In  großen  Tagen.  79

Aube  abwärts  die  Richtung  auf  Paris  innehielt,  der  erste  Vorstoß.
Napoleons.  Brienne  ging  verloren;  zwar  gewann  er  am  späten  Abend
die  Stadt  zurück,  aber  das  Schloß  von  Brienne  blieb  in  der  Hand  der
Franzosen.  Indes  zwei  Tage  später  ging  Blücher,  nachdem  er  Ver—
stärkungen  an  sich  herangezogen,  bei  La  Rothiere  selbst  zum  Angriff
über.  Die  verbündeten  Monarchen  begaben  sich  selbst  aufs  Schlachtfeld-Den
  König  Friedrich  Wilhelm  begleiteten  seine  Söhne,  denen  er  nun,
soweit  das  Schneegestöber  die  Übersicht  verstattete,  über  den  Zweck  und
die  Bedeutung  jeder  Truppenbewegung  Aufschluß  gab.  Auch  am  folgenden
  Tage,  wo  sich  ein  Nachhutsgefechi  bei  Rosnax  mit  den  sich  zurückziellenden
  Franzosen  entwickelt  hatte,  ritten  die  jungen  Hrinzen  wieder
hinaus,  während  der  Flügeladjutant  des  Königs,  Oberst  von  Ratzmer,
ihnen  über  die  Wendungen  des  Gefsechts  die  nötigen  kriegswissenschaftlichen
  Erklärungen  gab.  Dabei  aber  gerieten  sie  in  ihrem  Eifer,  alles
deutlich  zu  erkennen,  selbst  in  den  Bereich  des  feindlichen  Feuers.

Aber  auch  sonst  war  der  König  darauf  bedacht,  das  militärische
Urleil  seiner  Söhne  durch  die  eigene  Anschauung  zu  bilden.  Denn
zwischen  dem  Ernste  des  Feldzuges  und  dem  Ererzierplatz  bleibt  stets  ein
großer  Unterschied.  Er  nahm  sie  zu  militärischen  Ausflügen  und  Besichtigungen
  mit  oder  beauftragte  Matzmer,  wenn  er  selbst  verhindert
war,  sie  zu  begleiten.  Uberhaupt  diente  der  Aufenthalt  im  Hauptquartier
der  verbündeten  Wonarchen  sehr  dazu,  den  Blick  des  jungen  DHrinzen
Wilhelm  zu  erweitern:  in  den  Mittelpunkt  der  großen  Begebenhkeiten
gestellt,  kam  er  nicht  nur  mit  allen  bedeutenden  Hersönlichkeiten  in  viel.
fache  persönliche  Berührungen,  sondern  sah  auch,  wie  aus  widersprechenden
  Urteilen  schließlich  die  entscheidende  Ansicht  sich  herausbildete.  Dabei
kam  ihm  zu  statten,  daß  die  Reserve,  welche  man  seinem  Bruder  als  dem
Kronprinzen  gegenüber  zu  beobachten  hatte,  bei  ihm,  dem  nackhgeborenen
Orinzen,  immerhin  mehr  in  Wegfall  kam.  So  wurde  der  Feldzug  eine
Schule  der  Oraxis  für  ihn,  ohne  daß  er  sich  selbst  voll  dessenbewußt  war.

Rapoleon  aber  hatten  unterdessen  die  Erfolge,  die  er  im  Lebruar
an  der  Marne  über  die  einzelnen  Corps  der  Blücherschen  Armee  errungen,
  wieder  sehr  zuversichtlich  gemacht.  Er  verwarf  den  Waffenstillstand,
  den  ihm  Schwarzenberg  zur  Einleitung  des  Friedensschlusses  anbot,
ohne  weiteres,  nahm  vielmehr  gegen  die  Schwarzenbergsche  Armee  eine
so  drohende  Kaltung  an,  daß  diese  bis  Bar  an  der  Aube  vor  ihm  zurückwich.
  Da  aber  rief  Blüchers  kühnes  Vorgehen  den  allzu  Dreisten  wieder
an  die  Marne  zurück,  so  daß  er  nur  ein  Corps  Schwarzenberg  gegenüber
zurückließ.  Jetzt  bestand  König  Friedrich  Wilhelm  darauf,  daß  nicht