Vom  Jüngling  zum  Mann.  95

Ausdruck.  Bei  der  Unterzeichnung  des  Hrotokolls  fügte  er  seiner  Unterschrift
  die  Erklärung  hinzu,  „daß  er  sich  erlaube,  den  väterlichen  Gesinnungen
  und  der  höheren  Hrüfung  Seiner  Majestät  auf  das  ehrerbietigste
  den  Wunsch  zu  empfehlen,  daß  Allerbhöchstdieselben  in  Ihrer
Weisbeit  die  Mittel  finden  möchten,  die  neuen  Steuern  zu  umgehen  oder
sie  zu  ermäßigen  und  die  reicheren  Klassen  der  Nation  und  die  höher
besoldeten  Beamten  zur  Erleichterung  des  ärmeren  Dolkes  mehr  heranzuzielhen.“
  Wer  erkennt  nicht  in  diesen  menschenfreundlichen  Worten  den
Urheber  der  kaiserlichen  Botschaft  vom  I7.  November  1881  wieder?
Und  dies  Vertrauen,  welches  der  Hrinz  in  die  Regierungsweisheit
seines  königlichen  Daters  setzte,  erfuhr  er  von  diesem  wieder  in  allem,
was  soldatische  Dinge  anging.  Ein  Beweis  ist  die  Schnelligkeit,  mit
welcher  der  Drinz  die  Staffel  der  militärischen  Stellungen  erstieg:  1817
wurde  er  Oberst  und  in  demselben  Jahre  auch  zum  Chef  des  7.  Infanterieregiments,
  das  damals  noch  in  Frankreich  stand,  ernannt,  1818  wurde
er  Generalmajor  und  Kommandeur  der  ersten  Garde-Infanteriebrigade,
1810  Mitglied  des  Kriegsministeriums  mit  Sitz  und  Stimme  in  demselben,
1820  erhielt  er  das  Kommando  der  ersten  Gardedivision,  1824  das
interimistische,  1825  das  definitive  Kommando  des  5.  Armeccorps  unter
Beibelkaltung  des  Kommandos  der  ersten  Gardedivision,  noch  in  demselben
  Jahre  1825  wurde  er  Generalleutnant  und  1858  kommandierender
General  des  Gardecorps  und  Inspekteur  der  vierten  Armcaabteilung,
welche  das  westfälische  (k.)  und  rheinische  (8.)  Armeccorps  umfaßte.
Dazu  kam  der  Vorsitz  in  verschiedenen  militärischen  Kommissionen,
den  ihm  der  König  übertrug.  So  in  der  Kommission  zur  Umarbeitung
des  Exerzierreglements  für  die  Infanterie,  in  derjenigen  zur  Ausarbeitung
einer  Instruktion  für  die  Aufstellung  und  den  Gobrauch  größerer  Kaval.
leriemassen,  in  derjenigen  zur  Orüfung  der  Vorschläge  des  Avancements
zum  Stabsoffizier  außer  der  Tour.  Wiederholt  erhielt  er  auch  den  Auftrag,
  diese  oder  jene  Festung  zu  inspizieren  oder  bei  den  großen  Herbst.
manövern  das  Kommando  von  Truppenteilen  zu  übernehmen.  So  wurde
der  Hrinz  ebenso  heimisch  auf  dem  Exerzierplatze,  wie  im  Bureau,  ebenso
vertraut  mit  der  Anführung  von  Truppenkörpern  wie  mit  dem  kleinen

Dienst  jeder  Art.  Der  „erste  Soldat“"  Hreußens  —  wie  man  ihn  wohl
genannt  hat  —  ward  mit  der  Seit  zu  der  ersten  militärischen  Antorität.

Es  liegt  etwas  überaus  Wohltlinendes  in  dem  VDertrauen,  welches
den  Hrinzen  mit  seinem  königlichen  Vater  und  obersten  Kriegsherrn  verband.
  Der  König  hätte  es  bei  seiner  hohen  und  ernsten  Auffassung
von  seinem  erhabenen  Berufe  dem  Sohne  sicher  nicht  erwiesen,  wenn  er