Vom  Jüngling  zum  Mann.  91

Meinen  Geschwistern  gelobe  ich  zärtliche  Liebe  und  allen  Mitgliedern
der  Familie,  welcher  ich  angehöre,  treue  Ergebenheit.

Den  Pflichten  des  Dienstes  will  ich  mit  großer  Pünktlichkeit  nachkommen
  und  meine  Untergebenen  zwar  mit  Ernst  zu  ihrer  Schuldigkeit
anhalten,  aber  ihnen  auch  mit  freundlicher  Güte  begegnen.

Ich  will  unablässig  an  der  Verbesserung  meines  Herzens  arbeiten.

Jeden  Tag  will  ich  mit  dem  Andenken  an  Gott  und  meine  Pflichten
beginnen  und  jeden  Abend  mich  über  die  Anwendung  des  verflossenen
Tages  sorgfältig  prüfen.

Ick  will  mit  großer  Vorsicht  auf  mich  selbst  achten,  daß  ich  nicht  feble.

Ich  will  mich  in  keine  Verbindung  einlassen,  die  ich  nicht  für  eine
unschuldige  und  würdige  erkannt  habe.

Verderbte  Menschen  und  Schmeichler  will  ich  entschlossen  von  mir
weisen.  Die  Besten,  die  Geradesten,  die  Aufrichtigsten  sollen  mir  die
Liebsten  sein.  Die  will  ich  für  meine  wahren  Freunde  halten,  die  mir
die  Wahrheit  sagen,  wo  sie  mir  mißfallen  könnte.

Jeder  Versuchung  zum  Bösen  will  ich  kräftigen  Widerstand  leisten
und  Gott  bitten,  daß  er  michk  stärkoe."“

Ganz  und  gar  hält  sich  dies  Bekenntnis  an  die  Sache:  die  religiösen
Anschauungen  und  die  moralischen  Stimmungen  mit  vollster  Klarheit
darzulegen,  setzt  es  sich  als  Aufgabe.  So  spiegelt  es  auch  in  seiner  Darstellungsweise
  deutlich  den  TCharakter  des  Hrinzen  wider.

Sum  Tische  des  Berrn  ging  der  Drinz  Wilhbelm  im  Dom.  EShrenberg
  legte  seiner  Hredigt  bei  dieser  Feier  die  Worte  Mlatthäus  3,17  zu
Grunde:  „Und  siehe,  eine  Stimme  vom  Himmel  herab  sprach:  Dies  ist
mein  lieber  Sohn,  an  dem  ich  Wohlgefallen  habe!“

Wie  vor  zwei  Jahren  die  Konfirmation  des  Kronprinzen,  so  fiel
auck  jetzt  diejenige  des  Hrinzen  Wilhelm  in  eine  Seit,  welche  bedrohlich
düstere  Wolken  am  Rimmel  zeigte.  Napoleon  hatte  im  Frühjahr  sein
Inselfürstentum  wieder  heimlich  verlassen,  den  Thron  Frankreichs  von
neuem  in  Besitz  genommen  und  schickte  sich  an,  ihn  gegen  den  Willen
Europas  zu  belaupten.

Der  Wiener  Kongreß  löste  sich  auf,  und  wiederum  zogen  die  Armeen
der  verbündeten  Mächte  an  den  Rhein.  Auch  König  Friedrich  Wilhelm
ließ  seine  Gardetruppen  von  Berlin  abmarschieren.  Am  4.  Juni  hielt
er  über  die  Hotsdamer  Garnison  BReerschau,  wobei  Hrinz  Wilhelm  das
Füselier-Bataillon  des  ersten  Garderegiments  führte;  dann  rückte  sie
ebenfalls  ins  Feld.  Am  22.  Juni  folgte  der  König,  von  dem  Hrinzen
Wilhelm  begleitet,  seinen  Truppen  nach,  um  sich  ebenfalls  auf  den  Kriegs-