Königsberg  nnd  Memel.  45

Federbusch.  Auch  der  Sopf  durfte  nicht  fehlen.  Da  indes  das  blonde
Haar  des  jungen  Prinzen  noch  zu  kurz  war,  um  einen  Zopf  herzugeben,
so  wurde  ihm  ein  künstlicher  Patentzopf,  mit  schwarzem  Band  durch—
flochten,  angebunden.  So  meldete  sich  Prinz  Wilhelm  vorschriftsmäßig
bei  seinem  obersten  Kriegsherrn,  und  stellte  sich  dann  auch  der  noch  an
das  Bett  gefesselten  Königin  vor.  Es  war  in  der  trüben  Zeit,  wie  die
Gräfin  Voß  anmerkt,  allen  eine  große  Freude.  So  wurde  Prinz  Wilhelm
noch  früher,  als  es  sonst  die  Sitte  des  preußischen  Königshauses  mit  sich
brachte,  die  sonst  das  vollendete  zehnte  Lebensjahr  festhält,  Soldat.  Als
Tag  seines  Dienstantrittes  wurde  der  1.  Januar  1807  angenommen,
an  dem  der  Hrinz,  im  Gefolge  des  Königs  an  dem  Gottesdienste  teilnehmend,
  zum  erstenmal  sich  öffentlich  in  seiner  Uniform  zeigte.

In  Wemel  bewohnte  die  Königin  im  Zause  des  Kaufmanns  Con—
senius  dieselben  Simmer,  die  sie  fünf  Jahre  zuvor  beim  Besuche  des
Kaisers  Alexander  innegehabt.  Ihre  Genesung  schritt  stetig  vorwärts:
am  8.  Februar  konnte  sie  mit  der  ganzen  königlichen  Familie  die  Kirche
besuchen,  um  Gott  für  ihre  Wiederherstellung  zu  danken.  Und  gleich
danach  kam,  wie  ein  erquickender  Balsam  für  ihr  Herz,  die  Nachricht,
daß  die  Tapferkeit  der  preußischen  Truppen  durch  ihren  Sieg  bei  Kutschitten
  die  von  den  Russen  schon  verlorene  Schlacht  von  Hreußisch-Eylau
wiederhergestellt  hätte.

Wenn  jetzt  König  Friedrich  Wilbelm  den  Frieden  gewollt  hätte,  so
war  es  sicher,  daß  er  zu  günstigen  Bedingungen  ihn  würde  von  Napo—
leon  bewilligt  erbalten  haben.  Freilich  hätte  er  sich  dann  von  Rußland
trennen  müssen  —  aber  er  war  entschlossen,  unentwegt  zur  Seite  Rußlands
  auszuharren.

Da  trat  eine  neue  Hrüfung  an  ihn  heran.  Eben  war  zu  seiner
unaussprechlichen  Freude  die  Königin  vom  Krankenlager  wieder  erstanden,
als  derselbe  Typhus  am  24.  Februar  den  Hrinzen  Wilhelm  ergriff.  Allein
glücklich  überwand  dieser  den  Anfall  und  war  schon  am  28.  außer  Gefahr.
  Er  erholte  sich  jedoch  so  langsam,  daß  er  auch  an  seinem  Geburtstage
  noch  nicht  wieder  ganz  hergestellt  war.  Dieser  Geburtstag  brachte
ihm  die  SErnennung  zum  Fähndrich  bei  der  Garde  zu  Fuß,  die  aus  den
Resten  der  früheren  Garde-Regimenter  gebildet  war.

Die  Rücksicht  auf  die  zarte  Gesundheit  des  Drinzen  Wilhelm  führte
anch  im  Unterricht  eine  Anderung  herbei.  Bisher  war  er  in  allen
Fächern  zusammen  mit  dem  Kronprinzen  unterrichtet  worden.  Jetzt  aber
mußte  er  besonders  geschont  werden.  Er  nahm  daher  fortan  in  den
meisten  Gegenständen  an  dem  Unterrichte  des  Hrinzen  Friedrich,  den