78  Fünstes  Kapitel.

verkündigte  ein  Manifest  den  Entschluß  der  verbündeten  Herrscher,  gemeinsam
  den  Krieg  in  Frankreich  fortzusetzen.

Aber  jenseit  des  Rheins  standen  drei  französische  Armeecorps,  den
Übergang  der  Verbündeten  zu  verhindern.  Der  Veckarmündung  gegenüber
  hatten  sie  eine  starke  Schanze  aufgeworfen,  mit  deren  Feuer  sie  den
Rhein  bis  nach  Mannheim  binüber  bestrichen.  Aber  die  Russen  vom
Sackenschen  Corps  setzten  im  Dunkel  der  Nacht  in  Kähnen  über  den
Strom  und  begannen  beim  ersten  Morgengrauen  den  Sturm  auf  die
Schanze,  während  die  Kähne  zurückkebrten,  um  weitere  Truppen  nachzuholen.
  Noch  tobte  der  Kampf  um  die  tapfer  verteidigte  Schanze,  als
König  Friedrich  Wilhelm  mit  dem  Hrinzen  Wilhelm  in  Mannbeim  eintraf.
  Sofort  ritten  sie  zu  dem  Rheinufer  binab,  wo  die  russischen  Jäger
ungeduldig  der  Einschiffung  harrten.  Mit  Hurra  empfingen  sie  den
König,  der  mit  dem  Hrinzen,  das  Gefecht  aufmerksam  verfolgend,  am  Ufer
halten  blieb,  bis  endlich  beim  vierten  Ansturm  die  Schanze  den  Russen  in
die  Kände  fiel.  Das  war  das  erste  Gefecht,  dem  Hrinz  Wilhelm,  wenn
auch  nur  aus  der  Ferne  beiwohnte.  Jetzt  wurde  eine  Schiffsbrücke  über
den  Rhein  gelegt,  auf  welcher  am  Abend  des  Weujabrstages  1814  der
Rinübermarsch  der  Russen  begann.  Alllein  bevor  sie  vollendet  war,  ging  der
König,  vorwärts  drängend,  mit  seinem  Gefolge  in  Kähnen  über  den  Strom.

Allein  die  Franzosen  zogen  sich,  ohne  eine  Feldschlacht  zu  wagen,  vor  den
Dreußen  und  Russen  Blüchers  zurück.  Der  König  kehrte  daher  nach  Heidelberg
  zurück,  von  wo  er  mit  seinen  beiden  Söhnen  sich  über  Karlsruhe
nach  Freiburg  begab.  Er  traf  hier  mit  den  beiden  Kaisern  Alexander  und
Franz  zusammen,  mit  denen  er  am  15.  Januar,  dem  russischen  Meujahrstage,
in  Basel  an  der  Spitze  der  preußischen  und  russischen  Garden  Einzug  hielt.

Schwarzenbergs  Armee  besetzte,  nachdem  sie  den  Rhein  überschritten
batte,  die  Hochfläche  von  Langres,  von  der  die  Seine,  Aube  und  Marne
zu  dem  Thalbecken  von  Haris  hinabströmen.  Durch  diese  beherrschende
Stellung  glaubte  der  Fürst,  Mapoleon  zum  Abschlusse  des  Friedens  nötigen
zu  können.  Und  wirklich  wurde  diesem  nochmals  Frieden  angeboten,
wenn  er  mit  Frankreich  in  seinen  alten  Grenzen  sich  begnügen  wolle.
In  Chatillon  trat  dieser  Friedenskongreß  zusammen.  Allein  Kaiser
Alexander  und  König  Friedrich  Wilhelm  setzten  es  durch,  daß  während
der  Derhandlungen  die  Waffen  nicht  ruhten.  Schwarzenberg  erhielt  den
Befehl,  nachdem  er  in  Langres  eine  Woche  verloren  hatte,  sich  in  der
Richtung  der  Aube  wieder  in  Marsch  zu  setzen.  Su  seiner  UÜberraschung
fand  er,  daß  Blüchers  Armee  auf  demselben  Wege  nur  einen  Tagemarsch
  vor  ihm  stand.  So  traf  diesen,  der  von  Brienne  aus  an  der