Die  Anfänge  König  Friedrich  Wilhelms  IV.  137

und  staatswirtschaftlichen  Fragen  des  Staates  eine  umfassende  Aufmerksamkeit
  zuzuwenden.  Er  war  ein  viel  zu  selbständiger  Charakter,  als
daß  er  sich  hätte  entschließen  können,  jemand  —  und  wenn  es  selbst  der
König  war  —  ein  Urteil  nachzusprechen;  er  ruhte  vielmehr  nicht  eher,
als  bis  er  den  Gegenstand  ganz  durchdrungen  und  zu  unbeeinflußtem
Urteile  sich  fähig  gemacht  hatte.  Schon  in  den  letzten  Jahren  hatte  er

angefangen  ein  Tagebuch  zu  führen.  Jeden  Morgen  wurde  ihm  ein
Blatt,  an  dessen  Spitze  das  Datum  des  Tages  mit  einem  kräftigen  Bibelworte
  stand,  auf  den  Schreibtisch  gelegt.  Darauf  notierte  er  kurz,  was
er  gestern  erlebt  und  was  ihn  besonders  bewegte.  Wenn  diese  Blätter
einmal  der  Effentlichkeit  werden  übergeben  werden,  so  wird  man  mit
Bewunderung  erkennen,  wie  Drinz  Wilhelm  still  und  entsagungsvoll  für
sich  gearbeitet,  wie  ernst  er  es  mit  seiner  Stellung  als  Thronfolger  genommen
  hat.  Als  ein  ruhiger  Beobachter  mochte  er  äußerlich  erscheinen,
aber  er  war  mehr  als  das:  ein  teilnehmender  Beurteiler  dessen,  was  um