Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  und  Kronprinzeß  Tuise.  0

die  Atmosphäre  innigen  deutschen  Familienlebens,  die  das  herzogliche
Haus  durchwehte.  Da  traf  es  der  schwerste  Schlag,  der  es  treffen  konnte:
die  Herzogin  Friederike,  die  fürsorgende  Mutter,  starb  am  22.  Mai  1782.

Dem  tiefgebeugten  Herzoge  war  es  eine  wohlthätige  Ablenkung,
daß  damals  gerade  anstatt  seiner  bisherigen  Dienstwohnung,  in  der  alles
an  seinen  schmerzlich  empfundenen  Derlust  ihn  erinnerte,  ihm  eine  andere
in  dem  kurfürstlichen  Schlosse  Herrenhausen  vor  Bannover  überwiesen
wurde.  Für  die  Kinder  zudem  ein  großer  Gewinn.  Denn  hier  in  fast
ländlicher  Stille  konnten  sie  in  Hark  und  BZlumengarten  sich  fröhlich
umhertummeln,  daß  oft  von  ihrem  Lachen  und  Jubeln  das  dichte  Blätterdach
  der  hochwipfeligen  Linden  widertönte.  Rier  ward  die  Liebe  zur
Natur  und  zu  ländlicher  Surückgezogenheit  der  jungen  Herzogin  Cuise
ins  Berz  gepflanzt,  die  stets  ein  eigenartig  schöner  Sug  in  ihrem  Charakter
  geblieben  ist.

Luise  war  acht  Jahre  geworden,  als  sie  mit  ihren  Geschwistern  den
Dater  nach  Darmstadt  zur  Großmutter,  der  verwitweten  Landgräfin  von
Hessen,  begleitete.  Der  Herzog  Karl  hatte  den  Mut,  sein  zertrümmertes
Räusliches  Glück  wiederaufzubauen;  er  vermählte  sich  am  28.  September
1784  mit  der  jüngeren  Schwester  seiner  heimgegangenen  Gemaklin,
der  Hrinzessin  Charlotte  von  Hessen.  Bis  zum  nächsten  Frühling  blieb
die  ganze  fürstliche  Familie  in  Darmstadt  vereint,  und  nur  mit  vielen
TChränen  schied  die  warmherzige,  liebliche  Luise  von  der  ihr  so  lieb  gewordenen
  Großmutter.  ·

Moch  war  das  Jahr  1785  nicht  zu  Ende,  als  der  Herzog  Karl  zum
zweitenmal  Witwer  war.  Die  Herzogin  Charlotte  starb,  nachdem  sie
ihren  Gemahl  mit  einem  Knaben  beschenkt,  der  nach  seinem  Vater  Karl
genannt  wurde,  schon  am  12.  Dezember.  Das  herbe  Geschick  beugte  den
Lebensmut  des  Herzogs;  er  nahm  seinen  Abschied  und  siedelte  mit  seinen
Kindern  ganz  nach  Darmstadt  über.  Hier  war  es  die  Candgräfin,  die
jetzt  ganz  die  Erziehung  der  jungen  Herzoginnen  in  ihre  Hand  nahm.
Zwar  die  älteste  der  Enkelinnen,  die  Herzogin  Charlotte,  hatte  eben  erst
den  Herzog  von  Hildburghausen  geheiratet;  und  1788  vermählte  sich  die
zweite,  die  Herzogin  Therese,  mit  dem  Erbprinzen  von  Turn  und  Taxis.
Aber  nur  um  so  inniger  widmete  sich  die  Landgräfin  den  beiden  lieblich
erblühenden  Snkelinnen,  die  in  ihrer  Obhut  blieben.  Sie  gab  ihnen  in
Mlle.  Gelieux  aus  Neufchatel  eine  französische  Gouvernante,  der  sich  die
Drinzessinnen  bald  mit  Rerzlichkeit  anschlossen.  Die  Fürstensitte  der  Seit
verlangte  eben  eine  überwiegend  französische  Erziehung;  aber  das  echt
deutsche  Empfinden  der  jungen  Herzogin  hat  sie  nicht  zu  unterdrücken