Vom  Jüngling  zum  Mann.  89

Bei  allem  Guten,  welches  mir  zu  teil  wird,  will  ich  dankbar  auf
Gott  blicken,  und  bei  allen  Übeln,  die  mich  treffen,  will  ich  mich  Gott
unterwerfen,  fest  überzeugt,  daß  er  überall  mein  Bestes  beabsichtigt.

Auf  Gott  will  ich  unerschütterlich  vertrauen,  ihm  alles  anheimstellen
und  mir  im  Glauben  an  seine  Vorsehung  einen  getrosten  Mut  zu  er—
halten  suchen.

Meines  Gottes  will  ich  überall  gedenken,  an  ihn  will  ich  in  allen
Angelegenheiten  mich  wenden,  und  es  soll  mir  eine  süße  Pflicht  sein,  im
Gebete  mit  ihm  meine  Seele  zu  vereinigen.  Ich  weiß,  daß  ich  ohne  ihn
nichts  bin  und  nichts  vermag.

Ich  will  mich  vor  allem  hüten,  wodurch  ich  mich  als  Mensch  erniedrigen
  würde;  als  Fürst  würde  ich  mich  dadurch  noch  weit  mehr  er—
niedrigen.  Vorzüglich  will  ich  die  Sünden  der  Unmäßigkeit  und  Wollust,
welche  die  tiefste  Erniedrigung  der  menschlichen  Natur  sind,  vermeiden.
Nie  aber  will  ich  glauben,  mich  durch  eine  edle  Handlung  zu  erniedrigen.

Ich  will  an  meiner  Geistes=  und  Herzensbildung  unablässig  arbeiten,
damit  ich  als  Mensch  und  als  Fürst  einen  immer  höhern  Wert  erlange.

Ich  weiß,  was  ich  als  Mensch  und  als  Fürst  der  wahren  Ehre
schuldig  bin.  Nie  will  ich  in  Dingen  meine  Ehre  suchen,  in  denen  nur
der  Wahn  sie  finden  kann.

Vor  Geiz  und  Verschwendung  will  ich  mit  gleicher  Sorgfalt  mich
hüten.

Die  Dergnügungen  des  Lebens  will  ich  in  Unschuld  genießen  und
mich  durch  den  Genuß  derselben  stärken  zu  des  Lebens  Oflichten,  nie
aber  diesen  Genuß  mir  zu  einer  wichtigen  Angelegenheit  machen  oder
als  ein  fürstliches  Vorrecht  ansehen.

Ich  will  mich  bemühen,  immer  heiteren  Geistes  zu  sein  und  alles,
was  die  Seele  verdüstern  könnte,  von  mir  zu  entfernen.

Meine  Kräfte  gehören  der  Welt,  dem  Vaterlande.  Ich  will  daher
unablässig  in  dem  mir  angewiesenen  Kreise  thätig  sein,  meine  Zeit  auf
das  beste  anwenden  und  soviel  Gutes  stiften,  als  in  meinem  Ver—
mögen  steht.

Ich  will  ein  aufrichtiges  und  herzliches  Wohlwollen  gegen  alle
Menschen  —  auch  gegen  die  Geringsten,  denn  sie  sind  alle  meine
Brüder  —  bei  mir  erhalten  und  beleben.

Mein  Herz  soll  frei  bleiben  von  Neid,  Haß  und  Erbitterung.

Ich  will  keinem  Menschen  Unrecht  thun,  keinem  hart  sein,  keinen
kränken  oder  demütigen,  und  wo  ich  darin  fehlen  sollte,  es  eingestehen
und  auf  alle  Weise  wieder  gut  zu  machen  suchen.