38  Drittes  Kapitel.

durch  glaubte  Preußen  eine  starke  Rückendeckung  gewonnen  zu  haben,
und  schritt  nun  zur  Ausführung  des  Vordischen  Bundes.

Die  Grundlage  dieses  Bundes  sollte  ein  „Dreifürstenbund“  bilden,
geschlossen  zwischen  Preußen  und  den  Kurfürstentümern  Sachsen  und
Hessen.  Aber  es  war  nicht  mehr  das  Preußen  der  vergangenen  Jahre,
das  starke  und  freie  Preußen,  das  die  Sache  betrieb.  Lässig  nahmen  die
Kurfürsten  die  Eröffnungen  Hreußens  auf;  lässig  betrieben  sie  die  Ver—
handlungen.  Zudem  wünschte  Napoleon  gar  nicht,  daß  der  Bund  zu—
stande  käme,  und  intrigierte  im  stillen  dagegen.  So  war  denn  das
Ende,  daß  Hessen  sich  für  neutral  erklärte,  und  daß  Sachsen,  erst  als
56000  Hreußen  in  das  Kurfürstentum  einrückten,  den  preußischen  Allianzvertrag
  unterschrieb.  Moch  ein  anderes  kam  dazu.  Es  wurde  ruchbar,
daß  Napoleon  als  Hreis  des  Friedens  die  hannöverschen  Lande,  welche
Dreußen  auf  Grund  des  Hariser  Dertrages  in  Besitz  genommen,  SEngland
angeboten  habe.  Da  befahl  der  König,  über  die  französische  Doppelzüngigkeit
  entrüstet,  am  10.  August  auf  den  Rat  von  Haugwitz  die
Mobilmachung  sämtlicher  preußischer  Armeecorps.

Allein  Kaugwitz  erkannte  immer  noch  nicht  die  wahre  Absicht  Mapoleons.
  Napoleon  wollte  den  Krieg,  aber  er  wünschte  in  den  Augen
der  Franzosen  und  der  Zbeinbundfürsten  als  der  zur  Derteidigung  Gezwungene
  zu  erscheinen.  Darum  suchte  er  fort  und  fort  durch  Kränkungen
und  Demütigungen  Hreußen  zum  Angriff  zu  reizen.  Haugwitz  dagegen
meinte,  daß  die  preußische  Wobilmachung  nur  eine  militärische  Demonstration
  sein  solle,  die,  wie  er  erwartete,  Tapoleon  zur  Nachgiebigkeit
gegen  die  preußischen  Forderungen  schnell  bestimmen  würde.  Darum
wurde  sie  ohne  den  rechten  Ernst  ins  Werk  gesetzt  und  den  Truppen,
obgleich  der  Winter  nahte,  nicht  die  volle  Ausstattung  mitgegeben.  Sie
würden,  meinte  man,  ihrer  ja  nicht  bedürfen.  Und  in  dem  gleichen
Gedanken  wurden  auch  die  Derbandlungen  mit  den  fremden  Mächten
ohne  Kachdruck  betrieben.

Endlich  faßte  Hreußen  seine  Beschwerden  in  die  Forderungen  zusammen,
  daß  Mapoleon  die  Bildung  des  Nordischen  Zundes  nicht  hindere
und  daß  er  seine  Truppen  Deutschland  räumen  lasse.  Denn  noch  standen
vom  vorigen  Jahre  her  mehrere  französische  Armeecorps  von  Hassau  bis
gegen  Frankfurt  hin.  Bis  zum  8.  Oktober  gewährte  man  ihm  Frist  zur
Beantwortung.  Hreußen  gab  damit  den  großen  Dorteil  der  früheren
Kriegsbereitschaft  nutzlos  aus  der  Hand;  denn  Napoleon  benutzte  diese
Zeit  dazu,  um  seine  Corps  weiter  nach  Vorden  vorzuschieben  und  in
nähere  Verbindung  untereinander  zu  bringen.  Und  als  der  8.  Oktober