In  großen  Tagen.  63

leidende  ihn  mit  matter  Stimme.  „Bin  ich  denn  so  gefährlich  krank?“
Der  König,  von  den  Ärzten  schon  auf  das  rasch  herannahende  Ende  der
Königin  hingewiesen,  sprach  ihr  mit  trostreichem  Worte  zu,  er  glaube
nicht,  daß  sie  in  Gefahr  sei.  ·  «

„Wer  ist  mit  dir  gekommen?“  fragte  die  Königin  leise.

„Fritz  und  Wilhelm.“

„Ach  Gott,  welche  Freude!“  erwiderte  sie,  und  ihre  Hand  zitterte  in
der  des  Hönigs.

Als  der  König  die  Hrinzen  hereinrief,  flog  ein  Schimmer  der  Freude
über  das  todesbleiche  Antlitz  der  Sterbenden:  „Ach,  lieber  Fritz,  lieber
Wilhelm,  seid  ihr  dad“  sagte  sie  leise;  und  die  beiden  Hrinzen  sanken
laut  schluchzend  am  Bette  der  Mutter  nieder:  Als  aber  der  Krampf
wiederkehrte,  mußten  sie  das  Simmer  wieder  verlassen.

Die  immer  sich  in  kurzen  Swischenräumen  erneuernden  Krämpfe
rieben  die  letzte  Kraft  der  zum  Tode  ermatteten  Dulderin  auf.  Sie
fühlte  selbst  die  nahende  Auflösung.  „Cuft!  Luft!“  sagte  sie  ängstlich.
„Ach,  mir  hilft  nichts  mehr  als  der  Tod.“

Der  König  saß  auf  dem  Rande  des  Bettes,  die  Hand  der  Sterbenden
  haltend.  Sie  hatte  ihren  Kopf  sanft  auf  die  Seite  geneigt  und  die
Augen  fest  gen  Himmel  gerichtet.  Da  öffnete  sie  die  Augen  weit  und
sagte  mit  deutlicher  Stimme:  „Ich  sterbe.  O  Jesu,  mach'  es  leicht!"“
Und  ihre  reine  Seele  schwang  sich  zum  Himmel.  Leise  schloß  ihr  der
König  die  Augen,  „seines  Lebens  Sterne,  die  ihm  auf  seiner  dunklen
Bahn  so  treu  geleuchtet,“  küßte  tief  erschüttert  die  Tote  und  ging  hinaus,
um  die  OHrinzen  hereinzurufen.

Drinz  Wilhelm  stand  mit  dem  Kronprinzen  weinend  auf  der  Schloßtreppe,
  die  in  den  Garten  hinabführte.  Als  der  König  zu  ihnen  trat,
war  er  in  seinem  herzzerreißenden  Schmerze  außer  stande  zu  sprechen;  wie
gebrochen  sank  er  auf  einen  Gartenstuhl;  und  Berzog  Karl  von  Wecklenburg,
  der  Entschlafenen  Bruder,  sagte  mit  bewegter  Stimme  zu  den
jungen  Hrinzen:  „Es  ist  vorbei:  kommen  Sie  herein!“

Am  Sterbelager  der  Mutter  sanken  die  Hrinzen,  in  den  lautesten
Schmerz  ausbrechend,  auf  die  Kniee  und  benetzten  ihre  BHände  mit  heißen
Thränen,  während  der  König  und  der  greise  Herzog  von  Mecklenburg
sich  schmerzlich  lange  umschlungen  hielten.

Mit  herbem  Schmerze,  wie  noch  keiner  so  tief  sein  junges  Berz  getroffen,
  begleitete  Orinz  Wilhelm  den  gramgebeugten  Dater  auf  der
Rückreise  nach  Tharlottenburg.  Suerst  im  Berliner  Dome  beigesetzt,
wurde  dorthin  in  das  neu  erbaute  Mausoleum  am  25.  Dezember,  dem