Erstes  Kapitel.
Die  Anfänge  König  Friedrich  Wilhelms  IV.

König  von  Preußen  war  jetzt  Friedrich  Wilhelm  IV.,  und  Hrinz
Wilhelm  war,  da  der  König  kinderlos  war,  Thronfolger.  Am  12.  Juni
1840  verlieh  ihm  der  König,  um  ihn  als  solchen  zu  kennzeichnen,  den
Titel  „Drinz  von  Dreußen“,  wie  ihn  einst  sriedrich  der  Große  seinem
Bruder  und  Chronerben,  dem  Hrinzen  August  Wilhelm,  verliehen  Ratte.
Er  übertrug  ihm  auch  die  Statthalterschaft  von  Hommern,  die  er  selbst
bis  zu  seiner.  Thronbesteigung  innegehabt  hatte,  und  ernannte  ihn  am
10.  September  zum  General  der  Infanterie.

Mit  hochgespannten  Erwartungen  begrüßte  man  in  ganz  Deutschland
  die  Thronbesteigung  König  Friedrich  Wilhelms  IV.  Denn  von  ihm
allein  konnte  Deutschland  Rettung  vor  der  Gefahr  erhoffen,  von  der  es,
wie  der  Berbst  kam,  sich  bedroht  sah.  Wüstes  Waffengetöse  schallte  aus
Frankreich  über  den  Rhein  herüber.  Denn  die  jüngere  Generation  dort,
die  das  Elend  der  napoleonischen  Kriege  nicht  mehr  kennen  gelernt  hatte,
berauschte  sich  an  der  napoleonischen  Legende,  der  Erfindung  einer  parteiischen
  und  befangenen  Geschichtschreibung.  In  überreizter  nationaler
Empfindlichkeit  empfand  sie  es  daher  als  einen  Schimpf,  daß  die  Großmächte
  ohne  Suziehung  Frankreichs  sich  1840  daran  machten,  das  Derhältnis
  Agpptens  zur  Türkei  zu  ordnen.  Wie  gewöhnlich  hetzten  die
Seitungen,  und  die  Regierung  des  Bürgerkönigs  Ludwig  Hhilipp  wagtedem
  Andrängen  nicht  zu  widerstehen  und  begann  sich  zum  Kriege  zu
rüsten.  „An  den  Rhein!“  war  die  Cosung.  Die  Eroberung  des  linken
Rheinufers  galt  als  nächstes  Siel;  denn  gegen  Hreußen  und  Deutschland
zuerst  richtete  sich  das  wüste  Geschrei.

Aber  diesseit  des  Rheines  war  man  nicht  des  Willens,  solche  Drohungen
  sich  bieten  zu  lassen.  Eine  schwungvolle  Begeisterung,  die  etwas
von  der  Stimmung  der  Befreiungskriege  an  sich  hatte,  gab  sich  kund.
Max  Schneckenburger  stimmte  damals  sein  kräftiges  Lied  von  der  festen