36  Drittes  Kapitel.

er  zu  Schönbrunn  Preußen  zu  viel  bewilligt  hätte.  Es  kam  ihm  daher
sehr  gelegen,  daß  Hreußen  eine  Änderung  des  Vertrages  beantragte;
denn  damit  legte  es  die  Entscheidung  über  denselben  wieder  in  Frankreichs
  Hand.  Hreußen  wollte  durch  die  Anderung  den  Bruch  mit  England
  vermeiden;  Napoleon  aber  strebte,  ihn  zu  einem  unbeilbaren  zu
machen.  Er  erklärte  also  Raugwitz,  als  er  ihn  am  6.  Februar  wieder
empfing,  daß  er  den  Schönbrunner  Dertrag  durch  einen  andern  ersetzen
wolle,  der  HBannover  als  eine  unmittelbare  Erwerbung  mit  dem  Titel
der  Souveränetät  an  Hreußen  überweise  und  Hreußen  verpflichte,  die
Mündungen  der  Elbe  und  Weser  den  Engländern  zu  verschließen.  GSugleich
  erhielten  die  noch  in  Deutschland  stehenden  Corps  von  Bernadotte
und  Augereau  den  Befehl,  sich  nordwärts  gegen  die  preußische  Grenze
in  Marsch  zu  setzen.

Sehr  zur  Unzeit  hatte  Hreußen  abgerüstet.  Jetzt  sollte  es  sich  binnen
drei  Wochen  für  Annahme  dieses  neuen  Dertrages  oder  für  den  Krieg
mit  Frankreich  entscheiden.  In  der  Wohnung  Hardenbergs  in  Berlin
fand  die  Beratung  darüber  statt.  Alle  Ratgeber  des  Königs  sprachen
sich  für  die  Ratifikation  des  Dertrages  aus.  So  unterzeichnete  König
Friedrich  Wilhelm  denn  am  5.  März  diesen  neuen  Hariser  Dertrag,  der
bestimmt  war,  ihn  zu  einem  Hasallen  Mapoleons  Bherabzuwürdigen.  Mit
tiefer  Zewegung  nahm  Kaiser  Alexander  die  Nachricht  davon  auf.  Er
war  entschlossen,  Dreußen  auf  der  Seite  Rußlands  festzuhalten.  Er  forderte
  daher  durch  den  Herzog  von  Braunschweig  den  König  auf,  so  viel
Truppen  wie  möglich  auf  den  Kriegsfuß  zu  setzen,  und  versprach,  wenn
es  darüber  zum  Kriege  mit  Frankreich  kommen  sollte,  mit  allen  Streitkräften
  Rußlands  seinem  königlichen  Freunde  Hilfe  zu  leisten.  Sah  er  die
Sturmvögel  schon  durch  die  Tüfte  segeln,  die  den  nahenden  Sturm  ankündigen?


König  Friedrich  Wilhelm  empfand  die  Abhängigkeit  von  Frankreich
als  etwas  Unerträgliches.  Zaugwitz  riet  daher  unablässig  zum  Kriege
gegen  Frankreich;  allein  der  König  hoffte,  durch  diplomatische  Derhandlungen,
  allenfalls  durch  militärische  Demonstrationen  die  Stellung  eines
freien  Dermittlers  zwischen  den  streitenden  Harteien  zurückgewinnen  zu
können.  Darum  drang  Haugwitz  mit  seinem  KRate  nicht  durch.

Den  Winter  bindurch  hatten  Zaugwitz  und  Hardenberg  gemeinsam
die  auswärtigen  Angelegenhbeiten  Hreußens  geleitet.  Aber  sie  stimmten
in  der  Auffassung  der  Derhältnisse  keineswegs  überein:  Rardenberg  sah
das  Heil  Dreußens  nur  in  der  Freundschaft  mit  Frankreich;  und  er  schien,
wie  sich  die  Dinge  gestaltet  hatten,  Recht  zu  behalten.  Napoleon  indessen,