120  Achtes  Kapitel.

pfähle  hinweg:  es  kam  in  Belgien,  dann  auch  in  der  Rheinprovinz  und
an  manchen  anderen  Orten  Deutschlands  zu  bedenklichen  Unruhen,  so  daß
König  Friedrich  Wilhelm  zur  Vorsicht  beschloß,  drei  preußische  Armeecorps
am  Rhein  zu  vereinigen  und  ein  viertes  nach  Thüringen  zu  entsenden.
Er  beauftragte  den  Hrinzen  Wilhelm  mit  der  Inspizierung  von  zweien
der  an  den  Rhein  marschierenden  Armeecorps;  doch  steigerten  sich  die
Unruhen  derart,  daß  der  Hrinz  schon  während  der  Inspizierung  ganze
Divisionen  dieser  Corps  nach  Köln  und  Aachen  mußte  abrücken  lassen.
Es  war  vorauszusehen,  daß,  wenn  es  zum  Kampfe  käme,  diese  unter
des  Hrinzen  Oberbefebhle  zuerst  mit  den  Feinden  zusammenstoßen  würden.
Ein  hohes  Dertrauen  zu  der  militärischen  Tüchtigkeit  des  Hrinzen  lag
also  in  diesem  Auftrage  des  Königs:  doch  kam  es  zum  Glücke  nicht  zu
kriegerischen  Aktionen.

Überhaupt  war  während  dieser  ganzen  Jahre  der  Hrinz  durch  militärische
  Obliegenheiten  mannigfacher  Art,  durch  Kommandos,  durch  Kommissionssitzungen,
  durch  Inspizierungen  in  Anspruch  genommen.  Im  Jahre
1851  empfing  er  das  Dienstkreuz  für  25  jährigen  Dienst  in  der  Armee.

Und  Erholung  und  Erquickung  nach  dem  „Dienst“  fand  der  Hrinz
an  der  Seite  seiner  heiteren  und  geistesfrischen  Gemahlin.  Und  dies
Glück  erstieg  seinen  Gipfel,  als  sie  ihm  den  innigst  ersehnten  Erben
schenkte:  am  Jahrestage  der  Ceipziger  Schlacht  —  am  18.  Oktober  1851
—  wurde  ihm  in  dem  Neuen  Halais,  das  er  zum  Sommer  bezogen
hatte,  ein  Sohn  geboren.  Das  war  für  ganz  Hreußen  ein  bedeutungsvolles
  Ereignis;  denn  dieser  kleine  Hrinz  war  bei  der  Kinderlosigkeit
des  Kronprinzen  als  der  Erbe  des  Thrones  anzusehen.  Orinz  Friedrich
—  Friedrich  Wilhelm  wurde  er  erst  auf  den  Wunsch  König  Friedrich
Wilhelms  IV.  seit  1841  genannt  —  war  ein  kräftiger  Knabe  und  gedieh
prächtig.  Der  soldatische  Geist,  der  vom  Hater  ihn  anwehte,  durchdrang
ihn  bald.  Als  er  sechs  Jahre  alt  war,  wurde  er  mit  zwei  gleichaltrigen
Kameraden,  Rudolf  von  Sastrow  und  Graf  Adolf  Königsmark,  regelrecht
  einexerziert.  Und  so  ernst  war  dem  kleinen  Hrinzen  die  Sache,
daß,  als  einst  beim  Exerzieren  ein  plötzlicher  Regenschauer  fiel  und  ein
Diener  mit  aufgespanntem  Regenschirm  den  Kleinen  schützen  wollte,  er
dies  stolz  mit  der  Frage  zurückwies:  „Rast  du  schon  einmal  einen  Soldaten
mit  einem  Regenschirm  gesehen?“

Und  welche  Freude  hatte  der  greise  König  an  dem  frisch  sich  entwickelnden
  Enkel.  Gern,  wenn  er  in  Haretz  weilte,  ließ  er  den  kleinen
Drinzen  Fritz  und  den  etwas  älteren  Hrinzen  Friedrich  Karl  dorthin
kommen.  Dann  hörte  man  in  dem  einsamen  Harke  wie  ein  Menschen-