Siebentes  Kapitel.
Die  Vermählung.

Calla  Rookh,  die  Tulpenwange,  ist  ein  Gedicht  von  Thomas  Moore,
1817  erschienen.  Die  Tochter  des  Großmoguls  Aurengzeb  ist  mit  dem
Erben  des  bucharischen  Reiches  verlobt  und  auf  der  Reise  in  die  neue
Heimat  begriffen.  Unterwegs  nähert  sich,  als  Dichter  und  Sänger  verkleidet,
  Drinz  Feramorz  seiner  schönen  Braut  und  gewinnt  das  Herz  der
Tulpenwange  ebenso  durch  seine  Hersönlichkeit  wie  durch  einige  anmutige
Erzählungen,  die  er  ihr  vorträgt.  Besonders  macht  die  Geschichte  von
der  Sühne  der  Heri  tiefen  Eindruck,  die  den  Himmlischen  die  kästlichste
Gabe,  die  Reuethränen  des  Sünders,  an  die  Pforten  Sdens  bringt.

Und  nun  erfuhr  das  reizende  Gedicht  eine  eigenartige  Herherrlichung.
Der  Großfürst  Rikolaus  weilte  mit  der  Hrinzessin  Charlotte,  seiner  jugendlichen
  Gemahlin  —  es  war  das  erste  Mal  seit  ihrer  Dermählung  —
1821  zum  Besuche  bei  seinen  erlauchten  Derwandten  in  Berlin.  Durch
einen  glänzenden  Hofball  wurde  der  Besuch  gefeiert  und  auf  diesem  nach
den  Jdeen  des  Herzogs  Karl  von  Mecklenburg,  des  geistreichen  Anordners
so  manches  wohlgelungenen  Festes,  Moores  reizendes  Gedicht  von  den
höchsten  Hersönlichkeiten  des  Hofes  aufgeführt.  Die  Rolle  der  Calla
Bookh  übernahm  die  Großfürstin,  ebenso  schön  wie  hoheitsvoll,  eine  „geborene
  Kaiserin"  —  wie  man  schon  damals  sagte.  Den  Feramorz  gab
Drinz  Wilhelm:  eine  höchst  anziehende  Erscheinung  in  der  Blüte  der
Jugendjahre,  von  schlankem  Wuchs,  groß  über  das  Durchschnittsmaß  und
doch  kräftig  dabei,  das  leise  gebräunte,  frische  Gesicht  mit  den  feinen,
edlen  Sügen  durch  einen  nicht  sehr  starken,  dunkelblonden  Schnurrbart
geschmückt.  Es  war  begreiflich,  daß  er  in  seinem  reichen  und  phantasievollen
  orientalischen  Kostüme  auf  die  Suschauenden  einen  großen  Eindruck
  machte.

Die  duftige  Heri  in  der  eingeschobenen  Erzählung  stellte  die  Hrinzessin
  Elise  Radziwill  dar.  Mit  silbern  schimmernden  Flügeln  an  den