In  großen  Tagen.  61

Derleihung  des  Ordens  auszeichnete.  Der  General  von  Diericke  las
den  Erlaß  des  Königs,  betreffend  die  Erneuerung  des  OCrdens,  vorz;
darauf  verlas  der  Geheime  Staatsrat  Magler  die  Grdens-Statuten,  und
die  Dekorierten  statteten  dem  Könige  ihren  Dank  ab.  Am  folgenden
Sonntage  aber,  dem  21.  Januar,  waren  sie  ausnahmslos  an  die  Tafel
des  Königs  geladen,  vom  Staatsminister  bis  zum  Briefträger  herab;
auch  20  gemeine  Soldaten  von  verschiedenen  Regimentern  befanden  sich
darunter.  800  Männer  aus  allen  Ständen  sahen  sich  im  Weißen  Saale
und  in  der  daran  stoßenden  Bildergalerie  als  Gäste  an  der  Tafel  ihres
Königs:  alle  waren  in  freudig  gehobener  Stimmung;  mit  „einer  einzigen
Donnerstimme“,  wie  es  der  Gräfin  Doß  erschien,  brachten  sie  das  Hoch
auf  ihren  König,  auf  ihre  Königin  aus:  da  war  keiner,  dem  nicht  der
Geist  patriotischer  Roffnung  die  Brust  geschwellt  hätte.

Es  war  nicht  die  rasch  aufflackernde  und  rasch  wieder  verrauschende
Begeisterung  des  festlichen  Momentes,  die  dem  KRönige  hier  entgegengetragen
  wurde;  sondern  es  war  ein  Ausdruck  der  Stimmung,  welche  in
den  Orovinzen  längst,  allgemach  auch  in  Berlin  die  Gemüter  erfaßt
hatte.  Litterarische  Bändel  und  Theaterklatschereien  hatten  hier  sonst
das  allgemeine  Interesse  beherrscht;  man  hatte  auf  die  dünkelhafte  Flachheit
  aufklärerischer  Hoeten  geschworen  und  mit  rührsamer  Gefühlsseligkeit
in  Jean  Hauls  Schriften  geschwelgt.  Jetzt  war  die  Bedrückung  und
der  freche  Zochmut  der  französischen  Herren  von  jedem  einzelnen  Bürger
empfunden  worden;  mit  Ingrimm  gegen  die  Fremdberrschaft  hatten  sich
die  Berzen  erfüllt,  aber  zugleich  war  die  UÜberzeugung  in  immer  weitere
Kreise  gedrungen,  daß  nur  von  einer  Umwandelung  des  ganzen  Dolkes
die  Wiederkehr  besserer  Seiten  zu  erhoffen  wäre.  Geheime  patriotische
Dereinigungen  bildeten  sich,  um  die  Möglichkeit  einer  Wiedererhebung
des  Daterlandes  zu  beraten  und  den  Ingrimm  gegen  die  Fremdherr-=schaft
  zu  schüren.  Mit  rechtem,  treuem  Sorn  lehrte  Ernst  Moritz  Arndt
den  Haß  gegen  die  Welschen.  Mit  glühender  Begeisterung,  mit  einer
wahren  Wucht  des  Hasses  gegen  die  Franzosen  sprach  Beinrich  von
Kleist  durch  seine  Dramen  zu  dem  Dolke.  Mit  herber  Strenge  rief
Fichte  in  dem  großen  Saale  der  Akademie  in  seinen  „Reden  an  die
deutsche  Nation“  das  Bewußtsein  der  eigenen  Derschuldung  in  seinen
Suhörern  wach  und  lehrte  sie,  daß  die  Bürgschaft  des  Sieges  nicht  in
der  Stärke  der  Armee,  sondern  in  der  Kraft  des  Gemütes  liege.  Und
allsonntäglich  ertönte  von  den  Kanzeln  ernste  Mahnung  zugleich  mit
hoffnungsreichem  Troste  zu  den  dicht  gescharten  HKunderten,  die  vordem
der  Kirche  sich  entfremdet  hatten.  Mehr  und  mehr  durchdringt  eine