32  Drittes  Kapitel.

Kriegsentscheidung  herbeizuführen,  wenigstens  Hreußen  hinzuhalten,  solange
  es  sich  nur  halten  ließe.  Gelang  ihm  weder  das  eine  noch  das
andere,  so  war  er  mit  dem  Anschlusse  der  preußischen  Armee  an  die
Beere  der  verbündeten  Mächte,  700  KNilometer  von  Frankreich  entfernt,
verloren;  denn  diese  180  0O00  Mann  bedeuteten  die  Entscheidung  des
Feldzuges.

Mit  kleinen  Winkelzügen,  wie  er  pflegte,  begann  er.  Er  ließ  sich
von  dem  Grafen  Raugwitz,  der  ausersehen  war,  das  preußische  Ultimatum,
  weil  zumeist  daran  beteiligt,  ihm  zu  überbringen,  nicht  finden.
Raugwitz  suchte  den  Kaiser  in  Linz,  fand  ihn  aber  erst  nach  einem  Derlust
  von  mehreren  Tagen  in  Brünn.  Mit  ausgesuchter  Räöflichkeit  empfing
Mapoleon  den  Grafen;  mehrere  Stunden  dauerte  die  Unterredung.  Geflissentlich
  wich  der  Kaiser  jeder  Entscheidung  aus;  und  Raugwitz  besaß
nicht  die  Snergie,  mit  vollem  Ernste  darauf  zu  dringen.  Ja,  als  am
Abend  spät  Rapoleon  Caulaincourt  zu  ihm  schickt  mit  der  Aufforderung,
er  möchte  zunächst  in  Wien  mit  Talleprand  die  Einzelbeiten  verhandeln,
da  reist  Haugwitz  wirklich  nach  Wien  ab.  Ticht  einmal  die  Ahnung
kommt  ihm,  daß  Aapoleon  weiter  nichts  will,  als  Seit  gewinnen.  So
bleibt  der  Hotsdamer  ertrag  völlig  in  der  Luft  schweben.  Freilich  klang
dem  Grafen  die  Mahnung  im  Ohre,  die  sein  König  bei  seiner  Abreise
ihm  mitgegeben:  sein  Bestreben  müsse  dahin  geben,  den  Frieden  mit
Frankreich  zu  erhalten.

Wie  aber  wußte  Napoleon  die  Seit,  die  er  gewonnen,  zu  benutzen!
Die  feindlichen  Generale,  zumal  die  russischen,  von  der  dünkelhaften  Einbildung
  durchdrungen,  daß  die  Mitwirkung  Hreußens  ihnen  nur  den
Ruhm  der  Besiegung  Napoleons  verkürzen  würde,  griffen  „zur  unsäglichen
  Freude“  Napoleons,  bevor  noch  Hreußen  im  Felde  stand,  das
französische  Heer  an.  Das  war  nicht  nur  frevle  UÜberhebung,  sondern
auch  eine  dreiste  Rücksichtslosigkeit  gegen  Dreußen,  wie  nur  allzu  bald
sich  zeigte.  Denn  Napoleon  besiegte  sie  nicht  nur  entscheidend  bei  Austerlitz
  —  das  wäre  zu  ertragen  gewesen  —  sondern  zersprengte  auch  mit
einem  Schlage  die  ganze  Koalition.  Kaiser  Franz  von  Esterreich  begab
sich  in  eigner  Person  zu  Mapoleon,  bat  um  Waffenstillstand  und  begann
Derhandlungen  über  einen  Separatfrieden  mit  ihm;  und  Kaiser  Alexander
zog  sich  auf  die  Kunde  hiervon  mit  seinem  besiegten  Reere  nach  Rußland
  zurück.

So  stand  Hreußen  jetzt  allein,  von  seinen  Derbündeten  verlassen,  dem
Sieger  von  Austerlitz  gegenüber!  Gleichwohl  gab  König  Friedrich  Wilhelm,
um  diesen  im  Schach  zu  halten,  unverzüglich  —  schon  am  11.  Dezember  —