Ein  Jahrzehnt  ruhigen  Glückes.  129

Indessen  der  König  ließ  sich  durch  alles  das  in  seiner  Regentenpflicht
  nicht  hindern,  wenn  es  ihm  auch  schwer  wurde,  ihr  recht  zu  genügen.
  An  allem  suchte  er  ganz  wie  bisher  teilzunehmen.  So  sprach:
er  mit  dem  Hrinzen  Wilhelm  wiederholt  über  dessen  Wunsch,  Freimaurer
zu  werden.  Es  ist  wahrscheinlich,  daß  er  selbst  durch  Kaiser  Alexander
in  den  Orden  aufgenommen  war;  doch  bielt  er  sich  später  zurück,  obgleich
  er  von  der  Thätigkeit  des  Ordens  eine  günstige  Meinung  hatte,
der  er  auch  öfter  Ausdruck  gab.  Auch  Friedrich  der  Große  hatte  dem
Orden  angehört.  So  gab  denn  der  König  seinem  Sohne  die  erbetene
Erlaubnis,  in  den  GOrden  einzutreten  und  das  Hrotektorat  über  die  Logen
in  Dreußen  zu  übernehmen,  unter  der  Bedingung,  daß  die  drei  Großmeister
  der  preußischen  Logen  ihn  darum  bäten,  und  daß  der  Hrinz  keiner
einzelnen  Loge  insonderheit  angehöre.  Daraufbin  trat  denn  Hrinz
Wilhelm  am  22.  Mai  1840  in  den  Freimaurerorden  ein.

Bauptsächlich  bewegte  den  König  in  diesen  Tagen  die  Legung  des
Grundsteins  zu  dem  Denkmale  Friedrichs  des  Großen.  Seit  dem  Jahre
1800  trug  er  sich  mit  dem  Gedanken,  seinem  von  ihm  so  hoch  verehrten
Großoheim  ein  würdiges  Denkmal  zu  setzen.  Allein  immer  wieder  war
der  pietätvolle  Gedanke  vertagt  worden.  Zetzt  tauchten  in  dem  königlichen
  Greise  die  Erinnerungen  seiner  Jugend  mit  besonderer  Lebhaftigkeit
  auf,  und  im  Hinblick  auf  die  Nähe  des  hundertjährigen  Gedenktages
der  Thronbesteigung  Friedrichs  des  Großen  ordnete  er  durch  die  Kabinettsordre
  vom  26.  Mai  1840  —  die  letzte,  die  er  unterzeichnet  hat  —  die
Feier  der  Grundsteinlegung  des  Denkmals  auf  den  1.  Juni  an.  Dem
Drinzen  Wilhelm  übertrug  er  persönlich  mit  matter  Stimme  alle  militärischen
  Anordnungen  für  die  Feier.  Während  diese  nun  stattfand,  ließ
sich  der  König  ankleiden  und  in  einem  Tragsessel  in  sein  nach  den  Linden
zu  gelegenes  Arbeitszimmer  tragen,  um  die  Feier  mitanzuseben.  Aber
die  Anstrengung  war  zu  groß;  er  mußte  in  das  Bett  zurückgebracht
werden  und  sank  vor  Schwäche  in  Ohnmacht.  Dem  ODrinzen  aber  bewies
  er  nachher  seine  Sufriedenheit.  „Rabe  die  Aufstellung  zwar
nur  einen  Moment  gesehen“,  sagte  er  leise,  „war  aber  alles  sehr.
ordentlich."

Die  Tachricht  von  der  schweren  Erkrankung  des  HKönigs  versammelte
alle  Kinder  um  ihn.  Von  Schwerin  war  die  Großherzogin  Alexandrine
mit  ihrem  Gemahl  herbeigeeilt;  von  Dresden  kam  der  junge  Erbgroßherzog
  Friedrich  zu  dem  Sterbelager  des  Großvaters.  Der  Kaiserin
Tharlotte  reiste  Hrinz  Wilhelm  bis  Küstrin  entgegen,  um  sie  auf  den

Schmerz,  der  ihnen  allen  bevorstand,  vorzubereiten.  Am  Morgen  des
Kaiser  Wilhelm.  9