Die  Vermählung.  107

wurde  ihm  sehr  schwer.  Die  Aufführung  der  Lalla  Rookh  war  eine
harte  Probe;  aber  er  bestand  sie.  Jedoch  im  nächsten  Jahre  war  seine
Kraft  erschöpft;  er  begann  auch  körperlich  unter  seinem  Entschlusse  zu
leiden.  Der  König,  von  Mitgefühl  ergriffen,  versprach  dem  Prinzen,
„alles  anzuwenden,  was  sich  thun  ließe,  um  zu  sehen,  ob  es  möglich  sei,
eine  Verbindung  zu  schließen,  die  er  wünsche,  da  er  der  Hrinzeß  Elise
sehr  gut  sei“.  Allein  das  RKausministerium,  mit  der  Feststellung  der  Frage
beauftragt,  entschied,  daß  die  Derbindung  nicht  standesgemäß  sein  würde.
Denn  seit  Friedrich  dem  Großen
stand  der  Grundsatz  fest,  daß  nur
die  Töchter  der  regierenden  Fürstenhäuser
  und  der  vormaligen
reichsständischen  Landesberrn  für
ebenbürtig  gelten  sollten:  ein
Grundsatz,  den  auch  König  Friedrich
  Wilhelm  III.  selbst  anerkannt
hatte.  Freilich  der  berühmte
Staatsrechtslehrer  Eichhorn,  von
dem  Fürsten  Radziwill  zu  einem
Gutachten  aufgefordert,  sprach
sich  für  die  Sbenbürtigkeit  des
Bauses  Radziwill  aus,  aber
Savign,  der  große  Jurist,  wieder
gegen  dieselbe.

Unter  diesen  Umständen
glaubte  denn  der  König  von
seinem  Sohne,  da  die  Frage  der
Sbenbürtigkeit  für  die  Thron-  Priniessin  Elise  Madziwil.
folge  bedeutungsvoll  werden
konnte,  den  Verzicht  auf  seine  Liebe  verlangen  zu  müssen.  Am  16.  Februar
  1822  hatten  sie  eine  eingehende  Unterredung  darüber:  der  König
sprach  herzlich  und  gerührt  zu  dem  Hrinzen,  hielt  aber  seine  Forderung
aufrecht.  Durch  Reisen  wollte  er  dem  Sohne  den  Derzicht  erleichtern:
er  sandte  ihn  nach  den  Niederlanden,  und  zum  Berbste  nahm  er  ihn  nach
Italien  mit.  Wohl  fühlte  sich  der  Hrinz  durch  die  Reise  innerlich  „erfrischt“"
  —  aber  überwunden  hatte  er  seinen  Schmerz  noch  lange  nicht.
Die  Frage  der  Sbenbürtigkeit  wurde  daher  durch  den  König  dem  Staatsrate
  unterbreitet;  allein  die  Mehrheit  desselben  sprach  sich  dagegen  aus.
Nun  tauchte  der  Gedanke  auf,  daß  der  kinderlose  Prinz  August  von