82  Fünftes  Kapitel.

die  dem  Prinzen  Wilhelm  zu  teil  wurde.  Gewiß  wird  das  für  den  jungen
Prinzen  eine  Freude  gewesen  sein;  allein  eine  größere  war  es  ohne
Oweifel  für  ihn,  daß  ihm  sein  königlicher  Vater  selbst  am  10.  März  das
Eiserne  Kreuz  zweiter  Klasse  überreichte.  Am  10.  März  1815,  dem  Geburtstage
  der  Königin  Luise,  hatte  der  König  als  einzige  Auszeichnung
für  den  anbebenden  „beiligen“  Krieg  das  Eiserne  Kreuz  gestiftet;  und
jetzt  am  ersten  Jahrestage  der  Stiftung  ließ  er  es  die  Brust  des  Sohnes
der  verklärten  Fürstin  schmücken,  zu  doppelter  schmerzlich-freudiger  Erinnerung.
  „Nun  versteh'  ich  erst“,  meinte  Drinz  Wilhelm,  als  die  zwiefache
  Anerkennung  ihm  so  zu  teil  wurde,  „warum  mir  der  Oberst  Luck
die  Kand  gedrückt  und  warum  die  andern  so  vielsagend  gelächelt  haben.“
So  wenig  war  ihm  der  todverachtende  Adjutantenritt  als  etwas  Besonderes
vorgekommen!  Die  Erinnerung  an  jene  Ereignisse  aber  lebte  unauslöschlich
  in  seinem  Rerzen,  und  als  längst  die  glänzendsten  der  militärischen  im
Dienst  erhaltenen  Auszeichnungen  seine  Brust  schmückten,  als  er  große
Schlachten  geschlagen  und  gewaltige  Feldzüge  siegreich  geführt  hatte,  trug
der  Kaiser  noch  immer  jene  beiden  kleinen  mit  der  Seit  noch  unscheinbarer
  gewordenen  Kreuze,  die  er  bei  Bar-sur-Aube  sich  verdiente.

Auf  diese  Weise  verknüpfte  sich  der  Name  des  Hrinzen  Wilhelm
mit  dem  des  Regiments  Kaluga.  Unter  den  Augen  des  Hrinzen  und  seines
königlichen  Daters  entschied  das  Regiment  um  4  Uhr  nachmittags  durch
die  Erstürmung  der  letzten  bebherrschenden  Anhöhe  die  Schlacht  von  Bar,
und  4  Jahre  später  ernannte  Kaiser  Alexander  den  tapferen  Hrinzen
zum  Chef  des  tapferen  Regiments.  «

Machte  indes  auch  König  Friedrich  Wilhelm  zu  seinem  Sohne  nicht
viel  Worte  über  die  Unerschrockenheit,  die  er  an  den  Tag  gelegt,  so
schrieb  er  doch  den  königlichen  Kindern  in  Berlin  davon.  Und  Prinzeß
Charlotte  schrieb  nun  den  Prinzen  nach  Frankreich  einen  Brief,  in  dem
sich  der  ganze  Stolz  der  Geschwister  auf  den  Bruder  aussprach.

Unterdessen  neigte  der  gewaltige  Kampf  sich  seinem  Ende  zu.  Suerst
  Blücher,  dann  auch  Schwarzenberg  brachen  sich  freie  Bahn.  Der
Versuch  Mapoleons,  durch  einen  Gstmarsch  die  verbündeten  Beere  von
Paris  abzuziehen,  mißlang;  am  24.  März  hielten  die  Monarchen  mit
ihren  Beerführern  auf  einer  Anhöhe  in  freiem  Felde  unweit  des  Städtchens
  Vitry  Rat:  der  Beschluß  war,  jetzt  direkt  auf  Haris  loszumarschieren
und  Napoleon  nur  eine  starke  Kavallerieabteilung  nachzusenden.  Die
Rand  sich  reichend,  trennten  sich  die  Beratenden.  Hrinz  Wilhelm  und
der  Kronprinz  gingen  jetzt  auf  den  König  zu  und  fragten  ihn  eifrig:
„Geht's  nach  Darisd“  „Naseweise  Frage!“  antwortete  ihnen  der  König;