In  großen  Tagen.  77

Diese  Pause  in  dem  großen  Kampfe  benutzte  König  Friedrich  Wilhelm,  um
die  Seinen  in  Breslau  zu  besuchen.  Er  begab  sich  dann  mit  ihnen  nach
Berlin,  wo  er  mit  jubelndem  Enthusiasmus  von  seinem  treuen  Volke  begrüßt
  wurde.  Im  königlichen  Halais  empfing  ihn  mit  den  Hrinzen  die
greise  Oberhofmeisterin.  WMit  freudigem  Erstaunen  betrachtete  sie  den  jungen
Drinzen  Wilhelm.  „Er  ist“  —  merkt  sie  in  ihrem  Tagebuche  an  —  „seit
dem  Winter  unglaublich  gewachsen,  sieht  sehr  gut  aus  und  ist  sehr  nett.“

Gewiß  fand  auch  der  König,  daß  Hrinz  Wilhelm  sich  sehr  günstig
entwickelt  habe.  Denn  von  selbst  kam  er  dessen  Berzenswunsche  entgegen.
„Ich  will  dich“,  sagte  er  zu  ihm,  „jetzt  mit  in  den  Krieg  nehmen
Aber“,  setzte  das  besorgte  Vaterherz  hinzu,  „nur  auf  sechs  Wochen;  denn  du
bist  noch  zu  schwächlich.“  Sugleich  (am  50.  Oktober)  ernannte  er  ihn  zum
Kapitän  und  überreichte  ihm  die  ersten  Spauletten,  die  eben  damals  in  der
preußischen  Armee  eingeführt  waren.  Das  Erinnerungsbild  aus  jener  Seit
beweist,  wie  bedeutungsvoll  jene  Augenblicke  dem  Hrinzen  erschienen  sind.

So  erfüllte  sich  endlich  doch  das  heiße  Sehnen  des  jungen  Orinzen:
am  8.  November  reiste  er  im  Gefolge  des  Königs  nach  Weimar  ab.
Der  Weg  dorthin  führte  über  das  Ceipziger  Schlachtfeld,  das  noch  in
zahlreichen  Spuren  das  wilde  erbarmungslose  Ringen  der  dreitägigen
Schlacht  erkennen  ließ.  Es  war  das  erste  Schlachtfeld,  das  Hrinz  Wilhelm
sah:  tief  erschütterte  ihn  der  grauenvolle  Anblick.

Weiter  ging  die  Fahrt.  In  Weimar  begrüßte  er  die  Erbprinzessin
Maria  Haulowna,  die  Freundin  der  Königin  Luise.  Ob  er  auch  ihrer
kleinen  Tochter,  der  damals  zweijährigen  Hrinzessin  Augusta  Aufmerk.
samkeit  schenkted  Wir  wissen  es  nicht:  und  doch  war  sie  bestimmt,  der
Deutschen  erste  Kaiserin  zu  werden!

Alsbald  rückte,  den  Heeren  folgend,  das  Bauptquartier  nach  Frank.
furt  vor.  Hier  wogten  die  Derhandlungen,  in  denen  fast  die  Roffnungen
des  Hrinzen,  mitzukämpfen  für  die  Befreiung  des  Daterlandes,  ihr  Grab
gefunden  hätten.  Denn  die  Friedenspartei  im  Rauptauartier,  deren
führer  Esterreichs  Staatskanzler,  der  Fürst  Metternich,  war,  gedachte  am
Rhein  den  Krieg  zu  beendigen  und  setzte  es  auch  durch,  daß  Napoleon
der  Frieden  unter  der  Bedingung  angeboten  wurde,  daß  er  sich  mit
Rhein,  Alpen  und  Pyrenäen  als  Grenzen  Frankreichs  begnüge.  Aber  der
König,  von  Dreußen  und  mit  ihm  seine  Feldherren  und  Staatsmänner
waren  für  die  energische  Fortführung  des  Krieges  und  erreichten,  daß,
als  Napoleon  die  Verhandlungen  hinzuziehen  versuchte,  die  bisher  Unentschiedenen,
  der  Kaiser  von  Rußland  und  die  englischen  Bevollmächtigten,
auf  ihre  Seite  tretend,  ihnen  das  Übergewicht  gaben.  Am  2.  Dezember