Die  Anfänge  König  Friedrich  Wilhelms  IV.  135

Trostlosigkeit  der  deutschen  Verhältnisse  schonungslos  aufgedeckt,  daß  er
auch  dem  Blödsichtigen  gezeigt  hatte,  Deutschland  bedürfe  vor  allem  einer
festen  Führung,  um  nicht  vor  der  geringsten  Drohung  von  außen  immer
gleich  ängstlich  zusammenschrecken  zu  müssen.  Und  da  richteten  sich  die
Augen  aller  erwartungsvoll  auf  den  neuen  Hreußenkönig:  würde  er  Wandel
der  deutschen  Dinge
schaffen?

Dazu  aber  kam
die  Lage  in  Hreußen.
  Durch  seine
persönlichen  Eigenschaften,
  durch  seine
Selbstlosigkeit,  durch

seinen  richtigen
Blick,  mit  dem  er
auf  allen  Gebieten
die  rechten  Männer
für  den  rechten  Platz
herausfand,  hatte

König  Friedrich
Wilbelm  III.  alsein
wahrhafter  Bürgerkönig
  den  Ab—

solutismus  in
Dreußen  aufrecht
erhalten.  Und  das

preußische  Dolk  war
damit  zufrieden  ge-  Prinz  Friedrich  Wilhelm  uls  Knabe.
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wesen.  Jetzt  aber  Nach  dem  Gemälde  von  Schoppe,  lithographiert  von  Cange  (Verlag  von

Rud.  Schuster  in  Berlin).
hatte  der  Sohn  den

Thron  inne,  ganz  anders  geartet,  wie  der  knappe,  schlichte,  soldatische
Vater:  würde  der  nun  willens  sein,  die  Regierungsform  in  Hreußen  mit
dem  Seitbewußtsein  in  Einklang  zu  bringend  Das  war  die  Kauptfrage,
  die  auch  in  Hreußen  alle  Blicke  erwartungsvoll  auf  den  neuen
König  richtete.

König  Friedrich  Wilhelm  IV.  war  offenbar  ein  Wann  ganz  ungewöhnlicher
  Art.  Bequem  in  Gang  und  Haltung,  freundlich  blickenden
Auges,  mitteilsam,  von  glücklich  zuströmender  Fülle  des  Worts,  erinnerte
er  durch  die  weichen  Süge  des  Gesichts  lebhaft  an  die  unvergessene