Vom  Jüngling  zum  Mann.  103

Museum  besucht,  dessen  beste  Schätze  neben  einigen  hervorragenden
Statuen,  wie  dem  farnesischen  Herkules  und  dem  farnesischen  Stier,  die
höchst  mannigfaltigen  Altertümer  waren,  die  den  Ausgrabungen  von
Pompeji  und  Herculaneum  entstammten.  Geben  sie  doch  bis  in  die
kleinsten  Details  hinein  ein  Bild  des  antiken  Lebens.

Das  war  die  beste  Dorbereitung  für  den  Besuch  von  Hompeji  selbst,
der  am  nächsten  Tage  trotz  des  unfreundlichen  Wetters  unternommen
wurde.  Den  hohen  Suschauern  zu  Ehren  wurde  an  einer  noch  unberührten
  Stelle  eine  Ausgrabung  vorgenommen.  Deutlich  konnte  man,
je  mehr  die  Spaten  und  Hacken  in  die  Tiefe  drangen,  die  verschiedenen
Aschenschichten  unterscheiden;  dann  wurde  von  den  Arbeitern  vorsichtig
mit  den  Bänden  weiter  geschaufelt  und  wirklich  auch  in  dem  aufgedeckten
Rause  mehrere  bronzene  und  irdene  Geräte,  einige  Gläser  und  Münzen
zu  Tage  gefördert.  Den  KRönig  interessierte  dies  Ergebnis  so  lebhaft,
daß  er  auf  dem  Rückwege  in  Hortici  Kalt  machte  und  von  hier  aus  auch
die  Ausgrabungen  von  Berculaneum  noch  besuchte.  Sum  Grabe  des
Vergil  beim  Hosilipp  ließ  er  indes  die  jungen  Hrinzen  allein  wandern.

Die  Abende  füllte  meist  der  Zesuch  des  Carlo-Theaters  aus.  Toach
italienischer  Sitte  wurde  meist  an  jedem  Abend  eine  Oper  und  ein  Ballett
oder  eine  Feerie  gegeben,  so  daß  das  Theater  sehr  vollkommener
Maschinerien  und  technischer  Einrichtungen  bedurfte.  Um  diese  nun
genau  kennen  zu  lernen,  besuchte  der  König  mit  den  Hrinzen  das  Theater
einmal  vormittags  und  ließ  sich  hinter  den  Kulissen  die  einzelnen  WMaschinerien,
  die  Dersenkungen,  die  Flugmaschinen  in  Thätigkeit  vorführen  und
im  einzelnen  erläutern.

Eine  Festvorstellung  im  Theater  des  königlichen  Schlosses  beschloß
die  schönen  Tage  von  Teapel.  Ein  Festspiel  war  gedichtet  die  Ankunft
der  hohen  Gäste  in  Neapel  zu  feiern.  Mit  höchster  Hracht  wurde  es
aufgeführt.  Dann  verließ  der  König  die  schöne  und  liebenswürdige
Stadt;  am  5.  Januar  1825  war  er  wieder  in  Hotsdam.  Den  beiden
Drinzen  Wilhelm  und  Karl  aber  gesiel  es  dort  so  wohl,  daß  sie  noch
nicht  scheiden  mochten;  erst  vier  Wochen  später  sind  sie  wieder  in  der  Heimat.

Eine  solche  Reise,  wie  diese,  die  es  verstattet,  in  die  neuen  Eindrücke
sich  zu  versenken,  die  neuen  Anregungen  in  sich  zu  verarbeiten,  ist  weder
eine  Erholung  noch  ein  leeres  Dergnügen;  sie  ist  vielmehr  ein  bedeutsames
  geistiges  Bildungsmoment  von  nachhaltiger  Wirkung.  Dem  Hrinzen
aber  ist  sie,  wie  er  schreibt,  auch  eine  „Erfrischung“  gewesen!