Prüfungsjahre.  33

den  Befehl  zum  Einrücken  des  preußischen  Heeres  in  Böhmen.  Alllein
die  beiden  verbündeten  Kaiser  wollten  von  einer  Fortführung  des  Krieges
nichts  wissen,  und  Napoleon  mußte  in  dem  Schritt  des  Königs  nur  die
Ankündigung  offener  Feindseligkeit  sehen.  Die  Frage  also  war,  ob
Dreußen  jetzt  den  Krieg  für  die  Koalition  allein  auf  sich  nehmen,  oder
ob  es  eine  Derständigung  mit  Frankreich  suchen  sollte,  wie  seine  Hotsdamer
  Derbündeten  es  thaten.

Napoleon  war  unbedingt  Meister  der  Situation.  Jetzt  konnte  er
Raugwitz  seine  Bedingungen  vorschreiben,  wenn  Hreußen  den  Krieg  nicht
wollte.  Das  Ultimatum  war  durchaus  hinfällig  geworden;  denn  jetzt
wäre  es  frevelhafter  Leichtsinn  gewesen,  mit  dem  Kriege,  mit  einem
Kriege  für  treulose  Zundesgenossen  zu  drohen.  Darum  konnte  es  jetzt
Mapoleon  wagen,  die  beiden  deutschen  Großmächte  gegeneinander  auszuspielen:
  gelangte  er  zu  einem  Abkommen  mit  Ssterreich,  das  ja  um
einen  Separatfrieden  sich  bewarb,  so  mußte  Hreußen  in  seinen  Willen
sich  fügen,  gelangte  er  zu  einem  Abkommen  mit  Hreußen,  so  mußte
Osterreich  sich  beugen.  Nun  mochte  Zaugwitz  kommen;z  er  beschied  ihn
auf  den  15.  Dezember  zu  sich  nach  Schönbrunn,  wo  das  keiserliche
Rauptquartier  war.  Nun  beschwerte  er  sich  dem  preußischen  Abgesandten
gegenüber  über  den  DHotsdamer  Dertrag;  denn  Hreußen  und  Frankreich
seien  zu  gegenseitiger  Freundsch  aft  gemacht.  Und  er  schloß  die  Derhandlungen
  mit  der  Erklärung,  er  wolle  sich  mit  Oreußen  in  ein  Derhältnis
  setzen,  das  ihm  auf  lange  Seit  den  Frieden  des  Kontinents  gewährleiste.


Ticht  ein  Abkommen  war  es,  das  er  für  den  Augenblick  mit  Dreußen
traf,  sondern  ein  Bündnis  hatte  er  im  Auge,  durch  das  er  Oreußen  für
die  Sukunft  an  Frankreich  zu  binden  gedachte.  Don  der  Art  war  der
Dertrag,  den  Haugwitz  am  15.  Dezember  in  Schönbrunn  unterzeichnete.
Durch  denselben  verbündeten  sich  Dreußen  und  Frankreich  auch  für  den
Kriegsfall,  vorausgesetzt,  daß  es  sich  um  die  Erhaltung  der  Unverletztheit
und  Unabhängigkeit  der  preußischen  oder  französischen  Staaten  handele.
Außerdem  aber  mußte  Hreußen  die  Garantie  für  die  Türkei,  wodurch  es
sich  mit  Rußland,  sowie  die  Garantie  für  das  Königreich  Jtalien  übernehmen,
  wodurch  es  sich  mit  Esterreich  entzweien  mußte.  Es  trat  ferner
Ansbach,  Kleve  und  NWeufchatel  ab  und  empfing  als  eine  überreiche  Entschädigung
  dafür  das  Kurfürstentum  Zannover,  wodurch  es  notwendig
mit  England  verfeindet  werden  mußte.  Das  also  war  der  Sedanke
Mapoleons:  durch  die  Entzweiung  mit  allen  Großmächten  der  Koalition

sollte  Preußen  unbedingt  an  den  Willen  Frankreichs  gekettet  werden!
Kaiser  Wilhelm.  3