In  großen  Tagen.  65

Reiche  war  von  Geburt  Rannoveraner,  aber  aus  Neigung  schon
früh  in  den  preußischen  Dienst  getreten.  Als  Zunker  machte  er  die  Rheincampagne
  von  1795  mit.  Nach  dem  Baseler  Frieden  trat  er  indes  in
die  damals  neu  errichtete  Ingenieurakademie  in  Hotsdam  ein.  Dieser
Schritt  machte  in  militärischen  Kreisen  Aufsehen,  da  Reiche  schon  seit
drei  Jahren  Offizier  war,  und  lenkte  auch  zuerst  die  Aufmerksamkeit  des
damaligen  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  auf  den  strebsamen  Offizier.
1806  wurde  dieser  als  Ingenieurleutnant  dem  Corps  des  RBerzogs  von
Weimar  zugeteilt,  mit  dem  er  den  verfehlten  Sug  in  den  Thüringerwald
mitmachte.  Noch  rechtzeitig  indes  gelangte  er  zu  Blücher,  an  dessen
tapferem  Rückzuge  er  teilnahm.  Durch  die  Kapitulation  von  Ratkanu
geriet  er  mit  diesem  und  Scharnhorst  in  französische  Kriegsgefangenschaft,
wurde  jedoch  auf  Shrenwort  entlassen.  Nach  dem  Tilsiter  Frieden  wurde
er  wieder  dem  Ingenieurcorps  zugeteilt,  doch  bald  zum  Kadettencorps  versetzt
  und  nach  kurzer  Seit  zum  Kompanieführer  in  demselben  ernannt.

Die  Gegenstände  des  Unterrichts  waren  Befestigungskunst,  Aufnelmen
und  militärisches  Seichnen.  Beide  Hrinzen  zeichneten  sich  durch  anhaltenden
  Fleiß  und  durch  Aufmerksamkeit  aus,  so  daß  sie  auch  vorzügliche
Fortschritte  machten.  Besonders  that  sich  Orinz  Wilhelm  durch  schnelles
Auffassen  und  durch  einen  praktischen  Derstand,  durch  große  Ordnungsliebe,
  durch  Talent  zum  Seichnen  und  durch  einen  für  sein  Alter
ernsten  und  gesetzten  Charakter  hervor.  Es  lag  in  ihm  —  wie  sein
Cehrer  urteilt  —  der  wahre,  zuverlässige  Soldat  und  Anführer,  wie  er  es
nachher  auch  in  vollem  WMaße  geworden  ist.  Die  Teilnahme  an  zahl.
reichen  Felddienstübungen  bildete  die  praktische  Srgänzung  dieses  Unterrichts.
  Hielfach  war  bei  diesen  auch  der  König  zugegen,  kritisierte  die
Leistungen  der  einzelnen  Abteilungen  eingehend  und  schärfte  durch  seine
Worte  das  Urteil  des  jungen  Hrinzen  über  die  Sweckmäßigkeit  jeder
Anordnung  ganz  ungemein:  was  dieser  oft  in  späteren  Jahren  mit  dankbarer
  Hietät  anerkannt  hat.

Als  der  Unterricht  etwa  ein  Jahr  gedauert  hatte,  überreichte  Hrinz
Wilhelm  —  wie  auch  Orinz  Friedrich  —  dem  Könige  zu  seinem  Geburtstage
  eine  selbständige  Wusarbeitung  mit  einer  selbstgefertigten  Seichnung
  (einer  Terrainaufnahme  und  einem  Situationsplan)  als  Angebinde:
was  den  königlichen  Vater  so  erfreute,  daß  er  den  Lehrer  zum  wirklichen
Kapitän  ernannte.  Eine  praktische  Erprobung  knüpfte  sich  bald  daran.
Prinz  Wilhelm  erhielt  den  Auftrag,  zur  Sicherung  des  Uberganges,  der
vom  GElienecker  Werder  nach  Nowawes  bei  Hotsdam  führt,  auf  der  ihn

beherrschenden  Höhe  des  damals  noch  fast  ganz  unbewaldeten  Babels-Nalser
  Wilhelm.  5