Bweites  Kapitel.
Im  Sonnenschein  der  Kindheit.

„Herr  Obergeneral,  sind  Sie  entschieden,  den  Titel  eines  Wohl—
thäters  der  Menschheit  sich  zu  verdienen,  der  wahrhafte  Retter  Deutschlands
  zu  seind“  schrieb  am  51.  März  1797  der  General  Bonaparte  an
den  Erzherzog  Karl  von  sterreich,  den  Abschluß  des  Friedens  ihm
empfehlend.  Der  Erzherzog  war  nicht  dazu  entschlossen;  aber  „der  wahrhafte
  Retter  Deutschlands“  war  schon  da!  Der  Welt  noch  verborgen,
ein  Knäblein  von  wenig  Tagen,  lag  er  in  schlichter  Wiege,  von  leichten
grünseidenen  Gardinen  verhüllt,  im  Kleinen  Halais  in  Berlin,  des  jungen
kronprinzlichen  Daares  zweiter  Sohn:  unser  Kaiser  Wilhelm!  Am
22.  März  1707,  um  drei  Diertel  auf  2  Uhr  mittags,  hatte  die  Kronprinzessin
  Luise  mit  diesem  Knäblein  ihren  Gemahl,  nein  das  deutsche
Dolk  beschenkt.  Wer  in  die  Sukunft  zu  sehen  vermöchte!

Es  waren  nicht  immer  sonnenhelle  Tage  gewesen,  welche  die  Kronprinzessin
  in  ihrer  jungen  She  bis  dahin  zu  verleben  hatte.  Aber  der
Sonnenschein  überwog  doch  weitaus.  Dortrefflich  stimmte  ihre  anmutige
Natürlichkeit  zu  dem  schlichten  Sinne  des  Kronprinzen.  Das  fürstliche
Daar  atmete  auf,  wenn  es  den  Prunk  der  HBoffeste  hinter  sich  hatte  und
Luise  wieder  im  anspruchslosen  RKauskleide  vor  ihrem  Gemahl  erschien.

„Gott  sei  Dank“,  sagte  er,  „daß  du  wieder  meine  Frau  bist!“

„Wie?  Bin  ich  das  nicht  immer?“

„Ach  nein!  Du  mußt  nur  zu  oft  Kronprinzessin  sein!“

Bis  in  die  fernsten  Kreise  der  Bevölkerung  war  die  Kronprinzessin
binnen  kurzem  beliebt  geworden.  Man  erzählte  sich  unzählige  kleine
Süge  von  ihr,  die  ebenso  ihre  anspruchslose  Natürlichkeit  wie  ihre
Berzensgüte  beleuchteten:  wie  sie  ihre  Derspätung  bei  einer  Gesellschaft
zu  dem  Hausherrn,  einem  der  Minister,  mit  den  Worten  entschuldigt:
„Entschuldigen  Sie  freundlichst  unser  spätes  Kommen;  „mein  Mann“
hatte  noch  Geschäfte!“  —  wie  sie,  als  der  König  an  ihrem  Geburtstage
nach  ihren  Wünschen  sie  fragte,  um  eine  Hand  voll  Gold  für  die  Armen