Im  Sonnenschein  der  Kindheit.  19

welche,  ohne  Sorge  ihrer  erhabenen  Stellung  dadurch  Abbruch  zu  thun,
in  wahrer  Humanität  sich  nicht  scheuten,  die  allgemein  menschlichen  Züge
ihres  Wesens  zu  zeigen.  Das  lernte  hier  in  seinem  Elternhause  der  junge
Prinz  Wilhelm.  Denn  das  Beispiel  der  königlichen  Eltern  fand  Nach—
ahmung  bis  in  die  weitesten  Kreise  der  Bevölkerung.  „Man  kann  sich
gar  nicht  vorstellen"  —  meint  der  geniale  Schadow  in  seinen  Aufzeich—
nungen  —  „wie  wohlthätig  auf  die  Uppigkeit  der  vorigen  Regierung
das  Beispiel  Friedrich  Wilhelms  III.  folgte,  die  stille  Räuslichkeit,  die

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König  Friedrich  Milhelm  III.  im  Kreise  seiner  Familie  (1799).
Nach  dem  Kupferstiche  von  Eberhard  Siegfried  Henne  (1759—1828).

Schönheit  und  Brapheit  der  Königin.“  Das  erstreckte  sich  auf  die  Mode
der  Kleidung  —  denn  durch  die  Königin,  die  nur  bei  Staatsaktionen  sich
prächtig  kleidete,  kamen  die  schlichten  Musseline  und  Einfachbeit  in  der
Raartracht  in  Aufnahme  —  bedeutungsvoller  noch  auf  die  Sitte,  die
nach  dem  Dorbilde  der  Königin  Einfachheit  und  Natürlichkeit  in  das
Familienleben  brachte.  Als  ein  Ausdruck  der  veränderten  Geit  erschien
damals  ein  Kupferstich,  welcher  das  preußische  Königspaar  in  stillem
Glücke  auf  einem  Sofa  sitzend  zeigte.  Die  anmutige  Königin  hält  den
Arm  leicht  um  den  lebhaften,  zarten  Drinzen  Wilhelm  geschlungen,  wäh-27
