Königsberg  und  Memel.  57

neuere  Kriegskunst  als  zweckmäßig  herausgestellt  hatte.  Namentlich  waren
dies  die  Massen-Karrees,  mit  denen  Erzherzog  Karl  bei  Aspern  so  be—
deutende  Erfolge  gehabt,  und  die  Tirailleur-Übungen,  in  denen  die
Franzosen  sich  allen  ihren  Gegnern  bisher  überlegen  gezeigt  hatten.  An
manchen  Tagen  aber  ging  es  auch  hinaus  aufs  Feld  zu  den  neu  ein—
geführten  Feldmanövern,  bei  denen,  in  zwei  Abteilungen  geteilt,  die
Bataillone  gegen  einander  fochten.  Hier  kam  der  Prinz  in  vielfache
persönliche  Berührung  mit  dem  General  Nork,  der  unerschöpflich  in  dem
Stellen  immer  neuer  lehrreicher  Aufgaben  war.  So  wurden  Gedanken
in  dem  jungen  Prinzen  angeregt,  die  in  reiferen  Jahren  sich  entwickeln
und  ausgestalten  sollten.

Das  waren  ernste  Dinge.  Aber  neben  ihnen  ward  auch  der  frohen
Jugendlust  ihr  Recht.  An  Spielgefährten  fehlte  es  in  dem  alten  Schlosse
den  Hrinzen  nicht.  Da  waren  die  jungen  Hrinzen  Radziwill,  des  königlichen
  Hauses  nahe  Derwandte,  und  außer  ihnen  die  jungen  Auerswalds,
deren  Dater  als  Landhofmeister  in  dem  Schlosse  seine  Amtswohnung
hatte.  Rudolf,  dem  mittleren  der  drei  Knaben,  schloß  sich  Drinz  Wilhelm
mit  besonderer  HBerzlichkeit  an:  eine  Kinderfreundschaft,  die  auch  die
Drobe  der  Akannesjahre  bestanden  hat.

Darüber  ging  denn  mit  dem  Jahre  1800  auch  die  Königsberger
Seit  zu  Snde.  Wer  möchte  ihre  Bedeutung  für  die  Willensbildung  des
jungen  Hrinzen  verkennen,  dem  gerade  in  den  Jahren  der  vollen  Bildsamkeit
  der  Ernst  des  Lebens  in  bedeutungsvollen  Gestaltungen  so  faßbar
nahe  trat.  Wie  sehr  hat  die  königliche  Mutter  recht,  wenn  sie  in  diesen
Tagen  an  ihren  Dater  schreibt:  „Umstände  und  erhältnisse  erziehen  den
Menschen,  und  für  unsere  Kinder  mag  es  gut  sein,  daß  sie  die  ernste
Seite  des  Lebens  schon  in  ihrer  Jugend  kennen  lernen.“