In  großen  Tagen.  83

aber  er  sah  dabei  so  vergnügt  aus,  daß  seine  Miene  gar  nicht  zu  der
Abweisung  stimmen  wollte.  Und  als  die  Prinzen  nun  ganz  verdutzt  ihn
ansahen,  da  neigte  er  sich  zu  ihnen  und  sagte  ihnen  leise,  was  sie  wissen
wollten.  Denn  auch  der  Kaiser  von  GEsterreich  hatte  jetzt  die  Sache  seines
kaiserlichen  Schwiegersohnes  aufgegeben  und  sich  nach  Dijon  zurückgezogen.

In  wenigen  Tagen  langten  jetzt  die  siegreichen  Heere  vor  Haris
an,  brachen  vor  den  Thoren  von  Haris  den  letzten  Widerstand,  der  sich
ihnen  entgegenstellte:  und  am  51.  März  hielten  die  Sieger  ihren  Einzug
in  die  französische  Hauptstadt.  Unmittelbar  hinter  den  Beherrschern  von
Hreußen  und  Rußland  ritt  Hrinz  Wilhelm  mit  dem  Kronprinzen  und  seinem
Vetter,  dem  Hrinzen  Friedrich,  einen  Buchsbaumzweig  an  den  Cschako  gesteckt
und  eine  weiße  Feldbinde  um  den  linken  Arm.  Der  Einzug  ging  durch
die  Dorstadt  St.  Martin,  die  Bonlevards  hinab  über  den  Konkordienplatz,
wo  TLudwig  XVI.  Bingerichtet  worden  war,  nach  den  Elvsäischen  Feldern,
in  deren  breiter  Mittelallee  die  Monarchen  den  Vorbeimarsch  ihrer  Armeen
abnahmen.  Mehrere  Stunden  dauerte  die  Harade,  welche  die  Hariser  mit
jauchzenden  Surufen  an  die,  welche  von  der  verhaßten  Gewaltherrschaft
sie  befreit  hätten,  begleiteten.  An  den  Biwaks  in  den  Elrsäischen  Feldern
schlossen  sie  schnell  Freundschaft  mit  den  bärtigen  Gardekosaken  und  mit
den  gutmütigen  Grenadieren  der  preußischen  Garde.  Jetzt  schwärmte  die
ganze  Bevölkerung  von  Haris  für  die  Derbündeten  und  schimpfte  auf  Mapoleon,
dem  die  kleine  Insel  Elba  als  souveränes  Fürstentum  überlassen  wurde.

Drinz  Wilhelm  erhielt  seine  Wohnung  in  dem  Halaste  der  Ehren—
legion  in  der  Straße  Bourbon,  in  welcher  auch  der  König  in  dem  Halaste
des  Dizekönigs  von  Jtalien  wohnte.

Von  allen  Seiten  war  man  bestrebt,  den  „Befreiern“  den  Aufenthalt
  in  Haris  so  angenehm  wie  möglich  zu  gestalten.  Rauschende  Feste
wurden  ihnen  zu  Shren  veranstaltet,  und  wo  sie  sich  zeigten,  begegnete
man  ihnen  mit  Auszeichnung.  Hrinz  Wilhelm,  der  bisher  in  vergleichsweise
  einfachen  Verkältnissen  gelebt  hat,  war  bedacht  zu  sehen  und  zu
Uören,  sich  zu  bilden  und  zu  urteilen.  So  wurden  diese  zwei  Monate  in
Daris  in  manchem  Betracht  für  ihn  zu  einer  anregenden  Förderung.  Er
besuchte  zusammen  mit  dem  Uönige  öffentliche  Anstalten  der  Barmherzigkeit
  und  des  Gewerbefleißes.  Er  bewegte  sich  in  den  Salons  der  Welt—-stadt,
  in  denen  noch  mannmigfaltiger  als  sonst  die  vornehme  Gecsellschaft
wogte.  Räufig  und  lange  weilte  er  in  den  Museen,  die  damals  noch  alle
Berrlichen  Kunstschätze,  von  Mapoleon  aus  der  ganzen  Welt  zusammengeraubt,
  enthielten.  Auch  die  hervorragendsten  Theater  besuchte  er.  In
der  Nationalbibliothek  erregte  sein  Interesse  besonders  ein  Exemplar  von

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