114  Siebentes  Kapitel.

Sofort  begab  sich  der  Prinz  von  Warschau  nach  Weimar.  Er  kam
durch  Posen.  In  der  freudig  gehobenen  Stimmung,  in  der  er  sich  befand,
  machte  er  hier  Aufenthalt,  fuhr  binaus  nach  Antonin  und  söhnte
sich  bier  in  männlich-freier  Aussprache  mit  der  fürstlichen  Kamilie  Radziwill
aus.  Auch  König  Friedrich  Wilhelm  freute  sich  der  beschleunigten  Hoch--zeitsfeier.
  Denn  da  der  Kronprinz,  seit  1825  mit  Orinzeß  Elisabeth  von
Bayern  vermählt,  ohne  Kinder  war,  legte  er  Gewicht  darauf,  daß  sich
Prinz  Wilhelm  bald  vermähle.

In  Weimar  traf  der  fürstliche  Zräutigam  am  6.  Juni  ein,  um  die
Braut  zum  Einzuge  in  Berlin,  der  auf  den  II.  bestimmt  war,  dorthin
zu  geleiten.  Aus  der  Aufmerksamkeit  und  zarten  Fürsorge,  die  er  der
freudig  Überraschten  widmete,  erkannte  auch  der  ferner  Stehende,  wie
lieb  sie  ihm  war.  Nur  spärliche  Seit  blieb  zum  Abschiednehmen.  Doch
zu  Goethe  selbst  zu  gehen,  ließ  die  Hrinzessin  sich  nicht  nehmen.  „Die
bedeutende  und  liebenswürdige  Hrinzessin  Auguste“  —  schrieb  der  große
Menschenkenner  nach  diesem  Abschiedsbesuche  in  sein  Tagebuch  —  „verbindet
  frauenzimmerliche  und  prinzeßliche  Eigenschaften  auf  eine  so  vollkommene
  Weise,  daß  man  wirklich  in  Derwunderung  gerät,  und  ein  gemischtes
  Gefühl  von  Hochachtung  und  Meigung  in  uns  entsteht.“  Der
Drinz  hatte  seine  Braut  begleitet:  denkwürdige  Begegnung,  wie  hier  in
seinem  Haus  am  Frauenplan  der  greise  Dichterfürst  den  jungen  Fürsten
zu  Gaste  bei  sich  sah,  dem  das  herrlichste  Werk  des  Jahrhunderts  zu
vollbringen  vorbehalten  war.

Am  zweiten  Ofingsttage  (den  9.  Juni)  wurde  die  fürstliche  Braut  in
Dotsdam  von  dem  weiten  Kreise  ihrer  Derwandten  auf  das  herzlichste
bewillkommnet,  und  am  10.  Juni  gegen  Abend  bielt  sie  den  üblichen
Haradeeinzug  in  Berlin.  Und  was  konnte  sie  besser  kleiden,  als  daß  sie
in  ihrem  Glücke  der  Armen  Zerlins  gedachte,  denen  sie  eine  reichliche
Spende  mildherzig  zuwiesd

Am  1I.  Juni  um  7  Uhr  abends  fand  die  Dermählung  statt.  In
feierlichem  Suge  begab  sich  die  ganze  königliche  Familie  mit  den  zahlreich
  anwesenden  fürstlichen  Hochzeitsgästen  von  den  Roten  Simmern
FKriedrichs  I.  nach  der  Kapelle  des  königlichen  Schlosses.  Hier  vollzog
der  Bischof  Eylert  die  Trauung.  Bei  dem  Kingewechsel  des  hohen
Daares  erdröhnten  72  Kanonenschüsse  vom  Lustgarten  her.  Dann  begab
sich  in  derselben  Ordnung  der  Sug  wieder  in  die  Zimmer  Friedrichs  I.
zurück.  Hier  empfing  das  junge  Shepaar  die  GElückwünsche  der  königlichen
  Kamilie,  dann  danach  im  Weißen  Saale  die  der  Hofstaaten  und
sonst  zur  Feier  Befohlenen.  Tiefe  Rührung  hatte  während  der  Trauung