30  Drittes  Kapitel.

kennt  keine  Bedenken:  quer  durch  Ansbach  marschierend,  führt  er  den
Befehl  seines  Herrn  aus.

Unterdessen  hat  sich  der  Erzherzog  fast  mit  der  Hälfte  der  Armee
nach  Böhmen  gewendet,  sodaß  die  unter  dem  Generalquartiermeister
Mack  bei  Ulm  zurückbleibende  Hälfte  zu  schwach  ist,  um  in  eine  Feld—
schlacht  mit  den  Franzosen  sich  einlassen  zu  können.  Alsbald  ereilt  sie
denn  auch  ihr  Schicksal:  am  20.  Oktober  muß  sie  sich  den  Franzosen
kriegsgefangen  ergeben.  Unverzüglich  macht  sich  jetzt  Murat  auf,  den
Erzherzog  einzuholen.  Die  Verfolgung  geht  durch  das  ansbachische
Städtchen  Gunzenhausen.  Den  Osterreichern  wird  hier  unbehinderter
Durchzug  gewährt,  von  den  Franzosen  aber  verlangt,  daß  sie  die  Teutralität
  Dreußens  achten.  Indes  Murat  kehrt  sich  nicht  an  den  Orotest
der  preußischen  Behörden  und  erzwingt  den  Durchmarsch,  frech  Hreußens
Meutralität  mißachtend.

Das  war  zu  stark!  König  Friedrich  Wilhelm  fühlte  sich  auf  das
tiefste  schon  durch  die  erste  Mißachtung  der  preußischen  Neutralität
verletzt.  Durch  einen  scharfen  Hrotest  verwahrte  er  sich  gegen  die  Beschimpfung
  der  Shre  des  preußischen  Staates  und  sagte  sich  von  allen
Derbindungen  mit  Napoleon  los.  Sugleich  wurde  jetzt  den  Russen  der
freie  Durchzug  durch  Schlesien  gewährt  und  die  ganze  preußische  Armee
mobil  gemacht.  Und  am  14.  Oktober  1805  wurde  die  Ordre  des
Königs  veräöffentlicht,  durch  welche  er  seinen  Entschluß  aussprach,  der
Koalition  der  großen  Alächte  gegen  Frankreich  beizutreten:  ein  Entschluß,
in  dem  ihn  die  zweite  Keutralitätsverletzung  nur  bestärken  konnte.

Indessen  auf  Rardenberg  machte  die  Kapitulation  Macks  bei  Ulm
einen  sehr  tiefen  Eindruck:  im  Gegensatz  zu  der  Aleinung  des  Königs
hielt  er  es  doch  für  ratsam,  den  Dersuch  eines  gütlichen  Ausgleichs  mit
Rapoleon  zu  machen.  Als  dieser  daher  die  Sahlung  von  66000  Gulden
als  Entschädigung  für  die  Perletzung  der  Neutralität  Dreußens  in  Aunsbach
  anbot,  wurde  auf  das  Betreiben  Rardenbergs  das  Geld  angenommen!
  Dadurch  sollte  Hreußen,  meinte  er,  einen  Beweis  seiner  versöhnlichen
  Gesinnung  geben.  Das  war  Hreußens  in  keiner  Weise  würdig.
Und  in  dieser  SEmpfindung  beauftragt  König  Friedrich  Wilhelm  den
Grafen  Zaugwitz,  eine  Vorstellung,  alle  Beschwerden  zusammenfassend,  in
der  scharfen  Form  eines  Ultimatums  an  Napoleon  zu  entwerfen,  dessen  Ablehnung
  er  mit  der  Kriegserklärung  an  Frankreich  beantworten  würde.  Die
oberste  Forderung  sollte  darin  die  Wahrung  der  Unabhängigkeit  des  Deutschen
  Reiches  sein.  Ze  mehr  eben  der  König  sich  von  Frankreich  abwendet,
umsomehr  gewinnt  wieder  Haugwitz  vor  Hardenberg  an  Geltung  bei  ihm.