Vom  Jüngling  zum  Mann.  101

ohne  sich  irgend  welche  Erholung  nach  der  langen  Fahrt  zu  gönnen,
nach  der  Peterskirche:  so  sehr  zog  es  ihn  zu  dem  mächtigen  Bau,  dem
gewaltigsten  Kirchenbau  der  Welt.  Nachdem  er  lange  in  St.  Peter  geweilt
  und  die  erhabenen  SEindrücke,  welche  die  himmelhohen  Gewölbe,
die  riesigen  Dimensionen  des  ganzen  Baues  in  dem  Beschauer  hervorrufen,
  in  sich  erneuert  hatte,  ging  die  Fahrt  nach  dem  Hantheon.  Schon
legten  die  Abendschatten  sich  leise  über  die  herrliche  Kuppel,  aber  sie
verstärkten  nur  den  Eindruck,  als  müsse  man  durch  das  offene  Auge  der
Kuppel  einen  Blick  in  des  ZKimmels  Rerrlichkeit  thun  können,  als  sänke
im  Dämmerschein  die  Erde  hinter  dem  Beschauenden  zurück.  Es  ist  ein
ganz  anderer  Eindruck,  als  St.  Heter  ihn  macht,  aber  sicher  nicht  weniger
ergreifend.  Tun  erst  begab  sich  der  König  in  das  Quartier,  das  am
Spanischen  Hlatze  für  ihn  und  die  Hrinzen  bereitet  war.

Am  nächsten  Vormittage  stattete  der  König,  von  den  Hrinzen  umgeben,
  dem  Hapste  einen  Besuch  in  seiner  Residenz  im  Guirinal  ab.
Gleichsam  ein  Bild  aus  dem  Mittelalter  entrollte  sich  vor  den  hohen
Besuchern.  Auf  den  Treppenstufen  stand,  Spalier  bildend,  die  Schweizer-=garde
  des  Hapstes,  in  ihrer  grellbunten  Tracht  wie  Landsknechte  anzuschauen,
  mit  Hellebarden  in  den  Ränden,  und  oben  warteten  die  höchsten
Würdenträger  der  Kirche  in  violetten  und  roten  Gewändern  der  fürstlichen
  Gäste.  Bis  in  das  Dorgemach  vor  dem  Empfangszimmer  des
Dapstes  wurden  diese  von  den  Hrälaten  geleitet.  Nur  der  König  begab
sich  zu  dem  Hapste  hinein:  die  Hrinzen  warteten  derweil  in  dem  Vorgemache.
  Sobald  indessen  der  König  zurückgekehrt  war,  nahmen  sie  vereint
  unter  der  Führung  des  Kardinals  Consalvi  die  herrlichen  Kunstschätze
  in  Augenschein,  die  der  quirinalische  Halast  in  reicher  Fülle  barg.

Die  nächsten  Tage  wurden  der  Besichtigung  der  Kunstsammlungen
gewidmet,  die  so  großartig  wie  Rom  keine  Stadt  der  Welt  besitzt.

Die  preußischen,  in  Rom  anwesenden  Künstler  hatten  zur  Feier  der
Anwesenheit  ihres  Königs  eine  Ausstellung  ihrer  Werke  veranstaltet;
wiederholt  weilte  der  König  mit  den  Hrinzen  in  derselben.  Auch  die
Ateliers  der  Bildhauer  Schadow  aus  Berlin,  Canova  und  Thorwaldsen,
der  ersten  Meister  ihrer  Seit,  besuchten  sie.

Am  19.  November  setzte  der  König  seine  Reise  nach  Neapel  fort.
Einige  Tage  später  folgten  ihm  auch  dorthin  die  Hrinzen,  alle  inkognito,  der
König  als  Graf  von  Ruppin  reisend,  Hrinz  Wilhelm  als  Graf  von  Lingen.

Wie  eine  andere  Welt  mutet  nach  dem  Besuche  von  Rom  Keapel
den  Reisenden  an.  Welche  Hracht  der  Tatur,  wo  im  Meere  hohe
Berge  sich  widerspiegeln,  welcher  geheimnisvolle  Reiz  in  den  vulkanischen