122  Achtes  Kapitel.

wuchs  und  aufblühte  und  in  innigster  Särtlichkeit  mit  ihm,  gebend  und
empfangend,  bis  an  sein  Lebensende  verbunden.

1829  war  es  der  Gedanke  des  Kaisers  Nikolaus  gewesen,  durch
ein  Bündnis  mit  Preußen  zu  einer  festeren  Machtstellung  der  Türkei
gegenüber  zu  gelangen.  Allein  König  Friedrich  Wilhelm  hatte  damals,
zumeist  aus  Rücksicht  auf  Gsterreich  den  Abschluß  des  ihm  angetragenen
ündnisses  abgelehnt.  Gleichwohl  hielt  der  Kaiser  an  einer  Holitik  der
engsten  Ubereinstimmung  mit  Hreußen  fest:  und  der  Träger  derselben  in
Dreußen  war  der  Drinz  Wilhelm,  oder  vielmehr  er  wurde  es  in  diesen
Jahren  in  einem  noch  höheren  Grade,  als  er  es  schon  bisher  gewesen
war.  Das  zeigte  sich  ebenso  bei  der  Einweihung  der  Alexander-Säule
wie  in  dem  TLager  von  Kalisch.

Die  Alexander-Säule,  das  Staunen  der  Zesucher  St.  Hetersburgs,
25  Meter  hoch  und  5½/  Meter  dick,  aus  einem  riesigen  Granitblocke
gemeißelt,  steht  zwischen  dem  Winterpalaste  und  dem  Generalstabsgebäude.
Auf  ihrem  bronzenen  Kapitäl  trägt  sie  einen  Engel,  der  schwebend  gen
Himmel  zeigt.  Sum  Gedächtnis  seines  verstorbenen  Bruders  Alexander
hatte  Kaiser  Nikolaus  sie  errichtet,  und  lud  nun  den  Hönig  von  Hreußen
ein,  an  der  Feier  der  Einweihung  des  gewaltigen  Monumentes  teilzunehmen.
  Allein  König  Friedrich  Wilhelm,  durch  eine  Badekur  in  Teplitz
in  Anspruch  genommen,  vermochte  der  Einladung  vicht  Folge  zu  leisten.
Er  beauftragte  daher  den  Hrinzen  Wilhelm,  ihn  bei  der  Feier  zu  vertreten
  und  das  Oberkommando  über  die  aus  17  Offizieren  und  38  Soldaten
  bestehende  Deputation  der  Garde  und  des  6.  Kürassierregiments,
dessen  Chef  der  Kaiser  von  Rußland  war,  zu  übernehmen.  Diese  Deputation
  sollte,  einem  Gedanken  des  Kaisers  Nikolaus  zufolge,  als  Dertretung
  der  preußischen  Armee  an  der  Leier  teilnehmen.  Der  Hrinz
hatte  die  Königs-BRevue  des  1.  Armeecorps  mitgemacht  und  befand  sich
in  der  Capornschen  Heide  auf  der  Elenn-Jagd;  denn  von  je  war  er  ein
passionierter  Jäger.  Er  begab  sich  nach  Königsberg  und  fuhr  von  hier
auf  dem  russischen  Dampfer  Ischora  nach  St.  Hetersburg;  am  d.  September
  1854  traf  er  ein.  Die  Deputation,  die  von  Lübeck  aus  in  See
gegangen,  war  schon  vor  ihm  dort  angelangt.  Unvermutet  erschien  er
bei  der  großen  Harade  in  Krassnoje--Selo  in  russischer  Generalsuniform.
Am  11.  September  fand  dann  die  Einweihungs-KFeier  statt,  bei  welcher
dem  Orinzen  Wilhelm  der  St.  Wladimirorden  1.  Klasse  von  dem
Kaiser  verlieben  wurde.

Auf  den  Befehl  des  Kaisers  geschah  alles,  um  der  Deputation  der
preußischen  Armee  die  Hetersburger  Tage  angenehm  zu  machen:  alle