In  großen  Tagen.  59

märkischen  Ritterschaft.  Da,  als  das  Abendessen  vorüber  war,  erklang
plötzlich  vom  Hausflur  her  Papagenos  Lied  „Der  Dogelfänger  bin  ich
ja“.  Der  Kronprinz  und  Prinz  Wilhelm  hatten  mit  Hilfe  des  Kastellans,
von  ihren  Kindbeitserinnerungen  geleitet,  die  alte  „Dogelorgel“  wieder
ausfindig  gemacht  und  ließen  jetzt  zur  heiteren  UÜberraschung  der  königlichen
  Eltern  die  unvergessene  lustige  Weise  ertönen.

In  Heißensee,  acht  Kilometer  vor  Berlin,  begann  der  Empfang
der  Residenz.  In  dem  Gutsgarten  war  ein  Altar  errichtet  und  ringsum
Orangenzweige
an  die  Bäume  gebunden,
  um  über
den  Winter  hinwegzutäuschen.



Bier  empfing  das
Königspaar  die
Deputationen  der
Stadt,  welche  ihre
Freude  über  die
endliche  glückliche
Wiederkehr  der
königlichen  Kamilie
  aussprachen.
Junge  Mädchen
streuten  Blumen
auf  den  Weg,  so
daß  die  Königin
in  Thränen  ausbrach.
  Denn  alles
rief  ihren  fröblichen
  Wrauteinzug  —  war  es  doch  derselbe  Tag,  der  25.  Dezember  —
ihr  ins  Gedächtnis:  aber  wie  anders  war  jetzt  nach  16  Jahren  alles;
wie  anders  war  sie  selbst.  Das  lange  Ceid  hatte  die  Rosen  der  Gesundheit
  von  ihren  Wangen  gescheucht:  blaß  und  wehmütig  empfing  sie
die  Huldigungen.

Die  Stadt  Berlin  hatte  der  Königin  einen  Wagen  für  den  Einzug
geschenkt,  mit  lila  Samt,  ihrer  Lieblingsfarbe,  ausgeschlagen  und  reich
mit  silbernen  Sieraten  geschmückt.  Die  Königin  bestieg  ihn  mit  den
jüngeren  Kindern,  während  eine  Abteilung  von  Bürgerschützen  zu  Pferde
ihn  umgab.  Dor  dem  Wagen  der  Königin  ritt  der  KRönig  einher;