124  Achtes  Kapitel.

sehr  bedenklich;  denn  er  fürchtete,  daß  die  anderen  Mächte,  zumal  das
auf  die  preußisch-russische  Freundschaft  längst  argwöhnisch  blickende  Esterreich,
  dies  gemeinsame  Feldlager  als  eine  Demonstration  auffassen  würden.
Er  verlangte  daher,  daß  auch  Gsterreich  zur  Teilnahme  eingeladen  würde.
Indes  Esterreich  lehnte  die  Entsendung  von  Truppen  ab  und  schickte
nur  den  Erzherzog  Johann  zur  Begrüßung.  Aber  auch  jetzt  begnügte
sich  der  König,  da  er  doch  auch  seinen  für  die  Jdee  der  Waffenbrüderschaft
  schwärmenden  kaiserlichen  Schwiegersohn  nicht  verletzen  wollte,  nicht
mehr  als  6000  Mann  Garde  in  einem  Lager  bei  Boczkow  zu  versammeln.
Und  um  die  Sache  jedes  offiziellen  Scheines  zu  entkleiden  und  sie  lediglich
  als  einen  Akt  persönlichen  Entgegenkommens  zu  kennzeichnen,  übernahm
  er  alle  entstehenden  Kosten  auf  seine  Hrivatkasse.

Mit  ausgesuchten  Ehren  wurden  die  zuerst  in  Kalisch  eintreffenden
preußischen  Drinzen  von  den  Russen  empfangen.  Hrinz  Wilhelm  wurde
durch  eine  Ehrenkompanie  seines  Regiments  Kaluga,  die  mit  wehender
Fahne  vor  seinem  Quartiere  —  Am  Markt  Nr.  11  —  aufgestellt  war,
begrüßt.  Er  erwiderte  die  Begrüßung,  indem  er  in  das  Lager  hinausfuhr
  und  die  Offiziere  des  Regiments  sich  vorstellen  ließ.  Während  der
Dorstellung  strömten  von  allen  Seiten  die  Mannschaften  herbei  und  betrachteten
  sich,  nach  russischer  Art  die  Feldmützen  abnebmend,  neugierigrespektvoll
  ihren  Chef.  Dem  gegen  Abend  eintreffenden  Könige  fuhr  das
russische  Kaiserpaar  eine  Strecke  entgegen.

Am  12.  September  überschritt  das  preußische  Corps  von  Boczkow
her  die  russische  Grenze.  Mit  gezogenem  Degen  zu  Pferde  führte  der
König  es  an.  Die  ganze  russische  Armee  war  zum  Empfange  aufgestellt
und  machte  die  Honneurs,  als  die  Hreußen  vorbeimarschierten.  Neben
den  Russen  schlugen  diese  dann  ihr  Lager  auf,  und  hüben  und  drüben
begann  ein  bewegtes  LCeben.

Die  Ubungen  begannen  am  14.  September  mit  einer  Harade  aller
versammelten  Truppen,  der  auch  die  Kaiserin  zu  Dferde  beiwohnte.  Am
Schlusse  derselben  zeigten  die  kaukasischen  Kosaken  und  das  Regiment
Muselmänner  vor  den  fürstlichen  Suschauern  ihre  Geschicklichkeit  im
Doltigieren  und  ihre  tollkühnen  Reiterkünste  und  trugen  ihre  nationalen
Lieder  vor.  Dann  aber  folgten  mehrere  Tage  bintereinander  weit  ausgedehnte
  Manöver.  Swar  führten  die  Derschiedenheit  der  Sprachen  und
des  Exerzier-Reglements  der  Hreußen  und  Russen  manche  Schwierigkeiten
herbei,  ohne  indes  Stockungen  zu  bewirken.  Aicht  nach  vorher  befohlenen
Dispositionen  wurden  die  Manöver  ausgeführt,  sondern  ganz  feldmäßig
nur  nach  einer  an  Ort  und  Stelle  gegebenen  Generalidee.  Der  OHrinz