20  Sweites  Kapitel.

rend  zur  Linken  des  Königs  der  kleine  Kronprinz,  eine  Fahne  in  der
Rand  haltend,  mit  der  Rechten  seinen  hölzernen  Degen  zieht.  Die  weiteste
Verbreitung  fand  das  Bild;  denn  es  zeigte,  wie  das  deutsche  Familien—
leben  beschaffen  sein  sollte.

Gewiß  kostete  es  die  königlichen  Eltern  einen  schweren  Entschluß,  als
sie  am  25.  Mai  1798  die  fröhlich  heranwachsenden  kleinen  Prinzen  ver—
lassen  mußten,  um  die  Huldigungsfahrt  nach  Königsberg,  der  alten  preußischen
  Königsstadt,  und  durch  die  neu  erworbenen  polnischen  Hrovinzen
anzutreten.  Allein  der  Ruf  ihrer  Berzensgüte  und  ungeschminkten  Hu—
manität  war  ihnen  vorausgeeilt  und  gestaltete  die  Fahrt  zu  einem  wahren
Triumphzuge;  und  das  war  der  Ertrag  derselben,  daß  jetzt  mit  eigenen
Augen  aus  unzähligen  Sügen  auch  die  Hrovinzen  sahen,  wie  echt  sie
beide  es  mit  ihrem  hohen  Berufe  meinten.

Endlich  am  29.  Juni  war  die  Zuldigungsfahrt  beendigt.  Um  Berlin
herum  fuhr  das  Königspaar  gleich  nach  Charlottenburg,  wo  die  jungen
Hrinzen  weilten.  Da  war  es  denn  den  königlichen  Sltern  eine  unaussprechliche
  Freude,  wie  der  kleine  Drinz  Wilhelm,  wenn  auch  mit  unsicheren
  Schritten  ihnen  selbst  entgegenkam.  Er  hatte  inzwischen  laufen
gelernt  und  konnte  auch  schon  seine  ersten  beiden  Sähne  aufweisen.

Bald  mehrte  sich  jetzt  die  Schar  der  königlichen  Kinder.  Am
15.  Juli  1708  wurde  die  Hrinzessin  Tharlotte  geboren,  am  14.  Oktober
1799  die  Hrinzessin  Friederike,  die  indes,  ein  überaus  zartes  Kind,  am
50.  März  1800  wieder  starb.  Am  29.  Juni  1801  folgte  der  Hrinz
Karl,  am  25.  Februar  1803  die  Hrinzessin  Alexandrine  und  am  15.
Dezember  1805  der  Hrinz  Ferdinand;  allein  auch  dieser  starb  schon
am  1.  April  1806  wieder.  Den  Beschluß  machten  am  1.  Februar
1808  die  Hrinzessin  Luise  und  am  4.  Oktober  1800  der  Hrinz  Albrecht.

Den  HBöbepunkt  kindlichen  Glückes  bildet  in  der  deutschen  Familie
das  Weibnachtsfest.  Wochenlang  vorber  überlegten  und  besprachen  die
königlichken  Eltern,  womit  sie  die  kleinen  Hrinzen  erfreuen  und  überraschen
  wollten,  und  besorgten  gern  selbst  den  Einkauf  der  Geschenke.
Aber  auch  die  vertiefte  Freude  des  Gebens  waren  sie  bedacht  ihnen  zu
gewähren,  indem  sie  schon  im  zartesten  Alter  als  Mitschenkende  an  den
Weihnachtsfeiern  anderer  Kinder  sie  teilnehmen  ließen.  So  finden  wir
sie  am  Weibnachtsabend  des  Jahres  1800  im  Friedrichs-Waisenhause  in
Berlin,  fröhlich  sich  unter  die  208  Söglinge  des  Waisenhauses  mischend,
wie  sie  an  die  kleinen  Waisenknaben  Kinderspielsachen  und  Geld  austeilen.
  Und  danach  erst  fand  daheim  im  königlichen  Halais  ihre  eigene
Bescheerung  statt,  zu  der  der  König  selbst  den  Weihnachtsbaum  ansteckte.