24  Sweites  Kapitel.

melte  dazu  und  Prinzeßchen  Charlotte  versuchte  sich  auf  der  Trompete.
Und  als  Prinz  Karl  groß  genug  war,  um  mitzuwirken,  da  schien  das
Triangel  für  ihn  ein  geeignetes  Instrument.  Ceider  starb  die  Königin-Witwe
  1805,  und  damit  hatten  dann  diese  alljährlichen  Konzerte  ein
Ende.  Aus  der  Wahl  des  Instruments,  das  er  sich  erwählte,  darf  man
aber  vielleicht  vermuten,  wie  lebhaft  die  soldatischen  Neigungen  waren,
welche  den  jungen  Hrinzen  Wilhelm  schon  damals  beseelten.

Groß  war  daher  seine  Freude,  als  er  zu  Weihnachten  1805  eine
Uniform  des  Busarenregiments  Rudorf,  der  berühmten  Sietenschen
Rusaren,  zum  Geschenk  erbielt.  Gleichzeitig  erhielt  der  Kronprinz  die
Uniform  der  Gardes  du  Corps  und  Hrinz  Friedrich,  der  Sohn  des  verstorbenen
  Hrinzen  Ludwig,  die  Uniform  des  Dragonerregiments  Kurfürst
von  Hfalz-Bavern  Mr.  1,  dessen  Chef  sein  Dater  gewesen  war.  Und  in
diesen  Uniformen  stellte  der  König  die  drei  kleinen  Hrinzen  als  „drei
neue  Rekruten  der  preußischen  Armee“  der  Königin  vor.

Im  Jahre  1803  hatten  auch  die  militärischen  Ubungen  der  drei
jungen  Hrinzen  ihren  Anfang  genommen.  Ihre  Exerziermeister  waren
der  Unteroffizier  Zennstein  vom  Bataillon  Garde  und  der  Feldwebel
Clery  vom  Regiment  Möllendorf.  Nicht  selten  sah  der  König  selbst
diesen  Ubungen  zu;  und  mit  solchem  Ernste  widmete  sich  ihnen  zumal  der
Drinz  Wilhelm,  daß  er,  obgleich  viel  weniger  kräftig  als  seine  beiden
Kameraden,  doch  mit  acht  Jahren  schon  für  völlig  ausexerziert  gelten
konnte.  Und  das  wollte  etwas  sagen  in  einer  Seit,  do  —  ganz  abgesehen
  von  den  künstlichen  Schwenkungen  und  Marschierübungen  —  das
Exerzierreglement  nicht  weniger  als  108  Gewehrgriffe  kannte.

Aber  auch  sonst  trat  die  militärische  Teigung  des  Hrinzen  Wilhelm
deutlich  hervor.  Seine  Raltung,  sein  ganzes  Wesen  hatte  etwas  Solda—
tisches.  Haraden  und  Revuen  erregten  sein  lebhaftestes  Interesse;  jeden
Sug  am  Halais  vorübermarschierender  Soldaten  verfolgte  er  mit  den
Augen,  solange  er  ihn  sehen  konnte.  So  war  im  Jahre  1805  das
Regiment  Towarczys  —  polnische  Lanzenreiter,  in  Hreußen  gewähnlich
Bosniaken  genannt  —  durch  Berlin  gekommen.  Ihre  fremdartige
Kleidung  und  Bewaffnung  reizte  die  Hhantasie  des  jungen  Hrinzen;
eine  große  Freude  war  es  daher  für  ihn,  daß  der  König,  den  die
soldatischen  Toeigungen  des  jungen  Hrinzen  erfreuten,  ihm  eine  Towarczy-Uniform
  schenkte.  In  dieser  wohnte  er  der  großen  Revue,  die  der
König  im  Mai  1806  über  seine  Armee  abhbielt,  als  Augenzeuge  bei,  als
die  Regimenter  in  fest  geschlossenen  Reihen  in  dröhnendem  Stampftritt
an  dem  Könige  vorüberzogen.  Am  Fenster  des  Halais  stehend,  sah  der