80  Fünftes  Napitel.

weiter  zurückgegangen,  sondern  ein  Angriff  auf  das  französische  Corps
unternommen  würde.  Dem  konnte  Schwarzenberg  sich  nicht  entziehen
und  bestimmte  auf  den  folgenden  Tag  —  den  27.  Februar  —  den  Angriff.

Am  Morgen  um  7  Uhr  beschied  daber  König  Friedrich  Wilhelm  seine
beiden  Söhne  zu  sich:  „Wir  haben  heute  Bataille",  sagte  er  zu  ihnen.  „.Reitet
voraus;  ich  komme  nach.  Exponiert  euch  nicht  unnütz!  Dersteht  ihr  mickh  “

Sobald  indessen  die  Hrinzen  das  Corps  des  Generals  Wittgenstein
erreicht  hatten,  traf  auch  der  König  in  seiner  kleinen  Felddroschke  dort
ein.  Er  stieg  zu  Pferde  und  begleitete  das  gegen  Bar  vorrückende  Torps
bis  in  seine  Stellung.

In  steilwandiger  Schlucht  durchschneidet  das  Thal  der  Aube  das  Gelände.
  Swei  russische  Jägerregimenter  besetzten  die  Weinberge,  welche
den  diesseitigen  Thalrand  einnahmen.  Den  jenseitigen,  erbeblich  Böheren
Thalrand  indessen  hatten  die  Franzosen  inne.  Sie  konnten  demnach  von
ibren  Stellungen  aus  deutlich  wahrnehmen,  daß  die  Russen  ohne  Geschütz
waren,  auch  keine  Unterstützung  hbinter  sich  batten.  Alsbald  stürmten  sie
daher  in  die  Schlucht  hinab  und  erklommen  den  steilen  Rand  der  Weinberge.
  Es  gelang  ihnen  auch,  die  völlig  überraschten  russischen  Jäger
aus  den  Weinbergen  auf  die  dahinter  liegende  Hochfläche  zurückzutreiben.
In  diesem  kritischen  Augenblicke  indessen  kam  den  Russen  die  Hilfe,  deren
sie  bedurften.  Es  war  die  Kolonne  des  Fürsten  Gortschakow,  bestehend
aus  den  russischen  Infanterieregimentern  Kaluga  und  Mohilew  und  dem
Kürassierregiment  Oskow.  Sie  war  schon  in  der  Morgenfrühe  aufgebrochen
  und  zwei  Stunden  marschiert,  um  rechtzeitig  in  die  Schlacht  eingreifen
  zu  können.  Jetzt  ritt  ihr  der  König  mit  den  Orinzen  entgegen,
um  sie  zur  Eile  anzutreiben.  Er  setzte  sich  selbst  an  den  rechten  Flügel
der  Kürassiere  und  führte  sie  im  Trabe  gegen  die  Weinberge  vor,  während
  die  Infanterieregimenter  sich  noch  entwickelten  und  die  Jäger  weiter
zurück  sich  wieder  sammelten.  Allein  in  ein  Gelände,  wie  die  Weinberge
es  waren,  vermochten  die  Kürassiere  nicht  einzudringen,  während  die
Franzosen  in  dem  steinigen,  mit  HOfählen  und  Weinreben  bedeckten  Boden
leicht  Deckung  fanden  und  durch  heftiges  Gewehrfeuer  die  Russen  abzuwehren
  suchten.  Dicht  umflogen  ihre  Kugeln  den  König;  doch  er  achtete
dessen  nicht.  Da  hielt  es  Oberst  von  Thile  für  seine  Oflicht,  sich  mit
seinem  Pferde  vor  den  König  zu  werfen  und  ihn  zu  beschwören,  daß  er
nicht  unnütz  der  Gefahr  sich  hier  aussetze.

Langsam  ritt  der  König  mit  den  Kürassieren  zurück,  während  das
Regiment  Kaluga  in  einiger  Entfernung  bei  ihm  vorübermarschierte  und
sofort  zusammen  mit  den  Zägern  mit  Ungestüm  die  Franzosen  in  den