Im  Sonnenschein  der  Kindbeit.  17

Leicht  und  glücklich  war  die  Entbindung  von  statten  gegangen;  der
kleine  Orinz  war  sehr  munter,  und  am  30.  Mlärz  schon  durfte  die  Kronprinzessin
  wieder  aufsteben.  So  konnte  denn  schon  wenige  Tage  darauf
die  Taufe  stattfinden.  Es  war  am  5.  April.  Im  Audienzsaale  des  kronprinzlichen
  Dalais  war  unter  einem  rotsammetnen  Baldachin  ein  Altar  errichtet
  worden,  auf  dem  mehrere  Kerzen  brannten.  Im  Halbkreise  vor
dem  Altare  standen  neben  dem  Kronprinzen  die  Haten:  voran  der  König
und  die  Königin,  dann  die  verwitwete  Hrinzessin  Ludwig,  die  Schwester
der  Kronprinzessin.  Auf  diese  folgten,  vom  Alter  gebeugt,  die  greisen
Drinzen  Beinrich  und  Ferdinand  mit  ihren  Gemahlinnen,  die  jüngeren
Brüder  Friedrichs  des  Großen,  die  gleichsam  den  Lorbeer  der  Fridericianischen
  Seit  dem  erlauchten  Täufling  darzubieten  schienen.  Die  Geschwister
des  Kronprinzen  und  sonstige  Derwandte  schlossen  den  fürstlichen  Reigen.
Durch  Abgesandte  waren  andere  Haten  vertreten,  wie  der  Kaiser  Paul
von  Rußland  und  dessen  Gemahlin.  Die  Oberhofmeisterin  hielt  den
Täufling  während  der  Taufrede  des  Oberkonsistorialrates  Sack;  dann
überreichte  sie  ihn  mit  tiefer  Reverenz  dem  Könige,  und  auf  dessen
Armen  empfing  der  kleine  Orinz  die  Taufe.  Er  erhielt  die  Namen
Friedrich  Wilbelm  Ludwig:  Wilhelm  sollte  sein  Rufname  sein.

Der  „prächtige  kleine“  Drinz  —  wie  ihn  Frau  von  Doß  nennt  —
gediel  unter  den  Augen  seiner  liebreich  fürsorgenden  fürstlichen  Eltern
vortrefflich;  aber  er  war  ein  sehr  zartes  Kind,  dessen  Gesundbeit  doch
mitunter  ihnen  ernstlich  Sorge  machte.  Ja,  als  er  drei  Diertel  Jahr
alt  war,  erkrankte  er  bedenklich  an  einem  „Brustfieber“,  so  daß  aus  allen
Ständen  unaufhörlich  im  Halais  angefragt  wurde,  wie  es  ihm  ginge.
Allein  seine  gute  Tatur  überwand  glücklich  die  Gefahr.

Unterdessen  war  in  Haretz  der  Bau  des  neuen  Schlößchens,  das
eigentlich  ein  schlichtes  Wohnhaus  war,  durch  den  Oberbaurat  Gilly  und
die  Herrichtung  des  Harkes  durch  den  Bofgärtner  Garmatter  vollendet
worden.  Am  2.  September  siedelte  daher  die  kronprinzliche  Familie  dorthin
  über.  Man  fand  sich  leicht  binein  in  die  einfachen  Herhältnisse.
Daß  der  Gottesdienst  in  einer  Scheune  gebalten  wurde,  da  die  Kirche
noch  unvollendet  war,  hinderte  niemand,  ihn  zu  besuchen.  Eine  wandernde
  Menagerie  kam  durch  das  Dorf:  sie  wurde  in  Augenschein  genommen.
  Am  folgenden  Sonntage  war  Erntekranz:  als  Gutshberrschaft
nahmen  auch  Kronprinz  und  Kronprinzessin  zwanglos  an  dem  Tanze  teil.
Eine  Landpartie  wurde  unternommen,  bei  der  alles  fröhlich  auf  großen
Leiterwagen  auf  Strohsäcken  saß.  Eine  wandernde  Bergmannskapelle

meldete  sich  und  durfte  ihre  Weisen  aufspielen.  Es  waren  Cffiziere  vom
HKaiser  Wilhelm.  2