Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  und  Kronprinzeß  Cuise.  11

lobten.  Doch  noch  bevor  der  Feldzug  des  Jahres  1795  beendet  war,
traf  König  Friedrich  Wilhelm  II.  die  Bestimmungen  über  die  Vermählung.
Denn  seit  auch  das  Haupt  der  französischen  Königin  unter  dem  Blutbeile
gefallen  war,  und  GEsterreich  hinter  seinem  Rücken  über  eine  weitere
Teilung  Holens  mit  Rußland  gebeime  Derhandlungen  begonnen  hatte,
verlor  die  Rhein-Campagne  so  sehr  an  Bedeutung,  daß  er  am  Rhein
sich  die  Hände  frei  zu  machen  strebte,  um  in  Holen  mit  Wachdruck  aufzutreten.
  Er  gab  daher  zu  Anfang  des  Dezember  seinen  Söhnen  die
Erlaubnis,  von  der  Belagerung  von  Landau  nach  Berlin  zurückzukehren,
um  dort  ihre  Dermählung  zu  begehen.  Am  22.  Dezember  hielten  demgemäß
  die  beiden  fürstlichen  Bräute,  geleitet.  von  ihrem  Dater  und  der
greisen  Großmutter,  durch  das  Brandenburger  Thor  ihren  Einzug  in
Berlin.  Ihre  natürliche  Anmut  wie  ihre  jugendfrische  Lieblichkeit  gewannen
  im  Fluge  ihnen  alle  Herzen.

Am  Ende  der  Linden  war  eine  Ehrenpforte  errichtet,  an  der  eine
Schar  von  Knaben  in  grünen  Gewändern  und  eine  Schar  kleiner  Mädchen,
in  weiß  und  rosa  gekleidet,  den  festlichen  Brautzug  empfing.  Die  kleine
Sprecherin  der  Schar  trat  vor  und  begrüßte  die  zukünftige  Kronprinzessin
durch  ein  ihr  huldigendes  Gedicht.  In  sichtlicher  Zewegung  hörte  die
Drinzessin  es;  als  aber  die  Kleine  die  Schlußverse  sprach:  „Beil  Dir!  der
künftigen  Welt  wirst  Du  Monarchen  geben,  beglückter  Snkel  Mutter  sein!“
da  übermannte  die  Orinzessin  Luise  ihr  Gefühl:  sie  beugte  sich  zu  der
kleinen  Sprecherin  nieder  und  küßte  sie  mit  überströmendem  Berzen.  Sn
jubelnden  Hochrufen  riß  der  kleine  und  doch  so  sprechende  Dorgang  die
Umstehenden  hin;  allein  Frau  von  Voß,  die  als  künftige  Oberhofmeisterin
der  Hrinzessin  gegenübersaß,  konnte  doch  nicht  umhin,  halblaut  der  fürstlichen
  Braut  zu  bemerken:  „Mon  Dieu,  Boheit,  welch  ein  Derstoß  gegen
die  Stikette!“

„Wie,  Ercellenz,“  erwiderte  die  HBerzogin  Luise,  „darf  ich  das  nicht
mehr  thund  Darf  ich  als  Kronprinzessin  meinem  Herzen  nicht  mehr
folgend“  Und  mit  einem  glücklichen  Lächeln  schaute  sie  unbefangen  die
Gestrenge  an.

Swei  Tage  später,  am  24.  Dezember  1793,  fand  im  Weißen  Saale
des  Berliner  Schlosses  die  Trauung  des  kronprinzlichen  Daares  statt.
Der  Oberhofprediger  Sack  vollzog  sie.  Am  Schlusse  der  Traurede,  nachdem
  die  Einsegnung  geschehen  war,  wandte  er  sich  an  die  Kronprinzessin.
„Don  der  TLiebe,  die  Ihre  Königliche  Hoheit  ihm  weihen“,  sprach  er,
„erwartet  der  Drinz,  was  weder  Macht  noch  Würde  ihm  verleiben
können:  die  zärtliche  Freundschaft  häuslicher  Dereinigung,  den  geheiligten