punctes  bis  zur  Ankunft  des
Sten  Corps.  Eine  Didvision  wurde  noch  zur  Verstärkung
des  Lagers  bei  Rohr  detachirt.  Das  bei  Eulenbach  jenseits
Rottenburg  angekommene  te  Corps  ging  ebenfalls  nach
Rohr.  Es  stellte  seine  Avantgarde  bei  Bachel  auf  der
großen  Straße  rechts  bis  Großen-Muß,  und  schob  eine
Abtheilung  bis  Reising  in  der  Nähe  der  von  Regensburg
nach  Abensberg  führenden  Hochstraße  vor.  Auch  das  ate
Corps  der  Oesterreicher  nahm  die  Richtung  nach  Rohr,
und  schickte  die  Avantgarde  nach  Langqwaid,  also,  daß  sie
sich  um  0  Uhr  Abends  links  an  die  bei  Großen-Muß  befindliche
  Avantgarde  des  ten  Corps,  rechts  an  die  bei
Eggmühl  aufgestellte  Brigade  Veczay  anschloß.  Ebenso
ging  das  iste  Reserve-Corps  nach  Rohr.  Es  war  durch
die  Division  Lindenau  des  ten  Corps  und  durch  eine
Brigade  des  ZTten  Reserve-Corps  verstärkt  worden.  Das
2tei  Reserve-Corps  zog  nach  Pfeffenhausen  als  Unterstützung
  des  öten  Corps.

Auf  diese  Art  hätte  der  Erzherzog  Cark  zwischen
Siegenburg  und  Rohr  eine  Macht  von  ungefähr  32,000
Mann  versammelt.
        <pb n="71" />
        —  67  —

Die  Division  des  Generallieutenants  Wrede  hatte
sich  indessen  schon  am  17ten  Abends  auf  das  linke  Ufer
der  Abens  zurückgezogen  und  die  Brücke  bei  Siegenburg
verbrannt.  Die  Division  Deroy  hingegen  hatte  auf  Befehl
  des  Herzogs  von  Danzig  den  Rückzug  über  Neustadt
  gegen  Vohburg  fortgesetzt.

 

5.

Gefechte  bei  Siegenburg,  Abensberg,  Schneidert,
  Hausen,  Dinzlingen,  Abensberg,
Biburg.

Kaiser  Napoleon  schon  am  124ten  Abends  durch
den  Telegraphen  vom  Uebergange  der  bsterreichischen  Armee
  über  den  Inn  benachrichtiget,  war  sogleich  von  Paris
abgereist;  erschien  am  16ten  Morgens  3  Uhr  zu  Ludwigsburg,
  am  Abend  in  Dillingen,  am  17ten  in  Donauwdrth,
am  18ten  in  Ingolstadt.  Mit  Blitzes-Schnelle  erhielt
seine  ganze  Armee-Linie  die  Zeichen  seiner  Ankunft  an  den
Donau-Ufern.  Nun  mußte  plötzlich  das  gesammte  baierische
  Heer  Stellung  bei  Neustadt  einnehmen;  selbst  die  Division
  Deroy  gieng  wieder  dahin  zurück.  Nur  die  Division
Wrede  rückte  noch  denselben  Tag  (Abends  18ten  April)
bis  Siegenburg  vor,  um  dort  den  Oesterreichern  die  Herstellung
  einer  Brücke  und  den  Uebergang  über  die  Abens
zu  verwehren.  ODie  darum  erhobene  Kanonade  that  wenig
Schaden,  sicherte  aber  den  Baiern  das  linke  Abensufer
zu.  Marschall  Davoust  erhielt  Befehl,  mit  seinem
ganzen  Corps  Regensburg  zu  verlassen,  um  sich  mit  den
Baiern  hinter  der  Abens  zu  vereinigen.  Er  rief  daher
schon  am  18ten  Abends  seine  Truppen  von  Rheinhausen
zurück,  und  ließ  die  über  den  Regen  führende  Brücke
abbrennen.  Das  würtembergische  Armee-Corps  bewegte

5  *
        <pb n="72" />
        —  68  —

sich  ebenfalls  unaufhaltsam  gegen  Neustadt.  Die  Dibvi—
sionen  Bondet  und  Molitor  vom  Corps  des  Herzogs
von  Rivoli,  die  Badener  und  Hessen  hatten  Augsburg
erreicht.  Das  Corps  des  Generals  Oudinot  war  bei
Friedberg  über  den  Lech  gegangen,  und  hatte  seine  Bewegung
  gegen  Pfaffenhofen  fortgesetzt.

Am  10ten  Morgens  setzte  sich  der  Herzog  von  Anerstädt
  mit  Jurücklassung  eines  Regiments,  als  Besatzung
zu  Regensburg,  in  3  Colonnen  gegen  Abensberg  in  Bewegung.
  Die  iste  Colonne,  aus  der  Cuirassier-Division
  St.  Sulpice  und  dem  Artillerie=  und  Fuhrwesens-Train
  bestehend,  zog  über  Abbach,  Postsaal  u.  s.  w.  Die
Zte,  an  ihrer  Spitze  die  Division  Morand,  ihr  folgend
die  Division  St.  Hilgire,  zog  von  Ober-Isling  über
Hohen-Gebraching,  Seedorf,  Keising,  Tengen;  die  zte,
an  ihrer  Spitze  die  Division  Gudin,  dann  die  Dioision
Friant,  bewegte  sich  von  Burg-Weinting  über  Hinkofen,
  Weichenloe,  Saalhaupt  u.  s.  w.  Die  Dioision  Montbrun,
  aus  2  Brigaden  leichter  Cavalerie=  und  3  leichten
  Infanterie-Regimentern  zusammengesetzt,  bildete  die
Avantgarde,  und  deckte  diesen  Flankenmarsch,  sich  zwischen
  Abbach,  Preising  und  Dinzlingen  aufstellend.  Die
dsterreichische  Hauptarmee  dagegen  begann  am  10ten  um
0  Uhr  Morgens  ihre  Angriffsbewegung  von  Rohr  aus  gegen
Regensburg  in  der  Ueberzeugung,  hier  noch  den  Herzog
von  Auerstädt  zu  finden.  Sie  bildete  drei  Colonnen,
während  das  öte  Armee=  und  2te  Reserve-Corps  den
hinter  der  Abens  aufgestellten  Gegner  bei  Siegenburg
beschäftigen,  und  eine  Infanterie-Brigade  und  ein  Cavalerie-Regiment
  den  Punct  Biburg  beobachten  sollte.
Das  öte  Armee-Corps  unter  Feldmarschall-Lieutenant
Hiller  hatte  Befehl,  jenes  5te  Armee-Corps,  von
        <pb n="73" />
        —  69  —

Mainburg  aus,  uͤber  Pfeffenhausen  und  Leitmannsdorf,
zu  unterstuͤtzen,  und  jedes  Unternehmen  des  Herzogs  von
Danzig  zu  lähmen.

Die  üste  dsterreichische  aus  16  Bataillons  und  6  Escadrons
  bestehende  Colonne  unter  Feldmarschall-Lieutenant
Fürst  Hohenzollern  rückte  gegen  Abbach.  General
Pfanzelter  wurde  während  dessen  mit  einem  Bataillon
  und  zwei  Geschwadern  unweit  Bachel  aufgestellt.
  Er  sollte  den  linken  Flügel  der  Colonne  decken,
und  Verbindung  mit  der  Brigade  Thierry  unterhalten,
  welche,  aus  sechs  Bataillons  und  dem  Regimente
Lewenehr-Dragonern  bestehend,  auf  den  Kirchdorfer-Höhen
  Biburg  und  die  Abens  beobachtete.  Die  2te  Colonne,
  20  Bataillons  und  15  Escadrons  stark,  unter  Feldmarschall-Lieutenant
  Fürsten  Rosenberg  rückte  gegen
Dinzlingen  vor;  an  ihrer  Spitze  befand  sich  der  Erzherzog
  Carl  selbst.  Die  dritte  Colonne,  10  Bataillons
und  46  Escadrons  stark,  wandte  sich  unter  dem  General
der  Cavallerie  Fürsten  Johann  von  Lichtenstein  ge-Zen
  Eglofsheim.

Die  Avantgarde  der  2ten  Colonne  brach  von  Langgwaid
  auf,  und  ging  zwischen  Päring  und  Schneidert
gen  Dinzlingen.  Sie  hatte  zur  Deckung  der  linken  Flanke
und  zur  Verbindung  mit  der  ersten  Colonne  eine  Abtheilung
  gegen  Schneidert  gesandt,  von  wo  aus  man  durch
Wald  und  auf  schlechten  Seitenwegen  nach  Abbach  kommen
  kann.  Schon  jenseits  Schneidert  stieß  diese  Absendung
  um  0  Uhr  Morgens  auf  feindliches,  von  Abbach
berziehendes  Kriegesvolk.  Es  war  der  Vortrab  des  Generals
  Montbrun,  der  bei  Abbach  stand.  Ein  dichtes
Gehölz  zwischen  Hausen,  Schneidert  und  Dinzlingen,  von
zahlreichen  Desilcen  und  Morästen  durchschnitten,  verbarg
        <pb n="74" />
        —  20  —

den  Oesterreichern  die  Bewegungen  der  Franzosen.  Bei
Erblickung  des  Gegners  stellte  sich  die  Avantgarde  der
zweiten  Colonne  sogleich  auf.  Es  begann  ein  heftiges
Kleingewehrfeuer,  während  sich  die  Hauptcolonne  selbst  in
zweien  Treffen  hinter  ihrer  Avantgarde  bildete.  Das  Gefecht
  dauerte  fort;  die  Franzosen  wurden  vom  Saum  des
Waldes  zurückgetrieben.  Noch  wartete  man  die  Annäherung
  der  üsten  bösterreichischen  Colonne  ab,  die  endlich  von
Schneidert  herzog.,  während  zugleich  ein  lebhaftes  Feuer
gegen  Hausen  gehdrt  ward.  Der  Herzog  von  Anerstädt
hatte  vom  Zuge  der  dsterreichischen  Armee  über  Langqwaid
und  Thann  erst  erfahren,  nachdem  seine  beiden  Infanterie-Colonnen
  schon  von  Mittelfeking  und  Seilbach  angekommen
  waren.  Um  daher  die  Oesterreicher  aufzuhalten  und
seinen  Flankenmarsch  zu  decken,  hatte  er  die  Division
St.  Hilaire,  als  einen  Theil  der  über  Peising  marschirenden
  Colonne,  auf  die  Höhen  und  in  die  Waldungen
zwischen  Tengen  und  Hausen  gestellt,  und  das  letztgenannte
  Dorf  besetzt.  Zur  Unterstützung  mußte  sich  auch
die  Division  Friant  von  der  2ten  franzbsischen  Infanterie-Colonne
  dem  linken  Flügel  der  ersteren  anschließen,  während
  die  Divisionen  Morand  und  Gudin  über  Buchhofen,
  gegen  Arnhofen  vorwärts  zogen.  Auch  hier  wurden
Stellung  und  Stärke  der  Divisionen  Friant  und  St.
Hilaire,  so  wie  der  Truppen,  die  General  Montbrun
  zur  Deckung  des  Abbacher  Defilées  in  der  Gegend
von  Dinzlingen  aufgestellt  hatte,  den  Oesterreichern  durch
dichte  Waldungen  verheimlichet.

Erzherzog  Carl  ließ,  nach  dem  Gefecht  bei  Schnekdert,
  seine  2te  Colonne  weiter  gegen  Dinzlingen  ziehen,
ünd  nur  die  Grenadiere  und  ein  Bätaillon  auf  den  Gruber=Hbhen
  als  Reserve.  General  Stutterheim,  der  mit
        <pb n="75" />
        —  71  —

seiner  Abtheilung  von  drel  Geschwadern,  einem  Bataillon
und  einer  leichten  Batterie  nach  Abbach  gehen  sollte,
mußte  bei  Schneidert  stehen  bleiben,  weil  die  Wege  nach
Abbach  zu  schlecht  und  die  Waldungen  von  den  Franzosen
zu  stark  besetzt  waren.  Während  dessen  ward  das  Feuer
bei  Hausen  immer  stärker.

Die  aus  10  Bataillons  und  6  Escadrons  bestehende
ouste  dsterreichische  Colonne  war  nämlich  während  ihres
Marsches  von  Thann  nach  Hausen  durch  die  fünf  Infanterie-Regimenter
  der  Division  St.  Hilaire  und  die
Dioision  Friant  aufgehalten  worden.  Das  Dorf  Hausen
fand  man  von  den  franzdsischen  leichten  Truppen  besetzt.
Diese  überließen  jedoch  das  Dorf,  ohne  großen  Widerstand,
  den  Oesterreichern,  und  zogen  sich  hinter  den  Ort
in  eine  Ausspitzung  des  dortigen  Waldes  zurück,  dessen
Saum  auf  beiden  Seiten  stark  und  mit  Uebermacht  von
den  Franzosen  besetzt  war.  Feldmarschall-Lieutenant
Lusignan  mit  einer  Brigade  und  einer  Escadron  Husaren
rückte  alsbald  gegen  den  Wald  und  die  hinter  dem  Dorf
gelegenen  Höhen  vor.  Ihren  linken  Flügel  schützten  zwei
Bataillons  unter  General  Bukassowich.  Eine  bedeutende
  Reserve  deckte  die  ganze  Unternehmung,  so  wie  die
linke  Flanke  des  Feldmarschall-Lleutenants  Hohenzollern
  gegen  allfällige  Angriffe  auf  der  Straße  von  Ober-Saal
  nach  Mittelfeking  und  Thann.

Nun  entspann  sich  ein  morderisches  Gefecht  um  den
Besitz  jener  Waldspitze.  Die  Oesterreicher  eroberten  sie
und  drückten  den  Feind  bis  in  das  Innere  des  Waldes
zurück;  aber  weiter  nicht,  denn  die  Franzosen  erschienen
mit  neuen  Verstärkungen.  Umsonst  jeder  Sturm.  Fürst
Ludwig  von  Lichtenstein  sank  mit  der  Fahne  in
der  Hand,  schwer  verwundet.  Gleiches  Schicksal  hatte
        <pb n="76" />
        —  72  —

General  Vukassowich.  Anfangs  war  dieser  links
vorgedrungen;  aber  nur  die  Tapferkeit  des  Fuͤrsten  Mo—
riz  von  Lichtenstein  an  der  Spitze  eines  Heeres  konnte
ihn  vor  gaͤnzlicher  Vernichtung  retten.  Fuͤrst  Hohen—
zollern  um  seine  linke  Flanke  besorgt,  besetzte  die  Anhdhen
  beim  Dorfe  Buch  mit  einer  starken  Abtheilung,
daß  er  dem  Feinde  wehre,  aus  den  Gehölzen  vorzugehen,
Er  stürmte,  doch  vergeblich,  gegen  die  standhaft  vertheidigten
  Stellungen  St.  Hilaire's  und  Friant's.  Aber
außer  Stand,  sein  Geschütz  zweckmäßig  zu  gebrauchen,
brach  er  das  blutige  Gefecht  endlich  ab,  und  nahm  vor
dem  Dorfe  Hausen  eine  Stellung,  die  er  aber  bald  darauf
  hinter  dasselbe  verlegte,  indem  er  nur  seinen  Vortrab
  zu  Hausen  ließ.  An  Todten,  Verwundeten  und
Gefangenen  zählte  er  bei  100  Officiere  und  3,303  Mann.
Der  franzöfsische  Verlust  mag  ebenfalls  gegen  3,000  Mann
betragen  haben.  Das  Gefecht  war  Abends  0  Uhr  beinahe
zu  Ende,  als  Erzherzog  Carl  noch  vier  Bataillone,  zwei
Geschwader  Reiterei  und  eine  Batterie  zu  Hülfe  schickte.
Doch  ein  heftiges  Gewitter  mit  Regen  hinderte  die  Erneuerung
  des  Kampfes.  Darum  sandte  Fürst  Hohenzollern
  die  vier  Bataillone  auf  die  Anhdhen  bei  Grub,
und  die  zwei  Geschwader  zum  vierten  Armee-Corps  zurück,
  das  bei  Dinzlingen  eingetroffen  war.

Dies  vierte  Corps  hatte  Dinzlingen  durch  seine  Avantgarde
  schon  besetzt,  als  General  Montbrun  von  den
Hbhen  vor  Peising  herab  kam,  das  Dorf  wieder  nahm,
mit  leichtem  Fußvolke  das  Gehölz  zu  seiner  Rechten,
und  mit  der  Reiter-Brigade  Pajol  die  Anhöhe  vor
Dinzlingen  besetzte.  Doch  Fürst  Rosenberg  trieb  den
Feind  abermals  aus  dem  Dorfe  und  von  der  Anhbhe,
gegen  Peising  und  Saulhaupt,  zutuck.  So  hielt  nun
        <pb n="77" />
        —  73  —

die  Avantgarde  des  vierten  Corps  Dinzlingen  besetzt,  mit
Vorposten  auf  den  Straßen  nach  Saalhaupt  und  Weichenlohe;
  die  Masse  lagerte  hinter  dem  Dorfe  in  den  Wal—
dungen.  Dort  stellte  die  Brigade  Veczay  zu  Eglofsheim,
  über  Lukenpoint  her,  die  Verbindung  mit  dem  vierten
  Armee-Corps,  und  der  dritten  obenerwähnten  Colonne
  her,  welche  Fürst  Johann  von  Lichtenstein,
ohne  den  Feind  erblickt  zu  haben,  nach  Eggmühl  geführt
  hatte.

Während  dieser  Begebenheiten  am  rechten  Flägel
des  Erzherzogs  Carl  hatten  auch  auf  dem  linken  Flügel
wichtige  Ereignisse  statt.

Hier  war  General  Thierry  mit  seiner  Brigade
und  einer  Batterie,  zur  Deckung  dieses  Flügels  bestimmt,
früh  Morgens  (10ten  April)  aus  dem  Lager  beim  Kloster
Rohr  auf  die  Kirchddrfer-Höhen  gerückt.  Von  da  erblickte
er  die  Bayern  schon  unterm  Gewehr;  die  Diviskon  Wrede
gegen  Siegenburg  über  hinter  der  Abens;  die  Diovision
des  Kronprinzen  vor  Abensberg,  in  einer  Bewegung
nach  Regensburg,  um  sich  dem  Herzoge  von  Auerstädt
anzuschließen;  das  iste  Chevaurlegers-Regiment  auf  einer
Anhdhe,  gegen  Arnhofen;  ein  Bataillon  des  üsten  Linien=Regiments
  bei  der  Brücke  von  Vohburg;  dann  die  Division
  Derop,  als  Reserve,  hinter  Abensberg.

Um  den  Kronprinzen  don  der  Bewegung  nach
Regensburg  abzuhalten,  eilte  General  Thierry  mit
zwei  Bataillonen,  vier  Escadronen  von  Lewenehr-DOra-Zgonern
  und  einer  halben  leichten  Butterie  nach  Arnhofen
zu;  ein  Regiment,  zwei  Escadronen  und  zwei  Kanonen  ließ
er  bei  Bruchhof  stehen.  Wie  er  aber  durch  die  Gehblze  gegen
Arnhofen  in's  Freie  trat,  stieß  er  auf  jene,  von  bayerischer
Reiterei  besetzte  Anhdhe.  Dies  hinderte  ihn  weiter  zu
        <pb n="78" />
        ruͤcken,  weil  er  die  Staͤrke  seines  Gegners  auf  der  Straße
nicht  uͤbersehen  konnte.  Er  machte  also  kleine  Aussendungen,
  theils  um  die  Anhoͤhe  zu  umgehen,  theils  um  die
Bewegungen  auf  der  Hochstraße  zu  erkennen;  doch  ohne
Frucht,  denn  die  Schutzen  des  2ten  Linien-Regimentes
Kronprinz,  am  Saum  des  Waldes,  verhinderten  ihr
Vordringen.  Er  seldst  ruckte  gegen  die  Anhbhe  vor,  und
beschoß  mit  seiner  Artillerie  die  baperische  Reiterei  droben
lebhaft;  aber  der  Kronprinz  ließ  ihm  durch  die  leichte
Batterie  Regnier  von  der  Höhe  herab  wirksam  erwiedern.
  Kurz  zu  entscheiden,  stürzte  sich  der  österreichische
Oberst  Hardegg  erst  mit  zwei,  und  zurück  geworfen,
dann  mit  sämmtlichen  vier  Escadronen  gegen  die  bayerische
Reiterei  an.  Er  brachte  sie  wirklich  zum  Weichen,  und  die
Batterie  Regnier  in  Gefahr,  als  der  Kronprinz  den
Obersten  Baron  von  Vieregg  mit  einem  Theil  des
isten  Dragoner-Regiments  schickte.  Dieser  stellte  das
Gleichgewicht  im  Gefecht  mit  seltener  Tapferkeit  wieder
her.  Erst  nach  langem  Kampf  und  großem  Verlust  zogen
  sich,  aber  langsam,  die  österreichischen  Dragoner
zurück.  General  Thlerry,,  der  während  dessen  die
bei  Bruchhof  zurückgelassene  Abtheilung  ebenfalls  heranzog
stand  bald  von  weiteren  Versuchen  ab,  da  er  sah,  daß
sich  die  ganze  1ste  Division  der  Bayern  gegen  ihn  in  Bewegung
  setzte.  Nach  mehrstündigem  Geplänkel,  nur
durch  das  Feuer  der  baperischen  Artillerie  verfolgt,  machte
er  sich  nach  Offenstetten  zurück.  Die  Division  des
Kronprinzen  aber,  die  ihre  Vereinigung  mit  Davousi's
  rechtem  Flügel  bewerkstelliget  hatte,  nahm  ihre
alte  Stellung  bei  Abensberg  wieder  ein.)

*)  Der  Verlust  der  Leßtern  bestand  bei  der  Infanterie  in
1  getödteten,  2  verwundeten  Officieren,  5  getödteten,
        <pb n="79" />
        —  75  —

Die  Division  Wrede  hatte  unterdessen  ruhig  das
ihr  gegenuͤber  stehende  Corps  des  Erzherzogs  Ludwig
beobachtet.  Dieser,  wegen  verschiedener  Absendungen,
nur  noch  11  Bataillone  und  14  Geschwader  stark,  hatte,
als  er  die  Kanonade  bei  Abensberg  hoͤrte,  den  General
Bianchi  mit  einer  Brigade  bis  Biburg  geschickt,  theils
seine  eigene  rechte  Seite  zu  sichern,  theils  dem  General
Thierry  Hand  zu  bieten.  Bianchi  ließ  es  an  der
Brücke  von  Biburg  bei  einer  folgenlosen  Kanonade  mit
gegemiber  befindlichen  Abtheilungen  der  Dioision  Wrede
bewenden.  Erzherzog  Ludwig  erwartete  noch  auf  seinem
  linken  Flügel  das  Einrücken  des  Generals  Hiller
mit  dem  öten  Armee-Corps.  Hiller  traf  wirklich  auch
noch  spät  Abends  zu  Mainburg  ein.  Unterwegs  hatte
er  aus  einer  heftigen  Kanonade  bei  Pfaffenhofen  erfahren,
  daß  sich  der  franzdsische  Feldderr  Oudinot  diesem
Puncte  näherte,  um  sich  den  Baiern  hinter  der  Abens
anzuschließen.  Pfaffenhofen  war  von  einem  Bataillon,
zwei  leichten  Compagnien  und  drei  Escadronen  Oesterreicher
  unter  Major  Scheibler  vertheidiget,  der  sich
jedoch,  nach  langem  Widerstande,  endlich  vor  der  großen
Uebermacht  zurück  auf  die  Höhen  hinter  Pfeffenhausen
begeben  mußte.

56  verwundeten  Soldaten.  Die  Cavalerie  und  zwar  das
rste  Chevaurlegers  -Regiment  Kronprinz  hatte  50,
meist  schwer  verwundete  Gemeine.  Der  Oberst  Baron
Vieregg,  der  Major  Weisse,  der  Rittmeister  Varon
Vieregg  und  Baron  Karg,  der  Oberlieutenant  Baron
Magerl,  die  Lieutenants  Schmalz  und  Graf  Hirschberg
  hatten  sich  vorzüglich  ausgezeichnet,  die  leichte  Batterie
  Regnier  ausgezeichnete  Dienste  geleistet.  (S.
Armee  Befehl  vom  isten  Juni  1800.  9.  5.)
        <pb n="80" />
        —  76  —

Als  Folge  der  Ereignisse  des  10ten  Apriltages  hatte
sich  daher  die  baierische  Armee  mit  dem  rechten  Flügel
des  Herzogs  von  Auerstädt  vereiniget.  Da  ferner  das
würtembergische  Corps  unter  BVandamme  noch  am
nämlichen  Tage  bei  Neustadt  ankam,  so  hatte  Napoleon
  auf  diese  Art  mit  letzterem,  den  Baiern-Diovisionen,
den  franzdsischen  Divisionen  Morand  und  Gudin,
von  dem  Marschall  Lannes  Herzog  von  Montebello
befehliget,  durch  die  Cuirassier-Division  Nansouty
verstärkt,  die  den  linken  Flügel  des  Ganzen  bildete,  am
Abend  des  Tages  gegen  60,000  Mann  an  der  Abens  vereiniget,
  während  Davoust  mit  den  Divisionen  St.  Hilaire
  und  Friant  in  der  nach  dem  Gefechte  bei  Hausen
  eingenommenen  Stellung,  General  Montbrun  oberhalb
  Abbach  und  die  Cuirassier-Division  St.  Sulpice,
als  Reserve,  in  der  Nähe  von  Ober-Saal  verblieb.  An
eben  jenem  Abend  des  10ten  machte  auch  das  Corps  des
Herzogs  von  Rivoli  seine  Vereinigung  mit  dem  bei
Pfaffenhofen  aufgestellten  Corps  Oudinot's;  daher  auch
auf  diesem  Punete  45,000  Mann  beisammenstanden.  Diese
bildeten  mit  jenen  62,000  Mann  eine  Masse  von  mehr  als
100,000  Mann,  und  schienen  sowohl  den  linken  Flügel
der  dsterreichischen  Armee,  als  deren  Verbindung  mit
Landshut  zu  bedrohen;  Napoleon  nahm  sein  Hauptquartier
  an  diesem  Tage  in  Vohburg.

Die  Stellung  der  bsterreichischen  Armee  war  dägegen
nun  folgende:  das  Ote  Armee-Corps  befand  sich  bei  Mainburg,
  dessen  Avantgarde  von  Jolling  gegen  Pfaffenhofen
in  Bewegung;  das  5te  Corps  zwischen  Siegenburg  und
Biburg.  General  Thierry  mit  34  Bataillons  und
653  Escadrons  bei  Offenstetten.  3  Escadronen,  später
noch  8  Compagnien  unter  General  Schustek  bei.  Rohr.
        <pb n="81" />
        —  77  —

Das  2te  Reserve-Corps  auf  den  Lutmannsdorfer-Hbhen;
das  Ste  Armee-Corps  auf  den  hinter  Hausen  gelegenen
Höhen.  Das  üöte  Armee-Corps  in  der  Nähe  von  Dinzlingen.
  Das  uste  Reserve-Corps  auf  den  Gruber-Höhen.
General  Veczay  mit  5  Bataillonen  und  8  Escadronen
bei  Eglofsheim.  Die  Cuirassiere  und  die  Division  Lindenau
  auf  der  Chaussee  von  Eggmühl  nach  Regensburg
in  der  Nähe  von  Eglofsheim.  Das  2te  Armee-Corps
auf  den  vor  Stadtamhof  gelegenen  Anhdhen.  Das  uste
Corps  auf  dem  Marsch  von  Amberg  nach  Neumarkt;  es
hatte  kleine  Parthien  bis  Nüurnberg  vorgesandt.

 

0.

Schlacht  bei  Abensberg.  Die  Oesterreicher
nehmen  Regensburg.  20sten  April.

Am  20sten  April  mit  Anbruch  des  Tages  waren  bei
Abensberg  die  Baiern  eben  unter  die  Waffen  getreten,
als  ein  Jubelgeschrei  auf  der  ganzen  Linie  ein  außerordentliches
  Ereigniß  ankündigte.  Napoleon  erschien  in
Begleitung  seiner  ausgezeichnetsten  Feldherren  in  der  Mitte
der  ihm  entgegenjauchzenden  Baiern.  Er  versammelte
die  Führer  derselben,  an  ihrer  Spitze  den  Kronprinzen
  um  sich,  redete  sie  also  an,  wie  es  der  große  Augenblick
  verlangte:

"Baierische  Krieger!
„Ich  bin  unter  Euch  nicht  als  Kaiser,  sondern  als
„Beschützer  des  rheinischen  Bundes.  Keiner  meiner
„Soldaten  begleitet  mich.  Ihr  werdet  dies  Zutrauen

„zu  schätzen  wissen.  Noch  hat  der  Feind  nie  meinen
„Rücken  gesehen.  Ich  rechne  auf  Eueren  Muth,  auf
        <pb n="82" />
        „Euere  Ausdaner,  daß  dies  auch  jetzt  nicht  geschehen
„werde.  Oesterreich  hat  sein  Wort  gebrochen,  es
„uͤberziehet  Euere  Laͤnder  mit  Krieg;  Euer  Koͤnig
„mußte  seine  Residenz  wieder  verlassen,  und  Oester-Hreich
  wollte  die  Aufldsung  Eueres  Staates,  die  Ent-„waffnung
  Euerer  Armee.  Ungarn,  Boöhmen  und  an-„dere
  raubsüchtige  Horden  wollen  sich  in  Euerer  Heimath
„theilen.  Aber  sie  werden  sich  irren.  Ihr  werdet  sie
„unter  meiner  Führung,  vereingt  mit  meinen  Armeen,
„schlagen.  Ich  werde  Euere  Staaten  vergrößern,  Ihr
„werdet  in  Zukunft  nicht  mehr  meines  Schutzes  bedür-„fen;
  Ihr  allein  werdet  stark  genug  seyn,  um  Oester-„reichs
  Macht  zu  widerstehen;  ich  war  zu  schonend
a„gegen  diese  Macht,  ich  werde  es  nicht  mehr  sepn.
„In  wenigen  Tagen  werdet  ihr  in  München  und  in
weinem  Monate  sollt  ihr  in  Wien  seyn.  Dort  sollt
„Ihr  Eueren  Feinden  all  jenen  Schaden  erwiedern,
aden  sie  Euch  in  München  zugefügt  haben.“

Diese,  von  dem  baierischen  Kronprinzen  den
Offizieren  übersetzte,  von  letzteren  den  gemeinen  Soldaten
mitgetheilte  Rede  war,  ganz  auf  die  Stimmung  der  gegen
Oesterreich  außerordentlich  erbitterten  Gemüther  berechnet,
von  entschiedener  Wirkung.  Aehnliche  Aufforderungen  zu
siegreichem  Kampfe  geschah  den  würtembergischen  Truppen.

Darauf  besichtigte  Napoleon,  auf  einer  Anhbhe
vor  Abensberg  die  dsterreichischen  Stellungen,  und  befahl
die  Wegnahme  des  wichtigen  vom  Feinde  nur  schwach
besetzten  Punctes  Rohr.  Alsbald  wandte  sich  der  Herzog
von  Montebello  auf  der  großen  Straße  dahin,  Vandamme
  mit  den  Würtembergern  gegen  Bruchhof,  der
Kronprinz  von  Baiern  gegen  Offenstetten,  als  Re-
        <pb n="83" />
        serve  folgte  Deroy.  Wrede  bereitete  sich  bei  Siegenburg
  über  die  Abens  zu  gehen.

Unterdessen  hatte  von  der  anderen  Seite  Erzherzog
Ludwig,  besorgt  um  seine  rechte  Seite,  dem  General
Bianchi  vor  Biburg  drei  Bataillone  Verstärkung  nach
Kirchdorf,  und  das  2te  Reserve-Corps  hinweg  von
den  Lutmannsdorfer=  Höhen  auf  die  Siegenburger-Hohen
geschickt.  Das  öte  Armee-Corps  der  Oesterreicher  aber
war  von  Mainburg,  auf  Umwegen  über  Pfeffenhausen,
nach  Niederhornpach  gegangen,  um  sich  dem  öten  Corps
anzuschließen,  hatte  jedoch  die  Avantgarde  zwischen  der
Amper  und  Abens  stehen  gelassen,  um  General  Oudinot
  und  den  Punct  Pfaffenhofen  zu  beobachten.

Bei  Offenstetten,  wo  General  Thierry  mit  einer
Abtheilung  Oesterreicher  stand,  ward  durch  Streifwachten
bald  die  allgemeine  Bewegung  der  Baiern  und  Franzosen
mit  Tagesanbruch  kund.  Auch  währte  es  nicht  lange,
daß  das  iste  Bataillon  und  die  Schützen  des  isten  und
2ten  Linien-Regimentes  der  Baiern  vor  Offenstetten  erschienen
  und  mit  Heftigkeit  angriffen,  denen  die  ganze
übrige  Division  des  baierischen  Kronprinzen  folgte.
Thierry,  nachdem  er  tapfern  Widerstand  geleistet
und  den  Baiern  einigen  Verlust  zugefügt  hatte,  mußte
ihnen  das  Dorf  überlassen.  Er  nahm  Stellung  hinter
demselben,  um  sie  zu  hindern,  aus  dem  Orte  hervorzugehen,
  doch  die  große  Uebermacht  vor  ihm,  dann  die
Bewegung  der  Wurtemberger  auf  seiner  linken  Seite
überzeugten  ihn  von  der  Vergeblichkeit,  hier  länger  zu
beharren.  Es  war  3  Uhr  Morgens.  Wohlgeordnet,  doch
so  rasch,  daß  ihm  die  Baiern  wenig  schaden  konnten,
zog  er  gegen  Kloster  Rohr,  über  Bachel  zurück,  wo  ihn
General  Pfannzelter  mit  einem  Bataillon  und  zwei
        <pb n="84" />
        —  80  —

Geschwadern  aufnehmen,  und  unterstuͤtzen  sollte.  Nur
seine  Reiterei,  die  vier  Escadronen  Lewenehr-Dragoner,
war  wegen  des  vielfach  unterbrochenen  Geländes  gendthiget,
  sich  bei  dem  schnellen  Rückzug  von  ihm  zu  trennen.
  Angekommen  bei  Bachel  fand  er  da,  statt  des
Generals  Pfannzelter,  der  durch  höhern  Befehl  zur
Vereinigung  mit  dem  öten  Corps  abgerufen  war,  schon
die  feindliche  Vorhut  des  Herzogs  von  Montebello.
Getrennt  von  seiner  Reiterei,  verfolgt  vom  Kronprinzen
  von  Baiern,  dessen  Division  der  Kaiser  Napoleon
unmittelbar  leitete,  warf  sich  Thierry  mit  seinem  Fuß-Lolk
  in  die  Gehölze,  um  auf  Abwegen  zum  Kloster  Rohr
zu  entkommen,  bei  dem  der  General  Schustek  aufgestellt
  war.

Napoleon  ließ  die  Division  des  Kronprinzen
bei  Bachel  stehen,  und  sich  da  mit  der  Cuirassier-Division
St.  Sulpice  vereinigen.  Die  letztere  aber  schickte  er
ohne  Verzug  gegen  Kloster  Rohr,  in  der  Hoffnung,  den
größern  Theil  von  Thierry's  Mannschaft  gefangen  zu
bekommen.  In  der  That  erreichte  diese  Reiterei  den  bezeichneten
  Punct  fast  zugleich  mit  Thierry's  Leuten.
Sie  warf  nach  kräftigem  Widerstand  die  vier  Husarengeschwader
  des  Generals  Schustek  zurück,  welche  sich
nun,  links  und  rechts  der  Hochstraße  durch  Thierry's
Fußvolk  am  Waldsaum  gedeckt,  auf  die  Höhen  hinter
Kloster  Rohr  zogen.  Aber  auch  hier  von  den  Cnirassieren
und  dazu  von  mehreren  Bataillonen  des  montebellischen
Corps  verfolgt,  sahen  sich  die  Oesterreicher  in  die  weite
Ebene  hinter  dem  Wald  hinausgedrängt.  Zwar  stiessen
  hier  die  von  Thierry's  Abtheilung  getrennt  gewesenen
  vier  Geschwader  Lewenehr-Dragoner  wieder
zu  ihnen,  zwar  thaten  sie  einen  verzweifelten  Angriff

gegen
        <pb n="85" />
        gegen  die  franzoͤsische  Reiterei,  aber  heftig  zuruͤckgewor—
fen,  rissen  sie  ihr  eigenes  Fußvolk  zur  regellosen  Flucht
fort  bis  gegen  Rottenburg.  Umsonst  suchte  Thierry
noch  seine  Schlachthaufen  zu  versammeln.  Sie  blieben
zersprengt.  Ueber  3,000  Mann  fielen  in  Gefangenschaft
der  Sieger;  was  uͤbrig  blieb,  rettete  sich  nach  Rottenburg,
  wo  eben  zur  guten  Stunde  Feldmarschall-Lieutenant
Vincent  mit  den  österreichischen  Brigaden  Weissenwolf
  und  Hofmeister,  nebst  vier  Geschwadern
Chevaurlegers  eingetroffen  war.

Diesen  hatte  General  Hiller  dahin  geschickt,  der
auf  den  Siegenburger=  Höhen  Thierry's  und  Schusteks
  Gefahr  vernommen  und  für  die  Verbindungs-Linie
  zwischen  Rohr  und  Landshut  fuͤrchtete.  Vincent
selbst  hatte  die  Wichtigkeit  der  Stellung  bey  Rottenburg
erkannt,  und  daß  er  sie  eher,  denn  der  Feind  erreichen
müsse,  damit  Montebello's  Vorhut  nicht  früher  nach
Landshut  komme,  als  die  Oesterreicher.  Daher,  als  er
die  bei  Rohr  Geschlagenen,  vom  Feinde  Verfolgten  sah,
gewann  er  mit  zwei  Regimentern  im  vollsten  Lauf  die
Anhbhen  bei  NRottenburg,  besetzte  das  Dorf  selbst  sogleich
mit  Compagnien,  stellte  die  nachrückende  Brigade  Weissenwolf
  auf  seinen  linken  Flügel,  und  nahm  das  fliehende
  Corps  Schustek's  auf.  Die  Franzosen  blieben
ihm  gegenüber  bei  Barndorf  stehen.

Feldmarschall-Lieutenant  Hiller,  der  bald  darauf
persdlich  nach  Rottenburg  kam,  um  sich  von  der  Lage
der  Dinge  zu  belehren,  ließ  noch  denselben  Abend  um
7  Uhr  durch  die  Brigade  Weissenwolf  die  feindliche
Stellung  bei  Barndorf  angreifen.  Unrichtige  Meldungen
hatten  ihn  über  die  wahre  Stärke  seines  Gegners  ge-II.

  ötes  Buch.  6
        <pb n="86" />
        —  82  —

taͤuscht.  Er  ward  aber  bald  eines  anderen  uͤberzeugt,
als  jene  Brigade  nach  Anfangs  gluͤcklichem  Vordringen
durch  außerordentliche  Uebermacht  und  mit  bedeutendem
Verlust  nach  Rottenburg  zuruͤckgeworfen  wurde.  Nun
fuͤhlte  der  Feldmarschall-Lieutenant,  daß  er  nur  durch
schnelle  Vereinigung  seines  ganzen  Corps  das  Nachtheilige
seiner  jetzigen  Stellung  vermindern  koͤnne.  Denn  ohne
Verbindung  mit  der  Hauptmacht  des  Erzherzogs  Carl
war  er  auch  von  Pfaffenhofen  her  durch  den  Feind  seitwärts
  bedrohet,  während  Erzherzog  Ludwig  durch  die
Bewegung  der  Baiern  unter  Wrede's  Anführung  bald
außer  Stand  gesetzt  seypn  konnte,  die  Uebergänge  über  die
Abens  länger  zu  vertheidigen.

Wirklich  hatte  Wrede  den  mündlichen  Befehl  Napoleon's
  in  der  Frühe  erhalten,  über  die  herzustellende
Brücke  bei  Biburg  zu  gehen,  und,  unterstützt  durch  eine
Bewegung  des  Generals  Vandamme,  gegen  die  linke
Seite  des  Erzherzogs  Ludwig,  diesen  gegen  Landshut
zuruckzudrücken.  Zwar  ließ  der  Erzherzog  gleich  mit
Tagesanbruch  die  baierische  Dioision  durch  eine  Zwdlfpfünder-Batterie
  beschießen,  um  sie  zu  hindern,  bei
Siegenburg  hervorzutreten.  Allein  gegen  0  Uhr  Morgens
stellte  sich  Generallieutenant  Wrede  an  die  Spitze  der
Brigade  Beckers,  und  zwang  durch  einen  heftigen  Angriff
  den  General  Bianchi  aus  seinen  weitläufigen  Stellungen
  bei  Biburg  nach  den  Höhen  vor  Kirchdorf  zurückzugehen,
  wo  der  Feldmarschall-Lieutenant  Fürst  Neuß
sehr  vortheilhaft  stand.  Hier  hatten  nun  die  Oesterreicher
8  Bataillons,  10  Compagnien  und  14  Escadrons  beisammen.
  Wreder's  wiederholte  Angriffe  waren  daher  fruchtlos,
  weil  er  seinem  Gegner  nur  seine  2te  Brigade  Fußvolk
  und  seine  Reiterei  entgegenstellen  konnte;  denn  die
        <pb n="87" />
        iste  Brigade  unter  Minucci,  dem  Zuge  der  Wuͤrtemberger
  unter  Vandamme  gegen  Siegenburg  gefolgt,
vereinigte  sich  auch,  trotz  aller  Sendungen  Wrede's,
nicht  eher  wieder  mit  der  baierischen  Division,  bis  sie
über  Siegenburg  vor  Pfeffenhausen  gekommen  war.

Diese  Trennung  brachte  manchen  Nachtheil,  denn
nachdem  man  sich  hier  mit  beiderseitigem  Verlust  bis
2  Uhr  Nachmittags  geschlagen  hatte,  befahl  Erzherzog
Ludwig  allgemeinen  Rückzug  gegen  Pfeffenhausen,  um
sich  mit  General  Hiller  zu  vereinigen.  Hiller  hatte
jetzt  schon  Thierry's  und  Schustek's  Mißgeschick  erfahren
  und  Gewißheit,  daß  er  umgangen  und  vom  Erzherzog
  Carl  abgeschnitten  sey.  Wie  sich  daher  Fürst
Reuß  von  Kirchdorf  über  Birwang  und  General  Radetzky,
  mit  einer  Abtheilung  Reiterei  und  Fußvolks,
über  Schweinbach  nach  Pfeffenhausen  zurückzog,  konnte
Wrede  den  Feind  nur  auf  Schußweite  von  Höhe  zu
Höhe  verfolgen,  weil  er  mit  dessen  Ueberlegenheit  nicht
handgemein  werden  durfte.  Zahlreiche  Ueberläufer  ausgenommen,
  litten  die  Oesterreicher  dabei  wenig  Schaden.

Schon  ibrach  die  Nacht  an,  als  Wrede  noch  beschloß,
  sich  des  Punctes  Pfeffenhausen  zu  bemächtigen.
Er  ließ  das  7te  Linien-Regiment  als  Rückhalt  stehen,
setzte  sich  an  die  Spitze  des  öten  leichten  Bataillons  und
rückte  im  Sturmschritt  gegen  den  Ort.  Die  Oesterreicher
waren  eben  mit  Herstellung  der  Brücke  über  die  große
Laber  beschäftiget.  Sie  wurden  mit  gefälltem  Bajonett
angegriffen  und  geworfen.  Baiern  und  Oesterreicher  drangen
  zugleich  in  die  Gassen  von  Pfeffenhausen.  Eine
Menge  Munitions=  und  Gepäckwagen,  mehrere  hundert
Gefangene  und  unter  den  Offizieren  auch  der  vom  Erz-6

  #
        <pb n="88" />
        —  84  —

herzog  Ludwig  an  General  Bianchi  abgeschickte  Major
Graf  Chotek  fielen  in  die  Gewalt  des  Siegers.  Wrede
ließ  die  gegen  Landshut  fliehenden  Oesterreicher  durch  starke
Reiterabtheilungen  verfolgen,  und  vereinigte  nun  seine
gesammte  Division  in  und  um  Pfeffenhausen.)

Waͤhrend  auf  solche  Weise  Napoleon  hier  den
linken  Fluͤgel  der  oͤsterreichischen  Heerlinie  von  ihrem  rech—
ten  trennte  und  gegen  Landöhut  hindrückte,  hatte  der  Herzog
  von  Auerstädt  die  feindliche  Hauptmacht  in  ihrer
Stellung  nur  festhalten  mussen.  Als  sich  das  öte  Armee-Corps
  der  Oesterreicher  von  den  Hausener-Höbhen  hinter
die  Laber  zurückbegab,  hatte  General  Vukassowich,
der  die  Nachhut  (ein  Bataillon  und  vier  Geschwader)  befehligte,
  ein  unbedeutendes  Gefecht  bei  Hausen  zu  be-*)

  In  seinem  officiellen  Berichte  anerkannte  Generallieutenant
Baron  Wrede  die  ausgezeichneten  Dienste  des  Generals
Grafen  Beckers,  des  Obersten  Grafen  Taris  vom
vten  Linien  =  Regimente,  des  Majors  und  Artillerie-Directors
  Baron  von  goller,  des  2ten  Adjutanten  Baron
  Kleudchen,  des  Ordonanzoffiziers  Lieutenants
Biber,  der  Offiziere  des  Generals  Stabs-Majors  Baron
  Zweibrücken,  der  Oberlieutenans  Brentano
und  Baron  Horn,  des  Oberlieutenants  Rott,  der
Majore  Gedoni  und  Baron  Andrian,  der  Hauptleute
Werndle,  Wallraf,  der  Oberlieutenants  Haack,
Laßberg,  Rheinprechter,  Bruck,  Dettenhofer
  und  Schmeckenbecher  vom  kten  Linien-Regimente,
  des  Hauptmanns  Jett,  der  Lieutenants  Stengel
  und  Bauer  vom  sten  Linien-Regimente,  des  Artillerie-Lieutenants
  Baron  Wiedmann  lebhaft.  (S.
Armee=  Befehl  vom  28sten  April  1800,  öten  September
1809.  S.  1.  Nro.  2,  die  gemeine  Mannschaft  betreffend
S.  Armee-Befehl  vom  öten  September  1309.  F  2.)
        <pb n="89" />
        —  85  —

stehen,  dann  sich  gegen  Dietenhofen  gezogen,  wohin  ihm
Feldmarschall-Lieutenant  Hohenzollern  von  Leuern—
dorf  aus  noch  drei  Bataillone  Unterstützung  sandte.  Abermals
  von  den  Franzosen  angegriffen,  zog  sich  Bukassowich
  auf  die  Höhen  bei  Dietenhofen  zu  jenen  drei  Bataillonen,
  während  hinter  ihm  schon  französische  Abtheilungen,
  von  Rohr  aus,  gegen  Langqwaid,  an  der  Laber,
streiften.  Darum  mußte  General  Pfannzelter,  der
von  Bachel  weggerufen  ward,  sogleich  Langqwaid  besetzen.
Fortgesetzt  angegriffen  und  durch  den  Herzog  von  Montebello
  immer  ernster,  vom  Kloster  Rohr  her,  bedrohet,
ging  Vukassowich  endlich  gegen  Abend  nach  Leuerndorf
  zurück,  wo  der  Fürst  Hohenzollern  auf  zwei
Puncten  hatte  über  die  große  Laber  Brücken  schlagen
lassen.  Hier  vernahm  man,  daß  sich  auch  schon  auf  dem
rechten  Laberufer  feindliche  Streifhaufen,  oberhalb  Langqs
waid,  zeigten.  Der  Feldmarschall-Lieutenant  ließ  deßwegen
  sogleich  das  Gepäck  und  die  Reserve-Artillerie  auf
der  großen  Straße  nach  Regensburg  abrücken,  weil  er
von  allen  übrigen  Armee-Corps  getrennt  und  ohne  Verhaltungsbefehle
  aus  dem  Hauptquartier  zu  Egloföheim
(zwischen  Regensburg  und  Eggmühl)  dastand.

Regensburg  war  noch  von.  einem  Regiment  Franzosen
  besetzt,  und  eben  darum  hier  die  Verbindung  zwischen
  der  dsterreichischen  Hauptmacht  und  den  beiden
Armeecorps  unterbrochen,  welche  der  General  der  Cavallerie,
  Graf  Bellegarde,  vor  Regensburg  befehligte.
Dieser  übertrug  daher  dem  Fürsten  Johann  von  Lichtenstein,
  die  Stadt,  es  koste  was  es  wolle,  zu  nehmen.
  Es  ward  Sturm  bereitet.  Die  Franzosen  zu  Regensburg
  warteten  denselben  nicht  ab,  sondern  gaben  sich
noch  Abends  6  Uhr  kriegsgefangen.
        <pb n="90" />
        —  86  —

So  kam  die  Nacht.  Die  Oesterreicher  standen  also
mit  dem  öten  und  öten  Armeecorps,  so  wie  mit  dem
Reserve-Corps  im  Rückzuge  gegen  Landshut;  mit  dem
Sten  Corps  bei  Leuerndorf  an  der  Laber;  mit  dem  öten
bei  Dinzlingen;  mit  dem  isten  Reserve-Corps  bei  Regensburg;
  mit  dem  Grenadier-Corps  zwischen  Hoheberg
und  Eglofsheim;  mit  dem  2ten  Armee=  Corps  gegen
Hemau,  wohin  es  von  Stadtamhof  weg  der  Erzherzog
Carl,  unkundig  der  Vorfälle  auf  seinem  linken  Flügel,
noch  in  der  Nacht  schickte;  mit  dem  isten  Corps  zu
Neumarkt.

Von  den  Franzosen  hingegen  stand  das  Corps  des
Herzogs  von  Montebello,  über  dessen  Reiterei  der
Herzog  von  Istrien  den  Oberbefehl  empfangen  hatte,
ferner  der  Herzog  von  Danzig,  und  Vandamme  mit
den  Würtembergern  zwischen  der  Abens  und  Laber,  bei
Rottenburg,  Rohr,  Bachel  und  Pfeffenhausen;  die
Corps  Oudinot  und  Rivoli  bei  Pfassenhofen,  mit
Abtheilungen  gegen  Moosburg  und  Freising,  wodurch
also  die  Oesterreicher  unter  General  Jellachich  bei
München  von  der  Hauptarmee  getrennt  wurden.  Dem
Erzherzog  Carl  stand  das  Corps  des  Herzogs  von  Auerstädt
  an  der  Donau,  zwischen  Hausen  und  Abbach,
gegenüber.

7.

Treffen  bei  Landshut.  Einnahme  der  Stadt
durch  die  Franzosen.  Kampf  an  der  Donau.
  Den  Slsten  April.

Schon  aus  der  Zeichnung  dieser  Stellungen  entfaltet
sich  Napoleon's  großer  Entwurf.  Er  wollte  seinen
        <pb n="91" />
        —  87  —

schwaͤchern  Gegner  mit  voller  Ueberlegenheit  bei  Landshut
erdruͤcken,  und  bis  dahin  die  oͤsterreichische  Hauptmacht
durch  die  Herzoge  von  Auerstaͤdt  und  Danzig  zwi—
schen  der  Laber  und  Donau  festhalten  lassen.

Darum,  wie  kaum  der  Morgen  des  Lusten  Aprils
angebrochen  war,  ließ  er  seine  Schaaren,  in  zwei  Heersäulen
  getheilt,  nach  Landshut  anrücken.  Nämlich  über
Ergoltingen  bewegte  sich  dahin  das  Corps  des  Herzogs
von  Montebello,  dessen  Vorhut  die  Reiterei-Brigade
der  sten  baierischen  Division  bildete,  zusammengesetzt  aus
dem  isten  Dragoner=  und  1sten  Chevaurlegers-Regimente,
unter  dem  General-Major  Baron  von  Zandt.  Hingegen
  über  Altdorf  zog  dahin,  nebst  den  Würtembergern
unter  Vandamme,  die  Didvision  Wrede.

Noch  waren  die  Oesterreicher  bei  Landshut  in  voller
Thätigkeit,  dort  über  die  Isar  zu  gehen;  aber  ein  Schiffbrückenzug
  hatte  die  Engwege  daselbst  so  versperrt,  daß
nothwendig  große  Unordnung  entstand.  Noch  war  ein  großer
Theil  vom  öten  und  Sten  Armee-Corps  nicht  über  die  Isar.
Jenseits  derselben,  in  der  Stadt,  waren  die  Cassen,  die
Lebensmittel  und  Vorräthe  aller  Art  des  bsterreichischen
Heeres  beisammen.  Die  Verwirrung  wuchs.  Feldmarschall
  Hiller  schickte  dem  General  Vincent  zwei
Husaren-Regimenter  hinaus  vor  die  Stadt  zur  Unterstützung,
  um  sich  so  lange  draußen  behaupten  zu  können,
bis  sämmtliche  Truppenabtheilungen  über  die  Isarbrücke
den  Rückzug  vollendet  haben  würden.  Zwei  Grenadier-Bataillone
  vom  2ten  Reserbe-Corps,  in  der  Nähe  der
Brücke,  mußten  den  Uebergang  vertheidigen.  Drei
Grenadier-Bataillone  und  ein  Dragoner-Regiment  wurden
  oberhalb  des  Defilées  auf  die  Landöhuter-Höhe  gestellt.
        <pb n="92" />
        Der  Herzog  von  Istrien  stuͤrmte  mit  der  baieri—
schen  Reiter-Brigade  Zandt's  und  einem  franzdsischen
Chasseur-Regimente  von  Altdorf  her;  warf,  wie  tapfer
sie  auch  widerstand,  die  bsterreichische  Reiterei,  und  dann
gegen  die  Vorstadt  Seeligenthal  dringend,  alles  vor  sich
nieder.  Nun  wilde  Flucht  und  unbeschreibliches  Gedränge
der  dsterreichischen  Truppen  zur  Isarbrucke.  Verworrener
  mörderischer  Kampf  überall.  Hier  sank  an  der  Brücke
der  tapfere  General  Zandt,  durchbohrt  von  einer  Flintenkugel,
  neben  ihm  Rittmeister  Boy.  Es  wurden  Oberlieutenant
  Ruf  und  mehrere  baierische  Chevaurxlegers
mit  Wunden  bedeckt.  Zwei  dsterreichische  Bataillone,
zur  Vertheidigung  der  Vorstadt  Seeligenthal  aufgestellt,
hemmten  augenblicklich  den  Andrang  der  franzdsischen  und
baierischen  Reiterei,  also  daß  es  dem  grdßeren  Theil  der
fliehenden  Artillerie  mdglich  ward,  über  die  Brücke  in  die
Stadt  zu  kommen.

Nun  aber,  es  mochte  0  Uhr  Morgens  seyn,  traf
auch  die  Division  des  Generals  Wrede  ein;  ihr  folgte
Vandaume  mit  den  Würtembergern;  Montebello
von  Ergoltingen  her.  In  der  Vorstadt  und  an  der
Brücke  ward  das  Gefecht  morderischer,  die  Flucht  der
Oesterreicher  allgemeiner.  Generallieutenant  Wrede,
dem  sein  Fußvolk  nicht  schnell  genug  folgte,  sprengte  mit
einer  Abtheilung  Chevaurlegers  vom  Sten  Regimente  vor
und  nahm  11  feindliche  Kanonen.  Wer  bei  ihm  war,
er  selbst,  dreheten  mehrere  dieser  Stücke  um,  luden  sie,
richteten  sie  auf  die  Fliehenden,  und  schleuderten  den  Tod
in  die  dichten  Haufen  der  Flüchtlinge.  Auf  diese  Weise
unterstützt,  gelang  es  der  tapferen  Vorhut,  die  schon
vom  Feinde  angezündete  Isarbrücke  zu  retten.  Alles  drang
in  die  Stadt.  Hier  heillose  Verwirrung.  Man  schlug
        <pb n="93" />
        —  89  —

sich  in  den  Gassen.  Mehrere  oͤsterreichische  Abtheilungen
fochten  da  mit  unglaublichem  Heldenmuth;  doch  verge—
bens;  vergebens  warf  sich  Erzherzog  Ludwig  in  alle
Gefahren,  seine  vereinzelten  Kaͤmpfer  zu  vereinigen.  Die
Streitmassen  seiner  Gegner  wuchsen  mit  jeder  Minute
an.  Auch  Oudinot,  auch  Montebello  erschienen.

Gegen  1  Uhr  Nachmittags  war  Landshut  in  der  Ge—
walt  Napoleon's.  Er  ließ  den  Feldmarschall-Lieute—
nant  Hiller  nach  Geisenhausen  verfolgen.  Der  Ver—
lust,  mit  welchem  Landshut  erobert  worden,  war  gering
zu  schaͤtzen  neben  der  Wichtigkeit  dieses  Punctes  in  der
großen  Kampfbuͤhne,  neben  der  unermeßlichen  Beute  an
Geschuͤtz,  Schiffbruͤcken,  Munitions-  und  Geld-Wagen
und  anderen  Vorraͤthen.  Die  Oesterreicher  hatten,  nach
ihren  eigenen  Angaben  bei  6,000  Mann  eingebuͤßt.  Sie
flohen  schwach  verfolgt,  tief  in  die  Nacht  bis  Neumarkt;
ihre  Nachhut,  unter  General  Radetzky,  aber  hielten
sie  in  Vilsbiburg  aufgestellt,  mit  Vorwachten  diesseits
der  Vils.)

*)  Besondere  Auszeichnung  der  verschiedenen  Individuen
sieh  Armee  =  Befehl  vom  28sten  April  1800,  Tod  des  Generalmajors
  Baron  Zandt.  Armee-Befehl  vom  sten
Juni  1300.  J.  4,  istes  Chevaurlegers  -Regiment  Kronprinz
  bei  Landshut.  Armeebefehl  vom  290sten  Juli  1809.
#.  55.  Wachtmeister  Joseph  Pittinger,  Corporals
Weindl  des  isten  Dragoner-Regiments,  Corporal  Huzler,
  Bök,  Fuchs,  Gemeine  Grimm,  Bachmaier
des  isten  Chevaurlegers-Regimentes.  Armee-Befehl  vom
Sten  September  1800.  ö.  2,  Corporal  Eis  des  2ten
Chevaurlegers  -Regimentes,  Gemeiner  Werner  des
Sten  Chevgurlegers-Regimentes.  Armee  =  Befehl  vom
28sten  November  1809,  Rittmeister  Ott  des  isten  Chevauxr-
        <pb n="94" />
        —  00  —

Die  Lage  des  Feldmarschall-Lieutenants  Hiller
wuͤrde  an  diesem  Tage  noch  verzweiflungsvoller  geworden
seyn,  haͤtte  er  nicht  im  rechten  Augenblicke  mit  großer
Besonnenheit  Vorsorge  gethan.  Denn  als  das  Treffen
bei  Landshut  gerade  am  heftigsten  war,  empfieng  er  die
Botschaft,  seitwaͤrts  von  Moosburg  her  uͤber  die  Isar
ruͤcke  eine  Division  vom  Corps  des  Herzogs  von  Rivoli
und  Reiterei  vom  Corps  Oudinot's  heran,  ihm  viel—
leicht  jeden  Ruͤckzug  abzuschneiden.  Er  schickte  diesen
schnell  den  General  Nordmann  mit  einem  Bataillon
und  vier  Geschwadern  Husaren  entgegen;  und  es  gelang
demselben  die  Vorhut  des  Feindes  mehrmals  zurückzutreiben,
  wodurch  das  Unternehmen  der  Franzosen  von
Moosburg  aus  unschädlich  ward.

Kaiser  Napoleon,  der  noch  desselbigen  Tages  in
Landshut  eingezogen  war,  vor  ihm  her  das  beierische
Chevaurlegers-Regiment  Kronprinz  feierlich  mit  den
eroberten  Fahnen  Oesterreichs,  gebot  dem  Generallieutenant
  Wrede  den  Bewohnern  von  München  die  ersten
Siegesnachrichten  bekannt  zu  machen.  Zwar  ging  alsbald
General  Graf  Preising  mit  vier  Geschwadern  Chevaurlegers
  über  Moosburg  dahin;  doch  kam  er  nur  bis  Freising
  und  kehrte  zurück,  weil  General  Jellachich  mit
seinem  Corps  München  noch  besetzt  hielt.

 

legers-Regimentes.  Armee-Befehl  vom  zten  April  1810,
Gemeiner  Reisser  des  2ten  Chevaurlegers  =  Regimenres.
Armee=  Befehl  vom  20sten  September  1810,  Gemeiner
Derschem  vom  2ten  Chevaurlegers-Regimente.  Armee-Befehl
  vom  22sten  October  1810,  Lieutenant  Müller
des  #usten  Dragoner-Regimentes.
        <pb n="95" />
        —  91  —

Erzherzog  Carl,  in  seinem  Hauptgelager  zu  Eglofsheim,
  wußte  am  Morgen  dieses  entscheidenden  Tages
noch  nichts  von  den  Schicksalen  seines  linken  Flügels.
Er  wähnte  noch  immer  den  Feldmarschall  =  Lieutenant
Hiller  von  Rottenburg  her  im  Anzuge,  und  erwartete
ungeduldig  mit  ihm,  mit  Erzherzog  Ludwig  die  Vereinigung.
  Er  beschloß  daher  auch,  sich  einsweilen  bis
dahin,  vor  Regensburg  am  rechten  Ufer  der  Donau,  in
einer  Linie  von  Abbach  bis  Eggmühl,  das  heißt,  zwischen
der  Donau  und  Laber  zusammenzuziehen.  Darum  ließ
er,  was  links  der  Donau  vorgeschoben  war,  wieder  zurückgehen,
  nämlich  das  2te  Armee-Corps  wieder  von
Heman  nach  Regensburg,  zwischen  Ober-Isling  und
dem  Galgenberg,  und  das  ste  Corps  von  Neumark  zurück
  nach  Heman,  lediglich  zur  Beobachtung  der  Kelheimer-Straße.


Hingegen  am  rechten  Ufer  der  Donau  schickte  er  den.
Färsten  Johann.  Lichtenstein  mit  der  Brigade  Veczay
  in  eine  Stellung  zwischen  Abbach  und  dem  Dorfe
Peising.  Die  Division  Lindenau  stellte  er  südlicher
zwischen  Walkering  und  Hinkofen;  noch  südlicher  vier
Regimenter  zwischen  Kdffering  und  Obertraubling,  und
diesen  zur  Linken  die  Grenadiere  auf  die  Eglofsheimer=Höhen.
  —  Vor  dieser  ganzen  Linie  bildete  er  eine  zweite.
Er  stellte  nämlich  das  äte  Armee-Corps  hinter  Dinzlingen
  so,  daß  seine  Vorhut  Dinzlingen  und  Weichenloe  besetzte,
  rechts  dem  General  Veczay,  links  der  Vorhut
vom  Sten  Corps  die  Hand  reichen  mußte.  Das.  Ste  Corps,
auf  den  Hbhen  hinter  Unterleuchling,  sollte  seine  Avantgarde
  rechts  bis  Dinzlingen  und  links  bis  Pring  und
Leuerndorf  ausdehnen,  auch  eine  starke  Abtheilung  am
rechten  Laber-Ufer,  zwischen  Sandsbach  und  Herren-
        <pb n="96" />
        —  92  —

Gersdorf,  unweit  Langqwaid  halten,  wo  sich  das  Corps
des  Erzherzogs  Ludwig  hätte  anschließen  müssen.  In
der  Nähe  von  Eggmühl  sollte  noch  eine  Brigade  den
Punct  Lintach  decken.

Der  Fürst  von  Hohenzollern,  als  Befehlshaber
des  Sten  Armee-Corps,  hatte  aber  das  Geheiß  zu  dieser
neuen  Stellung  noch  nicht  erhalten,  als  er  schon  hdrte,
daß  der  Herzog  von  Auerstädt,  von  Hausen  hergekommen,
  unter  einer  starken  Kanonnade  aus  dem  Walde
gegen  Leuerndorf  hervorziehe.  Eingedenk  der  Ueberlegenheit
  desselben,  zog  er  sich  nach  Leuerndorf,  dann
nach  Schierling,  längs  der  Laber  zurück;  ließ  den  General
  Bukassowich  diesen  Rückzug  decken  und  zu  seiner
  Unterstützung  eine  Zwdlfpfünder-Batterie  am  rechten
  Laber-Ufer  aufführen.  Aber  auch  Vukassowich
konnte  der  Uebermacht  nicht  lange  Stirn  bieten,  und
nähm  daher  bald  die  vom  Haupt-Corps  verlassenen
Höhen  ein.  Fürst  Hohenzollern  besetzte  indessen  das
Dorf  Schierling  mit  einem  Bataillon;  lehnte  den  rechten
Flügel  seines  ersten  Treffens  hier,  und  den  linken  gegen
Hallersdorf  am  rechten  Laber=  Ufer  an,  und  siellte  das
zweite  Treffen  umveit  Lintach.

Der  Herzog  von  Auerstädt  aber,  statt  seine  erste
Nichtung  längs  der  Laber  fortzusetzen,  wandte  sich  plbtzlich
  zum  Angriff  gegen  das  äte  Armee-Corps.  Er  besorgte
  für  seinen  rechten  Flügel  um  so  minder  Gefahr,
da  er  wußte,  der  Herzog'von  Danzig  sey  gegen  Langqwaid’
  im  vollen  Anzuge.  Er  ließ  sogleich  bei  Schneidert
ein.  Bataillon  und  zwei  Escadronen  Oesterreicher  lebhaft
anfallen.  Fürst  Rosenberg,  Befehlshaber  des  #aten
Armoe-Corps,  erkannte  das  Unvortheilhafte  seiner  bis-
        <pb n="97" />
        herigen  Stellung  bei  Dinzlingen  und  die  Nothwendigkeit,
sie  bei  Unterleuchling,  der  Laber  näher,  zu  nehmen.
Theils  nun,  um  diese  Stellungsveränderung  zu  decken,
theils  um  den  Posten  bei  Schneidert  zu  unterstützen,
schickte  er  den  General  Stutterheim  mit  einer  starken
  Abtheilung  Fußvolkes,  Reiterei  und  Geschütz  über
Mring  dahin.  Allein  ehe  Stutterheim  ankommen
konnte,  waren  die  Franzosen  schon  Meister  von  Schneidert,
  und  Stutterheim  selbst  wurde,  als  er  kaum
über  Päring  hinaus  war,  beim  sogenannten  Schierenhof
Anfangs  schwach,  dann  immer  stärker  angegriffen  und
durch  drei  Batterien  beschossen.  Seine  Lage  wurde  noch
bedenklicher,  als  sich  eine  feindliche  Colonne  hinter  ihm
gegen  Päring  bewegte.  Schon  war  der  Herzeg  von  Dauzig
  mit  seinem  Heerhaufen  angekommen,  und  hatte  die
Vereinigung  mit  dem  Herzog  von  Auerstädt  bei  Schierling
  gemacht.  Denn  von  Langqwaid  gegen  Schierling
war  General  Deroy  mit  seiner  baperischen  Division  geeilt.
  In  einem  Cavallerie-Gefechte  vor  diesem  Dorfe  ward
auch  der  Baron  Prillmaier,  Lieutenant  im  isten  Dragoner-Regimente,
  und  zur  Begleitung  des  Herzogs  von
Danzig  gehbrend,  getddtet.

Stutterheimsschlug  sich  mämlich  und  hartnäckig,
ehe  er  zurückzog.  Nur  seinem  festen  und  langen  Widerstande
  konnte  es  das  Ate  Armee-Corps  der  Oesterreicher
danken,  daß  es  die  gefährliche  Stellung  bei  Dinzlingen
zu  verlassen  und  sich  zwischen  Unterleuchling  und  dem
Walde  vor  Oberleuchling  aufzustellen  im  Stande  war.
Der  Seitenbewegung  dieses  Corps  folgte  von  Abbach  her
der  franzsische  General  Montbrun,  der  nun  in  den
Gehdlzen  zwischen  Peising  und  Weichenloe  Fuß  faßte.
        <pb n="98" />
        —  94  —

Unterdessen  stand  Deroy  vor  dem  Dorfe  Schierling,
  welches  tapfer  vertheidiget  wurde.  Eine  Batterie
vom  rechten  Laber=  Ufer  richtete  ihm  großen  Schaden
an'’).  Er  gab  daher  dem  kten  leichten  Bataillon  Befehl
zu  stürmen.  Es  drang  wild  vor,  nahm  das  Dorf,  und
ging  nur  allzu  ungestümm  über  dasselbe  hinaus.  Da  ward
es  durch  ein  morderisches  Kartätschen=  Feuer  zerrissen,
worauf  die  feindliche  Reiterei  einhieb.  Es  verlor  bei
80  Mann  an  Todten  und  Verwundeten.  Lieutenant  Sterzinger
  und  Oberlieutenant  Taxis  mit  einigen  Schützen
wurden  gefangen.  Das  Dorf  war  wieder  verloren.
Deroy  befahl  dem  Oberstlieutenant  Grafen  Buttler,
es  mit  dem  öten  leichten  Bataillon  zu  nehmen.  Buttler
  drang  mitten  durch  das  mörderische  Feuer  ein,  vertrieb
  den  Feind,  nahm  das  Dorf.  Doch  weiter  vorzudringen
  war  unmdglich.  Denn  hinter  Schierling,  also
am  linken  Flügel  des  dsterreichischen  aten  Corps,  stand
General  Stutterheim,  nachdem  er  sich  von  Päring
zurückgezogen  hatte.  Er  hielt  mit  einem  Bataillon  und
einer  Batterie  die  Hôhe  vor  Unterleuchling  und  von  da
die  Ebene  bis  an  die  Laber  mit  einem  Cavallerie-Regimente
  besetzt.

Da  sich  fast  in  derselben  Zeit,  empfangenen  Befehlen
  zufolge,  Fürst  Hohenzollern  mit  dem  öten  Corps,
zur  Unterstützung  des  öten,  vom  rechten  an's  linke  Laber-Ufer
  zwischen  den  Oberleuchlinger-Hbhen  und  der  Hoch-*)

  Bei  dieser  Gelegenheit  wurde  dem  Obersten  Muffel  des
bayerischen  Aten  Chevauxlegers-Regimentes  der  Arm  abgeschossen,
  der  Lieutenant  Engelbrecht  des  aten  Linien=Infanterie-Regimentes
  Preising  und  mehrere  Gemeine,
vorzüglich  der  Cavallerie-Regimenter,  wurden  schwer  verwundet.
        <pb n="99" />
        —  95  —

straße  von  Eggmuͤhl  nach  Regensburg  aufstellen  mußte,
so  daß  er  am  rechten  Ufer  nur  seine  Vorhut  in  der  Naͤhe
von  Gutting  und  Schierling  und  eine  Brigade  bei  Lintach
  stehen  ließ,  blieb  der  Besitz  des  Dorfes  Schierling
den  Baiern  um  so  sicherer.  General  Deroy  lehnte  daher
den  rechten  Fluͤgel  seiner  Division  hier  und  seinen  linken
an  die  Cuirassier-Division  St.  Sulpice  an,  welche,
nebst  dem  2ten  Dragoner=  und  Aten  Chevaurlegers-Regimente
  der  Baiern,  die  Bergflächen  zwischen  Schierling
  und  dem  sogenannten  Hohenwald  einnahm,  wo  dann
das  Corps  des  Herzogs  von  Auerstädt  anstieß.  Dies
stand  von  Päring  bis  Santing;  ihm  gegenüber  das  ate
Armee-Corps  der  Oesterreicher  in  den  Waldungen,  die
sich  von  Unterleuchlingen  hinziehen.  Eine  Ebene  trennte
beide.  Der  Herzog  von  Auerstädt  hatte  um  so  leichteres
  Spiel,  seinen  Gegner  hier  festzuhalten,  während
Napoleon  bei  Landshut  den  Schlag  verrichtete,  weil
das  öte  Armee-Corps  der  Oesterreicher,  durch  die  am
rechten  Laber-Ufer  gelassenen  Abtheilungen,  sehr  geschwächt,
  nur  noch  eine  Division  stark  war,  und  weil
das  #ste  Reserve-Corps  zu  entfernt  war,  und  erst  auf
dem  Kampfplatze  erschien,  als  das  Gefecht  schon  beendiget
  worden.

Denn  die  Herzoge  von  Auerstädt  und  Danzig
hatten  sich  in  ihrer  Stellung  schon  gegen  11  Uhr  Mittags
entfaltet,  und  sogleich  ein  heftiges  Artilleriefeuer  begonnen,
  das  lebhaft  erwiedert  ward,  besonders  von  einer
dsterreichischen  Batterie  auf  der  links  von  Unterleuchling
befindlichen  Hdhe.  Umsonst  trachteten  die  Franzosen,  dieselbe
  durch  mehrere  in  der  Nähe  des  Waldes  auf  ihrem
rechten  Flugel  vorgefahrene  Batterien  zum  Schweigen
zu  bringen.  Die  Hauptangriffe  des  Herzogs  von  Auer-
        <pb n="100" />
        städt  waren  aber  gegen  den  rechten  Flügel  des  aten
dsterreichischen  Corps  gerichtet,  den  der  Erzherzog  Carl
persdnlich  von  Zeit  zu  Zeit  durch  Abtheilungen  vom  Reserve-Corps
  und  öten  Armee-Corps  verstärkte.  Das  Kleingewehrfeuer
  dauerte  hier  auf  der  gegenseitigen  Schlachtlinie
  bis  zur  einbrechenden  Nacht  fort.  Inzwischen  ward
von  keiner  Seite  ein  Vortheil  errungen.  Die  Versuche
der  Franzosen,  Unterleuchling  wegzunehmen,  scheiterten
eben  sowohl,  als  die  Versuche  der  Baiern,  aus  Schierling
vorzudringen.  Das  durch  Geholze  und  Hugel  viel  unterbrochene
  Gelände  hinderte  beide  Theile,  die  Bewegung
und  Stärke  der  feindlichen  Schlachtmassen  zu  erkennen,
oder  Gebrauch  von  allen  Streitkräften  zu  machen.  So
trat  die  Nacht  ein.  Jeder  Theil  behauptete  seine  Stellung.
  Die  Oesterreicher  zählten  an  diesem  Tage  gegen
5,000  Verwmdete  und  Todte,  darunter  ungefähr  70  Offiziere.
  Nicht  geringer  mag  der  Verlust  auf  Seiten  ihrer
Gegner  gewesen  seyn.

 

8.

Schlacht  von  Eggmühl.  Am.  22sten  April
1800.

Der  Erzherzog  Carl  beschloß  jehzt  ohne  Zeitverlust
wieder  angrifföweise  zu  verfahren,  und  die  feindliche
Heerlinie  von  der  linken  Seite,  durch  die  Abbacher-Engwege,
  anzufallen  und  aufzurollen.  Weil  aber  sein  2tes
Armee-Corps  unter  Grafen  Collowrath  erst  in  der
Frühe  des  22sten  Apriltages  von  Hemau  nach  Regensburg
  gekommen  war,  verzdgerte  sich  die  Ausführung  bis
Mittags.  Damn  ließ  er  dies  Tee  Armee-Corps  gegen
Abbach  ausrücken,  den  größten  Theil  des  1sten  Reserve-Corps
        <pb n="101" />
        Corps  gegen  Weichenloe  und  Peising,  und  das  Zte  Corps
(dessen  Abtheilungen  am  rechten  Laber-Ufer  noch  immer
dort  geblieben  waren)  ebenfalls  gegen  Peising,  und  zwar
über  Lukepoint  und  Dinzlingen  ziehen.  Das  Ate  Corps
mußte,  den  Herzogen  von  Danzig  und  Auerstädt
gegenüber,  bei  Leuchling  stehen  bleiben.  Kaum  aber
hatten  die  sämmtlichen  Heersäulen  ihre  Bewegungen,  der
Laber  entgegen,  begonnen,  als  vom  General  Vukassowich,
  der  die  am  rechten  Laber-Ufer  zurückgebliebenen
Abtheilungen  vom  öten  Corps  befehligte,  Meldung  einlief,
  es  kämen  die  Straße  von  Landöhut  daher  starke
Heerhaufen  des  Feindes,  von  denen  seine  Vorwachten  bei
Buchhausen,  unweit  Eggmühl,  schon  zurückgedrängt  wären.

In  der  That,  Kaiser  Napoleon  kam  von  Landshut.
Nachdem  er  dort  den  linken  Flügel  seiner  Feinde  über  die
Isar  zurückgeworfen  hatte,  gab  er  dem  Marschall  Bessieres,
  Herzoge  von  Istrien,  Befehl,  das  Hillerische
Corps  mit  vier  Chasseur-Regimentern,  gegen  den  Inn
zu  verfolgen;  die  Division  Wrede  mußte  ihn  dabei  unterstützen,
  und  die  Division  Molitor  (bvom  Corps  des
Herzogs  von  Rivoli)  zu  gleichem  Zwecke  nach  Neumarkt
  aufbrechen.  Als  Reserve  blieb  das  Ondinotische
Corps  bei  Landshut.  Napoleon  selbst  aber  nahm  die
Cuirassier-Division  Nansouty,  die  Corps  der  Herzoge
Montebello  und  Riovoli,  dezsgleichen  die  würtembergische
  Division  zu  sich,  und  eilte  damit  nach  Eggmühl,
  der  Laber  zu.  Eben  diese  Richtung  mußte  mit
seiner  Division  von  Rottenburg  her,  der  Kronprinz
von  Baiern  nehmen.  Sein  Entschluß  war,  nun  eben  so
wie  er  bei  Landshut  gethan,  durch  schnelles  Versammeln
großer  Massen  auf  einen  Punct,  auch  zwischen  der  Laber
und  Donau  den  Erzherzog  Carl  zu  überwältigen.

II.  5t668  Buch.  7
        <pb n="102" />
        —  98  —

Es  war  beinahe  zwei  Uhr  Nachmittags,  als  seine
Vorhut,  zusammengesetzt  „aus  der  Reiter-Brigade  der
ersten  baierischen  Divoision  und  aus  der  würtembergischen
Reiterei,  sich  dem  General  Vukassowich  näherte.
Dieser  sah  sich  bald  gendbthiget,  auf  die  Höhe  oberhalb
Eggmühl  zurück  zu  gehen.  Nun  wurden  auch  die  Franzosen
  und  Baiern  in  ihrer  Stellung  bei  Schierling  reger.
Ihre  Reiterei  vereinigte  sich  zum  Theil  mit  der  von  Landshut
  ankommenden  am  rechten  Laber-Ufer.  So  standen
plötzlich  an  beiden  Seiten  des  Flusses  siebenzehn  Regimenter
  baierischer,  würtembergischer  und  franzsischer
Cavalerie  beisammen.

Der  Fürst  von  Rosenberg,  welcher  sich  Anfangs
in  seiner  Stellung  zu  behaupten,  und  seinen  linken  Flägel
  weiter  auszudehnen  gedachte,  ward  bald  gewahr,  daß
er  gegen  so  außerordentliche  Uebermacht  genug  thn  würde,
wenn  er  sich  begnügte,  die  große  Straße  von  Eggmühl
nach  Regensburg  zu  decken  und  zu  vertheidigen.  Er
beschloß  demzufolge  die  Anhdhen,  die  sich  von  Unterleuchling
  gegen  die  Hochstraße  ziehen,  und  die  Straße
selbst  zu  besetzen.  Also  raͤumte  er  die  zwischen  Schier—
ling  und  Unterleuchling  gelegene,  jetzt  der  größten  Gefahr
  ausgesetzte  Höhe.  Aber  die  Orke  Ober=  und  Unterleuchling
  selbst,  so  wie  die  Gehoͤlze  daneben,  hielt  er
besetzt.  Seine  Artillerie,  auf  einem  Abhange  des  Huͤgels
hinter  Eggmuͤhl,  bestrich  die  Flächen  von  der  Laber  so
wirksam,  daß  die  Vereinigung  der  von  Landshut  und  der
von  Schierling  kommenden  Streithaufen  wirklich  einige
Zeit  lang  gehemmt  ward.

Bald  aber  bemeisterten  sich  die  Franzosen  des  Punctes
Eggmühl,  führten  eine  Batterie  auf  die  Hbhe  zwischen
        <pb n="103" />
        Schierling  und  Unterleuchling,  und  beschossen  dann  von
da  die  oͤsterreichische  Artillerie.  Anderseits  ruͤckte  das
Corps  des  Herzbgs  von  Auerstaͤdt,  und  die  baierische
Division  Deroy,  gegen  die  zwei  oͤsterreichischen  Regimenter,
  welche  zu  Unterleuchling  und  im  Wald  daneben.
standen.  Erst  durch  ein  mdrderisches  Plänkelfeuer  wurden
  nach  hartnäckigem  Widerstande  beide  Regimenter
gezwungen,  zurück  zu  ziehen  nach  Obersanting.  Damit
aber  wurde  der  linke  Flügel  des  ten  österreichschen  Corps
gänzlich  entblößt.  Der  bildete  dort  zwei  Fronten,  die
eine,  zwei  Regimenter  Fußvolks  und  vier  Geschwader.
stark,  gegen  Eggmühl,  die  andere,  eben  so  stark,  gegen
den  Leuchlinger-Wald.  Auch  standen  noch  zwischen  Eggmühl
  und  Höheberg  zwei  Regimenter  im  Geholz.  Jene
wie  diese  wurden  im  anhaltenden  Gefecht  des  Fußolkes
aus  den  Wäldern  bervorgedrängt;  die  letztgenannten.
endlich  in  voller  Unordnung  geworfen.  Zwar  gelang  es
ihnen,  sich  noch  einmal  zu  sammeln,  als  General  Stutterheim
  mit  vier  Chevaurlegers-Geschwadern  die  verfolgenden
  Sieger  einen  Augenblick  lang  fest  hielt.  Zwar
wurde  der  erbitterungsvolle  Kampf  noch  einmal  erneuert,
aber  von  der  unverhältnißmäßigen  Uebermacht  der  Franzosen
  und  Baiern  bald  entschieden,  zumgl  da  der  Herzog,
von  Montebello  in  die  linke  Seite  der  Oesterreicher
die  Division  Gud  in  vorgesandt  hatte.  Auch  der  Herzog.
von  Auerstädt  verstärkte  seine  in  den  Leuchlinger-Waldungen
  streitenden  Abtheilungen  von  neuem,  und.
trieb  nun  seine  Gegner  vor  sich  her,  die  auch  im  Rückschritt
  furchtbar  blieben.  Die  französischen  Plänkler=Schwärme
  brachen  nun  aus  jenen  Gehdlzen  in  die.  Ebene
vor,  und  schon  hier  würde  der  vergeblsche  Widerstand
der  Oesterreicher  geendet  haben,  wenn  nicht  General,
7  ½#
        <pb n="104" />
        —  100  —

Stutterheim  abermals  mit  seinen  vier  Geschwadern
erschienen  wäre,  von  neuem  angegriffen,  die  Plänkler-Schwärme
  in  das  Gehblz  zurück  geworfen,  und  dadurch
einen  Theil  des  schweren  Geschützes  der  Oesterreicher
gerettet  hätte,  die  nun  ihren  Rückzug  auf  der  von  Eggmühl
  nach  Regensburg  führenden  Hochstraße  begannen.

In  dem  Augenblick,  als  Stutterheim  seinen  An-Kriff
  machte,  stürmee  General  Graf  Sepdewitz  mie
dem  Zten  Dragoner=  und  äten  Chevaurlegers-Regimente
von  der  Seite  von  Eggmühl  gegen  die  Anhbhen  hervor,
von  welchen  die  bsterreichische  Artillerie  noch  immer  aus
sechszehn  Feuerschlünden  Verderben  und  Tod  auf  die
Reihen  der  Franzosen  und  Baiern  in  der  Nähe  der  Laber
verbreitete.  Schon  mehrere  theilweise  doch  vergebliche

Versuche,  diese  Höhen  zu  besetzen,  waren  von  Abtheilungen
  der  Reiterei  gemacht  worden,  die  vor  Eggmühl
und  zwischen  Schierling  und  Unterleuchling  stand,  die
franzdsische  Reiterei  auf  dem  rechten,  die  baierische  auf
dem  linken  Flügel,  die  würtembergische  in  der  Mitte.
Sepdewitz  vollzog  Napoleon's  mundlichen  Befehl,
drang  durch  das  schrecklichste  Feuer  hinauf  zur  Höhe,
und  schon  waren  fünf  Kanonen  erobert,  deren  Vertheidigung
  und  Bedienung  über  den  Stücken  selbst  niedergehauen,
  als  in  die  dabei  in  Unordnung  gerathenen
Escadronen  der  Baiern  pldtzlich  acht  bsterreichische  Geschwader
  Chevaurlegers  einhieben.  In  blutigem  Gefecht
bahnten  sich  jene  ihren  Rückweg  zum  baierischen  Fußvolk,
  das  in  Vierecken  aufgestellt  war.  Unter  dem  Schutz
desselben,  und  der  anrückenden  franzdsischen  Reiterei,
sammelten  sie  sich,  trieben,  unterstützt  von  der  würtembergischen
  Reiter  =  Brigade,  und  einem  frranzösischen
Cuirassier-Regimente  die  Oesterreicher  wieder  zurück,
        <pb n="105" />
        —  101  —

und  eroberten  jene  fuͤnf  Kanonen  zum  zweitenmal.  Jetzt
war  Unordnung  in  den  feindlichen  Schlachtreihen  auf
allen  Seiten.  Bald  loͤsete  sich  Alles  in  regellose  Flucht
durch  die  Waͤlder  uͤber  Santing  nach  Eglofsheim  auf.
Der  Feldmarschall-Lieutenant  Fuͤrst  Rosenberg,  seine
Generale  und  Obersten  fast  sämmtlich  verwundet,  strengten
  sich  umsonst  an,  die  flüchtenden  Haufen  wieder  zu
sammeln.  Napoleon's  zahlreiche  Schaaren  zu  Fuß,
zu  Roß,  folgten  ihnen  auf  den  Fersen,  gestatteten  keine
Aufstellung,  keinen  Widerstand  mehr.

Allzuspät  hatte  Erzherzog  Carl,  der  die  Bewegungen
  seines  Heeres  gegen  Abbach,  Weichenloe  und  Lukepoint
  am  rechten  Flügel  ordnete,  Napoleon's  Ankunft
an  der  Laber  erfahren.  Allzuspät  hatte  er  befohlen,  das
vierte  Corps  solle  das  ungleiche  Gefecht  gegen  die  Uebermacht
  vermeiden,  und  über  Egloföheim  hinter  den  Pfeterbach
  zurück  gehen.  Jetzt  rief  er  auch  sein  zweites  Armee-Corps
  wieder,  von  Abbach,  vor  Regensburg  in  die  Stellung
  zwischen  den  Galgenberg  und  Oberisling,  so  wie
den  größern  Theil  des  ersten  Reserve-Corps  in  die
Stellung  zwischen  Gebelkofen  und  Thalmassing  zurück,
desgleichen  den  bis  Lukepoint  vorgeschrittenen  Theil  des
dritten  Corps,  in  die  Stellung  zwischen  Thalmassing  und
Santing.  Letzteres  hatte  unter  dem  Fürsten  von  Hehenzollern
  diese  Bewegung  kaum  vollendet,  und  beim
Aublick  der  Niederlage  des  vierten  Corps  die  Hohe  vor
Thalmassing  mit  Fußvolk  besetzt,  als  schon  das  Corps
des  Herzogs  von  Auerstädt  erschien.  Erzherzog  Carl
hatte  zur  Vertheidigung  der  Regensburger-Hochstraße
zwei  Regimenter  in  die  Gehölze  zwischen  Egloföheim
und  Neu-Eglofsheim  gelegt.  Die  Franzosen,  durch  die
Waldungen  kommend,  welche  sich  zwischen  Leuchling  und
        <pb n="106" />
        —  102  —

Lukepoint  ausdehnen,  stießen  auf  diese  Regimenter,  und
griffen  sie  an.  Nur  der  Tapferkeit  der  Reiterei  vom
Corps  Hohenzollern  war  es  zu  danken,  daß  die
franzoͤsischen  Schlachthaufen  so  lange  festgehalten  wur—-den,
  bis  die  beiden  Regimenter  ihre  weiteren  Bewegungen
  fortgesetzt  hatten.

Die  dsterreichischen  Geschwader  zogen  über  Eglofsheim
  hinter  Kdfering,  während  vorwärts  Eglofsheim
zwei  dsterreichische  Cuirassier-Regimenter  links  der  Hochstraße
  aufgestellt  waren,  die  Reiterei  des  vierten  Armee-Corps
  aufzunehmen.  Diese,  zum  Theil  von  den  baierischen
  Regimentern  Bubenhofen  und  Taris  geworfen,
  erschien  endlich,  und  bildete  mit  der  Cuirassier-Brigade
  auf  der  Ebene  vor  Egloföheim  ein  Ganzes  von
2000  Pferden  zum  Widerstand.  Auf  der  Hochstraße  waren
  zu  ihrem  Schutz  auch  mehrere  Batterien  aufgefahren.
  Aber  Napoleon,  seine  Vortheile  verfolgend,
hatte  seine  franzdsische,  würtembergische  und  baierische
Reiterei  in  verschiedene  Colonnen  vertheilt,  die  theils
gegen  Eglofsheim  auf  der  Hochstraße,  theils  rechts  über
Fakofen  und  Galspach  vorrückten,  während  links  durch
die  Gehblze  franzbsische,  baierische  und  würtembergische
Infanterie-Colonnen  zogen.  Jenen  Massen  von  Reiterei,
die  ebenfalls  Artillerie  mit  sich  führten,  konnten  die
Oesterreicher  nur  kurze  Gegenwehr  leisten.  Noch  dazu
hatte  man  gleich  Anfangs  des  Gefechtes  vor  Eglofsheim
die  österreichischen  Batterien  zurückgenommen.  Also“
überließ  sich  die  Cavalerie  der  Oesterreicher  der  wildesten
Flucht,  die  um  so  verworrener  ward,  weil  das  sumpfige
Gelände  rechts  und  linkbs  alles  zwang,  auf  der  Hochstraße
zu  bleiben.  Somit  ward  es  auch  dem  Fürsten  von  Hohenzollern
  unmdglich,  sich  bei  Eglofsheim  mit  einem
        <pb n="107" />
        —  103  —

Theil  seines  Fußvolkes  aufzustellen.  Auch  er  eilte  mit
bedeutendem  Verlust  an  Artillerie  und  Infanterie  zuruͤck
von  Thalmassing  nach  Kbfering.

Es  fing  schon  an  dunkel  zu  werden,  als  Färst  Johann
  Lichtenstein,  vom  Unglück  des  linken  Flügels
benachrichtiget,  mit  seiner  Cavalerie  sowohl  über  Gebelkofen
  als  Traubling  kam,  und  zwischen  Obertraubling
und  Kdfering  auf  die  franzdsischen  Reiter  stieß,  die  noch
im  Verfolgen  begriffen  waren,  und  sich  nun  von  vorn
und  auf  dem  linken  Flügel  angefallen  sahen.  Diesem
Auprall  konnten  sie  nicht  widerstehen.  Sie  eilten  zum
Hauptheer  zurück,  welches  sich  schon,  vom  Tagwerk  ermüdet,
  lagerte.

Napoleon  hatte  im  Schlosse  von  Eglofsheim  sein
Hauptgelager.  Ungeachtet  seiner  Nähe  plünderte  der
wilde  Soldat  den  unglücklichen  Ort  rein  aus.  Es  brach
Feuer  aus.  Die  Flamme  fraß  so  schnell  um  sich,  daß
wenig  fehlte,  der  Kronprinz  von  Baiern,  der  in  einem
  kleinen  Hause  übernachtete,  wäre  hier  lebendig
verbrannt  worden.

Bei  Eglofsheim  und  Thalmassing  lagerten  die  Divisionen
  der  franzsischen  Armee,  nebst  der  1sten  und
Sten  Division  der  Baiern.  Die  gesammte  Reiterei  stand
auf  der  Straubinger-Straße  bis  über  Pfater  hinaus;
nur  die  Cuirassier-Division  bei  Köfering.  General
Montbruün  behielt  fortwährend  bei  Abbach  die  Engwege
  besetzt.

Erzherzog  Carl  brachte  die  Nacht  in  Regensburg
zu.  Sein  gesammtes  Heer  war  zwischen  der  Abbacherund
  Eggmühler-Hochstraße  zusammengezogen,  in  der
        <pb n="108" />
        —–  106  —

Gegend  von  Burgweinting  das  3te  und  4te  Corps  nebst
dem  isten  Reserve-Corps;  die  Vorhut  des  #ten  Corps
unter  General  Stutterheim  bei  Obertraubling,  mit
Vorwachten  bei  Untertraubling,  Lerchenfeld,  und  gegen
Kofering  und  Gebelkofen.

So  endete  der  merkwürdige  Schlachttag.  Der  Sieg
war  von  den  Franzosen  mit  nicht  unbedeutendem  Verlust
errungen.)  Doch  verminderte  dieser  Tag  den  Ruhm

 

*)  Weniger  hatten  im  Verhältniß  die  beiden  Baiern-Divisionen,
  mit  Ausnahme  des  2ten  Dragoner=  und  aten
Chevaurlegers=  Regimentes,  gelitten,  deren  wiederholte
Erstürmung  jener  österreichischen  Artillerie  nicht  ohne
große  Opfer  geschehen  war.  Unter  den  getäödteten  Offizieren
  befand  sich  der  Major  Plattner,  Oberlieutenant
Lurz,  Lieutenant  Merk  des  aten  Chevaurlegers-Regimentes,
  Rittmeister  Lugniet,  Lieutenant  Moll
des  2ten  Dragoner-Regimentes.  Verwundet  wurden  der
Major  von  Rassler,  der  Rittmeister  Schiffmann,
der  Oberlieutenant  Mölter,  genannter  Cavalerle-Regimenter.
  Der  Verlust  an  Gemeinen  und  Pferden  bestand
  beim  2ten  Dragoner-Regimente  an  Todten  in  15
Mann  und  20  Pferden,  an  Verwundeten  in  43  Mann
und  24  Pferden,  an  Vermißten  in  28  Mann  und  23  Pferden;
  beim  äöten  Chevaurlegers  -Regimente  in  3  getödteten
  2  verwundeten  ÖOffiziers,  27  getödteten  75  verwundeten
  Soldaten.

Die  Infanterie  des  Generallieutenants  Deroy  zählte
nur  1  getödteten  Offizier  (Lieutenant  von  Sundahl),
und  7  verwundete  Offiziere,  größtentheils  des  baierischen
14ten  Regimentes,  welches  letztere  allein  dem  feindlichen
Kleingewehr  =  Feuer  ausgesetzt  war,  und  solches  erwiederte,
  während  die  übrigen  Abtheilungen  nur  dem  feind-
        <pb n="109" />
        —  105  —

der  dsterreichischen  Tapferkeit  nicht.  Aber  dieselbe  blieb
wirkungslos  gegen  Napoleon's  großen  Feldherrengeist,
der  gegen  schwache  Abtheilungen  überall  große  Angriffs-Massen
  zu  werfen  wußte,  während  ein  beträchtlicher
Theil  der  österreichischen  Streithaufen  theils  auf  dem
linken  Donau-Ufer  bei  Hemmau,  theils  bei  Regensburg,
  theils  auf  dem  Zuge  gegen  Abbach,  an  den  entscheidenden
  Ereignissen  des  Tages  keinen  Anheil  nehmen
konnten.  Was  der  Erzherzog  Carl  gegen  das  franzèsische
  Heer  von  Abbach  her  bezielte,  vollbrachte  Napoleon
  gegen  ihn  von  Eggmühl  her,  während  noch  der
Erzherzog  diesen  durch  das  Hiller'sche  Corps  beschäftiget
  glaubte.

Hiller,  vom  Marschall  Bessieres  verfolgt,  ging
an  diesem  Tage  über  den  Inn  zurück,  stellte  sich  zwischen
Alt-  und  Neudtting  auf,  und  besetzte  Markl  und  Braunau
sehr  stark.  Die  Mühldorfer-Brücke  war  zum  Theil  abgebrannt.
  Generallieutenant  Wrede  mit  seiner  Dioision
  schon  um  0  Uhr  Morgens  bei  Neumarkt  an  der  Rott,
ließ  seine  Reiterei  über  Eggenfelden  bis  an  den  Inn
streifen.  Major  Harscher  mit  einer  Abtheilung  Chevaurlegers
  vom  dritten  Regiment,  erbeutete  bei  Eggenfelden
  einen  Zug  von  700  Ochsen,  und  ein  beträchtliches
Habermagazin  der  Oesterreicher,  fing  auch  einen  Eillichen

  Artillerie-Feuer  zum  giele  dienten,  so  wie  20  getödtete,
  87  verwundete  Gemeine.  Die  iste  Armee-Divisson
  hatte,  obgleich  während  der  Schlacht  dem  fortwährenden
  heftigen  Kanonen-Feuer  ausgesetzt,  welches
mehrmals  dem  immerwährend  an  der  Spitze  seiner  Truppen
  befindlichen  Kronprinzen  große  Gefahr  brachte,
nur  eine  ganz  unbedeutende  Anzahl  Verwundeter.
        <pb n="110" />
        —  106  —

boten  derselben  auf,  welcher  die  wichtigsten  Depeschen
bei  sich  trug.  *)

"*)  Die  Rückerinnerung  an  jenen  merkwürdigen  22ten  April=Tag
  gewähre  auch  den  ausgezeichneten  baierischen  Männern,
  welche  an  demselben  den  vaterländischen  Waffen
neuen  Glanz  verliehen,  wohlverdiente  Anerkenntniß.  An
ihrer  Spitze  stand  der  General  Graf  Seypdewiß,  welcher
  seine  Cavalerie-Brigade  zweimal  einem  eben  so
tapfern  Feinde  entgegen  führte,  und  den  Befehl  Napoleon's,
  Wegnahme  der  feindlichen  Artillerie,  mit
Heldenmuth  vollzog.  Er  selbst  bezeichnete  den  Rittmeister
  Rittmann,  unter  ihm  die  Lieutenants  Spengel
  und  Baron  Seefried  des  aten  Chevaurlegers-Regiments,
  so  wie  den  Lieutenant  Volkhammer,  die
Corporäle  Zahner,  Edenhöfer,  Rummel,  Begau
und  Wurstl  des  2ten  Dragoner-Regiments,  als  diejenigen,
  welche  das  feindliche  Geschütz  eroberten.  Er
nannte  ferner  den  Obersten  Bourscheidt,  die  Majore
Rassler,  Niedermayer,  Plattner,  ferner  den
Rittmeister  Bugniet,  Oberlieutenant  Lurz,  die  Lieutenants
  Moll,  Rückerl,  den  schwer  verwundeten
Wachtmeister  Wagner,  die  Wachtmeister  Hellwagg,
Weinmann  und  Wall,  die  Corporäle  Krapp  und
Pollert,  dann  die  Gemeinen  Zeilmann  und  Schuster
  als  diejenigen  Tapferen,  welche  vorzüglich  zum  glücklichen
  Erfolg  des  wiederholten  Angriffs  von  Seiten  seiner
Brigade  beitrugen,  während  er  jedoch  auch  allen  übrigen
Männern,  sowohl  Offizieren  als  Gemeinen  in  Bezug  auf
Tapferkeit  und  Ausdauer  genügende  Gerechtigkeit  widerfahren
  ließ.  Gleiche  Anerkenntniß  ward  denen  dem  Generallieutenant
  Deroy  untergeordneten  Infanterie-Abtheilungen,
  besonders  denen  Schützen.  Von  der  sten
Armee=  Division  unter  dem  Baiern-Kronprinzen,
nahm  nur  das  iste  Chevaurlegers-Regiment  (Kronprinz)
als  Avantgarde  Napoleon's,  von  Landêhut  bis  Egg-
        <pb n="111" />
        —  107  —

0.
Folgen  der  Schlacht  bei  Eggmühl.  Treffen
bei  Neumarkt.  Baiern  vom  Feinde  frei.

Erzherzog  Carl,  nachdem  er  an  der  Laber  so  schweren
  Verlust  erlitten,  denn  sein  Heer  hatte,  nach  eigenen
Angaben,  137  Offiziere,  6000  Soldaten  und  10  Kanonen
verloren,  wollte  in  so  ungünstiger  Lage  vor  Regensburg,
die  Donau  im  Rücken,  keine  neue  Schlacht  wagen.
Ohne  die  Vereinigung  des  ersten  Armee-Corps  mit  sich
abzuwarten,  beschloß  er,  über  den  Fluß  zurück  zu  gehen.
Noch  in  der  Nacht  hatte  er  beim  Dorfe  Weichs  eine
Schiffbrücke  schlagen  lassen.  In  Burgweinting  blieb  zur
Deckung  des  Rückzuges  ein  Grenadier-Bataillon  stehen;
vor  den  Stadtgraben  und  in  den  Gärten  vor  Regensburg
  stellten  sich  zu  gleichem  Zweck  einige  Bataillone;
in  der  Stadt  zwei  Regimenter;  am  linken  Ufer  und

mühl,  und  dann  in  Vereinigung  mit  der  übrigen  leichten
franzôsisch=  würtembergischen  Cavalerie,  thätigen  Antheil,
und  wurde  guch  hier  von  dem  französischen  Kaiser  als
eines  der  Tapfersten  bemerkt.  (Die  Armee=  Befehle  vom
28sten  April  1809,  vom  gten  Mai  1809  F.  2  und  3,  vom
usten  Juni  1609  F.  4,  vom  20sten  Juli  1800  §.  5,  vom
28sten  November  1809  F.  1.  Nr.  5  und  4,  vom  vien  December
  1800  S.  1,  vom  toten  Mai  1810  ö.  1.  Nr.  2,
Nr.  4,  vom  20sten  September  1310,  22sten  October  1810
6.  1.  Nr.  2  und  5  cc.  enthalten  die  den  verschiedenen
Tapferen  von  Seiten  ihres  Königs  ertheilten  Belohnungen,
  so  wie  die  Armee=  Befehle  vom  isten  Juni  1800
S.  1,  vom  zten  Juni  1800  F.  1,  vom  25sten  Juni  1800
.  1,  die  Beweise  geben,  wie  sehr  auch  Kaiser  Napoleon
  die  baierische  Armee,  während  der  verhängnißvollen
Apriltage  des  Jahres  1600  zu  würdigen  wußte.)
        <pb n="112" />
        —  108  —

auf  den  Höhen  von  Stadtamhof  Abtheilungen  des  zweiten
  Corps,  auch  das  Grenadier-Corps  mit  sieben  Batterien.
  Sämmtliche  Thore,  bis  auf  das  St.  Jacobs-Thor
  von  Regensburg  wurden  verrammelt.  Die  Reiterei,
  fünf  Regimenter  stark,  trat  vor  Regensburg,  auf
beiden  Seiten  der  Eggmühler-Hochstraße  in  Schlachtordnung.
  Das  öte  und  ate  Corps  zog  über  die  steinerne
Donau=  Brücke  au's  linke  Ufer;  das  2te  Corps  folgte.

Es  war  gegen  0  Uhr  Morgens  (Lösten  April),  als
die  franzbsische  Reiterei,  voran  die  Division  Nansouty,
erschien.  Ihr  folgte,  von  Egloföheim  her,  die  ganze
Macht  Napoleon's.  Sie  hatte,  sich  über  Traubling
und  Ainthal  gegen  Regensburg  bewegend,  ohne  Mühe
die  dort  gestandenen  Vorwachten  der  Oesterreicher,  dann
die  sechs  vorgeschobenen  Escadronen  der  Nachhut  zurückgeworfen.
  Wohl  eilte  diesen  die  übrige  Reiterei  des
Erzherzogs  zum  Beistand.  Ihre  Tapferkeit,  ihre  wiederholten
  Angriffe  gegen  die  Uebermacht  fruchtete  nur  so
viel,  daß  das  dsterreichische  Heer  ohne  allzugroßen  Verlust
  über  die  Donau  kam.  Noch  war  das  2te  Corps
über  die  steinerne,  und  das  üste  Reserve-Corps  über
die  Schiffbrucke  im  Zuge.  Während  dem  rückte  auch  das
franzsische  Fußvolk  nach.  Das  Bataillon  Oesterreicher
in  Burgweinting  mußte  sich  gefangen  geben.  Der  Fürst
Johann  von  Lichtenstein  vertheidigte  heldenmüthig  die
Schiffbrücke  bei  Weichs,  die,  sobald  sie  von  den  Franzosen
  entdeckt  war,  durch  ein  morderisches  Artillerie=Feuer
  bestrichen  ward.

Gegen  Mittag  hatten  sämmtliche  Heerhaufen  der
Oesterreicher  das  linke  Donau-Ufer  erreicht.  Nun  ward
auch  noch  das  St.  Jacobsthor  von  Regensburg  verrammelt,
  und  die  Schiffbrücke  abgebrochen.  Aber  unter  dem
        <pb n="113" />
        —  109  —

heftigen  Feuer  sowohl  des  franzoͤsischen  Geschuͤtzes,  als
der  baierischen  Zwoͤlfpfuͤnder-Batterie  Dietrich's,  fiel
die  Bruͤcke  in  der  Sieger  Gewalt,  und  wurden  den
Oesterreichern  in  der  Stadt  viele  Menschen  und  Pferde
getddtet.  Nun  rückte  Napoleon  das  schwere  Geschütz
gegen  die  Stadt,  und  beschoß  diese,  welche  der  General
Graf  Collowrath  mit  dem  2ten  Armeecorps  herzhaft
vertheidigte.  Als  aber  der  Herzog  von  Montebello
in  der  Nähe  des  Petersthores,  wo  er  mit  seinem  Kriegsvolke
  800  Schritt  von  der  Stadt  in  Schlachtordnung
stand,  eine  Oeffnung  in  der  Mauer  entdeckte,  drang  er
hinein,  ließ  von  innen  das  Thor  aufthun,  und  begann
das  Gefecht  in  den  Straßen.  Beinahe  die  ganze  Besatzung
  ward  gefangen.  Doch  über  die  steinerne  Donaubrücke
  an's  einke  Ufer  zu  kommen,  machte  Graf  Collowrath
  den  Franzosen  durch  eine  Batterie  unmdglich,
die  vortheilhaft  am  Dreifaltigkeits-Berge  errichtet  war.

In  der  Nacht,  während  Regensburg  brannte,  zog
das  2te  Armeecorps  der  Oesterreicher  über  Regenstauf
nach  Nitenau  ab.  Schon  war  unterdessen  das  öte  Corps
und  iste  Reservecorps  dahin  vorausgegangen,  das  öte
Corps  nach  Kirn,  das  Iste  nach  Burglengenfeld.  Alle
Brücken  über  den  Regenfluß  mußten  abgebrochen  werden.

Als  Napoleon  bemerkte,  der  Erzherzog  Carl  wolle,
sich  über  Cham  nach  Bbheim  wenden,  ließ  er  zur:
Beobachtung  desselben  den  Herzog  von  Auerstädt  mit.
den  Divisionen  Friant  und  St.  Hilaire  bei  Regensburg
  zurück.  Er  selbst  beschloß  nun,  rasch  gegen  Wien.
vorzudringen.  Dabei  gewann  er,  seine  Hauptmacht  am
rechten  Donau-Ufer  beisammen  zu  halten,  und  die  Verbindung
  mit  Italien  durch  Tirol  wieder  herstellen  zu
können.
        <pb n="114" />
        —  110  —

Also  zog  der  Herzog  von  Rivoli  (#üsten  April)
gen  Straubing,  Lon  wo  er  Abtheilungen  nach  Passau
sandte,  und  hier  die  Feste  Oberhaus  befreiete,  welche
von  den  Oesterreichern  aufs  Engste  gesperrt  war.  Der
baierische  Befehlshaber  in  derselben,  Generallieutenant
Freiherr  von  Montigny,  hatte  sich  (vom  1oten  bis
26sten  April)  mit  Ruhm  behauptet.  Der  Kronprinz
von  Baiern,  mit  seiner  Division  (25östen  April)  schon
von  Eglofsheim  nach  Landshut  aufgebrochen,  zog  hier
unter  dem  Jubel  des  Volkes  (am  AL#sten)  sammt  allem
eroberten  Geschütz  ein.  Dann  wandte  er  sich  gegen  München,
  die  Hauptstadt  Baierns  vom  Feinde  zu  befreien,
nachdem  noch  das  erste  Chevaurlegers-Regiment  wieder
zu  ihm  gestoßen  war,  welches,  dem  Kaiser  Napoleon
zur  Bedeckung,  mit  diesem  vor  Regensburg  gewesen.
Die  Division  Deroy  nahm  ebenfalls  von  Regensburg
ihre  Richtung  gen  Landshut.  Das  zweite  Bataillon  vom
5ten  Regiment  dieser  Division  begleitete  einen  Haufen
gefangener  Oesterreicher  nach  Augsburg;  3000  dergleichen
  brachte  auch  das  erste  leichte  Bataillon  Habermann,
  von  des  Kronprinzen  Oivisson,  nach  jener
Stadt.

Noch  stand  der  Herzog  von  Istrien  mit  seinem
Corps  und  den  Vaiern  unter  General  Wrede  am  Inn,
dem  Feldmarschall-Lieutenant  Hiller  gegenüber.  Wrede
mahnte  dringend,  doch  vergebens,  den  geschlagenen  Feind
ohne  Zeitverlust  über  den  Fluß  zu  werfen,  und  dann
den  Inn  zur  festen  Aufstellungslinie  zu  wählen,  oder
aber,  gelänge  dies  nicht,  hinter  den  Neumarkter-Eng-Ppässen,
  in  gedrängter  Stellung  vor  jeder  Gefahr  gesichert,
die  Annäherung  der  franzdsischen  Heerabtheilung  Molitor
  zu  erwarten.  Der  Herzog  von  Istrien  achtete
        <pb n="115" />
        —  111  —

des  Rathes  nicht,  blieb  stehen,  und  ließ  nur  noch  zur
Unterstützung  seiner  Reiterei  bei  Winzering,  das  baierische
  Bataillon  La  Roche  vorrücken.  Hiller  hingegen,
der  aus  dem  3bgern  seines  Feindes  errieth,  derselbe
müsse  sich  durch  Entsendungen  geschwächt  haben,  beschloß
auf  der  Stelle  Angriff,  um  zu  Gunsten  des  Erzherzogs
Carl  eine  Diversion  zu  machen,  von  dessen  Heer  er  seit
drei  Tagen  ohne  alle  Nachricht  geblieben  war.  Sogleich
(25sten  April)  schickte  er  zwei  Bataillone  und  acht  Geschwader
  nach  Wurmannögquick,  eine  eben  sso  starke  Abtheilung
  gegen  Eharting,  und  eine  dritte,  nicht  schwachere,
  längs  dem  Inn  gegen  Degning,  zwischen  Oetting
und  Mühldorf.  Die  beiden  letzten  stießen  bei  Weichering
  auf  die  dortige  Reiterel  der  Franzosen,  griffen  sie
sogleich  an,  und  warfen  sie  zersprengt  auf  das  bei
Rohrbach  stehende  Bataillon  La  Roche.  Oie  Bgiern
schlugen  sich  kaltblütig  gegen  den  sechsmal  stärkern  Feind,
verloren  zwei  Offiziere  und  vierzig  Todte  und  Verwundete,
  und  zogen  dann  in  fester  Ordnung  über  Stetten
den  Höhen  von  Neumarkt  zu.  General  Wrede  erfuhr
den  wahren  Hergang  der  Dinge,  den  ihm  der  Herzog
von  Istrien  nur  als  ein  unerhebliches  Geplänkel  geschildert
  hatte,  erst  in  der  Nacht.  Alsbald  schickte  er,
sein  tapferes  Bataillon  La  Roche  aufzunehmen,  den
General  Graf  Minuzzi  mit  dem  13ten  Linien-Regimente
  aus,  das  sich  dann,  auf  ausdrückliches  Verlangen
  des  Herzogs,  auf  den  sehr  durchschnittenen  Hôhen
vor  Neumarkt  stellen  mußte.  Vor  diesem  Regimente
nahm  das  2te  franzdsische  Chasseur-Regiment  Platz,
welches  zugleich  eine  Vorpostenkette  hinter  Stetten  ziehen
  mußte.

Nun  kam  am  folgenden  Morgen  in  der  Frühe  (um
        <pb n="116" />
        —  112  —

3  Uhr)  Feldmarschall-Lientenant  Hiller  bei  Neudtting
über  den  Inn  daher.  Eine  seiner  Heersäulen  ließ  er
(10  Bataillons,  1  Geschwader  und  1  Compagnie  stark)
rechts  Eharting  gegen  Klebing  ziehen,  mit  Befehl,  sich
späterhin  nach  Leuperg  zu  wenden.  Eine  zweite  Heersäule
  (12  Bataillons,  1  Geschwader  und  1  Compagnie)
mußte  auf  der  Hochstraße  über  Charting  gegen  Neumarkt
  anrücken.  Eine  dritte  (6  Bataillons  und  1  Geschwader)
  wandte  sich  links  der  Hochstraße  über  Nieder-Parchkirchen
  gegen  die  Rott.  Ihnen  allen  folgten,  als
Nachhalt,  fünf  Schlachthaufen  Grenadiers  und  vier
Dragoner-Geschwader.  Dies  Heer,  nebst  dem,  was
Tages  zuvor  schon  über  den  Inn  gegangen  war,  und
einem  Chevauxlegers  =  Regimente,  welches  ebenfalls  Tages
  zuvor  Feldmarschall-Lieutenant  Vincent  zwischen
Neudtting  und  Eggenfelden  bei  Arbing,  vorgeschoben
hatte,  und  welches  dann,  zur  Deckung  von  Hiller's
rechten  Flügel,  seine  Bewegung  gegen  die  Rott  fortgesetzt,
  dies  Alles  betrug  wenigstens  34,000  Mann,  oder
42  Bataillons  und  30  Escadrons.  Und  dieser  Masse
hatte  nun  der  Generallieutenant  Wrede,  in  der  gebeotenen
  unvortheilhaften  Stellung,  nur  0  Bataillons,  ein
Piket  baierischer  Reiterei  von  36  Pferden,  und  ein  französisches
  Chasseur  -Regiment  von  vier  Geschwadern,  dasselbe,
  welches  schon  den  Tag  vorher  übel  zugerichtet
war,  entgegen  zu  setzen.

Es  war  sieben  Uhr  Morgens,  da  griff  die  Vorhut
von  Hiller's  Heermitte  die  franzbsische  Vorpostenkette
hinter  Stetten  an,  warf  sie  auf  deren  Regiment  und
dies  dann  dazu  auf  das  13te  Linien-Regiment  der
Baiern.  Wrede  besetzte  sogleich  am  linken  Flügel  desselben
  ein  Gehdlz  vor  dem  Dorfe  Scherm  mit  dem

Ba-
        <pb n="117" />
        —  113  —

Bataillon  La  Roche  und  einer  halben  Sechepfünder-Batterie;
  desgleichen  die  große  Straße  mit  der  andern
Hälfte  dieser  Batterie.  Aber  das  einzige  leichte  Bataillon
konnte,  trotz  der  entschlossensten  Gegenwehr,  weder  das
Geschütz  noch  das  Dorf  Scherm  halten,  als  es  um  acht
Uhr,  nicht  nur  von  der  österreichischen  Vorhut  und  fünf
unterstützenden  Bataillonen  angegriffen,  sondern  auch
durch  die  österreichische  Colonne,  die  ihre  Richtung  nach
Lenperg  nahm,  bedrohet  wurde,  umgangen  zu  werden.
Also  zog  es  sich  auf  das  Ste  Linien-Regiment  zurück,
welches  Wrede  zur  Unterstützung  gegen  das  Gehdlz
vorgeschickt  hatte.  Nun  aber  ward  der  Widerstand  so
fest,  daß  die  dsterreichischen  Schlachthaufen  erschüttert,
schon  den  Rückzug  begannen,  als  ihnen  Feldmarschall-Lieutenant
  Reuß  zur  guten  Stunde  noch  zwei  frische
Bataillone  Hülfe  schickte.

Indessen  hatte  General  Wrede  auch  die  Mitte  seiner
  Schlachtlinie  durch  die  Brigade  Beckers  und  die
Batterien  Dorn  und  Caspers  verstärkt.  Denn  Hiller
  entwickelte  gegen  10  Uhr  wider  sie  seine  gesammte
Kraft  von  30,000  Mann.  Der  Streit  ward  so  heftig,
als  ungleich  die  Partheien  waren.  Wrede,  tapfer
durch  die  Grafen  Minuzzi  und  Beckers  unterstätzt,
hielt  ihn  bis  12  Uhr.  Dann  aber,  sobald  er  durch  feindliche
  Bewegungen  auf  seiner  Linken  von  Neumarkt  abgeschnitten
  zu  werden  Gefahr  lief,  gebot  er  Rückzug.
Dieser  machte  sich,  gedeckt  durch  die  Batterie  Berchem,
in  ruhiger  Ordnung  durch  die  lange  Vorstadt  von  Neumarkt,
  bis  zur  Rottbrücke.  Nirgends  fehlte  Muth,
nirgends  Geistesgegenwart.  Als  der  Protzwagen  und
drei  Pferde  einer  von  Berchem's  Kononen  zusammengeschossen
  waren,  spannten  sich  die  Stäckschützen  selbst

II.  5tes  Buch.  8
        <pb n="118" />
        —  114  —

vor  ihr  Geschoß.  Als  des  Feindes  leichte  Truppen  dagegen
  anstürzten,  eilte  ihnen  auf  Wrede's  Wink,  Graf
Minuzzi  mit  einem  Bataillon  des  13ten  Regiments
entgegen,  während  der  Hauptmann  Graf  Berchem  mit
eigner  Hand  zwei  Rosse  eines  Munitionswagens  vor
seine  Kanone  spannte.  So  ward  selbst  auch  diese  gerettet.
  Der  Zug  über  die  Rottbrücke  wäre  in  bester
Ordnung  vollendet  worden,  hätten  sich  nicht  jählings  die
franzdsischen  Chasseurs,  welche  den  Nachtrab  des  Ganzen
bildeten,  in  verworrener  Flucht  zwischen  die  Glieder  des
Fußvolkes  geworfen.  Nun  furchtbares  Gewühl  und
Gedränge  auf  der  Brücke,  vermehrt  durch  das  Feuer
der  in  den  umliegenden  Gärten  befindlichen  dsterreichischen
  Schützen.  Hier  war  es,  wo  Oberstlieutenaut  Baron
  Tänzel,  wo  der  Oberst  Graf  Taxis,  wo  der
Oberlieutenant  Bieber,  welcher  die  Schutzwacht  um
seinen  Feldherrn  Wrede  befehligte,  wo  viele  andere
Tapfere  in  Tod  und  Wunden  sanken.  Hier  war  der
Untergang  der  ganzen  zweiten  Division  der  Baiern  unfehlbar,
  wenn  der  Feind  seinen  Vortheil  zu  benuten
verstand,  oder  General  Wrede  weniger  Ruhe  des
Geistes  im  schrecklichsten  Augenblick  der  Gefahr  bewiesen
hätte.  Er  aber,  mit  einer  Handvoll  unerschrockener  Männer,
  stellte  sich  zur  Brücke  und  deckte  sie,  bis  sich  seine
Schlachthaufen  hinter  der  Rott  gesammelt  hatten,  wo
nun  die  franzdsische  Division  Molitor  in  Schlachtordnung
  erschien,  und  vereint  mit  den  Baiern  nach  Aich
zurückzog.

Dieser  Tag  kostete  den  Baiern  37  todte  und
verwundete  Offiziers,  )  658  getbdtete  und  verwun- 



*)  Vom  General-Stab:  Oberlieutenant  Brentano,  verwundet;
  vom  Piket  des  Genergl-Lieutenants  Wrede:
        <pb n="119" />
        —  115  —

dete  Unteroffiziers  und  Soldaten,  dazu  110  Vermißte.
Aber  noch  groͤßer  war  der  Verlust  der  Oesterreicher
gewesen,  von  denen  6  Offiziere  und  300  Mann
(oͤsterreichische  Berichte  nennen  nur  122)  in  Gefangenschaft
  der  Baiern  gefallen  waren.  )  Generallieutenant
Wrede,  welcher  nur  die  Abwesenheit  seiner  ganzen
Reiter-Brigade  beklagt  hatte,  genoß  auch  im  Unglück

Oberlieutenant  Biber,  vom  2ten  Chevaurlegers-Regiment
  König,  todt;  von  der  Artillerie:  Lieutenant  Kazenberg,
  tödtlich  verwundet;  vom  bten  leichten  Infanterie-Bataillon
  La  Roche:  Lieutenant  Schmidt
und  von  Hofstetten,  verwundet;  vom  zten  Linien-Infanterie-Regimente
  Herzog  Carl:  die  Capitäne  Golsen,
  Vincenti,  die  Oberlieutenants  v.  Lüneschloß,
Stengel,  tödtlich;  die  Lieutenants  Enders,  Schindling,
  Zunner,  Andrian,  Wilhelmi  (töbdtlich)
verwundet;  vom  13ten  Linien-Infanterie-Regimente:
Oberstlieutenant  von  Tänzel,  todt;  Hauptmann  Stengel,
  Oberlieutenant  Bauer,  die  Lieutenants  Markreiter,
  Kämpfel,  verwundet;  vom  öten  Linien-Infanterie-Regimente
  Herzog  Wilhelm:  Oberlieutenant
Müller,  die  Lieutenants  Erbs,  Neumagper,  Reitzenstein,
  verwundet;  vom  kten  Linien-Infanterie-Regimente
  Löwenstein:  Oberst  Graf  von  Taris
schwer,  Major  von  Gedony  ebenfalls  schwer,  Adjutant
Schmidts,  die  Hauptleute  Kylander  schwer,  Fortis,
  Wallraff,  die  Oberlieutenants  Friederick,
Dentenhofer,  Merk,  Baron  Widmann,  St.
Sauveur,  Haag,  die  Lieutenants  Steudel,
Schmeckenbecher,  verwundet.

*.)  Es  gaben  die  Oesterreicher  ihren  Verlust  an  Getödteten
auf  &amp;amp;  PÖffiziers  und  148  Soldaten,  an  Verwundeten  auf
21  Offiziers  und  655  Soldaten  an.

8  *
        <pb n="120" />
        —  116  —

den  Stolz,  an  der  Spitze  solcher  Tapferen  gefochten
zu  haben.  *)

Schon  folgenden  Tages  begab  sich  Feldmarschall-Lieutenant
  Hiller,  nach  theilweiser  Abbrennung  der
Brücken  bei  Neumarkt,  Märkl,  Mühldorf  u.  a.  m.,  mit
seinem  Heer  nach  Altendtting,  und  dann  über  den  Inn
nach  Altheim  zurück.  Denn  nun  erst  hatte  er  den  Ausgang
  der  Eggmühler-Schlacht,  und  den  Rückzug  des
österreichischen  Hauptheeres  über  die  Donau  nach  Cham
vernommen.  Wrede  ließ  ihn  durch  Streifwachten  beobachten
  und  eiligst  die  Brücken  herstellen.  Ebenso  verließ
nun  auch  Jellachich  mit  seinen  Oesterreichern  wieder
(2östen  April)  die  Hauptstadt  Baierns,  wo,  ehe  noch
der  Kronprinz  von  Baiern  mit  seiner  Heerabtheilung
dahin  von  Landshut  und  über  Moosburg  gelangen  konnte,

*)  Er  bezeichnete  seinem  königlichen  Herrscher  die  Brigade-Generale
  Grafen  Minuzzi  und  Beckers,  welch  letzterem
  ein  Pferd  unter  dem  Leibe  erschossen  wurde,  den
Obersten  Baron  Dallwigk  leicht  verwundet,  den  Artillerie-Major
  Baron  Soller,  seinen  ersten  Adjutanten
den  Major  Palm,  den  Major  Baron  Zweibrücken,
den  Oberlieutenant  Breutano  des  General-Stabes
und  seinen  Ordonanz-Offizier,  den  Oberlieutenant  von
Besserer,  als  ausgezeichnete  Männer.  Der  Thaten
des  Obersten  Grafen  Taris,  des  Oberstlieutenants
Tänzel,  und  des  Hauptmanns  Grafen  Berchem,
wurde  schon  glänzend  im  Laufe  des  Berichtes  über  jene
Affaire  selbst  gedacht.  (Ueber  die  verschiedenen  Individuen,
  welche  als  Folge  des  Treffens  bei  Neumarkt  ehrenvoll
  genannt,  oder  welche  belohnt  wurden,  lese  man
die  Armee=  Befehle  vom  28ften  April  1800,  vom  öten
September  1800,  vom  zten  April  1810,  vom  20sten  September
  1810  nach.)
        <pb n="121" />
        —  117  —

der  Koͤnig  schon,  fast  ohne  Bedeckung  (den  25sten)  ankam,
  unter  dem  Jubel  alles  Volkes.  Noch  aber  schwaͤrmte
der  Feind  in  der  Nähe;  und  die  Lust  der  Bürger  bei
nächtlicher  Beleuchtung  der  Stadt  wurde  durch  plbötzliche
Erscheinung  österreichischer  Streifwachten  am  rechten
Isar=  Ufer,  und  durch  die  Nachricht  des  Anzuges  von
4000  Feinden  gegen  München,  bitter  unterbrochen.  Der
König  mußte  dem  vereinten  Flehen  Aller  nachgeben,
und  nach  Augsburg  reisen.  Doch  schon  in  der  Frühe  des
anderen  Tages  endete  jede  Besorgniß.  Die  vorausgesandte
  Cavalerie-Brigade  des  Kronprinzen  rückte  ein;
dann  gegen  Mittag  erschien  der  Kronprinz  selbst  an
der  Spitze  seines  Fußvolks,  mit  zwolf  eroberten  Kanonen.
  Mit  Freudengeschrei  begrüßte  ihn  die  Stadt,  welche
  sich,  wie  immer,  auch  diesmal  in  ihrer  unerschütterlichen
  Liebe  für  König  und  Vaterland  bewährt  hatte.  )

Während  nun  der  Kronprinz  sich  am  rechten  Isar-Ufer,
  München  deckend,  aufstellte,  und  Generallientenant
  Deroy  sich  bei  Erding,  rückten  (20sten  April)  die
verschiedenen  franzbsischen  Heerhaufen  unverweilt  gegen
den  Inn,  mit  ihnen  auch  Wrede,  der  in  Mühldorf
einzog.  Hier  war  die  Brücke  theilweis  abgebrannt;  der
Feind  schoß  vom  andern  Ufer;  an  der  Seite  des  Generallieutenants
  Wrede  ward  beim  Recognosciren  der
Oberlieutenant  Hazzi  verwundet.  Doch  zwei  Abtheilungen
  Schützen  vom  sechsten  Bataillon  leichten  Fußvolkes,
  trieben  mit  ihrem  Feuer  den  Feind  bald  vom
rechten  Ufer  fort.  Die  Brücke  wurde  hergestellt.  Zwei
Compagnien  des  ebengenannten  Bataillons  zogen,  als

*)  S.  Regierungs-Blatt  vom  20sten  April  1300,  dann  vom
Sten  Mai  1800.
        <pb n="122" />
        —  116  —

Vortrab,  früh  Morgens  (27sten  April)  hinüber.  Aussendungen
  nach  Altendtting  und  Trosburg  meldeten  Hiller's
  allgemeinen  Rückzug  nach  Wels.  Es  erschien  das
Corps  des  Herzogs  von  Montebello.  Es  gingen  die
Vorhuten  der  verschiedenen  franzdsischen  Heer-Abtheilungen
  über  den  Inn,  so  auch  die  des  Herzogs  von  Rivoli
  bei  Passau  und  Schärding.  Letztere  Stadt,  weil
General  Dedowich  mit  seinen  Oesterreichern  sie  zu
lange  vertheidigte,  ward  durch  die  Franzosen  unter  General
  Legrand  fast  ganz  eingeäschert.

 

10.

Inn-Uebergang  der  Franzosen  und  Baiern.
Salzburgmit  stürmender  Fausit  genommen.

Kaiser  Napoleon  selbst  traf  am  nämlichen  Tage
7  ten  April)  mit  seinen  Garden  von  Landöhut  in  Mühldorf
  ein.  Nachdem  er,  an  Wrede's  Seite,  Brücke  und
Stellung  besichtiget  hatte,  befahl  er  diesem  Feldherren,
ungesäumt  nach  Wald  aufzubrechen,  dort  über  die  Alza,
bei  Tittmanning  oder  Laufen  über  die  Salza  zu  gehen,
und  dem  in  diese  Gegenden  gezogenen  General  Jellachich
  zu  folgen.

Es  war  Mitternacht,  als  Wrede  mit  seiner  Division
  an  der  Alza  beim  Dorfe  Garching,  Wald  gegenüber,
  ankam.  Aber  die  Brücke  war,  nicht  leicht  wieder
herstellbar,  abgebrochen.  Schnell  wandte  er  sich,  des
Nachrs  noch,  gegen  Trosburg,  erreichte  es  mit  dem
Morgenroth  (28sten  April),  stellte  die  Alza-Brücke  her,
jagte  die  feindlichen  Posten  vom  rechten  Ufer  zurück,
und  gelangte  Mittags  auf  Seitenwegen  nach  Tittman=
        <pb n="123" />
        —  119  —

ning.  Hier  erbeutete  er  bedeutende  Magazine  der  Oester—
reicher,  aber  hier  erfuhr  er  auch,  daß  Laufen  noch  vom
Feinde  besetzt  sei.  Dessen  Stellung  und  Stärke  zu  erforschen,
  mußte  der  Rittmeister  Bernhard  alsbald  mit
einem  Geschwader  vom  aten  Regiment  Chevaurlegers
dahin.  Schon  bei  Friedelfing  kam  dieser  ins  Handgemenge
  mit  Abtheilungen  von  Oreilly-Chevaurlegers;
doch  warf  er  sie  gen  Laufen  zurück,  nachdem  er  ihnen
21  Gefangene  gemacht  hatte.  Wrede,  kaum  davon
benachrichtet,  schickte  ihm  den  General  Grafen  Preysing
  mit  vier  Geschwadern  zu  Hülfe.  Diese  Alle  rückten
  nun  gegen  Laufen,  sprengten,  es  war  schon  Abends
neun  Uhr,  die  verrgmmelten  Thore  der  Stadt  auf,  machten
  noch  mehrere  Gefangene,  fanden  aber  die  Salza-Brucke
  abgebrannt.  Noch  in  der  Nacht  eilte  Oberlieutenant
  Hazzi,  auf  Befehl  seines  Feldherrn,  den  er  auch,
ungeachtet  eines  in  der  Wade  erhaltenen  Schusses  nicht
verlassen  wollte,  von  Tittmanning  nach  Laufen,  und
stellte  daselbst,  vermittelst  Salzschiffen,  die  zersidrte
Brücke  bis  folgenden  Mittag  wieder  her.

Ohne  Zdgern  ging  Generallieutenant  Wrede  (L0sten
April)  über  die  Salza  bei  Laufen,  wo  er  bedeutende
Heu=  und  Haber-Vorräthe,  und  eine  gefüllte  Domainen=Casse
  erbeutete,  und  nahm  mit  seiner  Reiterei,  dem
öSten  leichten  Bataillon  und  einer  leichten  Batterie,  die
Richtung  nach  Salzburg,  während  ihm  die  Infanterie
auf  demselben  Wege  folgte,  und  das  6te  Linien-Regiment
  unter  General  Grafen  Beckers  am  rechten  Salza-Ufer
  zur  Deckung  der  Dioision,  vorwärts  schritt.  Durch
einen  aufgefangenen  Courier  des  Generals  Jellachich
hatte  man  erfahren,  daß  dieser  sich  zwischen  Waching
und  Salzburg  aufgestellt  habe.  Auch  hatte  Wrede
        <pb n="124" />
        nicht  nur  vom  Fuͤrsten  von  Neuchatel  Vollmacht  zu
allen  Bewegungen,  sondern  auch  Zusicherung  von  Unter—
stuͤtzung  durch  ein  betraͤchtliches  Corps  Reiterei,  empfan—-gen,
  welches  gegen  Tittmanning  im  Anzuge  waͤre.

Zwei  Stunden  hinter  Laufen  stieß  die  baierische
Vorhut,  ein  Geschwader  vom  2ten  Chevaurlegers-Regimente,
  auf  ein  oͤsterreichisches  Geschwader  Oreilly—
Chevaurlegers,  und  drängte  dasselbe  im  hitzigen  Gefecht,
worin  es  den  Feinden  20  Mann  und  einen  Offizier  nahm,
auf  dessen  Hauptcorps  zurück.  )  Vergebens  versuchte
die  dsterreichische  Arriergarde,  der  Wrede  immer  überlegene
  Massen  entgegen  setzte,  herzhaften  Widerstand.
Sie  ward  von  Stellung  zu  Stellung  bis  auf  das  Glacis
von  Salzburg  zurückgedrückt.  Auch  hier  noch  erneuerte
sie,  um  Jellachich's  Rückzug  zu  decken,  den  heftigsten
  Kampf;  aber  trotz  des  feindlichen  Feuers  drangen
die  Baiern,  mit  den  Oesterreichern  zugleich,  in  die  Stadt,
machten  13  Offiziers,  600  Mann  zu  Gefangenen,  eroberten
  vier  Kanonen,  bedeutende  Vorräthe  Munition,
zahlreiches  Gepäck  und  Magazine,  und  befreieten  viele
der  von  den  Tirolern  hier  gefangen  gehaltenen  Baiern.)

*)  Plicht  wird  es  hier,  das  ausgezeichnete  Betragen  des
Lieutenants  Baron  Neinach  jener  Baiern-Escadron,
während  erwähnten  Gefechtes  ehrenvoll  zu  gedenken,  welcher
  tapfere  Offizier,  obgleich  durch  zwei  Pistolen-Schüsse
und  drei  Säbelhiebe  verwundet,  nur  als  Folge  mehrmals
erneuerten  strengen  Gebots  seines  Ober-Befehlshabers,
das  Schlachtfeld  verließ,  um  sich  verbinden  zu  lassen.

*8)  Der  Verlust  der  Divisson  bestand  an  diesem  Tage  in
zwei  verwundeten  Offizzieren  (Hauptmann  von  Reichling
  des  böten  leichten  Bataillons,  und  Lieutenant  Baron
  Reinach  des  2ten  Chevgurlegers-Regimentes),  in
        <pb n="125" />
        —  121  —

General  Jellachich  zog,  nach  dem  Verlust  von
Salzburg,  mit  seinen  Truppen  in  großer  Eile  zum  Lueg—
Paß,  wo  er  Besatzung  ließ,  und  von  da  nach  Werfen.
Wrede  hingegen  ließ  ihm  nur  einige  Reiter-Abtheilungen
  folgen,  und  die  in  der  Umgegend  versprengten  Oesterreicher
  aufheben.  Denn  schon  war  Napoleon's  unmittelbarer
  Befehl  angekommen,  Wrede  solle  sich  gegen
Straßwalchen  wenden,  und  so.  mit  seiner  Division  das
Aeußerste  des  rechten  Flügels  aller  Heermassen  werden,
die  Napoleon  concentrisch  gegen  Wien  bewegte.

Schon  war  auch  die  erste  Division  der  Baiern,  unter
Anführung  des  Kronprinzen,  über  Ebersberg,  desgleichen
  die  Dioision  Deroy  über  Hohenlinden,  von

zwei  todten  und  zwanzig  verwundeten  Soldaten.  Generallieutenant
  Baron  Wrede  ertheilte  nach  beendetem
Gefecht  den  sämmtlich  unterhabenden  Truppen-Abtheilungen,
  vorzüglich  dem  öten  Linien-Regimente,  dem
öten  leichten  Bataillon,  dem  2ten  und  öten  Chevaurlegers-Regimente
  und  der  leichten  Batterie  Caspers,  wohlverdiente
  Lobsprüche  ,  zeichnete  jedoch  vorzüglich  den
tapfern  General  Grafen  Beckers,  den  Rittmeister  Baron
  Hertling  des  äten  Chevaurlegers-Regimentes,
die  Oberlieutenants  Schmidt,  Baron  Rottenstein,
den  Unterlieutenant  Rumaltowsky,  den  Corporal
Hummel,  die  Gemeinen  Kleiber,  Dillmann  und
Fachler  aus.  Lebßtgenannte  Soldaten  waren  es,  welche,
da  das  Sprengen  der  Thore  nicht  gleich  gelingen  wollte,
sich  auf  den  Wall  schwangen,  und  von  innen  die  wohlverschlossenen
  Thore,  trotz  der  ihnen  drohenden  Gefahren,
mit  Gewalt  öffneten.  Cüneber  die  Affaire  des  20sten
Apriltages  lese  man  die  Armee-Befehle  vom  oten  Mai
1800  F.  2.,  vom  Sten  September  1800  5.  1.,  vom  6ten
April  1810  nach.)
        <pb n="126" />
        —  122  —

Muͤnchen  und  Moosburg  her,  vorgeruͤckt,  und  auf  den
vor  Wasserburg  gelegenen  Hoͤhen  erschienen.  Noch  standen
  beobachtende  Reiterposten  der  Oesterreicher  am  rechten
  Inn-Ufer;  die  Brücke  war  abgebrannt.  Jene  wurden
  von  leichtem  Fußvolk,  das  in  Kähnen  übersetzte,
ihnen  voran  der  Artillerie  -Oberlieutenant  von  Heidegger,
  vertrieben;  diese  ward  wieder  hergestellt.  Beide
Dioisionen  zogen  darauf  (28sten  April)  nach  Altenmarkt;
nur  das  zweite  Bataillon  vom  Sten  Regiment  ging  mit
einer  Kanone,  unter  Anführung  des  franzdsischen  Obersten
Montelegier's  seitwärts  zum  Entsatz  von  Kufstein.
Endlich  (am  Sosten)  vereinten  sich  sämmtliche  drei  baierische
  Divisionen  bei  Salzburg.  Der  Kronprinzschickte
aber  sogleich  noch  von  seiner  Division  das  Zte  Regiment,
und  vom  aten  Regiment  das  erste  Bataillon,  nebst  drei
Kanonen  der  Batterie  Wagner,  unter  General  Stengel
  nach  Hallein,  zur  Verfolgung  des  Corps  von  Jellachich,
  das  sich  nach  Radstadt  wandte.  Hinwieder
eilte  die  zweite  Brigade  der  Division  Deroy  nach  Reichenhall,
  um  noch  zum  Cntsatz  von  Kufstein  mitzuwirken.
Wrede,  an  der  Spitze  seiner  Diovision,  hatte  sich  in
derselben  Zeit  gen  Straßwalchen  aufgemacht;  unterwegs
noch  150  Feinde  gefangen  genommen,  in  Neumarkt  zugleich
  ein  ansehnliches  Magazin  erbeutet,  durch  Entsendungen
  einzelner  Reiterhaufen  links  gegen  Mattighofen
seine  Verbindung  mit  den  franzbsischen  Schaaren  der
Herzoge  von  Istrien  und  Montebello  angeknüpft,
und  rechts  durch  andere  Reiterei-Absendungen  einige
nach  Frankenmarkt  und  Mondsee  zurückgegangene  Compagnien
  des  Generals  Jellachich  verfolgt.

General  Stengel,  im  Verfolgen  der  Oesterreicher
begriffen,  drang  unterdessen  bis  zum  Luegpaß  (1sten  Mai),
        <pb n="127" />
        —  123  —

und  besetzte  alle  zwischen  Golling  und  diesem  Paß  wichtigen
  Puncte.  Golling  selbst  hatte  er  vom  Feinde  noch
besetzt  gefunden.  Dieser  war  aber  durch  die  baierischen
Schuͤtzen  bald  bis  hinter  die  Lammer-Bruͤcke  geworfen
worden.  Auch  ließ  der  General,  ungeachtet  des  staͤrk—
sten  feindlichen  Feuers,  die  abgebrannte  Bruͤcke  sogleich
neu  schlagen,  )  und  die  Oesterreicher  bis  in  den  Lueg-Paß
  treiben.  Der  Kronprinz  sandte  ihm  vom  Regimente,
  welches  seinen  Namen  trug,  noch  das  zweite
Bataillon  nach  Golling  zur  Unterstützung.

Die  Stellung  des  Generallieutenants  Jellachich
bei  Radstadt  war  in  diesen  Augenblicken  von  hoher  Wichtigkeit.
  An  den  Gränzen  der  Steyermark,  an  den  Quellen
  der  Mur  und  Enns,  hielt  er  zugleich  hinter  sich  am
Luegpaß  die  Straße  von  Salzburg  nach  Villach  (zum
Vortheil  der  österreichischen  Armee  in  Italien)  geschlossen,
  und  drohete  er  noch  immer  durch  Abtheilungen  bei
Ischel  und  St.  Gilgen  gegen  Salzburg.  Doch  die  Abtheilung
  bei  St.  Gilgen  ward  durch  den  Kronprinzen
von  Baiern  bald  verjagt.  Jellachich's  Aufgabe  war
jetzt,  den  Rückzug  des  Erzherzogs  Johann  aus  Italien
nach  Wien,  veranlaßt  durch  das  Unglück  Oesterreichs
auf  deutschem  Boden,  von  dieser  Seite  zu  decken.

*)  Diese  Unternehmung  zog  dem  ersten  Bataillon  des  #ten
Regiments  einen  Verlust  von  s  todten  und  25  verwundeten
  Soldaten,  dem  gten  Linien-Regimente  von  2  verwundeten
  Offizieren  (Lieutenants  Spißel  und  Brett),
und  6#  todten,  verwundeten  und  vermißten  Soldaten  zu.
        <pb n="128" />
        —  124  —

11.

Blick  auf  die  Ereignisse  in  Italien  und  im
Tirol.  Napoleon's  Zug  bis  Wien.

Das  Heer  des  Erzherzogs  Johann  stand  zu  An—
fang  des  Feldzuges  (10ten  April)  zwischen  Wurgen  und
Kronau  an  den  Graͤnzen  Friauls,  um  in  Italien  einzudringen.
  Der  Erzherzog,  um  seinen  Gegner  zu  täuschen,
  schickte  den  Obersten  Volkmann  mit  zwei  Geschwadern
  und  drei  Schlachthaufen  Fußvolkes  in's  Fella-Thal,
  als  wäre  es  Absicht  seiner  Hauptmacht,  über  die
Ponteba  in  Italien  einzubrechen.  Sogleich  erhob  sich
(11ten  April)  ein  neunstündiges  Gefecht  zwischen  Volkmann
  und  der  gegen  Venzone  kommenden  franzbsischen
Division  Brousier,  welche  von  der  Division  Grenier,
bei  St.  Daniel,  Unterstützung  empfing.

Während  so  die  Aufmerksamkeit  der  Franzosen  sich
nach  ihrem  linken  Flügel  richtete,  drang  der  Erzherzog
(Ulten  April)  bei  Sarafella,  Pulvero  und  Cividale  vor,
wo  er  die  Posten  der  Division  Serras  zurückwarf,  und
zog  schon  am  13ten  April  in  Udine  ein,  während  das
franzdsische  Heer  über  den  Tagliamento,  dann  über  die
Livenza  zurückging.  Festen  Fußes  folgte  der  Erzherzog
seinem  Feind,  und  schnitt  im  Gefecht  bei  Pondenone
(am  15ten)  von  dessen  Hauptmacht  den  Nachtrab  ab,
ein  Infanterie=  und  ein  Husaren-Regiment,  die  er
größeren  Theils  gefangen  nahm.

Der  Vicekbnig  von  Italien,  welcher  an  der  Livenza
  bedeutende  Verstärkungen  empfangen  hatte,  glaubte
nun  durch  angriffsweises  Verfahren  den  ersten  leichten
Verlust  vergessen  zu  machen.  Er  hatte  Fontana-Fredda,
Nonche  und  Vigonovo  besetzt;  ihm  gegenüber  stand  die
        <pb n="129" />
        —  125  —

oͤsterreichische  Vorhut  zu  Porzia,  Talponedo  und  Palse,
die  Hauptmacht  bei  Cordenons  und  mit  dem  linken  Flügel
  an  Pondenone  gelehnt,  Oberst  Volkmann  aber
war  nach  Roveredo  und  Castel  Aviano  gegangen.  Der
Vicekönig  machte  also  den  Angriff  auf  Pondenone
(16ten  April)  durch  die  nach  Porzia  vorgeschobenen  Heersäulen.
  Die  Schlacht  ward  schnell  allgemein,  und  der
Vicekdnig  erst  durch  den  Verlust  der  Puncte  Fontang-Fredda,
  Roncha  und  Villadolt  wieder  auf  Selbstvertheidigung
  beschränkt,  dann  Abends  zwischen  5  und  6  Uhr
zum  Rückzug  nach  Sacile  gezwungen.  Aber  auch  diesen
Ort  entriß  ihm  der  Erzherzog  mit  stürmender  Faust,  und
hätte  der  linke  Flügel  der  Oesterreicher  den  Sieg  mit
großerer  Thätigkeit  verfolgt,  schwerlich  würden  die  fliehenden
  Franzosen  ihren  Rückzug  über  die  Piave  nach
Conegliano  leicht  gefunden  haben.  Ein  heftiges  Regenwetter
  hinderte  den  Erzherzog,  früher,  als  sechs  Tage
nach  der  Schlacht  bei  Sacile,  über  die  Piave  (22sten
April)  zu  gehen,  und  Treviso  zu  besetzen,  indessen  die
Franzosen  in  zwei  Colonnen  nach  Vicenza  und  Padua
gingen.  Auch  dahin  folgten  ihnen  die  Oesterreicher,
nachdem  sie  einen  vergeblichen  Angriff  auf  den  Brückenkopf
  von  Malghera  vor  Venedig  (am  2östen)  gemacht,
die  Feste  Palmanova  eingeschlossen,  und  (den  Tästen)  bei
Fontaniva  den  Zug  über  die  Brenta  gethan  hatten.  Bald
standen  sie  (den  20sten),  Meister  der  schönsten  Theile
des  Friauls,  bei  St.  Bonifacio  und  Villanova,  ihre  Vorhut
  am  Alpone;  der  Vicekdnig  hingegen  hatte,  ihnen
immer  ausweichend,  Stellung  in  der  Ebene  von  Caldiero
genommen.

Die  franzdsischen  Siegesnachrichten  aus  Deutschland,
und  neue  Verstärkungen,  gaben  dem  Vicekdnige  neuen
        <pb n="130" />
        —  126  —

Muth.  Er  griff  (den  20sten)  ohne  Zeitverlust,  die  feindlichen
  Stellungen  bei  Villanova  und  Soave  an;z  und  als
er,  bei  aller  Tapferkeit  der  Seinigen,  von  Soave  mit
bedeutendem  Nachtheil  zurückgeworfen  war,  erneuerte  er
folgenden  Tages  den  Kampf  am  Alpone.  Doch  Erzherzog
Johann,  nun  vom  Unglück  Oesterreichs  auf  deutscher
Erde  unterrichtet,  trat  schon  in  der  Nacht  darauf  (vom
50sten  April  zum  1sten  Mai),  seinen  Rückzug  nach  den
kaiserlichen  Erbstaaten  an,  ehe  ihm  derselbe  durch  Napoleon's
  Eilmärsche,  vielleicht  durch  Verlust  von  Salzburg
und  Tprol,  abgeschnitten  wurde.

Im  Toyrol  hatte  der  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler,
  sobald  er  im  Besitz  von  Innsbruck  war,  alle
Maßregeln  zur  Behauptung  des  Gebirgslandes  ergriffen.
Er  übergab  dem  General  Buol  die  Hut  des  nördlichen
Tprols;  und  der  Einschließung  von  Kufstein.  Er  selbst
begab  sich  (10ten  April)  mit  einem  Geschwader  Reiterei
und  einer  halben  Batterie,  über  Briren  nach  Botzen,
wohin  er  alle  dsterreichische  Truppen,  die  bei  Briren
und  Schabs  aufgestellt  gewesen  waren,  vorauzgeschickt
hatte.  Denn  es  war  General  Baraguay  d'Hilliers,
der  den  linken  Flügel  des  franzbfischen  Heeres  in  Italien
befehligte,  mit  fünf  Regimentern  über  Roveredo  und
Trient  in's  südliche  Tirol  eingedrungen.

Als  Chasteler  sein  Kriegsvolk,  verstärkt  durch
vier  Landwehr-Bataillone  von  Kärnthen,  zwischen  dem
Talfer-Bach  und  der  Eisak  beisammen  sah,  während  im
Vinstgau  und  obern  Etschthale  der.  Volksaufstand  sich
unter  dem  Passeyer  Sandwirth,  Andreas  Hofer,  zu
einer  Masse  von  12,000  Mann  bildete,  beschloß  er  Angriff
  gegen=  Baraguay  d'Hilliers.  Dieser  stand  ihm
        <pb n="131" />
        —  127  —

mit  8,500  Mann  Fußvolkes,  1,400  Reitern,  und  zehn
Feuerschluͤnden  entgegen,  zog  sich  aber,  nach  bedeutungslosen
  Postengefechten  bei  Lawis,  auf  Molven  und
Zambano,  darauf  nach  einem  blutigen  Tage  bei  Bacco
di  Vella  auf  Trient  zurück,  wo  er  den  Brückenkopf  stärker
  befestigte.  Allein  auch  hier  konnte  Beraguay
d'’Hilliers  nicht  bleiben,  sobald  ihm  von  der  nachtheiligen
  Lage  des  Vicekdnigs  Kunde  geworden  war.
Er  zog  bis  Roveredo  zurück,  und  mußte  dulden,  daß
Chasteler  ihm  nicht  nur  nachdrängte,  sondern  vermittelst
  starker  Entsendungen  in  das  Brenta-Thal,  sogar
Verbindung  mit  der  österreichischen  Hauptmacht  in  Italien
  anspann.  Chasteler  griff  ihn  endlich  auf  den
Höhen  von  St.  Hilario  in  drei  Colonnen  an  (den  Lasten
April);  den  ganzen  Tag  währte  das  mrderische  Treffen,
am  blutigsten  um  den  Besitz  des  Punctes  Valano.  Auf
beiden  Seiten  war  der  Verlust  groß.  Aber  die  Franzosen
ließen  sich  in  ihrer  Stellung  nicht  erschüttern.

Freiwillig  verließen  sie  dieselbe  des  anderen  Tages,
und  gingen  über  Ala,  längs  der  Etsch,  nach  Borghetto
(vom  25  —  20sten  April)  und  weiter.  Chasteler  bot
schon  dem  Oberst  Volkmann  die  Hand  gegen  Bassano,
sandte  schon  Streifwachten  über  Peri  und  Fösse  gegen
Verona.  Oa  endeten  die  Bothschaften  von  Napoleon's
Siegen  in  Deutschland,  vom  Rückgang  des  Erzherzogs
Johann  nach  den  bedroheten  Erbstaaten,  die  Fortschritte
  Chasteler's  auf  dieser  Seite.  Er  ließ  vier  Bataillons,
  drei  Compagnien  und  ein  Reitergeschwader,
unter  dem  General  Marschall,  bei  Roveredo  zur
Beobachtung  stehen,  und  eilte  zur  Sicherheit  des  ndrdlichen
  Tirols  mit  10  Bataillonen,  einer  Compagnie  und
anderthalb  Geschwadern  über  den  Brenner  nach  Innsbruck.
        <pb n="132" />
        —  128  —

Hier  (den  öten  Mai)  angekommen,  wo  General
Buol  mit  zwei  Bataillons,  drei  Compagnien,  und  einem
halben  Geschwader  im  Innthal  stand,  zog  er  seine  kleine
Macht  zwischen  der  tirolischen  Hauptstadt  und  Hall  zusammen,
  und  bot  er  Alles  auf,  was  zur  Beschuͤtzung
dieses  Gebirgs  dienen  konnte,  das  von  Salzburg  her
durch  die  drei  Divisionen  der  Baiern  bedraͤut  stand.  Der
Aufstand  und  Landsturm  des  Vorarlbergs,  vereint  mit
schwachen  Abtheilungen  oͤsterreichischen  Kriegsvolkes,  ward
bestimmt,  die  Gegenden  von  Lindau  und  Kempten  zu
schrecken.  Regellose  pluͤndernde  Streifzuͤge  des  Tiroler—
Aufstandes,  uͤber  Fuͤssen,  uͤber  Benedictbeuern,  Toͤlz  und
Miesbach,  mußten  das  wehrlose  Südbaiern  ängstigen,
und  selbst  Besorgniß  für  die  Hauptstadt  erregen.

Doch  Kdnig  Maximilian  hatte  zu  Augsburg  schon
die  schleunige  Errichtung  von  sechs  Reserve-Bataillons)
begonnen;  durch  Errichtung  eines  Gebirgs-Schtzen-Corps,)
  vermischt  mit  alten  Kriegern  aus  den  Depot-Com-

  Jedes  dieser  Bataillons  bestand  aus  vier  Compagnien,

und  wurden  sie  in  Bezug  auf  Bewaffnung,  Kleidung,
Löhnung  und  Disciplin,  ganz  dem  übrigen  Linien-Militär
gleichgestellt,  und  mit  gleichen  Verpflichtungen.  Sie  erhielten
  die  Uniform  der  isten,  aten,  öten,  öten,  1öten
und  oten  Linien-Regimenter,  und  gediente  Offlziere  an
ihre  Spiße.

*#)  Leßteres  bestand  aus  drei  Abtheilungen,  von  denen  die
eine  sich  unter  der  Leitung  der  Forst-Inspection  Traunstein,
  aus  den  Schützen  der  Landgerichte  Reichenhall,
Traunstein  und  Trosberg,  die  zweite  unter  der  Leitung
der  Forst-Inspection  Rosenheim,  aus  den  Schützen  der
Landgerichte  Rosenheim,  Miesbach,  Tölz  und  Wolfratshausen,
  die  dritte  endlich  unter  der  Leitung  der  Forst-Inspection
  Garmisch,  aus  den  Schüßen  der  Landgerichte  Werdenfels,
  Weilheim  und  Schongau,  bildete.
        <pb n="133" />
        Compagnien  zu  München,  und  unter  Befehl  des  Obersten
Grafen  Mar.  Arco,  den  Wunsch  der  altbaierischen  Gebirgs-Bewohner
  zur  Selbstvertheidigung  gegen  die  tirolischen
  Aufrührer  erfüllt,  und  außerdem  noch  die  Bildung
eines  Corps  freiwilliger  Jäger  zu  Fuß,  nebst  einer  Abtheilung
  berittener  Jäger  aus  den  Forstleuten  des  Koͤnigreiches
  angeordnet,  deren  schnelle  und  kraͤftige  Einrich—
tung  dem  Obersten,  Carl  Grafen  von  Oberndorf,
zum  großen  Verdienste  um's  Vaterland  ward.

Um  dieselbe  Zeit  war  Napoleon's  Hauptmacht
schon  im  vollen  Zuge  gegen  Wien;  der  Herzog  von  Ri—
voli  schon  in  Linz,  der  Herzog  von  Istrien,  und  der
von  Montebello  schon  vor  Ebersberg.  (Den  öten  Mai)
Feldmarschall-Lieutenant  Hiller,  welcher  seinen  Rückzug
von  Stellung  zu  Stellung  gegen  einen  übermächtigen
Feind  zu  vertheidigen  gezwungen  war,  hatte  vergebens
bei  Linz  die  Donau-Brücke  weggebrannt,  und  auf  den
Hbhen  hinter  der  Traun  einen  festen  Stand  zu  nehmen
gesucht.  Denn  seine  Nachhut,  die  das  Städtchen  Ebersberg
  und  die  Traun-Brücke  decken  sollte,  konnte  diese
Brücke  nicht  zerstdren,  weil  beim  ungestümen  Angriffe
der  Franzosen,  von  Claparedes  Diovision,  diese  zugleich
mit  den  Oesterreichern  über  die  Brücke  vordrangen.  Weder
das  furchtbare  Feuer  der  dsterreichischen  Batterien  gegen
den  langen  Zug  des  Feindes  über  die  Brücke,  noch  der
mdrderische  Widerstand,  welcher  in  und  außer  dem  Städtlein
  mehrere  Stunden  lang  währte,  konnte  die  Franzosen
aufhalten.  Sie  behaupteten  die  Stadt,  welche  beim  Gefechte
  in  Flammen  stand.  Hiller  zog  nach  Enns,  von
da  nach  Stein;  zerstdrte  dort  die  Ennsk,  hier  die  Oonau=Brücke,
  nachdem  er  über  diese  gegangen  war,  und  ließ

die  Generale  Mesko  und  Nordmann  mit  leichten
II.  5tes  Buch.  0
        <pb n="134" />
        —  130  —

Truppen  auf  der  großen  Wiener-Straße  am  rechten
Donau-Ufer  ihren  Zug  zur  Hauptstadt  fortsetzen.  Diesen
folgte  der  Feind.  Der  Herzog  von  Montebello  erreichte
  ihre  Nachhut  zwar  (5ten  Mai)  bei  Anstätten,  aber
sie  wickelten  sich  nach  unbedeutendem  Gefechte  von  ihm
los.  Wien  war  voller  Schrecken.  Hier  befehligte  Erzherzog
Maximilian.  Es  hatte  ihm  die  Erhaltung  dieses
wichtigen  Punctes  Erzherzog  Carl  dringend  empfohlen,
der  mit  seinem  Heer  nun  selbst,  auf  weiten  Umwegen  durch
Bdheim,  dahin  eilte,  und  zum  Schutze  Böheims  nur  das
Ste  bdsterreichische  Armee-Corps  bei  Pilsen  stehen  ließ.
Darum  mußte  auch  General  Vandamme  mit  dem  wirtembergischen
  Corps  die  Stadt  Linz,  gegen  allfällige  Ueberraschungen
  vom  Feldmarschall-Lieutenant  Collowrath,
besetzt  halten.

Inzwischen  war  durch  die  Entfernung  des  Erzherzogs
  Carl  aus  Böheim  auch  der  Herzog  von  Auerstädt
seiner  Bestimmung  enthoben,  die  bohmischen  Gränzen  zu
bewachen.  Er  eilte  zur  Hauptmacht  seines  Kaisers  nach
Linz  (öten  Mai),  während  der  Prinz  von  Pontecorvo
mit  seinem  Corps,  meistens  aus  Sachsen  bestehend,  längs
den  böhmischen  Gränzen  herkommend,  norddstlich  von  Regensburg
  in  Rotz  erschien.  Und  wenige  Tage  nach  diesem
(1loten  Mai)  traf  Napoleon  mit  seiner  Macht  zu  Schdnbrunn
  und  in  den  Umgegenden  Wien's  ein.  Eine  seiner
Reiterabtheilungen  sprengte  sogar  durch  die  Vorstädte  gegen
  das  Kärnthner-Thor  an,  wurde  aber  bald  mit  großem
Verlust,  durch  ein  Reiter-Geschwader  der  Oesterreicher
zurückgeworfen.

Erzherzog  Marximilian,  welcher  zur  Vertheidigung
  der  Hauptstadt  10=  bis  18,000  Mann,  zum  Theile
Landwehrbataillone,  außerdem  die  Bürgerschaft  von  Wien
        <pb n="135" />
        —  131  —

hatte,  wurde  noch  durch.  fuͤnf  Bataillone  des  Grenadier—
Reserve-Corps,  und  durch  das  ganze  5te  und  Ööte  Armee-Corps
  verstärkt,  die  Feldmarschall  -Lieutenant  Hiller
herbeiführte  (10ten  und  1#ten  Mai),  und  in  den  Auen
und  Inseln  der  Donau  stehen  blieben.  Allerdings  hätte
er  wohl  mit  dieser  etwa  35,000  Mann  starken  Macht  Widerstand
  leisten  können,  bis  zur  Ankunft  des  Erzherzogs
Carl.  Aber  Wien  würde  dabei  zu  Grunde  gerichtet  worden
  seyn.  Denn  Napoleon  ließ  schon,  nach  erster
Verweigerung  der  Uebergabe,  die  Stadt  aus  achtzehn
Haubitzen  (Nachts  vom  11ten  zum  12ten  Mai)  beschießen
und,  dem  Pavillon  im  Prater  gegenüber,  eine  Brücke  über
den  dortigen  Arm  der  Donau  schlagen.  So  konnte
er  Wien  ganz  umschließen.  Erzherzog  Maximilian
räumte  also  (des  Morgens  am  12ten)  mit  allem  Kriegsvolke
  die  Hauptstadt,  in  welche,  nach  geschlossener  Capitulation,
  folgendes  Tages  die  Franzosen  einrückten.

An  demselben  Tage  war  Exzherzog  Carl  in  Budweis
  eingerückt;  zwei  Tage  darauf,  (am  15ten,  da  Napoleon
  die  Ungarn  zum  Aufruhr  gegen  ihren  rechtmäßigen
  Landesherrn  ermahnte)h  erreichte  er  schon  Stockerau.
Zur  Rettung  Wien's  aber  kam  er  nun  zu  spät.  Also“
stellte  er  sein  gesammtes  Heer  der  Hauptstadt  gegenuber
auf,  mit  einer  Vorpostenkette  links  bis  an  die  March,
rechts  bis  nach  Krems,  welches  er,  so  wie  Preßburg,
durch  starke  Truppenabtheilungen  besetzte.

12.
Kriegsbegebenheiten  im  Tirol  bis  zum  Entsatz
  von  Kufstein.

Mittlerweile  hatten  auch  die  baierischen  Dioisionen
unter  Oberbefehl  des  Herzogs  von  Danzig  ihre  Bewe-0.
  *#
        <pb n="136" />
        —  132  —

gungen  gegen  Tirol  begonnen,  wo  der  Feldmarschall-Lieutenant
  Chasteler,  mit  tapferen  und  entschlossenen
Truppen,  und  allgemeinem  Aufstande  des  Gebirgsvolkes,
alle  Vortheile  benutzte,  welche  ihm  die  Natur  des  Landes
in  zahllosen.  Engpässen,  Bergschluchten,  Strömen  und
Thal-Labyrinthen  zur  Vertheidigung  darbot.

Der  Herzog  von  Danzig  verhehlte  sich  nicht,  daß
den  stark  befestigten  Luegpaß  von  der  Stirnseite  anzugreifen.
  sehr  gewagt  sey.  Er  beschloß,  diese  Stellung  umgehen
  zu  lassen.  Also  mußte  die  Brigade  Stengel  von
Golling  hinweg  gegen  NRadstadt  ziehen,  wodurch  zugleich
einem  andern  Entwurfe  Napoleon's  begünstigend  vorgearbeitet
  werden  konnte.  Napoleon  hatte  nämlich  die
Absicht,  auf  eben  jener  Straße  30,000  Mann,  sobald
sie  verfügbar  wären,  vorrücken  zu  lassen,  um  alles
feindliche  Kriegesvolk  im  Tirol  gänzlich  von  der  Unterstützungs-Linie
  abzuschneiden.

General  Stengel  setzte  sich  also  (in  der  Nacht  vom
Sten  zum  #ten  Mai)  mit  einem  Geschwader  des  A1sten
Dragoner-Regiments  und  dem  2ten  Bataillon  des  Regimentes
  Kronprinz  nach  Abtenau  in  Bewegung.  Er
hatte  Tages  vorher  den  Obersten  Zoller  mit  zwei  Bataillonen
  vorangeschickt,  der  seinen  beschwerlichen  Zug
durch  die  vier  Stunden  langen  Engwege  der  Scheffan,
und  über  den  mit  tiefem  Schnee  bedeckten  Strubberg,
ohne  Artillerie  machen  mußte,  und  selbst  den  Schießbedarf
  des  Fußvolkes  nur  in  den  Tornistern  desselben  fortbringen
  lassen  konnte.  Genergl  Stengel  nahm  1  Stunde
von  Abtenau,  auf  der  gegen  Annaberg  liegenden  Hohe
seine  Stellung,  an  der  Straße  nach  Hüttau  und  Radstadt,
wo  sie  vor  ihm  Oberst  Zoller  inne  gehabt  hatte.  Oieser,
        <pb n="137" />
        —  133  —

war  dagegen  andern  Tages  fruͤh  schon  von  da  nach  Ab—
tenan  vorgeruͤckt,  und  hatte  dort,  beim  Eingange  des
Waldes,  900  Oesterreicher  nach  lebhaftem  Gefechte  und
mit  bedeutendem  Verluste  derselben  zuruͤckgeworfen.  *)
General  Stengel  nahm  nach  Beendigung  dieses  Ge—
fechtes  seinen  Stand  mit  1,400  Feuergewehren  jenseits
Abtenau,  mit  Vorwachten  bis  Au-Schmidt  gegen  Gewehrberg.
  Aber  die  Menge  der  Bergschluchten  und  Seitenwege
  links  und  rechts,  wo  er  überall  umgangen  werden
konnte,  und  seine  fünf  Stunden  weite  Entfernung  vom
Haupt-Corps,  das  ihn  im  Nothfalle  schwerlich  unterstützen
  konnte,  machte  seine  Lage  hier  sehr  bedenklich-Er
  kannte  dies  wohl.  Aber  der  franzbsische  Oberbefehlshaber
  gebot  ihm,  sich  da  zu  behaupten.

Der  Kronprinz  von  Baiern  hatte  indessen,  von
Salzburg  aus,  durch  den  General  von  Raglowich,  die
Lücke  zu  Golling  und  vor  dem  Luegpasse  mit  dem  ssten
Infanterie  -Regimente  nebst  zwei  Haubitzen  ergänzen
lassen,  die  durch  Entfernung  der  Brigade  Stengel
entstanden  war.  Raglowich  bemerkte  sogleich,  daß
die  Oesterreicher  seine  Vorpostenlinie  durch  Abtheilungen.
unterbrachen,  die  sie  zu  weit  vorgeschoben  hatten.  Er
schickte  daher  die  Majore  Baron  von  Rummel,  und
Baron  von  Cronegg,  jeden  mit  250  Mann,  den  Einen
rechts,  den  Andern  links  der  Straße  von  Golling  ab,
und  gab  ihnen  zwei  Offiziere  vom  Generalstab,  den  Hauptmann
  Satorius,  und  den  Oberlieutenant  Baron  Volderndorff
  zu  Führern  mit.  Sie  sollten  suchen  (in  der

*)  Auch  30  Gefangene  wurden  dabei  gemacht.  Beierischer
Seits  wurde  der  Lieutenant  Walch,  1  Feldwebel  und
6  Mann  des  gten  Linien-Regimentes  verwundet.
        <pb n="138" />
        —  134  —

Nacht  vom  äten  zum  öten  Mai),  über  die  unwegsamen
Gebirge  den  feindlichen  Abtheilungen  in  den  Rücken  zu
kommen.  Er  selbst  wollte  unterdessen  die  Aufmerksamkeit
  des  Feindes  beschäftigen,  und  dessen  Blockhaus  mit
Haubitzgranaten  bewerfen.

Major  Rummel  gieng  also  über  die  Salzach,  und
an  deren  linken  Ufer  beim  Ederhof  den  Ederberg  unter
den  größten  Beschwerlichkeiten  aufwärts,  bis  er  sich
Morgens  mit  dem  feindlichen  Hauptpiket  in  gleicher
Hdhe  befand.  Inzwischen  er  nun  den  Blick  des  Feindes
durch  Geplänkel  einiger  Mannschaft,  die  er  am  Fuße
des  Berges  zurückgelassen,  in's  Thal  lenkte,  ließ  er  den
Lieutenant  Grafen  Verry  mit  30  Schützen  über  das
feindliche  Piket  herfallen.  Dies,  70  Mann  und  1  Offizier
  stark,  überrascht,  ergab  sich  ohne  Schuß.)  Der
Major  ließ  diesen  Punct,  von  dem  man  gerade  in  den
Paß  Lueg  hinabsah,  von  einer  Compagnie  besetzt,  und
kehrte  mit  den  Gefangenen  in's  Lager  von  Golling  zurück.

In  gleicher  Zeit  war  Major  Cronegg  auf  der
Straße  gegen  den  Paß  bis  zur  Capelle  vorgegangen,
wo  er  den  Oberlieutenant  Mendel  mit  56  Mann  siehen
ließ,  und  dann  über  den  Geisseliding  und  die  Zimmer-Au
  auf  den  Vierückerberg  gestiegen.  Allein  die  Finsterniß
  der  Nacht  und  die  Unkunde  des  Bauers,  welcher
den  Weg  zeigen  sollte,  zwang  zum  Haltmachen.  Wie
der  Tag  anbrach,  stand  man  gerade  in  Schußweite  dem
feindlichen  Posten  gegenüber.  Der  Mgjor  ließ  sogleich

*)  Das  muthvolle  Betragen,  vorzüglich  des  Lieutenants
Grafen  Verry  und  Oberlieutenants  Baron  Pechmann,
so  wie  das  ausgezeichnete  Benehmen  des  Feldwebels
Seibert  ward  besonders  anerkannt.
        <pb n="139" />
        —  135  —

angreifen,  und  warf  denselben,  trotz  des  heftigsten  Feuers,
zurück.  Oberlieutenant  Mendel,  welcher  zur  Unter-Kützung
  dieses  Angriffs  ebenfalls  gegen  den  nächsten  oͤster—
reichischen  Posten  thätig  werden  wollte,  kam  dabei  einem
auf  der  rechten  Seite  des  Passes  errichteten  Blockhaus
zu  nahe,  und  verlor  durch  das  wirksam  gegen  ihn  gerichtete
  Gewehrfeuer  aus  demselben,  an  Todten  und  Verwundeten,
  21  Mann.  Er  selbst  empfing  eine  Wunde.
Major  Cronegg,  nachdem  er  die  erkämpfte  Stellung
mehrere  Stunden  lang  behauptet  hatte,  kehrte  dann  auf
Befehl  des  Generals  ebenfalls  in's  Lager  zurück  mit  seinen
  Leuten.

Auch  General  Stengel  näherte  sich  denselben  am
nämlichen  Tage  wieder  von  Abtenau  her.  Denn  eben
dieser  Punct,  so  unvortheilhaft  zu  einer  Aufstellung  für
die  Baiern,  war,  wegen  der  Verbindung  zwischen  Tirol
und  Steiermark,  so  wie  wegen  der  Besetzung  von  Radstatt,
  Werfen,  und  dem  Luegpaß,  für  die  Oesterreicher
von  großer  Wichtigkeit.  General  Jellachich  hatte  also
mit  3,000  Mann,  von  wegkundigen  Landesbewohnern
wohl  geführt,  die  Stellung  der  Baiern  sogleich  umsponnen,
  und  (Mittags  5ten  Mai)  angegriffen.  Diesen  blieb
nichts  übrig,  als  ihren  Rückzug  zu  ersiegen.  Immer
gegen  den  überlegenen  Feind,  und  mit  dem  tiefen  Schnee
des  Gebirges,  dann  mit  dem  rauhen  Engwege  bei  Scheffau
kämpfend,  immer  verfolgt,  immer  umgangen,  zuletzt  fast
ohne  Munition,  erreichte  General  Stengel  mit  seinen
Tapferen  erst  spät  Abends  den  Ausgang  der  Scheffau,  wo
er  dann  feste  Stellung  nahm.  Er  hatte  bedeutend  eingebüßt?);
  größeren  Nachtheil  verhütete  der  feste  Muth  des

 

*)  Er  hatte  einen  Verlust  von  6  getödteten  Soldaten,  z  verwundeten
  Offizieren  (Hauptleute  Waidmann  und  Mül-
        <pb n="140" />
        —  136  —

Nachtrabes,  den  lange  Zeit  der  Hauptmann  Waidmann
gefuͤhrt  hatte.  Dieser  aber,  als  er  in  der  Scheffau  die
Lammerbruͤcke  abbrennen  wollte,  fiel  toͤdtlich  verwundet;
der  größere  Theil  seiner  Untergebenen  hatte  aͤhnliches
Schicksal.  Die  Feinde  drangen  mit  ihnen  zugleich  uͤber
die  Bruͤcke.

Als  folgenden  Tages  General  Raglovich  gegen
diese  Brücke  recognoscierte,  fand  er  sie  abgebrannt,  dahinter
  eine  halbe  Compagnie  Oesterreicher  aufgestellt,
die  von  einem  Bataillon  im  Lammer-Thale  unterstützt
war.  Er  ließ  also  auch  einen  gleich  starken  Beobachtungs-Posten
  dem  Feinde  gegember  zurück,  sicherte  die  Stellung
  durch  einen  Verhau,  und  schlug,  zur  bessern  Verbindung
  aller  Posten  bei  Golling  über  die  Salza  eine
Schiffbrücke.

Jetzt  dachte  der  Herzog  von  Danzig  einster  daran,
sich  des  Tirols  wieder  zu  bemeistern.  Allfällige  Unterneh--mungen
  der  Insurgenten  gegen  München  zu  beobachten,
waren  von  den  in  der  Hauptstadt  befindlichen  Reiterei-Depots
  auf  verschiedenen  Puncten  längs  der  Granze
Wachten  ausgestellt.)  Mit  dem  Entsatz  der  Veste  Kufsiein
  sollte  die  Unternehmung  begonnen  werden.  General

ler,  Oberlieutenant  Sieber),  71  verwundeten  Gemeinen,
  einem  Offizier  (Lieutenant  Graf  Nesselrode)
und  217  Mann  Gefangenen  und  Vermißten  erlitten.

*)  Schon  am  2osten  April  waren  die  Puncte  Pfaffenhofen,
Inning  und  Landsberg  mit  1  Lieutenant  und  25  Pferden,
Forstenried,  Starnberg  und  Weilheim  mit  1  Lieutenant,
25  Perden,  Schäftlarn,  Wolfratshausen  und  Toölz  mit
1  Lieutenant,  25  Pferden,  endlich  Hechenkirchen,  Feldkirchen,

  Aibling  und  Rosenheim  mit  1  Lieutenant,  26  Pferden
  besetzt.
        <pb n="141" />
        —  137  —

Vincenti  ruͤckte  daher  von  Reichenhall,  uͤber  Traun—
stein  nach  Hohenaschau  (sten  Mai)  mit  drei  Bataillonen
und  zwei  Geschwadern  des  vierten  Regiments  Chevauxrlegers
  vor,  und  ließ  bei  Melek  das  2te  Bataillon  des  1#ten
Linien-Regimentes  stehen,  um  die  Hauptstraße  von  Salzburg
  nach  Tirol,  und  den  von  Tirolern  stark  besetzten
Kloster-Paß  im  Auge  zu  haben.  Ihm  zur  Unterstützung
hatte  der  franzdsische  Oberst  Montelegiers  mit  dem
2ten  Bataillon  des  #ten  Regimentes  und  einem  Geschwader
  des  ersten  Dragoner-Regimentes,  nebst  einer  Kanone,
  über  Rosenheim  nach  Retenfelten  vorrücken  müssen.
General  Vincenti  empfand  aber  gleich  beim  ersten  Angriff,
  den  er  (aten  Mai)  bei  Sagram  gegen  die  zahlreichen
  Insurgenten-Haufen  unternahm,  daß  er  ihrer
Menge,  die  ihn  plbtzlich  im  Gebirge  umschwärmte,  nicht
gewachsen  sey.  Er  mußte  sich  nach  Hohenaschau  zurückziehen?);
  datauf  nach  Rosenheim,  wo  General  Deroy
noch  das  Aste  leichte  Bataillon,  und  vom  öêten  Regimente
das  #te  Bataillon  mit  ihm  vereinte.  Denn  Deroy's
Absicht  war,  den  Entsatz  von  Kufstein  persbulich,  an  der
Spitze  dieser  vermehrten  Streitkräfte,  zu  unternehmen.
Da  empfieng  er  vom  Herzoge  von  Danzig  Befehl,  jede
weitere  Bewegung  bis  zum  12ten  Mai  einzustellen,  wo
Generallieutenant  Wrede  über  Lofer  gegen  St.  Johann
vorgeruͤckt  seyn,  und  dem  Feinde  vor  Kufstein  im  Rücken
stehen  würde.

Wirklich  war  Wrede  mit  der  2ten  baierischen  Diviskon
  schon  in  Vôklabruck  und  Lambach  auf  dem  Wege

 

*)  Nachdem  2  Offiziere  seiner  unterhabenden  Truppen  (Hauptmann
  Stonor  und  Lieutenant  Finster),  so  wie
17  Mann  schwer  verwundet  worden  waren.
        <pb n="142" />
        —  138  —

nach  Wels  und  Linz,  und  hatte  durch  ausgesandte  Reiterei
  in  Gemünden,  wo  er  die  abgebrannte  Trambrucke
herstellen  ließ,  ansehnliche  Getreide-Vorräthe,  und  für
7  Millionen  Franken  Salz  erbentet,  als  er  aus  dem
kaiserlichen  Hauptquartier  Weisung  empfing,  den  Herzog
von  Danzig  gegen  das  empdrte  Tirol  zu  unterstützen.
Er  ging  also  über  Straßwalchen  nach  Salzburg  (oten)
zurück,  und  ließ  nur  den  General  Grafen  Preising,
mit  dem  Chevaurlegers-Regimente  König,  in  Lambach,
  Schwanstadt  und  Gemünden,  theils  um  Nachricht
über  die  feindlichen  Bewegungen  in  der  Steiermark  einzuziehen,
  theils  um  die  begonnene  Entwaffnung  der  Gegend
  zu  vollenden.

Sobald  General  Wrede  in  Salzburg  angekommen
war,  ließ  ihn  der  Herzog  von  Danzig  gegen  Unken,
zur  Wegnahme  des  Strub=  und  Lofer-Passes,  ziehen,
mit  ausdrücklichem  Befehle,  alle  in  Wassen  ergriffene
Empdrer  über  die  Klinge  springen  zu  lassen.“)  Der  Herzog
selbst  verlegte  sein  Hauptquartier  nach  Reichenhall,  nachdem
  er  dem  Kronprinzen  den  Olberbefehl  über  die

*)  Irmiée  babvarofse.

—  Rieueidhenhall  s  10  Mad  13090.
A  Monsieur  le  Général  br  Wno  Commandant
de  la  Zme  Division.
Monsieur  le  Général!

L’intention  de  Monsieur  le  Maréchal  est  quc  vous  prenniez
  position  avec  votre  Division  à  Unken  et  duc  vous
Poussicz  en  avant  une  avante-  garde  pour  reconnaitre
la  position  de  lennemi.  II  sera  aussi  necessairc  duc
vous  prenniez  des  renscignements  sur  le  Strub  -Ppass,  äfin
de  savoir  si  on  peut  le  tourner  à  droite  ou  à  gauchoe;

mais  a  unc  irés  pctite  distance.
        <pb n="143" />
        —  139  —

gesammten  Truppen  uͤbergeben  hatte,  die  in  und  um
Salzburg  bis  Voͤklabruck  und  Lambach,  Golling  und
Berchtesgaden  zerstreut  standen.  Nach  Neumarkt,  Frankenmarkt
  und  Vbklabruck  mußten  noch  drei  Geschwader
des  isten  Chevaurlegers-Regimentes;  und  nach  Berchtesgaden
  jene  zwei  Compagnien  des  Sten  leichten  Bataillons,
welche  mit  dem  Major  Theobald  glücklich  aus  dem
Tirol  entkommen  waren.  Damit  der  Kronprinz  von
Baiern  stark  genug  sey,  den  Rücken  des  Heeres,  welches
gegen  Tirol  sollte,  wider  allfällige  Versuche  aus  dem
Lueg=  oder  St.  Gilgenthal  zu  decken,  empfing  er  noch
das  Bataillon  Buttler  und  das  10te  Regiment  der  Division
  Deroy.  Jenes  bildete  die  Besatzung  des  Salzburger
  Schlosses,  dieses  stellte  ungefähr  300  Mann  bei
Amhof  auf  der  Straße  nach  St.  Gilgen  zur  Verbindung
mit  den  in  St.  Gilgen  stehenden  Dragonern  vom  1Asten
Regimente.  Außerdem  wurden  zur  Stärke  und  Sicherheit
  von  Salzburg  alle  Maßregeln  getroffen.

Der  Loferpaß  war  von  zwei  Compagnien  Oesterreichern,
  vielen  Tiroler-Schützen  und  zwei  Sechspfün-S.E.

  Monsieur  le  Maréchal  desire  due  vous  lui  adressiez
  ce  soir  votre  rapport  àd  Méléck,  #l  vous  adressera
dans  la  nuit  les  ordres  pour  demain.

L'intention  de  S.  M.  I'Empereur  et  Roi  est  due  T’on
passe  par  les  armes  tous  les  revoltés  dui  seront  pris
les  armes  à  lamain,  et  surtout  du'’on  fasse  des  exemples
des  chéfs  de  la  revolte.

Je  vous  prie,  Monsieur  le  Général,  de  croire  à  ma
haute  consideration.

Le  Genéral  de  Diufsioz,  Comte  de  lhempirc,
CHde  ’dtat  Mor-Cnéral:

Dnoyr.
        <pb n="144" />
        —  140  —

dern  besetzt,  und  von  der  Stirnseite  so  stark,  daß  General
Wrede  ihn  Anfangs  erst  links  und  rechts  wollte  um—
gehen  lassen.  Aber  die  Felsen  und  Berge  umher,  noch
tief  mit  Schnee  bedeckt,  zeigten  sich  ganz  unzugaͤnglich.
Daher  beschloß  er,  ungesaͤumt  von  vorne  anzugreifen.
Am  ltiten  Mai,  es  war  der  Himmelfahrtstag,  der  viele
von  den  Tiroler-Schützen  zur  kirchlichen  Andacht  weggelockt
  hatte,  ließ  er  mit  Tagesanbruch  den  General
Minuzzi  mit  dem  öten  Linien-Regimente,  und  dem
Zten  Bataillon  des  13ten  Regimentes,  nebst  8  Haubitzen
und  3  Zwblfpfündern,  den  Paß  stürmen,  das  Bataillon
Laroche  voran.  Die  Natur  des  Ortes,  die  Tapferkeit
  der  Vertheidiger  dieses  Gebirgthores,  deren  Menge
sich  stündlich  vergrdßerte,  droheten,  den  unerschrockenen
Muth  der  Baiern  zu  vereiteln.  Neun  Stunden  lang  war
gestritten;  vier  Stürme  waren  zurückgeschlagen;  mancher
Brave  lag  auf  dem  Kampfplatze  entseelt.  Da  ließ  General
  Wrede,  gegen  3  Uhr  Nachmittags,  den  Obersten
Grasen  Berchhem  an  der  Spitze  des  2ten  Bataillons
vom  öten  Regimente  (Zzwei  Compagnien  vom  uisten  Bataillon,
  und  das  leichte  Bataillon  Laroche  mußten  unterstützen)
  noch  einmal  den  Angriff  erneuern.  Wüthender,
als  je  zuvor,  war  der  Anfall.  Die  vornehmsten  Offiziere
  der  Baiern  gingen  mit  geschwungenen  Degen  voran.
Oberst  Berchhem,  Oberstlieutenant  Sarny,  Ingenieur-Oberlieutenant
  Hazzi  sprangen  zuerst  über  die  Verhaue.
Nun  stürzten  Hunderte  Hunderten  nach.  Der  Strubund
  Loferpaß,  die  Umgebungen,  die  Kanonen  wurden  genommen,
  die  Oesterreicher  gefangen.  Aber  so  ergrimmt
war  der  baierische  Soldat,  daß  er  in  der  ersten  Wuth
keines  Lebens  der  Tiroler  schonte,  und  dem  Fluchen,
Bitten,  Befehlen  und  Drohen  seiner  eigenen  Hauptleute
        <pb n="145" />
        —  141  —

nicht  mehr  gehorchte.  Er  mordete  und  pluͤnderte,  als
wollt'  er  Suͤhne  fuͤr  die  hundert  gefallenen  oder  verwun—
deten  Bruͤder  *),  und  bedachte  nicht,  daß  er  den  Ruhm
seines  Sieges  besudle.  Mit  edler  Menschlichkeit  rügte
zürnend  folgenden  Tages  General  Wrede  diese  Noheit
der  Krieger  in  einem  Tagesbefehl"),  welcher  das  Gemuth,
  wie  die  Klugheit  des  Feldherrn  gleich  fehr  ehrte.

*.)  Unter  den  Verwundeten  befanden  sich  der  Major  Peter
Palm,  der  Lieutenant  Zibini  und  mehrere  Andere,
als  der  Oberst  Graf  Berchem,  der  Oberstlieutenant
von  Sarny,  der  Oberlieutenant  Hazzi  des  Ingenieur-Corps,
  die  Lieutenants  Gutti  und  Commender  der
ortillerie,  so  wie  eine  Menge  Unteroffiziere  und  Gemeine,
durch  besondere  Tapferkeit  ausgezeichnet,  deren  Namen  in
den  Armee-Befehlen  vom  isten  Juni  1800.  S.  6,  vom
zten  September  1809.  J.  1  und  2  zu  finden  sind.

*.)  Tagsbefehl,  gegeben  im  Hauptquartier  zu  Elmau  den
12ten  Mai  1809.

Ich  habe  heute  und  gestern,  an  den  Tagen,  wo  ich
über  so  manche  tapfere  That  der  Diofsion  zufrieden  zu
seyn  Ursache  hatte,  Grausamkeiten,  Mordthaten,  Plünderungen,
  Mordbrennereien  sehen  müssen,  die  das  Innerste
meiner  Seele  angriffen,  und  mir  jeden  frohen  Augenblick,
den  ich  bisher  über  die  Thaten  der  Divisson  hatte,  verbittern.


Wahr  ist  es,  Soldaten!  wir  haben  heute  und  gestern
gegen  rebellische,  durch  das  Haus  Oesterreich  und  dessen
kraftlose  Versprechungen  irre  geführte  Unterthanen  unsers
allgeliebten  Königs  gekämpft;  aber  wer  hat  Euch  das  Recht
eingeräumt,  selbst  die  Unbewaffneten  zu  morden,  die  Häuser
  und  Hütten  zu  plündern,  und  Feuer  in  Häusern  und
Dörfern  anzulegen.  Soldaten!  ich  frage  Euch,  wie  tief
stud  heute  und  gestern  Euere  Gefühle  von  Menschlichkeit
gesunken  7.  Blicket  zurück  auf  den  Weg  von  Lofer  hieher,
        <pb n="146" />
        –  12  —

Der  österreichische  Feldmarschall-Lieutenant  Fenner,
  als  er  den  Loferpaß  verloren  sah,  zog  sich,  unterstützt
  vom  Kitzbuchler-Landsturm,  fechtend  über  Wagring
  zurück,  wo  Wrede  noch  denselben  Tag  sein  Hauptquartier
  nahm.  Fenner'S  Widerstand  am  folgenden
Tage  (12ten  Mai)  bei  allen  Schluchten  und  Engwegen,
der  Kugelregen  von  allen  Höhen  ringsum,  das  Herabprasseln
  losgelassener  Felsenstücke  von  den  Bergen,  —  nichts
hinderte  den  Anführer  der  Baiern,  über  St.  Johann  bis
Elman,  im  Rücken  der  Belagerer  von  Kufstein,  vorzudringen.
  Zwar  litt  er  einen  Verlust  von  30  Todten  und

auf  die  Brandstätten,  auf  die  geplünderten  Dörfer,  auf
jene  Leichen,  die  ohne  Waffen  in  der  Hand  ermordet
worden  sind.

Euer  General,  dessen  einziger  Stolz  und  Glückfeligkeit
  es  war,  wann  Euere  moralischen  Handlungen,  Euere
Disciplin  Eueren  militärischen  Thaten  gleich  blieben,
spricht  mit  Thränen  in  den  Augen  zu  Euch,  und  sagt
Euch,  daß  Euere  Gefühle  von  Menschlichkeit  in  Graufam-=keit
  ausgeartet  sind.

Ich  fordere  Euch  auf,  von  heute  an  wieder  das  zu  seyn,
was  Ihr  seyn  sollet  und  müsset,  Soldaten  und  Menschen.
Ich  schmeichle  mir,  die  Mehrheit  unter  Euch  wird  meiner
Stimme  folgen;  sollten  gegen  Erwarten  Unwürdige  unter
Euch  seyn,  die  von  heute  an  noch  einen  Unbewaffneten
morden,  die  Häuser  plündern  und  anzünden,  so  bin  ich
gezwungen,  Beispiele  zu  geben,  die  solchen  schändlichen
Handlungen  angemessen  sind.  Einen  solchen  Plünderer,
Mörder  und  Brenner  todt  schießen  zu  lassen,  würde  zu
ehrenvoll  für  ihn  seyn;  ich  erkläre  daher.,  daß  der  Erste,
der  noch  eine  solche  schimpfliche  Handlung  begehet,  am
ersten  Baume  aufgehangen  wird.

Ich  befehle,  daß  gegenwärtiger  Tagsbefehl  heute  und
morgen  dreimal  bei  der  gesammten  Mannschaft  verlesen
        <pb n="147" />
        —  143  —

Verwundeten*);  doch  groͤßer  war  der,  welcher  er  den
bewaffneten  Haufen  der  Landleute  zufuͤgte.

Unterdessen  war  auch  Generallieutenant  Deroy  schon
in  voller  Bewegung  gegen  Kufstein.  Voran  schickte  er
den  Obersten  von  Metzen  mit  sechs  Compagnien  des  5ten
Regimentes  nach  Zell,  um  den  bei  Ursprüng  aufgestellten
Feind  zu  verdrängen,  sich  dann  links  nach  Kufstein  zu
wenden,  und  der  feindlichen  Stellung  bei  Kieferfelden
im  Rücken  zu  erscheinen,  während  Deroy  selbst,  auf
der  Rosenheimer-Straße  über  Fischbach  und  Andorf  kommend,
  sie  von  vorn  angreifen  wollte.  Allein  Oberst

werden  soll,  eben  so,  daß  morgen  früh  um  s  Uhr  die  beiden
  Herren  Brigadiers,  das  Artillerie-Commando,  und
das  Ste  Chevaurlegers-Regiments-Commando  alle  Tornister,
  Mantelsäcke  und  Wägen,  eben  so  die  Marquetender-Wägen
  visstiren  lassen  sollen,  und  daß  ohne  unterschied
alles  gerauhte  Gut  der  Mannschaft  abgenommen,  dem
hiesigen  Pfarrer  zur  Uebersendung  nach  St.  Johann,
und  Rückerstattung  an  die  Eigenthümer  gegen  Schein  übergeben
  werden  soll.

Der  Herr  Regiments-,  Bataillons  =  oder  Batterie-Commandant,
  von  welchem  noch  ein  Mann  auf  dem  Marsche
austritt  und  betreten  wird,  daß  er  in  ein  Haus  gehet,
oder  den  Bivouaque  bei  Tage  oder  bei  Nacht  verläßt,
wird  acht  Tage  lang  durch  den  Profosen  zu  Fuß  auf  dem
Marsche  geführt,  und  wenn  es  zum  zweiten  Male  geschieht,
  Seiner  Majestät  dem  Könige  gemeldet
werden.

uUnterzeichnet:
Wrede,  Generallieutenant.

*)  Unter  welchen  letzteren  sich  der  Hauptmann  SZwanziger,
und  Lieutenant  Kneip  des  1öten  Linien-Infanterie-NRegimentes
  befanden.
        <pb n="148" />
        –  1  —

Metzen  fand  (12ten  Mai)  die  Tiroler  bei  Ursprüng  so
stark  und  vortheilhaft  gestellt,  daß  er  hier  nicht  durchdringen
  konnte,  und  zufrieden  seyn  mußte,  einen  Theil
der  Macht  des  Gegners  unschädlich  zu  machen,  während
bei  Kufstein  der  Hauptschlag  geschah.

Deroy  rückte  inzwischen  mit  der  Haupt-Colonne')
auf  der  Rosenheimer-Straße  gegen  Kufstein  vor,  sich
durch  ausgesendete  Abtheilungen  in  die  Schluchten  und
Berge  rechts  die  Seite  deckend.  Einzelne  Kanonenschüße
des  Feindes  vom  rechten  Inn-Ufer  bis  Oberaudorf  blieben
  fruchtlos.  Erst  am  Kieferbache,  wo  die  Brücke  abgeworfen
  worden  war,  und  die  Tiroler-Haufen  jenseits
hinter  Verhauen  an  den  Berghalden  standen,  begann
ernsterer  Widerstand.  Aber  das  ü1ste  leichte  Bataillon  der
Baiern,  voran  ihr  Obristlieutenant  von  Habermann,
stürzte  sich  durch  den  Strom  gegen  die  Höhen,  durch  die
Verhaue,  und  trieb  den  Feind  von  Stellung  zu  Stellung.
Es  folgten,  nach  hergestellter  Brücke,  die  übrigen  Schaaren;
  ein  Theil  derselben  folgte  dem  fliehenden  Feinde  hoch
über  den  Dirnberg,  ein  anderer  drang  über  die  sogenannte
Klause  nach  Kufstein.  Es  war  5  Uhr  Nachmittags,  da
jubelten  die  Braven  des  Bataillons  Habermann  auf
der  Innbrücke  vor  der  Stadt  Kufstein  den  Baiern,  die
droben  auf  der  Brustwehr  der  Festung  standen,  und  ihrem

Koͤ-)

  Sie  bestand  aus  dem  isten  leichten  Infanterie-Bataillon
Habermann,  dem  kten  Bataillon  des  aten  Linien-Infanterie
  =  Regimentes,  zweien  Compagnien  des  öten
Regimentes  unter  Befehl  des  Majors  Flad,  dem  k7ten
leichten  Infanterie-Batgillon  Gunther,  einer  Escadron
des  isten  Dragoner-Regimentes,  einer  des  Sten  Chevaurlegers-Regimentes,
  und  der  Batterie  Rops.
        <pb n="149" />
        —  145  —

Koͤnige  ein  Lebehoch.“)  Deroy  hatte  aber  auch  noch
ein  Bataillon  des  14ten  Regimentes  am  rechten  Inn—
Ufer,  aber  in  gleicher  Linie  mit  seiner  Haupt-Colonne
vorruͤcken  lassen  gegen  den  sogenannten  Kaiserthurm.
Doch  konnte  es,  wegen  der  vielen  und  stark  besetzten
Berge  und  Schluchten,  und  obgleich  der  Major  Pille—
ment,  an  der  Spitze  von  zwei  Compagnien,  die  Oesterreicher
  und  Tiroler  aus  dem  Thurme  verijagt  hatte,  seine
Vereinigung  nicht,  mit  der  Hauptmasse  der  Truppen,
bei  Kufstein  bewerkstelligen.

So  war  das  erste  Ziel  erreicht,  die  vierwdchentliche
Sperrung  von  Kufstein  aufgehoben,  und  das  Alles  mit
geringem  Verlust.““")  General  Deroy,  der  sein  Hauptgelager
  zu  Zell  nahm,  versorgte  nun  die  Vestung  mit
neuen  Vorräthen,  empfing  die  Unterwerfung  des  Tier-See-Thales
  und  zog  die  Abtheilung  des  Obersten  Metzen
  wieder  an  sich.

*)  Während  dieses  ganzen  Gefechtes  hatte  sich  die  Avant-Garde
  des  Bataillons  Habermann,  bestehend  aus  den
Schüten  desselben  und  einer  Compagnie  unter  Hauptmann
  Goos,  so  wie  der  solche  mit  einer  halben  Compagnie
  unterstützende  Oberlieutenant  Fritsch  außerordentlich
  ausgezeichnet,  beide  genannte  Offiziere  vorzüglich  zum
glücklichen  Ergebniß  des  Tages  =  Kampfes  beigetragen.
(S.  Armee-Befehl  vom  28sten  November  1309.)

*)  Nur  wenige  Todte  und  etwas  über  50  Verwundete,  worunter
  nur  1  Offizier  war  (Lieutenant  von  St.  Simon).

II.  ötes  Buch.  10
        <pb n="150" />
        —  16  —

15.

Treffen  bei  Wdrgel;  Erstürmung  von  Schwatz.
Einzug  der  Baiern  in  Innsbruck.

Vermuthlich  hatte  der  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler
  sich  durch  die  ersten  Berichte  seiner  Unterbefehlshaber,
  oder  seiner  Kundschafter  zu  dem  Wahne  verleiten
lassen,  der  Herzog  von  Danzig  habe  ihm  nur  mit  einer
Handvoll  Baiern  eine  kleine  Ueberraschung  machen  wollen.
  Er  brach  daher  sogleich  (schon  den  11ten  Mai)  mit
zwei  schwachen  Bataillonen  des  Regimentes  Lusignan,
vier  Bataillonen  Kärnthner-Landwehr,  einer  schwachen
Abtheilung  von  Hohenzollern-Chevaurlegers  und  anderhalb
  Batterien  nach  Wörgel  auf.  Sein  Plan  war,
den  Herzog  von  Danzig  wieder  durch  den  Strubpaß
zurückzujagen,  dann  sich  plbtzlich  durch  die  Scheffau  in
Seiten  und  Rücken  Deroy's  bei  Kufstein  zu  werfen,
und  auch  ihn  zu  vernichten.  Doch  vernahm  er  bald  darauf
  von  den  Fortschritten  der  Baiern,  von  der  gefährlichen
Lage  des  Feldmarschall-Lieutenants  Fenner,  und  der
Stärke  der  Baiern.  Jetzt  mußte  ihm  vor  Allem  daran
liegen,  sich  von  Wörgel  aus  schnell  der  vortheilhaften
Bergschluchten  von  Sdll  zu  bemeistern.

Allein  es  kam  ihm  der  Generallieutenant  Wrede,
wohl  unterrichtet  von  Chasteler's  Bewegungen,  auch
hier  zuvor.  Wrede  war  früh  (15ten  Mai)  von  Elman
aufgebrochen,  hatte  Fenner's  geringe  Streitkräfte  um
so  leichter  vor  sich  hingetrieben,  da  der  Tiroler-Landsturm,
  aus  Mangel  an  Lebensmitteln,  oder  aus  Ermidung
  vom  Kampfe  des  vorigen  Tages,  aus  einander  gelaufen
  war,  und  stand  nun,  Herr  der  Soller-Schluchten,
seinem  Feinde  gegenüber,  ihm  in  bequemer  Stellung  und
        <pb n="151" />
        —  147  —

Staͤrke  der  Streitmasse  uͤberlegen.  Haͤtte  Chasteler
die  schwache  Abtheilung  Fenner's  aufopfern  moͤgen,
er  wuͤrde  sich  durch  schnellen  Ruͤckzug  nach  Rattenberg
aller  Gefahr  entzogen  haben.  Aber  er  nahm  das  Treffen
  an.

Es  ward  rasch  von  den  Baiern  durch  das  leichte  Bataillon
  Laroche,  das  iste  Bataillon  vom  Regimente
Prinz  Carl,  und  durch  das  13te  Linien-Regiment,
nebst  der  Batterie  des  Hauptmanns  Caspers  begonnen.
Die  Oesterreicher,  obwohl  von  den  unthätigen  Massen  der
Tiroler-Bauern  wenig  unterstutzt,  fochten  dennoch  brav,
wenn  auch  ohne  Glück.  Von  einer  Stellung  zur  andern,
von  einem  Engweg  in  den  andern  geworfen,  hatten  sie  schon
an  600  Gefangene  vom  Regimente  Lusignan,  und  eine
Kanone  durch  Zerstdrung  verloren,  als  sie  sich  hinter  Egendorf
  noch  einmal  aufstellten,  und  mit  dem  heftigsten  Feuer
des  schweren  Geschützes  die  Baiern  zurückzuhalten  suchten.
Hier  sah  Wrede  den  entscheidenden  Augenblick  gekommen,
welchen  ihm  die  Ebene  hinter  Egendorf  darbot.  Er  befahl
3  Geschwadern  von  Leiningen-Chevaurlegers,  an  ihrer
Spitze  die  Rittmeister  Bernhard,  Ritter  und  Scholl,
das  feindliche  Geschütz  zu  nehmen.  Mit  Blitzesschnelle
war's  vollbracht.  OÖffiziere  und  Gemeine  wetteiferten,
den  größten  Theil  am  Ehrenwerke  zu  haben,  vor  Allen
der  Oberlieutenant  Fürst  Constantin  Ldwenstein.
Fünf  Haubitzen,  von  denen  zwei  im  April  durch  die  Insurgenten
  erbeutet  waren,  vier  Kanonen,  über  150  Pferde
Reiterei,  sämmtliches  Gepäck  und  eine  Fahne  wurden
erobert;  dann  durch  das  nachdringende  Fußvolk  der  Baiern
an  2,000  Soldaten,  Landwehrmänner  und  Tiroler=Schützen,
  dazu  1  Oberst,  2  Majore  und  32  Offiziere  gefangen.
  Feldmarschall-Lieutenant  E#  hasteler,  welcher

10  “
        <pb n="152" />
        —  146  —

sich  waͤhrend  des  Gefechtes  den  offensten  Gefahren  hingegeben
  hatte,  trachtete  vergebens,  was  ihm  an  Mannschaft
  blieb,  festzuhalten.  Alles  stürzte  in  wilder  Flucht
gegen  Rattenberg  und  Hall  davon.

Die  Sieger  folgten.  Die  Stadthore  von  Rattenberg
  waren  ihnen  verschlossen.  Man  sprengte  sie  auf,
und  zerstörte  jene  Denkmale,  welche  ein  allzuvoreiliger
Stolz  zu  Ehren  des  letzten  Aufruhrs  gegen  die  Baiern
errichtet  hatte.  Wrede's  ganze  Strenge  war  ubthig,
um  zu  verhindern,  daß  die  Stadt  nicht  eingeäschert
wurde.“)

 

*)  Der  Marschall  Herzog  von  Danzig,  welcher  überall
gegenwärtig,  wo  Gefahr  war,  und  der  drei  seiner  Adjutanten
  unter  den  Verwundeten  zählte,  ehrte  in  seinem
Schreiben  an  den  König  von  Baiern  vom  15ten  Mai  1800
die  Tapferkeit  der  Divison  Wrede.  Ausgezeichnet  hatten
sich  an  jenem  Tage  die  Obersten  Grafen  Berchem  und
Dallwigk,  die  Majore  La  Roche  und  Joller,  lekßterer
  von  der  Artillerie,  der  Ad  jutant  desselben,  Artillerie-=Oberlieutenant
  Elgertshausen,  sämmtliche  Offiziere
der  Batterie  Caspers,  die  Offiziere  der  drei  Escadronen
von  Leiningen-Chevaurlegers,  und  unter  diesen  vorzüglich
  der  Oberlieutenant  Fürst  Löowenstein,  die  Adjutanten
  des  Commandirenden,  die  Offiziere  des  General-Stabes
  und  Ingenieurs  =  Corps.  Mit  Ausnahme  des
tödtlich  verwundeten  Lieutenants  Deissenberger  des
Sten  Chevaurlegers  =  Regimentes  war  der  Verlust  baierischer
  Seits  sehr  unbedeutend.  (Die  Namen  der  OÖffiziere
  und  Soldaten,  welche  besonderer  Anerkennung  gewürdiget
  wurden,  findet  man  in  den  Armee-Befehlen
vom  isten  Juni  1809.  9.  0,  vom  öten  September  1300.
+1  und  2.)  "
        <pb n="153" />
        Während  General  Wrede  bei  Rattenberg  aufge—
stellt  blieb,  um  die  Ankunft  der  Division  Deroy  zu  erwarten,
  und  indessen  die  Bewohner  des  Landes  zur  Niederlegung
  der  Waffen  und  Heimkehr  in  ihre  Hütten  zu
bewegen,  verriethen  sowohl  die  Ueberläufer,  als  die  an
den  benachbarten  Bergen  erlöschenden  Wachtfeuer  den  Rückzug
  der  feindlichen  Haufen  nach  Schwatz  und  Innsbruck.

Wirklich  hatte  Chasteler  dem  Oberstlieutenant
Taxis  den  Oberbefehl  bei  Schwatz,  zur  Sammlung  der
zerstreuten  Truppen  und  des  Landvolkes,  übergeben,  und
war  nach  Innsbruck  gereist.  Die  unwürdige  Behandlung,
welche  er  von  den  rasenden  Volköhaufen  unterwegs  erleiden
mußte,  er,  der  für  dieß  Land  so  viel  gethan,  bewirkte
zwischen  den  dsterreichischen  Kriegern  und  den  Tirolern
eine  Unzufriedenheit  und  Spannung,  die  beiden  nachher
dfters  verderblich  wurde.

Eben  in  den  Augenblicken  der  hochsten  Verwirrung
und  des  Mißmuthes  war  der  Freiherr  von  Hormayr,
als  dsterreichischer  Intendant  des  Tirols,  eingetroffen.
Dieser  thätige  Mann  bot  sogleich  den  Landsturm  des
Innthales  auf,  brachte  zur  Sicherheit  der  entblößten,
wichtigen  Brennerpässe  einige  Truppen  zusammen,  mahnte
zu  Mühlbach  den  dsterreichischen  General  Schmidt  an,
eiligst  vorwärts  zu  gehen,  und  zog  selber  (schon  den  15ten
Abends)  mit  dem  zahlreichen  Rodenecker-Landsturm  auf
Steinach.

Sobald  aber  die  Division  Deroy  von  Kufstein  über
Priatenbach  her  bei  Rattenberg  angekommen  war  '),

*)  Wo  die  bisher  unter  den  Befehlen  des  Generallieutenants
Wrede  unter  dem  General  Siebein  gestandenen  Trup-
        <pb n="154" />
        —  150  —

(15ten  Mai)  rückte  die  Dioision  Wrede  gegen  Schwatz.
Schon  vor  Brirlegg  stieß  der  Vortrab,  aus  den  Schützen
der  isten  Brigade  zusammengesetzt,  auf  bewaffnete  Bauernhaufen,
  deren  Anführer  Speckbacher  das  Andringen
der  Baiern  zu  hemmen  suchte,  um  dem  allgemeinen  Landsturme
  Zeit  zu  gewinnen,  sich  zu  sammeln.  Unter  dem
heftigsten  Feuer  der  Tiroler  fiel  der  Anführer  des  Vortrabes
  Major  von  Zaiger  todt,  sein  Adjutant  Lieutenant
Schmid  verwundet.  Der  Uebermacht  weichend,  setzten  sich
die  Aufständischen  wieder  beim  Jiller-Bach,  wo  sie,  von
einer  nahe  gelegenen  Berg-Capelle  herab,  den  Uebergang
eine  Zeitlang  vertheidigten.  Plbtzlich  schwieg  das  Feuer.
Es  erschienen  am  Fuße  des  Berges  sieben  ihrer  Abgeordneten,
  um  schnelle  Unterwerfung  anzukündigen,  wenn
Verzeihung  verheißen  würde.  Generallieutenant  Wrede,
begleitet  von  einem  Trompeter  und  einer  Ordonanz,  begab
  sich  selber  zu  ihnen.  Da  rauschte  jählings  das  heftigste
  Gewehrfeuer.  An  der  Seite  des  Generals  stürzte
getddtet  das  Pferd  der  Ordonanz.  Der  baierische  Vortrab
sah  sich  in  seiner  Sorglosigkeit  mit  unerwarteter  Gefahr
bedrohet.  So  schwierig  ist's,  mit  wilden  Rotten  unterhandeln,
  denen  jedes  unter  gesitteten  Volkern  übliche
Recht  des  Krieges  fremd  ist.

Einige  wohlgerichtete  Granadenwürfe  der  Batterie
Caspers  reichten  hin,  Speckbacher's  ordnungslose
Haufen  zurückzutreiben.  Doch  begleiteten  sie  sort  und

pen  wieder  der  Division  Derop  zugeordnet  wurden.
Daher  empfieng  das  2te  Bataillon  des  löten  Linien-Regimentes,
  als  Folge  seines  ausgezeichneten  Betragens  in
Tirol,  in  einem  eigenen  Tages-Befehl  das  Anerkenntniß
desselben  von  Seiten  des  Generals  Wrede.
        <pb n="155" />
        —  151  —.

fort  den  Zug  der  Diovision  mit  lebhaftem  Feuer,  aus
Schluchten  und  Gebüschen,  bis  Rothholz.  Und  als  sie
hier,  durch  Zuzug  von  allen  Bergen  her  verstärkt,  ernster
wiederstehen  wollten,  aber  augenblicklich  durch  das  Feuer
der  Batterie  Cas  pers,  und  mehrmaliges  Bataillonsfeuer
zersprengt  waren,  flohen  sie  nach  Schwatz,  um  sich  hier
mit  dem  Obristlieutenant  Taris  zu  vereinigen.

Mss  die  Baiern  gegen  die  Stadt  auf  der  Ebene  vorrückten,
  sahen  sie  zum  Schutze  derselben  ein  Bataillon
Oesterreicher  nebst  einiger  Reiterei,  zwei  Landwehr-Bataillone,
  und  große  Schwärme  von  Aufständischen  in
Schlachtordnung  stehen.  Aber  gleich  nach  den  ersten,
wirksamen  Entladungen  der  Batterie  Caspers  flohen
die  Tiroler  in  die  Stadt.  Nur  das  dsterreichische  Bataillon
  harrte  muthvoll  aus.  Gegen  dies  warf  sich  alsbald,
  begünstiget  durch  den  Boden,  das  Chevaurlegers-Regiment
  Leiningen,  unter  der  unmittelbaren  Leitung
des  Generallieutenants  Wrede.  Das  Bataillon  hielt
standhaft  aus.  Der  tapfere  Fürst  Constantin  von
Ldwenstein  sank  schwer  verwundet  vom  Rosse,  und
rief:  „Ich  preise  mich  glücklich,  für  Kdnig  und  Vaterland
  zu  fallen!“  Die  baierische  Reiterei  siegte.  Was
von  den  zersprengten  Oesterreichern  nicht  getddtet,  verwundet,
  gefangen  war,  eilte  in  die  Stadt,  und  in  die
Häuser,  während  die  Bauern  daran  waren,  die  Innbrücke
  abzutragen.

Dies  zu  hindern  mußte  die  Stadt  genommen  werden.
  Zweimal  drang  General  Wrede  selbst,  an  der
Spitze  des  Bataillons  Laroche  und  des  zten  Linien-Regimentes,
  hinein,  nachdem  die  Schützen  der  ü1sten
Brigade  schon  die  Vorstadt  besetzt  hatten.  Aber  zweimal
        <pb n="156" />
        —  152  —

wurden  die  Stuͤrmenden  durch  moͤrderischen  Kugelregen
aus  allen  Fenstern  gezwungen,  zur  Hauptkirche  zurückzuweichen.
  Schon  hatten  sie  über  hundert  Mann  durch
Tod  oder  Wunden  eingebüßt.  Dann  kam  ihnen  noch  das
15te  Linien  -Regiment  zu  Hülfe.  Nun  ward,  was  auf
Straßen  und  in  Häusern  länger  widerstand,  niedergemacht,
  oder  gefangen.)  Der  wüthende  Soldat  überließ
  sich  den  Gefühlen  seiner  Rachsucht.  Aber  durch  Eroberung
  der  Stadt  wurde  die  Zerstbrung  der  Innbrücke
verhindert,  und  die  ganze  Division  konnte  sich  in  der
Ebene  zwischen  Schwatz  und  dem  Dorfe  Vomp  am  linken
  Ufer  des  Inns  aufstellen  und  ruhen.

Während  noch  die  Brigade  Beckers  die  flächtigen
Feinde  gegen  Terfens  hin  verfolgte,  stiegen  dicke  Rauchwolken
  in  Schwatz  auf.  Vielleicht  hatten  die  hineingeworfenen
  Granaden,  vielleicht  Unbehutsamkeiten  mit  dem
Feuer  während  der  Verwirrung  das  Unglück  verursacht.
Binnen  einer  halben  Stunde  sah  man  beide  Vorstädte  in
Flammen.  General  Wrede  sandte  einen  Theil  des  13ten
und  des  5ten  Regimentes  zum  Loschen.  Aber  erst  bis
zum  Mittag  des  folgenden  Tages  konnte  die  Thätigkeit
der  Soldaten  der  Brunst  Einhalt  thun;  denn  es  man-*)

  Das  letztere  Schicksal  ward  den  Hauptleuten  und  132  Unteroffizieren
  und  Gemeinen  des  österreichischen  Regimentes
Devaur,  während  der  Verlust  baierischer  Seits  in  dem
getödteten  Lieutenant  Rudesheimer  des  ten  Linien-Infanterie-Regimentes,
  den  drei  verwundeten  Offizieren,
nämlich  dem  Oberlieutenant  Baron  Rodenstein  des
leichten  Bataillons  Laroche,  dem  Lieutenant  Varon
Beulwiß  des  16ten  Regimentes,  dem  Artillerie-Lieutenant
  Kommender  der  Batterie  Caspers,  so  wie  in
50  todten  und  05  verwundeten  Soldaten  bestand.
        <pb n="157" />
        —  153  —

gelten  Feuerspritzen,  Löschanstalten  anderer  Art  und  die
Einwohner  selbst.  Die  Tiroler  sahen  von  Ferne  das  Unglück
  ihrer  Kreisstadt.  Zahlreich  an  der  Brücke  bei  Volders
  versammelt,  griffen  sie  unter  der  Leitung  des  österreichischen
  Majors  Veyder,  mit  Wuth  und  Nache,
viermal  die  Postenkette  des  Generals  Beckers  vor  Terfens
  an.  Doch  jedesmal  wurden  sie  mit  Verlust  zurückgetrieben.
  Und  spät  Abends  (um  8  Uhr  den  16ten  Mai)
brach  zu  Schwatz  die  Aschengluth  wieder  in  Flammen
hervor,  schrecklicher  bald,  denn  zuvor.  Keine  menschliche
  Kraft  konnte  die  unglückliche  Stadt  mehr  von  ihrem
Untergange  retten.

Gerne  wäre  Wrede  schon  am  Morgen  dieses  Tages
mit  seiner  Division  nach  der  Hauptstadt  Tirols,  dem
Mittelpunct  des  Aufstandes,  geeilt,  um  dessen  größere
Ausbildung  zu  wehren.  Aber  der  Herzog  von  Danzig
widersprach  und  zauderte.  Denn  dieser  fürchtete  für
seine  Verbindung  mit  dem  Salzburgischen,  zumal  bekannt
  war,  daß  Major  Theobald  mit  seinen  zwei  Compagnien
  von  Berchtesgaden  nicht  weiter,  als  bis  Hintersee
  hatte  kommen  und  keine  Verbindung  mit  den  Baiern
im  Tirol  hatte  stiften  können,  weil  die  Insurgenten  schon
den  Hirschbugel  mit  Uebermacht  besetzt  hielten.  Eben  so
war  bekannt,  daß  die  Aufständischen  den  Loferpaß  im
Rücken  des  baierischen  Heeres  bedrohten,  wo  der  Oberstlieutenant
  Weltmann  nur  mit  zwei  Compagnien  des
Oten  Regimentes  stand,  dem  der  Major  Graf  Dsenburg
  bei  Meleck  mit  zwei  Compagnien  des  nämlichen
Reglmentes  zur  Unterstützung  diente,  indem  er  sich  durch
ausgesandte  Posten  mit  dem  Major  Theobald  in  Verbindung
  hielt.  Auch  Reichenhall,  dieser  wichtige  Punct,
schien  nicht  ohne  Gefahr,  und  mancherlei  Andeutung
        <pb n="158" />
        —  154  —

kam,  daß  der  Feldmarschall-Lieutenant  Jellachich,  in
seiner  Stellung  gegen  den  Luegpaß  und  die  Abtenau,
wieder  angriffsweise  verfahren  moöchte.  Diese  Rücksichten
machten  den  Herzog  von  Danzig  zögernd.  Darum
mußte  die  Division  Deroy,  statt  vorwärts  zu  gehen,
erst  bei  Straß  (15ten  Mai)  zur  Beobachtung  des  Zillerthales
  stehen  bleiben,  welches  seine  Unterwerfung  dann
durch  Abgeordnete  ankündete;  darauf  bis  auf  eine  Viertelstunde
  von  Schwatz  vorrücken,  aber  den  General  Siebein
  mit  sechs  Compagnien  des  Oten  Regimentes,  zur
Befestigung  von  Rattenberg  und  zum  Schutze  der  Innbrücke
  bei  Straß,  zurücklassen.

Diese  Muße  benntzte  Generallieutenant  Wrede,
durch  den  General  Beckers  Unterhandlung  mit  den
österreichischen  Befehlshabern  anzuknüpfen,  um  sie  zu
einer  friedlichen  Räumung  des  durch  Aufruhr  unglucklichen
  Landes  zu  bewegen.  Wirklich  erschien  der  dsterreichische
  Major  Teimer  mit  zwanzig  Abgeordneten  bei
den  Vorposten.  Als  Wrede  ihnen  mit  aller  Beredsamkeit
  die  Fruchtlosigkeit  und  traurige  Wirkung  längeren
Widerstandes  vorgestellt,  und  jenem  einflußreichen  Häuptling
  der  Insurgenten  schriftlich  die  Versicherung  eines
angemessenen  Jahresgehaltes  von  Seite  Baierns  gegeben
hatte,  zeigten  sie  sich  geneigt,  das  Volk  zu  schleuniger
Unterwerfung  zu  bereden.  Um  die  in  Innsbruck  versammelten
  Stellvertreter  des  Volkes  zur  Wirksamkeit  in
diesem  Friedensgeschäfte  bewegen  und  benutzen  zu  können,
  wurde  ein  Waffenstillstand  von  30  Stunden  bewilliget.
  Die  Tiroler-Landesschutz-Oeputation  zu  Innsbruck,
  eurschlossen  zur  Herstellung  der  Ruhe,  fand  die
Frist  des  Waffenstillstandes  zu  kurz,  um  das  ganze  Land
auf  ihre  eigenen  Gesinnungen  zurückzuführen.  Sie  sandte
        <pb n="159" />
        —  155  —

als  eben  die  Frist,  am  19ten  Mai  Morgens  um  8  Uhr,
verstrichen,  und  das  baierische  Heer  zum  Aufbruche  bereit
war,  durch  mehrere  Tiroler-Hauptleute  ein  Schreiben,
in  welchem  sie  Verlaͤngerung  des  Waffenstillstandes  auf
24  Stunden  erbat.  Der  baierische  Feldherr,  ohne  Voll—
macht,  das  zu  gewaͤhren,  konnte  ihnen  nur  Sicherheit
der  Person  und  des  Eigenthums  und  seine  Verwendung
fuͤr  die  Begnadigung  Aller  verheißen,  sobald  sich  die  be—
waffneten  Tiroler  ohne  Widerstand  auf  allen  Puncten
zuruͤckzoͤgen.  Auch,  als  sie  z  Stunden  spaͤter  wieder  er—
schienen,  und  nur  um  einstuͤndigen  Waffenstillstand  an—
hielten,  konnte  er  ihnen  nur  das  Gesagte  wiederholen,
und  ihnen  nur  noch  einmal  das  Beste  ihres  Landes  dringend
  an's  Herz  legen.

Mit  dem  Schlage  0  Uhr  begann  die  Division  Wrede
ihren  Zug  nach  Innsbruck  am  linken,  die  Division  Deroy
am  rechten  Ufer  des  Inns.  Jenseits  Terfens  erschien  der
österreichische  Major  Baron  Feither,  Generaladjutant  des
Feldmarschall-Lieutenants  Chasteler,  mit  einem  Schreiben
  desselben  an  General  Wrede,  worin  zur  Räumung
Tirols  vom  sterreichischen  Kriegsvolk  eine  Capitulation
vorgeschlagen  war.  Wrede  konnte  weder  das  Schreiben,
noch  die  mündlichen  Anträge  annehmen.  Ungerechnet,  daß
höhere  Weisungen  und  jener  bekannte  kaiserlich  franzbsische
  Tagsbefehl  (oom  5ten  Mai  1800),  welcher  den

karquis  de  Chasteler,  als  Urheber  der  in  Tirol  gemeuchelmordeten
  franzbsischen  und  baierischen  Kriegsgefangenenen,
  geächtet  hatte,  jede  friedliche  Annäherung
zu  ihm  untersagte,  mußte  in  diesen  Augenblicken  Annahme
  einer  Capitulation  die  Stärke  der  Baiern  verdächtigen.
  Noch  mehr,  der  Eifer  der  dsterreichischen  Beamten,
  während  der  Unterhandlungen,  Mißtrauen  gegen
        <pb n="160" />
        —  156  —

die  Baiern  und  neue  Wuth  zum  Aufstande  zu  wecken,  besonders
  das  Bemuhen  des  Majors  Teimer,  alle  Worte
und  Handlungen  Wrede's,  und  dessen  Anerbieten  eines
baierischen  Gnadengehaltes,  dem  Volke  gehäsfsig,  aber
sich  zum  eigenen  Ruhme,  darzustellen.  Dies  alles  ließ
ahnen,  es  sey  mit  Capitulations-Verhandlungen  nur  darauf
  abgesehen,  Zeit  genug  zur  Rüstung  mächtigern  Widerstandes
  zu  gewinnen.

Also  setzten  die  Divisionen  ungehemmt  ihren  Zug
über  Hall  nach  Innsbruck  fort.  Hier  kamen  Abgeordnete
der  Stadt,  für  ihre  verführten  Mitbürger  um  Gnade
und  Schonung  flehend,  dem  General  Wrede  entgegen.
Er  rückte  Nachmittags  unter  dem  Geläute  aller  Glocken
in  die  Hauptstadt  ein.  Generallieutenant  Deroy  folgte
bald.  Jener  stellte  sich  kn  der  Ebene  der  Wildau  auf,
mit  einer  Abtheilung  den  Iselberg  besetzend;  dieser  entfaltete
  sich  am  linken  Ufer  des  Inns,  über  die  Ebene
außer  der  Vorstadt,  mit  Streifwachten  gegen  Zirl.
Wrede  sandte  seine  Streifwachten  nach  Steinach.

Nun  kehrten  die  Aufständischen  des  untern  Innthales
  mit  scheinbar  friedlichen  Gesinnungen  in  ihre
Heimathen  zuruck.  Zwiespalt  offenbarte  sich  zwischen  den
Häuptlingen  der  Insurgenten.  Das  ganze  Land  schien
sich  zu  Ruhe  neigen  zu  wollen.  Abgeordnete  desselben,
an  deren  Spitze  der  alte  Graf  Tannenberg,  reiseten,
Unterwerfung  zu  verkünden,  und  Vergessenheit  des  Vergangenen
  zu  erflehen,  nach  München;  Andere  zum  französischen
  Kaiser  nach  Schdubrunn.  ODie  baierischen  Feldherren
  hielten  Mannszucht  und  Ordnung,  und  trachteten
nach  Beruhigung  aller  Gemuther,  wohin  der  Aufruf  des
Konigs  Maxrximilian  Joseph  an  die  Bewohner
        <pb n="161" />
        —  157  —

des  Inn-,  Eisack=  und  Etsch-Kreises")  menschenfreundlich
  gezielt  hatte.

 

6.)  Dieser  Aufruf,  wichtig  durch  die  darin  gegebenen  Thatsachen,
  für  die  Geschichte,  lautet  folgendermaßen:

„Der  Name  Tiroler  galt  einst  durch  Europa  als  Bezeichnung
  von  Biederkeit  und  Treue;  der  #ite  April  1800
hat  ihn  geschändet.  Was  seit  1525  nicht  geschehen  war,
die  Fahne  der  Empörung  wurde  geschwungen.  Tückisch
überfielen  sie  die  Krieger  ihres  Königs,  welche,  zum
Schutße  des  Landes  gesandt,  auf  des  Tirolers  Geradheit
vertrauten;  Grausamkeiten  sind  geschehen,  wie  sie  nur  der
wüthende  Wilde  America's  begehet,  und  die  geplünderten
Häuser,  die  ausgeraubten  Cassen,  die  verschleppten  Gewehre
  und  Waffen  enthüllen  die  wahre  Absicht  der  Aufrühter.
  Die  Grafschaft  Tirol  wurde  im  Preßburger-Vertrage
feierlich  dem  Könige  von  Baiern  abgetreten,  und  die
Stände  dieses  Landes  durch  eine  vom  österreichischen  Kaiser
abgeordnete  Hof-Commission  förmlich  ihrer  Ppflichten  gegen
den  vorigen  Landesherrn  entlassen.  Im  April  1806  berief
der  König  den  engern  Ausschuß  nach  Innsbruck,  vernahm
dessen  Wünsche,  und  ließ  in  der  hergebrachten  Form  seine
Ansinnen  an  ihn  gelangen.  Erst  zwei  Jahre  darnach,  als
die  Regierung  durch  eigene  Erfahrung  und  durch  das  Beispiel
  anderer  Staaten  belehrt,  eine  Regeneration  der  bestehenden
  Verfassungen  als  nothwendig  erkannte,  wenn
nicht  Einheit  des  Willens  und  Schnellkraft  des  Vollzuges
und  Liebe  für's  gemeinsame  Vaterland  unter  der  Eifersucht
  sich  wechselseitig  befeindender  Provinz-Bewohner  erliegen
  sollte,  da  mußten,  wie  in  Altbaiern  und  Neuburg,
so  in  Tirol  und  Vorarlberg  die  bisher  bestandenen  landschaftlichen
  Corporationen  der  allgemeinen,  dem  Geiste
und  den  Bedürfnissen  der  Zeit  angepaßten  National-Repräsentation
  Platz  machen.  Die  Grundsäße,  nach  welchen
sie  constituirt  werden  soll,  sind  ausgesprochen:  Ihr  werdet
  den  Geist,  der  euere  ehemglige  Verfassung  auszeich-
        <pb n="162" />
        —  158  —

14.
Ereignisse  laͤngs  den  Graͤnzen  Tirols
in  Schwaben  und  Baiern.

Das  Gemälde  von  dem  Entwurfe  und  Streben
Oesterreichs  durch  den  in  Tirol  erregten  Aufruhr  vielleicht

 

nete  —  gleiches  Stimmenrecht  aller  Bürger-Classen  —
darin  wieder  finden;  Aenderung  der  Form  haben  die  Edelgesinnten
  unter  Euch,  welche  nicht  Eigennutz  und  blinde
Anhänglichkeit  an's  Alte  verblendet,  selbst  wiederholt  gewünscht.
  Der  Geistliche,  wie  der  Adeliche,  werden  auch
künftig  bei  den  ständischen  Berathungen  erscheinen,  als
Güterbesitzer  —  so  war  es  ursprünglich  in  Euerer  Verfassung
  —  Euere  Städte  und  Euere  Landgemeinden  werden
  nach  dem  Maaße  ihres  Geldreichthums  und  ihres
Grundbesitzes  repräsentirt  werden,  und  es  wird  nicht  mehr
der  zufällige  Umstand,  ob  sie  früher  oder  später  dem  Lande
einverleibt  worden,  das  Stimmenmaaß  bestimmen.  —
Wie  vorher  werden  sich  jährlich  Euere  Repräsentanten  versammeln,
  und  ihre  Wünsche  und  Vorschläge  an  den  König
  bringen;  aber  die  Art,  wie  diese  Repräsentanten-Stellen
  besetzt  werden,  verbürgt  Euch,  daß  ihre  Wünsche
und  Vorschläge  wirklich  die  Verbesserung  Eueres  Zustandes
bezielen  werden.  —  Daß  sieben  Prälaturen  des  Landes
aufgehoben  wurden,  geschah,  um  die  wohlthätigsten  Stiftungen
  und  Institute  von  dem  Untergange  zu  retten,
Eueren  Seelsorgern  eine  angemessene  Subsistenz  zu  begründen,
  und  den  Mönchen  und  Nonnen  der  unter  Hesterreich
  aufgehobenen  Klöster  ihren  Unterhalt  zu  sschern.
Kein  Pfenning  floß  in  den  königlichen  Schatz.  Die  Bischöfe
  von  Chur  und  Trient  wurden  aus  dem  Lande  entfernt,
  weil  sie  bei  der  Besehzung  der  Parreien  dem  Könige
  jenen  Einfluß  nicht  gestatten  wollten,  den  ihm  sein
Regentenrecht  und  seine  Regentenpflicht  einräumt,  den
alle  übrigen  Bischöfe  des  Reiches  ohne  Anstand  anerkann-
        <pb n="163" />
        —  150  —

die  Hälfte  Deutschlands  zu  erschüttern  und  umzuwälzen,
welches  erst  späterhin  in  Klarheit  ausging,  als  man  die
angezettelten  Verbindungen  des  innerdsterreichischen  Heeres
mit  einzelnen  Unzufriedenen  im  südlichen  Deutschland,
ja  selbst  mit  einem  der  vornehmsten  baierischen  Staatsdiener
  vernahm,  —  dies  Gemälde  wäre  unvollständig,

ten;  sie  wurden  entfernt,  weil  sie  Verkündigung  und  Gehorsam
  den  königlichen  Verordnungen  versagten,  welche
die  in  die  Religions-Uebung  eingeschlichenen  Mißbräuche
verbannen  und  der  Religion  ihre  ursprüngliche  Reinheit
wieder  geben  sollten;  sie  wurden  endlich  entfernt,  weil  sie
sich  nicht  gescheuet  hatten,  den  heiligen  Vater  in  Rom
durch  falsche  Berichte  zu  täuschen,  und  ihn  dadurch  zu
Schritten  zu  bereden,  welche,  hätte  er  ihren  verrätherischen
  Anträgen  Gehör  gegeben,  die  Störung  der  böffentlichen
Ruhe  herbeigeführt  haben  würden.  —  Priester  wurden  gestraft,
  weil  sie  die  Laien  in  ihrem  Glauben  irre  machten,
in  ihrem  Gewissen  entzweieten.  Ganz  anders  betrug  sich
der  Bischof  von  Briren  und  die  seinem  Sprengel  untergegebenen
  Priester,  deren  Rechtgläubigkeit  keiner  unter
  Euch  bezweifelt.  —  Die  Conseription  wurde  eingeführt.
  Wollet  ihr,  einst  gekannt  unter  dem  Namen  der
tapferen  Tiroler,  Euch  wirklich  der  ersten  Pflicht  des  Bürgers,
  der  Pflicht,  das  Vaterland  zu  vertheidigen,  entziehen?
  Ihr  macht  ein  Fünftheil  der  baierischen  Nation
aus;  die  übrigen  vier  Fünftheile  sollten  also  die  Vertheidigung
  des  gemeinsamen  Vaterlandes  allein  übernehmen,
und  werden  Euere  Gränzen  vom  Kriege  bedrohet,  zu
Eurem  Schutze  herbeieilen,  während  Ihr,  mögen  auch
feindliche  Heere  das  ganze  übrige  Baiern  überschwemmen,
egoistisch  zwischen  Eueren  Felsen  siten  bleibet?  Eine
solche,  Euch  entehrende  Forderung  könnet  Ihr  im  Eruste
an  Euere  Regierung  nicht  stellen.  —  Es  ist  nun  an  Euch,
Diener  des  Altars!  das  Volk  über  seine  Pflicht  zu  beleh-
        <pb n="164" />
        —  160  —

wenn  wir  nicht  auf  die  Ereignisse  von  Schwaben  und

Baiern  zu  dieser  Zeit  einen  Ruͤckblick  wuͤrfen.
Schon

 

ren;  mit  innigem  Wohlgefallen  hat  es  Euere  Regierung
vernommen,  daß  Ihr  Euch  in  den  schrecklichen  Tagen  des
Aprils  unter  den  unsinnigen  Volkshaufen  hineinwarft,
und  mit  Gefahr  Eueres  Lebens  Pflicht  und  Menschlichkeit
predigtet.  Damals  scheiterte  Euer  ruͤhmliches  Bemuͤhen
an  der  Wuth,  an  der  Raub-  und  Mordlust  des  Poͤbels;
die  Besinnung  ist  nun  zurückgekehrt,  und  Euere  Ermahnungen
  werden  bei  den  Verirrten  Eingang  finden.  Es  ist
an  Euch,  Ihr  Vorsteher  der  Gemeinden!  den  Eunerer  Leitung
  anvertrauten  Bürger  und  Bauer  über  sein  wahres
Wohl  zu  belehren.  Wenn  Einige  unter  Euch  in  den  Tagen
  des  Aufruhrs  die  Gewalt  des  Stromes  mit  ssch  riß,
wenn  Andere  der  Todesfurcht  ihre  Pflicht  aufopferten,
jetzt  ist  es  Zeit,  das  Geschehene  wieder  gut  zu  machen.
Das  Ansehen,  welches  Euch  das  Alter  und  die  Volkswahl
gibt,  ist  wieder  in  seine  Rechte  getreten,  und  aufmerksam
wird  das  Volk  auf  die  Rathschläge,  auf  die  Bitten  seiner
Vorsteher  hören.  Es  ist  an  Euch,  Ihr  Eingebornen  unter
den  Beamten!  die  Wohlthaten  zu  vergelten,  welche  Euch
Euere  Regierung  erwies.  Durch  keine  Verträge  gebunden,
  ließ  sie  Euch  in  dem  vollen  Genuße  Enerer  Stellen,
beförderte  Euch  zu  neuen,  und  behandelte  selbst  jene,
welche  Alter  zur  Dienstesleistung  unfähig  machte,  gewissenhaft
  nach  den  Bedingungen,  denen  sie  sich  bei  ihrer  früheren
  Anstellung  unterworfen  hatten.  Das  engere  Band,
welches  ein  gemeinsamer  Geburtsort,  die  Gewohnheit  des
Zusammenlebens,  die  Verhältnisse  der  Verwandschaft  und
der  Jugendfreundschaft  zwischen  Euch  und  den  Landesbewohnern
  knüpfen,  gibt  Euch  in  diesen  geiten  der  Unordnung,
  wo  das  amtliche  Ansehen  sein  Gewicht  verlieret,
noch  einen  mächtigen  Einfluß  auf  das  Volk.  An  Euch  ist
es  endlich,  Ihr  gutgesinnten  Bürger  und  Bauern!  die
Euch  weder  verführerische  Einflüsterungen,  noch  das  Toben
des
        <pb n="165" />
        —  161  —

Schon  am  2ssten  April  hatte  der  Major  Teimer
mit  Tirolern  das  Staͤdtchen  Fuͤssen  und  die  Umgegend  bis

des  Aufruhres  ringsum  in  Euerer  Pflicht  wanken  machen
konnten!  an  Euch  ist  es  nun,  muthig  in  Eueren  Gesinnungen
  zu  beharren.  Euere  jetzige  Regierung  hat  die  Fesseln
gesprengt,  welche  Euerer  Viehzucht,  Euerem  Landbau,
Handel  und.  Gewerbsfleiße  angelegt  waren.  Als  vor  zwei
Jahren  tobende  Wildbäche  in  einer  Nacht  drei  Gemeinden
des  Innthales  zu  Bettlern  machten,  da  strömten  freiwillige
  Beiträge  von  mehr  als  30,000  Gulden  aus  den
übrigen  Theilen  des  Königreiches  zur  Unterstützung  der
Unglücklichen  herbei;  freudig  opferte  das  iste  Linien-Infanterie-Leibregiment
  die  Summa  von  1,000  Gulden,
welche  die  Bürger  von  München  bet  seiner  Rückkehr  aus
dem  Felde  ihm  bestimmt  hatten;  Häuser  wurden  wieder
aufgebauet,  und  Felder  abgeräumt,  die  sonst  immer  in
Ruinen  und  im  Schutte  geblieben  wären.  —  Wenn  der
Anblick  jener  Gegenden  undankbare  Menschen  von  Aufruhr
von  Grausamkeiten  gegen  die  nicht  abhalten  konnte,  welchen
  diese  Gegenden  ihr  lachendes  Aussehen  wieder  verdanken;
  Ihr  hattet  jene  Wohlthaten  Euerer  Regierung
und  Euerer  Mitbürger  nicht  vergessen;  das  dankbare  Andenken
  daran  belebte  und  erwärmte  in  Euch  das  Gefühl
für  Pflicht,  und  Ihr  standet  aufrecht  im  allgemeinen
Schwindel.  Die  Raserei  des  Augenblickes  ist  vorüber,
schüchtern  blicken  die  Gefallenen  auf  Euch,  als  Mittler
zwischen  ihnen  und  der  schwer  beleidigten  Regierung;  benützet,
  o  benützet  dieses  Gewicht,  welches  das  Bewußtseyn
  dem  Rechtschaffenen  leiht,  um  neue  Gräuel  zu  hine
dern!  —  Bewohner  von  Süd-Baiern!  große  Verbrechen
kind  geschehen;  aber  noch  ist  es  geit,  sie  zu  sühnen,  Euer
König  ist  derselbe,  dessen  Herablassung  und  Herzensgüte,
als  er  im  vorigen  Jahre  vertrauungsvoll  in  Euerer  Mitte
wandelte,  ungetheilten  lauten  Jubel  erregte.  Mit  Wehmuth
  blicket  er  auf  Euch,  als  unglückliche  Verirrte,  welche
II.  ötec  Buch.  1#  "
        <pb n="166" />
        —  162  —

nahe  vor  Kempten  heimgesucht;  der  Wirth  Riedmuͤller
von  Pludenz,  und  der  oͤsterreichische  Hauptmann  Ca—
michel  Bregenz  zum  Aufruhr  angemahnet;  dann  (ten
Mai)  Teimer  wieder  mit  2,000  Tirolern  und  einem
Zug  dsterreichischer  Chevaurlegers  die  Ortschaften  Oberdorf,
  Obergünzburg  und  Kempten  gebranndschatzt.  Diesen
Streifereien  kräftig  zu  begegnen,  fehlte  es  damals  an
genugsamen  Linientruppen.  Der  König  von  Würtemberg
  ließ  durch  den  General  Koseritz  vermittelst  eines
Regimentes  und  weniger  Artillerie  eine  Wachtenkette  hinter
  der  Schusser,  von  Hofen  über  Ravensburg  bis  Weingarten
  ziehen;  auch  ein  Bataillon  nebst  hundert  Jägern,
zwei  Geschwadern  und  einer  halben  Batterie  nach  Biberach
  gehen.  Der  König  von  Baiern  ließ  alle  verfügbare
  Mannschaft  verschiedener  Truppendepots  in  Augsburg
  zusammenziehen,  späterhin  mit  Abtheilungen  in
Ulm.  Zugleich  ward  von  ihm  eine  neue  allgemeine  Aushebung
  von  Mannschaft  angeordnet,  sowohl  die  im  Felde

seine  Liebe  mit  Undank  vergelten.  Sein  Vaterherz  läßt
Euch  jetzt  noch  Hoffnung  übrig,  daß  er  den  F  rregeführten
verzeihen  werde,  wenn  sie  jeßzt  zur  Pflicht  zurückkehren.
Höret  Ihr  aber  auf  die  Warnungen  der  Gutgesinnten  nicht,
und  fahret  Ihr  fort  im  sträflichen  Beginnen;  dann  wird
und  muß  er  den  Operationen  des  Krieges  freien  Lauf
lassen.  Das  traurigste  Schicksal  erwartet  Euch.  Ueber
Euere  Leichen  werden  sich  die  sieggewohnten  Krieger  die
Straße  nach  Italien  öffnen;  verödete  Ruinen  ausgebrannter
  Dörfer,  ungebauete  Felder  werden  noch  in  Eueren  Enkeln
  bittere  Klagen  über  den  durch  die  Untreue  der  Väter
zertretenen  Wohlstand  des  Landes  erregen,  und  kein  Vorwort
  Eueres  Königs  kann  mehr  das  Schickfal  mildern,
welches  der  erbitterte  Sieger  über  das  eroberte  Land  verhängt.“
        <pb n="167" />
        —  163  —

stehenden  Schaaren,  als  die  Reserve-Bataillone  vollzählig
  zu  machen.  Doch  dies  genügte  den  Baiern  nicht,
ihre  vaterländische  Treue,  ungeachtet  Oesterreichs  Drohen,
  zu  offenbaren.  Einzelne  Kreise  errichteten,  mit  Erlaubniß
  des  Königs,  Bataillone  von  Freiwilligen  auf
eigene  Kosten.  Eine  solche  Schaar  von  Tapferen,  den
geübtesten  Linientruppen  gleich,  unter  Leitung  des  Freiherrn
  von  Andrian,  Polizeidirectors  der  Stadt  Augsburg,
  gebildet,  zog  schon  am  10ten  Mai  gen  Kempten
und  heiter  in  den  Kampf.  Ganz  Baiern  schien  zum
großen  Waffenplatze  geworden.  Sämmtliche  Forst=  und
Jagdmänner  weiheten  ihre,  bisher  nur  dem  Wild  der
Wälder  furchtbare  Kunst,  der  Vertheidigung  des  Staates;
am  ersten  die  in  den  Revieren  Ulm's.

Ehe  die  Bewaffnungsanstalten  in  Baiern  vollendet
seyn  konnten,  setzte  der  Aufruhr  Tirols  seine  Streifzüge
sort,  derentwillen  ste  begonnen  waren.  Ein  Schwarm  der
Aufständischen  überfiel  und  erbeutete  bei  Mdskirch  bedeudenten
  Kriegesvorrath,  der  unter  Bedeckung  von  150  Mann
vom  Bodensee  her  auf  der  Achse  geführt  war.  Ein  anderer
strich  über.  Stockach  hinaus  bis  Liptingen.  Ein  dritter,
1,500  Mann  stark,  überrumpelte  sogar  die  Stadt  Memmingen,
  (11ten  Mai)  entwaffnete  deren  Bürgerwachten
und  nahm  die  kdniglichen  Gelder  und  Vorräthe  in  Beschlag.
  Als  Letzteres  aber  der  baierische  Oberst  von  Lessel
  zu  Ulm  vernahm,  rasste  er  blitzschnell,  was  er  von
alten  Kriegern  und  freiwilligen  Bürgern  zu  Ulm  und  Illerdiessen
  fand“),  zusammen;  damit  vereinte  er  eine  Ka-*)

  3  ÖOffiziere,  451  Soldaten,  30  Mann  bürgerlicher  Schüßen,
24  Mann  Bürger-Cavalerie  der  Städte  Ulm  und  Illerdiessen
  unter  dem  baierischen  Kreisrath  von  Neumanns.

11#
        <pb n="168" />
        —  165  —

none,  auch  zwei  Compagnien  französischer  Infanterie,  die
eben  zu  Ulm  waren.  Die  Alle  ließ  er  durch  den  Major
Pillement  nach  Memmingen  führen  (15ten  Mai),
und  daneben  die  Illerbrücke  bei  Kirchberg,  die  Donaubrücken
  bei  Erbach  und  Gbppingen  besetzen.

Zu  Augsburg  war  der  franzdsische  Divoisions-General
Beaumont  mit  dem  Auftrage  angekommen,  die  Vertheidigung
  der  Rheinbundesgränzen  gegen  die  tirolischen
Streifrotten  zu  leiten.  Auch  er  bildete  eiligst  aus  wenigen
  franzdsischen  und  baierischen  Kriegern  und  Freiwilligen)
  eine  kleine  Schaar,  sandte  sie  der  von  Ulm  Ausgegangenen
  zur  Verstärkung,  und  gab  den  Befehl  über
das  Ganze,  etwa  2,000  Mann,  dem  franzbsischen  General
Picard.  Die  Insurgenten  aber  erwarteten  nicht  die  Ankunft
  desselben  in  Memmingen,  sondern  entflohen.

Statt  dessen  brach  aus  den  Bregenzer-Wöäldern  ein
anderer  Haufen  hervor,  Vorarlberger  und  Oesterreicher,
zog  in  Lindau  ein,  entwaffnete  die  Buͤrger,  raubte  das
koͤnigliche  Eigenthum.  Die  Bewegungen  dieser  ordnungslosen
  Banden  zu  erspaͤhen,  ward  der  Oberfoͤrster  von
Greyers  mit  vier  Revierfoͤrstern  zu  Pferde,  zwanzig
Jaͤgern  zu  Fuß,  alle  aus  der  Forst-Inspection  ulm,

*)  280  französische  Dragoner,  eine  Abtheilung  französischer
Cargbiniers,  eine  gus  den  verschiedenen  haierischen  Depots
gezogene  Abtheilung  Infanterie,  durch  die  Cordonsmannschaft
  sämmtlicher  Landgerichte  des  Lechkreises  und  durch
mehrere  freiwillige  Officianten  genannten  Kreises,  die
beiden  letzten  Abtheilungen  unter  dem  bei  mehreren  Gelegenheiten
  sich  um  sein  Paterland  verdient  gemachten  Strassen
  =  und  Wasserbau=  Inspectors,  Hauptmanns  von  TKilander.
        <pb n="169" />
        —  165  —

nebst  einiger  französischer  Reiterei  (Nachts  vom  16ten
zum  17ten  Mai)  nach  Immenstadt  ausgesandt.  Bei  Heuburg
  überraschten  die  Jäger  einen  bewaffneten  Haufen;
griffen  rüstig  an,  tddteten  fünf  Mann  derselben,  sprengten
  die  Anderen  zur  Martinszollerbrücke  in  die  Ebene,
den  franzdsischen  Reitern  entgegen,  die  noch  17  Mann
niederhieben..)  In  derselben  Nacht  überfiel  der  Oberfbrster
  Weimar  mit  12  Jägern  und  2  berittenen  Forstern,
  indem  er  gegen  Nesselwang  zog,  einen  andern  Haufen
  und  zerstreuete  denselben,  der  9  Todte  und  mehrere
Verwundete  zurückließ.“)

Minder  glücklich  war  drei  Tage  später  der  Major-Millement,
  als  ihn  General  Picard  mit  einer  schwachen
  Abtheilung  Baiern,  2  Revierförstern  zu  Pferd  und
f50  Jägern  von  Kempten  ausschickte,  den  Punct  Immenstadt
  zu  besetzen.  Denn  zu  Ruinstein  begegnete  er  einer
solchen  Uebermacht  der  Insurgenten,  daß  er  sich  nach  einstündigem
  Gefechte  mit  Ordnung,  doch  nicht  ohne  Verlust
  einiger  Leute,  wieder  nach  Kempten  zurückbegab.

Weil  um  diese  Zeit,  auf  Verlangen  des  Generals
Grafen  Beaumont,  die  hinter  der  Schusser  aufgestellte
würtembergische  kleine  Schaar  des  Generals  Koseritz
zu  den  baierisch-franzdsischen  Abtheilungen  Picard's

ö)  Bei  jener  Gelegenheit  hatten  sich  der  Forstamtsgehülfe
Eglof,  der  Revierforstgehülfe  Münchmever,  die  Forstwarte
  Schremb,  Keitner  und  der  Forstpractikank
von  Tavel  vorzüglich  ausgezeichnet.

)  Vorzüglicher  Belobung  machten  sich  bei  diesem  Vorfalle
würdig:  die  Forstgehülfen  Rumpus  und  Miüst,  der
Forstwart  Götz.
        <pb n="170" />
        —  166  —

bei  Kempten  gezogen  worden,  streiften  und  pluͤnderten
die  Insurgenten  von  Bregenz  und  Lindau  her,  ohne
Schen,  durch  das  unbeschirmte  Gebiet  von  Würtemberg.
Doch  schnell  bildete  der  König  von  Würtemberg  wieder
ein  kleines  Corps  von  0  Compagnien  Fusßvolkes  und
2  Reitergeschwadern,  die  General  Scheeler  in  der  Nähe
des  Bodensees  aufstellte  (1gten  Mai).  Erschrocken  flüchteten
  die  Insurgenten  aus  Lindau,  als  der  Rittmeister
Polte  keck  die  Wachten  derselben  vor  den  Thoren  der
Stadt  überrumpelte  (20fsten  Mai).  Aber  nur  in  größerer
Menge  kamen  sie,  die  Bürger  plündernd  und  mißhandelnd,
wieder  zurück.

Sobald  inzwischen  zu  Jnnsbruck  die  baierischen  Divistonen
  eingezogen  waren,  die  Unterwerfung  Tirols  entschieden
  schien,  die  Tiroler  sich  von  Bregenz  in  ihre  Heimathen
  begaben,  kündete  auch  Vorarlberg  reuig  dem
General  Picard  (aosten  Mai)  Ergebung  an.  Franzbsische
  Reiterei  besetzte  also  Bregenz;  der  würtembergische
General  Scheeler  Lindau,  Buchhorn,  Hofen,  Wasserburg;
  Picard's  Corps  von  Kempten  aus  die  Ausgänge
  Vorarlbergs;  ein  badensches  Bataillon  Constanz.
Die  im  Vorarlbergischen  aber  noch  befindlichen  Oesterreicher,
  ungefähr  200  Mann,  theils  Reiter,  theils  Fußvolk,
geriethen  nun  in  große  Verlegenheit,  und  trachteten  durch
Schwaben  und  Franken,  wenn  es  moglich  sey,  nach  Bbheim
  zu  entkommen.  Wirklich  erschienen  sie  (am  22sten
Mai)  in  der  Gegend  von  Ehingen.  Als  von  Ulm  aus
der  Oberst  Lessel  ihnen  einige  hundert  Mann  dahin  entgegenschickte,
  hatten  sie  sich  schnell  gen  Geißlingen  gewandt.
  Als  ganz  zufällig  in  diese  Gegend  der  baierische
Hauptmann  von  Grafe  mstein,  auf  seinem  Heimweg
von  Straßburg,  wohin  er  Kriegsgefangene  gebracht,  mit
        <pb n="171" />
        —  167  —

70  Mann  eintraf,  und  den  Oesterreichern  den  Weg  verlegen
  wollte,  gelang  es  ihnen,  sich  nach  kurzem  Gefecht,
und  begünstiget  durch  die  Verwundung  des  tapfern  Grafenstein,
  weiterem  Angriffe  zu  entkommen,  und  über
Mleinfeld,  Gunzenhausen  nach  Neumarkt  zu  gehen.  Hier
aber  ereilte  sie  der  franzbsische  Oberst  Reiset  mit  zwei
Dragoner-Geschwadern,  und  nach  entschlossener  Gegenwehr
  machte  er  sie  gefangen.

Ehe  noch  dies  Alles  vollbracht  war,  hatte  auch  der
baierische  Oberst  Graf  Arco  eine  kleine,  durch  Vaterlandsliebe
  geschaffene  und  ausgerüstete  Macht,  längs
den  Tiroler-Gränzen,  unter  seinem  Befehl;  zwei  Divisionen
  Gebirgsschützen,  die  erste  000  Mann  stark,  von
den  Landgerichten  Mießbach  und  Länggries  aufgestellt,  die
andere  durch  den  thätigen  Hauptmann  Bauer  eingerichtet,
  500  Mann  stark,  vermehrt  durch  100  Mann  zu  Fuß
und  30  Reitern  aus  verschiedenen  Depots  baierischer
Truppen,  ferner  ein  in  München  erst  neu  zusammengesetztes
  Linien  =  Bataillon,  400  Mann  und  100  Pferde
stark.  Mit  diesen  Allen  stand  er  zu  Tolz,  Mießbach,
Partenkirchen,  Benedictbenern  u.  s.  w.,  als  er  Wredes
und  Deroy's  glückliches  Fortschreiten  im  Innthal,  und
durch  die  Abgeordneten  vom  Landl,  Achenthal  und  Thiersee
  selbst  die  unbedingte  Unterwerfung  dieser  Gegenden
vernahm.  Dies  machte  ihn  entschlossen,  durch  Wegnahme
des  wichtigen  Scharnitzpasses,  eine  Verbindung  mit  Innsbruck
  über  Seefeld,  oder  doch  zu  Gunsten  der  baierischen
Divisionen  eine  mächtige  Diversion  zu  bewirken.

Weil  es  nur  auf  Ueberrumplung  abgesehen  war,
ließ  er  am  Abend  des  18ten  Mai's  die  120  Mann  starke
Compagnie  des  Hauptmanns  Lüneschloß,  und  eben  so
        <pb n="172" />
        —  168  —

viele  Schuͤtzen  zu  Benedictbeuern  auf  Wagen  setzen,  um
noch  vor  Tagesanbruche  an  der  Scharnitz  zu  seyn.  Achtzig
  Mann  Reiterei  begleiteten  den  Zug.  Aber  die  Wege
waren  so  schlecht,  daß  der  Tag  schon  begann,  als  man
erst  Mittenwald  erreicht  hatte,  und  diesen  Ort  von  den
Aufstaͤndischen  besetzt  fand.  Zwar  wurden  diese  bald
durch  den  Hauptmann  Luͤneschloß  vertrieben,  sobald
der  Hauptmann  Bauer  mit  wenigen  seiner  Jäger  eine
Bewegung  über  die  Isar  zur  Hasselmühle  gemacht  hatte.
Allein  durch  die  Gefangenen  erfuhr  Oberst  Arco  nun,
daß  die  Loitasch  und  Scharnitz  mit  ungefähr  3,000  Tiroler--Landesvertheidigern
  besetzt  wären.  Da  erachtete  er  rathsam,
  lieber  Unterhandlung  zu  versuchen,  ob  man  bei  erster
Aufforderung  vielleicht  die  Engpässe  übergeben  würde.
Während  der  Unterhändler  zur  Scharnitz  abgegangen  war,
blieb  er  mit  dem  Fußvolke  auf  der  Brücke  hinter  Mittenwald,
  mit  der  Reiterei  zwischen  den  Bergen  und  dem
Marktflecken  in  der  Ebene  stehen,  seine  Posten  auf  dem
Burrberg  gegen  die  Loitasch,  und  vorwärts  gegen  die
Scharnitz  gestellt.

Indessen  hatten  sich  die  aus  dem  Orte  vertriebenen
Insurgenten  von  der  Schwäche  ihres  Gegners  überzengt,
und,  die  scheinbar  angeknüpften  Unterhandlungen  benutzend,
  ihren  Weg  in  aller  Stille  am  Fuße  der  Berge
entlang  auf's  rechte  Isar-Ufer  genommen.  Dann  fielen
sie  jählings  die  ausgestellten  Posten  an,  trieben  sie  nach
Mittenwald  und  hier  endlich  die  schwache  Schaar  in  aller
Unordnung  in  die  Ebene  hinaus.  Die  Hauptleute  Bauer
und  Lüneschloß  immer  die  letzten  beim  Rückzuge,  die
ersten  beim  Angriffe,  hielten  die  Fliehenden  an,  denn  es
fehlte  der  Oberst  Arco.  Er  mußte  wieder  befreiet  werden.
  Er,  mit  einigen  Reitern,  war  tollkühn  in  Mitten-
        <pb n="173" />
        wald  geblieben,  diesen  Platz  zu  behaupten.  Doch  als
Hauptmann  Bauer  mit  einigen  Schuͤtzen  im  Begriffe
war,  ihn  zu  retten,  erschien  er,  von  zahllosen  Schuͤssen
verfolgt,  unversehrt,  die  Kleider  von  Kugeln  durchloͤchert.
Er  begab  sich  mit  der  Reiterei  nach  Benedictbeuern  zuruͤck.
Die  Mannschaft  zu  Fuß  aber,  nachdem  sie  bis  an  die
Husselbrücke  über  die  Isar  auf  allen  Hôhen  von  Insurgenten
  umschwärmt  und  verfolgt  war,  wählte  zur  größerer
  Sicherheit  am  rechten  Isar=  Ufer  einen  15  Stunden
langen  Umweg  durch  die  unwegsamsten  Gebirge  über  die
Oswaldhütte,  Länggries  und  Tolz  nach  Benedictbeunern.
Die  Unternehmung,  obgleich  mißlungen,  ward  doch  durch
den  Schrecken  der  Ueberraschung,  welchen  sie  den  Insurgenten
  eingeflößt  hatte,  der  Sicherheit  des  angränzenden
  Baierns  wohlthätig,  und  durch  den  Muth  einiger
hundert  baierischer  Männer  im  Kampfe  gegen  einige  tausend
  Tiroler-Landesvertheidiger  ehrenwerth.  Hatte  die
noch  nach  Mittenwald  bestimmt  gewesene  Reserve,  aus
250  Gebirgsschützen  und  dem  Ueberreste  des  Linien-Bataillons
  bestehend,  diesen  Punct  zeitig  genug  erreichen
konnen,  vielleicht  wäre  ein  anderer  Ausgang  erlebt  worden.

Oberst  Arco  begnugte  sich  jetzt,  Benedictbeuern  mit
der  Umgegend  besetzt  zu  halten;  eben  so  Partenkirchen,
mit  Abtheilungen  gegen  Mittenwald.  Als  die  Tiroler
aber  nach  wenigen  Tagen  nicht  nur  diesen  Punct,  sondern
  auch  die  Scharnitz,  Loitasch  und  Seefeld  freiwillig
räumten,  und  aus  einander  liefen,  seit  ihnen  Innsbruck

*)  Der  bei  ebenerwähntem  Gefechte  den  Baiern  gewordene
Verlust  bestand  in  16  Mann  Todten  und  Verwundeten,
in  5  verwundeten  Pferden.  Dem  Obersten  Grafen  Arco
ward  ein  Pferd  unter  dem  Leibe  erschossen.
        <pb n="174" />
        —  170  —

verloren  war,  nahm  Graf  Arco  (2sten  Mai)  alle  diese
Orte  ohne  Schwertstreich,  und  zerstörte  die  von  den  Tirolern
  begonnenen  Befestigungen.

———““''’'·

15.

Rückzug  des  Erzherzogs  Johann  aus  Italien
bis  an  die  Raab.

Noch  gedachte  aber  der  Feldmarschall-Lieutenant
Chasteler  nicht,  die  Vertheidigung  des  Gebirgslandes
aufzugeben,  wo  er  in  starker  Besetzung  des  Brenners
und  Trients,  und  mit  bedeutender  Reserve  auf  den  Hoͤ—
hen  von  Schabs,  noch  immer  Mittel  fand,  in  einer  allgemeinen
  Wiederentflammung  des  Aufruhrs  furchtbar  zu
werden.  Aber  ein  plötzlicher  Befehl  des  Erzherzog  Johann
  aus  Villach  änderte  seine  Entwürfe.

Der  Erzherzog  hatte  zwar  seinen  Rückzug  nach  den
österreichischen  Erbstaaten,  wie  früher  erzählt  ist,  aus
der  Stellung  von  Alpone  begonnen,  Anfangs  jedoch  mit
ciner  ganz  anderen  Absicht,  als  sich  gegen  Wien  zu  bewegen.
  Er  wollte  vielmehr  den  Bannus  Grafen  Giulay
mit  einem  Theile  des  Heeres  und  mit  der  ganzen  Landwehr
  Innerdsterreichs  zum  Schutze  der  Kärthener=  und
Krainer-Pässe  stehen  lassen,  selbst  aber  mit  14  Bataillo-=nen
  und  18  Geschwadern  in's  Tirol,  und  von  da  aus,
verbunden  mit  Chasteler,  in's  Herz  von  Deutschland,
rückwärts  dem  franzbsischen  Heere,  einbrechen.  Der  Entwurf
  reifte  aber  zu  keiner  Vollziehung.

Zwar,  sobald  er  über  die  Brenta  nach  Citadella  gegangen
  war  (#ten  Mai),  schickte  er  den  General  Schmidt
mit  fünf  Bataillonen  und  vier  Geschwadern  über  Bassano
        <pb n="175" />
        —  171  —

in's  Tirol  ab.  Doch  dieser  fand  den  Weg  nicht  offen.
Denn  weil  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler  die  Truppen
  des  österreichischen  Generals  Marschall  schon  vorher
  zu  sich  genommen  hatte,  und  damit  die  bei  Ala  und
Seravalle  stehende  Abtheilung  Oesterreicher,  unter  Befehl
  des  Oberstlieutenants  Grafen  Leiningen,  an  sich
viel  zu  schwach  und  stützenlos  geworden  war,  mußte  sie,
trotz  der  tapfersten  Gegenwehr,  Ala,  ja  sogar  Trient
(ten  Mai)  räumen,  als  hier  der  franzbsische  General
Rusca  vordrang,  um  den  linken  Flügel  des  Vicekönigs
von  Italien  zu  decken.  Ruscga  stellte  sich  nun  zur  Deckung
  Tirols  auf  die  Straße  gegen  Bassano,  von  wannen
Schmidt  kommen  sollte.  Hingegen  Schmidt,  obgleich
er  Bassäno  selbst  glucklich  gegen  den  Angriff  einer  starken
feindlichen  Colonne  (Aten  Mai)  behauptet  hatte,  gab  den
Gedanken  an  Tirol  auf,  sobald  er  vernahm,  Rusca  stehe
mit  10  Bataillonen  und  2  Geschwadern  in  Trient.  Er  setzte
also  seinen  Rückzug  durch  das  Piavethal  gegen  Belluno
fort.  Wäre  er  seiner  ersten  Bestimmung  treu  geblieben,
so  hätte  er  den  General  Rusca  in  Trient  zuruckgehalten,
  und  diesen  damit  in  keine  kleine  Verlegenheit  gesetzt.
  Oenn  Chasteler,  sobald  er  den  Verlust  von
Trient  erfahren  hatte,  befahl  dem  General  Marschall,
diesen  Punct  um  jeden  Preis  wieder  zu  erobern.  Rusca
wäre  zwischen  zwei  Feuer  gerathen.  Nun  aber,  da  General
Schmidt  zur  Piave  nach  Feltre  zog,  machte  sich  Rusca
mit  ganzer  Kraft  auf,  ihm  zu  folgen.  Der  Oberstlieutenant
  Graf  Leiningen  und  General  Marschall  fanden,
  als  sie  nach  Trient  und  Ala  kamen,  (vien  Mai)
schon  die  ganze  Gegend  wieder  vom  Feinde  leer.

An  dem  Tage,  da  General  Marschall  in  Trient
einrückte,  erreichte  General  Schmidt  die  Stadt  Belluno;
        <pb n="176" />
        —  172  —

die  Hauptarmee  des  Erzherzogs  Johann  aber  stand  schon
am  linken  Ufer  der  Piave,  und  der  ihm  folgende  Vicekdnig
  Eugen  am  rechten.  Das  blutige  Gefecht  an  diesem
  Fluße,  bei  Campana  (ten  Mai),  worin  die  Oesterreicher
  einen  Verlust  von  15  Kanonen,  beide  Heere  viele
Todte  und  Verwundete  zählten,  entschied  wenig.  Der
Erzherzog  setzte  seinen  Rückzug  über  Sacile  zum  Tagliamento
  fort,  und  ging  (10ten  Mai)  bei  Spilimbergo  über
diesen  Strom,  indessen  sich  General  Schmidt  nach
Toblach  zog,  wo  er  also  seine  Vereinigung  mit  den  dsterreichischen
  Truppen  bewerkstelligen  konnte,  die  im  Pusterthal
  des  Tirols  standen.  Schritt  um  Schritt  war  ihm
bis  hieher  General  Rusca  gefolgt,  der  zuletzt  noch  dessen
Nachhut,  die  der  tapfere  Hauptmann  Zuccari  mit  großer
Klugheit  befehligte,  von  Fontagna  nach  Cortina  trieb.

Auch  der  Vicekdnig  Eugen  ging  über  den  Tagliamento,
  und  griff  mit  überlegenen  Streitmassen  den  Nachtrab
  des  bösterreichischen  Hauptheeres  (den  10ten  Mai)
unter  Giulay  an.  Der  Erzherzog  Johann  aber  gebot
den  entschlossensten  Widerstand  bis  in  die  dunkle  Nacht;
er  leitete  ihn  selbst  und  gewann  damit  so  viel,  daß  sein
Hauptheer  ungestdrt  durch's  Fellathal  nach  Ospidaletto
und  Venzone  zurückziehen  konnte.  Ueber  Pontaffel  kam
er  nach  Dogna  und  Tarvis,  (10ten  Mai)  von  dannen  er
den  Feldmarschall-Lieutenant  Giulay  mit  beträchtlichen
Streitmitteln  gen  Laibach  zur  Vertheidigung  Krains  und
Kroatiens  sandte.  Zugleich  ordnete  er  eine  tapfere  Besatzung
  in  den  Sperrpuncten  Malborghetto  und  Prediel
an,  um  in  seinem  Rücken  den  Feind  aufzuhalten.  Dann
ging  er  weiter  gen  Arnoldstein  und  Villach.  Der  Vicekdnig
  Eugen  aber  sandte  den  General  Macdonald
rechts  zum  Isonzo  mit  zwei  Divisionen,  und  er  selbst
        <pb n="177" />
        folgte  dem  Erzherzoge  auf  dem  Fuße.  Vier  Tage  lang
beschaͤftigte  ihn  die  hoͤlzerne  Feste  von  Malborghetto,
worin  der  Hauptmann  Hensel  mit  wenigen  Helden,
und  das  Blockhaus  auf  dem  Prediel,  worin  der  Hauptmann
  Herrmann,  einem  ganzen  Heere  Trotz  boten.
Aber  Malborghetto  ward  endlich  (17ten  Mai)  durch  die
italienische  Division  Fontanelli  erstürmt  und  die  Besatzung
  niedergehauen;  eben  so  Prediel  genommen,  und
noch  bei  Tarvis  Giulay  angegriffen  und  zum  Rückzuge
über  Weissenfeld  nach  Kronau  genbthiget.

Nun  nahm  der  Erzherzog  sein  Heer  nach  Villach,
dann  nach  Klagenfurt  zurück;  (18ten  Mai)  gab  damit
die  letzte  Verbindung  mit  dem  Tirol  auf,  die  durch's
Drauthal  mdglich  gewesen;  und  befahl  zwar  durch  Eilboten
  noch  dem  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler,
Tirol  zu  behaupten,  rief  aber  zugleich  den  Feldherrn
Jellachich  von  den  salzburgischen  Engpässen  hinweg
nach  Grätz.  Das  war  schon  geschehen,  Villach  nicht
mehr  in  seiner  Gewalt,  als  ihm  selber  der  zu  späte  Befehl
  kam,  schnell  von  Villach  über  Spital  sich  bei  Salzburg
  mit  Jellachich  zu  vereinigen,  und  dann  zum
Feldzeugmeister  Grafen  Collowrath  zu  stossen,  der
mit  20,000  Mann  bei  Linz  stand.  Also  fuhr  der  Erzherzog
  nur  in  seiner  rückgängigen  Bewegung  fort,  über
Lavamund,  Mährenberg,  Epbiswald  und  Prdding  nach
Grätz  (26sten  Mai).

Hingegen  begnügte  sich  von  nun  an  der  Vicekönig
Eugen,  blos  durch  eine  schwache  Entsendung  den  Erzherzog
  beobachten  zu  lassen;  wandte  sich,  statt  ihm  weiter
  zu  folgen,  nach  Judenburg,  um  an  der  Donau  zum
Kaiser  Napoleon  zu  stoßen,  der  ihm  den  größten  Theil
        <pb n="178" />
        —  174  —

des  großherzoglich-badenschen  Corps,  unter  Lauriston's
Befehl,  zum  Soͤmmering-Berg  entgegenschickte.  Im
Ruͤcken  des  Vicekoͤnigs  hatte  Macdonald  indessen  die
Stadt  Görz  (15ten  Mai)  genommen;  den  General  Zach,
der  sie  decken  sollte,  zurückgeworfen,  und  dann  ohne
Schwertstreich  sich  zum  Meister  von  Laibach  (10ten  Mai)
gemacht,  wie  Tages  zuvor  von  Triest.

Hinwieder  verließ  Jellachich  (Nachts  vor  dem
2sten  Mai),  sobald  er  des  Erzherzogs  Gebot  empfangen,
  mit  seinem  Heere  die  Stellung,  welche  er  biöher
zum  Schutze  der  Engpässe  gehabt,  und  der  Straßen,
die  von  Kärnthen  nach  Salzburg  und  Tirol  führen,  und
eilte  über  Schladning,  Steinach,  Rottenmann  und  Mautern
  bis  St.  Michael  bei  Leoben  (25sten  Mai).  Seine
Entfernung  hatte  die  Räumung  der  von  den  Tirolern  besetzten
  Pässe  Luftenstein  und  Hirschbühl  zur  unmittelbaren
Folge,  welche  darauf  der  Kronprinz  von  Baiern
einnahm.  Es  begab  sich,  daß  desselben  Tages,  da  Jellachich
  von  Mautern  nach  Leoben  zog,  der  Vicekbnig
Eugen  von  Judenburg  her  ebenfalls  dahin  in  Anzug
war.  Beider  Vorhuten  stießen  unerwartet  bei  St.  Michael
  zusammen;  die  franzbsische  ward  zurückgedrängt.
Jellachich  konnte  nun  freien  Durchzug  gen  Grätz  gewinnen;
  aber  zbgernd  ließ  er  sich  in  ein  Gefecht  verwickeln,
  bis  seines  Feindes  gesammte  Hauptmacht  herankam.
  Da  ward  er  Augenzeuge  von  der  Vernichtung
fast  seines  ganzen  Heerhaufens.  Er  verlor,  nach  eigenen
Angaben  Oesterreichs,  6,570  Soldaten,  an  100  Offiziere,
alles  schwere  Geschütz,  alles  Gepäck,  und  brachte  dem
Erzherzoge  Johann,  statt  der  mächtigen  Verstärkung,
nur  Trümmer  seines  Corps  nach  Grätz.  Der  Vicekönig
aber  vollendete  darauf  über  den  Sèmmering-Berg  seine
        <pb n="179" />
        —  175  —

Vereinigung  mit  Lauriston,  und  dem  Napoleonischen
Heere  an  der  Donan,  während  noch  Macdonald  mit
10,000  Mann  in  Grätz,  Rusca  mit  2,000  in  Kärnthen
  stand,  und  Lauriston  in  Oedenburg  und  Güns,
dem  Raabstrom  gegenüber,  blieb.

Erzherzog  Johann  aber  nahm  Stellung  am  rechten
Raabufer.  Er  hoffte,  daß  der  Bannus  von  Kroatien
mit  0,000  Mann  und  der  ganzen  kroatischen  Insurrection
mächtig  genug  seyn  werde,  den  Marschall  Marmont,
der  von  Dalmatien  herkam,  aufzuhalten.  Marmont
aber,  nachdem  er  den  dsterreichischen  General  Stoiewich
in  Kroatien  am  Berge  Kitta  geschlagen,  und  bei  Graschatz
  und  Gospich  siegreich  gefochten  hatte,  zog  ohne
weitern  Widerstand  in  Fiume,  dann  Ende  Maimonats
in  Laibach  ein,  und  setzte  sich  auf  diese  Weise  wieder  mit
dem  Vicekoͤnig  Eugen  in  Verbindung.

 

16.
Neuer  Aufruhr  in  Tirol.

Ehe  wir  noch  die  entscheidenden  Ereignisse  an  der
Donau  berühren,  müssen  wir,  des  Zusammenhanges  willen,
  den  Blick  auf  Tirol  zurückwenden.

Hier  war  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler  schon
Willens,  mit  seinem  Kriegsvolke,  dessen  Hauptstärke  im
Pusterthale  lag,  die  längere  Vertheidigung  aufzugeben.
Er  hatte  dies  den  Abgeordneten  des  Landvolkes,  welches
seinen  ferneren  Beistand  begehrte,  nicht  nur  (10ten  Mai)
bestimmt  erklärt,  sondern  wirklich  auch  den  General
Boul  aus  der  verschanzten  Stellung  am  Brenner  zurück
nach  Sterzing  gezogen,  und  den  Oberstlieutenant  Lei-
        <pb n="180" />
        —  176  —

ningen  von  Botzen  nach  Schabs  gerufen.  Aber  schon
in  voller  Bewegung  nach  Villach  zu  gehen,  vernahm  er,
ehe  er  noch  Brunecken  erreicht  hatte,  Villach,  dieser  letzte
Punct  zur  Vereinigung  mit  dem  Erzherzoge  Johann,
sey  verloren  und  in  franzdsischer  Gewalt.  Da,  umringt
von  den  Häuptlingen  des  kampflustigen  Tirols,  hieß  ihn
die  Verzweiflung  dasselbe  thun,  was  ihm  schon  der  Befehl
  des  Erzherzogs  Johann  geboten  hatte:  das  Gebirgsland
  auf's  Aeußerste  für  das  Haus  Oesterreich  zu
behaupten.

Er  rief  also  von  Neuem  den  Landsturm  des  Ober-Innthales
  und  Vinstgaus  durch  den  Wirth  Andreas
Hofer  auf.  Dieser  führte  ihm  (22sten  Mai)  6,000  bewaffnete
  Männer  und  Schützen  nach  Sterzing  zu.  General
Boul  mußte  zurück  in  die  Brenner-Verschanzungen,
die  zum  Glücke  noch  nicht  von  den  Baiern  besetzt  waren.
Der  Tiroler  Speckbacher  bereitete  das  untere  Innthal
zum  allgemeinen  Aufstande  vor,  der  da  erfolgen  würde,
sobald  die  Gelegenheit  wirken  würde.

Sie  zeigte  sich  bald.  Denn  Napoleon  gab  dem
größern  Theil  der  Baiern  Befehl,  schleunigst  aus  Tirol
aufzubrechen  nach  Salzburg,  und  den  Bewegungen  des
Generals  Jellachich  gegen  Leoben  folgend,  diesen  dem
Heere  des  von  Italien  kommenden  Vicekdnigs  zuzutreiben.
Der  Herzog  von  Danzig  wußte  zwar,  daß  Streifwachten
  eine  dsterreichische  Abtheilung  zwischen  Steinach  und
dem  Brenner,  also  nahe  genug  bei  Innöbruck,  erblickt
hatten  (Tisten  Mai);  dennoch  ließ  er  den  Generallieutenant
  Wrede  mit  allem  Kriegsvolke  (2ästen  Mai)  fort
nach  Salzburg  ziehen,  und  nur  den  Generallieutenant
Deroy  mit  der  5ten  Division  der  Baiern  zurück.  Wieschwach
        <pb n="181" />
        —  177  —

schwach  und  zerstreuet  auch  diese  Dioision  war,  sollte  sie
doch  das  gährende  Land  im  Zaum  halten,  bis  in  Baiern
neue  Truppenmassen  gebildet  seyn  und  die  Besetzung  Tirols
übernehmen  würden.  Und  um  sie  einsweilen  zu  stärken,
befahl  er  allen  zerstreuten  Abtheilungen  derselben,  sich
mit  ihr  schleunigst  zu  vereinigen,  außer  dem  Regimente
Bubenhofen-Chevaurlegers,  welches  der  usten  Division
  zugegeben  ward,  und  einer  Zwölfpfünder-Batterie,
die  in  Salzburg  verbleiben  mußte.

Deroy  sammelte  nun  seine  ganze  Stärke  bei  Innsbruck,
  um  jeder  Gefahr  Stirn  bieten  zu  können;  besetzte
mit  einem  Bataillon  und  einem  Geschwader  Dragoner
den  Berg  Isel,  mit  einer  Compagnie  am  linken  Inn-Ufer,
  außerhalb  der  Vorstadt,  die  Straße  nach  Zirl;
legte  in  die  Hauptstadt  selbst  ein  Bataillon  Besatzung;
verstärkte  das  Lager  vor  der  Wildau,  stellte,  wie  zuvor
in  der  Ebene,  links  dem  Inn,  bei  der  Stadt  seine  Hauptmacht
  auf,  und  trachtete  einerseits  durch  seine  Streifwachten
  die  feindlichen  Bewegungen  am  Brenner  zu  beobachten,
  anderseits  durch  Aussendungen  eine  unmittelbare
  Verbindung  mit  dem  Heerhaufen  des  Grafen  Arco
herzustellen,  welcher  die  Scharnitz  und  Zirl  inne  hatte.
Deunn  bei  der  allgemeinen  Stimmung  des  Landvolkes
ward  die  Lage  der  bei  Innsbruck  zurückgebliebenen  Baiern
um  so  bedenklicher,  weil  sie  von  keiner  Seite  im  Nothfalle
  raschen  oder  gewichtigen  Beistand  zu  erwarten  hatten.
  Das  entging  dem  Feldmarschall-Lieutenant  Chasteler
  nicht.  Er  wußte  das  südliche  Tirol,  seit  der  Entfernung
  des  Generals  Rusca  und  der  Macht  des  Vicekdnigs,
  so  außer  Gefahr,  daß  er  die  Stadt  Trient
wieder  durch  den  Obristlieutenant  Leiningen  zum
starken  Waffenplatze  befestigen  konnte.  Von  Westen  her

II.  5tes  Buch.  12
        <pb n="182" />
        —  178  —

war  Tirol  durch  die  Neutralität  der  Schweiz,  und  durch
die  Unruhen  Veltlins  vollkommen  sicher.  Baiern  hatte
kaum  Kriegsvolk  genug,  sich  selbst  gegen  allfällige  Einbrüche
  und  Ueberfälle  zu  schützen.

Um  über  Stellung  und  Stärke  des  Feindes  am  Brenner
  aber  einige  Gewißheit  zu  erhalten,  ordnete  General
Deroy  (25sten  Mai)  eine  Recognoseirung  an.  Zwei  Abtheilungen
  zogen  gegen  Matrey,  die  eine  auf  der  großen
Straße  am  linken  Sill-Ufer  sollte  dahin  über  Schbnberg,
die  andere  über  Ambras,  Altranz  und  Patsch  gehen.  Doch
kaum  waren  beide  eine  halbe  Stunde  jenseits  der  baierischen
Vorposten  hinaus,  stießen  sie  schon  auf  die  ganze  Tiroler-Macht
  des  Andreas  Hofer.  Er  kam  mit  den  Algundern,
  denen  von  Schlanders,  von  Schenna,  Partschins,
  den  Pusterthalern,  Vinstgauern,  denen  von  Passeyr,
  der  Mannschaft  von  Grdden,  den  Sarnthalern,
den  Kästelleutern,  den  Rodenekern,  denen  von  Lazfons,
Villanders  und  Velthurn,  unterstützt  durch  000  Oesterreicher
  nebst  7  Kanonen.  Als  Rückhalt  stand  diesen
Allen,  in  den  vollendeten  Verschanzungen  auf  dem  Brenner,
  General  Buol.

Die  Baiern  begaben  sich,  beim  Wahrnehmen  dieser
Uebermacht,  in  geordnetem  Rückzuge  zum  Gropßtheile  ihrer
Dioision  zurück.  Bald  dehnten  die  Tiroler,  unter  Oberstlieutenant
  Ertl  und  Sandwirth  Hofer,  ihren  linken
Flügel  von  der  Gallwiese  über  den  Husselhof  längs  dem
Berge  Isel  bis  Wildau  aus,  und  mit  dem  rechten  unter
dem  Oberstlieutenant  Reissenfels,  der  die  Brücken
von  Volders  und  Hall  beobachtete,  besetzten  sie  zugleich
den  Paßberg,  und  verbanden  ihn  über  die  Höhen  von  Ambras
  his  Wildau  mit  dem  linken.  Sie  griffen  sogleich
        <pb n="183" />
        an  und  warfen  die  baierischen  Posten  zuruͤck,  die  aber,
durch  Derop  ermuntert,  ihre  alten  Stellungen  bald
wieder  einnahmen.  Das  Gefecht  dauerte  mit  abwechselndem
  Glücke  bis  gegen  10  Uhr  Abends.  Der  Feind  hatte
den  Vortheil  der  Stellung  in  den  waldigen  Bergen,  die
seine  Bewegungen  verbargen.  Auf  seiner  Seite  war  die
große  Uebermacht.  Deroy  hingegen  konnte  nur  3  Bataillone
  stellen  "),  weil  seine  übrige  Mannschaft  zur  Deckung
  der  Stadt  Innsbruck  und  der  Straßen  von  Zierl
und  Hall  dienen  mußte.  Dennoch  behauptete  er  die  vof
Wildau  gelegene  Ebene,  und  stellte  seine  Vedetten  am
Fuße  der  vom  Feinde  besetzten  Hdhen  aus.  Der  Ta

kostete  aber  den  Baiern  4  verwundete  Offizieres),
20  getddtete  und  00  verwundete  Soldaten.

Der  Herzog  vor  Danzig  war  eben  im  Begriffe,
die  ihm  aufgetragene  Bewegung  von  Salzburg  nach  Leoben
  zu  beginnen;  Wrede  stand  noch  in  und  um  Salzburg;
  die  erste  baierische  Dioiston  bei  St.  Gilgen  und
Ischel;  General  Graf  Rechberg  hatte  mit  einer  Abtheilung
  einen  Spähzug  vom  Passe  Lueg  über  Radstadt
gegen  Schladming  begonnen,  da  traf  Deroy's  Anzeige
von  seiner  Gefahr  ein  (20sten  Mai).  Der  Herzog  war
sogleich  entschlossen,  Hülfe  zu  senden.  Schon  traf  er  die
ndthigen  Anstalten  dazu,  als  ein  Befehl  Napoleon's
erschien  (in  der  Nacht  vom  26sten  zum  27sten  Maj),  sich
schleunigst  mit  den  Baiern  gegen  Wien  zu  wenden.

*)  Nämlich  2  Bataillone  des  Sten  Linken-Regimentes  Preising,
  2  Compagnien  des  oten  Linien-Regimentes  und
2  Compagnien  des  töten  Linien-Regimentes.

5)  Oberlieutenant  Fabris  des  öten  Linien-Regimentes
tödtlich,  Hauptmann  Helldörfer,  die  Lieutenants
Hecht  und  Großschedel  des  1#ten  Linien-Regimentes.

12  *
        <pb n="184" />
        —  180  —

17.
Die  Schlachten  von  Aspern  und  Eölingen.

Denn  die  verzweiflungsvolle  Tapferkeit  der  österreichischen
  Heere  und  der  Feldherrugeist  des  Erzherzogs  Carl
hatten  dem  Kaiser  der  Franzosen,  auch  nach  seiner  Eroberung
  Wiens,  Hindernisse  entgegengeworfen,  welche  nicht
nur  die  Vollendung  seiner  neuen  Entwürfe,  sondern  selbst
allen  Gewinn  aus  früheren  Siegen  wieder  zweifelhafr
machten.

Schon  war  ihm,  gleich  nach  der  Einnahme  Wiens,
durch  Abtheilungen  des  Hillerischen  Corps  der  Versuch
vereitelt  worden,  vermittelst  des  Besitzes  einer  oberhalb
Wien,  gegen  Nußdorf  über,  gelegenen  Insel,  welche
von  der  sogenannten  schwarzen  Lache  und  der  Donau  gebildet
  wird,  einen  Uebergangspunct  auf  das  linke  Donau-Ufer
  zu  erhalten.  Er  hatte  daher  die  Heerhaufen  der
Marschälle  Massena,  Lannes  und  Oudinot,  desgleichen
  die  Garden,  um  Wien  zusammengezogen,  den
Marschall  Davoust  aber  zwischen  dieser  Hauptstadt  und
St.  Polten  aufgestellt.  Denn,  weil  er  den  Gang  über
die  Donau  bei  jener  Insel  zu  gefahrvoll  gefunden,  beschloß
  er,  dafür  die  Insel  Lobau  zu  wählen.  Diese  zwischen
  zwei  Donau-Armen,  14  Stunden  lang,  4  Stunden
  breit,  gewährte  durch  ihre  Größe  den  Vortheil,  ein
bequemer  Waffenplatz  zu  seyn,  und  durch  das  Buschwerk,
mit  dem  sie  bewachsen  ist,  alle  Bewegungen  dem  feindlichen
  Blicke  zu  verbergen.  Von  ihr  bis  zum  linken
Donau-Ufer,  gegen  Enzersdorf,  sind  es  nur  ungefähr
noch  200  Schritte,  wo  durch  dazwischen  gelegene  kleinere
Inseln  die  Anlegung  von  Brücken  erleichtert  wird.
        <pb n="185" />
        —  181  —

Napoleon  befahl  demnach  am  18ten  Mai,  eine
Bruͤcke  vom  rechten  Ufer  zur  Insel  Lobau  zu  schlagen,
ließ  in  der  darauf  folgenden  Nacht  sein  Heer  hinuͤber
gehen,  und  mit  anbrechendem  Tage  schon  den  Uebergang
  zum  linken  Ufer  bewerkstelligen.  Erzherzog  Carl,
welcher  seine  meiste  Staͤrke  dem  rechten  Flügel  des  bsterreichischen
  Heeres  gegeben,  erkannte  gleich  nach  der  ersten
Recognoscirung,  daß  er,  ohne  die  groͤßten  Aufopferungen
zu  bringen,  seinen  Feind  nicht  mehr  daran  hindern  koͤnne,
das  linke  Donau-Ufer  zu  erreichen.  Er  zog  also  seine
Vorposten  zurück,  und  stellte  sich  (den  21sten  Mai)  auf
der  Gerasdorfer=  Höhe,  zwischen  dem  Bisamberg  und
Rußbach,  in  Schlachtordnung  mit  zwei  Treffen.  Feldmarschall-Lieutenant
  Hiller  bildete  bei  Stammersdorf
den  rechten  Flügel;  an  diesen  lehnte  sich  Bellegarde,
dann  Fürst  Hohenzollern  in  der  Richtung  von  Deutsch-Wagram.
  In  diesem  Dorfe  und  neben  demselben  stand
der  Heerhaufe  des  Fürsten  Rosenberg  in  Bataillons-Colonnen,
  als  linker  Heerflugel,  hinter  sich  auf  der  Anhöhe
  noch  mit  einer  Abtheilung  zu  seiner  Unterstützung.
Die  gesammte  Reiterei  unter  dem  Fürsten  Johann
Lichtenstein  befand  sich  in  den  Zwischenräumen,  zwischen
  dem  rechten  und  linken  Flügel.  Als  Rückhalt  stellten
  sich  beim  Dorfe  Seiring  sämmtliche  Grenadier-Bataillone
  auf.  Hingegen  das  Corps  des  Fürsten  Reuß
hielt  den  Bisamberg  rechts,  die  schwarze  Lache  und  die
Auen,  aufwärts  der  Donau,  besetzt.  So  erwartete  der
Erzherzog  mit  seiner  Machtr,  ungefähr  75,000  Mann
stark,  den  Feind,  dessen  Aufstellung  schon  dadurch  äusserst
  gewagt  seyn  mußte  ,  weil  er  die  Donau  hinter

sich  hatte.
        <pb n="186" />
        —  182  —

Inzwischen  hinderte  dies  Besorgniß  den  Kaiser  der
Franzosen  nicht,  in  der  Nacht  vom  20sten  zum  Listen
Mai  die  Reiter-Division  Lasalle,  so  wie  die  Dioisionen
  Molitor,  Boudet  und  Legrand  aufs's  linke
Ufer  zu  schicken,  die  Puncte  Esling  und  Aspern,  zum
Schutze  des  fernern  Ueberganges  von  höchster  Wichtigkeir,
  alsbald  zu  besetzen,  dort  dem  Marschall  Lannes,
hier  dem  Marschall  Massena  den  Oberbefehl  zu  geben,
und  den  Marschall  Bessiers  zur  Deckung  der  Ebene
zwischen  beiden  Orten,  bis  Enzerödorf  gedehnet,  mit
den  Reiter-Divisionen  Lasalle,  Espagne  und  Ferrand
  aufzustellen.  Fort  und  fort  zogen  die  übrigen
Heerhaufen  nach,  um  sich  zwischen  Esling  und  Aspern
in  mehrere  Treffen  zu  reihen.

Erzherzog  Carl,  welcher  an  demselben  Morgen
C#sten  Mai)  in  Person  vom  Bisamberg  herab  die  Bewegungen
  der  Franzosen  beobachtete,  beschloß,  den  wichtigen
  Augenblick  zu  benutzen,  und  den  Feind  anzugreifen,
bevor  sich  derselbe  ganz  entfalten  könne.  Feldmarschall=Lieutenant
  Hiller  sollte  mit  der  rechten  Flügel-Colonne,
  zwischen  der  Spitze  und  der  Leopolds-Au,  naͤchst
der  Donau,  gegen  Stadelau  und  Aspern  ruͤcken,  und
den  Feind  vom  Donau-Ufer  wegdrängen;  Graf  Bellegarde
  mit  der  zweiten  Colonne  gegen  Leopolds-An
gehen,  da  sich  mit  der  ersten  Colonne,  und  gegen  Hirschstaͤtten
  mit  der  dritten  Colonne  verbinden;  Fuͤrst  Hohen—
zo  llern  gleichzeitig  mit  der  vierten  Colonne  über  Süssenbronn
  und  Breitenlee  nach  Aspern  ziehen,  und  sich  rechts
mit  der  zweiten,  links  mit  der  dritten  Cölonne  verknüpfen;
der  Theil  des  Rosenbergischen  Corps,  welcher  am  rechten
Ufer  des  Rußbach  stand,  als  vierte  Colonne  über  Aderklaa
  und  Raschdorf  nach  Esling  streben;  hingegen  der
        <pb n="187" />
        —  183  —

andere  Theil  desselben  Corps,  der  am  linken  Rußbach=Ufer
  stand,  als  fünfte  Colonne  trachten,  Pyrödorf  links
liegen  lassend,  die  Stadt  Enzersdorf  ostwärts  zu  umgehen,
  und  sich  die  linke  Seite  durch  ein  Reiter-Regiment
zu  sichern.  Gesammte  Grenadier-Bataillone  sollten  indessen
  die  von  Bellegarde  verlassene  Stellung  hinter
Gerabdorf,  und  Fürst  Johann  Lichtenstein's  Reiterschwarm
  ihren  Platz  zwischen  Raschdorf  und  Breitenlee,
gegen  das  neue  Wirthshaus,  so  einnehmen,  daß  sie
einem  allfälligen  Einbruch  feindlicher  Reiter  zwischen  den
Spitzen  der  dritten  und  vierten  Colonne  kräftig  begegnen
konnten.

Es  war  schon  Mittag,  als  alle  diese  Bewegungen
ausgeführt  wurden,  durch  welche  die  franzbsische  Macht
vom  Halbkreise  der  österreichischen  Heersäulen  umklammert,
  immer  fester.  zusammengedrängt,  und  an  die  Donau
gedrückt  werden  sollte.  Die  erste  Colonne  kam,  wie
vorgeschrieben,  bis  Stadelan,  nachdem  hier  die  feindlichen
  Vorposten  zurückgeworfen  waren.  Sie  stellte  sich
daselbst  auf,  um  die  Ankunft  der  übrigen  Colonnen  zu
erwarten.  Ihre  Vorhut  rückte  indessen  gegen  Aspern  an
welches  die  Franzosen  zahlreich  besetzt  hatten;  stellte  auch
ein  Bataillon  in  die  Aue  bei  diesem  Dorfe,  und  trieb  mit
einem  andern  die  Franzosen  in's  Dorf  zurück,  welche  seitwärts
  an  einen  Ausflußgraben  der  Donau  gelehnt  standen.
  Aber  die  Franzosen  aus  diesem  wichtigenl“  Punct
selbst  wegzutreiben,  blieb  vergeblich.  Es  rückte  die  ganze
erste  Colonne,  es  rückte  die  zweite  gegen  Aspern.  Nichts
glich  dem.  Ungestüm  des  Angriffes,  nichts  der  Tapferkeit
der  Vertheidiger.  Indessen  man  sich  hier  mit  Wuth
schlug,  erschien  äuch  die  dritte  Colonne  gegen  Hirschstätten,
  und  griff  die  feindliche  Heermitte  mit  einer  hef-
        <pb n="188" />
        —  184  —

tigen  Kanonade  an.  Dann  trat  auch  die  vierte  und
fünfte  Colonne  in  den  Kampf;  und  letztere,  nachdem  sie
das  von  den  Franzosen  nur  schwach  beschirmte  Enzersödorf
genommen,  bot  der  erstern  zum  Angriffe  des  Dorfes  Esling
  die  Hand.  So  war  nun  von  allen  fünf  Colonnen
der  Schlachtplan  des  Oberfeldherrn  ausgeführt.  Ringsum
  donnerten  die  Feuerschlünde  wider  einander.

In  diesem  Augenblicke  ließ  Napoleon,  zwischen
Aspern  und  Esling,  zwolf  Regimenter  Cuirassiers  hervorbrechen,
  um  die  Kette  der  ihn  umfassenden  feindlichen
Massen  zu  zerreissen.  Zwei  dsterreichische  Reiter-Regimenter,
  die  entgegenstanden,  viel  zu  schwach,  mußten
weichen.  Aber  ein  furchtbares  Kleingewehrfeuer  der  ersten
und  zweiten  Colonne  des  Erzherzogs  wüthete  so  wirksam
in  der  franzbsischen  Reiterei,  daß  sie  erschüttert  ward,
umkehrte,  und  in  regelloser  Flucht,  verfolgt  von  den  beiden
  Reiter-Regimentern,  sich  auf  ihr  Fußvolk,  die  Divisionen
  Legrand  und  Molitor  warf,  und  diese  in
Verwirrung  mit  sich  fortriß.  Damit  gewann  die  erste
und  zweite  Colonne  des  Erzherzogs  freieres  Spiel  gegen
Aspern.  Das  Dorf  ward  erobert.  Acht  österreichische
Bataillone  behaupteten  es,  trotz  des  wilden  Anstürmens
der  Franzosen,  von  nun  an  durch  die  Nacht.

Nicht  so  glücklich  war  am  linken  Flügel  die  vierte
und  fünfte  Colonne  gewesen.  Zwar  hatte  das  Fußvolk
der  vierten  den  Angriff  einer  bedeutenden  Cnirassier-Masse
  des  Feindes,  ebenso  einen  ähnlichen  Fürst  Johann
Lichtenstein  von  seinem  rechten  Flugel  abgeschlagen.
Aber  das  Dorf  Esling  selbst,  der  Hauptpunct,  von  den
franzdsischen  Heertheilen  St.  Hilaire  und  Voudet
auf's  tapferste  vertheidiget,  blieb  uneroberlich.
        <pb n="189" />
        —  185  —

Der  Kampf  ringsum  war  moͤrderisch;  am  meisten
verderbenvoll  fuͤr  die  Franzosen,  weil  das  schwere  Geschuͤtz
der  Oesterreicher  gegen  die  feindlichen  Reihen,  wie  aus
einer  sie  umspannenden  Bogenlinie,  gegen  den  Mittelpunct
  donnerte.  Napoleon  ließ  noch  Abends  7  Uhr
einen  Cavalerie  =  Angriff  auf  den  rechten  Flügel  der
Reiterei  des  Fürsten  Johann  Lichtenstein,  und  auf
den  linken  der  vierten  Colonne  wagen,  um  durchzubrechen.
  Doch  scheiterte  auch  dieser  Versuch.  Da  endete
er  die  unentschiedene  Schlacht.  Ein  unerwartetes  Ereigniß
  traf  zugleich  für  ihn  mit  großer  Widerwärtigkeit
  ein.  Brennende  Fahrzeuge  und  Schiffmühlen  schwammen
  von  den  Auen  oberhalb  der  Lobau  herab.  Sie  waren
  auf  Befehl  des  Erzherzogs  Carl  losgelassen,  und
trieben  nun  mit  ihren  zerstbrenden  Flammen  gegen  die
Schiffbrüucke  der  Franzosen  über  den  größern  Donanarm.
Die  Brucke  ward  zerrissen,  des  Stromes  Beute.  Napoleon
  konnte  die  Vermehrung  seiner  Streitkräfte,  deren
  er  so  sehr  bedürftig  war,  nur  langsam,  nur  auf
einzelnen  Fahrzeugen  vom  rechten  zum  linken  Ufer  der
Donau  herüberschaffen.  So  stießen  die  Divisionen  Nansonty
  und  Oudinot  in  der  Nacht  zu  ihm.

Mit  Ungeduld  ward  von  den  Heerführern  der  Morgen
  erwartet.  Erzherzog  Carl  wollte  sein  Werk  vollenden,
  und  den  Feind  über  die  Donau  zurückwerfen.  Napoleon,
  durch  die  Ankunft  der  frischen  Divisionen  mächtiger,
  wollte  den  Kreis,  in  welchem  sein  Heer  eingebannt
  war,  gewaltsam  dffnen.

Der  Morgen  grauete  kaum,  als  die  Schlacht  sich
schon  allseitig  erneuete.  Die  Oesterreicher  stürmten  Esling,
  die  Franzosen  Aspern,  wo  Hiller  mämrlich  festhielt.
  Und  in  dem  engen  Zwischenraume  von  beiden
        <pb n="190" />
        —  186  —

Doͤrfern  drang  die  franzoͤsische  Schlachtmasse  mit  zahl—-reichem
  Geschuͤtze,  der  Heerhaufe  Oudinot's,  Le—
grand's  und  St.  Hilaire's,  deren  gesammte  Reiterei,
in  dichten  Colonnen  unter  Marschall  Lanne's  Befehl
vor.  Aber  das  österreichische  Fußvolk,  unter  Hohenzollern,
  unterstützt  von  der  Reiterei  Lichtenstein's,
widerstand  ehern.  Dann  ließ  Erzherzog  Carl  seinen
Rückhalt  von  Grenadieren  herankommen  von  Breitenlee,
zum  Angriffe  der  feindlichen  Heermitte  bestimmt.  Vier
dieser  Bataillone  hatten  schon  im  Sturm,  angeführt  vom
Feldmarschall-Lientenant  Aspres,  den  rechten  Flügel
der  Franzosen  bei  Esling  erschüttert,  doch  ohne  Frucht,
da  sie  durch  ein  verheerendes  Feuer  der  Artillerie  wieder
zum  Rückzuge  genbthiget  wurden.  Aber  auch  die  Franzosen
  gewannen  auf  dieser  Seite  keinen  größern  Spielraum,
  weil  Fürst  Rosenberg  hier,  schon  seit  Anfang
der  Schlacht,  alle  Angriffe  der  Reiterei  Napoleon's
blutig  zurückgewiesen  hatte.  Ja  er  selbst  führte  gegen
Mittag  einen  Sturm  gegen  Esling  an,  den  aber  die
Tapferkeit  der  Franzosen  in  diesem  Orte  vereitelte.  Er
mußte  zur  Stadt  Enzersdorf  zurückkehren,  und  sich  begnügen,
  mit  der  weit  vorgerückten  Artillerie  seines,  linken
Flügels  die  in  dichte  Massen  zusammengedrängten  Gegner
zu  zerstören.

Weil  aber  auch  Feldmarschall-Lieutenant  Hiller
mit  nicht  geringerer  Festigkeit  den  Punct  Aspern  und  die
dabei  gelegene  Aue  unerschütterlich  behauptete,  erhielt
damit  Feldmarschall-Lieutenant  Bellegarde  eine  sichere
  Anlehnung  für  seinen  rechten  Flügel,  so  daß  er  das
ganze  Schlachtfeld  in  die  Seite  fassen  konnte.  Damit
zwang  er  das  feindliche  Heer,  die  Schlachtlinie  zwischen
Aspern  und  Esling  zu  verlassen,  und  sich  hinter  beide
        <pb n="191" />
        —  137  —

Orte  dem  Ufer  der  Donau  näher  zu  ziehen.  Doch  ohne
den  Besitz  von  Esling  war  für  die  Oesterreicher  keine
Vollendung  des  Sieges  moglich.

Napoleon  erkannte,  daß  die  Massen  seiner  Feinde
zu  durchbrechen,  vergebliche  Hoffnung  sey.  Er  beschloß,
sein  Heer  in  der  Nacht  auf  die  Insel  Lobau  zurückzunehmen,
  und  begab  sich  selbst  dahin;  übertrug  aber  dem
Marschall  Massena,  Eöling  bis  Mitternacht  zu  behaupten,
  damit  der  Rückzug  gedeckt  bleibe.  Inzwischen
stürmten  die  Schlachthaufen  der  österreichischen  Grengdiere
  vier=  und  fünfmal  auf  Esling  an.  Massena,
dessen  feldherrlicher  Geist  mit  gleichem  Vortheile  jede
Oertlichkeit  des  Schlachtfeldes  und  die  Menge  seiner
Streitkräfte  zu  benützen  verstand,  warf  alle  Stürme  zurück,
  und  deckte  den  Zug  der  Franzosen  zur  Lobau  in
der  Nacht,  nur  vom  entfernten  Feuer  des  bsterreichischen
Geschützes  verfolgt.

So  endete  die  zweitägige  Schlacht  von  Esling  und
Aspern.  Napoleon  überließ  dem  Sieger  das  leichenvolle
  Wahlfeld,  und  zählte  an  Todten  und  Verwundeten
einen  Verlust  von  ungefähr  50,000  Mann  und  unter
denselben,  nebst  dem  Marschall  Lannes  und  General
Espagne,  mehrere  seiner  trefflichsten  Offiziere.

Erzherzog  Carl  aber,  der  wohl  bei  22,000  Mann
eingebüßt  hatte,  mußte  sich  begnügen,  die  Entwürfe
seines  furchtbaren  Gegners  vernichtet,  und  denselben  über
die  Donau  mit  ungeheuerem  Verlust  zurückgetrieben  zu
haben,  ohne  aber  seinen  Sieg  verfolgen  zu  können.  Er
felbst  bedeutend  geschwächt,  ja  schon  Mangel  leidend  an
Schießbedarf,  stand  ohne  Mittel,  Brücken  über  den  Fluß
        <pb n="192" />
        —  188  —

zu  schlagen.  Judem  waren  die  Wasser  der  Donau  und
des  Marchstroms  stark  angeschwollen.  Jenseits  der  Donau
  lagerte  eine  überlegene  Macht,  die  bald  noch  durch
das  italienische  Heer  unter  dem  Vicekdnig  Eugen  Vergrößerung
  empfing.  Also  begab  er  sich  auf  die  Höhen
von  Stammersdorf  zurück  in  die  Stellung,  welche  er  vor
der  Schlacht  inne  gehabt  hatte,  und  zog  die  nöthigen
Verstärkungen  und  Kriegöbedürfnisse  aus  Böheim  und
Mähren  an  sich.

Napoleon  dagegen  trachtete  mit  der  ihm  eigenthümlichen
  Vielthätigkeit  und  Geisteskraft,  die  Wirkungen
  der  verlorenen  Schlacht  zu  schwächen.  Schnell  wurden
  die  verschiedenen  Brücken  hergestellt;  Lobau  und  die
kleineren  Inseln  befestiget  und  stark  besetzt,  und  entfernter
  stehende,  zerstreute  Truppen-Abtheilungen  zum  Hauptheere
  gerufen,  so  von  Salzburg  und  Tirol  die  beiden
Divisionen  der  Baiern,  so  der  würtembergische  Heerhaufe
  von  Linz.

18.
Gefechte  der  Baiern  bei  Linz.

Bei  Linz,  am  linken  Donau-Ufer  und  zwar  auf
den  Höhen  von  der  Brückenschanze,  standen  wachsam
die  Würtemberger  unter  dem  Befehl  des  Generals  Vandamme.
  Denun  schon  am  15ten  Mai  war  hier  das
dritte  österreichische  Corps  unter  Collowrath  erschienen.
  Dieses  versuchte  auch  einen  Angriff  (17ten  Mai),
doch  ohne  Erfolg;z  denn  zu  den  Würtembergern  trat  noch
Bernadotte  mit  dem  sächsischen  Heerhaufen,  und
brachte  Ueberlegenheit.  Feldzeugmeister  Collowrath,
        <pb n="193" />
        —  189  —

zum  Ruͤckzuge  nach  Freistadt  genoͤthiget,  blieb  dort  beobachtend
  stehen.

Bernadotte  mit  den  Sachsen  nahm  zur  Vertheidigung
  von  Linz  die  Stelle  der  Würtemberger  ein,  als
diese  (25sten  Mai)  zum  Hauptheere  nach  Wien  gingen.
Eben  dahin  waren  auch  von  Salzburg  aus,  unter  Befehl
des  Herzogs  von  Danzig,  die  Dioisionen  Wrede  und
Kronprinz  von  Baiern  über  Mondsee,  Schwanstadt
und  Lambach  auf  dem  Wege,  als  sie  ein  Befehl  des
franzbsischen  Kaisers  (am  50sten  Mai)  nach  Linz  wies,
um  hier  die  Sachsen  abzulösen.  Die  Baiern  rückten  am
Sisten  Mai  zu  Linz  ein,  und  noch  desselben  Tages  zogen
Franzosen  und  Sachsen  nach  Wien  ab.

Die  Stellung,  welche  bisher  bei  Linz  von  8  Bataillonen
  Franzosen,  25  Bataillonen  und  22  Geschwadern
der  Sachsen  besetzt  gewesen  war,  dehnte  sich  vier  Stunden
  Wegs  aus;  lehnte  sich  rechts  an  Steiereck;  ruhete
im  Mittelpuncte  auf  den  Straßen  nach  Gallneukirchen
und  Hellmannödd,  und  mit  dem  linken  Flüugel  auf  der
Straße  gen  Ottensheim.  Dem  nur  anderthalb  Stunden
entfernten  Feind  wurden  zu  Gallnenkirchen,  Honeregk
und  auf  den  Anhöhen  von  Katzbach  Posten  entgegengesetzt,
  und  diese  durch  Zwischenposten  mit  den  Aufstellungsplätzen
  des  Großtheils  verbunden.  Immer  stand  der
vierte  Theil  jedes  Bataillons  unter  Gewehr;  immer  streiften
  Spährotten  umher;  fortwährend  wurden  die  Vorwachten
  besucht.

Da  jedoch  in  Erfahrung  gebracht  wurde,  daß  der
Feldzeugmeister  Collowrarh,  von  Freistadt,  zum  Hauptheere
  des  Erzherzogs  Carl  aufgebrochen  sey,  und  nur
        <pb n="194" />
        —  190  —

8,000  Mann  unter  dem  General  Sommaribva  zuruͤckgelassen
  habe,  uͤberließ  der  Herzog  von  Danzig  Eten
Juni)  der  Division  Wrede  die  Besetzung  des  Brückenkopfes,
  des  Pößlingberges  und  der  ganzen  Postenkette  am
linken  Donau-Ufer,  und  zog  die  Division  des  Kronprinzen
  an'e  rechte  Ufer  zurück.  )  Im  Namen  seines
  Kaisers  ertheilte  er  dieser,  für  ausgezeichnete  Dienste,

*)  Demnach  sandte  lebttere  das  iste  Batagillon  des  Zten  Regimenres
  mit  drei  Compagnien  nach  Enns,  mit  einer  nach
Steier,  auf  diese  Art  das  disher  dortselbst  gestandene
leichte  Infanterie:  Batgillon  La  Roche  der  2ten  Divisson,
welches  sich  nun  wieder  mit  letzterer  vereinigte,  ablösend.
Erstgenanntes  Bataillon  zu  unterstützen,  folgte  ihm  das
ruste  Dragoner-Regiment,  von  welchem  ein  Zug  nach
Steier,  25  Mann  nach  Dps,  25  Mann  nach  Walsee,  der
übrige  Theil  nach  Enns,  und  allediese  Cavalerie-Abthei-.
lungen  zur  Beobachtung  der  Donau  bis  Mölk  bestimmt
wurden.  Die  Swölfpfünder-Positions--Batterie  Leiningen
  beseßzte  den  auf  dem  rechten  Donau=  Ufer  zur  Stadt
Linz  gleichsam  gehbrigen  Schloßberg,  und  zwar  eine  halbe
Batterie  auf  dem  Jäger-Maierberg,  eine  und  eine  halbe
Batterie  auf  dem  Martiniberg.  Diese  Artillerie  wurde  durch
zwei  auf  dem  Martiniberg  aufgestellte  Compagnien,  durch
eine  auf  dem  Jäger-Maierberg  postirte,  endlich  durch  eine
vierte  in  dem  auf  dem  rechten  Donau=  Ufer  liegenden
Puncte  Willering  stehende  Compagnie,  das  Ganze  durch  das
1ste  Bataillon  des  Leib=  Regimentes  gedeckt.  Das  2te
Bataillon  des  Zten  Regimentes  bildete  die  Besatzung  von
Linz  selbst,  während  das  iste  und  #te  Chevaurlegers-Regiment
  in  die  Stadt  und  Vorstadt  einquartirt  ward,
der  übrige  Theil  der  Division  einen  Bivouac  hinter  der
Stadt  rechts  und  links  der  nach  Wels  führenden  Straße
bezog;  der  Baiern  Kronprinz  hatte  sein  Hauptgquartier
  in  Linz  selbst  genommen.
        <pb n="195" />
        —  191  —

mehrere  Decorationen  der  franzdsischen  Ehrenlegion  (Sten
Juni).)

Generallieutenant  Wrede,  welcher  zur  Erleichterung
  der  Gemeinschaft  beider  Donau-Ufer  noch  eine
Schiffbrücke  hatte  schlagen  lassen,  wollte  über  Stellung
und  Stärke  des  Generals  Sommariva  nähere  Kunde.
Von  vier  deswegen  an  einem  und  demselben  Tage  (Sten
Juni)  ausgesandten  Abtheilungen  gegen  Wildberg,  Ottensheim
  und  Matthausen  sah  keine  einen  Feind;  nur
die  gegen  Freistadt  geschickte  stieß  hinter  Gallnenkirchen
auf  eine  starke  Streifwacht  österreichischer  Uhlanen,  die
nach  kurzem  Widerstande  durch  die  Schützen  des  öten
Regimentes  verjagt  ward.  Als  aber  folgenden  Tages
General  Beckers,  vom  rechten  Flügel  seiner  Stellung,
mit  drei  Compagnien  des  7ten  Regimentes,  einem  Zuge
Reiter  und  einer  Kanone  gegen  Hellmannsdd  ausgeschickt
ward,  und  er  die  bei  Wildberg  auzsgestellten  feindlichen
Posten  vertrieben  hatte,  fand  er  bei  diesem,  mit  Verschanzungen
  umgebenen  Schloß  ein  Bataillon  Oesterreicher.
Nach  anderthalbstündigem  Geplänkel  zeigte  sich  auf  den
Höhen  vor  Hellmannsêdd  ein  zweites  Bataillon  mit  zwei
Zügen  Reiter.  General  Beckers  aber  zog  sich,  nach
Zerstdrung  des  Verhaues,  mit  zwolf  seiner  Verwundeten,
unverfolgt  wieder  zurück.  Aus  allen  Forschungen  und  aus
den  Berichten  der  Ueberläufer  ergab  sich,  daß  General

*)  Schon  früher  hatte  Napoleon  der  2ten  Armee=  Diovlsion
  als  Folge  der  stattgehabten  glänzenden  Gefechte  bedeutende
  Belohnungen  zuerkannt  (Sieh  Armee  -Befehl
vom  isten  Juni  1809).  Aehnliche  Auszeichnungen  wurden
der  öSten  Armee=  Division  Deroy,  etwas  später  jedoch.
(S.  Armee-Befehl  vom  23ten  Juni  13809.)
        <pb n="196" />
        —  192  —

Sommariva  etwa  10,000  Mann  mit  8  Stück.  Geschützes
  habe,  und  mit  dem  linken  Flügel  an  den  Punct
Matthausen  beim  Donau-Ufer  gelehnt,  sich  über  Hellmannsdd
  bis  Kramstädten  am  Rotebach  ausbreite.

Mehrere  Wochen  mußten  die  Divisionen  in  dieser
Stellung  ausharren,  aber  mit  beschwerlichem  Dienst  und
schlechter  und  schwieriger  Verpflegung.  Die  Vorstadt
Ufer-Linz,  an  Vertheidigung  des  Brückenkopfes  hinderlich,
  mußte  zerstdrt,  der  Poßlingberg,  zu  unabhängiger
Vertheidigung  fähig,  befestiget,  bei  Mauthhausen,  wo
sich  die  Euns  in  die  Donau  ausmündet,  und  ein  Donau-Uebergang
  nicht  schwer  zu  machen  wäre,  starke  Verschanzung
  angelegt,  bei  der  Stadt  Enns  selbst  ein  Brickenkopf
  gebauet  werden.  )  Eine  bewegliche  Colonne

von

—  —
e)  Die  iste  Infanterie-Brigade  der  Divisson  gab  täglich  drei
Bataillone  auf  Vorposten,  von  welchen  zwei  Bataillone
auf  dem  linken  Flügel  der  Vertheidigungs-Linie,  ein
Bataillon  auf  dem  Pößlingberg  oder  als  Besahung  des  sogenannten
  Forts  verwendet  wurden.  Das  ate  Bataillon
der  Brigade  arbeitete  an  den  Verschanzungen;  nur  einem
Vataillon  derselben  war  daher  täglich  Ruhe  gestattet.  Die
2te  Infanterie-Brigade  hatte  immerwährend  ein  ganzes
Regiment  auf  Vorposten,  welches  alle  48  Stunden  abgelöst
  wurde.  Von  der  Reiterei  waren  zwar  nur  neun  Süge
täglich  auf  Vorpostensdienst,  der  übrige  Theil  derselben
beiwachte  jedoch,  und  mußte  täglich  von  2  Uhr  bis  6  Uhr
Morgens  zu  Pferde  seyn.  Ebenso  waren  von  der  Artillerie
  täglich  18  Piegen  im  Dienste.  Die  iste  Baiern-Division
  Kronprinz  hatte  dagegen  folgenden  Dienst:
ein  Bataillon  des  gten  Regimentes  mit  dem  aten  Chevauxlegers
  =  Regimente  und  der  halben  Batterie  Wagner
bildete  die  in  Amstetten  stehende  mobile  Colonne;  ein
an-
        <pb n="197" />
        —  193  —

von  500  Reitern,  einem  Bataillon  Fußvolkes  und  zwei  Feldstücken
  mußte  von  Amstätten  aus  die  ungestdrte  Verbindung
mit  Wien  unterhalten,  und  gegen  feindliche  Versuche  zu
Donau-Uebergängen  wachen.  )  Dazu  kamen  noch  häufige
Aussendungen,  mehr  oder  minder  ernste  Gefechte  von  Posten
  und  Streifrotten,  ohne  besondere  Folgen.)  General

 

anderes  Bataillon  des  gten  Regimentes  hatte  jene  bisher
in  Enns  stehenden  zwei  Compagnien  Theobald  des
Sten  leichten  Bataillons  abgelöst,  und  hielt  mit  einer
Compagnie  Steper,  mit  dem  übrigen  Theile  den  erstgenannten
  Punct  Enns  besetzt.  Das  leichte  Bataillon  Habermann
  stand  längs  der  Donau  von  Wilhering  bis
Linz,  den  oftmaligen  Erscheinungen  feindlicher  Patrouillen
entgegnend,  auf  Vorposten.  Zwei  Bataillons  der  Division
  waren  täglich  auf  Arbeit,  ein  Bataillon  versah  den
Besaßzungsdienst  in  Linz,  von  fünf  zu  fünf  Tagen  darin
abgelöst;  die  übrigen  drei  Bataillons  und  die  Artillerie
blieben  daher  täglich  im  Lager  hinter  der  Stadt  zurück,
während  das  iste  Chevaurlegers  =  Regiment  mit  dem  sehr
schwachen  1sten  Dragoner-Regimente  in  der  Stadt  selbst
und  deren  Vorstädten  eingelagert  war.

*)  Fene  bewegliche  Colonne  wurde  aus  dem  isten  Bataillon
des  gten  Linien-Regimentes,  aus  dem  Chevaurlegers-Regimente
  Bubenhofen  und  zwei  Kanonen  der  Batterie
  Wagner  gebildet.  Das  Bataillon  des  gten  Regimentes,
  welches  jedoch,  wie  bisher,  eine  Compagnie  in
Steyver  beließ,  wurde  durch  zwei  Compagnien  des  6ten
leichten  Batgillons  unter  dem  Major  Theobald,  das
erwähnte  Chevaurlegers-Regiment  aber  durch  das  üste
Dragoner-Regiment  in  den  bisher  inne  gehabten  Stellungen
  abgelöst.

'“)  Am  vten  Juni  Abends  begegneten  sich  baierische  und  österreichische
  Patrouillen  in  der  Nähe  von  Ottensheim,  welche
einige  Kugeln  mit  einander  wechselten;  am  gten  in  der

II.  Stes  Buch.  13
        <pb n="198" />
        —  104  —

Wrede  selbst  ging  mit  einer  beträchtlichen  Abtheilung
am  linken  Donan-Ufer  auf-härts  gegen  Ottensheim  (1o0ten
Juni),  dort  die  vom  Feinde  in  der  Nähe  von  Wörth  gesammelten
  51  Schiffe  und  mehrere  Fähren  zu  vernichten.
Er  vollbrachte  dies,  ohne  Widerstand  zu  erblicken,  und
erfuhr  durch  seine  versandten  Spähwachten  zugleich,  daß
die  Oesterreicher  hier  überhaupt  schwach  seyen,  und  ihre
vornehmste  Stärke  wohl  bei  dem  gut  befestigten  Puncte
Hellmannsdd  haben  mußten,  um  den  Eingang  in  Bdheim
  über  Zwettel  (3  Stunden  von  Linz)  zu  decken.

Dessen  gewisser  zu  werden  ordnete  der  Herzog  von
Danzig  den  General-Lieutenant  Wrede  mit  einem

 

 

Frühe  2  Uhr  stieß  der  baierische  Chevaurlegers  =  Lieutenant
Prinz  Oettingen-Spielberg  auf  eine  österreichische
Patrouille  in  der  Nähe  von  Stevereck,  und  warf  solche
wiederholt  zurück.  Der  Gegner  hielt  fortwährend  das
Schloß  Wildberg  auf  der  Straße  nach  Hellmannsöd  besetzt,
während  er  auf  der  Freystadt-Straße  seinen  ersten  Posten
eine  Stunde  hinter  Gallneukirchen  am  Donau=  User  zu
St.  Georgen  hatte.  Am  titen  Juni  mit  Anbruch  des
Tages  griffen  die  Oesterreicher,  die  jenseits  dem  Dorfe
Wellenberg  auf  den  Auhofer-Höhen  aufgestellten  äußersten
  Posten  des  vom  General  Grasen  Beckers  befehligten
  rechten  Flügels  der  Divisson  Wrede  mit  Nachdruck
an,  und  warfen  solche,  als  Folge  großer  Ueberlegenheit,
zurück.  Nachdem  jedoch  diese  die  nöthige  Verstärkung  erhalten
  hatten,  drückten  sie,  ohne  irgend  einen  Verlust,
ihre  Gegner,  welche  sich  nun  gegen  Hellmannsöd  zurückzogen,
  wieder  zurück.  Eine,  am  nämlichen  Tage  von  den
Vorposten  ebengenannten  Generals  gegen  Gallneukirchen
abgesandte,  aus  1  Offizier,  25  Schützen  und  15  Chevaurlegers
  bestehende  Patrouille  fiel  in  einen  von  einer  feindlichen
  Escadron  gelegten  Persteck,  verlor  5  Mann  und
5  Pferde,  so  wie  4  Mann  Todte.
        <pb n="199" />
        —  195  —

beträchtlichen  Theile  von  dessen  Division)  zur  Recognoscirung
  gegen  Hellmannsdd  ab.  Dem  der  Feind  sandte
stärkere  Streifhaufen  hervor,  deren  einem  wenige  Tage
zuvor  15  Chevaurlegers  mit  dem  Lieutenant  Manfroni
in  die  Hände  gefallen  waren.  Der  Lieutenant  war  gefangen
  worden,  die  Chevaurlegers  aber  hatten  sich  durchgeschlagen.


Wrede  brach  (am  25sten  Mai)  in  der  Morgenfruhe
auf.  General  Beckers  mit  dem  übrigen  Theile  der  Division,
  hütete  unterdessen  die  Verschanzungen  und  Posten.
Weil  die  große  Landstraße  aber  nach  Hellmannsdd  theils
durch  das  stark  befestigte  Schloß  Wildberg,  theils  durch
die  Bergschluchten  gefährlicher  zu  beschreiten  war,  ließ
General-Lieutenant  Wrede  eine  Abtheilung  seines  Kriegesvolkes
  ?*?),  unter  dem  General  Minnzzi,  links
über  Grammstetten  vorgehen,  während  er  rechts  auf
mühseligem  Wege,  über  Granwedel,  mit  dem  Großtheil
der  Truppen  zog.  Zu  Granwedel  blieb  das  2te  Bataillon
vom  Regimente  Herzog  Wilhelm,  um  das  Schloß
Wildberg,  im  Rücken  Aller  liegend,  zu  beobachten.

*)  Mit  dem  isten  Bataillon  des  zten  Linien-Regimentes
Prinz  Carl,  dem  2ten  Bgataillon  des  1öten  Linien-Regimentes,
  dem  ganzen  ôören  Linien-Infanterie-Regimente,
5  Artillerie-Stücken  der  Batterie  Caspers,  endlich
5  Escadronen  des  2ten  Chevgurlegers-Regimentes  König,
  letztere  unter  den  Befehlen  des  Generals  Grafen
Prevsing.

*8)  Zwei  Compagnien  des  Regiments  Prinz  Carl,  mit  14  Compagnie
  des  isten  Batgillons  des  15ten  Regimentes,
2  Compagnien  des  leichten  Bataillons  LaRoche,  1  bpfünder-Kanone
  und  1  Escgdron  von  Leiningen-Chevauxlegers.


13  *
        <pb n="200" />
        —  196  —

Kaum  war  jenseits  des  Dorfes  Major  Palm  mit
der  Vorhut  in  die  Tiefe  des  vorliegenden  Waldes  Rodel
hinabgekommen,  ward  er  von  feindlichen  Posten  lebhaft
angegriffen.  Sie  standen  hinter  Morästen  und  einem  dichten
  Verhau  an  den  Hirschlager=  Hôhen;  auf  der  Höhe
selbst  2,000  Mann  Linien-Truppen,  und  Landwehr  hinter
Erdaufwürfen,  mit  3  Kanonen,  die  den  Verhau  vortheilhaft
  bestrichen.  Wrede  begann  das  Gefechr.  Es  währte
fast  1  Stunde  lang  erfolglos,  bis  er  eine  von  den  Oesterreichern
  unvertheidigte  Lücke  des  Waldes  rechts  entdeckte.
Sobald  das  #te  Bataillon  des  15ten  Regimentes  da  hindurch
  vor  dem  Verhau  erschien  und  im  Sturmschritte  die
linke  Seite  des  Feindes  umging,  floh  dieser  von  den  Anhdhen
  mit  Unordnung  nach  dem  Dorfe  Hirschlag  zurück.
Das  baierische  Fußvolk  folgte,  das  Geschütz  durch  eine
Oeffnung  des  Verhaues,  die  Reiterei  auf  Umwegen  durch
das  Moorland.  Auch  aus  Hirschlag,  wo  sich  der  Feind
gesetzt,  und  mit  dem  rechten  Flügel  an  die  Felsen  hinter
dem  Dorfe  gestützt  hatte,  ward  er  gejagt.  Die  baierischen.
  Schützen  und  ein  Zug  des  2ten  Chevaurlegers-Regimentes
  unter  dem  Lieutenant  Zwerger  trieben  ihn
in  den  Marktflecken  Hellmannsdd.  Hier  retteten  die  Oesterreicher
  ihr  Geschütz,  indem  sie  am  Eingange  des  Fleckens
mit  vieler  Besonnenheit  einen  Munitionswagen  umstürzten.
  Sie  warfen  sich  dann  jenseits  dem  Orte  auf  ein
Bataillon  und  200  Uhlanen,  ihren  Rückhalt,  und  flohen,
ohne  zu  zogern,  nach  Reichenau  und  weiter.)

*)  Den  Baiern  war  besonders  der  Tod  bes  Lieutenants  Seiffert,
  Adjutanten  des  2ten  Chevaurlegers=  Regimentes
König,  schmerzlich,  so  wie  die  Verwundung  des  tapfern
Artillerie-Hauptmanns  Caspers,  und  des  Hauptmanns
        <pb n="201" />
        —  197  —

Die  Baiern  hatten  ihre  Aufgabe  geloͤst.  Sie  hatten
es  mit  1  Regimente  Peterwardeiner,  1  Landwehr-Bataillon,
  2  Jäger-Compagnien  und  1  Division  Uhlanen
zu  thun  gehabt.  Des  Feindes  eigenthümliche  Hauptstellung
  und  Stärke  aber  befand  sich  zu  Zwettel.  Wrede
kehrte  nach  Linz  auf  der  Landstraße  über  Wildberg  zurück.
Dies  Schloß  stand  dde,  während  des  Kampfes  von  seiner
  Besatzung  verlassen.  Alle  vom  Feinde  angelegte  Verhaue
  wurden  verbrannt.  Man  brachte  1  Mgajor  des
Peterwardeiner-Regimentes,  1  Hauptmann  und  1  Lieutenant
  von  der  Landwehr  nebst  51  Gemeinen,  als  Gefangene
  nach  Linz;  dazu  den  erbeuteten  Munitonswagen.
Graf  Minuzzi,  welcher  gegen  Grammstetten  gegangen
war,  kehrte  ebenfalls  zurück.  Der  Feind,  überall  schwach,
war,  ohne  seinen  Angriff  abzuwarten,  geflohen.

Es  mußte  dem  Feinde  daran  gelegen  seyn,  Uebergangspuncte
  zum  rechten  Donau-Ufer  zu  finden,  wenn
er  einigen  Schaden  stiften  wollte.  Wirklich  war  er  zwischen
  Gram  und  Stamm  mit  mehr  denn  100  Mann
herüber  gekommen  (Nachts  vom  18ten  zum  10ten  Juni),
um  den  Posten  aufzuheben,  der  die  bei  Enns  angelegten

 

Baron  Horn  des  General-Stabs.  SEben  so  hatte  das
Ste  Infanterie-Regiment  Prinz  Carl  5  Todte  und  16  Verwundete,
  das  2te  Bataillon  des  15ten  Regimentes  4  Verwundete,
  das  öte  Infanterie-Regiment  Herzog  Wilhelm
  7  Verwundete,  die  Batterie  Caspers  1  todten
Artilleristen,  das  2te  Chevaurlegers-Regiment  2  Todte
und  5,  Verwundete.  Sämmtliche  Bataillons-Commandanten,
  so  wie  der  Anführer  der  Artillerie,  sämmtliche  Öffziere
  und  Soldaten,  die  Adjutanten  und  Genergl-Stabsoffiziere
  des  Commandirenden,  hatten  vorzügliche  Dienste
geleistet.
        <pb n="202" />
        —  108  —

Verschanzungen  decken  mußte.  Allein  die  Wachsamkeit
des  dort  befehligenden  Lieutenants  Stökel  vereitelte
sein  Unternehmen.  Dagegen  entführte  (22sten  Juni  und
folgende  Tage)  der  baierische  Oberst  Graf  von  Wittgenstein
  sämmtliche  Fahrzeuge,  die  sich  am  linken
Donau-Ufer  bis  Efferding  hin  befanden,  abwärts  nach
Linz,  und  vollbrachte  dies,  besonders  durch  den  wackern
Wachtmeister  Wolf  unterstützt,  fast  Angesichts  der
Hesterreicher,  die  doch  bei  Haslach  5  Compagnien  und
2  Kanonen,  und  von  Seidelschlag  bis  Ottensheim  Posten
ausgestellt  hatten,  während  er  nur  ein  Dragoner-Geschwader
  vom  isten  Regimente  mit  sich  führte.  Von
diesem  ließ  er  noch  einen  Offizier  mit  28  Mann  zur
Beobachtung  der  Uebergangspuncte  Efferding  und  Aschau
zurück.

Indessen  waren  die  zum  Schutze  des  wichtigen  Punctes
  Linz,  des  Brückenkopfes  bei  Enns  und  des  Punctes
Mauthausen  angefangenen  Verschanzungen  schon  vollendet
worden,  als  die  Divisson  Wrede  pltzlich  Befehl  erhlelt
  (Sosten  Juni),  mit  ihrem  sämmitlichen  Geschütz
(44  Stücken)  und  16  Stücken  der  Divisson  des  Kronprinzen
  bis  spätestens  den  Oten  Juli  in  Wien  einzutreffen.
  Sie  brach  auch  sogleich  dahin  auf,  und  die  üste
baierische  Division  nahm  die  verlassenen  Stellungen  derselben
  am  linken  Donau-Ufer  ein"),  indem  sie  zugleich

*#.)  Der  Vorpostensdienst  wurde  demnach  auf  Befehl  des
Krouprinzen  durch  5  BVataillons  versehen,  während
5  andere  Bataillons  die  angelegten  Verschanzungen  besetzken.
  Ein  Bataillon  bildete  die  Besaßzung  der  Stadt  Linz.
5  Compagnien  von  dem  in-  Enns  aufgestellten  Bataillon
des  Zten  Linien-Infanterie-Regimentes  wurde  nach  letßt-
        <pb n="203" />
        noch  so  manchen  Punct  des  rechten  Ufers  zu  decken  hatte,
wie  bisher  und  durch  Abgabe  der  beiden  Batterien  Hof—
stetten  und  Wagner  zur  Division  Wrede,  nur  noch
18  Stuͤck  Geschuͤtz  behielt.“)  Jedoch  war  schon  der  Begenanntem

  Puncte  gezogen,  und  bildete  hinter  der  Stadt
Linz,  im  Vereine  mit  5.  Escadronen  des  isten  Chevaurlegers
  -Regimentes,  eine  Reserve.  Der  noch  disponible
Theil  des  #isten  Dragoner-Regimentes  nebst  1  Escadron
des  isten  Chevaurlegers  =  Regimentes  ward  zum  Vorpostensdienste
  verwandt.  1  Compagnie  des  isten  leichten  Infanterie-Bataillons
  blieb  zur  Beobachtung  des  linken  Donau-Ukers
  in  Wilhering  stehen,  während  2  güge  derselben  die
auf  dem  Jägermaierberg  postirte  Zwölfpfünder-Batterie
deckten.  Ein  Bataillon  des  gten  Regimentes  bildete  im
Vereine  mit  dem  ganzen  öten  Chevaurlegers=  Regimente,
wie  bisher  die  bei  Amstetten  aufgestellte  bewegliche  Colonne,
  die  schwachen  2  Compagnien  des  öten  leichten  Infanterie-Bataillons
  hatten  unter  dem  Major  von  Theobald,
  wie  bisher,  die  Wache  im  Hauptgquartiere  des
Marschalls  Herzog  von  Danzig.

*)  Daher  ward  eine  bedeutende  Verminderung  der  einzelnen
Posten  und  Pikets  vorgenommen,  und  den  zu  diesem  Zwecke
und  zur  Besehung  der  Schanzen  bestimmten  6  Bataillons
und  der  ihnen  zugetheilten  Reiterei  folgende  vereinzelte  Aufstellung
  gegeben:  Die  1ste  Brigade  gab  3  Batatllons,  unterstützt
  durch  das  1ste  Dragoner-Regiment  und  1  Escadron
  Chevaurlegers,  auf  Vorposten.  Von  diesen  3  Bataillons
entsendete  selbe  1  Bataillon,  davon  1  Compagnie,  und
zwar  1  Offizier  mit  25  Mann  und  3  Reitern  auf  der
Straße  nach  Stepvereck,  1  Offizier  mit  50  Mann,  ihm
zugetheilt,  1  Offizier,  15  Reiter  auf  der  Straße  nach
Gallneukirchen;  15  Mann  auf  dem  Kaßbberg;  1  Offizier
  mit  25  Mann  beim  Hofmaier  zu  Ellberg;  10  Mann
am  Schlosse  Auhof;  die  2te  Compagnie  bildete  diesem  Posien
  einen  Rückhalt  hinter  Katzbach;  die  öte  und  te  Com-
        <pb n="204" />
        —  200  —

fehl  des  Herzogs  von  Danzig  an  den  General-Lieute—
nant  Deroy  abgegangen,  sich  mit  seinem  Kriegsvolke
ebenfalls  nach  Linz  zu  begeben.  Denn  die  Entscheidung
des  Feldzuges  hing  vom  Schicksale  der  großen  Heere  an

 

pagnie  erwaͤhnten  Bataillons  mit  1  Escadron  bildete  vor
Dornbach  eine  Hauptreserve.  Das  2te  Bataillon  entsendete
von  seiner  isten  Compagnie  1  Unteroffizier  und  16  Mann
nach  St.  Magdalena,  um  die  Verbindung  mit  dem  Posten
Auhof  und  demrückwärts  stehenden  Großtheil  seiner  Compagnie
  zu  erhalten;  15  Mann  an  der  Kabbacher-Mühle
am  Hasselgraben;  1  Offizier  und  15  Mann  auf  dem  Grünberg;
  der  übrige  Theil  dieser  Compagnie  in  Buchbach,
auf  der  Straße  nach  Hellmannsdd.  Die  2te  Compagnie
stand  vor  dem  vor  Steegen  gelegenen  Wäldchen,  und  sccherte
sich  durch  vorgerückte  Posten.  Die  öte  und  te  Compagnie  stand
als  Reserve  vor  Steegen.  Das  ate  jener  Bataillons  hielt  den
Pößlingberg  beseßt,  und  entsendete  1  Offizier  und  50  Mann.
auf  die  vor  ebengenanntem  Berge  liegende  entblößte  Höhe,
so  wie  1  Compagnie  zur  Beobachtung  der  ganzen,  links
vom  Pößlingberg  bis  an  die  Donau  reichenden  Gegend  an
den  Bigelhof;  jedoch  davon  1  Offizier  und  50  Mann  bei
Buchenau.  Die  anderen  2  Bataillons  erwähnter  Infanterie-Brigade
  bezogen  vor  dem  Brückenkopf  einen  Bivouac
  rechts  und  links  auf  der  nach  Böhmen  führenden
großen  Heerstraße.  Ein  Bataillon  der  2ten  Brigade  wurde
in  dem  Vrückenkopf  selbst  aufgestellt  und  bestritt  mit  jenen
beiden  Bataillons  gemeinschaftlich  den  Dienst  an  den  beiden
Brücken,  in  erwähntem  Brückenkopf,  in  dem  Hornwerke.
Sämmtliche  Posten  wurden  unter  sich  in  Verbindung  gesetzt,
  alle  Vorsichtsmaßregelu  zur  Entgegnung  jeder  feindlichen
  Unternehmung  ergriffen,  das  bisher  in  der  Stadt
Linz  selbst  aufgestellte  Besatzungs-Bataillon  hinter  selber
aufgestellt,  um  mehr  concentrirt  zu  sepn,  dem  thätigen
Obersten  Grafen  Wittgenstein  der  Oberbefehl  über
die  gesammte  Vorpostenskette  übertragen,  häusige  Pa-
        <pb n="205" />
        —  201  —

der  Donau  ab.  Dazu  sammelte  Napoleon  alle  Kraͤfte,
Dafuͤr  hatte  selbst  Tirol,  dessen  Eroberung  so  viel  Blutes
gekostet,  wieder  aufgegeben  werden  müssen.

————“

10.
Tirol  wird  von  den  Baiern  geräumt.

Deroy  hatte  nach  dem  Gefechte  bei  Innsbruck,
welches  schon  erzählt  ist,  zwar  von  Salzburg  her  durch
das  10te  Linien  -Regiment  und  die  Batterie  Peters
einige  Verstärkung  empfangen  (20sten  Mai),  war  aber
doch  gegen  die  Massen,  die  gegen  ihn  aufgeboten  standen,
  außer  allem  Verhältnisse  schwach.  Darum  nahm
er  vor  Innsbruck  gedrängtere  Stellung,  beide  Flügel  an
den  gekrümmten  Inn  gestäützt.  Das  leichte  Bataillon
Günther  nebst  zwei  Dragoner-Geschwadern  und  zwei
Feuerschlünden  stand  in  der  Ebene  vor  Rüdl  und  Ambras
am  linken  Sill-Ufer.  Oberstlieutenant  Waldschmidt
bewachte  mit  zwei  Compagnien  des  1#ten  Regimentes
die  Haller-Brücke.  Eben  so  viel  Compagnien  des  5ten
Regimentes  mit  einer  Kanone  standen  unter  dem  Major
von  Scherer  bereit,  sowohl  ihn  zu  unterstützen,  als  die
Volderer-Brücke  zu  beobachten.  Gleich  stark  war  der
Posten,  welcher  mit  einem  halben  Reiter-Geschwader  die
Straße  nach  Zierl  hütete.  Rechts  auf  den  Höhen  vor
Höttingen  standen  zwei  Compagnien.  Durch  Streif- 



trouillen  längs  der  Donau  zwischen  Linz,  Ebersberg  und
Enns  zur  Erspähung  jeder  feindlichen  Bewegung  vom  linken
  Donau-Ufer  angeordnet,  die  verschiedenen  Posten  durch
angelegte  Verhaue  gesicherr.
        <pb n="206" />
        —  202  —

wachten  waren  mit  der  Scharnitz  Verbindungen  angeknuͤpft,
  aber  nicht  dauerhafte.

Diesen  Wenigen  standen  mehr,  als  17,000  bewaff—
nete  Tiroler  und  900  Oesterreicher  nebst  87  Pferden  und
6  Feuerschlünden  gegenüber.  Am  20sten  Mai  des  Vormittags
  erneuerten  sie  den  Angriff.  Speckbacher  drang
wieder  mit  dem  rechten  Flügel  bis  Ambras  vor,  und
dehnte  sich  bis  zur  Brücke  von  Hall  und  Volders.  Der
Anfall  geschah  so  heftig  und  übermächtig,  daß  Oberstlieutenant
  Waldschmidt  weder  die  Brücke  bei  Volders
vor  Zerstdrung  gegen  den  Feind  schützen,  noch  die  Haller-Brücke
  behaupten  konnte.  Damit  aber  die  Tiroler  auf
ihr  nicht  den  Uebergang  erzwängen,  und  ihn  von  Innsbruck
  abschnitten,  mußte  er  selbst  sie  nach  fruchtlosem
Kampfe  vernichten,  und  sich  begnügen,  das  linke  Ufer
des  Inns  dort  zu  behaupten.  Gleichzeitig  war  des  Feindes
  Mitte  auch  über  den  Berg  Isel,  und  mit  dem  Aeußersten
  des  linken  Flügels  gegen  die  Gallwiese  und  den
Husselhof  vorgeruckt,  Anfangs  nicht  ohne  Glück.  Doch
die  Baiern  erstritten  unter  ihrem  trefflichen  Feldherrn
in  einem  sieben  Stunden  langen  heftigen  Gefechte  die  alte
Stellung,  wenn  gleich  mit  großem  Verluste  '),  während
  der  Feind  durch  waldige  Höhen  und  Schluchten  gedeckt
  war.

Die  Lage  Deroy's  war  um  so  gefährlicher,  da
der  Schießbedarf  meistens  verbraucht,  Mangel  an  Lebensmitteln
  und  Futter  eingetreten,  die  Verbindung  über
ierl  und  die  Scharnitz  mit  Baiern  abgebrochen,  und  das

 

*)  Von  1  todten  und  5  verwundeten  OÖffizieren,  50  getödteten,
  200  verwundeten  Soldaten.
        <pb n="207" />
        —  203  —

ganze  Land  in  allgemeinem  Aufruhr  war.  Nichts  troͤstete
ihn,  als  die  Menschenfreundlichkeit,  in  der  sich  die  Be—
wohner  von  Innsbruck  seiner  Verwundeten  annahmen.
Er  uͤberließ  sie  ihnen,  und  zog  in  aller  Stille  des  Nachts
am  linken  Inn-Ufer  bis  Schwatz,  wo  aber  die  Bruͤcke
schon  durch  die  Tiroler  abgetragen  war;  dann  nach  eini—
ger  Ruhe  von  hier,  immer  links  dem  Inn,  bis  Achen—
rain,  welches  er  Abends  (50sten  Mai)  erreichte.  Fort
und  fort  war  er  von  den  Tirolern  angegriffen.  In  der
Gegend  von  Rattenberg,  wie  an  der  Brirlegger-Brücke,
wo  Obristlieutenant  Günther  an  der  Spitze  der  Schützen
vom  kten  leichten  Bataillon  den  Tod  fand,  mußte  gekämpft
  werden.  Ungehindert  kam  er  folgenden  Tages
(51sten  Mai)  unter  den  Kanonen  von  Kufstein  an.  Ein
Glück  für  ihn,  daß  der  Feind  weder  die  enge  Waldschlucht
von  Mariastein,  noch  die  Hohlwege  des  Angeter-Berges
besetzt  hatte.  Nach  zwei  Tagen  verlegte  er  seine  Diovision
in  die  Ebene  zwischen  Rettenfelden  und  Fischbach,  theils
zur  Sicherheit  der  baierischen  Gränze,  theils  zu  besserer
Verpflegung  seines  Kriegsvolkes.  Aber  auch  hier  blieb
er  nicht  lange,  weil  er  zum  Schutze  des  innern  Baierns
vom  Könige  nach  München  gerufen  wurde.

Denn  auch  der  Oberst  Graf  Arco  war  gezwungen
worden,  Tirol  zu  verlassen.  Diesem  war  die  neubeginnende
  Volksgährung  zwar  kein  Geheimniß  geblieben,
aber  noch  am  28sten  Mai  hatten  ihm  abgeordnete  Tiroler-Geistliche,
  nebst  dem  Danke  für  seine  Schonung,  Ruhe
und  Unterwürfigkeit  der  dortigen  Gegenden  zugesichert.
Und  den  Tag  darauf  erfuhr  er,  daß  die  Baiern  in  der
Scharnitz  von  der  Uebermacht  der  Aufständischen  bestürmtund
  vertrieben  worden,  eben  so  die  Schanzen  der  Loitasch
überrumpelt  und  der  baierische  Offizier  nebst  30  Mann
        <pb n="208" />
        —  204  —

darin  gefangen  worden  seyen.  Zwar  hatte  er  sich  sogleich,
mit  Zurücklassung  eines  Rückhalts  in  Mittenwalde,  aufgemacht,
  um  wenigstens  noch  die  ausgesandten  Streifwachten
  und  die  kleinen  Verbindungöposten  in  Seefeld
und  Zierl  zu  retten.  Sie  waren  aber  alle  schon  von  den
Tirolern  aufgehoben.  Die  bewaffneten  Mannschaften  von
Scharnitz,  Loitasch,  Telfs,  Seefeld,  Zierl,  Schwatz  und
Rattenberg  erschienen  schon  auf  allen  Seitengebirgen  gegen
  Mittenwalde  im  Anzuge.  Hauptmann  Lüneschloß
erkletterte  mit  dem  baierischen  Fußvolke  die  steilsten  Felsen
  und  vertrieb  die  wilden  Schwärme.  Der  Rittmeister
Graf  Lerchenfeld  verfolgte  sie  bis  gegen  Seefeld  und
das  Isar=  und  Karwendelthal;  ja  er  stieg  mit  seinen  Reitern
  ab  von  den  Rossen,  als  diesen  die  Berge  ungangbar
wurden,  und  drang  mit  Karabiner  und  Pistolen  zu
Fuße  vor.

Der  Verlust  der  Loitasch  bedrohete  die  Sicherheit
von  Mittenwalde.  Es  mußte  zur  Wiedernahme  jenes
Passes  ein  Versuch  geschehen.  Graf  Arco  schickte  also“
(Sosten  Mai)  den  Hauptmann  Bauer  an  beiden  Seiten
der  Klamm  dahin  vor,  und  dazu  noch,  über  die  Berge
rechts,  80  Gebirgsschützen.  Als  sie  über  den  Burrberg
in  das  Thal,  welches  die  Klamm  bildet,  angekommen,
die  Brücke  über  diesen  Waldstrom  zerstdrt  sahen,  stellten
sie  dieselbe  rasch  her,  mitten  unter  dem  Feuer  der  Tiroler
  ringsum.  Diese  wurden  auch  in  die  Schluchten  überall
  zurückgejagt.  Aber  mit  600  Feinden  war  die  Loitasch=Schanze
  besetzt;  diese  nicht  ohne  Menschenverlust  zu  erobern,
  und  nach  der  Eroberung  auch  nicht  gegen  einen
wiederkehrenden  Feind  haltbar.  Also  nahm  Hauptmann
Bauer  den  Rückweg  nach  Mittenwalde.
        <pb n="209" />
        —  205  —

Graf  Arco,  der  in  allem  nicht  tausend  Mannhatte),
wo  ihm  zur  Besetzung  seiner  ausgedehnten  Stellung  wenigstens
  drei  Bataillons  ndthig  waren,  wollte  dieselbe  noch
nicht  aufgeben,  weil  er  für  Deroy's  Schicksal  bekümmert
  blieb.  Er  begnügte  sich  mit  schwacher  Besetzung
der  unentbehrlichsten  Posten  auf  dem  Burrberg,  auf  den
Hoͤhen  rechts  der  Isar,  an  der  Isarbrücke  und  der  Capelle
  bei  Mittenwalde,  von  wo  nach  der  Loitasch  freie
Aussicht  ist.  Ringsum  standen  die  Tiroler.  Mehrmals
mußte  der  tapfere  Oberlieutenant  Lantes  (vom  leichten
Bataillon  Donnersberg)  jene  Capelle  verlassen  und
wieder  nehmen.

In  der  Frühe  des  2ten  Junitages  aber  rückten  zahlreiche
  Banden  Tiroler  von  der  Scharnitz  auf  der  großen
Straße  und  zu  beiden  Seiten  an  den  Bergen  her,  geführt
  von  den  dsterreichischen  Hauptleuten  Falk  und  Graf
Mohr.  Doch  mit  Schnelligkeit  warf  sich  ihnen  Hauptmann
  Lüneschloß  an  der  Spitze  von  zwei  Compagnien
nebst  einiger  Reiterei  und  einer  Kanone  entgegen,  und
trieb  sie  insgesammt  zur  Scharnitz  zurück.  Indem  wälzten
  sich  neue  Massen  des  Aufstandes  aus  der  Loitasch
und  über  die  Berge  hervor,  verdrängten  die  Posten  von
der  Capelle,  und  selbst  die  auf  dem  Bürrberg  gestandenen
  150  Mann.  Mit  Sturm  mußte  diese  Höhe  wieder
erobert  werden,  damit  diejenigen  nicht  abgeschnitten  würden,
  welche  gegen  die  Scharnitz  gezogen  waren.  Oberst
Arco  und  Hauptmann  Bauer  mußten  sich  selbst  unter

*)  Unter  Arco's  Befehlen  stunden  15  Offiziere,  737  Mann
Infanterie,  140  Mann  Cavalerie,  so  wie  1  Offizier  und
18  Artilleristen,  lehtere  als  Bedienung  zweier  dem  Corps
zugetheilten  Sechspfünder-Kanonen.,
        <pb n="210" />
        —  206  —

die  Plaͤnkler  mischen,  um  die  Insurgenten  ringsum  ab—
zutreiben,  um  das  Fußvolk  der  Baiern  zum  Widerstande
gegen  die  Uebermacht  zu  ermuthigen,  und  um  die  schon
verlorene  Isarbruͤcke  wieder  zu  erringen,  damit  die  von
der  Scharnitz  zuruͤckkehrende  Abtheilung  sich  wieder  mit
dem  Großtheil  der  baierischen  Schaar  vereinigen  koͤnne.

Dann,  da  der  Burrberg  nicht  mehr  zu  behaupten
war,  mußte  Mittenwalde  aufgegeben  werden.  Ein  Munitionswagen,
  dessen  Deichsel  gebrochen  war,  und  den
man  noch  eine  halbe  Stunde  weit  fortgeschleppt  hatte
(Graf  Arco,  Luͤneschloß,  und  Bauer  legten  persoͤn—
lich  Hand  an),  wurde  in  die  Luft  gesprengt.  Eine  Ab—
theilung,  welche  seitwaͤrts  gesandt  war,  um  den  Zug
durch  den  Engpaß  am  Gruͤnberg  zu  schirmen,  verirrte
sich  im  Gebirge.  Daher  umzog  heftiges  Gewehrfeuer
diesen  Paß.  Die  Mannschaft  war  nahe  daran,  den  Ge—
horsam  aufzugeben.  Graf  Arco,  alle  seine  Offiziere
leisteten  das  Aeußerste.  Hauptmann  Bauer  nahm  einem
Verwundeten  Gewehr  und  Tasche  ab,  und  feuerte  unter
den  Plaͤnklern  auf  den  verfolgenden  Feind.  Man  ging
uͤber  die  Leinsbruͤcke  zum  rechten  Ufer  des  Baches,  und
machte  eine  Stunde  von  Mittenwalde  zu  Walgau  Halt,
um  die  Vereinzelten  und  Zerstreuten  an  sich  zu  ziehen.
Darauf  zog  man  nach  Benedictbeuern.  Zwar  die  kleine
Schaar  der  Baiern  zaͤhlte  12  Todte  und  40  Verwundete.*)
Dessen  ungeachtet  war  sie  dem  Untergange  sowohl  durch
ihre  Tapferkeit,  als  durch  die  Unbeholfenheit  des  Feindes

*)  Worunter  der  Hauptmann  Fischheim,  dann  der  tapfere
und  patriotische  Hauptmann  Jehle  der  Münchener-Schüten,
  welcher,  mit  mehreren  Soldaten  bis  auf  den  leßten
Augenblick  fechtend,  gefangen  genommen  wurde.
        <pb n="211" />
        —  207  —

entkommen,  der  weder  seine  Ueberlegenheit,  er  mochte  5,000
bis  6,000  Mann  stark  seyn,  noch  die  von  der  Natur  dargebotenen
  brtlichen  Vortheile  zu  benutzen  verstand.

Die  Tiroler  stellten  ihre  Pikets  vor  Wallgau  gegen
Wallersee.  Oberst  Arco  nahm  zu  Benediectbeuern  alle
Maßregeln,  sowohl  sich  gegen  Tirol,  als  eine  Verbindung
  mit  Tolz  und  Lengries  zu  sichern.  Aber  schon  am
bten  Juni  erhielt  er  den  Kdniglichen  Befehl,  sich  der  Hauptstadt
  zu  nähern.  Er  zog  sich  demnach  auf  die  Höhen
hinter  Wolfratshausen,  hielt  die  Isarbrücke  daselbst  besetzt,
  sandte  Streifwachten  weit  umher,  und  zum  Recognosciren
  100  Mann  zu  Fuß  auf  die  von  Weilheim
nach  München  führende  Straße,  und  75  zu  Pferde  nach
Starnberg.

Gleichzeitig  war  General-Lieutenant  Deroy  in  der
Nähe  von  München  angekommen,  hatte  aber  den  General
Siebein  mit  dem  oten  Regimente  zu  Rosenheim,  und  den
General  Vincenti  mit  Truppen  in  Höchenkirchen  gelassen.
  Letztern  schickte  er  aber  bald  nach  Tolz,  den  Major
Fladt  mit  zwei  Compagnien  nach  Starnberg,  ging  selber
mit  dem  öten  und  14ten  Regimente  nach  Wolfratshausen,
und  ließ  den  Obersten  Arco  gegen  Benedictbeuern  bis
Kdonigsdorf  vorgehen  (bten  Juni).  Denn  die  Tiroler=Haufen
  sammelten  sich  an  allen  Gränzepuncten,  um  Einfälle
  in  Baiern  zu  thun,  um  ihr  Land  wieder  frei  zu  machen,
  während  Kufstein  wieder  von  ihnen  berannt,  alles  unter
der  Leitung  dsterreichischer  Ingenieurs  geschäftig  war,  die
Pässe  von  Lofer,  Strub,  Scharnitz,  Loitasch,  die  Ehrenberger-Klausen
  u.  s.  w.  zu  befestigen.  Ja  der  Tiroler-Major
Teimer  hatte  sich  schon  mit  3,000  Mann  bis  Murnau
(bten  Juni)  vorgewagt,  und  Streifrotten  nach  Weilheim
geschickt,  um  Geld  und  Lebensmitteln  einzutreiben.
        <pb n="212" />
        —  208  —

Sobald  aber  Deroy  (lien  Juni)  von  Wolfratshausen
  gegen  Murnau  bis  Sechering  eilte,  Arco  die
Streifrotten  aus  Weilheim,  durch  den  Hauptmann  Storchenau,
  verjagte,  zogen  die  Tiroler  behende  in  ihr  Gebiet
  zuruck  zur  Scharnitz.  Deroy  wählte  darauf  seine
Hauptstellung  bei  Weilheim  (Zten  Juni).  Von  hier  aus
unterhielt  er  Verbindung  mit  den  franzbsichen  Abtheilungen
  des  Generals  Beaumont  in  Schongau.  Oberstlieutenant
  Schmdger  mußte  den  Ort  Murnau,  General
Vincenti  mußte  Tegernsee,  Lenggries  und  Benedictbeuern,
  Arco's  Schaar  die  Stellung  bei  Kochel  besetzen.

Nicht  ruhiger  war  es  während  dessen  in  der  Nähe
des  Bodensee's  geblieben.  Auch  die  Vorarlberger  hatten
die  Wassen  wieder  genommen,  sich  in  großen  Haufen
nach  Kempten  bewegt,  und  den  General  Piccard  von
da  mit  seinen  wenigen  Franzosen  und  Baiern  zum  Rückzuge
  gegen  Landsberg  und  Buchloe  gendthiget  (5ten  Juni).
Durch  diesen  Rückzug  war  General  Scheerer,  welcher
die  Südgränzen  Würtembergs  mit  weniger  Mannschaft
zu  decken  hatte,  auf  seiner  linken  Seite  entbloßt.  Der
König  von  Würtemberg  mußte  noch  einmal  alle  Thätigkeit
  aufbieten,  Verstärkungen  zu  senden.

Deroyp's  wichtige  Sorge  war  in  diesen  Augenblicken,
die  tapfere  Besatzung  von  Kufstein  gehdrig  mit  Lebensmitteln
  und  Arzeneien  zu  versorgen.  Er  selbst  wollte  dies
Werk  vollbringen.  Nachdem  er  zur  Vertheidigung  Baierns
vom  Lechufer  bis  Tegernsee  alle  Anordnungen  getroffen,
sie  dem  General  Vincenti  anvertrauet  und  demselben
auch  Arco's  Schaar  untergeordnet  hatte'):  begab  er

sich

*)  Daher  war  ihm  geboten,  sich  für  seine  Person  mit  2  Bataillons
des  15ten  Linien-Regimentes,  5  gügen  des  2##en  Dragoner=Re-
        <pb n="213" />
        —  209  —

sich  (15ten  Juni)  über  Benedictbeuern  und  Rosenheim  in
den  Wald  zwischen  Degerndorf  und  Kirchdorf  (17ten  Juni).
Hier  sammelten  sich  die  verschiedenen  Abtheilungen  seines
Kriegsvolkes;  das  Ote  und  10te  Linien-Regiment,  das
2Lte  Bataillon  des  5ten  Regimentes,  24  Geschwader  Dragoner
  und  14  Batterie.  Es  kamen  83  mit  Bedürfnissen
aller  Art  beladene  Wagen  an.  Und  so  ging  der  lange-,
Zug  am  folgenden  Morgen  um  2  Uhr  vorwärts,  ohne
Hinderniß  bis  Kufstein,  wiewohl  die  umliegenden  Hôhen
von  Tirolern  und  Oesterreichern  besetzt  waren.  Nachdem
der  Befehlshaber  der  Festung  die  ihm  bestimmten  Vorräthe
  erhalten  hatte,  führte  Deroy  sein  Kriegsvolk,
noch  am  Abend  desselben  Tages,  nach  Degerndorf  zurück.

Regimentes  und  4  Kanonen  der  Batterie  Ropys  gleichsam
in  der  Mitte  seiner  Stellung  nach  Habbach  zu  begeben,
den  Punct  Murnau  mit  dem  uisten  Bataillon  des  öten
Linien-Regimentes,  1  Zug  Cavalerie,  1  Kanone  und
1  Haubiße,  2  ihm  zugetheilte  Compagnien  des  kten  leichten
  Bataillons  Günther,  und  zwar  eine  Compagnie  zu
Tölz,  eine  andere  zu  Tegernsee  aufzustellen,  das  Corps
des  Grafen  Arco  in  der  Stellung  bei  Kochel  zu  belassen.
Leßteres  mußte  daher  dem  von  genannten  General  Vincenti
  geräumten  Punct  Benedictbeuern  mit  einer  Abtheilung
  von  2  Offizieren,  80  Mann  Infanterie,  dann
1  Offizier,  25  Mann  Cavalerie  besetzen,  und  die  Beobachtung
  der  nach  Lenggries  und  der  Jachengu  führenden  Gebirgswege
  übernehmen.  Dem  ebengenannten  General  wurde
ferner  die  Unterhaltung  der  Verbindung  seines  rechten
Flügels  mit  dem  vom  General  Beaumont  nach  Schongau
  mit  500  Mann  Infanterie  und  671  Mann  Cavalerie
entsendeten  französischen  Obersten  Prevon  durch  Patrouillen
  anempfohlen.

II.  5tes  Buch.  14
        <pb n="214" />
        —  210  —

Kaum  hatte  er  seine  Truppen  wieder  zwecknaͤßig
verlegt  ),  mahnten  ihn  dringende  Aufforderungen  des
franzoͤsischen  Generals  Kister,  der  in  Salzburg  Gouverneur
  war,  ihm  zu  Hülfe  zu  eilen.  Deroy,  der  ihm
schon  das  2te  Bataillon  zur  Verstärkung  gesandt  hatte,
brach  endlich  selbst  mit  einem  Theile  seiner  Division  dahin
  auf.  ")  Denn  auch  der  Herzog  von  Danzig  hatte
ihm  die  Vertheidigung  von  Salzburg  zur  großen  Pflicht
gemacht.  Hier  aber  angekommen  (L5sten  Juny),  fand
er  durch  aufgeworfene  Festungswerke  und  zahlreiche  Besatzung
  Alles  gesichert,  nirgends  Tiroler,  als  die  in  der
Nähe  von  Berchtesgaden  den  sogenannten  Hirschbigel  besetzt
  hielten;  Gefahr  überall  keine.  Darum  kehrte  er
nach  wenigen  Tagen  (2##s#ten  Juni)  in  seine  vorige  Stellungen
  zurück.  '*"*)  Er  selbst  nahm  sein  Hauptlager  zu
Rosenheim,  um  nach  allen  Seiten  hin  nahe  zu  seyn.

 

*)  Das  ote  Regiment  in  und  bei  Rosenhekm,  das  tote  Regiment
  in  und  um  Aibling,  das  2te  Bataillon  des  öten
Regimentes  in  und  bei  Ruding,  die  Dragoner  in  und  bei
Marelrain,  die  Artillerle  ebenfalls  daselbst  in  Cantonirungen.


»»)  Nachdem  Deroyp  das  iste  Bataillon  des  oten  Regimentes
zur  Deckung  Rosenheims  bei  Fischbach  und  Flintschbach
hatte  stehen  lassen,  erreichte  er  mit  dem  toten  Linien=Regimente,
  dem  2ten  Bataillon  des  oten  Regimentes,
21  Escadron  des  2ten  Dragoner-Regimentes  und  14  Batterie
  am  Lasten  Juni  Traunstein,  am  2o0sten  Salzburg
selbst,  während  er  jedoch  2  Compagnien  des  oten  Linien=Regimentes
  Dsenburg  nebst  1  Kanone  unter  Oberstlieurenant
  Weltmann  schon  von  Deisendorf  aus  zum
Schuße  des  Punctes  Reichenhall  und  der  dortigen  Königlichen
  Salinen  hatte  abgehen  lassen.

*“*)  Mit  Auenahme  der  die  Besaßzung  von  Salzburg  bildenden
2  Bataillous  (leichtes  Bataillon  Buttler,  2tes  Bataillon
        <pb n="215" />
        —  211  —

Dort  aber  empfing  er  (Zten  Juli)  den  Befehl  des
Herzogs  von  Danzig,  sich  mit  seiner  Division  nach
Linz  zu  begeben.  Ehe  er  dahin  ging,  beschloß  er,  Kufstein
  noch  einmal  mit  Schießbedarf  und  Arzneien  zu  versehen,
  zugleich  auch  die  Besatzung  dort,  durch  das  Reserve-Bataillon
  des  5ten  Linien-Regimentes,  abzulbsen.
Weil  zwischen  Kieferfeld  und  Kufstein  von  den  Infurgenten
  die  Straße  durch  Abgraben  verdorben  war,  ließ  er
das  10te  Regiment,  nebst  zwei  Geschwadern  des  2ten
Dragoner-Regimentes  und  der  Batterie  Gotthard,
bei  Nußdorf  beiwachten  (#ten  Juli),  und  ging  dann  mit
dieser  kleinen  Kriegsschaar,  zu  der  er  noch  das  erwähnte
Reserve-Bataillon  zog,  früh  am  5ten  Juli  nach  Kufstein.
Ausgenommen  ein  bedeutungsloses  Gefecht  mit  einem
Tiroler-Haufen  bei  Erl,  stieß  ihm  kein  Hinderniß  auf;
eben  so  wenig,  als  er,  nach  vollbrachtem  Werk,  am  andern
  Tage  vor  Morgens  Anbruch  gen  Nußdorf  zurückzog.

Die  bisherige,  nun  abgeldste  Kufsteiner=  Besatzung
(nämlch  4  Compagnien  des  isten,  2ten,  5ten  und  öten
leichten  Bataillons  schickte  er  sogleich  nach  Tolz,  Rottach
(bei  Tegernsee)  und  Bichl  (bei  Benedictbenern)  zur  Verstärkung
  des  Corps  vom  Grafen  Arco.  Die  übrigen
zerstreuten  Theile  seiner  Division  ließ  er,  von  ihren  verschiedenen
  Standorten,  über  Frankenmarkt  und  Wels  nach
Linz  ziehen,  wo  er  am  16ten  Juli  mit  dem  Großtheil
eintraf,  und  das  Uebrige  sich  nach  und  nach  sammelte,

des  5ten  Regimentes),  so  wie  mit  Ausnahme  der  den
Punct  Reichenhall  besetzt  haltenden  2  Compagnien  des  gten
Linien-Regimentes,  welche  jedoch  bald  darauf  durch  2  Compagnien
  des  7ten  Bataillons  Treuberg  unter  Major
Herrmann  abgelöst  wurden.

14
        <pb n="216" />
        —  212  —

mit  Ausnahme  der  beiden  Bataillons  (des  2ten  vom  öten
Regimente  und  des  leichten  Bataillons  Burtler),
welche  die  Besatzung  von  Salzburg  ausmachten.

20.

Die  Versuche  Oesterreichs  gegen  das  Innere
Deutschlands,  von  Bdheim  und  Tirol
aus.

Die  Entfernung  der  Division  Deroy  von  den  baieri—
schen  Gränzen  fiel  gerade  in  den  gefährlichsten  und  zweifelhaftesten
  Augenblick  des  ganzen  Feldzuges,  in  den  Angenblick,
  da  nichts  weniger,  als  Alles,  vom  ungewissen
Glück  einer  Entscheidungs-Schlacht  abhing,  und  Oesterreich
  die  letzten,  aber  furchtbarsten  Anstrengungen  machte,
entweder  Napoleon's  Gewalt  gänzlich  zu  zertrümmern,
  oder  sollte  Oesterreich  fallen,  ganz  Deutschland
durch  inneren  Krieg,  durch  Aufruhr  und  allgemeine  Verwirrung
  in  den  ungeheneren  Sturz  zu  verwickeln.

Dazu  bot  besonders  die  Stimmung  vieler  deutschen
Vblkerschaften  wider  die  siegerische  Gewaltsherrlichkeit  der
Franzosen  Anlaß  dar.  Wie  in  Tirol,  so  offenbarte  sich
vorzüglich  im  ndrdlichen  Deutschland  diese  Stimmung
durch  regellose  Auflehnungen  und  eigenmächtige  Wagestücke.
  Schon  vor  Beginn  des  Krieges  hatte  ein  preußischer
  Offizier,  Namens  Katt,  vereint  mit  anderen  Meinungsgefährten,
  einen  Zug  über  die  Grenzen  seines  Vaterlandes
  gethan,  einige  Städte  des  damaligen  Kdnigreiches
  Westphalen  überrumpelt,  und  vielleicht  selbst  die
wohlbewachte  Festung  Magdeburg  durch  einen  Handstreich
zu  nehmen  gedacht.  Vermuthlich  hatte  damit  der  Aufstand
  mehrerer  Gemeinden  des  Kdnigreiches  Westphalen
        <pb n="217" />
        —  213  —

Verbindung  gehabt,  zu  denen  sich  der  hessische  Oberst
Ddruberg  gesellte.  Aber  Alles  war  sogleich  durch  die
bewaffnete  Macht  gedämpft  worden.

Einen  ähnlichen  abentheuerlichen  Zug  unternahm  darauf,
  nach  Ausbruch  des  Krieges,  der  preußische  Oberst
Schill,  von  Berlin  aus  (20sten  April),  gegen  Wittenberg
  mit  ungefähr  000  Mann  seines  Regimentes.  Er
würde,  da  sich  seine  Streitmasse  bald  zu  7,000  Mann
vermehrte,  furchtbar  haben  werden  kdnnen,  wenn  die
österreichischen  Generale,  Kienmaier  und  Fürst  Lobckowiz,
  von  Böhmen  aus  mit  beträchtlichen  Schaaren
ihre  Bewegungen  gegen  Sachsen  und  Franken  zeitiger  unternommen
  hätten.  So  aber  ging  Schill  mit  seinem
ganzen  Corps  schnell  (5öusten  Mai)  in  Stralsund  unter.
Zwar  hatte  Herzog  Wilhelm  von  Braunschweig-Oels
  (schon  am  14ten  Mai)  mit  dem  größten  Theile
eines  Corps  von  1,500  Mann,  das  er  aus  allen  Waffengattungen
  bei  Nagod  in  Bôheim  gesammelt,  einen  Einfall
  in  die  Laufsitz  gethan,  und  Zittau  besetzt  und  gebrandschatzt.
  Aber  der  sächsische  Oberst  Thielmann
trieb  ihn  (30sten  Mai)  in  blutigem  Gefechte  wieder  aus
der  Stadt  und  nach  Boheim  zurück.

Erst  mit  Anfang  Juni's  rückte  ein  sterreichischer
Heerhaufe,  etwa  10,000  Mann  stark,  unter  dem  General
Am  Ende  in  Sachsen  ein,  und  besetzte  die  vertheidigungslose
  Hauptstadt  dieses  Kbnigreiches.  Gleichzeitig
veranstaltete  der  General  Radiwojewics,  von  Boheim
  aus,  Streifzüge  nach  Baireuth  (1iten  Juni),  nach
Hollfeld  und  Bamberg  (l#ten  Juni).  Da  wurde  das
vielbedrängte  Volk  durch  dffentlichen  Aufruf  ermahnt,
von  seinem  Kdnig  abzufallen,  und  sich  an  Oesterreichs
        <pb n="218" />
        Sache  anzuschließen  gegen  Frankreich;  nebenbei  aber  durch
Brandschatzungen  und  Eintreibungen  aller  Art  auf's  Aeus—
serste  mitgenommen.  Zwar  Mesnard,  der  fanzdfische
Befehliger  der  Festung  Würzburg,  mit  tausend  Mann,
die  eben  aus  Frankreich  kamen,  und  6000  Baiern  aus  den
festen  Plätzen,  von  Kronach  und  Vorchheim,  vertrieb
hier  die  lästigen  Streifer  schnell.  Aber  dagegen  drangen
sie  wieder  (20sten  Juni)  in  Nürnberg  ein,  verbanden  sich
mit  dem  Pbbel  dieser  Stadt,  gaben  ihnen  die  Kdniglichen
Beamten  zur  Mißhandlung  preis,  und  zogen  eben  so
schnell  wieder,  bei  Nacht  und  Nebel,  mit  ansehnlichen
Brandschatzungs-Geldern  ab.  Ihnen  nach  flog,  fast  zu
spät,  der  franzdsische  General  La  Roche,  an  der  Spitze
des  isten  einsweiligen  Dragoner-Regimentes  (800  Mann
stark)  von  Regensburg  her.  Zu  ihm  hatte  sich  der  baierische
  Hauptmann  Hanett  eilig,  mit  225  Freiwilligen
und  einem  Feldstück,  aus  der  Besatzung  von  Rothenberg,
gesellt.  Beide  folgten  den  fliehenden  Streifern  auf  den
Fersen  über  Gräfenberg  und  Leupoltstein  gegen  Baireuth,
erreichten  dieselben  bei  Betzenstein,  griffen  sie  an,  entrissen
  ihnen  ihre  zwei  Kanonen,  und  würden  die  Rache
weiter  getrieben  haben,  wäre  den  Oesterreichern  nicht
Verstärkung  geworden.

Nichts  wäre  in  diesen  Tagen  leichter  gewesen,  als
die  allgemeine  Glut  des  deutschen  Unwillens  zur  Flamme
eines  allgemeinen  Aufstandes  anzublasen,  wären  die  Feldherren
  Oesterreichs  unternehmender  gewesen.  Napoleon
wußte  wohl,  um  was  es  galt?  Darum  mußte  der  Herzog
  von  Abrantes  alsbald  ein  Reserve-Heer  bei  Hanau
  bilden,  und  der  Kdnig  von  Westphalen  mit
allem  verfügbaren  Kriegsvolk  nach  Sachsen  eilen.  Abrantes
  ließ  die  Vorhut  seines  Corps  schon  am  öten  Juli  in
        <pb n="219" />
        —  215  —

Nuͤrnberg  einuͤcken.  Der  Koͤnig  von  Westphalen,
seine  kleine  Macht  mit  den  Wuͤrtembergern  und  Sachsen
vereinigend,  drang,  18,000  Mann  stark,  nach  Leipzig
(26sten  Juni).  Er  sandte  starke  Haufen  gegen  Grimma,
und  den  General  d'Albignac  mit  der  westphaͤlischen
Division  gegen  Nossen,  wo  General  AmEnde  auf  den
Anhoͤhen,  der  Herzog  von  Braunschweig  hinter  den
Engen  von  Obermarbach  stand,  und  eine  lebhafte  Kanonade
  (Tôsten  Juni)  unentscheidend  blieb.

General  Kienmaier,  welcher  den  Oberbefehl  aller
in  Franken  und  Sachsen  befindlichen  Streithaufen  Oesterreichs
  empfangen  hatte,  suchte  sie  nun  zu  verbinden,  da
der  Kdnig  von  Westphalen  schon  in  Dresden  (Losten
Juni),  Abrantes  schon  über  Baireuth  und  Berneck  vorgegangen
  war.  Obgleich  er  nach  der  Vereinigung  nur
0,000  Mann  zählen  mochte,  griff  er  (zu  seiner  Rechten
den  Herzog  von  Braunschweig,  zur  Linken  den  Geral
  Radiwojewics)  dennoch  den  Herzog  von  Abrantes
  an,  der  hinter  den  Pbsenecker-Engwegen  vortheilhaft
  aufgestellt  war,  und  zwang  ihn,  nach  heißem  Kampfe,
bis  Berneck,  Baireuth  und  Amberg  zurückzugehen.  Dann
wandte  er  sich  gegen  den  Kdnig  von  Westphalen,
der  von  Dreêden  schon  bis  Schleiz  gekommen  war,  aber
sich  (14ten  Juni)  bei  Anrücken  des  Herzogs  von  Braunschweig
  nach  Jena  warf.  Auch  befahl  Kienmaier
dem  General  Am  Ende,  gegen  Dreöden  vorzugehen,  der
aber  (erst  am  12ten  Juli)  sehr  langsam  aus  seinem  Lager
  hinter  Petersdorf  aufbrach,  hinter  Oberfrauendorf
abermals  ein  festes  Lager  bezog,  und  erst  am  15#ten  Juli
Dresden  besetzen  ließ,  nachdem  sich  Tages  vorher  die
schwache  sächsische  Besatzung  aus  der  Stadt  nach  Meissen
  begeben  hatte.
        <pb n="220" />
        —  216  —

In  derselben  Zeit  war  der  Herzog  von  Abrantes
wieder  (17ten  Juli)  von  Amberg  nach  Baireuth  vorge—
ruͤckt,  wo  der  Oberst  Graf  Preysing  (am  naͤmlichen
Tage)  zu  ihm  stieß,  der  seit  wenigen  Wochen  zu  Neu—
stadt  und  Nuͤrnberg  die  Bildung  einer  ihm  bestimmten
Brigade  begonnen  hatte.)  Der  König  von  Baiern
empfand  dringender,  als  jeder  deutsche  Fürst,  die  Nothwendigkeit,
  seine  Streitkräfte  in  dem  furchtbaren  und
zweifelhaften  Kampfe  zu  vermehren,  in  welchem  Oesterreich
  das  gesammte  deutsche  Land  zu  regellosen  Bewegungen
  einer  wilden  Selbsthülfe  des  Volkes  fortreissen
zu  wollen  schien.  Jene  sechs  beim  Krieges-Anfang  errichteten
  Reserve-Bataillons  der  Baiern  waren  jetzt  schon

 

6u)  Spätere  Königliche  Verfügungen  setzten  die  Brigade  Preysing
  aus  dem  Reserve-Bataillon  des  15ten  Linien-Regimentes,
  aus  dem  des  oten  Regimentes,  endlich  aus
einem  combinirten  Bataillon  des  10ten  und  1#ten  Regimentes
  zusammen;  dagegen  alle  nicht  zu  diesen  Bataillons
  gehörigen  Compagnien  des  äten,  öten  und  68ten
Regimentes,  des  öten  leichten  Bataillons  sich  wieder  an
ihre  betreffenden  Regimenter  anschlossen.  Noch  später
wurde  eben  dieses  Corps  noch  durch  das  Reserve-Bataillon
des  1öten  Linien=  Regimentes  verstärkt;  nach  wirklich  erfolgtem
  Friedensschluße  jedoch  bereits  unterm  21sten  October
aufgelöst,  das  Reserve-Vataillon  des  oten  Regimentes
nach  Bamberg,  die  Mannschaft  des  16ten  Regimentes  nach
Nürnberg,  die  des  öten  und  15ten  Regimentes  nach  München,
  die  bei  erwähntem  Corps  gestandene  Artillerie  nach
Forchheim  beordert;  dem  Obersten  Grafen  von  Prepsing
die  Reorganisation  des  durch  die  erlittenen  Unfälle  in
Tirol  während  des  Augustmonates  gänzlich  aufgelösten
1sten  Bataillons  seines  unterhabenden  Regimentes  übertragen.
        <pb n="221" />
        —  217  —

in  voller  Thätigkeit.  Nun  vermehrte  sie  König  Maximilian
  noch  durch  sechs  andere.)

Wie  schwach  jetzt  auch  der  Oberst  Graf  Arco,  mit
seinen  2,000  Tapferen,  an  den  Tiroler-Grenzen  dastand,
es  ersetzte  doch  seine  kühne  Vielthätigkeit  und  Klugheit  den
Mangel  der  Streitmittel.  Ihm  gegenüber  war  die
Scharnitz  mit  sieben,  die  Loitasch  mit  fünf  Compagnien
Tiroler,  unterstützt  durch  einige  Oesterreicher,  gedeckt.
Das  vernahm  er  von  den  gefangenen  Tirolern  selbst,
als  der  Oberlieutenant  Gumpenberg  (kösten  Juni)
eine  Streifwacht  derselben  in  der  Nähe  des  Wallersee's
  überfallen  und  aufgehoben  hatte,  die  täglich  dahin
von  Mittenwalde  kam.  Fast  in  derselben  Gegend  fiel

*)  Die  Stärke  eines  jeden  Bataillons  ward  zu  vier  Compagnien,
  an  Zahl  denen  der  übrigen  Linten-Regimenter
gleich,  bestimmt,  ihnen  die  Ppuncte  München,  Salzburg,
Augsburg,  Ulm,  Nürnberg  und  Bamberg  als  Sammelpläße
  angewiesen;  zu  dem  Ende  gediente  Offiziere,  ihnen

Leuangestellte  beigegeben,  die  Bildung  derselben  und  die
Abrichtung  von  3,168  neu  ausgehobener  Conscribirten  uͤbertragen.
  Schon  im  Octobermonate  des  naͤmlichen  Jahres,
daher  nach  Verlaufe  von  fuͤnf  Monaten,  wurde  auch  diese
neue  Streitmasse,  in  Bezug  auf  militaͤrische  Haltung,
Bekleidung,  Bewaffnung  mit  den  ältesten  Soldaten  wetteifernd,
  gleich  den  übrigen  sechs  Reserve'-Batagillons,
das  Ganze  eine  Gesammtkraft  von  12,000  Mann  bildend,
zu  ausgezeichneter  Vertheidigung  der  vaterländischen  Grenzen
  verwendet,  während  sämmtliche  Abtheilungen  der  übrigen
  im  Felde  stehenden  Truppen  ununterbrochen  die  bedeutendsten
  und  bedürftigsten  Ergänzungen  an  Offizieren
und  Mannschaft  erhielten.  So  wurde  dargethan,  was
ein  für  seine  Selbstständigkeit  besorgtes,  seinem  geliebten
Herrscher  treues  Volk  in  geiten  der  Gefahr  zu  leisten
vermgg.
        <pb n="222" />
        —  216  —

bald  nachher  (Oten  July)  ein  rühmliches  und  staͤrkeres
Wachtengefecht  vor,  da  dort  der  Oberlieutenant  Graf
Trips  mit  50  Fußgängern,  und  Oberlientenant  Baron
Hornstein  mit  20  Dragonern  auf  den  Feind  stieß,  der
dort  mit  100  Mann  zu  Fuß  und  8  Mann  Cavalerie

streifte.

Alle  einzelne  Stellungen  hatte  Arco  wohl  geschirmt,
wie  zu  Schleedorf  und  Großweil,  so  zu  Murnau;  am
stärksten  aber  die  zu  Kochel.)  Im  kleinen  Postenkriege
lernten  hier  die  Baiern  den  Krieg.  Als  aber  der  General-Lieutenant
  Deroy  nach  Oesterreich  hatte  abziehen  müssen,
  und  Arco  mun  sich  ganz  selbst  überlassen  war,
machte  er  Benedictbeuern  zu  seinem  Hauptpunct,  auf
welchem  er  die  Straßen  nach  Weilheim  und  Wolfratshausen
  sichern  konnte,  und  verwandelte  Kochel  und  Murnau
  zu  vorliegenden  Stellungen.  Aber  so  vortrefflich
war  seine  geringe  Macht  vertheilt,  so  eng  jedes  Glied
derselben  mit  dem  Ganzen  verknüpft,  daß  er  weit  stärker

 

*)  Und  zwar  durch  Anlegung  einer  pallisadierten  Barriere  am
Fuße  des  Kesselberges,  unweit  des  Wasserfalls  an  der
engsten  Gegend  der  Straße,  durch  angelegte  Verhaue  von
der  höchsten  Spitze  des  Gebirges  bis  an  die  Mühle  und
den  See;  dann  eines  ähnlichen  seitwärts  des  Schellenbichls
  von  den  schroffen  Gebirgsfelsen  bis  an  den  Schellenberg;
  dann  durch  eine  vom  Fuße  genannten  Berges  bis
an  den  See  fortlaufende  Estacade.  Die  vor  der  Stellung
liegenden  Berge  wurden  auf  die  Entfernung  eines  Kanonen-Schußes
  von  den  darauf  stehenden  Bäumen  befreit.  Die
von  der  Jachenau  aus  über  die  Kothalpe  und  über  die
Besenbachalpe  führenden  Schleichwege  wurden  unzugangbar
  gemacht,  durch  kleine  Posten  besetzt;  selbige  auch
durch  immerwährende  Patrouillen  mit  dem  Haupt-Corps
in  Verbinduug  gebracht.
        <pb n="223" />
        —  210  —

zu  seyn  schien,  als  er  war,  und  noch  jetzt  dem  Feinde
Ehrfurcht  einfloßte.  Wetteifernd  mit  ihm  an  Ent- 



*)  Die  Vertheilung  seiner  Truppen  war  folgende:  eine  Compagnie
  des  2ten  leichten  Infanterie-Bataillons  von  1  Offizier
  und  130  Mann  stand  zu  Rottach  bei  Tegernse;  ihre
Posten  auf  den  Weg  in  das  Achenthal  gegen  Kreith  hin
vorschiebend;  eine  Compagnie  des  Isten  leichten  Infanterie-Bataillons,
  2  Offiziers,  1056  Mann  stark;  eine
andere  des  isten  Reserve-Bataillons  von  einem  Offizier,
150  Mann,  beide  Compagnien  unter  Befehl  des  Hauptmanns
  Graef,  zu  TLölz;  einen  Öffizier  und  50  Mann
zu  Lenggries;  Pikets  gegen  den  Fall  und  die  Jachenau  absendend,
  während  70  Gebirgsschüßen  unter  ihrem  Lieutenant
  Winkler  ebenfalls  zu  Lenggries  aufgestellt  waren,
und  die  patriotischen  Bewohner  des  Marktes  Tölz  die  Vertheidigung
  ihres  eigenen  Heerdes  bei  vorkommender  Gefahr
  zu  übernehmen  zusicherten.  Die  Behauptung  des
wichtigen  Punctes  Kochel  ward  dem  in  jeder  Beziehung
ausgezeichneten  Hauptmann  Lüneschloß  des  isten  Linien-Infanterie
  =  Regimentes,  ihm  demnach  der  Oberbefehl
über  zwei  Compagnien  des  isten  Reserve-Bataillons,  des
Aten  leichten  Bataillons,  einer  Abtheilung  Gebirgsschüten,
einer  Abtheilung  Cavalerie  und  einer  Sechspfünder-Kanone,
im  Ganzen  von  7  Ossizieren  und  305  Mann,  anvertrauet.
Diese  Abtheilung  hatte  ihre  Vorposten  an  oben  erwähnter
Barriere  gegen  den  Wasserfall  auf  der  Kothalpe,  und
sicherte  sich  durch  Patrouillen  nach  Wallersee,  nach  der
Jachenau  und  über  Schleedorf  und  Großweil  gegen  Schwaiganger,
  die  Verbindung  mit  Murnau  durch  kleine  Posten
unterhaltend.  Nicht  weniger  zweckmäßig  war  dem  wackern
Hauptmanne  Bauer  mit  drei  Compagnien  des  öten,  öten
und  öten  leichten  Bataillons,  einer  Abtheilung  Cavalerie
und  einer  Sechspfünder-Kanone,  das  Ganze  8  Offiziere,
500  Mann  stark,  die  Besehung  und  Vertheidigung  des
Postens  zu  Murnau  übertragen,  um  so  wichtiger,  da  sich
        <pb n="224" />
        —  220  —

schlossenheit  und  Umsicht,  wachte  der  Oberst  Graf  Oberndorf
  an  den  Ausgaͤngen  Tirols  gegen  Kufstein  nur  mit
wenigen  Compagnien.  In  Fischbach  hatte  er  seinen
Hauptstand,  um  von  hier  aus  die  Straße  nach  Rosen—
heim  zu  decken.

 

in  genanntem  Orte  selbst  drei  aus  Tirol  führende  Hauptstraßen
  vereinigen,  die  rechte  Flanke  genannten  Postens
von  der  Seite  von  Fuüssen  her  nur  durch  ausgesandte  Patrouillen
  gedeckt  werden  konnte.  Hauptmann  Bauer  besetzte
  mit  einem  Unteroffizier  und  24  Mann  die  Loitaschbrücke
  bei  Mühlhagen,  geschützt  durch  kleine  Erdaufwürfe.
An  die  Ramseebrücke  wurde  ein  Offizier  mit  50  Mann
aufgestellt.  Die  von  dem  Obersten  Arco  unmittelbar
befehligte,  bei  Benedictbeuern  aufgestellte  Hauptreserve,
welche  die  umliegenden  Gebirge  mit  Pikets  besetzte,  die
Gemeinschaft  mit  Kochel  durch  einen  bei  Besenbach  aufgestellten
  Posten  von  einem  Offizier  und  50  Mann  unterhielt,
  ferner  mit  vier  Offizieren  und  212  Mann  Infanterie
und  15  Dragonern  den  Punct  Habbach  beseßte,  leßteren
die  Verbindung  mit  Murnau  durch  aufgestellte  Pikets  und
Patrouillen  unterhaltend,  bestand  aus  drei  Compagnien
des  Reserve-Batgillons  des  isten  Linien-Infanterie=  Leib-Regimentes,
  aus  einer  Abtheilung  Cavalerie  und  zwei
Artilleriestücken,  das  Ganze  aus  10  Offizieren,  7535  Mann
und  1054  Pferden.  Mehrere  Aviso-Pikets  standen  auf  dem
Wege  gegen  Kohlgrub  und  am  See,  ihnen  zur  Reserve
dienend,  ein  Offizier  und  50  Mann  hinter  ihnen  im  Salzstadel.
  Die  Hauptmacht  des  Hauptmanns  Bauer  hatte
einen  Bivouac  à  cheval  auf  der  nach  Partenkirchen  führenden
  Straße,  vor  dem  Markte  Murnau,  bezogen.

*)  Er  hatte  zu  dem  Ende  eine  Compagnie  vor  Oberaudorf,
mit  Pikets  auf  dem  Schellenbügel,  auf  der  großen  Straße
zwischen  dem  Florian=  und  Schloßberg,  auf  leßterem  selbst,
im  Mühlthal,  auf  dem  Ramsauer-Stein,  bei  dem  Wildgraben,
  auf  der  Anhöhe  beim  Wasenmeister.  Eine  andere
        <pb n="225" />
        —  221  —

Auch  der  Koͤnig  von  Wuͤrtemberg  hatte,  zur
Hüt  seiner  Staaten,  unglaubliche  Anstrengungen  gemacht.
Denn  sobald  Deroy  das  Tirol  verlassen  und  das  ganze
Gebirge  wieder  die  Fahne  des  Aufruhrs  aufgepflanzt  hatte,
hatten  auch  Müller  und  Riedmüller  von  Pludenz
und  der  Landesschutzen-Hauptmann  Nachbauer  Alles
wieder  zu  den  Waffen  gerufen,  vom  Arlberge  bis  Hohen-Ems.
  ODie  Banden  des  Aufstandes  waren  darauf  in
Uebermacht  hervorgedrungen,  hatten,  wie  wir  schon  wissen,
  den  General  Piccard  in  Gefechten  bei  Dornbirn
und  Hohen-Ems  (L20sten  Mai)  zum  Rückzuge  gegen  Landsberg
  gendthiget,  und  im  allgemeinen  Landtag  (öten  Juni)
die  Errichtung  eines  Miliz-Regimentes  zu  Gunsten  Oesterreichs
  angeordnet.  Der  Advocat  Anton  Schneider,
an  der  Spitze  aller  Vorarlberger,  ein  thätiger  und  kluger
  Mann,  hatte  nicht  nur  in  Eile  für  Errichtung  eines
Reiter=  Geschwaders  und  Selbstbereitung  des  Pulver-Bedarfs,
  sondern  sogar  für  Gießung  des  ubthigen  schweren
  Geschützes  gesorgt.  Binnen  vier  Wochen  schuf  er
seinem  Lande  eine  Artillerie  von  acht  Kanonen,  einer  Haubitze
  und  einer  eisernen  Feldschlange.  Diese  Kraft-Entwicklung
  des  Vorarlbergs  setzte  die  Grenzen  Würtembergs
in  nicht  geringe  Gefahr.  Doch  kräftiger  noch  begegnete

Compagnie  stand  bei  Nußdorf  und  Neubeuern  mit  Pikets
bei  der  Litzen-Gränze  vorwärts  des  Passes,  auf  dem
Riedelberg,  dem  Bugberg,  auf  dem  Vindshaus,  Klobenstein
  bei  Altbeuern,  in  der  Schlucht  bei  Dürwangen,  in
der  bei  Nußdorf,  auf  dem  Schneebügel,  auf  der  Anhöhe
bei  der  Kirche  und  am  Inn;  endlich  stand  der  andere
Theil  der  öten  Compagnie  bei  Fischbach  selbst,  mit  Posten
  in  der  Regau,  beim  Bauern  am  Berge,  beim  Kalkofen
  vor  Fischbach,  an  der  Ueberfahrt.
        <pb n="226" />
        —  222  —

ihr  der  Kbnig  Würtembergs.  Er  selbst  ordnete  von
Lindau  bis  Kempten  die  Stellung  des  Corps  an,  welches
8,000  Mann  zu  Fuß,  1,000  zu  Pferd  stark,  aus  Würtembergern,
  Badnern  und  Franzosen  bestand,  und  vom
Generallieutenant  Phull  befehliget  war.  Und  zu  diesem
  richtete  er  noch,  in  neuen  Miliz=  und  Depot-Bataillonen,
  0,000  Mann  Fußvolkes  und  810  Mann  Reiterei
  auf,  ungerechnet  ein  Scharfschützen-Corps,  welches
aus  den  Forstbeamten  gezogen  ward.  So  band  er  den
Strom,  der  sich  vom  Gebirge  herwälzte  und  seinen  Staaten
  Verheerung  drohete.

Vielleicht  wäre  für  die  südlichen  Gegenden  Deutschlands
  die  Gefahr  bedeutender  geworden,  hätte  der  Feldmarschall-Lieutenant
  Chasteler  sich  mit  seinem  Kriegsvolke
  ebenfalls  hieher  gewendet.  Er  aber  hatte,  sobald
die  baierischen  Divisionen  Tirol  räumten,  den  Weg  nach
Kärnthen  gewählt,  um  sich  dem  Erzherzoge  Johann  auf
irgend  eine  Weise  anzuschließen.  Er  zwang  auf  diesem
Zuge  den  franzdsischen  General  Rusca,  welcher  die  Feste
Sachsenburg  eingeschlossen  hielt,  über  Villach  nach  Klagenfurt
  zu  marschiren.  Aber  Klagenfurt  selbst  zu  nehmen,
verlor  er  köstliche  Tage  (vom  öten  bis  bten  Juni),  bis  ihn
Rusca  durch  einen  Ausfall  sogar  ubthigte,  sein  Vorhaben
  fahren  zu  lassen,  längs  dem  linken  Donau=  Ufer
hinabzuziehen.  Noch  stand  damals  Marmont  mit  seinem
  Corps  bei  Laibach,  und  Klagenfurt  mußte  demselben
wichtig  seyn,  dort  über  die  Donau  zu  gehen,  um  so  mehr,
da  Giulay  von  Croatien  her,  über  Rain  und  Cilly  kam,
sich  ihm  in  den  Weg  zu  stellen.  Chasteler  mußte
also  in  der  Gegend  von  Windischgrätz  über  den  Draustrom
  gehen,  dann  von  Weitenstein  längs  dem  Kamm
des  Gebirgsrückens  nach  Garowitz,  und  hier  erst  sich  mit
        <pb n="227" />
        —  223  —

Giulay  vereinigen.  Beide  waren  nun  wohl  stark  geuug,
  dem  Marschall  Marmont  Spitze  zu  bieten;  aber
auch  dieser  erhielt  durch  den  Vicekdnig  Eugen  einen
Theil  des  Macdonaldischen  Corps  zur  Verstärkung.  Dieser
  kleine  Heertheil,  kaum  bei  Grätz  angekommen,  schloß
diesen  Punct  ein.  Feldmarschall-Lieutenant  Guilay
eilte  mit  ganzer  Macht  dahin  zum  Entsatz.  Die  Franzosen
  vertheidigten  sich  mit  wahrer  Verzweiflung  gegen
die  Ueberlegenheit  Giulay's  vierzehn  Stunden  lang
(260sten  Juli),  bis  sie  durch  die  herbeifliegende  Dioision
Broussier  befreiet  wurden.  Weil  nun  die  beiden  Corp##
von  Chasteler  und  Giulay  in  eine  Art  Unthätigkeit
geriethen,  fand  Marmont  Zeit,  sich  dem  Napoleonischen
  Hauptheere  bei  Wien  anzuschließen,  und  selbst  an  der
entscheidenden  Schlacht  bei  Wagram  Antheil  zu  nehmen.

Gleichzeitig  mit  Chasteler  hatte  sich  auch  der  Oberstlieutenant
  Graf  Leiningen  in  Tirol  nach  Brixen  und
auf  die  Schabser-Hdhen  zurückgezogen.  Weil  aber  die
Tiroler-Grenzen  gegen  Italien  überall  leer  von  franzbsischen
  Truppen  waren,  besetzte  er  (gegen  das  Ende  Mais)
wieder  die  Stadt  Trient  und  das  Bergschloß,  erschien
sogar  vor  den  Thoren  Verona's,  nahm  Bassano  mit  Sturm
(ten  Juni)  und  machte  mit  seinen  Streifzügen  alles  vom
Gardasee  bis  hinter  die  Piave  unsicher.  Die  italiänische
Regierung  schickte  ihre  Gendarmerie  aus,  die,  ungefähr
1,400  Fußgänger  und  170  Pferde  stark,  über  Ala,  Rovoredo
  und  bis  Matarello  gegangen,  der  kleinen  Schaar
Oesterreicher  die  größte  Gefahr  brachte.  Glücklich  genug
  konnte  Leiningen  sich  noch  in  das  Bergschloß
Trient  werfen,  und  als  die  Italiäner  mit  größerer  Macht
kurz  darauf  vor  Trient  erschienen  und  es  sogar  beschossen,
schlug  der  tapfere  Mann  den  Angriff  kräftig  ab.  Bald
        <pb n="228" />
        —  224  —

auch  kam  ihm  vom  ganzen  Etschthal  der  Landsturm  zu
Hülfe,  woran  die  Stadt  Botzen  allein  dreizehn  Compagnien
  gab;  desgleichen  eilte  ihm  von  Briren  aus  General
  Buol  mit  zwei  Bataillons,  einem  Geschwader
Reiter  und  vier  Kanonen  zu.  Zwar  hatte  sich  Leiningen
  schon  selber  geholfen,  aber  diese  Verstärkungen  führten
  doch  den  ihm  gar  glücklichen  Ausgang  jenes  Gefechtes
(Oten  Juny)  herbei,  der  die  Abtheilungen  der  Italiener
auf  allen  Puncten  zum  Rückzuge  bewog.  Von  da  an
blieb  alles,  was  auf  den  Südgrenzen  Tirols  ferner  geschah,
  folgenloses  Streifereiwesen.

 

21.

Kriegsereignisse  in  Polen  und  Ungarn.
Schlacht  bei  Raab.

Bevor  wir  uns  zur  Darstellung  der  großen  Begebenheiten
  wenden,  welche  an  der  Donau  das  Schicksal  des
Krieges  auf  immer  bestimmten,  müssen  wir  noch  die
Ereignisse  in  Polen  berühren,  die  wir  biöher  in  der  Erzählung
  ganz  übergangen  haben.  Denn  Erzherzog  Ferdinand
  hatte,  gleich  beim  Anfange  des  Feldzuges,
zwischen  Krakau,  Konswic  und  Radan  einen  beträchtlichen
  Heerhaufen  zusammengezogen,  wie  es  schien,  die
Grenzen  des  bsterreichischen  Gallizien  zu  decken.  Allein  das
Cabinet  von  Wien  machte  bald  größere  Entwürfe,  es
lag  ihm  daran,  seinen  furchtbaren  Gegner  durch  Bewegung
  und  Aufruhr  aller  Volker,  zu  denen  es  hinreichen
konnte,  in  Italien,  im  Süden  und  Norden  Deutschlands,
selbst  in  den  sarmatischen  Wäldern  zu  stürzen,  ihn  gleichsam
  durch  jähes  Zusammenbrechen  aller  seiner  Eroberun-=gen
  und  Schdpfungen,  unter  den  Trümmern  seiner  eigenen

Macht
        <pb n="229" />
        —  225  —

Macht  und  Herrlichkeit  zu  begraben.  Daher  empfing
auch  Erzherzog  Ferdinand  den  Befehl,  Polen  schnell
zu  durchziehen,  das  ganze  Land  in  Bewegung  zu  setzen.

Am  täöten  Wpril  erließ  der  Erzherzog  seinen  Aufruf
an  die  Polen,  sich  mit  dem  Hause  Oesterreich  zu  vereinen;
  am  15ten  ging  er  schon  über  die  Piliza  in's  Gebiet
von  Warschau  vor.  Dreimal  stärker,  als  der  ihm  mit
Polen  und  Sachsen  gegenüberstehende  Fürst  Poniatowêkp,
  zwang  er  diesen,  ungeachtet  dessen  glänzender
Tapferkeit,  in  drei  blutigen  Gefechten  (vom  löten,  17ten,
18ten  April),  dann  durch  das  morderische  Treffen  bei
Raszyn,  ihm  Warschau  zu  lassen.

Die  unglücklichen  Sarmaten  hatten,  seit  der  Jertheilung
  ihres  Vaterlandes,  durchaus  kein  Interesse,  sich
mehr  für  Oesterreich,  als  für  Frankreich  zu  erklären.  Vielmehr
  hatte  Napoleon'5  Staatsklugheit  den  Bewohnern
des  Großherzogthums  Warschau  mehr,  als  nur  den  Schatten
  der  Freiheit  wiedergegeben.  Dadurch  erwarb  er  ihre
dankbare  Treue.  Sie  strömten  zu  Poniatowsky's
Fahnen.  Dieser,  der  sich  nach  den  ersten  Unfällen  bei
Modlin  und  Sierok  hinter  dem  Bug  aufgestellt  hatte
(Lsten  April),  zog  dann  mit  der  Hauptmacht  gegen  Jablonka
  und  beunruhigte  die  Oesterreicher  durch  Entsendungen
  nach  Karezew,  Okuniew  und  Radzimin,  unter
Anführung  der  polnischen  Feldherren  Sokolnikf  Kaminsky
  und  Dombrowsky.  Folge  davon  ward  für
ihn  ein  gluckliches  Gefecht  bei  Grachow.  Doch  nahm  er,
immer  noch  zu  schwach,  den  Oesterreichern  im  offnen
Feld  entgegen  zu  gehen,  wieder  bei  Sierok  Stellung  am
linken  Bug-Ufer,  um  wenigstens  Praga,  Warschau's
Vorstadt,  oder  vielmehr  Nebenstadt,  zu  decken.

II.  3t668  Buch.  15
        <pb n="230" />
        —  226  —

Weil  aber  Erzherzog  Ferdinand  seine  Unterneh—
mungen  links  der  Weichsel  gegen  Kalisch  fortsetzte,  ließ
Poniatowsky  ihn  durch  den  General  Dombrowsky
beobachten,  erstuͤrmte  dagegen  den  Bruͤckenkopf  bei  Gara,
erbeutete  Geschuͤtz  und  Gefangene,  wandte  sich  gegen  das
dsterreichische  Gallizien,  während  General  Razniesky
die  dsterreichischen  Abtheilungen  zwischen  der  Weichsel  und
dem  Bug  vertrieb,  und  rückte  (15äten  Mai)  unter  dem
Jubel  der  Polen  in  Lublin  ein.  Das  war  das  Zeichen
zum  Aufstand  für  ganz  Gallizien  gegen  die  Oesterreicher.
Durch  Besetzung  des  Punctes  Przeworsk  unterbrachen  die
Polen  alle  Verbindung,  die  der  Feind  zwischen  Krakan
und  Lemberg,  Galliziens  Hauptstadt,  haben  konnte,  und
weil  zu  ihrem  Glücke  das  dsterreichische  Corps  an  der
Bzura  ganz  unthätig  stehen  blieb,  eroberten  sie  Sendomirz,
  den  dortigen  Brückenkopf,  die  gallizische  Stadt
Zamosk,  Jaroslaw,  endlich  (28sten  Mai)  Lemberg  selbst.

Indessen  war  auch  Oombrowskyp  stark  genng  geworden,
  sich  gegen  Thorn  zu  wenden,  wo  sich  die  Oesterreicher
  zwar  bis  zum  20sten  Mai  behauptet  hatten,  aber
Alles  aufgeben  mußten,  als  sie  (22sten  Mai)  in  ihrer
ganzen  Linie  vom  Petz-Fluße  bis  Czenstochow  durch  die
Polen  angegriffen,  nach  wüthendem  und  vergeblichen
Widerstand,  zum  Rückweg  gezwungen  wurden.  Dombrowsky
  bewegte  sich  nun  über  die  Bzura  (bei  Lowicz)
gegen  Warschau,  und  hielt  da  (Tten  Juni)  seinen  siegreichen
  Einzug.  Dem  Erzherzog  Fer  dinand  sowohl  durch
den  Aufstand  Galliziens,  als  durch  Erscheinung  eines
Grussischen  Heeres  geschreckt,  welches  Fürst  Sergei  Galiczin

  von  Bialystock  und  Lithauen-Brzesk  heranführte,
um  die  Drohung  seines  Kaisers  gegen  Oesterreich  (Proclamation
  vom  #ten  Mai)  zu  verstärken,  —  zdgerte  nicht
        <pb n="231" />
        —  227  —

länger,  sich  den  Grenzen  des  eigenen  Landes  wieder  zu
nahern.  Er  ließ  den  General  Mohr,  von  Bloine,  schnell
über  die  Piliza  zurückgehen;  sammelte  seine  gesammten
Streitkräfte  bei  Sendomir;  und  eroberte  nach  drei  heftigen
  Anfällen  (vom  öten,  kvten  und  18ten  Juni)  diese
Stadt  endlich,  und  auch  Lemberg  wieder.  Doch  die  Polen
  im  Rücken,  die  Russen  seitwärts,  konnte  er  auch  hier
sich  nicht  halten.  Er  sprengte  die  Festungswerke  von
Sendomir,  ließ  Lemberg  fahren,  übergab  sogar  Krakan
mit  Capitulation  (15ten  Juli),  und  begab  sich  mit  dem
Heere  nach  Ungarn,  während  Polen  und  Russen  (15ten
Juli)  in  Krakau  einrückten.

Ungarn  aber  war  nicht  mehr  ruhig,  als  der  Erzherzog
  hieher  kam.  Gleichwie  Oesterreich  zuvor  die
Sachsen,  die  Baiern,  die  Italiener  und  andere  Vblkberschaften
  aufgefordert  hatte,  wider  Willen  ihrer  rechtmäßigen
  Fürsten,  Gemeinschaft  mit  Oesterreich  gegen
Frankreich  zu  machen:  so  hatte  auch  Napoleon  schon
am  15ten  Mai  die  Ungarn  aufgeboten,  sich  für  ihre
Unabhängigkeit  mit  ihm  gegen  Oesterreich  zu  vereinigen.
Aber  wie  jene  Vblker,  so  verachteten  auch  die  Ungarn
die  Zumuthung  ehrloser  Pflichttreue.  Vielmehr  bildete
sich  in  Eile  zwischen  Raab  und  Comorn  ihr  Aufstandsheer,
  30,000  Mann  stark,  zur  Verstärkung  des  Erzherzogs
  Carl.  Denn  dieser  mochte  in  Allem  nur  95,000
Mann  unter  seinem  Befehl  haben,  wenn  man  auch  dazu
den  Heerhaufen  des  Erzherzogs  Johann  zählte,  der
hinter  Kdrmend  aufgestellt,  und  zu  18,000  Mann  zusammengeschmolzen
  war.  Carl,  bis  seine  Streitkräfte
vergrößert  seyn  würden,  hatte  sich  begnügt,  eine  Stellung
  zu  nehmen,  wodurch  er  den  Donau-Uebergang  der
Franzosen  verhindern,  und  Böhmen  und  Mähren  decken

15  *
        <pb n="232" />
        —.  228  —

konnte,  von  wannen  er  allein  noch,  zur  Fortsetzung  des
Kampfes,  die  vorzüglichsten  Unterstützungen  beziehen

konnte.)
Napoleon  dagegen,  der  ihm  an  der  Donau  nach

der  Schlacht  von  Aspern  mit  110,000  Mann  gegenüber
stand,  war  nicht  minder  thätig,  sich  eine  Ueberlegenheit

*)  Die  Stellung  der  österreichischen  Armee  war  gegen  Ende
des  Maimonates  folgende:  Das  iste,  2te  und  öte  Armee-Corps
  waren  hinter  dem  Rußbach  vereinigt,  und  zwar  mit
dem  rechten  Flügel  an  Deutsch-Wagram,  mit  dem  linken
an  Marktgrafen-Neusidel,  woselbst  das  Hauptgquartier
des  Erzherzogs  Carl,  gelagert.  Sämmtliche  Grenadier-Bataillons,
  so  wie  die  Reserve=  Corps  standen  bei  Gerasdorf.
  Das  eöte  Armee=  Corps  unter  Feldmarschall-Lieutenant
  Hiller,  und  die  österreichische  Avantgarde
unter  dem  General  Nor  dmann,  standen  außer  dem
Kanonen-Schuße  der  Lobau,  ihr  gegenüber.  Ein  Theil
der  Carallerie-Reserve  war  als  Rückhalt  für  die  vorgeschobenen
  Posten  bei  Raschdorf  gelagert.  Der  Stellung
des  êäten  Armee-Corps,  unter  Feldzeugmeister  Fürsten
Reuß  auf  dem  Bisamberge  2c.,  wurde  bereits  gedacht.
Eine  mit  beiden  Flügeln  an  die  Douau  sich  anlehnende
eingebogene  Linie  von  Perschanzungen,  schnitt  den  von
Aspern  bis  in  die  Gegend  von  Probstdorf  ausgedehnten
Theil  des  Donau=  Ufers  gleichsam  von  dem  übrigen  Ufer
ab,  und  stellte  solches  zu  einer  durch  jene  Circumvallations
  =  Linie  geschlossenen  Insel.  Die  ganze  Fronte  erwähnter
  Verschanzungen  bestand  gus  einzelnen  Werken,
vor  ihnen  die  Hauptpuncte  Aspern,  Eßlingen  und  Stadt-Enzersdorf.
  Erhielten  jedoch  die  erwähnten  Verschanzungen
  im  Laufe  der  darauf  verwendeten  Zeit  auch  wirkliche
  Solidität,  so  ist  jedoch  der  in  der  Folge  einflußreiche
  Umstand  zu  bemerken,  daß  der  linke  Flügel  derselben,
  welcher  sich  in  der  Nähe  von  Probstdorf  an  die
Donau  lehnen  sollte,  nie  gänzliche  Vollendung  erhielt.
        <pb n="233" />
        —  229  —

der  Streitmittel  zu  sichern.  Zum  Schutz  der  Schiffbruͤcke,
uͤber  den  Donauarm  nach  der  Lobau,  benutzte  er  jene
alterthuͤmliche  Kette,  deren  sich  einst  die  Tuͤrken  vor
Wien  zur  Sperrung  des  Flusses  bedient  hatten.  Oberhalb
  dieser  Schiffbrücke  ließ  er  noch  eine  starke  Pfahlbrücke
  schlagen.  So  hatte  er  bequemen  Weg  zum  Uebergang.
  Drohete  ihm  Erzherzog  Carl  mit  einem  Angriff
auf  der  linken  Seite,  so  war  es  nur  ein  Tagmarsch,  und
Napolcon  stand,  Meister  der  herrlichen  Stellung  bei
Ried,  am  westlichen  Abhange  eines  kahlen  Gebirgs,  wohin
  er  auch  die  Abtheilungen  ziehen  konnte,  welche  bei
Komos  und  St.  Polten  wachten.  Drohete  ihm  rechts
zwischen  Wien  und  Presburg  Gefahr,  fand  sie  ihn  längs
der  Donau,  bis  wo  in  diese  die  Fischa  fällt,  hinter  Verschanzungen
  geborgen,  stark  genug  die  vordringenden
Feinde  aufzuhalten,  während  von  der  Lobau  aus  elne
Abtheilung  der  franzbsischen  Macht  eine  Seitenbewegung
auf's  linke  Ufer  der  Donau  machen  konnte.

Bei  Presburg  selbst,  auf  den  Hbbhen  hinter  der
Stadt  und  im  Brückenkopf  am  rechten  Donau-Ufer,
standen  ungefähr  7,000  Oesterreicher.  Der  Fluß  bildet
daselbst  drei  Inseln.  Die  mittelste  derselben,  Au  genannt,
von  innen  mit  einigen  durch  Laufgräben  verbundenen
Werken,  20  Kanonen,  und  drei  Bataillonen  gesichert,
hatte  den  Brückenkopf.  Durch  eine  fliegende  Brücke
hieng  sie  am  rechten  Ufer;  durch  andere  Brücken  war  sie
mit  dem  Dorfe  Engerau  im  Zusammenhang.  Die  grössere
  der  Inseln,  Botsch  genannt,  so  wie  die  kleinere,
dienten  mit  ihren  Schanzen  zur  Seitenvertheidigung.
Die  Stellung  war  so  gut  gewählt  und  benutzt,  daß
Marschall  Davoust,  als  er  sie  (isten  Juni)  mit  ungefähr
  10,000  Mann,  über  Wolfsthal  her  angriff,  und
        <pb n="234" />
        —  230  —

besonders  Engerau  zu  nehmen  suchte,  wo  drei  Bataillone
Oesterreicher  in  noch  unvollendeten  Verschanzungen  standen,
  blutig  zuruckgewiesen  ward.  Auch  ein  zweiter  Versuch,
  sich  Engerau's  zu  bemächtigen  (öten  Juni)  mißlang.
  Doch  konnte  er  sich  hinter  den  steinernen  Gebäuden
des  Ortes  festsetzen,  und  den  Ausgang  desselben  mit  einzelnen
  Werken  versperren,  die  sich  links  bis  zur  Donau,
rechts  bis  zur  Niederung  unterhalb  Presburg  dehnten,
wo  der  Strom  plötzlich  südwärts  gehet.

In  derselben  Zeit  aber  wandte  sich  auch  der  Vicekdnig
  von  Italien  gegen  den  Erzherzog  Johann  und
die  ungarische  Insurrection.  Jener  sandte  den  General
Macdonald  auf  der  Grätzer-Straße  gegen  Körmend;
ging  selbst  mit  einem  Heertheil  dahin  über  Neustadt,
Odenburg  und  Günz,  wo  General  Lauriston  zu  ihm
stieß,  und  ließ  durch  den  Marschall  Davoust  eine  dritte
Colonne  von  Altenburg  gegen  die  Raabnitz  vorrucken.
Hier  warf  General  Montbrün  eine  kleine  Abtheilung
der  Ungarn,  erzwang  (zten  Juni)  den  Uebergang  bei
Schoweinhazy,  und  drückte  die  Ungarn  bis  zur  Naab
zurück,  längs  deren  Ufer  er  nun  vorrückte.  Der  Vicekönig
  hingegen,  um  den  Erzherzog  Johann  von  den
Ungarn  zu  scheiden,  hatte  plbtzlich  die  Körmender-Straße
verlassen,  und  sich  (oten  Juni)  nach  Scharwar  geworfen.
  Doch  war  ihm  Erzherzog  Johann  schon  zuvorgekommen,
  und  hinter  dem  Marczal-Fluß,  in  der  Gegend
  von  Papa  (12ten  Juni)  aufgestellt.

Macdonald,  dessen  Vortrab  (schon  den  Oten  Juni)
die  Nachhut  des  Erzherzogs  bei  Vasvar  und  St.  Mahaliva
  erreicht  (11ten  Juni),  über  die  Marczal  gegen
Papa;  ebendahin,  unterhalb  Koroko,  der  Vicekdnig,
        <pb n="235" />
        —  231  —

welcher  Davoust's  Abtheilungen  schon  an  sich  genommen
hatte.  Nun,  besonders  weil  Montbrün's  Reiterei  die
Oesterreichische  geworfen,  zog  sich  Erzherzog  Johann
über  Thet  nach  Raab  zu  den  Ungarn,  wo  er,  vereint
mit  ihnen,  30,000  Mann  stark  wurde.  Das  mit  aller
Kunst  hier  am  linken  Ufer  der  Raab  angelegte  verschanzte
Lager  half  nun  wenig,  weil  die  Franzosen  am  rechten
Ufer  herkamen.  Der  Erzherzog  ließ  jenes  Lager  daher
nur  schwach  durch  die  Ungarn  besetzen,  und  stellte  sich,
rechts  an  die  Raab  gelehnt,  auf  den  Höhen  von  Szabad-Hegy
  dem  Feinde  in  Schlachtordnung  entgegen.  Vor
ihm  die  Höhen  von  Kismeyer  hielt  er  mit  Geschütz,  den
Meyerhof  daselbst  mit  Fußvolk,  seinen  linken  Flügel  mit
Reiterei,  und  die  Straße  von  Papa  und  die  Weinberge
von  Czanak,  mit  einem  starken  Rückhalt  gedeckt.

Der  Vicekbnig  Eugen,  welcher  sich  inzwischen  nun
auch  mit  Macdonald  wieder  vereiniget  hatte,  richtete
vor  allen  Dingen  seine  Kraft  gegen  die  Weinberge  von
Czanak,  vertrieb  das  dsterreichische  Fußvolk  und  errang
deren  Besitz  (15ten  Juni),  während  andere  seiner  Schlachthaufen
  festen  Fuß  auf  dem  obern  Theil  der  Insel  Schuͤtt
faßten.  Durch  Verlust  der  Insel  wäre  die  nächste  Verbindungslinie
  Johann's  mit  der  österreichischen  Hauptmicht,
  durch  Verlust  der  Weinberge  der  allfällige  Rückzus
  zur  Festung  Comorn  gefährdet  gewesen.  Darum
blieben  den  Erzherzogen  Johann  und  Palatin  nur
zwei  Auswege  übrig;  entweder  eiliger  Rückzug  nach
Comorn,  oder  Wiedereroberung  der  Czanaler-Höhen.
Sie  eutschieden  sich  für  Letzteres,  und  beschlossen  den
Feind  (15ten  Juni)  anzugreifen.

Doch  schon  Tages  vorher  entfalteie  sich  die  Macht
des  Vicekbnig's  zum  Angriff  gegen  sie.,  Die  Oiwvi-
        <pb n="236" />
        —  232  —

sionen  Grenier  und  Serras,  unterstützt  durch  Baraguayd'.Hilliers
  und  Victor,  rückten  gegen  die
Heermitte  der  Oesterreicher;  aber  den  entscheidenden  Stoß
zu  geben,  war  der  Reiterei  Montbrün's,  Colbert's
und  Grouchy's  vorbehalten.  Diese  stürzte  sich  gegen
den  linken  Flügel  der  Erzherzoge,  wo  die  umsichtige  Führung
  der  österreichischen  Reiterei  durch  General  Meszeri
  von  den  übrigen  Truppen  schlecht  unterstützt  ward.
Bald  verschwand  das  Heer  des  ungarischen  Aufgebotes
vom  Schlachtfelde.  Die  Herzoge,  nach  Zertrümmerung
ihrer  Linken,  mußten,  wie  ausgezeichnet  tapfer  auch  die
Oesterreicher  in  der  Mitte  der  Schlachtlinie  fochten,  Alles
aufwenden,  um  in  dichten  Massen  einen  geordneten  Rückzug,
  erst  nach  Acs,  dann  (15ten  Juni)  in's  feste  Lager
von  Comorn  zu  erfechten.")  Napoleon,  von  Allem
wohl  unterrichtet,  hatte  indessen  den  Erzherzog  Carl
durch  drohende  Bewegungen  von  Wien  bis  Presburg,
längs  der  Donau  hinlänglich  beschäfriget,  um  ihn  an
einer  kraftvollen  Entsendung  nach  Ungarn  zu  hindern.

Die  Streifrotten  des  Vicekbnigs  schwärmten  nun
bis  Ofen  hinaus.  Raab,  durch  unzureichende  Verschan- 



*)  Die  Oesterreicher  gaben  ihren  Verlust  auf  6000  Mann  u.
Doch  dehnte  sich  diese  ihre  Berechnung  auch  auf  jene  13OT
pfere  Infanterie-Schaar  von  vier  Compagnien,  uner
Oberstlieutenant  Hummes  aus,  welche  auf  dem  Maierhofe
  bei  Kismeper  aufgestellt,  ehrenvollen  TLod  der  Gefangenschaft
  vorzog.  Der  im  festen  Lager  von  Raab  mit
6000  von  seinem  Heere  abgeschnittene  General  Mesko
zog  sich  in  der  Nacht  vom  löten  zum  15ten  längs  dem
linken  Raab=  Ufer  über  Scharwar  zurück,  und  näherte  sich
dadurch  den  österreichischen  Abtheilungen,  welbe  noch
fortwährend  Inner=  Oesterreich  behaupteten.
        <pb n="237" />
        —  233  —

zungen  keiner  langen  Vertheidigung  faͤhig,  durch  acht—
taͤgige  Beschießung  in  einen  Aschenhaufen  verwandelt,
ergab  sich  am  26sten  Juni.  Erzherzog  Johann  aber
kam  einen  Tag  spaͤter,  als  sich  Raab  den  Siegern  oͤff—
nete,  mit  den  ihm  unmittelbar  untergeordneten  Truppen,
nach  Presburg,  wo  er  die  Inseln  und  den  Bruͤckenkopf
besetzte,  und  auf  der  Hoͤhe  (unterhalb  der  Stadt)
15,000  Mann  in  ein  Lager  zusammen  zog.  Das  ungarische
  Aufgebot  mußte  mittlerweile  die  Insel  Schütt  behaupten.


22.
Vorbereitungen  zur  Schlacht  von  Wagram.

Nun  sann  Erzherzog  Carl,  da  er  nach  der  Ankunft
Johann's  bei  Presburg,  seine  Gesammtkräfte  vereinigt
  sah,  auf  entscheidende  Unternehmungen  gegen  Napoleon.
  Aber  auch  dieser  kündigte  laut  den  Entschluß
an,  seinen  Feind  auf  dem  Marchfeld  zu  suchen.  Nichts
konnte  ihm  mehr  den  Gang  über  die  Donau  verhindern,
dessen  er  sich  mit  bewunderungswürdigen,  wahrhaft  riesenmäßigen
  Voranstalten  versichert  hatte.  Die  Insel
Lobau  war  ein  Meisterwerk  der  Befestigungokunst  geworden;
  mit  18  und  235pfündigen  Kanonen,  und  30  bis
(0pfündigen  Mörsern  vertheidigt;  durch  zwei  Jochbricken
  und  eine  Schiff=  und  Floßbrücke  an's  rechte  Ufer,
mit  anderen  Brücken  an  die  kleineren  Inseln,  zum  linken
Ufer  hin,  festgebunden;  mit  allen  Mund=  und  Kriegsvorräthen
  in  Ueberfluß  versorgt;  von  einer  kleinen  Flotte
von  Fahrzeugen  umschwärmt,  gleich  dienlich  zum  Schutz,
wie  zur  Vernehmung  der  Uebergangspuncte.
        <pb n="238" />
        —  234  —

Gern  hätte  sich  Napoleon  auch  noch  des  wichtigen
  Punctes  Presburg  bemächtiget,  weil  derselbe  dem
Erzherzog  Carl  theils  zur  Bedrohung  des  rechten  Donau-Ufers,
  theils  zur  Stütze  diente,  im  Fall  die  Oesierreicher
  auf  dem  Marchfeld  Unglück  erleben  sollten.  Darum
ließ  Napoleon  den  Vicekbnig  Eugen  und  den  Marschall
  Davoust  vor  dieser  Stadt,  und  zwischen  ihr  und
der  Lobau,  und  in  den  Gebirgen  vor  Wolféthal  stehen,
und  endlich  Presburg  selbst  zu  wiederholten  Malen  (vom
26sten  bis  28sten  Juni)  auf's  Heftigste  beschießen.  Dies
war  jedoch  so  fruchtlos,  als  ein  mächtiger  Ueberfall  der
Insel  Au  (Nachts  vom  2osten  bis  30sten  Juni).  Der
franzdsische  Kaiser  nahm  daher  nach  diesen  vergeblichen
Versuchen,  die  meisten  Abtheilungen  seines  Heeres  von
Presburg  zurück  zu  seiner  Hauptmacht.  Von  der  Lobau
nun  wollt'  er  mit  derselben  aufbrechen.

Es  war  sieben  Uhr  Abends  am  Sosten  Juni,  als
aus  den  Schanzen  der  Insel  ein  furchtbares  Geschützfener
das  linke  Ufer  des  Stroms  von  allen  bsterreichischen  Vorwachten
  rein  fegte.  Folgendes  Tages  wurden  die  kleineren
  Eilande  vor  der  Lobau  mit  06  Stück  Geschätzes
besetzt.  Napoleon  kam  dann  in  der  Lobau  selbst  an.

Erzherzog  Carl  erkannte  die  Bedeutung  dieser  raschen
  Bewegungen,  und  wählte  sein  Hauptgelager  im
neuen  Wirthshause  bei  Raschdorf.  Er  zweifelte  nicht,
sein  großer  Gegner  musse  und  werde  eine  zweite  Schlacht
auf  dem  Marchfelde,  dann  aber  schwerlich  nur  im  engbeschränkten
  Raume  zwischen  Aspern  und  Eöling,  wagen.
Er  rüstete  sich  also,  kräftig  ihm  begegnen  zu  können.
Er  ließ  dem  östen  Armee-Corps  zwar  die  biöherigen
Stellungen  bei  Aspern,  Esling,  Stadt  -Enzerödorf,  mit
        <pb n="239" />
        —  235  —

Posten  bis  an  die  March  und  auf  den  Uebergangs-Puncten
bei  Theben,  Schloßhof  und  Marcheck,  zur  Verbindung
mit  Preßburg;  ließ  aber  zur  Unterstuͤtzung  dieses  Corps,
als  Reserve,  eine  Brigade  vom  dritten  Corps,  und  den
übrigen  Theil  des  letztern,  auf  den  rechten  Flügel  in
zwei  Treffen  zwischen  Esling  und  Aspern,  das  zweite
Corps  aber  hinter  Esling  und  Enzersdorf  aufstellen.
Die  zwischen  diesen  Corps  dadurch  entstandene  Lücke  mußte
das  mit  seiner  Hauptmacht  bei  Raschdorf  aufgestellte
Cavallerie=  Corps  des  Fürsten  Lichtenstein  ausfüllen.
Als  Reserve  des  Ganzen  dienten  bei  Breitenlee  das  erste
Armee=  Corps,  und  bei  Raschdorf  die  Grenadiere  des
vierten  Corps,  welches  in  der  Richtung  von  Ratzendorf
und  Wittau  den  linken  Flügel  einnahm.  Hingegen  das
fünfte  Corps  blieb  unverändert  am  Bisamberg,  bei
Korn-Neuburg  und  am  Spictz  stehen.

Am  Morgen  des  2ten  Juli  besetzten  500  Voltigeurs
von  Massena's  Heerhaufen  die  Mühlen=  Insel  bei
Aspern,  knüpften  sie  an  beide  Strom-Ufer  mit  Schiffbrücken,
  sicherten  sie  durch  einen  Brückenkopf  und  zahlreiches
  Geschütz,  begünstigten  vermittelst  derselben  eben
so  rasch  den  Uebergang  der  Division  Legrand,  die  sich
im  vorliegenden  Gehblz  festsetzte;  und  fast  gleichzeitig,  wie
heftig  auch  die  Batterien  der  Oesterreicher  von  Esling  her
spielten,  wurde  von  den  Franzosen  die  diesem  Orte  nahe
gelegene  Donau-Insel  besetzt,  und  mit  dem  linken  Ufer
durch  Brücken  verbunden,  während  das  französische  Geschutz
  anderseits  die  Stadt  Enzersdorf  ängstigte.

Erzherzog  Carl,  nun  ungewiß,  ob  der  Feind  von
der  Insel  Lobau,  oder  bei  der  schwarzen  Lache  über  die.
Donau  gehen  wolle,  führte  sein  ganzes  Heer  (den  zten
        <pb n="240" />
        —  236  —

Juli)  wieder  in  die  Mittelstellung  hinter  den  Rußbach
zurück,  verlegte  sein  Hauptquartier  wieder  nach  Deutsch-Wagram,
  und  ließ  nur  seine  Vorhut  und  das  dritte
Armee-Corps  an  der  Donau  stehen.  Die  Aufmerksamkeit
  der  Franzosen  zu  theilen,  mußte  zugleich  Erzherzog
Johann  das  von  den  Franzosen  verschanzte  Oorf  Engerau
  bel  Preßburg  stark  beschießen,  und  eine  Schiffbrücke
  über  die  Donau  werfen,  damit  die  sämmtlichen
jn  der  Nähe  befindlichen  dsterreichischen  Truppen  folgenden
  Tages  in  den  Brückenkopf  einrücken  kopnten.  Aber
noch  an  eben  dem  öten  Juli  erhielt  Erzherzog  Johann
Befehl,  sogleich  sich  mit  seiner  ganzen  Macht  über
Marcheck  dem  Hauptheere  anzuschließen,  indem  die  ungarische
  Insurrection  die  Donau:von  Preßburg  bis  Comorn
  decken  sollte.  Denn  Napoleon's  Absichten  wurden
  jetzt  schon  deutlicher.

Alle  seine  Kampfmassen  nämlich  drängten  sich  schnell
in  dichten  Haufen  auf  der  Insel  Lobau  und  an  die  zu
ihr  führenden  Brücken  zusammen.  Damit  diese  nicht
durch  das  grobe  Geschütz  der  Oesterreicher  beunruhigr
werden  sollten,  donnerten  alle  franzbsische  Stückschanzen
gegen  das  Städtchen  Enzersdorf,  bis  es  Abends  10  Uhr
in  vollen  Flammen  stand.  In  der  Nacht  tobte  ein  heftiger
  Sturmwind;  aber  er  brach  weder  die  Inselbrücken,
noch  hinderte  er  1500  Franzosen,  über  den  Donau-Arm
zu  setzen,  das  Dorf  Mühlleuten  wegzunehmen,  und  im
daran  stoßenden  Gehôlz  Fuß  zu  fassen.  In  derselben
Nacht  noch  gingen  Massena,  Davoust  und  Ondinott
  mit  ihren  Heerhaufen,  dann  bei  Tagesanbruch  das
italienische  Heer,  die  Garden,  und  Bernadotte's
Corps,  über  die  Brücken,  welche  mit  wunderhafter
        <pb n="241" />
        —  237  —

Schnelligkeit  von  der  Aleranders-Insel  zum  linken  Donan-Ufer
  geschlagen  worden  waren.  Hingegen  die  vorwaͤrts
der  Muͤhlinsel  ausgestellte  Division  Legrand,  nun  sie
den  Feind  lange  genug  über  den  wahren  Uebergangs-Punct
  in  Ungewißheit  erhalten  hatte,  zog  sich  nach  der
Lobau  zurück,  und  ließ  den  Brückenkopf  nur  durch  ein
badensches  Regiment  besetzen.

Jetzt  konnte  die  bsterreichische  Avantgarde  unter
General  Nordmann,  zwischen  Mühlleuten  und  Enzersdorf,
  unmdglich  der  feindlichen  Uebermacht  Stand
halten.  Sie  zog  sich  gegen  Ratzendorf  und  Markgrafen-Neusicdel.
  Nur  das  sechste  Corps  der  Oesterreicher
behanptete  seine  Verschanzungen  bei  Aspern  und  Enzerödorf.


Erst  mit  Anbruch  des  Tages  konnte  Erzherzog  Carl
die  Bewegungen  seines  Feindes  bestimmter  inne  werden,
wie  Oudinot  und  Davoust  gegen  Ratzendorf  zogen,
Massena  die  Verschanzungen  von  Eöling  und  Enzersdorf
  umging,  letztere  Stadt  einem  österreichischen  Bataillon
  nach  heftigem  Widerstand  endlich  entriß;  wie  die
italienische  Armee  und  Bernadotte,  Enzersdorfrechts
liegen  lassend,  zwischen  Eöling  und  Aspern  vorrückten,
und  den  General  Grafen  Klenau,  mit  seinem  sechsten
Armee=  Corps,  nach  der  tapfersten  Gegenwehr,  zwangen,
  in  der  Richtung  nach  Breitenlee  einen  geordneten
Rückzug  zu  nehmen;  wie  endlich  Davoust  und  Oudinot
  auch  den  wackern  General  Nordmann,  den  sie
auf  der  Stirnseite  und  den  linken  Flügel  anufielen,  nach
langem  Streit  ndthigten,  den  Besitz  des  Punctes  Natzendorf
  aufzugeben,  und  sich  auf  die  Markgrafen-Neu-
        <pb n="242" />
        —  238  —

siedler-Hoͤhen  dem  linken  Fluͤgel  des  dsterreichischen
Heeres  anzuschließen.

Kaum  vier  Uhr  Nachmittags  war  es,  als  die  franzdsischen
  Schaaren,  die  ihren  Feind  immerdar  mit  zahlreicher
  Artillerie  und  Reiterei  überflügelten,  sich  in  der
NRichtung  von  Glinzendorf,  über  Raschdorf  hin,  ausbreiteten.
  Erzherzog  Carl  hingegen  behielt  seine  Stellung
mit  den  drei  Armee-Corps  hinter  dem  Rußbach,  mit
der  Cavallerie  und  den  Grenadier-Bataillonen  auf  den
dortigen  Anhdhen;  den  linken  Flügel  an  Markgrafen-Neusiedel,
  den  rechten  an  Deutsch-Wagram  gelehnt;
die  Corps  von  Collowrath  und  Reuß  am  Bisamberge,
  eine  Meile  weiter  rückwärts.  Umsonst  stürmten
die  Franzosen  spät  Abends  die  Puncte  Markgrafen-Neusiedel
  und  Baumerödorf;  umsonst  machten  sie  die  wildesten
  Anstrengungen,  über  den  Rußbach  gedrungen,  die
Heermitte  der  Oesterreicher  zu  durchbrechen.  Hier  warf
sie  Fürst  Hohenzollern  mit  Nachdruck  zurück,  und
ein  sächsisches  Regiment,  welches  am  rechten  Flügel
schon  Deutsch-Wagram  gewonnen  hatte,  mußte  es  wieder
  verlassen.

So  kam  die  Nacht.  Jeder  wußte,  der  folgende  Tag
werde  blutig  über  beide  Heere  entscheiden.  Der  linke
Flugel  der  Oesterreicher  war  schwach;  darum  hatte  Erzherzog
  Johann  wiederholte  Befehle  erhalten,  sich  eiligst
über  Marcheck,  Schönfeld  und  Untersiebenbrunn  dem
Hauptheere  anzuschließen.

Die  Armeen  standen  einander  sehr  nahe.  Napoleon
  hatte  seinen  rechten  Flügel  zu  Glinzendorf,  den
linken  zu  Groß-Aspern;  Erzherzog  Carlk  hinwieder  den
        <pb n="243" />
        rechten  bei  Stammersdorf,  den  linken  bei  Markgrafen-Neufsiedel.“)


*)  Das  Corps  des  Fürsten  Rosenberg,  mit  ihm  vereinigt
  die  Avantgarde  unter  General  Nordmann,  bildete
den  äußersten  linken  Flügel  der  Oesterreicher,  hielt  Markgrafen-Neusiedel
  und  die  zunächst  gelegenen  Höhen  besetzt.
  Ihm  zur  Unterstützung  waren  vier  Cavallerie=Regimenter
  unter  Graf  Nostitz  hinter  ebengenanntem
Orte,  zur  Sicherung  der  linken  Flanke  einige  Husaren-Abtheilungen
  bei  Ober-Siebenbrunn  aufgestellt.  Ihr
rechter  Hand,  stand  das  2te  Corps  unter  Fürst  Hohenzollern,
  bis  hinter  Baumersdorf,  dieses  Dorf  besetzt
haltend.  Neben  diesem  Corps  stand  bis  Deutsch-  Wagram,
leztbenannten  Ort  beseht  haltend,  das  Corps  des  Grafen
Bellegarde.  Die  Vorposten  genannten  Corps  standen
an  den  Rußbach  und  über  Selben.  8wischen  Gerasdorf
und  Deutsch-Wagram  standen  die  Grenadiere  und  die
Cavallerie  unter  Fürst  Lichtenstein,  mit  Ausnahme
jener  vier  zur  Unterstützung  des  linken  Flügels  entsendeten
Regimenter.  Das  Corps  des  Generals  Grafen  Collowrath
  stand  bei  Hagenbrunn.  Das  bte  Corps,  jeßt
unter  Klenau,  hatte  sich  bei  Stammersdorf  gesammelt,
seine  Posten  vor  Gerasdorf  und  Leopoldau  vorgeschoben.
Das  Corps  des  Fürsten  Reuß  stand  am  Bisamberge.

Die  französische  Armee  hatte  sich  dagegen  der  österreichischen
  Stellung  nahe  gelagert,  ihren  linken  Flügel
an  Groß=  Aspern  angelehnt,  die  Mitte  hinter  Raschdorf,
hier  die  Hauptkraft  concentrirend,  den  rechten  Flügel  zu
Glinzendorf,  hatte  die  Dörfer  Aderklau,  Süßenbrunn,
Glinzendorf  und  Großhöfen  stark  besetzt.  Demnach  bildeten
  tiefe  Colonnen  der  französischen  Garden,  der  italienischen
  Armee  die  Mitte,  und  beschützten  dadurch  gleichsam
den  selbst  dem  Auge  des  Gegners  kenntlichen  Bivouak
Napoleons;  linker  Hand  von  ihnen  stand  das  Corps
        <pb n="244" />
        —  240  —

23.
Die  Schlacht  von  Wagram.

Wir  muͤssen  auf  die  baierische  Division  zuruͤck  bli—
cken,  welche  seit  dem  ersten  Juli  von  Linz  nach  Wien
unterwegs,  den  dritten  Tag  schon,  nach  sechs  und  dreißig
zuruͤckgelegten  Wegstunden,  in  St.  Poͤlten,  und  am
5ten  Juli  bei  Tagesanbruch  zwischen  Wien  und  Schönbrunn
  stand.  Von  Tag  zu  Tag  hatte  Generallieutenant
Wrede  durch  den  Fürsten  von  Neuschatel  Bericht
über  den  Stand  der  Dinge  bei  Wien,  und  auf  die  feinste
Weise  daran  geknüpfte  Einladungen  erhalten,  seinen
Zug  zu  beschleunigen,  wenn  er  am  nahe  bevorstehenden
Heldemverk  Theil  nehmen  wollte.  )  Solcher  ritterlichen



Massena's,  an  dieses  das  Corps  Bernadotte's
angelehnt,  dann  diese  Linie  durch  französische  und  sächsische
Cavallerie  fortgesetzt  bis  Hirschstädten.  Rechter  Hand  an
die  Mitte  angeschlossen  standen  die  Corps  Marmont,
Oudinot,  Davoust;z  leßteres  durch  zahlreiche  Eavallerie
  verstärkt,  bis  über  Glinzendorf  ausgedehnt.

*)  Am  dritten  Julitage  erhielt  Wrede  zwei  aufeinander
folgende  Couriere,  welche  folgende  gleichlautende  Zeilen
überbrachten:

Isle  Napoleon  le  5.  juillet  à
5  heures  du  matin.
(dito  à  7  heures  du  matin.)
a  Monsieur  le  génèeral  de  Wredec.
Si  vous  voulez  mon  cher  gendral  de  Wrele,
être  aux  affaires  qui  vont  avoir  lieu,  il  faut  étre
rendu  ici  le  5  à  5  heures  du  matin.  —  Ci’est  à  dire
à  l'isle  de  Lobau  près  d’Ebersdork.
le  pringe  de  Neuschatel,  majorgénéral,
Signé:  Alexandre.
        <pb n="245" />
        —  241  —

lichen  Aufforderung  konnte  Wrede  nicht  widerstehen.
Seine  Begierde,  Genosse  des  großen  Tages  zu  werden,
theilte  sich  dem  ganzen  Heerhaufen  mit.  Unfreudig  aber
stand  er  mit  seinen  Bapern  bei  Wien,  als  er  nun  den  Kanonendonner
  jenseits  der  Donau  vernahm  und  er  nun  bestimmt
  schien,  die  Einwohner  der  Hauptstadt  zu  bewachen,
die  von  ihren  Dächern  und  Thürmen  den  Gang  des  Kampfes
  im  Marchfeld  beobachteten.  Er  sandte  wiederholt
an  den  französischen  Kaiser  Officiere  ab,  der  ihm  aber
nur  immer  mündlich  erwiedern  ließ:  „Est-Ce##  due  la
töte  lui  brule  déjà  7“

Endlich  ward  er  Abends,  doch  nur  für  seine  Person,
in  die  kaiserliche  Beiwacht  nach  Raschdorf  berufen.  Der
Weg  dahin,  bei  Nacht,  und  zwischen  fortgesetztem  heftigem
  Feuer  der  gegenseitigen  Plänkler,  war  gefahrvoll.
Zwei  Stunden  vor  Mitternacht  langte  Wrede  beim  Kaiser
  an.  Dieser,  auf  einer  Bärendecke  am  Feuer  sitzend,
in  einiger  Ferne  von  den  Marschällen  umringt,  die  alle
mit  entblößten  Häuptern  schweigend  umherstanden,  empfing
  den  bayerischen  Feldherrn  mit  sichtbarem  Vergnigen.
  Jutraulich  nahm  er  diesen  unter  den  Arm,  und  vom
Gefolge  sich  entfernend,  fragte  er  ihn  um  Alles,  was  er
auf  dem  Wege  von  Schönbrunn  nach  Wien  gesehen,  was
hier  das  Volk  mache,  in  welchem  Zustande  die  baperische
Division  sey?  Als  ihm  der  General  Alles  und  die  Hoffnung
  der  baperischen  Division  geschildert  hatte,  für  ihre
Anstrengungen,  im  Eilzuge  von  Linz  nach  Wien,  durch
die  Theilnahme  an  der  Hauptschlacht  belohnt  zu  werden,
bemerkte  Napoleon:  Er  wäre  wegen  des  folgenden  Tages
  und  wegen  seiner  Lage  im  Allgemeinen  nicht  ganz
ohne  Besorgniß,  der  Erzherzog  Carl,  vortheilhaft  gestellt,
  und  man  könne  sich  nur  vermittelst  glücklicher

II.  Stes  Buch.  10
        <pb n="246" />
        Manduvers  aus  der  Gefahr  ziehen.  Als  der  General
erwiederte:  dieß  scheine  ihm  um  so  gegruͤndeter,  da  die
zur  Lobau,  vom  rechten  Ufer  fuͤhrende  Bruͤcke  nicht  stark
genug  sei,  und  jeden  Augenblick,  wenn  sie  breche,  die  Rückzugslinie
  bedrohe,  versetzte  der  Kaiser:  „e'est  pourquoi
il  faut  se  battre  et  vainere,  et  vous  aurez  des  ordres
pour  me  joindre.“

Napoleon  kehrte  mit  diesen  Worten  zu  seinem
Sitz  zuruͤck,  eine  Ruhe  aͤußernd,  der  seine  bewegten  Gesichtszuͤge
  widersprachen.  Todtenstille  herrschte  im  Kreise
der  Umherstehenden.  Von  Zeit  zu  Zeit  rief  der  Kaiser:
„Géncral  Wrede,  étes-  vous  Ià  “  Wrede  bat  endlich
den  Fürsten  von  Neuschatel,  ihm  die  Befehle  für  den
folgenden  Tag  auszuwirken,  aber  der  Fürst  wies  ihn  an
den  Kaiser.  Wrede  nahete  sich  endlich  diesem  wieder
um  12  Uhr  Nachts,  und  stellte  ihm  vor,  daß  er,  um  zu
seinen  Truppen  zu  gelangen,  zwei  Stunden,  und  dann
noch  Zeit  bedürfe,  um  mit  Tagesbeginn  aufbrechen  und
den  ihn  bestimmten  Standpunct  mit  der  Division  erreichen
zu  können.  „C'iest  bon,  vous  allez  avoir  vos  ordres“
sagte  der  Kaiser,  und  verfiel  wieder  in  sein  voriges  Nachdenken.
  Um  1  Uhr  Morgens  erneuerte  Wrede  seine  gemachte
  Vorstellung  noch  dringender,  worauf  der  Kaiser
den  Fürsten  Neuschatel  rief,  und  ihm  die  Auzsfertigung
  des  Befehls  gebot:  die  Division  Wrede  solle  mit
anbrechendem  Tage  über  die  Donau  gehen,  sich  gegen
Stadt  Enzersdorf  bewegen,  und  dort  fernere  Weisungen
erwarten.  Schon  graute  der  Morgen  des  Sten  Julitages,
als  Wrede  zu  den  Seinigen  zurückkam.  In  wenigen
Minuten  aber  brachte  sein  Ruf  Alles  unter  die  Waffen;
freudig  eilte  Alles  dem  Kampfplatze  zu.
        <pb n="247" />
        —  243  —

In  denselben  Augenblicken  war  schon  das  ganze  oͤsterreichische
  Heer  in  Bewegung,  denn  Erzherzog  Carl  wollte
seinem  Gegner  mit  allgemeinem  Angriff  zuvorkommen.
Er  ließ  das  sechste,  dritte  und  das  Grenadier-Corps  gegen
  Napoleons  linken  Fluͤgel,  also,  daß  das  sechste
Corps  stets  an  der  Donau  bleiben,  und  dem  dritten  Corps
Hand  bieten,  das  dritte  gegen  Breitenlee  ziehen,  aber  die
Stammersdorfer-Hoͤhe  miteiner  Brigade  und  Batterie
besetzt  halten,  und  uͤbrigens  den  Grenadieren  angeschlossen
bleiben,  das  Grenadier-Corps  aber  gegen  Suͤssenbrunn
vordringen  sollte.  Zwischen  Sussenbrunn  und  Aderklag
bewegte  sich  Kürst  Lichtenstein  mit  dem  Reservecorps
vorwärke,  rechts  in  Verbindung  mit  dem  Grenadier-Corps,
links  in  Verbindung  mit  dem  ersten  Corps  unter  Grafen
Bellegarde,  der  seine  Richtung  nach  Aderklag  hatte,  und
links  an  den  Rußbach  gelehnt,  die  Höhe  hinter  Oeutsch-Wagram
  einnehmen  sollte.  —  Fürst  Hohenzollern  sollte
mit  dem  zweiten  Corps  die  Stellung  hinter  dem  Rußbach
aufs  Acußerste  vertheidigen;  Fürst  Rosenberg  hingegen
  sich  gegen  Napoleon's  rechten  Flügel  werfen,  in
der  Voraussetzung  der  Ankunft  des  Erzherzogs  Johann;
und  Fürst  Reuß  indessen  den  Spitz,  die  schwarze  Lache
und  alle  übrige  Puncte  an  der  Donau  decken.

Das  französische  Kriegesheer  stand  noch  um  vier  Uhr
Morgens  in  seinen  Stellungen.  Als  aber  Bellegarde
zwischen  Wagram  und  dem  von  den  Franzosen  verlassenen
Aderklag  erschien,  und  Fürst  Rosenberg  bei  Glinzendorf
  und  Großhbfen,  erhob  sich,  besonders  hier,  sogleich
lebhaftes  Gefecht.  Denn  Davoust,  durch  die  Cuirassierdivision
  des  Herzogs  von  Padua  verstärkt,  drohete  hinter
Glinzendorf  weg,  Rosenbergs  Corps  seitwärts  zu
umgehen.  Dieses  mußte  sich  daher  erst  an  den  Rußbach,

10“
        <pb n="248" />
        —  244  —

spaͤter  aber,  nach  bedeutendem  Verlust,  wieder  in  die
Stellung  bei  Markgrafen-Neusiedel  zuruͤckbegeben.

Waͤhrend  dessen  waren  auch  die  Corps  von  Klenau,
Collowrath  und  die  Grenadiere  hinter  Leopoldsau  auf  den
linken  Fluͤgel  der  Franzosen  gestoßen,  auf  saͤchsische  und
franzdsische  Reiterei,  die  zum  Bernadottischen  Heerhaufen
  gehdrte,  und  bald  zurückgetrieben  war.  Napoleon
aber,  wenig  um  seine  gefährlich  bedrohete  Linke  bekümmert,
  wollte  seine  ganze  Kraft  in  die  Mitte  seines  Heeres
zusammendrängen  und  zugleich  sich  auf  der  Rechten  stärken.
Darum  zog  er  Massena's  ganzes  Corps  und  einen  Theil
des  Bernadottischen  gegen  Aderklaa,  und  ließ  Groß-Aspern
  und  die  Umgebung  nur  durch  eine  Abtheilung
Bernadottess  besetzen,  mit  Auftrag,  sich  im  äußersten
Nothfall  nach  der  Insel  Lobau  zurückzuziehen.

In  der  That  blieb  dieser  Abtheilung  von  Sachsen  und
Franzosen,  nach  dem  blutigsten  Streit  gegen  Klenau's
Uebermacht,  nichts  anderes  übrig.  Sie  eilte,  mit  Zurücklassung
  von  Geschütz,  in  Verwirrung,  zum  Theil  gesprengt,
  der  Brücke  zur  Lobau  entgegen  und  hinüber,
verfolgt  durch  Klenau,  während  weiterhin  auch  Graf
Collowrath  bis  Breitenlee  vorgedrungen  war,  und
schon  gegen  Raschdorf  strebte.

Das  war  der  Augenblick,  in  welchem  die  Division
Wrede  über  die  Lobau-Brücke  daherschritt,  durch  mehrere
  nacheinander  eingetroffene  Adjutanten  Napoleons
aufgefordert,  ihren  Zug  zu  beschleunigen.  Die  Bayern
sahen  die  Niederlage  und  das  Weichen  des  linken  Flügels.
Die  ihnen  entgegen  eilenden  Flüchtlinge  und  Verwundeten
gewährten  den  Anblick  einer,  auch  für  sie  verlornen  Schlacht.
Aber  das  Schauspiel,  wie  furchtbar  es  sie  auch  umgab,
        <pb n="249" />
        —  245  —

erschreckte  diese  altgedienten,  vom  trefflichen  Geiste  beseelten
  Kriegesleute  nicht.  Mit  einer  schonen  Haltung,  wie
auf  dem  Paradeplatz,  Alle  in  Kleidung  und  Waffen,  seit
dem  vorigen  Tage  wie  zu  einem  Fest,  sorgfältiger  angethan,
  flößten  sie  durch  ihre  Ruhe  den  Bewohnern  Wiens
Erstaunen,  den  Kämpfenden  neues  Vertrauen,  den  Flüchtlingen
  Scham  ein.

Als  Generallieutenant  Wrede  das  linke  Ufer  der
Donau  betrat,  schwankte  er  einen  Augenblick,  ob  er  nicht
dem  bedrängten  linken  Flügel  des  französischen  Heeres  zur
Hüälfe  gehen  solle?  Doch  hatte  ihm  Napoleon  allzubestimmt
  eine  Aufstellung  neben  den  französischen  Garden
gebieten  lassen.  Er  begab  sich  daher  in  Person  eiligst
zum  Kaiser  selbst,  und  war  nicht  wenig  erstaunt,  diesen
außerordentlichen  Mann,  auch  nachdem  er  ihm  das  Schicksal
  des  linken  Flugels  genau  geschildert  hatte,  in  einer
Ruhe  und  Unbefangenheit  zu  sehen,  als  wäre  er  ein  Gebieter
  der  Verhängnisse.  Weit  entfernt,  die  bayerische
Division,  schon  bis  auf  tausend  Schritt  herangekommen,
zur  Unterstützung  des  fort  und  fort  weichenden  Flugels  zu
verwenden,  befahl  er  ihr,  sich  ungesäumt  seinen  Garden
anzureihen.  Es  geschah.  Die  Garden  jauchzten  ihr  bei
der  Ankunft  grüßend  ein  Lebehoch  zu;  denn  Napoleon
selbst  hatte  in  einer  kurzen  Anrede  an  die  Bayern,  ihrer
bisherigen  Tapferkeit  gedenkend,  erklärt,  welchen  Werth
er  auf  ihr  Ankommen  im  entscheidenden  Augenblick  setze.
Wrede  verhieß  im  Namen  Aller,  als  Dank  für  diese
ehrenreiche  Auszeichnung,  eine  würdige  That.

Während  die  Oesterreicher  unter  Klenau's  und
Collowraths  Befehl  siegreich.  vorschritten,  stand  Bellegarde's
  Corps  unerschütterlich  zwischen  Aderklaa  und
Wagram,  die  Grenadiere  und  das  Reiter  Reserve-Corps
        <pb n="250" />
        ebenfalls  in  die  Linie  von  Aderklaa  und  Suͤssenbrunn  vorgezogen.
  Zwar  Massena  stuͤrmte,  trotz  dem  heftigsten
Feuer  des  Feindes,  in  zwei  Colonnen  vorwaͤrts  gegen
Aderklaa,  warf  links  und  rechts  Alles  uͤber  den  Haufen
und  nahm  das  Dorf.  Bellegarde  aber  fuͤhrte  den
Franzosen,  die  als  Folge  ihres  ungestuͤmmen  Vorruͤckens
gleichsam  in  Plaͤnkler-Haufen  aufgeloͤst  waren,  tapfere
Massen  entgegen,  und  trieb  sie  wieder  zurück.  Napoleon
  hielt  die  Gesammtkraft  seiner  Heermitte  in  Ruhe,
umd  die  feindlichen  Schlachtreihen  gegenüber  durch  ununterbrochenes
  Kanonenfeuer  in  ihrer  Stellung  fest.  Als
er  aber  vom  Marschall  Davoust,  der  beim  Anfang  der
Schlacht  gegen  Loibesdorf  gezogen  war,  Meldung  empfing,
  nun  stehe  er  oberhalb  Ober-Siebenbrunn  in  zwei
Treffen  gegen  der  Oesterreicher  linke  Seite,  sei  im  Vorrücken,
  habe  dem  Corps  des  Fürsten  Rosenberg  schon
großen  Schaden  zugefügt,  und  dessen  meistes  Geschütz
zerstdrt,  wandte  sich  der  Kaiser  zum  General  Wrede  und
sagte:  „à  présent  vous  allez  voir  mes  manoçeuvres
et  due  Jai  gagné  la  bataille!“

Darauf  ließ  er  Oudinot's  Corps  über  Pyödorf
nach  Glinzendorf  eilen,  um  Davoust's  fortgesetzte  Bewegungen
  zu  begünstigen.  Bald  nach  diesem  begannen
die  franzdsischen  Geschützmassen,  die  auf  der  Seite  von
Grafen-Neusiedel  aufgestellt  waren,  ihr  mörderisches
Feuer  in  die  Reihen  der  Oesterreicher.  Dann  mußte
Massena,  wie  viel  er  auch  beim  mißlungenen  Angriff
auf  Aderklaa  gelitten  hatte,  noch  ein  Mal  gegen  diesen
  Punct  anstürmen,  und  Macdonald,  mit  seinem
ganzen  Corps,  mit  einem  Theil  der  kaiserlichen  Garde-Reiterei
  und  mit  hundert  Kanonen  ihn  unterstützen.  Im
Trabe,  bis  auf  halbe  Schußweite,  rückten  die  Kanonen
        <pb n="251" />
        vor,  gegen  die  feindlichen  Schlachthaufen  in  und  bei  Aderklaa.
  Ihr  Donner  brüllte.  Macdonald,  im  Sturmschritt,
  fiel  den  rechten  Flügel  des  österreichischen  Grenadier-Corps,
  den  linken  des  Feldmarschall-Lientenants
Collowrath  an.  Aber  der  ungeheuere  Stofß  erschütterte
die  dsterreichischen  Schlachtreihen  keineswegs,  denen  Fürst
Lichtensteins  Reiterei  zum  mächtigen  Schutz  diente.
Macdonald  konnte  nicht  weiter  vordringen.  Er  hatte
Mühe,  sich  in  der  Linie  zu  behaupten,  die  sein  Geschütz
eingenommen  hatte.

Da  rief  Napoleon  dem  General  Wrede  zu:
„à  présent  je  vous  lache;  vous  voyez  la  position
fächeuse  de  Macdonald.  Marchez,  relevez  ce  corps;
attaqucz  Pennemi;  enfin  faites  ce  due  bon  vous
semble!“  Wrede  stellte  alsbald  sein  gesammtes  Geschuͤtz,
  84  Stück  stark,  in's  erste  Treffen,  sein  Fußvolk
in's  zweite,  seine  Reiterei  ins  dritte.  So  zog  die  Division
  vorwärts.  Macdonald  übersah  mit  Vergnügen
  die  kampflustige  Schaar  der  Bayern,  begrüßte  ihren
Anführer,  und  zog  sein  Corps,  das  vor  Aderklag  in
eine  Plänklerlinie,  höchstens  1800  Mann  stark,  aufgeldst
war,  durch  die  bayerischen  Treffen  zurück.  Wrede's
Artillerie  begann  das  Feuer;  seine  Schlachthaufen  drangen
  an.  Die  Oesterreicher,  von  den  Anstrengungen  des
heißen  Tages  ermüdet,  leisteten  den  frischen,  ausgeruheten
  Truppen,  die  ihnen  jetzt  entgegentraten,  keinen  langen
Widerstand.  Sie  nahmen  ihren  Rückzug  hinter  Gerasdorf,
um  so  mehr,  da  jetzt  schon  die  ganze  österreichische  Armee
durch  die  sieghaften  Fortschritte  des  rechten  Flügels  der
Franzosen  zur  rückgängigen  Bewegung  genbthiget  war.
Es  machte  in  derselben  gZeit  ein  Lanciers-Regiment  der
kaiserlichen  Garde  einen  heftigen  Aufall  gegen  das  Corps
        <pb n="252" />
        —  246  —

Bellegarde,  und  zwar  gegen  das  Regiment  Schwarzenberg=
  Uhlanen,  wurde  von  diesem  aber  mit  solchem
Ungestümm  gegen  den  rechten  Flügel  der  baperischen  Artillerie
  zurückgeschleudert,  daß  zwei  Kanonen  der  Batterie
Wagner  dabei  umstürzten.  Generallieutenant  Wrede
sah  es,  und  machte  eben  eine  befehlende  Bewegung,
die  Stücke  wieder  in  Ordnung  zu  bringen,  als  sein  Roß
durch  eine  feindliche  Kanonenkugel  getddtet,  unter  ihm
stürzte,  und  er  selbst  durch  eine  in  der  rechten  Seite
unterhalb  der  Rippe  empfangene  bedeutende  Quetschung
von  einer  Stückkugel  zu  Boden  geworfen  ward.  Er  ermahnte
  seine  Truppen  zur  tapferen  Ausdauer,  und  entfernte
  sich  vom  Schlachtfelde.  General  Graf  Minnzzi
übernahm  nun  den  Befehl,  und  setzte  den  Kampf  mit
Glück,  meistens  durch  Artillerie")  bis  Abends  neun  Uhr
fort.

Davoust  hatte,  vereint  mit  Oudinot,  sich  dem  österreichischen
  Corps  Rosenberg's  immer  näher  angedrängt.
Dieses,  wenn  auch  vom  Hohenzollerw'schen  Corps  unterstutzt,
  konnte  dennoch  der  immerwährenden  Ueberflugelung
nicht  widerstehen;  sah  vergebens  der  hülfreichen  Ankunft

*)  Doch  machte  die  1te  Majors-Escadron  des  dritten  Chevaurlegers-Regimentes
  Leiningen  einen  schönen  Angriff  auf
die  feindliche  Tirailleur-Linie,  verursachte  Letzterer  empfindlichen
  Verlust,  verlor  selbst  11  Mann  Todte  und  Verwundete,
  so  wie  eine  gleiche  Anzahl  Pferde,  während  Oberlieutenant
  van  der  Mark,  der  Lieutenant  Münch  und  der
zweite  Wachtmeister  Walter,  sich  auszuzeichnen  Gelegenheit
  fanden.  Die  Leib-Escadron  des  zweiten  Chevaurlegers-Regimentes
  König  unter  Rittmeister  von  Reibold  machte
mehrere  Gefangene,  als  Ergebniß  eines  ähnlichen  Angriffes
auf  feindliche  Infanterie.
        <pb n="253" />
        —  249  —

des  Erzherzogs  Johann  entgegen,  der  erst  spät  Abends
das  Schlachtfeld  erreichte,  und  verließ  endlich  Markgrafen
  Neusiedel,  und  selbst  den  hochgelegenen  befestigten
  Thurm  daselbst,  gleichsam  den  Schlussel  der  ganzen
Stellung,  nach  dreimaligem  ungestümen  Angriff  der
Franzosen.  Der  Rückzug  des  Corps,  anfangs  in  guter
Ordnung,  wandte  sich  zuletzt  etwas  verworren,  doch  nur
mit  Zurücklassung  wenigen  Geschützes,  gegen  Wolkersdorf.
Auch  alle  übrigen  Heerhaufen  der  Oesterreicher  verließen
nun  in  bester  Ordnung  das  Schlachtfeld,  und  begaben  sich
auf  die  Kreuzensteiner-Höhen  bei  Stockerau,  den  Weg
nach  Böheim  deckend,  so  wie  Rosenberge-Corps  auf  der
Hohen-Leitha,  zum  Schutz  der  mährischen  Straße,  Stellung
  suchte.

So  endete  bei  Wagram  der  Schlachttag,  an  welchem
  von  beiden  Seiten  3  bis  300,000  Mann  und  1200
bis  1500  Stück  groben  Geschützes  einander  gegenüber
gestanden  waren.  Der  Verlust  )  war  auf  beiden  Seiten

*)  Die  Franzosen  zählten  nach  ihren  officiellen  Amtsberichten
  10  Fahnen,  40  Kanonen  und  20,000  Gefangene,  worunter
  über  300  Offiziere,  als  die  erbeuteten  Siegeszeichen,
  gaben  ihren  Verlust  auf  1500  Todte  und  4000  Verwundete
  an.  unter  diesen  war  der  Marschall  Bessieres,
die  Generale  Gudin,  Gauthier,  Sahni,  de  France,
  Vandamme,  Serras,  Grenier,  Colbert,
Hrere,  Bronshard,  Begaupré,  Aldobrandini,
  St.  Croir,  Vignolles;  die  Generale  Lasalle
und  Duprat  waren  getödtet  worden.

Die  Oesterreicher  bagegen  behaupteten  7000  Gefangene
gemacht,  12  Adler  und  Fahnen,  11  Kanonen  erobert,  und
0  Kanonen  und  1  Fahne  verloren  zu  haben.  Getödtet
waren  ihnen  die  Feldmarschall-Lieutenants  Nordmann,
        <pb n="254" />
        —  250  —

groß  gewesen;  die  Division  der  Baiern  hatte  wenig  eingebuͤßt.
  *)

Erzherzog  Johann  war  um  5  Uhr  Abends  in  die
Gegend  von  Untersiebenbrunn  angekommen,  hatte  auch
im  Rücken  des  franzbsischen  Heeres  mehrere  Gefangene
gemacht,  aber  für  seine  eigene  Stellung  besorgt,  in  der
Nacht  wieder  den  Rückweg  nach  Marcheck  genommen,
um  sich  auf  Vertheidigung  des  Marchflusses  zu  beschränken.

Napoleons  Heer  lagerte  in  der  Nacht  mit  dem
linken  Flügel  zu  Jedelsee  und  Ebersdorf;  die  Division
Wrede  lehnte  sich  rechts  an  Gerasdorf,  links  an  das  Corps
des  Herzogs  von  Rivoli  in  der  Gegend  von  Leopoldsau;

 

d'Aspre,  BVukassowich  und  General  Peter  Vescey,
verwundet  der  Erzherzog  Carl  selbst,  die  Feldmarschalllieutenants
  Rouvroi  und  Nostitz,  die  Generale  Prinz
von  Hessen-Homburg,  Maier,  BVacqguant,  Motzen,
Carl  Stutterheim,  Henneberg,  Merville  und
Rothbirch,  ausserdem  getödtet  120  Stagbs=  und  Oberoffziere,
  5507  Mann,  verwundet  616  Öffiziere  und  17,100
Mann,  vermißt  wurden  111  Staabs=  und  Oberoffiziere,
73474  Soldaten.

Die  nach  der  Schlacht  von  dem  fkranzösischen  Artillerie=General
  zusammengestellte  Uebersicht  über  die  verbrauchte
Artillerie-Munition  gab,  daß  während  der  Schlacht  französischer
  Seits  153,000  Kanonenschüsse  geschehen  waren.
60,000  Kanonenkugeln  wurden  von  den  Franzosen  nach  der
Schlacht  aus  dem  Schlachtfelde  gegraben.

*)  Die  Infanterie  hatte  gar  nichts  gelitten.  Die  Cavallerie
  und  zwar  das  Chevaurlegers-Regiment  Leiningen
hatte  einen  verwundeten  Offizier,  25  todte  und  verwundete
  Pferde.  Die  Artillerie  hatte  sich  unter  der  Leitung
        <pb n="255" />
        251  —

die  Mitte  des  französischen  Heeres  hielt  bei  Obersdorf;
der  rechte  Flügel  vor  Wolkersdorf,  mit  Vorwachten  bis
Schonkirchen.  Die  Garden  lagen  bei-  Raschdorf.

 

24.

Folgen  der  Wagramer-Schlacht  bis  zum  Waffenstillstand.


Den  Tag  nach  der  Schlacht,  als  der  Morgen.  (des
Tten  Juli)  dämmerte,  machte  sich  Napoleon,  der  Massena's
  Corps  gegen  Korn-Neuburg  entsendete,  mit  der
Heeresgewalt.  nach  Wolkersdorf,  zur  Verfolgung  des  geschlagenen
  Feindes,  auf.  Er  verband  mit  seiner  Garde
die  bayerische  Division,  von  der  er  den  Obersten  Lindenau
  mit  200  ChevaurlegerSs  gegen  Korn-Neuburg
und  Stockerau  ausschickte.  Die  österreichische  Hauptmacht
  aber  gab  .ihre  Stellung  auf,,  und  wählte  eine  andere,
  rückwärts,  auf  der  großen  Straße  gegen  Mallebern;
die  Nachhut  unter  General  Klenau,  auf  den  Höhen  zwischen.
  Sievendorf  und  Hauzenbach.#  Auch  das  Rosenbergische
  Corps  verließ,  gedrängt  von  der  franzbsischen  Vor- 



des  Majors  Baron  Zoller  vorzüglich  ausgezeichnet.  Die

Division  betrauerte  die  augenblickliche  Entfernung  ihres
beldenmüthigen  Führers.  Im  Laufe  der  ganzen  Schlacht
während  des  heftigsten  xrtillerie=  Feuers  hatte  die  Division
alle  ihr  gebotenen  Bewegungen  wie  auf  dem  Exerzierplatze
ausgeführt,  den  vortrefflichsten  militärischen  Geist  in  ihrer
Haltung  und  Tapferkeit  gezeigt,  und  die  Uchtung  der  neben
  ihr  kämpfenden  Franzosen  errungen.  (S.  Armee-Befehle,
  vom  29ten  Juli,  .  1.  28ten  November  1800.  F.  1.
Nr.  7.)
        <pb n="256" />
        hut,  gegen  Abend  seine  Stellung  auf  der  hohen  Leitha,
und  wandte  sich  nach  Miselbach.  Darum  mußte  auch
das  Corps  Hohenzollerns,  weil  es  Rosenbergs
Verbindung  mit  dem  Hauptheer,  des  Erzherzogs  unterhalten
  sollte,  über  Ober-Rußbach  nach  Ernstbrunnen
gehen.

Diese  Bewegungen  wurden  folgendes  Tages  (gten
Juli)  fortgesetzt.  Der  Erzherzog  ging  von  Göllersdorf
und  faßte  endlich  auf  den  Anhdben  von  Schöongraben
Fuß,  Klenau  mit  der  Nachhut  bei  Holabrunn:  Napoleon
  folgte  Schritt  um  Schritt  nach.  Das  Corps
des  Herzogs  von  Ragusa  und  die  Division  Wrede
schickte  er,  zur  Verfolgung  des  Rosenbergischen  Heerhaufens,
  seitwärts  zur  Taja,  nach  Miselbach.  Als  Marmonts,
  des  Herzogs  von  Ragusa  Corps,  von  hier  am
andern  Morgen  (gaten  Juli)  über  Siebenhirten  ging,  stieß
die  voranziehende  bayerische  Reiterei,  bei  Staatz,  auf  die
Nachhut  des  Feindes.,  die  aus  Fußvolk,  Reiterei  und
Geschütz  wohl  zusammengesetzt  war.

Marmont  stiellte  sogleich  auf  die  Hbhen  diesseits
und  rechts  Staatz  die  franzdsische  Reiterei-Division  Montbrün,
  als  Reserve,  und  ließ  den  baperischen  Major
Kirschbaum  mit  zwei  Geschwadern  Leiningen-Chevaurlegers
  dem  Feinde  in  die  linke  Seite  fallen.  Hauptmann
  Kaspers,  mit  drei  bayerischen  Feldstücken,  suchte
das  dsterreichische  Geschütz  zum  Schweigen  zu  bringen.
Als  General  Graf  Preising  bemerkte,  dieß  sel  vergeblich,
  erfaßte  er  den  günstigen  Augenblick,  und  an  der
Spitze  des  zweiten  Chevaurlegers-Regimentes  König,
stürzte  er  gegen  die  feindliche  Artillerie  und  gegen  zwei
dsterreichische  Geschwader,  welche  dieselbe  deckten.  Zwar
durch  Tapferkeit  und  Umsicht  dieser  beiden  Geschwader
        <pb n="257" />
        —  253  —

gelang  es  der  Artillerie  den  Ruͤckzug  zu  machen;  aber
die  Vertheidiger  verloren  an  Reiterei  und  Fußvolk  uͤber
hundert  Gefangene.  Die  Baiern  dagegen  beklagten  den
Tod  des  ausgezeichneten  Obersten  Floret  vom  Chevaurlegers
  -Regimente  Koönig.  Er  fiel  durch  einen  Pistolenschuß.)
  Der  Feind  ward  eine  Stunde  weit  verfolgt,
dann  rüuckte  Alles  über  Laa  bis  Ruchhof  vor.

Die  österreichischen  Grenadiere  und  Reiterei-Reserven
hatten,  beim  fortgesetzten  Rückzug  ihres  Hauptheeres,
schon  am  to#ten  Juli  in  der  Frühe  des  Morgens  die  Stadt
Znaym  erreicht,  und  hier  die  Höhen  des  linken  Taja-Ufers,
so  wie  die  Puncte  Pummlitz  und  Oblat  am  rechten  Ufer,
zur  Vertheidigung  des  Ueberganges  besetzt.  Später  langte
der  Herzog  von  Ragusa  in  dieser  Gegend  an.  Erst  um
0  Uhr  Vormittags  konnte  man  beim  Dorfe  Hbfelein  an
das  linke  Taja-Ufer  übergehen,  weil  all  die  kleinen  Brüucken
  über  die  Sümpfe  und  über  die  deutsche  Taja  abgebrochen
  und  erst  wieder  herzustellen  waren.

Links  und  rechts  der  Straße,  die  von  Nicolsburg
über  Teschwitz  nach  Znapm  führt,  sah  man  den  Feind  auf
den  Anhdhen  in  immer  stärker  werdender  Macht.  Marmont
  ordnete  seinen  Heerhaufen.  Er  stellte  die  baierische
  Division  in  die  Mitte,  den  Anhdhen  paralell,  hart
am  Fuß  derselben  in  neun  Colonnen,  Bataillonsweise,
den  linken  Flugel  zurückgezogen;  die  französischen  Divi-*)

  General  Graf  Preysing  rühmte  bei  diesem  Gefecht
die  Tapferkeit  des  ganzen  Regimentes,  vorzüglich  aber
des  nun  an  seiner  Spitze  stehenden  Majors  von  Zandt,
des  Regiments-Adjutanten  Madrourx,  so  wie  jener  Division
  Leiningen-Chevaurlegers  unter  Major  Kirschbaum.
        <pb n="258" />
        —  255  —

sionen  Montbrün  und  Claparede  rechts,  die  Division
  Clauzel  links.  ODann  befahl  er  die  Vertreibung
der  feindlichen  Plänkler  aus  den  Weinbergen.  Das  übernahmen
  die  sämmtlichen  baierischen  Schützen.  Aber  erst
nachdem  sie  durch  einige  Bataillons  Unterstützung  empfangen
  hatten,  denn  sie  wurden  der  beständig  anwachsenden
Zahl  ihrer  Gegner  bald  zu  schwach,  gelang  es,  daß  der
Feind  von  den  Höhen  hinab  in  die  Niederungen  beim
Dorf  Teschwitz,  und  in  die  Weinberge  rechts  dem  Dorfe
gedrängt  wurde.  Dann  beschoß  sofort  General  Minnzzi
von  der  Höhe  mit  seinen  Zwölfpfünder-Kanonen  die  österreichischen
  Abtheilungen,  die  sich  vor  dem  Dorfe  gesetzt
hatten.  Marmont  aber  befahl,  Teschwitz  mit  stürmender
  Faust  wegzunehmen.

General  Graf  Beckers  an  der  Spitze  vom  zweiten
Bataillon  des  sechsten  Linien-Regimentes  stürmte,  unterstützt
  vom  wirksamen  Feuer  der  baierischen  Artillerie.  An
seiner  Rechten  rückte  der  tapfere  Oberlieutenant  Fleischmann
  mit  den  Schützen  des  dreizehnten  Linien-Regimentes,
  an  seiner  Linken  das  erste  Bataillon  des  nämlichen
  Regimentes  vor.  Teschwitz  ward,  nach  hartnäckigem
  Gefecht  erobert.  General  Minuzzi  stellte  unterdessen
  seine  erste  Infanterie-Brigade,  als  Reserve  der
Angreifenden,  rechts  der  Straße  auf,  und  verwandte
die  noch  übrigen  beiden  Bataillons  der  zweiten  Infanterie-Brigade
  zum  Schutz  der  baierischen  Batterien,  die
links  und  rechts  der  Straße  aufgefahren  waren.

Unterdessen  vermehrten  sich  die  feindlichen  Kampfmassen
  jeden  Augenblick.  Das  ganze  Corps  des  Generals
Grafen  Bellegarde  erschien  zu  eben  der  Zeit,  als
Teschwitz  von  den  Baiern  genommen  war.  Erzherzog
        <pb n="259" />
        —  255  —

Carl  selbst  kam,  und  sandte  den  vom  Dorf  zuruͤckweichenden
  Truppen  neue  Verstärkungen.  Der  bedrohete
Punct  seiner  Stellung  war  ihm  wichtig.  Es  kam  Collowrath,
  es  kam  Klenau,  und  sie  verlängerten  den
linken  Flügel  des  österreichischen  Heeres.  Nun  erst  erkannte
  der  Herzog  von  Ragusa,  daß  er  es  nicht  mit  der
feindlichen  Nachhut,  sondern  mit  der  Hauptmacht  des
Erzherzogs  selbst  zu  thun  habe.

Indessen  sah  Beckers  frische  Schlachthaufen  der
Feinde  gegen  das  Dorf  und  sich  anrücken.  Er  forderte
Verstärkung.  Er  focht  mit  Verzweiflung,  Bajonet  gegen
Bajonet.  )  Sein  Regiment  zählte  kaum  noch  350  Feuergewehre.
  Uebermannt  ward  er  in  voller  Unordnung  aus
dem  Dorfe  getrieben,  als  ihm  eben  zur  Verstärkung  das
erste  Bataillon  vom  siebenten  Linien-Regiment,  zwei
Compagnien  vom  15ten  Linien-Regiment  und  eine  Compagnie
  franzbsischer  Voltigeurs  ankamen.  Mit  größter
Kaltblütigkeit  sammelte  er  ausserhalb  dem  Dorfe  und  erkämpfte,
  vereint  mit  dem  empfangenen  Zuzug,  das  Dorf
aufs  Neue.  Er  trieb  seine  Gegner  verfolgend  weit  über
dasselbe  hinaus.  Doch  mit  frischen  Streitmassen  verbunden,
  wandten  sie  sich  wieder  gegen  ihn,  und  er  mußte
nach  stundenlanger  Gegenwehr  den  Ort  zum  anderen
Mahl  theilweis  aufgeben.  Jetzt  eilte  ihm  General  Graf
Preising  an  der  Spitze  des  zweiten  Chevaurlegers-Regimentes
  zum  Beistand.  Dieser  sandte  das  Leibgeschwa-*)

  Erwäbnt  werde  bei  dieser  Gelegenheit  des  wackern  Baiern
Michael  Mever  des  öten  Regiments,  welcher  seinen  Regiments-Commandanten,
  den  Oberstlieutenant  Braun,
durch  sein  tapferes  Benehmen  aus  den  Händen  sechs  feindlicher
  Männer,  befreiete.
        <pb n="260" />
        —  256  —

der  desselben  zum  Angriff  voraus  gegen  das  oͤsterreichische
Fußvolk  am  Ausgang  des  Dorfes.  Aber  es  ward  durch
ein  wirksames  Kanonen=  und  Kleingewehr-Feuer  schnell
zersprengt,  selbst  seines  Anführers,  des  Rittmeisters  Reibold,
  durch  tddiliche  Berwundung  beraubt.  Darauf
ließ  General  Preising  den  Angriff  durch  das  ganze
Regiment  wiederholen.  Das  erleichterte  dem  General
Beckers  endlich  den  schweren  Kampf.  Der  Feind  wurde,
wie  erbittert  er  auch  stritt,  vom  Dorfe  abgetrieben.

Doch  abermals  neue  österreichische  Colonnen  Fußvolkes
  und  Artillerie  traten  gegen  Teschwitz  vor.  General
  Preising  konnte  mit  den  Chevaurlegers  nicht  länger
  in  seiner  genommenen  Stellung  halten,  weil  ihm
das  Feuer  des  feindlichen  Grobgeschützes  in  den  Reihen
des  Regiments  zu  mdrderisch  wüthete.  Er  mußte  nach
bedeutendem  Verlust  *)  unter  dem  Schutz  der  baierischen
Infanterie  zurückziehen.  Hingegen  hielt  General  Beckers
standhaft  den  bestürmten  Ort  fest.  Der  Artillerie-Major
Baron  Zoller,  mit  dem  Geschütz  rechts  dem  Dorfe
zweckmäßig  aufgestellt,  leistete  ihm  erfreulichen  Beistand.
Dann  erst  gegen  Abend,  ward  das  Dorf  den  Flammen
übergeben,  und  die  Baiern  von  der  Division  Claparede
abgeldst,  zogen,  als  die  Nacht  überall  den  Kampf  endete,
auf  die  Hbhen  seitwärts  Teschwitz.

Während  des  hartnäckigen  Streites  auf  diesem  Punct,
hatte  Marmont  nöthig  gefunden,  seine  Operations-=Linie
  zu  verkürzen;  hatte  die  Division  Claparede  vom

rech-*7)

  Unter  den  getödteten  Offizieren  war  auch  der  boffnungsvolle
  Lieutenant  von  SZwerger;:  schwer  verwundet  der
Rittmeister  von  Reibold  und  der  Oberlieutenant  Baron

  Zandt.
        <pb n="261" />
        —  257  —

rechten  Fluͤgel  mehr  links  gegen  die  Landstraße  genommen,
dagegen  mehrere  Abtheilungen  der  Division  Wrede  zur
Unterstuͤtzung  von  Teschwitz  theils  gegen  dies  Dorf,  theils
rechts  demselben,  vorgeschoben,  und  endlich,  weil  sich  der
linke  Heerfluͤgel  der  Oesterreicher  immer  weiter  ausstreckte,
die  Division  Montbruͤn  zur  Deckung  seines  ganzen  Corps
ebenfalls  auf  die  rechte  Seite  desselben  gestellt.  Durch
die  Anordnung  war  die  gesammte  baierische  Division  nach
und  nach,  und  bis  zum  Ende  des  Tages  unmittelbar,
in  den  Kampf  verwickelt.  Zwei  ihrer  Compagnien  standen
  zum  Schutz  ihrer,  auf  der  Hbhe  rechts  dem  Dorfe,
rasilos  arbeitenden  Artillerie;  und  das  zweite  Bataillon
des  siebenten  Regiments  mußte  mit  einigen  Feldstücken
dem  Kanonenfeuer  der  Oesterreicher  jenseits  der  Taja  begegnen,
  welches  die  linke  Seite  der  Baiern  gefährdete,
und  auf  eben  der  Seite  die  feindlichen  Plänkler  verjagen,
  die  sich  an  der  Taja,  dem  Dorfe  Milsrau  gegenüber,
  herangewagt  hatten.

So  endete  der  Tag.  Und  wie  groß  auch  der  Verlust
  der  mehrmals  zurückgeschlagenen  Feinde  gewesen
war,  hatten  doch  auch  die  Baiern  bei  000  Todte,  Verwundete
  und  Vermißte  zu  zählen.  )  Aber  sie  hatten

 

»)  Es  bestand  der  Verlust  der  Baiern  bei  dem  sechsten  Linien-Regiment
  in  einem  todten  Offzier,  35  getödteten
Soldaten,  15  verwundeten  Offilzieren,  156  verwundeten,
115  vermißten  Soldaten,  bei  dem  7ten  Linien-Regiment
in  7  verwundeten  OÖffizieren,  25  getödteten,  83  verwundeten,
  68  vermißten  Soldaten;  bei  dem  Chevaurlegers-Regiment
  König  in!  getödteten,  2  verwundeten  Offizieren,
  §5  getödteten,  10  verwundeten  Gemeinen;  das  dritte
Linien-Regiment  Prinz  Carl  hatte  5  getödtete  Gemeine,
6  verwundete  Offziere,  70  verwundete  Gemeine;  das

II.  5tes  Buch.  17
        <pb n="262" />
        —  258  —

zugleich  den  Ruhm  ihrer  alten  Tapferkeit  auch  hier  bewähret.
  Hier  war  kein  Feiger  erblickt  worden.  ")

Desselben  Tages  war  Napoleon's  Hauptmacht
concentrisch  gegen  Znaim  vorgeschritten,  indem  der  Herzog
  von  Auerstädt  bei  Nicolsburg,  wo  das  kaiserliche
Hauptgelager  blieb,  über  die  Taja  gegangen  war.  Erzherzog
  Carl  dagegen  hatte  hier  seine  Streitmassen  versammelt
  und  nur  die  Wahl  behalten,  entweder  auf  fortdauerndem
  Rückzuge  nach  und  nach  seine  Artillerie  und
Fuhrwerke  in  feindliche  Hand  fallen  zu  lassen,  oder  auf
ungünstigem  Boden  eine  neue  Schlacht  anzunehmen.  Mit
seinem  rechten  Flügel  unter  Feldmarschall-Lieutenant

 

—

13te  Linien-Regiment  14  Gemeine  todt,  13  Offiziere
und  184  Mann  verwundet;  das  böte  leichte  Infanterie-Bataillon
  1  Gemeinen  todt,  2  Offiziere,  61  Mann  verwundet.
  Daher  bestand  der  ganze  Verlust  in  47  Offizieren,
  838  Soldaten  und  58  Pferde.  3wei  Munitions-Wagen
  waren  durch  feindliche  Granaden  in  die  Luft  gesprengt
  worden.

*)  Der  Marschall  Marmont  anerkannte  im  folgenden  Tagesbefehle
  die  Tapferkeit  der  Bgiern  und  ihrer  Anführer:
Tagesbefehl  im  Lager  bei  ZJ9naim  vom  12  Juli  1809.
„Der  Herr  Reichs-Marschall  Herzog  von  Ragusg  begzeugt
  der  baierischen  Division  seine  Zufriedenheit  über
adie  tapferen  Angriffe,  welche  dieselbe  auf  das  Dorf
„Teschwiß  gemacht  hat,  und  über  die  Hartnäckigkeit,  mit
welcher  sie  selbiges  vertheidigte.  Auf  gleiche  Weise  be-„zeugt
  der  Herr  Marschall  seine  Zufriedenheit  dem  6ten
„Regiment,  welches  dasselbe  Dorf  mit  seltener  Ausdauer
svertheidigte,  nachdem  es  die  baierischen  Truppen  darinn
wabgelöôst  harte.
„Die  balerischen  Herrn  Generale  haben  sich  sämmtlich
„auf  die  rühmlichste  Weise  ausgezeichnet.  „Besonders
        <pb n="263" />
        —  259  —

Reuß,  hielt  er  die  Stadt  Znaim,  die  Hoͤhen  hinter
Kloster  Bruck  und  Teschwitz,  und  das  hochgelegene  Klo—
ster  Pöltenburg  besetzt,  die  steinerne  Taja-Brücke  verrammelr;
  an  das  reußische  Corps  schloß  sich  links  auf
den  Brenditzer  Höhen  das  Bellegardische,  welches  auf
seiner  rechten  Seite  die  Bergschlucht  nebst  den  angrenzenden
  Rebhügeln,  und  den  höchsten  Punct  der  Stellung
mit  einer  Zwölfpfünder-Batterie  deckte;  diesem  reihete
sich  weiter  links  das  Corps  des  Grafen  Collowrath
an,  während  das  bis  Wolframskirchen  vorgeschobene
sechste  Corps  die  Rückzugslinie  der  Artillerie  schirmen
sollte.  Die  Reiterei,  en  échelon,  mit  der  Stirn  geobemerkt

  der  Herr  Marschall  den  Herrn  Generalmajor
„·Grafen  von  Beckers,  und  den  Herrn  Generalmajor
„Grafen  von  Preising.  Der  Herr  Marschall  ist  ohne
„Ausnahme  mit  dem  tapfern  Benehmen  aller  unter  seinen
Befehlen  gestandenen  Truppen  vollkommen  zufrieden.“

Auf  Befehl  des  Herrn  Herzogs  und  Reichsmarschalls.
  «

Der  Chef  seines  Generalstabs
unterzeichnet:  Dellort.

General  Graf  Minuzzi  aber  anerkennet  in  seiner  in
solcher  Beziehung  an  den  General  Grafen  von  Wrede  erstatteten
  amtlichen  Meldung,  daß  sämmtliche  ihm  untergeordnete
  Offiziere  und  Soldaten  gleichen  Antheil  sich  an  des
Kampfes  Ruhm  erworben  hätten.  General  Graf  Beckers
aber  rühmt  es,  daß  die  Oberlieutenants  Braun  und
Rodt,  die  Majore  Bach,  Mann,  Großgebauer
ausgezeichnet  gedient  hatten.  Von  ihren  Vorgesetzten  wurden
  aber  besonderer  Anerkennung  gewürdiget:  die  Rittmeisters
  von  Reibeld,  und  Baron  Carl  von  Zweibrücken,
  der  Oberlieutenant  Baron  Zandt,  der  Lieutenant
3  werger  von  den  Chevaurlegers.  Vom  Fußvolk  aber,
die  Hauptleute  Wallraf  und  Schmiz,  die  Oberlieute-17

  *
        <pb n="264" />
        —  260  —

gen  Winau,  bildete  den  linken  Fluͤgel  des  Ganzen,  hinter
welchem  das  Hohenzollern'sche  Corps  in  mehreren  Treffen
  stand,  so  wie  das  Grenadier-Corps  hinter  Benditz,  das
sich  aber  nachher,  den  rechten  Flügel  besser  zu  stützen,
gegen  Znaim  wandte.

Dieser  ganzen  Macht  des  Erzherzogs  stand  am  Morgen
  des  11ten  Juli's  noch  Marmonts  Corps  ganz  allein
entgegen,  hinter  ihm  zunächst,  aber  erst  im  Anzug,  ein
Theil  vom  Corps  des  Herzogs  von  Rivoli,  der  am  10ten
Juli  bei  Holabrunn  über  die  Nachhut  des  österreichischen
Hauptheeres  Vortheile  errungen  hatte.  Als  aber,  um
6  Uhr  Morgens,  der  Herzog  von  Rivoli  bei  Schallersdorf,
  am  rechten  Taja-Ufer  vor  Znaim  erschien,  gas
Marmont  sogleich  das  Zeichen,  die  Schlacht  anzufangen.

Während  vor  Znaim  Massena  den  rechten  Flüugel
der  Oesterreicher  in  einem  mehrstündigen  morderischen
Kampf  vom  linken  Ufer  der  Taja  zurückdrückte,  den  Uebergang
  über  diesen  Fluß  erzwang,  und  dann  im  Sturmschritt
  gegen  die  Znaimer-Höhen  flog,  rückte  Marmont
in  drei  Colonnen,  links  der  Taja,  von  Teschwitz  vor,
auf  die  Hdhen  von  Zuckerhandel  gegen  Bellegarde's

nants  Baron  Hacke  und  Reizenstein,  der  Lieutenant
Ferrary,  die  Feldwebels  Pallitzky  und  Reger,  der
Schützen-Hornist  Joseph  Kratz,  der  Tambour  Reisinger
  des  7ten  Linien-Regimentes.  Vom  öten  Linien=Regiment
  hatten  der  Lieutenant  Sturm,  der  Feldwebel
Rittinger  und  die  Corporale  Rindel  und  Neumeier
gut  gedient.  Die  Soldaten  Schluderer,  Stadele,
Paul  Wittmer,  Cajetan  Geiger,  Conrad  Namer
waren  es,  welche  den  erwähnten  Munitions-Magen  erobert
hatten.  (S.  Armeebefehle  vom  2oten  Juli  1809,  öten  April,
und  20ten  September  1810.)
        <pb n="265" />
        —  261  —

Corps.  Ein  lebhaftes  Kanonenfeuer  her  und  hin.  Aber
die  kräftige  Wirkung  von  Bellegarde's  Zwölfpfünder-Batterie
  hemmte  für  den  Augenblick  Marmont's  rasches
  Vorschreiten.  Da  erschien  Kaiser  Napoleon  mit
den  Garden  auf  dem  Kampfplatz,  und  nachdem  er  des
Feindes  Stellung  erkannt  hatte,  befahl  er  allgemeine
Bewegung  gegen  Zuaim.  So  mußten  auch  die  Baiern
wieder  von  der  Höhe  nach  der  Tiefe.  Nur  ihre  Reiterei
und  Artillerie  blieb  droben.  Unter  dem  Schutz  der  Letzteren,
  schritt  das  Fußvolk  durch  das  Kreuzfeuer  von
zwei  österreichischen  Batterien,  ohne  bedeutenden  Verlust
hin,  stellte  sich  dann  in  zwei  Treffen  auf,  und  die  erste
Brigade  rechts  von  Znaim.  Doch  kamen  sie  diesen  Tag
nicht  unmittelbar  zum  Gefecht,  ausgenommen  die  Schützen
  der  ersten  Brigade,  und  einige  Abtheilungen  des  sechsten
  leichten  Bataillons,  als  Plänkler.

Den  ganzen  Tag  währte  der  Kampf  auf  der  ganzen
  Schlachtlinie.  Zwar  ein  heftiges  Gewitter  gegen
Abend  verzögerte  Napoleon's  weiteres  Vordringen  um
mehr  als  eine  Stunde.  Doch  erkannte  Erzherzog  Carl
das  Gefährliche  seiner  Lage  sehr  wohl.  Demn,  festgehalten
  in  einer  von  seinem  Gegner  überhöheten,  allzuausgedehnten
  Stellung,  konnte  jener  ihn  endlich  auf  den
linken  Flügel  umgehen.  Napoleon's  Reiterei  stand
in  Bereitschaft,  jede  rückgängige  Bewegung  und  Unordnung
  der  Oesterreicher  zu  benützen,  besonders  wenn  diese
Reiterei  in  den  Ebenen  hinter  Zuaim  freiern  Spielraum
gewann,  was  bisiher  blos  die  feste  Behauptung  dieser
Stadt  gehindert  hatte.

Eben  schickten  sich  die  franzbsischen  Schlachthaufen
an,  mit  Aufbietung  aller  Kraft,  Meister  dieses  Punctes
  zu  werden,  als,  —  es  war  sechs  Uhr  Abends,  —
        <pb n="266" />
        —  262  —

ein  franzoͤsischer  Parlementaͤr  dem  Erzherzog.  Botschaft
brachte,  der  Kaiser  der  Franzosen  habe  mit  dem  Kaiser
von  Oesterreich  Waffenstillstand  geschlossen.  Sogleich  flogen
  in  beiden  Heeren  Befehle  umher,  den  Kampf  zu  enden.
  In  einer  Stunde  schwieg  alles  Feuer.

Noch  in  der  Nacht  und  bis  Morgens  zog  das  oͤsterreichische
  Heer  aus  der  bisherigen  Stellung  nach  Budwitz,
  später,  den  Waffenstillstandsbedingungen  gemäß  bis
Leutomichel  in  Böheim.  Sofort  dehnte  sich  nuun  Massena
im  Znaimer-,  Davoust  im  Brünner-Kreis  aus.  Marmont
  stellte  sich  bei  Krems,  Oudlnot  und  die  Garde
bei  Wien  und  Schdubrunn,  der  Vicekönig  von  Italien
und  Macdonald  bei  Preßburg  und  Grätz,  Regnier
mit  den  Sachsen  in  Preßburg,  die  Reserve  des  italienischen
  Heeres  in  Kärnthen  und  Krain.

Vermdge  jenes  Waffenstillstandes  ward  den  Franzosen
  ganz  Oesterreich,  Stepermark,  Kärnthen,  Krain,
Triest,  Ungarn  bis  an  die  Raab,  in  Mähren  der  Znaimer=
  und  Brünner-Kreis  eingeräumt,  dazu  eine  Jahl  fester
  Plätze,  Preßburg,  der  Spielberg  bei  Brünn,  Sarenburg
  in  Kärnthen,  Grätz  in  Steyermark.  Tirol  blieb
sich  selbst  überlassen.

Die  Division  Wrede,  durch  den  Herzog  von  Ragusa
  mit  dankbaren  Anerkennungen  ihrer  geleisteten  Dienste
  überhäuft,  trat  (schon  am  15ten  Juli)  auf  Napoleon's
  unmittelbares  Geheiß,  ihren  Rückweg  über  Bulka,
  Stadt  Zwettel,  Zell  und  Stepereck  nach  Linz  an.
Hier  nun,  nachdem  sie  in  diesem  Feldzug  157  todte  und
verwundete  Offiziere  und  3500  todte  und  verwundete  Unteroffiziere
  und  Soldaten  gehabt  hatte,  genoß  sie  der  Ruhe.
Das  zweite  Regiment  Chevaurlegers  lagerte  sich  in  Steier-
        <pb n="267" />
        —  265  —

eck  und  St.  Georgen,  das  dritte  in  Ottensheim  und  die
Umgegend  ein.

25.
Ereignisse  bei  Linz  bis  zum  Waffenstillstand.

Wir  müssen  nun  noch  die  Erzählung  dessen  vollenden,
was  inzwischen  bei  Linz  vorgefallen  war,  wo  die  Baier-Division
  Kronprinz,  seit  Abzug  der  Division  Wrede,
stehen  geblieben.

Von  Zeit  zu  Zeit  vorgesandte  Recognoscirungen  gaben
  die  Ueberzeugung,  daß  die  Oesterreicher,  die  durch  den
Abzug  ihres  stärkeren  Theils  ebenfalls  sehr  geschwächt  waren,
  in  den  ersten  Tagen  keine  wesentliche  Aenderung
ihrer  Stellung  machen  wollten.  Es  blieb  bei  Neckereien
der  Vorwachten  und  Streifrotten,  wobei  man  Gefangene
verlor.  So  fiel  (2ten  Juli)  Lieutenant  Frankl  mit  zwei
Mann,  auf  der  Straße  nach  Hellmannsdd,  in  die  Hände
eines  feindlichen  Verstecks;  eben  so  folgenden  Tages  eine
Streifwacht  von  18  Mann  und  einem  Corporal,  eine  halbe
Stunde  vom  Schloß  Buchenau  in  einen  Hinterhalt  von
100  feindlichen  Reitern  und  50  Jägern,  die  sich  hinter  einem
  dortigen  Bauernhof  und  einer  Anhbhe  verborgen  hielten.
  Der  Corporal  und  zwei  Mann  wurden  verwundet
und  gefangen,  die  Uebrigen  schlugen  sich  glücklich  durch,
ob  sie  gleich  noch  drei  Verwundete  bekamen.

Bald  aber  schien  der  thätige  Gegner  Ernsteres  versuchen
  zu  wollen.  Er  schickte  erst  (Sten  Juli)  gegen  die
dußersten  Vorwachten  der  Baiern  links  der  Gallenneukircher
  Straße  eine  Recognoscirung  von  60  Mann  zu
Pferd  und  80  Mann  zu  Fuß,  die  aber,  sobald  sich  baierische
  Verstärkung  zeigte,  zurückgieng.  Dann  aber  folgen-
        <pb n="268" />
        —  264  —

des  Morgens  (um  3  Uhr,  des  7ten  Juli)  rückte  er  in  zwei
Colonnen,  die  untereinander  durch  kleinere  Abtheilungen
verbunden  waren,  und  zwar  die  Eine  rechts  der  Linzer-Landstraße
  gegen  den  Auhof,  die  andere  auf  der  Straße
selbst,  gegen  Katzbach  vor.  Während  Letztere  augenblicklich
  auf  dem  Schweinsberg  stehen  blieb,  warf  die  andere
das  äußerste  Piket  der  Baiern  zurück,  und  bemächtigte  sich
des  Auhofes.

Schnell,  beim  ersten  Schuß,  schickte  der  Kronprinz
von  Baiern  das  erste  leichte  Bataillon  mit  einer  halben  Batterie
  gen  Auhof;  rasch  ward  der  Punct  wieder  erkämpft  und
der  Feind  mit  bedeutendem  Verlust  an  Todten,  Verwundeten
  und  einigen  Gefangenen,  in  die  Schluchten  zurückgetrieben,
  von  wannen  er  gekommen.  Das  bewog  auch
die  andere  Colonne,  gegen  Gallennenkirchen  heimzukehren.
  Der  Kronprinz,  überall  gegenwärtig,  anerkannte
und  ehrte  das  Verdienst  seiner  Tapferen  bei  diesem  Anlaß.“)

Auch  der  bei  Enns  ausgestellte  Posten  wurde  von  den
Oesterreichern  jede  Nacht,  doch  ohne  Erfolg  beunruhiget.
Aber  in  der  Nacht  vom  gzten  zum  oten  Juli  setzten  sie  plbtzlich
  mit  0600  Mann  auf  einem  Punct,  der  dazu  am  schlech-*)

  Der  Kronprinz  anerkannte,  daß  an  jenem  7ten  Juli  das
ite  leichte  Bataillon  Habermann,  die  2  Grenadier-Compagnien
  des  iten  Infanterie-Leib-Regimentes,  von
leßterer  vorzüglich  die  Lieutenants  Graf  Verry  und
Alois  Baron  Gumppenberg,  ganz  ausgezeichnet  gedient
  hatten.  Die  halbe  Batterie  Wandowe  hatte  unter
  dem  Oberlieutenant  Baron  Wiedemanns;  eben  so
das  1te  Dragoner-Regiment  unter  seinem  Obersten  Grafen
  Wittgenstein,  tuhmreichen  Antheil  an  jenem
Gefechte  genommen.  (S.  Armeebefehle  vom  20ten  Juli
13809  und  20ten  September  1810.
        <pb n="269" />
        —  265  —

testen  geeignet  schien,  uͤber  die  Donau,  waͤhrend  sie  durch
Scheinangriffe  auf  entferntere  Pikets  die  Aufmerksamkeit
ablenkten,  stuͤrmten  die  auf  der  sogenannten  Taborsinsel
angelegte  Redoute,  nahmen  den  darin  stehenden  Posten
von  30  Mann  nebst  einem  Lieutenant  gefangen,  und  zogen
  wieder  ab.  Das  Heraneilen  einer  Escadron  vom
ersten  Chevaurlegers-Regiment  hinderte  sie,  auch  die
beiden  dortigen  Kanonen  mitzunehmen.  Oie  eine  ließen
sie  unterwegs  stehen,  die  andere  warfen  sie  ins  Wasser,
aus  dem  man  sie  aber  wieder  vorzog.

Der  Kronprinz,  dieser  Neckereien  müde,  wollte  sich
über  Stärke  und  Stellung  des  Feindes  vergewissern,  und
schickte  (12ten  Juli)  den  General  Grafen  Joseph  Rechberg
  mit  einem  Bataillon  des  ersten  Infanterie-Regimentes
  und  einem  Geschwader  des  ersten  Dragoner-Regimentes,
  nebst  einer  Haubitze,  gegen  Gallennenkirchen
zum  Erspähen.  Die  ersten  großen  Vorwachten  des  Feindes
  bei  Wollmirsdorf  und  Loibersdorf  wurden  ohne  Mühe
bis  Götschka  zurückgejagt.  In  diesem  Ort,  und  auf  den
waldigen  Hbhen  links  und  rechts  der  dortigen  Schlucht,
zeigten  sich  ein  Landwehr-Bataillon,  zwei  Jäger-Compagnien,
  und  ein  bis  zwei  Geschwader  Uhlanen.  Das  Alles
war  nur  eine  vorgeschobene  Abtheilung  der  bei  Neumarkt
stehenden  Oesterreicher.

Ohne  großen  Widerstand  wurden  die  Anhbhen  durch
180  baierische  Schützen,  einen  Zug  Dragoner  und  zwei
Compagnien  Fußvolkes,  rein  gefegt,  und  die  Feinde  über
Götschka  hinaus  gegen  Neumarkt  verfolgt.  Zwischen
Götschka  und  Neumarkt  hatten  die  Oesterreicher  zwar  geschwächt
  an  Reiterei,  noch  immer  die  vortheilhafte,  verschanzte
  und  mit  Verhauen  umgebene  Stellung  inne.
General  Rechberg  hatte  seinen  Auftrag  erfüllt  und  kehrte
        <pb n="270" />
        —  266  —

um,  verfolgt  vom  Feind,  der  das  Zoͤgern  benutzte,  welches
  die  Herstellung  der  zerbrochenen  Lafette,  und  eines
Rades  am  Munitionswagen  verursachte.  Lieutenant
Schmalz,  der  mit  einem  Häuflein  Dragoner  und  den
Schützen  die  Nachhut  führte,  schirmte  den  Rückzug  kräftig.
  Die  ganze  Unternehmung  hatte  den  Baiern  zwei
Todte  und  sieben  Verwundete  gekostet.

Zwei  Tage  nach  diesem,  traf  die  Nachricht  vom  Waffenstillstand
  ein,  in  dessen  Folge  der  Kronprinz  (LIöten
Juli)  die  bisher  von  den  Oesterreichern  innegehabten
Puncte  Freistadt  und  Neumarkt  besetzte,  und  seinen  Truppen
  in  und  bei  Linz  Ruhelager  anwies.  Auch  die  Division
  Deroy  war  nun  (15ten  und  14ten  Juli)  hier  eingetroffen.


Allein  für  alle  diese  Truppen  war  noch  keine  Ruhe.
Es  kam  noch  darauf  an,  das  insurgirte  Tirol  wieder
zur  Unterwürfigkeit  zu  bringen.  Daher  mußte  auf  Befehl
  des  französischen  Kaisers  die  Division  Deroy  (17z#ten
,Juli)  wieder  zurück,  über  Wels  nach  Salzburg;  und.
dann  ihr  (Täten  Juli)  die  Dioision  Kronprinz  dahin  folgen,
  sobald  die  Division  Wrede  in  Linz  eingetroffen
war.,  Von  Letzterer  aber  mußte  General  Minuzzi  mit
dem  13ten  Linien-Regiment,  dem  öten  leichten  Bataillon
  und  dem  öten  Geschwader  des  Sten  Chevamlegers-Regimentes
  nach  Passau,  um  da  den  franzbfischen  General
  Rouyer  abzuldsen.  Denn  auch  dieser  hatte  Befehl,
  mit  seiner  aus  sächsischem,  nassauischem,  schwarzburgischem
  und  andern  Kriegsvolk  zusammengesetzten  Division
  nach  Salzburg  zu  gehen.  Der  Kronprinz  von  Baiern
selbst  aber  reiste  in's  franzdsische  Hauptgelager  nach  Wien,
daher  seine  Division  unter  die  Anführung  des  Generalmajors.
  von  Raglowich  kam.
        <pb n="271" />
        —  267  —

Sämmtliche  nach  Salzburg  bestimmte  Truppen  trafen
  hier  schon  am  20sten  Juli  und  den  sechs  darauf  folgenden
  Tagen  zusammen,  worauf  sie  sogleich  unter  Leitung  des
Herzogs  von  Danzig,  zum  Angriff  gegen  Tirol  schritten.

26.

Ereignisse  in  Tirol  bis  zur  Bekanntwerdung
des  Waffenstillstandes.

Um  in  das  Ganze  unserer  Darstellung  Klarheit  zu
bringen,  müssen  wir  nothwendig  noch  auf  die  Bewegungen
  Tirols  zurückblicken,  welche  seit  dem  Juni  bis  itzt
vorgefallen  waren.

Das  Volk  in  diesem  Gebirgslande  war  auf  mannigfache
  Weise  zum  äußersten  Widerstand  angefeuert  worden,
erst  durch  ein  Handschreiben  des  Kaisers  von  Oesterreich,
(gegeben  zu  Volkersdorf  den  20ten  Mai)  worin  er  ewige
Vereinigung  Tirols  mit  seinem  Reiche  ausgesprochen  hatte,
dann  durch  eine  Menge  falscher  Berichte,  welche  von  ausgesandten
  Kundschaftern  über  die  Siege  der  dsterreichischen
Hauptarmee  verbreitet  wurden.  Kein  Mensch  wagte  es
unter  dem  vielbetrogenen  Volk,  an  der  gänzlichen  Niederlage
  der  franzbsischen  Heere,  im  Geringsten  zu  zweifeln.

Durch  eine  kräftige  That  an  jenen  vermeinten  Siegen
  Antheil  zu  empfangen,  beschloß  das  Tirolervolk,
vereint  mit  den  noch  vorhandenen  österreichischen  Truppen
  unter  dem  Oberstlieutenant  Taris,  der  ganzen.  Nordgrenze
  des  Landes  nach,  von  Kufstein  bis  Lindau,  einen
allgemeinen  Ausfall  zu  thun.  Dazu  ward  der  17te  Juli
bestimmt.  Major  Teimer  sollte  mit  einer  Colonne  von
10  Tiroler-Compagnien,  einer  Salzburger  Jäger-Com-
        <pb n="272" />
        —  268  —

pagnie,  einem  Zug  Reiterei  und  zwei  Kanonen  über  Füssen
  nach  Schongau  rücken,  dort  Alles  werfen,  und  sich
mit  einer  zweiten  Colonne  von  sechs  Compagnien  unter
Major  Dietrich  verbinden,  die  von  Lermos  nach  Murnau
  ziehen  würde,  während  Murnau  selbst  schon  durch
eine  dritte  Colonne,  unter  dem  Hauptmann  Baron  Taris,
  aus  salzburgischen  Jäger=  und  Schützen-Compagnien
  zusammengesetzt,  bestürmt  werden  mußte.  Eine  vierte
und  fünfte  Colonne,  aus  zwei  Compagnien  vom  Regiment
  Lusignan,  zehn  Tiroler-Schützen-Compagnien,  einer
Salzburger  Jäger-Compagnie,  einem  Zug  Reiterei  und
zwolf  Kanonen  gebilder,  sollte  angeführt  vom  Oberstlientenant
  Taxis,  die  Straße  von  Kochel  und  Benedictbeuern,
  so  wie  über  Lengrieß  und  die  Jachenau,  erkämpfen
  und  mit  der  gegen  Murnau  gerückten  Colonne  Verbindung
  suchen.  Zu  gleicher  Zeit  aber  sollte  auch  Doctor
Schneider  mit  den  Vorarlbergern  gegen  Kempten  hervorbrechen,
  und  dem  Major  Teimer  Hand  bieten.

Der  bestimmte  Tag  des  Angriffes  erschien.

Der  baierische  Oberst  Graf  Arco,  zwar  immerdar
wachsam  in  seiner  Stellung  zwischen  Tegernsee  und  Murnau,
  vermuthete  jedoch  nach  schon  bekannt  gewordenem
Waffenstillstande,  keine  Feindseligkekten  mehr.  Indessen
die  Erscheinung  von  300  Tirolern  in.Wallersee  (läten
Juli  Nachmittags),  welche  aber  durch  eine  Abtheilung,
die  der  Hauptmann  Lüneschloß  von  Kochel  aussandte,
nach  einstündigem  Geplänkel  wieder  gegen  Wolgau  zurückgewiesen
  wurden,)  dann  die  größere  Jgahl,  in  welcher

 

*)  Bei  dieser  Gelegenheit  zeichneten  sich  der  Corporal  Feistel,
  der  Berg-Schütz  Loderer,  und  der  Gemeine
Kinzel  aus.
        <pb n="273" />
        —  269  —

die  Tiroler  zu  Partenkirch  und  Farchant  sich  zeigten,  endlich
  die  in  Lauf  kommenden  Gerüchte,  von  einem  bevorstehenden
  allgemeinen  Ausfall,  erregten  doch  Verdacht.
Wirklich  rückten  am.  17ten  Juli  die  Insurgenten  und
Oesterreicher  frühmorgens  in  Wallersee  ein,  trieben  die
ausgesandten  baierischen  Streifwachten  über  den  Kesselberg
zurück,  und  eben  so  den  Hauptmam  Lüneschloß  mit  seiner
  wenigen  Mannschaft,  aus  Verhau  und  Barierre  am
Wasserfall.  Lüneschloß  zog  sich  in  die  Stellung  des
Schellenbühls  zurück,  wohlgedeckt  durch  die  kleine
Nachhut  unter  dem  Dragoner-Lieutenant  Baron  Hornstein,
  dem  mehr  als  eine  Kugel,  das  Kleid  durchlocherte.
Jetzt  flog  Graf  Arco  mit  dem,  was  er  an  Kriegsvolk
verfügbar  hatte,  und  einer  Haubitze  herbei.  Und  damit
endeten  die  Fortschritte  der  zwei  feindlichen  Colonnen  des
Oberstlieutenants  Taxis.  Denn  während  sie  gehindert
waren,  längs  dem  Kochelsee  die  linke  Seite  der  baierischen
Stellung  zu  umgehen,  wurden  sie  auf  der  Vorderseite
durch  die  baierische  Artillerie  festgehalten,  welche  die  Landstraße
  bestrich.  Eben  so  eitel  blieb  der  feindliche  Versuch,
durchs  Gebirg  über  die  Jachenau,  die  rechte  Seite  der
baierischen  Stellung  zu  gewinnen,  obgleich  sich  die  schwachen
  Vorposten  der  Baiern  von  der  Kothalpe  hatten  zurückziehen
  müssen.  Arco  sandte,  in  seiner  Menschenfreundlichkeit,
  vergebens  den  Tirolern  die  amtlich  empfangene
  Waffenstillstandskunde.  Er  mußte  durch  die
Tapferkeit  seiner  braven  Truppen  allein,  nach  einem
lebhaften  achtstündigen  Gefecht,  die  Aufständischen  zum
Rückweg  nach  Wallersee  zwingen.)

2)  Die  Baiern  erlitten  bei  dieser  Gelegenheit  geringen
Verlust.  Unter  ihren  Anführern  aber  hatten  sich  vorzüg-
        <pb n="274" />
        —  270  —

Die  wenigen  Oesterreicher,  die  sich  in  der  Richtung
von  Lenggries  am  sogenannten  Fall  zeigten,  wagten  nichts
gegen  Toͤlz,  wo  die  aͤchtvaterlaͤndische  Buͤrgerschaft,  vereint
  mit  den  Gebirgsschuͤtzen  und  der  Verstaͤrkung,  die
Arco  gesandt  hatte,  zum  Waffentanz  bereit  stand.

Auch  die  Colonne  von  Tirolern  und  Oesterreichern,
die  von  Eschellohe  des  Mittags  gegen  Murnau  ankam,
vermochte  mit  ihrem  zusammenhangslosen  Angriff  nichts.
Sie  wagte  sich  nicht  in  die  Ebene  herab,  und  endete
nach  drei  Stunden  den  Kampf,  der  durch  die  zweckmässigen
  Anordnungen  des  Hauptmanns  Bauer  fruchtlos
blieb,  welcher  den  Posten  von  Murnau  vertheidigte.

Inzwischen  erhielt  Hauptmann  Bauer  durch  Ueberläufer
  Nachricht,  daß  er  folgendes  Morgens  mit  großer
Macht  werde  überfallen  werden,  wahrscheinlich  von  Kohlgrub
  her.  Er  besetzte  daher  sogleich  die  Posten  an  der
Ramsee=  und  Loisach-Brücke  stark;  ruckte  mit  den  ihm
noch  übrig  gebliebenen  200  Mann  auf  die  Kohlgruberstraße,
  und  sandte  vor  Tagesanbruch  (18ten  Juli)  eine
starke  Streifwacht  gegen  die  Glashütte  aus.  Diese  stieß
bald,  am  Scheideweg  zur  Glashütte,  auf  200  Mann
feindlichen  Fußvolks  und  30  Mann  Reiterei  mit  drei
Kanonen.  Die  Tiroler  zogen  auf  die  Höhen  von  Murnau
  und  begannen  das  Kanonenfeuer,  mit  dem  sie  die
Straße  beherrschten.  Die  Baiern,  deren  Sechspfünder-Kanone
  auf  einen  rückwärts  gelegenen  Hügel  gestellt  war,
standen  mit  kalter  Entschlossenheit  entgegen.  Nach  anlich

  der  Hauptmann  von  Lüneschloß,  der  Oberlieutenant
  Landes,  der  Lieutenant  Baron  Hornstein
hervorgethan.  Die  Aufständischen  zählten  3  Todte  und
50  Perwundete.
        <pb n="275" />
        —  271  —

derthalbstündigem  entscheidungslosem  Kampf,  beschloß
Hauptmann  Bauer  unmittelbaren  Angriff.  Er,  mit
einer  kleinen  Vorhut  von  50  Mann  zu  Fuß,  und  acht
Chevaurlegers,  rückte  an.  Ihm  folgte,  ohne  einen  Schuß
zu  thun,  im  Sturmschritt  die  übrige  kleine  Schaar.  Schon
war  er  nur  noch  zwanzig  Schritt  vom  feindlichen  Geschutz
  entfernt,  da  brach  die  bisher  im  Hinterhalt  verborgene
  Reiterei  der  Tiroler  vor.  Die  gleichzeitige  Verwundung
  sämmtlicher  acht  Chevaurlegers,  der  Sturz  des
Hauptmanns  selbst,  der  fast  nur  durch  Wunder  der  Gefangenschaft
  entkam,  erschütterte  die  Schlachtlinie  des  baierischen
  Fußvolkes  und  bewog  sie,  wie  sehr  auch  der  Hauptmann
  entgegen  strebte,  zum  langsamen  Rückzug.  Stets
überflügelt  und  bedrängt  ward  mit  Ruhe  gefochten.  Vor
Murnau  fiel  getddtet  ein  Roß  des  Munitionswagens;
Bauer,  mitten  im  feindlichen  Feuer,  machte  ihn  mit
eigner  Hand  wieder  frei,  und  bespannte  ihn  frisch,  um
dem  Gegner  keine  Trophäen  zu  gonnen.  Er  nahm  dann
hinter  Murnau  auf  der  Höhe  bei  Waltersdorf,  bei  Oberund
  Untersechering,  neue  Stellung,  und  erreichte  endlich
gegen  Mittag  den  Punct  Habach  in  fester  Ordnung,  wo
er  eine  kleine  Reserve  von  100  Mann  Fußvolks,  dazu
auch  Munition  und  Lebensmittel  vorhanden  wußte.  Diese
Verstärkung  ward  ihm  ubthig,  denn  er  hatte  an  Todten
und  Verwundeten  schon  55  Mamn  eingebüßt.  Außer  jener
  Reserve  zog  er  auch  die  kleinen  Abtheilungen  an  sich,
welche  er  an  die  Ramsee=  und  Loisach-Brücke  zuvor  ausgestellt
  hatte,  und  durch  Eilboten  war  von  ihm  Oberst
Arco  zeitig  über  Alles  benachrichtiget  worden.

Arco,  der  bei  Kochel  die  Erneuerung  des  gestrigen
Angriffes  besorgte,  zögerte  keinen  Augenblick,  mit  hundert
  Mann,  die  er  auf  Wagen  setzte,  mit  zwanzig  Rei-
        <pb n="276" />
        —  272  —

tern  und  einer  Kanone  den  Bedrängten  in  Habach  zum
Beistand  zu  eilen.  Hier  drei  Stunden  nach  Mittag  angekommen,
  gieng  er,  vereint  mit  den  Leuten  des  Hauptmanns
  Bauer,  den  Feind  aufzusuchen.  Dieser  stand  mit
seiner  Reiterei  vorwärts  Spatzenhausen;  mit  der  Infanterie
  im  Gehölz,  welches  die  Ebene  zwischen  Sechering
und  Spatzenhausen  im  Halbmond  umschließt,  mit  dem
schweren  Geschütz  auf  der  Straße,  in  Allem  einige  tausend
  Mann  stark.

Arco,  der  beim  Hervortreten  aus  dem  Dorf  Untersechering,
  eine  Compagnie  als  Reserve  rückwärts  ließ,
rückte  mit  seiner  übrigen  Infanterie,  en  echelons,  seine
ganze  Reiterei  auf  dem  rechten  Flügel,  und  auf  jedem
Flügel  eine  Kanone,  im  Sturmschritt  gegen  die  durch
sechszig  Reiter  geschützte  Stellung  der  Feinde.  Es  kam
rasch  zum  Gefecht.  Graf  Lerchenfeld,  Rittmeister
vom  ersten  Dragoner-Regiment  führte,  als  Freiwilliger,
die  baierischen  Reiter.  Diese  hatten  schon  sehr  gelitten,
als  sie  sich  durch  einen  schdnen  Angriff  unerwartet  in  des
Feindes  rechte  Seite  warfen.  Graf  Lerchenfeld  eroberte
  dabei,  mit  eigener  Faust  ein  feindliches  Stück-Geschütz,
  und  erleichterte  damit  der  Infanterie  die  Wegnahme
  des  Punctes  Spatzenhausen.  So  wie  dieß,  nicht
ohne  Anstrengung  errungen  war,  eilten  Tiroler  und  Oesterreicher
  in  wilder  Unordnung  aufgeldst  davon.  Viele
derselben  wurden  noch  einzeln  auf  der  Flucht  niedergehauen
  oder  eingefangen.  Erst  in  den  Bergen  und  Waldungen
  hinter  Murnau  retteten  sie  sich  vor  dem  Grimm
ihrer  Sieger.  Arco  zog  schon  gegen  fünf  Uhr  Abends
in  das  gerettete  Murnau  ein.  Aber  sobald  hier  von  ihm
alles  geordnet  war,  kehrte  er  noch  selbigen  Abends  nach

Benedictbeuern  zurück.
So
        <pb n="277" />
        —  273  —

So  vereitelte  Graf  Arco  durch  seine  rastlose  Vielthätigkeit,,
  durch  Geistesgegenwart  und  persdnlichen  Muth,
in  wenigen  Tagen  und  mit  weniger  Mannschaft,  alle
Entwürfe  und  Angriffe  eines  überlegenen  Feindes  auf  der
ganzen  Linie,  die  seiner  Vertheidigung  anvertrauet  war.
Mit  kaum  tausend  Mann,  die  ihm  zur  Verfügung  standen,
  und  von  denen  die  Meisten  erst  Neueingereihte  im
Fußvolk  waren,  bot  er  den  Oesterreichern  und  Tirolern
bald  in  Kochel,  bald  gegen  Tolz,  bald  in  Murnau  Spitze,
besiegte  sie,  machte  mehrere  hundert  Gefangene,  befreiete
Murnau  von  einer  durch  die  Insurgenten  schon  ausgeschriebenen
  Brandschatzung  (von  6000  fl.,  800  Paar  Schuhen,
30  Ochsen  und  50  Pferden),  und  entriß  den  Feinden  das
Selbstvertrauen  so,  daß  sie  es  nicht  mehr  wagten,  mit
bedeutender  Macht  in  Baiern  einzufallen.  Er  leistete
dies  mit  einer  Handvoll  des  Krieges  unkundiger  Menschen,
  die  aber  sein  und  seiner  tapferen  Offiziere  *)  Beispiel
  entflammte,  so  daß  er  nicht  einmal  der  Unterstitzung
  von  500  Mann,  unter  dem  Obersten  Janson
van  der  Stock  bedurfte,  die  ihm  sein  Kdnig,  auf  die
erste  Nachricht  von  Tirols  feindseligen  Bewegungen,  nach
Weilheim  zugesandt  hatte.

Die  Unternehmungen  der  Vorarlberger  und  Tiroler
gegen  Schwaben,  hatten  eben  so  schlechten  Erfolg.  Schon
früher  waren  durch  die  Tapferkeit  der  Besatzung  von
Lindau  ihre  wiederholten  Versuche  (am  2#ten,  20sten  und

 

*)  Großen  Ruhm  hatten  sich  bei  jener  Gelegenheit  der
Hauptmann  Bauer,  der  Rittmeister  Graf  Lerchenfeld
erworben.  Ausgezeichnet  hatten  der  Hauptmann  Brauer,
die  Lieutenants  Nissel,  Maltherr,  Schönfeld,
Trömer,  Muralt  gedient.  (S.  Armeebefehl  vom
20sten  Juli  1800.)

II.  5te#  Buch.  18
        <pb n="278" />
        —  27  —

20sten  Juni)  gegen  diese  Stadt  gescheitert,  und  ihre  Bemühungen,
  die  Gemeinden  Mosbach,  Mittelberg  und  andere
im  baierischen  Landgerichte  Schongau  zum  Aufruhr  zu  bewegen,
  durch  die  feste  Treue  des  Volks  vereitelt.  Seitdem  hatte
der  Kdnig  von  Würtemberg  personlich  die  Puncte  Weingarten,
  Altdorf,  Baint,  Ober-Baint,  Wolfegg  und  Alt-Ravensburg
  mit  starken  Abtheilungen  von  Kriegsvolk  gesichert;  die
Generale  Scheeler  und  Koseritz  hatten  Jsny,  Egloffs,
Wangen,  Tettnang  und  Wasserburg  wohl  besetzt,  und  der
franzbsische  General  Piccard  war  mit  den  ihm  untergebenen
  Baiern  und  Franzosen  wieder  (15ten  Juli)  in
Kempten,  so  wie  der  franzbsische  General  Beaumont
in  Memmingen  eingerückt.

Als  daher  am  17#ten  Juli  die  Insurgenten  vorrückten,
und  Morgens  um  5  Uhr  in  beträchtlicher  Menge  den  eine
halbe  Stunde  von  Kempten,  zu  Haslach,  mit  50  Mann
aufgestellten  baierischen  Lieutenant  Streicher  angriffen,
wurden  sie  nicht  nur,  obgleich  sie  eine  Kanone  führten,
aufgehalten,  sondern  auch,  sobald  von  Kempten  150
Mann  des  siebenten  leichten  Bataillons,  und  eine  Abtheilung
  Förster  von  der  Ulmer-Inspection,  mit  dem
Hauptmann  Grafen  Khuen,  zur  Verstärkung  erschienen,
mit  Nachdruck  zurückgewiesen.  Ihrer  600  stark  waren
sie,  und  flohen,  verfolgt,  nach  halbstündigem  Kampf,
in  das  Thal  gegen  Buchenberg.

Auch  auf  dem  Buchenberg  hatten  sie,  3000  Mann
stark,  mit  zwei  Kanonen,  den  dortigen  Posten  gleichzeitig
angefallen,  der  aus  150  Mann  vom  13ten  Linien  -Regiment,
  unter  Hauptmann  Poik,  60  französischen  Dragonern,
  und  80  franzbdsischen  Infanteristen  bestand.
Zwar  zog  sich  dieser  anfangs,  nach  heftigem  Kampf,  in
bester  Ordnung  gegen  Kempten  zurück.  Sobald  ihm  aber
        <pb n="279" />
        —  275  —

der  baierische  Major  Pillement  mit  200  Mann  aus
Kempten  zur  Unterstützung  erschien,  wandte  er  wieder
das  Bajonnett  gegen  den  Feind.  Bald  wurden  die  Insurgenten
  zurück  gedrängt,  und  da  der  noch  im  Verfolgen
  begriffene  Hauptmann  Khuen  ihnen  in  die  rechte
Seite  vordrang,  aus  dem  Dorfe  Buchenberg  vertrieben.
Nun  rückten  Khuen  und  Poik  ihnen  immer  zur  Rechten
  und  Linken  vor,  wodurch  es  der  französischen  Reiterei
  möglich  ward,  die  feindlichen  Kanonen  zu  erobern,
die  auf  der  Straße  aufgefahren  waren.  Das  brach  bei
den  Aufständischen  allen  Muth,  alle  Ordnung.  In  wilder
  Verwirrung  flohen  sie  ihren  Gebirgen  zu,  mit  Hinterlassung
  von  mehreren  Hundert  Todten  und  Verwundeten.
Nur  fünfzehn  Gefangene  konnten  der  Wuth  der  Soldaten
  entzogen  werden.  )

Im  südlichen  Tirol,  wo,  wie  wir  schon  oben  erzählt
haben,  Oesterreicher  und  Insurgenten  ungestraft  bis  vor
die  Thore  Verona's  gestreift  hatten,  war  zu  dieser  Zeit
nicht  minder  Alles  in  Bewegung.  Man  war  da  im  Begriff,
  eine  Unternehmung  gegen  das  von  den  Franzosen

*)  Während  dieses  ruhmreichen  Gefechtes  hatten  die  Hauptleurte
  Graf  Khuen,  Poik,  die  Lieutenants  Streicher
  und  Assimont,  sich  sehr  hervorgethan.  Einzelne
ausgezeichnete  Waffenthaten  wurden  von  den  Sergeanten,
Denkerle  und  Zahn,  dem  Corporal  Tarberger,
den  Gemeinen  Bartel,  Hohenleitner,  Schleicher,
  Obermair,  Gruber,  Luchset,  Meichelbeck,
  Buchel,  Mannemots,  Humer  und  NRenstein
  vollbracht.  Die  beiden  Abtheilungen  des  freiwilllgen
  Landes-Vertheidigungs-Corps,  unter  ihnen  der  Oberjäger
  Schenck  und  der  Forstjunge  von  Schmitt,  hat:
ten  sich  neue  Ansprüche  auf  den  Dank  des  Vaterlandes
erworben.  (S.  Armeebefehl  vom  26ften  Juli  1800).

18“
        <pb n="280" />
        —  276  —

besetzte  Klagenfurth  vorzubereiten.  Schon  durchzogen  zu
dem  Ende  die  Tiroler-Haufen  das  Pusterthal.  Schon
war  der  Sandwirth  Hofer  nach  der  Feste  Sachsenburg
geeilt,  wo  der  dsterreichische  General  Schmidt  befehligte.
  Da  traf  die  Nachricht  vom  abgeschlossenen  Waffenstillstand
  der  kriegführenden  Mächte  ein,  dem  zufolge  die
österreichischen  Truppen  ohne  anders  das  Tiroler-Land  zu
räumen  hatten.  Aber  der  Befehl  dazu  war  bis  zum
20sten  Juli  weder  dem  dortigen  bsterreichischen  Gewalthaber,
  noch  den  Anführern  der  Insurgenten  amtlich  kund
gethan.  Vielmehr  erschien  noch  am  25östen  Juli  Morgens
eine  Mittheilung  des  Erzherzogs  Johann,  gegeben  den
18ten  Juli  im  Hauptquartier  Tetsch,  zwischen  Raab  und
Papa,  wodurch  dem  Oberbefehlshaber  General  Buol
geboten  ward,  in  keinem  Fall  der  Aufforderung  des  Feindes,
  als  Folge  eines  vorgeblich  abgeschlossenen  Waffenstillstandes,
  Tirol  zu  räumen,  Genüge  zu  leisten.  Das
schwellte  den  Muth  des  tirolischen  Landvolkes,  und  führte
alle  die  blutigen,  schreckenvollen  Ereignisse  herbei,  die
nun  eintraten.

Zwar  am  27ten  Juli  erschienen  zu  Lienz  im  Tirol,
beim  General  Schmidt  zwei  Offiziere  aus  dem  Hauptquartiere
  des  Erzherzogs  Johann,  die  Nachricht  vom
Waffenstillstande  mündlich  zu  bekräftigen;  zwar  erfolgte
zwei  Tage  später  die  schriftliche  Bestätigung.  Die  von
allen  Seiten  zur  Unterwerfung  Tirols  anrückenden  Heerhaufen
  verlangten  Erfüllung  des  Waffenstillstandes.  Der
französische  General  Rusca  drang  auf  schleunige  Räumung
  der  Feste  Sachsenburg.  Der  befehlshabende  General
  Buol  war  wirklich  im  Begriff,  seine  Truppen  zu
sammeln,  und  dem  Befehle  seines  Monarchen  zu  gehorchen.
  Nun  aber  widersetzte  sich  das  Volk.  Verwirrt
        <pb n="281" />
        —  277  —

durch  die  verschiedenartigen  Nachrichten,  erbittert,  nun  ploͤtzlich
  alle  Hoffnung  auf  Vergeltung  so  vieler  Opfer,  so
viel  treu  geleisteter  Dienste  fahren  lassen  zu  sollen,  geschreckt
  durch  die  Aussicht,  jetzt  hülflos  als  Rebellen,
an  die  gerechte  Rache  der  Sieger  hingeliefert  zu  seyn,
wollte  es  das  Aeusserste  und  Verzweifeltste  wagen.

Die  Lage  des  General  Buol  war  allerdings  bedenklich.
  Er  fand  sich  durch  seine  Aufstellung  bei  Brixen
gewissermaßen  vom  Ausgange  des  Pusterthals  und  vom
General  Schmidt,  der  bei  Sachsenburg  stand,  abgeschnitten.
  Dennoch  gelang  es  ihm  endlich,  durch  ein
festes  Benehmen  die  drohende  Gefahr  abzuwenden,  die
ein  naher,  allgemeiner  Volksaufstand  den  Oesterreichern,
den  biöherigen  Vertheidigern  Tirols,  bereitete;  es  gelang
ihm,  den  größern  Theil  der  österreichischen  Soldaten,  der
zur  gänzlichen  Zugellosigkeit  übergegangen  war,  zur
Pflicht  und  Ordnung  wieder  zurück  zu  führen;  ja  es
gelang  ihm  sogar  durch  die  klügsten  und  menschenfreundlichsten
  Maßregeln  die  verbrecherischen  Anschläge  der
rasenden  Menge  zu  vernichten,  und  das  Leben  von  1,500
Krlegsgefangenen,  worunter  000  Baiern,  den  Händen  der
wilden,  blutdürstigen  Haufen  zu  entziehen.

Wir  wollen  aber  in  unserer  Erzählung  nicht  vorgreifen,
  sondern  auf  das  Corps  des  Herzogs  von  Danzig
  zurückblicken,  der  nun  von  Salzburg  aus  seine  Bewegungen
  gegen  Tirol  begann.

 

27.
Unterwerfung  des  nbrdlichen  Tirols.

Salzburg  und  die  Umgegend  war  mit  Truppen  augefüllt.
  Das  siebente  leichte  Bataillon  gieng  (#lsien  Juli)
        <pb n="282" />
        —  278  —

nach  Berchtesgaden.  Das  zweite  Bataillon  vom  neunten
Regiment  besetzte  Golling,  und  trieb  die  Insurgenten  von
da  nach  kurzem  Gefecht  in  den  Luegpaß  zuruͤck.

Nun  ließ  der  Herzog  von  Danzig  (kLästen  Juli)  die
Division  Deroy  mit  der  ersten  Brigade  zwischen  Golling
und  Kuchel,  mit  der  zweiten  bei  Hallein,  und  in  Salzburg
  Stellung  nehmen,  um  durch  den  Luegpaß  ins
Pinzgau  und  Zillerthal  einzudringen.  Dem  Obersten
Arco,  dessen  Corps  zu  1,844  Mann,  mit  30  Offizieren,
angewachsen  war,)  befahl  er,  bei  Benedictbeuern  zu
sammeln;  und  dem  Obersten  Grafen  von  Oberndorf,
sich  aus  der  Gegend  von  Reichenhall  und  Auerdorf,  mit
seinen  1,200  freiwilligen  Jägern,  hinweg,  dem  Grafen
Arco  anzuschließen,  um  mit  ihm  vereint,  durchs  Achenthal
  ins  Ober-Innthal  vorzurücken.  Der  Herzog  selbst
aber  wollte,  mit  der  Division  des  Kronprinzen  von
Baiern,  die  große  Straße  von  Salzburg  nach  Innsbruck
  ziehen,  und  bei  Rattenberg  alle  Abtheilungen  wieder
  mit  sich  vereinigen.  Gleichzeitig  mit  diesen  Bewegungen
  hatte  der  französische  General  Beaumont,
den  Befehlen  des  Herzogs  untergeordnet,  Bestimmung,
über  die  Scharnitz,  eben  so  im  südlichen  Tirol,  General
Rusca,  durch  das  Pusterthal,  und  desgleichen  General
Perry  durch  das  Etschthal,  vorwärts  zu  gehen.

Wir  werden  nun  den  erneueten  Kampf  in  diesem

5*)  Nach  denen  neuerdings  von  München  erhaltenen  Verstärkungen,
  bestehend  aus  sechs  Offizieren  und  175  Mann  Cavallerie,
einem  Offizier,  und  52  Mann  Artillerie,  drei  öOpfünder  Canonen,
  und  einer  7pfünder  Haubitze,  einem  aus  17  Öffizieren
und  737  Mann  bestehenden  Reserve-Bataillon,  aus  einer
Compagnie  des  zweiten  Linien-Regiments,  zwei  Offiziere
und  100  Manu.
        <pb n="283" />
        —  279  —

Gebirgslande,  mit  unbefangener  Treue  und  Genauigkeit,
erzaͤhlen.  Er  verdient  es,  nach  mancherley  Entstellung,
die  er  durch  der  Partheien  Gunst  und  Mißgunst  erfuhr.
Und  eben  durch  ungeschminkte  Darstellung  aller  Einzelnheiten
  wird  das,  was  wir  von  dem  Gebirgskriege,  der
zugleich  Volkskrieg  war,  zu  sagen  haben,  dem  Manne
vom  Fach  lehrreich  werden.

Der  Herzog  von  Danzig  brach  am  27  sten  Juli
Morgens  2  Uhr  über  Reichenhall  gegen  den  Srrubpaß
auf.  Voran  ein  Schanzer-Corps  von  Zimmerleuten  der
ganzen  Colonne,  unter  dem  Ingenieur-Hauptmann  Becker,
  und  einer  Compagnie  franzbsischer  Sappeurs,  um
allfällig  Verhaue  aufzuräumen,  oder  abgeworfene  Brücken
  herzustellen.  Major  Theobald,  mit  zwei  Compagnien
  des  bayerischen  leichten  Bataillons  Bernelau,
mußte  diesen  Vortrab  schützen.  Dann  folgte  die  Division
Rouper,  der  man  die  baperische  Batterie  Vandonve
und  das  vierte  Chevaurlegers-Regiment  beigegeben  hatte;
denn  es  fehlte  ihr  durchaus  an  Reiterei  und  Geschütz:
Den  Schluß  machte  die  Divisson  Kronprinz,  der  noch
anderthalb  Batterien  der  Dioision  Deroy  zugeordnet
waren.  Als  man  sich  dem  Strubpaß,  der  Pforte  Tirols
von  dieser  Seite,  näherte,  ließ  die  Besatzüng  desselben
die  weiße  Fahne,  zum  geichen  der  Uebergabe  wehen
demn  sie  erschrack  vor  der  Menge  der  Anrückenden.  Auch
der  Paß  Luftenstein  folgte  dem  Beispiele.  Die  Besatzungen
  gaben  ihre  Waffen  ab.

Als  der  Herzog  folgenden  Tages  den  Zugt  fortsetzts
über  St.  Johann,  fand  man  überall  Dörfer  und  Huͤtten
von  Menschen  verlassen.  Nur  in  St.  Johann  hatte  der
Dechant  durch  seinen  Vorgang  mehrere  Einwohner  bewogen,
  zurückzubleiben.  Kein  Wunder,  wenn  der  gemeine
        <pb n="284" />
        —  280  —

Soldat,  oft  nur  um  Lebensmittel  zu  finden,  sich  in  den
leeren  Haͤusern  mancherley  Ausschweifungen  erlaubte,  wie
streng  auch  Ordnung  und  Schonung  des  Landes  befohlen
war.  Es  erschien  hier  ein  oͤsterreichischer  Dragoner-Of—
fizier,  den  der  Befehlshaber  derer,  welche  bisher  die
Feste  Kufstein  berannt  hatten,  und  nun  gegen  das  Bren—
ner-Gebirg  zuruͤckgezogen,  abgesandt  hatte.  Er  gab  in
unanstaͤndigen  Worten  die  Erklaͤrung,  daß  ein  10,000

dann  starkes  Corps  bei  Rattenberg  dem  weitern  Vor—
ruͤcken  des  Herzogs  ein  Ende  machen  werde,  weil  man
uͤber  den  vorgeblichen  Waffenstillstand  noch  keine  amtliche
Nachricht  habe.  Wegen  der  Unbescheidenheit  seines  Wesens
  ließ  der  Herzog  diesen  Hauptmann  gefangen  behalten,
  und  am  Abend  lagerte  man  bei  Soell.

Als  sich  nun  den  Tag  darauf  (20sten  Juli)  die  Heerhaufen,
  denen  jetzt  die  gesammte  Reiterei  mit  der  Batterie
  Vandouve  vorangehen  mußte,  der  Stadt  Nattenberg
  näherten,  zeigte  eine  Absendung  der  Bürgerschaft
die  Unterwerfung  der  Stadt,  und  die  Entfernung  des
dsterreichischen  Kriegsvolkes  an.  Wirklich  sah  man  noch
die  Nachhut  desselben  in  der  Ferne,  meistens  aus  Tiroler=Schützen
  bestehend,  die  einen  Theil  der  Innbrücke  abgeworfen
  hatten.  Vandouve  schickte  ihnen  noch  einige
Kugeln  nach.  Der  Herzog  aber,  als  er  die  Stadt  und
Umgegend  fast  leer  von  Einwohnern  sah,  erließ  einen
  Aufruf  an  alle,  sich  in  ihre  Wohnungen  mit  Vertrauen
  zurück  zu  begeben,  und  nur  ihre  Waffen  auszuhändigen.


Von  Rattenberg,  wo  das  zweite  Bataillon  vom
zweiten  Linien  =  Regiment,  unter  dem  Major  Grafen
Taufkirchen,  als  Besatzung  zurück  blieb,  bewegten
sich  den  Tag  nachher  sämmtliche  Schagaren  gegen  Inns-
        <pb n="285" />
        —  281  —

bruck.  Noch  war  man  nicht  weit  von  Rattenberg,  als
man  seitwaͤrts  Arco's  und  Oberndorf's  baierische
Schaaren  aus  dem  Achenthal  hervortreten  sah,  die  jetzt
unter  dem  Oberbefehl  des  franzbsischen  Generals  Montmarie
  standen.

Sie  hatten  sich,  am  27sten  Juli  des  Abends  spät,
vor  dem  Eingange  des  Achenthals  bei  St.  Leonhard  oder
Kreith  vereinigt;  nur  waren  vom  Obersten  Arco  einige
Abtheilungen  in  Tolz,  Rottach  und  Miesbach  zurückgelassen
  worden,  die  erst  später  nachkommen  sollten,  wie
auch  einige  schwache  Reiterposten  auf  den  Straßen  von
Mittenwald  und  Partenkirch.  Man  sah  nun  auf  allen
Bergen  umher  des  Nachts  die  Lärm-Feuer  brennen.  Das
bewog  die  Anführer  der  Baiern,  die  Schützen  von  den
Fägercompagnien,  auch  die  Gebirgsschützen,  am  folgenden
  Tage  (28sten  Juli)  voraus  zu  senden,  um  über  den
Sagbach,  so  wie  längs  der  Hofweisach  und  dem  Klambach
  über  die  Schildensteiner-Alpen,  den  Bergpaß,
Kaiserwacht  geheißen,  zu  umgehen.  Doch  als  die  Kriegeshaufen,
  Arco  voran,  zu  demselben  gelangten,  fand
man  ihn  von  allen  Aufständischen  verlassen,  und  man
konnte  ohne  Widerstand,  doch  nicht  ohne  Hinderniß,  bis
vor  das  Dorf  Achenthal  weiter  ziehen.  Die  Tiroler  hatten,
  beim  Rückzug,  zwar  alle  Stellungen,  sogar  auch
den  wichtigen  Paß  Klamm,  oder  den  Schanzkopf,  geräumt,
  aber  hingegen  alle  Brücken  auf  dem  Wege  zum
Achensee,  die  über  den  Pißbach,  die  bei  Mühleck,  die
beim  sogenannten  Wirthshaus  über  die  Walchen  oder
den  Achenbach,  und  die  über  den  Schweinau-Bach,
zerstdrt.  Ihre  Herstellungen  verschlangen  die  Zeit  eines
ganzen  Tages.  Erst  am  folgenden  Morgen  (Vosten  Juli),
wie  man  durch  das  beinahe  menschenlose  Dorf  Achenthal
        <pb n="286" />
        —  282  —

bis  Zell  am  Achensee  gekommen  war,  erblickte  man  feindliche
  Vorwachten,  die  sich  nach  einigen  Schuͤssen,  zut
Bruͤcke  am  Eingange  des  Klausthales,  zuruͤck  begaben.
Die  Tirolerhaufen  standen  theils  hinter  der  abgetragenen
Bruͤcke,  theils  auf  dem  Klausberge  daruͤber;  im  See
schwammen  eine  Barke  und  ein  Floß,  beide  bewaffnet,
zur  Beschießung  des  Weges.  Allein  der  Klausberg  ward
in  Baͤlde  vom  Hauptmann  Bauer  mit  einer  Compagnie
und  allen  Gebirgsschützen  erklettert  und  gesäubert,  während
  die  leichten  Compagnien  Donnersberg  und  Luüneschloß
  die  Brücke,  gegen  200  Feinde,  erkämpften.“)
Ueber  schroffe  Felsen  kletterten  die  Baiern,  um  die  Tiroler
  zu  vertreiben,  die  hinter  Gestein  und  Gebüsch  hervorschossen,
  das  Herstellen  der  Brücke  zu  hindern.  Dann
zog  Alles,  ohne  weiteres  Hinderniß  zu  finden,  bis  Jenbach
  im  Unter-Innthale  fort,  aber  eine  Compagnie  vom
Corps  des  Obersten  Oberndorf,  und  die  Bergschützen,
gingen  vom  Klausberg  über  die  Kothalpen,  über  das
Gamsjoch,  längs  dem  Dalsatzer-Bach,  bis  zu  den  Hohen
  des  Ehrenstetter-Waldes,  um  die  Feinde  zu  umgehen,
  falls  sie  noch  längs  der  Straße  Versuche  zum
Widerstand  machen  wollten.

Weil  die  Innbrücke,  bei  Nothholz,  abgebrannt  worden,
  und  der  Herzog  von  Danzig  am  rechten  Innufer
  schon  im  Anzuge  nach  Hall  war,  wählte  folgenden
Morgens  (30sten  Juli)  General  Montmarie  bbenfalls
am  linken  Ufer  die  Richtung  dahin,  über  Stanz  und
Terfens.  Alle  Ortschaften  auf  diesem  Wege  waren  men-»)

  Bei  dieser  Gelegenheit  ward  der  Lieutenant  Massenbach,
  des  vierten  leichten  Bataillons,  gefährlich  verwundet,
  dem  Gegner  aber  Verlust  verursacht.
        <pb n="287" />
        —  283  —

schenleer.  Die  Tiroler  standen  auf  den  Bergen,  beobachteten
  den  Zug  der  Schaaren  im  Thale,  und  wurden
durch  ihr  Geschoß  nur  Nachzuͤglern  gefaͤhrlich.  Damit
offenbarten  sie  ihr  feindseliges,  unversoͤhntes  Gemuͤth.
Abends  gelangte  das  Corps  endlich  nach  Hall,  und  lagerte
  dort  auf  der  Milser-Haide.  Oberst  Arco  ward
zum  Befehlshaber  in  der  Stadt  Hall  ernannt;  in  gleicher
  Eigenschaft  ging  der  Graf  Oberndorf  nach  Rattenberg.
  Der  Herzog  von  Danzig  aber,  mit  seinen
beiden  Divisionen,  erreichte,  noch  desselbigen  Abends,
die  Hauptstadt  Innsbruck,  wo  sich  dann  die  Division
Kronprinz  zwischen  der  Stadt  und  dem  Inn,  die
Division  Rouyer  vor  Wildau  gegen  den  Iselberg,  lagerte.
  Aber  am  linken  Ufer  des  Inn  ward  ein  Bataillon
und  ein  Geschwader  zu  Streifwachten  gegen  die  Scharnitz
aufgestellt,  von  wannen  die  Ankunft  des  Generals  Beaumont
  erwartet  wurde.

Zwei  Tage  darauf  erschien  endlich  auch  die  Division
Deroy  bei  Innsbruck.  Ihr  hatte  an  den  Grenzen  des
Landes  die  Eroberung  des  starken  Lueg-Passes  kein  Blut
gekostet.  Denn  es  war  dem  abgesandten  Fürstbischof
von  Chiemsee  gelungen,  durch  Unterredung  und  Bekanntmachung
  des  Wasfenstillstandes,  die  Bewohner  des
Pinzgau's,  der  Ortenau  u.  s.  w.  zu  bewegen,  freiwillig
auseinander  zu  gehen.  Also  konnte  Deropy  schon  am
20sten  Juli  durch  die  Schluchten  des  berühmten  Gebirgpasses
  durchs  Salzathal  bei  St.  Johann  vorschreiten.
Als  er  aber  des  andern  Tages  nach  Brugg  zog,  fand  er
die  sogenannte  Halbstunden-Brücke,  die  an  der  Bleiche
bei  Echenau  über  die  Salza  geht,  theilweise  zerstdrt,  und
von  5  bis  600  Tirolern  vertheidigt.  Diese  jenseits  dem
Wasser,  hinter  Häusern  und  Bäumen,  unterhielten  vom
        <pb n="288" />
        —  284  —

Mittag  bis  zum  Abend  ein  lebhaftes  Feuer,)  bis  das
zweite  Bataillon  des  fünften  Linien-Regiments  weiter
unterhalb  der  Salza,  auf  Deroy's  Befehl,  hinüber
ging,  und  ihnen  auf  den  unwegsamsten  Pfaden  in  den
NRäcken  trat.  Dann  griffen  Freiwillige  aus  dem  neunten
Linien-Regiment  und  dem  fünften  leichten  Bataillon.)
die  über  die  Balken  der  Brücke  gingen,  auch  von  vorn
her,  im  Sturm  an.  Da  flohen  die  Tiroler,  ohne  längeres
  Sdgern,  mit  Jurücklassung  einiger  Gefangenen.
Indessen  war  die  Diovision  dadurch  gendthigt  worden,  bei
Taxenbach  zu  übernachten,  und  konnte  erst  am  folgenden
Tage  über  Brugg  nach  Uttendorf  gelangen,  wo  man
einem  schnellfliehenden  dsterreichischen  Jägerposten  einige
Gefangene  nahm,  und  sich  der  Salzabrücke  bei  Mittersill
  versicherte.

Bei  fortgesetztem  Zuge  (am  20sten  Juli),  nachdem
das  zweite  Bataillon  des  zehnten  Regiments,  und  das
fünfte  leichte  Bataillon,  einen  Haufen  Bewaffneter  aus
dem  Dorfe  Wald  vertrieben  hatte,  stieß  man  anderthalb

 

6")  Sie  verursachten  damit  den  Schützen  und  einer  Compagnie
  des  fünften  leichten  Bataillons  Buttler,  dann
den  Schützen  des  neunten  Linien-Infanterie-Regiments
Vsenburg,  einen  Verlust  von  4  Todten  und  28  Verwundeten,
  so  wie  den  Tod  des  die  erstgenannten  Schützen
  befehlenden  Oberlieutenants  Gerhardt;  ferner  die
tödtliche  Verwundung  des  Hauptmanns  Beck,  die  leichtere
  des  Artillerie-Majors  Tausch.

»s)  An  ihrer  Spißze  der  Oberstlieutenant  Graf  Buttler,
der  Hauptmann  Schellerer,  die  Lieutenants  Mussinan
  und  Loewen,  der  Major  Treuberg,  der  Hauptmann
  Großbach,  der  Oberlieutenant  Halder,  und
die  Unterlieutenants  Bronzetti  und  Waldner.
        <pb n="289" />
        —  285  —

Stunden  hinter  diesem  Orte  auf  gefaͤhrliche  Stellen.
Hier  war  ein  Verhau  durch  eine  Compagnie  Zillerthaler,
und  durch  eine  andere  der  Uebergang  des  Kruͤmmels  besetzt.
  Jedoch  am  Abend  noch  brachte  der  Insurgenten-Hauptmann
  Speiß,  vonzell  im  Zillerthal,  die  Anzeige,
daß  die  Bewohner  dieses  Thales  bereit  wären,  in  Folge
des  Waffenstillstandes,  ruhig  auseinander  zu  gehen,  und
ihre  Gewehre  abzuliefern.  So  konnte  man  den  Tag
darauf  über  das  Gebirge  ohne  weitere  Anfechtung  bis  Zell
im  Zillerthale  gelangen,  aber  im  beständigen  Ringen  mit
Naturhindernissen.  Bald  ward  alles  durch  schlecht  unterhaltene
  Brücken  aufgehalten,  bald  mußte  man  sich  über
die  Pinzgauer-Hbhe  und  die  Gerlos,  neben  Abgründen,
oder  durch  scheusliche  Schluchten  und  über  hohe  Bergkämme,
  Bahnen  suchen,  die  nie  ein  solches  Heer  betreten
  hatte.  General  Deroy  hatte  deswegen  wohlgethan,
den  General  Siebein,  schon  von  Mittersill  aus,  über
Kitzbühel,  mit  dem  gesammten  Geschütz,  nur  einige  Dreipfünder
  ausgenommen,  nach  der  großen  Innsbrucker-Straße
  zu  senden.  Zur  Deckung  waren  drei  Geschwader
Dragoner  und  das  neunte  Regiment  mitgegeben  worden.
Diese  stießen  auch  wieder  unversehrt  zu  ihm,  nachdem  er
(Sisten  Juli)  durchs  Zillerthal  nach  Volders  gegangen
war,  und  so  erreichte  er  am  ersten  August  Innsbruck,
wo  sich  die  Diovision  in  der  Ebene  vor  der  Wildau  an  der
Straße  gegen  Schönberg  lagerte.

Hiemit  war  der  größere  Theil  des  nördlichen  Tirols
eingenommen,  und  unterworfen.  Graf  Oberndorf
mit  seinem  Corps  besetzte  und  entwaffnete  die  Gerichte
Rattenberg,  Kitzbuhel,  das  ganze  Zillerthal,  stellte  hier
die  alte  Ordnung  der  Dinge  her,  und  sicherte  die  Etappen-
        <pb n="290" />
        —  286  —

Straßen.  Dasselbe  that  Graf  Arco  in  den  Gegenden,
die  zur  Stadt  Hall  gehoͤrten.

Der  Herzog  von  Danzig,  in  der  gewissen  Voraussetzung,
  auch  der  südliche  Theil  Tirols  werde  sich  ohne
ferneres  Sträuben,  seinem  rechtmäßigen  Landesherrn  unterwerfen,
  beschloß,  über  den  Brenner  zu  gehen.  Er
zweifelte  nicht,  die  Generale  Rusca  und  Perry  wären
schon  mit  den  französischen  und  italienischen  Schaaren
durch  das  Pusterthal  und  gegen  Botzen  in  voller  Bewegung.


 

28.
Der  Herzog  von  Danzig  versucht  nach  Brixen
zu  dringen.

General  Rusca,  der  sich  bisher  geraume  Zeit  mit
3000  Mann  auf  theilweise  Besetzung  Kärnthens  beschränkt
hatte,  eilte,  sobald  ihm  zu  Ende  Juli's  bedeutende  Verstärkungen
  geworden  waren,  die  Vollziehung  des  Waffensillstandes
  zu  beschleunigen.  Er  trat  zuerst  vor  die  Feste
Sachsenburg,  welche  ihm  der  dsterreichische  General
Schmidt  (am  isten  August)  übergab.  Während  dieser
den  Boden,  welchen  er  so  lange  und  ehrenhaft  behauptet,
mit  allen  Truppen  verließ,  schritt  Rusca  zur  Entwaffnung
  des  Drauthals.  Eine  Abordnung  der  Stadt  Lienz
verkündigte  ihm  die  Unterwerfung  derselben;  doch  ließ  das
erbitterte  Gemüth  des  Landvolkes  befürchten,  er  werde
nicht  ohne  Kampf  zu  derselben  gelangen.  Zwar  der  bisherige
  Anführer  des  Aufstandes,  Andreas  Hofer,  hatte
sich,  nach  Bekanntwerdung  des  Wasffenstillstandes,  in
seine  ehemalige  Verborgenheit  im  Paseyrer-Thale  zurückbegeben,
  und  einem  gewissen  Anton  Steger  den  Befehl
        <pb n="291" />
        —  287  —

überlassen;  zwar  auch  Steger  schien  sich  bemühen  zu
wollen,  den  wilden  Sinn  seiner  Landsleute  zu  besänftigen,
  aber  ohne  daß  es  ihm  gelang.

Denn  wie  Rusca  gegen  Lienz  anrückte,  wurde  seine
Vorhut  anderthalb  Stunden  vor  der  Stadt  mit  Heftigkeit
durch  die  Tiroler  angegriffen.  Er  warf  sie  zurück,  und
bezeichnete  seinen  Weg  mit  den  Denkmalen  grausamer
Strenge.  Es  wurden  200  Bauernhäuser  und  eben  so  viele
Scheuern  im  Pusterthal  niedergebrannt.  Das  vergrößerte
die  Wuth  des  Volkes.  Als  Rusca  daher  (öten  August)
gegen  die  Lienzer-Klause  ziehen,  und  sich  mit  dem  Herzog
  von  Danzig  vereinigen  wollte,  leisteten  ihm  die  Insurgenten,
  erst  unter  Lurheim's,  dann,  da  dieser
geworfen  war,  unter  Steger's  Anführung,  so  blutigen
und  hartnäckigen  Widerstand,  daß  er  nach  Lienz  umkehren
  mußte.  Noch  weniger  wirkte  sein  Aufruf,  welchen
er  den  Tag  nach  diesem,  an  das  Land  erließ,  um  es  zur
Unterwerfung  zu  nöthigen.  Immerdar  von  den  Tirolern
feindselig  umschwärmt  und  geneckt,  und  in  der  Meinung,
auch  der  Herzog  von  Danzig  habe  in  Folge  widerwärtiger
  Ereignisse  sein  Vorhaben  aufgegeben,  nach  Brixen
vorzurücken,  verließ  er  (11ten  August)  sogar  wieder  Lienz,
und  begab  sich  mit  seiner  Division  nach  Klagenfurth,  indem
  er  Villach,  Tarvis,  Spital,  Sachsenburg,  und  andere
  Ortschaften  Kärnthens  besetzte.

Indessen  hatten  sich  auch  bei  Verona  3000  Mann
Franzosen  zusammengezogen,  um  zur  Unterwerfung  Tirols
  mitzuwirken.  Sie  aber  blieben,  ihrer  Schwäche
wegen,  bis  Mitte  September  unthätig  in  ihrer  Stellung
bei  Dolce.  Und  so  ward  dem  Herzog  von  Danzig  auch
von  dieser  Seite  keine  Hand  gereicht.
        <pb n="292" />
        —  288  —

Der  Herzog  war,  gleich  nach  seiner  Ankunft  zu
Innsbruck,  unermuͤdet,  Ordnung  und  Frieden  herzustellen.
Er  unterstuͤtzte  mit  Nachdruck,  die  durch  den  Koͤnig  von
Baiern  nach  Innsbruck  gesandte  Hofcommission,  an
deren  Spitze  der  Graf  Alois  von  Rechberg  stand.  Er
ließ  das  Volk  entwaffnen,  und  in  den  Landgerichten  Innsbruck,
  Schwaz,  Rattenberg  und  Kufstein  alle  Pulvermühlen
  zerstdren.  Er  setzte  ein  Kriegsgericht  nieder,  jeden
Uebertreter  der  gegebenen  strengen  Verordnungen  binnen
vier  und  zwanzig  Stunden  zu  beurtheilen.  Um  auch  das
italienische  Tirol  zum  Gehorsam  zurück  zu  führen,  und
den  General  Rusca  an  sich  zu  ziehen,  schickte  er  (schon
den  1stten  August)  den  General  Rouper  gen  Briren  ab,
und  fügte  zu  dessen  Dioision  noch  das  vierte  baierische
Chevaurlegers-Regiment,  und  die  baierische  Batterie
Vandouve.  Darauf  folgenden  Tages  mußte  der  Oberst
Graf  Wittgenstein  mit  dem  beaierischen  ersten  Dragoner-Regiment
  und  dem  leichten  Bataillon  Habermann
  auf  das  Brennergebirge,  um  zwischen  Innsbruck
und  dem  General  Rouper  Verbindung  zu  erhalten.
Dies  Alles  that  der  Herzog,  ohne  sich  den  leisesten  Zweifel
  angehen  zu  lassen,  ob  seine  Maßregeln  hinreichend
wären,  in  einem  Lande  Gehorsam  zu  erzwingen,  wo  das
Volk,  alter  Freiheiten  gewohnt,  vor  keiner  Gefahr  erschrocken,
  mit  allen  Schluchten,  Winkeln  und  Wegen  des
Gebirges  vertraut,  gleichsam  einverstanden  mit  der  ganzen
  Natur,  und  dazu  voll  Abschen  gegen  jeden  Fremdling,
  der  über  diesen  Boden  gebieterisch  schreiten  wollte,
jedem  Fremdling  furchtbar  werden  mußte.  Der  franzosische
  Oberbefehlshaber,  dessen  Heerbewegungen  stündlich
  von  allen  Bergen  herab  beobachtet  waren,  während
ihm  die  Bewegungen  der  Insurgenten  unverrathen  blieben,
        <pb n="293" />
        —  289  —

hatte  im  Lande  nicht  einmal  einen  einzigen  Mann,  den
er  nach  Briren  senden  konnte,  um  über  Rusca's  Verhältniß
  und  Stand  zuverlässigen  Bericht  zu  erhalten.
Ja,  in  stolzer  Gewohnheit,  vor  seinem  Kriegerwillen  sich
Alles  beugen  zu  sehen,  vernachlässigte  er  die  einfachen
Vorsichtsmittel;  ernannte  nicht  nur  den  Obersten  Grafen
von  Arco,  den  er  ungemein  schätzte,  zum  General-Gouverneur,
  sondern  befahl  ihm  sogar,  sich  am  aten
August,  in  Begleitung  von  zwei  Dragonern,  auf  seinen
Posten  zu  begeben.

Aber  schon  am  2ten  August  hatten  sich  zu  Briren  die
Häupter  der  Aufständischen  versammelt,  Raths  gepflogen,
und  von  neuem  verbunden,  ihr  Vaterland  gegen  fremde
Gewalt  zu  schirmen,  oder  blutig  zu  verderben.  Da  standen
  der  Capuziner  Haspinger,  genannt  der  Rothbart,
  Martin  Schenk,  der  Kreutzwirth  von  Briren,
Peter  Mayr,  der  Wirth  von  Maar,  und  Peter  Kemnater,
  der  Wirth  von  Schabs.  Alles  verabredet,  gieng
Haspinger  der  Capuziner  noch  in  der  Nacht  mit  seinem
  Kriegsvolk  eine  Stunde  oberhalb  Briren  vor;  Mayr
und  Kemnater  führten  ihm  die  Compagnien  von  Villanders
  und  Veltthurns  zu.  Auch  die  Weikenthaler,  Schonecker
  und  Rothenecker  stießen  zu  ihm.  Er  hob  die  in  den
Kriegen  Tirols  berühmt  gewordene  Laditscher-Brücke  auf,
verschanzte  sich  durch  spanische  Reiter,  und  traf  alle
Anstalten,  sich  bei  der  unteren  und  oberen  Aue  auf’s
Festeste  zu  behaupten.  Speckbacher,  der  am  Abend
des  Sten  August  ebenfalls  zu  ihm  kam,  und  das  Landvolk
  jenseits  der  Eisack  aufgeboten  hatte,  legte  zwischen
Mittewald  und  Imsack  Verhaue  gquer  über  die  Landstraße,
zu  gleicher  Absicht  an.

II.  546es  Buch.  10
        <pb n="294" />
        —  290  —

General  Rouyer  war  unterdessen  ohne  Hinderniß
uͤber  den  Brenner  nach  Sterzing  (ten  August)  vorge—
schritten.  Er  ruhete  einen  Tag,  und  trat  dann  (k6ten
August)  mit  Anbruch  des  Morgens  den  Zug  nach  Briren
an.  Schon  beim  Dorfe  Mauls  stließ  seine  Vorhut,  welcher
  auch  der  baierische  Oberlieutenant  Baron  Wiedemann
  mit  einer  Kanone  und  Haubitze  der  Batterie  Vandouve
  beigegeben  war,  auf  die  Tiroler  unter  Speckbachers
  Befehl.  Sie  hatten  die  Schluchten  ringsum,
so  wie  die  Berge,  das  Stilfter-Joch  zum  Eingang  in  das
Sarnenthal,  den  Punleitner-Steg  und  den  Jaufen  wohl
besetzt.  Hinter  allen  Gebüschen  lagen  zielende  Schützen;
von  den  Bergen  rollten  große  Steinmassen.  Beides  verursachte
  den  Sachsen  großen  Verlust.  Doch  das  baierische
  Geschütz  und  die  Weimarer-Jäger  fegten  das  rechte
Eisack-Ufer.  Speckbacher  zgog  sich  bis  zu  der  Bergschlucht
  bei  der  Oberau,  wo  die  Brücke  abgebrannt  wurde,
und  faßte  hier  Stand.  Die  Sachsen,  mit  unerschütterlichem
  Muth,  durchbrachen  den  Verhau  bei  Mittenwald,
drangen  bis  zur  Obernau,  umgiengen  mit  200  Mann
über  den  Riolerberg  die  untere  Au,  und  dffneten  sich  so
den  Zugang  zur  abgebrannten  Brücke.  Wiederholt  strmten
  die  Weimarer-Jäger  zur  Brucke  an;  aber  das  wohlgerichtete
  Feuer  der  Tiroler-Schützen,  die  herabrollenden
Felsentrümmer,  Steine  und  Baumstämme,  brachten  ihnen
Tod  und  Verderben.  Die  sächsische  Infanterie  zog  sich
nicht  ohne  Verwirrung  zurück,  von  den  vordringenden
Tirolern  verfolgt.  Oberlieutenant  Wiedmann  erkannte
aber  die  Wichtigkeit  des  Augenblickes  und  der  Behauptung
  dieses  Standpunctes.  Er  empfing  die  anrennenden
Massen  der  Tiroler  mit  so  furchtbarem  Kartätschenfeuer,
daß  sie  schnell  und  ohne  Ordnung  wieder  bis  zur  Brücke
        <pb n="295" />
        —  201  —

und  in  die  Berge  hinauf  flohen.  Die  Sachsen  sammelten
sich,  verfolgten  den  Feind,  drangen  wieder  an  die  Brücke
vor,  und  blieben  mit  zwei  Bataillonen  und  dem  baierischen
  Geschütz  an  derselben  während  der  Nacht  stehen.

Unterdessen  hatte  der  Artillerie-Hauptmann  Vandouve
  bei  der  obern  An  die  kleine  Eisack-Brücke,  wenigstens
  für  Fußvolk  gangbar,  hergestellt,  und  General
Rouyper,  dessen  Diovision  bedeutend  verloren  hatte,
einen  Theil  derjenigen  baierischen  Truppen  an  sich  gezogen,)
  die  nach  ihm  auf  den  Brenner  gegangen  waren.
Während  der  Nacht  kam  auch  der  Graf  Arco,  um  sich
auf  seinen  Posten  nach  Briren  zu  begeben.  Seinem
Wagen  ritten  zwei  Dragoner  voran.  Kaum  viel  über
Sterzing  hinaus  ward  er  aber  durch  Flintenschüsse  der
Insurgenten  begrüßt,  zum  eiligen  Rückzug  nach  Sterzing
gezwungen,  und  seine  schwache  Begleitung  gefangen  genommen.


Des  andern  Morgens  früh  (5ten  August)  drangen
die  Haufen  des  Tiroler-Aufstandes,  von  allen  Bergen
und  Wegen  her,  gegen  die  Brücke.  Die  hier  aufgestellten
  Pikets  zogen  nach  dem  Dorfe  Oberau  zurück.  Hier

 

*)  Nämlich  das  erste  leichte  Bataillon  Habermann,  und
eine  Escadron  des  ersten  Dragoner-Regimentes,  das
Ganze  unter  dem  Befehl  des  Obersten  Grafen  von  Wittgenstein,
  nahm  er  nach  Sterzing,  während  die  andere
Escadron  jenes  Dragoner-Regimentes  die  Verbindung
mit  Innsbruck  zu  unterhalten  bestimmt  war,  so  wie  das
schon  Tages  vorher  auf  Befehl  des  Marschalls  Herzog
von  Danzig  mit  zwei  Kanonen  nach  Schönberg  vorgerückte
  erste  Batgillon  des  ersten  Linien=  Infanterie-Leib-Regimenres,
  unter  dem  Obersten  Ströhl,  jene  Abtheilung
  Wittgenstein  auf  dem  Brenner  abgelbst  hatte.

19  *
        <pb n="296" />
        —  292  —

begannen  die  beiden  saͤchsischen  Bataillons,  kraͤftig  von
den  beiden  Stuͤcken  baierischen  Geschuͤtzes  unterstuͤtzt,
einen  hartnaͤckigen,  langen,  blutigen  Kampf.  General
Rouyer  uͤberließ  die  hier  Fechtenden  ihrem  Schicksal,
und  begab  sich  mit  einem  Theil  seiner  Truppen  zuruͤck
nach  Sterzing.  Als  nun  Nachmittags  um  2  Uhr  den
Kämpfenden  schon  der  Schießbedarf  zu  fehlen  begann,
als  keine  Hülfe  erschien,  als  300  Mann,  mit  denen  sie
das  Dorf  Oberau  besetzt  hatten,  von  ihnen  abgeschnitten
waren  (diese  mußten  nachher  als  Gefangene  das  Gewehr
  strecken),  als  der  Feind  sich  schon  ihnen  links  und
rechts  in  den  Seiten,  und  sogar  im  Rücken  zeigte,  beschlossen
  sie  endlich  Rückzug.  Aber  sie  würden  kaum  ihrer
gänzlichen  Vernichtung  entgangen  seyn,  hätte  sie  nicht
der  Oberst  Graf  Wittgenstein  durch  rasche  und  kühne
That  gerettet.  Er,  mit  einer  Abtheilung  seines  Dragoner-Regiments,
  mit  zwei  Kanonen  der  Batterie  Vandouve,
  und  einem  Bataillon  der  Division  Rouyer
rückte,  trotz  dem  ausserordentlichen  Widerstande  des  Feindes,
  auf  der  Straße  gegen  Mauls  vor,  und  ließ  zugleich
den  Major  Fick,  mit  zwei  Compagnien  des  ersten  leichten
  Bataillons  Baiern,  die  Insurgenten  beim  Punct
Sprächenstein  links  im  Gebirge  umgehen.  Diese  glücklich
berechnete  und  muthig  ausgeführte  Bewegung  brachte  die
überraschten  Tiroler  auf  allen  Puncten  zum  Weichen.
Der  Ort  Mauls  wurde  genommen,  der  schon  umzingelte
Ueberrest  der  beiden  sächsischen  Bataillone  wieder  frei.
Wittgenstein  ließ  die  Sachsen  und  das  baierische  Geschütz,
  unter  dem  Lieutenant  Hornberger,  nach  Sterzing
  zuruck  gehen,  behauptete  inzwischen  die  Stellung
von  Mauls,  und  begab  sich  dann  erst  Abends  wieder  mit
seinen  Leuten  zum  Großtheil  der  Divistion.
        <pb n="297" />
        —  205  —

Als  der  Herzog  von  Danzig  von  jenen  unglücklichen
  Vorgängen  vernahm,  entschloß  er  sich,  an  der
Spitze  der  Divoision  Kronprinzz,  selbst  nach  Sterzing
zu  gehen,  und  die  Unternehmung  auf  Briren  durchzusetzen.
  Er  hatte  schon  einige  Tage  vorher  (5ten  August)
das  zehute  Linien-Regiment  mit  zwei  Geschwadern,  nebst
zwei  Kanonen,  nach  Imst  und  Landeck  gesandt,  um  eine
Verbindung  mit  dem  General  Beaumont  zu  unterhalten,
  der  durch  das  Ober-Innthal  über  den  Arlberg
nach  Bregenz  zog.  Jetzt  befahl  er  dieser  Abtheilung,  unter
  Befehl  des  Dragoner-Obersten  Baron  Burscheidt,
durch  den  Vintschgan  nach  Meran  zu  dringen,  um  die
Hauptbewegung  gegen  Brixren  zu  erleichtern.  Den  Posten
  bei  Landeck  aber  gab  er  dem  fünften  Linien-Regiment,
und  einem  Dragoner-Geschwader,  nebst  zwei  Haubitzen
und  einer  Sechspfünder-Kanone.  Die  Verbindung  zwischen
  Landeck  und  Innsbruck  sollte  in  Mals,  Stambs  und
Silz  das  neunte  Linien-Regiment  unterhalten.  Er  selbst
brach  mit  dem  übrigen  Theil  der  Diviston  Kronprinz
des  Nachmittags,  am  öten  August,  zum  Brenner  auf,
bis  Steinach.

Um  dem  General  Rouper  von  allen  Anordnungen
des  Herzogs  Kenntniß  zu  geben,  schickte  der  auf  dem
Brenner  stehende  Oberst  von  Ströhl,  der  hier  die  von
den  Insurgenten  angefangenen  Verschanzungen  zerstdren
mußte  (noch  in  der  Nacht  vom  Sten  zum  böten  August),
zwei  Dragoner  ab.  Sie  kamen  aber  bald  wieder  zurück.
Eine  starke  Stunde  vom  Posthause  waren  sie  durch  ein
lebhaftes  Gewehrfeuer  der  Tiroler  überrascht  worden;
  also  die  Verbindungen  mit  Sterzing  abgeschnitten.
Diese  herzustellen,  mußte  sich  der  Oberlieutenant  Baron
Berchheim,  mit  63  Schützen  und  einem  Zuge  vom
        <pb n="298" />
        —  206  —

ersten  Oragoner  =  Regiment,  sogleich  auf  dem  Weg
machen.

Er  kam  bis  zum  Marktflecken  Gossensaß;  hier  begegnete
  er  den  Tirolern.  Eiligst  erstieg  er  mit  der  Hälfte
seiner  Schützen  rechts  den  Berg,  und  ließ  seine  übrigen
Leute  auf  der  Straße  vorwärts  gehen,  um  seine  angegriffene
  kleine  Vorhut  zu  unterstützen.  Die  Insurgenten
auf  dem  Berge,  von  den  wenigen  baierischen  Schützen
verwegen  genug  angefallen,  wurden  geworfen,  verloren
mehrere  Todte,  einen  Gefangenen,  Trommel  und  mehrere
  Stutzen.  Dann  stürmte  Berchheim,  wieder  mit
seiner  Mannschaft  vereint,  den  stark  besetzten  Ort  Gossensaß,
  trieb  den  Feind  hinaus,  und  machte  mehrere  Gefangene.
  Einige  hundert  Schritte  hinter  dem  Marktflecken
stieß  er  auf  einen  stark  besetzten  Verhau,  jenseits  dessen
die  Tiroler  eben  beschäftiget  waren,  eine  Brücke  abzubrechen.
  Er  griff  auch  hier  an,  während  mit  zwolf
Schützen  der  Sergeant  Herrgort  den  Berg  seitwärts
erkletterte,  und  den  Verhau  umgieng.  Dieser  ward  von
den  Tirolern  verlassen;  dann  aufgeräumt.  Ermüdet  vom
sechsstündigen  Gefecht  kam  die  kleine  Schaar  endlich  zwischen
  Rueden  und  Tschaefs  zur  Brücke,  und  fand  auch
diese  vom  Feind  besetzt.  Aus  Mangel  an  Patronen  mußte
das  Bajonnett  gebraucht  werden.  Die  Insurgenten  wurden
  auseinander  gesprengt.  So  kam  Berchheim,  mit
Verlust  von  vier  Verwundeten  und  eben  so  vielen  vermißten
  Schützen  nach  Sterzing.“)  «

*)  Von  vorzüglicher  Tapferkeit  zeigten  sich  in  jenen  Gefechten
  die  Sergeanken  Herrgott  und  Hofmann,  der
Corporal  Diepold,  der  Hornist  Schmidt,  die  Schüten
  Bremauer,  Dellinger  und  Wörl.
        <pb n="299" />
        —  295  —

Auch  der  Herzog  von  Danzig  traf  denselben  Tag
noch  mit  seinen  Truppen  in  Sterzing  ein.  Unterwegs
hatte  er  vom  Feuer  der  Tiroler  auf  den  Bergen  keinen
Schaden  gelitten,  aber  die  Häuser  des  Dorfes  Oberried,
aus  denen  Schüsse  gefallen  waren,  hatte  er  zur  Strafe
wegbrennen  lassen.  Gleich  nach  seiner  Ankunft  schickte
er  das  erste  Linien-Regiment  und  eine  Compagnie  vom
leichten  Bataillon  Bärnelau,  nebst  einer  Compagnie
Franzosen,  alles  unter  Befehl  des  Obersten  Maingrenot,
  seines  Adjutanten,  rechts  an  den  Bergen  nach  dem
Dorfe  Stilfes  vor.  Er  selbst  untersuchte  persdnlich  die
Oertlichkeiten  bis  Mauls.  Die  Tiroler  hatten  sich  bis  in
den  sogenannten  Sack  zurückgezogen.  Speckbacher
mit  der  Mannschaft  des  Sandwirths  Hofer,  hielt  die
Uebergänge  des  Jaufen  und  Gasteig  besetzt.

Mit  Tages-Anbruch,  den  rten  August,  rückte  der
Herzog  von  Danzig  auf  der  großen  Straße  gegen
Mauls  vor.  Rechts  bewegten  sich,  von  Stilfes  aus,
mit  ihm  in  gleicher  Linie,  die  dortigen  Truppen,  über
das  Dorf  Bluders  vor,  links  über  das  Gebirge  und  die
schroffesten  Felsenwände  hinweg,  das  zweite  Linien-Regiment
  und  das  leichte  Bataillon  Habermann,  bis  hinterhalb
  Mauls.  Der  Oberstlieutenant  Habermann
schickte  nun  den  Oberlieutenant  plander  mit  den
Schützen  des  Bataillons  nach  Mauls  nieder,  um  die  Tiroler
  hinaus  zu  jagen.  Diese,  erstaunt,  die  Baiern  von
den  höchsten  Bergen  herabkommen  zu  sehen,  flohen  in
großer  Unordnung  aus  dem  Dorfe,  mit  interlassung
einiger  Gefangenen.

Allein  aber,  schon  beim  ersten  Schritt,  der  überwundenen
  Schwierigkeiten  ungeachtet,  überzengte  sich  der  Herzog
  von  Danzig  jetzt  selber,  daß  seiner  Hauptcolonne
        <pb n="300" />
        —  296  —

immer  furchtbarere  Hindernisse,  wohlvertheidigte  Engpässe,
  abgebrochene  Brücken,  Wege  von  großen  Steinmassen
  verschüttet,  und  andere  durch  Kunst  und  Natur
bewirkte  Hemmungen  entgegen  traten;  daß  er  unter  solchen
  Umständen,  bei  der  beständig  anschwellenden  Menge
des  Feindes,  wenigstens  nicht  an  diesem  Tage,  die  Rückseite
  des  Eisack-Ufers  zu  gewinnen  im  Stande  sey,  und
daß  er  theils  von  den  glücklichen  Bewegungen  des  Generals
  Beaumont,  theils  von  der  durch  den  Vinschtgan
anrückenden  Abtheilung  Baiern,  theils  von  den  aus  Italien,
  Kärnthen  und  Steiermark  anziehenden  franzoͤsischen
und  italienischen  Truppen,  besseren  Erfolg  seiner  eigenen
Unternehmungen  erwarten  müsse.  Darum  beschloß  er,
einsweilen  auch  die  Stellung  bei  Sterzing  zu  behaupten,)
und  zugleich  hier  das  Corps  des  Grafen  Arco  zu  sich
zu  nehmen,  dem  er  schon  früher,  von  Hall  über  den  Brenner
  zu  kommen,  befohlen  hatte.  Wirklich  rückte  Graf
Arco  mit  seinen  Schaaren,  nach  einem  achtzehnstündigem

 

n)  Demnach  stellte  er  das  achte  Linien-Regiment,  unter
dem  General  Stengel,  mit  fünf  Artillerie  =  Stücken,
das  vierte  Chevaurlegers-Regiment  Bubenhoven,  und
die  zweite  Divisson  des  Chevaurlegers-Regiments  Kronprinz
  bei  Sterzing,  das  zweite  Linien-Regiment  Kronprinz
  hinter  diesen  Punct,  zu  Bedeckung  der  Artillerie=Reserve
  auf,  während  er  dem  General  von  Raglowich
mit  dem  vierten  Linien-Regimente  Aufstellung  auf  der
großen  Straße,  eine  Stunde  von  sich  entfernt,  auf  dem
linken  Eisack=  User,  mit  den  Schützen  des  vierten  und
achten  Regiments,  vor  dem  Dorfe  Mauls,  dem  ersten
Linien-Infanterie-Leib-Regiment,  und  einer  Abtheilung
des  Bataillons  Beernclau,  Behauptung  des  rechten
Eisack-Ufers,  in  gleicher  Höhe  mit  dem  vierten  Linien-Regimente,
  gebot.
        <pb n="301" />
        —  297  —

Marsche,  noch  an  eben  diesem  Tage  in  Sterzing  ein,  und
mußte  von  da  sogleich  rechts  ins  Ridnauer-Thal  ziehen.
Er  drang,  unter  stetem  Geplaͤnkel  mit  den  Insurgenten
hinein,  und  lagerte  sich  endlich  da  zwischen  Ober-  und
Unter-Telfs,  vor  sich  den  Gailbach,  uͤber  welchen  der
Feind  die  Bruͤcke  bei  der  Einsiedelei  abgebrochen  hatte.
Der  Mareiter-Wald,  und  von  da  bis  Gasteig,  war  Alles
von  Tirolern  besetzt,  welche  die  ganze  Nacht  auf  die
Baiern  feuerten.

Dies  Corps  mußte  den  andern  Tag,  unter  Befehl
des  Obersten  Grafen  von  Wittgenstein,  (denn  den
Grafen  Arco  behielt  der  Herzog  bei  seiner  Person,)  wieder
  zur  Besetzung  des  Brenners  rückwärts.  Dessen  Stelle
am  Eingange  des  Ridauer-Thales  nahm  General  Stengel,
  mit  acht  Compagnien  des  achten  Linien-Regiments,
nebst  einer  Haubitze  und  Kanone,  unter  dem  Oberlieutenant
  Carl  von  Weishaupt  ein.  Stengel,  umnicht
vom  Feinde,  am  Gebirge  rechts  in  allen  Bewegungen
beobachtet  zu  bleiben,  schickte  den  Hauptmann  von  Har-Bzen
  mit  zwei  Compagnien  gegen  ihn,  und,  nach  zweimaligem,
  lebhaften  Angriff,  warf  ihn  derselbe,  unterstützt
  durch  die  Haubitze,  auf  allen  Puncten  zurück.

Während  dem  ward  auch  von  den  Truppen,  die  unter
  dem  Befehl  des  Generals  von  Raglowich  vorwärts
gegen  das  Dorf  Mauls  standen,  den  ganzen  Tag  geplänkelt.
  Die  Tiroler  kamen  von  Zeit  zu  geit,  mit  unglaublicher
  Kühnheit,  bis  auf  Büchsenschußweite  heran,
wurden  aber  durch  wohlgezielte  Haubitzen-Schüsse  fortwährend
  im  Zaum  gehalten.  —  Midderselben  Verwegenheit
  streiften  mehr  denn  200  Tiroler  aus  den  Bergen  so
nahe  gegen  die  rechte  Seite  von  der  Stellung  des  Regiments
  Kronprinz  hinter  Sterzing,  daß  die  Kugeln
        <pb n="302" />
        in  die  Baracken  der  Soldaten  schlugen.  Der  Major
Graf  Seiboltsdor  f  bekam  endlich  Erlaubuiß,  sie  mit
der  Compagnie  Thiereck  und  den  Schuͤtzen  des  Ba—
taillons  Habermann  zu  verjagen.  Und  es  ward  fuͤr
die  Tapferen  eine  Jagd;  der  Haufe  der  Insurgenten  zwei
Stunden  lang  verfolgt,  zersprengt;  mancher  Gefangene,
und  betraͤchtlicher  Vorrath  an  Vieh  und  Lebensmitteln,
als  Beute  heimgebracht.  ")

Vorräthe  solcher  Art  wurden  um  so  wichtiger,  jetzt,
da  wirklich  schon  fühlbarer  Mangel  eintrat,  der  in  der
Nähe  nicht  mehr  gestillt  werden  konnte.  Der  Herzog
schickte  daher  den  Major  Seiboltsdorf  am  andern
Tage  noch  einmal  mit  500  Mann  in  dasselbe  Gebirg  hinauf,
  wo  er  die  Beute  gemacht  hatte.  Schon  sechzig
Schritt  jenseits  der  äussersten  baierischen  Vorwachten
siieß  er  auf  die  Tiroler.  Er  trieb  sie,  nach  kurzem  Kampf,
davon,  und  verfolgte  sie  anderthalb  Stunden  lang  über
die  Berge.  Während  er  aber  seine  Mannschaft  zur  Erfüllung
  des  Hauptzweckes  zerstreuet  hatte,  und  schon
manchen  tapfern  Mann  durch  Tod  (wie  den  Schützenlieutenant
  Grafen  Brattia)  oder  durch  Verwundung
(wie  den  Oberlieutenant  von  Kylander),  eingebüßt
hatte,  erschien  der  Feind  ihm  abermals  200  Manmn  stark
gegenuber,  in  vortheilhafter  Stellung.  Er  selbst  hatte
kaum  30  Mann  bei  sich.  ODemnoch  stürzte  er  sich  mit  diesen
  wüthend  gegen  die  Menge,  und  sprengte  sie  auseinander,
  mit  beträchtlichem  Verlust  derselben  an  Todten

6)  Rühmlich  anerkannt  wurde  dabei  die  Mitwirkung  der
Schützen-Offiziere,  der  Oberlieutenants  von  Hofstetten,
  Düfresne,  TXplander,  so  wie  der  gemeinen
Soldaten.
        <pb n="303" />
        und  Verwundeten.  So  kehrte  er  mit  400  Stück  aus  den
Alpen  zusammengetriebenen  Viehes  ins  Lager  zuruͤck,  den
Ruͤckzug  an  der  Spitze  weniger  Mannschaft  gegen  den
nachdringenden  Feind  deckend.  *)

Eben  so  gelungen,  aber  auch  eben  so  muͤhsam  und
blutig,  war  in  denselben  Stunden  der  Streifzug,  welchen
  der  Lieutenant  Pfetten  mit  50  Mann  in  die  Alpen
am  Schdnspitz  machte.  Pfetten  selbst  ward  dabei  erschossen,
  als  die  Tiroler  zusammenstrdmten,  ihr  Eigenthum
  zu  vertheidigen,  oder  wieder  zu  erobern.  Die
Tapferkeit  des  Sergeanten  Burmann  und  seiner  Leute
vertheidigte  aber  die  Beute,  bis  sie  sich  mit  20  Mann
unter  dem  Lieutenant  Baron  Mplius  vereinigen  konnten,
  der  ihnen  zur  Unterstützung  nachgeschickt  war.  Da
ließen  die  Tiroler  vom  Verfolgen  ab;  warfen  sich  aber
dagegen  mit  Ueberlegenheit  auf  ein  Piker,  welches  unter
dem  Oberlieutenant  von  Schrott  vor  dem  Lager  vom
zweiten  Bataillon  des  Leib-Regiments  auf  einer  Hoͤhe
stand,  die  von  der  Schbnspitze  durch  ein  Thal  geschieden
ist.  Das  Piket  ward  nach  kurzem  Widerstand  vertrieben;  ;
die  Stellung  desselben  vom  Feind  besetzt,  und  dadurch
sowohl  die  Verbindung  der  beiden  Bataillone  des  Leib—
Regiments  unter  sich,  als  mit  dem  Punct  Sterzing  be- 



*  )  Er  hatte  bei  diefem  Zug  drei  Offiziere  und  sechs  Gemeine
  verloren.  Besonders  gerühmt  wurden  die  Dienste
der  Oberlieutenants  von  Kylander  und  Hofstetten,
des  Sergeanten  Floreus,  Corporals  Glock,  der  Gemeinen
  Weinmgier,  Wimmer  und  Schmalzgruber
  des  ersten  leichten  Batgillons,  des  Sergeanten  Jung,

der  Trompeter  Dürnhofer  und  Vogel,  dann  der
Gemeinen  Ehrenbeck,  Kohlenberger,  Biglmayer
  und  Fischer  des  Regimentes  Kronprinz.
        <pb n="304" />
        —  300  —

drohet.  Aber  Lieutenant  Mylius,  unterstuͤtzt  durch
den  Hauptmann  Osterhuber  mit  einer  Compagnie  des
Leib-Regiments  stellte  sich,  links  jenem  vom  Muͤhlbach
durchschlängelten  Thale,  gegen  die  Schönspitz  auf,  um
den  Tirolern  das  Herabsteigen  vom  Gebirg  zu  hindern;
und  der  Hauptmann  von  Balligand  stürmte  mit  seiner
  Compagnie  die  vom  Piket  verlorne  Hohe.  Nicht
nur  erkämpfte  er  nach  blutigem  Gefecht  diese  Stellung
wieder,  sondern,  gemeinschaftlich  mit  Osterhuber,  der
im  Sturmschritt  vorrückte,  warf  er  in  hartnäckigem  Kampfe
  von  Stellung  zu  Stellung  den  Feind  zurück,  bis  der
höchste  Räcken  des  Gebirges  erstiegen  war,  wo  man  in
einzelnen  Hütten  aufgehäuften  Vorrath  von  Munition
und  Lebensmitteln  erbeutete.  Es  half  den  Tirolern  auch
nicht,  sich  plötzlich  wieder  ihren  Siegern  in  den  Rücken
zu  setzen.  Denn  beim  Ausgang  jener  Thalschlucht  stand
noch  mit  seiner  braven  Mannschaft  der  Lieutenant  Mylius,
  der  sich  jählings  und  mit  solcher  Kraft  gegen  die
feindlichen  Haufen  stürzte,  daß  sie  zerstoben,  und  die
Compagnie  vom  Gebirgsrücken  herab  ungehindert  zum
alten  Lagerplatz  heimkehren  konnte.  Darauf  besetzten  die
Baiern  jene  wichtige,  vorher  nur  von  einem  Piket  gedeckt
gewesene  Hohe,  mit  einer  ganzen  Compagnie.

Unterdessen  hatten  die  Häupter  des  Aufstandes,  namentlich
  der  Sandwirth  Hofer,  da  sie  vom  Herzog  von
Danzig  abermals  zur  Beendigung  des  zwecklosen  Kampfes
  aufgefordert  waren,  Unterhandlungen  mit  ihm  angekniipft.
  Wahrscheinlich  aber  lag  in  ihrer  Absicht  nur,
ihn  in  der  Stellung  von  Sterzing  festzuhalten,  bis  es
ihnen  durch  ausserordentliche  Ueberlegenheit  gelingen  würde,
seinen  Heerhaufen  gänzlich  zu  umstellen,  und  schmählicher
Gefangenschaft  zu  überliefern.  Der  Herzog,  der  nun
        <pb n="305" />
        —  301  —

selber  die  Schwierigkeiten  erkannte,  sich,  mit  seinen  Mit—
teln  allein,  des  Landes  durch  Gewalt  zu  bemeistern,
und  anfing,  an  Mitwirkung  der  italienisch-franzoͤsischen
Truppen,  vom  Pusterthal  und  Botzen  her,  zu  zweifeln,
wollte  den  Weg  der  Guͤte  gern  versuchen.  Er  bewilligte
eine  verlangte  Unterredung,  befahl  allgemeine  Waffenruhe,
  und  ließ  den  General  von  Raglowich  auf  die
Vorposten  gehen,  um  die  Unterhandlungen  zu  leiten.
Nicht  weit  von  den  Vorposten  standen  die  Massen
der  tirolischen  Bauern.  Raglowich  sandte  den  Oberlieutenant
  Baron  Völderndorff  mit  einem  weißen
Friedensfähnlein  und  zwei  blasenden  Trompetern  an  sie  ab.
Bei  diesem  Anblick  stellten  die  nähern  Haufen  das  unaufhörliche
  Schießen  ein,  und  schrieen  den  Entferntern  zu,
mit  Feindseligkeiten  aufzuhoren.  Kaum  aber  befand  sich
Volderndorff  unter  der  lärmenden,  wilden,  betrunkenen
  Menge,  so  ward  er  vom  Pferde  gerissen,  geplündert,
  und  bis  aufs  Hemd  ausgezogen;  einer  der  Trompeter
  an  seiner  Seite  verwundet;  mit  unglaublicher
Schnelligkeit  die  ganze  Vorpostenkette  der  Baiern  von
den  vordrängenden  Schwärmen  der  Insurgenten  überrumpelt,
  so  daß  der  Major  von  Hausmann,  die  Oberlieutenants
  Kellner  und  Kleist,  nebst  48  Schützen,
gefangen,  und  mehrere  Soldaten  verwundet  wurden.
Selbst  General  Raglowich  wäre  verloren  gewesen,
hätte  ihm  der  Chevaurlegers  Krebs  nicht,  mit  dem
Säbel  in  der  Faust,  durch  die  wüthenden  Haufen  Weg
gebahnt,  um  in  die  Hauptstellung  hinter  Mauls  zurück
zu  gelangen.  Dahin  floh  auch,  was  sich  noch  von  der
Mannschaft  aus  den  Vorposten  retten  konnte.

Schnell  sammelte  hinter  dem  Dorfe  der  Oberst  von
Zoller,  voller  Geistesgegenwart,  was  er  an  Soldaten
        <pb n="306" />
        —  302  —

sogleich  zur  Hand  hatte,  und  warf  sich  den  wuͤthenden
verworrenen  Haufen  der  Bauern  entgegen.  Oer  franzbsische
  Oberst  Lefebvre,  Sohn  des  Herzogs  von  Danzig,
  sprengte  sie  mit  wenigen  baierischen  Chevaurlegers
an.  Der  Stoß  war  so  nachdrücklich,  daß  die  Bauern
voller  Bestürzung,  eben  so  verworren  und  schnell  zurückwichen,
  als  sie  gekommen  waren,  und  viele  Gefangene
hinterließen.  Die  Baiern  nahmen  ihre  Stellungen  wieder,
  aus  denen  sie  verdrängt  gewesen.  In  dem  Augenblick
  erschien  auch  General  Raglowich  mit  zwei  Compagnien,
  zwei  Haubitzen  und  einer  Kanone.  Da  machten
  sich  die  zügellosen  Banden  der  Tiroler  auf  allen  Seiten
  zurück.  Auch  lieferten  sie  des  andern  Tages  (10ten
August)  die  von  ihnen  heimtückisch  gefangen  genommenen
Offiziere,  mit  Ausnahme  des  Majors  von  Hausmann,
wieder  aus,  doch  vbllig  geplündert,  sobald  sie  die  Drohung
  hoͤrten,  man  werde,  wenn  sie  die  Auslieferung
verweigerten,  alle  an  dem  Tage  gefangenen  Tiroler  aufknüpfen
  lassen.

 

20.
Der  Herzog  von  Danzig  zieht  sich  nach
Innsbruck  zurück.

Noch  hoffte  der  Herzog  auf  das  Erscheinen  der
Truppen-Abtheilung,  die  er  unter  dem  Obersten  Burscheidt
  durch  den  Vintschgau  gegen  Meran  bestimmt
gehabt  hatte.  Aber  auch  diese  Hoffnung  täuschte  ihn.

Major  Büllingen  hatte  im  Ober-Innthal  (am
5ten  August)  den  Punct  Landeck  erreicht,  sich  dort  mit
dem  ersten  Bataillon  vom  zehnten  Regiment,  einem  Geschwader
  des  zweiten  Dragoner-Regiments  und  einer
        <pb n="307" />
        —  303  —

Kanone,  aufgestellt,  sich  der  Straßen  nach  Bludenz  und
Ried  versichert,  und  die  umliegenden  Gemeinden  entwaffnet.
  Indessen  vernahm  er,  daß  Sandwirth  Hofer
wieder  alles  Volk  der  benachbarten  Thäler  zu  den  Wafssen
aufgeboten  habe.  Wirklich  wurden  schon  mehrere  Reiter
gefangen  oder  getddtet,  welche  an  den  Major  von
Troltsch  Befehle  überbringen  sollten,  der  bei  Imbst
mit  dem  andern  Bataillon  des  zehnten  Regiments,  einem
anderen  Geschwader  des  zweiten  Dragoner-Regimentes,
und  einer  Kanone  stand.  Am  8ten  August  kam  dieser,
mit  seinem  Kriegsvolk,  nach  Landeck,  wo  nun  Oberst
von  Burscheidt  zwar  den  Befehl  über  gesammte  Truppen
  übernahm,  aber  den  franzdsischen  Oberstlieutenant
Vasserot,  als  Führer  der  ganzen  Unternehmung  gegen
Meran,  beigeordnet  empfing.  Der  Zug  ward  sogleich  denselben
  Tag  nach  Prutz  fortgesetzt.

Er  ging  zwischen  schroffen  Felsenwänden  und  dem
nahen  Innstrom  sich  hinfädelnd,  nur  mit  einer  Vorhut
von  15  Dragonern,  ohne  Streifrotten,  um  sich  seitwärts
zu  sichern,  oder  die  Tiroler  zu  beobachten.  Vasserot
wies,  wenn  Burscheidt  ihn  an  die  nbthigen  Vorsichtsmaßregeln
  mahnte,  die  Erinnerungen  mit  höhnender
Selbstgenugsamkeit  ab.  Schon  wurden  auf  umliegenden
Bergen  und  Felsen  einzelne  Haufen  der  Bauern  sichtbar.
Bald  horte  man  in  Gebirgen  und  Thälern  die  Sturmglocken.


Als  die  voranziehenden  Schützen  vom  ersten  Bataillon
  des  zehnten  Regiments  über  die  Flinserbrücke  kamen,
  wurden  sie  von  einem  heftigen  und  wirksamen
Büchsenfeuer  der  Tiroler  begrüßt.  Major  Graf  DPsenburg
  und  14  Mann  sielen  verwundet,  zwei  getddtet.
Zur  Innbrücke  bei  Prutz  gekommen,  fand  man  sie  abge-
        <pb n="308" />
        —  304  —

brochen;  hinten  die  Flinserbruͤcke  ward  von  den  Tirolern
bestuͤrmt.  Man  stellte  nun  eine  Compagnie  zu  jener,
behauptete  mit  zwei  Compagnien  diese,  stellte  sich  in  der
Ebene  vom  Dorfe  auf,  und  schickte  zwei  Compagnien
aus,  die  Hoͤhen  umher  zu  besetzen.  Auf  diesen  Hoͤhen
dauerte  das  Gefecht  bis  spaͤt  Abends.  Die  Baiern  hatten
dabei  32  Verwundete  und  21  Vermißte.  Der  Feinde
ringsum  wurden  stündlich  mehr.  Unbesonnenheit  würde
es  gewesen  seyn,  den  gefährlichen  Zug  mit  so  schwacher
Schaar  fortzusetzen,  während  jetzt  schon  die  Verbindung
mit  den  rückwärts  stehenden  Truppen  abgebrochen,  ja
der  Rückzug  selbst  noch  zu  erkämpfen  war.

Burscheidt  und  der  französische  Oberstlieutenant
stimmten  zusammen,  ungesäumt  wieder  nach  Landeck  umzukehren.
  Noch  um  0  Uhr  Abends  traten  in  aller  Stille
die  Truppen  zusammen.  Die  Schützen  vom  ersten  Bataillon
  bildeten  die  Vorhut,  die  Schützen  des  zweiten  die
Nachhut.  Kaum  war  der  Vortrab,  dann  das  erste  Bataillon
  über  die  Flinserbrücke  zurückgegangen,  ward  durch
den  Hufschlag  der  nachfolgenden  Dragoner-Rosse  der
Feind  aufmerksam,  und  die  Bewegung  der  Baiern  ihm
verrathen.  Nun  fiel  ein  Hagel  von  Kugeln  gegen  die
Brücke.  Felsenstücke,  von  6  bis  8  Fuß  im  Durchmesser,
rollten  gegen  den  Eingang  derselben,  und  mit  einer  um
so  furchtbarern  Wirkung,  weil  der  ganze  Zug  ins  Stocken
gerieth.  Denn  unweit  der  Brücke  hatten  die  Tiroler,
auf  dem  rechten  Innufer,  einen  Verhau  von  acht  großen,
mit  Klammern  an  einander  befestigten  Bäumen,  über  die
Landstraße  geworfen.  Das  Wegräumen  desselben  wurde
durch  das  unablässige  Feuer  der  Tiroler  erschwert.  Inzwischen
  wurden  die  Lafetten  des  Geschützes  und  die
Munitionswagen  von  den  fallenden  Felsenstücken  zertrümmert,
        <pb n="309" />
        —  305  —

mert,  Menschen  und  Pferde  verwundet,  oder  von  der
Straße  fort  in  den  voruͤberrauschenden  Strom  gestuͤrzt.
Es  ward  dem  nachruͤckenden  zweiten  Bataillon  und  der
Reiterei  unmöglich,  über  die  Brücke  zu  gehen;  unmbglich
  dem  ersten  Bataillon,  seine  Verbindung  mit  den
Truppen  jenseits  des  Flusses  herzustellen.  Major  Büllingen,
  nachdem  er  und  das  erste  Bataillon  eine  Stunde
lang  das  Aeusserste  versucht  hatte,  mußte  sich  begnügen,
dies  Bataillon  zu  retten,  und  die  jenseits  der  Brucke
ihrem  Schicksal  überlassen.  Er  kam  Morgens  2  Uhr
(den  oten  August),  nachdem  er  unterwegs  noch  einen
Verhau  aufzuräumen  gefunden,  in  Landeck  an,  wo  er
sich  mit  dem  ersten  Bataillon  des  fünften  Regiments
vereinigte.

Aber  auch  hier  ward  den  Ermüdeten  keine  Rast.
Beide  Bataillons  mußten,  fort  und  fort  gegen  die  aufschwärmenden
  Haufen  der  Tiroler  kämpfend,  nach  Zambs
zurückgehen,  nicht  ohne  Verlust  manches  wackern  Mannes.
  Nur  der  unerschrockene  Major  von  Büllingen
war  mit  drei  Compagnien  bei  Landeck  vor  der  Brücke  stehen
  geblieben,  um  die  etwa  noch  von  Prutz  kommenden
Baiern  zu  erwarten  und  aufzunehmen.  Bis  nach  Tages-Anbruch
  kämpfte  er  mit  den  zahlreichen  Insurgenten.
Dann  ging  auch  er,  immer  verfolgt  vom  Feind,  nach
Zambs.  Mancher  Brave  fiel  unterwegs;  auch  der  tapfere
  Hauptmann  Bärnclau.  Beide  Bataillone,  bei
Zambs  wieder  vollständig  vereint,  traten  sogleich  von
hier  den  Rückzug  nach  Imbst  an,  wo  sie  nun  auch  das
andere  Bataillon  des  fünften  Regiments  an  sich  nahmen,
und  weiter  zurück  nach  Mimmingen  zogen.  Das  Alles
geschah  im  unnnterbrochenen  Gefecht.  Herabrollende.
Felsenmassen  zermalmten  Munitions=  und  Ambulance=II.

  5tes  Buch.  20
        <pb n="310" />
        —  306  —

Wagen,  und  die  Lafette  der  noch  uͤbrigen  letzten  Kanone.
Nach  so  manchem  Verlust,  und  von  so  langem  Kaͤmpfen
ermattet,  sah  sich  die  kleine  Schaar  der  Baiern  nun  beim
Dorfe  Mimmingen  von  dreitausend  Insurgenten  umringt.
Doch  weder  die  Mannschaft  der  drei  Bataillone,  noch
deren  Anführer,  dachten  daran,  vor  dieser  Uebermacht
das  Gewehr  zu  strecken.  Sie  begannen  frisches  Muthes
das  Gefecht,  und  erzwangen,  wenn  gleich  mit  bedeutendem
  Verlust,  ihren  Weg  nach  Zierl,  wo  sie  Abends
0  Uhr  ankamen.

An  demselben  Tage  war  schon  in  erster  Morgenfrüuhe
  aus  dem  Lager  bei  Innsbruck  der  baierische  Oberst
Delamotte,  mit  dem  zehnten  Regiment,  einem  Dragoner-Geschwader,
  einer  Sechs=  und  einer  Dreipfünder-Kanone,
  aufgebrochen,  links  dem  Inn  hingezogen,  um
bei  Telfs  über  den  Fluß  zu  gehen.  Seine  Bestimmung
war,  das  Unternehmen  gegen  den  Vintschgau  zu  unterstüten.
  Aber  in  Telfs  schon  vernahm  er  den  Aufstand.
Ein  starker  Haufe  der  Insurgenten  sei  des  Nachts  aus
dem  Oetz-Thal  auf  dem  Karrerberg  hervorgegangen,
habe  sich  des  Dorfes  Carres  bemächtiget,  und  der  sogenannten
  Trankhütte,  eines  zwischen  Heimingen  und
Imbst  an  der  Straße  gelegenen  Wirthshauses.  Oberst
Delamotte  schickte  darauf  eine  starke  Reiterparthei  auf
das  linke  Innufer  nach  Imbst,  um  die  dort  stehenden
Baiern  zu  mahnen,  eine  Abtheilung  Fußvolkes  gegen
die  Trankhütte  vorzusenden.  Er  selbst  ging  dann  bei
Telfs  über  die  Brücke  nach  Silz,  ließ  den  Hauptmann
van  der  Monden  mit  einer  Grenadier-Compagnie  an
der  Motzer-Brücke  zurück,  und  ging  gegen  Heimingen
vor.  Nun  aber  empfing  er  Meldung,  die  Truppen  von
        <pb n="311" />
        —  307  —

Prutz,  Landeck  und  Imbst  seien  auf  dem  Rückzug,  er
solle  sich  eiligst  mit  ihnen  bei  Telfs  vereinigen.

Er  wandte  sich  also  wieder  nach  Telfs  um,  denn  er
hörte  wirklich  schon  seitwärts  den  Kanonendonner.  Kaum
aber  hatte  seine  Nachhut,  unter  dem  Major  Treuberg,
das  Dorf  Silz  hinter  sich,  als  sie  mit  Ungestim  von  den
Tirolern  angegriffen  ward,  die  von  Heimingen  daher  gekommen
  waren.  Vor  sich  sah  er  ebenfalls,  bei  Mbtz  an
der  Brücke,  die  Grenadier-Pikets  schon  mit  dem  Feind
in  lebhaftem  Geplänkel.  Durch  Streifhaufen  hielt  er
links  und  rechts  am  Inn  und  auf  den  Bergen  die  Tiroler
  von  seinen  Seiten  ab,  und  zog  dann  die  Grenadiers
von  Mötz  an  sich.  Als  seine  Vorhut  noch  anderthalb
Stunden  von  Telfs  war,  kam  Nachricht,  Oberst  Burscheidt
  sei  dort  mit  seinem  ganzen  Corps  schon  über
die  Brücke  gegangen,  und  diese  nun  von  den  Insurgenten
  stark  besetzt,  theilweise  abgetragen  und  verrammelt.  —
Oberst  Delamotte  ließ  sich  dadurch  nicht  abwendig
machen,  eilte  mit  seiner  Vorhut  auf  Kanonenschußweite
gegen  die  Brücke  von  Telfs,  und  legte,  links  und  rechts
derselben,  drei  Züge  der  Compagnie  Seifert  zerstreuet
in  die  Gebüsche  des  Innufers.  Während  nun  diese  mit
ihrem  Feuer  kräftig  auf  die  in  den  Häusern  und  hinter
der  Brücke  stehenden  Insurgenten  einwirkten,  und  der  Artillerie-Hauptmann
  Finken  auer  mit  seiner  Kanone
alles  zurücksprengte,  was  über  die  Brücke  vordringen
wollte,  stürzte  sich  Hauptmann  Seifert  im  rechten
Augenblick  mit  dem  Ueberrest  seiner  Compagnie  dem  weichenden
  Feinde  auf  der  Brücke  nach,  und  bereitete  der
zweiten  Grenadier-Compagnie  den  Weg,  mit  stürmender
Faust  den  Inn-Uebergang  zu  erzwingen.  Nun  rückte
kämpfend  alles  nach,  dann  dem  unterhalb  der  Brücke,

20“
        <pb n="312" />
        —  308  —

an  der  Straße  nach  Zierl  gelegenen  Dorfe  Pfaffenhofen
zu.  Von  da  endlich,  in  bestaͤndigem  Geplaͤnkel  mit  den
Feinden,  kam  Delamotte  Abends  um  10  Uhr  mit
seiner  Mannschaft  in  Zierl  an,  wo  er  sich  mit  dem
Obersten  Burscheidt  vereinigte.  Auch  Generallieutenant
  Deroy  war  hier,  auff  die  erste  Nachricht  von  allen
jenen  Ereignissen,  persbnlich  angekommen,  und  vernahm
nun  den  Verlust  und  das  Unglück,  so  wie  die  ungeheueren
Anstrengungen  der  zum  Unternehmen  gegen  den  Vintschgau
  bestimmt  gewesenen  Baiern,  )  und  nicht  minder  die
ehrenwerthen  Thaten  derer,  welche  mit  dem  Obersten
Delamotte  gezogen  waren.

*)  Besonders  die  Tapferkeit  des  Befehlshabers  der  Nachtruppe,
  des  Majors  von  Treuberg,  des  Oberlieutenants
  Hildel  an  der  Brücke  bei  Möß,  des  Hauptmanns
Seifert,  des  Hauptmanns  van  der  Monden,  der
Lieutenants  von  Künsberg  des  Aeltern,  des  Feldwebels
Pflaum,  der  Corporale  Panzer,  Günther,  der
Gemeinen  Marsching,  Morgenroth,  Eichhorr,
Hegel,  Georg  Preller,  Joseph  Preller,  der  Wachtmeister
  Kreßmann,  Federhofer,  der  Corporale
Griel,  Greth,  Giethl,  Pfeiffer,  Carl  des
2Sten  Dragoner-Regiments,  der  die  6pfünder  Kanone  des
Lieutenants  Finkenauer  bedienenden  Mannschaft,  des
Pioniers  Simon,  des  oten  Linien-Regiments.

Der  Verlust  an  Getödteten,  Verwundeten,  Gefangenen
  und  Vermißten  bestand  beim  oten  Linien  -Regiment
in  1  Offizier,  48  Mannz  beim  toten  Linien-Regiment
in  15  Offizieren,  760  Mannz  beim  5ten  Linien-Regiment
in  3  Offizieren,  152  Mann;  beim  2ten  Dragoner=  Regiment
  in  3  Offizieren,  80  Mann,  95  Perden;  bei  der
Artillerie  in  1  Offizier,  353  Mann  und  22  Pferden;  —
im  Ganzen  in  22  Öffizieren,  1007  Mann,  117  Pfrden,.  —
        <pb n="313" />
        —  309  —

Deroy  erkannte,  daß  er  im  Thale  von  Zierl  sein
Kriegsvolk  auf  keine  Weise  vortheilhaft  aufstellen  konnte,
darum  fuͤhrte  er  es  am  folgenden  Tage  (10ten  August)
nach  Innsbruck  zuruͤck,  und  ordnete  hier  alles  an,  was
zur  Sicherheit  gegen  die  anruͤckenden  Schaaren  der  Tiroler
  noͤthig  werden  konnte.  *)

Noch  an  eben  diesem  Tage  erfuhr  auch  der  Herzog
von  Danzig  den  übeln  Ausgang  seines  Entwurfs,  eine
so  schwache  Colonne  zur  Unternehmung  durch  den  Mintschgau
  nach  Meran  geschickt  zu  haben.  Das  entschied  ihn

Ferner  von  der  Batterie  Pammler  (mit  vollständiger
Munition)  in  einer  6pfünder  Kanone,  einem  Haubißwagen;
  —  von  der  Batterie  Roys,  in  zwei  Spfünder
Kanonen,  zwei  Munitionswagen.  (Ueber  die  verschiedeneu
  Auszeichnungen  der  jener  Unternehmung  gegen  Sterzing
  und  Prutz  beigewohnten  Offiziere  und  Soldaten,
sehe  man  die  Armee-Besehle  vom  28sten  November  1300.
.  1.  Nro.  8  und  0.  vom  cten  December  1800.  F.  1.,
vom  gten  April  1310,  vom  toten  Mai  13810.  F.  1.  u.  3.,
vom  20sten  September  1810,  vom  22  ten  Oct.  1810.  S.  1.)

*)  Er  ließ  von  dem  ersten  Bataillon  des  öten  Regiments  die
Anhöhen  vorwärts  Höttingen  besetzen,  gebot  die  Beobachtung
  der  gierler-Straße  durch  eine  Compagnie  des
öten  leichten  Bataillons  und  durch  einen  Zuüg  Dragoner;
dem  oten  Linsen-Regimente  gab  er  Aufstellung  vorwärts
Wildau,  zur  Deckung  der  von  Absams  gegen  Innsbruck
führenden  Schluchten,  während  die  Ueberreste  des  10ten
Regiments,  das  2te  leichte  Bataillon  Buttler,  dann
sechs  Compagnien  des  15ten  Regiments,  zwei  Compagnien
des  leichten  Batgillons  Treuberg,  nebst  der  Artillerie,
das  alte  Lager  hinter  der  Stadt  bezogen,  der  übrige  Theil
der  Reiterei  in  Pradl  cantonirte.
        <pb n="314" />
        —  310  —

ebenfalls,  da  er  von  keiner  Seite  auf  Unterstuͤtzung  mehr
zählen  konnte,  den  Rückzug  nach  Innsbruck  zu  veranstalten.
  Er  sandte  den  Obersten  Arco  voraus,  auf  dem
Brenner  die  Führung  seines  Corps  wieder  zu  übernehmen,
  und  sogleich  Mattrey  dort  und  die  Hôhen  umher
zu  beselzen,  welche  das  dasige  Thal  beherrschen.  Er
selbst  machte  sich  noch  Abends  10  Uhr  mit  der  Division
Kronprinz  von  Sterzing  auf  den  Weg,  den  Brenner
zu  ersteigen.

Arco's  Corps,  ungefähr  1000  Mann  stark,  hielt
in  Verein  mit  dem  Ueberrest  der  sächsischen  Truppen
unter  dem  Obersten  Grafen  Wittgenstein,  etwa
1000  Mann  stark,  seit  dem  Zten  August  den  Brenner
besetzt.  Es  brach  nun  (am  10ten  des  Abends)  auf,  und
nahm  seine  Stellung  (folgenden  Morgens  um  4  Uhr)  bei
Mattrey;  Reiterei  und  Geschütz  in  der  kleinen  Ebene  des
Sillbaches,  sechs  Compagnien  leichten  Fußvolkes  am
Gebirg  zwischen  Nonnholz  und  Pasiut,  mit  Vorwachten
auf  den  Bergspitzen;  vier  Compagnien  Linien-Infanterie
auf  dem  Kronberge.  Doch  war  die  Aufstellung  kaum
vollendet,  wurden  die  Vorwachten  schon  von  Insurgenten
angegriffen,  die,  auf  der  Seite  von  Innöbruck  her,  gegen
  den  Brenner  heraufzogen.  Vermuthlich  glaubten  die
Tiroler  den  Herzog  von  Danzig  mit  dem  Großtheil
seines  Kriegsvolkes  noch  bei  Sterzing,  Sie  wollten  ihn
also,  da  er  vorwärts  schon  gesperrt  war,  auch  von  hinten
  einschließen.  Arco  wies  sie  aber,  vermittelst  seiner
Haubitze  und  zwei  vom  Kronberg  genommenen  Compagnien,
  schnell  zurück.

In  diesem  Augenblick  traf  der  Herzog  von  Danzig
mit  der  Division  Kronprinz  ein.  Er  setzte,  ohne  sich
aufzuhalten,  den  Zug  gegen  Schbuberg  abwärts  fort,
        <pb n="315" />
        —  311  —

ließ  die  Sachsen  mit  der  Spitze  seiner  Colonne  vorangehen,
  um  sich  über  die  Ellenbogen  nach  Hall  zu  begeben.
Graf  Arco  mußte  die  Nachhut  bilden,  und  den  ansehnlichen
  Zug  der  mitgenommenen  Fuhrwerke  decken.  Als
man  so  zum  Posthause  des  Schdnberges  gelangte,  sah
man  links  der  Straße  alle  Hohen,  wie  sie  sich  bis  zum
Berg  Isel  strecken,  von  Insurgenten  bedeckt,  deren
Schützen  sich  oft  der  fortrückenden  Colonne  auf  hundert
Schritt  näherten.

Beim  Dorfe  Wald  schickte  der  Major  Graf  Seiboltsdorf,
  welcher  die  Vorhut  führte,  seine  Plänkler
an  die  umliegenden  Berge  hinaus,  welche  ohne  großen
Widerstand  Speckbacher's  verwegene  Leute  in  ihre
Schluchten  zurückjagten.  Aber  der  Soldat  war  vom
achtzehnstündigen  Marsch  ermüdet,  und  obgleich  die  Reiterei
  vom  Pferde  stieg,  und,  gegen  die  zu  nah  vorschleichenden
  Insurgenten,  mit  dem  Carabiner  anlief,  fühlte
sich  doch  Alles  durch  den  Mangel  an  Lebensmitteln,  durch
die  Hitze  der  Augusttage,  so  sehr  entkräftet,  um  die  steilen,
  einzelnen  Fußgängern  kaum  zugänglichen  Berge,
rasch  zu  erklimmen,  und  den  Feind  aus  seinen  günstigen
Stellungen  zu  verjagen.  Selbst  die  Artillerie  konnte
zwischen  Felsen,  Thälern  und  Hügeln  nicht  mit  Wirkung
  gebraucht  werden.  Mancher  Brave  blieb  an  Kraft
erschdpft  liegen,  und  gerieth  in  Gefangenschaft,  manchen
traf  des  Feindes  Geschoß  tddtend  oder  verwundend.)
Den  schwersten  Stand  hatte  Graf  Arco  mit  der  Nach-*)

  Unter  die  Verwundeten  gehörten  die  Lieutenants  Baron
Berchem,  Graf  Verry  und  Alois  Baron  Gumppenberg
  des  isten  Linien-Regiments,  während  der  Oberst
des  2ten  Linien-Regiments  Kronprinz,  Graf  Spauer,
        <pb n="316" />
        —  312  —

hut,  die,  bei  jedem  Stocken  der  Colonne,  oft  an  den
gefaͤhrlichsten  Orten,  den  Wirkungen  der  feindlichen  Kugeln
  blosgestellt  blieb.  Doch  Arco's  Heldenmuth,  Thätigkeit
  und  Geistesgegenwart  belebte  Alles.  Da  theilweise
  viele  Fuhrwerke  von  ihren  Führern  verlassen  waren,
  setzte  sie  die  Reserve-Compagnie  des  ersten  leichten
  Bataillons,  unter  dem  Lieutenant  Eckard,  in  Bewegung,
  und  leitete  sie,  voll  großer  Tapferkeit,  mit
Verlust  von  sieben  Mann,  nach  Innöbruck.

Es  war  5  Uhr  Abends,  als  der  ermüdete  Heereszug
  endlich  in  die  Ebene  der  Wildau  trat,  wo  sich  nun
die  Division  Deroy  zusammengedrängter  lagerte,  während
  die  Division  Kronprinz  und  das  Corps  Arco's
wieder  ihr  früheres  Lager  hinter  Innsbruck  bezog.

Auch  General  Deroy  hatte  an  eben  diesem  Tage
(1#1ten  August)  einen  Angriff  von  den  Insurgenten  bestanden,
  und  zwar  auf  dem  Iselberge,  wo  sich  aber  die
baierischen  Vorwachten  fest  behaupteten,  zugleich  auch
und  heftiger  von  der  Zierler-Straße  her.  Hier  wurden
die  Vorwachten,  welche  auf  der  Landstraße  gegen  das
Dorf  Höttingen  standen,  besonders  aber  auch  diejenigen,
durch  feindliche  Uebermacht  kämpfend  zurückgedrängt,
welche  sich  rechts  auf  einer  Hôhe  bei  dem  vereinzelten
Landhause  Neuhof,  und  am  Fuße  dieser  Hbôhe  bei  einem
Bauernhause  befanden.  Doch  der  Oberlieutenant  Baron
Pflummerrn  eilte  mit  frischer  Mannschaft  hinzu,  erstieg
  und  errang  nach  starkem  Widerstand  die  Berghdhe

und  sein  Adjutant,  der  Lieutenant  Graf  Spauer,  unvermögend,
  wegen  zu  großer  Ermattung  der  Colonne  zu
folgen,  gefangen  wurden.  Ferner  hatte  das  iste  Linien-Regiment
  10  todte  und  44  verwundete  Soldaten.
        <pb n="317" />
        —  315  —

wieder,  und  trieb  die  Tiroler  bis  zum  Landhause.  Hier
erneuerte  sich  der  blutige  Kampf,  mächtiger  denn  zuvor,
bis  Oberst  Metzen,  von  drei  Seiten  zugleich,  angreiffen
ließ.  Die  Aufständischen  wurden  drei  Viertelstunden  lang
von  den  Siegern  verfolgt.  ")

 

50.

Tirol  wird  abermals  vom  Herzog  von  Danzig
geräumt.

Die  allgemeine  Gährung  des  Landes  war  offenkundig.
Speckbacher  und  der  Capuziner  Haspinger  boten
alles  auf,  das  untere  Innthal  von  Neuem  zu  empbdren,
die  Verbindungen  der  Baiern  längs  dem  Inn  zu  unterbrechen,
  durch  Besetzung  der  Berge  zwischen  Volders
und  Schwatz  und  weiter,  alle  Zufuhren  nach  Innsbruck
abzuschneiden,  und  Reisende  und  Eilboten  ““)  aufzu-*)

  Die  Baiern  hatten,  während  des  ganzen  Gefechtes,  einen
Verlust  an  Verwundeten:  von  einem  Öffiier  (den  Lieutenant
  Horneck,  der  als  Freiwilliger  jenem  beigewohnt
hatte),  von  drei  Unteroffizieren  und  acht  Gemeinen;  während
  die  Mitwirkung  des  Majors  von  Fladt,  das  agusgezeichnete
  Betragen  des  Oberlieutenants  Baron  Pflummern
  und  des  Hauptmanns  Krepp,  dem  Obersten
Metzen  das  ganze  Unternehmen  außerordentlich  erleichtert
  hatte.

»s)  Wie  dies  mit  dem  nach  München  abgesandten  Oberlieutenant
  Baron  Völderndorff  in  der  Nähe  von  Volders
geschah;  eben  so  auch  mit  zwei  baierischen  Post-Beamten,
von  deren  weiteren  Schicksal  nichts,  als  das  unverbürgte
Gerücht  bekannt  wurde,  sie  seien,  in  einen  Brunnen  geworfen,
  elend  umgekommen.
        <pb n="318" />
        –  31  —

fangen.  —  Hinwieder  blieb  auch  kein  Geheimniß,  daß
der  Marschall,  Herzog  von  Danzig,  volles  Ernstes
daran  denke,  Tirol  mit  allen  Truppen  wieder  zu  verlassen.
  Er  ließ  die  Verwundeten  und  Kranken  nach  Hall
führen,  und  sie  daselbst  auf  Schiffen  des  Inn's  nach
Baiern  gehen.  Die  ihrer  Waffen  verlustigen  Krieger
ließ  er  mit  eroberten  Gewehren  versehen,  und  unbrauchbares
  Geschoß  in  den  Fluß  versenken.  Graf  Arco  erhielt
  den  Auftrag,  mit  seinem  Corps  nach  Schwatz  zu
gehen,  um  dort  die  Verbindung  mit  Hall  und  Volders,
wo  General  Rouper  und  Oberst  Oberndorf  standen,
und  mit  Rattenberg  zu  unterhalten,  wo  der  Major  Graf
Taufkirchen  befehligte.

Arco  brach  wirklich  (den  12ten  August  Abends  0  Uhr)
von  der  Wildau  auf,  zog  in  Hall  das  bisher  dem  Grafen
Oberndorf  überlassene  Geschütz  an  sich,  so  wie  in
Kohlsaß  das  ganze  Oberndorf'sche  Corps,  und  kam,
nur  von  einzelnen  Schüssen  der  Insurgenten  beunruhigt,
über  Pill  hinaus  gegen  die  sogenannte  Kreutzkapelle.
Hier  ritt  der  Oberst  Graf  Arco,  in  Begleitung  des
Hauptmanns  Bauer  vor,  um  den  Verhau  bei  der  Kapelle,
  den  seine  Vorhut  schon  erreicht  hatte,  näher  zu
erkennen.  Plbtzlich  fuhr  aus  dem  Gebusch  ein  Kugelregen
  versteckter  Insurgenten.  Es  fiel  getddtet  das  Pferd
des  Hauptmanns  Bauer;  bald  auch  getroffen  der
Oberst  Arco.  Er  starb  sogleich.  So  endete  hier  ruhmvoll
  für  das  Vaterland,  wie  er  für  dasselbe  gelebt  hatte,
ein  Mann  seine  Laufbahn,  der  freiwillig  alle  Annehmlichkeiten
  des  Lebens  gegen  die  Gefahren  des  Krieges  vertauscht,
  und  durch  Tugend,  Geistesgaben  und  Heldensinn,
  Liebe  und  Achtung  des  ganzen  Heeres  und  des
Köonigs,  und  des  gesammten  Vaterlandes  erworben
        <pb n="319" />
        —  315  —

hatte.  Eine  der  Compagnien  Oberndorf's  zwang,
durch  Umgehung  der  Anhöhen  des  Niederberges,  den  dort
geborgenen  Feind  zur  Flucht;  der  Verhau  wurde  aufgeräumt,
  und  man  zog  nach  Schwatz.  Noch  vor  diesem
Orte  mußten  zahlreiche  Haufen  der  Tiroler,  die  auf  dem
Arztberge  standen,  im  Sturmschritt  angefallen  und  vertrieben
  werden.

Hauptmann  Bauer  empfing  mit  drei  Compagnien
leichter,  und  eben  so  vieler  Linien  -Infanterie,  60  berittenen
  Jägern  und  einer  Dreipfünder-Kanone,  die  Besetzung
  und  Vertheidigung  von  Schwatz  und  der  Umgegend,
  der  Innbrücke  und  der  Landstraße.!)  Die  Colonne

*)  Mit  Umssche  wußte  genannter  Hauptmann  die  ihm  zu
Gebot  stehenden,  und  im  Vergleich  mit  der  ihm  gewordenen
  ausgedehnten  Bestimmung,  geringen  Mittel  zu
benützen.  Er  ließ  vier  Compagnien  in  einer  schiefen  Linie
vorwärts  des  Klosters  St.  Martin,  mit  ihrem  linken
Flügel  an  der  Chaussée,  mit  dem  rechten  gegen  das  Gebirg,
  dessen  äußerster  Punct  durch  die  Besetzung  des
Stöcklhofes  gedeckt  war,  lagern.  Die  an  der  Ringmaner
des  Klosters  vortheilhaft  aufgestellte  Kanone  beherrschte
die  Straße,  so  wie  sie  die  zwischen  dem  Gebirge  und
dem  Lager  befindliche  Ebene  bestrich.  —  Die  Vorposten
dieser  vier  Compagnien  waren  an  den  längs  dem  Flusse
des  Falkensteines  gelegenen  Höfen  aufgestellt,  und  entsendeten
  ununterbrochen  Streifwachten  bis  auf  die  Ebene
des  Berges  und  den  Eingang  der  Schachte.  —  Eine  Compagnie
  hielt  die  Brücke,  welche  während  der  Nacht  theilweise
  abgetragen,  aus  Holz  eine  Brustwehr  errichtet
wurde,  beseßt,  während  die  jenseits  der  Brücke  gelegenen
Häuser  am  Tage  durch  eine  starke  Abtheilung  besetzt  waren,
  Streifwachten  auf  dem  Wege  gegen  Pomp  und
Jenbach,  jede  etwaige  Unternehmung  des  Gegners  vom
        <pb n="320" />
        —  316  —

hingegen,  welche  der  franzoͤsische  General  Monmarie
fuͤhrte,  setzte  groͤßtentheils  ihren  Weg,  zur  Herstellung
der  Verbindung  mit  Rattenberg,  fort.

Unterdessen  hatten  sich  die  aufstaͤndischen  Tiroler  bei
Innsbruck,  auf  dem  Schoͤnberge,  zu  einer  Staͤrke  von
20,000  Mann  vermehrt,  wie  denn  diese  Jahl  von  mehreren
  Schriftstellern  und  von  den  Tirolern  selbst  bezeugt
ist.  Zum  Angriff  bereit,  empfingen  sie  noch  den  Segen
ihres  Capuziners;  dann  rückten  sie,  unter  Leitung  des
Paters  Haspinger,  über  Naters  und  Mutters  schon
vor  Tages-Anubruch  (15ten  August)  gegen  den  Berg  Isel
und  die  Gallwiese  vor,  und,  unter  Speckbacher's
Befehl,  mit  ihrem  rechten  Flügel  vom  Patsch-Berge
herunter,  in  der  Richtung  nach  Hall.  Es  war  von  ihnen
auf  die  Jurückwerfung  der  Vorposten  von  der  Dioision
Deroy  abgesehen,  welche  am  rechten  Innufer,  von
Sillfall,  über  die  Wildauer-Anhdhen,  bis  zur  Gallwiese
am  Inn,  und  am  linken  Ufer  auf  der  Straße  gegen
Zierl,  eine  Kette  gebildet  hatten.

Es  war  3  Uhr  Morgens.  Das  Feuer  begann;  zuerst
  am  rechten  Innufer,  wo  Major  Plessen  die  Vorposten
  gegen  den  Andrang  der  Uebermacht  befehligte;

linken  Innufer  her  zu  erspähen  suchten.  —  Die  in  dem
Markte  Schwaß  selbst  gaufgestellte  Compagnie  bildete  sowohl
  für  den  Brückenposten  am  Inn,  als  auch  für  den
rechten  Flügel  des  Lagers,  eine  zweckmäßige  Reserve,  und
sandte  nach  allen  Richtungen  Streifwachten  aus.  —  Die
Cavallerie  war  nächst  der  Straße  in  zweiter  Linie  hinter
der  Infanterie  gelagert,  und  sandte  Abtheilungen  sowohl
gegen  Hall,  als  auch  gegen  Rattenberg.  Akte  Ueberreste
des  von  den  Insurgenten  längs  der  Straße  angelegten
Verbgues,  wurden  vernichtet.
        <pb n="321" />
        –  317  —

dänn  auf  der  ganzen  Postenlinie.  Der  Kampf  wöhrte
unnnterbrochen  den  ganzen  Tag.  Die  Infanterie  der
Dioision  Oeroy,  welche  bald  zur  Unterstutzung  bedroheter
  Puncte  in's  Gefecht  kam,  bewies  hier  von  Neuem
ihre  alte  Tapferkeit  und  Ausdauer.  Nur  augenblicklich
konnten  einzelne  baierische  Posten  durch  die  Massen  des
Feindes  zurückgedrückt  werden,  immerdar  erkämpften  sie
ihren  Standort  zurück,  verstärkt  durch  das  ote  und  1äte
Linien-Regiment  aus  der  Ebene  der  Wildau,  dann  durch
das  zweite  Bataillon  vom  öten  Regiment,  und  das  gut
gerichtete  Feuer  der  dort  aufgestellten  Artillerie  der  nämlichen
  Division.  So  behaupteten  die  Lieutenants  Baron
Künsberg  der  Aeltere,  Gumbmannund  Stenglein,
mit  einer  Compagnie  des  Oten  Linien-Regimentes,  zwei
Häuser  vor  der  Anhöhe  von  Wildau  den  ganzen  Tag
wider  die  wüthenden,  wiederholten  Anfälle  des  Feindes.)
So  ließ  sich  Hauptmann  Greis  vom  15ten  Linien-Regiment,
  mit  seiner  wackern  Compagnie,  die  ihm  anvertraute
  Bergschlucht  nicht  entreißen,  während  Lieutenant
  Muk  vom  nämlichen  Regiment  die  Stellung  auf
dem  Vogelheerde  festhielt,  bis  ihn  eine  schwere  Verwundung
  niederwarf.  Doch  was  er  dem  Feinde  lassen  mußte,
eroberte  schnell  eine  Abtheilung  des  oten  Regimentes
wieder.  )  Das  rechte  Innufer  ward  vom  Morgen  bis

*)  Es  zeichneten  sich  bei  dieser  Gelegenheit  der  Sergeant
Fleischmann,  die  Corporale  Panzer,  Marsching,
Müller,  die  Gemeinen  Gleißner,  Ebner,  Gunzelmann,
  Meirner,  Vogel,  Linzner,  Seelmann
  sehr  aus.

*8)  Was  dem  Oberlieutenant  Hildel,  den  Lientenants
Winter,  Weidner  den  Jüngern,  von  Schrottenberg,
  Hauptmann  Seiffert,  Lieutenant  Rudolph,
        <pb n="322" />
        —  318  —

zum  Abend,  freilich  mit  Aufopferung  manches  Tapfern,
unerschuͤtterlich  vertheidigt.

Eben  so  hartnäckig  behauptete  Oberst  Metzen  das
linke  Innufer  mit  dem  ersten  Bataillon  vom  öten  Regiment,
  und  dem  leichten  Bataillon  Buttler.  Ihn
sollten  vom  Dorfe  Höttingen  aus  das  zweite  Bataillon
des  zweiten  Regiments,  und  das  leichte  Bataillon  Habermann
  unterstützen,  endlich  abldsen.  Letzteres  schlug
er  während  des  Gefechtes  aus,  das  er  bis  2  Uhr  Nachmittags
  fortsetzte,  und  mit  Zurückwerfung  und  Verfolgung
  des  Feindes  bis  hinter  Kranewitten,  endete.  Oberstlieutenant
  Habermann,  der  mit  dem  zweiten  Bataillon
des  zweiten  Regiments  die  Stellung  bei  Höttingen  gegen
die  stürmenden  Tiroler  decken  mußte,  schlug  nicht  minder
glücklich  dieselben  in  ihre  Schlupfwinkel  zurück.  )  Unterdessen
  hatte  auch  sein  leichtes  Bataillon,  welches  Major
von  Fik  in  die  Stellung  des  zurückgenommenen  fünften
leichten  Bataillons,  auf  die  Jierler-Straße  führte,  die
vor  ihm  liegende  Ebene  von  den  Schwärmen  der  Insurgenten
  rein  gefegt.  Zwei  von  denselben  dort  besetzte
Heuställe  wurden,  durch  ausgesandte  Abtheilungen  unter
Oberlieutenant  Fritsch,  und  den  Lieutenants  Duval
und  Vescovi,  mit  stürmender  Faust  dem  Feinde  ent-Feldwebel

  Pflaum,  Sergeant  Giel  und  anderen  tapfefren
  Männern,  die  Gelegenheit  zu  ausgezeichneter  Dienstleistung
  wurde.

*)  Bei  dieser  Gelegenheit  verdient  das  ausgezeichnete  Benehmen
  des,  jenes  Bataillon  befehligenden,  Mgajors
Obermair,  und  die  Thätigkeit  und  uUnerschrockenheit
des  Adjutanten,  des  Oberlieutenants  Derr,  besonders
bemerkt  zu  werden.
        <pb n="323" />
        —  319  —

rissen.  Alles  wetteiferte  im  Kampf.  Selbst  der  Hautboist
Michael  Berger,  der  als  Freiwilliger  dahin  mitgegan—
gen,  dem  im  Gefecht  das  Horn  zerschossen  war,  konnte
nicht  zurückgehalten  werden.  Er  holte  ein  zweites,  um
seinen  Bruͤdern  fortdauernd  das  Zeichen  des  Vorruͤckens
zu  geben.  Und  da  der  Feind  mit  frischen  Streitmassen
die  verlorne  Stellung  wieder  erringen  wollte,  leitete  der
Oberlieutenant  Carl  Weishaupt  das  Feuer  seiner
Haubitze  und  Kanone  so  glücklich,  daß  die  Tirolerhaufen
gesprengt  flohen.

Am  Abend  waren  die  Baiern  noch  in  allen  Stellungen,
  wie  am  Morgen.  Es  war  ein  ehrenreicher,  aber
blutiger  Tag  für  sie  gewesen.)  Allerdings  hätten  sie
sich  bei  Innsbruck  noch  länger  behaupten  können,  wäre
nicht  die  ganze  Umgegend  schon  an  Lebensmitteln  er-*)

  Nicht  allein,  daß  vom  öten  Linien-Regimente  der  Lieutenant
  Lanius,  vom  oaten  Linien-Regimente  der  Oberlieutenant
  Hildel,  der  Lieutenant  von  Keider,  vom
tlöten  Linien-Regimente  der  Oberlieutenant  von  Gmginer,
  die  Lieutenants  von  Pfretschner,  von  Pierron,
  von  Faber  der  Jungere,  von  Muck  der  Jüngere,
vom  öten  leichten  Bataillon  der  Lieutenant  und  Adjutant
von  Weinbach,  der  Lieutenant  von  Reichel,  vom
2ten  Dragoner-Regimente  der  Oberlieutenant  Baron
Magerl  —  verwundet  wurden,  auch  die  Jahl  der  Verwundeten
  vom  Feldwebel  abwärts,  belief  sich  auf  172
Mann,  zu  welchen  die  gleiche  Zahl  der  auf  dem  Schlachtfelde
  Getödteten  sich  gesellte.  Eben  so  hatte  das  erste
leichte  Bataillon  Habermann,  und  das  2te  Linien-Regiment
  Kronprinz  einen  Verlust  von  zwei  Dodten,
einen  Verwundeten  und  drei  Vermißten;  während  die
Tiroler  ihren  eigenen  Verlust  selbst  mehrmals  zu  800
Mann  angaben.
        <pb n="324" />
        —  320  —

schoͤpft,  die  Zufuhr  derselben,  wie  des  Schießbedarfs,
so  wie  auch  die  Verbindung  mit  den  übrigen  Heer-Abtheilungen
  schwer  bedrohet  gewesen.  Die  Verbindung
mit  Baiern  über  Seefeld,  war  schon  seit  der  Bewegung
des  Generals  Beaumont  gegen  Innöbruck  unterbrochen;
  die  durch's  Achenthal  höchst  beschwerlich  ;  die  über
Kufstein  sehr  oft  durch  die  Massen  der  Tiroler  gefährdet,
und  nur  augenblicklich  durch  die  Bewegung  des  franzbsischen
  Generals  Monmarie  gesichert.  Dieser,  nachdem
  er  (den  läten  August)  die  Aufständischen  von  der-Zillerbrücke
  bei  Rattenberg,  und  aus  der  umliegenden  Gegend
  vertrieben  hatte,  war  mit  dem  Corps  Arco  wieder
nach  Schwatz  zurückgegangen.  Bei  Straß  und  Buch
ließ  er  nur,  zur  Sicherung  der  Straße,  kleine  Abtheilungen
  stehen,  und  stellte  sich  auf  der  sogenannten  Leiten,
westwärts  Schwatz  auf.  Seinen  Sicherungskreis  durch
Vorposten  zog  er  vom  Arztberg,  längs  den  Gemäuern,
welche  die  einzelnen  Hôfe  verbinden.  Eine  in's  Gebirg
gesandte  Compagnie  mußte  von  Eisenbühl  her,  im  sogenannten
  Stupf-Auf,  durch  Streifwachten,  längs  dem
Grath  des  Niederberges,  bis  an  die  heilige  Kreutzkapelle
und  den  Pillerbach,  die  Straße  schirmen.

Der  franzdsische  Marschall,  Herzog  von  Danzig,
fand  sich  durch  die  eben  erwähnten  Verhältnisse  bewogen,
seine  Stellung  bei  Innsbruck  aufzugeben.  Umnützes  Blutvergießen
  zu  verhüten,  ließ  er  schon  vorher  die  auf  den
Anhdhen  am  rechten  Innufer  auzgestellten  Abtheilungen
  in  die  Ebene  zurück  nehmen,  die  ganze  Dioision
aus  der  Schußweite  des  Feindes  zurückgehen,  und  mehrere
  Häuser  vor  der  Wildauer-Ebene  wegbrennen,  damit
sich  die  Tiroler  nicht  einnisten  konnten.
        <pb n="325" />
        —  321  —

Es  war  am  Abend  des  15ten  Augusis,  als  die  baierische
  Dioision  Kronprinz  von  Innsbruck  abzog,  in
ihrer  Mitte  mehrere  der  vornehmsten  und  angesehensten
Bewohner  Innsbrucks  und  der  Umgegend,  welche,  als.
Geiseln,  ausgehoben  worden  waren.  Den  Vortrab  bildete
  das  leichte  Bataillon  Habermann,  dann  folgte
das  erste  Linien-Regiment,  dann  eine  leichte  Batterie;
hierauf  übriges  Fußvolk,  Geschütz,  Fuhrwerk  und  Gepäck
  der  Division;  nach  diesem  sämmtliche  Reiterei.  Nur
ein  Geschwader  war  dem  Vortrab  beigefügt  worden.  Bei
der  Stadt  Hall  schloß  sich  das  sächsische  Corps  unter  General
  Rouyer  dem  Juge  an;  worauf  die  Diodision
Deroy  folgte,  welche  erst  eine  Stunde  nach  Mitternacht
  von  Innsbruck  aufgebrochen  war.  Die  Nachhut
derselben  war  von  drei  Bataillonen  Fußvolk,  einer  Reiterei-Abtheilung
  und  drei  Kanonen  gebildet.

Diese  Nachhut  hatte  bald  mit  den  Tirolern,  die
Morgens  (15ten  August)  ohne  Hinderniß  und  frohlockend
zu  Innsbruck  eingezogen  waren,  immerwährendes,  zuweilen
  heftiges  Gefecht,  ")  so  daß  die  Dioision  Deroy
erst  Mittags  bei  Schwatz  eintressen  konnte.  Hier  stellte
sich  das  kleine  Heer,  vereint  mit  dem  Arco'schen  Corps,
in  der  Ebene  am  Schießhause  auf,  während  die  Vorposten
  in  unaufhdrlichem  Gefecht  mit  dem  Feinde
blieben.

 

6P“)  Es  wurden  dabei  der  Lieutenant  Müller  des  gten  Linien-Regiments
  tödtlich,  der  Hauptmann  Hillesheim
des  nämlichen  Regiments,  und  der  Lieutenant  Fronmüller
  des  öten  leichten  Bataillons  Buttler,  leicht
verwundet,  mehrere  Soldaten  und  Pferde  theils  getodtet,
theils  verwundet.

II.  stes  Buch.  21
        <pb n="326" />
        —  322  —

Am  folgenden  Tage,  den  man  zum  Rasttag  machte,
musterte  der  Herzog  von  Danzig  gesammtes  Kriegsvolk,
  und  theilte  diejenigen  Truppen,  welche  bisher  dem
ruhmvoll  gefallenen  Grafen  Arco  untergeordnet  gewesen
waren,  ihren  verschiedenen  Regimentern  und  Bataillonen
wieder  zu.  So  ldsete  sich  Arco's  tapfere  Schaar  auf,
von  welcher  der  Name  des  heldenmüthigen  Anführers,
so  wie  der  eines  Lüneschloß,  Bauer,  Lerchenfeld,
  Landes,  Hornstein,  Gumpenberg  und
Vbgler,  in  den  Jahrbüchern  der  baierischen  Kriegsgeschichte
  lange  unvergeßlich  bleiben  werden.  Zugleich
bildete  der  Marschall  ein  Bataillon  von  Freiwilligen,)
welches  er  dem  Major  Grafen  von  Seiboltsdorf  zu
befehligen  gab,  einem  Manne,  den  mehr,  als  ein  Verdienst
  dazu  eignete.  Dies  Bataillon  ward  bestimmt,
während  des  Rückzuges,  Seiten  und  Rücken  des  Heeres
zu  decken.

Schon  war  am  Morgen  des  Rasttages  das  Bataillon
Habermann  voraus  geschickt,  den  Zill-Uebergang  bei
Rattenberg  zu  sichern.  Mit  Einbruch  der  Nacht  zog  die

 

8)  Welches  aus  acht  Compagnien  bestand,  in  unglaublich
schneller  Zeit  an  Offizieren  und  Gemeinen  des  isten,
2ten,  aäten  und  #3ten  Linien-Regimentes  vollzählig
ward,  und  die  Hauptleute  Lüneschloß,  Andrizky,
Schmitt,  Mann,  Beckhof,  Massenhausen,
Siebertsz:  die  Oberlieutenants  Maillinger,  Gumpenberg,
  Hofstetten;  die  Lieutenants  Brakl!l,
Graf  Armannnsberg,  von  Schenk,  von  Devique,
  Schrott,  Schönhammer,  Hirschberg,
Lämmel,  Narciß,  Stt,  Keinach,  Goldreiner,
Guttmaier,  Stöckel,  Kretschmer,  Morawizky
  zu  Führern  erhielt.
        <pb n="327" />
        —  323  —

Division  Deroy  gen  Worgl,  um  die  Verbindung  mit
Kufstein  zu  hüten;  und  am  folgenden  Morgen  (17ten
August)  folgte  das  übrige  Heer.  General  Graf  Rechberg
  mit  dem  zweiten  Linien-Regiment  nebst  zwei
Feuerschlunden,  und  Seiboltsdorf's  Freiwillige,  machten
  die  Nachhut  des  Ganzen  aus.  Seiboltsdorf
mußte,  um  den  Uebergang  der  Sachsen  vom  linken  zum
rechten  Ufer  des  Inn  zu  decken,  die  Compagnie  Lüneschloß
  dies=  und  jenseits  des  Stromes  und  der  Brücke
vertheilen;  dann,  nach  Vollendung  des  Uebergangs,  ließ
er  die  Brücke  abtragen.

Die  Tiroler  verfolgten  die  Nachhut  fort  und  fort
mit  ihrem  Büchsenfeuer.  Da  war  kein  Felsen,  kein
Waldversteck,  keine  vortheilhafte  Krümmung  des  Weges,
die  sie  nicht  zu  benützen  verstanden  hätten,  wie  wacker
ihnen  auch  die  baierischen  Schützen  erwiederten.  Beson-=ders
  heftiges  Feuer  ward  aus  dem  Dorfe  Brirlegg  und
von  den  dortigen  Anhdhen  gemacht.  Folge  davon  war,
daß  General  Graf  Rechberg,  zur  Warnung  der  Tiroler,
  das  Dorf  mit  einigen  Granatenwürfen  in  Brand  zu
stecken  befahl.  Graf  Seiboltsdorf  aber  strafte  die
Verwegenheit  der  aufständischen  Bauernhaufen  furchtbar
durch  ihre  Niederlage,  indem  er  zwei  Compagnien  in  sie
eindringen  ließ.  Das  aber  schreckte  diese  nicht.  Sie
folgten  ihm  plänkelnd  bis  in  die  Ebene  hinter  Rattenberg,
  wo  er  wenige  Stunden  ruhte;  und  stürmten,  als
er  fortzog,  um  den  Heerzug  nach  Wörgel  zu  decken,  in
größeren  Haufen  selbst  da  gegen  ihn,  wo  sich  das  Land
zu  offener  Ebene  erweiterte.  Hier  aber  entschied  die
gewandte  und  wohlgeordnete  Bewegung  geübter  Krieger-Reihen
  schnell  den  Sieg  über  die  zügellosen  Schwärme
der  Landleute.  Lieutenant  Kolbeck,  mit  einem  Zuge

21“
        <pb n="328" />
        Chevaurlegers  Kronprinz,  sprengte  sie  wild  auseinander
  in  ihre  Berge,  daß  sie  nicht  wieder  zu  erscheinen
wagten.  ")

Bei  Wörgl  angekommen,  trennte  sich  die  Macht  des
Herzogs  von  Danzig.  Es  wandte  sich  noch  in  der
folgenden  Nacht  Generallieutenant  Deroy  links  gen
Kufstein.  Mit  seiner  Division  war  auch  das  freiwillige
Jägercorps  des  Obersten  Grafen  von  Oberndorf.
Beide  Ufer  des  Inn  und  die  Berge  bis  Kieferfelden,
so  wie  die  Brücke  des  Kieferbaches  besetzend,  schob  er
Ktarke  Abtheilungen  bis  Murnau,  Weilheim,  Benedictbeuern,
  Tolz  und  Tegernsee  vor.  Die  Straße  vom
Achenthal  her,  bei  Rottach  und  Kreith  ließ  er  nicht  unbewacht.
  Sobald  er  aber  die  Feste  Kufstein  mit  Lebensund
  Kriegs-Bedürfnissen  hinlänglich  versorgt  hatte,  verlegte
  er  (25sten  August)  sein  Hauptquartier  nach  Rosenheim,
  und  nahm  hier  diejenige  Stellung,  in  welcher  er
die  Grenzen  Altbaierns,  und  die  Umgebungen  der  Hauptstadt,
  vor  den  Streifzügen  der  Tiroler  zu  verwahren
fähig  war.  “)

 

6)  Der  Major  Graf  Seibolt  Sdorf  erkannte  vorzüglich
das  ausgezeichnete  Benehmen  des  Schützen-Oberlieutenants
  von  Hofstetten,  dann  des  Lieutenants  von
Brackel,  so  wie  des  Schützen-Sergeanten  Herrgott
an  diesem  Tage,  während  er  nur  die  Verwundung  von
acht  braven  Männern,  als  Folge  ununterbrochenen  Kampfes
  von  Schwatz  bis  hinter  Rattenberg,  zu  beklagen
batte.

or)  Er  ließ  die  ihm  untergeordneten  Truppen  folgende  Cantonkrungen
  bezlehen:  Das  erste  Bataillon  des  öten  Regiments
  zu  Brannenberg,  das  zweite  desselben  Regiments
zu  Pang,  das  erste  Bataillon  des  töten  Regiments  zu
        <pb n="329" />
        —  325  —

Der  Herzog  von  Danzig  hingegen  zog  mit  den
uͤbrigen  Baiern  und  Sachsen  (18ten  August)  unangefochten
  rechts  bis  St.  Johann,  den  andern  Tag  bis  Unken,
den  dritten  bis  Salzburg.  Generalmajor  von  Stengel
mit  dem  #áten  Linien  -Regiment,  und  dem  Bataillon
Seiboltsdorf,  bildete  die  Nachhut;  Major  Theobald
  aber  mit  zwei  Compagnien  des  Bataillons  Bernclaun
  die  Vorhut,  wozu  auch  unter  Hauptmann  Bauer
noch  diejenigen  Compagnien  leichten  Fußvolkes  gestoßen
wurden,  die  nach  Auflösung  des  Arco'’'schen  Corps  ihren
  Regimentern  noch  nicht  zugetheilt  waren.  —  Nachdem
  man  durch  zwei  Compagnien  des  leichten  Bataillons
Habermann  den  Lofer-Paß,  mit  zwei  andern  den
Punct  Unken  besetzt  hatte,  wurden  links  und  rechts
Salzburgs,  zur  Schirmung  der  Grenzen,  vortheilhafte
Stellungen  gewählt.)

Neubeuern,  dessen  zweltes  zu  Traunstein,  die  zwei  Compagnien

  des  7ten  leichten  Bataillons  zu  Bruting,  eine

fahrende  Batterie  zu  Marelrain,  eine  Fuß-Batterie  zu

Neubeuern.

Das  der  dritten  Dioisson  zugehörige  äte  Chevaurlegers=Regiment
  war  abermals  der  Bewegung  des  Herzogs  von
Danzig  gefolgt,  und  dem  die  Sachsen  befehligenden
General  Roupyer  zugetheilt.

»)  Das  zweite  Bataillon  des  Regiments  Kronprinz  blieb
als  Besaßung  in  Reichenhall  zurück,  das  erste  Bataillon
dieses  Regiments  marschirte  nach  Berchtesgaden.  Das
Zte  Regiment  erhielt  die  Bestimmung,  Hallein,  Golliug
und  den  Paß  Lueg  zu  besetzen.  Das  iste  Linien-Regiment
  stellte  sich  in  Salzburghofen,  Perach  und  Liefering
auf.  Dem  aäten  Regiment  wurde  Nacht-Station  in  Valz,
Sitzenheim  und  Viehhausen,  den  andern  Tag  Aufstellung
in  baufen,  dem  isten  Chevaurlegers-Regiment  Aufstel-
        <pb n="330" />
        —  326  —

Dies  war  der  Ausgang  eines  Unternehmens,  von
welchem  größere  Erfolge  erwartet  waren.  Es  war  mißlungen;
  es  mußte  mißlingen,  ungeachtet  der  kaltblütigen
Tapferkeit  der  Krieger  und  ihrer  Anführer.  Die  Ursachen
  liegen  dem  Kenner  in  der  obigen  einfachen  Darstellung
  der  Thatsachen  unverhüllt.  )  Nachdem  die  Mit- 



lung  in  Knais  und  Mortz,  am  andern  Tage  in  Hallein
und  Golling,  dem  ersten  Dragoner-Regiment  in  Deisendorf
  angewiesen.  Das  Hauptquartier  des  Corps  und  der
Division,  so  wie  die  Artillerie,  mit  Ausnahme  einer
nach  Golling  entsendeten  Kanone  und  einer  Haubitze,  wurde
nach  Salzburg  verlegt.

*)  Der  Herzog  von  Danzig  erkannte  sie  selbst  sehr  wohl,
wie  aus  einer  vorgefundenen  Denkschrift  desselben  erheller,
worin  er  sagt:

„Le  Tirol  n’'a  pas  été  conquit  par  trois  causes  differentes.
  10.  Les  divisions  qui  devoient  venir  par  l'ltalie,
  n’ont  pas  paru  ou  ont  été  frottées;  je  n'en  sais
rien.  20.  Le  général  Rouyer,  malgré  sa  bravoure  et
la  bonne  contenance  de  ses  troupes  à  ét6  assailli  avec
des  forces  superieures,  dans  les  defilés  de  Sterzingen
à  Brixen;  qu’il  a  perdu  beaucoup  de  monde,  non  par
la  forge  des  armes,  mais  par  la  nature  du  terrein.
J’ai  marché  en  personne  à  son  secours,  et  il  en  étoit
temps,  jiai  essay  à  marcher  et  à  attaquer  ces  coquins
sur  les  hauteurs  à  droite  et  à  gauche  de  ses  terribles
delilés,  voyant  ne  pouvoeir  y  parvenir  méme  en  perdant
  du  monde.  Apprenant  en  méme  temps  que  le
corps  due  j’avais  envoyé  sur  Landeck,  tant  pour  ap-Puier
  mon  flanc  droit  sur  Meran,  qdue  pour  soutenir
le  général  Beaumont,  qui  se  dirigeoit  sur  le  Vorarlberg,
  avait  essayè  une  perte  terrible,  me  voyant  moi
méme  enfermé,  et  n’'ayant  plus  de  secours  à  attendre,
        <pb n="331" />
        —  327  —

wirkung  der  zur  Unterstuͤtzung  bestimmten  Colonne  aus
Steyermark,  Italien  und  Vorarlberg  ausgeblieben,  und
der  Herzog  von  Danzig  sich  selbst  überlassen  war,  ward
die  in  Seiten  und  Rücken  ungesicherte  Operations-Linie
durch  Ausdehnung  zu  sehr  geschwächt,  und  ungeeignet,
sich  der  Waffen  und  Unterhaltungs-Quellen  des  Tirolermi

  de  IItalic  ni  de  ma  colonne  de  droite,  je  me  suis
determind  à  me  retirér  sur  Innsbruck  avec  la  tiere  Division
  et  celle  du  général  Rouyer  ou  je  suis  arrivé
sans  perte  sensible,  vu  ma  triste  situation,  car  j#ai  6té
coupé  et  entouré  de  tout  cotés  pendant  une  marche  de
duinze  lieus.  Arrivé  sur  la  hauteur  de  Schoenberg,
H’entendis  le  général  Drouet  se  battre  à  outrance
a  Innsbruck;  je  flis  tirer  sur  le  champ  5.  coups  de
canon  pour  annoncer  mon  arrivée  à  ce  général  et  aux
troupes  du  général  Deroy.  Je  sis  battre  la  charge
et  nous  passames  les  deflés  de  Schoenberg  à  Innsbruck
  sous  un  feu  des  montagnards  assez  bien  nouri.
—  J’appris  en  arrivant,  que  ces  deux  généraux  s'étoient
battu  le  10  et  le  11  jour  de  mon  arrivée.  Nous  nous
battimes  encore  le  12  ct  le  15  à  Innsbruck.  —  Voyant
due  T’on  usoit  beaucoup  de  cartouches  et  qu’on  blessoit
  les  officiers  ct  soldats,  ne  pouvant  remplacer  mes
munitions,  stant  coupé  de  Salzbourg,  sachant  duc
Iion  venait  de  m'enlever  les  vivres  au  nombre  de  65,
voitures,  je  me  suis  retiré  jusqufa  Schwaz  ou  f’ai  resté
deux  jours,  pour  prouver  à  ces  messieurs  due  ce  W’étoit
Pas  eux  qui  me  faissoient  retirer,  mais  bien  leurs  montagnes
  et  leurs  defiles.  —  Voyant  enfin  Uexpedition.
manduéèe  et  remise  à  I’hiver  prochain,  i’ai  envoye
la  division  Deroy  couvrir  la  Bavière  et  la  liere  Division,
  conserver  toutes  les  premieres  passes  du  pays
de  Salzbourg  ainsi  que  celles  du  Tirol  avoisinantes
cette  principaute.
        <pb n="332" />
        —  328  —

Volkes  zu  bemaͤchtigen,  um  die  Unterwerfung  desselben
zu  beschleunigen.  Vielmehr  kam  sie  selbst  oft  in  Gefahr,
der  Lebens-  und  Kriegs-Beduͤrfnisse  zu  entbehren.  Der
Soldat  stritt,  auch  beim  Mangel  des  Nothwendigsten,
mit  unerschuͤtterlichem  Muth,  gieng  wohin  man  ihn
sandte,  griff  an,  wo  man  ihm's  gebot;  wich  nie;  vergaß
nie  die  Gesetze  der  Kriegszucht.  Unter  den  Tuͤcken,
Schrecken  und  Grausamkeiten,  mit  denen  er  von  den
empbrten  Tirolern  umgeben  war,  stritt  er  oft  verzweiflungsvoll.
  Einzelne  uͤberließen  sich  der  vergeltenden
Rache  wider  den  Feind.  Im  Ganzen  aber  wankte  die
Mannszucht  keinen  Augenblick,  selbst  wenn  der  Soldat
einsah,  daß  in  diesem  Gebirgslande  nicht  immer  die  verschiedenen
  Waffengattungen  zweckmäßig  verwendet  wurden.
  Unlängbaren  Nachtheil  bewirkte  die  sichtbare  Unentschlossenheit
  des  Oberbefehlshabers,  sein  plbtzliches
Aufgeben  der  Entwürfe,  die,  wenn  auch  auf  der  Straße
von  Briren  mißlungen,  doch  noch  aus  der  Stellung  von
Innsbruck  hätten  mit  Glück  verfolgt,  und  durch  Umgehungen
  und  andere  Anstalten  erleichtert  werden  können.

Der  Herzog  in  seinem  Unmuth  ging  so  weit,
daß  er  Anfangs,  sich  selbst  zu  entschuldigen,  die  baierischen
  Truppen  des  Pflichtversäumnisses  bei  ihrem  Könige)

6o)  Schwaz  le  16.  aoüt  1809.
Sire!

Les  généraux  de  votre  Majésle  m’ayant  dit,  qu'ils
lui  avaient  rendu  compte  des  marches  en  avant  et  retrogrades
  sur  Landeck  et  Brixen,  il  ne  me  reste  à  lui
faire  connaftre,  due  ce  qui  s'est  passé  depuis  mon
arrivé  à  Innsbruck.  —  Les  tetes  tiroliennes  étoient  exaltees,
  et  la  fermentation  Etoit  à  son  comble,  lorsque
j’appris  le  12  que  mes  derriöres  étoient  coupés  par  l'en-
        <pb n="333" />
        —  329  —

verdaͤchtigte,  als  waͤre  ihr  Kleinmuth  ein  Hauptgrund
seines  Ruͤckzuges  geworden.  Als  aber  der  Koͤnig  strengere
  Untersuchungen  daruͤber  veranstaltete,  stand  der

nemĩ.  —  En  effet  un  ofsicier  parti  d'Innsbruck  le  12
dans  le  moment  oũ  ils  étoient  encore  libres,  revint  la
nuit  m'annoncer,  que  le  général  Rouyer,  qui  se
trouvait  à  Hall,  avee  sa  division,  lui  assuroit  que  les
Tiroliens  etoient  en  forçges  près  de  Volders.  J’envoyai
le  général  Montmari,  avec  les  corps  de  comtes
Arco  et  Obern  dorf.  II  balaya  la  route  jusqu’d  Rattenberg
  dans  la  journée  du  14.  et  Ctablit  des  fortes
postes  à  tous  les  defilecs  à  Schwaz,  à  Buchl,  et  au
pont  sur  le  Zillerbach  à  Tentrée  du  Zillerthal,  et  revint
le  13.  de  sa  personne  occuper  Schwaz  avec  le  corps
du  comte  Arco,  ayant  laissé  celui  d’Oberndorf
à  Rattenberg.  Le  coloncl  comte  d’'Arco  fut  tué  dans
un  engagement,  qui  eu  lieu  au  defilé  avant  d’arriver  à
Schwaz,  et  le  capitaine  d’étatmajor  Bauer  y  perdit  son
cheval.  —  L'iennemi  ayant  fait  couper  mes  derrieères,
m'attaqua  à  lunsbruck  le  13.  Je  conservai  ma  posilion;
  mais  le  combat,  qui  west  qdue  peu  de  chose,
me  couta  une  quantité  Tolficiers,  et  affecta  le  moral
  de  larm  ée.  Lesbruits,  quise  répandirent,
  que  hlennemi  occupoit  nos  derrieres,
firent  une  impression  tellement  forte  sur
larmée,  duc  je  ne  voulus  pas  courir  le  risque  de
la  perdre  enticrement,  ce  qui  me  serait  arrivé,  si  j’avais
attaqduc  de  nouveau.  Cette  raison,  autant  qduc  la  dilficulté
  de  sc  procurer  des  vivres,  m’a  donc  chetérminé
à  commencer  un  mouvement  retrograde.  T’ai  pris
position  à  Schwaz  hier  15.  Je  continuerai  ce  mouvement
  aussi  lentement  duc  possible  sur  Salzhourg;  jnverrai
  la  division  Deroy  par  Rufstein  pour  couvrir
la  Bavierc.  —  Depuis  H’allaire  de  Landeck  mes  communications
  avec  le  général  Beaumont  ont  eté  cou-
        <pb n="334" />
        —  330  —

Herzog  jedoch  keinen  Augenblick  an,  Soldaten  und  Of—
fizieren  bei  ihrem  Monarchen  die  belohnendste  Gerechtigkeit
  und  Anerkennung  wiederfahren  zu  lassen.“)

 

)

Pées  par  le  Tirol.  J'ai  cependant  eu  de  ses  nouvelles
par  Fuessen  en  date  du  10,  mais  la  fermentation  commangait
  du  coté  de  Pludenz.  Ila  été  prevenü  de  ce
qui  se  passait  de  mon  coté  par  le  général  Drouet.—
Je  ne  parle  pas  à  votre  Majesté  des  villages  brulés,
et  des  exemples  de  serveritc,  dqui  ont  eté  faits  sur  la
route  de  Brixen,  et  à  la  suite  de  l’affaire  de  Landeck,
non  plus  que  de  8000  fusils  dqui  ont  éte  brisés  et
jéttés  dans  I’Inn,  en  outre  de  ce  dui  a  été  envoyé  à
Kufstein.  —  Je  regrette  infiniment  qdue  le  comte  d'Arco
ait  öté  victime  de  sa  bravoure;  Cc'est  une  perte  reéele
duc  votre  Majasteé  à  faite.  Je  ne  veux  point  ici  faire
son  éloge;  Elle  connaissait  son  zéle  et  son  dévouement
  sans  bornes.  QOuoi  due  cet  Officier  n’'ait  servi
due  peu  de  tems  avec  moi,  je  I’avais  distingué,  et  je
me  proposais  "&amp;amp;  utiliser  ses  talents,  s'il  n’'était  mort
glorieusement  à  la  tete  de  sos  troupes.  Le  général
Montmari  avec  qui  il  étoit,  lorsqu'il  fut  atteint  du
coup  mortel,  partage  mes  régrets
Je  suis  etc.
signe:  le  maréchal  Duc  de  Danzig.
Salzbourg  le  2.  septembre  1800.
Sire!

J’ai  Phonneur  d’annoncer  à  vötre  Majésté  que  je
suis  de  retour  ici  de  Vienne,  ou  j’'étois  allèé  annoncer
à  mon  Souverain,  non  une  defaite,  mais  un  mouvement
  retrograde,  qdue  j'’ai  execute  avec  vos  troupes;
cette  retraite  est  du  nombre  de  celles  dui  font  plus
d’honneur  au  chef,  et  aux  soldats  qui  l’executent,  due
de  ces  victoires  on  il  n’'y  à  qdu'  à  courir  en  avant.  —
Oui,  Sire,  c’est  une  de  Ces  retraites  dont  Il’histoire.
Parle  tant,  dgue  vient  de  faire  votre  Armée.  Le  rap-
        <pb n="335" />
        —  331  —

In  Salzburg  angekommen,  ordnete  er  alsbald  die
gänzliche  Zerstdrung  der  Strubpässe  und  des  Lueg-Passes
  an;  zugleich  gab  er  (22sten  August)  den  baierischen
Dioisionen  eine  ausgedehntere  Stellung  zur  Hut  der
salzburgischen  und  baierischen  Grenzen,)  und  um  den

Port  due  j'ai  eu  l’honneur  d’adresser  à  votre  Majésté,
daté  de  Schwaz,  n’avoit  donc  point  pour  but  d’indisposer
votre  Majésté  contre  l'armée  que  je  commande,  car
iIn’'y  a  pas  un  mot  qui  seulement  put  faire  soupçonner
duc  j'ai  voulu  me  plaindre  un  seul  soldat,  et  bien
moins  encore  des  osliciers;  je  supplie  donc  votre
Majésté  de  se  faire  representer  de  nouvcau  mon  rap-Port;
  Elle  s'assurera  due  rien  n'a  pu  donner  licu,  aux
reproches  du’il  lui  a  plu  adresser  à  son  Armce.

Sire!  j'ai  Phonncur  d’étre  erc.

signé:  le  maréchal  Duc  de  Danzig.

*)  Das  Hauptgquartier  war  in  Salzburg;  —  das  iste  Linien=Infanterie-Regiment
  in  Laufen;  —  das  erste  Bataillon
des  2ten  Linien-Regiments  in  Berchresgaden;  dessen
zweites  in  Reichenhall;  —  das  ate  Linien-Regiment
hatte  die  Puncte  Vals,  Feldkirch,  Sintzenheim,  Saaldorf,
  Salzburghofen,  Perach,  Brodhausen,  —  das  zte
Linien-Regiment  die  Puncte  Hallein,  Adnet,  Ober-Alm,
  Kuchel,  Golling  besetzt;  dagegen  rückten  die  bisher
lehtgenannten  Punct  besetzt  gehaltenen  zwei  Compagnien
des  7ren  leichten  Bataillons  nach  Salzburg  ab,  und  bildeten
  mit  den  ebenfalls  vom  Generallieutenant  Deroy
dahin  abgesandten,  bisher  in  Bruting  gestandenen  zwei
Compagnien,  das  vereinigte  7te  Bataillon.  Das  leichte
Bataillon  Habermann  stand  mit  zwei  Compagnien  in
Lofer,  mit  zwei  Compagnien  in  Unken.  Das  iste  Chevaurlegers-Regiment
  escadronsweise  in  Hallein,  Vigaun,
Kuchel  und  Golling;  das  iste  Dragoner-Regiment  in
        <pb n="336" />
        —  332  —

Tirolern  die  zur  Fortsetzung  ihres  Aufstands-Krieges
ndthigen  Bedürfnisse,  wenigstens  von  dieser  Seite,  abzuschneiden.


 

Deissendorf,  Ober-Deissendorf,  Grochenberg,  Holzhausen,
Mehring,  Tahlhausen;  die  Batterien:  Regnier  in
Greding;  Vandouve  in  Moerz,  Heilbrunn,  Leopoldskron;
  Hofstet  ten  in  Nieder-Alm,  Anif;  Wagner
in  Gols,  Viehhausen.  —  Das  aäte  Chevaurlegers-Regiment,
  vor  der  Hand  der  Divisson  zugetheilt,  hatte  ausgedehnte
  Cantonirungen  in  und  um  Neumarkt  bezogen,
während  die  Sachsen  unter  General  Rouyer  Besatzungsdienst
  in  der  Stadt  Salzburg  selbst  versahen.

Die  Divisson  Deroy  hatte  folgende  Aufstellung;  doch
gehörte  zu  ihr  auch  die  Brigade  des  Obersten  Grafen
Oberndorf,  welche  jeßzt  durch  die,  der  ersten  Armee-Division
  Kronprinz  wieder  entzogenen,  Reserve-Bataillone
  des  usten  und  2ten  Linien  -Regiments,  durch  das
in  zwei  Bataillone  verwandelte  freiwillige  Jäger-Corps,
durch  die  in  eine  Escadron  zusammengeschmolzenen  reitenden
  Jäger,  und  der  bisher  dem  Corps  Arco  und  Oberndorf
  zugetheilten  Artillerie,  zusammengeseßt  ward:  1)  das
##te  leichte  Bataillon  bildete  die  Besatzung  der  Cidatelle
von  Salzburg;  2)  das  iste  Bataillon  des  täten  Linien=Regiments
  zu  Neubenern,  beobachtete  die  längs  dem  Inn
über  den  sogenannten  Kager-Thurm  fortlaufende  Schlucht,
und  hatte  eine  Compagnie  zu  Beobachtung  der  von
Sachrang  nach  Aschau  führenden  Straße  bei  letzterem
Orte  aufgestellt;  5)  das  2te  Bataillon  genannten  Regimentes
  hatte  eine  Compagnie  in  Traunstein,  die  drei
andern  Compagnien  zu  Rupolding  und  Marquartstein,  zu
Beobachtung  des  sogenannten  Reiter-Winkels;  à)  das
5te  Linien  -Regiment  hatte  mit  einer  Escadron  des  2ten
Dragoner-Regiments,  und  vier  Artillerie-Stücken,  die
Stellungen  von  Audorf,  Fischbach  und  Brannenberg,  eingenommen,
  um  die  abermalige  Einschließung  der  Feste
        <pb n="337" />
        —  333  —

31.

Gefechte  an  den  Grenzen  Salzburgs  und
Tirols,  bis  Ende  September.

Sobald  Tirol  von  den  Baiern  geraͤumt  worden  war,
bot  Andreas  Hofer,  von  Innsbruck  aus,  die  ganze
waffenfaͤhige  Mannschaft  des  Landes  vom  siebenzehnten

Kufstein  zu  verhindern;  5)  dem  durch  die  früheren  Ereignisse
  sehr  geschwächten  loten  Linien  =  Regiment  war  zu
Miesbach  bie  Beobachtung  der  von  Thiersee  über  Urspring
gehenden  Straße  anvertraut;  6)  das  der  Divisson  Deroy
  zugetheilte  Reserve-Bataillon  des  2ten  Linien-Regiments
  beobachtete,  von  Tegernsee  aus,  die  aus  dem
Achen-Thale,  so  wie  die  auf  dem  rechten  Innufer  über
Lenggries  und  Tölz  führende  Straße;  7)  General  Siebein
  stand  mit  dem  oten  Linien-Infanterie-Regimente,
einer  Escadron  Dragoner  und  einer  Batterie,  in  Benedictbeuern,
  um  die  Bewegungen  der  Insurgenten  von  der
Scharnißz  her  zu  beobachten,  und  ließ  zu  dem  Ende  seine
Streifwachten  bis  jenseits  Walchensee  gehen;  8)  als
Verbindungsposten  mit  der  Stellung  von  Benedictbeuern
und  der  die  Puncte  Weilheim,  Murnau  besetzt  haltenden,
  sich  bis  Kohlgrub,  Saulgrub  und  Steingaden  ausdehnenden
  Jäger  des  Grafen  Oberndorf,  (velche  auf
diese  Art  in  Berührung  mit  denen  auf  dem  linken  Lech-User
  aufgestellten  französischen  Truppen  waren,)  hatte  das
Reserve-Bataillon  des  isten  Linien-Infanterie-Regiments
  den  Punct  und  die  Uumgebung  von  Habbach  besetzt.
Demnach  blieb  dem  Generallientenant  Deroy,  welcher
seinen  Abtheilungen  so  ausgedehnte  Stellung  hatte  müssen
einnehmen  lassen,  nur  eine  kleine  Reserve  in  dem  zu
Rettenfelden  gufgestellten  5ten  leichten  Bataillon  Buttler,
  dann  einer  zu  Aibling  aufgestellten  Dragoner:  Es--cadron,
  und  einer  leichten  Batterie.
        <pb n="338" />
        —  335  —

bis  sechszigsten  Jahre  auf.  Der  Landsturm  konnte  50
bis  60,000  Mann  stark  seyn.  Außerdem  wurden  noch
Ueberläufer  und  andere  brodlose  Menschen  geworben,  und
mit  Waffen  versorgt;  sämmtliche  Pässe  und  Zugänge  der
südlichen  und  ndrdlichen  Landesgrenzen  verrammelt,  und
mit  Schützen  =  Compagnien  besetzt;  die  Straßen  auf  vielen
  Puncten  gesprengt,  oder  mit  Verhauen  belegt;  die
Brücken  zerstdrt,  und  zur  Befdrderung  eines  trotzigen
Volksgeistes  Flugschriften  aller  Art,  besonders  falsche
Botschaften  von  den  Siegen  Oesterreichs,  verbreitet.
Ein  Herr  von  Wörndle  befehligte  im  Pusterthal.  Unter
  ihm  befehligte  ein  gewisser  Steger  dessen  Eingänge.
Er  versah  die  Lienzer-Clause  mit  Pallisaden;  stellte  die
Chrysantner-Schanze  her,  legte  auf  den  Höhen  bei  Kartitsch,
  Tillian,  St.  Lorenzen  u.  s.  w.  neue  Schanzen  an,
und  brachte  seine  zehn  Kanonen  zweckmäßig  an.  —
Im  Etschlande  befehligte  Anfangs  Trogler  dann  Eisenstecker;
  im  ubrdlichen  Tirol,  verbunden  mit  dem
Ninzgau  und  Pongan,  Speckbacher  und  Pater
Haspinger.

Speckbacher,  der  den  Pinzgau  bereisete,  fand
hier  die  Volksstimmung  so  vortheilhaft,  daß  er  die  baierischen
  Beamten  sogleich  gefangen  nach  Innsbruck  schickte,
mit  Pinzgau  und  Pongau,  Namens  Tirol,  Bund  schloß,
tauschte  ihnen,  gegen  ansehnliche  Vorräthe  von  Schwefel,
  Salpeter,  und  die  bleiernen  Vitriolkessel  von  Mühlbach,
  Gewehre  aus,  ließ  den  Eapuziner  Haspinger
mit  Mannschaft  einrücken,  Truppen  stellen,  und  aller
Orten,  wo  er  es  nbthig  glaubte,  bei  Rhonach,  an  der
Gerlos,  bei  Rattenberg  und  der  Ziller-Brücke  u.  s.  w.
Verschanzungen  aufwerfen.
        <pb n="339" />
        —  335  —

Am  letzten  Tage  Augusts  griffen  endlich  die  Tiroler,
welche  mit  Uebermacht  auf  der  Landstraße  und  von  den
Bergen  herab  kamen,  die  Pikets  an,  welche  noch  vom
leichten  Bataillon  Habermann  bei  den  zerstbrten  Pässen
  Lofer  und  Strub  ausgestellt  waren.  Die  Pikets
wurden  zwar  auf  ihre  Haupt-Reserve  bei  Lofer  zurückgeworfen,
  doch  nicht  für  lange.  Nach  wenigen  Stunden
hatte  der  Oberstlieutenant  Habermann  die  Aufständischen
  wieder  vertrieben,  und  seine  Vorposten  in  die  alte
Stellung  zurückgeführt.  Zwei  Tage  nachher  lösete  ihn
dort  das  zweite  Bataillon  des  zweiten  Linien-Regiments
  ab,  das  bisher  bei  Reichenhall  gestanden  war.
Die  Stellung  war  hier  durchaus  nicht  haltbar.  Sie
konnte  überall  im  Gebirg  umgangen  werden.  Der  Kronprinz
  von  Baiern,  welcher  von  Wien  zurückgekommen
war,  machte  dem  Herzog  von  Danzig  darüber  die
dringendsten  Vorstellungen;  doch  ohne  Erfolg.  Erst  da
die  Tiroler  (5ten  und  ÖSten  August)  bei  1000  Mann  stark,
an  dem  Weißbach  vordrangen,  und  die  baierischen  Spähwachten
  beinahe  aufgefangen  hätten,  ließ  der  Herzog
einige  Verstärkung,  unter  dem  General  Rechberg,
dahin  ziehen,)  und  durch  den  Ingenieur-Lieutenant
Schmauß  den  Hirschbühl-Paß,  nebst  dortigen  Jägerund
  Blockhaus,  zerstdren.  Als  aber  darauf  (12ten  September)
  der  Oberlieutenant  Frankel  vom  zweiten  Regiment,
  mit  einer  Abtheilung  Schützen,  von  Hintersee
aus  eine  Streife  gegen  den  Hirschbühl  machen  wollte,

*)  Nämlich  das  erste  Bataillon  des  #sten  Linien-Infanterie-Regiments
  nach  Reichenhall,  das  erste  leichte  Bataillon
Habermann  von  Reichenhall  nach  uUnken  und  Melek;
die  hier  stehenden  Compagnien  des  zweiten  Bataillons
Kronprinz,  zur  Besetzung  von  Lofer.
        <pb n="340" />
        —  350  —

ward  er  dort  jählings  von  mehr  denn  hundert  Tirolern  auf
allen  Seiten  angefallen.  Er  selbst  sank  durch  einen  Schuß
zu  Boden;  seine  Schützen  flohen  beim  Anblick  der  Uebermacht,
  und  ließen  ihn,  ohne  Lebenszeichen,  unter  den
Mißhandlungen  der  Bauern  zurück.  Ihn  rächte  sogleich
Major  Graf  Seiboltsdorf,  der  mit  einer  andern
Abtheilung  eben  gegen  den  Hirschbühl  streifte,  durch  Tod
und  Verwundung  mehrerer  Tiroler,  die  er  bis  gegen
Weißbach  verfolgte.  Doch  kehrte  er  wieder  nach  Berchtesgaden
  zurück.

Einen  Tag  nachher  erschienen  auch  die  Tiroler  in
großer  Zahl  bei  Werfen,  wo,  so  wie  bei  Pfarrwerfen,
der  franzbsische  Oberstlieutenant  Vasserot  mit  zwei
Compagnien  des  achten  Linien-Regimentes  stand.  Eine
kleine  Reiter-Abtheilung  mußte  zwischen  letzterem  Punct
und  dem  Luegpaß,  wo,  wie  auch  an  der  Lammerbrücke,
eine  halbe  Compagnie  stand,  Verbindung  unterhalten.
Zur  Unterstützung  des  Postens  bei  Werfen  war  auch  bei
Blientau  und  Aschau  eine  Compagnie  aufgestellt.  Mlein
Vasserot  wurde  von  der  überlegenen  Menge  der  Tiroler,
  in  einer  zur  Vertheidigung  unbequemen  Gegend,
zurückgedrängt.  Fechtend  kam  er  fast  bis  zum  Lueg-Paß,
  von  wo  ihm  Oberst  Aubert,  vom  achten  Linien-Regiment,
  einige  Compagnien  und  einige  Chevaurlegers
zu  Hülfe  sandte.  Dann  gelang  es  dem  Oberlieutenant
Bedall,  an  der  Spitze  dieser  wenigen  Reiterei,  die
Bauern  auseinander  zu  sprengen,  und  mit  Verlust  in  die
Gebirgsschluchten  zu  jagen.

Der  Herzog  von  Danzig  befahl,  nach  diesem  Ereigniß,
  den  Luegpaß  um  jeden  Preis  zu  behaupten,
wiewohl  die  Befestigungswerke  zerstdrt,  die  Seiten  rechts
und  links  ohne  Sicherheit,  der  Truppen  zu  wenig,  und

die
        <pb n="341" />
        —  357  —

die  Bewohner  der  Umgegend,  selbst  zwischen  Golling  und
Hallein,  den  Insurgenten  offenbar  günstiger,  als  den
Baiern  waren.  Die  Tiroler  schienen  sich  in  Abtenan  zu
sammeln,  von  wo  sie  (17ten  September)  die  baierischen
Vorposten  angreifen  ließen,  wobei  es  auf  jeder  Seite
Verwundete  gab.  Auch  versicherte  sich  der  Oberst  Aubert
  durch  ausgesandte  Spähwachten  gegen  Abtenau
(18ten  September),  daß  Annaberg  und  St.  Martin  von
beträchtlichen  feindlichen  Rotten  besetzt,  und  in  der  Gegend
  der  Aschauer-Brücke  ein  Lager  von  5  bis  600
Tirolern  wäre.

Ueberhaupt  mochten  in  der  Gegend  von  Abtenau
und  Werfen  bei  4000  Insurgenten  stehen.  Oberst  Aubert
  verdoppelte  daher  seine  Wachsamkeit,  ließ  zur
bessern  Verbindung  seiner  verschiedenen  Abtheilungen  eine
Schiffbrucke  über  die  Salza,  unterhalb  den  Oeffen,
schlagen,  die  bei  Golling  abgebrochene  herstellen,  und  den
Offenauer-Berg  besetzen.  Andererseits  mußte  Major
Graf  Seiboltsdorf,  mit  80  Schützen  und  einiger
Linien=  Infanterie  eines  Nachts  (10ten  September)  von
Berchtesgaden  durch  die  Rambsau  zum  Hirschbühl  streifen,
  um  die  feindlichen  Stellungen  und  Absichten  zu  erforschen.
  Er  vernahm  auch  wirklich,  durch  einen  Gefangenen,
  den  er,  bei  Ueberraschung  einer  Tiroler=Spähwacht,
  machte,  daß  bei  Weißbach,  Frauenwiesen
und  Dieöbach  sechs  bis  sieben  Compagnien  Insurgenten
lagerten,  konnte  aber,  als  er  bei  weiterem  Vordringen
die  Ueberzahl  des  Feindes  gegen  sich  kommen  sah,  nicht
weiter.  Eine  andere  Recognoscirung,  welche  der  Oberst
von  Ströhl  am  nämlichen  Tage  über  Meleck  gegen
Weißbach  vornahm,  wohin  er  die  vorgerückten  Insurgenten
  mit  beträchtlichem  Verlust  derselben  zurücktrieb,

II.  5tes  Buch.  22
        <pb n="342" />
        —  358  —

belehrte,  daß  auch  dieser  Punct  vom  Feinde  gut  besetzt
  sey.

Alles  dies,  und  daß  die  Tiroler  (20sten  September)
am  linken  Ufer  des  Loferbaches  eine  Recognoscirung  gezen
  den  Strubpaß  selbst  vorschoben,  (die  freilich  bald
durch  den  Oberst  Ströhl  zurückgewiesen  ward)  bewies,
es  sey  den  Insurgenten  um  eine  Unternehmung  zu  thun.
Man  fand  sich  dadurch  zwar  bewogen,  eine  Veränderung
in  der  Stellung  der  Baiern  vorzunehmen,  die  diese  Landstrecken
  vertheidigen  sollten;  !)  allein  das  Wesentliche.
unterblieb.  Der  Kronprinz  von  Baiern  hielt  es  für
Pflicht,  den  Herzog  von  Danzig  an  das  Gefahrvolle
und  Zweckwidrige  zu  erinnern,  das  Kriegsvolk  auf  so
vielerlei,  getrennten,  im  Gebirg  aller  Orten  umgehbaren
Puncten  zu  zerstreuen,  um  die  Grenzen  Salzburgs  zu
decken.  Selbst  franzdsische  Offiziere  bestätigten  die  Besorgnisse
  des  Kron  prinzen.  Dennoch  beharrte  Marschall
  Lefebore  auf  seinem  Willen.

*)  So  wurde  das  zweite  Bataillon  des  äten  Regiments  aus
der  Gegend  von  Salzburg,  und  zwar  zwei  Compagnien
nach  Hallein,  eine  Compagnie  nach  Ober-Alm,  eine
Compagnie  nach  Vigaun  gezogen,  dagegen  eine  Haubitze,
und  die  bis  her  noch  in  Hallein  gestandene  Compagnie  des
Zzten  Regiments  zur  Perstärkung  des  Punctes  Golling
abgesandt.  Nach  letzterem  Orte  verlegte  General  Stengel,
  dem  der  Oberbefehl  über  jene  Stellung  anvertrauet,
und  welchem  die  Vertheidigung  derselben  auf's  Aeusserste,
jedoch  ohne  seine  unterhabenden  Truppen  zu  compromittiren,
  geboten  war,  sein  Hauptgquartier,  und  während
er  zwei  Escadrons  des  Chevaurlegers-Regiments  König
zum  Vorposten-Dienst,  und  als  Unterstützung  seiner  ganzen
  Stellung  verwandte,  bezogen  die  andern  zwei  Escadrons
  desselben,  die  vom  zweiten  Batgillon  des  aäten
        <pb n="343" />
        —  339  —

Aber  eines  Morgens  (Tösten  September)  zwischen
7  und  8  Uhr,  wurden  plbtzlich  bei  Luftenstein,  Lofer
und  Meleck  die  drei  unter  dem  Major  Baron  Kronegg
aufgestellten  Compagnien  durch  300  Insurgenten,  unter
Speckbacher's  und  Haspinger's  Befehlen,  fast
gleichzeitig  von  der  Stirnseite  angegriffen.  Eine  andere
bedeutende  Schaar  Tiroler  setzte,  vom  Hirschbühl  gekommen,
  durch  den  Fluß,  um  die  Rückzugslinie  der  Baiern
abzuschneiden.  Eine  dritte  trachtete  die  Umzinglung  derselben
  zu  vollenden,  indem  sie,  rechts  vom  Gebirg  von
Kirchenthal  her,  den  Luftensteiner-Paß  umging.  Eine
Stunde  lang  schlugen  sich  zwei  Compagnien  gegen  tausend
  Tiroler,  und  versuchten  dann,  um  nicht  aufgerieben
  zu  werden,  den  Rückzug  nach  Lofer,  wo  sie  vom
Oberstlieutenant  Graf  Waldkirch  Hülfe  zu  finden  hofften,
  der  daselbst  mit  zwei  Compagnien  stand.  Aber
auch  dieser  war  schon,  vom  Lofer=  und  Strub-Passe  her,
durch  überlegene  Kräfte  des  Feindes  angegriffen,  daß

Regimentes  verlassenen  Cantonnsrtungen.  Die  Bäume,
welche  den  Gesichtskreis  der  den  wichtigen  Posten  an  der
Lammer-Brücke  vertheidigenden  Baiern  beschränkten,  wurden
  umgehauen.  —  Am  ksten  rückke  das  zweite  Bataillon
des  isten  Linien-Infanterie-Leib-Regimentes  in  die  Stellung
  von  Luftenstein  und  Lofer  vor,  das  erste  Bataillon
desselben  Regiments  nahm  dagegen  die  Stellung  bei  Unken
  und  Meleck.—  An  eben  diesem  Tage  rückte  das  zweite
Bataillon  des  zten  Regiments  in  drei  Abtheilungen  in
die  Posten  im  Lueg-Passe  und  in  der  Scheffau  vor;  das
erste  Bataillon  dagegen  verließ  jene,  um  die  Puncte
Hallein,  Ober-Alm  und  Vigaun  zu  besetzen,  während  die
bis  dahin  in  ebenbenannten  Orten  stehenden  Compagnien
des  zweiten  Bataillons  des  Sten  Regiments,  die  Reserve
des  Genergls  Stengel  in  Golling  und  Kuchel  bildeten.
22
        <pb n="344" />
        —  330  —

ihm  kaum  Zeit  blieb,  die  von  ihm  auzgestellten  Pikets
einzuberufen  und  aufzunehmen.  Als  endlich  Kronegg's
beide  Compagnien  erschienen,  fühlte  er  sich  von  der
Masse  des  Feindes  fast  erdrückt,  der  nun  mit  großer
Macht  von  der  Lofer-Alpe  herniederzog,  und  ihm  den
Rückzug  gegen  Unken  zu  nehmen  drohete.

Da  nun  Waldkirch  seine  Stellung  unhaltbar  sah,
blieb  ihm  nur  der  Weg  zur  Rettung  seines  Bataillons
nach  Unken.  Die  Compagnien  des  Baron's  Kronegg
mußten  zum  Anbahnen  voran;  die  Oberlieutenants
Maillinger  und  Winter  den  Zug  von  Hinten  decken,
welchen  ein  Regen  feindlicher  Büchsenkugeln  von  den
umliegenden  Waldbergen  fort  und  fort  begleitete.  Beim
Kniepaß  anlangend,  sah  er  denselben  vor  sich  schon  vom
Feind  besetzt,  der  eben  geschäftig  war,  die  dortige  Brücke
abzutragen.  Mit  gefälltem  Bajonnett  warfen  sich  die
Baiern  in  die  gedrängten  Haufen,  und  erstürmten  die
Brücke,  wie  die  Straße  nach  Unken.  Hier  glaubten  sie,
durch  zwei  Compagnien  ihres  Regimentes,  unter  Major
Rummel,  verstärkt  zu  werden.  Sie  täuschten  sich.
Demn  auch  er  war  schon  in  der  Morgenfrühe  angegriffen
worden.  Er  hatte,  zur  Aufhaltung  des  Feindes,  zwei
Züge  unter  dem  Hauptmann  Baron  Pfetten  gegen  den
Calvarienberg,  von  wannen  der  Hauptangriff  kam,  desgleichen
  den  Hauptmann  Osterhuber  mit  der  übrigen
  Mannschaft  in  die  Häuser  geschickt,  welche  der
Schlucht  des  Schlierbaches  zunächst  standen.  Bald  aber
sah  er  sich  von  hinten  her,  bei'n  untern  Wirthshause
des  Dorfes,  von  einem  neuen  Insurgentenhaufen  überfallen.
  Zum  Glück  lagen  dort  auf  einer  Höhe,  die  das
Wirthshaus  beherrscht,  im  Gebüsche  die  Jäger  seiner
Compagnie  versteckt.  Diese  schlugen  sich  tapfer.  Major
        <pb n="345" />
        —  341  —

Rummel  hielt  den  Kampf,  wie  blutig  er  auch  war,
bis  Oberlieutenent  Graf  Lerchenfeld  ihm  die  Leib-Compagnie
  des  Regiments  zur  Unterstützung  von  Meleck
brachte.  Auch  Oberstlieutenant  Graf  Waldkirch  kam,
er  selbst  schon  am  Knie  verwundet,  mit  seinem  Bataillon.
Major  Kronegg  führte  dieses  durch's  Dorf  gegen
Meleck  zurück.

Rummel  hielt  indessen,  zur  Deckung  des  Rückzuges,
  mit  größter  Kaltblütigkeit  gegen  die  gesammten
nachdringenden  Schwärme  der  Tiroler  Stand,  bis  er,
von  allen  Seiten  gedrängt  und  immer  fester  eingeengt,
sich  wieder  nach  dem  obern  Wirthshause  zurückziehen,
und  hier  von  Neuem  sammeln  mußte.  Seine  Lage  war
abscheulich.  Jeder  Augenblick  verminderte  das  Häuflein
Streiter  unter  dem  Feuer  der  Tiroler-Schützen.  Es
blieb  keine  Wahl  mehr,  als  Ergebung,  oder  ein  Sprung
in  die  reissenden  Fluten  des  Salzach-Stromes,  um  Tod
oder  Freiheit  zu  finden.  Der  Major  wählte  und  wagte
den  Sprung.  Viele  folgten  ihm.  Mancher  der  Tapferen
ertrank.  Was  entkam,  sammelte  sich  um  ihn  jenseits
des  Stromes  am  Gebirg.  Die  übrigen  im  Dorfe  wurden
  getddtet  oder  gefangen.

Unterdessen  war  auch  der  Major  Kronegg  nicht
mehr  im  Stande  gewesen,  auf  geradem  Wege  Meleck
zu  erreichen.  Er  sah  von  den  Insurgenten  schon  das
nahe  bei  dem  Ort  gelegene  Posthaus,  desgleichen  den
sogenannten  Steinpaß  stark  besetzt.  Darum  benitzte  er
eine  Brücke,  die  hinter  Unken  über  die  Saalach  führte,
ging  zum  rechten  Ufer  über,  und  in  die  dortigen  Berge.

In  Meleck  selbst  hielt  sich  der  Oberst  Ströhl  mit
der  ersten  Grenadier-Compagnie  des  Leib-Regimentes
        <pb n="346" />
        unerschuͤttert.  Von  dem  Posten  von  Wegscheid  hatte  ihn
zur  guten  Stunde  noch  der  Oberlieutenant  Erbel—
ding  eine  Verstaͤrkung  von  60  Mann  zugefuͤhrt.  Kaum
hatte  er  diese  mit  sich  vereint,  bestürmten  hundert  Insurgenten
  den  Melecker-Paß  rechts;  und  bei  1000  derselben
  mit  zwei  Kanonen  rückten  zugleich  auf  der  Straße
von  Unken  gegen  ihn  an.  Der  Kampf  ward  wild.
Ströhl  wollte  nicht  weichen,  bis  er  glauben  konnte,
Major  Kronegg  werde  sich,  bei  Schugzelreit  hinter
Meleck,  mit  den  Trümmern  seines  Bataillons  gesammelt
  haben.  Die  Tiroler  hinwieder  wollten,  ihrer  Uebermacht
  gewiß,  diesen  Punct  um  jeden  Preis  in  kürzester.
Frist  erringen.  Mehr  denn  einmal  warf  die  Wüthenden
das  Bajonnett  zurück.  Als  Ströhl,  während  des  Gefechtes,
  eine  frische  Compagnie  des  zweiten  Linien-Regimentes,
  vom  Hauptmann  Schmidt  zugeführt,  erhielt,
und  zwar  in  dem  Augerblick,  als  er  erschbpft  das  Opfer
seiner  Pflichterfüllung  werden  zu  müssen  glaubte,  setzte
er  den  Kampf  beinahe  noch  eine  Stunde  lang  fort,  bis
er  erfuhr,  das  Bataillon  Kronegg  habe,  nach  Ueberwindung
  der  größten  Hindernisse  im  Gebirg,  den  Uebergang
  an's  linke  Salzach-Ufer  gemacht,  den  Bodenbühel
erreicht,  und  wirklich  besetzt.  Nun  erst,  und  weil  seine
Mannschaft,  mit  Ausnahme  der  Compagnie  Schmidt,
alle  Patronen  verschossen  hatte,  dachte  der  wackere  Oberst
Ströhl  an  den  Rückzug  nach  Reichenhall.  Denn  nach
Reichenhall,  welches  nur  schwach  besetzt  war,  drängten
alle  Bewegungen  der  Aufstandsmassen.  In  fester  Ordnung,
  langsam,  unter  immerwährendem  Kanonen=  und
Büchsenfeuer  der  Tiroler,  welches  nicht  einmal  gestattete,
die  Gefallenen  mitzunehmen,  ward  der  Rückzug  bis
Wegscheid  fortgesetzt.  Ströhl  gedachte  diesen  Punct
        <pb n="347" />
        —  3453  —

noch  durch  den  Hauptmann  Schmidt  behaupten  zu  las—
sen.  Dieser  aber  waͤre  verloren  gewesen.  Schon  began—
nen  die  Tiroler  das  Gebirg  um  Reichenhall  zu  besetzen.
Also  zog  er  mit  gesammter  Mannschaft  zuruͤck  in  eine
Stellung  bei  Reichenhall.

So  hatte  nun  das  erste  Linien-Regiment  der  Baiern,
in  viele  kleine  Abtheilungen  zersplittert,  ununterbrochen,
von  sieben  Uhr  Morgens  bis  sieben  Uhr  Abends,  gegen
einen  7  bis  8000  Mann  starken  Feind  von  Stellung  zu
Stellung,  in  Thalschluchten  und  Bergen,  die  nur  den
Gegnern  Vortheile  boten,  und  auf  dem  Rückzuge  durch
ein  sechs  Stunden  langes  Defilée  gestritten,  dessen  umliegende
  Berge  der  Feind  besetzt  halten,  und  benützen
konnte.  Die  Unhaltbarkeit  jener  Stellungen,  dem  Marschall
  Lefebore  schon  früh  dargethan,  war  jetzt  zum
Ruhm  und  Unglück  der  Baiern  bewiesen.  Aber  späterhin
  erfuhren  die  Tiroler  selbst  in  denselben  Gegenden,
aus  den  nämlichen  Ursachen,  dasselbe  Unglüuck,  und  den
empfindlichsten  Verlust  im  ganzen  Feldzuge.

An  demselben  Tage,  da  hier  das  erste  Linien-Regiment
  so  viele  seiner  Tapferen  durch  Tod  und  Wunden
verlor  *),  hatten  die  Aufständischen  in  gleicher  Stunde

 

*)  Der  Verlust  bestand  in  den  verwundeten,  jedoch  den
Händen  des  Feindes  entrissenen,  drei  Offizieren,  Oberstlieutenant
  Grafsen  Waldkirch,  welcher  trotz  empfindlicher
  Wunde  seinem  Bataillon  gefolgt  war,  den  Oberlieutenants
  Kiefer  und  Maillinger,  und  55  Soldaten.
Vermißt  waren  die  Hauptleute  Osterhuber  und  Baron
Pfetten,  welch'  Leßterer  einen  Prell-Schuß  an  der
Brust  erhalten  hatte;  die  Lieutenants  Winter,  von
Schlelein,  und  Graf  Sizzo,  nebst  205  Männern
vom  Feldwebel  abwärts,  welche  größtentheils  verwundet,
        <pb n="348" />
        —  333  —

auch  die  Posten  mit  Uebermacht  angefallen,  welche  beim
Luegpaß  und  der  Abtenau  vom  General  Stengel  ausgestellt
  worden  waren,  der  zu  Golling  befehligte.  Vom
Luegpaß  wurde  Hauptmann  Fuchs  und  dessen  Compagnie,
  durch  die  feindlichen  Massen  und  gegen  ihn
herabgestürzten  Felsenstucke,  auf  die  links  der  großen
Straße  liegenden  Berge  zurückgedrängt.  Die  Lieutenants
Schmiel  und  Graf  Losch,  mit  ihren  schwachen  Abtheilungen,
  erstürmten  dreimal  ihre  verlorne  Stellung  bei
der  Kapelle  ohmweit  dem  Passe  wieder.  Ein  Piket,  das
am  rechten  Lammer-Ufer  bei  St.  Ulrich  den  Ausgang

 

theilweise  an  Händen  und  Füßen  gebunden  in  den  Fluß
gestürzt  wurden,  und  als  Leichname  nach  Reichenhall
kamen.  Auf  dem  Schlachtfelde  selbst  hatten  die  Lieutenants
  Baron  Diersch,  Graf  Armannsberg  und  von
Kofler,  nebst  14  Soldaten,  das  Leben  verloren,  der
Lieutenantr  und  zweite  Adjutant,  Baron  Milius,  welcher
  während  des  Gefechtes  sich  auf  das  Glänzendste  ausgezeichnet
  hatte,  starb  in  Unken  an  den  erhaltenen  Wunden.
Das  Regiment  hatte  ferner  den  Ambulance=  und  Munitions=Wagen
  des  zweiten  Bataillons,  an  welchen  beiden  die
Perde  erschossen,  die  Räder  zerschmettert,  sie  selbst  in
die  Saalach  gestürzt  worden  waren,  dann  ein  Paar  dreizehnlöthige
  zerbrochene  Feldschlangen  verloren.  Sämmtliche
  Stabsoffziere  des  Regiments,  Oberst  Ströhl,
Oberstlieutenant  Graf  Waldkirch,  die  Majors  Rummel
  und  Kronegg,  die  Hauptleute  Baron  Pfetten,
Osterhuber,  Baligand  und  Pechmann,  Hauptmann
  Schmidt  des  2ten  Regiments  Kronprinz,  die
Oberlieutenants  Maillinger,  Lerchenfeld,  Winter
  und  Erbelding,  #Letzterer  vom  zweiten  Linien-Regimente
  Kronprinz,  so  wie  alle  übrigen  Offiziere  und
Soldaten  jener  Abtheilungen,  hatten  an  jenem  Tage  ihre
Plicht  ehrenhaft  erfüllt.
        <pb n="349" />
        —  345  —

der  Scheffau  beobachtete,  so  wie  eine  Compagnie  vom
achten  Regiment  am  linken  Ufer  der  Lammer,  mußten
sich  ebenfalls  vor  der  uͤberlegenen  Menge  zuruͤckziehen.
Doch  nahmen  sie  den  Stand  wieder  ein,  sobald  ihnen
Oberst  Aubert  eine  Compagnie  des  vierten,  die  Schützen
  des  achten  Linien-Regimentes,  einen  Zug  Chevaurxlegers
  und  eine  Haubitze,  zur  Unterstützung  gesandt  hatte,
womit  die  auf  den  Bergen  stehenden  Tiroler  in  ihre
Schlupfwinkel  zurückgejagt  wurden.)

General  Stengel,  der  noch  dazu  wiederholten
Befehl  erhielt,  das  zweite  Bataillon  des  achten  Regiments
  nach  Salzburg  zurück  zu  senden,  sah  nun  wohl
ein,  daß  er  mit  der  ihm  bleibenden  Mannschaft  weder
den  Luegpaß  festhalten,  noch  auch  den  Punct  Golling
gehbrig  decken  konne.  Er  nahm  also  Nachmittags  seine
verschiedenen  Abtheilungen  zusammen,  begab  sich  rückwärts
  nach  Hallein,  und  ertheilte  davon  dem  zu  Berchtesgaden
  stehenden  ersten  Bataillon  des  Regiments  Kronprinz
  Anzeige.  Letzteres  hatte  schon  von  der  in  Ramsan
ausgestellten  Compagnie  Spähwachten  gegen  den  Hirschbühel
  geschickt,  die  eine  halbe  Stunde  hinter  dem  Hintersee
  auf  feindliche  Wachten  gestoßen  waren.  Eben  diese
Compagnie,  da  die  Insurgenten  schon  bei  Wegscheid  standen,
  mußte  sich  darauf  an  die  Gmünder-Brücke,  eine
halbe  Stunde  vor  Berchtesgaden,  zurück  begeben,  um

*.)  Bei  dieser  Gelegenheit  erprobten  die  Truppen  alle,  vorzüglich
  Lieutenant  Zeng  vom  achten  Regimente,  ihren
Muth.  Man  hatte  aber  die  Verwundung  des  tapferen
Lieutenants  Schmiel  vom  vierten  Linien-Regimente,
und  22  anderer  Männer  desselben,  den  Verlust  von  acht
Gefangenen  und  die  Verwundung  von  drei  Mann  des
achten  Regimentes,  zu  beklagen.
        <pb n="350" />
        —  346  —

nicht  uͤber  den  Jettenberg  abgeschnitten  zu  werden.  Das
Bataillon  selbst  nahm  seine  Stellung  eine  halbe  Stunde
hinter  Berchtesgaden,  auf  der  Straße  nach  Hallein,
und  ließ  in  diesem  Orte  nur  den  Grafen  Seibolts—
dorf  mit.  den  Schuͤtzen,  nebst  einer  halben  Compagnie,
so  wie  eine  halbe  Compagnie  an  der  Brücke  bei  Schellenberg,
  zur  Sicherung  eines  allfälligen  Rückzuges.
Dieser  erfolgte  auch  bald  (26sten  September),  weil  der
Herzog  von  Danzig  die  Stellung  des  Bataillons  zu
gewagt  fand,  und  ihm  bei  Schellenberg  Fuß  zu  fassen
befahl.  Doch  konnte  es  hier  nicht  bleiben;  der  Feind
hatte,  mit  Besitz  von  Ettenberg,  die  rechte  Seite  des
Bataillons  schon  umgangen.  Es  zgog  sich  daher  nach
St.  Leonhard,  auf  der  Straße  nach  Salzburg,  und  hieltdabei
  den  Thurmpaß  und  herabhängenden  Stein  besetzt.
Die  Tiroler  zogen  sogleich  in  großer  Zahl  zu  Berchtesgaden
  ein.

Reichenhall  war  von  den  Infurgenten  fast  ganz  umtingt.
  Daher  wurden,  zur  Behauptung  dieses  Punctes,
sogleich  unter  guter  Bedeckung  Vorräthe  von  Kriegsund
  Lebensmitteln  dahin  geschafft;  Pfahlwerke  um  den
Ort  geschlagen;  die  nächsten  Anhdhen  mit  Schanzen  und
Verhauen  gesichert;  die  Wälder,  welche  die  Bewegungen
der  Tiroler  verbargen,  niedergehauen;  kleine  Kanonen,
zur  Bestreichung  der  Umgegend,  auf  das  Dach  des  Reichenhaller-Schlosses
  aufgepflanzt,  und  gegen  den  Staufenberg,
  wo  sich  die  Insurgenten  zahlreich  zeigten,  die
Staufenegger-Brücke  abgeworfen.

Alle  diese  Vorfälle  machten  kleine  Aenderungen  in
Aufstellung  der  Truppen  nbthig.)  Der  Herzog  von

*)  Am  Abend  des  26sten  Septembers  war  die  Stellung  der
Baiern,  Divisson  Kronprinz,  folgende:  Reichenhall
        <pb n="351" />
        —  357  —

Danzig,  um  die  Besatzung  von  Salzburg  zu  verstärken,
verlangte  noch  ein  Regiment  der  Division  Deroy.  Es
kam  daher  von  Neubenern  und  Traunstein  das  Vierzehnte
nach  Salzburg,  und  wurde  in  jenen  beiden  Orten  durch
das  neunte  Linien-Regiment  ersetzt,  welches  bisher  längs
dem  Gebirg  die  Linie  über  Ried,  Bessenbach,  Ort  und
Kochel  bewacht  hatte.  Die  dadurch  entstandene  Lücke
auszufüllen,  schickte,  auf  Deroy's  Verlangen,  General
  Beaumont?)  sogleich  (27sten  September)  den

war  durch  drei  und  ein  halbes  Bataillon,  eine  Batterie
und  eine  Dragoner-Escadron,  unter  General  Graf
Rechberg  besetzt.  —  Ein  Bataillon  stand  unter  Major
Graf  Tattenbach  bei  St.  Leonhard.  —  Drei  Bataillons,
  eine  Batterie  und  zwei  Escadrons  Chevaurlegers
waren  unter  General  Stengel  bei  Hallein;  ein  Bataillon
  bei  Kaltenhausen;  ein  halbes  Bataillon  in  Salzburg
  aufgestellt.  Die  Cavallerie  cantonirte  in  der  umliegenden
  Gegend.

Dieser  hatte  nämlich  zu  Ende  Augusts  den  Oberbefehl
über  alle  in  Ober-Schwaben  und  Vorarlberg  aufgestellten
Truppen  dem  General  la  Grange  übergeben,  und  das
Commando  über  ein  aus  den  verschiedenen  Depots  und
Ergänzungen  der  großen  französischen  Armee  zusammengesetztes,
  5022  Mann  und  1015  Pferde  starkes  Corps,
übernommen,  welches  als  zweite  Linie  den  gegen  Tirol
aufgestellten  Baiern  Nachdruck  und  Unterstützung  nöthigen
Falls  gewähren  sollte.  —  Demnach  hatte  er  sein  Hauptquartier
  nach  München  verlegt,  hielt  mit  dem  dritten
französischen  Dragoner-Regimente  die  Puncte  Starnberg,
Diessen,  Weilheim,  mit  einer  Abtheilung  eines  französischen
  leichten  Infanterie-Regimentes  Weilheim,  mit
einem  aus  Cordonisten  und  Freiwilligen  bestehenden  baierischen
  Landes-Defensions-Batgillon  Wolfratshausen,  und
        <pb n="352" />
        —  348  —

Oberstlieutenant  Boinsot  mit  800  Mann  Fußvolks  und
200  Pferden,  die  nun  dem  General  Siebein  untergeordnet
  wurden.  Auch  General  Stengel  zu  Hallein
fand  gut,  seine  Mannschaft,  mehr  von  Vigaun  und
Margarethen  zuruͤck,  in  die  Stellung  von  Oberalm,  und
in  die  Linie  uͤber  das  Gebirg  gegen  Schellenberg,  zusammenzuziehen.
  Bald  nachher,  weil  der  Feind  Vor—
posten  bis  zum  Schellenberg  vorgeschoben,  und  starke
Abtheilungen  bei  Golling  hatte,  deren  Streifwachten  sich
links  und  rechts  gegen  Hallein  verbreiteten,  gab  General
Stengel,  den  empfangenen  Befehlen  zuwider,  sogar
Hallein  und  den  Schutz  der  wichtigen  Salinen  auf,  die
er  allerdings  nachdrucksvoll  haͤtte  behaupten  koͤnnen,  und
stellte  sich  bei  Niederalbe  an  der  dortigen  Bruͤcke,  auf
der  nach  Salzburg  fuͤhrenden  Straße.  Diese  Bewegung,
zu  der  ihn  nichts  gezwungen  hatte,  ward  vom  Herzog
von  Danzig  vollkommen  mißbilliget,  und  die  von  ihm
genommene  Stellung  durch  denselben  geändert.)

 

die  bis  Königsdorf  auf  dem  linken  Isarufer  gelegene  Landesstrecke,
  mit  einem  französischen  Bataillon  Holzkirchen
und  Umgebung  auf  dem  rechten  Isarufer,  mit  dem  vierten
  Dragoner-Regiment  Ebersberg  besetzt,  während  er
in  München  selbst  eine  baierische  leichte  Compagnie,
300  Mann  französischer  Infanterie,  zwei  Piecen  französischer
  Artillerie,  und  eine  französische  Dragoner-Abtheilung
  von  fünfzig  Pferden,  als  Reserve,  zurückbehalten
hatte.

)  Die  Stellung  der  ganzen  Divisson  Kronprinz,  einschlüssig
  des  zu  ihrer  Verstärkung  bei  Salzburg  eingetroffenen
  vierten  Einien  -Regimentes,  und  dem  aus  den  bisherigen
  Cantonirungen  herbeigezogenen  vierten  Chevaurlegers-Regimente
  Bubenhofen,  war  am  2ten  October
        <pb n="353" />
        —  349  —

Dem  Herzog  war  es  um  die  Wiedereroberung  Halleins
  zu  thun.  Er  ließ  durch  seinen  ersten  Adjutanten,
General  Monmarie,  bei  Elsbethen  am  rechten  Ufer
der  Salza  ein  Corps  von  2000  Mann  zu  Fuß¼,  250
Pferden,  ")  nebst  zwei  Haubitzen  und  einem  Sechspfünder

folgende:  Der  Punct  Reichenhall  und  dessen  Umgebung
war  unter  dem  Befehle  des  Generals  Grafen  Rechberg
mit  fünf  Bataillons  besebzt,  und  zwar:  dem  ersten  leichten
  Infanterie-Bataillon,  dem  ersten  und  zweiten  Linien=Infanterie-Regimente
  (jedes  zu  zwei  Bataillons),  einer
Escadron  Dragoner,  und  der  Batterie  Hofstetten.  —
In  St.  Leonhard  befehligte  Oberstlieutenant  von  Stälz
unter  ihm  stand  das  zweite  Bataillon  des  vierten  Regimentes,
  in  Greding  dessen  Reserve,  eine  Escadron  Chevaurlegers.
  —  Der  General  Stengel  befehligte  in
Unteralbe,  und  hatte  diesen  Punct  besetzt  mit  dem  ersten
Bataillon  des  vierten  Linien-Regimentes,  einer  Escadron
  Chevaurlegers,  drei  Kanonen.  Eine  Reserve  für  ihn
bestand  aus  zwei  Escadron  Chevaurlegers,  zwei  Kanonen,
aufgestellt  in  Anif.  —  Oberst  Aubert  hielt  den  Punct
Elsbethen  mit  dem  zweiten  Bataillon  des  achten  Regimentes,
  einer  Escadron  des  vierten  Chevaurlegers-Regimentes,
  zwei  Kanonen  besetzt.  Reserve  für  ihn  in
Glatz  bildete  das  erste  Bataillon  des  vierzehnten  Regimentes.
  —  Die  Besatzung  von  Salzburg  selbst  bestand  aus
dem  ersten  Bataillon  des  achten  Regimentes,  dem  Reserve-Bataillon
  des  achten  Regimentes,  dem  siebenten  leichten
  Infanterie-Bataillon,  58  Artillerie-Stücken.  —  Als
Reservre  stand  Oberst  Diez  mit  drei  Escadronen  des
vierten  Chevauxrlegers  =  Regimentes  in  Pergheim,  Oberst
Graf  Wittgenstein  mit  zwei  Escadronen  des  ersten
Dragoner-Regimentes  in  Salzburghofen.

*)  Es  bestand  aus  einer  französischen  Infanterie-Compagnie,
den  Compagnien  des  leichten  Bataillons  Bernclau  unter
        <pb n="354" />
        —  350  —

zusammenziehen,  und  waͤhrend  eines  starken  Nebels,  vor
Tages-Anbruch,  am  öten  October  nach  dem  Punct  Oberalbe
  führen.  Hier  stand  der  Capnziner  Haspinger  mit
800  Tirolern,  und  einer  dreipfünder  eisernen  Kanone.
Major  Theobald,  an  der  Spitze  des  Bataillons  Bernclau,
  und  der  Escadrons-Chef  Lefebore,  an  der  Spitze
einer  Compagnie  Franzosen,  stürmten  in  den  Ort  ein.
Die  überraschten  Insurgenten  zerstäubten  nach  kurzem
Widerstande  ins  Gebirg,  oder  nach  Hallein,  mit  Zurücklassung
  ihrer  Kanone,  die  nur  einen  Schuß  hatte  thun
konnen.  General  Stengel  machte  indessen  einen  Schein-Angriff
  auf  dem  linken  Salza-Ufer,  und  rückte  in  gleicher
  Linie  dort  mit  den  Uebrigen  vor.  Das  vierzehnte
Linien-Regiment  verfolgte  die  Fliehenden  in's  Gebirg.
General  Monmarie,  mit  dem  übrigen  Kriegesvolk,
zog  rasch  gegen  Hallein,  wo  die  Zugänge  der  Stadt  von
vier  Feuerschlünden  vertheidiget  waren,  die  bald  genommen
  wurden.  Die  Stückkugeln  und  Aexrte  der  Baiern
sprengten  die  Thore.  Es  ward  in  den  Straßen  gefochten.
Die  Insurgenten,  welche  sich  nicht  zu  Berg  und  Wald
retten  konnten,  fanden  den  Tod.  Zwei  Compagnien  des
achten  Regimentes  erstürmten  und  besetzten  darauf  den
Ort  Kuchel;  zwei  andere  eine  Stellung  zwischen  diesem

Major  Theobald,  dem  zweiten  Bataillon  des  achten
Linien-Regimentes,  unter  Oberst  Aubert,  dem  von
der  Division  Deroy  unter  dem  Obersten  Schloßberg
entsandten  vierzehnten  Linien-Regimente,  aus  zwei  Escadronen
  des  ersten  Dragoner-Regimentes,  befehliget
durch  den  Obersten  Grafen  Wittgenstein,  und  einer
Escadron  des  vierten  Chevauxrlegers  =  Regimentes  Bubenbofen.
        <pb n="355" />
        —  351  —

Orte  und  Hallein,  zur  Verbindung  beider;  ein  Bataillon
den  Salinenberg  bei  Hallein.  Die  Franzosen  hatten  bei
diesem  Angriff  nur  einen  Todten,  die  Baiern  nur  dreizehn
  Verwundete  und  sechszehn  Vermißte,  die  Diroler
hingegen,  nebst  dem  Verlust  von  sechs  Stück  Artillerie,
50  Todte  und  40  Gefangene  gehabt.)

Der  Feind  floh  bis  Berchtesgaden  zurück.  Ihn
auch  hier  zu  verjagen,  mußte  Major  Tattenbach  mit
vier  Compagnien  Fußvolkes  über  den  Hall-Thurm  (5ten
October)  dahin,  welchen  hinter  ihm  General  Rechberg,
von  Reichenhall  aus,  zur  Sicherheit  besetzen  ließ.  In
Berchtesgaden  standen  6—  800  Tiroler;  eine  halbe
Stunde  vor  dem  Orte,  deren  Vorposten,  ohnweit  doppelter
  Verhaue.  Lieutenant  Baron  Dobeneck,  mit
zwei  Zuͤgen  Fußvolkes  und  den  Schuͤtzen  voran,  warf
die  feindlichen  Posten  zuruͤck.  Die  Verhaue  wurden
links  und  rechts  von  zwei  Compagnien  umgangen;  die
Tiroler  ohne  großen  Widerstand  aus  Berchtesgaden  vertrieben,
  eine  Viertelstunde  weit  verfolgt,  dann  die  Brücken
  hergestellt,  die  Verhaue  aufgeräumt,  und  durch
Streifwachten  Verdindungen  mit  Schellenberg  gestiftet.
Die  Baiern  hatten  nur  wenige  leicht  Verwundete  bekom-= 



*)  Der  Major  Theobald  und  der  französische  Escadrons=Chef
  Lefebre,  hatten  sich  vorzüglich  ausgezeichnet.
Ebenso  hatten  sich  der  Hauptmann  Massenhausen  und
Lieutenant  Bedall  des  achten  Regimentes,  der  Lieutenant
  Engler  des  dritten  leichten  Bataillons,  die  Corporäle
  Mandel  und  Miller,  Walzer  und  Bruüderl,
  der  Soldat  Weilmaier  und  der  chirurgische
Practikant  Falter,  besonderer  Anerkenntniß  von  Seiten
ihrer  Vorgesetzten  würdig  gezeigt.
        <pb n="356" />
        —  352  —

men,  die  Tiroler,  welche  deren  mehrere  zählten,  hinterließen
  zwei  Todte  und  fünf  Gefangene)

An  dem  nämlichen  Tage  hatte  auch  der  Rittmeister
Schneegans,  welcher  mit  seinem  Geschwader  vom
ersten  Chevaurlegers-Regiment  und  zwei  Compagnien
zu  Fuss,  von  Hallein  aus,  eine  Streife  nach  Golling
thun  mußte,  bei  Kuchel  ein  Gefecht.  Er  hatte  dabei
keinen  Verlust;  aber  den  Tirolern  wurden  dreißig  Mann
zusammengehauen,  zwei  gefangen.  Zugleich  ward  die
Bräücke  über  die  Salza  bei  Kuchel  abgeworfen.

 

32.
Fortsetzung  des  Kampfes,  besonders  im
suͤdlichen  Tirol.

Waͤhrend  dieser  Ereignisse  an  der  salzburgischen
Grenze  gegen  Tirol,  blieb  die  Linie,  welche  Generallieutenant
  Deropy  zu  vertheidigen  hatte,  ohne  Anfechtung.
Zum  Gläck  hatte  er  keinen  unternehmenden  Feind  gegenüber.
  Denn  durch  Absendung  des  vierten  Regimentes
nach  Salzburg,  dann  durch  Verlust  zweier  französischen
Dragoner-Regimenter,  die  andere  Bestimmung  empfingen,


 

)  Major  Graf  Tattenbach  belobte  sämmtliche  ihm  untergebene
  Offiziere  und  Soldaten,  vorzüglich  aber  den  Lieutenant
  von  Dobeneck,  den  Hauptmann  Audritzky,
den  Oberlieutenant  und  Adjutanten  Weber,  die  Sergeanten
  Appeltshauser  und  Jung,  den  Corporal  Roehrig,
  die  Schützen  Melchior  Bauer,  Neuhauser,
Wendl,  Michael  Thaler  und  Hagen,  ferner  den
Corporal  Uzinger,  Schillinger,  und  den  Gefreiten
Knogler.
        <pb n="357" />
        —  355  —

gen,  war  er  so  geschwächt  worden,  daß  er  sein  Kriegsvolk
  nur  sehr  dünn,  und  sehr  locker  verbunden,  auf  der
weiten  Landstrecke  ausdehnen  konnte.  Doch  die  Vaterlandsliebe
  der  baierischen  Gebirgsschützen,  sobald  er  sie
aufrief,  antwortete  ihm  auch  diesmal  frendig,  und
brachte  Verstärkung.  Dazu  ward  Hoffnung,  daß  das
siebente  Linien-Regiment  von  der  Dioision  Wrede,  über
Wels  und  Frankenmarkt,  ankommen  werde,  weil  der
Herzog  von  Danzig  (schon  unterm  2sten  September)
die  Unterstützung  begehrt  hatte.  Auch  sandte  der  Generallieutenant
  Wrede  das  Regiment  wirklich  ab,  so  ubthig
es  ihm  auch  bei  seiner  ausgebreiteten  Stellung  ')  gegen  die
Oesterreicher  in  Böheim,  von  Passau  bis  Linz,  seyn  mußte.

*#P)  Die  Division  Wrede  stand  folgendermaßen:
rste  Brigade:
das  sSte  Linien-Infanterie-Regiment  in  Linz;
das  15te  „  »  »  *
das  bte  leichte  Infanterie=  Bataillon  Q  in  Passan;
2te  Brigade:  „
das  öte  Linien-Infanterie-Regiment  in  Ottensheim;
das  7te  „  „  »  in  Linz;
die  5te  Compagnie  des  2ten  leichten  Bataillons  in
St.  Georgen.
Cavallerie-Brigade:
das  2te  Chevauxlegers-Regiment  in  Schwerberg;
das  öte  »  »  in  Neufelden.
Artillerie:
Die  sechs  Batterien  und  der  Park  bei  Linz.

Auch  hatte  später  der  Generallieutenant  Wrede  mit
einer  Compagnie  den  Punct  Braunan,  mit  einer  andern
den  Punct  Wels  besetzen  lassen,  und  schon  die  Früchte
seiner  Bemühungen  und  seiner  zweckmäßigen  Aufstellung
in  mehrmallger  Entdeckung  bedeutender  Vorräthe  aller  Art
geärndet,  welche  man  dem  Feinde  zuführen  wollte.

II.  ötes  Buch.  23
        <pb n="358" />
        —  354  —

Indessen  traten  bald  wichtigere  Veränderungen  ein,
welche  die  Wiederunterwerfung  des  empbrten  Tirols  beschleunigen
  sollten.  Die  Friedensunterhandlungen  zwischen
  dem  franzdsischen  Minister  Champagny,  und
dem  dsterreichischen  Minister  Fürsten  Merternich,
dauerten  zu  Altenburg  fort.  Der  Wasfenstillstand  zwischen
  den  Heeren  schien,  je  länger  er  währte,  um  so
sicherer  den  Abschluß  des  Friedens  selbst  zu  verbürgen.
Und  wenn  indessen  auch  Oesterreichs  Kriegesmacht  wieder,
  nach  so  großen  Unfällen,  auf  300,000  Streiter
angewachsen,  ihre  Stellung  wohlgeborgen,“)  und  mehr,
als  ein  Grund,  vorhanden  war,  in  einem  Augerblick
nicht  schon  zu  verzweifeln,  in  welchem  noch  Vieles  wieder
  zu  erringen  möglich  stand:  hatte  doch  Napoleon
so  furchtbares  Uebergewicht,  sowohl  in  der  Jahl,  als  in
der  durch  Siege  gestärkten  Zuversicht  und  Unerschrockenheit
  seiner  Schaaren,  wie  in  deren  trefflich  gewählten

 

*7)  Das  Kienmaierssche  Corps  cantonirte  in  der  Gegend
von  Brir,  und  hatte  Theresienstadt  besetzt.  Die  Corps
Reuß,  Bellegarde,  Klenau  (vormals  Hiller),
Hohenzollern,  hatten  sich  nach  und  nach,  nach  Ungarn
hinter  die  Waag  gezogen.  Das  durch  die  vorhergehenden
Schlachten  sehr  zusammengeschmolzene  Corps  Rosenberg
stand  in  und  bei  Ollmütz.  Das  Corps  Collowrathcantonirte
  bei  Leutomichel,  woselbst  der  den  Oberbefehl  über
die  Corps  Kienmaier,  Rosenberg  und  Collowrath
  führende  Erzherzog  Ferdinand  sein  Hauptgelager
  hatte.  Das  Corps  des  Erzherzogs  Johann  stand
mit  einem  Theil  der  ungarischen  Insurrections=  Armee
in  der  Schütt.  Das  Corps  Chateller's  bei  Comorn.
Das  Corps  Giulap  in  der  Gegend  von  Agram,  und  zum
Theil  hinter  Raab.
        <pb n="359" />
        —  355  —

drohendem  Stand  auf  eroberter  Erde.)  Jeder  Tog,
an  welchem  fruchtlos  über  Frieden  verhandelt  ward,
mußte  dem  dsterreichischen  Staate  verderbenschwer  seyn.
Das  bewog  auch  den  Kaiser  Franzz,  alles  zu  thun,  um
eine  feindliche  oder  freundliche  Entscheidung  der  Dinge
so  schnell,  als  mdglich,  herbeizuführen.  Er  sandte  den
Fürsten  Johann  von  Lichtenstein  mit  ausgedehnten
  Vollmachten  in's  Hauptgelager  Napoleon's  nach
Schönbrunn,  zum  Unterhandeln.

Dies  schien  dem  Scharfblick  des  Kaisers  der  Franzosen
  der  angemessene  Augenblick,  die  Unterwerfung  des
Tiroler-Landes  endlich  erust  und  mit  hinreichenden  Kräften
  zu  betreiben.  Er  gab  Befehl,  daß  Generallieutenant
Wrede,  mit  dem  grdßern  Theil  seiner  Truppen,  von
Linz  und  Passau  nach  Salzburg  aufbrechen  sollte.  Dann
übergab  er,  an  des  Herzogs  von  Danzig  Stelle,  welchen
  er  zu  sich  nach  Wien  berief  (8ten  October),  dem

*)  Das  Corps  des  Marschalls  Davoust  hatte  den  östlichen
Theil  von  Mähren,  —  das  des  Marschalls  Massena
den  westlichen  Theil  genannter  Provinz;  —  das  Corps
des  Herzogs  von  Danzig  (die  Baiern)  Ober-Oesterreich
und  Salzburg,  Generallieutenant  Wrede  Linz  und  Passau,
  —  die  italienische  Armee  unter  dem  Vice-König,
Prinzen  Eugen,  das  Littorale,  Krain,  Kärnthen,  Stepermark,
  und  den  in  französischen  Händen  gebliebenen  Theil
Ungarns  besetzt;  —  das  Corps  Macdonaldss  bewachte
die  umliegende  Gegend  von  Graͤtz;  die  Corps  Oudinot
und  Marmont  hatten  sich  gegen  die  March  in  Bewegung
gesetzt;  General  Regnier  schuͤtzte,  sein  Hauptquartier
zu  Presburg,  mit  den  Sachsen,  den  links  der  Donau
liegenden  Theil  von  Ungarn,  waͤhrend  die  franzoͤsischen
Leibwachen  und  die  königlich  würtembergischen  Truppen
Wien  und  das  kaiserliche  Hauptgquartier  deckten.

23  *
        <pb n="360" />
        —  356  —

Divisions-General  Grafen  Drouet  den  Oberbefehl  über
die  Baiern  gegen  Tirol.  Der  Herzog  verließ  das  von
ihm  bisher  angeführte  Heer  nicht,  ohne  ihm  bffentlich
seine  Achtung  zu  bezengen.)

Mittlerweile  herrschte  in  Tirol  die  alte  Verblendung,
der  alte  Trotz,  genährt  durch  Aussprengung  der  lügenhaftesten
  Berichte  über  die  traurige  Lage  der  Franzosen,
und  über  die  unglaublichen  Siege  Oesterreichs.  Jede
Belehrung  blieb  eitel.  Der  baierische  Oberlieutenant
Baron  Volderndorff,  befand  sich  damals,  als  Kriegegefangener,
  zu  Innsbruck.  Er  war  von  den  Tirolern
im  August,  auf  einer  Courier-Reise  von  Innsbruck  nach
München,  unterwegs  aufgehoben  worden.  Um  nicht

 

*)  Ordre  du  ?7me  corps.

Bavarois!  Sa  Majesté  l’Empereur  mon  Maitre  en
m'appellant  pres  4TElle,  m’'’ordonne  de  confier  le  commandement,
  au  général  comte  Drouet;  je  vous  ai
souvent  parlé  de  son  mérite  et  de  ses  talents  militaires;
cet  officier  genéral  est  distingué  au  milien  des  plus
braves  et  des  plus  experimentés  des  généraux  de  l'invincible
  armée  frangaise.

Loin  de  vous  je  vous  accompagnerai  dans  vos  travaux,
  dans  vos,.succés,  rien  de  ce  qui  vous  interessera
ne  me  sera  etranger  et  ce  sera  un  vrai  bonheur  pour
moi  de  faire  connaitre  à  mon  Empereur  tous  ceux  qui
se  sont  particulièrement  distingus  sous  mes  Feusx  et
qui  ont  le  plus  mérite  par  leur  devouement  et  leur
courage,  pendant  cette  campagne;  le  solliciterai  de
nouveau  pour  eux  les  recompenses  dues  au  courage
et  aux  grandes  actions.

Au  quartier  général  à  Salzbourg  le  11.  Octobre  1809.

le  Marêchal  Duc  de  Danzig.
sign  Letkebre.
        <pb n="361" />
        —  357  —

unthätig  zu  bleiben,  that  er  dem  Sandwirth  Hofer  das
Anerbieten,  nach  München  zu  gehen,  und  dort  eine
Auswechslung  der  kriegsgefangenen  baierischen  Offiziere
gegen  diejenigen  achtbaren  Personen  zu  bewirken,  welche
als  Geiseln  aus  dem  Tirol  entführt  worden  waren;  im
Fall  des  Nichtgelingens  wollte  er  sich  wieder  als  Gefangener
  in  Innsbruck  stellen.  Hofer  genehmigte  den
Antrag.  Völderndorff,  dem  in  München  nicht  entsprochen
  werden  konnte,  weil  die  Tiroler-Geiseln  schon
nach  Frankreich  abgeführt  waren,  begab  sich  mit  Aufträgen
  seines  Monarchen  für  den  beabsichtigten  Zweck
in's  franzdsische  Hauptgelager  nach  Schdubrunn.  Sowohl
  vom  Kaiser,  als  vom  Fürsten  von  Neuschatel
mit  entsprechenden  Zusicherungen  und  Briefen  für  den
Kdnig  von  Baiern  entlassen,  kam  er  nach  München  zurück,
  und  —  fand  sich  getäuscht.  Denn  die  Depeschen,
welche  er  überbrachte,  redeten  nur  vom  nahen  Abschluß
des  Friedens,  nicht  von  den  Geiseln.  Also  begab  er  sich,
seinem  Worte  treu,  zurück  in  die  Tiroler-Kriegsgefangenschaft.
  Hofer  und  dessen  Umgebungen  empfingen
ihn  mit  Zutrauen  und  Wohlwollen;  waren  auch,  bei
Anhbdrung  seiner  Berichte  über  den  Zustand  der  Dinge
in  Oesterreich,  über  die  Nähe  des  Friedens,  über  die
Gefahr  Tirols  bei  fernerem  Widerstande,  sogar  entschlossen,
  auf  Völderndorff's  Vorschlag,  eine  Abordnung
an  Napoleon  zu  machen,  wenn  derselbe  nach  München
  kommen  wurde.  Plbtzlich  aber  änderte  das  Erscheinen
  zweier  Häupter  des  Aufstandes  Alles.  Eisenstecken
  und  Sieberer  kamen  (28sten  September)
vom  kaiserlich=  dsterreichischen  Hoflager  nach  Innsbruck,
überreichten  dem  Andreas  Hofer,  als  Zeichen  kaiserlicher
  Gnade,  die  große  goldene  Verdienst  -Medaille,
        <pb n="362" />
        —  358  —

3000  Ducaten  in  Gold,  ein  kaiserliches  Handschreiben,
und  neue  Aufforderung  zum  Widerstand,  der  durch
Oesterreich  kräftig  mit  Geld  und  Mannschaft  unterstützt
werden  sollte.  Die  Männer  hatten  das  Hoflager  des
Kaisers  Franz  erst  am  15ten  September  verlassen.  Wie
hätte  man  ihnen  nicht  Glauben  beimessen  sollen?  Volderndorff's
  Aussagen  waren  damit  entkräftet.  So
wurde  Tirol  ins  grenzenloseste  Verderben  gestürzt.

General  Drouet,  sobald  er  in  Salzburg  den
Oberbefehl  übernommen  hatte,  beschleunigte  sogleich  den
Heranzug  der  Division  Wrede,  und  ertheilte  dem  Generallieutenant
  Deroy,  der  seine  Streitkräfte  bei  Rosenheim
  und  Benedictbeuern  zusammengezogen  hatte,
Befehl,  sich  hinter  Kufstein  aufzustellen.  Alles  deutete
an,  es  solle  zum  Angriff  geschritten  werden.  Doch  ehe
wir  von  diesem  erzählen,  wollen  wir  einen  Blick  auf  das
südliche  Tirol  werfen,  wo  der  Brigade-General  Peyri
um  die  Mitte  Septembers  bei  Dolce  mit  4000  Mann
stand.

Dieser  hatte  vom  General  Caffarelli,  damaligen
Kriegsminister  des  Kdnigreichs  Italien,  Befehl  erhalten,
(25sten  September)  nach  Trient  vorzurücken.  Auf  dem
Wege  dahin  hatte  er  zwei  naturfeste  Puncte,  Ala  und
Roveredo  zu  überwinden.  Jener  deckt  die  Stellung  von
Seravalle,  dieser  die  von  Caliano.  Trient  selbst  war
theils  durch  den  Fersina-Strom,  theils  durch  den  Punct
Bacco  di  Vela  geschützt,  der  die  Verbindung  mit  Verrano
  und  Giudiciarie  gewährt.  General  Peyri  setzte
sich  also,  in  drei  Colonnen  (Lösten  September)  in  Bewegung;
  die  eine  am  rechten  Etschufer  aufwärts  über
Bacco  di  Vela;  die  andere  über  das  Gebirg  rechts,  um
        <pb n="363" />
        —  350  —

Ala  und  Roveredo  zu  umgehen;  die  dritte  zwischen  beiden
auf  der  großen  Straße,  um  sich  beim  Orte  Volano  mit
der  zweiten  gegen  die  Fersina-Brücke  zu  vereinigen.
Die  Colonne  auf  dem  linken  Flügel,  vier  Bataillone
unter  dem  Obersten  Gavotti,  sobald  sie  erfuhr,  der
Punct  Avio  sey  verschanzt,  spaltete  sich  abermals,  um
Avio  zu  umgehen.  Die  eine  zog  längs  der  Etsch  auf
Avio  zu,  die  andere  über  Ferrara  und  la  Madonna  della
Neva.  Pileante  sollte  der  Wiedervereinigungs-Ort  beider
seyn.  So  ward  Avio,  vor  Tagesanbruch  (Lsten  Sept.)
angegriffen,  indem  zugleich  Oberst  Peyri  auf  dem  rechten
  Etschufer  eine  Haubitze,  und  einen  Dreipfünder,  auf
Schußweite  gegen  die  feindliche  Seite  vorgesandt  hatte.
Die  überraschten  Insurgenten  flohen  in  solchem  Schrecken
davon,  daß  sie  ihre  Verwundeten,  Todten,  Waffen  und
Geräthschaften  zurückließen.  Sie  wurden  bis  über  Milcomte
  hinaus  verfolgt.  Da  in  dieser  Zeit  auch  die  Colonne
  rechts  unter  dem  Oberst  Levic  durch  das  Gebirg
und  das  von  Campo  Brun  herablaufende  Thal,  bis
hinter  Ala  vorgedrungen  war,  zog  die  Mittelcolonne
ohne  Hinderniß  in  diese  Stadt  ein,  deren  Einwohner
entwaffnet,  und  deren  Fahrzeuge  auf's  linke  Etschufer
gebracht  wurden.

Folgendes  Tages  ward  der  Zug  fortgesetzt,  nachdem
in  Ala  eine  Besatzung  von  145  Mamn  hinterlassen  war.
Oberst  Gavotti,  bei  der  Colonne  zur  Linken,  theilte
diese  abermals,  so  daß  eine  Hälfte  an  der  Etsch  hinauf
nach  Mori,  die  andere  im  Gebirg  über  Brintonico  dahin
  gehen  mußte.  Bei  Brintonico  hatten  sich  die  Tiroler
verschanzt.  Ihre  Vorposten  wurden  geworfen;  ihre
Werke  mit  dem  Bajonnett  erstürmt;  ihre  Mannschaften
mit  sehr  bedeutendem  Verlust  zersprengt.  So  kam  Ga-
        <pb n="364" />
        —  360  —

votti  Nachmittags  über  Villa,  wo  er  300  Mann  stehen
ließ,  nach  Idera;  fast  zu  gleicher  Zeit  die  Colonne  zur
Rechten  nach  Roveredo.  Die  Stadt  wurde  also  ohne
Widerstand  genommen  und  entwafsfnet;  die  vom  Feind
besetzte  verschanzte  Stellung  bei  Seravalle  war  umgangen,
  und  mußte  von  ihm  ohne  Schwertstreich  verlassen
werden.

Wie  in  den  vorhergegangenen  Tagen,  trennte  sich
auch  am  dritten  Tage,  auf  dem  Zuge  nach  Trient,
Gavotti's  Colonne,  so  daß  ein  Theil  derselben  längs
der  Etsch  gegen  den  Brückenkopf  von  Trient,  der  andere
durch  die  Berge  über  Bucco  di  Vela  und  Verrano  vorrücken
  mußte.  Diese  letztere  Abtheilung,  ein  Bataillon
stark,  nahm  Bucco  di  Vela;  und  erstürmte  dann  das
hart  vertheidigte  Dorf  Vezzano,  wo  eine  große  ZJahl
der  Feinde,  meistens  Soldaten  aus  den  österreichischen
Regimentern  Hohenlohe,  Bartenstein  und  Lusignan,
  niedergehauen  wurde.  Ruhiger  setzte  die  andere
Abtheilung  ihren  Weg  fort.  Sie  so  wenig  ale  die  übrigen
  Colonnen,  fanden  von  Roveredo  hinweg,  wo  man
einige  hundert  Mann  Besatzung  gelassen  hatte,  Widerstand;
  selbst  die  wichtige  Stellung  bei  Cafel  di  Pietra,
ohnweit  Casiaco,  welche  im  Jahre  1706  von  den  Oesterreichern
  so  vortheilhaft  benutzt  worden  war,  selbst  die
von  Matarello  machten  keinen  Aufenthalt.  Die  Tiroler
hatten  sich  von  Trient,  an  der  Fersina  zusammengezogen.
Hier  erst  leisteten  sie  Gegemwehr,  und  hartnäckige,  bis
die  erste  Colonne  durch  sie  hinbrach,  und  vermengt  mit
kämpfenden  und  fliehenden  Bauern  in  die  Stadt  drang.
Die  Straßen  wurden  mit  Todten  bedeckt.  Mehrere  hundert
  ertranken  auf  der  Flucht  in  der  Etsch,  weil  die
Franzosen-Italiener  schon  die  Etschbrücke  besetzt  hielten.
        <pb n="365" />
        —  361  —

Man  berechnete  die  Zahl  der  Umgekommenen  auf  800,
die  der  Gefangenen  auf  150  Mann.

General  Pepri,  seine  Vortheile  und  den  Schrecken
des  Feindes  zu  benützen,  ließ  noch  die  Insurgenten  aus
Pergine  verjagen,  dann  durch  den  Obersten  Levié  mit
einem  Regiment  und  zwei  Feuerschlünden  die  Feinde  aus
Gardolo  nach  Lavis  treiben,  die  ersten  Häuser  von  Lavis
selbst  stürmen,  und  den  Uebergang  über  den  Laviser-Strom
  versuchen.  Allein  die  Brücke  hier  war  abgeworfen;
  der  Gegner  zu  einer  überlegenen  Masse  von  5000
Mann  erwachsen.  Er  begnügte  sich  also  mit  Besetzung
von  Bucco  di  Vela,  Santa  Croce,  Gardolo  und  Pergine,
und  zog,  mit  geringem  Verlust,  nach  Trient  zurück.

Sobald  er  aber  frische  Verstärkung  durch  zwei  franzdsische
  Linien-Regimenter  und  eine  Abtheilung  National=Garden
  der  Brenta,  von  Bassano  her  (30sten  September)
empfangen  hatte,  brach  (#ten  October)  er  mit  gesammter
Macht  wiederum  gegen  Lavis  auf,  und  ließ  den  Bataillons-Chef
  Perceval  mit  einem  Regimente  seitwärts
über  die  Berge  gehen,  um  bei  Sigongano  über  den  Lavis-Strom
  nach  Cembra,  den  Feinden  in  die  Seite,  zu  kommen.
  Damit  das  Regiment  für  den  Umweg  Zeit  genug
behalte,  verzdgerte  er  den  Hauptangriff  bis  Nachmittags.
Die  Insurgenten  hatten  bei  Lavis  die  Ufer  des  Stroms
auf  beiden  Seiten  der  Brücke  mit  Pfahlwerk  gedeckt.
Sie  vertheidigten  sich  lebhaft  mit  Büchsen=  und  Kanonenfeuer,
  als  zwei  italienische  Bataillone,  unterstutzt  von
fünf  Feuerschlünden,  den  Angriff  gegen  die  Brücke  begannen.
  Allein  das  Gefecht  endete  bald,  als  es  dem
Major  Bougault  gelungen  war,  mit  einer  beträchtlichen
  Abtheilung  Fußvolkes,  Reiterei,  und  zwei  Kano-
        <pb n="366" />
        —  362  —

nen,  oberhalb  Lavis  durch  den  Strom  zu  setzen,  das
Dorf  zu  umgehen,  und  den  Insurgenten  ploͤtzlich  in  den
Ruͤcken  zu  donnern.  Sie  flohen  mit  Verlust  von  50  Gefangenen,
  400  Todten  und  Verwundeten  und  einer  Kanone,
  verfolgt  bis  hinter  St.  Michael.  Oberstlieutenant
Perceval  hingegen  war  auf  seiner  Seitenbewegung
durchs  Gebirg  nicht  so  glücklich  gewesen.  Er  hatte  die
Brücke  bei  Segonzano  abgetragen  gefunden,  den  Strom
hochgeschwollen  und  reißend,  und  durch  die  Insurgenten
stark  und  vortheilhaft  geschützt.  Er  mußte  sich  daher
mit  einigem  Verlust  nach  Serignano  zurückziehen,  und
konnte  erst  folgenden  Morgens  nach  Lavis  kommen.
Die  Insurgenten  hatten  inzwischen  Zuzug  aus  dem
deutschen  Tirol  erhalten.  So  machten  sie  nun  einige
Tage  nachher  (5ten  October)  allgemeinen  Angriff  auf
Pepri's  Stellungen,  von  Lavis  bis  Bucco  di  Vela.
Trotz  ihrer  Ueberlegenheit  aber  wurden  sie  aller  Orten
zurückgeschlagen.  Währenddem  heulten  weit  umher  im
Lande  die  Sturmglocken.  Frische  Haufen  des  Aufstandes
strdmten,  racheschnaubend,  allseitig  heran  in  der  Nacht.
Bei  20,000  Mann  stark  ernenerten  sie  die  Angriffe  gegen
  die  allzugedehnte  Linie  der  Franzosen-Italiener.
Darum  zog  sich  der  General,  ohne  großen  Verlust,  doch
immer  verfolgt,  nach  Trient  zurück,  hier  seine  ganze
Macht  auf  einen  Punct  zusammen,  und  sicherte  seine
Verbindung  mit  Verona  durch  zwei  Bataillone  zu  Marco,
und  durch  zwei  andere  zu  Matarello.  Er  befestigte  das
Schloß  der  Stadt,  und  alle  vortheilhafte  Höhen;  auch
versorgte  er  sich  mit  den  ndthigen  Vorräthen  auf  zwei
Monate.  Die  Tiroler  aber  ihrerseits  rasteten  nicht.
Ohnweit  Roveredo  erschienen  ihre  Jäger  auf  den  Höhen
von  der  Seite  der  Folgario.  Pilcante,  Angesichts  Ala,
        <pb n="367" />
        —  303  —

besetzten  sie  mit  2000  Mann.  Das  von  ihnen  zur  Ueber—
gabe  aufgeforderte  Trient  beschossen  sie  (#ten  October)
einen  ganzen  Tag  lang.

General  Veyri,  welcher  eine  Verstärkung  von  zwei
Bataillons  und  zwei  Reitergeschwadern  an  n  genommen
  hatte,  ließ  sich  nicht  länger  trotzen.  Er  schickte
(loten  October)  den  Bataillons-Chef  “s
durch  das  Aquiler-  Thor  mit  800  Mann  aus;  200  derselben
  mußten  sich,  eine  Stunde  vor  der  Stadt,  des
Frauenklosters  durch  Ueberfall  bemächtigen,  und  den
feindlichen  Posten  aus  den  Einschnitten  verjagen,  die
die  Bauern  in  die  Mühlbäche  der  Stadt  gemacht  hatten;
300  mußten  sich  der  Höhen  von  Gannodoro  bemächtigen,
die  das  Kloster  beherrschten.  Dann  griff  der  General
selbst  die  ganze  Linie  des  Feindes  an.  Zwanzig  Stunden
  lang  währte  ununterbrochen  das  Feuer  aus  dem
kleinen  Gewehr  und  groben  Geschütz,  bis  den  Tirolern
ein  Bataillon  Neapolitaner,  aus  dem  Thore  St.  Martin
hervorgegangen,  in  den  Rücken  fuhr,  wo  sie  dann,  in
ihren  Reihen  durchbrochen,  von  allen  Seiten  beschossen,
in  wildester  Unordnung  auseinander  flöhen.  Sie  ließen
eine  Menge  ihrer  Todten,  ihre  Magazine  in  Martignano,
sogar  Gardolo,  Lavis  und  selbst  Bucco  di  Vela  unbesetzt
  zurück.

So  standen  hier  die  Sachen,  als  General  Peyri
zu  einer  andern  Bestimmung  abgerufen  ward,  und  statt
seiner  General  Vial,  in  Trient  (13ten  October)  angekommen,
  den  Oberbefehl  übernahm.  )  Vial  begnigte
)  Die  Truppen  hatten  bamals  hier  folgende  Stellung:  —

Zwei  Bataillone,  765  Mann,  standen  in  Cadine  und
Bucco  di  Vela;  —  zwei  Bataillone,  1005  Mann,  in
        <pb n="368" />
        —  364  —

sich  Anfangs  mit  Besetzung  des  Punctes  Mori  durch
zwei  Bataillone,  um  den  von  Verona  kommenden  Truppen
  offenen  Weg  zu  halten.  Er  entwaffnete  das  Land,
so  weit  er  reichte,  und  erforschte,  durch  Aussendungen,
Stärke  und  Stellung  der  Infurgenten,  die  sich  auch  wieder
  in  das  verlassene  Lavis  festgesetzt  hatten.  Dann
machte  er  Cisten  October)  eine  Bewegung  gegen  Lavis,
die  aber  mihlang.  Er  selbst  machte  nur  einen  Schein-Angriff
  gegen:  das  Dorf,  in  welches  schon  einige  seiner
Jaͤger,  die  durch  den  Strom  geschwommen  waren,  eindrangen.
  Allein  der  Haupstreich  sollte  vom  General
Digonet  gefuͤhrt  werden,  der  an  der  Etsch  aufwaͤrts
mit  vier  Bataillonen,  sich  der  Puncte  Mazzo  Lombardo,

Rez  zo  Tedelco  und  Cadine  bemeistern,  dann  bei  St.

Michael  auf  der  Faͤhre  uͤber  die  Etsch  gehen  sollte.  Alles
zelang.  Selbst  die  Fähre  war-  schon  unter  dem  hefrtigsten
  Feuer  der  Tikoler  gewonnen,  als  einer  der  Insurgenten,
  mitten  im  Kugelregen,  den  Strick  zerschnitt,  an
welchem  die  Fähre  geleitet  wurde.  So  mußte  er  zurück.

Monte  delle  Valls,  Menno  und  Trient;  —  zwei  Bataillone,
  687  Mann,  in  VPergine  und  Eivezzano;  —  ein
Bataillon,  669  Mann,  in  Martignone  und  Cagnola;  —
ein  Bataillon,  505  Mann,  in  Trient;  —  zwei  Batgillone,
720  Mann  in  Gardolo;  —  ein  Bataillon,  454  Mann,
in  Roveredo  und  Ala;  —  zwei  Escadrons,  280  Mann,
in  Pergine  und  Trient;  —  eine  Abtheilung  Jäger  zu
Perd,  783  Mann,  in  Trient;  —  Artillerie-Train,  Sappeurs,
  drei  Haubißen,  sechs  Kanonen,  in  Trient;  —=das
  Ganze  ohngefähr  5518  Mann  stark.

Vermehrt  wurde  diese  Divisson  in  der  Folge  nach  und
nach  durch  fünf  Bataillone,  welche  ohngefähr  2131  Mann
stark  waren.
        <pb n="369" />
        —  365  —

Vial  erhielt  vom  Prinzen  Vicekbnig  Befehl,
bis  auf  weitere  Weisung  nichts  Ernsthaftes  zu  unternehmen.
  Diese  erschien  endlich  (20sten  October);  er  solle
am  bten  November  in  Botzen  seyn,  und  dem  General
Peyri  in  Belluno  auftragen,  in  derselben  Zeit  mit  dem
zu  Bellund  gesammelten  Kriegsvolk  über  Cadore  nach
Colman,  zwischen  Botzen  und  Brixren,  einzutreffen.
Schon  hatte  Vial,  von  welchem  Andreas  Hofer  jetzt
vergebens  einen  Waffenstillstand  forderte,  den  Punct
Segonzano  besetzt,  seine  Schaaren  zusammengenommen,
und  Alles  zum  allgemeinen  Angriff  vorbereitet,  als  ein
neuer  Befehl  des  Vicekdnigs  die  Fortsetzung  der  Bewegung
  um  zwei  Tage  verschob.  Dieser  Umstand  brachte
einige  Gefahr.  Denn  die  Insurgenten  hatten  sogleich
die  schon  geräumte  Stellung  von  Pergine  besetzt;  bedrohten
  Cadine,  und  setzten,  sobald  Vial's  Division  über
Lavis  hinaus  gewesen  wäre,  selbst  Trient  in  Bedrängniß.
Vial,  um  seine  Seiten  frei  zu  machen,  verstärkte  also
die  Besatzung  von  Cadine  durch  ein  Bataillon;  schickte
zwei  Schlachthaufen  über  Matarello  und  Levico  nach
Pergine,  zwei  andere  nebst  200  Jägern  und  zwei  Kanonen,
  auf  der  Straße  nach  Civezzano,  und  noch  zwei
andere  von  Segonzano  durch  das  Pinéthal  ebenfalls  nach
Pergine.  Alles  gelang.  Die  Insurgenten  wurden  bei
Cadine  geschlagen,  und  bis  an  die  Noce  zurückgeworfen;
Pergine  wurde  wieder  gewonnen,  nur  entkamen  die
Insurgenten  auf  der  Flucht  glücklich  durch's  Cancathal,
weil  die  durch  das  Pinêthal  geschickten  Bataillone,  statt
in  dieses  Thal,  unterhalb  Bedol  vorwärts  zogen,  und
hier  von  überlegener  Macht  der  Tiroler  angefallen,  die
kostbare  Zeit  in  einem  heftigen  Kampf  verloren.

Es  war  durch  die  starken  Bewegungen  der  Insur-
        <pb n="370" />
        —  366  —

genten  gegen  Segonzano  und  Bedol  außer  Zweifel,  daß
sie,  sobald  Vial  fern  genug  seyn  würde,  die  Wegnahme
  Trient's  hinter  ihm  beabsichtigten.  Er  warf  daher
  sogleich  den  gröoßten  Theil  seiner  Macht  auf  seinen
rechten  Flügel  herüber;  schickte  drei  Bataillone  von  Civezzano
  über  Pergine  durch's  Cancathal  nach  Bedol;
ließ  Lavis  selbst  durch  zwei  Schlachthaufen  mit  zwei
Feuerschlünden  bedrohen,  und  ging  indessen  an  der  Spitze
von  sechs  Bataillonen,  der  Reiterei  und  zwei  Kanonen,
von  Trient  nach  Segonzano  (öten  November),  das  bei
seinem  Herannahen  vom  Feinde  geräumt  wurde.

Die  Insurgenten,  vermuthlich  schon  von  der  Bewegung
  des  Generals  Peyri  gegen  Botzen  benachrichtiget
  und  geschreckt,  begehrten  noch  einmal  Waffenstillstand.
  Vial  dagegen  forderte  von  ihnen  Niederlegung
der  Waffen,  erschien  mit  seinen  Truppen-Abtheilungen
(aten  November)  am  Lavisstrom,  und  setzte  ohne  Widerstand
  hinüber,  weil  sich  die  Tiroler  eiligst  nach  Botzen
zurüuckgezogen  hatten.  Lavis  wurde  besetzt,  ebenso  die
Höhen,  welche  St.  Michael  beherrschen;  desgleichen
durch  sechs  Bataillone  die  Puncte  Cembra,  Faver,  Grumen
  und  Carbonara,  von  wo  sich  die  Hauptschluchten
des  Gebirgs  nach  Salurn  und  Neumarkt  dffnen.  Zwei
Bataillone  mußten  über  Cavalese  und  Pansa  nach  Will,
oberhalb  Neumarkt;  vier  andere  nach  Salurn  durch  die
Schlucht  von  Apochi  und  Lago-Brun.  Trient  hingegen,
Cadine,  Ala,  Roveredo,  Bucco  di  Vela,  im  Rücken
der  Heerschaar,  blieben  mäßig  besetzt.

Folgendes  Tages  hatte  General  Vial  schon  sein
Hauptgelager  zu  Neumarkt,  seinen  Vortrab  zu  Branzoll
ohnweit  Botzen,  als  er  von  der  bedenklichen  Lage  des
        <pb n="371" />
        —  307  —

Generals  Peyri  Nachricht  bekam,  der  sich  wirklich  in
Botzen  befand.

Pepri,  der  vorzüglich  deswegen  nach  Botzen  vorgeschickt
  war,  um  einerseits  die  ganze  Aufmerksamkeit
der  Tiroler  dahin  zu  lenken,  andererseits  die  Vereinigung
der  Division  Vial  mit  einem  Corps  des  Generals  Baraguay-d'.
  Hilliers  zu  erleichtern,  welches  durch  das  Draunthal
  nach  Briren  vordringen  sollte,  war  nur  mit  900
Mann  von  Belluno  aufgebrochen.  Schon  an  der  Grenze
Tirols  empfingen  ihn  (#ten  November)  die  Tiroler  mit
lebhaftem  Büchsenfeuer,  und  von  den  Höhen  von  St.
Lucia  niedergerollten  Felsenstücken.  Er  vertrieb  sie,
durch  Besetzung  der  Hbhen,  und  ging  nach  Buchenstein,
welches  man  ihm  durch  Unterhandlung  einräumte,  sobald
  er  verhieß,  den  Ort  mit  Plünderung  zu  verschonen.
Am  andern  Tage,  als  er  über  den  Berg  Campo  lungo
nach  Confana  gekommen  war,  fand  er  beträchtliche
Schaaren  des  Aufstandes  vortheilhaft  bei  Colfoseo  aufgestellt,
  um  ihm  den  Eingang  in's  Gardenathal  zu  verwehren.
  Er  schickte  sogleich  einen  Theil  seiner  Mannz
schaft  auf  Umwegen  aus,  die  Stellung  im  Rücken,  einen
andern  Theil,  sie  von  der  Seite  anzugreifen.  Er  selbst
rückte  mit  dem  Großtheil  langsam  fort,  um  den  Anderen
Zeit  zu  geben,  ihre  Bestimmungen  zu  erreichen.  Ja,
er  sandte  zu  diesem  Zweck  noch  einen  Geistlichen,  als
Unterhändler,  zu  den  Insurgenten,  der  sie  zu  gänzlicher
Unterwerfung  bereden  sollte.  Man  verlangte  statt  dessen
von  ihm  er  solle  die  Wassen  strecken.  Während  dem
hatten  die  Uebrigen  ihre  Ziele  erreicht.  Sie  griffen  seitwärts
  und  von  hinten  an;  Peyri  ungestüm,  mit  dem
Großtheil  seiner  Mannschaft,  von  der  Stirnseite.  Mit
Entsetzen  slohen  die  Ueberrumpelten.  So  gewann  Ge-
        <pb n="372" />
        —  36686  —

neral  Peyri  freien  Durchzug  nach  Santa  Maria  und
weiter,  setzte,  wie  ermuͤdet  auch  seine  Krieger  waren,
tief  in  der  Nacht  seine  Bewegung  fort,  und  oft  in  solcher
  Nähe  von  den  Insurgenten,  daß  deren  Wachtfeuer
ihm  oft  die  äußerst  beschwerlichen  Wege  durch  Gestein
und  Dickigt  erleuchteten,  und  er  unterwegs  mehrere
Spähwachten  der  Bauern  überraschte  und  auffing.  So
erreichte  er  das  Dorf  Bruck,  an  der  Mündung  des  Gredner-Fläßleins.
  Hier  erwartete  er  den  Anbruch  des  folgenden
  Tages  (#ten  November),  drang  dann  rasch  mit  dem
Bajonnett  in  das  vom  Gegner  tapfer  vertheidigte  Dorf
ein,  zwang  die  Insurgenten  zur  Flucht,  welche  danmn
abermals  Unterhandlungen  anknüpften.  Die  Unterhandlungen
  sollten  ihn  aber  nur  sicher  machen,  denn  noch
während  derselben  überfielen  sie  eines  seiner  vorgeschobenen
  Pikets.  Sofort  machte  er  allgemeinen  Angriff
gegen  sie,  und  schlug  sie  dermaßen  auseinander,  daß  sie
weder  die  über  den  Bach  geworfenen  Bretter  zur  Sicherheit
  ihrer  Flucht  zurückziehen,  noch  die  Eisackbrücke  abwerfen
  konnten.  So  erreichte  er  den  Punct  Colman.
Doch  auch  hier  war's  nicht  Zeit,  in  der  Mitte  zahlreicher
  Schwärme  des  allgemeinen  Aufstandes  zu  verweilen.
  Trotz  des  ununterbrochenen  Feuers,  vorzuüglich
vom  Ritterberg  gegen  ihn  gerichtet,  trotz  der  gegen  seinen
  Zug  von  der  Höohe  herniedergerollten  Felsensteine,
nahm  er,  wie  ihm  geboten  war,  die  Richtung  nach
Botzen.  Hier,  die  Hdhen  von  Santa  Madalena  besetzt
haltend,  rückte  er,  Nachmittags  um  2  Uhr,  ohne  Widerstand
  ein,  in  der  Hoffnung,  den  General  Vial  zu
finden.  Er  fand  sich  getäuscht;  hatte  beinahe  keine  Munition
  mehr;  hatte  an  diesem  Tage  einen  Verlust  von
57  Todten,  75  Verwundeten  und  0  Vermißten  gehabt;
hatte
        <pb n="373" />
        —  369  —

hatte  jetzt  eine  offene  Stadt  gegen  die  feindliche  Uebermacht
  zu  vertheidigen.  Er  sandte  in  Eile  dem  General
Vial  einen  sicheren  Boten;  verrammelte  alle  Zugaͤnge
der  Stadt  auf  tuͤchtige  Weise,  und  stellte  Posten  aus
an  der  Tauferer-,  an  der  Eisack-Bruͤcke,  und  beim
Mauthhause  Eisenstange.

Noch  spät  Abends  trieben  aber  die  Insurgenten  seinen
  Posten  von  der  Santa  Madalenen-Höhe  herab  in
die  Stadt,  und  in  der  Nacht  verstärkten  sie  sich  durch
die  Haufen,  welche  bei  Annäherung  der  Diovision  Vial
die  Ufer  des  Lavisstromes  verlassen  hatten.  Dann  griffen
sie  folgendes  Tages  zweimal  in  Masse  die  Stadt  an.
Zweimal  wurden  sie,  zuletzt  nur,  wegen  Mangel  an
Pulver  und  Blei,  mit  dem  Bajonnett  zurückgeworfen.
Endlich,  Abends  5  Uhr,  langte  vom  General  Vial  gesandt,
  dessen  Reiterei,  unter  General  Digonnet,  nebst
zwei  mit  Postpferden  bespannten  Infanterie-Munitions=Wagen
  an.  So  ward  Peyri  gerettet.  Denn  die  Insurgenten
  hatten  beschlossen  gehabt,  Botzen  des  Nachts
mit  Sturm  zu  nehmen.  Vial  selbst  traf  am  andern
Tage  mit  fünf  Bataillonen  und  dem  schweren  Geschäütz
ein.  Diesem  folgten  später  noch  drei  andere  Bataillone,
welche  hinter  sich  die  Brücken  bei  Salurn  und  Neumark
abgebrannt  hatten,  um  den  RNücken  der  Stellung  bei
Botzen,  gegen  die  Insurgenten  vom  linken  Etschufer
zu  decken.

Vial  begnügte  sich  für  den  Anfang  damit,  die
vom  Feinde  besetzten  Hdhen  von  San-Loretto,  am  rechten
  Eisackufer,  zu  säubern,  indem  er  sie  von  zwei  Bataillonen
  umgehen,  und  zugleich  von  zwei  andern  auf
der  Stirnseite  angreifen  ließ.  Die  Sache  war  schnell
abgethan.  Er  wollte  dann  am  andern  Tage  allgemeinen

II.  5½s  Buch.  24
        <pb n="374" />
        —  370  —

Angriff  auf  die  Insurgenten-Schaaren  machen;  allein
schon  in  der  Nacht  vorher  waren  sie  eilfertig  zurückgegangen.
  Vial  stellte  nun  seine  Division  (rten  November)
  zwischen  der  Eisack,  bei  Stal,  und  der  Etsch,
an  der  Brücke  bei  Sigimund  auf');  entwaffnete  die
Landschaft  umher;  sandte  mobile  Colonnen  aus,  welche
mehrere  franzbsisch  -italienische  und  baierische  Kriegsgefangene
  befreieten,  und  stellte  die  innere  Landesverwaltung
  und  dffentliche  Sicherheit  her,  während  zwei
Bataillone  des  Generals  Digonnet  am  linken  Etschufer
die  Puncte  Colmann  und  Langenstein  (11ten  November)
besetzten,  um  Nachricht  über  die  Bewegungen  des  Generals
  Baraguay-d'Hilliers  zu  erhalten,  dessen  Ankunft
  durch  das  Drauthal  erwartet  wurde.  Wirklich
erschien  auch  den  nämlichen  Tag  noch  der  Vortrab  dieses
Feldherrn  in  Botzen,  während  er  das  Hauptgelager  in
Briren  hatte.  Andreas  Hofer  sah,  bei  der  Vereinigung
Baraguay-d'H  Hilliers  mit  Peyri  und  Vial  Alles
verloren.  Er  forderte  in  einer  Proclamation  die  Insurgenten
  zur  Niederlegung  der  Waffen  auf.

Der  Zug  des  Generals  Baraguay-d'Hilliers
durch  das  Dranthal,  machte  auch  den  Unfugen  dort  und
in  Kärnthen  zur  rechten  Stunde  ein  Ende.  Demnn  es  war

)Die  erste  Brigade  derselben  lehnte  sich  mit  ihrem  rechten
Flügel  bei  Stul  an  die  Eisack,  mit  ihrem  linken  bei  St.
Peter  an  die  Talfar.  Zwei  Bataillone  blieben  bei  Loretto.
  Die  zweite,  persönlich  von  dem  General  Peyri
befehligte  Brigade,  lehnte  ihren  rechten  Flügel  an  den
linken  der  ersten  Brigade,  und  ihren  linken  Flügel  bei
der  Brücke  von  Sigimund  an  die  Etsch  an.  Jwei  Bataillone,
  die  Cavallerie  und  sechs  Artillerie  =  Stücke,  behielten
  Botzen  besetzt.
        <pb n="375" />
        —  371  —

Plan  von  den  Aufruͤhrern  Tirols,  auch  Kaͤrnthen  mit  in
ihr  Schicksal  zu  verflechten.  Durch's  Gail-  und  Moll-Thal
  zogen  sie  schon  im  Anfang  des  Octobers  gegen
Gmuͤnd  und  gegen  die  Feste  Sachsenburg.  In  dieser
befehligte  damals  der  Bataillons-Chef  Marin,  welchem,
  bei  der  ersten  Anzeige  von  den  Absichten  der  Tiroler,
  General  Rusca  zu  Klagenfurt,  ohne  Verzug,  ein
in  Billach  gestandenes  Bataillon,  durch  den  General
Julhier  zuführen  ließ.  Ein  frischer  Schlachthaufen
mußte  nach  Villach,  um  zur  Unterstützung  des  abgegangenen
  in  der  Nähe  zu  seyn.  Schon  schwärmten  (5ten
October)  die  Insurgenten  ohnweit  Sachsenburg,  zahlreich
bei  Greifenburg  und  Steinfeld.  An  letzterem  Orte  kam
es,  von  Seiten  einer  Absendung  aus  Sachsenburg,  zu
unbedeutendem  Geplänkel.  Ein  auf  der  Straße  nach
Lienz  ausgestellter  Posten  der  Sachsenburger-Besatzung
wurde  fruchtlos  von  den  Aufständischen  angefallen.

Als  aber  General  Julhier  (am  ten  October)  den
Major  Barbieri  gegen  Greifenburg  sandte,  die  Insurgenten
  von  diesem  Punct  zurück  zu  treiben,  gelang  es
zwar;  doch  gerieth  er  selbst  in  große  Gefahr,  da  er  sich
plotzlich  von  einer  überlegenen  Macht  im  Rücken  angefallen
  sah.  Eine  Abtheilung  der  Sachsenburger-Besatzung
  kam  noch  zeitig  zur  Hülfe.  General  Julhier
brachte  nach  diesem  die  Hälfte  des  Bataillons  wieder
nach  Villach;  die  andere  Hälfte  mußte  fleißig,  von
Sachsenburg  aus,  gegen  Greifenburg  und  Steinfeld
streifen.  Die  Insurgenten  waren  verwegen  genug  gewesen,
  in  der  Nähe  von  Sachsenburg  die  bei  Moell  befindliche
  Brücke  abzutragen.  Obwohl  es  dem  Bataillons-=Chef
  Peraldi  gelang,  mit  drei  Compagnien  bis  zur
Brücke  vorzudringen,  während  er  von  zwei  andern  Com-24*
        <pb n="376" />
        —  372  —

pagnien  die  Höhen  besetzen  ließ,  welche  die  Brücke  beherrschten,
  konnte  er  letztere  doch  nicht  sogleich  wieder
herstellen;  denn  jenseits  des  Wassers  standen  500  Tiroler
zu  vortheilhaft  verschanzt.  Auch  ein  später  wiederholter
Versuch  (12ten  October)  gegen  die  Brücke  mißlang.

Der  Bataillons-Chef  Peraldi  empfing  nach  diesem
  den  Befehl,  sein  halbes  Bataillon  mit  der  andern
Hälfte  desselben  zu  Villach  in  Vereinigung  zu  bringen.
Denn  die  Insurgenten-Corps  zogen  immer  zahlreicher,
stärker  und  kühner,  über  Gmünd  und  Millstadt  vor,
mit  Postenausstellungen  bis  Treffen,  nordwärts  Villach.
Letztere  hatte  General  Julhier  zwar  wieder  bis  Afritz
zurückgeworfen;  aber  andere  erschienen  des  nämlichen  Tages
  bei  Spital  und  St.  Hermagor,  gegen  Villach  drohend.
  Peraldi  zog  demnach  über  die  Höhen  am  rechten
  Drauufer,  warf  die  Aufständischen  vor  sich  zurück,
nahm  ihnen  eine  Kanone,  und  kam  über  Paternion  in
Villach  an  (13ten  October).  Als  aber  hierauf  Major
Barbieri  mit  600  Italienern  am  linken  und  rechten
Ufer  der  Drau  hinauf  bis  Paternion  ging,  und,  nach
Herstellung  der  Molzbrücke  oberhalb  Paternion,  die  Tiroler
  von  Spital  verjagen  wollte,  fühlte  er  sich  bald  zu
schwach.  Denn  sie,  die  erst  bei  Biserrak,  Liesereck  und
Spital  etwa  800  Mann  stark  waren,  verstärkten  sich,
von  Molzbruck  her,  plbtzlich  mit  1500  Mann  (löten
October);  während  andere  Streithaufen  des  Aufstandes,
von  Greifenburg  her,  über  Lind,  gegen  Sachsenburg
rückten,  diese  Veste  enger  einzuschließen.  Zweimal  (15ten
und  10ten  October),  doch  immer  vergebens,  griffen
sie  Sachsenburg  mit  stürmender  Faust  an,  wiewohl  sie
schon  beim  ersten  Sturm  200  Todte  auf  dem  Glacis
gehabt  hatten.
        <pb n="377" />
        —  373  —

Daher  mußte  Oherst  Moroni  von  Klagenfurt  her
(10ten  October)  mit  800  Italienern  sich  nach  Paternion
begeben,  und  das  dort  befindliche  Bataillon  an  sich  ziehen,
  um  den  Entsatz  der  Veste  zu  versuchen.  Er  stellte
die  abermals  vom  Feinde  abgeworfene  Manthbrücke  her,
machte  sie  für  schweres  Geschütz  fahrbar;  sprengte  bei
Molzbühel  die  tirolischen  Schützen  -Abtheilungen  auseinander;
  schlug  sich  zu  Mollbruck  mit  dem  Bajonnett  durch
die  feindlichen  Haufen;  jagte  durch  ein  wohlgerichtetes
Feuer  die  Tiroler  aus  ihren  vortheilhaften  Stellungen
am  rechten  Ufer  des  Mollbachs;  konnte  aber  die  Brücke
über  das  Wasser  nicht  herstellen,  weil  es  dazu  an  allem
Nothigen  mangelte.  Indessen  hatte  die  Besatzung  von
Sachsenburg  die  Draubrücke  hergestellt,  daß  sie  auf  der
Straße  nach  Greifenburg  einen  Ausfall  machen,  den
Feind  vertreiben,  und  ihm  dabei  eine  Kanone  nehmen
konnte.  Der  Commandant  von  Sachsenburg  besprach  sich
darauf  über  dem  Wasser  mit  dem  Obersten  Moroni,
und  erhielt  von  ihm  eine  Anzahl  Feuersteine,  woran  er
am  meisten  Mangel  litt.  Dann  zog  sich  Moroni,  weil
er  Noth  an  Lebensmitteln  hatte,  nach  Spital  zurück;
und  konnte  er  auch  das  Wiedereinschließen  der  Veste
durch  die  Insurgenten  (22sten  October)  nicht  hindern,
warf  er  doch  in  einem  zweistündigen  heftigen  Gefecht
auf  allen  Puncten  diejenigen  zurück,  die  an  demselben
Tage  seine  Vorposten  mit  überlegenen  Kräften  angegriffen
  hatten.  Hartnäckiger  noch  war  zwei  Tage  später
der  Kampf  auf  den  Spitaler-Höhen,  in  welchem  zuletzt
das  Bajonnett  entscheiden  mußte,  und  den  Feinden  eine
Sechspfünder-Kanone  entrissen  ward.

Die  Lage  von  Sachsenburg  ward  allerdings  bedenklich.
  Auch  forderte  sie  der  Anführer  der  Insurgenten,
        <pb n="378" />
        —  3746  —

Oberst  Luxheim,  foͤrmlich  (27sten  October)  zur  Uebergabe
  auf,  an  demselben  Tage,  da  Oberst  Moroni
nochmals  bei  Molzbruck  erschien,  eine  Laufbrücke  über
das  Wasser  schlug,  und  aus  der  Veste  Sachsenburg  alle
Verwundete  und  Gefangene  mit  sich  nach  Spital  nahm.
Aber  am  nämlichen  Tage  war  es  auch,  daß  General
Bertolletti  mit  einer  Brigade  der  Division  Severoli,
vom  Corps  des  Generals  Baraguay-d'Hilliers,
in  Spital  eintraf.  Sogleich  hoben  die  Insurgenten  ihre
Berennung  von  Sachsenburg  auf.  Andreas  Hofer  und
seine  Genossen  verzweifelten  am  Gelingen  des  Aufruhrs,
und  mahnten  zum  Frieden.  Viel  Blutes  war  durch  Lug
und  Trug,  und  treulose  Umtriebe  des  Ehrgeitzes,  fruchtlos
  vergossen.  Baraguay-d'.Hilliers  Heerhaufen  rückten
unaufhaltsam  durchs  Drauthal  gegen  Botzen  heran,  zur
Vereinigung  mit  General  Vial  und  den  baierischen  Divisionen
  unter  General  Drouet.

 

35.
Gefechte  der  Baiern  im  ubrdlichen  Tirol.

Gleichzeitig,  wie  die  Heerbewegungen  von  Kärnthen
und  Italien  her,  waren  auch,  von  Altbaiern  und  Salzburg
  her,  die  der  Baiern  begonnen  worden;  denn  die
Umwickelung  und  Zähmung  des  empörten  Tirols  geschah
durch  Vollziehung  eines  allgemeinen  Entwurfes,  unter
der  Leitung  des  Vicekdnigs  von  Italien.

Am  16ten  October  begann  der  Aufbruch  aller  drei
baierischen  Divisionen  gegen  Tirol,  von  Salzburg  und
Reichenhalk,  von  Traunstein  und  von  Fischbach  her.
        <pb n="379" />
        —  375  —

General  Drouet  und  der  Kron  prinz  von  Baiern
verließen  Salzburg,  wo  zum  Schutze  des  Gepäckes,  nur
mit  wenigem  Fußvolk  und  einiger  Reiterei,  der  Oberstlieutenant
  Hofnaß  zurück  blieb.  Das  Hauptgelager
kam  nach  Reichenhall.  ODie  Division  des  Kronprinzen
rückte  unterdessen  in  vier  Colonnen  und  in  verschiedenen
Richtungen  gegen  das  Gebirg,  um  die  Insurgenten  im
Salachthal  zu  umgehen,  wo  sie  bei  Meleck  und  Unken
ihr  Lager,  den  Bodenbühel  besetzt,  und  Vorposten  bis
an  die  Wegscheide,  Angesichts  Reichenhall  hatten.)

Die  Vorhut  der  ersten  Colonne  wurde,  durch  den
Revierförster  Franz  Anton  Ferchel,  und  vier  Holzknechte,
  über  Weißbach  geführt,  und  in  der  flnstersten
Nacht  durch  Felsenklüfte,  Wälder,  durch  den  Bühlgraben
  empor,  zur  Steinbacher-Alpe.  Hier  näherte  sie  sich

—  —

*)  Die  erste  Colonne,  befehligt  durch  den  Major  Obermaier,
  ihre  Vorhut  durch  den  Major  Grafen  Seie
boltsdorf,  bestand  aus  ohngefähr  250  Schüten  des
vssten  leichten  Bataillons,  des  isten  Linien-Infanterie-Leib-Regimentes,
  des  2ten  Regimentes  Kronprinz',  des
zten  Regimentes  Herzog  Pius,  dann  sechs  Compagnien
des  Regimentes  Kronprinz.  —  Die  zweite  Colonne
bestand  aus  dem  issten  leichten  Bataillon,  angeführt  vom
Oberstlieutenant  Habermann.  —  Die  dritte  Colonne
  wurde  durch  drei  Compagnien  des  8ten  Linien-Regimentes,
  und  eine  Compagnie  des  isten  Linien-Infanterie-Leib=
  Regimentes  gebildet,  und  stand  unter  dem
unmittelbaten  Befehle  des  Generalmajors  Grafen  von
Rechberg.  —  Die  vierte  Colonne  endlich  bestand
aus  vier  Compagnien  des  Leib-Regimentes,  dann  einer
Compagnie  des  3ten  Regimentes,  einem  Zug  Dragoner
unter  Lieutenant  Wolf,  und  vier  kleinen  Gebirgskanonen;
Alles  unter  Leitung  des  Obersten  von  Ströhl.
        <pb n="380" />
        —  376  —

folgendes  Vormittags  bis  auf  zwanzig  Schritte  unentdeckt
  dem  Steinpasse,  und  erblickte  bei  150  Tiroler,
welche  arglos  den  Melecker-Berg  heranstiegen.  Jach
stürzte  sich  eine  Abtheilung  der  Baiern  in  vollem  Lauf
zum  Steinpaß  hin,  eine  zweite  griff  das  Wirthshaus
von  Meleck  an,  eine  dritte  gieng  auf  offener  Straße  vor.
Oberlieutenant  Hofstetten  mit  seinen  Schützen  bemeisterte
  sich  des  Steinpasses,  und  verfolgte  die  überrumpelten
  Tiroler  gegen  Unken,  mehrere  gefangen  nehmend,
mehrere  tddtend;  Oberlieutenant  Heiligenstein  erstürmte
  das  Wirthshaus,  wo  er  bei  dreißig  Gefangene,
mehrere  Pferde,  Munitions-Wagen  u.  s.  w.  zur  Beute
machte,  und  den  Fliehenden  in  allen  Richtungen  nachsetzte;
  Major  Graf  Seiboltsdorf,  der  den  ganzen
Vortrab  befehligte,  erreichte  mit  den  übrigen  Schützen
auf  der  Straße  das  Mauthhaus,  und  machte  das  Verfolgen
  der  Flüchtlinge  allgemein.  —  Dann  rückte  die
ganze  Colonne,  unter  Major  Obermaier,  nach,  von
welchem  Hauptmann  Ziegler  entsendet,  und  durch  den
Andreas  Wimmer,  auf  das  sogenannte  Schänzel,  geführt,
  den  versprengten  Tirolern  auch  hier  den  Rückzug
versperrte.

Oberstlieutenant  Habermann,  an  der  Spitze  der
zweiten  Colonne,  gieng,  vom  Salinenarbeiter  Joseph
Diesbacher  glücklich  gefährt,  bei  Nacht  über  das  Gebirg
  nach  Weisbach  (zwischen  Insel  und  der  Wegscheide),
dann  durch  den  Bernauer-Wald,  unverrathen  gegen  den
Bodenbühel.  Wegkundige  Leute  links  und  rechts  mußten
das  Auseinanderverlieren  der  Colonne  während  der  Dunkelheit,
  in  Waͤldern,  Bächen  und  Felsengegenden  verbüten.
  Vor  der  Steinbacher-Alpe  schlug  man  sich  seitwärts
  zur  sogenannten  Steinbacher-Mais,  und  nach
        <pb n="381" />
        —  377  —

Bernau.  Hier  ward  ein  Unteroffizier  mit  zwanzig  Mann
zurückgelassen;  Major  Fick  mit  einer  Abtheilung  durch
den  Bernauer-Wald,  Lieutenant  Schack  mit  vierzig
Mann  auf  den  sogenannten  Melecker-Kopf  vorgesandt;
dann  ein  Piket  Tiroler,  jenseits  Bernau,  angegriffen,
welches  bald  in  Flucht  gesetzt,  weder  durch  Bernau,
noch  über  den  Melecker-Kopf  entrinnen  konnte,  daher
sich  gefangen  geben  mußte.  Als  man  aber  zum  Bodenbühl
  kam,  die  feindliche  Stellung  hier  im  Rücken  anzugreifen,
  fand  man  sie  schon  von  einer  andern  Baiernschaar
  genommen.

Durch  den  Salzfeinerdler  Stephan  Hafner  und
zehn  andere  landeskundige  Leute  aus  Reichenhall,  hatte
sich  General  Graf  Rechberg  mit  der  dritten  Colonne,
von  Reichenhall  weg  über  den  Kugelbachberg  gegen  den
Tiroler-Posten  bei  Schnazelreuth  führen  lassen.  Aber
schon  von  der  Hôhe  des  Gebirgs  nahm  General  Rechberg
  wahr,  daß  Oberst  Ströhl  mit  der  vierten  Colonne
  Meister  des  Jettenberges,  und  der  Feind  in  rascher
Flucht  nach  Schnatzelreuth  war.  Rechberg  lließ  sein
Kriegsvolk  sogleich,  den  Berg  hinab  eilend,  in  zerstreuter
  Linie  eine  Schwenkung  rechts  machen,  den  Tirolern
die  Flucht  nach  Wegscheid  zu  sperren.  So  zog  er  nach
Meleck,  welches  Major  Seiboltsdorf  schon  genommen
  hatte.  Nichts  blieb  zu  thun  übrig,  als  die  fluchtigen
  Tiroler  im  Gebirg  einzufangen.

Die  vierte  Colonne,  unter  dem  Obersten  Ströhl,
ward  vom  Revierförster  Franz  Wein  über  Pangarten
am  rechten  Saale-Ufer,  gegen  den  Jettenberg  und  die
Haidebrücke  geführt.  Zwischen  Unter=  und  Ober-Jettenberg
  stieß  Lieutenant  Hacke  mit  dem  Vortrab  schon  auf
        <pb n="382" />
        —  378  —

ein  feindliches  Piket  von  dreißig  Mann,  das  nach  kurzem
Gefecht  davon  ging.  Vom  sogenannten  goldenen  Kreutz
hinweg,  ward  die  Richtung  gegen  die  Haidebrücke  genommen;
  der  Schützen  -Commandant,  Oberlientenant
Griesenbdck,  hingegen  rechts  gesandt,  den  Tirolern
die  Flucht  über  den  Bodenbühl  abzuschneiden.  Schon
eine  Viertelstunde  vor  der  Brücke  stieß  man  auf  den
Feind,  der  nach  Ramsau  entkommen  zu  wollen  schien.
In  ausgedehnter  Linie  zog  ihm  Major  von  Rummel
mit  der  ersten  Grenadier-Compagnie  des  Leib-Regimentes,
mit  einer  Compagnie  des  achten,  und  mit  vier  kleinen
Bergkanonen  entgegen,  im  Sturmschritt  durch's  Waldgebüsch.
  Nach  dem  ersten  halben  Dutzend  Kanonenschü#ssen
begaben  sich  die  Insurgenten  in  volle  Flucht.  Aber
Griesenbock's  Schützen  machten,  vom  hohen  Berge  rechts,
auf  den  Bodenbühl  ein  heftiges  Feuer;  ein  Anderes  drang
rückwärts  her,  vom  Ufer  des  Flusses,  wo  Hauptmann
Hagens  im  Hinterhalt  lag,  der  von  Jettenberg  aus
über  Unter-Jettenberg  und  Siegler-Baurn  gekommen
war.  Ein  drittes  Feuer  rauschte  von  Ströhl's  linken
Flügel,  der  bis  zur  Mündung  des  Aschauer-Baches  in  die
Saaglach,  vorgerückt  war.  Von  allen  Seiten  drückte  man
gegen  die  Haidebrücke.  Die  Tiroler  machten  einige  Kanonensch#sse
  und  kleines  Gewehrfeuer,  bis  sie  durch  die
Lieutenants  Schrott  und  Hacke  mit  gefälltem  Bajonnett
  geworfen,  auf  den  Bodenbühl  verfolgt,  und  der  von
Meleck  her  aurückenden  Colonne  in  die  Hände  gejagt
wurden.  Im  Fliehen  verloren  sie  eine  ihrer  kleinen  metallenen
  Kanonen  Nur  der  Dragonerlieutenant  Wolf
verfolgte  sie  noch  weiter  gegen  Meleck.  Denn  viele  von
ihnen,  durch  den  Strom  entkommen,  hatten  sich  in  einiger
  Entfernung  von  ihrem  früherun  Lager,  noch  einmal
        <pb n="383" />
        —  379  —

mit  einer  andern  Abtheilung  Tiroler  zum  letzten  Wider-—
stand  verbunden.  Doch  auch  sie  wurden  durch  den  Major
Kronegg  bald  zersprengt,  der  uͤber  den  Herrenbuͤhl
bis  zum  Aschauerbach  und  Haidebaurn  vorgeruͤckt  war.
Kronegg  blieb  auf  dem  Bodenbühl  mit  zwei  Compagnien
  zurück;  Ströhl  mit  dem  übrigen  Theil  der  Colonne
zog  nach  Meleck.

Außer  jenen  vier  Colonnen  waren  zwei  Compagnien
des  dritten  leichten  Bataillons,  unter  Major  Theobald,
Reiterei,  Artillerie  und  Hauptquartier  auf  der  großen
Straße  nach  Lofer  gezogen,  ohne  Theil  an  einer  Unternehmung
  zu  haben,  deren  Zeugen  sie  nur  seyn  konnten,
und  welche  General  Rechberg,  berathen  durch  den
Ober-Salineninspector  Rainer,  mit  eben  so  vieler
Klugheit  entworfen  als  ausgeführt  hatte.  Die  Baiern
hatten  dabei  nur  neun  leicht  Verwundete;  )  die  Tiroler

*)  Es  gehört  zum  Zweck  dieses  Werkes,  der  ausgezeichneten
Männer  zu  gedenken,  welche  solches  Ergebniß  unmittelbar
herbeiführten.  An  ihrer  Spiße  stehen  der  General  Graf
Rechberg,  welcher  mit  Ober-Inspector  Rainer  den
Angriffsplan  entwarf,  die  verschiedenen  Rollen  ausgetheilt,
die  Ausführung  geleitet.  Letztgenannter  Ober-Inspector
hatte  als  Führer  der  britten  Colonne  die  höchsten  Berggipfel
  erstiegen.  Aber  auch  die  Anführer  der  verschiedenen
  Colonnen  hatten  sich  großes  Verdienst  erworben,  jeden
Zufall  schnell  benützt,  und  die  mannigfaltigen  schnellen
und  folgenreichen  Angriffe  vortheilhaft  geleitet.  Vorzüglich
  hatte  Oberst  von  Ströhl  sich  bei  der  Führung  der
Haupt-Colonne  gegen  den  Jettenberg,  den  Punct,  welchen
  die  Tiroler  am  längsten  behaupteten,  ausgezeichnet.
Besondere  Aufmerksamkeit  erregte  das  Benehmen  des
Majors  von  Rummel,  der  Öberlieutenants  Griesenböck.,
  Mendel,  der  Lieutenants  Schrott,  Hacke
        <pb n="384" />
        —  380  —

hingegen  auf  dem  Schlachtfelde  und  in  den  Bergen  bei
500  Todte,  bei  400  Gefangene.  Mit  Noth  und  Wunden
  entrann  ihr  Anführer  Speckbacher;  dessen  Sohn
aber  fiel  den  Baiern  in  die  Hände.  Den  ließ  der  Kdnig
von  Baiern  nachmals  auf  seine  eigenen  Kosten  erziehen.
Das  war  die  edle  Rache  Marimilian  Josephsl  —

So  geriethen  hier  die  Tiroler  in  derselben  Gegend,
und  auf  dieselbe  Weise,  in's  Verderben,  wo  die  Baiern
zuvor  durch  den  Herzog  von  Danzig  der  Gefahr  vollkommenen
  Unterganges  blosgestellt  gewesen  waren:  ein
Beweis,  wie  wenig  die  Landschaft  daselbst  zu  vertheidigungsweise
  genommener  Stellung  tauge.  Das  Hauptgelager
  des  Generals  Drouet,  Grafen  Erlon,  und

 

und  Tucher,  der  Sergeanten  Hergott  und  Galfus,
der  Corporäle  Becker,  Ertel,  Glücga,  Bauhof
und  Fink,  der  Soldaten  Schauer,  Sebastian  Huber,
Bickel,  Hacker,  Baader,  Steinbeck  und  Jacob
Meier,  des  isten  Linien-Infanterie-Regimentes;  —
der  Oberlieutenants  Hofstetten  und  Heiligenstein,
des  Lieutenants  Dufresne,  vorzüglich  des  Fahnen=Junkers
  Heigel,  dann  der  Corporäle  Erich,  Stich
und  Eisenschenk,  der  Gemeinen  Melchior  Bauer,
Bartenhauser,  Holzhäuser,  Gassauer,  Liedel,
  Biegelmaier,  Sertl,  Harlocher  und
Hausleder,  des  2ten  Linien=  Infanterie-Regimentes
Kronprinz;  —  des  Lieutenants  Stöckl  vom  zten  Linien-Infanterie-Regimente:
  —  des  Majors  von  Fick  und
des  Lieutenants  von  Schack,  der  Unteroffiziere  Klein.
und  Kunzendorfer  des  isten  leichten  Infanterie-Bataillons
  Habermann.

(Ueber  diese  verschiedenen  Auszeichnungen  siehe  Armee-Befehle
  vom  28sten  November  1809  §.  1.  Nro.  10,  20sten
September  1810.)

Vor  Allem  aber  werde  der  Vaterlandsliebe  d  er  Bewoh-
        <pb n="385" />
        —  381  —

des  Kronprinzen  von  Vaiern,  kam  nach  Lofer;  der
Großtheil  der  Dioision  stellte  sich  in  der  Ebene  von  diesei
  Orte  auf,  mit  Streifwachten  gegen  Waidring.

Noch  stand  der  Oberst  Aubert,  mit  einigen  gesammelten
  Compagnien,  rückwärts  bei  Schellenberg  und
Berchtesgaden.  Auch  er  mußte  nun  (I#ten  October),
zwischen  dem  Königs=  und  Ferchensee  gegen  Weißbach,
im  Saalthale  vorrücken.  Seine  Bewegung  zu  erleichtern,
schickte  ihm  General  Rechberg  das  erste  Linien-Regiment,
  und  eine  Compagnie  des  Zten  Regiments,  von
Lofer  nach  Weißbach  entgegen;  anderer  Seits,  auf  dem
rechten  Saalaufer  zugleich,  führte  Oberst  Ströhl,  vom

ner  Reichenhalls,  nicht  allein  während  jenes  ganzen  Feldzuges
  im  Allgemeinen,  sondern  während  des  obenerwähnten
  Gefechtes  gedacht.  Große  Dienste  hatten  die  Wegweiser
  der  verschiedenen  Colonnen,  und  die  Gebirgsschüben
  geleistet.  Das  Meiste  aber  der  wackere  Ober-Salinen-Inspector
  Rainer.  Acht  Tage  lange  Anstrengung
ließen  ihm  die  vortheilhaftesten  Wege  und  Bergwinkel,
alle  Puncte  erkennen,  durch  deren  Besetzung  so  viele  Gefangene
  gemacht  wurden.  Seinem  unterrichte  verdankte
jeder  einzelne  Bote  die  Kenntniß  fast  eines  jeden  einzelnen
  Felsen=  Jagdstandes.  Er  selbst  führte  die  dritte  Colonne,
  und  war  nicht  allein  immerwährender  Theilnehmer
  an  dem  Gefechte  des  Tages,  sondern  begleitete  auch
die  baierischen  Truppen  bis  nach  Lofer,  um  den  nöthigen
Rath  im  Bezug  auf  die  zweckmäßige  Benutzung  der  ihm
wohlbekannten  Gegend  von  Weisbach  und  Saalfelden
zu  geben.

(Siehe  Regierungs=  Blätter  vom  21sten  Februar  13810,
S.  107;  vom  20sten  Mai  1815,  S.  685;  ferner  vom
tl#oten  April  1811,  S.  458;  dann  vom  25ften  September
1811,  S.  1145.)
        <pb n="386" />
        —  382  —

Passe  Luftenstein,  eine  Compagnie  mit  einer  beträchtlichen
  Anzahl  Schützen  dahin.  Die  Weißbacher-Brücke
war  halb  abgetragen;  von  einem  feindlichen  Piket  besetzt.
Sobald  aber  die  Dragoner  des  Vortrabes  durch  den  Fluß
gingen,  die  Schützen  über  die  Brückenbalken  vorliefen:
warf  sich  das  Piket  in  eine  Schanze  hinter  der  Frohnauer-Wiese.
  Ströhl  ging  über  die  Brücke,  stellte  sich
in  dieser  auf,  und  schickte,  zur  Sicherheit  seiner  rechten
Seite,  die  Compagnie  des  Hauptmanns  Baligand
auf  einen  steilen  Berg  am  linken  Flußufer.  Die  Tiroler
ihrerseits,  bei  500  stark,  suchten  unter  beständigem  Geplänkel
  die  Berghöhen  links  und  rechts  zu  gewinnen.
Sie  in  die  Ebene  zu  locken,  verließen,  mit  verstellter
Flucht,  die  baierischen  Vorposten  die  Ebene,  und  das  da
befindliche  Wirthshaus.  Die  List  gelang.  Plötzlich  stand
das  Wirthshaus  durch  einige  Grenadenwürfe  in  Flammen;
  im  Sturmschritt  rückte  Oberst  Strohl  von  allen
Seiten  an.  Seitwärts  von  Berchtesgaden  her,  erschien
im  gleichen  Augenblick  Oberst  Aubert  mit  klingendem
Spiel.  Die  Tiroler  flüchteten  unaufhaltsam  davon,  dreißig
ihrer  Todten  blieben  auf  dem  latze  liegen.

Schon  folgenden  Tages  erschienen  Abgeordnete  aus
Saalfelden  im  baierischen  Hauptgelager,  um  die  Unterwerfung
  des  Pinzgaues  und  Pongaues  anzuzeigen.  General
  Rechberg  ging  darauf  mit  dem  isten  und  2ten
Linien-Regiment  nach  Saalfelden  und  Zell,  die  Unterwerfung
  anzunehmen,  das  Land  zu  entwaffnen,  und
Geiseln,  zur  Verbürgung  der  Ruhe,  aus  den  verschiedenen
  Gerichten  zu  empfangen.  Bei  dem  Anlaß  wurden
  30  schwer  verwundete  Baiern  des  ersten  Regimentes,
die  seit  dem  Gefecht  vom  25sten  September  in  tirolischer
Gewalt  gewesen  waren,  befreiet.
        <pb n="387" />
        —  383  —

Unterdessen  war  auch  die  Division  Wrede,  trotz  der
schlechten  Wege,  auf  welchen  seit  undenklichen  Zeiten
sich  kein  Heer,  geschweige  grobes  Geschuͤtz,  bewegt  hatte,
über  Rupolding  und  Kössen  (17ten  October)  gegen  St.
Johann  vorgerückt.  Bei  ihrem  Erscheinen  flohen  die
Insurgenten  aus  ihren  Verschanzungen  vom  Schmidtberg
und  Klausenberg  in'S  Kufsteiner-Thal  und  gegen  St.
Johann.  Von  der  andern  Seite  war  die  Division  Deroy
von  Fischbach  nach  Kufstein,  von  da,  nach  unbedeutendem
  Widerstand  der  Insurgenten,  und  überall  schnell
hergestellten  Brücken,  ohmnweit  Wörgl  zur  Achenbrücke
(18ten  October)  gekommen.  Hier  sicherte  General  Derroy
  durch  eine  Compagnie  zu  Nußdorf  hinter  sich  die
Verbindung  mit  Kufstein  und  Fischbach,  vorwärts  sandte
er  nach  Soll  den  Major  Zintl,  mit  einer  Abtheilung
Kriegsvolkes,  Verbindung  zwischen  sich  und  der  Division
Wrede  anzuknüpfen,  welche  (am  2Lo0sten  October)  über
Eman,  Soll  und  Wörgl  nach  Kundel  ging.

Vergebens  verkündete  am  10ten  October  auf  der
ganzen  Linie  des  baierischen  Heeres  der  frohe  Donner
der  Kanonen  den  am  13ten  October  zu  Wien  abgeschlossenen
  Frieden.  Die  Tiroler  achteten  das  nicht.  Sie
beharrten  ungläubig  im  Kampf.  Man  hatte  den  Unglücklichen,
  um  sie  zum  Aufruhr  zu  bewegen,  allzu  feierliche
  Zusagen  für  das  Gelingen  ihres  Wagstückes  gegeben.
Die  Feindseligkeiten  mußten  fortgesetzt  werden.  Daher
empfing  auch  Oberst  JZoller,  der  noch  rückwärts  bei
Hallein  stand,  Befehl,  sich  über  Werfen  und  Daxenbach
mit  dem  General  Rechberg  in  Saalfelden  zu  vereinigen.
  Rechberg  schickte  ihm,  mit  einer  starken
Abtheilung,  dem  Major  Graf  Tattenbach  entgegen,
nach  Darenbach.
        <pb n="388" />
        —  384  —

Oberst  Zoller  hatte  schon  früher  durch  ausgesandte
  Abtheilungen  erfahren  (10ten,  16ten,  10ten  Oct.),
daß  Golling  zwar  von  den  Tirolern  geräumt,  dagegen
die  abgetragene  Tuschlerbrucke  mit  ungefähr  100  Mann
gedeckt,  der  Luegpaß  mit  Verschanzungen  und  Steinbatterien
  wohl  versehen,  durch  800  Mann  vertheidigt,
desgleichen  Werfen  und  Abtenau  wohl  besetzt  sey.  Als
er  aber  wirklich  mit  dem  #Sten  Linien-Regimente,  einem
Geschwader  leichter  Reiterei,  und  einer  halben  Batterie
(Tisten  October)  von  Hallein  nach  Golling  aufbrach,  verkündigte
  ihm  schon  unterwegs  eine  Abordnung  des  Landes
  die  Bereitwilligkeit,  sich  zu  unterwerfen,  und  die
durch  Verhaue  und  herabgerollte  Steinmassen  verderbten
Wege  und  Brücken  herzustellen,  denn  der  Capuziner
hatte  sich  mit  seinen  Leuten  nach  Muhrau  zurückgezogen.
Der  Oberst  rückte  auch,  ohne  Hinderniß,  die  strengste
Mannzszucht  handhabend,  nach  Werfen,  schickte  den
Major  Düpel  mit  drei  Compagnien  auf  St.  Johann,
und  den  Major  Kracht  ließ  er  die  Entwaffnung  des
Abtenauer-Thales  besorgen.  Den  Tag  nachher  vereinigte
  er  sich  mit  dem  Major  Tattenbach  zu  Schwatzach.

Während  dessen  rückte  die  Division  Wrede  über
Rattenberg,  von  wo  Speckbacher  mit  300  Insurgenten
  sich  sogleich  nach  Innsbruck  zog,  zum  Zillerbach,
stellte  hier  die  Brücke  her,  und  machte  Aussendungen  in's
Jillerthal  und  bis  Schwatz.  Hinter  Rattenberg  selbst
stellte  sich  die  Division  Deroy,  und  die  Division  Kronprinz,
  über  Worgel  gegangen,  bei  Kundel  auf  (zösten
October).  Seitwärts  in  der  Wildschdnau,  Landgerichts
Rattenberg,  schienen  aber  die  Einwohner,  ihren  trotzigen
Antworten  zufolge,  keine  Miene  zur  Unterwerfung  machen
  zu  wollen.  Ihr  Thal,  aus  mehreren  Gemeinden

be-
        <pb n="389" />
        —  385  —

bestehend,  war  ziemlich  unzugaͤnglich;  ihre  Mannschaft
unter  den  Waffen,  auf  den  Bergen.  Darunm  schickte
General  Deroy,  um  die  Widerspenstigen  zu  Paaren  zu
treiben,  sogleich  den  Obersten  Lamotte,  mit  einem
Bataillon  uͤber  Saulug  und  Thierbach  nach  Oberau,  ein
anderes  Bataillon  desselben  (9ten)  Regimentes  den  Weg
zwischen  Woͤrgel  und  Kundel  eben  dahin,  ein  drittes  unter
  Oberstlieutenant  Schmdger  über  Jetter  und  Unter-Au
  nach  demselben  Punct.  Die  Wege  waren  im  Gebirg
äußerst  beschwerlich,  Tiroler-Schützen  überall  auf  den
Bergen  thätig.  Dennoch  erreichten  die  Baiern,  welche
nur  einen  Verwundeten  hatten,  das  Ziel;  fanden  jedoch
überall  nur  Greise,  Weiber  und  Kinder.  Die  streitbare
Mannschaft  war  mit  ihrem  Anführer  Marberger  den
übrigen  Insurgenten  gen  Innsbruck  nachgezogen.

Wrede  jrückte  mit  seiner  Division  folgendes  Tages
(Lösten  October)  bis  in  die  Ebene  zwischen  Innsbruck
und  Hall  vor;  die  Division  des  Kronprinzen  folgte  auf
dem  Fuß  bis  Hall.  Speckpacher's  Insurgenten  wichen
überall  nach  kurzem,  fruchtlosem  Geplänkel,  und  gaben
nach  einigen  wirksamen  Schüssen  aus  der  beaierischen
Zwdlfpfünder-Batterie  die  Hoffnung  auf,  das  Herstellen
der  Innbrücke  bei  Hall  zu  verhindern.  Deroy's  Division
  blieb  zur  Entwaffnung  und  Beruhigung  der  Landesstrecke
  von  Rattenberg  bis  Schwatz  einsweilen  zurück,
besetzte  mit  einer  Brigade  Rattenberg  selbst,  und  die
Zillerbrücke;  mit  der  andern  Schwatz,  Werberg  und  die
Höhen,  welche  die  Volterer-Brücke  beherrschen.

Zwar  stand  die  Hauptmacht  der  Insurgenten,  unter
Hofer,  in  den  Verschanzungen  am  Iselberg  auf  der
Straße  nach  Brirxen,  und  zu  Steinach.  Allein,  weil  sie

II.  666  Buch.  25
        <pb n="390" />
        —  386  —

besorgten,  die  Baiern  moͤchten  sich  links  von  Hall  aus
nach  Matrei  und  Steinach  wenden,  um  sie  von  den
Insurgenten  zu  Lienz  und  Trient  abzuschneiden,  hielten
sie  das  linke  Innufer  und  die  Scharnitz  wohl  gedeckt,
als  haͤtten  sie  die  Absicht,  Altbaiern  zu  bedrohen.  Auch
vermehrten  sich  ihre  Haufen  wirklich  links  dem  Inn  bei
Hall.  Generallieutenant  Wrede  ließ  sie  aber  sogleich
durch  das  erste  Bataillon  des  15ten  Regimentes,  unter
Oberst  Dallwig,  von  da  vertreiben  (25ften  October),
in  denselben  Stunden,  da  der  Oberst  Graf  Oberndorf
die  Scharnitz  eroberte.  Dieser  war  mit  seinem  Corps,
von  Mittenwalde,  gegen  den  Engpaß  angerückt,  und
hatte  die  Schanzen  erst  durch  300  freiwillige  Jäger  angreifen,
  dann  durch  das  ganze  Jäger-Bataillon,  unterstützt
  von  drei  Compagnien  des  ersten  Linien-Regimentes,
rasch  erstürmen  lassen,  und  dann  sogar  den  Oberstlieutenant
  von  Schdnbrunn  mit  einer  Abtheilung  gegen
Zierl  vorgesandt,  um  eine  Verbindung  bei  Innsbruck
mit  den  Baiern  zu  suchen.  Letzteres  freilich  war  noch
nicht  ausführbar,  weil  die  Insurgenten  der  umliegenden
Gerichte  sich  ihm  zu  zahlreich  entgegen  warfen.  Doch
befanden  sich  die  Baiern  denselben  Tag  schon  zu  Innsbruck.
  Generallieutenant  Wrede  hatte  nämlich  den
General  Beckers  mit  einer  Truppen-Abtheilung  gegen
Innsbruck  auf  Feindesschau  gesandt.  Rasch  stürmten  die
Schützen  zweier  Bataillone  über  die  Balken  der  abgetragenen
  Innbrücke  in  der  Mühlau  auf  die  Bauern  ein,
trieben  deren  zahlreiche  Rotten  nach  kurzem  Gefecht  in
die  Stadt  hinein,  und  wieder  hinaus,  bis  zum  Berg
Isel,  wo  die  feindliche  Stellung  erkannt  wurde.  Ueber
die  hergestellte  Innbrücke  waren  ihnen  die  übrigen  Truppen
  des  Generals  Beckers  gefolgt,  der  die  Stadt  vor-
        <pb n="391" />
        —  367  —

läufig  mit  einer  Abtheilung  Chevaurlegers,  vom  Regiment
  Kdnig,  und  der  halben  Batterie  Caspers  besetzte,
die  Mitglieder  der  Tiroler-Administrations-Commission
verhaften,  nach  Hall  abführen,  ihre  Papiere  in  Beschlag
nehmen,  und  08  gefangene,  kranke  oder  verwundete
Baiern  "),  die  jedoch  von  den  Tirolern  sehr  menschlich
behandelt  worden  waren,  frei  machen  ließ.  Dann  zog
er  sich  wieder  auf's  linke  Ufer  des  Inn  zurück,  in  die
Vorstadt  Kothlache,  und  sowohl  die  Brücke,  als  die  Eingänge
  der  Stadt,  im  Besitz  behaltend.

Man  hoffte,  die  Insurgenten  würden  sich,  da  sie  nun
von  allen  Seiten  hinlängliche  Macht  zu  ihrer  Zähmung
in  ihre  Gebirge  eindringen  sahen,  zu  friedlichen  Gesinnungen
  bequemen.  General  Drouet  schickte  dem  Andreas
  Hofer  mehrere  Abdrücke  der  Proclamation  des
Vicekbnigs  Eugen  **)  nach  Steinach,  mit  der  Auf-6)

  Darunter  waren,  der  Hauptmann  Pfetten,  die  Oberlieutenanks
  Völderndorff,.  Winter,  die  Lieutenants
Witschang,  Hirsch,  Muck.  —  Bei  dieser  Gelegenheit
  erfolgte  die  leichte  Verwundung  des  Lieutenants
der  Chevaurlegers,  Prinzen  Oettingen  =  Spielberg,
und  zweier  Gemeinen  des  Bataillons  Löwensiein.

"*#  Tiroler!

Der  Friede  ist  zwischen  Seiner  Majestät  dem  Kaiser
der  Franzosen,  König  von  Italien,  Protector  des  rheinischen
  Bundes,  meinem  erhabenen  Vater  und  Monarchen,
und  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  von  Oesterreich,  geschlossen
  worden.  —  Friede  herrscht  also  überall  rings  um
Euch.  Ihr  seyd  die  Einzigen,  welche  noch  nicht  die  Wohlthaten
  desselben  genießen.  —  Durch  feindliche  Eingebungen
  verführt,  habt  Ihr  gegen  Euere  Geseße  die  Wafken
  ergriffen,  jene  umgestürzt.  Die  traurigen  Folgen

25
        <pb n="392" />
        —  388  —

forderung,  binnen  23  Stunden  die  Erklärung  zu  geben,
ob  er  Gehorsam  leisten  wolle.  Allein  die  Hoffnungen
minderten  sich  bald.  Nicht  nur  wurde  General  Beckers
bei  Innsbruck,  und  Oberst  Dallwig  auf  dem  Berge
bei  Hall,  bald  mehr,  bald  minder  heftig,  doch  fruchtlos,
angegriffen  (20sten  October),  sondern  diese  Angriffe  auch
in  den  folgenden  Tagen  fortgesetzt;  am  lebhaftesten  bei
Hall.  Der  tapfere  Oberst  Baron  Dallwig,  war  hier

 

Eures  Aufruhrs  sind  Euch  zu  Theil  geworden.  Der  Schrecken
  herrscht  in  Eueren  Städten,  die  Unthätigkeit  und  das
Elend  auf  Eueren  Feldern,  die  Uneinigkeit  zwischen  Euch,
die  Unordnung  ist  allgemein.  —  Seine  Mgajestät  der
Kaiser  und  König,  durch  Euere  jammervolle  Lage  sowohl,
als  durch  die  Beweise  der  Reue,  gerührt,  welche  mehrere
unter  Euch  bis  zu  höchst  Ihrem  Throne  haben  gelangen
lassen,  haben  ausdrücklich  mittelst  der  Friedensschlüsse
eingewilliget,  Euere  Verirrungen  nachzusehen.  —  Ich
bringe  Euch  Frieden,  indem  ich  Euch  Vergebung  bringe;
aber  ich  warne  Euch:  nur  mit  der  Bedingung  wird  Euch
verziehen,  daß  Ihr  freiwillig  zur  Ordnung  wiederkehret,
die  Waffen  niederleget,  und  nirgend  Widerstand  erblicken
lassen  werdet.  —  Als  Anführer  der  Armeen,  die  Euch
umringen,  werde  ich  Euere  Unterwerfung  annehmen,  oder
gebieten.  —  Den  Armeen  werden  Commissärs  vorausgehen,
  mit  meinem  ausdrücklichen  Auftrage,  jene  Beschwerden
  und  Klagen  zu  vernehmen,  die  Ihr  vorbringen
könnet.  Pergesset  aber  nicht,  die  Commissärs  sind  nur
dann  befugt,  Euch  anzuhören,  wenn  Ihr  die  Waffen  niedergelegt
  haben  werdet.  —  Tiroler!  ich  verspreche  es  Euch,
sind  Euere  Klagen,  Euere  Beschwerden  gegründet,  so  sollt
Ihr  Gerechtigkeit  finden.

Aus  dem  Hauptauartier  Villach,  den  25sten  October  1300.
unterzeichnet:  Eugen  Napoleon.
        <pb n="393" />
        —  389  —

7sten  October)  in  Gefahr,  aus  seiner  Stellung,  trotz
der  wackern  und  blutigen  Gegenwehr  seiner  Leute,  verdrängt
  zu  werden,  hätte  ihm  nicht  Generallieutenant
Graf  Wrede  im  rechten  Augenblick  zwei  Compagnien
vom  dritten  Bataillon  seines  Regimentes  zu  Hülfe  geschickt.
  )  Um  nun  fernerem  unnützen  Blutvergießen  vorzubeugen,
  entschloß  sich  der  Oberst,  den  Insurgenten
persdnlich  die  ihn  vom  Generallieutenant  Wrede  mitgetheilte
  Proclamation  des  Vicekdnigs  zu  überbringen,
und  die  Waffenruhe  einzuleiten.  Er  ließ  die  Friedens-Trompete
  schallen.  Er  ging  zu  den  gegenuberstehenden
Tirolern,  die  ihm  freundlich  entgegen  traten.  Bald
mischten  sich  Bauern  und  Soldaten  im  Gespräch  unter
einander.  Man  wechselte  Freundschafts=  und  Freuden-Bezeugungen.
  Plötzlich,  sobald  sich  die  Bauern  Meister
glaubten,  fielen  sie  wüthend  über  die  arglosen  Soldaten
her,  schlugen  mit  Prügeln  und  Gewehrkolben  viele  nieder,
  stürzten  andere  über  die  Felsen  hinunter,  machten
300  Mann  und  sechs  Offiziere  zu  Gefangenen,  und  verjagten
  die  Uebrigen.  Selbst  Oberst  Dallwig  wäre  das
Opfer  seiner  Pflichttreue  und  Zuversicht  auf  das  Ehrgefühl
  der  Feinde  geworden,  hätten  ihm  nicht  einige  unerschrockene
  Grenadiere  den  Weg  der  Rettung  gebffnet,
indem  sie  einige  der  Bauern,  die  ihn  umringten,  niederstachen.


So  dauerten  dann  die  Feindseligkeiten  fort.  Man

 

*)  Schwer  verwundet  wurde  bei  dieser  Gelegenheit  der
Hauptmann  von  Otten,  der  Lieutenant  Miesig.  Leicht
der  Major  Großgebauer,  der  Oberlieutenant  Molitor,
  der  Lieutenant  Padberg;  an  unteroffizieren  und
Soldaten,  30  Mann  getödtet  und  verwundet.
        <pb n="394" />
        —  390  —

plaͤnkelte  gegenseitig  den  ganzen  Tag,  so  wie  hier,  auch
bei  Innsbruck  und  bei  Hall,  wo  die  Insurgenten  ihre
Vorwachten  am  linken  Ufer  des  Inn  von  Neuem  zeigten.
  Dies  währte  auch  am  folgenden  Tage  fort,  an
welchem  das  Bataillon  Habermann  bei  Innsbruck  drei
Todte  und  eilf  Verwundete  zählte.  Indessen  vereinigte
General  Graf  Rechberg,  der  mit  dem  ersten  und  zweiten
  Linien-Regimente  über  den  Gerlosberg  nach  Zell
gegangen  war,  seine  Schaaren  mit  der  Division  Kronprinz
  bei  Hall;  und  traf  Oberst  Zoller  mit  seiner
Abtheilung,  von  St.  Johann  her,  in  der  Stellung  von
Wörgl,  einen  Tag  später  zu  Hall  ein.

Die  Thätigkeit  der  Insurgenten,  zur  Foxtsetzung  des
Kampfes,  war  auf  allen  Puncten  unverkennbar.  Umso
mehr  mußte  die  Erscheinung  eines  Abgesandten  vom
Andreas  Hofer,  beim  General  Drouet,  überraschen
und  Argwohn  erregen,  welcher  fünfzehntägigen  Waffenstillstand,
  den  Rückzug  der  Baiern  hinter  Kufstein,  und
Mässe  für  eine  Abordnung  nach  Villach,  an  den  Vicekönig
  von  Italien,  begehrte  (Losten  October).  Drouet
schlug  den  Waffenstillstand  aus,  und  bewilligte  Pässe,
in  sofern  man  ihn  ungehindert  Innsbruck,  Zell,  Saalfelden
  und  die  Scharnitz  besetzen  ließe.  Wie  wenig  die
Insurgenten  dazu  geneigt  waren,  bewies  ihr  Widerstand,
als  sie  General  Beckers  während  dieser  Unterhandlungen
  bei  Innsbruck  angriff  und  aus  der  Stadt  jagte;  so
wie  ihre  Stellung,  8000  Mann  stark,  auf  dem  Berge
Isel,  und  ihr  neuergangenes  Aufgebot  an  das  Land,  zum
allgemeinen  Angriff  gegen  die  Baiern.

General  Drouet,  ohne  länger  zu  zdgern,  ließ  die
Divisionen  Kronprinz  und  Wrede  (lsten  November)
        <pb n="395" />
        —  301  —

nach  Innsbruck  aufbrechen.  Sobald  die  Erste  über  den
Inn  gegangen  war,  stellte  sie  sich  längs  der  Straße  am
Lodwenhaus;  die  Zweite  rückte  durch  die  Stadt  gegen  den
Feind  auf  dem  Berge,  bis  auf  Schußweite,  und  ließ
dann  ihre  Feuerschlunde  mit  Erfolg  spielen.  Danmn  ließ
der  Generallieutenant  Wrede  das  erste  Bataillon  des
sechsten,  das  zweite  des  siebenten,  das  erste  des  dreizehnten
  Linien-Regimentes,  und  zwei  Compagnien  des
sechsten  leichten  Bataillons,  die  feindlichen  Bergschanzen
stürmen.  In  weniger,  denn  vier  Minuten,  waren  sämmtliche
  Werke  genommen,  die  Insurgenten  in  allgemeiner
Flucht,  fünf  Kanonen  (worunter  zwei  dsterreichische)
auch  viel  Munition  und  eine  Fahne  erobert.  Es  ward
eine  Menge  Gefangene  gemacht,  eine  Menge  getddtet.  “)

*)  Der  Verlust  der  Divisson  bestand  bei  dieser  Gelegenheit,
beim  öten  leichten  Bataillon  in  einem  Todten  und  vierzehn
  verwundeten  Soldaten;  —  beim  öten  Linien-Regimente
  in  zwei  verwundeten  Offizieren,  den  Oberlieutenant
  Bauer  sen.  und  Lieutenant  Volkomner,  in
acht  verwundeten  Soldaten;  —  beim  7ten  Regiment  in
eilf  Verwundeten;  —  beim  töten  Regiment  in  fünf  Verwundeten;
  —  beim  2ten  Chevaurlegers-Regimente  in
einem  Verwundeten;  bei  der  Artillerke  in  einem  Verwundeten.
  —  Dem  Oberlieutenant  Grafen  Lodron,  der
beim  Generallieutenant  Wrede  auf  Piket  stehenden  Escadron,
  wurde  das  Pferd  unter  dem  Leibe  getödtet,  dem
Lieutenant  Forster  das  seinige  verwundet,  zwei  Pferde
genannter  Escadron  getödtet,  zwei  Pferde  der  Batterie
Berchem  verwundet.  —  Genannter  Generallieutenant  war
außer  Stand,  unter  den  ausgezeichneten  Öffizieren  und
Soldaten  den  Ausgezeschneteren  zu  finden,  indem  sie  sich
sämmtlich  neue  Ansprüche  auf  die  Zufriedenheit  ihres
Königlichen  Herrn  erworben  hatten.
        <pb n="396" />
        Der  Kronprinz  von  Baiern,  indem  er  Wrede's
linken  Fluͤgel  gedeckt,  und  den  Angriff  auf  die  Schanzen
in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  unterstuͤtzt  hatte,  war  bei
diesem  Angriff  sehr  wirksam  gewesen.  Zu  dem  Ende
hatte  er  den  General  Raglowich  mit  dem  ssten  Linien-Regiment
  auf's  linke  Sillufer,  das  zweite  Bataillon
Kronprinz,  zwei  Geschwader  des  ersten  Dragoner-Regimentes,
  und  die  fahrende  Batterie  Vandouve,  auf's
rechte  Sillufer  ausgeschickt.  Oberlieutenant  Heiligenst
  ein  mit  den  Schützen  des  zweiten  Bataillons  Kronprinz,
  hatte  die  Anhdhen  beim  Ramertshofe,  auf  des
Feindes  rechter  Seite  erstürmt,  und  das  Feuer  der  Batterie
  hinwieder  die  vorliegenden  verschanzten  Hofe  gefegt.
Den  Ramertshof  besetzten  die  Schützen,  die  ihn  erobert
hatten,  zwei  Bataillone  den  Berg  Isel  und  die  Vorwachten

  gegen  Schönberg.  Auch  das  Schloß  Ambras
ward  den  Feinden  entrissen.

Die  geschlagenen  Insurgenten  flohen  in  hellen  Haufen
vom  Iselberg  längs  dem  linken  Innufer.  Da  ward  ihnen,
herüber  vom  rechten,  noch  mancher  Mann  getddtet.
Denn  drüben  zog  sich  längs  dem  Gebirg  der  Oberstlieutenant
  Habermann  mit  seinem  leichten  Bataillon  hin,
der  sich  bis  spät  Nachmittags  gegen  eine  Uebermacht  von
Tirolern  auf  dem  Hbttinger-Berge  behauptet,  dann  nach
empfangener  Unterstützung  Befehl  erhalten  hatte,  sich
dem  General  Rechberg  anzuschließen.  Rechberg
war  nämlich  schon  zuvor  von  Innsbruck  aus,  mit  dem
ersten  Bataillon  Kronprinz,  zwei  Geschwadern  des  ersten
Chevaurlegers-Regimentes,  und  der  Hälfte  der  fahrenden
  Batterie  Regnier  entsandt  worden,  um  baldige  Verbindung
  mit  der  Scharnitz  zu  erdffnen,  die  der  Oberst
        <pb n="397" />
        —  393  —

Graf  Oberndorff  besetzt  hielt.  Regnier's  Feuerschlünde
  thaten  nun  gute  Wirkung  auf  den  jenseits  des
Inn  fliehenden  Feind,  und  säuberten  auch  die  Anhdhe
vor  der  Martinswand  von  ihm,  die  er  besetzt  hielt.  )
Man  fand  bedeutende  Vorräthe  auf  dem  vom  Feinde  verlassenen
  Puncte.

Während  die  Division  Deroy  unterdessen  angemessene
  Stellung  einnahm,  um  die  Landesstrecke  von  Hall
bis  Kufstein  und  Salzburg,  gehbrig  zu  decken,  und  das
Sillerthal  zu  bewachen;  "“)  die  übrigen  Heertheile  ihren

*)  Der  Verlust  der  ersten  Armee=  Divisson  bestand  während
dieses  Tages  in  einem  Todten  und  einem  Verwundeten
des  2ten  Bataillons  des  2ten  Linien-Regimentes  Kronprinz,
  in  15  Todten  und  45  Verwundeten  des  leichten
Bataillons  Habermann,  in  einem  Verwundeten  des  isten
Dragoner-Regimentes.

»)  Das  Hauptquartier  des  Generals  Derop,  das  der  Generale
  Siebein  und  Seidewitsz,  das  ote  Linien=Regiment,
  0  Artillerie  =  Stücke  und  die  Artillerie-Reserve,
  das  Bataillon  des  toten  Linien-Regimentes  in
und  bei  Hall;  —  das  öte  leichte  Bataillon  hielt  mit  einer
Escadron  des  nun  unter  die  Befehle  genannten  Generallieutenants
  zurückgekehrten  äten  Chevaurlegers-Regimentes,
  und  drei  Kanonen,  den  Punct  Volders  besetzt;  —
das  öte  Linien-Regiment  hatte,  nebst  einer  Escadron  des
2ten  Dragoner-Regimentes,  und  vier  Artillerie-Stücken,
Rattenberg  und  die  Zillerbrücke  besetzt;  —  das  erste  Bataillon
  des  r##äten  Regimentes  stand,  nebst  einer  Escadron
  des  äten  Chevaurlegers  =  Regimentes,  in  und  bei
Schwaz;  —  das  zweite  Bataillon  ebengenannten  Regimentes,
  nebst  drei  Piegen,  bei  Weerberg;  —  eine  Esca
dron  des  aten  Chevaurlegers-Regimentes  erhielt  die
        <pb n="398" />
        —  394  —

Stand  behielten,  und  der  Kronprinz,  der  den  Befehl
über  seine  Division  dem  General  von  Raglowich  anvertrauete,
  nach  München  zurückkehrte  (Zten  November),
vollendete  General  Rechberg  die  Verbindung  mit  der
Scharnitz.  Er  rückte,  noch  verstärkt  durch  das  nachgesandte
  erste  Bataillon  des  vierten  Regimentes,  nach  Zierl
vor  (5ten  November),  unterstützt  durch  General  Beckers,
  den  Wrede,  mit  hinlänglicher  Truppenzahl  und
der  halben  Batterie  Caspers,  am  rechten  Innufer,  über
Kematen,  ebenfalls  dahin  sandte.  Beckers  blieb  bei
der  Zierler-Brücke  stehen,  wo  die  vierzehn  Tiroler-Compagnien
  gänzlich  verschwunden  waren,  die  den  Punct
bisher  besetzt  gehalten  hatten.  Rechberg  hingegen  zog
ohne  Widerstand  nach  dem  menschenleeren  Orte  Seefeld,
von  wo  er  den  Major  Seiboltsdorf  mit  einem  Bataillon
  des  zweiten  Regimentes  in  die  Scharnitz  zum
Grafen  Oberndorf  stoßen  ließ.

Zu  Innsbruck  wurden  mittlerweile  noch  immer  Gefangene
  eingebracht;  auch  drei  auf  dem  Iselberg  gefundene
  kleine  Kanonen.  Beim  Dorfe  Amras  fielen  Geplänkel
  vor.  Andreas  Hofer  wollte  wieder  Wassenstillstand
  unterhandeln;  aber  man  trauete  dem  Manne
nicht  mehr.  Hingegen  das  Landgericht  Telfs  übersandte

 

Verbindung  zwischen  St.  Johann  und  Salzburg;  die
vierte  Escadron  desselben  endlich  sollte  die  von  Salzburg
über  Radstadt  mit  der  Armee  des  Vicekbönigs  von
Italien  herstellen;  —  die  zweite  Escadron  des  2ten  Dragoner-Regimentes
  wurde  in  das  gillerthal  entsandt,  um
thbeils  dasselbe  zu  beobachten,  theils  wo  möglich  eine
Verbindung  mit  den  Truppen  des  Generals  Baraguapd'Hilliers
  herzustellen.
        <pb n="399" />
        —  395  —

die  Erklaͤrung  voͤlliger  Unterwerfung.  Durch  Besetzung
des  Dorfes  Altrans  wurde  die  Verbindung  mit  der  Division
  Deroy  fester  gezogen,  welche  ihrerseits  das  davon
nicht  weit  entfernte  Dorf  Rinn  vom  Feinde  gereinigt,
und  besetzt,  und  durch  Aussendung  in's  Thal  von  Weerberg,
  Sicherheit  empfangen  hatte,  daß  in  demselben
alles  friedlich  sey.

Am  öten  November  kündigte  endlich  Andreas  Hofer
seine  vellige  Unterwerfung,  und  zugleich  die  Versicherung
an,  daß  er  alle  unter  Waffen  stehenden  Tiroler  nachdrücklich
  aufgefordert  habe,  zur  Pflicht  gegen  das  kbnigliche
Haus  von  Baiern  zurückzukehren.  Die  in  derselben  Zeit
vom  Generallieutenant  Wrede  gegen  Schbnberg  bis
Matrey,  vom  General  Raglowich  über  Vill  und  die
Ellubogen  nach  Patsch,  und  in's  Mühlthal  veranstalteten
Feindesschauen,  fanden  überall  Ruhe.  Schbnberg  selbst,
desgleichen  Patsch  und  das  Dorf  Igels  wurden  darauf,
zu  größerer  Sicherheit,  mit  hinreichender  Stärke  besetzt.
General  Graf  Rechberg  rückte  seinerseits  ohne  Widerstand
  nach  Telfs.

Bei  den  gesetzlosen  Volksbewegungen  Tirols  war
jedoch  keineswegs  sogleich  auf  zuverlässige  und  allgemeine
Unterwerfung  zu  zählen.  Noch  standen  südwärts  dem
Brenner,  noch  im  Ober-Innthale,  bei  Landeck  und  im
Oetzthale,  noch  im  Zillerthal  bewaffnete  und  zahlreiche
Banden.  Ununterbrochen  mußten  Kämpfe,  oder  Entwaffnungen,
  fortgesetzt  werden.

Deßwegen  ließ  der  Generallieutenant  Graf  Wrede
das  siebente  Linien-Regiment,  das  in  Schbnberg  stehende
leichte  Bataillon  la  Roche,  ein  Geschwader  Chevaurlegers,
  nebst  einer  halben  Batterie,  unter  Befehl  des
        <pb n="400" />
        Generals  Beckers,  über  Matrey  nach  Steinach  vorrücken
  (bten  November),  um  die  baldige  Vereinigung  mit
der  italienischen  Armee  vorzubereiten,  die  gegen  den
Brenner  im  Anzuge  war.  Aber  schon  bei  Matrey  wurde
diese  Aussendung  auf  allen  Seiten  durch  das  lebhafte
Feuer  von  mehr  denn  anderthalbtausend  Bauern  empfangen,
  die  selbst  das  Feuer  der  Artillerie  nicht  scheueten.
Sie  mußten  mit  dem  Bajonett-Angriff  von  Höhe  zu
Hbhe  bis  hinter  Steinach  hinaufgetrieben  werden.  Da
aber  die  italienische  Armee  erst  in  Lienz  angekommen  war,
und  vor  sechs  Tagen  nicht  in  Sterzing  eintreffen  konnte,
befahl  der  Generallieutenant  Wrede,  einsweilen  die
genommene  Stellung  in  Steinach  zu  behalten,  bis  die
Ankunft  des  Generals  Minucci  zu  Innsbruck  gestatten
würde,  Verstärkungen  nachzusenden.

Der  General  Graf  Minucci  war  (am  öten  November)
  mit  seiner  kleinen  Abtheilung  Kriegsvolks“)
von  Rattenberg  bis  nahe  von  Zell  gekommen,  und
dort  von  ungefähr  3000  Insurgenten  angegriffen,  die
auf  beiden  Seiten  der  eingeengten  Straße  von  den
Bergen  her  ihr  Büchsenfeuer  auf  ihn  richteten.  Er
hatte  sie  aber  durch  das  dritte  Linien-Regiment  und
seine  paar  Kanonen  bald,  und  mit  bedeutendem  Scha- 



*)  Nachdem  er  das  öte  Chevaurlegers-Regiment  in  St.
Fohann  und  umliegender  Gegend,  zu  Erhaltung  der  Verbindung
  mit  den  Thälern  des  Landes  Salzburg,  die  mitgeführte
  Artillerie  in  Salzburg,  zurückgelassen  hatte,
behielt  er  nur  das  ate  leichte  Bataillon,  das  öte  Linien=Regiment,
  die  in  Rattenberg  stehenden  zwei  Piegen,  und
eine  Escadron  Dragoner  der  öten  Armee-Division.
        <pb n="401" />
        —  397  —

den,  *)  von  ihren  Höhen  und  Schluchten  verjagen  lassen.
So  setzte  er  andern  Tages  den  Weg  nach  Innsbruck  fort,
und  überließ  blos  dem  General  Vincenti  zu  Rattenberg
  die  Beobachtung  des  Zillerthales,  wo  sich  nichts
mehr  von  den  nach  jenem  Gefecht  auseinander  gelaufenen
Insurgenten  zeigte.  Schon  hatte  Wrede  zur  bessern
Sicherung  des  Punctes  Matrey,  drei  Compagnien  dahingelegt.
  Sobald  Minucci  bei  Innsbruck  eintraf,  ward
ihm  die  Besetzung  des  Iselberges  und  des  Punctes  Unter-Schduberg
  übertragen,  und  auch  das  zweite  Bataillon
des  sechsten  Regimentes  konnte  nun  zur  Verstärkung
von  Steinach  verwendet  werden.

Unterdessen  hatte  auch  General  Graf  Rechberg
seine  Bewegung  von  Telfs  fortgesetzt;  das  leichte  Bataillon
  Habermann,  und  den  Major  von  Seiboltsdorf
mit  den  Schutzen  des  zweiten  Linien-Regimentes,  nach
Imst  vorgesandt,  um  die  Unterwerfung  von  Landeck  und
der  umliegenden  Gegend  zu  beschleunigen,  und  hatte  sich
selbst  bei  Haimingen,  vor  dem  Eingange  des  sehr  unzugänglichen
  Oetzthales,  aufgestellt.  Denn  von  diesem
Thale  aus  konnte  die  Insurrection  fortdauernd  das  ganze
Ober-Innthal  in  Bewegung  setzen,  weil  von  da,  über
die  Brücken  bei  Haimingen  und  Mayerhof,  die  geradeste
Verbindung  mit  Inst  statt  fand,  anderseits  auf  dem
Wege  aus  dem  Oetzthal  durch  Umhausen,  Sdlden,  über
die  Passeyer-Alpe  unmittelbare  Gemeinschaft  mit  dem
Passeyer-Thale,  Meran  und  Sterzing,  gepflogen  werden

*)  Aber  auch  die  erwähnte  Baiern-Abtheilung  hatte  einen
Verlust  von  vier  Todten  und  neunzehn  Verwundeten,

zweien  von  der  Cavgllerie  und  einem  Artillerie=  Perd
erlitten.
        <pb n="402" />
        —  308  —

konnte.  Außerdem  führen  noch  von  Sölden  zwei  Pfade,
die  freilich  zur  Winterszeit  beschwerlich  sind,  über  Piltberg
  und  Feuder  in's  Vintschgau  unterhalb  Meran.  Diese
brtlichen  Verhältnisse,  so  wie  auch  der  fortwährende
feindselige  Geist  in  den  Gerichten  Landeck,  Pfunds,  Nauders
  und  im  Vintschgau,  forderten  den  General  Rechberg
  zu  nicht  gemeiner  Umsicht  auf.  Und  wie  klug  er
immerhin  in  diesem  Netz  von  Thälern  und  Bergwegen
seine  Stellung  nehmen  mochte,)  mußte  er  sich  jeden
Tag  auf  Ueberfall  und  Kampf  gefaßt  machen.

Indessen  erschien  ein  neuer  Abgeordneter  von  Andreas
  Hofer,  nämlich  der  Major  Sieberer,  im
Hauptgelager  des  Oberfeldhderrn  Drouet  (Oten  November
  Abends),  und  kündigte  nicht  nur  an,  daß  die  gesammten
  Insurgenten,  in  Folge  der  gemachten  Aufforderung,
auseinander  gingen,  sondern  daß  er  selber,  für  die  Wahr-*)

  Die  Aufstellung  des  in  Haimingen  befindlichen  Generals
Grafen  Rechberg,  war  am  oren  November  folgende:

1stes  leichtes  Bataillon  vier  uZ  Schüte
·  .  in  Imst;  ein  zier  mi
Habermann:  50  Mann’in  Stamms;

Schützen  in  Imst;

istes  Batagillon  des  2ten
vier.  Compagnten  in  Haimin=Linien-Regimentes!



Compagnien  u.  Stab  in  Imst;
eine  Compagnie  in  Haimingen;
  eine  Compag.  in  Telfs;

Eine  Escadron  und  Stab  in
Haimingen;  eine  halbe  Escadron
  in  Imst;  eine  halbe  Escadron
  in  Telfs;  15  Pferde  in
Stamms;

eine  Piepe  in  Haimingen;
zwei  Piegen  in  Imst.

stes  Bataillon  des  aten
Lin.  Inf.  Regimentes:

Eine  Divisson  des  isten
Chevaurslegers-Regimentes:


Se  in  Haimingen;  zwei
Halbe  Batterie  Regnier:
        <pb n="403" />
        —  300  —

heit  seines  Wortes,  als  Geisel,  dienen  wolle.  Wirklich
stimmten  damit  die  eingehenden  Nachrichten  zusammen,
daß  die  Tiroler  bei  Steinach  verschwunden  wären,  daß
die  Baiern  ungehindert  Streifwachten  bis  Sterzing  schicken,
  den  Brenner  besetzen,  und  die  Verbindung  mit  dem
General  Rusca  bei  Briren  herstellen  konnten.  Auch
schickte  General  Graf  Beckers  bald  darauf  (1iten  November)
  den  Major  Hopp  mit  einem  Bataillon  und
einem  halben  Geschwader  Reiterei,  nach  Sterzing.

Diese  eingetretene  friedliche  Stimmung  sowohl,  als
die  rauhere  Witterung  der  späten  Jahreszeit,  bewogen
sowohl  den  General  Wrede  seine  Division  in  den  Umgegenden
  Innsbrucks,)  als  den  General  Deroy  auf
beiden  Ufern  des  Inns,  von  Arzelen  bis  Kundel,  das
Kriegsvolk  in  Cantonirungen  zu  verlegen.  Auch  ließ

*)  Es  bezog  die  Divisson  Wrede  folgende  Cantonirungen:
rste  Infanterie-Brigade:  das  erste  Bataillon  des
Sten  Linien  =  Infanterie-Regimentes  in  Innsbruck,  das
zweite  Baraillon  desselben  in  Kematen,  Gotzens,  Arams.
—  Das  13te  Linien-Regiment  in  Natters,  Mutters,
Raittis,  Ober=  und  Unter-Schönberg,  Selrain,  Mieders;
  —  das  öte  leichte  Infanterie  =  Bataillon  in  Telfes,
Tulpmes,  Neustift.  —  2te  Infanterie-Brigade:
das  öte  Linien  =  Infanterie-Regiment  in  Altestadt,
Mattrey,  Waldrast;  —  das  vte  Linien-Regiment,  Löwenstein-Wertheim,
  in  Steinach,  Trins,  Schunerer,  St.
Jodocus,  Gschnitz;  —  das  4te  leichte  Infanterie-Bataillon
  in  Gries,  St.  Leonhard,  Oberberg.  —  Cavallerie-Brigade:
  Eine  Division  des  2ten  Chevauxlegers-Regimentes
  in  Amras,  Ampas,  Altrans,  Hohenburg,
  Patsch,  Mühlthal;  —  das  öte  Chevaurlegers-Re-=giment
  in  St.  Johann  und  umliegender  Gegend.
        <pb n="404" />
        400  —

man  einen  Theil  der  Reiterei  und  des  Geschützes,  wegen
des  steigenden  Futtermangels  für  die  Rosse,  aus  dem
Gebirg  in  die  reicheren  Gegenden  der  baierischen  Grenze
zurückgehen.)  Wenn  auch  wohl  noch  hin  und  wieder
einzelne  verlaufene  Landstürmler,  oder  andere  tückische
Bauern  auf  ausgesandte  Streifwachten  feuerten,  oder
da  und  dort  in  Dörfern  neue  Aufgebote  zum  bewaffneten
Widerstande  vertheilt  wurden,  konnte  man  das  nur,  wie
die  letzten  Zuckungen  der  sterbenden  Empbrung,  betrachten.


Nur  im  obern  Innthal,  im  geräumigen  Thalkessel
von  Landeck,  zu  welchem  links  und  rechts  so  vielerlei
Schluch- 



*)  Es  marschirten  die  Batterien  Caspers  und  Ulmer,  so“
wie  der  Artillerie-Park,  wegen  Mangel  an  Fourage,  am
12ten  über  Seefeld,  Partenkirchen,  Ettal  ,  Unter-Ammergau
  nach  Schongau.  —  Eine  Diovision  des  2ten  Chevaurlegers
  =  Regimentes  über  Seefeld,  Mittenwald,
Murnau  nach  Weilheim  ab.  —  Die  bei  der  Divdision  zurückbleibende
  Batterie  Berchem,  welche  bis  auf  vier
Opfünder  und  sechs  7pfünder  Haubitzen  vermehrt  wurde,
ward  in  den  Cantonnirungen  der  Divisson  theils  bei  Innsbruck,
  theils  bei  Steinach,  eingetheilt.  —  Eben  so  sandte
aus  gleichem  Grunde  die  Baiern-Divisson  Deroy  das
2te  Dragoner-Regiment,  und  die  Batterie  Pamler  nach
Baiern,  in  die  Gegend  von  Rosenheim  zurück,  und  zog
dafür  das  bisher  zwischen  St.  Johann,  Salzburg  und
Radstadt  aufgestellte,  durch  das  öte  Chevaurlegers-Regiment
  abgelöste  äte  Chevaurlegers-Regiment,  mit  einer
Escadron  nach  Hall,  mit  einer  Escadron  nach  Volders
  und  Schwaz,  mit  einer  Escadron  nach  Rattenberg;
die  vierte  Escadron  endlich  wurde  der  im  gillerthale
stehenden  Compagnie  des  ö5ten  Linien-Regimentes  zugetheilt.
        <pb n="405" />
        —  401  —

Schluchten  und  Wege  aus  dem  Gebirg  herabführen,  zeigten
sich  noch  immer  bewaffnete  Haufen  unter  den  Befehlen
eines  Fierler,  Jubelle  und  Marberger.  Sie  zu
bewachen,  hatte  General  Graf  Rechberg  die  Stellung
von  Imst  mit  00  Schützen  vom  Regiment  Kronprinz,
unter  dem  Major  Grafen  Seiboltsdorf,  mit  dem
Bataillon  Habermann,  zwei  Compagnien  des  vierten
Linien-Regimentes  unter  Major  Düppel,  einem  Geschwader
  leichter  Reiterei,  und  zwei  Kanonen  besetzt,
und  mit  einer  ausgedehnten,  daher  schwachen,  Vorpostenkette
  umgeben.

Allein  am  1i#ten  November,  Morgens  um  8  Uhr,
wurden  diese  Vorposten  plbtzlich  durch  wenigstens  800  Tiroler
  überfallen,  die  von  Mils  gegen  Imst,  und  von
Arzelen  gegen  die  Arzeler-Brücke  zogen.  Die  Menge
und  der  Ungestüm  der  Angreifenden  drängte  Alles  zurück,
und  vereitelte  jeden  Versuch,  welchen  die  Oberlieutenants
  Fritsch  und  Ganther  vom  Bataillon  Habermann,
  Oberlieutenant  Hofstetten  und  Lieutenant
Franken  vom  Regiment  Kronprinz,  machten,  mit  ihren
  Schützen  die  Höhen  vor  Imst  wieder  zu  nehmen,
deren  Saum  schon  von  den  Feinden  stark  besetzt  war.
Endlich  erschien  Major  Seiboltsdorf  mit  einer  Compagnie
  des  Bataillons  Habermann  zu  Hülfe.  Unerschrocken
  stürzte  er,  umgeben  von  einigen  Tapferen,  dem
Oberlieutenant  Fritsch,  den  Sergeanten  Florens  und
Weber,  dem  Corporal  Weber,  und  noch  einigen  Schützen,
  durch  den  Kugelregen  die  Gunkelgrüner=  Anhöhen
erklimmend,  in  den  dichtesten  Haufen  der  Tiroler.  Das
floßte  der  ganzen  Linie  der  Baiern  neuen  Muth  ein.
Alles  drang  vorwärts.  Die  Feinde  flohen  wild  durcheinander
  davon,  rechts  der  Straße,  gegen  Landeck  zu,

II.  5tez  Buch.  20
        <pb n="406" />
        —  102  —

verfolgt  vom  Feuer  einer  Kanone  und  einem  Juge  Reiterei,
  mit  bedeutendem  Verlust.)

Als  aber  bald  darauf  an  der  Arzeler-Brücke  die
Compagnie  des  Hauptmanns  Thiereck,  welche  die  linke
Flanke  der  Imster-Stellung  decken  mußte,  ebenfalls  angegriffen
  wurde,  und  Hauptmann  Regnier,  der  mit
seiner  halben  Batterie  und  einigen  Truppen  in  Eile  zur
Verstärkung  von  Silz  angekommen  war,  die  Insurgenten
nicht  mit  seinem  Kanonenfeuer  aus  ihrem  vortheilhaften
Stand  treiben  konnte,  kehrten  auch  die  nach  Landeck  Geflüchteten,
  und  stärker  zurück,  denn  zuvor.  Anfangs
rückte  die  Masse,  bei  1000  Mann,  langsam  auf  der
großen  Straße  gegen  die  zwei  baierischen  Compagnien
vor,  welche  die  Gunkelgrüner-Höhen  besetzt  hielten,  und
gegen  das  Dorf  Gunkelgrün,  in  welchem  Major  Seiboltsdorf
  mit  den  Schützen  lag.  Dann  theilte  sie
sich  rechts  und  links,  entlarvte  durch  die  Bewegung  eine
mitgefährte  sechspfünder  Kanone  und  eine  Feldschlange,
ließ  diese  sogleich  feuern,  und  griff  mit  lebhaftem  Geschrei
  an.  Das  gegenseitige  Feuer  dauerte  eine  Stunde
lang.  Die  Baiern  waren  an  Jahl  zu  schwach,  die  Tiroler
  zu  unentschlossen,  mehr  zu  wagen.  Ein  Versuch
der  Reiterei,  das  feindliche  Geschütz  zu  nehmen,  war
mißlungen.  Sobald  aber  der  Oberlieutenant  Herter
noch  eine  halbe  Compagnie  vom  Bataillon  Habermann
zur  Unterstützung  brachte,  glaubte  der  Major  Graf  Seiboltsdorf,
  es  müsse,  solle  nicht  Alles  verloren  gehen,
Alles  daran  gesetzt  werden.  Er  stuͤrmte  von  Neuem  gegen

5  aierischer  Seits  wurden  die  tapferen  Oberlieutenants
Hofstetten  und  Fritsch  Leßterer  leicht,  und  achtzehn
  Soidlten  verwundet.“.
        <pb n="407" />
        —  405  —

das  Geschütz  des  Feindes.  Dies  aber  jagte  schnell  davon
und  zuruck.  Das  ermuthigte  die  Baiern,  erschreckte  die
Tiroler;  jene  stürzten  sich  auf  den  Feind,  diese  ergriffen
allgemein  die  Flucht,  und  das  Tagwerk  war,  wenn  schon
blutig,  ")  doch  ehrenvoll  beendet.

General  Graf  Rechberg,  welcher  selbst  nach  Imst
gekommen  war,  und  sich  überzeugte,  daß  die  hier  stehende
  Abtheilung  Kriegsvolks  viel  zu  schwach  sey,  wiederholten
  und  überlegenen  Angriffen  des  Feindes  in  der
Länge  mit  Nachdruck  zu  begegnen,  zog  neue  Verstärkungen
  heran.  Der  Oberbefehlshaber  Drouet  aber  begnügte
  sich  auch  damit  nicht,  sondern  gebot  dem  General
Raglowich,  mit  seiner  ganzen  Dioision  aufzubrechen,
um  den  Aufruhr  vollkommen  zu  vernichten,  und  die  Verbindung
  mit  der  italienisch-franzsischen  Armee  auch
durch  den  Vintschgan  anzubahnen.  Raglowich  rückte
(13ten  November)  mit  einem  Theil  seiner  Truppen
über  Silz  nach  Haimingen  vor,  und  traf  sogleich  Verfügungen,
  die  Insurgenten  aller  Orten  anzugreifen.  Diese
aber  erwarteten  ihn  nicht,  verschwanden  in  den  Nebenthälern
  und  Gebirgen,  und  Abgeordnete  des  Pitzen=  und

*)  Der  Verlust  während  dieses  Tages  bestand  beim  ersten
leichten  Bataillon  Habermann,  in  fünf  verwundeten  OÖffizieren
  (Hauptmann  Thiereck,  Oberlieutenant  Lindacher,
  Fritsch,  Lieutenant  Ganther  und  Schleuer),
in  27  Soldaten  todt  und  verwundet.  —  Beim  2tten  Linien-Regiment
  in  einem  verwundeten  OÖffizier  (Oberlieutenant
  Hofstetten),  in  12  verwundeten  und  getödteten
  Soldaten.  —  Beim  ersten  Chevaurlegers-Regimente
in  zwei  perwundeten  Männern,  einem  getodteten,,  vier
verwundeten  Pferden.

20“
        <pb n="408" />
        —  804  —

Oetzthales,  so  wie  des  Landgerichts  Landeck,  kamen,
die  Unterwürfigkeit  dieser  Landschaften  zu  melden  (#ten
November).  Auf  dies  hin  besetzte  der  Feldherr  sogleich
das  ganze  Oberinn=  das  Oetz=  und  Pitzen-Thal,  und
verlegte  seine  Division  in  die  Ortschaften  derselben,  so
wie,  ihm  zunächst,  auch  das  Corps  des  Obersten  Grafen
Oberndorf  längs  den  baierischen  Grenzen,  bis  Lermos
und  Nassareith,  Cantonirungen  bezog.)

ßn.)  Demnach  war  von  der  Divisson  des  Kronprinzen  das  Divisions=
  Quartier,  und  das  Quartier  der  ersten  Brigade
in  Imst;  das  erste  leichte  Infanterie-Bataillon  Habermann
  in  Elies  und  Pruz;  das  sste  Linien=  Infanterie-Regiment
  im  Ober-Innthal,  in  Landeck,  Zambs,  Starkernbach,
  Schönwies,  Mils;  —  das  2te  Linien-Infanterie-Regiment
  Kronprinz  in  Imst;  das  2te  Infanterie-Brigade-Commando
  in  Silz;  —  das  ate  Linien=  Regiment
  in  Telfs,  dann  im  OHeßthal,  in  Sautens,  Oez,
Dumpen,  Umhausen,  Oberlengenfeld;  —  das  gte  Linien=Regiment
  im  Pitzenthal,  Arzel,  Wens,  Poecken,  dann
in  Silz,  Haimingen,  Koppen,  Karres,  Brennbühel;  —
das  öte  leichte  Infanterie-Bataillon  in  Innsbruck;  das
iste  Dragoner-Regiment  in  und  um  Benedictbeuern;
das  1ste  Chevaurlegers-Regiment  in  Imst,  Nassareith,
Silz,  Heimering,  Stambs,  Lermos,  Obsteig,  Telfs,
Prutz,  Landeck.  —  Von  der  Artillerie  befand  sich,  eine
halbe  fahrende  Batterie  in  Landeck,  eine  halbe  fahrende
Batterie  in  Silzz  eine  ganze  fahrende  Batterie  in  Imst;
die  beiden  Fußbatterien  in  Laufen  und  Salzburg;  der
Artillerie-Park  in  Innsbruck.  Das  augepblicklich  den
Befehlen  des  Generals  Raglowich  untergeordnete  Corps
des  Obersten  Grafen  Oberndorf  hatte  folgende  Aufstellung:
  Das  Reserve-Bataillon  des  Sten  Linien-Regimentes
  hatte  die  Puncte  Seefeld,  Weilheim,  Murnau
        <pb n="409" />
        —  405  —

Während  man  in  allen  diesen  Gegenden  nun  mit
der  Entwaffnung  des  Volkes  beschäftiget  war,  schickte
Raglowich  den  Insurgemen-Major  Sieberer  in
diejenigen  Gerichte  des  Oberinnthales  und  Vintschgaues,
die  noch  in  Waffen  standen.  Sieberer  sollte#  sie  vom
wirklichen  Abschluß  des  Friedens  und  der  daraus  entsprungenen
  Unvermeidlichkeit  der  Unterwerfung  überzeugen.
  Allein  er  ward  im  Vintschgau  mit  seinen  Friedens-Botschaften,
  als  Vaterlands  -Verräther,  empfangen  und
mißhandelt.  Denn  Andreas  Hofer  hatte  schon  wieder
den  Sinn  geändert,  offene  Briefe  durch'5  Land  verschickt,
und  zu  neuem  Widerstand  ermahnt.  "')  Neuerdings

und  Partenkirchen  besetzt.  —  Das  aus  acht  Compagnien
bestehende  Jäger-Regiment  stand  in  der  Loitasch,  in
Mittenwald,  Erwald,  Lermos,  Büchelbach,  Reiti;  —
das  Reserve-Bataillon  des  15ten  Regimentes  in  Erwald,
Schrezel  und  Lermos;  —  das  Reserve-Bataillon  des  2ten
Regimentes  in  Nassareith;  —  die  Escadron  reitender
Jäger,  und  ein  Zug  Chevaurlegers,  in  Biterwehr.

*)  Die  Wankelmüthigkeit  und  Unzuverlässigkeit  dieses  tirolischen
  Insurrections-Hauptes  ist  bekannt  genug.  Seine
wiederholte  Wortbrüchigkeit,  wiewohl  sie  aus  Character=Schwäche
  entstand,  blieb  ehrlos  und  sträflich.  Wir  theilen
  hier,  zur  Beurkundung  seiner  Denkart,  einige  seiner
eigenhändig  geschriebenen  Briefe  mit:

Ossene  Ordre
an  die  Vintsch  gauer  und  ÖOber--  Innthaler.
Nachdem  zwar  einige  Verirrung  entstanden,  Kraft
dessen  ich  Endesgefertigter  die  Waffen  abzulegen  Euch
befahl,  welches  aber  alles  aus  Männern,  und  zwar  aus
Geistlichen  entstand,  die  ich  für  meine  Freunde  auerkannte,
und  an  welchen  ich  mich  täuschte,  so  sehe  ich  mich  dem-
        <pb n="410" />
        waren  aus  dem  Vintschgau  bewaffnete  Haufen,  unter
Marberger,  in  die  Gegend  von  Pfunds  vorgedrungen,
und  hatten  die  Dorfschaften  umher,  wenn  gleich  nicht
immer  mit  Erfolg,  zum  Aufstand  geboten.  Andere  zeigten
  sich,  Verstärkung  erwartend,  bei  Torens,  hinter  der
abgetragenen  Innbrücke.

General  Raglowich,  welcher  bestimmten  Befehl
hatte,  nicht  über  Prutz  vorzuschreiten,  beschränkte  sich

ohngeachtet  gezwungen,  nachdem  Jung  und  Alt  die  Waffen
  zu  ergreifen,  und  den  Feind  zu  schlagen  sich  nicht
abhalten  lassen,  an  Euch,  geliebteste  Mitbrüder!  zu  mele
den,  daß  Alles  in  ganz  Passeyr  auf  ist,  und  den  Feind
als  gestern  den  1#äten  November  nach  Herzenslust  schlug.
—  Ihr  sehet  daher,  daß  alles  bereit  ist,  ergreiffet  auch
Ihr  mit  uns  die  Waffen,  streitet  mit  uns  als  Brüder,
denn  wie  wir  den  Feinden  vergeben  wollen,  so  werdet
Ihr  sehen,  daß  binnen  14  Tagen  ganz  Tirol  von  jungen
Leuten  bergaubt,  und  zuleht  unsere  Gotteshäuser,  Eltern
und  Klöster,  wie  auch  Religion  vernichtet,  und  somit  die
Feinde  die  ewige  Verderbniß  uns  zubereiten  würden.  —
Streitet  daher  brüderlich,  nach  dem  Beispiele  der  übrigen
  Orte,  glaubet  Niemanden  was,  außer  Ihr  habt  meine
unterschrift,  und  dann  will  ich  mit  Euch  brüderlich  streiten,
  und  nicht  vergessen,  Euer  Vater  stets  zu  sepn.
Passeyr  zu  Sant  den  löten  November  1300.

Dieses  sehe  ich  mich  verpflichtet,  Euch  in  Kürze  zu
melden,  wenn  ich  mich  selbst  nicht  als  Opfer  meinen  eigenen
  Leuten  preis  geben  will,  welches  auch  Ihr  von
meinen  Leuten  zu  hoffen  hättet,  wenn  Ihr  unthätig,  und
nichts  mehr  für  Gott  und  Vaterland  zu  thun  bereit  seyn
wollet.  —  Noch  aber  größere  Verantwortung  und  Strafe
erwartet  Denjenigen,  der  ein  Hinderniß  gibt  wegen  dem
Auszug,  und  selbst  nichts  anwenden  will.  —  Indem  ich
        <pb n="411" />
        —  407  —

auf  diejenigen  Maßregeln,  die  zur  Abweisung  allfaͤllsiger
frecher  Angriffe  hinreichen  konnten;  zog  einen  Theil  des
Kriegsvolkes  enger  zusammen;  besetzte  den  Billerberg,
damit  die  linke  Seite  der  Stellung  bei  Prutz  und  die
Punzlazer--Bruͤcke  nicht  umgangen  werden  koͤnne,  sandte
den  General  Rechberg  mit  einem  Bataillon,  einer
Kanone  und  Haubitze  zur  Verstärkung  des  Landecker-Postens,)
  und  nahm  auch  näher  gegen  Imst,  nämlich

 

 

mein  Siegel  zu  Hause  vergessen  habe,  so  ist  der  von  mir
Abgeordnete  selbst  Augenzeuge,  daß  es  wirklich  meine  selbst
eigene  Handschrift  ist.
Eur  wahrer  Andrä  Hofer,  am  Sant  in  Passeyr.
Bericht
an  die  Ober-Vintschgauer  und  Ober-Innthaler.
Indem  ich  es  für  nöthig  befunden  habe,  daß  die
Mannschaft  von  Mals  aus  über  Ober-Innthal  abmarschiren,
  und  was  herab  ist,  soll  eiligst  nach  Meran  kommen,
aber  man  hoffet  sie  um  so  gewisser,  als  wie  ich  sie  für
Patrioten  erkennen  thue,  indessen  möchte  man  von  gutdenkenden
  Männern  in  Erfahrenheit  bringen,  was  dann
die  Schweiz  macht.
Sant  aus  im  Passeyr  den  15ten  November  1300.
Andrd  Hofer  am  Sant  in  Passeyr.

*)  Die  Verbindung  mit  Elies,  Prutz  und  Ried,  sowohl
über  den  Billerberg,  als  auch  über  Landeck  und  Mils,
war  demnach  durch  folgende  Aufstellung  gedeckt:
das  iste  leichte  (eine  Compagnie  gegen  Serfans,

Bataillon:  eine  Compagnie  gegen  Ried,
zwei  Compagnien  bei  Prutz;
das  iste  Bataillon,  zwei  Comp.  an  der  Punzlazer-Brücke,
des  isten  Linien-)  eine  Compagnie  bei  Elies,
Negimentes:  eine  Compagnie  bei  Alten-Zoll,
eine  Compagnie  in  Landeck  ;.
        <pb n="412" />
        —  408  —

nach  Farens,  noch  zwei  Compagnien  der  Brigade  des
Obersten  Oberndorf.

Inzwischen  die  Insurgenten  ihrerseits  wurden  immer
thätiger.  Sie  erschienen  im  Oetzthale,  wo  einige  Aufrührer
  aus  dem  Passeyer-Thale  mehrere  Ortschaften,
wie  Selten,  Gurgel,  Fent  u.  s.  w.  aufgewiegelt  hatten,
bei  der  Oberlengenfelder-Brücke  (10ten  November),  und
zwangen  hier,  1000  Mann  stark,  den  Hauptmann  Satzenhofer
  zwar,  sich  Anfangs  bis  Au  zurückzuziehen,
überließen  ihm  aber  die  Brücke  ohne  Kampf  wieder,
sobald  er  nach  erhaltener  Verstärkung  auf  sie  anrückte.
Ebenso  hatten  sich  bei  Nauders  fünf  Tiroler-Compagnien,
unter  ihren  Anführern  Jubele  und  Fernler,  gesammelt.
  Zweihundert  Mann  derselben  rückten  (Tosten  November)
  gegen  die  Tschubacher-Brücke,  wurden  dort
aber  von  Abtheilungen  des  Bataillons  Habermann,  die
an  einer  starken  Patrouille  aus  Serfans  gute  Unterstützung
  hatten,  mit  großem  Verlust  zurückgeworfen.  Tags
nachher  (Dusten  November)  kamen  andere  Banden  über
das  Lautererjoch  herab,  gegen  den  Oberlieutenant  Fritsch,
im  Orte  Kaltenbrunn,  der  ihnen  aber,  sobald  er  ihrer
ansichtig  ward,  mit  seinen  Braven  selbst  bis  Nefels  enteine

  Compagnie  in  Landeck,
das  2te  Bataillon  eine  Compagnie  auf  denen  rechts  und
des  isten  Linien=  links  vor  letzterem  Orte  gelegenen

geimentes:  Anhöhen,
egimentes:  eine  Compagnie  in  Gries,

eine  Compagnie  in  Stanz;
das  2te  Bataillon  zwei  Compagnien  in  Zambs  und
des  2ten  Linien-  Starkenbach,  ..
Regimentes:  eine  Compagnie  in  Schoͤnwieß,
eine  Compagnie  in  Mils.
        <pb n="413" />
        gegen  ging,  und  sie  zur  Flucht  noͤthigte.  Ihre  einzige
Rache  war,  durch's  Kaunerthal  hinauf  Hofers  Aufrufe
zu  verbreiten.  Die  Insurrection  dehnte  sich  in  diesen
Gegenden  immer  mehr  aus,  wozu  ohne  Zweifel  die  ge—
ringen  Vortheile  nicht  wenig  mitwirkten,  welche  die
Tiroler  gegen  die  Vorhut  des  Generals  Rusca  bei
Meran  davon  getragen  hatten.  Das  Stanzerthal  weigerte
nun  trotzig  die  Waffen  abzuliefern,  und  macht  gemeinschaftliche
  Sache  mit  dem  Aufruhr  des  ihm  benachbarten
  Patznauer-Thales.  Dadurch  kam  selbst  der  Punct
Landeck  in  Gefahr.

Das  bewog  den  General  Raglowich,  sein  Hauptgelager
  selbst  in  Landeck  zu  nehmen  (22sten  November),
und  seiner  ganzen  Diovision  eine  gedrängtere  und  drohendere
  Stellung  zu  geben.  Das  vermochte,  bei  erneuerter
  Aufforderung,  die  Bewohner  des  Stanzerthales,
ihre  abermalige  Unterwerfung  zu  erkläáren,  und  ihre
Waffen  auszuliefern.  Weil  aber  bei  den  Patznauern
alle  Versuche,  durch  an  sie  gesandte  Geistliche,  fruchtlos
waren,  sie  von  ihrer  Widersetzlichkeit  zurück  zu  führen,
brach  General  Raglowich  in  zwei  Colonnen  (asten
November)  gegen  sie  auf.

Die  erste  dieser  Colonnen  führte  Major  Seiboltsdor
  f  von  Landeck  nach  Dabedill.  Sie  bestand  aus  sämmtlichen
  Schützen,,  und  zwei  Compagnien  des  Regimentes
Kronprinz,  so  wie  aus  zwei  Compagnien  des  ersten  und
Lierten  Regiments.  Die  zweite  Colonne,  unter  persdnlicher.
  Anführung  des  Generals  von  Raglowich,  bestand
  aus  drei  Compagnien,  nebst  zwei  Kanonen,  diente
zur  Unterstützung  der  ersten,  und  zog  auf  der  Straße
nach  Wiesberg.
        <pb n="414" />
        —  410  —

Seiboltsdorf,  sobald  er  sich  in  Bewegung  setzte,
ließ  eine  seiner  Compagnien  rechts  von  Pians  über  den
Bühel  gehen;  sandte,  sobald  er  die  Anhdhe  von  Dabedill
  erreicht  hatte,  eine  andere  Compagnie  links  auf  den
Berg,  die  rechte  Seite  des  Feindes  zu  übersteigen;  ließ
eine  Compagnie  in  Dabedill,  zur  Behauptung  dieses
Punctes,  stehen,  und  rückte  mit  einer  Compagnie  und
sämmtlichen  Schützen  dem  Feinde  entgegen.  Eine  von
ihm  schon  wenige  Tage  zuvor,  in  Grienz  und  Rans  aufgestellte
  Compagnie  hatte  Befehl,  ihn  in  seinen  Bewegungen
  zu  unterstützen.  Kaum  verkündigte  der  Donner  des
Geschützes,  daß  General  Raglowich  das  Bergschloß
Wiesberg  angegriffen  habe,  ließ  auch  Seiboltsdorf
die  Insurgenten  anfallen.  Diese  aber,  obgleich  bei  1000
Mann  und  50  Weiber  stark,  entflohen,  wie  aus  jenem
Schlosse,  so  auch  aus  den  Ortschaften  Vorder=  und
Hintergigl.  Ihre  regellose  Flucht  ermuthigte  den  Major
sofort  bis  nach  See  zu  dringen.  Er  ließ  den  Oberlientenant
  Bechtold  mit  sämmtlichen  138  Schützen  bei
-intergigl,  um  diese  Stellung  für  jeden  Preis  zu  behaupten;
  stieg  dann  selbst  mit  zwei  Compagnien  den
Obergigler=  Berg  jenseits  hinunter  nach  Luitl,  besetzte
die  Häuser  von  Luitl,  welche  die  Straßen  und  Höhen
jenseits  des  Tobel  (Bergschluchtstiefe)  beherrschen;  zog
noch  die  Compagnie  des  Leibregimentes  an  sich,  und
schickte  etwa  70  Mann  derselben,  unter  dem  Lieutenant
Köppel,  nach  Vordergigl  zurück,  um  allenfalls  die  dortige
  Stellung  zu  vertheidigen,  und  eine  von  der  Colonne
bei  Wiesberg  verlangte  Unterstützung  zu  erwarten.

Während  dessen  hatten  kaum  100  Mann  von  den
Tirolern  das  umwegsamste  Gebirg  überklettert,  und
        <pb n="415" />
        —  411  —

überraschten  durch  ihren  unerwarteten  Angriff  die  nun
bei  Vorder=  und  Hintergigl  aufgestellten  Abtheilungen.
Diese,  weil  sie  den  Feind  stärker,  oder  ihren  eignen
Standpunct  minder  wichtig  glaubten,  als  er  war,  zogen
sich,  obgleich  sie  an  Mannschaft  den  Insurgenten  weit
überlegen  waren,  nach  Dabedill  zurück.  Als  Major
Seiboltsdorf  das  Siegesgeschrei  der  Insurgenten,
und  durch  ausgesandte  Spähwachten  die  Ursache  desselben
  vernahm,  fühlte  er  die  Nothwendigkeit,  um  durch
die  vermeinte  Uebermacht  des  Feindes  nicht  abgeschnitten
zu  werden,  zurück  zu  gehen,  und  nun  auf  Engwegen,
wo  nur  Mann  hinter  Mann  schreiten  konnte,  nicht  allzuviel
  zu  wagen,  sich  in  geradester  Richtung  nach  dem
Schloß  Wiesberg  zu  ziehen.  Links  und  rechts,  und  im
Rücken  von  den  Tiroler-Schützen  verfolgt,  mußte  er
15  Verwundete  mit  sich  schleppen,  den  andringenden
Feind  mehrmals  zurückwerfen,  und  gelangte  vor  Anbruch
der  Nacht  bei  Wiesberg  an.  Seine  Vorhut,  unter  dem
Lieutenant  Mumm  und  Corporal  Huber,  hatte  unterwegs
  mehrere  der  baierischen  Soldaten,  die  in  Gigl  durch
die  Insurgenten  gefangen  genommen  worden  waren,
wieder  befreiet.  "  )

Ganz  unerwartet  erschienen  folgendes  Tages  (Sösten
November)  vor  dem  General  Raglowich,  der  von  seinem
  mißlungenen  Unternehmen  allgemeinen  Aufstand  des
Paznauer-Thales  befürchten  mußte,  Abgeordnete  desselben,
  und  kündigten  dessen  gänzliche  Unterwerfung
feierlichst  an.  Sie  verhießen  Auslieferung  ihrer  Waffen,
und  stellten  wirklich  alle  baierischen  Gefangenen  sogleich

*)  Der  während  dieses  Tages  erlittene  Verlust  bestand  in
10  Verwundeten  und  50  Gefangenen.
        <pb n="416" />
        —  5312  —

auf  freiem  Fuß.  Der  von  den  Rebellen  verlassene  Ort
Pfunds  ward  (27sten  November)  mit  zwei  Compagnien,
der  Paß  Finstermünz,  wo  man  eine  dreipfünder  Kanone
nebst  Munitionswagen  fand,  mit  einer  Compagnie  besetzt,
  und  gegen  Nauders  fleißig  ausgesandt,  um  Nachricht
  von  der  italienischen  Armee  einzuziehen,  die  durch
den  Vintschgau  kommen  sollte.

34.
Beendigung  der  Unruhen  in  Tirol.

Alerdings  war  das  franzbsisch  =  italienische  Heer
schon  längst  im  Anzuge.  Es  hatte  aber  in  seinem  Vorrücken
  sehr  unerwartete  Hindernisse  gefunden.

Nachdem  der  Wiener-Frieden  (13ten  October)  Tirols
  Schicksal  entschieden,  und  Vergessenheit  des  Vergangenen
  verkündet  hatte,  wenn  sich  das  Land  den  Anordnungen
  des  Vice  königs  von  Italien  ohne  Widerstand
  öffnen  würde,  hatte  Prinz  Eugen  Napoleon
(25sten  October)  die  Tiroler  zur  Unterwerfung  aufgefordert.
  Auch  hatte  der  Sandwirth  Hofer,  in  Uebereinstimmung
  mit  den  versammelten  Ausschüssen  der  Thalschaften,
  den  Priester  Donay  von  Schlanders,  und  den
Major  Sieberer,  nach  Villach  gesandt,  die  unterzeichnete
  Urkunde  der  Unterwerfung  zu  überbringen.
Der  Prinz  ließ  also  die  Divisionen  Severoli  und  Barbou,
  beide  etwa  12,548  Mann  stark,  unter  dem  General
  Baraguay-d'Hilliers  von  Kärnthen  durch's
Drauthal  gegen  Tirol  aufbrechen  (Losten  October).  Die
Division  Broussier  ward  zur  Unterstützung  dieses  Corps
bestimmt.
        <pb n="417" />
        —  413  —

Schon  am  Zosten  October  setzte  sich  die.  Division
Severoli  durch  Abtheilungen,  die  sie  gegen  Salzburg
vorschickte,  mit  den  Baiern  in  Verbindung,  welche  bei
St.  Michel  im  Muhrthale  aufgestellt  waren.  Das  Heer
kam  auch,  ohne  Anfechtung,  über  Lienz  hinaus  gegen
Brunecken.  Hier  aber,  da  man  sich  mit  Entwaffnung
der  durchzogenen  Ortschaften  beschäftigte,  bemerkte  man
entschlossenen  Ernst  des  Aufstandes,  der  zu  Windischmatray
  den  Hauptsitz  hatte,  und  die  weiteren  Fortschritte
der  fremden  Kriegesmacht  hemmen  wollte.  Als  General
Rusca,  welcher  die  Vorhut  befehligte,  schon  über
Brunecken  hinaus  war,,  ward  (öten  November))  ein  bei
Gais  im  Tauferer-Thale  aufgestelltes  Vataillon,  unter
Major  Barbieri,  mit  Uebermacht  angegriffen  und  nach
Brunecken  zurückgedrängt.  Es  verstärkte  sich  jedoch  durch
ein  anderes  Bataillon,  und  schritt  wieder  bis  Aufhofen
vorwärts.

Während  sich  kleine  Aussendungen  vom  Heere  nach
allen  Seitem  verbreiteten,  um  die  Einwohner  des  Landes
durch  Mittheilungen  verschiedener  Proclamationen  zur
Rückkehr  in  die  alte  Ordnung,  und  zum  Niederlegen  der
Waffen  zu  bewegen,  war  dem  Obersten  Rossi  geboten,
seitwärts  nach  Taufers  vorzurücken  (Sten  November).
Er  fand  schon  bei  Gais  Insurgenten  hinter  der  abgetragenen
  Brücke,  griff  sie,  durch  den  Fluß  watend.,  an,
jagte  sie  bis  in  ihre  Verschanzungen  bei  Uttenheim,  erstürmte
  diese,  und  jagte  die  erschrockenen  Banden  bis
Taufers.  Noch  in  der  Nacht  umzingelte  er  hier  das  alte
Schloß,  welches  von  500  Mann  vertheidigt  wurde.  Die
Eimvohner  des  Thales  unterwarfen  sich  alsbald  dem
Sieger,  und  lieferten  ihm  auch  an  700  Baiern  aus,  die
        <pb n="418" />
        –  4  —

bisher  zu  St.  Martin  und  St.  Jacob  gefangen  gehalten
  worden  waren.

Die  Häupter  der  Insurgenten  arbeiteten  in  voller
Thätigkeit,  das  gesammte  Land  von  Neuem  in  Bewegung
  zu  setzen,  selbst  das  Puster=  und  obere  Drauthal,
im  Rücken  des  franzbsisch-italienischen  Heeres,  wieder
in  Waffen  zu  bringen,  und  sich  auf  dem  Brenner,  und
an  der  starken  Mühlbacher-Klause  zu  behaupten.  Ueberall
neue  Unsicherheit.  Von  Sterzing  zum  Brenner,  von
Briren  nach  Botzen,  war  die  Verbindung  bedroht,  oder
abgebrochen.  Der  baierische  Oberlieutenant  von  Hohenhausen,
  welchen  der  General  Drouet  zum  Vicekdnig
Eugen  nach  Villach  senden  wollte,  wurde  bei  Clausen
gefangen.  Inzwischen  mußte  sowohl  der  Mangel  an
Uebereinstimmung  in  den  Entwürfen  der  Insurgenten,
als  ihre  Einklemmung  zwischen  Baraguay-d.Hilliers-Corps,
  das  von  Brunecken  bis  Lienz  alles  vor  ihnen
stark  besetzt  hielt,  und  den  Baiern  bei  Steinach  und
Sterzing  in  ihrem  Rücken,  und  der  Dioision  Vial  bei
Botzen  auf  der  Seite,  jedem  Wagstück  eines  Aufstandes
unfehlbares  Verderben  bringen.

Baraguap-d'iHilliers,  nachdem  er  seine  beiden
Dioisionen  bei  Brunecken  vereiniget  hatte,  rückte  ohne
Jaudern  (zten  November)  gegen  die  Mühlbacher-Klause,
in  verschiedenen  Abtheilungen  auf  verschiedenen  Wegen
an.  *)  Das  Biüchsenfeuer  der  Bauern  von  den  Bergen

*.)  Die  an  der  Spitze  der  Colonne  unter  dem  General
Rusca  befindlichen  Vortruppen,  bestanden  aus  drei  Bataillonen,
  zwei  Kanonen  und  einer  Haubiße,  und  wurden
durch  fünf  Bataillene,  ihnen  der  General  Severoli
        <pb n="419" />
        —  415  —

beunruhigte  den  Zug  wenig,  außer  bei  Unterwientel,  wo
die  Straße  abgegraben,  und  ein  Verhau  angelegt  war.
Als  aber  hier  bald  Bahn  gebrochen  war,  gelangte  man
ungehindert  bis  auf  einen  Büchsenschuß  in  die  Nähe  der
Mühlbacher-Klause.

Diese  liegt  in  einer  außerordentlichen  Verengung  des
Rienzer-Thales,  auf  einer  Seite  von  steilen  Felsenwänden,
  auf  der  andern  vom  undurchwatbaren  Rienzfluß
begrenzt.  Sie  wird  von  einer  sehr  dicken,  mit  tiefem
Graben  umgebenen,  Mauer  gebildet,  die  durch  vier
Thürme  verbunden  ist.  In  den  Thürmen  sind  Schießscharten
  und  Schießldcher  eingeschnitten.  Von  der  Straße
führt  eine  Grabenbrücke  zu  dem  starken  Thore.  Ein
Trommelwerk  von  Schanzpfählen  umgeben,  schätzte  das
Thor,  anderes  Pfahlwerk,  vom  Berg  an  bis  zum  Fluß,
den  Graben.

Nun  wurde  ein  franzbsisches  Linien-Regiment  in
ein  Gehölz  rechts  der  Straße,  300  Schritt  von  der
Klause,  aufgestellt,  und  zwei  Voltigeur-Compagnien
desselben  mußten  die  Felsen  hinaufklettern,  um  das  Fort
und  zwei  auf  dieser  Seite  befindliche  Kanonen  der  Insurgenten
  zu  umgehen.  Ein  leichtes  italienisches  Regiment
  mußte  wieder  zuruück,  bei  Unterwientel  über  die

mit  einem  Regimente  und  dem  Park  der  Divdisson  folgend,
  unterstützt,  während  drei  Bataillone  über  Falzen
und  Tercuten  marschirend,  die  rechte  Flanke  der  Colonne
bis  Unter-Wientl  zu  decken  bestimmt  waren,  sich  dann
mit  Leßterer  vereinigen  sollten.  Der  Division  Severoli
folgte  der  General  Barbou  mit  der  Brigade  Moreau,
und  dem  Park  seiner  Division.  General  Huard  blieb
mit  zwei  Bataillonen  bei  Brunecken  stehen.
        <pb n="420" />
        —  416  —

Rienz,  um  auf  dem  linken  Ufer  des  Flusses  die  Höhen,
gerade  über  und  hinter  der  Klause,  zu  ersteigen.  Unterdessen
  räumten  die  Sappeurs  den  Verhau  der  Straße
auf,  und  bewirkten  damit,  daß  zwei  Haubitzen  und  vier
Dreipfünder  auf  einer  kleinen,  das  Fort  etwas  beherrschenden
  Anhöhe,  Stellung  nehmen  konnten.  Rückwärts
stand  die  Brigade  Berkoletti  staffelweise.

Das  Feuer  gegen  einander  begann  sogleich.  Nach
einer  Stunde  brachte  das  franzdsische  Geschutz  Unordnung
in  die  Besatzung  der  Veste.  Jetzt  zeigten  sich  die  Schützen
  des  italienischen  Regimentes  auf  den  Höhen  des
linken  Rienz-Ufers.  Weil  man  hinter  dem  Fort  eine
beträchtliche  Colonne  Insurgenten  bemerkte,  ließ  General
Rusca,  der  schon  eine  Wunde  trug,  zwei  Bataillone
des  franzdsischen  Linien-Regimentes  aus  dem  Gehöblz
die  Klause  selbst  umgehen.  Bertoletti  mußte  einige
Compagnien  links  schicken,  um,  gedeckt  durch  eine  Mauer,
in  den  Graben  zu  dringen.  Ein  paar  Bataillone  liefen
zugleich  Sturm  gegen  das  Trommelwerk  vor  der  Brücke,
und  erstiegen  es,  trotz  des  Feuers  aus  dem  Kleingewehr
und  den  drei  Kanonen  des  Forts.  Aber  das  Thor,  wohlverrammelt,
  widerstand  allen  Versuchen,  es  zu  dffnen.
Inzwischen  hatten  die  abgeschickten  Voltigeurs  die  Berge
rechts  der  Klause  erklettert,  und  bedroheten  den  Rücken
des  Feindes;  auch  die  zwei  Kanonen  der  Insurgenten
dort  wurden  durch  ein  ausgesandtes  Bataillon  erobert.
Nun  verließen  die  Tiroler,  fast  3000  Mann  stark,  und
ihre  Anführer,  Kolb,  der  Muhr-Wirth,  Kofler,

diland,  der  Schabser-Wirth  und  Kemnater,

eilfertig  Geschütz  und  Stellung.  Sie  flohen,  theils  gegen

Sterzing,  die  Laditscher-Brücke  abbrechend,  theils  gegen

Clausen,  durch  Briren  ziehend.  General  Rusca  verfolgte
        <pb n="421" />
        —  417  —

folgte  sie  aufwärts  der  Eisack;  General  Severoli
der  Rienz  abwärts,  ohne  sie  jedoch  erreichen  zu  können.
Die  Eroberung  der  Mühlbacher-Klause  hatte  den  Siegern
  125  Verwundete  und  51  Todte  gekostet;  weit  mehr
den  Besiegten.  Rusca  stellte  seine  Schaaren  nun  bei
Neustift  und  Farn  auf  der  Straße  nach  Innsbruck,
Severoli  sie  vor  Briren,  Barboun  sie  auf  den  Hohen
  von  Spingos,  und  von  beiden  Seiten  der  Mühlbacher-Klause.
  Zur  Entwaffnung  des  Tauferer-Thales
blieb  die  Brigade  Hüard  bei  Brunecken;  das  Regiment
Dalmatien  in  Unterwientel.

An  demselben  Tage,  da  die  Tiroler  einen  ihrer
festesten  Haltungspuncte  verloren,  wurden  sse  vom  Andreas
  Hofer  feierlich  zur  Niederlegung  der  Waffen
ermahnt.  )  Sein  Aufruf  aber  blieb  ohne  wesentliche

*)  Seine  Proclamation  lautet  vollständig  also:

Tiroler,  geliebte  Brüder  4

„Der  Friede  zwischen  Sr.  Majestät  dem  Kaiser  von
Frankreich  und  König  von  Italien,  und  Sr.  Majestät  dem
Kaiser  von  Oesterreich,  ist  bereits  unterm  ##6#ten  des  vorigen
  Monats  abgeschlossen  worden.  Wir  sind  schon  so
daruͤber  benachrichtiget,  daß  es  keinem  vernuͤnftigen  Zweifel
  mehr  unterliegen  kann.  Napoleon's  Großmuth  hat
uns  Gnade  und  Vergessenheit  alles  Vergangenen  zugesichert.
  —  Ich  versammelte  darüber,  so  viel  ich  konnte,
Deputirte  aus  verschiedenen  Gerichten,  und  schickte,  mit
Einverständniß  derselben,  als  Abgeordnete,  den  hochwürdigen
  Herrn  Joseph  Danei  von  Schlanders,  meinen
Vertraueten,  und  den  Herrn  Major  Sieberer  von
Unterlangkampfen,  mit  einem  von  allen  Gerichts-Deputirten
  unterzeichneten  Schreiben  an  Se.  Majestät  den
Vicekönig  nach  Villach.  Heute  sind  benannte  zwei  Herren

II.  5tes  Buch.  27
        <pb n="422" />
        —  513  —

Wirkung.  Man  übergab,  oder  verbarg  die  Waffen  einzig
  da,  wo  die  baierischen,  oder  die  französfisch  =  italieni-=schen
  Divisionen,  als  Sieger  standen.  Zu  Windisch- 



Abgeordneten  wieder  zurückgekommen,  und  haben  nachstehendes,
  eigenhändiges,  Allergnädigstes  Handschreiben
von  Sr.  Majestät  dem  Vicekönig  von  Italien  mitgebracht,
  welches  ich  mir  Jedem  zu  wissen  zu  machen,  zur
unverkennbaren  Pflicht  rechne.

Copia.

„Ich  habe  Euer  Schreiben,  meine  Herren  Deputirten,
welches  Ihr  an  mich  erlassen,  und  welches  mir  Euere  Abgeordneten
  überreichten,  richtig  erhalten.  Ich  ersehe  mit
Vergnügen,  daß  Ihr  endlich  Euer  eigenes  Interesse  in
Betracht  ziehet,  und  nun  selbst  entschlossen  sepd,  Euerem
Vaterlande  den  Frieden  zu  geben,  und  Euer  ganzes  Zutrauen
  auf  die  Großmuth  Sr.  Majestät  des  Kaisers  der
Franzosen  und  Königs  von  Italien  zu  setzen.  Es  würde
mich  sehr  schmerzen,  wenn  ich  Gewalt  brauchen  müßte,
gegen  ein  Volk,  das  ohnehin  schon  unglücklich  genug  ist,
durch  die  Verführungen,  die  es  so  lange  schon  herumgetrieben
  haben.  Es  würde  mir  daher  sehr  angenehm  seyn,
wenn  ich  Se.  Majestät  den  Kaiser  würde  benachrichtigen
können,  daß  Tirol  sich  unterworfen,  und  daß  die  Unterwerfung
  den  Bewr  hnern  Eunerer  Gebirge  nicht  einen  Tropfen
  Blut  gekostet  habe.  Nur  ein  Wort  habe  ich  Euch  zu
sagen,  kennet  Ihr  mein  Proclama,  so  suchet  auch  meinem
Verlangen,  welches  darin  enthalten  ist,  zu  entsprechen.  —
Ich  werde  meiner  Seits  besorgt  seyn,  die  Verheißungen,
so  Ihr  darin  gelesen,  zu  erfüllen.  —  Der  Kaiser  Napoleon
  hat  ECuch  die  VPergebung  des  Vergangenen  zugesichert.
  Der  Kaiser  verspricht  nichts  was  er  nicht  haltet.
—  Allen  Generalen  der  Armee,  die  ich  anzuführen  die
Ehre  habe,  habe  ich  Weisungen  ertheilet,  die  ganz  jenen
Gefühlen  ähnlich  sind,  die  ich  Euch  in  meinem  Proclama
        <pb n="423" />
        —  419  —

Matrey  und  in  der  Umgegend,  drohete  der  Aufstand,
selbst  noch  in  der  Naͤhe  von  Lienz,  neue  Gefahr,  bis
der  Bataillons-Chef  Gougeon  mit  Truppen  erschien,

ausdrückte,  und  die  ich  Euch  mit  Vergnügen  erneuere.  —
Leget  Euere  Waffen  in  ihre  Hände  nieder,  erfüllet  diese
Bedingniß,  und  seyd  dann  versichert,  daß  sie  Euch  als
Freunde  behandeln  werden,  und  daß  sie  Euch  so  empfangen
  werden,  wie  Euere  Abgesandten  von  mir  sind  aufgenommen
  worden.  Empfanget  hiemit,  meine  Herren
Deputirten,  die  Versicherung  meiner  Theilnahme  für  das
Wohl  Eneres  Landes,  indem  ich  nichts  so  sehr  als  das
Glück  desselben  wünsche.  —  Geschrieben  in  unserem
Hauptgquartier  zu  Villach  den  öten  November  1309.=Unterzeichnet:
  „Eugen  Ngapoleon.=„Brüderl“



„Gegen  Napoleon's  unüberwindliche  Macht  können
wir  nicht  Krieg  führen.  Von  Oesterreich  gänzlich  verlassen,
würden  wir  Uns  einem  unheilbaren  Elende  Preis  geben.  —
Ich  kann  Euch  ferner  nicht  mehr  gebiethen,  so  wie  ich
nicht  für  weiteres  Unglück  und  unvermeidliche  Brandstätten
gut  stehen  kann.  Eine  höhere  Macht  leitet  Napoleon's
Schritte.  Siege  und  Staatsumwälzungen  gehen  aus  den
unabänderlichen  Planen  der  göttlichen  Vorsicht  hervor.
Wir  dürfen  uns  nicht  länger  dawider  sträuben.  Kein
Vernünftiger  wird  wider  den  Strom  zu  schwimmen  gedenken.
  Wir  wollen  uns  nur  durch  Ergebung  in  den  göttlichen
  Willen,  des  Himmels  fernern  Schutzes,  und  durch
brüderliche  Liebe  und  geforderte  Unterwerfung,  Napoleon's
  Großmuth  und  Seiner  Allerhöchsten  Gnade  würdig
  machen.  Vermöge  sicheren  Berichten  ist  die  königlich-=baierische
  Armee  bis  Steinach  (wie  weit  im  Ober-Innthale
  weiß  ich  nicht),  die  kaiserlich-französische  Armee
auch  schon  wirklich  über  Boßen  auf  die  Gebirgshöhen  von
Ritten,  und  durch's  Pusterthal  mit  drei  Divisionen,  bis

27
        <pb n="424" />
        —  420  —

endlich,  vom  General  Garreau  verstärkt,  durch  bloße
Unterhandlungen  mit  dem  Wirth  Anton  Waler  von
Windisch  -Matrey,  dem  Haupte  des  Aufruhrs,  die  Unterwerfung
  des  Thales  herbeiführte  (10ten  November).

So  mußte  die  Entwaffnung  überall  durch  Truppenerscheinungen
  durchgesetzt  werden.  Das  brachte  in  die
Hauptbewegung  des  Ganzen  langsamen  Gang.  Darum
mußte  General  Almeyras,  welcher  Brousier's  Division
  empfangen  hatte,  die  Strecke  Landes  von  Villach
und  Klagenfurt  bis  Lienz  und  Silian,  General  Hüard
Sterzing,  General  Moreau  und  Barbou  unterwientl
  und  Briren,  Severoli  Klausen,  Baraguayd'Hilliers
  Botzen,  Rusca  Meran,  Vial  das  italienische
  Tirol  von  Trient  bis  Roveredo,  besetzen.  Aber
nberall  wurden  nur  alte,  unbrauchbare  Gewehre  abgeliefert.
  Wohin  der  bewaffnete  Soldat  nicht  kam,  stand
der  bewaffnete  Tiroler.  Der  ohnehin  große  Mangel  an
Lebensmitteln,  durch  Anwesenheit  des  vielen  Kriegsvolkes
natürlich  vermehrt,  steigerte  die  Wuth  der  Einwohner
gegen  die  Fremden,  und  Andreas  Hofer,  immer  den

unterm  Kläusl  vorgerückt.  So  wehe  es  meinem  Herzen
thuet,  an  Euch  gegenwärtigen  Bericht  erlassen  zu  müssen,
so  sehr  finde  ich  mich  doch  getröstet,  dadurch  mich  einer
Pflicht  zu  entledigen,  zu  deren  Erfüllung  mich  Se.  Hochfürstliche
  Gnaden,  der  Fürstbischof  von  Briren  auch  aufgefordert
  hat.  Nach  der  gegebenen  Zusicherung  Sr.  Ercellenz
  des  Herrn  Generals  Rusca  werden  die  Armeen
uns  je  bälder  verlassen,  je  eher  wir  uns  werden  unterworfen
  haben.=„Sterzing
  den  gten  November  1800  4

Unterzeichnet:  „Andreas  Hofer"
        <pb n="425" />
        —  1421  —

letzten  Eindrücken  Preis  gegeben,  forderte,  uneingedenk
seines  ertheilten  Wortes,  eben  fo  feierlich  wieder  zur
Ergreifung  der  Waffen  auf,  als  vorher  zur  Niederlegung
  derselben.

Baraguay-d'Hilliers  seinerseits,  um  alles  zu
bewachen,  alle  Bewegungen  oder  Verbindungen  der  Insurgenten
  zu  durchschneiden,  ordnete  auf  sämmtlichen
Puncten,  die  er  mit  seinen  Unterfeldherren  inne  hatte,
die  Entsendung  mobiler  Colonnen  an  (I5ten  November),
welche  täglich  das  Land  und  Gebirg,  und  die  Nebenthäler
  durchkreutzen  sollten.  Man  bemerkte  nun  bald,
daß  im  Vintschgau,  und  besonders  im  Passeper-Thale,
die  sich  beide  gegen  Meran  aufschließen,  der  wahre  Heerd
des  Aufstandes  sei.  Die  Insurgenten  von  da  aus  erschienen
  sogar  (15ten  November)  auf  den  Höhen  des  Schlosses
  Tirol,  oberhalb  Meran,  und  da.  General  Rusca
ein  Bataillon  gegen  sie  aussandte,  lockten  sie  es  mir
verstellter  Flucht  bis  Refau  im  Passeper-Thale,  wo  sie
es  dann  mit  so  überlegener  Macht  überfielen,  daß  es
seinen  glücklichen  Rückzug  nur  mit  Hülfe  mehrerer  nachgesandten
  Bataillone  machen  konnte.

Baraguay-d'Hilliers  wollte  nicht  säumen,  das
Passeyerthal  von  den  Rotten  des  Aufstandes  zu  reinigen,
zumal  er  vernahm,  daß  von  hier  und  dem  Vintschgau
ein  Anschlag  gegen  Meran  ausgeführt  werden  solle.  Er
schickte  deswegen  dem  General  Rusca  zu  Meran  noch
den  General  Bertoletti,  mit  zwei  Bataillonen,  zur
Verstärkung;  ein  Bataillon  zur  Deckung  der  Brücke  von
Siegmundskron;  und  von  Sterzing  qus  eine  Colonne
von  500  Mann,  der  ein  von  Brixren  nach  Sterzing  gekommenes
  Bataillon  folgen,  und  eine  zweite  Colonne
        <pb n="426" />
        —  122  —

von  500  Maun  zur  Reserve  dienen  sollte,  über  die  Berge,
welche  dann  der  von  Meran  kommenden,  bei  St.  Leonhard,
  zu  oberst  im  Thal,  die  Hände  bieten  sollte.  Von
Meran  aus  aber  schickte  General  Rusca  den  Obersten
Roy,  am  16ten  November,  mit  1500  Mann  in  das
Passeyerthal  hinauf.  Dieser  Tag  war  ihm  im  schriftlichen
  Befehl  von  Baraguay-d'Hilliers  geboten.
Im  Befehl  an  den  General  Barbou  aber,  der  von
Brixen  aus  ein  Bataillon  nach  Sterzing  schicken  sollte,
hatte  sich  ein  Irrthum  des  Datums  eingeschlichen,  so
daß  die  von  Sterzing  her  gegen  das  Passeyer-Thal  bestimmten
  Colonnen  um  24  Stunden  später  abgingen.
Dieser  Umstand  hatte  die  Folge,  daß  die  Insurgenten
ihren  Anschlag  gegen  Meran  mit  ungetheilter  Kraft  ausführen
  konnten.

Wirklich  erschienen  sie,  in  eben  dem  Augenublick,
als  Oberst  Roy  am  Morgen  um  10  Uhr  (löten  No-Lember)
  kaum  mit  seinen  1500  Mann  ausgerückt  war,
mit  starken  Haufen  im  Anzug,  von  Ober=  und  Untermaper,
  gegen  die  Meraner-Brücke.  Von  anderen  ihrer
Haufen  sah  der  Oberst  zugleich  schon  die  das  Schloß
Tirol  umgebenden  Höhen  besetzt,  und  das  dort  stehende
Bataillon  Neapolitaner  vertrieben.  Er  ließ  den  Major
Bougault  sogleich  mit  einer  Reserve  von  350  Mann
bei  dem  auf  der  Straße  liegenden  Schlosse  zurück,  und
zog  mit  dem  Großtheil  seiner  Mannschaft  zum  Angriff
vorwärts.  Während  dessen  waren  auch,  vom  Vintschgau
  hervor,  bei  Steinach  und  Algund,  Aufstandsmassen
angekommen,  denen  General  Rusca  mit  dem  Ueberrest
seiner  Dioision  von  Meran  aus  entgegen  eilte.  Hier
ward  hartnäckiger  Kampf,  bis  die  Massen,  besonders
        <pb n="427" />
        —  425  —

durch  die  Wirkung  des  großen  Geschützes  und  der  Reiterei
  erschüttert,  zur  Flucht  gebracht,  und  in  den  Vintschgau
  zurückgeworfen  wurden.  Vorzüglich  viel  verloren
diejenigen,  welche,  durch  den  Obersten  Roy  vom  Schlosse
Tirol  abgetrieben,  auf  diese  Weise  zwischen  zwei  Feuer
geriethen.

Schon  war  Rusca  wieder  gegen  Meran  zurückgekehrt,
  als  Oberst  Roy  sich  gezwungen  sah,  abermals
um  den  Besitz  der  Höhen  des  Schlosses  Tirol  zu  streiten.
Major  Bougault  sandte  ihm  Unterstützung,  vermittelst
  derselben  Roy  zwar  diese  Höhen  frei  machen,  aber
doch  nicht  die  Verbindung  des  Feindes  mit  Steinach
und  Algund  abschneiden  konnte.  Unterdessen  hatten  von
einer  andern  Seite  die  Tiroler  den  Versuch  gemacht,
über  die  Maslinger-Brücke  in  die  Stadt  zu  dringen.
Aber  General  Bertolett!  gieng  ihnen  rasch  entgegen,
und  trieb  sie  auch  hier  nach  zweistündigem  Gefecht,  so
wie,  da  sie  bald  nachher,  von  Ober=  und  Untermayer
herab,  gegen  die  Brücke  über  den  Passeyrfluß  kamen.
Doch  immer  neue  Streithaufen  der  Tiroler  wälzten  sich
heran  zur  Unterstützung  der  Ihrigen.  Der  Oberst  Roy
sah  seinen  linken  Flügel  wiederum  aus  der  bicsher  behaupteten
  Stellung  verdrängt.  Zwar,  als  ihm  Major
Bougault  abermalige  Verstärkung  schickte,  stellte  er
nicht  nur  das  Gefecht  wieder  zu  seinem  Vortheile  her,
sondern  raubte  dem  Feinde  auch  die  Verbindung  mit
Steinach,  aber  doch  überzeugte  er  sich,  daß  es  ihm  in
der  Folge  unmdglich  sepn  werde,  sich  auf  den  eingenommenen
  Bergen  zu  behaupten.  Er  wollte  nur  die  Nacht
erwarten,  um  sich  auf  der  Bergfläche  des  Schlosses
Tirol,  ohne  Unordnung,  zusammenziehen  zu  kbnnen.
        <pb n="428" />
        —  125  —

Zum  Unglück  jedoch  hatten  die  Neapolitaner  schon  Mangel
  an  Schießbedarf,  wurden  von  den  Insurgenten  fort
und  fort  mit  Ungestüm  bedrängt,  und  verließen  ihre
Stellung.  Major  Bougault  hielt  ihren  Lauf  nur
durch  Versendung  einer  Voltigeur-Compagnie  auf,  die
er  bei  sich  hatte.  Diese  rückgängige  Bewegung  und
Mangel  an  Munition,  zwang  auch  das  daneben  gestandene,
  nun  auf  dem  linken  Flügel  entblößte  französische
Regiment,  sich  in  der  Nacht  zum  Major  Bougault
zurückzuziehen,  der,  da  er  nach  Erkrankung  des  Obersten
Roy,  den  Oberbefehl  der  Colonne  übernommen  hatte,
um  Mitternacht  alle  Mannschaft  nach  Meran  zog.

Aber  auch  hier  war  keine  Sicherheit  mehr,  weil
die  Insurgenten  die  Verbindung  mit  Botzen  zu  vernichten
  droheten,  und  in  großer  Anzahl  auf  den  Kniterholfer-Höhen
  erschienen  waren.  Rusca  konnte  nicht  mehr
daran  denken,  sie.  mit  Erfolg  anzugreifen,  da  es  ihm
schon  zu  sehr  an  Schießbedarf  fehlte.  Er  verließ  daher
noch  während  der  Nacht  Meran,  zog,  vom  Feinde  umschwärmt
  und  verfolgt,  nach  Vilpian,  und  am  folgenden
  Morgen  (17ten  November)  über  Terlan  bis  Gries,
wo  er  eine  Stellung  zum  Schutz  der  Stadt  Botzen  nahm,
gegen  die  der  Feind  schon  mit  Macht  über  das  Gebirg
anrückte.  Rusca  hatte  in  diesen  beiden  Tagen  einen
Verlust  von  205  an  Todten,  Verwundeten  und  Gefangenen
  gehabt,  und  beim  Rückzug  aus  Meran  eine  dreipfünder
  Kanone  im  Stich  gelassen,  die  in  einen  Graben
gefallen  war.

Vier  und  zwanzig  Stunden  zu  spät,  nämlich  am
17ten  Morgens  war,  von  Sterzing  her,  der  Bataillons-Chef
  Klippfeld  mit  500  Mann  in's  Passeper-Thal
        <pb n="429" />
        —  425  —

aufgebrochen,  dem  drei  Stunden  nachher,  mit  einem
Bataillon,  der  Bataillons  =  Chef  Doreille  folgte.
Jener,  dem  einige  hundert  Tiroler  beim  Orte  Kolten,
ein  paar  Stunden  von  Sterzing,  widerstehen  wollten,
sprengte  diese  bald  aus  einander.  Man  erreichte  darauf
den  Gipfel  der  Berge,  die  das  Passeyer-Thal  einschließen,
  und  zog  jenseits  auf  schmalem  Gebirgspfad,
Mann  hinter  Mann,  in'S  Thal  nieder,  bis  zum  Dirflein
  Valten,  das  von  seinen  Einwohnern  gänzlich  verlassen
  stand.  Es  war  schon  Nacht.  Auch  das  andere
Bataillon  traf  hier  ein.

Es  war  Befehl,  Klippfeld  sollte  folgendes  Tages
über  St.  Leonhard  bis  St.  Martin,  Doreille  nur
bis  St.  Leonhard  vorrücken.  Klippfeld  trat  den
Weg  an.  Es  war  ein  sehr  enger  Steg,  auf  einer  Seite
von  einem  wilden,  tiefen  Bergstrome,  auf  der  andern
von  Schnee  bedeckten  Felsen  begrenzt.  Gegen  St.  Leonhard
  wurde  der  Weg  offener,  aber  eine  Viertelstunde
vor  diesem  Orte  fand  man  ihn  durch  einen  Verhau  gesperrt.
  Beim  Aufräumen  desselben  ging  so  viel  Zeit
verloren,  daß  auch  Doreille,  der  zwei  Stunden  später
  von  Valten  aufgebrochen  war,  und  zur  Behauptung
jenes  gefährlichen  Engweges  eine  Compagnie  zurückgelassen
  hatte,  herankam.  Beide  Bataillone  setzten  nun
ihre  Bewegung  fort.  Kaum  aber  war  die  Spitze  von
Klippfeld's  Bataillon  bei  St.  Leonhard  angekommen,
und  die  letzte  Mannschaft  Doreille's  durch  den  Verhau
gewandert,  als  ringsum  Büchsenfeuer,  und  von  den
Bergen  rollende  Felsenstücke  die  Nähe  des  Feindes  verkündeten.
  Vierzig  Mann,  die  seitwärts  zur  Deckung
der  Colonnenspitze  wanderten,  wurden  getddtet  oder
        <pb n="430" />
        —  426  —

gefangen;  und  200  Mann  der  Nachhut  wurden  mit  solcher
  Gewalt  auf  die  Colonne  geworfen,  die  in  St.  Leonhard
  einrückte,  daß  sie  kaum  Zeit  hatten,  sich  am  Eingange
  des  Dorfes  in  Schlachtordnung  zu  stellen,  und
die  nachdringenden  Bauern  mit  gefälltem  Bajonnett
abzutreiben.

Der  Batajllons-Chef  Doreille,  in  der  Ueberzeugung,
  daß  die  vom  General  Rusca  zum  Passeyer-Thal
  gesandten  1500  Mann  nahe  seyn  würden,  befahl
dem  Bataillons-Chef  Klippfeld,  gegen  St.  Martin
vorzudringen,  und  Alles  über  den  Haufen  zu  werfen,
was  sich  unterwegs  vom  Feinde  zeigen  würde.  Er  selbst
vertheilte  sein  eigenes  Bataillon  in  den  Häusern  von
St.  Leonhard,  den  Ort  zu  behaupten.  Aber  die  feindlichen
  Streitmassen  wurden  jeden  Augenblick  durch  diejenigen
  Mannschaften  vermehrt,  die  den  General  Rusca
aus  Meran  vertrieben,  bis  Terlan  verfolgt,  dann  nach
und  nach  den  Heimweg  in's  Passeyer-Thal  genommen
hatten.  Trotz  allem  Verlust,  den  sie  erlitten,  hinderte
ihre  Wuth  und  Menge  das  vorgerückte  Bataillon  Franzosen,
  den  Zug  nach  St.  Martin  zu  vollenden.  Es
kam  daher  Abends  10  Uhr  wieder  nach  St.  Leonhard

zurück.

Die  Infurgenten  verstärkten  sich  immer  mehr,  während
  der  Nacht,  und  sperrten  den  Weg  nach  Valten
mit  Verhauen.  Die  in  Valten  gebliebene  Compagnie
wurde  am  Morgen  darauf  (10ten  November)  mit  Uebermacht
  angegriffen  und  gefangen  genommen.  Doreille,
der  die  Aufforderung  zur  Uebergabe  abwies,  wollte  den
Rückzug  nach  Sterzing  nehmen  und  erzwingen.  Aber
Verhaue,  herabschmetternde  Felsen,  und  Büchsenfeuer,
        <pb n="431" />
        —  127  —

warfen  den  Vortrab,  nach  verschiedenen  und  vergeblichen
  Anstrengungen,  wieder  in's  Dorf  zurück.  Dreißig
Mann  und  ein  Offizier  fielen  dabei  in  Feindes  Gewalt.
Abends  schnitten  die  Insurgenten  alle  in's  Dorf  führende
  Wasserleitungen  ab,  schoben  ihre  Posten  näher
heran,  und  führten  zwei  kleine  Kanonen  gegen  den  von
Grenadieren  verschanzten  Kirchhof.

Der  Bataillons  -Chef  Doreille,  weit  entfernt,
der  wiederholten  Aufforderung,  sich  zu  ergeben,  Folge
zu  leisten,  machte  selbst  einen  allgemeinen  Angriff  (20sten
November),  der  aber,  wie  heftig  er  auch  war,  dennoch,
so  wie  ein  zweiter  (lsten  November),  ohne  entscheidende
  Wirkung  blieb,  während  zwei  seiner  an  den  General
  Hüard  gesandten  Boten  aufgefangen,  und  erschossen
  wurden.  Schon  fehlte  es  nun  den  franzsfischen
Tapferen  bald  an  aller  Munition,  noch  mehr  an  Lebensmitteln,
  sogar  am  Wasser.  Plbtzlich  brach  (##  ten  November)
  in  einem  der  Häuser  Feuer  aus.  Mit  erneuerter
  Wuth  stürmten  die  Tiroler  von  allen  Seiten  an,  und
erkämpften,  wie  verzweifelt  auch  die  Franzosen  fochten,
den  Eingang  des  Dorfes.  Sie  waren  eben  im  Begriff,
ein  fürchterliches  Blutbad  anzurichten,  als  Peter  Haspinger
  erschien,  und  den  Befehlshaber  Doreille  zu
sprechen  verlangte.  Während  er  mit  diesem  unterhandelte,
  daß  er  sein  und  der  Seinigen  Leben  nicht  durch
längere  Widersetzung  muthwillig  hinopfern  solle,  waren
die  Bauern  überall  in's  Dorf  gekommen.  Nur  mit  der
größten  Mühe  hinderte  Haspinger  die  Ermordung
aller  noch  übrigen  Franzosen,  die  nun  ausgeplündert
und  gefangen  (2#sten  November)  nach  Mals,  und  in  die
Nachbarschaft  von  Glurns  abgeführr  wurden.
        <pb n="432" />
        —  1428  —

General  Baraguay-d'Hilliers  konnte,  wegen
Mangel  an  Kriegs=  und  Lebensmitteln,  die  Scharte
nicht  so  schnell  auswetzen,  als  er  wünschte.  Nur,  damit
  Rusca  nicht  gänzlich  in  Botzen  eingeschlossen  werde,
beschloß  er  die  Brigade  Bertoletti's  wieder  Stellung  bei
Terlan  nehmen,  ein  Bataillon  aus  Brixen  nach  Gries
rücken  zu  lassen.  Der  Feind  griff  (10ten  November)
alle  franzbsisch  italienischen  Posten,  doch  ohne  Erfolg
an.  Weil  er  sich  aber  der  Höhen  von  Jenessien  bemeistert
  hatte,  mußte  General  Bertoletti  die  Insurgenten
  (20fsten  November)  mit  sechs  Bataillonen  auf  der
Bergfläche  von  Nebels  im  Rücken,  General  Severoli
sie  auf  den  Höhen  von  Jenessien  von  der  Stirnseite
fassen.  Inzwischen  hatte  Baraguay-d'  Hilliers
mehr  Truppen  in  Bewegung  gesetzt,  um  Meran  und
das  Passepyer-Thal  zu  besetzen,  und  das  Werk  wurde
sogleich  begonnen.

Die  Division  Rusca  griff  (Zisten  November)  die
Insurgenten  mit  Nachdruck  an,  die  sich  auf  den  Höhen
von  Neuhaus,  Rittenstein  und  St.  Margarethen  ausgebreitet,
  und  den  Thurm  besetzt  hatten,  der  die  Terlaner-Klause
  beherrscht.  Sie  wurden  mit  Verlust  von
50  Todten  aus  der  Klause,  dann  aus  den  Häusern  längs
der  Straße  von  hier  nach  Terlan  getrieben,  wohin  auch
Bertolleti  auf  dem  Gebirgökamme  längs  der  Straße,
von  Jenessien  her,  fast  ohne  Widerstand,  kam.  Dann
zog  Rusca  (2östen  November)  mit  seiner  Diovision  auf
geradem  Wege  gegen  Meran,  General  Severoli
eben  dahin,  von  Siegmundskron  her;  die  Stadt  und
Umgegend  wurde  besetzt;  die  Insurgenten  stoben  in  großer
Verwirrung  auseinander.  In  derselben  Zeit  gelangte
        <pb n="433" />
        —  420  —

General  Barbon  mit  zwei  Regimentern  und  fünf
Eliten  =  Compagnien,  von  Sterzing  her,  nach  St.  Leonhard
  im  Passeper-Thal,  und  vernahm  nun  erst  das
unglückliche  Schicksal  der  hier  gefangen  genommenen
Franzosen.  Er  durchzog  folgendes  Tages  das  ganze
Thal  bis  Meran.

Obwohl  Andreas  Hofer,  siegtrunken  durch  jenen
bei  St.  Leonhard  gewonnenen,  flüchtigen  Vortheil,  mit
neuen  Proclamationen  (vom  22sten  November)  das  Volk
zum  Aufstand  rief,  und  das  Herannahen  österreichischer
Heerschaaren  aus  Kärnthen  verkündete,  (ähnliches  geschah
  des  gleichen  Tages  auch  von  Meran  aus,  durch
einen  gewissen  Fingerle,)  wirkte  doch  die  Nähe  der
franzbsisch  =  italienischen  Armee  kräftig  genug  auf  die
umliegenden  Gegenden,  so  daß  die  Bewohner  des  Vintschgaues
  (am  20sten  November)  dem  General  Baraguayd’Hilliers
  ihre  Unterwerfung  anzeigten,  und  die
Ortschaften  Refer  und  Schenau  im  Passeyr  ihre  Gewehre
  abzuliefern  anfingen.  In  abgelegenern  Landschaften
  aber  gab  Hofer's  Wort  neuen  Muth  zum  Aufruhr.
Auch  offenbarten  sich  neue  Bewegungen  des  Aufstandes
zwischen  Botzen  und  Klausen.  General  Severoli
mußte  sogleich  mit  einem  italienischen  Linien-Regimente
noch  Botzen  eilen.  Dieser  schickte  von  hier  (2östen  November)
  den  Bataillons-Chef  Martin  mit  300  Manm
nach  Briren,  der  schon  bei  Kolmann  den  Uebergang  über
die  dasige  Brücke  gegen  bewaffnete  Bauern  erstürmen
mußte,  dann  in  Klausen  eine  bedeutende  Anzahl  italienischer
  Soldaten  befreien  konnte,  und,  mit  Verlust  von
20  Mann,  endlich  Briren  erreichte.  Hier  war  General
Moreau  durch  eine  beträchtliche  Zahl  Insurgenten,  un-
        <pb n="434" />
        —  430  —

ter  ihrem  Anführer  Kolb,  eingeschlossen;  doch  noch  denselben
  Tag  zog  von  anderer  Seite  ein  frisches  Bataillon
ein.  Auch  zwei  Tage  später  noch  konnte  die  Verbindung
  zwischen  Botzen  und  Briren  nur  nach  hartnäckigem
Gefechten  gegen  die  Insurgenten-Banden  bei  Kolmann
und  Klausen  offen  gehalten  werden.

Bald  wurden  auch  die  Vorposten  der  Besatzung  von
Brunecken  wieder  durch  Insurgenten  angegriffen,  die  von
Antholz,  unter  Anführung  eines  gewissen  Engelberger,
  gekommen  waren.  Ebenderselbe  hatte  das  Taufererund
  Gailthal  zum  schnellen  Aufbruch  gegen  Brunecken
gemahnt;  der  frömmelnde  Ton  der  Proclamationen  ließ
errathen,  daß  überall  Priester  es  waren,  die  zum  Morde
riefen.  Das  ganze  Pusterthal  erhob  sich  wieder  in
Waffen.  Das  bewog  den  General  Almepras,  mit
seinen  bei  Unterwientl  aufgestellten  vier  Compagnien  nach
Brunecken  zu  gehen,  um  der  Besatzung  im  Nothfall
Luft  zu  machen.  Er  fand  (Isten  December)  unterweges
alle  Dorfer  rerlassen,  alle  bewaffnete  Mannschaft  auf
den  Bergen,  und  die  Hauptstärke  des  Aufstandes  bei
Islingen,  EChrenberg,  geradeüber  von  Kiens,  vereinigt.
So  durfte  er  es  nicht  wagen,  seinen  Weg  auf  der
großen  Straße  fortzusetzen.  Er  erstürmte  daher  die  Islinger-Hdhen
  mit  dem  Bajonnett,  sprengte  die  feindlichen
  Haufen  auseinander,  und  erreichte  mit  Verlust
von  15  Mann  den  Punct  Brunecken.

Zwischen  Brunecken  und  Lienz,  wo  General  Teste
befehligte,  war  die  Verbindung  ebenfalls  unterbrochen.
Unter  dem  Geläute  der  Sturmglocken  im  ganzen  Thale
hatte  ein  gewisser  dsterreichischer  Major  Luxheim,  mit
5000  Tirolern,  den  Bataillons-Ehef  Devals  ange-
        <pb n="435" />
        griffen  (Asten  December),  der  mit  fuͤnf  Compagnien  in
der  Gegend  von  Silian  stand;  ihn  bis  gegen  Eisack  in
anhaltenden  Gefechten  zurückgedrängt;  ihm  bei  Toblach
und  Niederndorf  seine  Voltigeur-Compagnie  gefangen
und  entwaffnet,  und  außerdem  verschiedene  Armee-Angestellte,
  einige  Reiter,  und  bei  50,000  Patronen  weggenommen.
  Zum  Glück,  daß,  während  hier  die  Verbindung
  unterbrochen  worden  war,  Meran  stark  genug
besetzt  blieb,  und  daß  Baraguay-d'Hilliers,  von
da  aus,  die  Entwaffnung  des  Vintschgaues,  durch  Absendung
  des  Geistlichen  Donai,  bewirken  konnte.  Wirklich
  hatte,  in  Folge  dessen,  der  baierische  General
Raglowich  den  Punct  Nauders  durch  zwei  Compagnien
  des  leichten  Bataillons  Habermann  besetzt,  und,
von  Landeck  her  ungehindert  Botschaften  nach  Meran  zu
schicken,  freie  Hand  erhalten.

Die  Insurgenten,  welche  unter  Befehl  des  Lurheim
  standen,  so  wie  die  von  Windisch  -Matrey,  machten
  zwar  keinen  Versuch  gegen  Lienz.  Dagegen  fielen
sie  aber  gleichzeitig  lam  Lten  December)  mit  Uebermacht,
Ungestüm  und  Hartnäckigkeit  die  Städte  Briren  und
Brunecken  an.  Jene  wollte  der  Insurgenten-Chef  Kolb
mit  ohngefähr  8000  Mann  im  Sturm  nehmen,  und
wurde  nach  mehrstündigem  Gefecht  zurückgeworfen.  Brunecken
  wurde  von  5000  bis  6000  Bauern  angefallen,  die
auch  schon  eines  Theils  der  Vorstädte  sich  bemeistert
hatten;  standen  aber,  mit  Hinterlassung  von  217  Todten,
  wieder  davon  ab.  Doch  konnte  General  Almeyras
  gegen  sie  selbst  nicht  weiter  angriffsweise  verfahren,
weil  er  kaum  1000  streitbäre  Männer,  und  nur  20  Patronen
  für  den  Mann  hatte.  Er  ward  am  folgenden
        <pb n="436" />
        —  432  —

Tage,  und  auch  später  wieder,  von  den  Insurgenten  zur
Uebergabe  ?7)  aufgefordert;  beantwortete  ihre  Zuschriften
aber  durch  Schweigen,  und  ließ  es  bei  leichten  Plänkeleien
  bewenden.

Unterdessen  vermehrte  sich  allmälig  die  schwache  Truppenzahl
  der  Franzosen  in  Lienz  und  Botzen  zum  festen
Widerstande;  General  Barbou  zog  (Tten  December)
in  das  Passeyer-Thal,  von  wo  die  Banden  des  Aufstandes
  den  Fahnen  des  Anführers  Kolb  gefolgt  waren.
Er  entwaffnete  das  Thal.  Hin  und  wieder  wurden  einzelne



*)  Am  Sten  December  erhielt  General  Almayras  folgendes
  Aufforderungs-Schreiben  aus  Percha:

„[Im  Namen  des  Ober-Commandanten
Andregs  Hofer.“

„Der  gestrige  Tag  war  für  Uns  grausam,  denn  die
Cavallerie  hat  Uns  viel  Uebel  zugefügt;  Unsere  Leute  sind
jedoch  bereit,  das  Gefecht  von  Neuem  zu  beginnen;  Wir
Commandanten  tragen  jedoch  nicht  die  Waffen,  um  durchaus
  Blut  zu  vergießen,  und  versprechen,  selbst  Unsere
Leute  zurück  zu  halten,  wenn  sie  folgende  Bedingungen
eingehen  wollen:

„Art.  1.  Die  Offiziere  und  Soldaten  strecken  das  Gewehr,
  und  werden  über  die  Tiroler-Grenze  geleitet;
die  Offiziere  werden  ihrem  Range  gemäß,  die  Soldaten
  mit  Menschlichkeit  behandelt  werden.“

„Art.  2.  Die  Waffen,  Munition,  Kanonen,  Munitions=
  und  andere  Wagen,  werden  Uns  ausgeliefert.“

„Art.  5.  Die  Gefangenen  werden  gusgewechselt.“

aIm  Falle  diese  Bedingungen  nicht  angenommen  werden,
  verlangen  Wir  von  Ihnen,  für  Morgen  früh,  einen
einstündigen  Waffenstillstand,  zum  Begraben  unserer
Todten.=
        <pb n="437" />
        —  433  —

zelne  kleine  Unternehmungen  gegen  die  Insurgenten  ausgeführt,
  franzdsische  oder  italienische  Soldaten  aus  der
Gefangenschaft  der  Bauern  befreietr,  oder  einzelne  Haufen
  des  Feindes  überrascht  und  vernichtet.  So  schickte
General  Teste  (aten  December)  den  Bataillons-Chef
Devals,  von  Lienz  mit  200  Mann  bei  Eisach  über
die  Drau,  um  bei  Amblach  400  Insurgenten  rückwärts
anzufallen,  die  er  zugleich  von  vorn  mit  150  Mann  angriff,
  nahm  ihnen  25  Mamn  gefangen,  und  tddtete
ungefähr  100.  General  Severoli  rückte  von  Botzen
über  die  Hdhen  von  Barbiano,  und  stieg,  während  einige
  seiner  Compagnien  die  feindliche  Aufmerksamkeit
bei  Kolmann  beschäáäftigen  mußten,  ohne  Hinderniß  (zten
December)  nach  Klausen  nieder,  und  bemeisterte  sich
sowohl  der  Stadt,  als  des  alten  Schlosses  und  der
umliegenden  Hôhen,  aus  allen  den  Feind  verdrängend.
Er  ging  nach  Briren,  stellte  hier  die  Verbindung  mit
Brunecken  wieder  sicher,  und  betrieb  die  Entwaffnung  des
Landes  in  den  Thälern  umher.  Als  bald  nachher  (Soten
December)  General  Moreau  mit  zwei  Baraillonen  und
einem  Regimente  von  Briren  aus  nach  Brunecken  zog,
um  diese  Stadt  von  der  Berennung  der  Insurgenten
frei  zu  machen,  war,  schon  vor  seinem  Annähern,  die
gesammte  bewaffnete  Bauerschaft  auseinander,  und  verschwunden.
  Die  umliegende  Gegend  wurde  darauf  ebenfalls
  entwaffnet,  selbst  die  Lienzer-Klause  vom  Feinde
geräumt.  Einzig  das  Thal  von  Windisch-Matrey  zeigte
dort  noch  Widerspenstigkeit.  Die  Insurgenten  waren
von  da  sogar  wieder  drohend  gegen  Lienz  bis  Aineth
gerückt,  und  in  so  großer  Masse,  daß  der  mit  einem
Bataillon  gegen  sie  ausgeschickte  Bataillons-Chrf  Beaurais
  (ten  December)  nichts  vermochte,  als  ihnen
II.  546es  Buch.  26
        <pb n="438" />
        sechszig  und  einige  Mann  zu  tddten,  und  eine  Zweipfünder-Kanone
  zu  nehmen.  Inzwischen  war  dies  auch
die  letzte  Anstrengung  des  Aufstandes,  der  überall  schon
im  Ersticken  war.  Schon  am  13ten  December  unterwarf
  sich  das  Ainetherthal.  Auch  Windisch-Matrey,
Katz=  und  Pusterthal  wurden  entwaffnet,  die  geistlichen
und  weltlichen  Anführer  der  Aufrührer  eingefangen,  und
der  Strenge  der  Gesetze  überliefert;  endlich  sogar  der
schwache  und  verblendete  Andreas  Hofer,  in  einer  Hütte
auf  der  Höhe  des  Passeper-Gebirges  entdeckt,  wo  ihn
einer  seiner  eigenen  vertrautesten  Anhänger  verrathen
hatte,  gefangen  genommen,  und  militärisch  gerichtet.
Sein  Tod  (Dosten  Februar)  endete  den  ganzen  Fieberrausch
  des  Aufstandes,  und  eine  dumpfe  Erschlaffung
folgte,  in  welcher  das  Volk  nun  erst  und  zu  spät  erfuhr,
wie  lange  und  wie  grob  es  durch  seine  Priester  und  ehrgeizigen
  und  umvissenden  Anführer,  mit  Unwahrheiten
hintergangen,  und  in  ein  Verderben  gerissen  worden  sey,
dem  es  durch  angestammte  Tapferkeit  entrinnen  zu  können
  geglaubt  hatte.

Weit  früher  schon  war  das  italienische  Tirol  beruhiget
  und  entwaffnet  worden.  Einzelne  kleine  Banden,
die  noch  umherzustreifen  wagten,  wurden  dort  leicht
aufgehoben.  Eine  derselben  ward  noch  Ende  November
zu  Sion  in  den  Gindicarie  aufgegriffen.  Man  machte
von  ihr  80  Mann  gefangen  (25sten  November),  die  sogleich
  erschossen  wurden.

Eben  so  ging  die  Entwaffnung  des  Volkes  in  denjenigen
  Thälern  ohne  Widerstand  vor  sich,  die  von  den
baierischen  Oivisionen  besetzt  waren.  Hier  hatte  der  Generallieutenant
  Graf  von  Wrede  den  Befehl  seiner
        <pb n="439" />
        —  435  —

Division,  weil  ihn  erschütterte  Gesundheit  zur  Rückkehr
nach  Bayern  unbthigte,  dem  General  Grafen  Minncci
übergeben.  —  Bei  Innsbruck,  auf  dem  Brenner,  im
Oberinnthale,  wo  die  Divisionen  Wrede's  und  des
Kronprinzen  standen,  herrschte  Ruhe,  Ordnung  und
Sicherheit,  durch  gute  Mannzzucht  gehandhabt.  Als
daher  auch  (#sten  December)  ein  eidsgenbssisches  Corps
von  0000  Mann  abzog,  welches  zur  Sicherheit  schweizerischer
  Neutralität,  seit  Chasteler's  Einrücken  in's  Tirol,
  an  den  Graubündter  Grenzen  gestanden  war,  begnügte
  sich  General  Raglowich,  die  Martins-Brücke
bei  Finstermünz  blos  mit  einem  geringen  Wachtposten
zu  besetzen.

Nicht  so  friedlich  war  es  im  untern  Innthal  geblieben,
  welches  die  Division  Deroy  besetzt  hielt.  Theils
bewaffnete  Bauern  auf  den  Bergen,  theils  ein  aufgefangenes
  Schreiben  Speckbacher's  an  seine  Freunde')
verriethen,  was  Feindseliges  im  Entwurf  seyn  mochte.
Ein  Corporal  mit  acht  Mann  vom  läten  Linien-Regimente,
  als  Streifwacht  vom  Orte  Buch  ohnweit  Schwatz
nach  Obergalzeim  ausgeschickt  (27sten  November),  wurde

 

*)  Es  lautete  also:

„Allerliebster  Paull!

„Ich  unterzeichneter  bitte  Dich,  daß  Du  mir  die  Gefälligkeit
  erweisest,  daß  Du  die  Leute  in  Ellbögen  in
aller  Eile  aufforderst,  denn  es  wird  den  27sten  auf  allen
Seiten  angegtiffen  werden;  die  Franzosen  inner  dem
Brenner  sind  aufgeräumt,  und  die  Oberländer  und  der
Hofer  rücken  vor,  und  mit  der  Hülfe  Gottes  wollen
wir  den.  Feind  bei  der  Nacht,  so  still  möglich  ist,  zu
überfallen  suchen.  Ergreiffet  also  die  Waffen,  und  helfet

28
        <pb n="440" />
        —  436  —

mitten  in  diesem  Dorfe,  angegriffen,  theils  verwundet,
theils  gefangen;  doch  folgendes  Tages  wieder  frei  ge—
geben.  —  Der  Lieutenant  Rogister,  welcher  mit
50  Mann  auf  dem  Schloßberge  von  Rattenberg  stand,
wurde  (30sten  November)  durch  200  Insurgenten  mit
Ungestüm  überfallen,  behauptete  sich  jedoch,  bis  ihm
General  Vincenti  die  sehr  dringende  Unterstützung
zuschicken  konnte.  General  Derop,  der  nun  vernahm,
daß  eigentlich  die  Wildschdnau  die  Werkstätte  der  neuen
Unruhen,  und  der  Aufenthalt  der  Volksaufwiegler  war,
sandte  den  Obersten  Metzen,  mit  dem  ersten  Bataillon
und  zwei  Compagnien  des  zweiten  Bataillons  vom  öten
Regiment,  unter  Major  Flatt,  und  zwei  Compagnien
des  lôaten  Regimentes,  unter  Major  Pillement,  nebst
einer  Kanone,  in  das  Thal  von  Wildschdnau.  Diese
Truppen,  welche  auf  drei  verschiedenen  Wegen  und  Seiten
  (Tten  December)  einrückten,  fanden  die  Bewohner
ruhig  bei  ihren  Häusern.  Sie  entwaffneten  das  gesammte
Thal  ohne  allen  Widerstand,  und  kehrten  dann  (oten
December)  in  ihre  Wintergelager  zurück.  Seitdem  blieb
auch  hier  alles  in  ununterbrochener  Ruhe.

Von  da  an  begann  die  mildere  Sorge  des  Königs
von  Bapern  für  dies,  durch  seine  Empdrung,  unglück-—



 

die  Religion  und  das  Vaterland  retten.  Unterredet  Euch,
ob  Ihr  nicht  in  der  Stille  der  Nacht  könntet  Euere  Numor
  machen.“

„Datum  Wattenberg  am  24  sten  November  1800.“4

uUnterzeichnet:  Joseph  Miller,
K.  K.  Unter-Commandank.“

Joseph  Specbacher,
K.  K.  Ober=  Commandant.“
        <pb n="441" />
        —  437  —

lich  gewordene  Land.  Aus  Baiern,  wie  aus  Italien,
wurden  Lebensmittel  aller  Art  herbeigefuͤhrt;  die  Truppen
  beträchtlich  vermindert  )  und  die  noch  zurückbleibenden,
  zur  Erleichterung  des  Volkes,  in  sehr  ausgedehnte
  Cantonirungen  vertheilt.  Als  sich  im  Salzburgischen
  Spuren  neuer  Aufwieglereien  offenbaren  wollten,
  sandte  General  Drouet  das  leichte  Bataillon
Habermann  (c#ten  Februar)  dahin,  nach  Zell,  Mittersil
und  Saalfelden;  das  leichte  Bataillon  Donnersberg  aber
nach  Werfen,  Taxenbach,  St.  Johann  und  Radstadt.
Und  sobald  das  franzdsisch  =  italienische  Heer,  Anfang
Februar  1810,  das  deutsche  Tirol  verließ,  und  sich
in's  italienische  zurückzog,  traten  baierische  Truppen,
unter  dem  Befehle  des  Generals  Grafen  Rechberg,

5)  Schon  am  16ten  December  wurde  das  freiwillige  Jäger-Regiment,
  die  berittenen  Jäger,  und  die  Artillerie  der
Brigade  Oberndorf,  aus  Tirol  nach  München  gezogen,
die  Besatzung  letzterer  Hauptstadt  zu  bilden.  —  Die  übrigen
  zu  dieser  Brigade  gehörigen  Truppen,  unter  dem
nun  zu  ihren  Commandanten  ernannten  Oberstlieutenant
von  Hofnaßb,  die  Reserve-Bataillone  des  2ten,  zten
und  15ten  Linien-Regimentes,  besetzten  die  Straße  von
der  Scharnitz,  zur  Sicherung  der  aus  Baiern  entsandten
Transporte,  dann  die  Straße  nach  Füssen,  die  Puncte
Lermos,  Reiti,  Nassenreith.  —  In  den  ersten  Tagen
des  neuen  Jahres  wurde  auch  sämmtliche  Cavallerie,  mit
Ausnahme  zweier  Escadronen  bei  jeder  Baiern-Division,
aus  Tirol  nach  Vaiern  zurückgezogen,  und  das  bisher  bei
der  Armee  bestehende  Pontonier-Corps  aufgelößt.  —
Am  12ten  Januar  zogen  auch  jene  noch  übrigen  drei  Bataillone
  der,  der  Division  Kronprinz  zugetheilten,  dritten
Brigade  aus  Tirol,  ihren  Friedens-Garnisonen  zu.
        <pb n="442" />
        —  4386  —

an  deren  Stelle  im  Vintschgan,  Meran  und  dortigen
Gegenden.  ")

 

35.

Blick  auf  die  Bewegungen  im  Vorarlbergischen.


Da  wir  schon  oben  erwähnt  haben,  daß  sich  eine
kleine  Schaar  Franzosen,  unter  Befehl  des  Generals

*)  Als  Folge  der  verschiedenen  desbalb  qusgeführten  Bewegungen
  war  die  Stellung  der  isten  Armee:  Division
  Ende  Februar's  folgende:

Das  Hauptauartier  der  Divisson  in  Imst.

iste  Infanterie=  Brigade:  General  Graf  Rechberg
  mit  dem  ersten  Bataillon  des  isten  Linlen-Regimentes
  in  Meran.  —  Das  zweite  Bataillon  dieses  Regimentes
  in  Mals,  Glurns,  Schlanders.  —  Das  Reglment
  Kronprinz  von  Nauders  bis  Imst  und  umgegend.  —
Das  erste  leichte  Bataillon  im  Zillerthale  und  Pinzgan.

2te  Infguterie-Brigade:  Oberst  goller  in
Silz.  —  Das  4te  Linien-Regiment  in  Silz,  Haimingen,
Telf"“,  Stams,  Oeß=  und  Pizenthal.  —  Das  8te  Linien=Regiment
  iu  Nassareith,  Lermos,  Ehrwald  und  umliegende
  Gegend.  —  Das  dritte  leichte  Bataillon  in
Innöbruck.

Cavallerie?  Brigade:  General  Bieregg  in
München.  —  Das  iste  Dragoner=  Regiment  in  München,
Schleibheim,  Fürsteuried.  —  Das  iste  Chevaurlegers-Regiment
  in  den  Landgerichten  Tölz,  Wolfratshausen.
—  Zwei  Escadronen  desselben  vertheilt  auf  verschiedenen
Puncten  Tirols,  von  Telfs  bis  Meran,

Die  Vatterie  Wagner  vertheilt  in  Imst,  Landeck,
        <pb n="443" />
        Beaumont,  zu  Anfange  August,  durch  die  Scharnitz
über  die  Alpen  des  Arlberges  gegen  Bregenz  und  Lindau,
hinwieder  die  Brigade  Picard  sich  nach  Reuti,  Kriegsvolk
  von  Würtemberg  und  Baden  nach  Feldkirch,  Immenstadt
  und  Weiler,  begeben  habe,  müssen  wir  billig
einen  Rückblick  auf  die  vorarlbergischen  Landschaften
werfen.

Der  Friede  hier  schien  sich,  bei  Ankunft  der  Truppen,
  früher,  denn  im  übrigen  Tirol  herstellen  zu  wollen.

Pfunds,  Glurns,  Meran.  —  Die  Batterie  Hofstetten  in
Innsbruck.  —  Die  Batterie  Leiningen  in  München.  —
Die  Batterie  Regnier  in  Wasserburg  und  Haag;  die
Vatterie  Vandouve  in  Erding.  —  Der  UArtillerie-Park
in  Innsbruck  «

DieStellungderUeuArmee-Divisiouwar
dagegen  zu  jener  Zeit  folgende:

Das  Hauptquartier  der  Division  in  Briren.

iste  Infanterie-Brigade:  Oberst  Graf  Berchem
  in  Sterzingen.  —  Das  te  Linien:  Regiment  Prinz
Carl,  in  Sterzingen,  Gossansaß,  Mauls,  Treinfeld,
Steinach,  Grieß,  Staffberg,  Mattrei.  —  Das  15te  Regiment
  in  Innsbruck,  Goebßens,  Arams,  Kemathen,  Multers.
  —  Das  sechste  leichte  Infanterie  =  Bataillon  la  Roche
in  Lienz,  Aßling,  Dölsach,  Triflach.

2te  Infanterie-Brigade:  General  Graf  Beckers
  in  Vrunecken.  —  Das  bte  Linien-Regiment  Herzog
  Wilhelm  in  Briren,  Mühlbach,  Mittes  ald,  EClausen.
—  Das  7te  Linien-Regiment  Löwenstein  in  Brunecken,
Silian,  Schloß  Heimsfeld,  Diefenheim,  St.  Lorenzen.
—  Dyos  vierte  leichte  Bataillon  Donnersberg  in  Werfen,
St.  Johann,  Darenbach,  Radstadt.  —  Das  2ste  Chevaurlegers-Regiment
  König  in  Augsburg,  und  im  Landgerichte
  Aichach.  —  Das  öte  Chevaurlegers=  Regiment  Lei-
        <pb n="444" />
        —  440  —

Nicht  nur  uͤberlieferte  sich  der  Hauptanfuͤhrer  des  Aufstandes
  in  diesen  Gegenden,  Doctor  Schneider,  seinen
Richtern  persönlich;  sondern  einer  der  ehrbarsten  Männer
  des  Landes,  Doctor  Bitschnau,  bewirkte  durch
seine  Beredsamkeit  und  Achtung  beim  Volke,  die  gänzliche
Auflösung  der  Insurrection.  —  Also  ward  die  Entwaffnung
  der  Thäler  ohne  Zeitverlust  begonnen,  mit  Ausnahme
  der  Gemeinden  Klosterle  und  Stuben,  und  der
vier  Gemeinden  des  Thanberges,  wohin  sich  alle  Unzufriedenen
  gus  dem  Vorarlberg  zurückzogen,  und  mit  den
Tirolern  vereinigten,  die  den  Arlberg,  Thamberg  und
Zeinis-Papß  besetzten.

Weil  bald  nach  diesem  aber  die  Baiern  ganz  Tirol
hatten  einsweiken  räumen  müssen,  sollte  die  Maßregel
auch  auf  Vorarlberg  ausgedehnt,  und  nur  noch  die  Stadt
Bregenz  besetzt  gehalten  werden.  Dagegen  machte  der
einsichtsvolle  Doctor  Bitschnau  die  auf  Volks=  und
Landeskenntniß  gegründeten  triftigsten  Vorstellungen,
und  weissagte,  mit  Räumung  dieser  wichtigen  Stellungen,
  den  Wiederausbruch  allgemeinen  Aufruhrs.  In
der  That  waren  die  Franzosen  nur  kaum  bis  Frastenz
und  Nenzing  zurückgegangen,  sah  man  ihnen  die  Fahnen

ningen  im  Landgerichte  Weilheim,  in  Pludenz  im  Vorarlberg,
  in  Briren  und  Brunecken.

Die  Batterie  Berchem  im  Landgerichte  Schongau.  —
Die  Batterie  Caspers  und  Ulmer  in  Augsburg.  —  Die
Batterie  Dorn  in  Brunecken  und  Briren.  —  Artillerie-Park
  im  Landgerichte  Landsberg.

Die  dritte  Armee-Division  Deroy  hatte

keine  Veränderung  in  ihrer  Stellung  im  Unter-Innthale
vorgenommen.
        <pb n="445" />
        —  461  —

der  Empörer  auf  dem  Fuß  bis  Mudenz  folgen,  unter
Verübung  der  größten  Ausschweifungen.

General  Lagrange,  der  in  derselben  Jeit  an  Beaumont's
  Platz  kam,  theilte  vollkommen  Bitschnau's
Ansichten.  Er  behielt  Vorarlberg,  so  weit  er  die  Thalschaften
  noch  hatte,  besetzt;  ließ  einige  Compagnien
Baiern  vom  Bataillon  Pillement  in  die  Nähe  von  Pludenz
  vorrücken,  und  zu  größerer  Sicherung  auch  Nuziders
  und  Ludesch,  am  Ausgange  des  Walserthales  am
Thamberg,  besetzen.  Sobald  Lagrange  noch  Verstär-=kungen
  durch  den  würtembergischen  General  Koseriz
empfing,  ließ  er  durch  den  Obersten  Fromment,  der
die  Vorschaar  befehligte,  auch  den  obern  Theil  des
Vorarlbergischen  näher  bewachen.  Die  Baiern,  unter
Pillements  Befehl,  mußten  zu  Weißbach,  unweit
Füssen,  auch  zu  Pludenz,  und  mit  drei  Compagnien  zu
Lindau,  Stellung  nehmen,  wo  neue  Verschanzungen
angelegt  waren,  und  der  französische  General  Lesuire
den  Befehl  hatte.  Die  Tiroler  machten  Streifzüge  bis
Pludenz;  griffen  zuweilen  die  baierischen  Vorwachten
bei  Weißbach  (10ten  September),  die  würtembergischen
bei  Burrberg  und  Santhofen  an,  und  unterhielten  vom
Klosterthale  aus,  wo  ihre  Hauptstärke  im  Walde  bei
dem  Radona-Tobel  stand,  Verbindung  über  den  Kristberg
  mit  dem  Wontafua,  bis  dieses  im  October  endlich
auch  von  den  Franzosen  besetzt  wurde.

Als  das  Bataillon  Pillement  (3osten  September)
durch  das  bisher  bei  Landsberg  gestandene  Reserve-Bataillon
  des  siebenten  baierischen  Linien  -Regimentes  in
allen  Stellungen  abgeldset  war,  )  schienen  die  Insur-»)

  Jenes  Bataillon  Pillement  wurde  dann  aufgelößt,  und
        <pb n="446" />
        —  442  —

genten  ihre  Thaͤtigkeit  erneuern  zu  wollen.  Bis  zum
Anfang  November  dauerten  auf  allen  Vorposten  die
nichts  entscheidenden  Plänkeleien  fort;  Hauptmann  Hardungh,
  der  50  Mann  von  seiner  Compagnie  zu  Mudenz,
  auf  Streife  gegen  den  Arlberg  (Losten  October)
schickte,  verlor  davon  sieben  Mann  durch  Wunden  oder
Gefangenschaft,  da  der  Zug  in  einem  Versteck  des  Feindes
  gerathen  war.

Unterdessen  wurde  keine  Mühe  gespart,  den  abgeschlossenen
  Wiener-Frieden  auf's  Moglichste  bekannt  zu
machen.  Aber  auch  dann  noch  dauerten  die  Jerrüttungen
fort,  als  die  von  den  Vorarlbergern  zu  Reuti  errichtete
Landes-Defensions-Commission  (5ten  November)  schriftlich
  nach  Fussen  ihre  Unterwerfung  einberichtet  hatte.
Denn  nun  standen  in  Reuti  selber  zwei  Partheien  einander
  feindlich  gegenüber,  von  denen  die  eine  Unterwerfung,
  die  andere  Fortsetzung  des  Kampfes  verlangte,
und,  als  das  Cöste  franzbsische  Linien-Regiment  (ten
November)  von  Füssen  nach  Reut  gehen  wollte,  sah  es
sich  schon  eine  Viertelstunde  vor  der  Stadt  durch  das
Feuer  der  Rebellen  auf  dem  Schwarzberge  zur  Rückkehr
gendthigt,  weil  es  keinen  Befehl  hatte,  feindlich  vorzudringen.
  Doch  der  Lärmen  der  Insurrectionslustigen
endete  schnell,  als  sich,  wie  wir  es  schon  früher  erzählten,
  dgs  Corps  des  Grafen  Oberndorf  über  Lermos,
Ehrwald  und  Bichelbach,  gegen  Reuti  ausdehnte,  anderseits,
  General  Rechberg  von  Telfs  aus  das  Landge- 



die  zum  gten  und  töten  Linien=  Infanterie-Regimente,
dem  öten  und  kten  leichten  Bataillon  gehörige  Mannschaft
desselben,  zu  ihren  betreffenden  Regimentern  und  Bataillonen
  zurück  gesandt.
        <pb n="447" />
        —  443  —

richt  Reuti  zur  Ablegung  der  Waffen  aufforderte.  Nun
zog  alles  auseinander,  und  Major  Waibel  mit  Mannschaft
  der  Oberndorfischen  Brigade  (12ten  November)  zu
Reuti  ein.  Nur  noch  einzelne  Banden  der  unversöhnbarsten
  Landesstürmler  trieben  da  und  hier  Unfug.  So
wurde  der  Vortrab  der  Compagnie  des  Hauptmanns
Hardungh,  der  sich  von  Pludenz  auf  den  Weg  gemache
hatte,  bei  Klosterle  durch  150  Bauern  angegriffen,  diesich
  fort  und  fort  mehrten,  und  das  Gefecht  allgemein
zu  machen  suchten.  Der  Hauptmann  aber,  erhaltenen
Befehlen  zufolge,  brach  den  Kampf  ab,  der  ihn  6  bis
7  Todte  und  drei  Gefangene  gekostet  hatte,  und  zog  sich
in  voller  Ordnung  wieder  zurück.

Damit  endeten  aber  auch  alle  Feindseligkeiten.  Gleich
nachher  geschah  vollständige  Unterwerfung.  Die  würtembergischen
  und  badenschen  Truppen  hatten  schon  (I#uten
und  12ten  November)  den  Rückzug  in  ihre  Vaterlande
begonnen;  die  Franzosen  rüsteten  sich  zu  folgen.  Major
Pillement  mußte  einsweilen  mit  den  Baiern  die  vorzüglichsten
  Puncte  des  Vovarlberges  besetzen,  bis  der
Kinig  von  Baiern  (I8ten  November)  den  Obersilieutenant
  Wrede  mit  Verstärkung  dahin  sandte.)

 

*  )  Letztgenannter  Oberstlieutenant  stellte  dieses  Corps  gegen
Ende  November  und  Anfangs  December  wie  folgt  auf:
Vier  Compyagnien  des  2ten  leichten  Bataillons  bildeten
  die  Besabzung  von  Lindau,  in  welcher  Stadt  fortdauernd
  General  Lesuire  das  Obercommando  fährte.  —
Eine  Compagnie  des  2ten  leichten  Bataillons  stand  in
Bregenz,  und  beobachtete  die  Brücken  und  das  Klaußel.
—  Zwei  Compagnien  des  öten  Linien-Regimentes  standen
  in  Immenstadt,  und  untethielten  die  Verbindung
mit  Reuti,  Füssen  und  Lindau,  deckten  Kempten,  und
        <pb n="448" />
        —  4456  —

Sobald  sich  aller  Orten  Ergebung  und  Ruhe  zeigte,
setzte  der  König  sein  Kriegesvolk  daselbst  auf  den  Friedensfuß,
  und  übernahm  wieder  gänzlich  die  Verpflegung
desselben.  Als  nach  mehreren  Monaten  endlich  (im
März)  die  Aushebung  von  30607  Recruten  in  Tirol,
und  von  1000  Mann  im  Vorarlberg,  die  beste  Bürgschaft
  vom  Gehorsam  des  Landes  gab,  wurden  nach  und
nach  die  Truppen,  wie  aus  dem  Tirol,  so  aus  dem
Vorarlberg,  größtentheils  zurückgezogen.  Der  bisherige
Oberbefehlshaber  der  baierischen  Divoisionen,  Graf  Erlon
  Drouet,  verließ  mit  dem  Ausdrucke  dankbarer
Jufriedenheit  )  das  Heer,  als  ihn  sein  Kaiser  zu

 

 

beobachteten  das  Illerthal.  —  Zwei  Compagnien  des  Reserve-Bataillons
  des  7ten  Linien-Regimentes  Löwenstein,
  und  zwei  Kanonen,  in  Feldkirch;  eine  Compagnie
desselben  in  Satteins,  und  vier  in  Mudesch,  bildeten
den  Mittelpunct  des  Corps,  beobachteten  das  Walser-Thal
  und  die  Zugänge  des  Tann-Berges.  Eine  Compagnie
  des  titen  Linien-Regimentes,  zwei  Kanonen,
und  das  Hauptquartier  des  Oberstlieutenants  Wrede,
waren  in  Pudenz.  —  Eine  Compagnie  des  titen  Regimentes
  in  Bratz;  eine  Compagnie  desselben  in  Schruns,
beobachteten  das  Kloster=  und  Montafaner-Thal.  —  Eine
Compagnie  des  nämlichen  Regimentes  in  Nuziders  deckte
die  Brücken  und  Wege  gegen  das  Walser-Thal.  —  Zwei
Compagnien  des  Reserve-Bataillons  des  15ten  Linien-Regimentes
  in  Nenzing.  —  ZSwei  Compagnien  des  nämlichen
  Bataillons  in  Erastanz,  bildeten  die  Reserve  für
das  ganze  Corps.

°*)  Corps  d’Armée  Bavarois.

Ordere  du  jo  ur.
Le  corps  2TArmée  est  prevenu  que  le  génral  de  Division
  Drouet  comte  d’Erlon,  eétant  appellé  par  Sa
        <pb n="449" />
        —  445  —

andern  Bestimmungen  abrief;  und  nur  General  Minucci
  blieb  mit  drei  Brigaden  in  Tirol  und  Vorarlberg,
wo  er  den  Oberbefehl  empfing.)

Majesté  l’Empereur  et  Roi,  son  Souyerain,  à  remplir
d’'autres  fonctions;  Sa  NMajesté  le  Roi  de  Baviere  a
designé  monsieur  le  genéralmajor  de  Siebein,  pour
le  remplacer  dans  le  commandement;  en  eonsequence
les  rapports  devront  étre  à  H’avenir  adressés  à  cet  officier
  genéral.  —  En  quittant  le  corps  d’armée  bayarois,
le  géndral  de  division  comte  d’Erlon  temoigne  à  Messieurs
  les  officiers,  aux  sousofficiers  et  soldats,  sa  satisfaction
  particulière  pour  le  bon  esprit  dui  les  a  constament
  animé,  ainsi  due  pour  leur  exacte  discipline;
temoin  de  leur  conduite  distinguse  dans  toutes  les  occasions,
  il  les  assure  due  ducoi  du’cloigné  d’Eux  il  leur
portera  toujours  le  plus  vik  interét  et  so  fera  un  devoir
d’en  rendre  un  compte  avantageux  à  Sa  Majesté  le  Roi
et  de  solliciter  de  nouveau  Sa  bienveillance  royale  pour
ceux  de  Messieurs  les  olliciers  qui  se  sont  le  plus  particulièrement
  distingucs.
Donné  au  quartier  général  à  Innsbruck  le  g.  juin  1810.
signé:  le  gônéral  de  Division,
Comte  d'’Erlon  Drouect.
*)  Brigade  des  Generalmgjors  Grafen  Rechberg.
Ztes  Linien-Infanterie-Reg.  ,  ötes  leichtes  Infanterle-Kronprinz,

  Bataillon,
tes  Linien  Infanterie-Reg.)  zwei  Escadronen  des  ssten
Herzog  piuss  Chevaurlegers-Regimenistes
  leichtes  Infanterie=  tes  Kronprinz,
Bataillon,  Batterie  Wagner.

Brigade  des  Generalmagjors  Grafen  Beckeré.
ötes  Linien-Infanterie-Reg.Eine  Escadron  des  Sten,
Herzog  Wilhelm,  und

15tes  Linien-Infanterie-Reg.  eine  Escadron  des  üten.

.  .  ClevauxleersRec.
ates  leichtes  Infant.  Bataill.  memesr  8  8

ötes  ¾!  »  »  Batterie  Dorn.
        <pb n="450" />
        —  330  —
Aber  auch  diese  wurden  auf  Befehl  des  Monarchen

  (oom  17ten  Juni  1810)  noch  um  Bedeutendes  vermindert,
  so  daß  nur  noch  eine  Brigade  unker  dem  General
  Rechberg,  und  eine  unter  dem  Generalmajor
Grafen  Beckers  im  Tirolischen  und  Salzburgischen,“)
endlich  nur  noch  wenige  Regimenter  zurückblieben,  da
der  Ködnig  die  andern  (3isten  Juli  1810)  in  ihre

Friedensquartiere  zurück  rief.  »*)  Eben  diese  Erleichte-Brigade

  des  Generalmgjors  von  Vincentiti.

Otes  Linien-Infanterie-Reg.  (eine  Majors-Dioisson  des
#ates  „  "  r  Aten  Chevauxlegers-Re-»

  ,  gimentes;

Ttes  leichein  Talanterie:  Batterie  Pammler.

*)  Die  Brigade  unter  dem  General  Grafen  Rechberg
bestand  aus  dem  2ten  Linien  Regimente  Kronprinz,  —
dem  zten  Linien-Infanterie-Regimente,  —  dem  zten
leichten  Bataillon,  —  zwei  Escadronen  des  Regimentes
Bubenhoven  Chevauxrlegers,  —  der  Batterie  Pammler;  —
die  zweite  Brigade,  unter  dem  Befehle  des  Generalmajors
  Grafen  Beckers,  aus:  dem  öten  Linien-Infanterie-Regimente,
  —  dem  15ten  Linien=  Infanterie=  Regimente,
  —  dem  öten  leichten  Infanterie,  Bataillon,  —
zwei  Escadronen  des  Sten  und  äten  Chevaurlegers-Regimentes,
  —  der  Batterie  Dorn;  —  das  Ganze  unter  dem
Oberbefehle  des  Generals  Grafen  Minncci,  welcher
sein  Hauptquartier  fortdauernd  in  Innsbruck  behielt.

*)  Es  blieben  in  Tirol  und  Salzburg  nur  das  2te,  öte  und
15te  Linien-Infanterie-Regiment,  das  öte  und  öte  leichte
Bataillon,  zwei  Escadronen  Cavallerie,  und  die  Batterie
Pammler,  über  welche  der  Generalmajor  von  Raglowich,
  bis  zu  gänzlicher  Grenz-Berichtigung  mit  Italien,
dann  der  Generalmajor  Graf  Rechberg,  den  Oberbefegl
  führen  sollte.
        <pb n="451" />
        —  6447  —

rung  genoß  auch  das  Vorarlbergische,  wo  zuletzt  (Gten
Mai)  nur  das  Bataillon  des  11ten  Linien  -Regimentes
in  den  Casernen  von  Bregenz,  als  Besatzung,  gelassen
wurde.

 

50.
Schluß.

Das  war  der  Ausgang  eines  Krieges,  dessen  Beendigung
  das  Haus  Oesterreich  mit  einem  Verlust  von
2030  Geviertmeilen,  und  3,368,034  Unterthanen,)  ja
mit  dem  Verluste  seiner  vormaligen  kriegerischen  Bedentsamkeit,
  erkaufen  mußte.  Denn  ungerechnet  die  Vernichtung
  der  Vestungswerke  von  Wien,  des  Spielberges  bei
Brünn,  der  Citadelle  von  Grätz,  der  Wälle  von  Raab,
waren  auch  alle  bisherigen  Vormauern,  mit  Abtretung
Ober-Kaͤrnthens,  die  wichtigsten  Gebirgspaͤsse  gegen  Tirol
und  Italien,  eingebuͤßt,  sah  es  sich  durch  die  illyrischen
Provinzen  im  Rücken  unfrei,  selbst  nicht  mehr  des  Save-Flusses
  mächtig,  weil  es  von  Krain  her  in  die  Seite  genommen,
  von  Villach  aus  umgangen  werden  konnte.
So  wie  es  bei  Warschau  und  gegen  Russisch-Polen  jedem
feindlichen  Einfalle  blos  stand,  hatte  es  mit  dem  Inn-Strome
  auch  gegen  Deutschland  die  alte  Operations-Basis
der  vorhergegangenen  Kriege  fahren  lassen  müssen.

 

*)  Mit  Abtretung  Krains,  des  österreichischen  Friauls,  des
Gebietes  von  Triest,  von  Ober-Kärnthen  oder  des  Villacher-Kreises,
  der  Länder  Salzburg  und  Berchtesgaden,
eines  Theiles  von  Oesterreich  ob  der  Ems,  von  Westund
  eines  Theiles  von  Ost-Gallizien,  eines  Theiles  von
Ungarn.
        <pb n="452" />
        —  448  —

Hinwieder  stand  das  sieggekroͤnte  Frankreich  jetzt  maͤchtiger,
  denn  je,  da.  Napoleon  bauete  auf  der  Grundlage
  seiner  Eroberungen  neue,  riesenhafte  Entwürfe.  Sein
Interesse  verwandelte  er  zum  Interesse  aller  Mächte  des
Festlandes.  Er  trat  dem  großen  ziele  jetzt  näher,  als  es
je  moglich  geschienen,  nämlich  die  Thronen  des  ganzen
Welttheils  mit  sich  im  Verein  zur  Beugung  von  Englands
  Macht  zu  erblicken.

Vieles,  was  er  noch  Ende  des  Jahres  1800  ausgesprochen
  hatte,  z.  B.,  daß  der  Rheinstrom  Frankreichs
Grenze,  die  Unabhängigkeit  der  Hansestädte  geborgen  bleiben
  sollte  u.  s.  w.,  gab  er  nachmals  wieder  auf,  da  ihn
sein  unermeßliches  Glück  zu  berechtigen  schien,  weiter
zu  schreiten,  als  er  selbst  Anfangs  gedacht  haben  mochte.
Wenigen  Sterblichen  ist  verliehen,  mit  derselben  Stärke
die  Liebkosungen,  wie  die  Verfolgungen  des  Schicksals
zu  tragen.

Unter  allen  Staaten  des  rheinischen  Bundes  hatte
auch  in  diesem  Kriege  Baiern  am  schwersten  gelitten,  den
meisten  Kraftaufwand  gemacht.  Und  wie  es  bei  jedem
der  bisherigen  Friedensschlüsse  eine  unaufhrliche  Veränderung
  seiner  Grenzen,  durch  Verluste  oder  Erweiterungen,
  hatte  erfahren  müssen,  so  geschah  es  auch  diesmal
wieder.  Kraft  der,  als  Folge  des  Wiener-Friedens  abgeschlossenen
  Staats-Verträge  (25sten  Juni  1810)  trat  es
an  die  illirischen  Provinzen  und  das  Kbnigreich  Italien
diejenigen  Theile  Tirols  ab,  )  welche  ihm  durch  ihren
Wein=  und  Seidenbau  bedeutsam  werden  konnten;  und

ver-*)
  Nämlich:  den  von  226,500  Seelen  bewohnten  Etschkreis,

das  Gericht  Klausen,  mit  10,500  Seelen,  und  die  Landgerichte
  Botzen  2c.  im  Eisackkreise,  mit  44,500  Seelen.
        <pb n="453" />
        —  450  —

vermöge  des  Vertrags  vom  20sten  Mai  1810  (ratifteirt
den  1#ten  September  1810),  an  das  Großherzogthum
Würzburg  alle  jenseits  der  Rottach  und  des  Mains,  bis
zur  Vereinigung  mit  der  Pegnitz  liegenden  Theile  der
Landgerichte  Zeil,  Hellerstadt  und  Banz,  das  Landgericht
Lichtenfels,  Kronach  und  Tetschnitz,)  so  wie  auch  (laut
Vertrag  vom  18ten  Mai  1810,  Vollziehungs-Befehlvom
2ten  November),  an  Würtemberg  die  Landgerichte  Ravenöburg,
  Buchhorn,  Tettnang,  Geislingen,  die  jenseits
der  Iller  gelegenen  Abschnitte  des  Landgerichts  Illerdiessen,
Albeck  und  Soflingen,  nebst  den  Städten  Schweinfurt  und
Ulm,  mit  einer  Bevdlkerung  von  62,000  Seelen.  —  Dagegen
  erweiterte  sich  Baiern  durch  Besitzuahme  der  Fürstenthümer
  Regensburg,  Baireuth,  Salzburg,  Berchtesgaden,
  des  Inn=  und  Hausruck-Viertels,  und  andere  kleinere
  Erwerbungen,“)  mit  einem  Zuwachs  von  300,000  Un-*)

  Es  sollten  demnach  zwischen  Baiern  und  Würzburg  die
Rodach  und  Itz,  letztere  bis  zu  ihrem  Einflusse  in  den
Main,  von  da  an  aber  die  Ortschaften  Lauterhof,  Lepoldsdorf,
  Stettfeld,  Rastatt,  Lembach,  Treßendorf,  Trossenfurt,
  Kirchaich,  Dankenfeld,  Schindelsee,  Spielhof,
Prölsdorf,  Falsbrunn,  Theinheim,  Ober=  und  Unter-Steinbach,
  Glusfeld,  Waldschwind,  Kammerforst,  Breitbach,
  Schönaich,  Ilmbach,  Rudern,  Friederichsberg,  Rehweiler,
  Herpert,  Stierhöchstätt,  Mamhof,  Würstenfelden,
Kastell,  Wiesenbrunn,  Schloß  Schwanberg,  Rdelsee,
Fröhstockheim,  Hochheim,  Mainbernheim,  Michelfeld,
Marktsteft,  Oberbreit,  Marktbreit,  jene  Flüsse  die  Grenze,
gesammte  Ortschaften  die  Grenz-Orte  seyn.

*“)  1)  Das  Fürstenthum  Regensburg,  mit  einer  Einwohnerzahl
  von  32,500  Seelen  wurde,  so  wie  2)  das  Fürstenthum
  Baireuth  mit  einer  Einwohnerzahl  von  225,000  Seelen,
  vermöge  Patent  vom  vten  April  1310  in  Besitz  ge-II.

  ötes  Buch.  20
        <pb n="454" />
        —  150  —

terthanen,  so  daß  das  gesammte  Königreich  jetzt  eine  Bevolkerung
  Lon  3,551,570  Seelen  zählte.

Nicht  die  geringe  Größe  dieses  Zuwachses,  als  vielmehr,
  daß  damit  unmittelbarer  Zusammenhang  der  Provinzen
  unter  sich,  und  eine  treffliche  Militärgrenze  verknüpft
  war,  machte  das  Gewonnene  werthvoll  für  Baiern.
Es  stand  nun  geborgen  da  durch  den  Besitz  des  Innstromes,
der  wichtigen  Pässe  Salzburgs,  des  bedeutenden  Punctes
Passau,  wo  das  befestigte  Schloß  Oberhaus  sich,  von  acht
starken  Forts  umringt,  erhob.

Eine  der  unvermeidlichsten  Folgen  dieser  Gebiets-Veränderungen
  war  die  neue  Eintheilung  des  Keuigreiches,
dessen  bisherige  fünfzehn  Kreise,  zur  Vereinfachung  der
Verwaltung,  in  neun  größere  Kreise  aufgeldoßt  wurden.
nommen.  Ebenso  ergriff  Baiern,  vermöge  Patent  vom
10ten  September  1810,  5)  von  den  Fürstenthümern
Salzburg  und  Berchtesgaden  Besitz.  Erstgenanntes  Fürstenthum,
  seit  1000  Jahren  von  Baiern  getrennt,  faßte
eine.  Einwohnerzahl  von  185,003  Seelen,  leßtgenanntes
Fürstenthum  eine  Einwohnerzahl  von  20,000  Seelen.  Am
nämlichen  10ten  September  nahm  Baiern  Besißz  4)  von
dem  auf  dem  rechten  Innufer  gelegenen  Inn-Viertel  mit
125,000  Seelen,  dann  5)  vom  Hausruck-Viertel  mit
03,000  Seelen.  —  Zu  diesen  Erwerbungen  gesellten  sich
noch  die  Kleineren,  von  Giengen  mit  38100,  von  Trauchberg
  mit  4000,  von  Egloff  mit  2500,  von  Isuy  mit
1500  Einwohnern.

*)  Laut  Verordnung  vom  2östen  September  1810  waren  diese:
1)  Der  Mainkreis,  welcher  a)  außer  dem  bisherigen
  Mainkreise,  mit  Ausnahme  der  an  das  Großherzogthum
  Würzburg,  wie  bekannt,  abgetretenen  Gebietstheile,
  und  des  dem  Rezatkreise  zugetheilten  Landgerichts
Höchstädt;  b)  die  von  dem  Großherzogthum  Würzburg

 

—
        <pb n="455" />
        —  451  —

Schwerer  jedoch  blieb  die  Aufgabe,  jene  Wunden  zuheilen,
die  der  Krieg  dem  Wohlstande  des  Landes  geschlagen  hatte.
Denn  ungerechnet,  was  der  Fuß  des  Heeres  Blühendes

cedirten  Landesstriche  an  der  Sachsen-Coburgischen  Grenze;
c)  das  Landgericht  Pottenstein,  von  dem  bisherigen  Pegnitzkreise;
  d)  das  Fürstenthum  Baireuth,  oberhalb  Gebirgs;
  e)  die  Landgerichte  Eschenbach,  Kemnath,  Waldsassen,
  Tirschenreuth  und  Neustadt  an  der  Naab,  von  dem
bisherigen  Naabkreise  in  sich  faßte,  und  seinen  Sitz  in  Baireuth,
  ein  Appellationsgericht  in  Bamberg  erhielt.

2)  Der  Rezatkreis  bildete  sich:  a)  aus  dem  bisherigen
  Rezatkreise,  mit  Ausnahme  der  an  die  Krone
Würtemberg,  und  an  Würzburg  abgetretenen  Landestheile;
b)  aus  dem  bisherigen  Würzburgischen  Amte  Schließelfeld;
  c)  dem  Landgerichte  Höchstädt  vom  Mainkreise;
d)  dem  Fürstenthume  Baireuth  unterhalb  Gebirgs;  e)  dem
bisherigen  Pegnitz-Kreis,  mic  Ausnahme  des  an  den
Mainkreis  abgetretenen  Landgerichts  Pottenstein.  —  Dieser
  Kreis  hatte  seinen  Hauptsitz  in  Ansbach,  ein  Appellationsgericht
  in  Nürnberg.

5)  Der  Regenkreis  ward  zusammengesetzt:  a)  aus
dem  bisherigen  Regenkreise,  mit  Ausnahme  der  Landgerichte
  Viechtach,  Mitterfels  und  Straubing,  welche
dem  Unter-Donaukreise  zugetheilt,  wurden;  b)  der  Sradt
und  dem  Fürstenthume  Regensburg,  nebst  dem  Amte  Hochenburg;
  c)  den  Candgerichten  Sulzbach,  Pfaffenhofen,
Amberg,  Nabburg,  Treswitz,  Neunburg  vor  dem  Walde,
und  Waldmünchen,  vom  bisherigen  Naabkreise;  d)  dem
Landgerichte  Riedenburg,  des  bisherigen  Altmühlkreises.
—  Der  Hauptsitz  des  General-Kreis-Commissariats  war
in  Regensburg,  der  Siß  des  Appellationsgerichts  in  Amberg.

4)  Der  Ober-Donaukreis  bildete  sich:  a)  aus
dem  bisherigen  Ober-Donankreise,  und  zwar  aus  den  Landgerichten
  Lauingen,  Dillingen,  Höchstädt,  Burgau,  Werthingen
  und  Nördlingen,  den  Besitzungen  der  Grafen
        <pb n="456" />
        —  352  —

zertreten  hatte,  war  das  Vermögen  des  Volkes  vielmals
zur  Bestreitung  der  bffentlichen  Brdürfnisse  in  Anspruch
genommen  wurden,  erst  (25sten  Februar  1800)  durch  Ver-.l.



Fugger-Glött  und  Nordendorf,  dann  den  fürstlich  öttingischen
  Besitzungen,  nach  Abzug  der  an  die  Krone  Würtemberg
  abgetretenen  Gebietstheile;  b)  dem  bisherigen
königlich-würtembergischen  Amte  Weitingen;  c)  dem
bisherigen  Altmühlkreise,  mit  Ausschluß  des  Landgerichtes
tiedenburg;  d)  den  Landgerichten  Jusmarshausen  und
Göggingen,  der  Stadt  Augsburg.  —  Sih  des  General-Commissariats
  in  Eichstädt,  des  Appellationsgerichts  in
Nabburg.

5)  Der  Unter-Donaukreis  faßte  in  sich:  a)  den
bisherigen  Unter-Donaukreis;  b)  die  Landgerichte  Viechtach,
  Mitterfels  und  Straubing;  c,  das  Landgericht  Eggenfelden,
  vom  bisherigen  Salzachkreise;  d)  den  ganzen
Umfang  des  ehemaligen  Landgerichtes  Schärding,  nebst
dem  an  dasselbe  angrenzenden  Theil  des  Hausruckviertels,
und  dem  Amte  Obernberg.  —  Siß  des  General-Commissariats
  in  Passau,  des  Appellationsgerichts  in  Straubing.

0)  Der  Illerkreis  setzte  sich  zusammen:  a)  aus
dem  bisherigen  Illerkreise,  nach  Abzug  der  an  die  Krone
Würtemberg  abgetretenen  Theile;  b)  den  von  Würtemberg
  abgetretenen  Parzellen;  c)  dem  Landgerichte  Reuthi,
des  bisherigen  Innkreises;  c)  den  Landgerichten  Ursberg,
Schwabmünchen,  Mindelheim,  Türkheim,  Buchlohe,  Kaufbeuern,
  Ottobeuern  nebst  Memmingen,  dann  die  Mediar-=Besitzungen
  von  Fugger-Babenhausen,  Fugger-Kirchheim,
Burheim,  Winterrieden,  Thanhausen  und  Edelstetten,  des
bisherigen  Lechkreises;  e)  den  Landgerichten  Günzburg,
Elchingen,  Roggenburg  und  Illerdissen,  nebst  den  Besitzungen
  des  Grafen  Fugger-Kirchberg  und  Weißenhorn,  mit
Ausnahme  der  an  Würtemberg  überlassenen  Gebietstheile.
—  Sißzdes  General-Commissariats  wurde  in  Kempten,
des  Appellationsgerichts  in  Memmingen  bestimmt.
        <pb n="457" />
        —  453  —

theilung  der  Kriegeslasten  auf  das  ganze  Koͤnigreich,  damit
  nicht  einzelne  Gemeinden  allein  den  Druck  der  Durchzuge
  fremden  Kriegsvolkes  zu  tragen  hätten;  dann  (16ten
Mai)  durch  Erhebung  der  außerordentlichen  Steuer  eines
Achtheils-Procent  vom  Capitalwerth;  darauf  (20sten  Juli)
durch  ein  allgemeines  Land-Anlehen,  zu  dem  jeder  Staatsdiener,
  der  über  1000  Gulden  Gehalt  bezog,  fünf,  jeder  hbher
Besoldete  sieben  und  zehn  vom  Hundert,  die  sämmtlichen
Kirchen  und  Stiftungen  eine  halbe  Million  geben  mußten.

7)  Der  Isarkreis  bestand:  a)  aus  dem  bisherigen
Isarkreise,  mit  Ausnahme  des  an  den  Innkreis  abgetretenen
  Landgerichtes  Werdenfels;  b)  den  Landgerichten
Schrobenhausen,  Aichach,  Friedberg  und  Landsberg,  des
bisherigen  Lechkreises;  c)  den  Landgerichten  Vilsbiburg,
Mühldorf,  Wasserburg,  Trosberg  und  Rosenheim,  des  bisherigen
  Salzachkreises,  —  hatte  seinen  Hguptsitz  so  wie
das  Appellationsgericht,  in  München.

6)  Der  Salzachkreis  gestaltete  sich:  a)  aus  den
Landgerichten  Simbach,  Burghausen,  Traunstein,  Reichenhall,
  des  bisherigen  Salzachkreises;  b)  dem  Landgerichte
Kitzbühel,  des  bisherigen  Innkreises;  c)  dem  Fürstenthume
  Salzburg  und  Berchtesgaden,  mit  Ausnahme  des
Zillerthales;  d)  dem  bisherigen  Inn-Viertel,  nebst  dem
abgetretenen  Theile  des  Hausruck-Viertels,  mit  Ausnahme
dessen,  was  dem  Unter-Donaukreise  zugewiesen  ist.  —
Siß  des  General-Commissariats  wurde  in  Salzburg,  des
Appellationsgerichts  in  Burghausen  bestimmt.

0)  Der  Innkreis  begriff  folgende  Theile  in  sich:
a)  den  bisherigen  Innkreis,  mit  Ausnahme  der  Landgerichte
  Reuti,  Kitzbühel;  b)  das  Landgericht  Werdenfels;
P)  das  bisherige  salzburgische  Zillerthal;  d)  den  bisherigen
  Eisackkreis,  mit  Ausnahme  des  von  der  Krone  Italien
  und  an  die  illirischen  Provinzen  abgetretenen  Theiles;
—  hatte  den  Siß  des  Kreis-Commissarigts  und  des  Appellationsgerichts
  in  Innsbruck.
        <pb n="458" />
        —  455  —

Aber  der  Baier  gab  es,  und  willig.  Es  galt  sein  Vaterland
  und  selnem  König.  Er  gab  mehr,  als  das  Geforderte.
Es  flossen  noch  außerordentliche  Summen  zur  Unterstützung
verwundeter  Krieger,  oder  verunglückter  Gemeinden  zusammen.
  Herzog  Wilhelm  von  Baiern,  und  der  Fürstbischof
von  Eichstädt,  standen  an  der  Spitze  der  Tausende  von  vaterländischen
  Wohlthätern.  Und  sollte  man  hier  nicht  auch  der
opferreichen  Anstrengungen  Baierns  zur  Bildung  seiner
Nationalgarden,  und  seines  Bürgermilitärs  gedenken?  ")
In  Tagen  der  Gefahr  bezeugt  das  Volk,  was  es  für  einen
Fürsten  vermag,  der  gut  und  weise  herrscht.

König  Maximilian  Joseph  aber  ließ  sich  durch
die  Bewegungen  und  Stürme  des  Krieges  keinesweges  in
Ausführung  aller  jener  wohlthätigen  Verfügungen  hemmen,
  die  er  seinem  Volke  bei  Ertheilung  der  Constitution
zugedacht  hatte.  Er  beschränkte  demzufolge  den  Adel  (Gesetz
vom  Listen  Januar  1800),  durch  Aufhebung  der  sogenannten
  Edelmannsfreiheit  und  Siegelmäßigkeit,  in  dessen  gerichtlichen
  und  außergerichtlichen  Handlungen;  trennte
(28sten  Januar)  die  Volksschulen  von  den  eigentlichen  Studien-Anstalten;
  —  ordnete  (28sten  Februar)  die  künftige
Einführung  gleichen  Maaßes,  Gewichts  und  Münzfußes
an;  —  verlieh  den  Bekennern  des  evangelischen  Glaubens
Anfangs  (17ten  März  1800)  im  Main-,  Pegnitz-,  Rezat-,

6o)  Besonders  der  Städte,  Märkte  und  Kreise,  München,
Burghausen,  ulm,  Illerdissen,  des  Altmühlkreises,  Freising,
Moosburg,  des  Ober-Donaukreises,  Landshut,  Pfaffenhofen,
  Geisenfeld,  Hohenwart  und  Wolnzach,  Ingolstadt,
Geißlingen,  der  Märkte  Dietfurt,  3Zwisel,  Abendsberg,
Rohr,  Biburg,  Kellheim,  Abbach,  Cham,  Straubing,  Neuötting,
  Viechtach,  Ruhmannsfelden,  Neukirchen,  Eschelkam,
Amberg,  Neumarkt  im  Altmühlkreise,  des  Nabkreises  im
Allgemeinen,  und  Deggendorf.
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        —  455  —

Ober-Donau,  Lech=  und  Isarkreise  General-Decanate,  die
einem  General-Consistorium  untergeordnet,  in  den  Bezirken
ihre  Special-ODecane  haben  sollten,  aber  zog  nachher  (25s4e#n
October  1610)  auch  diese  General-Oecanate,  bei  der  neuen
Eintheilung  des  Reiches,  in  vier  zusammen,  welche  zu  Ansbach,
  Baireuth,  Regensburg  und  München  Sitzempfingen;
stellte,  voll  ächter  Duldsamkeit  (2ästen  März  1800)  die
Rechtsverhältnisse  der  Unterthanen  in  Bezug  auf  Religion
und  Kirchenthum,  Gewissensfreiheit,  freie  Wahl  der
Kirchenparthei  nach  zurückgelegtem  ein  und  zwanzigsten
Altersjahre,  Grenzen  der  Kirchengewalt,  Verwaltung  des
kirchlichen  Vermbgens,  und  Staatspflichten  der  verschiedenen
  Kirchenpartheien  gegen  einander  fest;  —  vermehrte
(11ten  Juni)  die  Bildungs-Anstalten  für  Volksschullehrer;
verlieh  (15ten  September)  der  Berggerichts-Verfassung
neue  Gestalt,  und  (2Tlsten  September)  der  General-Oirection
des  Wasser-,  Brücken=  und  Straßenbaues  zweckmäßigere
Einrichtungen;  bezeichnete  (Zten  August)  die  Gegenstände
genau,  welche  in  letzter  Instanz  vor  dem  kbniglichen  Geheimenrathe
  zu  entscheiden  waren,  und  die  Formlichkeiten,
welche  bei  dem  Berufsfatale  beobachtet  werden  sollten,  das
er  auf  50  Tage  ausdehnte;  —  führte  (aten  October  1310)
den  Codex  juris  bavarici  zudiciarii,  zur  Gleichfdrmigkeit
  der  Rechtspflege  und  des  Verfahrens  bei  bürgerlichen
Rechtshändeln,  in  alle  Theile  des  Königreichs  ein;  —
zeichnete  (vten  October  1810)  den  Geschäftsgang  vom  Ministerium
  des  Innern,  vom.  Finanz-Ministerium,  und  in
der  neuen  Bildung  der  General-Kreiscommissariate  bestimmter
  vor;  stellte  (10ten  November  1810)  die  Verwaltung
  des  Stifts=  und  Gemeinde-Vermbgens  unter  Kreisund
  Central-Administrationen,  die  er  der  Aufsicht  einer
General-Administration  unterwarf,  welche  Letztere  hin-
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        —  456  —

wieder  das  Ministerium  des  Innern  zur  obersten  Behdrde
empfing;  gab  (11ten  November  1810)  auch  der  General=Postdirection,
  und  den  sechs  im  Königreiche  bestehenden
Oberpostämtern  eine  verbesserte  Organisation;  und  stellte
endlich  (28sten  September  1810)  das  Familien-Gesetz
seines  koniglichen  Hauses  auf,  worin  Titel,  Verhältnisse
und  Rechte  der  Glieder  desselben,  so  wie  Erbfolge,  Vormundschaft,
  Regentschaft  festgesetzt,  und  wegen  Gerichtsbarkeit
  des  kdniglichen  Hauses,  so  wie  wegen  des  Familien-Rathes,
  angemessene  Verfügungen  getroffen  werden.

Wenn  es  schon  außer  unserm  Plane  liegt,  den  Bildungs=
  und  Verwaltungsgang  des  Staates  zu  beschreiben,
ist  ein  Hinblick  darauf  doch  wesentlich,  um  zu  zeigen,  wie
Kdnig  Marimilian  Joseph  in  der  Mitte  aller  Kriegsstürme
  nie  der  edeln  Friedenswerke  vergaß,  sein  Volk  zu
beglücken,  und  zu  erklären,  woher  die  begeisterte  Liebe  des
WVolkes  für  den  wohlwollenden  Monarchen  stammte,  dem
es  die  schwersten  Opfer  mit  freudigem  Herzen  brachte.
Nur  eins  noch  fehlte  ihm,  und  dahin  ging  noch  sein  ganzes
  Trachten,  sich  nämlich,  in  gleichem  Maaße,  Vertrauen
  und  Liebe  seiner  neuen  Unterthanen  in  Tirol  zu
gewinnen.  Darum,  als  er  am  20sten  October  1810  den
Vermählungstag  des  Kronprinzen  mit  der  Prinzessin
Therese  von  Hildburghausen  gefeyert  hatte,  ernannte  er
seinen  Sohn  (25sten  October)  zum  Gouverneur  des  Junund
  Salzach-Kreises  in  jenem  Gebirgslande,  und  wies
ihm  zum  künftigen  Wohnsitze  die  Hauptstadt  von  Tirol,
Innöbruck  an.
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Seite  111  Zeile  z  anstatt  Minzering  —  Vinzhöring

127  „  „  Beraguay  —  Baraguay

120  „  2  „  Max.  —  Max  (ohne  Punctum)
201  „  20  „  Völderer  —  Volderer

205  „  25  „  Birrberg  —  Burrberg

214  3  „";"  fanzösische  —  französische

220  "  30  Galizin  —  Gallizin

250  555.  u.  7  Bewunderung  —  Verwunderung.
265  „"  20  „  Vallemmeukichen  —  Gallneukirchen
204  „"  15  „  Gallenneukirchen  —  Gallneukirch
265  "  16  „  Gallenneukirchen  —  S
275  »  15  "  den  eine  —  den,  eine

515  Anmerk.  vorl.  Zeile  anstatt  Lomb  —  Vomb

520  ?  Ate  Zeile  v.  unten,  anst.  appuier  —  appuyer

520  zEte  "  „  5  essayè  —  essuyé
–  "  6te  „  anst.  de  comtes  —  des,  comtes
—  „  kt#  v.  unten  d'’eterminé  —  déterminé

—  „  1öte  „5  fehlt  im  Worte  tuc  der  Accent  auf  deme
550  „  1ite  „  v.  oben  anstatt  reele  —  réele

354  Zeile  27  anstatt  Eapuziner  —  Capuziner

542  „  0  „  Schnazelreit  —  Schnatzelreit

377  3.  16.  u.20.  W  Schnazelreit  —  Schnaizelreit

418  Anmerk.  ate  3.  v.  unten  anst.  haltet  —  hält

4325  3.  10  anstatt  kamen  —  kamen,  zurück.
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