Die  Vermählung.  111

Uoch  lebten  in  Weimar  die  beiden  Männer  miteinander,  denen
die  Stadt  ihren  einzigartigen  Ruhm  verdankte:  der  geistvolle  Großherzog
und  Goethe,  der  zwar  ein  Greis  von  77  Jahren,  doch  noch  in  ungebrochener
  Kraft  des  Körpers  und  des  Geistes  dastand.  In  ihnen  stellte
sich  das  Streben  nach  der  höchsten  Bildung  dar,  und  naturgemäß  hatte
dies  Streben  auch  auf  die  jüngeren  Mitglieder  der  Familie  den  günstigsten
Einfluß.  Das  war  die  Atmosphäre,  in  der  die  beiden  Töchter  des  Erbgroßherzogs
  Karl  Friedrich  heranwuchsen.  Gern  sprach  es  der  Großvater
  aus,  wie  glücklich  ihn  die  Verlobung  der  Prinzeß  Marie  mit  dem
jüngeren  der  beiden  Prinzen  machte,  an  denen  er  soviel  „Behagen“
empfand.  Auch  Goethe  bemerkte  mit  Befriedigung,  daß  die  Prinzen  „ein
ganz  frisches  Leben“  in  die  weimarischen  Hofkreise  gebracht,  und  äußerte,
als  Karl  August  sie  ihm  zuführte,  „Freude  und  Bewunderung  über  so
verschiedenartig  wohlgebildete  Königssöhne“.

Am  26.  Mai  1827  fand  die  Dermählung  der  Hrinzeß  Warie  mit
dem  Orinzen  Karl  statt.  Wiederum  begleitete  Drinz  Wilhelm  den  Bruder
dorthin,  und  freundlich  erneuerte  sich  die  Bekanntschaft  mit  der  jugendlichen
  Schwester  der  Zraut.  Don  Weimar  begab  er  sich  dann  in  die
Schweiz,  deren  Berge  er  sehr  liebte.  Den  folgenden  Winter  verlebte  er
größtenteils  in  St.  Hetersburg.  Wiederholt  war  "  hier  im  Kreise  der
kaiserlichen  Derwandten  auch  von  der  Hrinzessin  Augusta  die  Rede.  Sie
bestärkten  in  ihm  das  Interesse,  das  er  für  die  jugendliche  Hrinzessin
empfand,  um  so  mehr,  als  diese  die  Nichte  des  Kaisers  Mikolaus  war.
So  knüpften  allmählich  sich  die  zarten  Fäden.

Während  der  Hrinz  in  Rußland  weilte,  verschärfte  sich  drohend  der
alte  Gegensatz  zwischen  Rußland  und  der  Türkei.  Der  Sultan  Mahmud
verlangte  Genugthiuung  für  die  Niederlage  bei  Mavarino,  welche  Rußland
  mit  seinen  Derbündeten  der  türkisch-ägvptischen  Flotte  zugefügt  hatte,
und  wies  deren  Gesandte,  als  die  Genugtliuung  ihm  verweigert  wurde,
aus  Konstantinopel  aus.  Darauf  antwortete  Rußland  am  26.  April  1828
mit  der  Kriegserklärung  und  sandte  100  000  Mann  über  den  Hruth.
Es  war  der  lebhafte  Wunsch  des  Hrinzen  Wilhelm,  dies  Beer  ins  Feld
zu  begleiten.  Allein  der  König  versagte,  so  große  Smpathien  er  auch
für  die  pbhilhellenischen  Bestrebungen  Rußlands  hegte,  die  erbetene  Erlaubnis.
  Gehorsam  kehrte  daher  der  Hrinz  nach  Berlin  zurück.

Unterdessen  war  dem  Hrinzen  Karl  in  seinem  Schlosse  Glienicke  bei
Dotsdam  ein  Sohn  geboren  worden.  Voller  FKreude  darüber  kam  der
greise  Großherzog  Karl  August  nach  Hotsdam,  den  Urenkel,  den  kleinen
Drinzen  Friedrich  Karl,  zu  sellen.  Mit  der  größten  Auszeichnung  wurde