28  Drittes  Kapitel.

bündeten  Mächte  Preußen  zum  Beitritt  ein.  Welche  Bedingungen  ver—
stattete  die  Gunst  der  Lage  Frankreich  aufzulegen!  Und  wirklich  waren
gewichtige  Stimmen  in  Preußen  dafür,  mit  dem  Beitritt  nicht  zu  zögern.
Der  bedächtige  Herzog  Karl  von  Braunschweig  meinte,  daß  man  dann
bis  zur  Maas  die  Franzosen  zurückdrängen  könnte.  Und  noch  dringender
als  er  riet  der  Minister  Graf  Haugwitz,  der  von  jeher  Frankreich  abge—
neigt  war,  zum  Anschluß  an  die  Verbündeten.

Freilich  faßten  andere  Stimmen  die  Situation  wieder  im  entgegen—
gesetzten  Sinne  auf:  jetzt  gerade  werde  Frankreich  das  Bündnis  mit
Preußen  besonders  wertvoll  sein;  es  sei  sicher,  daß  es  gern  den  Besitz  von
Morddeutschland  als  Preis  desselben  Preußen  gewähren  würde.  Orinz
Keinrich,  Friedrichs  des  Großen  überlebender  Bruder,  konnte  als  das
RBaupt  der  Dertreter  dieser  Ansicht  gelten.

Die  Frage  war,  für  welche  Meinung  der  König  sich  entscheiden
würde.  Der  Moment  war  kritisch;  vielleicht  stand  Dreußen  an  einem
Wendepunkte  seiner  Geschichte.  Wirklich  schwankte  König  Friedrich
Wilhelm;  endlich  entschied  er  sich  dafür,  der  Koalition  nicht  beizutreten.
Er  scheute  durchgreifende  Beschlüsse  und  wollte  unter  allen  Umständen
die  Neutralität  festhalten.  Aber  was  bedeutete  diese  Meutralität  anderes
als  ein  Rinausschieben  der  Entscheidung,  die,  wenn  sie  nicht  herbeigeführt
wurde,  Dreußen  wider  seinen  Willen  doch  einmal  aufgedrängt  werden
mußte.  Freilich  glaubte  der  König,  durch  seine  Entscheidung  mit  beiden
kriegführenden  Harteien  in  gutem  Einvernebmen  zu  bleiben;  er  sah  nicht,
daß  eine  solche  Holitik  des  Abwartens  Hreußen  gerade  nach  beiden
Seiten  hin  verdächtig  machen  mußte.  Denn  jede  Hartei  glaubte,  daß
Hreußen  es  im  geheimen  mit  der  andern  halte.  Und  das  mußte  natürlich,
wenn  irgend  etwas,  bei  den  fremden  Mächten  das  Dertrauen  zu  Hreußen
und  seine  Geltung  bedenklich  untergraben.  Die  Folge  war,  daß,  als
Bonaparte  nach  Europa  zurückkehrte  und  die  Koalition  sich  zerschlug,
Hreußen  isoliert  und  argwöhnisch  beobachtet  dastand.

Dadurch  wurde  es  dem  Rönige  klar,  daß  die  Entscheidung  des
Jahres  1700  nicht  die  richtige  gewesen  wäre.  Um  also  Hreußen  aus
seiner  unbehaglichen  und  bedenklichen  Dereinsamung  herauszubringen,  gab
er  dem  Drängen  Rußlands  nach  und  trat  dem  Neutralitätsbunde  der
nordischen  Mächte  bei,  der  freilich  dadurch,  daß  er  die  Stellung  Englands
schwächte,  diejenige  Frankreichs  indirekt  unterstützte.  Zesonders  aber  befestigte
  der  Zesuch  des  jungen  Kaisers  Alexander  von  Rußland  in  Memel
im  Juni  1802  die  Beziehungen  Hreußens  zu  Rußland.  Indes  fehlte
viel,  daß  damit  die  Holitik  der  beiden  Mächte  eine  gemeinsame  geworden