Die  Vermählung.  109

„Gottes  Beistand  werde  ich  anrufen.  Er  verließ  mich  in  so  vielen
schmerzlichen  Augenblicken  meines  Lebens  nicht,  er  wird  mich  auch  jetzt
nicht  verlassen.

„So  schließe  ich  diese  wichtigen  Zeilen  zwar  mit  zerrissenem  Herzen,
aber  in  einem  Herzen,  das  Ihnen,  teuerster  Vater,  inniger  denn  je  anhängt!
  Denn  Ihre  väterliche  Liebe  war  nie  größer  als  in  der  Art  der
schweren  Entscheidung!“

Das  ist  der  Brief  eines  Helden:  ein  Ehrendenkmal  der  preußischen
Geschichte!  „Es  gehört“,  schrieb  damals  (am  29.  Juli  1826)  Hrinz  Wil-Prinz

  Narl  von  Preußen  und  seine  Gemahlin  Prinzessin  Marie.

helm  an  NWatzmer,  „eine  seltsame  Kraft  dazu,  seine  teuersten,  ja  die
höchsten  Wünsche  aufopfern  zu  müssen.“  Aber  in  seinem  Öflichtgefühl
fand  er  diese  Kraft.  Durch  angestrengte  Arbeit  stählte  er  sie,  indem  er
seinen  militärischen  Hflichten  mit  ganzer  Seele  oblag.

Da  erhielt  er  —  noch  im  Dezember  des  traurigen  Jahres  1826  —
von  dem  Könige  den  Befehl,  sich  mit  dem  Hrinzen  Karl  nach  Weimar
zu  begeben,  um  dem  jüngeren  Bruder  in  der  erbung  um  die  Hand  der
Drinzessin  Marie  von  Weimar  zur  Seite  zu  stehen.  Ihm  war  bei  der
Stimmung,  die  ihn  noch  ganz  beherrschte,  dieser  Befehl  höchst  unwill-