Vom  Jüngling  zum  Mann.  99

Nachdruck  wiederholte  er  seinen  Verzicht,  so  daß  endlich  Nikolaus  sich  entschliehen
  mußte,  den  verwaisten  Chron  einzunehmen.  Und  fürwahr,  es
war  hohe  Seit.  24  Tage  hatte  die  kaiserlose  Zeit  gedauert,  lange  genug,
um  die  gebeimen  Derschwörungen,  die  unter  den  Truppen  des  Nordens
wie  des  Südens  im  russischen  Reiche  angezettelt  waren,  zum  Ausbruche
zu  bringen.  Die  einen  wollten  für  Rußland  eine  freisinnige  Derfassung
erzwingen,  die  anderen  Rußland  nach  dem  Vorbilde  Nordamerikas  in
einen  Staatenbund  um.
wandeln;  den  Mannschaften
  freilich  war  das  eine
so  unverständlich  wie  das
andere;  blind  folgten  sie
ihren  Offizieren.  Indessen
jetzt  genügten  einige  Kartätschenschüsse,
  um  die
meuterischen  Regimenter
in  jäher  Flucht  auseinander
  zu  treiben;  nicht
wenige  fanden  unter  den
Säbeln  der  ihnen  nachsetzenden
  Gardereiter

ihren  Tod,  noch  mehr  in
den  eisigen  Fluten  der
Newa,  deren  Eisdecke  einbrach,
  aber  die  meisten
stürzten  sich  in  ihre  Kasernen
  und  flehten  jammernd
  die  Gnade  des
strengen  jungen  Kaisers
an.  Kaum  je  hat  wohl
ein  Fürst  den  Thron
seiner  Ahnen  unter  solchen  Umständen  bestiegen,  wie  jetzt  Nikolaus  1.

Drinz  Wilhelm  befand  sich  auf  der  Jagd  im  Walde  von  Cehnin,
als  er  die  Nachricht  von  der  Thronbesteigung  seines  kaiserlichen  Schwagers
erbielt.  Er  begab  sich  sofort  nach  Hotsdam  und  empfing  hier  von  dem
Könige  den  Auftrag,  sich  alsbald  nach  St.  Hetersburg  zu  begeben,  um
dem  Kaiser  Mikolaus  und  seiner  Schwester  die  Glückwünsche  des  preußischen
Königshauses  zur  Thronbesteigung  zu  überbringen.  Er  blieb  bis  Ende

April  bei  seinen  kaiserlichen  Verwandten,  nicht  ein  Gast  bloß,  sondern
7°

Grohfürstin  Rlexandra  Feodoromna,  Prinzessin  Charlotte
von  Preußen.